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Wie gute Trainer den Unterschied machen | Gespräch mit Hannes Ehrhard

59m 39s

Wie gute Trainer den Unterschied machen | Gespräch mit Hannes Ehrhard

Transcription

9667 Words, 59372 Characters

Speaker 1Spieltrieb, der Kinder- und Jugendfußball-Podcast von Advance Football.
Speaker 2Haben wir einen 3er-Podcast, den 3er-Gespann. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir das schon mal hatten. Mir gegenüber sitzt auch noch der Hannes. Hannes Erhard, hallo, schön, dass du da bist. Servus zusammen. Haben wir das nicht ganz am Anfang gemacht? Die allerersten drei, vier Podcasts, die haben wir doch zusammen. Das kann gut sein. Wer die mal nachhören möchte und uns da korrigieren möchte, kann das gerne tun. Darum soll es aber nicht gehen heute. Wir sprechen mit Hannes über Themen rund um den Kinder- und Jugendfußball. Warum? Weil Hannes ein weitgereister Mann ist und sehr viel schon gesehen hat. Und wir natürlich sein Wissen für euch extrahieren möchten. Lasst uns mal direkt inhaltlich rein starten, beziehungsweise Hannes so ein bisschen vorstellen. Sacco, du hast da was vorbereitet. Schieß doch mal direkt los.
Speaker 1Ja, ich habe mir was abgeschaut beim schon gehört, heißt das so? Zeit Online Podcast, weil die... Ist alles gesagt. Ist gesagt, so, nicht schon gehört. Alles gesagt. Wo du mir ja noch nicht eine Folge empfohlen hast. Ich habe mir fünfeinhalb Stunden gegeben und die hatten dann zwischendurch als Element so, da waren es über 100, so entweder-oder-Fragen. Ich habe jetzt vorbereitet, Hannes, für dich 23 Stück als entweder-oder-Fragen. Aufgabe für dich ist gleich, intuitiv zu beantworten, was du eher bist, was nicht geht, ist zu sagen, beides oder weiß ich nicht, du musst dich bei jeder Frage für eins von beiden entscheiden.
Speaker 3Das stört mich direkt null auf hundert, ne?
Speaker 1Ne, ich würde noch einen Satz oder zwei Sätze zu dir sagen, und zwar, dass ich mich freue, dass du da bist. Wir kennen uns ja tatsächlich schon. Zeige ich mir da irgendeine Jahreszeit, wo Josch mich korrigiert, dass das so lange noch nicht her sein kann. Ich weiß, das bin mir sicher. Ja? 2015 müsste es gewesen sein. Ich gehe auf eine Fußballschule, ne? Genau, richtig. Ja, krass. Da warst du sieben Jahre alt, ungefähr.
Speaker 4Korrekt.
Speaker 1Ich muss dazu sagen, du bist 2000er-Jahrgeil. Du warst ganz schön alt. Ja. Ja, genau. Ja, genau. Und hast als Trainer, da haben wir uns kennengelernt, in der Fußballschule in Hoffenheim. Und seitdem sind wir eigentlich sehr regelmäßig in Kontakt, in dieser Konstellation, auch in der wir hier sitzen. Ich freue mich deswegen so, weil jedes Gespräch mit dir einen auf neue Ideen und Gedanken bringt. Ich glaube, das sagt dir mit Sicherheit jeder, mit dem du häufiger in Kontakt bist. Du hast manche der geilsten Ideen eigentlich mitgebracht, die ich in den letzten Monaten und Jahren, so gehört habe. Und du hast einfach schon, so ihr Schatz gesagt, ein paar sehr interessante Stationen hinter dir. Und bist, glaube ich, mittlerweile kein Unbekannter mehr im deutschen Fußball, wenn man auch so hört, dass ja die Anfragen mittlerweile aktiv bei dir eintrudeln, was ja für einen Trainer, der ursprünglich aus dem Nachwuchsbereich kommt und vielleicht keinen großen Namen hat, gar nicht so üblich ist. So, genug des Globes. Wir kommen zu den Fragen. Ich habe 23 Entweder-oder-Fragen für dich vorbereitet. Die deinen Charakter im Detail sezieren werden. Und Joshua, für mich die Aufgabe, weil du kennst es gar nicht, wäre, dass wir sagen, bei Punkten, wo wir die Welt versammeln könnten, könnten wir danach vielleicht noch kurz einhaken, warum er denn so geantwortet hat, wie er geantwortet hat. Also, Frage Nummer 1. Frage Nummer 1 ist Hannes. Jugendtrainer oder Proficoach? Ui. Aus dem Bauch auf.
Speaker 2Hannes, du musst innerhalb von zwei Sekunden antworten. Jetzt kommen wir zu den Vorbereitungen.
Speaker 3In meinem Herz schlägt beides, aber mittlerweile ist es der Proficoach.
Speaker 1Alles klar. Intensive Videoanalyse oder instinktives Coaching? Instinktives Coaching. Deutschland oder Ausland?
Speaker 3Deutschland.
Speaker 1Türkei oder Österreich? Österreich. Österreich oder Deutschland?
Speaker 3Deutschland.
Speaker 1Deutschland oder Holland? Holland. Holland oder Österreich? Holland. Okay. Defensivfokus oder Offensivdrang? Offensivdrang. Strikte Trainingspläne oder flexible Sessions? Flexibel. Einzel- oder Gruppencoaching? Einzel. Kurze Ansagen oder lange Reden? Kurze Ansagen. Fehler sofort benennen oder in Ruhe analysieren?
Speaker 3Fehler sofort benennen. Fehler sofort benennen. Fehler sofort benennen.
Speaker 1Fehler sofort benennen. Fehler sofort benennen. DFB-Lizenzweg oder gelebte Praxis? Gelebte Praxis. Junges Team oder erfahrene Spieler? Junges Team. Defensive Stabilität oder offensives Risiko? Offensives Risiko. Aggressives Pressing oder kompakte Ordnung? Aggressives Pressing. Fußballtheorie oder Fußballgefühl? Fußballgefühl. Trainer-Duo oder Einzelverantwortung? Trainer-Duo. Zauberer oder Koch? Zauberer. Heimspiel oder Auswärtsspiel? Heimspiel. Sofortiger Erfolg oder Entwicklung über Jahre? Entwicklung über Jahre. Eigene Ideen oder visierende Chefcoach?
Speaker 3Vision des Chefcoachs mit einigen Ideen kombiniert.
Speaker 1Langfristige Strategie oder kurzfristige Anpassungen?
Speaker 3Langfristige Strategie, ganz klar.
Speaker 1Sehr cool. Das waren drei Fragen. 23 kurze Entweder-Oder-Fragen. Jörg, vielleicht an dich auch die nächste Frage.
Speaker 2Wie fandest du es? Maximal überraschend. Nein, tatsächlich. Viele Sachen habe ich mir schon denken können. Vielleicht kommen wir jetzt bei der einen oder anderen Frage, kommen wir ja vielleicht dazu nochmal, kannst du ja vielleicht erklären, Hannes. Lass uns doch mal aber gerne innerlich rein starten, hätte ich gesagt. Und zwar, wir waren vorher schon beim Mittagessen und da ging es wieder um ein Thema, das uns oft verfolgt, das ja auch uns hier im Podcast verfolgt, und zwar ist es das Thema Talentförderung, beziehungsweise wie schaffen wir es in Deutschland, Talente beziehungsweise Spieler fit für den Profibereich zu machen. Und eine These, die wir auch immer wieder in den Raum werfen, ist ja dieses, dass wir kein Talentfördersystem haben in Deutschland oftmals, sondern ein Talentselektionssystem. Also es wird quasi so lange ausgesiebt, bis irgendjemand übrig bleibt und der wird dann Profi. Das ist aber nicht eigentlich, Nein, wir fördern die Spieler und wir wollen denen helfen, sich quasi besser zu machen, sondern es wird so lange ausgesiebt und selektiert, bis oben was noch übrig bleibt. Jetzt hast du gesagt, Hannes, das deckt sich so ein bisschen mit deiner Wahrnehmung, dass wir in Deutschland, wenn es hart auf hart kommt, eher auf den Scoutingweg in Anführungszeichen hoffen und nicht auf den Ausbildungsweg. Magst du zu der Aussage mal was sagen und uns da ein bisschen Kontext geben?
