Verzeihen lernen: Sollte man ALLES vergeben und verzeihen?
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Das Gespräch beleuchtet die komplexen Aspekte von Verzeihen, Vergeben und Versöhnen in Beziehungen. Verzeihen wird als innerer Vorgang verstanden, bei dem man Unrecht akzeptiert und Rache aufgibt, ohne den anderen direkt zu belasten. Vergeben ist dagegen eine aktive, gemeinsame Entscheidung, bei der beide Parteien Verantwortung übernehmen und zukünftige Verhaltensweisen sichern. Versöhnen folgt dann als Schritt hin zu einer neuen Beziehung, jedoch nur wenn die grundlegenden Werte und Verletzungen berücksichtigt werden. Der Prozess ist stark von individuellen Werten, früheren Erfahrungen und Glaubenssätzen abhängig – vor allem bei schweren Verletzungen wie Fremdgehen oder Lügen. Wichtige Voraussetzungen sind die Wahrnehmung der Verletzung als gemeinsam und die Bereitschaft zur Veränderung. Wenn diese nicht erfüllt sind, führt das zu kumulierter Wut, Unsicherheit und emotionaler Belastung, die sich in der Beziehung und im Alltag widerspiegeln. Der Erfolg hängt von gegenseitiger Empathie, Verständnis und konkreten Verhaltensänderungen ab. Nicht jede Beziehung kann erfolgreich vergeben oder versöhnt werden – manchmal ist eine Trennung der bessere Weg, um für die Kinder ein stabiles und gesundes Elternpaar zu schaffen. Die Gespräche zeigen, dass Vergebung kein Abstraktum ist, sondern ein tief wurzelter Prozess, der auf echter Kommunikation, Wertschätzung und emotionaler Sicherheit basiert.
Fällt dir eine Sache ein, die du in deinem Leben nicht verzeihen oder vergeben könntest?
Ich habe ganz besonders drastische Vorfälle.
Bestimmt, wenn jemand unserem Kind was antun würde, das wäre was, was bestimmt schwer zu verzeihen und zu vergeben wäre.
Weil, wie soll man da seine Wut so recht loslassen?
Das ist sehr schwierig.
Es gibt bestimmte Themen in Partnerschaften, es ist ja häufig das Thema Fremdgehen, Affäre.
Allerdings gibt es so viele Gegenbeispiele, wo dann die Menschen das gerne verzeihen und vergeben möchten.
Weil man merkt, dass doch noch so viel mehr Aspekte dazu zählen.
Deswegen finde ich das ganz schwierig, das für einen selber ganz sicher auszuschließen.
Das strebt natürlich gegen die eigenen Werte, aber ich kann es nicht hundertprozentig ausschließen, allein schon aufgrund der Coaching-Erfahrung.
Aber ich glaube, das, was den meisten Menschen sehr, sehr schwer fällt, das würde ich auch als schwer empfinden.
Wenn halt, wie gesagt, jemand dem Kind Schaden zufügt.
Beim Thema Verzeihen oder Vergeben, wenn man jetzt auf eine Partnerschaft schaut, kommt ja schnell das Thema Fremdgehen, Affäre.
Es ist ja selten, dass jemand in dem Zusammenhang sagt, ja, ich könnte jetzt nicht verzeihen, was du mal mir im Streit als Vorwurf gesagt hast.
Also auf kommunikativer Ebene sind wir meistens immer sehr großzügig, finde ich, im Verzeihen und Vergeben.
Also das ist bei uns nicht so abgespeichert.
Meistens sind das so ganz starke Ausschlussverletzungen, wie zum Beispiel Fremdgehen.
Fremdgehen, Affäre, was bei vielen dann so aufploppt.
Dass das Gefühl da so stark ist, dass man sagt, das haut so gegen meine Werte, die ich habe, von Ehrlichkeit, von Verbindung, Zugehörigkeit,
dass das für mich schwierig ist, mir das vorzustellen, dass ich das verzeihen oder vergeben könnte.
Ja, ab einem gewissen Level von Systemgesetz 1.
Also Systemgesetz 1 heißt Zugehörigkeit, kein Ausschluss.
Und ab einem gewissen Level Ausschluss wird das schwer.
Weil das so die stärkste Verletzung ist, die passieren kann.
Du bist im Podcast der Lebensidealisten.
Mein Name ist Florian.
Ich bin Ina.
Wir sind Paartherapeuten und Coaches und helfen euch raus aus der Krise hinein in eine dauerhaft glückliche und harmonische Situation.
Jetzt haben wir ja schon eben ganz kurz über die Begriffe Verzeihen und Vergeben gesprochen.
Lass uns nochmal darüber sprechen, was das konkret heißt.
Also was heißt Verzeihen?
Also die Begriffe werden ja viel als Synonym benutzt.
Und ich würde auch sagen, auch wir nutzen sie im Coaching eher Synonym, weil es eben umgangssprachlich so ist.
Genauso wie wir auch von Entschuldigen reden.
Obwohl wir eigentlich ja nicht sagen Entschuldigung, sondern es tut mir leid aus bestimmten Gründen.
Weil es halt eben doch einen Unterschied macht.
Und Verzeihen ist eigentlich die erste Stufe.
Verzeihen heißt eigentlich, dass ich Unrecht akzeptiere und auf Rache verzichte sozusagen.
Das heißt, ich räume erstmal überhaupt ein, dieses Thema loslassen zu wollen und zu können.
Ohne aber das mit dem anderen wirklich persönlich klären zu müssen.
Das heißt, es ist ein rein innerer Vorgang in mir, dass ich etwas loslasse.
Also zum Beispiel, wenn jemand mich mit dem Auto scharf schneidet.
Wenn ich auf den wütend werde, dann kann ich danach innerlich entscheiden, ihm zu verzeihen, das loszulassen und ihm nicht danach auszubremsen und ihn anzuschreien.
Sondern kann dann entscheiden, ich lasse los und den anderen muss ich gar nicht informieren.
Mit dem muss ich gar nicht sprechen, ein Gespräch führen, sondern ich verzeihe einfach, lasse los und bin damit innerlich im Reinen.
Geht bei einfachen Dingen, wie bei so einem Autothema, sehr gut.
Bei anderen Themen kann es natürlich schwieriger werden.
Und das ist häufig auch dann.
Und das Problem, warum es nicht weitergeht, aber da kommen wir später zu, wenn das eben gegen die eigenen Werte sehr strebt,
das hatten wir eben auch schon mal so ein bisschen angerissen, dann wird das Verzeihen schwierig.
Verzeihen ist ja auch oftmals, finde ich, in meinem Gefühl etwas oberflächlicher.
Also die erste Stufe, wie du sagst.
Also kennt man ja vielleicht auch zum Umgang miteinander, dass man sagt, Verzeihung, kann ich da mal vorbeigehen?
Also es ist irgendwie so eine Floskel, die man ja häufiger vielleicht mal benutzt.
Und es ist auf so einer Ebene.
Auf einer Ebene, wo es schnell erledigt ist.
Das brennt sich nicht in mein Gehirn ein.
Das ist jetzt nichts, was mich nachhaltig prägt.
Normalerweise strebt es nicht stark gegen meine Werte.
Ich kann relativ gut mir die Frage stellen, könnte es auch anders sein?
Der meinte es gar nicht mit mir böse.
Und auch wenn ich mit jemandem keinen alltäglichen Kontakt habe.
Also das für mich einfach nur innerlich zu lösen, würde ich als schwierig erachten, mit dir zum Beispiel, wo wir dann immer im täglichen Austausch miteinander sind, eine sehr enge Beziehung führen.
Mit meinem, keine Ahnung, Arbeitskollegen, entfernten Bekannten, jemandem, der über die Straße läuft und mich nicht sieht und so weiter.
Also so typischerweise Menschen, die mir sehr weit entfernt bis völlig fremd sind, geht das sehr gut.
Das kann ich mit mir selber ausmachen.
Wäre ja auch schlimm, wenn es nicht ginge.
Dann würde ja jedes Mal, wenn irgendwer Fremdes durch seine Verhaltensweise in mir ein Gefühl auslöst, dann könnte ich das ja gar nicht verarbeiten.
Deswegen kann ich das innerlich verarbeiten.
Ich kann mir vorstellen, dass der auch, wenn ich ihm das sagen würde, bestimmt sagen würde, ich meinte sie gar nicht, ich wollte das gar nicht, ich habe nicht aufgepasst und so weiter.
