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Verzeihen lernen: Sollte man ALLES vergeben und verzeihen?

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Verzeihen lernen: Sollte man ALLES vergeben und verzeihen?

Das Gespräch beleuchtet die komplexen Aspekte von Verzeihen, Vergeben und Versöhnen in Beziehungen. Verzeihen wird als innerer Vorgang verstanden, bei dem man Unrecht akzeptiert und Rache aufgibt, ohne den anderen direkt zu belasten. Vergeben ist dagegen eine aktive, gemeinsame Entscheidung, bei der beide Parteien Verantwortung übernehmen und zukünftige Verhaltensweisen sichern. Versöhnen folgt dann als Schritt hin zu einer neuen Beziehung, jedoch nur wenn die grundlegenden Werte und Verletzungen berücksichtigt werden. Der Prozess ist stark von individuellen Werten, früheren Erfahrungen und Glaubenssätzen abhängig – vor allem bei schweren Verletzungen wie Fremdgehen oder Lügen. Wichtige Voraussetzungen sind die Wahrnehmung der Verletzung als gemeinsam und die Bereitschaft zur Veränderung. Wenn diese nicht erfüllt sind, führt das zu kumulierter Wut, Unsicherheit und emotionaler Belastung, die sich in der Beziehung und im Alltag widerspiegeln. Der Erfolg hängt von gegenseitiger Empathie, Verständnis und konkreten Verhaltensänderungen ab. Nicht jede Beziehung kann erfolgreich vergeben oder versöhnt werden – manchmal ist eine Trennung der bessere Weg, um für die Kinder ein stabiles und gesundes Elternpaar zu schaffen. Die Gespräche zeigen, dass Vergebung kein Abstraktum ist, sondern ein tief wurzelter Prozess, der auf echter Kommunikation, Wertschätzung und emotionaler Sicherheit basiert.