Speaker 3Ja, sehr gerne. Ich glaube grundsätzlich, gibt es mehrere Bereiche, wie man als Verein bzw. als Mannschaft erfolgreich sein kann. Der erste Weg ist, ich scoute einfach die besten Spieler, hole die aus ganz Deutschland oder aus der ganzen Welt und bin dann mit der Mannschaft erfolgreich. Oder der zweite Weg ist, ich mache das allerbeste Training auf dieser Welt, im Mannschaftskontext, aber auch individuell und wickele die Spieler. Und ich habe das Gefühl, dass wir in Deutschland uns eben lieber auf Scouting fokussieren, statt wirklich langfristig mit unseren Spielern zu trainieren. Mit unseren Spielern, mit unseren Talenten zu arbeiten, um die langfristig gesund zu entwickeln. Und was ich einfach glaube, wenn wir beide Poole nehmen, sowohl den Scouting-Pool als auch die Talententwicklung, das Perspektive aufsetzen mit dem Training, werden wir am erfolgreichsten sein. Weil am Ende des Tages geht beides Hand in Hand. Und ich habe aber leider auch schon erfahren, beziehungsweise in Kontexten gearbeitet, wo es dann wirklich darum geht, einfach recht schnell immer wieder erfolgreich zu sein, auch aufgrund einer höheren Konkurrenzdichte, und da ist es dann leider üblich in Deutschland, dass wir eben mehr auf den Scouting-Weg, statt auf den Trainingsweg setzen.
Speaker 1Wie würdest du das bewerten, wenn du jetzt, also du hast ja in Deutschland gearbeitet, du hast ja in Türkei gearbeitet, du arbeitest aktuell in Österreich als Co-Trainer bei der zweiten Mannschaft von Sturm Graz. Und jetzt, wenn wir über die zweite Mannschaft sprechen, was ja irgendwie so die letzte Entwicklungsstufe eigentlich ist, in dem Profibereich, wie kannst du denn anders laufen? Also, oder gibt es überhaupt realistisch gesehen die Möglichkeit, dass es anders läuft? Hast du jetzt die Erfahrung bei einer der Stationen oder bei einer Hospitation gemacht, wo du sagst, da habe ich gesehen, dass es einen anderen Weg gibt, eine Alternative zu diesem Scouting und Selektieren, und der funktioniert sogar?
Speaker 3Ich bin tief in mir fest davon überzeugt, dass wir alles trainieren und alles ausbilden können. Also alles, was für das Spiel oben im 11 gegen 11, auf maximalem Level relevant ist, können wir im Training ausbilden. Das ist zu 100 Prozent der Fall. Da bin ich fest von überzeugt. Und andere Länder, wie zum Beispiel Österreich, die Schweiz oder wie Norwegen, die einfach kleiner sind, Belgien als bestes Beispiel, die können es sich einfach nicht erlauben, Jahr für Jahr zehn Spieler aus einer Mannschaft auszutreten. Und da ist es ganz wichtig, dass wir mit den Spielern, die da sind, langfristige Pläne entwickeln. Und dann alle Leute, die in der Entwicklung oder am Entwicklungsprozess des Spielers beteiligt sind im selben Boot sitzen. Ja, und es ist ganz, ganz wichtig, dass wir alle in dieselbe Richtung fahren und nicht der eine nach rechts will, der andere nach links will, sondern dass alle im Kontext des Spielers, weil der Spieler steht am Ende immer im Mittelpunkt, egal wo, das muss unsere Ausgangsdenke sein, der Spieler steht im Mittelpunkt und da müssen wir alle denselben Weg verfolgen, alle im selben Boot sitzen, damit ich fest davon überzeugt, dass wir auch die Talente nachhaltig entwickeln können.
Speaker 1Wie kenne ich mich aber dann wären, auch im Trainerteam, gegen die, also gegen den Erfolgsdrang oder Ergebnisdrang, der dann trotzdem irgendwie auf mich einprasselt. Also, ihr spielt ja jetzt auch in einer Liga, wo Abstieg jetzt nicht so geil wäre und Abstieg durchaus möglich ist. Es ist ja keine isolierte Liga, sondern es könnte sein, dass ihr als zweite Mannschaft dann auf einem Niveau spielen müsst, das die Lücke zu der ersten Mannschaft vergrößert. Wie könnt ihr jetzt als Trainerteam euch hinstellen und sagen, schaut mal, wir entwickeln unsere Spiele, auch wenn das die Ergebnisse nicht zeigen?
Speaker 3Das ist eine sehr gute Frage, sehr schöne Frage. Ich glaube, dass sich Entwicklung und Erfolg nicht beißt. Ich glaube, wenn wir Woche für Woche gut arbeiten, wenn wir Woche für Woche, Tag für Tag auch im Training gut arbeiten, die Jungs entwickeln, dass auch in den Ergebnissen wieder eine Rolle spielt. Und trotzdem versuchen wir natürlich KPIs, Key Events zu nutzen, um Entwicklung einzelner Spieler im Rahmen unserer Spielidee messbar zu machen. Und wenn wir das schaffen, die Jungs dahin zu entwickeln, wo wir sie haben wollen, in dem Fall Österreich Erste Liga, und wenn wir dann natürlich noch weiter denken, vielleicht Top 5-Verein in der Welt oder in die Champions League rein, dann ist es ganz wichtig, dass wir das eben systematisch aufbauen und Schritt für Schritt auch datenbasiert aufbauen. Und am Ende ist es, glaube ich, dann nichts, was sich einmal rechts und einmal links dagegen stellt, sondern am Ende geht es Hand in Hand. Kannst du dafür mal
Speaker 1ein Beispiel machen? Also ich bin jetzt Spieler bei euch im Kader. Wie sieht deine Vision für mich aus?
Speaker 3Ich würde es mal an einem Beispiel eines Stürmers erklären oder versuchen, so greifbar wie möglich zu machen. Ein ganz wichtiger Aspekt unseres Spiels ist ein hohes Presse. Dass wir viele Sprints machen als Stürmer, dass wir hohe Balleroberungen quasi direkt von Beginn bekommen und einfach versuchen, so früh wie möglich den Ball zu erobern. Das ist ganz wichtig, dass ich ganz, ganz viel ansprinten kann. Und dann während KPI für mich als Spieler oder für mich als Trainer, so oft es geht, aktiv in einer Balleroberung mitbeteiligt zu sein. Sei es durch einen direkten Zweikampf, den ich dann gewinne, oder sei es durch einen Druck, den ich auslöse, um dann, dass die zweite Ebene den Ball eben gewinnen kann. Wenn ich das schaffe, war das schon mal ein riesen Vorteil, um einfach einen Fit für die Spielidee gewährleisten zu können. Auf der anderen Seite, was ich mir dann auch immer angucke, ist, wie fallen Tore im Weltfußball auf höchstem Niveau? Also, wie schießt Haaland seine Tore? Wie schießt Harry Kane seine Tore? Und das ist dann wiederum auch eine Ableitung, die wir für uns ins Training mit übertragen. Zum Beispiel jetzt aktuell bei Erling Haaland, da schießt Cezar viele Tore mit seinem ersten Ballkontakt. Aber wie viele Torschussformen machen wir im Training eigentlich, wo der Spieler mit einem Kontakt abschießt? Ich habe da immer ganz noch diesen Klassiker im Kopf. Wir stehen alle in der Linie, der Ball wird abgelegt, zwei Kontakte und ich schieße. Dann gibt es ja die Haaren-Studien dazu, zur goldenen Zone. Wo fallen die Tore? Okay, hier. Aber wie viel schießen wir wirklich aus der goldenen Zone? Und das sind dann Ableitungen, die wir versuchen, als Trainer zu treffen, um so nah wie möglich an diesen Wellstandard zu kommen, um dann auch die Jungs einfach langfristig dahin zu entwickeln.
Speaker 2Da haben wir ja vor einem halben Jahr, dreiviertel Jahr, auch eine Fortbildung gemacht zum Thema Tore schießen. Also für alle, für die das relevant ist, gibt es bei uns auch noch im Shop zu sehen. Deine habe ich rausgenommen aus dem Webinar damals. Auch deine Aussage, oder deine Technik, die du analysiert hattest. Ich glaube, Mbappé macht das viel. Dieses Schutzschild schießen, also Sichtschutz schießen. Du musst gar nicht den Ball zwangsläufig am Gegner vorbeilegen. Es reicht, wenn du ihn um den Gegner rumschießt, als Stürmer. Dann wird es nämlich für den Torwart auch schwer, weil er den Ball später sieht. Du musst am Gegner vorbeikommen, dann erst schießen. Das trifft eigentlich gar nicht in jeder Situation zu, sondern es macht manchmal auch Sinn, um den Spieler, den Gegenspieler rum, den Ball anzudrehen, irgendwie ins Eck zu schießen. Dann hat der Torwart quasi gar keine Chance. Aber wie läuft es denn jetzt bei mir?