Dann sind das so Dinge, die man dann für sich innerlich lösen kann, ohne den anderen Menschen dabei zu brauchen, weil ich mit dem ja auch gar nicht in eine weitere Beziehung gehen will.
Den sehe ich wahrscheinlich nie wieder.
Aber es ist ja spannend, es gibt ja schon durchaus Menschen, die, sag ich mal, durchs Leben gehen und sich sehr schnell, sehr persönlich gehalten haben.
Und sich gekränkt fühlen von Kleinigkeiten.
Also wo die Reaktion nicht so ist, wie du sagst, dass man das relativ schnell gehen lassen kann, sondern wo die Wut ein dauerhaftes Thema ist.
Aber das ist ja häufig auch ein Hinweis auf eine Prägung oder auf einen Glaubenssatz, also dass ich eine Erfahrung vor im Leben gemacht habe, dass zum Beispiel keiner meint es gut mit mir.
Und dann natürlich mit diesem Blickwinkel, wenn ich dann durchs Leben gehe, dann werde ich natürlich auch alles, was dann passiert, als persönliche Attacke spüren.
Ja, oder wenn ich wenig Selbstvertrauen habe, beziehungsweise eine nicht so gefestigte Identitätsebene, also da immer sehr durchlässig bin und das Gefühl habe, es geht immer um mich als Mensch ganz schnell.
Sondern dass man das einfach nicht von sich weisen kann und sagt, es geht nur ums Verhalten oder der hat gerade einen guten Grund für sich, sondern immer sehr schnell mich als Mensch in Frage stelle, Selbstzweifel habe und das immer sehr schnell auf Identitätsebene sehe, ich werde nicht gemocht, deswegen passiert mir das und so weiter.
Und dann wird natürlich das durch meine Brille, die ich habe, auch immer wieder bestätigt.
Kommen wir mal zum Vergeben.
Vergeben ist jetzt eher eine Stufe weiter, die aktive Entscheidung, dass ich mit der anderen Person in Austausch gehen möchte, mein Leid zeige, dem anderen die Chance einräume, Verantwortung zu übernehmen, aber auch eine Veränderung herbeizuführen, also zukünftig anders zu handeln.
Und wenn man dann entsprechend vergibt, kehrt einerseits innerer Frieden ein.
Andererseits haben wir eben auch mehr Sicherheit miteinander, weil jetzt weißt du ja davon, was mich verletzt und kannst ja auch selbstbestimmt entscheiden, wie du anders handeln könntest, sodass es mich zukünftig eher nicht mehr verletzt.
Und dann gibt es ja noch den dritten Schritt sozusagen, das Versöhnen.
Das ist ja der Schritt nach vorne und der ja sozusagen auch diesen Neustart, den sich viele Menschen in der Partnerschaft zum Beispiel wünschen, ermöglicht.
Wir haben uns jetzt miteinander versöhnt, es ist jetzt alles wieder gut zwischen uns und wir wollen jetzt mit einem neuen Ziel in die Zukunft starten und lassen das alte rum.
Und da ist es sehr spannend mal zu überlegen, gehen diese Dinge einzeln oder müssen die aufeinander aufbauen, denn aus meiner Sicht ist einer der größten Fehler in diesem Bereich, was auch nicht funktioniert, was auch viele gemerkt haben, die sich dann bei uns melden für ein Coaching, versöhnen alleine, ohne Vergeben, ohne Vergebung.
Ohne Verzeihen geht nicht, das ist ein Dreischritt.
Ich muss quasi erstmal überhaupt sagen, ich kann das Verzeihen grundsätzlich, das kann ich mit meinen Werten in Einklang bringen.
Dann muss ich überlegen, brauche ich jemanden dazu, um das direkt zu besprechen, weil das auch jemand ist, der das wissen sollte, weil das spielt in unserem gemeinsamen Alltag eine Rolle und das soll sich nicht wiederholen.
Okay, also Vergeben.
Wenn das Vergeben gut funktioniert und alle Voraussetzungen erfüllt sind, dann kann man sich versöhnen.
Aber es funktioniert eben nicht.
Verzeihen und Vergeben auszulassen und zu sagen, machen wir einen Haken dran, wir tun morgen so, als wäre nichts passiert und versöhnen uns einfach wieder.
Und das ist etwas, was regelmäßig eben schiefläuft, nicht funktioniert.
Das geht zwei, drei Wochen.
Zwei, drei Wochen kann man das meistens ganz gut verdrängen und das beiseite schieben, das nicht thematisieren.
Aber bei der nächsten Uneinigkeit, da kommt dann doch das Gefühl wieder hervor.
Man merkt, ich habe Versöhnung gemeint, Verdrängung gemacht.
Ja, oftmals auch so die Frage nach emotionalen Verletzungen.
Kann man das verzeihen im Coaching?
Also so aus der Frustration, aus der Hilflosigkeit heraus.
So kann man das überhaupt als Mensch verzeihen?
Und ich finde das immer ganz spannend, wenn diese Frage aufkommt, weil es gibt dafür keine absolut hundertprozentige Antwort.
Also wer ist erst mal Mann? Kann man das verzeihen?
Das ist ja sowas von individuell.
Jeder Mensch hat andere Werte.
Jedem Menschen ist etwas anderes wichtig.
Jeder hat seine eigenen Voraufgaben.
Erfahrungen im Leben gemacht und ob man das
verzeihen kann, das können wir
auch nicht sagen. Wir können manchmal
eine Tendenz sagen, aufgrund der Erfahrungen
mit Paaren, dass wir sagen können, wir haben
so und so viele Menschen erlebt und gesehen,
die das verzeihen konnten,
die das vergeben konnten,
die einen Neustart machen konnten, aber
ob die Person im Einzelnen das
individuell verzeihen kann,
kann nur die Person selbst entscheiden.
Das ist
immer höchst individuell.
Wir können halt so einen statistischen Wert
angeben, so nach der Erfahrung
mehr auch nicht. Und da gibt es auch die
interessantesten Geschichten dazu.
Es gibt Menschen, die ein
Doppelleben, vielleicht mit sogar einem
Kind, was entstanden ist, vergeben
und sich versöhnen.
Das funktioniert. Andere, da wird
einmal fremdgeküsst
und das Thema ist durch.
Es gibt kein Vergeben und Versöhnen.
Das ist eben, wie stark hängt das
mit meinen eigenen Werten zusammen? Was lasse ich
zu? Und auch manchmal
sind diese Konstellationen von außen
einfach kognitiv
schwer zu greifen. Das ist halt
so eine Gefühlssache. Das gibt offene
Beziehungen, die dann sagen, wir tauschen
uns darüber aus und sind immer ehrlich
zueinander. Und dann passiert das,
dass jemand, ohne das
mitzuteilen, jemand anderen geküsst hat,
was eigentlich voll im Rahmen ist.
Aber dieses nicht mitzuteilen
ist dann so eine starke Verletzung,
so ein starker Vertrauensbruch
gegen das Konzept der Ehrlichkeit
innerhalb der offenen Beziehung,
dass auf einmal eine Trennung ansteht. Also es gibt
die verrücktesten Konstellationen,
es gibt Dinge, wo man selber
überrascht ist, dass das
Verziehen, Vergeben und Versöhnt
werden kann. Und es gibt andere Konstellationen,
wo man denkt, aus der Erfahrung müsste
man das gut hinkriegen und dann funktioniert
es eben nicht. Das hängt so stark
von den eigenen Werten und Prägungen
ab, dass das eben höchst individuell ist.
Wir wollen jetzt in dieser Folge genauer nochmal drauf schauen,
wie funktioniert das mit dem
Vergeben, Versöhnen, was für Voraussetzungen
braucht es, was für Probleme
entstehen vielleicht, wenn man es nicht macht.
Wenn man dafür sich keinen guten Weg
findet, dann landet
man ja irgendwann in der Krise.
Weil dann stauen sich diese ganzen unguten Gefühle auf,
die nicht vergeben sind.
Und dann führt es dazu, dass irgendwann
ja immer mehr Dinge auch
alltäglich passieren. Weil wenn ich das nicht
ausspreche und mit dir kläre, dann haben
wir am Anfang die erste Verhaltensweise, die
was macht, die nächste. Und irgendwann
sammeln sich ja jede Menge Verhaltensweisen an,
die immer mehr Verletzungen produzieren.
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Warum sprechen wir überhaupt über
Vergeben, Versöhnen?