Transcription

8489 Words, 51774 Characters

German
Fällt dir eine Sache ein, die du in deinem Leben nicht verzeihen oder vergeben könntest? Ich habe ganz besonders drastische Vorfälle. Bestimmt, wenn jemand unserem Kind was antun würde, das wäre was, was bestimmt schwer zu verzeihen und zu vergeben wäre. Weil, wie soll man da seine Wut so recht loslassen? Das ist sehr schwierig. Es gibt bestimmte Themen in Partnerschaften, es ist ja häufig das Thema Fremdgehen, Affäre. Allerdings gibt es so viele Gegenbeispiele, wo dann die Menschen das gerne verzeihen und vergeben möchten. Weil man merkt, dass doch noch so viel mehr Aspekte dazu zählen. Deswegen finde ich das ganz schwierig, das für einen selber ganz sicher auszuschließen. Das strebt natürlich gegen die eigenen Werte, aber ich kann es nicht hundertprozentig ausschließen, allein schon aufgrund der Coaching-Erfahrung. Aber ich glaube, das, was den meisten Menschen sehr, sehr schwer fällt, das würde ich auch als schwer empfinden. Wenn halt, wie gesagt, jemand dem Kind Schaden zufügt. Beim Thema Verzeihen oder Vergeben, wenn man jetzt auf eine Partnerschaft schaut, kommt ja schnell das Thema Fremdgehen, Affäre. Es ist ja selten, dass jemand in dem Zusammenhang sagt, ja, ich könnte jetzt nicht verzeihen, was du mal mir im Streit als Vorwurf gesagt hast. Also auf kommunikativer Ebene sind wir meistens immer sehr großzügig, finde ich, im Verzeihen und Vergeben. Also das ist bei uns nicht so abgespeichert. Meistens sind das so ganz starke Ausschlussverletzungen, wie zum Beispiel Fremdgehen. Fremdgehen, Affäre, was bei vielen dann so aufploppt. Dass das Gefühl da so stark ist, dass man sagt, das haut so gegen meine Werte, die ich habe, von Ehrlichkeit, von Verbindung, Zugehörigkeit, dass das für mich schwierig ist, mir das vorzustellen, dass ich das verzeihen oder vergeben könnte. Ja, ab einem gewissen Level von Systemgesetz 1. Also Systemgesetz 1 heißt Zugehörigkeit, kein Ausschluss. Und ab einem gewissen Level Ausschluss wird das schwer. Weil das so die stärkste Verletzung ist, die passieren kann. Du bist im Podcast der Lebensidealisten. Mein Name ist Florian. Ich bin Ina. Wir sind Paartherapeuten und Coaches und helfen euch raus aus der Krise hinein in eine dauerhaft glückliche und harmonische Situation. Jetzt haben wir ja schon eben ganz kurz über die Begriffe Verzeihen und Vergeben gesprochen. Lass uns nochmal darüber sprechen, was das konkret heißt. Also was heißt Verzeihen? Also die Begriffe werden ja viel als Synonym benutzt. Und ich würde auch sagen, auch wir nutzen sie im Coaching eher Synonym, weil es eben umgangssprachlich so ist. Genauso wie wir auch von Entschuldigen reden. Obwohl wir eigentlich ja nicht sagen Entschuldigung, sondern es tut mir leid aus bestimmten Gründen. Weil es halt eben doch einen Unterschied macht. Und Verzeihen ist eigentlich die erste Stufe. Verzeihen heißt eigentlich, dass ich Unrecht akzeptiere und auf Rache verzichte sozusagen. Das heißt, ich räume erstmal überhaupt ein, dieses Thema loslassen zu wollen und zu können. Ohne aber das mit dem anderen wirklich persönlich klären zu müssen. Das heißt, es ist ein rein innerer Vorgang in mir, dass ich etwas loslasse. Also zum Beispiel, wenn jemand mich mit dem Auto scharf schneidet. Wenn ich auf den wütend werde, dann kann ich danach innerlich entscheiden, ihm zu verzeihen, das loszulassen und ihm nicht danach auszubremsen und ihn anzuschreien. Sondern kann dann entscheiden, ich lasse los und den anderen muss ich gar nicht informieren. Mit dem muss ich gar nicht sprechen, ein Gespräch führen, sondern ich verzeihe einfach, lasse los und bin damit innerlich im Reinen. Geht bei einfachen Dingen, wie bei so einem Autothema, sehr gut. Bei anderen Themen kann es natürlich schwieriger werden. Und das ist häufig auch dann. Und das Problem, warum es nicht weitergeht, aber da kommen wir später zu, wenn das eben gegen die eigenen Werte sehr strebt, das hatten wir eben auch schon mal so ein bisschen angerissen, dann wird das Verzeihen schwierig. Verzeihen ist ja auch oftmals, finde ich, in meinem Gefühl etwas oberflächlicher. Also die erste Stufe, wie du sagst. Also kennt man ja vielleicht auch zum Umgang miteinander, dass man sagt, Verzeihung, kann ich da mal vorbeigehen? Also es ist irgendwie so eine Floskel, die man ja häufiger vielleicht mal benutzt. Und es ist auf so einer Ebene. Auf einer Ebene, wo es schnell erledigt ist. Das brennt sich nicht in mein Gehirn ein. Das ist jetzt nichts, was mich nachhaltig prägt. Normalerweise strebt es nicht stark gegen meine Werte. Ich kann relativ gut mir die Frage stellen, könnte es auch anders sein? Der meinte es gar nicht mit mir böse. Und auch wenn ich mit jemandem keinen alltäglichen Kontakt habe. Also das für mich einfach nur innerlich zu lösen, würde ich als schwierig erachten, mit dir zum Beispiel, wo wir dann immer im täglichen Austausch miteinander sind, eine sehr enge Beziehung führen. Mit meinem, keine Ahnung, Arbeitskollegen, entfernten Bekannten, jemandem, der über die Straße läuft und mich nicht sieht und so weiter. Also so typischerweise Menschen, die mir sehr weit entfernt bis völlig fremd sind, geht das sehr gut. Das kann ich mit mir selber ausmachen. Wäre ja auch schlimm, wenn es nicht ginge. Dann würde ja jedes Mal, wenn irgendwer Fremdes durch seine Verhaltensweise in mir ein Gefühl auslöst, dann könnte ich das ja gar nicht verarbeiten. Deswegen kann ich das innerlich verarbeiten. Ich kann mir vorstellen, dass der auch, wenn ich ihm das sagen würde, bestimmt sagen würde, ich meinte sie gar nicht, ich wollte das gar nicht, ich habe nicht aufgepasst und so weiter. Dann sind das so Dinge, die man dann für sich innerlich lösen kann, ohne den anderen Menschen dabei zu brauchen, weil ich mit dem ja auch gar nicht in eine weitere Beziehung gehen will. Den sehe ich wahrscheinlich nie wieder. Aber es ist ja spannend, es gibt ja schon durchaus Menschen, die, sag ich mal, durchs Leben gehen und sich sehr schnell, sehr persönlich gehalten haben. Und sich gekränkt fühlen von Kleinigkeiten. Also wo die Reaktion nicht so ist, wie du sagst, dass man das relativ schnell gehen lassen kann, sondern wo die Wut ein dauerhaftes Thema ist. Aber das ist ja häufig auch ein Hinweis auf eine Prägung oder auf einen Glaubenssatz, also dass ich eine Erfahrung vor im Leben gemacht habe, dass zum Beispiel keiner meint es gut mit mir. Und dann natürlich mit diesem Blickwinkel, wenn ich dann durchs Leben gehe, dann werde ich natürlich auch alles, was dann passiert, als persönliche Attacke spüren. Ja, oder wenn ich wenig Selbstvertrauen habe, beziehungsweise eine nicht so gefestigte Identitätsebene, also da immer sehr durchlässig bin und das Gefühl habe, es geht immer um mich als Mensch ganz schnell. Sondern dass man das einfach nicht von sich weisen kann und sagt, es geht nur ums Verhalten oder der hat gerade einen guten Grund für sich, sondern immer sehr schnell mich als Mensch in Frage stelle, Selbstzweifel habe und das immer sehr schnell auf Identitätsebene sehe, ich werde nicht gemocht, deswegen passiert mir das und so weiter. Und dann wird natürlich das durch meine Brille, die ich habe, auch immer wieder bestätigt. Kommen wir mal zum Vergeben. Vergeben ist jetzt eher eine Stufe weiter, die aktive Entscheidung, dass ich mit der anderen Person in Austausch gehen möchte, mein Leid zeige, dem anderen die Chance einräume, Verantwortung zu übernehmen, aber auch eine Veränderung herbeizuführen, also zukünftig anders zu handeln. Und wenn man dann entsprechend vergibt, kehrt einerseits innerer Frieden ein. Andererseits haben wir eben auch mehr Sicherheit miteinander, weil jetzt weißt du ja davon, was mich verletzt und kannst ja auch selbstbestimmt entscheiden, wie du anders handeln könntest, sodass es mich zukünftig eher nicht mehr verletzt. Und dann gibt es ja noch den dritten Schritt sozusagen, das Versöhnen. Das ist ja der Schritt nach vorne und der ja sozusagen auch diesen Neustart, den sich viele Menschen in der Partnerschaft zum Beispiel wünschen, ermöglicht. Wir haben uns jetzt miteinander versöhnt, es ist jetzt alles wieder gut zwischen uns und wir wollen jetzt mit einem neuen Ziel in die Zukunft starten und lassen das alte rum. Und da ist es sehr spannend mal zu überlegen, gehen diese Dinge einzeln oder müssen die aufeinander aufbauen, denn aus meiner Sicht ist einer der größten Fehler in diesem Bereich, was auch nicht funktioniert, was auch viele gemerkt haben, die sich dann bei uns melden für ein Coaching, versöhnen alleine, ohne Vergeben, ohne Vergebung. Ohne Verzeihen geht nicht, das ist ein Dreischritt. Ich muss quasi erstmal überhaupt sagen, ich kann das Verzeihen grundsätzlich, das kann ich mit meinen Werten in Einklang bringen. Dann muss ich überlegen, brauche ich jemanden dazu, um das direkt zu besprechen, weil das