Speaker 1Ich bin jetzt dieser Stürmer, über den wir sprechen. Ich bin bei euch in der zweiten Mannschaft. Bringst du mir jetzt quasi im Training, oder in welchem Format, ist das Einzeltraining, ist das im Teamtraining, wie bringst du mir jetzt diese Goldstandard-Technik quasi bei? Also an dem Beispiel jetzt von Josch zu bleiben, Schutzschild, Schuss... Wie funktioniert das? Also setzt du mich hin, lässt mich tausendmal jetzt da irgendwie schießen, oder was ist da der...
Speaker 3Ich würde ganz kurz noch einen Bezug nehmen zu dem Punkt von Josch. Ich glaube, dass zum Beispiel eben dieses MRP-Schild, vielleicht kriegen wir ein Video angehängt in die Shownotes. Ist das möglich? Man setzt so einen Josch natürlich massiv unter Druck. Wenn ich dran denke. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass Spieler besondere Fähigkeiten entwickeln, wenn sie in eine erste Mannschaft kommen. Ich glaube, wenn ein Spieler in allen Fähigkeiten einfach nur okay ist oder gut ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich langfristig auf dem Level hält, nicht so hoch, wie wenn er ein oder zwei herausragende Fähigkeiten hat. Und da gibt es dann ganz unterschiedliche Sachen. Das kann MRP sein, das kann ein erster Kontakt von Toni Kroos sein, den wir immer wieder sehen. Das kann ein Thiago-Turn sein. Also ganz unterschiedliche Dinge, die aber dann die Kinder, Jugendlichen eben bei den Profis sehen und wir dann auch Schritt an Schritt mit den Jungs trainieren können. Und jetzt wieder auf dich, Sakko, Bezug zu nehmen, ist es am Ende nicht so schwarz und weiß. Es ist eine Mischung aus allem. Also es beginnt individuell, mit einer individuellen Arbeit mit dem Spieler. Dann beginnt es aber natürlich auch im Team-Kontext. Genauso aber auch über Videoanalysen. Wenn wir wissen, okay, diesen Move hat der Spieler jetzt erlernt, den kann er umsetzen. Guck mal, das wären Optionen, wo es für dich geht im Spiel. Und am Ende ist es eigentlich die komplette Palette, die komplette Bandbreite, die wir ihm geben. Und der Spieler muss es dann einfach lernen, quasi umzusetzen in dem Spiel-Kontext. Aber es ist alles. Also es ist vom individuellen Abschlusstraining bis zur kleinen Spielform, bis zur großen Spielform, wo es immer wieder vorkommt mit dabei, bis hin zur Videoanalyse.
Speaker 1Was ist in deinen Augen wichtiger? Stärken, stärken oder schwächen, schwächen?
Speaker 3Stärken, stärken, schwächen, managen. Was heißt das? Du brauchst Waffen. Also darauf will ich nochmal hinauf zurückkommen. Du brauchst Waffen, um oben anzukommen und du musst alles andere auch auf einem ordentlichen Level können. Also wenn ich jetzt eine Schwäche habe, zum Beispiel mein Passspiel mit dem linken Fuß ist nicht gut genug, damit ich den nächsten Schritt gehe, dann muss ich trotzdem so sehr daran arbeiten, dass es kein No-Go ist. Dass es keine Entscheidung irgendwann gegen mich ist, weil ich abfalle oder weil ich deswegen runterfalle, sondern dass es okay ist und ich es halt managen kann, kaschieren kann. Aber grundsätzlich bin ich ein Fan davon, Stärken zu stärken.
Speaker 1Es bringt mich zu einer kleinen Geschichte, die ich mitgebracht habe für euch beide. Allerdings Josch, auch für dich und Josch, aber dir würde ich gerne die Aufgabe mitgeben, dass du das so ein bisschen aus Organisationsentwicklungsperspektive sehen sollst, die Story. Und Hannes für dich aus Mannschafts- und Spieleentwicklungsperspektive. Und zwar folgendes. Will Gadara hat ein Buch geschrieben, das nennt sich Unreasonable Hospitality. Es geht darum, wie er in die Restaurantbranche reinwächst. Ewig lang erklärt. Also wenn man sich die ersten Seiten mühlt, dann fängt es an Spaß zu machen und irgendwie Kontext auch zu anderen Themen herstellbar zu machen. Und bei ihm ist die Geschichte so, dass er noch das Räubern hat in New York. Und das war auf Weltranglisten Platz 50. Und er hat auf Weltranglisten Platz 1 gebracht. Und damals, als sie auf Platz 50 waren, da gibt es immer einmal im Jahr die Show, wo dann die Restaurants eben bewertet werden und die Sieger gekühlt und so weiter, hat er sich dazu entschlossen zu sagen, hey, wir nehmen unser Team mit, damit wir in den weltbesten Restaurants essen gehen und uns anschauen, was die denn da so machen. Und hat danach sein Team gefragt und so. Was habt ihr herausgefunden? Was findet ihr irgendwie, was da irgendwie besonders war? Unser Team hat halt angefangen, die Sachen zu benennen, die extrem gut waren. Hat gesagt, hey, die halten ihre Servietten zu schwänen oder was auch immer. Das sieht so richtig cool aus. Und das sollten wir auch machen. Und die Teller sehen so und so aus. Das sollten wir auch machen. Und das ganze Team hat sich quasi auf diese extrem positiven Sachen konzentriert. Und die Idee war, wir kopieren das und sind damit dann genauso gut. Und er hat gesagt, wisst ihr was? Wir achten nicht auf die Sachen, die sie hervorragend machen, sondern wir fangen an, auf die Sachen zu achten, die so lala sind für Restaurants auf diesem Niveau. Also wir sprechen ja von Fine Dining. Und dann kam raus, es sind zwei Sachen. Bei ihm war es einmal die Kaffee-Experience war okay für ein Restaurant auf dem Niveau und die Bier-Experience war okay für ein Restaurant auf diesem Niveau. Sie haben sich darum bemüht, Personen anzupassen, anzustellen, die sich hauptsächlich nur um den Kaffee kümmern, sehr guten Kaffee zu bekommen, den perfekt zu servieren, dass der wirklich gut schmeckt und dann ein Bierangebot herzustellen und auch so eine Art Biersommelier zu haben, der empfiehlt, was für ein Bier jetzt zu deinem Essen passt, weil Biertrinker sonst eine Feindeinigung immer wie Mitschen und so in der Klasse eigentlich behandelt werden, neben den Weintrinkern. Und der Gedanke war, wenn wir das machen, also was alle anderen gut machen und auch versuchen auf das gleiche Niveau zu kommen, die Dinge kopieren und dann werden wir nie die anderen überholen. Und der Ansatz, der dort beschrieben wurde, war so eine Art Reverse Benchmarking. Wir gucken, was die Solala machen. Wir gucken, was alle anderen nicht im Fokus haben und wir konzentrieren uns zu 100% darauf, darüber stark zu werden. Dass wenn die Leute bei uns essen, unser Essen ist hervorragend. Das ist die Voraussetzung. Also die Art, wie das Restaurant funktioniert, ist herausragend. Der Service ist herausragend. Aber da fehlen vielleicht noch 1-2% Punkte zu allen anderen. Aber wenn die Leute bei uns essen, dann werden sie sehen, es war der beste Kaffee und die beste Kaffee-Experience, die sie jemals hatten. Weil das können wir gewährleisten, weil alle anderen tun das nicht. Und zwar für den Biertrinker war das die beste Bier-Experience, die sie je hatten im Feindeinigungsbereich, weil alle anderen es nicht machen. Und da kam für mich so ein bisschen die Frage auf, könnten wir Reverse-Benchmarking auch im Fußball benutzen? Einmal quasi auf Organisationsebene, weil alle NLZs stellen ja die Top-Trainer an. Die mit viel Erfahrung, die mit einer hohen Trainerlizenz und jeder hat der super Training und die haben alle auch super Plätze und die haben alle eine Top-Infrastruktur und das alles haben ja alle. Und Hannes, auch bei dir quasi genau das Gleiche zu sagen, ja und wir konzentrieren uns auf das Thema Pressing, weil alle machen Pressing und das versuchen wir jetzt 2% besser zu machen, als die anderen um Spiele zu gewinnen. Seht ihr da Möglichkeiten, dieses Reverse-Benchmarking zu benutzen, zu sagen, unser Pressing ist natürlich sehr gut, aber wir machen diese eine Sache, taktisch beispielsweise, auf die alle anderen nichts zu Wert legen. Die machen wir so krank gut, dass wir damit und dadurch erfolgreich werden und einen extrem eigenen Stil entwickeln und auf Vereins- und Organisationsseite Josh auch zu sagen, ja klar, das haben wir alles, weil alle anderen es auch haben, aber bei uns gibt es auch noch das, was so komplett losgelöst davon ist. Ein Beispiel, das mir eingefallen ist, auf jetzt Niveau NLZ, wir werden transparent, wir werden kommunikativ, weil alle anderen machen das so lala. Entscheidungen für Spieler, für Startformationen, für Übernahmen, für Berater, für wie viel Geld bekommen Spieler, das weiß keine Sau, die Eltern werden also Fischen im Trüben und fühlen sich dadurch ja immer so ein bisschen unbewusst, obwohl, das ist ja auch das, was wir häufig im Gespräch mit der Spiegel bekommen und dazu sagen, weißt du was, wir machen trotzdem geiles Training, wir haben trotzdem geile Tränen, haben geile Plätze, aber diese eine Sache, die alle anderen so lala machen, da werden wir uns so massiv darauf konzentrieren, das herausragend gut zu machen, dass das unser Erfolgsgeheimnis wird. So, jetzt frage ich mich ein wenig, wer möchte vielleicht zuerst?