Weil Systemgesetzverletzungen,
also emotionale Verletzungen
in zwischenmenschlichem Kontakt
halt ganz normal sind und
immer wieder passieren. Die Art und Weise,
wie wir damit umgehen, ist eben problematisch.
Und deswegen ist es wichtig,
einmal zu schauen, wie können wir da hinkommen,
dass wir emotionale Verletzungen
vergeben und auch versöhnen
können. Und häufig geht es
dabei um Systemgesetz 1
oder 2 oder auch 3.
Also Systemgesetz 1 wäre
Zugehörigkeit kein Ausschluss. Wir wollen
halt immer uns zugehörig fühlen
und das kann schon ein Ausschluss sein von
einer Entscheidung, wo man das Gefühl hat,
das müssten wir eigentlich zusammentreffen.
Und wenn der andere das alleine entscheidet, dann kann es
sein, dass wir uns schon ausgeschlossen fühlen.
Das zweite Systemgesetz ist Anerkennung,
Wertschätzung, Respekt.
Das ist ja sehr klar eigentlich,
aber da steckt natürlich das Thema
im Detail. Was zeigt mir,
dass ich mich respektiert fühle
und so weiter. Also es ist im Detail
sehr unterschiedlich und sehr interessant.
Das dritte Systemgesetz ist
Ausdeich von Geben und Nehmen. Also dass wir
in Summe uns als Team fühlen,
gleich viel reingeben, wie wir rausnehmen.
Dass da eben so ein
Team, so ein Fairness-Gefühl da ist
in allen möglichen Situationen.
Ob das nun Haushalt ist,
Geld verdienen, Geld ausgeben, also alles
dieses, wo man fragen könnte,
wer hat wie viel von, wer macht wie viel.
Also immer dieses Wer-Wie-Viel.
Und wenn man natürlich
Themen hat, die zwischen einem stehen, also
wie du schon sagst, die Verletzungen
beim Thema Wertschätzung oder Zugehörigkeit,
das belastet natürlich eine Beziehung
sehr stark. Weil wir möchten ja
alle in Verbindung miteinander sein und geliebt
werden und anerkannt werden und gesehen
werden. Und dazu gibt es auch einige
Studien, die ganz klar zeigen, dass
das Thema Vergebung
eine große Rolle spielt, wenn es darum
geht, eine emotionale
Belastung zu haben. Also,
dass es zu einer besseren Lebensqualität
kommt bei uns selber, wenn
wir vergeben. Das ist
ja auch sehr verständlich,
weil wenn wir vergeben, der Gedanke
von Rache ist nicht mehr da,
wir haben eher eine positive Stimmung,
weil eine Erleichterung da ist, dass
das natürlich auch unsere Lebensqualität
erhöht.
Ja, und auch für den, der Verantwortung übernimmt.
Und ist das sehr bereichernd,
weil das für mich ja auch total
unangenehm ist, zu wissen,
dass Menschen irgendwie
hier rumlaufen, die total wütend auf mich
sind und wo ich sozusagen eine
Rache befürchten müsste. Das ist
ja wesentlich angenehmer, wenn ich mit
Menschen im Umfeld ein gutes
Verhältnis pflege und weiß,
allen um mich herum geht es gut, keiner ist wütend
auf mich. Das zeigt meinem Unterbewusstsein,
du bist in Sicherheit.
Wenn jemand um mich herum ist, der wütend auf mich ist,
dann könnte davon eine potenzielle
Gefahr ausgehen. Das heißt, normalerweise
ist es auch für mich sehr erleichternd,
wenn ich Verantwortung übernehme und dir
dabei helfe, deine Wut abzubauen.
Aber gerade beim Thema
Verzeihen kommen viele Menschen an ihre
Grenzen auch. Dass man sagt,
ich möchte das irgendwie ja schon gerne verzeihen,
weil ich möchte das Thema ja
loslassen können, ich möchte, dass es wieder gut
zwischen uns ist, aber ich bin in einem
echten Wertekonflikt. Und da sind wir
bei dem Thema Fremdgehen, Fremdverlieben,
aber vor allen Dingen auch bei der Affäre.
Beim Lügen. Genau, bei der Unehrlichkeit
das dann gesagt wird, ja, ich möchte
das wirklich verzeihen, ich möchte das aus tiefstem
Herzen, aber du hast
da so krass meinen Wert verletzt,
dass ich das nicht einfach so verzeihen
kann. Und gar nicht selten ist es im
Coaching ja auch so, dass manche Menschen
berichten, ja, wenn ich das jetzt verzeihe,
ist das dann einfach gelöscht.
Ich möchte schon, dass
derjenige immer noch diese Aufmerksamkeit
in gewissem Maße auf das
Thema hat, weil sonst
habe ich das Gefühl, das bekommt nicht die nötige
Anerkennung, mein Leid wird nicht gesehen,
wenn ich jetzt einfach sage, ja, ich verzeihe
das. Dafür war der Schmerz in dem Moment,
wenn ich das erfahren habe, als es
rausgekommen ist, einfach so groß und so erschütternd,
dass das nicht einfach mit einem Verzeihen getan ist.
Und deswegen geht es dann ja
in den gemeinsamen Austausch, das
Lösen der Verletzungen und dann in die
Vergebung, wenn möglich.
Wenn wir bei so einem Wertekonflikt
sind, das sind typischerweise
die paar Therapien,
wo einer mindestens von beiden sagt,
ich brauche erstmal Klarheit,
denn auch wenn wir das gemeinsam
durcharbeiten, weiß ich nicht,
ob ich das final loslassen kann.
Weil das so sehr gegen
meine Werte strebt. Ich hätte bis
jetzt nie gedacht, dass ich überhaupt
wenn sowas passiert, in eine
Paartherapie gehe, weil ich bis jetzt immer gesagt
habe, wenn das mal vorkommt, das ist
ein klarer Trennungsgrund.
Und jetzt merke ich, wo es passiert
ist, ich kann mich doch nicht so
klar trennen und ich möchte probieren,
ob man das irgendwie verarbeitet bekommt.
Und deswegen wieder so die Frage, kann man
das verzeihen? Das wird sich dann
ja gestellt, weil wir sind oft zur Suche
nach Kontrolle, nach Klarheit.
Ich habe bis jetzt zum Glück im Leben noch
nicht die Erfahrung gemacht und jetzt stehe ich vor
der großen Frage, kann ich das verzeihen?
Und die meisten Menschen versuchen ja
in dieser Lage irgendwie Klarheit zu
bekommen, indem sie mit anderen Menschen darüber sprechen.
Also was ich Freundinnen
fragen, Kumpels fragen, könntest du das
verzeihen? Oder in der Familie fragen, wie geht man
damit um? Und das ist immer ganz
spannend, finde ich. Also ich betreue ja sehr
viele Paare rund um das Thema Affäre
und wenn die dann erzählen und sagen, ja, ich habe
mit meiner Freundin darüber gesprochen oder
mit meiner Schwester oder
mit meinem Bruder.
Und dann frage ich auch manchmal gerne nach, was haben die denn
gesagt? Und dann kommen halt ganz oft die
Glaubenssätze von den Personen.
Also dass halt dann jemand sagt, ja, nee, also
wer einmal fremd geht oder wer einmal eine Affäre hat,
der hat immer wieder eine Affäre.
Ich könnte das ja nicht verzeihen, das macht ja gar keinen Sinn.
Die Nächste, die sagt, ja, aber
es kommt ja darauf an, du musst ja auch an die Kinder denken.
Dann kommt das Kinderargument
dann rein.
Dass man ja nicht nur alleine für sich einen
Entscheidungen treffen sollte, sondern ja auch immer mit
oder dem Gedanken mit den Kindern
dabei haben sollte.
Und letztendlich steht man dann wieder am Ende davor und sagt,
ja, da habe ich jetzt viele Argumente
gehört, aber so wirklich Klarheit habe ich nicht gefunden.
Weil es kommt ja darauf an.
Der eine hat damit vielleicht ein bisschen
Recht, bei dem anderen matcht der Gedanke nicht so.
Ja, das ist wie du
eingangs auch sagtest, also man
sammelt damit Glaubenssätze anderer Menschen,
aber das sind ja nicht meine.
Und das sind ja auch nur Glaubenssätze
von Menschen, die typischerweise
jetzt gerade nicht in der
gleichen Situation stecken wie ich.
Also auch das empathisch
schwer nachempfinden können.
