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Von Scham in die Verbundenheit

from Mensch SEIN auf Deine Art

32m 46s

Von Scham in die Verbundenheit

In dieser Podcast-Folge von „Lebendig Frau sein" spricht Lilian über das Thema Scham, insbesondere in Verbindung mit Sexualität. Sie erklärt, dass Scham ein körperlicher Zustand ist, der uns dazu bringt, wegzuschauen, uns zu isolieren und aus unserem Körper zu gehen. Scham durchzieht alle Lebensbereiche und betrifft alle Generationen – auch wenn es oft so scheint, als hätten jüngere Frauen weniger damit zu kämpfen. Ein Brief einer Frau Mitte 50 macht deutlich, wie Erziehung, Schuldgefühle und Ohnmacht über Generationen weitergegeben wurden und bis heute wirken. Lilian betont, dass Scham uns alle verbindet und wir uns nicht länger getrennt fühlen müssen. Heilung entsteht durch Verbindung: durch Menschen, die bereit sind, mitzufühlen, ohne zu bewerten oder vorschnelle Lösungen anzubieten. Ihre zentrale Botschaft lautet „Popo hoch" – aktiv zu werden, den Körper zu spüren, tief zu atmen und immer wieder etwas anders zu machen, auch wenn es klein erscheint. Jede Frau hat das Handwerkszeug in sich, um aus Scham und Ohnmacht zu erwachen und ein lebendiges, wildes und erfülltes Leben zu führen.