Speaker 2Vielleicht ich mal, mir fallen zwei Sachen ein, so auf Organisationsebene oder zwei Beispiele. Das eine ist vielleicht so in St. Pauli, als sie jetzt die Rebellion gemacht haben, ich nenne es jetzt, glaube ich, wo es darum ging, Trainerteams nur noch einzuführen oder, ich weiß nicht, ob es immer noch gemacht wird, aber Spielerberater eben im Jugendbereich nicht mehr zuzulassen, bei den Feedbackgesprächen auch. Das wäre ja was, das komplett unterschiedlich ist zu dem, wie es alle anderen machen. Das zweite, ich weiß nicht, ob das Organisationsebene ist, aber SC Freiburg zum Beispiel, da war es auch im Profibereich, gehen lassen halt den Trainer nicht. Bei FC Heidenheim, also das wäre so das, was mir als erstes in den Sinn käme, in Frank Schmidt bei Heidenheim, der wird halt auch, wenn sie absteigen, trotzdem gehener bleiben, weil alle anderen machen es auch schon gut. Sie merken, andere entlassen ihren Trainer und werden dadurch trotzdem nicht besser. Das wäre auch so ein Benchmarking vielleicht.
Speaker 1Heidenheim ist ein cooles Beispiel, finde ich, weil sie ja nicht mal die Möglichkeiten hätten, die anderen mit ihren gleichen Mitteln zu schlagen. Also, die werden ja die, den Topspieler bekommen, der besser ist als der Spieler von Borussia Dortmund. So wird er nicht funktionieren, heißt, sie brauchen etwas anderes, um bestehen zu können. SC Freiburg ja genauso, die irgendwie auch dadurch auf Nachwuchsarbeit setzen, weil wir sagen, wir können nicht das gleiche Spiel spielen, wie es die anderen spielen. Wir müssen unser eigenes Spiel spielen. Und es ist, und beide Beispiele übrigens, sind ja auch sehr, sehr erfolgreich. Das muss man auch dazu sagen.
Speaker 3Hannes, hast du... Ich habe mir vielleicht etwas verrückten Gedanken aus Trainer- Perspektive. Wenn wir alles gleich machen, müssen wir irgendwo was Spezielles rauskitzeln, wo wir vielleicht noch nicht so gut sind. Da könnte es was sein, zum Beispiel Spezialisten auszubilden, zum Beispiel für Freistöße oder Eckbälle. Also, welches NLZ bildet wirklich noch richtig, richtig geile Freistöße aus? Oder richtig, richtig geile einfach mit einer hohen Schützenqualität bei Standards? Und wenn ich darauf meinen Fokus lege in der Ausbildung als Beispiel und der schießt mir aber jedes Jahr 10 Standard-Tore oder bereitet 10 Standard-Tore vor, dann wird der im Profibereich mit Sicherheit 5 Millionen Euro Mehrwert sein. Also nicht was aus der Perspektive gedacht.
Speaker 1Wie so eine Schmiede oder eine Fabrik für eine bestimmte Art von Spiel. Das erinnert mich an meine Erfahrung aus Indien, da ging es um Torhüter und für die alle war klar, auch die Scouts, wenn wir Torhüter wollen, dann müssen wir in diesen Bundesstaat gehen, weil die dort groß gewachsen sind. Weil alle Torhüter, die bisher irgendwie halbwegs gut performt haben auf Profi-Niveau, kommen von dort. Also so eine selbst erfüllende Prophezeiung auch. Und da war es aber auch so, und die Vereine dort haben sich halt darauf konzentriert, besonders gute Torhüter auszubilden, weil schon das Label drauf war, wir bilden gute Torhüter aus. Und haben sich da auch auf konzentriert und jeder hat sich dort bedient. Jetzt stelle ich mir gerade vor, wenn du wirklich so eine Art Nachwuchsschmiede für Standardspezialisten bist. Die können alles andere auch, also die Schwächen sind gemanagt, die können schon alle kicken, aber die machen die halt alle zwei Spiele irgendeine Form von Assist oder direktes Tor durch Standards. Das ist ein interessanter Gedanke.
Speaker 2Oder man macht es nicht nur mit Standards, sondern man sagt halt, wir sind Stürmer. Schmiede, Akademie, also bei uns ist halt, Spielaufbau ist schon auch gar irgendwie, aber bei uns ist ganz klar, jeder dieser Spieler, wenn es der IV ist, der hat 40% mehr, als alle anderen in seiner Altersklasse, auch so geschossen in seinem Training. Oder sie ist zu Torabschlüssen gekommen.
Speaker 1Das ist ein bisschen, Hannes, aus unserem Vorgespräch auch, dass wir hatten, wir stellen ja ganz oft fest, das ist jetzt nicht speziell in Deutschland, aber ich glaube, wenn du mir zum CR noch besonders auffällst, wir gucken dann, was machen die anderen so und machen dann einen Brei daraus. Also uns ist wichtig irgendwie, dass wir gut zocken können. Das machen wir jetzt, wir gucken mal, was vielleicht da, keine Ahnung, die Spanier machen und nehmen das auch bei uns ins Training. Und dann haben wir 20% gefüllt mit so Zockerei. Uns ist aber auch praktische Disziplin super wichtig. Das ist vielleicht auch eine alte deutsche Tugend, wenn man so will. Das füllt nochmal 30%. So, und jetzt haben wir aber auch festgestellt, die Individualisierung, also irgendwie individuelles Training oder individuelles Training zu haben, das ist auch wichtig. Lassen wir mal noch 20% der Trainingszeit füllen damit. Und du hast ein bisschen Griff, den ich da zum allerersten Mal gehört habe auf der Fahrt hierher mit Relationismus, richtig? Rein überhaufen und dazu sagen, hey, wir sind zwar taktisch hochdiszipliniert, aber dann sehen wir auch Systeme wie in Brasilien, die extrem auf Chaos beruhen. Und lass uns da Elemente daraus nehmen. Und auf einmal haben wir, und da bringe ich eigentlich immer den gleichen Spruch zu sagen, es kommt raus, wenn wir 50 Gramm Kaviar mit 50 Gramm Scheiße mixen, dann haben wir 100 Gramm Scheiße. Und es fehlt eine klare Ausrichtung. Und das ist, glaube ich, was unser Gespräch jetzt und die Gedanken, die da zumindest entstehen, eint, zu sagen, was, wenn wir uns voller Überzeugung auf eine Sache konzentrieren.
Speaker 3Ich glaube, Klarheit ist immer freundlich. Also, je klarer, desto besser. Das ist ja auch, warum so Vereine wie Red Bull Salzburg, Barcelona, Envika Lissabon funktionieren. Weil sie total klar sind in dem, was sie wollen, wie sie ausbilden wollen und wie sie es dann auch umsetzen. Und je klarer ich bin und dann wieder das kombiniere, und da schließt sich so ein bisschen der Kreis zu unserer ersten Frage, wenn ich mein Scouting mit ganz klarem Scouting-Profil, mit ganz klaren Voraussetzungen für die Spieler, die bei uns in der Akademie sind, festlege und das mit meinem Training kombiniere, wie ich trainieren will, dann werde ich erfolgreich sein. Aber das funktioniert nur mit maximaler Klarheit in der Position und im Verein.
Speaker 1Da fällt mir ein, du hast mir auch davon erzählt, du warst jetzt neulich erst bei einer Hospitation quasi in Holland. Dem Land findest du dich auch bei unserer Entweder-Oder- Frage entschieden hast, mehr oder weniger, zumindest auch bei Holland oder Österreich, warst du in Holland. Kannst du da vielleicht ein bisschen was berichten, was da deine Eindrücke waren und ob das sich deckt mit deinem Wunsch quasi nach dieser Klarheit. Hast du die dort erlebt oder nicht? Da kannst du kurz was zum Verein sagen und dann, ob dein Trainerherz dir aufgegangen ist dort oder so schnell, flüchten wolltest.
