Speaker 1Herzlich willkommen zu New York to Zurich, täglich der Börsen-Podcast von Swissquo. Der Dow Jones hat ordentlich Gegenwind, der Nasdaq auch, obgleich hier ein Teil der Verluste wieder wettgemacht werden. Wir sehen einen leicht steigenden Ölpreis, vor allem aber die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen. Der Spitze heute bei 5,35 Prozent. Das bremst alle Sektoren aus, außerhalb des AI-Sektors. Und hier sehen wir weiterhin Zeichen von sehr starkem Wachstum. Marvell hatte gestern die langfristigen Prognosen deutlich angehoben. SpaceX will wiederum 40 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten aufnehmen, um damit unter anderem Nvidia-Chips zu kaufen. Gut für Nvidia natürlich, aber eben auch ein Zeichen, dass immer mehr AI-Unternehmensanleihen auf den Markt drängen. Wettbewerb für die US-Staatsanleihen. Der Druck, also der Aufwertungsdruck bei den Renditen bleibt. Und das ist für weite Sektoren an der Wall Street immer noch. Ein Dorn im Auge. Diese Sendung wird Ihnen von Swissquote präsentiert. Ja, und damit wie immer der Hinweis, dass das hier keine Anlageberatung ist. Dieses Jahr und insbesondere die letzten Wochen sind an der Wall Street eine echte Herausforderung. Und zwar deshalb, weil der Markt unfassbar schiebt. Schief ist. Selbst innerhalb der AI-Werte steigen längst nicht alle Aktien. Auch hier muss man genau hinschauen. Und wir haben eine Wall Street, die zunehmend nur noch durch extrem wenige Aktien getragen wird. Darüber hatten wir die letzten Tage schon öfter gesprochen. Ja, heute zur Wochenmitte spielen weder der Ölpreis mit, noch die Renditen der langlaufenden Staatsanleihen. Der Ölpreis ist über ein Prozent auf der Gewinnerseite. Wohlgemerkt ist das nicht das Kernproblem für die Wall Street. Problematisch ist vor allen Dingen der Auftrieb bei den Renditen der langlaufenden Staatsanleihen. Wenn man sich die Nachrichtenlage mal anschaut aus dem Nahen Osten, sicherlich weiter Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und der Regierung im Jemen mit den Houthis. Aber es wurden Küstengebiete am Roten Meer wieder zurückerobert. Also sicherlich sehr, sehr viele Meldungen im Minuten. Takt, wie groß die Spannungen in der Region sind. Aber dieser Chart hier macht seit Tagen die Runde an der Wall Street. Wir sehen hier die Ölexporte aus dem Persischen Golf. Und die liegen, zumindest laut dieser Statistik von Goldman Sachs, wieder nahe dem Vorkriegsniveau der Ruhe im Markt. Also bleibt, was diese Daten hier betrifft, erstaunlich entspannt. Es kommt also mehr Öl auf die Märkte, als im Allgemeinen angenommen wird. Darüber. Haben wir jetzt die letzten zwei Wochen oft gesprochen. Daran gemessen müsste der Ölpreis ja eigentlich niedriger sein. Und vor allen Dingen könnte das auch ein Signal sein, dass das Vorgehen der Vereinigten Staaten anfängt zu funktionieren. Es kommt mehr Öl aus dem Nahen Osten, während gleichzeitig der Iran durch die Sanktionen und durch die Seeblockade der Amerikaner wirtschaftlich abgeschnitten ist. Die Lage im Land verschärft sich immer mehr. Und damit steigt der Druck auf. Es ruft die Regierung im Iran mit den Vereinigten Staaten sich zu einigen. Und das wäre natürlich ein schöner Durchbruch, letztendlich gesehen auch für den Auftrieb der Renditen amerikanischer Staatsanleihen. Und da machen wir jetzt mal weiter. Wir hatten ja Europa gestern eine gewisse Entspannung bei den Renditen der Staatsanleihen. Aber das ist jetzt schon wieder vom Tisch. Wir haben bei Staatsanleihen in Frankreich, in Italien, in Spanien, in Großbritannien erneut Aufwärtsdruck. Die Renditen ziehen also an. Und in den USA letztendlich ebenfalls. Obgleich die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinsanhebung durch die US-Notenbank weiter sinkt. Wir haben eine Wahrscheinlichkeit von etwa 20 Prozent, dass am 28. Oktober die Zinsen angehoben werden. Naja, am 3. November sind die Midterms, die Zwischenwahlen, sehr unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank so knapp vor den