Man kann das
als einfachstes Beispiel ist immer, wenn
Personen, die noch keine Eltern
sind, versuchen sich einzufühlen,
wie es denn ist, wenn man Eltern ist
und wie man dann erziehen würde und so weiter.
Das ist halt sehr schwierig,
weil du nie weißt, wie es sich wirklich
anfühlt, Vater oder Mutter zu sein,
wie dein Kind sein wird und so weiter.
Das ist alles vorher schwer
umzusetzen. Das ist bei anderen Menschen
natürlich exakt das Gleiche.
Wenn man selber zum Beispiel
darin steckt, sich zu fragen,
sollen wir der Beziehung nach
einer Affäre nochmal eine Chance geben oder nicht?
Kann ich das? Will ich das?
Und da können andere eben, wenn sie
es noch nie erlebt haben oder
auch jetzt gerade nicht in dieser Situation
stecken, können da eigentlich nur
so einen
Ratschlag aus ihren eigenen Glaubenssätzen
herausgeben, der
typischerweise eher
negativ ausfallen wird wahrscheinlich.
Deswegen ist es ja so sinnvoll, wenn man da an einem gewissen Punkt kommt, wo man sich dann im Kreis dreht, weil viele führen ja zum Beispiel ganz gute Gespräche, dann fangen sie an, sich im Kreis zu drehen und nicht weiterzukommen, dann einen unabhängigen Dritten mit ins Boot zu nehmen, der keine eigenen Glaubenssätze mit reinbringt, weil er darauf trainiert ist, sondern dafür sorgt, zu schauen, wie ist es denn bei euch?
Kriegen wir es bei euch hin, ohne dass meine Meinung zählt, sondern kriegen wir es irgendwie hin, dass wir das für euch stimmig machen und wenn nicht, wie kriegen wir es hin, dass akzeptiert wird, dass es nicht geht?
Ja, wenn Vergebung nicht funktioniert, bedeutet ja eigentlich, dass so das Übernehmen von Verantwortung nicht klappt.
Ich sage, es tut mir leid, dass ich durch dein Verhalten bei dir ungute Gefühle erzeugt habe.
Dann gibt es bestimmte Voraussetzungen, die nicht erfüllt waren, warum das Vergeben nicht funktioniert hat.
Eine Voraussetzung ist zum Beispiel, dass der andere der Mitverursacher ist für die Verletzung und dass auch beide ihren Anteil sehen können.
Was ist ein Beispiel?
Also wenn zum Beispiel ein Thema in der Beziehung auftritt, wo einer sagt, da kann ich nicht die Verantwortung für übernehmen, weil das Thema war von Anfang an in der Beziehung von dir.
Da bin ich gar nicht der Verursacher. Das kommt zwar jetzt aufgrund der Voraussetzungen bei uns hervor, aber eigentlich kann ich dafür keine Verantwortung übernehmen.
Ja, es wäre ja eher, dass derjenige nicht stark genug war, ne?
Ne, zum Beispiel jetzt das Thema Treue oder Eifersucht.
Also wenn das als Verletzung in der Beziehung nicht entstanden ist, sondern jemand das reinbringt als Päckchen und jemand dann sozusagen nicht die Verantwortung dafür übernehmen will,
als derjenige, der verletzt hat, weil die Verletzung gar nicht von der Person ausgeübt worden ist.
Okay, da trifft quasi beides zu.
Also der eine ist nicht stark genug, weil er mit Eifersucht in die Beziehung kommt und was nicht gelöst hat aus der Vergangenheit.
Also nicht stark genug, nicht ausgeglichen Kraft voll genug muss es heißen.
Und es gibt einen Mitverursacher oder es gibt einen Hauptverursacher und ich bin jetzt nur normalerweise im geringsten Anteil überhaupt Mitverursacher, weil ich unwissentlich was getriggert habe.
Genau, genau.
Es gibt ja noch andere Situationen.
Ich finde, wo das auch immer sehr, sehr greifbar wird, ist, wenn ich etwas unausgesprochen erwarte und dann Enttäuschung erlebe.
Und auf den anderen zugehe mit meiner Enttäuschung, dann gehört der größte Anteil dieser Enttäuschung eigentlich zu mir selbst, weil ich habe dem anderen ja gar keine Chance gegeben, die Erwartungen zu erfüllen oder auch abzulehnen, beziehungsweise so zu nivellieren, dass es passt.
Ja.
Das ist so ein ganz typisches Ding, wo der andere ablehnt und sagt, nee, deine Wut nehme ich nicht.
Ich sage nicht Entschuldigung, das tut mir nicht leid.
Da kommt gerade so viel Wut auf mich zu, da merke ich aber, das passt nicht zu mir.
Das kann ich alleine nicht nehmen.
Nicht ausgeglichen kraftvoll genug, haben wir gerade schon so ein bisschen mitgemacht.
Also es gibt natürlich die Möglichkeit, dass ich schon durch Dinge so vorverletzt bin, die gar nicht in der Beziehung entstanden sind oder schon so getriggert bin, so eine Prägung da sind, dass ich nicht Verantwortung übernehmen kann oder auch Verantwortungsübernahme des anderen nicht zulassen kann.
Genau.
Wenn ich zum Beispiel selber so viele eigene. Wenn ich so viele Themen mitbringe, dass ich gar nicht ressourcenmäßig in der Lage bin, auch das Leid bei dem anderen sehen zu können, weil ich sofort in die Rechtfertigung komme.
Zum Beispiel, ja.
Ja, dann der typischste Fehler, die typische Problematik, wenn es vorher nicht gut war.
Also jeder kennt das.
Man sagt dem anderen, hey, da hat mich eine Situation verletzt oder man möchte ein Feedback geben und der andere sagt, aber du hast doch oder das hätte ich nicht gemacht, hättest du nicht vor zwei Wochen.
Also wenn das so zurückgegeben wird und man eigentlich damit andeutet, hey, das ist eigentlich nur eine Rückverletzung.
Ich habe da auch noch ein offenes Thema, was ich noch gar nicht angesprochen habe oder wofür du noch nicht Verantwortung übernommen hast, dann sieht man, wir brauchen, dass es vorher gut war, damit man eben nicht in dieses Ping-Pong-Spiel in die Vergangenheit kommt und sich dann in so einen Runde Umschlag bewegt.
Es braucht also, dass es wirklich gut war vorher.
Und dann ist es auch wichtig, dass es sprachlich richtig passiert, wie wir im Coaching es immer sagen.
Also wenn jemand Verantwortung übernimmt. Und dass es darum geht, das auch stehen zu lassen und dass der andere nicht sofort in die Rechtfertigung geht.
Also dass es nicht sofort darum geht zu sagen, ja, aber. Dass man das gleich aushebelt und den anderen sozusagen gar nicht die Möglichkeit gibt, das Gefühl auch als Verantwortung zu übernehmen.
Und dann natürlich einfach auch so den Rahmen zu halten, das sprachlich Richtige.
Also nicht als Vorwurf es formulieren, ich Botschaften sprechen, ausreden lassen, dass das einfach einen gewissen Rahmen hat.
Damit es auch möglich ist, überhaupt sich innerlich darauf einzulassen.
Und das Zweite ist dann, wenn es sich immer wiederholt.
Also es braucht auch eine Verhaltensveränderung.
Wenn es sich immer wiederholt und mich immer wieder von vorne verletzt, dann scheint mein Gefühl beim anderen noch nicht angekommen zu sein.
Das sorgt dafür, dass so diese ursprüngliche Übernahme von Verantwortung innerlich hinfällig wird.
Das heißt, wir brauchen auch. Diese Verhaltensveränderung, um uns damit wirklich gut zu fühlen.
Das ist ja das Thema der Versöhnung nachher auch.
Genau, weil das Problem ist, wenn vergangene Ereignisse halt immer wieder präsent sind, dann können wir nicht loslassen.
Und dann kommt es halt immer wieder zu einem Kopfkino, zu einem Trigger.
Da hat man das Gefühl, die Beziehung bietet einem nicht die nötige Sicherheit, die man sich eigentlich wünscht.
Und das zeigt sich manchmal auch klar in körperlichen Symptomen.
Also dass man, wenn man das Gefühl hat, man kommt nicht an den Punkt des Vergebens oder. des Verzeihens, dass man das als körperliche Symptome im System, sagen wir mal, hat.