Speaker 3Mein Trainerherz ist mir absolut aufgegangen. Wäre am liebsten immer noch dort. Nein. Ich glaube grundsätzlich, Feyenoord Rotterdam, großer Traditionsklub in Holland. Man spricht dort ja so von dem großen Dreien mit Ajax, Feyenoord und natürlich auch für euch PSW. Die dort einfach seit Jahren eine richtig, richtig gute Ausbildung auf der einen Seite haben, aber dann natürlich auch durch die Tradition auch immer wieder erfolgreich sind und Titel mitspielen. Ich hatte dort ein sehr interessantes Gespräch mit dem U16-Trainer, der zuvor auch in Deutschland gearbeitet hat. Er hat mir einen Unterschied nähergelegt, wo er sagt, in Deutschland war sehr, sehr vieles immer aus dem Bauch heraus. Wenn wir über Spieler diskutieren, in Deutschland heißt das ganz oft, ich glaube, das ist das Beste für den Spieler. Ich denke, für den Spieler würde es Sinn machen, dass in Holland ist fast alles mit Daten hinterlegt und datengetrieben. Das hilft alleine schon, um Entscheidungen zu treffen und ist schon mal ein Riesenunterschied. Ich habe trotzdem natürlich drei Punkte für euch mitgebracht, über die wir dann konkret sprechen können. Und das Erste, was ich euch gerne erzählen möchte, ist über die Coaches Education in Holland, weil ich das so noch nicht erlebt hatte. Und zwar ist es dort, in Holland ist es so grundsätzlich ein bisschen anders strukturiert. Die haben immer einen Head of Academy, einen Head of Methodology und dann auch noch Koordinatoren und Bereichsleiter. Dazu, und es ist so, dass die Trainer recht früh dort ein Feedback gespricht haben mit dem Head of Methodology und gefragt wird, hey, was ist eigentlich dein Ziel? Wie sieht es bei dir aus? Wie möchtest du dich entwickeln? Und dann gibt es für das Training, für das Spiel vom Trainer immer wieder standardisierte Feedbackpunkte. Zum Beispiel haben sie das Unterglieder der zentralen Bereiche, die ich euch näher vorstellen möchte. Das eine ist die Begleitung von Spielern. Das haben sie dann in vier Unterkategorien geordnet. Einmal Kommunikation, zweitens Beziehung und Unterstützung, drittens Selbstregulation und Prozess und viertens Coaching und Actionblends. Dasselbe ist dann ein weiterer Punkt, die Gestaltung von Trainingseinheiten, das dann wieder untergegeben ist in Prinzipien und Periodisierung, Einbeziehung der IDPs, also sprich individueller Einheiten oder individuellen Coachings mit den Spielern, die Energie und Qualität auf dem Platz und Variationen im Coaching. Genauso aber auch Coaching und Wettkampf, was dann wieder untergliedert wäre in Besprechung und Struktur im Vorfeld, Coaching im Detail beim Spiel, Halftime Talks, wie helfe ich meinen Spielern in der Halbzeit und Spielern selber Verantwortung zu geben im Wettkampf. So das wären jetzt Punkte, wie sie quasi Trainer bewerten in den unterschiedlichen Kategorien. Und was dann passiert, finde ich super interessant. Also all der Trainer als auch der Head of Methodology bewerten den Trainer 1 bis 5, also 5 herausgang gut, 1 A nicht so geil, müssen wir dran arbeiten. Und das bewerten sie unabhängig voneinander und legen das dann über ein Spindeliagramm quasi und sehen, okay, sag mir, wenn du mich jetzt bewertest und sagen, du gibst mir beim Halftime Talk eine 4, ich gebe mir eine 2, dann wäre das wahrscheinlich ein Grund, dass wir drüber sprechen müssen. Hey, warum hast du das so wahrgenommen? Warum habe ich das so wahrgenommen? Und wir sprechen auf einmal drüber. Und was ich da super interessant fand im Nachgang, ist, dass der Verein Actionpläne für den Trainer festlegt. Beispiel, ein Trainer, der noch Probleme hat in der Staff-Führung oder in der Mannschaftsführung, bekommt dann einmal in die Woche einen Podcast geschickt zum Thema Führung, den er sich anhören soll und dann mit so einem Vorgesetzten drüber spricht. Und diese Klarheit habe ich so in der Trainerentwicklung einfach noch nicht gesehen, dass so nachhaltig, so langfristig mit einem Trainer gearbeitet wird. Wie denkt ihr denn darüber?
Speaker 1Ich finde das Modell deswegen cool, weil es glaube ich super einfach ist. Ich habe direkt wieder den ersten Gedanken, gehabt, wie man das von unserer Seite aus für den Breitensport vorbereiten könnte. Und du hast ja, du sprichst ja jetzt von vier Punkten mit jeweils Unterpunkten. Da kommt ja wahrscheinlich ein Spinnennetz aus über 20 Punkten raus. Wenn wir es aber viel einfacher machen und wirklich nur vier Punkte bewerten würden, sagen wir, okay, Organisation, Coaching, Umgang und keine Ahnung, whatever. Und da auch in diesem Punktesystem arbeiten und sagen, hey, wenn dich jemand bewertet auf dem Platz, im besten Fall haben wir jemanden, der so eine Koordinatorenrolle hat oder eine sportliche Mentorenrolle. Und du aus einer Selbstreflexion heraus bewertest du deine Einheit und er bewertet dir an diesem klaren, einfachen Punkteschema. Du hast diese drei Punkte, Noten 1 bis 5. Und dann die Diskrepanzen aufzudecken und zu sagen, oh, du hast dich so wahrgenommen, ich so. Warum? Ist ja angenehmer, wenn der Mentee, also der Trainer auf dem Platz, sich schlechter bewertet, als ein Mentor, weil da geht es ganz oft ja darum, warum hast du dich so wahrgenommen? Weil ich habe dich deutlich besser wahrgenommen, als du dich selbst. Und andersrum ist, glaube ich, der spannende Punkt darüber zu sprechen, okay, welche Maßnahmen sind notwendig? Also, Trainer bewertet dich besser, als ich ihn von außen wahrnehme. Und jetzt kann man nämlich darüber reden, warum ist das so, um dann zu sagen, hey, ich glaube, für dich wäre es super, für deine Entwicklung, wenn du Folgendes tust. Und das kann ja alles Mögliche sein. Kauft dir eine Vorbildung bei Barnes Football, geht zum Kindertrainerzertifikat, ich nehme dich mal mit auf den Platz, oder geht zum Trainer der B-Jugend, der kann nämlich das herausragen gut. Und deswegen finde ich das super cool, weil es, glaube ich, auf jedem Leistungsniveau funktioniert, in diesem einfachen Modell, sofern du jemanden hast, der die zeitlichen Kapazitäten hat, regelmäßig in die Bewertung zu gehen.
Speaker 3Voll. Und ich finde, wenn man das weiterdenkt, sorry, das schweiz ich dir da ins Vorschein. Es wäre mega spannend, wenn Spieler dich auch bewerten, in den Kategorien. Oder vielleicht Eltern, oder komplett Außenstehende. Und dass du dann wirklich aus verschiedenen Abteilungen, beziehungsweise aus verschiedenen Interessensgruppen ein Feedback bekommst, ohne ernst. Kannte ich so noch nicht. Fand ich super spannend.
Speaker 2Vielleicht, weil ich das jetzt mit meiner Mannschaft zum Ende der Saison gemacht habe. Ich habe am Anfang von der Saison einen Fragebogen über Google Forms angelegt, beantworten lassen. Und jetzt auch zum Ende der Saison und die letzte Frage meines Fragebogens, und das ist ja dann schnell und einfach umgesetzt für jeden Trainer, egal ob das jetzt Kinderfußballtrainer ist oder Erwachsenentrainer. Was kann ich in deinen Augen besser, was kann ich in deinen Augen besser machen in der nächsten Saison? Und das ist ja schon was so Konkretes im Feedback. Tun sich, glaube ich, alle Menschen schwer, das irgendwie zumindest auf einen Satz zu reduzieren und dann zu sagen, ja, du kannst halt lachen oder Trainingsspiele. Aber das bei dir anonymisiert? Nee. Also könnte man anonymisiert machen, ich habe es bewusst nicht
Speaker 3anonymisiert. Ja, ich kenne da noch eine Geschichte, die Bayern München jahrelang so in ihrem Nachwuchs umgesetzt die haben immer Briefe vorgefertigt an die Spieler ausgeteilt und da waren mit vier Fragen versehen. Was gefällt dir richtig gut? Was gefällt dir nicht so gut? Was würdest du dir wünschen? Und ich glaube, das vierte war, was war dein Highlight des halben Jahres bis jetzt? Und das haben sie dann den Spielern mitgegeben und die Spieler haben es an den Trainer gefeedbackt und haben quasi so auch nochmal eine anonymisierte Methode, um Feedback an den Trainer zu geben, was ich auch super interessant finde. Kann man vielleicht auch aufgreifen.
