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Tokio Hotel | Phoenix aus der Asche | 4

45m 22s

Tokio Hotel | Phoenix aus der Asche | 4

Die vierte Staffel von "Verdammt berühmt" erzählt die Geschichte von Tokio Hotel-Frontmann Bill Kaulitz, der nach einem Burnout und einer Stimmband-OP im März 2008 mit den Folgen kämpft. Trotz erfolgreicher Rückkehr auf die Bühne in New York leidet er unter innerer Leere und Panikattacken. Der Druck von Label und Management, die Welttournee fortzusetzen, sowie die ständige Belagerung durch Fans und Stalker treiben ihn in den Konsum von Kokain. Die Situation eskaliert, als sein Zwillingsbruder Tom im April 2009 eine Stalkerin an einer Tankstelle schlägt und verklagt wird. Der Höhepunkt der Krise ist ein schwerer Autounfall im November 2009 auf der A24, als Bill mit 230 km/h vor einem weißen Sprinter ausweicht und in den Seitenstreifen rast. Die Folge zeigt, wie der immense Erfolgsdruck und die fehlende Privatsphäre die Zwillinge an ihre Grenzen bringen. Trotz aller Widrigkeiten versuchen sie, ihre eigene Musik zu produzieren und sich ein Rückzugsort zu schaffen. Die Erzählung endet mit Bills Erwachen aus der Vollnarkose nach dem Unfall, wobei offen bleibt, ob dies ein Wendepunkt in seinem Leben sein wird.