Also zittrige Knie, dass man das Gefühl hat, man hat so einen flauen Magen oder es fühlt sich alles so schwer an.
Man hat Herzrasen, Herzklopfen, Atemprobleme.
Viele sagen auch, dass sich das wie so eine Ohnmacht auf den Körper manchmal anfühlt.
Also wenn man so eine Last, die auf den Schultern ist und mit sich trägt die ganze Zeit.
Daher sprechen wir immer wieder von einem stabilen Fundament.
Dass man die Dinge aufarbeitet.
In Vergebung bringt.
Dass man dafür sorgt, dass man sich wieder miteinander versöhnt.
Aber eben auch sein Verhalten wirklich verändert.
Weil das ja auch präventiv wichtig ist.
Ich möchte in Zukunft ja nicht immer wieder so verletzt werden.
Und wenn dieser wertschätzende Austausch darüber nicht stattfindet.
Und man keine emotionale sowie sachliche Lösung dann findet.
Dann hat das einige Folgen für die Beziehung.
Zum Beispiel starke Unsicherheit.
Also einerseits die Sorge.
Oder bei drastischen Dingen auch die Angst.
Dass man das Erlebte wieder erleben wird.
Und man ja dadurch so eine innere Schutzmauer aufbaut.
Und das ist ja auch gerade der Moment, finde ich, der im Coaching immer ganz spannend ist.
Das merkt man, finde ich, immer sehr intensiv.
Denn bei einigen Paaren, wenn es darum geht, dass jemand wirklich in der Tiefe vergibt.
Und man zusammen traurig sein kann darüber, dass so etwas passiert ist.
Aber gleichzeitig dann auch positiv initiativ.
Und man sagt, wir wollen das anders machen.
Und das ist manchmal so ein Moment, finde ich, wo manchmal ein Paar sich dann in die Arme nimmt.
Und du merkst richtig, wie die Lasten von beiden Schultern runtergehen.
Dass da große Traurigkeit ist.
Aber gleichzeitig auch so ein Gefühl von Erleichterung.
Und von, ja, das tut auch richtig gut, dass wir es jetzt nochmal besprochen haben.
Und sich die Umarmung dann löst.
Und man in dem Moment spürt, oder man sieht es auch in den Gesichtern, finde ich immer,
dass da zwar. Die Tränen sich weggewischt werden, aber trotzdem so, ja, es tat aber gut.
Ja, der Frust der vergangenen Monate, oftmals Jahre, der lässt dann langsam nach.
Denn so gut wie jedes Paar, mit dem wir in die Gespräche starten,
empfindet sich ja selbst als besonders komplexer, komplizierter und auch schwieriger Fall.
Und hat eben schon gewissen Frust und Resignation erreicht.
Denn, ja, wenn das einfach wäre, wenig komplex und man das gut selber lösen könnte,
würde man es ja tun.
Und man hat es wahrscheinlich auch schon für einige Themen gut hinbekommen.
Aber eben für einige Themen stößt man da an seine Grenzen und braucht eben Hilfe von außen.
Und manche sind dann auch natürlich sehr überwältigt von den eigenen Gefühlen.
Weil das ja nicht so ist, dass es nur auf die Beziehung wirkt,
so wenn man mit jemandem Konflikte hat,
sondern es wirkt sich mit der Zeit ja auch auf andere Lebensbereiche aus.
Das erleben wir auch immer wieder, dass jemand berichtet und sagt,
oh, ich habe das Gefühl, mir fehlt komplett die Leichtigkeit im Leben.
Ich bin gar nicht mehr so leistungsfähig.
Bei der Arbeit.
Ich kann nicht gut schlafen.
Ich habe kaum noch Appetit.
Ich würde mich am liebsten krankschreiben lassen.
Oder ich lasse mich gerade krankschreiben, weil es bei uns gerade so problematisch ist.
Und das dadurch natürlich auch sehr groß wird.
Oder gesagt, ja, wir funktionieren hier zu Hause nur noch.
Das Mindestprogramm für die Kinder wird noch geleistet.
Aber das ist nicht unser Anspruch, so jetzt weiterzumachen.
Das kann bis zu Trennungsgedanken natürlich münden.
Wenn sich da immer mehr aufstaut.
Man kennt so dieses Bild.
Das Fass ist vollgelaufen, übergelaufen.
Die Zündschnur ist kurz.
Kleinigkeiten reichen aus, dass man explodiert.
Und so ist ja auch unsere Konfliktspirale gezeichnet.
Wenn wir so dieses Schaubild nehmen, dass man eben merkt,
diese kleinen Verletzungen, die stauen sich immer mehr auf.
Und es wird normalerweise eine Entwicklung geben,
in der die Verletzungen enger getaktet sind.
Also am Anfang sind sie noch weiter auseinandergedehnt.
Und dann irgendwann werden die immer enger getaktet.
Bis hin, dass man sich tagtäglich ein oder mehr Mal verletzt.
Und die Ausschläge werden größer.
Das heißt, diese Emotionalität wird immer intensiver.
denn im Coaching konkret
gelöst hat, sodass ihr davon lernen
könnt. Hier an der Stelle nochmal den Hinweis,
wenn dieses Thema euch
betrifft und ihr merkt, ihr dreht euch dort auch
im Kreis, kommt bei bestimmten
Themen einfach nicht weiter, dann
holt euch gerne Unterstützung,
meldet euch bei uns für das telefonische
Erstgespräch. Sehr gerne helfen wir
euch dabei, raus aus der Krise zu
kommen und diesen Teufelskreis,
wie ihn auch viele nennen, zu durchbrechen.
Ja, du wirst heute wieder von zwei Paaren
berichten und einmal
ein bisschen aufzeigen, was lag bei denen vor,
was war die Herausforderung und
wie seid ihr das Ganze im Coaching dann
angegangen, um es auch zu einer Lösung
zu führen. Wie immer sind die
Namen frei erfunden, die
Geschichte zu den Paaren
ist soweit verfremdet, dass
das Paar sich selbst nicht erkennt, das Umfeld
das Paar nicht erkennt, aber
der Kern der Geschichte und das
Learning für euch, die jetzt hier zuhören,
immer noch voll da ist. Das heißt,
Diskretion ist natürlich sehr, sehr wichtig,
deswegen sind die hier doch
schon recht intensiv verfremdet von uns.
Das erste Paar, Alexandra und Tim,
beide Anfang 40, haben
zwei Kinder, fünf und acht Jahre
alt und die beiden haben sich bei
uns gemeldet und suchten nach
Unterstützung. Tim hatte bei der Arbeit
eine Affäre mit seiner Arbeitskollegin
und Alexandra fand
es nach einem halben Jahr
raus über eine WhatsApp-Nachricht,
die bei ihm aufblinkte.
Da ist natürlich Systemgesetz
Nummer eins ganz stark verletzt,
Ausschluss, dass er mit
seiner Arbeitskollegin ein intimes
Verhältnis eingegangen ist und
sie das dann, seine Ehefrau, das dann
rausgefunden hat.
Sie war auch extrem enttäuscht natürlich
von ihm, weil sie sowas niemals von
ihm gedacht hätte, dass er sowas tun würde
und das auch nicht bemerkt hatte.
Also sie sagte auch noch, das kann ja nicht sein,
Ina, dass das überhaupt passiert ist.
Ich habe das gar nicht gemerkt, also ich würde immer
denken, dass man das an Verhaltensänderungen
von einer Person merken würde,
irgendwelche Hinweise darauf. Ich hatte auch kein
Impuls oder so, dass ich misstrauisch
sein sollte und als die Nachricht dann
kam, hatte ich ein
komplettes Gefühl von Ohmacht und
das Gefühl auch, dass das ganze Menschenbild,
was ich von meinem Partner bisher hatte, komplett
zerstört ist.
Sie zog zwei Tage später,
nachdem das rauskam, mit den
Kindern aus zu ihren Eltern,
weil, wie sie sagte, sie war dann ja schon ausgezogen,
als sie ins Coaching kam, das
nicht ausgehalten hat, länger
seine Anwesenheit um sie herum
zu haben und
jetzt ist ganz
vieles schwierig gewesen. Also sie sagte,
die Kinder haben natürlich gefragt, warum
wohnen wir jetzt nicht mehr zu Hause?
