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Warum Kinder lügen lernen müssen

8m 59s

Warum Kinder lügen lernen müssen

Der Podcast beschäftigt sich mit der evolutionären und kognitiven Entwicklung des Lügens. Ausgehend von einer Beobachtung im Supermarkt, wo ein kleines Mädchen ihren Vater anlügt, erklärt der Moderator, dass Lügen keine angeborene Fähigkeit ist, sondern erlernt wird. Drei Theorien werden vorgestellt: Die Social Brain Hypothese besagt, dass Lügen als soziales Werkzeug dient, um Konflikte zu vermeiden und eigene Interessen zu schützen. Die machiavellistische Intelligenz-Theorie beschreibt Lügen als Teil eines kognitiven Wettrüstens, bei dem Täuschung und Durchschauen ein Gleichgewicht bilden. Die dritte Theorie von Robert Trivers zeigt, dass Selbsttäuschung die Glaubwürdigkeit von Lügen erhöht. Diese Theorien ergänzen sich und zeigen, dass Lügen eine hochentwickelte, evolutionäre Fähigkeit ist. Bei Kindern ist das Lügenlernen ein wichtiger Meilenstein: Ab dem dritten oder vierten Lebensjahr entwickeln sie die "Theory of Mind", also die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Ein Experiment zeigt, dass Kinder erst dann lügen können, wenn sie verstehen, dass andere eine andere Wahrnehmung haben. Paradoxerweise ist Lügen ein Zeichen für soziale und kognitive Reife. Der Podcast betont, dass Lügen kein moralischer Ausrutscher, sondern ein komplexes, evolutionäres Feature des Gehirns ist.

Transcription

1510 Words, 9702 Characters

German
Hi, bevor es losgeht, habe ich noch was für dich. Das Leben des Brain, das gibt es ja seit kurzem auch als Buch. Das heißt, wer denkt, ist klar im Vorteil. Für alle, die lieber höheren als lesen, am 30. September kriegst du mein Buch auch als Hörbuch. Heißt natürlich genauso. Also, wenn du Tipps haben willst, wie du dein Gehirn im Alltag smarter nutzt, dann ist das genau das Richtige für dich. Den Link dazu pack ich natürlich in die Show notes. Da gibt es dann auch eine kleine Hörpuppe. Viel Spaß! Neulich bin ich, wie so oft, noch mal schnell kurz vor Ladenschluss in den Supermarkt. Ich laufe schnell durch die Regale rein und bane mir mein Weg zur Kasse. Während ich da so warte, hör ich etwas, das irgendwie hängen bleibt. Der Mann vor mir nimmt die Einkäufe aus dem Wagen und legt sie aufs Kassenband. Bei einer Tüte Gummibärchen bleibt er hängen. Er dreht sich lächeln zu seiner kleinen Tochter neben ihm und fragt, hast du die in den Einkaufswagen gelegt? Das Mädchen schaut ihn entschlossen an und sagt dann bestimmt, nein, hab ich nicht. Verdächtig! Auf jeden Fall. Der Vater und ich, beide fanden die Schwinde leil natürlich niedlich. Und irgendwie hat sie mich zum Nachdenken gebracht. Es lügen etwas, das wir mit auf die Welt bringen, oder müssen wir es als Kinder erst lernen und vor allem, wie so. Willkommen zu meinem Podcast. Ich bin Ben Freibald und das ist das Leben des Brain. Ich erzähle euch jede Woche etwas über unser Gehirn und wie es funktioniert. Heute, warum Kinder lügen lernen müssen. Werbung. Ja, Veränderungen sind für's Gehirn ja manchmal ganz schön anstrengend. Und im Leben verändern sich ja ständig Sachen. Und das ist eigentlich auch gut so. Aber manche Sachen nerven einfach. Wie Stromtarife wechseln. Aber genau das kann dir jemand abnehmen. Und dieser jemand heißt Wechsel-Pilot. Mit Wechsel-Pilot hast du nämlich immer den besten Energietariff. Und das jedes Jahr. Also das ist eine Veränderung, die sich wirklich lohnt. Wie funktioniert jetzt das Ganze? Du füllst den Tarifrechner aus und Wechsel-Pilot schlägt für dein Wohnort drei Tarife vor, die günstiger sind als dein aktueller. Du kannst dabei wählen zwischen dem Preisiger, der Expertenempfehlung und der Ökoalternative. Das Beste ist, egal wofür du dich entscheidest, Wechsel-Pilot wechselt für dich, ganz automatisch. Und übernimmt natürlich auch die Kommunikation mit dem Anbieter. Damit du wirklich den günstigsten Tarif hast, schlägt Wechsel-Pilot dir immer rechtzeitig zum nächsten Vertragsjahr, wieder drei bessere Angebote vor. Du kannst dein Selbstentscheiden oder dich ganz einfach automatisch wechseln lassen. Und falls du jetzt denkst, hey, das steckt doch bestimmten Energiekonzern hinter. Nee, der Service von Wechsel-Pilot ist ganz unabhängig. Von dem, was du durch Wechsel-Pilot sparsst, gibst du 20% als Servicegebühr ab. So finanziellt sich das Service. Also lass für dich wechseln. Mit dem Code Brain 20 bekommst du für dein ersten Wechsel auch noch 20 Euro Cashback. Brain 20. Alles groß geschrieben und ohne Lärzeichen. Sind wir mal ehrlich. Wir alle lügen hin und wieder mal. Flunk kann im Alltag. Die spannende Frage ist also nicht warum lügen wir manchmal, sondern wie hat sich diese Fähigkeit überhaupt entwickelt? Warum kann unser Gehirn das? Wie so oft haben Forschende nicht eine Antwort darauf, sondern gleich drei. Kleiner Spoiler? Keine macht uns Menschen sympathischer. Aber interessanter. Jetzt bin ich gespannt. Erstens, lügen ist ein soziales Werkzeug. Dahinter steckt die sogenannte Social Brain Hypothese. Sie wird z.B. von den Evolutionspsychologen Robin Dunbar und Leder Kosmides vertreten. Die Social Brain Hypothese geht davon aus, dass wir lügen entwickelt haben, weil wir in komplexen sozialen Gruppen leben. Ja, und wer da erfolgreich sein will, der muss eben nicht nur ehrlich sein, sondern manchmal auch ein bisschen trixen. Um Konflikte zu vermeiden, sich selbst in einem besseren Licht darzustellen, die eigenen Interessen zu schützen. Damit meint ich jetzt kein böseartiges Manipulieren, sondern eben das bisschen Flunkern im Alltag. Wenn wir beim Vorstellungszuspräch sagen, dass wir natürlich exzellente Exils gilt haben. Und Französisch kennt Nisse. Gut. Trebien. Die Fähigkeit zur Lüge ist also keine Störung, sondern ein evolutionäres Feature, wie ein Schweizer Taschenmesser für Beziehungen. Zweitens. Lügen ist Teil eines kognitiven Wettrüsten. Diese Theorie wird auch markiavalistische Intelligenz genannt, benannt nach dem Philosophen Nicolo-Makiavelli. Die Theorie stand aus der Affenforschung und wurde unter anderem vom Psychologen Michael Thomas-Cello formuliert. Er sagt, wenn in einer sozialen Gruppe einige gelernt haben zu täuschen, dann entsteht ein evolutionärer Druck. Wenn ich selbst Lügen oder Lügen erkennen kann, ist im Nachteil. Also müssen alle mitziehen. Das Ergebnis ist ein intelligentes Gleichgewicht aus Tricks und Durchschauen. Die Natur hat uns nicht zu Wahrheitsrufenden gemacht, sondern zu Täuschungsspezialisten in alle Richtungen. Bleibt noch drittens. Lügen funktioniert besser, wenn wir uns selbst belügen. Das klingt paradox, aber genau das ist die Idee von R&B. Er ist Evolution-Biologe und sagt, wer sich selbst davon überzeugt, dass er recht hat, kann glaubhafter lügen. Eigentlich logisch. Wenn wir überzeugt von uns sind, dann wirken wir glaubwürdiger auf andere. Wer sich selbst täuscht, lügt stabiler. Also so schlecht mit Ex-Will-Binnicher auch eigentlich gar nicht. Unser Gehirn hat gelernt, diese Art von Selbsttäuschung nicht als Fehler, sondern als Funktion zu nutzen. Du weißt, was ich jetzt wissen will. Stimmt eine der Theorien oder alle? Tatsächlich konkurrieren die drei Theorien nicht miteinander. Ganz im Gegenteil, sie ergänzen sich. Sie zeigen, dass Lügen eine hochentwickelte Fähigkeit ist. Nicht einfach ein moralischer Ausrutscher. Sondern vielmehr etwas, dass sich über Jahrtausende entwickelt hat. Lügen resultiert aus dem Spannungsfeld zwischen Nähe und Macht, Vertrauen und Kontrolle, dass eben zwischen uns Menschen existiert. Das erklärt vielleicht auch, warum wir so viel Angst davor haben, Belogen zu werden. Weil wir genau wissen, dass unser Gegenüber es genau so gut kann, wie wir. Und manchmal sogar besser. Aiei, ja, ja, ja, ja. Gehen wir noch mal zurück zu dem kleinen Mädchen im Supermarkt, das ihren Vater angeschwindelt hat. Das ist nicht einfach nur niedlich. Das ist ein neurologischer Meilenstein. Für Eltern ist natürlich besonders interessant, wann Kinder das Lügen lernen und was ihr Gehirn dafür braucht. Forschungsarbeiten zeigen, Kinder können in der Regel ab dem 3. und 4. Lebensjahr lügen. Das habe ich schon in dieser Folge erzählt. Was passiert im Gehirn, wenn du lügst? Verlinke ich euch in den Show notes. Vorher können Kinder nicht lügen. Ihre Gehirne haben die kognitiven Fähigkeiten dafür einfach noch nicht entwickelt. Lügen ist ja nicht nur so eine sprachliche Spielerei. Um das zu können, müssen Kinder die Perspektive wechseln. Sie müssen sich in andere Hinein versetzen können. Und verstehen, dass jemand anderes etwas anderes für Wahrheit als sie selbst. Das wird auch Theory of Mind genannt. Das klingt irgendwie abstrakt und simpel gleichzeitig. Ist für unser Gehirn aber eben ein richtig krasser Schritt. Erst, wenn Kinder das können, können sie lügen. Zur Theory of Mind bei Kindern gibt es ein sehr eindrückliches Experiment. Das sogenannte "Peaking Game", also Spickenspiel. Das Wort habe ich auch lange nicht mehr gehört. Kinder in unterschiedlichen Altersgruppen sollen raten, was für ein Spielzeug hinter ihnen liegt. Und sie dürfen sich nicht heimlich umdrehen und spicken. Für einen Moment sind die Kinder in dem Raum mit dem Spielzeug aber alleine. Sie fühlen sich unbeobachtet, werden aber natürlich gefühlt und das Forschungsteam kann sehen, ob sie spicken oder eben nicht. Dann werden sie gefragt, ob sie sich heimlich umgedreht haben oder nicht. Kinder unter drei Jahren sagen, meistens die Wahrheit. Ab vier Jahren beginnen die Kinder zu lügen. Oft noch ganz schön unbeholfen. Also sowas wie, ich hab nicht geguckt, aber ich weiß es trotzdem. Sehr glaubwürdig. Ja, es ist natürlich für uns leicht zu durchschauen. Aber das Experiment zeigt deutlich, wenn Kinder ihre eigene Gedankenwelt als unabhängig von der Gedankenwelt von anderen begreifen, dann können sie lügen. Und je besser ihr Gehirninformation verarbeitet und sie ihre Impulse kontrollieren können, dass sie geschickt da sind die Lügen. Das klingt vielleicht erst mal beunruhigen, gerade für Eltern. Aber es ist in Wahrheit ein gutes Zeichen. Wer lügt, kann sozial denken. So paradox das klingt. Also wenn euch das nächste Mal ein Kind anschwindelt, dann freut euch. Denn dann ist das Gehirn voll off kurz. Warum der Mensch das Lügen gelernt hat, darauf haben Forschende mehrere Antworten. Zum einen ist es ein wichtiges soziales Tool, um Konflikte zu vermeiden, unsere Interessen zu schützen oder uns in einem besseren Licht darzustellen. Zum anderen vermuten Forschende, dass Lügen sich durch eine Art evolutionären Druck weiterentwickelt. Wenn in einer Gruppe einige lügen können, müssen die anderen nachziehen, um nicht im Nachteil zu sein. Außerdem, wer sich selbst belügt, nügt besser. Wenn wir glauben, im Recht zu sein, macht uns das glaubhafter. Unser Gehirn muss lügen, erst lernen. Kinder können das in der Regel ab dem dritten oder vierten Lebensjahr. Das ist ein. gutes Zeichen, denn es heißt, dass ihr Gehirn sozial und komplex denken kann. Das war das Leben des Brain. Wir hören uns nächste Woche wieder. Dann geht es darum, was im ADHS Gehirn eigentlich alles los ist. Der Podcast ist eine Zusammenarbeit von mir, denn Freibalt und ACB Stories. [Musik]

Podcast Summary

Key Points:

  1. Lügen ist eine evolutionär entwickelte Fähigkeit, die in komplexen sozialen Gruppen entstanden ist.
  2. Es gibt drei ergänzende Theorien
  3. Kinder lernen ab dem dritten oder vierten Lebensjahr zu lügen, sobald sie die Perspektive anderer verstehen (Theory of Mind).
  4. Lügen ist ein neurologischer Meilenstein, der soziale und kognitive Reife anzeigt.

Summary:

Der Podcast beschäftigt sich mit der evolutionären und kognitiven Entwicklung des Lügens. Ausgehend von einer Beobachtung im Supermarkt, wo ein kleines Mädchen ihren Vater anlügt, erklärt der Moderator, dass Lügen keine angeborene Fähigkeit ist, sondern erlernt wird. Drei Theorien werden vorgestellt: Die Social Brain Hypothese besagt, dass Lügen als soziales Werkzeug dient, um Konflikte zu vermeiden und eigene Interessen zu schützen.

Die machiavellistische Intelligenz-Theorie beschreibt Lügen als Teil eines kognitiven Wettrüstens, bei dem Täuschung und Durchschauen ein Gleichgewicht bilden. Die dritte Theorie von Robert Trivers zeigt, dass Selbsttäuschung die Glaubwürdigkeit von Lügen erhöht. Diese Theorien ergänzen sich und zeigen, dass Lügen eine hochentwickelte, evolutionäre Fähigkeit ist.

Bei Kindern ist das Lügenlernen ein wichtiger Meilenstein: Ab dem dritten oder vierten Lebensjahr entwickeln sie die "Theory of Mind", also die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Ein Experiment zeigt, dass Kinder erst dann lügen können, wenn sie verstehen, dass andere eine andere Wahrnehmung haben. Paradoxerweise ist Lügen ein Zeichen für soziale und kognitive Reife.

Der Podcast betont, dass Lügen kein moralischer Ausrutscher, sondern ein komplexes, evolutionäres Feature des Gehirns ist.

FAQs

Menschen lügen aus evolutionären Gründen: Es ist ein soziales Werkzeug, um Konflikte zu vermeiden, sich besser darzustellen oder eigene Interessen zu schützen.

Die Social Brain Hypothese sieht Lügen als soziales Werkzeug, die machiavellistische Intelligenz als kognitives Wettrüsten, und die Selbsttäuschungstheorie besagt, dass man glaubhafter lügt, wenn man sich selbst überzeugt.

Kinder können in der Regel ab dem dritten oder vierten Lebensjahr lügen, da ihr Gehirn dann die Fähigkeit zur Perspektivübernahme entwickelt hat.

Das 'Peaking Game' ist ein Experiment, bei dem Kinder beim Raten eines Spielzeugs beobachtet werden. Es zeigt, dass Kinder ab vier Jahren lügen können, sobald sie verstehen, dass andere anders denken.

Nein, es ist ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass ihr Gehirn sozial und komplex denken kann – wer lügt, kann sich in andere hineinversetzen.

Sie besagt, dass Lügen sich entwickelt hat, weil wir in komplexen sozialen Gruppen leben und soziale Fähigkeiten wie Täuschung nützlich sind.

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