Transcription

4716 Words, 27922 Characters

German
Speaker 1Hallo du Wunderbare, ich freue mich auf eine neue Sendung mit dir. Schön, dass du da bist. Hier ist Lilian mit einer neuen Folge von meinem Podcast Lebendig Frau sein. Heute geht es um das Thema Scham, was Scham eigentlich ist und wie wir mit Scham umgehen können. Natürlich in Bezug auch auf das Thema Sexualität und wo wir Scham noch überall finden können und warum es nicht nur die eine Generation mehr als die andere betrifft. Ein ganz großes Feld. Ich glaube, dieses Thema, was Scham insbesondere in Bezug auf Sexualität anbetrifft, da könnte ich, glaube ich, mit dir, weiß ich nicht, fünf Wochen drüber sprechen oder noch länger, weil es sich so durchgefressen hat durch unser aller Leben, dass es uns oft gar nicht bewusst ist, wo es uns überall begegnet und wo es uns letztlich überall auch einschränkt und klein macht und uns oft auf so eine verborgene Art und Weise unser Leben nicht so leben lässt, wie wir es von unserem innersten Impuls herausfinden. Und man könnte jetzt sagen, oh mein Gott, das ist ein so schlimmes Thema, wie schrecklich und ja, also das so von der Warte sehen. Und ich möchte, obwohl es ein Thema ist, was sich so durch unser Leben durchbohrt und uns auch viel so einschränkt, trotzdem mit so einer Neugierde mit dir darüber sprechen, damit es dir leichter fällt. Die fällt. Und da, wo es dich auch betrifft, aufzudecken, zu entdecken, um hinzuschauen, denn Scham ist ja, ich sag mal, wirklich ein körperlicher Zustand, wo wir aufhören hinzuschauen, weil wir diese Kombination an Gefühlen, die Scham in uns auslöst, oft nicht gut aushalten können und nicht gut halten können. Und wenn wir aber. Wenn wir aber mit so einer gewissen Neugierde an dieses Thema drangehen, macht es uns das ein bisschen leichter zu sagen, okay, wo überall ist es denn eigentlich in meinem Leben da? Und wenn ich mit Neugierde dran gehe, heißt das auch ein Stück weit dieses, was sind denn meine Optionen, damit so umgehen zu lernen und es von verschiedenen Seiten anzuschauen, dass es mein Leben nicht mehr so beherrscht. Sondern, dass ich eher Lust bekomme, mit so einer freudigen Neugierde und auch mit einer Intensität, vielleicht sogar auch mit einer Wut, mit einer Klarheit zu sagen, und jetzt stampfe ich auf und werde erst recht die Felder aufdecken von Scham in meinem Leben und hinschauen und damit rausgehen und ich weiß, dass es mir schwerfallen wird. Aber verdammt nochmal, ich habe ein Recht auf, auf ein gutes Leben und auf ein sattes Leben und auf ein vielfältiges Leben, halt auf ein lebendiges Leben. Und wenn du dich da angesprochen fühlst, dann lass uns wirklich zu einer großen Herde von Menschen werden, die aufstampfen und die sagen, lasst uns dahin schauen, wo Scham ist. Lasst uns dahin schauen, wo wir alle immer sonst wegschauen, lasst uns da in Verbindung gehen, wo wir sonst in Trennung gehen, denn dieses Gefühl oder dieser Gefühlskomplex, den Scham in uns auslöst, der sorgt einfach dafür, dass wir uns isolieren und ich habe ein ganz schönes Schreiben bekommen von einer Frau, die Mitte 50 ist und die in ihrem Leben auch sehr viel sexuellen Missbrauch, die sehr viel Gewalt, sehr viel Übergriffe und ähnliches erlebt hat. Bis heute, obwohl sie Mitte, Ende 50 ist, Angst hat vor Partnerschaft, weil sie sich nicht wirklich vertrauensvoll hingeben kann. Und sie hat mir folgende Zeilen geschrieben und da möchte ich einfach an diesen Zeilen entlang so ein bisschen mit dir gemeinsam schauen, wo vielleicht etwas ist, was uns gemeinsam triggert oder auch gemeinsam verbindet. Und sie schreibt, ich erlebe in meinem Umfeld einige Frauen, die zum Thema weibliche Sexualität Ängste entwickelt haben. Und sie schreibt, ich erlebe in meinem Umfeld einige Frauen, die zum Thema weibliche Sexualität ängste entwickelt haben, weil wir über unsere Erziehung in Klammern aus den 60er Jahren Schuldgefühle und Scham mit diesem Thema verbinden. Die heutige Offenheit dazu verwirrt uns oft, weil wir alles richtig machen wollen. Ich selbst sein zu dürfen, Wünsche zu äußern und Bedürfnisse zu haben, wurde uns aberzogen. Immer wieder aushalten und unterordnen war die Devise. Ein liebevoller Umgang mit sich selber darf das wirklich sein, sich zu achten, damit ich auch den anderen sein lassen kann. Generation Babyboomer hat viel Missbrauch erlebt, war still und hat ausgehalten und funktioniert. Heute brechen wir zusammen und Neuorientierung fällt uns schwer. Mit Leichtigkeit zum Erfolg ist so ein Slogan, der in vielfältiger Hinsicht gebraucht wird. Wenn das geht, warum war dann mein ganzes Leben so mühsam? Das darunterliegende Thema ist, sich immer irgendwie falsch zu fühlen. So wollen wir alles richtig machen, es möglichst jedem recht machen und wissen oft selbst nicht, was wir eigentlich wollen. Ich