Transcription

6837 Words, 41488 Characters

German
* Musik * Will rast mit 160 Sachen über die Autobahn. Tief in der Nacht bei Niesel-Reggen. Er macht die Scheibenwischer an. Sonst ist niemand auf der A24. Außer seine rechte Hand und seinen Blick gehen zum Rückspiegel. Sie sind immer noch hinter ihm her. Es ist der 4. November 2009. Und Bill ist auf dem Weg von Hamburg nach Berlin. Zu den MTV-European Music Awards. Ein wichtiger Auftritt. Vielleicht kann der noch retten, dass automatisch die neue Single ein Flop ist. Okay, ein Flop nach Tokio Hotelstandards. In der ersten Woche haben sie nur Platz 5 ergattet. In Woche 2 kam der heftige Absturz in den Schatz auf Platz 29. Bill guckt wieder in den Rückspiegel. Die Lichter sind immer noch da. Warum kann er die nicht abschütteln? Sein fatter weißer SUV sollte das schon längst geschafft haben. Bill's hemmiglingelt. Er geht ran. Sein Zwillingsbruder Tom ertünt über den Lautsprecher. "Helbe, fahr schön vorsichtig, ist es super glatt draußen." Bill schüttelt den Kopf. Ja, ja, ist ja gut, Tom. Was willst du denn überhaupt jetzt nervt, doch nicht? Bill weiß ja, dass Tom ihn gerne mal beschützt. Aber so ein Helikopterbruder war er bisher noch nie. Tom ist schon nach Berlin vorgefahren und er bleibt hartnäckig. "Ich hab nur ein komisches Gefühl", sagt er. Aber Bill etzt nur zurück. Ja, Tom, ist gut und er liegt auf. Bill sieht einen weißen Sprinter am Horizont auftauchen. Insgesamt sind es zehn Autos-Team an den Fersen kleben. Und die verfolgen ihn, seitdem er auch seiner Garage gerollt ist. Das sind ein paar Fans, die aber offenbar schon in die Kategorie Storker*innen fallen. Und das sind ein paar Paparazzi, die Schnapschüsse von ihm später ein Bild und Co verkaufen werden. Aber Bill hat sich ja nicht umsonst zu einen fetten Flitzer zugelegt. Mal testen, was das Baby drauf hat. Sein Fuß drückt das Gaspedal bis zum Anschlag runter. Sein SUV beschleunigt auf 230 km/h. Endlich. Im Rückspiegel sieht Bill, wie die Autos-Team verfolgen, immer kleiner werden. Er guckt nach vorne. Annie Lennox läuft im Auto-Radio. Bill dreht voll auf. Und er wirkt mit seinem schwarzen XXL-Wuschel-Kopf im Takt. Plötzlich zieht er der weiße Sprinter nach links auf die Spur. Vor Bill. Bill tritt die Bremse voll durch. Er reist das Lenkrad rum. Und dann läuft alles in Zeitlupel ab. Bill zwagen prallt an die Leitplanke in der Mitte. Schleudert gegen die Leitplanke rechts. Drehzig, dreht sich, dreht sich, bis er in den Seiten graben rauscht. Die Motorhaube fliegt ab. Der Airbag poppt auf. Dann wird es dunkel. Ich bin Jasmine Polert und ich bin Anna Bühler. Ihr hört verdammt berühmt von OneDream. Hier erzählen wir euch die Geschichten der Menschen, hintert dem Gossip. Mit all ihren Erfolg und Karriere-Tiefpunkten. Überraschenden Details zu Schlagzeilen, die wir alle kennen. Letztes Mal haben wir euch erzählt, wie Toki Hotel 2006 und 2007 die Welt erobert haben. Mit sehr viel harte Arbeit und wenig Auszeiten. Insbesondere auf Frontmann Bill Kowlett lasst der Druck, ständig 100 Prozent geben zu müssen. Und um dem zu genügen, pust Bill sich um seinen Körper wirklich hart. Bis sein Körper nicht mehr kann und der ganze Stress ihm das wertvollste nimmt, was er beruflich gesehen hat, seine Stimme. Große Teile der einjährigen Welttonäe mussten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Und weltweit fragen sich Fans, "Is das das Ende von Toki Hotel?" Und auch Bill fragt sich, "Is das das Ende von allem, was ich mir aufgebaut habe? Ist das mein Ende?" Das hier ist die letzte Folge der Staffel, Folge 4, für nix aus der Aschen. * Musik * Bill wacht aus der Vollnerkose auf. Das gräle Licht von den Neonröhren tut ihm in den Augen weh. Wo ist er? Wann ist er? Es ist März 2008. Anderhalb Jahre vor dem Auto unfall. Bill liegt in einem Berliner Krankenhaus. Auf einer Station, die komplett abgeriegelt ist von der Außenwelt. Für ihn. Er liegt hier in seinem Krankenzimmer, ohne Make-up oder Styling, nur im OP-Hämtchen, so wie das eben so ist im Krankenhaus. Bill wurde gerade zwei Stunden lang an den Stimmbändern operiert. Im ist eine große Ziste entfernt worden. Bill guckt nach rechts, da steht sein Bodyguard und start ihn einfach nur an mit seinen Stahlgrauen Augen. Bill guckt nach links, sonst ist niemand da. Er bekommt Panik. Wo ist seine Familie? Warum sind die nicht hier? Als er zu Notizblock und Stift greifen will, um genau das sein Bodyguard zu fragen, öffnet sich die Tür. Tom kommt vorsichtig reingelaufen und setzt sich zu Bill aufs Bett. Die beiden schauen sich besorgt an. Tom fragt so, dürfen die anderen jetzt auch reinkommen? Bill reist die Augen fragend auf. Tom redet weiter. Dein Bodyguard meinte, dass du zu ihm gesagt hast, du willst nur mich sehen und niemanden sonst. Daran kann Bill sich gar nicht erinnern. Bill schnappt sich jetzt den Blog und schreibt. Im Notfall, wenn meine Stimme nicht mehr zurück kommt, dann musst du singen lernen, Tom. Tom ließ den Zettel und antwortet, "So ein Quatsch!" Deine Stimme kommt schon wieder. Wobei es schon sehr nice ist, dass dein ganzes Wasserfallgelabermar weg ist. Dann komme ich ehrlich mal zu Wort und du kannst sich nicht werden. Das ist super. Bill kritzelt wieder. Dann dreht er den Blog zu Tom um. Darauf steht, halt die Fresse. Ich finde es schön zu hören, dass Bill sein Humor nicht verloren hat bei der OP. Eiffoll und schön, dass sie sich auch weiterhin einfach rosten können, sogar ohne Stimme. Das wird jetzt auch eine Weile lang so weitergehen müssen. Zwei Wochen lang darf Bill nicht reden. Das ist ultra lange übrigens. Ich würde durchdrehen. Stell dir das mal vor einer. Zwei Wochen. Ich fände es aus der Schlümm. Dann muss Bill vier Wochen lang mit seinem Arzt das sprechen und singen neu lernen. Und das Gute ist, Bildstimme kommt wieder zurück, entgegen jeder Befürchtung. Und sie hat sich sogar nicht verändert. Sein Arzt ist voll zufrieden, aber Bill nicht. Der findet seine Stimme wackelig, unsicher, so ein bisschen, wie er sich eigentlich insgesamt auch innerlich fühlt. Die letzten Monate haben ihn ausgebrannt und die stecken Bill auch noch tief in den Knochen. Ja, logisch. Ich glaub, der müsste irgendwie erst mal auf Kur gehen. Ja. Klassisch an den Nordsee oder so. Ja, oder ausste, völlig egal. Hauptsache Italien. Aber jetzt verantle ich mal, Hauptsache, mehr Ruhe, Malkurs. Oh ja. Und dann so Massage und im Nebenraum liegt AJ von den Backstreet Boys. So schlisch vor. Genau. Und Bill wartet so mit Evella Wien durchs Arschkaltekniper. Kann man sich vorstellen. Aber Anna, Kuh ist nicht. Stattdessen versucht Bill erst mal anders für Ruhe zu sorgen. Denn er fühlt sich nicht nur in seinem Körper, obwohl auch in seinem Hamburger Loft. Das wird nämlich von immer mehr Fans belagert. Bill und Tom renovieren schon seit einem Jahr ein Haus im Hamburger Umland in See-Wital, 230 Quadratmeter, viel Grün rum oben über Wachungsanlage und mit einem 2 Meter