Speaker 1Ja, sehr cool. Punkt Nummer eins von dir, Hannes, von deinem Besuch bei Feyenoord. Was hast du uns noch mitgebracht? Absolut.
Speaker 3Punkt Nummer zwei sind die 3S Zones. Erdeutet, wenn Feyenoord mit ihrer Akademie ein Spiel hat oder ein Turnier hat, werden die einzelnen Spieler danach in eine der drei Zonen bewertet. Drei Zonen sind einmal die Safe Zone, die Stretched Zone und die Stress Zone. Das ist relativ simpel. Wenn wir jetzt gegen einen eher kleinen Gegner spielen und der Spieler empfindet einfach keinen Stress und hat keine Probleme, die Aufgaben zu lösen und ein gutes Spiel zu machen, dann befindet er sich eben in dieser Safe Zone und wird so bewertet. Wenn er aber ein richtig schwieriges Spiel hat und er wird quasi überfahren, dann ist er in der Stress Zone und wenn er gerade so sich strecken muss, dass er aber erfolgreich ist, dann ist er in dieser Stretched Zone. Und das finde ich super interessant, wenn wir die Spieler so bewerten, weil sie auch dann wieder Rückschlüsse draus ziehen. Okay, wie gehen wir mit den Spielern um? Ja, also blödes Beispiel, was machen wir jetzt mit einem Spieler, der fünfmal wirklich in seiner Safe Zone war? Macht es dann Sinn, den nochmal im selben Jahrgang spielen zu lassen am Wochenende? Oder schieben wir den eins hoch? Oder packen wir den mal auf eine andere Position, damit er sich stretchen muss oder Stress empfindet? Genauso ein Spieler, der gerade eben Stress empfindet, vielleicht zwischen den Linien. Okay, komm, dem helfen wir. Den packen wir mal auf eine einfache Position, wo er nicht so viel scannen muss, wo er das Spiel schneller sieht, wo er einfacher spielen kann. Und das finde ich eigentlich ganz cool, weil es relativ leicht ist, Spieler zu bewerten und auch dann im Nachgang wieder drüber zu sprechen, aber auch mit diesen einfachen Daten da, ja, Entscheidungen daraus abzuleiten.
Speaker 1Ich finde es mega geil, aus der Einfachheit heraus und also, wenn ich jetzt am Deutschen Leistungszentrum denke, richtet es ja nämlich den Fokus dann wiederum aus auf, was ist wichtig für den Spieler. Also es ist halt nur ein extremer Spielerfokus, ja, so vorzugehen, weil du in alle Richtungen feststellst, ups, der ist offensichtlich nicht mehr in der Lernzone und es ist ja nicht, wenn er fünfmal in Folge gestresst war im Spiel und überfordert und es ist auch nicht, wenn er fünfmal in Folge zu entspannt war im Spiel. Beides hat Konsequenzen, die die vermutlich, Hypothese, für seine Entwicklung nicht optimal sind.
Speaker 2Ja, das würde ich so ein bisschen eingrenzen
Speaker 1Danke noch, Josh, den ich dazu habe, vielleicht kannst du daran ergänzen und zwar wäre es durchaus auch interessant zu wissen, wie der Spieler über seinen eigenen Spieler denkt Also ich sage zwar, du warst safe und der sagt, Junge ich war voller Mannsschlag, das war lieber so anstrengend Also man müsste so ein bisschen wahrscheinlich auf die Eindrücke abgleichen, aber man könnte das gleiche Modell lassen und dann an den Punkten, wo ich ihn rot bewerte und er sich grün oder ich grün und er sich rot, dass er ein perfekter Punkt, um dann ein Gespräch zu eröffnen, zu sagen Warum hast du das so wahrgenommen? Wieso war das für dich so? Entschuldigung, Josh
Speaker 2Ja, also ich glaube, man braucht noch
Speaker 1ein anderes... Entschuldigung, Josh, das sage ich auch nur, weil mein Gast da ist
Speaker 2Wer ist mir da? Entschuldigung, bitte Ich glaube, man braucht schon noch eine andere Meinung dazu, weil nur weil ein Spieler jetzt in einem Bereich oder in einem Zeitraum sehr, sehr gut performt, muss man ihn ja nicht ständig in die Stretchzone oder die Stresszone verbarrikadieren und sagen jetzt musst du da rein, also wir haben ja das geht so ein bisschen in die Spischteich-Effekt Nummer mit rein, also wer sich das anhören möchte, gibt es auch einen Podcast dazu von uns, wo es eben darum geht, du musst nicht immer der maximal gefordert sein im Spiel oder im Training oder in der Mannschaft, sondern es tut Kindern oder Erwachsenen generell auch mal gut, über einen längeren Zeitraum sich als sehr kompetent wahrzunehmen und deshalb glaube ich, müsste man da schon sehr eng das Ganze monitoren, wahrscheinlich wäre das einfach der Übertrag für den zweiten Sport, man nimmt sich einen Spieler und guckt sich das bei dem heran
Speaker 3Ich glaube, am Ende macht es die Mischung, also auch ähnlich wie bei den Entweder-Oder-Fragen im Vorfeld, am Ende ist die Mischung oft dann auch Gold wert, ich glaube es macht keinen Sinn, dass ein Spieler 100% im Stress ist und genauso wenig dass er 100% in der Safe-Zone ist damit es die passende Mischung dann doch ausmacht Punkt Nummer 3, Hannes Punkt Nummer 3 Ja, einfach eine extreme Offenheit, die mir im Fußballer-Tonland immer wieder entgegenschlägt Ich hatte ja auch das Glück, mit euch zwei Tage beim PSV Eindhoven verbringen zu dürfen ganz viel lernen zu dürfen und da muss ich sagen das ist wirklich so also die sind einfach total offen, die haben ein super offenes Mindset, die sind super dankbar für Austausch, für Besuch und das kenne ich so nicht in Deutschland In Deutschland habe ich immer wieder das Gefühl dass wir aus Verstecken wollen und wenn der BVB eine geile Idee hat, ja dann bitte nicht nach Schalke damit In Holland habe ich das Gefühl die haben alle dasselbe Ziel und das sollten wir ja auch haben eben, dass die Spieler aus der Akademie in den Profibereich kommen, dass die Jungs oben im Profibereich performen können und im Optimalfall ganz idealistisch gedacht, dass Deutschland halt mal wieder Weltmeister wird so und das schlägt mir dort einfach immer wieder entgegen und finde ich super offen und super positiv
Speaker 1Also ich weiß nicht wie deutsch das Thema ist oder ob das nicht generell irgendwie stattfindet also es wird glaube ich überbewertet was für einen Wert eine Idee hat, weil der echte Wert entsteht ja erst durch die Umsetzung und das ist im Fußball was das glaube ich leider auch viele Verantwortliche nicht verstehen wollen zu sagen ich kann dir 800 Seiten Konzept vom FC Barcelona bringen, hier hast du jetzt will ich sehen, die die gleichen Erfolge machen, das wird doch nicht funktionieren also es sind so viele Nuancen und auch kulturelle Themen da wichtig neben irgendwelchen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen für die Umsetzung, aber selbst wenn es einfach nur Konzepte sind, die nicht mal Geld brauchen für die Umsetzung, wie geht das mit diesen drei Zonen zum Beispiel für die Spieleeinteilung, zu sagen wir machen das jetzt haben wir gehört, wir machen das, wir sind damit erfolgreich wir übernehmen es und dann wird es ja darum gehen ist da jemand der da die Kontrolle übernimmt und nachfragt bei den Trainern, nach Bord bei den Trainern, sagt warum hast du ihn so bewertet warum soll er nur bei dir spielen nächstes Wochenende oder wird es nicht eigentlich darum gehen obwohl du Topspiel hast, ihn nach oben zu schieben also so ein unbequemer Implementierer zu sein, der so eine Idee mitbringt, nachhält ob die auch wirklich nachhaltig umgesetzt wird und dafür sorgt, dass sie erst eine Wirkung entfalten kann und die Ebene wird einfach oft vergessen hey wir wollen nicht von diesem Konzept erzählen das wir da haben oder eine Trainingsmethodik aber wenn wir es erzählen, dann machen die anderen auch nö, also die Idee ist nichts wert ohne die Umsetzung und mit der Umsetzung scheitert eben 99% der Thema und deswegen bin ich so schön, weil wir hatten glaube ich auch von Anfang an diesen Eindruck auch bei PSW, die ja sagen, hier ist unsere Spielphilosophie, macht so viele Bilder wie ihr wollt wir dürfen es euch aus markenrechtlichen Gründen für die Präsentation nicht teilen, aber wir dürfen von jedem Slide, lass ich so lange stehen, bis jeder von euch ein Foto gemacht hat, kein Problem nehmt es mit und die sind trotzdem so gut, dass wir das so machen und trotzdem erfolgreich, obwohl sie schon seit Jahren alle ihre Ideen teilen und da fragt man sich auch, wie kann das denn sein?