auch jemand ist, der das wissen sollte, weil das spielt in unserem gemeinsamen Alltag eine Rolle und das soll sich nicht wiederholen. Okay, also Vergeben. Wenn das Vergeben gut funktioniert und alle Voraussetzungen erfüllt sind, dann kann man sich versöhnen. Aber es funktioniert eben nicht. Verzeihen und Vergeben auszulassen und zu sagen, machen wir einen Haken dran, wir tun morgen so, als wäre nichts passiert und versöhnen uns einfach wieder. Und das ist etwas, was regelmäßig eben schiefläuft, nicht funktioniert. Das geht zwei, drei Wochen. Zwei, drei Wochen kann man das meistens ganz gut verdrängen und das beiseite schieben, das nicht thematisieren. Aber bei der nächsten Uneinigkeit, da kommt dann doch das Gefühl wieder hervor. Man merkt, ich habe Versöhnung gemeint, Verdrängung gemacht. Ja, oftmals auch so die Frage nach emotionalen Verletzungen. Kann man das verzeihen im Coaching? Also so aus der Frustration, aus der Hilflosigkeit heraus. So kann man das überhaupt als Mensch verzeihen? Und ich finde das immer ganz spannend, wenn diese Frage aufkommt, weil es gibt dafür keine absolut hundertprozentige Antwort. Also wer ist erst mal Mann? Kann man das verzeihen? Das ist ja sowas von individuell. Jeder Mensch hat andere Werte. Jedem Menschen ist etwas anderes wichtig. Jeder hat seine eigenen Voraufgaben. Erfahrungen im Leben gemacht und ob man das verzeihen kann, das können wir auch nicht sagen. Wir können manchmal eine Tendenz sagen, aufgrund der Erfahrungen mit Paaren, dass wir sagen können, wir haben so und so viele Menschen erlebt und gesehen, die das verzeihen konnten, die das vergeben konnten, die einen Neustart machen konnten, aber ob die Person im Einzelnen das individuell verzeihen kann, kann nur die Person selbst entscheiden. Das ist immer höchst individuell. Wir können halt so einen statistischen Wert angeben, so nach der Erfahrung mehr auch nicht. Und da gibt es auch die interessantesten Geschichten dazu. Es gibt Menschen, die ein Doppelleben, vielleicht mit sogar einem Kind, was entstanden ist, vergeben und sich versöhnen. Das funktioniert. Andere, da wird einmal fremdgeküsst und das Thema ist durch. Es gibt kein Vergeben und Versöhnen. Das ist eben, wie stark hängt das mit meinen eigenen Werten zusammen? Was lasse ich zu? Und auch manchmal sind diese Konstellationen von außen einfach kognitiv schwer zu greifen. Das ist halt so eine Gefühlssache. Das gibt offene Beziehungen, die dann sagen, wir tauschen uns darüber aus und sind immer ehrlich zueinander. Und dann passiert das, dass jemand, ohne das mitzuteilen, jemand anderen geküsst hat, was eigentlich voll im Rahmen ist. Aber dieses nicht mitzuteilen ist dann so eine starke Verletzung, so ein starker Vertrauensbruch gegen das Konzept der Ehrlichkeit innerhalb der offenen Beziehung, dass auf einmal eine Trennung ansteht. Also es gibt die verrücktesten Konstellationen, es gibt Dinge, wo man selber überrascht ist, dass das Verziehen, Vergeben und Versöhnt werden kann. Und es gibt andere Konstellationen, wo man denkt, aus der Erfahrung müsste man das gut hinkriegen und dann funktioniert es eben nicht. Das hängt so stark von den eigenen Werten und Prägungen ab, dass das eben höchst individuell ist. Wir wollen jetzt in dieser Folge genauer nochmal drauf schauen, wie funktioniert das mit dem Vergeben, Versöhnen, was für Voraussetzungen braucht es, was für Probleme entstehen vielleicht, wenn man es nicht macht. Wenn man dafür sich keinen guten Weg findet, dann landet man ja irgendwann in der Krise. Weil dann stauen sich diese ganzen unguten Gefühle auf, die nicht vergeben sind. Und dann führt es dazu, dass irgendwann ja immer mehr Dinge auch alltäglich passieren. Weil wenn ich das nicht ausspreche und mit dir kläre, dann haben wir am Anfang die erste Verhaltensweise, die was macht, die nächste. Und irgendwann sammeln sich ja jede Menge Verhaltensweisen an, die immer mehr Verletzungen produzieren. Wenn du schon mehrere Folgen bei uns geschaut hast und immer mal wieder für dich gute Impulse mitnehmen kannst, dann freuen wir uns sehr, wenn du eine Bewertung bei Apple oder Spotify dalässt. Und natürlich kannst du uns bei YouTube sehr gerne abonnieren oder einen Kommentar zur Folge schreiben. Wenn du eine Frage hast, sehr gerne antworten wir dir. Warum sprechen wir überhaupt über Vergeben, Versöhnen? Weil Systemgesetzverletzungen, also emotionale Verletzungen in zwischenmenschlichem Kontakt halt ganz normal sind und immer wieder passieren. Die Art und Weise, wie wir damit umgehen, ist eben problematisch. Und deswegen ist es wichtig, einmal zu schauen, wie können wir da hinkommen, dass wir emotionale Verletzungen vergeben und auch versöhnen können. Und häufig geht es dabei um Systemgesetz 1 oder 2 oder auch 3. Also Systemgesetz 1 wäre Zugehörigkeit kein Ausschluss. Wir wollen halt immer uns zugehörig fühlen und das kann schon ein Ausschluss sein von einer Entscheidung, wo man das Gefühl hat, das müssten wir eigentlich zusammentreffen. Und wenn der andere das alleine entscheidet, dann kann es sein, dass wir uns schon ausgeschlossen fühlen. Das zweite Systemgesetz ist Anerkennung, Wertschätzung, Respekt. Das ist ja sehr klar eigentlich, aber da steckt natürlich das Thema im Detail. Was zeigt mir, dass ich mich respektiert fühle und so weiter. Also es ist im Detail sehr unterschiedlich und sehr interessant. Das dritte Systemgesetz ist Ausdeich von Geben und Nehmen. Also dass wir in Summe uns als Team fühlen, gleich viel reingeben, wie wir rausnehmen. Dass da eben so ein Team, so ein Fairness-Gefühl da ist in allen möglichen Situationen. Ob das nun Haushalt ist, Geld verdienen, Geld ausgeben, also alles dieses, wo man fragen könnte, wer hat wie viel von, wer macht wie viel. Also immer dieses Wer-Wie-Viel. Und wenn man natürlich Themen hat, die zwischen einem stehen, also wie du schon sagst, die Verletzungen beim Thema Wertschätzung oder Zugehörigkeit, das belastet natürlich eine Beziehung sehr stark. Weil wir möchten ja alle in Verbindung miteinander sein und geliebt werden und anerkannt werden und gesehen werden. Und dazu gibt es auch einige Studien, die ganz klar zeigen, dass das Thema Vergebung eine große Rolle spielt, wenn es darum geht, eine emotionale Belastung zu haben. Also, dass es zu einer besseren Lebensqualität kommt bei uns selber, wenn wir vergeben. Das ist ja auch sehr verständlich, weil wenn wir vergeben, der Gedanke von Rache ist nicht mehr da, wir haben eher eine positive Stimmung, weil eine Erleichterung da ist, dass das natürlich auch unsere Lebensqualität erhöht. Ja, und auch für den, der Verantwortung übernimmt. Und ist das sehr bereichernd, weil das für mich ja auch total unangenehm ist, zu wissen, dass Menschen irgendwie hier rumlaufen, die total wütend auf mich sind und wo ich sozusagen eine Rache befürchten müsste. Das ist ja wesentlich angenehmer, wenn ich mit Menschen im Umfeld ein gutes Verhältnis pflege und weiß, allen um mich herum geht es gut, keiner ist wütend auf mich. Das zeigt meinem Unterbewusstsein, du bist in Sicherheit. Wenn jemand um mich herum ist, der wütend auf mich ist, dann könnte davon eine potenzielle Gefahr ausgehen. Das heißt, normalerweise ist es auch für mich sehr erleichternd, wenn ich Verantwortung übernehme und dir dabei helfe, deine Wut abzubauen. Aber gerade beim Thema Verzeihen kommen viele Menschen an ihre Grenzen auch. Dass man sagt, ich möchte das irgendwie ja schon gerne verzeihen, weil ich möchte das Thema ja loslassen können, ich möchte, dass es wieder gut zwischen uns ist, aber ich bin in einem echten Wertekonflikt. Und da sind wir bei dem Thema Fremdgehen, Fremdverlieben, aber vor allen Dingen auch bei der Affäre. Beim Lügen. Genau, bei der Unehrlichkeit das dann gesagt wird, ja, ich möchte das wirklich verzeihen, ich möchte das aus tiefstem Herzen, aber du hast da so krass meinen Wert verletzt, dass ich das nicht einfach so verzeihen kann. Und gar nicht selten ist es im Coaching ja auch so, dass manche Menschen berichten, ja, wenn ich das jetzt verzeihe, ist das dann einfach gelöscht. Ich möchte schon, dass derjenige immer noch diese Aufmerksamkeit in gewissem Maße auf das Thema hat, weil sonst habe ich das Gefühl, das bekommt nicht die nötige Anerkennung, mein Leid wird nicht gesehen, wenn ich jetzt einfach sage, ja, ich verzeihe das. Dafür war der Schmerz in dem Moment, wenn ich das erfahren habe, als es rausgekommen ist, einfach so groß und so erschütternd, dass das nicht einfach mit einem Verzeihen getan ist. Und deswegen geht es dann ja in den gemeinsamen Austausch, das Lösen der Verletzungen und dann in die Vergebung, wenn möglich. Wenn wir bei so einem Wertekonflikt sind, das sind typischerweise die paar Therapien, wo einer mindestens von beiden sagt, ich brauche erstmal Klarheit, denn auch wenn wir das gemeinsam durcharbeiten, weiß ich nicht, ob ich das