Und auch der Kontakt mit den Kindern
war schwierig am Anfang, weil
ihr war natürlich klar, dass er weiterhin Kontakt
zu den Kindern haben
darf und sollte,
aber ihr ist einfach unwahrscheinlich schwierig gefallen,
jetzt überhaupt mit ihm in Kontakt zu treten
und dementsprechend
lief das auch nicht so gut und
sie stellte sich halt immer die Frage,
kann man sowas verzeihen? Also
kann ich das verzeihen, was er mir angetan
hat? Selbst wenn ich das möchte, kann ich das
wirklich verzeihen oder ist das eine
Sache, die uns jetzt unser Leben lang begleitet
und ist das eine Sache, die ich im Streit immer wieder
hervorbringen werde, weil ich es eigentlich doch nicht
verzeihen kann?
Und sie haben sich beide wirklich Sorgen auch um die
Kinder gemacht, weil die doch mehr mitbekommen haben,
als sie dachten
am Anfang, wie man das verheimlichen kann
und benötigten dort
auch ein wenig Unterstützung
im Umgang mit den Kindern.
Ja, klingt nach dem Klassiker.
Im Coaching bei uns.
Ja, so ein bisschen schon.
Eine Affäre bei der Arbeit, aufgeflogen durchs Handy,
dann ungefähr
Ende 30, Anfang 40,
zwei Kinder, fünf, also so
genau eigentlich das, was bei uns im Durchschnitt
super häufig passiert. Deswegen habe ich diesen Fall auch so
ausgewählt, genau.
Wie sind wir jetzt vorgegangen?
Also, sie haben ja so ein bisschen berichtet, was
die Herausforderung ist und haben halt auch sehr
intensiv über die Kinder gesprochen und es war ihnen auch
ein großes Anliegen, auch die Kinder
zu berücksichtigen. Sie waren natürlich
aber auch interessiert daran, nachhaltig
jetzt mal die Affäre aufzuarbeiten und
zu klären, um an Klarheit zu kommen.
Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir einen Mix
machen aus beiden Dingen, dass wir erstmal akut
kurz über die Sache mit den Kindern
sprechen und da Strategien entwickeln, wie die
Kinder gerade durch diese Phase kommen können,
weil das beide einfach sehr belastet hat
und das sehr vorrangig jetzt
behandelt werden sollte.
Wir haben darüber gesprochen, wie man mit den Kindern
umbringen kann. Wir haben darüber
gesprochen, wie da mehr Sicherheit ins System wieder
reinkommen kann bei den Kindern, wie ein Kontakt
aussehen kann zwischen den Kindern
und dem Mann jetzt, weil Tim da
auch so ein bisschen hilflos war und gesagt hat, ich weiß gar nicht
mehr, was ich tun soll, immer egal, was ich
mache, ich habe das Gefühl, es ist falsch, du bist wütend,
du bist enttäuscht, du bist traurig. Also wir haben da
an diesem Punkt erstmal Klarheit reingebracht
und dann haben wir natürlich auch einen Fahrplan gemacht,
wie es weitergeht, also die Aufarbeitung
der Verletzungen, was
verändert sich, wenn er Verantwortung übernimmt,
wie ist überhaupt das ganze Thema Affäre
entstanden und
um sie dann auch
wieder handlungsfähig zu machen in ihrer Entscheidung.
Es gab dann im Prozess
auch relativ schnell
Schritte der Annäherung,
dass sie öfters mal, wenn sie
über die Kinder gesprochen haben, weil sie da mehr
die wertschätzende Haltung hatten durch die Strategien,
die wir besprochen hatten,
auch mal länger
telefoniert haben, also dass es nicht
nur einfach eine schnelle Absprache war,
sondern mit der Zeit es auch dazu kam, dass
die dann doch länger telefoniert haben,
auch mal über andere Sachen gesprochen haben
und sich aber gut
anfühlte für die beiden, so ganz langsam sich anzunähern.
Und dann auch ganz klar
darüber gesprochen haben, in dem Zusammenhang,
wie wäre es denn, wenn?
Also so rein hypothetisch, wie wäre es denn,
wenn wir wieder zusammenkommen würden?
Was würde denn gebraucht werden als Grundvoraussetzung?
Also die haben sich gleichzeitig eigentlich selber
so ein bisschen auch auf den Weg gemacht.
Und während wir Verletzungen aufgelöst haben,
haben wir auch gemerkt, dass
da auf jeden Fall noch Gefühle da sind,
aber dass halt
klare Voraussetzungen geschaffen werden müssen,
damit es überhaupt für
Alexandra möglich ist, darüber nachzudenken.
Und eine Voraussetzung war
dann der Jobwechsel.
Das war für Alexandra
ganz klar, dass sie gesagt hat,
ich kann mir nicht vorstellen, dass du bei der Arbeit weiterarbeitest
und die auf die Arbeitskollegin triffst
und wir jetzt einfach weitermachen, sondern
da braucht es wirklich einen Wechsel.
Tim hat dem zugestimmt und hat
dann, obwohl sie weiter noch getrennt
waren, den Job schon mal gewechselt.
Diesen radikalen
Schritt auch wirklich zu gehen,
das ist auch etwas, was bei
manchen Paaren dann leider fehlt.
Ja.
Wo das eigentlich so eine klare Voraussetzung ist.
Selbst wenn jemand da schwammig ist und sagt,
naja, ich will dir aber auch deine
Karriere nicht verderben und so weiter.
Es ist normalerweise eher eine klare
Voraussetzung, dass das passiert.
Und dessen muss man
sich bewusst sein, bevor man sowas eingeht,
im Kollegium, dass das
nicht mehr gehen wird. Dass das für den anderen
immer ein Träger sein wird.
Und diesen radikalen Schritt dann wirklich zu gehen
und an diesem Punkt
zu gehen, also wo man dann sagt,
mach das jetzt schon mal, ohne dass ich weiß,
ob das mit uns klappen wird. Das ist ein
riesen Commitment und für den anderen
ein sehr, sehr starkes
Symbol, dass das in die
richtige Richtung geht. Dieses
Abwarten und ja, mal gucken,
das fühlt sich für den anderen
auch eben einerseits nicht
committed an, andererseits, naja,
dann könnte man ja die Person, die da
beim Job ist, die Affäre warm halten.
Wenn das mit uns nicht klappt, dann
geht der da hin. Das ist dann der Plan B.
Also,
dieser klare Schritt,
dieses Statement, was man damit auch dann
an der Stelle von Tim an Alexandra
gerichtet aussendet, das ist
glaube ich ein großer Game Changer,
um dann die echte
Chance zu haben. Das hat sie auch genauso
empfunden. Das fand sie auch
sehr beachtenswert, dass er da
ziemlich schnell und ziemlich radikal gehandelt hat
und das auch verstanden hat, dass das
für sie eine Grundvoraussetzung ist.
Und das hat auch nochmal wirklich so einen Schub gebracht
im Verzeihen und Vergeben zwischen
den beiden, dass er da
ja, so gehandelt
hat, dass bei ihr auch das Gefühl,
diesen Triggerpunkt loslassen zu können,
entstehen konnte.
Sie sind dann im Prozess
als Liebespaar zusammengekommen wieder
und sie zog ein Jahr später
mit den Kindern wieder zurück ins Haus.
Auch das haben wir noch begleitet,
weil das natürlich auch ein Prozess war.
Die Kinder haben sich ganz nett bei Oma und Opa nämlich eingerichtet.
So wie Kinder halt sind.
Also Kinder sind da doch recht flexibel.
Am Anfang war das ganz schlimm, aber dann Oma und Opa
haben ordentlich dazu beigesteuert, dass es den Kindern natürlich
gut geht, weil die wollten auch nur
das Beste und dann war das für die Kinder erstmal komisch
zu sagen, ja wie, wir ziehen jetzt wieder zurück ins Haus.
Oma und Opa war auch nett.
Können sie ja mitnehmen.
Ja, genau.
Aber es hat dann gut geklappt und
ja, sie konnten die Herausforderungen,
die Krisensituation
sehr gut angehen und haben auch gesagt,
dass sie sich sehr gefreut haben, jetzt wieder
als Familie zusammen zu wohnen.
Du hast zwischendurch noch gesagt,
die beiden haben sich auch schon vorgestellt, wie es sein könnte,
wieder zusammenzukommen.
Welche Voraussetzungen braucht es
und haben auch über gute Dinge gesprochen.
Und das ist, finde ich,
auch was ganz Wichtiges, dass man in so
einem Prozess nicht nur Gespräche
darüber führt, was alles schlecht ist, also nicht nur
Krisengespräche führt, sondern zwischendurch
auch mal ein bisschen pausiert.
