John Horne Burns, geboren 1916, war ein US-amerikanischer Schriftsteller, der während des Zweiten Weltkriegs als Geheimdienstoffizier in Nordafrika und Italien diente. Sein einziger großer Erfolg war der Roman „The Gallery" (1947), der nun in einer Neuübersetzung von Gregor Hens unter dem Titel „Galeria Umberto" erschienen ist. Der Roman spielt im August 1944 im zerstörten Neapel und konzentriert sich auf die titelgebende Passage Galleria Umberto, einen überdachten Ort voller Bars und Geschäfte, der zum Schmelztiegel alliierter Soldaten und Einheimischer wird. Burns verzichtet bewusst auf klassische Kampfhandlungen und Heldenverehrung; stattdessen entwirft er eine fragmentarische Erzählstruktur aus neun Porträts und sogenannten Promenaden, die an Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung" angelehnt ist. Der Ich-Erzähler John, der viele biografische Züge Burns trägt, reflektiert in den Promenaden über Einsamkeit, Sinnsuche und die zerstörerische Wirkung des Krieges. Der Roman übt scharfe Kritik an den USA: Er zeigt Rassismus, Homophobie, Alkoholismus und die Ausbeutung von Frauen innerhalb der Armee. Burns' Werk ist ein eindringliches Anti-Kriegsbuch, das die Liebe als Gegenmittel zum Krieg feiert und nach einer neuen Moral sucht. Trotz einiger klischeehafter Passagen und überflüssiger Kapitel gilt „Galeria Umberto" als bedeutender literarischer Wurf, der ästhetisch weit mehr wagt als andere Kriegsromane seiner Zeit.
Deutschland Funk, Büchermarkt. Mit Wiedgeboremker herzlich willkommen. Heute widmen wir uns im Büchermarkt einem der großen, aber früh verglühten der US-amerikanischen Literatur. Die Rede ist von John Hahn Burns, der 1916 in der Kleinstadt in Dover geboren wurde. Böse, nihilistisch und nazistisch. So hat sein Biograph einmal Burns früher Romane beschrieben, die allerdings nie veröffentlicht wurden. Und diese Charakterisierung scheint auch auf ihren Autor zuzutreffen. Im Zweiten Weltkrieg war Burns als leutenantes Militärgeheimdienstes in Nordafrika und Neapel eingesetzt. Dort wurde er nicht nur zum Trinker, sondern sammelte auch Material für einen großen Romane, an dem er noch in Italien zu schreiben begann. The Gallery, so der Titel im Original. Der Romane erschien 1947 und war ein echter Erfolg. Doch der Alkohol und seine Ausgrenzung als Homosexualer ließen Burns zunehmend vereinsamen. Zumal zwei weitere Romane floppen. Als er 1953 an einer Hirnblutung starb in der Toscana, war er nahezu vergessen. Sein Romane The Gallery aber genießt noch heute großes Ansehen, gerade unter anderem schreibenden und wird in eine Reihe gestellt, etwa mit Joseph Hallers Catch 22 oder Kurt Wernegut's Slotter House 5. Jetzt liegt das Buch in einer Neuübersetzung vor, die der Schriftsteller Gregor Hens angefertigt hat. Galeria Umberto heißt der Romane im Deutschen und Nico Bleutge stellt ihn vor. An selbstbewusstsein schienest John Hohn Burns nicht zu fehlen. Als er seinen Romane The Gallery im April 1946 beendete, mit gerade einmal 29 Jahren und nach einer Schreibzeit von nur 10 Monaten, rühmt er sich damit noch acht weitere Romane in der Schublade zu haben. Aber keines dieser Bücher sei mit seinem neuen Romane vergleichbar notierte er. Ja, dieser Romane über den Kriegsai überhaupt nahezu unvergleichlich, allenfalls die Illias oder Krieg und Frieden könne man in Erwägung ziehen. Das ist ein beachtlicher Anspruch für einen jungen völlig unbekannten Autor. Mit einem Buch über den zweiten Weltkrieg zumal, das auf Kampfs 10 gänzlich verzichtet. Einem Anti-Kriegsbuch geradezu, in dem es keinerlei Heroisierung gibt und das eine scharfe Kritik an den USA enthält. Ein Buch über dies, das Hollywood in den Roman holt und dabei nicht ohne Kitsch-Szenen auskommt. Doch es gelang Burns eine ganz eigene Form für sein Buch zu entwickeln, in der seine Begeisterung für Musik und Weltliteratur, wie er es immer wieder nannte, zusammenfanden. Und Weltliteratur sollte es natürlich auch sein, was er selbst schrieb. Nicht von ungefähr stellt er dem Roman einen Satz aus den Troorinnen des Euripides als Motto voran. Töricht der stärbliche, der städte Schleift. Genau eine solche geschleifte Stadt ist der Schnittpunkt all der Begebenheiten des Romanes, Njapel im August 1944. Einerinhalb Jahre zuvor hatten die Alliierten begonnen, die Metropole am Visuf zu bombardieren. Nach über 100 Luftangirfen und einer kurzzeitigen brutalen deutschen Besatzung eroberten sie Njapel im Oktober 1943. Und das Bild der zerstörten Stadt, durchzieht das Buch als eines der wichtigsten Motive in zahlosen Varianten. Es genügt schon der Blick von einem ankommenden Militärschiff. Im Hafen von Njapel sah es aus als Vera in Raffinri explodiert. Die Keihanlagen waren verbogen, zerbomte Kräne reckten sich Himmelwertsrostige Schiffrackslagen auf der Seite. Die Zerstörung entlang des Ufers übertraf jede Vorstellung. Die ganze Straßenzüge am Hafen lag in Schutt und Asche. Hier und dort, wo eine Bombe ein Haus gespalten hatte, sah man in die Zimmer der oberen Stockwerke hinein. Einige Gebäude wirkten wie Puppenstuben, bei denen eine Wand entfernt worden war, um den Kware schnittfrei zu legen. Eine halbe Treppe führte ins nichts, blaue Tapetenfetzen hingen Lose herunter. In einem zerbomten Zimmer hingen Bilderschief an der Wand. Ein junger Leutnant der US-Army, der Zeitlebens eine große Lehre in sich verspürt. Als er 1943 von New York Ausrichtung Nordafrika aufbricht und ein knappes Jahr später von dort nach Njapel beordert wird, während er sich in einem Abenteuer. Der Glaubt zum ersten Mal zu wissen, wo er hingehört. Doch er täuscht sich. Sein Schmerz und das Gefühl der Lehre holen ihn in der zerstörten Stadt schnell ein. Die Menschen, die einst in den vermeintlichen Puppenstuben gelebt haben, liegen unter Trümern begraben. Liebenswürdige Bürger genauso wie schlechter und opportunisten, kommentiert Herr. Die überlebenden hausen in einer Welt des Chaos. Was Herr beobachtet, sind Menschen die Hunger, Stehlen und Schwarzhandel betreiben. Kleine Jungen bieten den Soldaten ihre älteren Schwestern für Geld an, und die Soldaten nehmen die Angebote ganz selbstverständlich an. Das pulsierende Herz der gefallenen Stadt ist die Titelgebende Galadier Umberto Primo. Eine Passage im Zentrum, halb Bahnhofshalle, halb Kathedrale, voller Bars und Geschäfte, mit einer Glaskuppel von der Teile während der Bomberdierungen zerstört wurden. Eine Stadt in der Stadt gleichsam, in die sich früher oder später jeder einmal verirrt, wie es heißt, und bei deren Betreten selbst Herr anfangs nur staunen kann. Es war als wäre alles, was sich normalerweise im freien Abspielte nach innen verlegt wurden. Es gefiel ihm ein Dach über dem Kopf zu haben, um sich eingesperrt und claustrophobisch zu fühlen. In der Passage dränken sich alliierte Soldaten und Matrosen. Zwischen Cafés und Bars, Geschäften und Verkaufsständen, an denen Kunstdruck und Schmuckfall geboten wurden, wo silten Frauen mit ihrem Besen herum. Herr sah die Säulen, die zerfetzten Flagen und Standarten, die Lampengestelle, die von der Dachkonstruktion herabhängen, als wäre die Passage eine gigantische Basketballhalle. Die Menschen hier dachte er, sind alle auf der Suche nach Liebe. Das ist der Grund, warum sie so zielos herumirmen. Sie haben das Gefühl, keinen Platz auf dieser Welt zu haben. Allein schon der Grund ist dieser Passage ein riesiges auf dem Bodenliegen des Kreuz. Das, was von einem Krozifix übrig bleibt, wenn der Leichnam abgenommen ist. Egal ob die gigantische Basketballhalle oder riesiges Kreuz, die Galaria umberto, scheint für die Menschen ein Spiegel-Aldessen zu sein, was ihre aus den fugengeratenen Leben bestimmt. Und als ein solchner Reflektor oder genauer als ein gewaltiges Brennglas, präsentiert Burns sie auch. Hier habe man schon im August 1944 sehen können, dass die ganze moderne Welt in Trümern lag. Das Gefühl der Lehre, das herumirren und die verzweifelte Suche nach einem letzten Fätzchen lebensinn, teilt Herr mit nahezu allen Figuren des Romans. Doch wo die Welt in Trümern liegt, kann es auch keine traditionellen, narrativen Formen mehr geben. Kann die Jahres erzählen und keinen klassischen Plot. Das jedenfalls ist Burns-Programm. So verbindet die Figuren auch keine gemeinsame Handlung. Da fallen einem die Großstadt Romane der klassischen moderne ein, allen voran John Dos Pessos, der die Romanform in Manhattan Transfer schon 1925 aufgespringt hatte und den Burns an einer Stelle sogar erwähnt. Aber für die Form von Galaria umberto, lehnte sich der Autor, der ein großer Liebhaber von klassischer Musik war, eher an die Struktur von Modest Busorgsgis berühmten Zyklus Bilder einer Ausstellung an. So wie Mussorgsgis sich vom Besuch einer Gemälderausstellung zu seinem Klavierstück anregend ließ, spricht Burns ein Gangst davon, man könne die Galaria wie ein Museum betreten und von Portrait zu Portrait-Schländern. Und wie der russische Komponist hat er seinen Werk in einem Wechsel aus Portraites einzelner Figuren oder Motive und so genannte Promenaden angelegt. Doch entgegen seinem Anspruch und anders als Mussorgsgis schmuggled Burns in einige Portraites durch Aushandlungsmuster ein. Dabei orientiert er sich wie Dospessors oder Alfred Dübling gern an Filmtechniken. Vor allem in ihrer Hollywood-Ausprägung, sei es in Form von Bund ausgemalten Panoramen, Dialogen, dramaturgisch zugespitztenszenen oder melodramatischen Bildern. Und seine Promenaden sind keine Motive, die wiederholt und variiert werden wie bei Mussorgsgis. Sie sind in erster Linie Sprungbräter für intensive Reflexionen, die an ein Erzähren des "ich" gebunden werden, das nicht nur zahlose biografische Einzelheiten mit seinem Erfinder teilt, sondern auch noch den Namen John trägt. Das sorgt im Ganzen für ein beeindruckendes Leserlebnis. Die klugen Wechsel der Perspektiven, das Aufscheinen von Atmosphären, die Montage aus Gesprächens, Zähnen und Erinnerungen und die Variation von Motiven, es mag die komplette Galaria um Berto sein oder nur ein kleines Glas Wermut, ziehen ein Firmlich durch den Romanen. Im Detail aber, speziell in den Promenaden, die der Autor nah an seinem eigenen Leben entlang geschrieben hat, gerät man, lesend, blättern, ab und an ins Stolpern. Burns, der 1916 in einer kleinen Stadt in Massachusetts geboren wurde und in einer gut situierten, irischen Anwalsfamilie aufwuchs, arbeitete bis zu seiner Einberufung 1942 als Englischlehrer an einer Bording-School. Als Soldat war er zunächst in Marokko, dann in Algerien stationiert, von wo aus die Amerikaner 1943 und 1944 nach Italien übersetzten. Die Promenadenkapitel des Romanes kreisen vor allem um diese Zeit in Nordafrika. Fast liter Neihhaft wiederholt John die Formel, ich erinnere mich und strukturiert so seine Eindrucke. Die Nähe zu Memor und Reisebericht,
Fütz speziell in den Reflexion des Erzählers immer wieder dazu, dass er Kommentare und Appelle abgibt. Sogar lehren formuliert, zumal zu Erreignissen, die zuvor schon erzählerisch ausgebreitet worden sind. Die dringlichste Aufgabe unseres Jahrhunderts besteht darin, dass nicht noch einmal Millionen von Menschen ohne Ereignis verschulden aus dem Leben gerissen werden. Andererseits zeichnet sich John durch eine große Offenheit aus. Die gassierende Mischung aus Rassismus und Homophobie, die vielen der Figuren eigen ist, nicht nur den Soldaten, ist im genauso fremd wie jede Form von Nationalismus. Und er besitzt eine immense Beobachtungsgabe und ist ein wahrer Beschreibungskünstler, der in den Skitzen seiner Wahrnehmungen alle Sinne bedient. Er hält nicht allein den abbröcklenden Puts an den Balken der zerschossenen Häuser in den Straßen von Njapel fest, sondern auch den Geruch von geröstetem Ersatzcafé, von Eis mit Ersatzgeschmack und falscher Farbe oder von staubigem Getreide. Wie sagt er einmal? Meine Perspektive war die eines Bachgiesels der, vom Sonnenlicht geblendet, die weißen Bäuche der über ihn hin streichenden Fische betrachtet. Das trifft sich mit den Überzeugungen italienischer Künstler, den Njapel begegnet und ihr bewundert, dichter ebenso wie Mala und Musiker. Sie standen einfach da, betrachtend, nachdenklich. Sie waren wie Schwämme, die dieses ganze Getriebe die Atmosphäre der Stadt im August 1944 in sich aufsogen. Hier sagt zum ersten Mal, wie sehr gute Künstler auf sich selbst gestellt sind. Sie haben ihr eigenes Zeitmaß und niemand ist da, der ihnen mit Bestimmtheit sagen kann, ob das, was sie tun, irgendeine Bedeutung hat. Nachdem man mit seinem sensorischen Barometer die Schwingungen der Welt registriert hat, lernt John von den befreundeten italienischen Künstlern, müsse man in einer zweiten Bewegung den Blick nach innen richten. Auf diese Weise können man das menschliche Leben in seiner ganzen Unzulänglichkeit abbilden und darüber hinaus die Menschen sanft mit ihrer Sterblichkeit vertraut machen. Im Grunde ist es diese Vorstellung eines doppelten Blicks, an der sich Burns mit seinem Wechsel aus Porträs und Promenaden orientiert. Die insgesamt neun Porträs sind in Tonlage und Stil ganz unterschiedlich. Sie können ein nachmittagliches Gespräch in der Galaria um Werto festhalten oder eine halbe Lebensgeschichte umfassen. Burns erzählt sie allesamt in der dritten Person, wobei er sich meist an die Wahrnehmungen der Figuren anschmiegt. Die Hauptperson der einzelnen Porträs begegnen sich nicht, aber gemeinsam ist ihnen, dass sie sich nach und nach in Widersprüche verwickeln. Da gibt es etwa das ironisch angehauchte Kapitel über Luella, die sich mit 39 Jahren in den USA als freiwillige beim Roten Kreuz gemeldet hat, unter der Bedingung, dass man sie sofort nach Übersäßschicke. Dort angekommen, sie zieht sie es als Eripppflicht an, einfachen Soldaten zu helfen. Vor allem aber kämpft sie darum, Frau zu sein, wie es einmal heißt. Sieht sich wahrerweise in der Tradition der Pionierfrauen oder als moderne Jan Dark. Tatsächlich aber bietet sie ihre Dienste bald ausschließlich offizieren an. Es war ja auch so, dass die Offiziere aufgrund ihrer Stellung, die sie auf unnatürliche Weise über die Kameraden erhob, wesentlich einsamer waren. Heif sie also nicht denjenigen, die ihre Hilfe besonders nötig hatten? Da gibt es den jüdischen Leutnant Moses Schulman, genannt Moe, anhand dessen Geschichte Burns den Harten Antisemitismus innerhalb der Armee zeigt. In Neapel lernt der Maria kennen und lieben, weiß aber schon, dass er in Kürze an die Front in der Toskana zurückkehren wird. Eine Passage, in der sich die einzige Kampfhandlung des Buches findet. Da gibt es das durchaus nicht unpatetische Portrait der Italienerin Julia, deren Familie unter den bombardmentsschwär gelitten hat. In einer alierten Einrichtung findet sie eine Anstellung und verliebt sich dort in einen amerikanischen Hauptmann. Anschaulich, wenn auch nicht ohne Kitsch-Elemente und Krise zeigt Burns hier, wie Julia ihre moralischen Überzeugungen verteidigt, um den Preis, dass ihr Inneres zereist. Es gibt aber auch vollänzartierisch angelegte Portresse. Über den Südstaatler Modes zum Beispiel, der seinem Beruf als Ingenieur in der Ölindustrie aufgibt und sich zum Reserveoffizier ausbilden lässt. Wie Burns selbst arbeitet er bei der Armee in der Postsensur. Eine Abteilung, die dem Militärgeheimdienst zugeordnet ist. Mit Hilfe fast schon schwägischer Liste und eines gnadenlosen Kontrolldrangs, indem er seinem Rassismus und sadismus freien Lauf lässt, gelingt es ihm, sich bis zum Zensurleiter für ganz Mittelitalien hochzuarbeiten. Selbst, als er schließlich doch abgesägt und zurück in die USA geschickt wird, gibt er nicht klein bei. Er nahm sich vor zu Hause, gleich zum Pentagon zu fahren und dort für seine neue Idee zu erben. Er wollte die Briefsensur landesweit einführen, auch und gerade für Zivilisten. