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Tokio Hotel | Ausgebrannt | 3

44m 14s

Tokio Hotel | Ausgebrannt | 3

Die dritte Folge von „Verdammt berühmt“ zeigt Tokio Hotel 2006 in einer Krise: Die Band steckt in einem Hamsterrad aus Konzerten, Interviews und Partys fest, während das Label Universal dringend ein neues Album fordert. Ein geplanter Urlaub in Spanien zur Songkomposition scheitert – die Musiker feiern lieber, statt zu arbeiten. Zurück im Studio müssen Produzenten die Songs selbst schreiben, da Bill und Tom keine neuen Ideen haben. Bills Stimmbruch erschwert die Aufnahmen zu „Zimmer 483“; trotz seiner Beschwerden zwingt das Label ihn zu hohen Tönen, was zu dauerhaften Halsschmerzen führt. Das Album erreicht Platz 1, doch die Verkaufszahlen sinken im Vergleich zum Debüt. Um den Erfolg zu sichern, expandiert Universal nach Frankreich, wo Tokio Hotel beim Nationalfeiertag 2007 vor einer halben Million Menschen am Eiffelturm spielt – ein Höhepunkt der Karriere. Privat leidet Bill unter Einsamkeit: Während seine Bandkollegen Sex mit Fans haben, sehnt er sich nach echter Liebe und fühlt sich als „Cash Cow“ des Labels. Einziger Lichtblick ist sein bester Freund Andreas „Güne“ Günz, der ihn und Tom unterstützt. Die Folge endet mit Bills innerem Konflikt zwischen Ruhm und dem Wunsch nach einem normalen Leben.