Quasi wie beim Sport, dass man zwischendurch
mal Pausen drin hat.
Dann lieber mal was einzeln machen
oder gemeinsam was machen,
was einen nicht so sehr zum Reden verführt,
wie ins Kino gehen oder sowas, ins
Theater, was auch immer einem da so gefällt,
wo man eher so ein bisschen nebeneinander sitzt oder
Fußball gucken, Eishockey gucken,
was auch immer.
Dass man auch mal Dinge miteinander macht
und das Unterbewusstsein merkt,
es gibt zwischen uns nicht nur noch Konflikte,
wir können auch einfach mal Dinge so
miteinander machen, dass es auch noch ein bisschen
gute Zeit gibt, weil ansonsten haben manche Paare
nach einiger Zeit das Gefühl,
es dreht sich alles nur noch ums Negative.
Deswegen da einen gewissen Ausgleich
schaffen, einen gewissen Gegenpol
herstellen.
Berichte nochmal von Mike und Susanne.
Mike und Susanne.
Anfang 50, sie haben drei Kinder,
12, 15 und 17 Jahre, also schon etwas
älter. Und er ist
beruflich sehr viel unterwegs und
sie ist seit 20 Jahren in ihrem
Gefühl alleine und in kompletter
Verantwortung.
Und in letzter Zeit sind die Konflikte immer
mehr eskaliert.
Er flirtet ihrer Meinung nach
zu viel, sie möchte nicht weitermachen
in der Beziehung bei ihrer Aussage,
weil sie sich eine Veränderung bei ihm nicht vorstellen kann.
Und er versteht nicht, warum sie wütend
ist und sagt im Streit, dass sie
dankbar sein soll. Und er
für das gesamte Wohlergehen und Glück
der Familie verantwortlich ist
und sie eigentlich nichts tut.
Und das hat sie natürlich stark
verletzt, also diese Aussage.
Und sie fragte sich, ob sie das Verhalten
von ihm überhaupt verzeihen kann.
Das ist auch so eine regelmäßige
Aussage, dieses fürs Wohl
und Glück und das Geld der
Familie sorgen. Ohne mich könnten
wir uns all das hier gar nicht leisten.
Und der Mann damit sehr auf den
Lebensstandard fokussiert ist, den er
damit ja auch der Familie
ermöglicht, aber wenig
im Blick hat, die negativen
Konsequenzen und Auswirkungen,
die ja auch als Preis
dafür zu zahlen sind, nämlich
wenig präsent zu sein, wenig da zu sein
vielleicht und auf
anderen Ebenen einfach zu wenig Zeit
und Muße zu haben.
Und das wird häufig nicht so
in die Waagschale geworfen,
beziehungsweise wird dann versucht zu trennen.
Also du kannst doch jetzt nicht
irgendwie wütend oder enttäuscht
dafür sein, dass ich so wenig
dich unterstütze. Schließlich
fahren wir zweimal im Jahr in diesen geilen
Urlaub, weil ich so wenig gehabt habe.
Erinnerst du dich noch?
Wir hatten mal, das ist schon ein paar Jahre her,
das war auch jemand, der mal erzählt hat, er
kann das gar nicht fassen, dass seine Frau
eine Affäre hat, weil die haben
doch letzte Woche gerade
neue Fahrräder gekauft.
Das ist mir irgendwie auch so in Erinnerung
geblieben, dass die Person,
diesen, dieses Wohlergehen
im Sinne von, wir haben uns doch was
geleistet letzte Woche, wir haben uns solche
teure E-Bikes gekauft, das ist doch
totales Commitment, weil
ich habe das doch uns ermöglicht, wie kann
sie denn eine Affäre haben?
Ja, das ist was völlig anderes
als das Wir-Gefühl, was dann manchmal
eben auf der anderen Seite empfunden
wird. Da ist manchmal auch echt
eine große Differenz drin
in diesem Lebensstandard
Wunsch, aber auch in dem, was man
dem anderen so ein wenig
unterstellt. Also ich habe manchmal
das Gefühl, wir schweifen jetzt ab, aber
ich habe manchmal das Gefühl, dass
manche Männer ihren Frauen
mehr gewünschten Lebensstandard
unterstellen, als eigentlich
da ist und vieles
dann doch eher auch mal für sich tun,
aber auch ganz häufig anders.
Also beides gibt es. Es gibt irgendwie
die Frau, die eigentlich viel
weniger Lebensstandard möchte
und eigentlich glücklich wäre, wenn
der Mann eher so eine Viertagewoche macht
und mehr präsent ist.
Es gibt aber auch natürlich die Frauen, die sehr fordernd sind
und am liebsten
Viertagewoche und das gleiche Geld oder mehr
Geld. Also es ist ganz unterschiedlich,
aber auf jeden Fall kommt es da eben
häufig auch zu diesem
Missverständnis, dass das eben
ja so als Totschlagsargument
auch genutzt wird, zu sagen,
du kannst ja gar nicht unzufrieden sein
oder bemängeln, dass ich zu wenig Zeit habe,
dass ich zu wenig helfe. Schließlich
sorge ich für unseren Lebensstandard.
Genau. Und das war ja auch ein Punkt,
den sie ja vorgebracht hat. Sie war so enttäuscht,
von der Aussage, weil sie sagt,
damit zeigst du mir eigentlich, dass ich die ganzen Jahre,
wo ich zu Hause war, dass das nichts ist.
Und dann hat sie halt aufgezählt, was sie alles
getan hat. Ich meine, die haben drei Kinder,
die Begleitung, Haushalt.
Sie hat selber auch noch nebenbei gearbeitet
und das fand sie
ganz schwierig, weil sie meinte, er kann ja
mein Leid gar nicht sehen
von Einsamkeit und damit
kann ich mir halt auch nicht vorstellen, dass er das
irgendwie verändern könnte in seinem Verhalten,
weil wenn er es nicht sehen kann oder nicht annehmen
kann, wie soll er
sich dann verändern? Ja, und er sagt
im Gegenzug, ich fühle mich für all das, was ich hier
leiste, überhaupt nicht anerkannt,
gewertschätzt. Und wenn ich hier nach Hause komme,
nach so einer anstrengenden Woche, wo ich die ganze
Zeit in Hotels unterwegs war
und hatte nur Meetings, dann komme ich nach Hause
und fühle mich auch noch unerwünscht, dass ich hier stören würde.
Ja.
Wir sind so vorgegangen, dass wir erstmal einen
ganz starken Abgleich der Wahrnehmung vorgenommen
haben, weil ich hatte
manchmal wirklich das Gefühl, dass da zwei Menschen
nebeneinander sitzen und sich gegenseitig wie Fremde
angeschaut haben und gesagt haben, haben wir das gleiche
Leben zusammengelebt? Wie kannst
du von dieser Lebensphase, als die Kinder
klein waren oder als wir
die und die Herausforderungen hatten, so eine Wahrnehmung
in deiner Erinnerung haben?
Und das war ganz spannend,
also da wir erstmal den Abgleich gegangen sind
und da auch ganz viel
Aha-Momente für die beiden gab, weil da auch ganz viel
anders gesprochen war, dass er auch gesagt hat, ja, du hast
ja nicht gesagt, dass du einsam bist oder dass
du überfordert bist oder dass du Hilfe brauchst und sagt
doch, an den und den Tagen habe ich das und das
gesagt, das kam alles nicht an.
Und dann haben wir erstmal die Ziele
definiert, also was wünschen
die sich von dem Coaching-Prozess, weil
für ihn war bisher eigentlich alles
okay, wie er sagte
und sie meckert.
Sie ist jetzt ja undankbar und ja, die Aussage
war nicht so nett, das konnte er
auch noch gerade so einräumen, aber
und dann ging es schon weiter.
Und nachdem wir die Ziele definiert haben
und er auch sagte, dass es da einige Punkte
gibt, die er sich anders wünschen würde,
drängten die beiden sehr darauf, unbedingt
Verletzungen aufzulösen und das fand ich
ganz spannend, weil
ich auch gesagt habe, dass wir natürlich auch
dieses Ausgeglichen kraftvoll genug
brauchen, damit man das Leib bei dem
anderen sehen kann.
Damit das auch einen Effekt hat, wenn wir Verletzungen
auflösen. Ich muss das ja auch im
Gefühl wirklich spüren können, dass der andere
da eine Verletzung hat.