final loslassen kann. Weil das so sehr gegen meine Werte strebt. Ich hätte bis jetzt nie gedacht, dass ich überhaupt wenn sowas passiert, in eine Paartherapie gehe, weil ich bis jetzt immer gesagt habe, wenn das mal vorkommt, das ist ein klarer Trennungsgrund. Und jetzt merke ich, wo es passiert ist, ich kann mich doch nicht so klar trennen und ich möchte probieren, ob man das irgendwie verarbeitet bekommt. Und deswegen wieder so die Frage, kann man das verzeihen? Das wird sich dann ja gestellt, weil wir sind oft zur Suche nach Kontrolle, nach Klarheit. Ich habe bis jetzt zum Glück im Leben noch nicht die Erfahrung gemacht und jetzt stehe ich vor der großen Frage, kann ich das verzeihen? Und die meisten Menschen versuchen ja in dieser Lage irgendwie Klarheit zu bekommen, indem sie mit anderen Menschen darüber sprechen. Also was ich Freundinnen fragen, Kumpels fragen, könntest du das verzeihen? Oder in der Familie fragen, wie geht man damit um? Und das ist immer ganz spannend, finde ich. Also ich betreue ja sehr viele Paare rund um das Thema Affäre und wenn die dann erzählen und sagen, ja, ich habe mit meiner Freundin darüber gesprochen oder mit meiner Schwester oder mit meinem Bruder. Und dann frage ich auch manchmal gerne nach, was haben die denn gesagt? Und dann kommen halt ganz oft die Glaubenssätze von den Personen. Also dass halt dann jemand sagt, ja, nee, also wer einmal fremd geht oder wer einmal eine Affäre hat, der hat immer wieder eine Affäre. Ich könnte das ja nicht verzeihen, das macht ja gar keinen Sinn. Die Nächste, die sagt, ja, aber es kommt ja darauf an, du musst ja auch an die Kinder denken. Dann kommt das Kinderargument dann rein. Dass man ja nicht nur alleine für sich einen Entscheidungen treffen sollte, sondern ja auch immer mit oder dem Gedanken mit den Kindern dabei haben sollte. Und letztendlich steht man dann wieder am Ende davor und sagt, ja, da habe ich jetzt viele Argumente gehört, aber so wirklich Klarheit habe ich nicht gefunden. Weil es kommt ja darauf an. Der eine hat damit vielleicht ein bisschen Recht, bei dem anderen matcht der Gedanke nicht so. Ja, das ist wie du eingangs auch sagtest, also man sammelt damit Glaubenssätze anderer Menschen, aber das sind ja nicht meine. Und das sind ja auch nur Glaubenssätze von Menschen, die typischerweise jetzt gerade nicht in der gleichen Situation stecken wie ich. Also auch das empathisch schwer nachempfinden können. Man kann das als einfachstes Beispiel ist immer, wenn Personen, die noch keine Eltern sind, versuchen sich einzufühlen, wie es denn ist, wenn man Eltern ist und wie man dann erziehen würde und so weiter. Das ist halt sehr schwierig, weil du nie weißt, wie es sich wirklich anfühlt, Vater oder Mutter zu sein, wie dein Kind sein wird und so weiter. Das ist alles vorher schwer umzusetzen. Das ist bei anderen Menschen natürlich exakt das Gleiche. Wenn man selber zum Beispiel darin steckt, sich zu fragen, sollen wir der Beziehung nach einer Affäre nochmal eine Chance geben oder nicht? Kann ich das? Will ich das? Und da können andere eben, wenn sie es noch nie erlebt haben oder auch jetzt gerade nicht in dieser Situation stecken, können da eigentlich nur so einen Ratschlag aus ihren eigenen Glaubenssätzen herausgeben, der typischerweise eher negativ ausfallen wird wahrscheinlich. Deswegen ist es ja so sinnvoll, wenn man da an einem gewissen Punkt kommt, wo man sich dann im Kreis dreht, weil viele führen ja zum Beispiel ganz gute Gespräche, dann fangen sie an, sich im Kreis zu drehen und nicht weiterzukommen, dann einen unabhängigen Dritten mit ins Boot zu nehmen, der keine eigenen Glaubenssätze mit reinbringt, weil er darauf trainiert ist, sondern dafür sorgt, zu schauen, wie ist es denn bei euch? Kriegen wir es bei euch hin, ohne dass meine Meinung zählt, sondern kriegen wir es irgendwie hin, dass wir das für euch stimmig machen und wenn nicht, wie kriegen wir es hin, dass akzeptiert wird, dass es nicht geht? Ja, wenn Vergebung nicht funktioniert, bedeutet ja eigentlich, dass so das Übernehmen von Verantwortung nicht klappt. Ich sage, es tut mir leid, dass ich durch dein Verhalten bei dir ungute Gefühle erzeugt habe. Dann gibt es bestimmte Voraussetzungen, die nicht erfüllt waren, warum das Vergeben nicht funktioniert hat. Eine Voraussetzung ist zum Beispiel, dass der andere der Mitverursacher ist für die Verletzung und dass auch beide ihren Anteil sehen können. Was ist ein Beispiel? Also wenn zum Beispiel ein Thema in der Beziehung auftritt, wo einer sagt, da kann ich nicht die Verantwortung für übernehmen, weil das Thema war von Anfang an in der Beziehung von dir. Da bin ich gar nicht der Verursacher. Das kommt zwar jetzt aufgrund der Voraussetzungen bei uns hervor, aber eigentlich kann ich dafür keine Verantwortung übernehmen. Ja, es wäre ja eher, dass derjenige nicht stark genug war, ne? Ne, zum Beispiel jetzt das Thema Treue oder Eifersucht. Also wenn das als Verletzung in der Beziehung nicht entstanden ist, sondern jemand das reinbringt als Päckchen und jemand dann sozusagen nicht die Verantwortung dafür übernehmen will, als derjenige, der verletzt hat, weil die Verletzung gar nicht von der Person ausgeübt worden ist. Okay, da trifft quasi beides zu. Also der eine ist nicht stark genug, weil er mit Eifersucht in die Beziehung kommt und was nicht gelöst hat aus der Vergangenheit. Also nicht stark genug, nicht ausgeglichen Kraft voll genug muss es heißen. Und es gibt einen Mitverursacher oder es gibt einen Hauptverursacher und ich bin jetzt nur normalerweise im geringsten Anteil überhaupt Mitverursacher, weil ich unwissentlich was getriggert habe. Genau, genau. Es gibt ja noch andere Situationen. Ich finde, wo das auch immer sehr, sehr greifbar wird, ist, wenn ich etwas unausgesprochen erwarte und dann Enttäuschung erlebe. Und auf den anderen zugehe mit meiner Enttäuschung, dann gehört der größte Anteil dieser Enttäuschung eigentlich zu mir selbst, weil ich habe dem anderen ja gar keine Chance gegeben, die Erwartungen zu erfüllen oder auch abzulehnen, beziehungsweise so zu nivellieren, dass es passt. Ja. Das ist so ein ganz typisches Ding, wo der andere ablehnt und sagt, nee, deine Wut nehme ich nicht. Ich sage nicht Entschuldigung, das tut mir nicht leid. Da kommt gerade so viel Wut auf mich zu, da merke ich aber, das passt nicht zu mir. Das kann ich alleine nicht nehmen. Nicht ausgeglichen kraftvoll genug, haben wir gerade schon so ein bisschen mitgemacht. Also es gibt natürlich die Möglichkeit, dass ich schon durch Dinge so vorverletzt bin, die gar nicht in der Beziehung entstanden sind oder schon so getriggert bin, so eine Prägung da sind, dass ich nicht Verantwortung übernehmen kann oder auch Verantwortungsübernahme des anderen nicht zulassen kann. Genau. Wenn ich zum Beispiel selber so viele eigene. Wenn ich so viele Themen mitbringe, dass ich gar nicht ressourcenmäßig in der Lage bin, auch das Leid bei dem anderen sehen zu können, weil ich sofort in die Rechtfertigung komme. Zum Beispiel, ja. Ja, dann der typischste Fehler, die typische Problematik, wenn es vorher nicht gut war. Also jeder kennt das. Man sagt dem anderen, hey, da hat mich eine Situation verletzt oder man möchte ein Feedback geben und der andere sagt, aber du hast doch oder das hätte ich nicht gemacht, hättest du nicht vor zwei Wochen. Also wenn das so zurückgegeben wird und man eigentlich damit andeutet, hey, das ist eigentlich nur eine Rückverletzung. Ich habe da auch noch ein offenes Thema, was ich noch gar nicht angesprochen habe oder wofür du noch nicht Verantwortung übernommen hast, dann sieht man, wir brauchen, dass es vorher gut war, damit man eben nicht in dieses Ping-Pong-Spiel in die Vergangenheit kommt und sich dann in so einen Runde Umschlag bewegt. Es braucht also, dass es wirklich gut war vorher. Und dann ist es auch wichtig, dass es sprachlich richtig passiert, wie wir im Coaching es immer sagen. Also wenn jemand Verantwortung übernimmt. Und dass es darum geht, das auch stehen zu lassen und dass der andere nicht sofort in die Rechtfertigung geht. Also dass es nicht sofort darum geht zu sagen, ja, aber. Dass man das gleich aushebelt und den anderen sozusagen gar nicht die Möglichkeit gibt, das Gefühl auch als Verantwortung zu übernehmen. Und dann natürlich einfach auch so den Rahmen zu halten, das sprachlich Richtige. Also nicht als Vorwurf es formulieren, ich Botschaften sprechen, ausreden lassen, dass das einfach einen gewissen Rahmen hat. Damit es auch möglich ist, überhaupt sich innerlich darauf einzulassen. Und das Zweite ist dann, wenn es sich immer wiederholt. Also es braucht auch eine Verhaltensveränderung. Wenn es sich immer wiederholt und mich immer wieder von vorne verletzt, dann scheint mein Gefühl beim anderen noch nicht angekommen zu sein. Das sorgt dafür, dass so diese ursprüngliche Übernahme