Transcription

6985 Words, 41782 Characters

German
* Musik * Juli 2006, Sonnenaufgang in Spanien. Tom Kaulez öffnet langsam seine Augen. Er richtet sich auf. Der Kopf tut weh. Wo ist er denn überhaupt? Er liegt auf einer Liege an einem Pool. Er dreht sich um. Finka 4, 8, 3. Er lässt sich wieder zurückfallen. Was für eine heftige Nacht. Was für heftige Tage. Tom, Bill, Georg und Gustav haben vom Label eine Woche Urlaub bekommen. Um Songs für ihr zweites Album zu komponieren. Das ist also Urlaub, ja? Zum Arbeiten. Das nennt man "Workation". Das Label dreht Bill und ihn seit Wochen, dass sie neues Material hören wollen. Das soll der Urlaub jetzt lösen. Aber Tom und die anderen denken gar nicht daran, irgendwas zu komponieren. Warum sollten sie auch? Die Musikproduzenten machen ja e-was sie wollen. Stattdessen hat die Band erst mal drei Tage durchgepänt. Und dann vier Tage exzessiv gefeiert. Tom's Kele ist total ausgetrocknet. Er steht auf und "Wooops!" Es dreht sich alles ein bisschen. Dann torgelt er auf den Tisch zu. Vorbei an Dosen, Flaschen, Pizzaschausteln und Klamotten. Er greift die Wasserflasche. Und nimmt einen großen Schluck. Besser. Dann schnappe er sich den iPod und stöpselt die Kopfhörer ins Or. Er scrollt besser den Track, Demo-Komposition eins findet und er drückt auf Play. Tom reist die Kopfhörer aus seinem Or und wirft sie auf den Tisch. Er mummelt so, was ein Scheiß. Er stapft auf die Wiranvertür von der Finca zu und schiebt sie auf. Tom beschließt, dass er sich noch mal ein paar Stunden hinlegt, bevor der Flug nach Hamburg zurückgeht. Wenn er wieder zurück ist, muss er den Produzenten was beichten. Ich bin Jasmin Polert und ich bin Anna Müller. Und ihr hört verdammt berühmt von Wondry. Hier erzählen wir euch die Geschichten der Menschen hinter dem Gossep. Und alle ihre Erfolg und Karriere tiefpunkten. Und überraschenden Details zu Schlagzeilen, die wir alle kennen. Previously on Verdammt berühmt, Turkey Hotel haben einen kommetenhaften Aufstieg in die Pop-Welt hingeelegt. Dann ihrer Pop-Star-Karriere konnten sie endlich die verhaste Schule und ihr Dorf verlassen. Aber unterwegs haben Bill und Tom nicht nur 100.000 beschreiende Fans eingesammelt, sondern auch viel Hass sogar Morddungen. Auch wenn das vor allem Bill ziemlich mitgenommen hat, er pushed weiter. Weil er weiß, wenn er eine Pop-Stern-Schnuppe bleibt, dann könnte es sein, dass er irgendwann wieder im kleinen Lodsch landet. Und da will er nie wiederhin. Deswegen ist er fest entschlossen, seinen Stern am Pop-Firmament zu veräwigen. Und dafür wird er über seine Grenzen hinausgehen. Willkommen zu Folge 3, ausgebrannt. Anna, kennst du das Gefühl, im Hamsterrad festzustecken? Jetzt bin ich Mutter. Das ist mein Leben, nenne ich. Das Hamster ist dein Kind, ne? Es geht round and round und im Grunde jeder Tag gleich. Weil man braucht auch Routinen. Das ist für ein Kind gut, aber für die Mutter fühlt es sich an wie ein Hamsterrad. Wichtig. Man muss immer weitermachen, weil sonst läuft das Hamsterrad. Man muss weitermachen. Dann geht es dir ähnlich wie Bill und Tom. In 2006 stecken auch in einem Hamsterrad fest, allerdings in einem ganz anderen. In einem High-Clash-Hamsterrad, wenn man so will. Bei denen ist es mehr so, spät aufwachen, Interviews geben, Autogramme geben, Songs aufnehmen, Interviews geben, Konzert spielen, die Nacht durchfeiert in ein Hotelbett fallen, spät aufwachen. Du merkst die Arbeiten hart, aber sie feiern natürlich auch hart. Sie brennen die Kerze von beiden Enden, wie man so schön sagt, alter Spruch von mir. Dann bleibt dann noch so ein Docht-Un-Bruhse ungefähr. Genau so ist es auch bei den Tokkihutter-Jungs. Gut, das sind heranwachsen, die wollen sich austoben. Aber im Gegensatz zu gewöhnlichen 17/18/19-Lerigen toben die sich auf Fettenpromi-Partys aus, wo der Schampos fließt und ich sag mal Knutspartnerin auf dem Silbertablet serviert werden. Letzteres übrigens sogar wortwörtlich ihr Manager David Just sortiert Fan-Girls für die Jungs vor. Was? - Ill. Dazu gibt's schon lange Gerüchte, die beiden haben es dann auch bestätigt, als sie bei Inners Nacht zu Gast waren. Das lief ungefähr so, die Jungen Frauen bieten sich an. David nimmt alle Kameras und Handys ab, und dann dürfen die in die Hotelzimmer von den Jungs. Ein Beispiel, Gustav ist mal in seinen Hotelzimmer gekommen und darlagen dann mehrere junge Frauen nackt in seinem Bett. Oh, und er war so gut, dann wollen wir mal so ungefähr. Er hat damit den die Nacht verbracht. Gut, vor Gustav. Ja, was ist schon krass irgendwie, oder? Ich hab nichts dagegen, wenn zwei oder mehrere Leute ein bisschen befremdlich ist, dass jemand anderes das vorsortiert. Genau, das dachte ich mir nämlich auch. Gut vor dem, aber ein bisschen befremdlich der Vorgang. Aber ich frag mich halt schon, ob das heute auch noch so ist. Wenn wir jetzt keine Ahnung an US-Rapper denken, da ist es bestimmt auch nicht viel anders. Du die schaffen das auch gar nicht mehr, dass selber zu sortieren. Das ist das Business. Fichtig. Der einzige, der kein Sex mit Fan-Girls hat, ist Bill. Weil er einerseits keinen Bock darauf hat, und andererseits ist er sehr menschencheu geworden. Er genießt schon auch die Vorzüge vom Popsterleben, aber das sind bei ihm eher die seiner Klamotten- oder teurer Champagne. Also, das sind die Vorzüge, aber der Arbeitsalthag von den Tokyo Hotel Boys sieht, wie gesagt, eher nach Hamsterrad als nach High Life aus. Seit über einem Jahr promoten sie ihr Album "Schrei", rund um die Uhr mit Konzerten, Interviews, Autogrammstunden. Wer bedieht es? Das Album wurde auf Englisch übersetzt und veröffentlicht. Für Urlaub und Freie Tage bleibt da keine Zeit. Aber ihr Label Universal wird langsam unruhig. Nach einem Jahr ist eine Platte auch voll ausgequetscht. Alles Singles und Album und Tickets und jeder Merch ist verkauft. Darum braucht die Universal dringend neuen Stoff. Eine neue Platte. Content, content, content, wie man heute sagen würde. Da gibt's nur ein klezig kleines Problem, wann hätte Bill die Lyrics schreiben sollen? Oder wann hätte Tom komponieren sollen? Bei diesem Lifestyle, ich sag mal, eher schwierig. Als Bill und Tom bei den ersten Studio-Sessions ohne neues Material auftauchen, schickt das Label sie für eine Woche nach Spanien. Damit sie in Ruhe an neuen Hitzbasteln. Als sie mit nur einem und schlechten Song wieder im Studio auftauchen, entscheiden die Produzenten David Just, Pat Bandsner und Dave Roth, alles selbst zu machen. Was nicht so, dass sie sowieso immer die meisten Arbeit an den Songs gemacht haben? Ja, genau. Ja, ne, vollkommen richtig. Universal ist es auch egal, woher die neue Platte kommt. Hauptsache, sie kommt und Hauptsache, es sieht so aus, als würde sie von den Tokyo Hotelboys kommen. Das ist schon wichtig wegen dem Image, dass die Jungsverkörpern sollen von diesen Self-Mate in die Rockern. Will und Tom spielen mit, sie haben auch kein andere Wahl. Vertraglich sind sie dazu verpflichtet, dass bald ein neues Album erscheint. Aber eine Sache will trotzdem nicht mit spielen, Bildstimme. Ein Herbsttag im Jahr 2006. Wir sind bei den Studioaufnahmen