will, Ausrufezeichen zu sagen, fällt schwer. Wir können uns besser zusammenreißen, durchhalten und nach außen lächeln. Ich habe mit hunderten von Frauen gesprochen, fast alle hatten Schwierigkeiten, sich selbst anzunehmen, Bedürfnisse zu äußern und über Hingabe und Sexualität darf irgendwie nicht gesprochen werden. Heute ist alles offener und freier. Uns fehlt immer noch wieder der Mut dazu. Das sind die Zahlen, die ich bekommen habe, wo ich gemerkt habe. Auch wenn es jetzt gar nicht so das Thema ist, wo jemand was ganz krasses beschreibt. Ja, also so man kann ja manchmal mit wenigen Worten so eine Situation, die so krass ist, so beschreiben und das ist so eine, wie soll ich sagen, Zusammenfassung von vielleicht einer Generation, die diese Dinge auf diese Art erlebt hat und ich habe mittlerweile echt eine ganze, ganze, ganze Reihe Frauen. Frauen kennengelernt, die irgendwo zwischen 50, 60, 70 und sogar noch ein Stück älter sind, die exakt das Gleiche beschreiben und an allererster Stelle möchte ich eine Sache sagen, weil sie mir so brennt zwischen den Fingern. Ich bin mittlerweile super überzeugt davon, nachdem ich mich so viele Jahre mit diesem Thema immer und immer wieder auseinandersetze in einer Form, die jetzt nicht so, ich lese mich mit meinem eigenen Körper, mit meinem eigenen Leben, mit diesen Themen auseinander und ich habe bemerkt, dass es zwar für die älteren Frauen, also ich sage mal 50, 60, 70 oft so wirkt, wie wenn die jüngere Generation mit diesen Themen so leicht und easy umgeht und ja, dass das Thema Scham vielleicht gar nicht mehr so da ist und ich muss ganz ehrlich direkt daraus sagen, das stimmt so nicht. Ich habe unfassbar viele Frauen, die mich mit diesen Themen auseinandersetzen und ich habe viele Frauen, junge Frauen, sehr, sehr junge Frauen kennengelernt und mit denen gesprochen und das Thema Scham ist unverändert in der gleichen Intensität da. Es sieht nur noch außen ein kleines bisschen anders aus, weil sich jüngere Frauen in manchen Bereichen etwas anders verhalten, weil vielleicht gewisse Überschriften in Zeitschriften, die Bilder in der Werbung, die Bilder, die wir in den Medien und auch die Filme, die wir in den Medien gezeigt bekommen, anders aussehen, aber wenn es eins zu eins darum geht, im Kontakt zu sein und ich glaube, das ist so der Berührungspunkt überhaupt, wenn es um Sexualität in Verbindung mit Scham geht oder auch umgekehrt, einem Menschen in die Augen zu schauen und mit ihm über diese Themen zu sprechen, zeigt in einem Bruchteil von Sekunden, ob und wie viel Scham oder Offenheit und ehrlich freies Leben dort ist und die Art und Weise, wie sich Menschen über dieses Thema unterhalten, zeigt in einem Bruchteil von Sekunden, dass es nicht so ist, dass es nicht so ist, dass es nur die ältere Generation in der Form betrifft, sondern ich bin mir sehr sicher auf eine fast gleiche intensive Art und Weise alle Altersgruppen und das hat was Erschreckendes auf der einen Seite und auf der anderen Seite ist es auch, hat es diesen Charakter von, dass es uns verbindet, ja, wenn du 60 aufwärts bist, 50, ganz egal, 40 und das Gefühl hast, dass Menschen, die Frauen, die vielleicht 16 oder 18 sind oder 20 oder weiß ich nicht, also einfach Jünger, dass du das Gefühl hast, ach, die haben es gut, die haben das Problem nicht und du einfach diese Tatsache an dich heranlässt, dass es sich vielleicht anders bei ihnen zeigt, aber dass so viele das gleiche Problem haben und andersherum im Übrigen auch. Manchmal ist es ja so, dass die jüngeren Menschen zu den älteren aufschauen und sagen, die sind da schon lange durch, die haben ihr Leben gelebt, die haben dafür Lösungen gefunden und so weiter. Und dann trennen wir das so. Und wenn wir gegenseitig einfach nur wissen, es zeigt sich nach außen anders, aber im Kern sind wir, was die Thematik anbetrifft, so verbunden miteinander, dann hört es auf, dass wir uns alleine damit fühlen müssen. Und wenn du mich kennst oder schon den einen oder anderen Podcast von mir gehört hast, dann weißt du, dass es einer meiner größten Antriebskräfte ist, einer meiner größten, wie soll ich sagen, Herzenswünsche, das ist so ein kitschiges Wort, eins, wofür ich sowas von brenne, dass wir für diese Themen, wo wir uns zu Gott verlassen und so alleine fühlen und denken, es betrifft nur mich oder nur meine Generation oder nur meine Altersgruppe oder nur mein Geschlecht, dass wir einfach verstehen, nein, du bist nicht alleine damit und wir sind alle so sehr im selben Netz unterwegs. Man könnte mit Netz jetzt denken, ich meine das Internet, das meine ich natürlich auch, in dem sind wir auch alle unterwegs, aber mit Netz meine ich an der Stelle in Verbundenheit mit denselben Gefühlen, mit denselben Zweifeln und Ängsten, dass es aufhören darf, dass wir so in Trennung gehen. Und deswegen bin ich