von Verantwortung innerlich hinfällig wird. Das heißt, wir brauchen auch. Diese Verhaltensveränderung, um uns damit wirklich gut zu fühlen. Das ist ja das Thema der Versöhnung nachher auch. Genau, weil das Problem ist, wenn vergangene Ereignisse halt immer wieder präsent sind, dann können wir nicht loslassen. Und dann kommt es halt immer wieder zu einem Kopfkino, zu einem Trigger. Da hat man das Gefühl, die Beziehung bietet einem nicht die nötige Sicherheit, die man sich eigentlich wünscht. Und das zeigt sich manchmal auch klar in körperlichen Symptomen. Also dass man, wenn man das Gefühl hat, man kommt nicht an den Punkt des Vergebens oder. des Verzeihens, dass man das als körperliche Symptome im System, sagen wir mal, hat. Also zittrige Knie, dass man das Gefühl hat, man hat so einen flauen Magen oder es fühlt sich alles so schwer an. Man hat Herzrasen, Herzklopfen, Atemprobleme. Viele sagen auch, dass sich das wie so eine Ohnmacht auf den Körper manchmal anfühlt. Also wenn man so eine Last, die auf den Schultern ist und mit sich trägt die ganze Zeit. Daher sprechen wir immer wieder von einem stabilen Fundament. Dass man die Dinge aufarbeitet. In Vergebung bringt. Dass man dafür sorgt, dass man sich wieder miteinander versöhnt. Aber eben auch sein Verhalten wirklich verändert. Weil das ja auch präventiv wichtig ist. Ich möchte in Zukunft ja nicht immer wieder so verletzt werden. Und wenn dieser wertschätzende Austausch darüber nicht stattfindet. Und man keine emotionale sowie sachliche Lösung dann findet. Dann hat das einige Folgen für die Beziehung. Zum Beispiel starke Unsicherheit. Also einerseits die Sorge. Oder bei drastischen Dingen auch die Angst. Dass man das Erlebte wieder erleben wird. Und man ja dadurch so eine innere Schutzmauer aufbaut. Und das ist ja auch gerade der Moment, finde ich, der im Coaching immer ganz spannend ist. Das merkt man, finde ich, immer sehr intensiv. Denn bei einigen Paaren, wenn es darum geht, dass jemand wirklich in der Tiefe vergibt. Und man zusammen traurig sein kann darüber, dass so etwas passiert ist. Aber gleichzeitig dann auch positiv initiativ. Und man sagt, wir wollen das anders machen. Und das ist manchmal so ein Moment, finde ich, wo manchmal ein Paar sich dann in die Arme nimmt. Und du merkst richtig, wie die Lasten von beiden Schultern runtergehen. Dass da große Traurigkeit ist. Aber gleichzeitig auch so ein Gefühl von Erleichterung. Und von, ja, das tut auch richtig gut, dass wir es jetzt nochmal besprochen haben. Und sich die Umarmung dann löst. Und man in dem Moment spürt, oder man sieht es auch in den Gesichtern, finde ich immer, dass da zwar. Die Tränen sich weggewischt werden, aber trotzdem so, ja, es tat aber gut. Ja, der Frust der vergangenen Monate, oftmals Jahre, der lässt dann langsam nach. Denn so gut wie jedes Paar, mit dem wir in die Gespräche starten, empfindet sich ja selbst als besonders komplexer, komplizierter und auch schwieriger Fall. Und hat eben schon gewissen Frust und Resignation erreicht. Denn, ja, wenn das einfach wäre, wenig komplex und man das gut selber lösen könnte, würde man es ja tun. Und man hat es wahrscheinlich auch schon für einige Themen gut hinbekommen. Aber eben für einige Themen stößt man da an seine Grenzen und braucht eben Hilfe von außen. Und manche sind dann auch natürlich sehr überwältigt von den eigenen Gefühlen. Weil das ja nicht so ist, dass es nur auf die Beziehung wirkt, so wenn man mit jemandem Konflikte hat, sondern es wirkt sich mit der Zeit ja auch auf andere Lebensbereiche aus. Das erleben wir auch immer wieder, dass jemand berichtet und sagt, oh, ich habe das Gefühl, mir fehlt komplett die Leichtigkeit im Leben. Ich bin gar nicht mehr so leistungsfähig. Bei der Arbeit. Ich kann nicht gut schlafen. Ich habe kaum noch Appetit. Ich würde mich am liebsten krankschreiben lassen. Oder ich lasse mich gerade krankschreiben, weil es bei uns gerade so problematisch ist. Und das dadurch natürlich auch sehr groß wird. Oder gesagt, ja, wir funktionieren hier zu Hause nur noch. Das Mindestprogramm für die Kinder wird noch geleistet. Aber das ist nicht unser Anspruch, so jetzt weiterzumachen. Das kann bis zu Trennungsgedanken natürlich münden. Wenn sich da immer mehr aufstaut. Man kennt so dieses Bild. Das Fass ist vollgelaufen, übergelaufen. Die Zündschnur ist kurz. Kleinigkeiten reichen aus, dass man explodiert. Und so ist ja auch unsere Konfliktspirale gezeichnet. Wenn wir so dieses Schaubild nehmen, dass man eben merkt, diese kleinen Verletzungen, die stauen sich immer mehr auf. Und es wird normalerweise eine Entwicklung geben, in der die Verletzungen enger getaktet sind. Also am Anfang sind sie noch weiter auseinandergedehnt. Und dann irgendwann werden die immer enger getaktet. Bis hin, dass man sich tagtäglich ein oder mehr Mal verletzt. Und die Ausschläge werden größer. Das heißt, diese Emotionalität wird immer intensiver. denn im Coaching konkret gelöst hat, sodass ihr davon lernen könnt. Hier an der Stelle nochmal den Hinweis, wenn dieses Thema euch betrifft und ihr merkt, ihr dreht euch dort auch im Kreis, kommt bei bestimmten Themen einfach nicht weiter, dann holt euch gerne Unterstützung, meldet euch bei uns für das telefonische Erstgespräch. Sehr gerne helfen wir euch dabei, raus aus der Krise zu kommen und diesen Teufelskreis, wie ihn auch viele nennen, zu durchbrechen. Ja, du wirst heute wieder von zwei Paaren berichten und einmal ein bisschen aufzeigen, was lag bei denen vor, was war die Herausforderung und wie seid ihr das Ganze im Coaching dann angegangen, um es auch zu einer Lösung zu führen. Wie immer sind die Namen frei erfunden, die Geschichte zu den Paaren ist soweit verfremdet, dass das Paar sich selbst nicht erkennt, das Umfeld das Paar nicht erkennt, aber der Kern der Geschichte und das Learning für euch, die jetzt hier zuhören, immer noch voll da ist. Das heißt, Diskretion ist natürlich sehr, sehr wichtig, deswegen sind die hier doch schon recht intensiv verfremdet von uns. Das erste Paar, Alexandra und Tim, beide Anfang 40, haben zwei Kinder, fünf und acht Jahre alt und die beiden haben sich bei uns gemeldet und suchten nach Unterstützung. Tim hatte bei der Arbeit eine Affäre mit seiner Arbeitskollegin und Alexandra fand es nach einem halben Jahr raus über eine WhatsApp-Nachricht, die bei ihm aufblinkte. Da ist natürlich Systemgesetz Nummer eins ganz stark verletzt, Ausschluss, dass er mit seiner Arbeitskollegin ein intimes Verhältnis eingegangen ist und sie das dann, seine Ehefrau, das dann rausgefunden hat. Sie war auch extrem enttäuscht natürlich von ihm, weil sie sowas niemals von ihm gedacht hätte, dass er sowas tun würde und das auch nicht bemerkt hatte. Also sie sagte auch noch, das kann ja nicht sein, Ina, dass das überhaupt passiert ist. Ich habe das gar nicht gemerkt, also ich würde immer denken, dass man das an Verhaltensänderungen von einer Person merken würde, irgendwelche Hinweise darauf. Ich hatte auch kein Impuls oder so, dass ich misstrauisch sein sollte und als die Nachricht dann kam, hatte ich ein komplettes Gefühl von Ohmacht und das Gefühl auch, dass das ganze Menschenbild, was ich von meinem Partner bisher hatte, komplett zerstört ist. Sie zog zwei Tage später, nachdem das rauskam, mit den Kindern aus zu ihren Eltern, weil, wie sie sagte, sie war dann ja schon ausgezogen, als sie ins Coaching kam, das nicht ausgehalten hat, länger seine Anwesenheit um sie herum zu haben und jetzt ist ganz vieles schwierig gewesen. Also sie sagte, die Kinder haben natürlich gefragt, warum wohnen wir jetzt nicht mehr zu Hause? Und auch der Kontakt mit den Kindern war schwierig am Anfang, weil ihr war natürlich klar, dass er weiterhin Kontakt zu den Kindern haben darf und sollte, aber ihr ist einfach unwahrscheinlich schwierig gefallen, jetzt überhaupt mit ihm in Kontakt zu treten und dementsprechend lief das auch nicht so gut und sie stellte sich halt immer die Frage, kann man sowas verzeihen? Also kann ich das verzeihen, was er mir angetan hat? Selbst wenn ich das möchte, kann ich das wirklich verzeihen oder ist das eine Sache, die uns jetzt unser Leben lang begleitet und ist das eine Sache, die ich im Streit immer wieder hervorbringen werde, weil ich es eigentlich doch nicht verzeihen kann? Und sie haben sich beide wirklich Sorgen auch um die Kinder gemacht, weil die doch mehr mitbekommen haben, als sie dachten am Anfang, wie man das verheimlichen kann und benötigten dort auch ein wenig Unterstützung im Umgang mit den Kindern. Ja, klingt nach dem Klassiker. Im Coaching bei uns. Ja, so ein bisschen schon. Eine Affäre bei der Arbeit, aufgeflogen durchs Handy, dann ungefähr Ende 30, Anfang 40, zwei Kinder, fünf, also so genau eigentlich das, was bei uns im Durchschnitt super häufig passiert. Deswegen habe ich diesen Fall auch so ausgewählt, genau. Wie