zu "Zimmer 483" dem zweiten Studio-Album. Das kannst du dir ungefähr so vorstellen. Der 17-Jährige Bild steht in der Studio-Kabine. Die linke Hand am Kopfhörer über seinem linken Ohr. In der rechten Hand ein Blatt mit Glirix, die will durchgestrichen und umgeschrieben sind. Bill Reuspatzig. *lacht* Dann spricht er direkt ins Mikro. Sorry, David. Können wir noch mal unterbrechen. Und Bill ist so. Cool, danke. Die eine zeile hier. Kann ich das ändern in "Wir ham alles ausprobiert?" Das klingt eher noch mir. Stille. Bill wartet auf die Antwort vom anderen Ende der Leitung. Da sitzt David am Mischpult. David sagt ganz entspannt. Ja, klar. Soja nach Tierkling. Will kritzelt " ham alles ausprobiert" aufs Zeknitterte Blatt-Papier. Dann geht er mit dem Mund wieder nah an's Mikro. Er Reuspatzig. *lacht* In den letzten Monaten ist Bill nicht nur einige Zentimeter in die Höhe geschossen. Er ist in den Stimmbuch gekommen. Seine Stimmlage ist tiefer geworden. Und manchmal kommt nur ein Krechzen raus. Und das muss er wegreuzbern. Also Reuspat er sich wieder. *lacht* Bill hört Rocky-Gigitar im Riffs und dann schmettert er. # Achtung fährt sich los und lauf. # Vorgens bricht er Hebel auf. # Seine Stimme ist schon wieder weg. Er schüttelt verärgert den Kopf. Er greift zum Wasserglas und trinkt einen ordentlichen Schluck. Sein Hals tut schon eine Weile weh. Seit Tagen sinkt er unter Hochdruck neue Songs ein. Er weiß nicht, wie lange er das noch mitmachen kann. Dann trifft Bill eine Entscheidung. Er stellt das Glas wieder ab. Dann kriegt er ins Mikro. Äh, sorry, David. Das ist einfach zu hoch für mich. Das schafft meine Stimme nicht mehr. Kann ich nicht einfach tiefer singen? Wiederstelle. Bill wartet auf einer Antwort. Am anderen Ende der Leitung sitzt David nicht allein. Sondern mit den anderen Musikproduzenten aus dem Team Dave und Pat. Die Antwort müssen sie bestimmt wieder untereinander klären. Bill schaut auf den Noppenschaum. Der ist zum Schallschutz an den Wänden angebracht. Er stubst einen Noppem an. Bub. Dann noch ein. Bub, Bub. Nach einer gefühlten Ewigkeit klickt endlich das Mikro an der anderen Leitung. Okay, also wir haben das immer besprochen. Deine Frage. Fans lieben einfach, wie du auf dem letzten Album geklung hast, so naber weiste, so sweet. Darum würden wir gerne dabei bleiben, dass die Gesangsmiludie so hoch ist. Bildsäuftst, dann, ne, sorry Leute, ich kann ja nichts erzwingen, was einfach nicht mehr da ist. Wieder diese unserkliche Stille. Ach, warum Antworten die wieder nicht? Dann endlich? Ok, sing einfach so hoch es geht und dann tun wir das bei uns hier einfach hoch. Bild antwortet, ok, aber das löst ja das Problem nur halb. Was soll ich in beim Konzert machen, wenn ich das live singen muss? Dann schaltet sich Pat ein, ungefähr so. Er, sorry, Bill, wir müssen jetzt leider dringend weitermachen. Das klingt nicht gerade nach einem Masterplan, oder? Nö, ich finde das zeigt auch nochmal, wie sehr künstler*innen, dann doch als eine Art wahre gesehen werden, ne? Also es ist halt einfach nicht mehr seine Stimmlage, was soll er machen? Na ja, am 26. Januar 2007 wird die erste Single veröffentlicht, die heißt über das Ende der Welt, darauf singt Bill wieder hoch, wenn auch nicht ganz so hoch wieder vor. Und der Plan geht auf. Die Single schießt sofort wieder auf Platz 1. Und auch das Album, zum 4,8,3 Landetruckzuck an der Spitze der Charts, als es am 9. März veröffentlicht wird. Also denkt auch erstmal keiner mehr darüber nach, was jetzt mit Bildsstimme los ist. Ja, ist ja dann irgendwie auch nebensechlich, wenn es wieder läuft. Aber jetzt werden Bill und Tom unruhig. Das Album ist zwar auch Platz 1 gelandelt, wie ihr erstes Album. Doch Bill hat gehört, dass im Vergleich zu 2005 der Abstand zum 2-Platierten kleiner ist. Und generell scheint es sich auch nicht so mega krass zu verkaufen wie das debü. Ist halt auch schwierig, ne? Wenn du so einen mega debü hast, dann ist es fast unmöglich, so was zu topen, oder? Genau. In der Theorie wissen Bill und Tom das auch, klar, in der Praxis ist da jetzt bei den nicht nur die Leise Angst vor dem Abstieg. Die Zwillinge Brandstorm jetzt die absodesten Ideen, wie man die Verkaufszahlen vom neuen Album in die Höhe pushen könnte. Anna, was würde dir da so einfangen? Also wenn ich es jetzt beraten müsste, meinst du? Ja, nackt Fotos ziehen, immer nackt Fotos an die Bild verkaufen. Keins, gar nicht. Keins, gar nicht. Ein Zettel. Ja, genau. Ja, eine Affäre. Ja, an sich eine gute Idee, aber die sind halt noch nicht volljährig. Ich würde jetzt denken, vielleicht mal so ein stannes Gemäßchen beef mit einem anderen Star anzetteln, keine Ahnung, Tokyo-Tel. Was ist? Tokyo-Tel gegen Jeanette Biedermann. Ja, oder? Mit Dieter Bolen. Dieter Bolen ist doch immer gut. Genau. Aber Anna, Universal hat eine bessere, vielleicht auch ein bisschen logische Rede. Eine logische Rede als Beef mit Dieter Bolen? Die logische Idee ist, Tokyo Hotel muss expandieren. Oh. Die Band muss sich neue Märkte im Ausland erschließen. Also auf nach Frankreich. Das Gute ist, in Frankreich hatte Tokyo Hotel schon 2005 Erfolg. Durch den Monsoon war auch bei den französischen Teenis sehr beliebt. Aber in Deutschland war so viel los, dass die sich bisher um Frankreich nicht so wirklich gekümmert haben. Jetzt aber polieren die Marketing-Pieple von Universal, die Tokyo Hotel Homepage, schön auf französisch auf. Die Universal Abteilung in Paris schickt die Band auf eine merthägige Promotur, Interviews mit Zeitungen und Fernsehen, Fototermine und erste kleine Konzertgicks. Es dauert nicht lange und das Tokyo Hotel Fieber hat auch Frankreich fest im Griff. Die Jungfans schreien hier genauso laut, wie in Deutschland nur halt so Tokyo Hotel, so ungefähr. Zimmer 4, 8, 3 landet auf Platz 2 der französischen Schatz. Die Jungsspielen in Hallen vor je 12.000 Menschen und das Gute-Institut in Paris verkündet, dass sich messbar mehr Leute für Deutschkose anmelden. Und das führen sie auf Tokyo Hotels Erfolg zurück. Das ändert mich an, ich hab mal so ein Schül-Austhausch gemacht in der zehnten 11. Da waren wir dann bei französischen Schülern*innen. Und wir haben dann den Fettes-Boot gezeigt und sie sind voll drauf abgefahren. Kennst du noch, der Song haben damals raus, kennst du noch Emanuela von Fettes-Boot. Und da haben die Eman-Cis mitgesungen, immer lasst die Schwinger von dir. *Mannuela und so so* Weil sie sind trypt, das war der Hammer. Musik verbindet einfach, das muss man so sagen. Ja. 14. Juli 2007. Die Sonne blendet Bill. Vielleicht ist es eine Vater Morgana, die ja gerade sieht. Er schirmt seine Augen mit der linken Hand ab. Nein. Nein. Vor ihm, das sind tatsächlich eine halbe Million Menschen. Eine halbe Million. Die haben sich alle rund um den Eifelturm in Paris versammelt. Bill und der Rest der Bernd stehen auf der Bühne. Bill brüllt so. Sava! Als Bill davon geträumt hat, Popstar zu sein, dass er sich viel vorstellen kann. Aber nicht das. Dass der französische Präsident seine Band einledt, zur riesigen Feier anlässlich des französischen Nationalfeiertages, da wäre er nie draufgekommen. 4 deutsche Jungs beim Konserpolar Fraternität verrückt. Bill strahlt die ersten Rhein an. Oh mein Gott, ich kann's nicht glauben. Ich hab noch nie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen. Dann kündigt er durch den Monsun an. Ich zeichne für Gustav den Auftakt zu geben. Georg und Tom Haun in ihre Seiten. Und die 10.000 in französischen Fans in den Vordassen Rhein singen jede Silbe mit. Da hab ich an der Stelle kurz mal was beichten, Jasmin. Klar, seit unserer letzten Folge, oder den letzten zwei Folgen, hab ich echt so krassen Ohrworm von Schrei. Ah, mir geht's genauso. Ja, hast du das aber auch dieses Problem? Ich hab diesen Ohrworm, aber ich kenne den Songtext eigentlich gar nicht. Ich hab so wirklich gehört. Alles, was in meinem Kopf von dem Song da ist, ist das Wort Schrei. Und den Rest muss ich immer verfolcht, denn die genienst im Kind, das ist ein englischen Song, gerne mag. Aber nur Fantasie englisch kann. Schrei, wenn es ist, wenn es best ist. Schrei, so laut du kannst. Oh mein, wie mein früher gesungen hat, ne? Also als Kind auch so mega unironisch, war null peinlich, kauterwäsch zu singen. Also herrlich. Erst mit so 20 Jahren Abstand, kommt die Scham. Aber es gibt Leute, die daraus ganz groß ist, machen. Ich hab neulich gehört, dass Herbert Grünemeier seines Songs zu schreibt. Mit so Fantasie sprach, dass er erbkomponiert, erst die Songs am Klavier und hat dann die Melodie und singen dazu dann so. Mh, es ist ein "Darabadi Bluna Beisha". Der "Bedirum" "Pikonke". So in der Art. Also deswegen, ich glaube, wir sind in guter Gesellschaft. Okay, das hat mich jetzt richtig beruhigt. Dann wirst du ja auch in der perfekten Stimmung, um dich wieder mal in Bill hineinzuversetzen. Gar kein Problem, das Genie in mir heucht auf. Super, du, Bill, hast nämlich einen Gedanken und der will dir einfach nicht aus dem Kopf. Es ist die Nacht direkt nach dem Eifelthum-Konzert. Das Adrenalin und der Champagneirrauschen noch durch dich durch und du bist krass erschöpft. So Konzerte sind an sich total geil für dich, aber das Label gönnt dir einfach keine Pause. Es ist ihnen egal, was das alles mit deinem Körper macht. Du räusbarst dich. *lacht* Und fast dir an den Hals. Wann wird das endlich besser? Du schmeißt dich rücklings auf Sotellzimmerbett. Auf dem Flur hörst du Tom, Georg und Gustaf mit Fangirls rum schälkan. Die werden sie gleich, wie nach quasi jedem Konzert, mit auf ihr Zimmer nehmen. Alles okay? Frag dein persönlicher Bodyguard. Du nixst. Dann macht er die Tür zu und es verschwunden. Jetzt Bist du ganz allein. Eben noch vor einer halben Million Menschen. Jetzt nur noch du. Und die immer gleiche Frage spult sich durch deinen Kopf. Wann lerne ich endlich jemanden kennen? So jemanden wie Spike aus Buffy im Band der Demon. Ein Boy, der so berth ist, dass man den einfach heiß finden muss. Du stehst auf und schlebst dich zum Fenster. Jemand hat vergessen, die Vorhänge zuzuziehen. Nicht, dass ein Fan wieder die Regenrene hochklärtet und durchs Fenster einsteigen will. Ist ja nicht so, dass du mich schon mal darüber nachgedacht hast, auch ein Fangirl oder Boy mitzunehmen. Aber davor hast du zu viel Angst. Könnt ihr jemand sein, der dir was antun will. Und außerdem bist du auch viel zu sehr romantiker. Du willst die große Liebe nicht so ein Techtel mächteln nach mir auftritt. Dein iPhone 1 piebt. Da wird mal wieder. Mit dem Werbedil. Das wäre so viel, doller Zeichen, doller Zeichen, doller Zeichen. Nein, Tipps mit ganz vielen Ausrufe Zeichen. Dann schmeißt du das Handy quer durchs Zimmer. Bist du denn irgendwann auch mal was anderes als nur eine Cash-Kau? Meine Liebe Anna, hast du eine beste Freundin oder einen besten Freund für die du einfach alles machen würdest? Sicher, klar. Ich habe auch tatsächlich schon mal für meine beste Freundin eine Klausur in der Uni geschrieben. Da hatte sie ganz schlimm Liebeskummer und hat es nicht geschafft, zu dieser Klausur zu gehen. Dann habe ich gesagt, bleib in meinem Bett liegen, ich regl das. Und ich habe ihr mit zwei mit nach Hause gebracht. Ist dein Ernst, oh Gott, wir lieben. Ja, also Bill und Tom haben auch einen besten Freund. Der heißt Andreas Güne. Kurz Güne genannt. Die drei haben sich auf dem Gymnasium kennengelernt. Damals war Güne sehr süß, sehr schüchtern. Und er war der erste Junge, der Bill nach einem Autogramm gefragt hat. Ah, so fangen die besten Freundschaften an. Genau. Güne hat sich zu den Kaulditzzwillingen hingezogen gefühlt, weil sie so anders waren. Güne hat tief in sich drin gemerkt, dass er auch anders ist. Aber allein hat er sich nicht getraut, das so nach außen zu zeigen. Also angefangen hat mit den Zwillingen jeden Tag abzuhängen, ist er schnell aus seinem Schneckenhaus rausgekommen. Seine hellblonden Haare wurden zum Starelkopf und die Augen wurden dann fett mit Kajalum randet. Güne hat das gelieb zu zeichnen. Und die Zwillinge haben ihn ermutigt, dass er für sie Kuli-Designs für ihre Band devilish kreiert. Was Güne zu dem Zeitpunkt damals noch nicht wusste, viele Jahre später wird er sogar der persönliche Art der Reise. und Designer für Bill und Tokio Hotel sein. Kurz, Bill und Tom haben güniger Hölfen sich selbst zu finden. Und das hat ihn superleulig gegenüber Bill und Tom gemacht. Und darum steht er jetzt in Hamburg mit zwei riesigen Typen Popcorn in der Tür zum Kaulezloft. Es ist spät Samar 2007. Das Popcorn hat er eben extra in einem Kino gekauft. Weil Bill und Tom können schon seit zwei Jahren nicht mehr an so öffentliche Orte selbst gehen. Jedenfalls nicht, ohne einen Massen, ohne Machtsanfall bei Fans auszulösen. Güne schittet das Popcorn in eine große Schüssel. Ich muss ganz kurz unterbrechen, Jasmin. Weil das ist eine dringende Info, die ich an der Stelle benötige. Ist das Popcorn süß oder salzig? Ja, ich sag jetzt mal salzig. Oh! - Nee, okay. Dann in meiner Fantasie ist es auf jeden Fall süß. Ich mag's auch lieber, aber wir sind halt nicht Tokio Hotel aner. Okay. - Also, Güne schittet das salzige Popcorn in eine riesige Schüssel. Dann stellt er die Schüssel auf den Tisch vor dem roten Ledersofa. Auf dem Gammeltom, der zockt an der Konsole Mario Kart und kift. Bill steht am Fenster, lucht durch den schweren Vorgang und lutscht ein Bombing. Ist alles in Ordnung Bill? Fragt Güne besorgt. Er weiß, wie sehr Bill sich nach dem normalen Leben da draußen verzerrt. Sieht Bill, deshalb heute besonders fertig aus? Bill schüttelt den Kopf. Nee, ich glaube, da sind wieder Fans in das Miezausgängen übergezogen. Ich hab da jemand mit Fernglas gesehen. Güne ist so. Ja, ich musste mich auch gerade am Hauseingang durch so eine fette Traube an Fans kämpfen. Dann geht Güne zum Fenster und zieht in Nergisch den Vorgang zu. So, aber jetzt ist Zeit zu schellen. Ich hab Bier mitgebracht. Geil ruft Tom. Güne reicht ihm eine Dose. Dann sagt Bill, Güne, schau mal und zeigt ihm seinen linken Unterarm. Bill hat sich das Motto für das nächste Jahr tätowieren lassen. Der Freihheit 89 steht da. Güne wift sich lachend neben Tom auf Sofa. Mit den Jungs wird's einfach nie langweilig. Was ist das für ein Tattoo? Der Schriftzug "Freihheit" hat natürlich eine Bedeutung. Seit einigen Monaten streiten sich Bill und Tom mit ihren Musikproduzenten darum, dass sie mehr Einfluss auf ihre Musik haben wollen und dass sie auch mehr Geld verdienen wollen. Um das zu verstehen, von welchen Relationen wir sprechen, also wer hier verdient mit welchen Anteilen, bin ich dem mal auf die Spur gegangen. Ich hab mir nur Zigare angezündet. Die dicke Rolle aufgesetzt. Na klar, dann hab ich schwer grübeln nach oben links, dann nach oben rechts geguckt. Dann hab ich auf der Gema-Webzeit "Tokio Hotel" eingetippt. Tipp, tipp, tipp, tipp. Recherche Monster. Und da sieht man, innerhalb weniger Sekunden, wer credit für welche Tokio-Telshongs bekommen hat. Also wer tatsächlich das Urheberrecht hat und damit ein Großteil der Kohle bekommt, wann immer der Song gespielt oder gekawert wird. Und das sind bei den ersten beiden Alben zum überwiegenden Teil David Just, Pat Bensner, Dave Roth und Peter Hoffmann. Oh, und ich kann mir vorstellen, die wollen jetzt nichts abgeben von ihrem Kuchen. Hast du dir genau richtig vorgestellt? Wollen Sie nicht? Darum müssen die Zwillinge sogar Anwälte einschalten. Leider vergeblich, der Vertrag, den die "Cowlitz Boys 2004" bei den Produzenten und 2005 bei Universal unterschrieben haben, ist was sehr dicht. Aus den kommen sie nicht raus, ohne richtig Fettkohle zu zahlen und die haben selbst zwei Megastras wie sie nicht. Ja, wie auch, die Kohle liegt ja anscheinend bei den Produzenten. Genau, was das angeht, sind ihnen echt die Hände gebunden. Aber mit seinem Körper kann Bill machen, was er will. Am 1. September 2007 werden die Zwillinge 18 Jahre alt und damit volljährig. Und das ist auch der Tag an dem Bild, sich Center Tustechen lässt. Bild denkt sich, geil, jetzt bin ich 18 und wirklich richtig frei. Ich kann einfach mal machen, was ich will. Oh, ist mir nicht, ich hab eine böse Vorarnung, dass es jetzt nicht unbedingt besser wird. Du, deine Vorarnung, stimmt mittlerweile auch sehr gut, Anna. Aber zuerst flattert im Oktober 2007 eine tolle Nachricht ins Haus. Tokyo Hotel sind erstens beim MTV European Music Award kurz EMAs für zwei Awards nominiert und Sie sollen zwei Tens dort live auftreten. Wow. Ja, und das ist ein Riesending. Weil MTV boykottiert Tokyo Hotel eigentlich seit zwei Jahren. Also die spielen weder ihre Videos, noch laden sie die zu Interviews ein. Hä, was ist da los? Warum? Ja, also wie wir und MTV waren halt zwei Sender, die mit meiner Konkuriert haben, zumindest in Deutschland, dann kauft MTV aber 2004 wie wir auf und jetzt haben die ein Problem. Beide Sender machen eigentlich dieselben Inhalte. Wie können wir das ändern? Fragt man sich jetzt bei MTV, weil MTV sowieso immer als der coolere, männlichere Kanal wahrgenommen wurde und wie wir immer eher so der Mädchen-Sender so ungefähr entscheidet man sich, beide klar so zu frame. MTV für die Jungs, wie wir für die Mädchen. Mädchen und Loser finden Tokyo Hotel gut, darum wollen wir nicht, dass die bei uns laufen, oder wie? So ungefähr ja, das ist für Tokyo Hotel besonders nervig, weil MTV der viel wichtigerer Musiksender als wie wir war, so auf internationaler Ebene. Aber 2007 sind Tokyo Hotel eben in ganz Europa so erfolgreich, dass sogar Miss MTV ist, sich nicht mehr erlauben kann, die zu ignorieren. 2007 nominiert MTV Tokyo Hotel für den Best Interact unter anderem neben die Pesch Mode. Das ist der Preis für die Band, die am besten mit ihren Fans interagiert. Und das macht Tokyo Hotel richtig gut, weil sie einfach auch eng Kontakt zu ihrer Fan-Bass haben. Teilen sogar auf Hotelzimmer, kleiner Scherz. Außerdem werden sie für Best Band nominiert, neben unter anderem Lincoln Park. Also Tokyo Hotel ist im Besten gesellschaft und 2007 ist das für sie ein mega Ding. Bill ist total aus dem Häuschen, dass er bei den EMAs auftreten darf. Die Show soll auf allen MTV-Kanälen weltweit ausgestrahlt werden und Bill will jetzt abliefern. Er hat eine kreative Vision, wenn Tokyo Hotel durch den Monsoon spielt, soll es von oben monsoonartig auf sie runterregnen. Auf eine Bühne, wo sehr viele elektrische Betriebe gehettestehen. Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Genauso reagieren auch Universal und MTV. Die sind erstgehend die Instrumente kaputt unter ihr. Aber Bill ist so offenweib, Freiheit, 89. Dass er nicht umsonst auf dem Unterarm stehen. Er muss das jetzt leben. Also kontakt Bill. Entweder er trinke ich regelrecht auf der Bühne oder wir kommen nicht. Universal ist hart genervt, dass Bill in ihren Augen wieder so krass anstrengt ist. MTV ist krass. Die denken sich so, Boah hat nur rechten. Man darf Tokyo Hotel keine Bühne bieten. Am Ende wollen die die fluten. In den Augen von MTV kann das nicht funktionieren. Das wird save ein Disaster für Millionen Publikum. Aber Bill bleibt stur, denn er will lieber mit einer geilen Show fählen, als sich mit einer langweiligen Welt weit zu blamieren. Und darum sagt er einfach Knallhardt, der Teil der Pekwe ist möglich machen könnte. Er ist dann November 2007, Olympia Halle in München. Bill steht hinter der Bühnkulisse und schürtelt den Kopf. Seine Band hat gerade den Best Interact Award gewonnen. Und er kann es immer noch nicht glauben. Er weiß ehrlich gesagt nicht mehr genau, was ein Best Interact ist. Aber er hat die Peschmode ausgestochen. Also, "Hu Kairz?" Auf einmal wird ihm ganz Flau im Magen. Und er draußen sitzen internationale Megastas wie Snoop Dogg, Dave Grohl, Willi M und Amy Winehouse. Bill denkt sich, "Schütz, jetzt muss die Show erst recht gut werden." Bill spriegt noch meine Extra-Portion Harspray in seinen enormen, palmartigen Wuschel-Kopf. Dann ertön durch die Lautsprecher die britische Ansagerin. It is the tutonic triumph, that is Tokyo Hotel. Und Bill geht auf die Bühne. Bill stellt sich aus Podest in den schwachen Lichtkegel. Der Rest des Salz ist Stockduster. Er kann also nicht sehen, wo die Buchrufe herkommen, aber er kann sie sehr genau hören und spüren. Seine Nackenhare stellen sich auf. Dann atmet er tief ein. Heute wird er es den Hatern so richtig zeigen. Aber vor allem wird er dem weltweiten TV-Publikum eine richtig geile Showbieten. Willi hat mal wieder wie ein Vollprofi ab. Er singt die ersten 2/3 von "Monsoon". Das ist die englische Version von "Durch den Monsoon". Und es ist eine gute Show. Und dann auf sein Stichwort, öffnen sich riesige Wasserbehälter über Tokyo Hotel. Der Regen strömt auf Gustavs Schultern und Drums und Spritz in alle Richtungen rausturch Tom Stratlox und über seine Gitarrenseiten. Er trifft durch Georg's langes Haar runter auf seinen Bass. Wills Haare fließen über sein Gesicht. Die schwarzen Klamotten sind durchträngt. Es ist, als würde das Wasser den 4 jungen Männern extra Kräfte geben. Sie rocken noch härter. Will muss jetzt auch abliefern. Das hat Universal im Klage gemacht. Der Bühnenregen war bei "The Way" auch noch Schweine-Teuer. Also die stehen da so am Bühnenrand mit knürschenden Zähnen. Stell ich mir so vor. Der letzte Tag verklingt im Bills-Or. Die letzten Tropfen fallen auf seine Schulter. Dann jubeln ihm alle in der Olympia Halle entgegen. Oha, Gänsehaut oder? An