Sonst gehe ich ja immer drüber.
Und das macht ja noch mehr Verletzungen.
Das haben wir auch relativ schnell am Anfang
gemerkt, dass das für ihn zum Beispiel nicht möglich
war, Verletzungen aufzulösen, weil er sofort in die
Rechtfertigung gefallen ist.
Und das hat sie auch gemerkt, dass sie
ihr Gefühl von
er kann sich nicht verändern,
weil er es nicht möchte, auch
sich bestätigt hat.
Und sie wollte aber eine Veränderung für sich.
Und sie ist dann ins Einzelcoaching gegangen, hat
dann einen Öko-Check gemacht, ob sie
eine Beziehung festhalten möchte oder ob eine
Trennung der richtige Weg ist für sie.
Wurde da dann intensiv begleitet,
Klarheit zu finden.
Und die Klarheit hat sie
dann auch relativ schnell für sich gefunden, weil
sich so ein ähnlicher Satz dann im Prozess
nochmal wiederholt hatte, den
er gebracht hat. Und da war für sie klar, okay,
eigentlich möchte ich das nicht mehr.
Aber was beide als einer der
wenigen Ziele hatten, war das starke Elternpaar.
Und daran haben wir dann zusammen weitergearbeitet,
wie sie durch
die Trennung gehen können
und möglichst wenig Prägungen an die Kinder
weitergeben. Für den
Prozess war er dann auch offen.
Also da hat er auch gesagt, da sieht er sich auch voller
in der Verantwortung den Kindern gegenüber und das möchte
er auch. Und da hat sich der Prozess auch
deutlich entspannter gestaltet, weil man
wirklich auch die Stimmigkeit bei ihm
gemerkt hat.
Und das zeigt eben, wann auch Grenzen
da sind. Eine Grenze ist eben
vor allen Dingen dann da, wenn einer von beiden sagt,
ich möchte an einem Punkt
nichts ändern. Oder ich fühle mich
mit einem Punkt gut, der den anderen
aber stark belastet. Genau, er
hatte zum Beispiel gesagt,
mit dem Wissen von heute
würde er genauso nochmal handeln,
weil für ihn der Wert
Arbeit über der Situation zum Beispiel
gestanden hat und weiterhin
steht. Und
das kann er nicht sehen, da muss man da durchgehen
an ihrer Stelle. Und da war für sie dann auch klar
zu sagen, ja okay, wenn selbst
mein Leid dich nicht zur Veränderung
bringt, dann ist das
schwierig für mich, den Weg zusammen weiterzugehen.
Nee, weil er vollstimmig in seinen Werten gehandelt hat
und sagt, er kann das nicht verändern, weil
das in meinem Wertemuster, in meiner Priorität
der Sinngebung vielleicht auch so
gebraucht wird. Und dann sagt, dann
muss ich die Verletzung als Kollateralschaden
in Kauf nehmen oder
brauche eben dann,
eine, so wie man so nennt,
eine supportende Frau.
Ich brauche eine supportende Frau, die keine
eigenen Ambitionen hat an Karriere und Co.,
die sich sogar vielleicht freut,
wenn der Mann viel weg ist und sagt, dann kann ich
immer ein Ding so ein bisschen machen. Also es ist ja,
dann braucht er einen bestimmten Typ
Frau an seiner Seite, die
das so gerne mag, für die das auch
wirklich vollstimmig ist, wenn er
diese Prioritäten so setzt.
Gut, dann haben wir
zwei gute Beispiele gehabt, finde ich.
Wir hoffen wieder, ihr konntet einiges draus
mitnehmen und seht auch,
nicht alles führt natürlich in
eine gemeinsame
weitere Beziehung. Manchmal
stellt man eben fest, dass die Trennung
der bessere Weg ist
und auch dann eine Trennungsbegleitung,
um Prägungen
zu verhindern, irgendwann wieder
in eine neue potenzielle Beziehung
gut blicken zu können, aber auch eben
ein starkes Elternpaar für die Kinder sein zu können,
kann ein richtiger und
für beide stimmiger Weg werden.
Bis
zur nächsten Folge. Bis bald.
Bis dann.
Podcast Summary
Key Points:
Verzeihen bedeutet die innere Akzeptanz von Unrecht und das Aufgeben von Rache, ohne den anderen direkt zu belasten.
Vergeben ist eine aktive Entscheidung, bei der beide Parteien gemeinsam Verantwortung übernehmen und zukünftige Verhaltensweisen verändern.
Versöhnen folgt auf Vergeben und ermöglicht einen Neustart in der Beziehung, aber ohne es zu verhindern, dass Verletzungen und Werte weiter verarbeitet werden.
Das Verzeihen ist stark von individuellen Werten und früheren Erfahrungen abhängig, insbesondere bei Themen wie Fremdgehen oder Lügen.
Eine fundamentale Bedingung für Vergebung ist, dass beide Parteien die Verletzung als gemeinsam verantwortlich empfinden und Veränderungsbereitschaft zeigen.
Wenn Vergebung nicht erfolgreich ist, führt dies zu kumulierten Wut und Unsicherheit, die sich in der Beziehung und im Alltag manifestieren.
Der Prozess erfordert, dass beide Parteien ihre eigenen Glaubenssätze erkennen und anerkennen, um keine Grenzen zu verletzen.
Ein stabiles Fundament für Vergebung entsteht durch Verhaltensveränderung, gemeinsame Kommunikation und emotionale Sicherheit.
Summary:
Das Gespräch beleuchtet die komplexen Aspekte von Verzeihen, Vergeben und Versöhnen in Beziehungen. Verzeihen wird als innerer Vorgang verstanden, bei dem man Unrecht akzeptiert und Rache aufgibt, ohne den anderen direkt zu belasten. Vergeben ist dagegen eine aktive, gemeinsame Entscheidung, bei der beide Parteien Verantwortung übernehmen und zukünftige Verhaltensweisen sichern.
Versöhnen folgt dann als Schritt hin zu einer neuen Beziehung, jedoch nur wenn die grundlegenden Werte und Verletzungen berücksichtigt werden. Der Prozess ist stark von individuellen Werten, früheren Erfahrungen und Glaubenssätzen abhängig – vor allem bei schweren Verletzungen wie Fremdgehen oder Lügen. Wichtige Voraussetzungen sind die Wahrnehmung der Verletzung als gemeinsam und die Bereitschaft zur Veränderung.
Wenn diese nicht erfüllt sind, führt das zu kumulierter Wut, Unsicherheit und emotionaler Belastung, die sich in der Beziehung und im Alltag widerspiegeln. Der Erfolg hängt von gegenseitiger Empathie, Verständnis und konkreten Verhaltensänderungen ab. Nicht jede Beziehung kann erfolgreich vergeben oder versöhnt werden – manchmal ist eine Trennung der bessere Weg, um für die Kinder ein stabiles und gesundes Elternpaar zu schaffen.
Die Gespräche zeigen, dass Vergebung kein Abstraktum ist, sondern ein tief wurzelter Prozess, der auf echter Kommunikation, Wertschätzung und emotionaler Sicherheit basiert.
FAQs
Verzeihen bedeutet, dass man Unrecht akzeptiert und auf Rache verzichtet. Es ist ein innerer Vorgang, bei dem man das Thema loslässt, ohne den anderen persönlich zu kontaktieren oder zu befragen.
Verzeihen ist die erste Stufe: man akzeptiert das Unrecht innerlich. Vergeben ist eine aktive Entscheidung, mit dem anderen in Kontakt zu gehen, das Leid zu zeigen und die Möglichkeit zur Veränderung zu geben.
Fremdgehen verletzt das Systemgesetz 1 – Zugehörigkeit und kein Ausschluss. Es führt zu einem starken Gefühl von Werteverletzung und macht es schwierig, das Verzeihen oder Vergeben zu akzeptieren.
Nein, es hängt stark von den individuellen Werten, Erfahrungen und Prägungen ab. Manche Menschen können es nicht verzeihen, andere haben dagegen eine klare Voraussetzung für eine Veränderung.
Ein erfolgreiches Vergeben erfordert, dass beide Parteien Verantwortung übernehmen, die Verletzung aufarbeiten und eine echte Veränderung in der Beziehung verankern können.
Weil sie Verzeihen und Vergeben überspringen oder nur versöhnen, ohne die Verletzungen zu lösen. Das führt zu einem Wiederholen der Konflikte und einem verzögerten Erleben von Frieden.
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