sind wir jetzt vorgegangen? Also, sie haben ja so ein bisschen berichtet, was die Herausforderung ist und haben halt auch sehr intensiv über die Kinder gesprochen und es war ihnen auch ein großes Anliegen, auch die Kinder zu berücksichtigen. Sie waren natürlich aber auch interessiert daran, nachhaltig jetzt mal die Affäre aufzuarbeiten und zu klären, um an Klarheit zu kommen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir einen Mix machen aus beiden Dingen, dass wir erstmal akut kurz über die Sache mit den Kindern sprechen und da Strategien entwickeln, wie die Kinder gerade durch diese Phase kommen können, weil das beide einfach sehr belastet hat und das sehr vorrangig jetzt behandelt werden sollte. Wir haben darüber gesprochen, wie man mit den Kindern umbringen kann. Wir haben darüber gesprochen, wie da mehr Sicherheit ins System wieder reinkommen kann bei den Kindern, wie ein Kontakt aussehen kann zwischen den Kindern und dem Mann jetzt, weil Tim da auch so ein bisschen hilflos war und gesagt hat, ich weiß gar nicht mehr, was ich tun soll, immer egal, was ich mache, ich habe das Gefühl, es ist falsch, du bist wütend, du bist enttäuscht, du bist traurig. Also wir haben da an diesem Punkt erstmal Klarheit reingebracht und dann haben wir natürlich auch einen Fahrplan gemacht, wie es weitergeht, also die Aufarbeitung der Verletzungen, was verändert sich, wenn er Verantwortung übernimmt, wie ist überhaupt das ganze Thema Affäre entstanden und um sie dann auch wieder handlungsfähig zu machen in ihrer Entscheidung. Es gab dann im Prozess auch relativ schnell Schritte der Annäherung, dass sie öfters mal, wenn sie über die Kinder gesprochen haben, weil sie da mehr die wertschätzende Haltung hatten durch die Strategien, die wir besprochen hatten, auch mal länger telefoniert haben, also dass es nicht nur einfach eine schnelle Absprache war, sondern mit der Zeit es auch dazu kam, dass die dann doch länger telefoniert haben, auch mal über andere Sachen gesprochen haben und sich aber gut anfühlte für die beiden, so ganz langsam sich anzunähern. Und dann auch ganz klar darüber gesprochen haben, in dem Zusammenhang, wie wäre es denn, wenn? Also so rein hypothetisch, wie wäre es denn, wenn wir wieder zusammenkommen würden? Was würde denn gebraucht werden als Grundvoraussetzung? Also die haben sich gleichzeitig eigentlich selber so ein bisschen auch auf den Weg gemacht. Und während wir Verletzungen aufgelöst haben, haben wir auch gemerkt, dass da auf jeden Fall noch Gefühle da sind, aber dass halt klare Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit es überhaupt für Alexandra möglich ist, darüber nachzudenken. Und eine Voraussetzung war dann der Jobwechsel. Das war für Alexandra ganz klar, dass sie gesagt hat, ich kann mir nicht vorstellen, dass du bei der Arbeit weiterarbeitest und die auf die Arbeitskollegin triffst und wir jetzt einfach weitermachen, sondern da braucht es wirklich einen Wechsel. Tim hat dem zugestimmt und hat dann, obwohl sie weiter noch getrennt waren, den Job schon mal gewechselt. Diesen radikalen Schritt auch wirklich zu gehen, das ist auch etwas, was bei manchen Paaren dann leider fehlt. Ja. Wo das eigentlich so eine klare Voraussetzung ist. Selbst wenn jemand da schwammig ist und sagt, naja, ich will dir aber auch deine Karriere nicht verderben und so weiter. Es ist normalerweise eher eine klare Voraussetzung, dass das passiert. Und dessen muss man sich bewusst sein, bevor man sowas eingeht, im Kollegium, dass das nicht mehr gehen wird. Dass das für den anderen immer ein Träger sein wird. Und diesen radikalen Schritt dann wirklich zu gehen und an diesem Punkt zu gehen, also wo man dann sagt, mach das jetzt schon mal, ohne dass ich weiß, ob das mit uns klappen wird. Das ist ein riesen Commitment und für den anderen ein sehr, sehr starkes Symbol, dass das in die richtige Richtung geht. Dieses Abwarten und ja, mal gucken, das fühlt sich für den anderen auch eben einerseits nicht committed an, andererseits, naja, dann könnte man ja die Person, die da beim Job ist, die Affäre warm halten. Wenn das mit uns nicht klappt, dann geht der da hin. Das ist dann der Plan B. Also, dieser klare Schritt, dieses Statement, was man damit auch dann an der Stelle von Tim an Alexandra gerichtet aussendet, das ist glaube ich ein großer Game Changer, um dann die echte Chance zu haben. Das hat sie auch genauso empfunden. Das fand sie auch sehr beachtenswert, dass er da ziemlich schnell und ziemlich radikal gehandelt hat und das auch verstanden hat, dass das für sie eine Grundvoraussetzung ist. Und das hat auch nochmal wirklich so einen Schub gebracht im Verzeihen und Vergeben zwischen den beiden, dass er da ja, so gehandelt hat, dass bei ihr auch das Gefühl, diesen Triggerpunkt loslassen zu können, entstehen konnte. Sie sind dann im Prozess als Liebespaar zusammengekommen wieder und sie zog ein Jahr später mit den Kindern wieder zurück ins Haus. Auch das haben wir noch begleitet, weil das natürlich auch ein Prozess war. Die Kinder haben sich ganz nett bei Oma und Opa nämlich eingerichtet. So wie Kinder halt sind. Also Kinder sind da doch recht flexibel. Am Anfang war das ganz schlimm, aber dann Oma und Opa haben ordentlich dazu beigesteuert, dass es den Kindern natürlich gut geht, weil die wollten auch nur das Beste und dann war das für die Kinder erstmal komisch zu sagen, ja wie, wir ziehen jetzt wieder zurück ins Haus. Oma und Opa war auch nett. Können sie ja mitnehmen. Ja, genau. Aber es hat dann gut geklappt und ja, sie konnten die Herausforderungen, die Krisensituation sehr gut angehen und haben auch gesagt, dass sie sich sehr gefreut haben, jetzt wieder als Familie zusammen zu wohnen. Du hast zwischendurch noch gesagt, die beiden haben sich auch schon vorgestellt, wie es sein könnte, wieder zusammenzukommen. Welche Voraussetzungen braucht es und haben auch über gute Dinge gesprochen. Und das ist, finde ich, auch was ganz Wichtiges, dass man in so einem Prozess nicht nur Gespräche darüber führt, was alles schlecht ist, also nicht nur Krisengespräche führt, sondern zwischendurch auch mal ein bisschen pausiert. Quasi wie beim Sport, dass man zwischendurch mal Pausen drin hat. Dann lieber mal was einzeln machen oder gemeinsam was machen, was einen nicht so sehr zum Reden verführt, wie ins Kino gehen oder sowas, ins Theater, was auch immer einem da so gefällt, wo man eher so ein bisschen nebeneinander sitzt oder Fußball gucken, Eishockey gucken, was auch immer. Dass man auch mal Dinge miteinander macht und das Unterbewusstsein merkt, es gibt zwischen uns nicht nur noch Konflikte, wir können auch einfach mal Dinge so miteinander machen, dass es auch noch ein bisschen gute Zeit gibt, weil ansonsten haben manche Paare nach einiger Zeit das Gefühl, es dreht sich alles nur noch ums Negative. Deswegen da einen gewissen Ausgleich schaffen, einen gewissen Gegenpol herstellen. Berichte nochmal von Mike und Susanne. Mike und Susanne. Anfang 50, sie haben drei Kinder, 12, 15 und 17 Jahre, also schon etwas älter. Und er ist beruflich sehr viel unterwegs und sie ist seit 20 Jahren in ihrem Gefühl alleine und in kompletter Verantwortung. Und in letzter Zeit sind die Konflikte immer mehr eskaliert. Er flirtet ihrer Meinung nach zu viel, sie möchte nicht weitermachen in der Beziehung bei ihrer Aussage, weil sie sich eine Veränderung bei ihm nicht vorstellen kann. Und er versteht nicht, warum sie wütend ist und sagt im Streit, dass sie dankbar sein soll. Und er für das gesamte Wohlergehen und Glück der Familie verantwortlich ist und sie eigentlich nichts tut. Und das hat sie natürlich stark verletzt, also diese Aussage. Und sie fragte sich, ob sie das Verhalten von ihm überhaupt verzeihen kann. Das ist auch so eine regelmäßige Aussage, dieses fürs Wohl und Glück und das Geld der Familie sorgen. Ohne mich könnten wir uns all das hier gar nicht leisten. Und der Mann damit sehr auf den Lebensstandard fokussiert ist, den er damit ja auch der Familie ermöglicht, aber wenig im Blick hat, die negativen Konsequenzen und Auswirkungen, die ja auch als Preis dafür zu zahlen sind, nämlich wenig präsent zu sein, wenig da zu sein vielleicht und auf anderen Ebenen einfach zu wenig Zeit und Muße zu haben. Und das wird häufig nicht so in die Waagschale geworfen, beziehungsweise wird dann versucht zu trennen. Also du kannst doch jetzt nicht irgendwie wütend oder enttäuscht dafür sein, dass ich so wenig dich unterstütze. Schließlich fahren wir zweimal im Jahr in diesen geilen Urlaub, weil ich so wenig gehabt habe. Erinnerst du dich noch? Wir hatten mal, das ist schon ein paar Jahre her, das war auch jemand, der mal erzählt hat, er kann das gar nicht fassen, dass seine Frau eine Affäre hat, weil die haben doch letzte Woche gerade neue Fahrräder gekauft. Das ist mir irgendwie auch so in Erinnerung geblieben, dass