Tokio-Tail kommt jetzt wirklich keiner vorbei. Die harten Kämpfe, die Bill und Tom gekämpft haben. Vom Label über MTV bis hin zu Heytan haben sich ausgezahlt. All die harte Arbeit natürlich auch. Und das harte Feiern, nämlich erinnert sich. Das harte Feiern bringt bestimmt auch eine Art Rockstar-Credibilität. Das Gehörtheit dazu. Vielleicht hat es auch den einen oder anderen Crisp in Bildstimme gebracht. Denk ich mir, also man kann zusammenfassen, die anstehende Welttonik ankommen und das wird sie. Auch. Im Tokio Hotel Tourbus, März 2008, 14 Uhr und viel zu früh für Bill, um aufzustehen. Er pälte sich aus seiner Koe, stammt vom oberen Deck die Enge treppe runter und quetscht sich in die superenge Badezimmerkabine. Er räuspert sich. Er dreht den Wasserhahn auf und somt. Oh Gott sei Dank, Stimme ist noch da. Die Gedanken rauschen durch Bill's Kopf. Was, wenn seine Stimme noch tiefer wird und er bald kein seiner Songs mehr singen kann. Was, wenn er es dann doch tut und noch heiserer wird. Das passiert so oft in letzter Zeit. Er putzt sich die Szene und start auf die Boden fließen. Was, wenn ich nie wieder singen kann. Was passiert damit Tokio Hotel? Was passiert mit den Fans? Unsere 50 Köpfigen Turgruh müssen wir dann zurück nach Lodsche ziehen. Bill somt vor sich hin. Hmm, noch ist die Stimme ja da. Bill geht aus dem Bad wieder raus. Da steht Tom vor ihm und reibt sich verschlafen die Augen. Rätest du mit dir selbst oder ist ja noch jemand drin? Und Bill ist so, nee, nee, Bad ist frei. Tom guckt verdutzt. Das war ein Jog-Bill. Und Bill ist nur so zerstreut. Ah ja. Bill steuert die kleine Sitz-Ecke an, somt und guckt aus dem Fenster. Gleich sind sie in Belgien. Tom ruft ihm hinterher. Es ist alles okay. Und ohne sich umzudrehen, sagt Bill nur. Ja, ja, alles super. Hoffentlich. Anna, jetzt kommt eine kleine Abwechslung. Stell dir doch diesmal bitte vor, der andere Kau-Litz-Zwillig zu sein. Du bist jetzt mal Tom. Ohi, aufregend. Okay, genau. Okay, pass auf. Du stimmst deine Gitarre. Im Backstage genauer gesagt in der Bandgraderobel. Es ist der 3. März 2008 und der Auftakt eurer Welttonne 1000 Hotels in Brüssel. Es sind nur noch wenige Minuten bis Show beginn. Du musst dann in der Wöse Energie irgendwie los werden. Während du auf deine Gitarre rumdarlst, wann das du durch den Raum. Vorbei an Georg, der schild grad offen so far. Du brost Georg an. Yo, du musst doch aufs Klo. Du weißt, das bringt's aus Unglück. Dann an Gustav vorbei. Der wedelt grad mit seinen Drumsticks im Tag durch die Luft und hört über seine Kopfhörer laut Mucke. Du hältst vor der Wand, an der der Tourplan klebt. Deine Band hat ordentlich was vor sich. Fast jeden Abend eine Show. 23 in Europa allein. Dann geht's nach Nordamerika und dann noch mehr Shows in Europa. Und wieder zurück. Das wird ein langes Jahr. Du schlenderst weiter. Dann bleibst du hinter Bild stehen. Der steht vom Spiegel und schmiert sich den schwarzen Liedschatten noch mal extra fett drauf. Fettar als sonst. Wusstest du gar nicht, dass das geht? Aber irgendwas stimmt doch mit dem nicht, denkst du dir. Du bist so. Alles okay? Bild ist so. Ja, ja. Dann trelle er los. Lalalala. Die Tonleiter hoch und runter, um seine Stimme aufzuwerben. Da draußen warten tausende Belgische Fans. Du schnallst den Gürtel deiner unendlich weiten Hose noch mal schön eng. Buh, bist du aufgeregt. Du ziehst los. Und während du losgehst, weißt du innerlich ganz genau. Das Bild, dich gerade angelogen hat. Okay, einer und jetzt stellt dir doch bitte noch mal vor, du bist Bild. Woa, okay, fliegender Wechsel, aber ich bin dabei. Es ist nach der Show und du bist auf dem Weg zum Tourbus. Tom, Georg und Gustaf sind hinter dir. Um dich rum tauchen, so 50, 60 Fans auf, die noch hoffen, ein Autogramm von dir zu bekommen. Du zückst den Edding und unterschreibst gut gelauen, ein paar Brüste, poster, shirts. Das war heute eine mega Show. Deine Stimme hat voll mitgespielt. Du kannst dich von den Fans losreißen und steuerst auf den Eingang vom Tourbus zu. Die Ananjungs bleiben noch zurück und flirrt ein bisschen. Der Best Interact-Preis von MTV kam halt nicht von ungefähr. Du springst in den Bus. Du willst den Jungs noch was hinterherrufen? Aber aus deinem Mund kommt nichts raus. Du probierst es nochmal? Nee, fuck! Deine Stimme ist weg. Du haust dich in die Sitzecke. Da kommt Tom reingesprung. Hast du grad was gesagt? Du schüttelst nur den Kopf. Für den Rest des Abends schweigt Bill einfach. Und er hofft, dass er so verschweigen kann, was gerade passiert. Oh, Nebel. Er muss doch mit jemandem überreden. Oder keine Ahnung ist Miemen, oder so, wenn er nicht reden kann. Ja. Ja, oder so aufkristill, ne? Aber Bill hat einfach extrem Angst, alle zu enttäuschen. Und er hat auch enormen Druck weiter zu machen. Wenn er die Konzerte nicht spielt, gehen dem Label, den Produzenten, den Veranstalter*innen, der Band, Millionen verloren. Anna, ich fühl das so doll. Ich mein, wenn wir mal keine Stimme haben, das ist schon doof. Aber wenn dann da so Millionen im Spiel sind und Manager, die mit den Hufen scharen so ungefähr, schon krass, oder? Mhm. Und nicht nur die will Bill nicht enttäuschen, vor allem die Fans. Manche Campen wochenlang vor den Konzerteilen, damit sie ganz vorne in der ersten Reihe stehen können. Andere sind aus anderen Ländern extra angereist. Wiederum andere fahren ihnen wochenlang mit dem Wohnmobil hinterher. Also die Fans lechzen einfach krass nach Tokihutell. Ah, Shit, das kann ich mir richtig gut vorstellen. Das ist für Bildern sich so anfühlt. Also nicht nur, es würde er die Fans enttäuschen, sondern sie so richtig im Stich lassen, wenn er absagt. Am Tag nach diesen Belgienkonzert ist Billstimme zurück. So ungefähr. Auf den nächsten sechs Konzerten wird die Stimme aber immer dünner und brüchiger. Das singt tut immer mehr weh. Bill weiß eigentlich, dass er nicht mehr auftreten sollte, wenn er seine Stimme nicht dauerhaft ruinieren will. Aber er pushed sich von Bühne zu Bühne zu Bühne. Bis nach Marseille. 14.30.2008. Bill ist seit drei Akkorden auf der Bühne und aus seinem Mund kommt nur noch ein Krechtsen. Oh Shit. Ja. Billsthalz schnürt sich jetzt zu. Er schaut sich verenktigt um. Seine Augen landen erst auf Toms besorgen Blick. Dann auf Georgs, dann auf Gustafs. Billzbern brüder hauen besonders rein. Vielleicht wollen sie Bill so unterstützen. Bill unterdrückt die Tränen. Nee, es muss weitergehen. Ein paar Songs später. Der Schmerz in Billsthalz wird unerträglich. Wir fühlen, wir sind fürs Ende nicht bereit. Und dann ein paar Zeilen später ist der Song zum Glück endlich vorbei. Und der Kostümwechsel ist dran. Bill rennt von der Bühne. Dahin wo er sich immer schnell umzieht. Seines Salistin will ihm gerade das Kostüm vom Körper ziehen, aber Bill bewegt sich nicht. Stattdessen laufen ihm Schweiß und Tränen übers Gesicht. Der Rest der Band und die Crew kommen auf Bill zu gerannt. Bill fällt es immer schwerer zu atmen. Dann kriegt er, es kommt nichts mehr raus, Leute. Ich kann nicht mehr. Wir müssen abbrechen. Es kommt nichts mehr raus. Dann entscheiden sie, dass sie weitermachen. Was? Widen. Ja, sie