hohen Blickdichten-Zauen. Das bringt auf jeden Fall mal nach Ruhe. Bei so einem hohen Zaun hat man seine Ruhe. Ist so. Und sogar Rockstars wollen einfach irgendwann mal ihre Ruhe und Privats wäre. Find ich auf jeden Fall richtig relatable. Und jetzt entscheiden sich Bill und Tom lieber ein bisschen Spielsicht zu wohnen. Aber dafür können sie auch mal wieder die Vorhängeröffner ja, wenn sie zu Hause sind. Doch Bill und Toms Plan geht nicht auf. Allein an dem Tag, an dem sie umziehen, fahren ihnen 20 Autos, voller extrem Fans hinterher. Und mit dem Umzug kommen Bill und Tom vom Regen in die Trophe. In ihrer neuen Heimat See-Wital wird es nämlich sogar noch schlimmer als in Hamburg. Besonders an den Wochenenden. Da wird die Straße vor dem Kaulitzhaus zum Campingplatz so ungefähr. Fans zählten dort und Kids aus der Gegend kommen einfach dazu um mitzugrillen. Da steht so ein Fan in Schwarz und Adidas Schlappen, wir in der Hand. Hey, Leute, hat jemand los, auch ein Wüstchen? Ach, komm, oder ist der Bild, gerade gerade zbad? Jetzt ist gleich schon wieder Tatortzeit. Kann sie jemand schwarfen, um die Gebereitstellen? Ja, oder? Ich weiß, es klingt mega absurd und wir machen jetzt mit der drüberabbarganz im Ernst. Es ist natürlich total beklemmend verlegt. Bill ruft irgendwann die Polizei. Als dann ein sehvitaler Polizist vorbei kommt, sagt er aber nur, "Chop!" Wenn man berühmt sein will, muss man damit leben. Das ist öffentliches Gelände vor ihrem Haus und da darf stehen, wer will. Viel leicht mal über einen anderen Job nachdenken? Oh Gott, und dann hat er sich ein Wüstchen am Griegehol oder was? 2008 ist es halt echt so, dass das Konzept von "Storking" also als Straftat noch relativ neu ist. Und viele können das damals nicht so richtig greifen. Nicht mal der Bundestag. Der LS-22007 schon ein Anti-Stalking-Gesetz in Deutschland. Das ist der Paragraph 238 im Strafgesetzbuch. Aber das Gesetz ist ziemlich schwach. Das sagen auch Juristinnen und Experts*innen aus dem Bereich Opferhilfe. Das Hauptproblem ist, die Opfer müssen nachweisen, dass ihr Leben, ich zitiere, schwerwiegend beeinträchtigt ist durch das Stalking. Und sie müssen zeigen, dass sie schon Maßnahmen ergriffen haben. Zum Beispiel den Job wechseln, damit die Lage besser wird. Das sind sehr hohe Hürden, besonders wenn man superstar ist, wie Bild. Aber Bild und Tom sitzen nicht nur die Stalker*innen im Nacken oder vor den Fans dann. Auch ihr Label-Universal und ihr Manager da wird just. Die wollen nämlich, dass Bild so schnell wie möglich wieder auf die Bühne geht. Ich möchte wirklich, dass die einmal chillin. Ne, ne Fuck. Deswegen, also Bildstage fangen im April 2008 ungefähr immer so an. Mit einem Schrei schreckt Bild aus einem der vielen Albträume hoch. Die Quellen ihn schon seit einigen Nächten. Das Lagen unter ihm ist nass geschwitzt, ergreift sich an die verschwitzte Stirn. Dann lässt er sich wieder zurückfallen. Seit der OP hat er ständig Panik, Angst zu versagen und allgemeine Unsicherheit. Neben seinem Bett liegt ein Stapel-Bildzeitungen. Er greift zu einer, die ihn gestern besonders geärgert hat. Seine OP ist erst knappe drei Wochen her und sein Manager David Posaunt in der Zeitung das hierum. Am dritten Mai wird Bild auf einem Festival in New York sein erstes Konzert nach der OP singen. Und allein das zu lesen, lässt Bildsartem schneller werden. Aber am schlimmsten ist für ihn die letzte Zeile im Artikel, wo David das hier sagt. Bild kann es nicht erwarten, endlich zurück auf die Bühne zu gehen. Der dreht hier total am Rad vor ungeduld. Bild knüllt die Zeitung zusammen. So eine fucking Lüge. Er will nur noch unter seiner Decke leben und niemanden jemals wieder sehen. Ewa! Er zieht die Decke über sein Kopf. Wie kann es sein, dass jeder über ihn redet? Seine Manager Fuzzi, seine Label Fuzzi, seine Marketing Fuzzi, sein Bodyguard Fuzzi, aber niemand redet mit ihm. Er kämpft mit der Decke. Er will in 18 Tagen in New York auf der fucking Bühne stehen. Auch wenn seine Musik die USA gerade fest im Griff hat. Auch wenn seine Band die erste Deutsche Band ist, die auf Anheb auf Platz 5 der US Rock Charts gelandet ist. Das ist billiggal. Er will schlafen. Bild streift die Decke langsam wieder ab und er säufts ganz tief. Und steht auf. Und jetzt geht's direkt in den nächsten Burn-Ord oder wie? Ja, könnte man vermuten, tatsächlich wird es aber erst mal besser. Anfang Mai fliegt Bild nach New York zum Bambooselfestival. Das ist quasi die große Premiere für seine Niegel-Nagel-Neustimme. Und sie funktioniert. Einwandfrei. Oh, okay, das muss eine Riesenerleichterung sein. Extrem. Aber auch so stellt sich New York als eine Art überraschender Segen heraus. Bild fühlt sich hier nämlich so richtig wohl. Auf der Straße er kennen ihn nicht so viele Leute. Und die amerikanische Presse ist sehr viel netter zu ihm als die Deutsche. Die New York-Teil schreibt zum Beispiel das hier. Why shouldn't fans go nuts for a golf-punk-boy band? Led by a sexy Androgen with spectacular hair. Übersetzt so was wie, warum sollten fans nicht ausrasten, wenn a golf-punk-boy band angeführt von einem sexy Androgenen mit spektakulerem Haar? Und weil Bild sich sowohl fühlt, kann er sich in den vielen Promotagen für die US-Presse endlich mal wieder ein bisschen entspannen. Das Leben etwas mehr genießen, und er geht mit Freund in den Feiern und lässt sich treiben. So gar seine Kreativität kommt langsam zurück. Was in allerdings nicht ganz loslässt, ist dieses Gefühl so ein bisschen roh und verletzlich zu sein. Ja, aber das Wunder der auch nicht, ne? So ein Burnout, der geht ja auch nicht über Nacht weg. Genau, da geht nicht über Nacht weg. Bild ist nachts aber ganz viel unterwegs. In einer der vielen New Yorker Club-Nächte beobachtet er. Seine Freundinnen sind immer verdächtig gut drauf, wenn sie von der Toilette kommen. So selbstbewusst, so sorgen frei. Das ist die Nacht in der Bild etwas Neues für sich entdeckt. Kokain. Ehrlich gesagt, Gersmann, ich hab irgendwie gehofft, dass sie diesen Teil vom Pops da leben, einfach irgendwie links rechts liegen lassen. Aber ich will jetzt auch nicht in dem Morala-Postel spielen. Wahrscheinlich gehört es irgendwie zum Show-Biss. Ich kenne mich nicht aus. Ich stell mir gerade Terror-Banks vor, wie sie sagt. "I was rooting for you, we were all rooting for you." Aber manche Sachen ziehen dann doch nicht an einem vorbei. Laut eigene Aussage ist Bill von da an in sämtlichen Interviews, so eine Mischung aus "Vakatat" und "Zugekogst". So ausgebrannt zu sein hat tiefe Spuren bei ihm hinterlassen. Und Kokain ist da unter anderem so eine Verlockende und gefährliche Droge, weil sie eine Jahr für kurze Zeit viel Energie und so eine Art "Fake Selbstbewusstsein" gibt. Und das braucht Bill jetzt. Beides. Weil er muss erstens die Welttonne weiter machen, zweitens die ausgefallenden Termine nachholen, drittens weltweit Preise einheimsen, viertens mit Universal um ein