die Person, diesen, dieses Wohlergehen im Sinne von, wir haben uns doch was geleistet letzte Woche, wir haben uns solche teure E-Bikes gekauft, das ist doch totales Commitment, weil ich habe das doch uns ermöglicht, wie kann sie denn eine Affäre haben? Ja, das ist was völlig anderes als das Wir-Gefühl, was dann manchmal eben auf der anderen Seite empfunden wird. Da ist manchmal auch echt eine große Differenz drin in diesem Lebensstandard Wunsch, aber auch in dem, was man dem anderen so ein wenig unterstellt. Also ich habe manchmal das Gefühl, wir schweifen jetzt ab, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass manche Männer ihren Frauen mehr gewünschten Lebensstandard unterstellen, als eigentlich da ist und vieles dann doch eher auch mal für sich tun, aber auch ganz häufig anders. Also beides gibt es. Es gibt irgendwie die Frau, die eigentlich viel weniger Lebensstandard möchte und eigentlich glücklich wäre, wenn der Mann eher so eine Viertagewoche macht und mehr präsent ist. Es gibt aber auch natürlich die Frauen, die sehr fordernd sind und am liebsten Viertagewoche und das gleiche Geld oder mehr Geld. Also es ist ganz unterschiedlich, aber auf jeden Fall kommt es da eben häufig auch zu diesem Missverständnis, dass das eben ja so als Totschlagsargument auch genutzt wird, zu sagen, du kannst ja gar nicht unzufrieden sein oder bemängeln, dass ich zu wenig Zeit habe, dass ich zu wenig helfe. Schließlich sorge ich für unseren Lebensstandard. Genau. Und das war ja auch ein Punkt, den sie ja vorgebracht hat. Sie war so enttäuscht, von der Aussage, weil sie sagt, damit zeigst du mir eigentlich, dass ich die ganzen Jahre, wo ich zu Hause war, dass das nichts ist. Und dann hat sie halt aufgezählt, was sie alles getan hat. Ich meine, die haben drei Kinder, die Begleitung, Haushalt. Sie hat selber auch noch nebenbei gearbeitet und das fand sie ganz schwierig, weil sie meinte, er kann ja mein Leid gar nicht sehen von Einsamkeit und damit kann ich mir halt auch nicht vorstellen, dass er das irgendwie verändern könnte in seinem Verhalten, weil wenn er es nicht sehen kann oder nicht annehmen kann, wie soll er sich dann verändern? Ja, und er sagt im Gegenzug, ich fühle mich für all das, was ich hier leiste, überhaupt nicht anerkannt, gewertschätzt. Und wenn ich hier nach Hause komme, nach so einer anstrengenden Woche, wo ich die ganze Zeit in Hotels unterwegs war und hatte nur Meetings, dann komme ich nach Hause und fühle mich auch noch unerwünscht, dass ich hier stören würde. Ja. Wir sind so vorgegangen, dass wir erstmal einen ganz starken Abgleich der Wahrnehmung vorgenommen haben, weil ich hatte manchmal wirklich das Gefühl, dass da zwei Menschen nebeneinander sitzen und sich gegenseitig wie Fremde angeschaut haben und gesagt haben, haben wir das gleiche Leben zusammengelebt? Wie kannst du von dieser Lebensphase, als die Kinder klein waren oder als wir die und die Herausforderungen hatten, so eine Wahrnehmung in deiner Erinnerung haben? Und das war ganz spannend, also da wir erstmal den Abgleich gegangen sind und da auch ganz viel Aha-Momente für die beiden gab, weil da auch ganz viel anders gesprochen war, dass er auch gesagt hat, ja, du hast ja nicht gesagt, dass du einsam bist oder dass du überfordert bist oder dass du Hilfe brauchst und sagt doch, an den und den Tagen habe ich das und das gesagt, das kam alles nicht an. Und dann haben wir erstmal die Ziele definiert, also was wünschen die sich von dem Coaching-Prozess, weil für ihn war bisher eigentlich alles okay, wie er sagte und sie meckert. Sie ist jetzt ja undankbar und ja, die Aussage war nicht so nett, das konnte er auch noch gerade so einräumen, aber und dann ging es schon weiter. Und nachdem wir die Ziele definiert haben und er auch sagte, dass es da einige Punkte gibt, die er sich anders wünschen würde, drängten die beiden sehr darauf, unbedingt Verletzungen aufzulösen und das fand ich ganz spannend, weil ich auch gesagt habe, dass wir natürlich auch dieses Ausgeglichen kraftvoll genug brauchen, damit man das Leib bei dem anderen sehen kann. Damit das auch einen Effekt hat, wenn wir Verletzungen auflösen. Ich muss das ja auch im Gefühl wirklich spüren können, dass der andere da eine Verletzung hat. Sonst gehe ich ja immer drüber. Und das macht ja noch mehr Verletzungen. Das haben wir auch relativ schnell am Anfang gemerkt, dass das für ihn zum Beispiel nicht möglich war, Verletzungen aufzulösen, weil er sofort in die Rechtfertigung gefallen ist. Und das hat sie auch gemerkt, dass sie ihr Gefühl von er kann sich nicht verändern, weil er es nicht möchte, auch sich bestätigt hat. Und sie wollte aber eine Veränderung für sich. Und sie ist dann ins Einzelcoaching gegangen, hat dann einen Öko-Check gemacht, ob sie eine Beziehung festhalten möchte oder ob eine Trennung der richtige Weg ist für sie. Wurde da dann intensiv begleitet, Klarheit zu finden. Und die Klarheit hat sie dann auch relativ schnell für sich gefunden, weil sich so ein ähnlicher Satz dann im Prozess nochmal wiederholt hatte, den er gebracht hat. Und da war für sie klar, okay, eigentlich möchte ich das nicht mehr. Aber was beide als einer der wenigen Ziele hatten, war das starke Elternpaar. Und daran haben wir dann zusammen weitergearbeitet, wie sie durch die Trennung gehen können und möglichst wenig Prägungen an die Kinder weitergeben. Für den Prozess war er dann auch offen. Also da hat er auch gesagt, da sieht er sich auch voller in der Verantwortung den Kindern gegenüber und das möchte er auch. Und da hat sich der Prozess auch deutlich entspannter gestaltet, weil man wirklich auch die Stimmigkeit bei ihm gemerkt hat. Und das zeigt eben, wann auch Grenzen da sind. Eine Grenze ist eben vor allen Dingen dann da, wenn einer von beiden sagt, ich möchte an einem Punkt nichts ändern. Oder ich fühle mich mit einem Punkt gut, der den anderen aber stark belastet. Genau, er hatte zum Beispiel gesagt, mit dem Wissen von heute würde er genauso nochmal handeln, weil für ihn der Wert Arbeit über der Situation zum Beispiel gestanden hat und weiterhin steht. Und das kann er nicht sehen, da muss man da durchgehen an ihrer Stelle. Und da war für sie dann auch klar zu sagen, ja okay, wenn selbst mein Leid dich nicht zur Veränderung bringt, dann ist das schwierig für mich, den Weg zusammen weiterzugehen. Nee, weil er vollstimmig in seinen Werten gehandelt hat und sagt, er kann das nicht verändern, weil das in meinem Wertemuster, in meiner Priorität der Sinngebung vielleicht auch so gebraucht wird. Und dann sagt, dann muss ich die Verletzung als Kollateralschaden in Kauf nehmen oder brauche eben dann, eine, so wie man so nennt, eine supportende Frau. Ich brauche eine supportende Frau, die keine eigenen Ambitionen hat an Karriere und Co., die sich sogar vielleicht freut, wenn der Mann viel weg ist und sagt, dann kann ich immer ein Ding so ein bisschen machen. Also es ist ja, dann braucht er einen bestimmten Typ Frau an seiner Seite, die das so gerne mag, für die das auch wirklich vollstimmig ist, wenn er diese Prioritäten so setzt. Gut, dann haben wir zwei gute Beispiele gehabt, finde ich. Wir hoffen wieder, ihr konntet einiges draus mitnehmen und seht auch, nicht alles führt natürlich in eine gemeinsame weitere Beziehung. Manchmal stellt man eben fest, dass die Trennung der bessere Weg ist und auch dann eine Trennungsbegleitung, um Prägungen zu verhindern, irgendwann wieder in eine neue potenzielle Beziehung gut blicken zu können, aber auch eben ein starkes Elternpaar für die Kinder sein zu können, kann ein richtiger und für beide stimmiger Weg werden. Bis zur nächsten Folge. Bis bald. Bis dann.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Verzeihen bedeutet die innere Akzeptanz von Unrecht und das Aufgeben von Rache, ohne den anderen direkt zu belasten.
  2. Vergeben ist eine aktive Entscheidung, bei der beide Parteien gemeinsam Verantwortung übernehmen und zukünftige Verhaltensweisen verändern.
  3. Versöhnen folgt auf Vergeben und ermöglicht einen Neustart in der Beziehung, aber ohne es zu verhindern, dass Verletzungen und Werte weiter verarbeitet werden.
  4. Das Verzeihen ist stark von individuellen Werten und früheren Erfahrungen abhängig, insbesondere bei Themen wie Fremdgehen oder Lügen.
  5. Eine fundamentale Bedingung für Vergebung ist, dass beide Parteien die Verletzung als gemeinsam verantwortlich empfinden und Veränderungsbereitschaft zeigen.
  6. Wenn Vergebung nicht erfolgreich ist, führt dies zu kumulierten Wut und Unsicherheit, die sich in der Beziehung und im Alltag manifestieren.
  7. Der Prozess erfordert, dass beide Parteien ihre eigenen Glaubenssätze erkennen und anerkennen, um keine Grenzen zu verletzen.
  8. Ein stabiles Fundament für Vergebung entsteht durch Verhaltensveränderung, gemeinsame Kommunikation und emotionale Sicherheit.