Speaker 2Lasst uns zur nächsten Frage kommen und zwar, Hannes jetzt sind wir ein sehr praktischer Podcast wir wollen den Leuten ja nicht immer nur Talentförderung und das große Ganze diskutieren sondern wir wollen den Trainern auch was Trainingspraktisches mitbringen lass uns mal schauen, ob wir fünf Trainingsprinzipien aufgelistet bekommen zusammen du musst nicht alle fünf selber sagen, vielleicht hat Sakko offenbar eins dass wir den Trainern mitgeben können dass sie ganz konkret nutzen können für ihre Trainingsarbeit was ist zum Beispiel eins von deinen Trainingsprinzipien?
Speaker 3Also ich würde mir immer die Frage stellen was will ich als Trainer eigentlich in jedem Training sehen? Wofür soll mein Training stehen? Und die Frage habe ich für mich gestellt und bei mir ist es relativ einfach Inhalt, Individualität und Intensität das sind drei Is, die ich in jedem Training sehen will und daraus abgeleitet habe ich für mich dann Trainingsprinzipien gestellt und da kann ich natürlich gerne ein paar auch heute hier teilen Ja, weil Ideen teilen tut nicht weh Ja, so ist es Und ganz banal, ganz einfach aber wir spielen in jedem Training auf Tore immer wenn es geht spielen wir auf Tore, das ist doch das Schönste für uns als Fußballer da stehen zwei Tore, wir schießen Tore Tore sind das Schönste am Spiel immer wenn möglich spielen wir im Training auf Tore
Speaker 1Mhm Finde ich cool, Josh Das spricht dir wahrscheinlich auch aus dem Herzen, oder?
Speaker 3Tore finde ich gut Wir sammeln in jedem Training viele Wiederholungen und Ballaktionen auf den Schwerpunkt passend Das bedeutet, wenn ich 1 gegen 1 Schwerpunkt habe, dann sammle ich natürlich viele Wiederholungen in dem Kontext kann aber auch in der Teamtaktik sein beispielsweise Gegenpressing und dann konzipiere ich meine Form eben so dass ich dort die Wiederholungen sammle
Speaker 2Das ist schon ein bisschen tief, also jetzt als Kindertrainer
Speaker 3Ja, aber 1 gegen 1 würde ich ja trotzdem Ballaktionen und 1 gegen 1 herstellen
Speaker 2Dann müsste ich dem Schwerpunkt wahrscheinlich klar sein Der Punkt, auf den ich auch
Speaker 1aufspringen würde, zu sagen wenn ich jetzt so Schwerpunkte festlege, dann kommt der unweigerlich die Frage nach einer Periodisierung oder Planung der Inhalte, weil wenn heute 1 gegen 1 dran ist, dann ist ja automatisch die Frage, was ist da nächstes Mal dran und übernächstes und wie oft sollte ich den Schwerpunkt denn trainieren und da ist dann für mich irgendwo eine Ebene erreicht zu sagen und jetzt werfe ich es mal in den Raum sollte ich nicht jedes Training alles trainieren Machst du das nicht auch automatisch durch deine Spielform? Also es ist halt gut
Speaker 3Also für mich das beste Beispiel ist immer ein Rondo Und wenn die verteidigende Mannschaft 110% gibt im Jagen oder im Verteidigen, dann entwickeln sich ja erst die Ballbesitzspieler Es macht ja keinen Sinn, wenn ich ein Rondo spiele oder eine Spielform spiele und die Verteidiger spielen es nur auf 80% Weil dann findet keine Entwicklung statt Und so trainiere ich ja immer beide Pole Wenn wir über Spielaufbau sprechen, dann sprechen wir natürlich auch über Pressing Wenn wir über Pressing sprechen, sprechen wir über Spielaufbau Also das geht immer Hand in Hand Aber ich glaube, es ist schon wichtig dass ich für mich eben akzentuiert habe Was ist mein Thema? Wie kriege ich Wiederholungen? Wie kriege ich Ballaktionen? Und dann natürlich Kind, Altersgerecht und auch Mannschaftsgerecht Der nächste Prinzip Wir bauen Wettkämpfe immer ein, wenn es möglich ist Und wo es möglich ist Warum? Also egal in welchem Alter ich gearbeitet habe Wettkämpfe waren immer ein Highlight Sich liebst du gewinnen Die Kinder liebst du gewinnen Es entsteht Feuer, es entsteht Intensität Es ist immer automatisch eine höhere Aktivität in der Übungsform oder Spielform Deswegen Wettkämpfe immer einbauen Wenn es möglich ist, ist es einfach ein ganz anderer Vibe Und ich glaube, dass Lernen ganz, ganz viel auch über Emotionen passiert und dadurch immer Wettkämpfe einbauen, wenn es möglich ist
Speaker 1Diesen Begriff des Vibes hast du heute schon ein paar Mal gesagt auch in unserem Vorgespräch Was meinst du konkret damit? Also woran würde ich jetzt als Außenstehender erkennen dass dein Training einen Wipe hat?
Speaker 3Ich glaube, wenn wir zusammenkommen auf dem Fußballplatz ist es egal, ob in der E-Jugend in der U21 oder in der C-Jugend völlig egal wann, wo und wie Es geht ganz viel darum um besondere Momente um eine besondere Zeit, die wir dann mit den Jungs oder mit unserem Team gemeinsam auf dem Platz verbringen Und ich glaube, Das muss man einfach von der ersten Sekunde an spüren, spürbar machen. Das fängt bei der Begrüßung an, das fängt im Gespräch mit dem Spieler an und fängt dann aber auch mit der ersten Übungsform oder mit der ersten Spielform an. Wenn ich da direkt schaffe, die Mannschaft anzuzünden, dann werden wir das Übertraining sehr, sehr wahrscheinlich halten können. Und wovon ich einfach wegkommen möchte, ist, ich starte mein Training mit einer extrem komplexen inhaltlichen Übung und ärgere mich dann, dass die Übung noch gar nicht funktioniert. Und das habe ich ganz, ganz häufig im Jugendbereich erlebt. Ich plane Passformen von A zu B, zu C, zu D, mit Hinterlaufen, mit Torschuss, mit Flanke. Aber es funktioniert nicht, weil es viel zu komplex und kompliziert gedacht ist. Und dieses Problem, glaube ich, löst sich einfach nach einem stressigen Tag für die Kids. Einmal direkt reinknallen, einen super Vibe entwickeln und dann können wir in Inhalte gehen. Und dann, glaube ich, können wir auch mit der richtigen Stimmung neue Lerninhalte, Lerninhalte länger behalten, als wenn ich das halt einfach stupide runterratte.
Speaker 1Hast du einen Tipp jetzt, wenn ich als Trainer 9-to-5 was anderes mache? Bin gestresst, renne nach Hause, kümmere mich um Family, renne zum Trainingsplatz, weil ich die Mannschaft mit meinem Sohn oder meiner Tochter übernommen habe. Und ich bin emotional nicht so, dass ich andere anzünden kann. Ich bin heute nicht in der Stimmung. Hast du einen Tipp für mich, wie ich das schaffe, dass meine Mannschaft trotzdem brennt?
Speaker 3Ich glaube, es gibt dann auch da wieder ganz, ganz viele unterschiedliche Möglichkeiten. Eine Sache, die ich für mich als Trainer mitgenommen habe, das ist auch was, das wir zum Beispiel bei Hallenturnieren immer mal wieder verwendet haben, noch zu meiner Nachwuchszeit, sind so kleine Energizer. Also ganz kleine Spiele, wo die Jungs aber sofort durch eine Challenge, durch einen gewissen Wettkampf, ja, einfach hochfahren müssen. Zum Beispiel Scherichstein-Papier-Weltmeisterschaft. Ich weiß nicht, ich werde euch mit Sicherheit was sagen. Ich weiß nicht, ob es schon mal Thema war in den Podcasts. Nö. Nö, noch nicht. Also, Baku und wir beide spielen Scherichstein-Papier. Ich verliere leider gegen dich. Ich verliere mich an deine Schulter und rufe die ganze Zeit Sakko, Sakko, Sakko. Und dann spielen wir gegen Josch. Wir schlagen Josch auf, dann kommt Josch auf. Warte mal, warte mal. Sie sollen die Schulter hängen. Ist das jetzt metaphorisch gemeint oder tatsächlich? Nein, also mit den Armen an die Schulter. Und du bildest eine Schleimhaut.