neues Albumstreiten und fünftens fliehen. Denn das Stockingproblem eskaliert jetzt maximal. Also zusammengefasst ist Bill eigentlich busier als vor der Stimme OP, obwohl es eigentlich um die Kärz sein sollte, damit er endlich mal wieder klar kommt. Genau, hast du gut zusammengefasst und all diese Dinge vermischen sich jetzt zu einer explosiven Mischung und die wird Bill und Tom ordentlich um die Orden fliegen. Aber eins nach dem anderen. Im Frühjahr 2009 überschreiten die Extremfans vor dem Haus der Zwillinge in See-Wital noch mal neue Grenzen. Sie treten Güne, den besten Freund und ständigen Begleiter der Zwillinge. Sie attackieren die Putsfrau, bespucken Mutterschallotte wenn sie das Haus ihrer Söhne verlässt. Also es geht jetzt nicht mehr nur um die Jungs, niemand, der dieses Haus betritt oder verlässt, ist noch sicher. Also strange, oder? Weil wenn man Fan ist, dann denkt man noch, man macht etwas für die Band, aber das bringt die doch nicht näher zusammen. So was. Ja, ich kann es mir auch nicht richtig erklären. Bill und Tom macht das auf jeden Fall psychisch extrem zu schaffen. Erst recht, jetzt wo es sogar ihre heißgeliebte Mama trifft. Ja, klar. Und dann taucht auch noch auf einmal eine neue, extrem grenzübers überschreitende Fan-Variante auf, die organisierte. Und Anna, du darfst dir jetzt mal vorstellen, so eine zu sein. Mache ich gerne. 15. April 2009, 23 Uhr. Du rufst. Gib Gas! Gib Gas! Du heißt Perin und bist eine von vier Französinnen, die sich gerade in ein kleines Auto gequetscht haben. Ihr seid alle, so zwischen 20 und 25 Jahre alt. Ihr seid hinter Tom Herr. Du hast den gerade dabei gefilmt, wie er aus dem Tonstudio gekommen ist und wie er sich jetzt in seinen Sportflitzer gesetzt hat. Wo auch immer ihr hinfährt, ihr bleibt ihm dicht auf den Fersen. Du bist sowas, wie die Anführerin oder Sprecherin von euch führen. Zusammen mit den Reiheneren hast du deine Tokl-Rotel Liebe, wenn er ins Mal besessen hat, professionalisiert. Ihr nennt euch Lesafgan und Tour zu Deutsch, die afghanenden auf Tour. Ihr vermummt euch gerne mit karrierten Schaels, die in den Nullerjahren so beliebt sind. In Europa sagt man zu der Zeit zu den Palästinensar-Schaels. Dazu tragt ihr fette Sonnenbrillen, die zu der Zeit auch sonst auf jeder Kader-Schillnase sitzen. Er ist da lang gefahren. Wie kriegt es ab? Du filmst jede Bewegung mit. Das kommt später auf Myspace oder YouTube. Du bist für die Kau-Litzzwillinge extra von Frankreich nach Hamburg gezogen, um sie so oft zu sehen, wie du nur kannst. Denn ganz tief in drin fühlt du, je häufiger ich sie sehe, desto glücklicher macht mich das. Aber ey, bist du stalkerin, bist du deswegen noch lange nicht? Nee, du doch nicht. Du bist halt einfach ein bisschen enttäuscht, gerade. Du bist sehr, sehr enttäuscht. Es gab jetzt schon seit über zwei Jahren kein neues Tokio-Tel album mehr. In Deutschland lassen sie sich kaum blicken. Und du und Lesafgan, ihr habt die Jungs schon in einem netten Brief gewarnt. Wir werden ungeduldig. Und wenn sich nicht bald was ändert, dann wird nächste Woche ein kleiner Albtraum passieren. Du weißt ja, dass deine Jungs viel Post bekommen, aber eine Antwort hätte zu schon von ihnen erwartet. Du siehst durch deine Kamera, dass Tom auf die Tankstelle abbiegt. Du sagst, halt. An der Zap-Stelle hält euer Auto direkt hinter Toms. Du öffnest die Tür, gehst auf sein Auto zu, zur Fahrerseite und mit dem Gesicht ganz nah an seine Scheibe. Oh, okay, Yasmin. Ich muss, glaube ich, kurz aus dieser Rolle rausfallen. Ich hab nämlich ein ganz, ganz schlechtes Gefühl mit dieser Storkerin. Mhm. Zurecht. Anna, wir sind noch in der selben Situation. Es ist immer noch der 15. April 2009, 23.20 Uhr. Wir sind an einer Hamburger Tankstelle, aber jetzt wechseln mal die Perspektive. Statt Perin, der Storkerin, stellt dir jetzt mal vor, dass du Tom bist. Eho. Du ziehst an der Nazi-Gerette und guckst in deinen Rückspiegel. Du siehst eine von den vier Frauen auf dich zukommen. Die verfolgen dich seit sechs Monaten. Heute trägt sie nur die Kadeschins-Unbrille, nicht besonders auch noch den Schall, mit dem sie sich vermummt. Das ist eine von den Frauen, die wir in einer Woche angegriffen haben. Die Diedrobrie verschicken. Ein Auto mit Eiern bewärfen. Die die Wohnungen von deinen Bandbrüdern Gustaf und Georg belagern. Dich durchs Fenster beobachten und die einfach nicht aufhören, dich zu filmen. Egal, wohin du gehst. Die Storkeren klafft an deine Scheibe. Hält ihre Digi-Cham hoch. Ah, sie will ein Foto. Du rufst durch die Scheibe. Farb piste euch. Aber sie haut mich ab. Also machst du das Fenster runter. Und wirfst deine brennende Zigarette in ihre Richtung. Du beobachtest, wie sie die Zigarette aufhebt und an deinem Auto ausdrückt. Und dann setzt es bei dir aus. Das nächste, was mitbekommt, ist, dass du dir mit der Faust ins Gesicht geschlagen hast. Sie liegt auf dem Boden. Und du schlägst noch mal zu. Oh mein Gott. Am nächsten Tag machen Schlagzeilen die Runde das Tom Fans verprügelt. Die Französin hat Anzeige gegen Tom erstattet und verklagt ihn auf 10.000 Euro Schadensersatz. Später wird er gegen Klage einreichen. Man versteht ja irgendwie, dass Tom und Bill jahrelang wie so Tiere von Fans gehetzt wurden. Aber das muss man ganz klar sagen, Gewalt prügeln, geht gar nicht. Nee, Gewalt geht natürlich gar nicht klar. Ich kann mir halt auch in dem Moment nicht anmaßen, dass ich genau wüsste, wie ich in so einer Situation reagiere, ob ich da wirklich auch immer im sachlichen Diplomat in den Modus wäre. Aber Gewalt geht auf jeden Fall gar nicht. Wie geht's denn Bill mit dem Ganzen? Bill geht so la la. Sammer 2009 in der Villa Kaulditz in Seebethal. Bill guckt Tom dabei zu, wie er Holzwände zusammennagelt. An der Stelle, an der früher mal eine Küche war, richten sich die Zwillinge jetzt ein eigenes Studio ein. Das Ganze hier läuft ohne, dass die Produzenten davon wissen, der Plan der Zwillinge ist nämlich, dass sie irgendwann ihre eigene Musik machen können. Deswegen ist hier auch kein professioneller Studiobauer am Berg, sondern eben Tom. Aber Bill macht sich Sorgen um seinem Bruder. Ja, das war echt nicht cool, die Gewalt an der Tankstelle, aber Bill kann's irgendwie verstehen. Der ganze Psychothera war einfach zu viel. Bill hat einfach das Gefühl, dass Tom und er die Kontrolle über ihr Leben verloren haben. Und weder er, noch Tom, wissen, wie sie die zurückbekommen. Übrigens, Tom und die Frau von Lesafgan und Tour werden sich denn ein Jahr später außergerichtlich einigen. Aber jetzt schrauben Bill und Tom erstmal wortwörtlicher irramusikalischen Zukunft und bauen dieses Studio fertig. Also Tom. Tom ruft Bill zu, halt mal, erdrückt ihm den Hammer in die Hand. Beide hoffen, dass das Heimstudio der erste Schritt in die richtige Richtung ist. Tom stellt die Holzwände auf. Das wird Bill's Gesangskabine. Universal drängelt, dass sie ein neues Album aufnehmen sollen. Aber Bill und Tom