auch für dieses Schreiben so dankbar, weil es einfach nochmal wieder deutlich macht, wie wir Menschen eigentlich ticken und dass wir oft woanders hinschauen und sagen, wieso ich und wieso ist es da besser und die hat es besser und es ist oft nicht so. Und wir haben es in vielen Punkten gleich gut und wir haben es in vielen Punkten auch gleich schlecht. Und über diese Form des Wissens eine Form der Verbindung zu finden, uns nicht mehr so alleine und taumelnd zu fühlen, das ist mir wesentlich wertvoll. Und ich habe eben gerade ein Thema angesprochen, was ich nochmal auf den Tisch ziehen möchte, so richtig an den Haaren auf den Tisch ziehen möchte, denn es ist wirklich wesentlich. Es gibt nicht so viele Menschen, wo wir über die Themen, die uns mit Scham im Boden versinken lassen, insbesondere was das Thema Sexualität anbetrifft, wo wir das Gefühl haben, wir können diesen Menschen wirklich, während wir sprechen, in die Augen schauen und da ist ein Verständnis, da ist ein, es ist völlig in Ordnung, was du da empfindest und es ist okay, dass du das empfindest und du bist richtig mit deinen Empfindungen. Und wenn du an irgendeiner Stelle in deinem Leben das Gefühl hast, vielleicht auch durch so einen Podcast hier angerissen, da gibt es so Themen in mir und du vielleicht ein paar Mal versucht hast, mit Menschen darüber zu sprechen und irgendwie das Gefühl hattest, du wirst da nicht richtig gesehen, vielleicht wirst du auch belächelt, vielleicht wirst du nicht ernst genommen, vielleicht kriegst du nur tolle Ratschläge und so weiter, mach dich immer wieder auf die Suche, wenn es brennt in dir, das lösen zu wollen, dir Menschen zu suchen oder zumindest einen Menschen zu suchen, der bereit ist, mit dir das zu fühlen, der bereit ist, mit dir, mit dem, was du empfindest, wirklich da zu sein und der nicht dieses in sich trägt, wir finden jetzt eine Lösung dafür, dass das bei dir weg ist, sondern der bereit ist, das mit dir zu fühlen, egal wie oft du das fühlen musst, weil der Bezug zu einem anderen Menschen, wenn wir uns mit so einem Thema zeigen, der kann in dem Moment heilsam sein, in dem ein anderer Mensch sagt, ich bin bereit, diesen Wahnsinn, den du in dir trägst, mit zu fühlen und mit anzuschauen, mit dir zusammen und für den, der gesehen wird, der sich outen darf, der rausgehen darf damit, ist das ultimativ heilsam, dass das da sein muss, dass es nicht zerredet wird, dass es Raum findet, dass er oder sie so gesehen wird mit diesem Thema und für mich ist das einer der heilsamsten Dinge, die wir Menschen uns gegenseitig geben können, solche Menschen um uns herum zu finden und nicht das Handtuch zu schmeißen und es nicht aufzugeben, nach so einem Menschen zu suchen, weil es gibt diese Menschen. Ich habe selber lange gesucht, muss ganz ehrlich sagen, mir sind unfassbar viele Menschen begegnet, die sich auch Therapeut und so weiter nennen, Coach und was weiß ich nicht alles nennen und wo ich relativ schnell gemerkt habe, okay, diese Person möchte mir eigentlich irgendwie zuhören, aber wenn ich mit meinen Themen, dahin komme, die mich belasten und die schwierig sind, dann merke ich, dass in dieser anderen Person die eigenen Trigger anschwingen und die eigenen Trigger losgehen und ich mehr oder weniger in eine Schublade gesteckt werde und derjenige nicht die Kompetenz hat und das meine ich jetzt nicht als Kritik in der Form, sondern erstmal einfach als klare Wahrnehmung von mir. Dieser Mensch hat nicht die Kompetenz, diese Wucht an Gefühlen wirklich zu verhindern, sich wirklich halten zu können, mit mir gemeinsam dahin zu schauen und einfach nur da erstmal zu bleiben, dass das gerade da ist. Und ich weiß aber, dass es solche Menschen gibt, weil ich im Laufe meiner hartnäckigen Suche und das wünsche ich dir sehr, dass du hartnäckig bist, solche Menschen zu finden. Vielleicht als Therapeut, als Coach, als Lehrer, als Freundin, als Herde eine große Gruppe zu gründen, dass wir uns immer mehr auf der Ebene begegnen können. Und ich hoffe, dass du das so sehr, dass du da hartnäckig bleibst, wenn du spürst, in Bereichen in deinem Leben, wonach du dich sehnst, nur weil wir gesellschaftlich alle, was das anbetrifft, doch wirklich nicht viel gelernt haben und uns gegenseitig oft eher die Wunden wieder aufreißen, als sie zum Heilen zu bringen. Gibt es diese heilsamen Räume und es gibt diese Menschen, die das können, weil sie sich selber auf eine ähnliche Art und Weise ihren Themen gestellt haben. Und nur solche Menschen können das. Kein Mensch kann aus Büchern, einen Menschen wirklich sehen und wirklich mit ihm Gefühle halten und wirklich, wirklich da sein. Nennen wir es mal einfach so. Und lebendig Frau sein steht aus meinem Herzen heraus auch dafür, dass wir solche Räume schaffen. Und deswegen so ein bisschen der Aufruf an dich auch, wenn du das