Summary:

Das Gespräch beleuchtet die komplexen Aspekte von Verzeihen, Vergeben und Versöhnen in Beziehungen. Verzeihen wird als innerer Vorgang verstanden, bei dem man Unrecht akzeptiert und Rache aufgibt, ohne den anderen direkt zu belasten. Vergeben ist dagegen eine aktive, gemeinsame Entscheidung, bei der beide Parteien Verantwortung übernehmen und zukünftige Verhaltensweisen sichern.

Versöhnen folgt dann als Schritt hin zu einer neuen Beziehung, jedoch nur wenn die grundlegenden Werte und Verletzungen berücksichtigt werden. Der Prozess ist stark von individuellen Werten, früheren Erfahrungen und Glaubenssätzen abhängig – vor allem bei schweren Verletzungen wie Fremdgehen oder Lügen. Wichtige Voraussetzungen sind die Wahrnehmung der Verletzung als gemeinsam und die Bereitschaft zur Veränderung.

Wenn diese nicht erfüllt sind, führt das zu kumulierter Wut, Unsicherheit und emotionaler Belastung, die sich in der Beziehung und im Alltag widerspiegeln. Der Erfolg hängt von gegenseitiger Empathie, Verständnis und konkreten Verhaltensänderungen ab. Nicht jede Beziehung kann erfolgreich vergeben oder versöhnt werden – manchmal ist eine Trennung der bessere Weg, um für die Kinder ein stabiles und gesundes Elternpaar zu schaffen.

Die Gespräche zeigen, dass Vergebung kein Abstraktum ist, sondern ein tief wurzelter Prozess, der auf echter Kommunikation, Wertschätzung und emotionaler Sicherheit basiert.

FAQs

Verzeihen bedeutet, dass man Unrecht akzeptiert und auf Rache verzichtet. Es ist ein innerer Vorgang, bei dem man das Thema loslässt, ohne den anderen persönlich zu kontaktieren oder zu befragen.

Verzeihen ist die erste Stufe: man akzeptiert das Unrecht innerlich. Vergeben ist eine aktive Entscheidung, mit dem anderen in Kontakt zu gehen, das Leid zu zeigen und die Möglichkeit zur Veränderung zu geben.

Fremdgehen verletzt das Systemgesetz 1 – Zugehörigkeit und kein Ausschluss. Es führt zu einem starken Gefühl von Werteverletzung und macht es schwierig, das Verzeihen oder Vergeben zu akzeptieren.

Nein, es hängt stark von den individuellen Werten, Erfahrungen und Prägungen ab. Manche Menschen können es nicht verzeihen, andere haben dagegen eine klare Voraussetzung für eine Veränderung.

Ein erfolgreiches Vergeben erfordert, dass beide Parteien Verantwortung übernehmen, die Verletzung aufarbeiten und eine echte Veränderung in der Beziehung verankern können.

Weil sie Verzeihen und Vergeben überspringen oder nur versöhnen, ohne die Verletzungen zu lösen. Das führt zu einem Wiederholen der Konflikte und einem verzögerten Erleben von Frieden.

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