Wahlen die Zinsen anhebt. Zumal sie damit auch die Trump-Anbindung hat. Das würde die US-Administration deutlich untergraben. Würde die ja ohnehin schon ziemlich ins Hintertreffen geraten, ist in den Wahlumfragen die Wahrscheinlichkeit ist deutlich gestiegen, dass die Demokraten, das Repräsentantenhaus und den Senat dominieren werden nach den Midterms. So, jetzt möchte ich aber ein Thema aufgreifen, dass Kevin Walsh, dem Chef der amerikanischen Notenbank, nicht gerade Freude bereiten wird. Und hier liegt, glaube ich, auch ein Kerndilemma für den amerikanischen Aktienmarkt. Wir sehen also, wenn man sich den GDP-Now-Indikator der Notenbank von Atlanta anschaut, das ist ein Real-Time-Indikator für das Wirtschaftswachstum. Demnach soll das reale Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um etwa 3,6-3,7% wachsen. Wow, that's nice. Aber im September lagen wir noch bei 5%. In anderen Worten, der Indikator signalisiert abkühlende Aktivitäten. Der amerikanische Arbeitsmarkt im September signalisiert auch ein abkühlendes Umfeld. Und hier liegt das Kerndilemma. Die amerikanische Notenbank versucht, Inflation zu bekämpfen, trifft damit aber eher die breite Wirtschaft und eben nicht die Faktoren, die für diese Inflation verantwortlich ist. Denn Kevin Walsh selber hat ja betont, dass der amerikanische Arbeitsmarkt nicht der Grund für Inflation ist. Dass der Arbeitsmarkt jetzt also abkühlt, heißt nicht, dass deshalb die Inflation abkühlt. Und das ist ein Risiko. Auch die Straße von Hormuz wird durch eine weitere Zinsanhebung nicht geöffnet. Der Krieg muss beendet werden. Das ist der entscheidende Punkt. Wir sehen jetzt immer mehr, dass weite Teile der Wirtschaft ausgebremst werden. Diesen Chart hatte ich gestern schon eingeblendet, aber der ist so gut, ich möchte ihn hier nochmal integrieren. Hier sehen wir die. Hier sehen wir die ETFs auf Finanzwerte, Konsumgüterwerte, auf die Stromversorger und den Immobiliensektor zusammengefasst. Und wir sehen, dass seit der Jackson Hole Tagung in Wyoming und seit der letzten Notenbank Tagung mit der Beschleunigung der Renditen der Staatsanleihen diese Sektoren besonders stark abverkaufen. Und jetzt nehmen wir mal einen Wert im Luxusgüterbereich, der ja eigentlich jahrelang als immun gesehen wurde. Kein Amerikaner. Kein Amerikanischer Wert, aber ein Wert, der auch in den USA natürlich viele Umsätze generiert. Die Rede ist von Louis Vuitton. Die Aktie hat mittlerweile über 57% seit dem Hoch verloren. 57% einer der besten Luxus-Konsumgüterkonzerne dieser Welt. Der Drawdown ist damit größer als im Umfeld der Finanzkrise. Ein schönes Beispiel dafür. Also wie die globalen Zinsanhebungen. Die EZB hebt ja nun auch an. Wir haben Indiens Zentralbank letzte Nacht mit einer Zinsanhebung gehabt. Alle versuchen Inflation zu bekämpfen. Aber die Inflation wird eben verursacht durch Energie. Punkt 1. Durch den zweiten Faktor. Es kommen immer mehr Unternehmensanleihen auf den Markt durch den KI-Boom. Der dritte Faktor. Wachsende Defizite. Bestes Beispiel in Europa. Frankreichs Defizite. Außer Kontrolle in den USA. Donald Trump hat neulich wieder angeboten. 5000 Dollar für jeden Amerikaner. Für jeden erwachsenen Wähler. Wenn die Republikaner die Mehrheit in beiden Häusern halten. Natürlich wird dieser Scheck niemals kommen können. Weil das über 1,3 Billionen Dollar Neuverschuldung bedeuten würde. Der großartige Dividenden-Scheck aus den Zolleinnahmen ist ja auch nie gekommen. Aber es erhöht eben den Druck auf die Renten. Und es erhöht die Renditen der Staatsanleihen. Hier muss eine Entspannung stattfinden. Sonst haben wir keine Chance, dass die stark abgestraften Sektoren einen Bounce-Back haben. Und das möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen. Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen. Weil wir haben hier jetzt sehr große Chancen. Aber eben auch ein großes Risiko. Die Chance liegt darin, dass Nummer 1 das Wachstum im AI-Sektor hoch bleibt. Wir sehen keinerlei Zeichen einer Abkühlung. Im Gegenteil. Die Dynamik nimmt sogar noch zu. Der zweite Faktor, auch da liegt natürlich eine Chance. Wenn wir eine Beruhigung sehen bei den Renditen langlaufender Staatsanleihen, dann haben die Sektoren, die sich jetzt schon in einem Bärenmarkt befinden, die also gezielt getroffen werden durch höhere Renditen, die Chance zu steigen. Also eine Gegenbewegung gesehen. Aber das Entscheidende ist natürlich, zunächst einmal müssen sich die Renditen am langen Ende tatsächlich auch stabilisieren. Chance und Risiko liegen also eng beieinander aktuell. Man sieht das übrigens selbst im AI-Sektor. Nicht alle Aktien steigen. Hier eine Grafik von Bespoke Investment. Seit Jahresauftakt AI-Infrastruktur-Aktien 83% im Plus. Die Unternehmen, die AI implementieren, 2,5% im Plus. Der S&P Equal Weight Index 10% im Plus. Der Nasdaq 100%. 100-Equivalent-Index, fast 20 Prozent im Plus. Also die Qual der Wahl ist wirklich entscheidend, wenn man sich breit diversifiziert. Wo ist denn jetzt der Hafen der Sicherheit? Anleihen fliegen einem um die Ohren, der Goldpreis sinkt, über 54% der Aktien im Russell 3000 sind bereits in einem Bärenmarkt, während der S&P und Nasdaq Rekorde feiert. Boy, das Umfeld ist screwed up, muss ich sagen. Der Markt ist wirklich schief. Das sehen wir übrigens auch hier. Hier sehen wir mal die letzten 15 Handelstage per Closing vom Montag. Gleichgewichtete Sektoren im S&P. Tech 7% im Plus, Energie 1% so und im Minus. Aktien aus dem Gesundheitswesen, der Industrie, Basiskonsumgüter, Rohstoffe. Versorger, Nicht-Basiskonsumgüter, Finanzwerte und Immobilien. So viele Sektoren im Minus, während der Gesamtmarkt vor allem durch Tech und durch den Energiesektor getragen wird. So und damit komme ich noch mal zum Tech-Sektor. Wir haben hier weitere Zeichen, dass das Wachstum sehr hoch bleiben wird. SpaceX soll 40 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten ausgeben, 10 Milliarden Dollar als Bankkredit. 30 Milliarden Dollar als Unternehmensanleihen. Diese Deals sollen platziert werden durch Apollo Global. Also die werden dafür verantwortlich sein, die Anleihen dann quasi an Investoren weiter zu verkaufen. Ja, wie groß wird da die Nachfrage sein? Denn wenn man sich mal anschaut, wie die Oracle-Unternehmensanleihen oder auch die SpaceX-Unternehmensanleihen im Zweitmarkt performen, haben Investoren damit bei der Initialzeichnung, bislang wenig Freude gehabt. Da wird man also sehr stark darauf achten, wie sehr die Anleihen vom Markt aufgesogen werden. Marvell hatte gestern wiederum betont, man rechnet im Jahr 2031, Fiskaljahr 2031, mit etwa 80 Milliarden Umsatz. Die CapEx-Investitionen branchenweit im letzten Jahr bei über 700 Milliarden lagen, in diesem Jahr bei über eine Billionen und bis zum Jahr 2030 seien etwa drei Billionen Dollar zu erwarten. Wir haben gleichzeitig im kurzlaufenden Bereich bei den sogenannten T-Bills mittlerweile die Problematik, dass die Nachfrage in dem Sektor eher abkühlt. Das drückt die Renditen im kurzen Ende mit nach oben. Ganz interessant, wir haben heute einen negativen, skeptischen Bericht im Wall Street Journal zu US-Finanzminister Scott Besant. Scott Besant wird als jemand beschrieben, dessen Wirtschaftsziele bisher überwiegend nicht eingehalten wurden. Das Vertrauen des Kapitalmarktes in den Finanzminister habe dementsprechend nachgelassen. Tja, kein besonders gutes Zeichen für die US-Administration. Abkühlung. LG Electronics hat gestern Abend vorläufige Zahlen für das dritte Quartal gemeldet, die waren ein bisschen enttäuschend. Aber viel wichtiger heute Abend sind die Wachstumszahlen von Samsung Electronics. Hier erwartet die Wall Street 133% Umsatzwachstum. Die operativen Gewinne sollen um über 800% gestiegen sein, die werden heute Abend wichtig sein. Abkühlung. Hier erwartet die Wachstumszahlen von Samsung Electronics. Abkühlung. Abkühlung. Aber viel wichtiger heute Abend sind die Wachstumszahlen für das dritte Quartal gemeldet, die waren ein bisschen enttäuschend. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!