wollen jetzt beim Dritten anlauf mehr musikalischen Einfluss haben. Bill will weg vom Rock und hin zum coolen Sinti-Pop mit 80 Sound und fetten Klubbeats. Wie Annie Lennox, die Peschmode, Skrillex, so die Schiene. Aber natürlich haben David Pat und Dave darauf kein Bock. Die wollen Rock, der gehört für sie zur Tokio Hotel Gewinnformel einfach zwingend dazu. Doch Bill ist jetzt 20. Kein kleiner Junge mehr und besonders das letzte Jahr hat ihn erwachsener werden lassen. Bill beugt sich zu Tom Runter, der unter Mischpult liegt und gerade die Mikrofone verkabelt. Bill ist so, hast du den neuen Song gehört, den David uns geschickt hat? Tom antwortet echt zent. Er absoluter Baby-Schrot. Und Bill ist so, ich schreibe ihm gleich mal unsere Standardantwort. Finden wir eigentlich echt cool das Ding, aber hören wir jetzt für uns nicht so richtig. Diese Strategie fahren Bill und Tom seit Wochen. Jeden zweiten Song lehnen sie einfach aus Prinzip ab. Bis ihre Produzenten hoffentlich irgendwann mal checken, dass sich was ändern muss. Und nebenbei arbeiten die Zwillinger in ihre eigenen Musik. Oh! Schreit Bill. Pass mal auf, Tom. Tom drückt Bill ein Mikro in die Hand und sagt, "Kanns loslegen." Und tatsächlich, im Herbst 2009, nach Langem Battle, knicken David Pat und Dave ein. Sie engagieren Produzenten aus LA, die dabei helfen sollen, Bill's Sinti-Poper zu stellen. Und die Cowlitz Boys bekommen sogar Co-Producer Credit. Dafür gibt's von mir keinen Applaus, weil. diet war überfällig. Ich hab drauf gewartet, ich war sowas sehr applaus von Anna. Na gut, aber stimmt, das war überfällig. Von daher, kein Applaus für Selbstverständlichkeiten. Trotzdem ist allen Parteien klar, dass sie irgendwie kein Bock mehr aufeinander haben. Wenn wir uns mal die Seite vom Produzentent-Team angucken, für diese Zwingung einfach so Bulldoggen, von denen sie seit über fünf Jahren einfach nur fertig gemacht werden, die sich quasi in ihrer Waden verkeilt haben und alles muss zu Tolle diskutiert werden, nichts kann einfach mal geil gefunden werden, obwohl sie harte Arbeit und viel Mühe in die Songs gesteckt haben. Und Universal ist sich sicher, "Ey, ohne uns hätte ihr die ganze Rockstar-Infrastruktur und Zugänge zu den Medien ja wohl gar nicht bekommen." Also ist da wohl klar, dass wir auch mitreden wollen? Andererseits, Bill und Tom werden halt nur wie Puppen behandelt. Die für alles ihr Gesicht herhalten müssen, aber nur wenig mitgestalten dürfen. Und nach wie vor nicht das Geld bekommen, von dem sie glauben, es zu verdienen. Nach den vielen Kämpfen sind Bill und Tom für ihre Verhältnisse wirklich ziemlich abgestumpft nach dem Motto. Lasst schnell fertig machen. Der Buffy-Reer-Run fängt gleich an und das ist die Folge, wo Spike auftaucht. Weißt du noch, was sich das gerade für mich anhört? Nach Quiet-Quitting. Ja, so wirklich, genauso. Ja. Innerlich aufgegeben. Genau, innerlich aufgegeben. Anderer haben aber nicht aufgegeben. Die Schlagzeilen zu dem Vorfall an der Tankstelle bleiben 2009 noch eine ganze Weile im Berichterstattungszyklus hängen. Und Bill und Tom wird klar, dass die Musik schon lange in den Hintergrund gerückt ist. Ihr Rum überschartet mittlerweile einfach alles. Jeder Schritt der Zwillinge wird dauerüberwacht. Egal von welcher Instanz, Obst-Dorker-Innen, Label, Produzent-Innen, Presse oder Bodyguards und es wird alles bis ins kleinste Detail analysiert. Mit Musik hat das nichts mehr zu tun und mit der Freiheit, die die Jungs sich von dem Leben als Rocks das erhofft haben, auch nichts. Das macht Bill schwer traurig. Die Traurigkeit und das Kukain hinterlassen Spuren bei ihm. Er wird immer dünner, zieht sich immer mehr in sich selbst zurück. Und selbst in seinem eigenen Haus ist er immer nur im Bild outfit, also in seinem Schutzpanzer. Die Augen sind mehrfach mit Schwarz zugespachtelt und sein XXL-Wuschel-Kopf wird quasi bis zur Decke tupiert. Und dann passiert im November 2009 der Unfall auf der Autobahn. Auf dem Weg nach Berlin, gejagt von Storker-Innen und Paparazzi. Bill steht vor seinem Auto-Frag aus dem immer noch Qualm kommt. Er konnte sich selbst daraus befreien und ihm ist nichts passiert. Wie durch ein Wunder nicht ein Kratzater abbekommen. Das sagt ihm der Sanitäter, der ihn untersucht. Die Polizei nimmt Zeugen aus, sagen auf. Und dann lässt Bill sich abholen, damit er weiter nach Berlin fahren kann, um mit der Band auftreten zu können. Weil, na klar, der Showmasker an. Man steckt ja nicht drin, aber ich hab so das Gefühl, dass man bei Bill jetzt beobachten kann, wie er wieder von vorne in den selben Kreislauf kommt. Und wie man ihm eigentlich nur raten will, dass er sich jetzt echt mal mit Pause gehen, so richtig. Dass er sich aus allem rauszieht. Ja, voll. Und das ist irgendwie aus so ein bisschen, wie man Freundin dabei zuguckt, wie die immer wieder denselben Fehler machen. Man kann da irgendwie nicht viel sagen, irgendwann müssen wir selbst drauf kommen. Weiseworte, Asmien, weiseworte. Ja, Bill wird die Erlagen-Glocken auch schon sehr bald hören und damit meine ich wirklich hören. Sehe wird tal, eine typisch ruhige Nacht an eine Mittwoch. Es ist der 1. September 2010. Die Uhr in der Kaulezwiller zeigt 23 Uhr 30 an. Ein Brech-Eisen hebelt die Terrassen-Tür aus, dann steigen dunkle Gestalten in die Villa ein. Zur Selbenzeit in Dene-Mark in einer Luxus-Willa. Bill kommt auf die Terrasse. Der Jacuzzi hat sich schon schön heiß geblubbert. Bill ist nur so. In der Küche hab ich auch keine versteckten Kameras oder Wanzengefunden-Tom. Ich glaube, wir sind safe. So kann die Partie steigen. Unterhält Bill einen Klassik-Tüttchen mit Partypillen unter die Nase. Es ist der 21. Geburtstag von Bill und Tom. Und sie haben Bock, es so richtig krachen zu lassen. Sich quasi im engsten Freundeskreis ordentlich wegzuballern. Und zwar so, dass die Außenwelt für eine Kurzmacht nicht mehr existiert. Bill greift sich die Tüte, wirft sich eine Pille ein und hüpft in den Jacuzzi. Kaulitz-Willa in Bildszimmer. Die dunklen Gestalten wühlen durch Bildsunterwäsche. Sie graben sich durch seinen Kleiderschrank und werfen das, was sie finden auf den Boden. Sie wühlen sich durch seine privaten Fotos. Sie schmeißen sich in seinen Bett und wälzen sich drin rum. Wieder in Dene-Mark. Die Party ist im vollen Gange. Bill tams im absoluten Rausch um den Billjahrtisch herum. An dem spielt gleich der ähnlich brauschte Tomberunde. Bill schwebt, Bill fühlt sich frei. Bill wird an der Schulter angetippt. Es ist sein Assistent. Der sagt so, Bill. Jemand ist zu Hause eingebrochen. Kaulitz-Willa, am nächsten Tag. Bill steht in einem gigantischen Chaos. Unterwäsche, Klamotten, Fotos liegen um seine Füße verstreut. seine Persöhnlisten Sachen wurden durchwühlt, auch die von Tom. Laut Überwachungskamera hatten die Einbrecher oder Einbrecherinnen ganze zehn Minuten komplett ungestört für sich, bis die Polizei aufgetaucht ist. Die Polizei sagt, sie konnte niemanden