streichen nur ein paar Songs, damit sie früher fertig sind. Oh Gott. Mit schwachen Knien geht Billzögernd auf die Bühne zurück. Die wirkt auf einmal doppelt, dreifach, vierfach so groß wie davor. Bill greift zum Mikro und haucht Heiser ein "Enchuldigung" ins Mikro. Die Fans checken was los, und sie wollen Bill unterstützen. Der ganze Saal sinkt jetzt jede Zeile mit. Bill hält immer wieder das Mikro in die Menge. Er lipstingt quasi zum Korsener Fans so oft er kann, damit er nicht selbst singen muss. Diese Unterstützung rührt ihn zu Tränen. Aber er ist nicht nur gerührt, dass sie ihn so supporten, er schärmt sich auch, weil er hier in seinen Augen so öffentlich versagt. Dann endlich, Bill singt die letzten Zeilen vom letzten Song "Rethe mich". Sobald der letzte Akkordverklung ist, rennt er von der Bühne. Er kann mich mehr aufhören zu schluchzen. Und wer nimmt Bill jetzt mal in den Arm? Ja, gute Frage, pass auf. In der Berndgarde-Rupe. Bill bricht zusammen, erweint und schlucht sich quasi in eine immer größere Verzweiflung. Seine Jungstaren inno so verstört und unbeholfen an, die ganze Crew hat sich jetzt um Bill herum versammelt. Bill weiß, dass niemand ihn jemals so gesehen hat. In den Angriffslustigen, der auf der Bühne immer so locker ist, aber Bill kann einfach nicht aufhören zu weinen. Die Tourmanager reißen die Telefone aus ihren Taschen. Sie versuchen, die nächsten Businessschritte zu klären. Dann endlich nimmt Bill's Megapartistin Natalie ihn in den Arm. Äh, endlich. Ja. Natalie bringt Bill in eins der Krankenhäuser in Marseille. Aber es geht immer noch weiter. Was? Ja, die Band fährt am nächsten Tag den 15. März 2008 nach Lissabon. Im Hotelzimmer. Bill liegt im Bett und schlürft ein Ing-Wart-Themed-Honig. Für ihn ist klar, dass er die weiteren Schaus nicht mehr machen kann. Das versucht, der schon seit dem Auftritt in Marseille einen Leuten klarzumachen. Aber ein Flug nach Hause wird für ihn nicht gebucht. Stattdessen wird er hier mit Tee und Kortison wieder aufgepumpt. Warum hört ihm verdampft noch mal keiner zu? Da kommt Tom ins Zimmer und legt sich zu ihm. Okay, korrigiert sich Bill gedanklich. Einer hört ihm immer zu. Bill weiß, dass Tom seinen Schmerz fühlt. Dann sagt Tom, du musst zu einem Spezialisten. A7. Bill nikt? Er stellt seine Tasse ab und schließt die Augen. Endlich hat ihn jemand gehört. Das muss gut tun. Ja, aber dann geht es immer noch weiter. Oh, jetzt hin. Ja, Bill fliegt zwar am 16. März nach Berlin zu einem erfahrenen Stimmenspezialisten. Das ist so was wie ein H&O-Arzt, quasi nur für die Stimmbänder. Der sagt dann so was wie, solche zerfetzten Stimmbänder habe ich noch nie gesehen. Oh, ich parafrasiere hier, ne? Aber es wird klar, "Bills Instrument ist kaputt". Und der Spezialist ordnet sofort eine Notfall-OP an. Aber die Band und der Rest der Crew tockert einfach weiter durch Europa. Und zwar jeden Tag nach dem selben Muster. Lesserbond wird abgesagt. Dann fahren wir trotzdem nach mal dritt weiter. Vielleicht kann Bill ja morgen wieder singen. Bill kann doch noch nicht singen. Dann fahren wir nach Turin weiter. Was ist das für eine Logik? Der liebe Gott lässt einen Wunder geschehen und will wachsen über Nacht neue Stimmbänder oder wie? Keine Ahnung. Erst zehn Tage später am 25. März 2008 um 7.15 Uhr wird die Europatone offiziell bis auf weiteres abgesagt. Und die Fans sind europaweit am Boden zerstört. Viele europäische Medien berichten davon, dass ganze Gruppen an Jung, Frauen und Mädchen vor den geplanten Hallen stehen und sich weinen in den Arm liegen. Das sind halt Fans, die schon seit vielen Tagen vor den Konzert halten kämpfen. Und dann kommt die Band auf einmal nicht. Ein Reporter der westfälischen Rundschau interviewt ein paar von den 140 Fans, die vor der Westfalenhalle in Dortmund gekämmt haben. Dort sollte Tokio Tell am 31. März spielen. Der Reporter fragt ein Fan-Göl, dass so Dosen-Ravioli in der Hand hält. Geil Dosen-Ravioli, klar, man kämpft ja. Sonst ganz normale Ausstattung. Der Reporter fragt auf jeden Fall, was sie von der Situation hält. Und sie meint, Bill musste schon eine ganze Weile mit die Kamente nehmen, um überhaupt auf der Bühne zu stehen. Die Verheizentokio Tell und pressen was Geld aus ihnen raus. Der Manager David sagt, der Bild dann in einem Interview, wir hoffen sehr, dass die Fans Verständnis dafür haben, dass Bill's Gesundheit im Vordergrund stehen muss. Dieser David, manchmal ist er Himmel, manchmal ist er Hölle. Ich werde nicht ganz schlau aus diesen Typen. Aber was ist jetzt mit Bill's Stimme? Wird die noch der OP dann überhaupt noch so klingen, wie Bill's Stimme bevorheilt, Klumm hat? Sehr gute Frage, das fragt Bill sich auch, das weiß er im Moment nicht. Das ist auch die Riesenorge von allen. Aber Jasmin, weiß du es nicht schon? Ich weiß es natürlich. Und ob es so sein wird oder nicht? Das verratigt dir in unserer nächsten Folge. Das war die dritte Folge unserer Verteiligen Serie, Tokio Tell. In der nächsten Folge müssen Bill und Tom die alles entscheidende Schlacht schlagen. Sie wollen sich endlich von ihrem Label und ihren Produzenten befreien. Hier noch ein kurzer Hinweis zu den Szenen in diesem Podcast. In den meisten Fällen wissen wir zwar nicht genau, was gesagt wurde. Manche Dialoge sind also ausgedacht oder wurden von uns ergänzt. Aber unsere Geschichte basiert auf echten Tatsachen und auf tiefen Recherchen. Wir haben viele verschiedene Quellen dafür herangezogen. Unter anderem will Kaule's Autobiografie "Korea's suicide" meine ersten 30 Jahre. Der Podcast "Kaule's Hills" "Semph" aus Hollywood von und mit Tom und Bill Kaule's "Die Doku Tokio Tell" "Zimmer 4, 8, 3, live in Europe von Tokio Tell" "Die Arte Dokumentation hinter die Welt von Oliver Schwabe" "So wie ein Schlägegezeitungsartikel" Ich bin Yasmin Polert und ich bin Anna Bühler. Verdammt berühmt ist eine Produktion von Kugel und Nire im Auftrag von "Wonery". Janina Rhoh hat diese Folge geschrieben. Redaktion Elisabeth Feh, Sprachaufnahme, Hammer und Amboss und Studiobommels. Herstellungsleitung Schei-Kathetic. Das Sounddesign kommt von Hammer und Amboss. Produzenten Kugel und Nire Elisabeth Feh. "Wonery" produziert sie Monatabrak und Tim Kiel, exekutive producer Jessica Redburn und Marshall Louis.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Tokio Hotel befindet sich 2006 in einem Hamsterrad aus Arbeit, Promotion und Partys, ohne Zeit für Kreativität.
  2. Das Label Universal zwingt die Band zu einem neuen Album, doch Bill und Tom liefern nur einen schlechten Song ab; Produzenten übernehmen die Arbeit.
  3. Bills Stimmbruch erschwert die Aufnahmen zu „Zimmer 483“ (2007), das Label ignoriert seine Probleme und pusht ihn zu hohen Tönen.
  4. Trotz Chartserfolg (Platz 1) wächst die Angst vor dem Abstieg; Universal expandiert nach Frankreich, wo Tokio Hotel riesige Erfolge feiert.
  5. Bill leidet unter Einsamkeit und Druck, sehnt sich nach Liebe und Normalität, während sein Bruder Tom und die Bandmitglieder exzessiv feiern.
  6. Die Freundschaft zu Andreas „Güne“ Günz gibt Bill Halt; Güne unterstützt die Zwillinge künstlerisch und emotional.