spürst, lass dich nicht unterkriegen von Situationen, wo du wieder das Gefühl hast, jetzt hattest du mal das Gefühl, endlich eine Person gefunden. zu haben, bei der du dich safe fühlst, die wirklich bereit ist, mit dir da zu sein, mit dir durch etwas durchzugehen, mit dir etwas anzuschauen, dir einen Raum zu geben, der bedingungs- und erwartungslos ist. Und jetzt waren doch wieder Bedingungen und Erwartungen da oder es ist doch wieder ein schlauer Ratschlag gekommen. Das Handtuch zu werfen an der Stelle, weil vergiss einfach nicht, es geht um dich, es geht um dein kostbares Leben. Das ist ein Syndrom, was wir alle so sehr danken. Das hat ganz viel mit etwas zu tun, wo Scham auch mit verwickelt ist, nämlich mit dem Bereich Ohnmacht. Dieses Aufgeben, dieses Handtuchwerfen, dieses Nicht-mehr-für-sich-ein-stehen hat etwas mit dieser kollektiven Ohnmacht zu tun, die wir alle so sehr gelernt haben und die wir täglich inhalieren, wenn wir nicht immer wieder, und ich sage es so liebend gerne, du kennst es, wenn du es gehört hast von mir, dieses Popo hoch. Ich sage das oft mit so einem Schmunzeln. Ich meine es aber unter der Oberfläche super ernst. Wenn du dich diesen Themen deiner Sexualität und deiner Scham und dem Unvermögen mit bestimmten Dingen umzugehen wirklich stellen willst, dann gibt es nur diesen Satz, immer wieder den Popo hochzukriegen. Egal, wie tief du gefallen bist. Und ich weiß, wovon ich spreche an dieser Stelle. Bleib dir da drüben. Bleib dir da treu. Entwickele immer wieder ein Gefühl für, was du wirklich aufstehen möchtest und dass es um dich geht. Und für mich ist es immer so eine Kombination. Es gibt Menschen, die mehr mit inneren Bildern arbeiten und es gibt Menschen, die mehr mit Gefühlen arbeiten. Bei mir ist es eine Kombination, wobei die Gefühle überwiegen. Für mich ist es ein Gefühl von Freiheit und Lebendigkeit, das ich in mir abrufen kann und das ich kenne. Und wenn ich merke, dass mich diese Themen so sehr einholen, dass sie quasi wie so ein Schleier über alles drüberlegen, dann höre ich innerlich diesen Satz in mir, hey, Popo hoch, auf geht's. Egal, wie schwer das gerade ist, wieder aufzustehen und egal, wie der Kopf dir Geschichten erzählt, das ist aussichtslos. Es ist nicht aussichtslos. Das ist eine Lüge. Und da möchte ich dir wirklich immer wieder den Impuls geben, schick mir deine Fragen. Lass uns schauen, was möglich ist, dass wir Felder schaffen, wo du sichere Umfelder findest, wo du vielleicht die Kompetenz entwickelst, Menschen um dich herum anzuziehen, Frauen um dich herum anzuziehen, die über ähnliche Dinge sprechen wollen, die ähnliche Dinge tun wollen, die für was Bestimmtes einstehen wollen und so weiter. Und je mehr du nicht mehr darauf wartest, dass es jemand anderes für dich tut, sondern mit jeder einzelnen Handlung, das kann eine Zeile an mich sein, die ich die ich anonym verwende, um hier einen Podcast draus zu machen. Das kann das Ansprechen sein, einer Freundin zu sagen, du sag mal, wie geht es dir eigentlich mit dem und dem Thema? Einfach diesen Mut zu haben, etwas in deinem Leben in Bewegung zu bringen. Dann bist du auf der richtigen Spur. Dieses tägliche Morgens aufwachen und mit all dem, wo man sagt, ah, das muss ich wieder über mich ergehen lassen und da muss ich durch und ich warte aufs Wochenende und ich hoffe, dass dieser Tag schnell rumgeht. Alle diese Strategien, von wo wir so und so aushalte Muster reinfallen, zu erkennen und in diesen Mustern und in diesen Momenten den Moment zu schnappen und zu sagen, und das ist der Moment, wo ich etwas verändere. Ja, wir können nichts verändern, wenn wir es nicht erkennen. Wenn du nicht erkennst, in welchen Punkten du ohnmächtig bist, findest du nicht die Schnittstellen, wo du wirklich aufstehen kannst und was verändern kannst, es sei denn, du sagst, ich fühle nicht, wo ich ohnmächtig bin, ich fühle nicht, wo ich voller Scham bin, ich weiß nicht, was meine Unsicherheiten sind und ich werde jetzt einfach sehr wild, ich werde sehr körperlich, ich werde jetzt einfach Dinge anders machen und werde gucken, wo sich mir was offenbart. Das ist auch eine Option, ja. Also es gibt den Fokus direkt, ich sag mal, auf die Wunde oder in das Problem rein, wo wir sagen, ich weiß genau, wo mein blinder Fleck ist, ich weiß genau, wo der Punkt ist, der meine Verletzung ausmacht. Oder aber zu sagen, ich spüre, dass ich mich nicht mehr so gut fühle, ich spüre mich einfach unendlich schwer und wie gefangen in meinem Hamsterrad. Ich weiß nicht genau, wo die Punkte sind, aber ich würde sie gerne aufdecken und deswegen fange ich an, alles Mögliche anders zu machen in meinem Alltag. Und das ist exakt beides, Popo, hoch an der Stelle. Ich möchte noch mal ganz deutlich sagen, dass wir von den Generationen her die Themen, die da drunter schwingen, wir sind nicht getrennt voneinander. Ganz platt, eine 20-jährige Frau kann einer 60-Jährigen genauso viel wertvolle Dinge teilen wie umgekehrt auch. Und wenn wir uns auf der Ebene begegnen, dass wir im Herzen wissen, dass wir sehr viel mehr miteinander zu tun haben und sehr viel mehr gemeinsam haben, dann fängt auch an der Stelle an, ein Feld von nicht mehr so alleine zu sein und ein Feld von Verbundenheit aufzugehen, weil wir anders durch die Welt gehen. Du gehst anders durch die Welt, wenn du weißt, du bist eine junge Frau zum Beispiel und schaust eine 70-Jährige an und spürst aus dir heraus und weißt aus deinem Wissen heraus, hey, wir haben so viele Themen, die uns verbinden. Du fängst an, diese Dame anders anzuschauen. Du fängst an, diese ältere Frau anders anzuschauen und umgekehrt genauso, wenn du als 50-, 60-, 70-jährige Frau durch die Gegend gehst und auf den Fokus, also dein innerer Fokus immer nur darauf ausgerichtet ist, ach, die jungen Frauen, die haben es alle so gut, dann fühlst du dich ein, und wenn du aus dem Fokus heraus auf diese jungen Frauen schaust und sagst, hey, wir haben so viel gemeinsam, auch wenn es sich an der Oberfläche anders zeigt, dann wirst du einen anderen Blickwinkel auf andere Frauen bekommen und wir müssen andere Blickwinkel untereinander auf Frauen bekommen. Wir müssen aufhören, in diesen Kategorien zu denken, wenn wir etwas verändern wollen, wenn wir uns verbundener fühlen wollen, wenn wir aufhören wollen, aus Angst, und Traurigkeit, Ohnmacht und Scham uns abzutrennen, sondern wenn wir mit diesen Dingen, so wie du das jetzt hier getan hast, wunderbare Frau, die mir diese Zeilen geschrieben hat, einfach den Stift in die Hand zu nehmen und zu schreiben, einfach eine Freundin auf ein Thema anzusprechen, was dich vielleicht viel Mut kostet, und einfach immer wieder Dinge zu tun, die anders sind, womit du andere verwunderst, einfach immer Dinge, wo du genau weißt, dass du den Popo heute zehnmal mehr hochbekommen hast, und jeden Tag aufs Neue diese Bereiche anzufangen. Das braucht alles das, und jetzt komme ich auf das Anfangsthema zurück, das braucht alles das, was mit dem Thema Scham zu tun hat, so sehr, weil ich nochmal sagen möchte, Scham durchbohrt unser aller Leben auf ganz vielen Ebenen, dass wir es gar nicht mitbekommen, denn die Bereiche, wo wir die Scham mitbekommen, machen wir zu und gehen weg, wir schalten uns ab, entweder verlassen wir unseren Körper, oder wir finden Ausreden, oder wir verlassen den Raum, oder die Gegend, wo wir gerade sind, oder die Situation, und die Scham braucht, dass wir da bleiben. Die Scham braucht, dass wir lebendig werden, die Scham braucht, dass wir wütend die Zunge rausstrecken, dass wir aufstampfen, dass wir etwas anders machen als gewöhnt, dass wir die Zähne fletschen, dass wir körperlich werden, dass wir da sind, anstatt wegzugehen. Scham sorgt dafür, dass wir auf egal welcher Ebene, ob das innerlich, äußerlich, räumlich, aus Beziehungen, aus Situationen, aus was auch immer, Scham sorgt dafür, dass wir weggehen, auch aus unserem Körper rausgehen. Und die Heilung ist im Grunde der Aspekt alles das, wo du da bleiben kannst, wo du zum Beispiel wild deinen Körper abrubbeln kannst, um dich zu spüren in der Situation, um deine Grenzen zu spüren, um zu spüren, hier bin ich. Tiefes Atmen ist etwas, wenn wir Schamsituationen haben, hören wir auf zu atmen, tiefes Atmen trotzdem. Und immer wieder nur trotzdem den Popo hochzubekommen. Sei kreativ an der Stelle, warte nicht darauf, dass es andere für dich tun, warte nicht darauf, noch einen besseren Tipp zu bekommen. Das sind alles Strategien, um auszuweichen, sondern tu es jetzt, tu es hier, tu es heute, immer wieder. Es gibt keinen Menschen, der verantwortlicher ist für dein Glück, für deine Lebendigkeit und für dein wirklich hier sein auf der Welt, als ausschließlich du. Und du kannst das. Du kannst in jeder Sekunde deines Lebens sich aufraffen und irgendwas komisch anders machen. Du kannst in jedem Augenblick irgendwo aufstehen, entweder aufstampfen, mit den Zähnen fletschen, vielleicht auf eine Toilette gehen, deinen Körper wild abrubbeln. Du kannst, du bist fähig dazu, selbst wenn du im Rollstuhl sitzt, selbst wenn du bettlägerig bist, du kannst so vieles machen an der Stelle, was dich wild macht, was dich anders sein lässt, was dich aus Konditionen, Konditionierungen ausbrechen lässt, was dir das Gefühl gibt, dass du fähig bist, was dir das Gefühl gibt von Selbstermächtigung, nämlich fähig zu sein, in irgendeine Form in Handlung zu gehen. Und das ist, was Scham anbetrifft, insbesondere auch in Bezug auf Sexualität, das Wesentlichste überhaupt. Und wenn ich heute jetzt hier nicht so viel über das Thema Sexualität in Verbundenheit mit Scham gesprochen habe, dann einfach deshalb, weil ich glaube, dass Scham sich so durch unser Leben gefressen hat, dass Sexualität nur ein Aspekt ist, wo es sich sehr krass zeigt. Und dass es unglaublich wichtig ist zu verstehen, dass die Themen, die sich in Sexualität zeigen, einfach nur ein Spiegel sind von allen anderen Lebensaspekten, von allen anderen Lebensbereichen, wo wir das genauso wenig können und wo wir genauso mit Scham voll sind. Also nimm nicht das Brandthema Sexualität, um deine Scham zu heilen, sondern nimm das Brandthema Sexualität, sondern nimm die ganz Alltäglichen. Das möchte ich damit sagen. Und das heißt jetzt nicht, dass du dich in jeder Situation in eine schamvolle Situation reinschmeißen musst, aber das heißt, dass du in ganz, ganz vielen Situationen, wo du das Gefühl hast, dich beschämt zu fühlen, in Lebendigkeit switchen kannst, wo du, wenn du das Gefühl hast, dich wie ohnmächtig zu fühlen, also nicht mehr fähig bist, irgendwie gut zu reagieren, dass du irgendetwas tun kannst, Zunge rausstrecken, versuchen, mit der Zunge die Nasenspitze zu berühren, deine Finger zu kneten, mit deinen Händen, die du gerade geknetet hast, deinen Kiefer warm rubbeln oder deine Ohren so lange rubbeln, bis sie warm sind. Hauptsache, du tust etwas. Es mag so banal klingen, aber es geht wirklich um das Popo hoch. Mach etwas, mach irgendetwas, um dich aus dieser Suppe der Ohnmacht und des Stillstandes und das, ich schaffe das nicht und das Leben ist, wie hast du hier geschrieben, warum war dann mein Leben oft so mühsam? Es ist mühsam und es wird langsam weniger mühsam, wenn wir uns angewöhnen, viel verrückte, lebendige Dinge zu tun, wenn wir uns angewöhnen, wirklich den Popo hochzukriegen in Situationen, wo uns der Kopf erklärt, das geht nicht. Und ich sage dir, es geht doch. Es geht in kleinen Sequenzen und je öfter du das tust, desto lebendiger wird es und je weniger mühsam wird es. Und du wirst ein Feld anzünden, wo du Menschen oder Frauen ansprichst und anziehst, die dasselbe wollen, weil sie fühlen, da ist eine, die tut das, wonach ich mich sehne. Und ich glaube auch, das ist der Grund, warum du bei Lebendig Frau sein dabei bist. Es sind oft die viel banaleren und hätte ich jetzt fast gesagt, die viel leichter wirkenden Dinge, die uns schwerfallen, die wir nämlich nicht integrieren, die wir eben im Alltag nicht machen, warum wir nicht in die Puschen kommen, als dass es irgendwelche großen Superübungen sind, die für teures Geld verkauft werden. Wir haben das Handwerkszeug alles bei uns und das ist eigentlich das Geniale. In diesem Sinne freue ich mich, dass du heute dabei bist. Ich freue mich, wenn du mir Zeilen schreibst, vielleicht deine Frage, vielleicht einfach nur deine Erfahrung, wonach auch immer dir ist. Ich freue mich, wenn du mir berichten magst. Wo du durch viele kleine Dinge etwas in deinem Leben verändert hast. Und ich würde mich riesig freuen, wenn du mir eine positive Bewertung auf iTunes gibst. die es bei uns oder Apple gibt, damit ganz viele andere Frauen, die ähnlich empfinden, diesen Podcast wirklich gut und schnell finden. Ich würde mich freuen, wenn du einfach ein Feld anzündest, ebenso voller Lust und Leidenschaft, auf deine Art und Weise, dass wir alle aus dieser Scham und dieser Ohnmacht erwachen, ein ganzes Stückchen mehr und du kannst das, du hast alles bei dir. Ich möchte das immer wieder sagen, du bist eine wunderbare Frau, die es verdient hat, ein leuchtendes Leben zu führen und die es verdient hat, wild und lebendig und verrückt zu sein und ja, einfach ihr Potenzial, das, was du mitbringst, hier wirklich ausdrücken und leben zu können und die Welt damit ein Stückchen reicher und schöner zu machen. In diesem Sinne, so schön, dass du heute dabei warst, bis hier, das ist wieder mal ein ganz langer Podcast geworden, dass du bis hier zugehört hast. Ich freue mich, dass du dabei bist. Ich freue mich, von dir zu hören. Ich danke dir für deine Zeit und dein Vertrauen. Bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Mal.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Scham ist ein körperlicher Zustand, der dazu führt, dass wir wegschauen und uns von unseren Gefühlen und unserem Körper trennen.
  2. Scham durchzieht alle Lebensbereiche und Generationen, auch wenn sie sich nach außen unterschiedlich zeigt.
  3. Besonders im Bereich Sexualität wird Scham sichtbar, ist aber nur ein Spiegel für andere Lebensbereiche.
  4. Ein Brief einer Frau Mitte 50 beschreibt, wie Erziehung, Schuldgefühle und Ohnmacht über Generationen weitergegeben wurden.
  5. Die jüngere Generation ist von Scham in gleicher Intensität betroffen, auch wenn das Verhalten nach außen offener wirkt.
  6. Heilung geschieht durch Verbindung
  7. „Popo hoch" ist die zentrale Botschaft
  8. Jede Frau trägt die Verantwortung für ihr eigenes lebendiges Leben und kann in jedem Moment etwas verändern.

Summary:

In dieser Podcast-Folge von „Lebendig Frau sein" spricht Lilian über das Thema Scham, insbesondere in Verbindung mit Sexualität. Sie erklärt, dass Scham ein körperlicher Zustand ist, der uns dazu bringt, wegzuschauen, uns zu isolieren und aus unserem Körper zu gehen. Scham durchzieht alle Lebensbereiche und betrifft alle Generationen – auch wenn es oft so scheint, als hätten jüngere Frauen weniger damit zu kämpfen.

Ein Brief einer Frau Mitte 50 macht deutlich, wie Erziehung, Schuldgefühle und Ohnmacht über Generationen weitergegeben wurden und bis heute wirken. Lilian betont, dass Scham uns alle verbindet und wir uns nicht länger getrennt fühlen müssen. Heilung entsteht durch Verbindung: durch Menschen, die bereit sind, mitzufühlen, ohne zu bewerten oder vorschnelle Lösungen anzubieten.

Ihre zentrale Botschaft lautet „Popo hoch" – aktiv zu werden, den Körper zu spüren, tief zu atmen und immer wieder etwas anders zu machen, auch wenn es klein erscheint. Jede Frau hat das Handwerkszeug in sich, um aus Scham und Ohnmacht zu erwachen und ein lebendiges, wildes und erfülltes Leben zu führen.

FAQs

Scham ist ein körperlicher Zustand, der oft dazu führt, dass wir wegschauen oder uns zurückziehen. Sie äußert sich als Gefühlskomplex, der uns isoliert und einschränkt.

Nein, Scham betrifft alle Altersgruppen in ähnlicher Intensität, auch wenn sie sich nach außen anders zeigt. Junge Frauen erleben Scham genauso, nur die Verhaltensweisen und Medienbilder sind anders.

Indem wir neugierig bleiben und uns trauen, hinzuschauen, anstatt wegzugehen. Kleine Handlungen wie tiefes Atmen oder den Körper zu spüren helfen, im Moment zu bleiben.

Sexualität ist ein Bereich, in dem Scham besonders stark sichtbar wird, aber sie spiegelt nur andere Lebensbereiche wider. Die Heilung beginnt oft bei alltäglichen Situationen, nicht nur beim Thema Sexualität.

Es ist ein Aufruf, immer wieder aufzustehen und aktiv zu werden, egal wie schwer es ist. Durch kleine, ungewohnte Handlungen durchbrechen wir Ohnmacht und Scham.

Suche hartnäckig nach Menschen, die bereit sind, mit dir zu fühlen und dich ohne Bedingungen zu sehen. Solche heilsamen Räume entstehen oft durch gegenseitiges Vertrauen und Offenheit.

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