identifizieren oder festnehmen, die können jetzt wohl nichts weitermachen. Will nimmt einen tiefen Zug von seiner Zigarette. Er arscht auf den Boden und wirft die Kippe hinter sich. Von ihm aus kann das jetzt alles abgefackelt werden. Er verlässt das Zimmer ohne sich umzudrehen. Und kommt nie wieder zurück. Zwei Jahre später, 2012. Anna stellt immer so ein Supermarkt in das Angeless vor. Hast du? - Ja. Will ist braun gebrannt, hat so einen drei Tagebart und Wasserstoffblondes kurzes Haar und lehnt auf dem Einkaufswagen. Er meint so, Tom so, nee, die Saisonbeagle finde ich besser. Tom hält gerade so einen anderen Beagle in der Hand. In den letzten zwei Jahren ist viel und gleichzeitig wenig passiert. Will und Tom sind nach dem Einbruch direkt nach Los Angeles gezogen, ohne Plan, ohne irgendwas, das einzige, dass sie sich vorgenommen haben war, Pause machen. Will kreilt sich die Saisonbeagle und wirft die in den Einkaufswagen. Tom wirft die anderen, also seine Beagle hinterher und schiebt den Einkaufswagen weiter. Diesmal hat das mit der Pause wirklich geklappt. Statt ihren Celebrity-Status zu pflegen, haben Will und Tom gelernt, wie man Alltag macht. So ganz banale Sachen, also Einkaufen gehen, essen im Restaurant und bestellen zum Amt gehen. Sie haben gelernt, dass man Menschen in die Augen guckt. Wie man es ist? Ja, also wenn sie in Deutschland in der Öffentlichkeit unterwegs waren, haben sie beim Gehen meistens auf den Boden gestartet, damit sie die Presse und Fans nicht sehen. Das machen total viele Superstars, auch eine Art Schutz. Bistünder. Aber in LA müssen Will und Tom das nicht mehr machen. Hier werden sie nicht mal ansatzweise so oft erkannt wie in Deutschland. Beziehungsweise muss man dazu sagen, in LA ist ja quasi jeder, der an dir vorbei läuft und star. Stimmt. Will sagt später mal, dass sie echt, wie so, verstörte Zirkustiere waren, bevor sie nach AllA kam. Aber zurück zum Supermarkt. Will legt den Einkauf aufs Band an der Kasse. Mit Georg und Gustav hatten Will und Tom auch kaum Kontakt, aber jetzt nicht, weil irgendwas zwischen den Vierern vorgefallen wäre. Ihre Berndbrüder haben einfach gecheckt, dass die Zwillinge wirklich mal richtig rausmusten. Tom hält Will das Handy unter die Nase. Eine SMS aus Deutschland. Will liess sie vor. Hey, wir wollten nur mal ganz vorsichtig nachhören, wie so läuft bei euch? Von wegen schnauft Tom. Universal wird wieder eine neue Platte. Aber Will bleibt total sen. Er reicht im Kassierer seine Kreditkarte, der sagt, "Haven't Day." Tom übernimmt die Tüten und den Einkaufswagen, beide gehen Richtung Ausgang. Dann fragt Will, hast du das gemerkt? Was? Tom ist verwirrt. Will sagt lächelt, wie der jemand, der uns nicht erkannt hat. Also, zu sagen gefasst, jetzt haben sie mit 22 Jahren endlich so ein Stück Freiheit, dass sie sich ewig gewünscht haben, oder? Genau, natürlich auch noch mal in der reichen privilegierten Popster-Variante. In LA verbrassen sie Geld für teure Häuser, Autos und Klamotten. Deswegen muss auch bald neue Geld her. 2012 tauchen sie dann so langsam wieder aus der Versenkung auf, ausgeruht und erholt. Jetzt können sie wieder neue Projekte anfangen. Und das tun sie auch. Will und Tom werden Joruchen bei einer Castingshow, nämlich bei Deutschland sucht den Superstar. Das ist der Full Circle Moment für Bild, der war doch mein Starsage. Ganz am Anfang. Genau, genau. Die Staffel mit den beiden in der Jury-Beschäft, die T-Zwillige für ein paar Monate, und wird ab Januar 2013 ausgestrahlt. Das hat auch den schönen Nebeneffekt, dass sie nicht an ihrem letzten Pflichtalbum für Universal arbeiten müssen. Das ist ja trotzdem noch offen. Aber auch eine DSTS Staffel ist irgendwann mal vorbei. Und die SMS und E-Mails von den deutschen Musikproduzenten werden auch immer weniger höflich. Bild und Tom können sich jetzt langsam nicht mehr drücken. Und damit willkommen zum persönlichen Finale der Kauleitsbrüder. Bild und Tom gegen die Produzenten. Was sah das? - Also. Du du du du. - Das ist doch. Wenn bei Castingschaus der dramatische Moment kommt. Ah, geil. Also ich stelle mir die Arbeit am neuen Pflichtalbum ungefähr so vor. Es ist Sammer 2013, das Homestudio in der Kaulezwiller in LA. Bild steht am Mikro und plaudert wie ein Wasserfall. Am anderen Ende vom Mischpult sitzt Tom. Bild hat sehr viele Ideen für das neue Album, auch meine erst kein Bock hatte. Aber wenn er etwas macht, dann zu 100 Prozent. Und er kann einfach nicht anders. Die Ideen sprudeln sprudeln sprudeln nur so aus ihm raus. Das muss Tom jetzt aushalten. Aber auch der gibt 100 Prozent. Tom hat sich in den letzten Jahren nicht nur das Musikproduzieren beigebracht, sondern auch das Spielen von zehn weiteren Instrumenten neben der Gitarre. Also er hat genug gelernt, um damit Songs zu produzieren. Er ist quasi sein eigenes Orchester. Dann hört Bild Tom durchs Mikro und der so. Wie wär es, wenn du auf est zu labern und anfängst zu singen? Bild kommt aus der Aufnahmekabine rausgesprungen ist so. Das war unser erster selbst geschriebener Song, seit den Devilish-Zeiten. Dann stockt Bild und hat aufzureden, weil er sieht, wer neben Tom sitzt. Ihr Manager/produzent David Just. Bild um Abend ihm. David, hast du das gehört? Aktuell ist 50/50 Just. So nennt Bild ihn ganz gerne ganz auf der Seite von Bild und Tom. Und nicht auf der Seite seiner Koproduzenten Dave und Pat. Das kann aber schnell wechseln, daher auch 50/50 Just. David Just ist vor kurzem auch nach L.A. gezogen und schreibt jetzt Songs für andere Superstars, zum Beispiel Kelly Clarkson und John Legend. Ja, voll geiler Sound findet David. Bild will endlich ein geiles Album, das nach Pop, IDM und Dubsab klingt. Und nicht nach dem Opa-Techno, den sich Pat und Dave vor Jahrzehnten auf der Love-Ride reingezogen haben und der in ihren Produktion immer durchschimmert. Um da jetzt mal die Oberhands zu bekommen, ist es für Bild schon strategisch wichtig, David hinter sich zu haben. Jetzt ist David derjenige der Bild zulabert. Ohne Punkt und Komma. Von den Visionen und Ideen, die er für das Album hat, er hat diesen coolen Song Run, Run, Run. Und er findet, wenn das Album richtig geil werden soll, dann müssten sie einfach Tag und Nacht ran tüfteln. Er würde sich schon um die Kommunikation mit Pat und Dave kümmern. Die Zwillinge sollen sich jetzt mal voll darauf konzentrieren, sich kreativ auszutoben. Bild hübt klatschend auf und ab. Wie geil, endlich sind sie auf dem richtigen Weg. David ist nur so. Ich rufe Pat und Dave jetzt sofort an und erhaut mit seinem Handy ab. Dann sieht Bill, dass Tom David lange hinterherkuckt. Will es nur so was los? Tom überlegt und sagt dann, "Findest du nicht, dass David irgendwie anders ist?" Bild Tom und David sitzen rund um die Uhr am Album. Das heißt, der übrigens Kings of Superbier. Insbesondere David pushed hard. Er meint, er ist noch mehr aus den Songs rauszuholen. Nee, ihr könnt noch lange nicht veröffentlichen. Es hat manische Züge, wenn man so will. David sagt zu Sachen, wie "Du klingst so schön drauf, viel geiler". Willst du nicht heute noch vorbeikommen und bei mir schnell was einsingen? Oder er fragt Bill, ob er ihm 120.000 Dollar leihen kann. Er würde sie ihm auch übermorgen wieder zurückgeben. Das sind aber nicht unbedingt Pieners. Also. Nee, also natürlich. Bill hebt das Geld aber tatsächlich für ihn ab. Weil er David ja auch schon sehr lange kennt. Er verdankt und nicht ganz checkt, dass bei David irgendwas im Agen ist. David isoliert sich immer mehr, bis Bill und Tom irgendwann die Einzigen sind, die noch mit ihm reden. Eines Nachts Ende 2013 hat David dann einen Nervenzusammenbruch. Er hält Bill und Tom drei Stunden lang fest und macht ihnen Geschenke, die er aus Mülltyten zieht. Oh, okay, das ist echt strange. Ja, und das ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass sie David sind. Er verschwindet von der Bildfläche. Keiner weiß wohin. Später kommt raus, dass David sehr vielen Menschen sehr viel Geld schuldet. Es kommt raus, dass David den Song Run Run Run nicht nur für Tokehote produziert hat, sondern zur gleichen Zeit an Kelly Clarkson und John Legend verkauft hat. Ohne die Zwillinge, die Koproduzenten oder das Label, darüber zinformationen. Oh, krass. Ein reines Copyright-Dessarster. Genau, und während der heftigen Kämpfe mit Universal und in anderen beiden Produzenten hätten Bill und Tom niemals gedacht, dass ausgerechnet David derjenige ist, der zum größten Problem für sie wird. Der Mann, der sie seit 2004 gefördert hat, sie zehn Jahre begleitet hat und selbst wenn er oft 50/50 just war, er war eine Konstante in einem sehr wilden Jahrzehnt von Bill und Tom. Das alles zieht den Zwillingen natürlich den Boden unter den Füßen weg. Aber auch wieder so ein Zeichen dafür, wie toxisch dieses Pop-Business ist. Und dass es wirklich auf die mentale Gesundheit von den Leuten gehen kann. Ja, total. In mitten von diesem großen Chaos passiert dann doch noch was Großartiges. Bill, Tom, Pat, Dave und Universal schaffen es nämlich, sich zu einigen. Am 3. Oktober 2014 veröffentlichen Tokehotei ihr letztes Universal-Album. Bill und Tom haben damit ihren zehn Jahre alten Knebelvertrag tatsächlich erfüllt. Von jetzt an müssen sie nie wieder mit jüdischer Zeit. und hier in Los Angeles müssen sie auch keine Stalkerinnen mehr Form hausfürchten. Keine Heyter mehr, zumindest keine, den sie auf den Straßen von LA begegnen können und keine Paparazzi, die sie über die Straßen hätten. Bill and Tom sind 25 Jahre alt und haben endlich geschafft, was Bill schon als 10-Jährige angefangen hat zu planen. Sie sind endlich frei. Das meine ich, wann nie so großer Tokyo Hotel fähnen, aber das gerade da fühle ich richtig mit. Ich freue mich richtig für die. Voll. Und von da an und bis heute ist Tokyo Hotel unabhängig geblieben. Bill, komponiert die Melodie, streibt die lyrics und verantwortet die Designs zusammen mit Güne, das ist ja der BFF von den von ganz früher. Tom produziert als musikalischer Leiter die Musik. Geo klebt in Berlin und ist für das Backoffice der Band mit verantwortlich für die weltweiten Tourplanungen. Gustav ist verheiratet und hat eine Tochter und lebt ein ganz normales Leben in Magdeburg. Sie schließen sogar einen guten Deal mit Sony ab, da erinnerst du dich bestimmt dran an oder das Zellys Label, dass sie 2004 ganz plötzlich nicht mehr haben wollte. Ja, ich erinnere mich. Tokyo Hotel hat heute immer noch eine große Ferncommunity auf der ganzen Welt. In seiner Autobiografie schreibt Bill im Grunde "Im Grunde bin ich den Storchheit in Deutschland dankbar. Ohne sie hätten wir uns niemals selbst gefunden, hier draußen im heißen Kalifornischen Valley und würden noch der gleichen Karriere hinterherjagen." "Oh, ist das schon das Ende, Yasmin? Irgendwie ist es für mich noch nicht ganz rund." "Hist dich, Anna, deswegen habe ich auch noch eine kleine Zugabe für dich. Beziehungsweise, ich würde jetzt an der Stelle mal unser eigenes kleines Post-Credit Marvel-Enden nennen. Stell dir nochmal ein letztes Mal vor, dass du Bild bist." "Ein letztes Mal." "Ich schaffe's das." "Okay." 5 Jahre später, 3. August 2019. Die Sonne geht über dem Mittelmeer unter. Eine Jagd wirft vor Capri den Anker. Auf ihr ranken Zartrosarosen, weiße Orchideen und senfgelbe Blumen gelanden. Unter ihnen stets dupen, im schwarzen Anzug und mit Nastola um den Hals. Neben dir steht dein nervöser Bruder Tom. Den wirst du gleich trauen. Tom hat viele One-Earth-Dance-Affäre, schwierige Beziehungen und sogar eine gescheiterte Ehe hinter sich. Aber so verliebt wie jetzt, hast du ihn noch nie gesehen. Und was ist mit deiner ständigen Einsamkeit? Die ist trotz ewigen Single da sein unglücklichen Liebesgeschichten und vereinzelten bitteren Momenten irgendwie verflogen. Du hast Anbaß Erfüllung gefunden. In deiner Kunst, der du jetzt so freien Nachgehen kannst, wie du willst. Wenn du so drüber nachdenkt, Tom und du, ihr habt beide eure Verbissenheit ein Stück weit ablegen können. Und stattdessen, Leichtigkeit in euer Leben gelassen. Das habt ihr auch der Braut zu verdanken. Wie trägt ein schulder freies weißes Bauschiges Kleid und schreitet gerade die Treppe runter auf euch zu? Heidi Klum. Was das jetzt mit dem aufregenden Leben? Du schmunzeltst in dich rein. Ganz bestimmt nicht. Du hast noch viele Ideen. Eine davon ist eine Autobiografie. Und die soll alles enthüllen. Das war die letzte Folge unserer 4. seriatorke Hotel, in der wir euch von der weltweit erfolgreisten deutschen Band aller Zeiten erzielt haben. In der nächsten Staffel geht es auch um eine wirklich sehr erfolgreiche Musikerin, die erfolgreichste Musikerin er war und eine der ersten feministischen E-Cone unserer Zeit Madonna. Hier noch ein kurzer Hinweis zu den Zähnen in diesem Podcast. In den meisten Fällen wissen wir zwar nicht ganz genau, was gesagt wurde. Manche Dialoge sind also ausgedacht oder wurden von uns ergänzt. Aber unsere Geschichte basiert auf echten Tatsachen und auf tiefen Ryszärchen. Wir haben viele verschiedene Quellen dafür herangezogen unter anderen Bill Kauhlitz Autobiografie "Korea Suicide" meine ersten 30 Jahre. Der Podcast Kauhlitz Hills, "Sanf aus Hollywood" von und mit Tom und Bill Kauhlitz, die Doku Tokyo Hotel, Zimmer 483 "Life in Europe von Tokyo Hotel", die Arte-Dokumentation hinter die Welt von Oliver Schwabe sowie einschlägige Zeitungsartikel. Ich bin Yasmin Polert und ich bin Anna Bühler. Verdammt berühmt ist eine Produktion von Kugel und Nire im Auftrag von "Wonnery". Janina Rohk hat diese Folge geschrieben, "Redaktion Elisabeth Feh", "Sprachaufnahme", "Hama und Ambus" und "Studio-Bomans". "Herstellungslaltung-Schei-Kathetic". Das Sounddesign kommt von "Hama und Ambus". Produzenten Kugel und Nire Elisabeth Feh. Für "Wonnery", "Producer", "Simonet-Therbrack" und "Temkehl", "Executive Producer", "Jessica Redburn" und "Marshall Louis". "Wonnery"

Podcast Summary

Key Points:

  1. Bill Kaulitz erlebt 2008 einen Stimmbandeingriff und Burnout nach jahrelangem Erfolgsdruck.
  2. Nach der OP leidet er unter Angstzuständen, Albträumen und dem Gefühl innerer Leere.
  3. Stalker und Paparazzi belagern die Zwillinge in Hamburg und See-Wital, was zur Eskalation führt.
  4. Bill entdeckt in New York Kokain als Bewältigungsmechanismus, während der Termindruck steigt.
  5. Tom Kaulitz schlägt 2009 eine Stalkerin an einer Tankstelle, was zu einer Klage führt.
  6. Ein schwerer Autounfall im November 2009 markiert den Tiefpunkt der Krise.

Summary:

Die vierte Staffel von "Verdammt berühmt" erzählt die Geschichte von Tokio Hotel-Frontmann Bill Kaulitz, der nach einem Burnout und einer Stimmband-OP im März 2008 mit den Folgen kämpft. Trotz erfolgreicher Rückkehr auf die Bühne in New York leidet er unter innerer Leere und Panikattacken. Der Druck von Label und Management, die Welttournee fortzusetzen, sowie die ständige Belagerung durch Fans und Stalker treiben ihn in den Konsum von Kokain.

Die Situation eskaliert, als sein Zwillingsbruder Tom im April 2009 eine Stalkerin an einer Tankstelle schlägt und verklagt wird. Der Höhepunkt der Krise ist ein schwerer Autounfall im November 2009 auf der A24, als Bill mit 230 km/h vor einem weißen Sprinter ausweicht und in den Seitenstreifen rast. Die Folge zeigt, wie der immense Erfolgsdruck und die fehlende Privatsphäre die Zwillinge an ihre Grenzen bringen.

Trotz aller Widrigkeiten versuchen sie, ihre eigene Musik zu produzieren und sich ein Rückzugsort zu schaffen. Die Erzählung endet mit Bills Erwachen aus der Vollnarkose nach dem Unfall, wobei offen bleibt, ob dies ein Wendepunkt in seinem Leben sein wird.

FAQs

Bill Kaulitz war auf dem Weg zu den MTV European Music Awards, als er mit seinem SUV bei 230 km/h von einem weißen Sprinter geschnitten wurde. Das Auto prallte gegen Leitplanken und landete im Seitengraben, Bill überlebte mit einem Airbag-Einsatz.

Bill ließ sich eine große Zyste an den Stimmbändern entfernen, die durch den enormen Druck und Stress seiner Karriere entstanden war. Nach der OP durfte er zwei Wochen nicht sprechen und musste das Sprechen und Singen neu lernen.

Bill und Tom zogen in ein Haus mit hohem Zaun in Seevetal, um mehr Privatsphäre zu haben. Trotzdem campierten Fans vor dem Haus, und die Polizei konnte kaum helfen, da Stalking damals rechtlich schwer nachzuweisen war.

Bill entdeckte Kokain in New Yorker Clubs, um seine Erschöpfung und Unsicherheit zu überwinden. Die Droge gab ihm kurzfristig Energie und ein falsches Selbstbewusstsein, während er weiterhin unter Druck stand.

Extremfans griffen Bills besten Freund Günni, die Putzfrau und sogar seine Mutter Simone an. Organisierte Stalker wie die Gruppe 'Les Afghanes' verfolgten Tom und Bill und filmten jede Bewegung.

Tom schlug eine französische Stalkerin, die ihn seit Monaten verfolgte, ins Gesicht, nachdem sie an sein Auto klopfte. Die Frau erstattete Anzeige und verklagte Tom auf 10.000 Euro Schadensersatz.

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