Summary:

Die dritte Folge von „Verdammt berühmt“ zeigt Tokio Hotel 2006 in einer Krise: Die Band steckt in einem Hamsterrad aus Konzerten, Interviews und Partys fest, während das Label Universal dringend ein neues Album fordert. Ein geplanter Urlaub in Spanien zur Songkomposition scheitert – die Musiker feiern lieber, statt zu arbeiten. Zurück im Studio müssen Produzenten die Songs selbst schreiben, da Bill und Tom keine neuen Ideen haben.

Bills Stimmbruch erschwert die Aufnahmen zu „Zimmer 483“; trotz seiner Beschwerden zwingt das Label ihn zu hohen Tönen, was zu dauerhaften Halsschmerzen führt. Das Album erreicht Platz 1, doch die Verkaufszahlen sinken im Vergleich zum Debüt. Um den Erfolg zu sichern, expandiert Universal nach Frankreich, wo Tokio Hotel beim Nationalfeiertag 2007 vor einer halben Million Menschen am Eiffelturm spielt – ein Höhepunkt der Karriere.

Privat leidet Bill unter Einsamkeit: Während seine Bandkollegen Sex mit Fans haben, sehnt er sich nach echter Liebe und fühlt sich als „Cash Cow“ des Labels. Einziger Lichtblick ist sein bester Freund Andreas „Güne“ Günz, der ihn und Tom unterstützt. Die Folge endet mit Bills innerem Konflikt zwischen Ruhm und dem Wunsch nach einem normalen Leben.

FAQs

Das Label Universal schickte die Band für eine Woche nach Spanien, um Songs für ihr zweites Album zu komponieren, da nach einem Jahr Promotion für 'Schrei' dringend neues Material benötigt wurde.

Bill kam in den Stimmbruch, seine Stimmlage wurde tiefer und er konnte die hohen Gesangsmelodien nicht mehr singen. Die Produzenten ließen ihn trotzdem so hoch wie möglich singen und erhöhten die Tonhöhe später technisch.

Die Produzenten David Just, Pat Bandsner und Dave Roth entschieden, die Songs für das Album selbst zu schreiben, während Bill und Tom vertraglich zur Veröffentlichung verpflichtet waren.

Obwohl das Album auf Platz 1 landete, war der Verkaufsabstand zum Zweitplatzierten kleiner als beim Debüt, und es verkaufte sich nicht so gut, was bei den Zwillingen die Angst vor dem Abstieg auslöste.

Universal schickte die Band auf eine mehrtägige Promotour in Frankreich, wo sie Interviews gab, Fotos machte und kleine Konzerte spielte. Das Album erreichte Platz 2 der Charts und sie spielten vor 12.000 Menschen.

Tokio Hotel spielte vor einer halben Million Menschen zur Feier des französischen Nationalfeiertags, eingeladen vom französischen Präsidenten. Bill war überwältigt von der Menschenmenge.

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