Speaker 1Ach so, ah, okay. Du stellst dich dann hinter mich, weil ich gegen dich gewonnen habe. Und ich spiele jetzt mit dir im Schlepptau als meinen Hooligan. Spiele ich jetzt die nächste Runde gegen Josch, bei dem vielleicht auch schon jemand hängt.
Speaker 3Genau, richtig. Ich bin quasi dein Fanboy in dem Moment und versuche, dich zum Sieg zu schreien. Ja, okay. Dann gewinnen wir nochmal gegen Josch. Und am Ende, so kenne ich das, sind wir dann riesengroße Schlangen. Die spielen gegeneinander extrem geile Emotionen. Und am Ende sind es, glaube ich, genau diese kleinen Energizer. Egal, ob auf dem Platz oder neben dem Platz, die uns anzünden.
Speaker 1Okay, und das beantwortet, glaube ich, sehr gut meine Frage, wenn ich quasi merke, ich kann das nicht. Also, weil ich einfach emotional nicht in der Lage bin heute oder generell mich da vielleicht schwer tue, könnte ich über so methodische Kniffe und kleine Übungen diese Energie reinbringen von der Mannschaft heraus, damit das Training dann mit einem Wipe ablaufen kann.
Speaker 3Definitiv. Ich würde noch sehr gerne ein letztes Prinzip ergänzen, weil es mir sehr wichtig ist, weil ich das auch immer mal wieder sehe. Es ist Nummer vier. Wenn aber erst. Ah, okay. Oder?
Speaker 1Ziehen wir uns noch irgendeins aus der Nase.
Speaker 3Wir finden noch welche, da bin ich mir sicher. Wir trainieren im Trainerteam und jeder Trainer hat zu jeder Zeit eine Aufgabe. Auch ein Phänomen, was ich leider immer wieder auch auf den Plätzen sehe, ist, dass zwei Trainer außen stehen, sich über ihr Wochenende unterhalten, statt sich wirklich mit dem Spieler oder mit dem Spiel zu beschäftigen. Und da ist es für mich ganz wichtig, dass wir die Aufgaben im Trainerteam sehr, sehr klar einteilen. Jeder Trainer hat zu jeder Zeit eine Aufgabe. Und sei es nur, ich beobachte nur Spieler XY, weil er gerade da vielleicht ein Problem hat, aber dann kann ich auch ihm individueller helfen, weil mein Fokus nur noch auf ihn gerichtet ist. Wie so ein Sniper-Bot quasi. Ich kümmere mich dann um den Spieler. Und das finde ich super spannend und extrem wichtig und wäre mir wirklich ein Wunsch, wenn wir das heute aus dem Podcast mit rausnehmen können.
Speaker 1Okay, aber ich hätte dann tatsächlich noch ein fünftes. Das ist vielleicht, was ich reinschmeißen möchte. Ich glaube, das passt zu deinem Punkt der Intensität mit dem dritten I, glaube ich. Wo ist das bei dir? Und zwar so, jede Sekunde zählt. Also zu sagen, jeder Moment im Training ist wichtig. Und Josh, das ist ja für uns ein Thema, dass wir häufig schon in Webinaren irgendwie als Trainingseffizienz ja titulieren. Zu sagen, wir wollen ein Training durchführen, wo wenig Leistung, Leerlauf drin ist. Wo wir nicht das Problem von so Spannungsabfallen, äh, Abfällen, Spannungsabfällen? Alter, ist auch schon spät hier. Also, dass die Spannung mehrfach abfällt im Training. Danke auch, dass ihr geholfen habt. Vorher war raus aus der Nummer. Damit zu kämpfen, weil ich lieber um 17 Uhr pünktlich starten wollte und dann aber noch drei Übungen aufbauen muss. Und währenddessen in diesem Moment, in diesem Moment, in diesem Moment, in diesem Moment, in diesen Pausenphasen dann die Spieler vor sich rumdümpeln und irgendwie aufs Tor fransen und ich die danach jedes Mal wieder einfangen muss, wieder auf Spannung bringen, damit sie konzentriert die nächste Übung machen. Und wenn ich dabei zum Gedanken reingehe und mit dem Trainingsprinzip, das jede Sekunde zählt, da mache ich mir, glaube ich, vorab schon genau die Gedanken. Sind alle Übungen aufgebaut? Sind die Hütchenfarben klar? Sind die Leibchen, liegen die vielleicht schon bereit? Habe ich die Mannschaftseinteilung für jede Übung schon davor gemacht, weil ich eben dann weiß, wer da ist oder während dem ersten oder während der Tummelphase oder so, gucke ich eben, wer da ist und schreibe mir das dann parallel dazu auf, um zu sagen, ich ziehe mein Training durch und schaffe so, was wir Trainingsatmosphäre nennen, was du Wipe nennst. Heißt, diese Intensität kann ich sehr gut auch durch den guten organisatorischen Rahmen hervorrufen und da könnte unser fünftes Trainingsprinzip für die heutige Folge sein. Jede Sekunde zählt.
Speaker 2Da bin ich ein sehr guter Schlussprinzip. Hannes, lass uns mit Blick auf die Uhr noch einmal kurz sprechen. Wo geht es hin für dich in Zukunft? Gibt es was, das wir gemeinsam machen in der Zukunft? Haben wir gemeinsame Projekte? Hast du was Größeres vor? Gibt es irgendein... Oh, ich weiß nicht, weißt du was, Sagur? Wir haben ja gestartet vor sechs Jahren, glaube ich, in Podcasts. Und damals gab es immer eine ähm... Abschlussfrage an unsere externen Teilnehmer. Und die stelle ich dir jetzt auch mal nochmal. Was an die externen Teilnehmer? So Professoren und... Also unsere Gäste. Eine Abschlussfrage an wen jetzt? An die externen Teilnehmer. Also an unsere Gäste. Also an den Tannis. An den Tannis. Dichtest du, dass du die externen Frage dabei... Nein, ich habe eine Frage für den externen Gast dabei. Hannes jetzt in dem Fall. Ja, du bist doch nicht extern. Du bist doch Mitarbeiter. Nein, wieso? Redest du von ihm als externen Gast? Er sitzt doch nicht. Ich montiere keinen Sauerstoff mehr im Raum. Warum ist das so? Okay, also Hannes, die Abschlussfrage, die wir damals allen gestellt haben, war ähm... Angenommen, Geld spielt keine Rolle und Realität spielt auch keine Rolle und du hattest einen Wunsch frei für den deutschen Fußball. Du dürftest machen, einführen als Gesetzmäßigkeit. Du dürftest bauen, was du möchtest. Was wäre diese einmalige Sache, die du einführen würdest, die du bauen würdest, die du bestimmen würdest für den deutschen Kinder- und Jugendfußball? Das ist ja eine
Speaker 3sehr große Frage. Da müsste ich mir wahrscheinlich auch länger Gedanken dazu machen. Aber ich glaube, ich würde nichts bauen. Ich würde nichts festlegen. Was ich mir wünschen würde, ist, dass wir in Deutschland einfach ganz offen über alles sprechen. Dass wir mit einem offenen Mindset an die Spielentwicklung gehen. Dass wir die Jungs in den Mittelpunkt stellen. Dass es wirklich um den Spieler geht. Dass wir eine langfristige Idee mit unseren Jungs haben. Ja, dass es nicht mehr so ist, dass ein Spieler, nachdem er irgendwo aussortiert wird, erstmal wieder runterfällt. Sondern, dass wir wirklich langfristig mit unseren Jungs planen. Dass wir dafür offen sind und ja auch bereit dafür sind, über den Tellerrand hinaus zu blicken, ohne dabei unseren eigenen Weg zu verlieren.
Speaker 2Wort zum Sonntag, Herr Schöller. Das ist doch ein wunderschöner Abschlusssatz. Hannes, vielen Dank, dass du da warst. Jetzt haben wir ein paar Querreferenzen gemacht, falls ihr die nicht findet. Alle? Nein, nein. Einfach mal durchscrollen. Alles, was wir besprochen haben, wo ich eine Referenz in dem Podcast jetzt schon gesagt hatte, findet ihr irgendwo. Ansonsten findet ihr die Videos natürlich dann passend wahrscheinlich auch auf der Videoplattform. Und ich hätte gesagt, Hannes, wir machen Deckel drauf. Vielen lieben Dank, dass du da warst.
Speaker 3Danke euch. Danke. Danke.

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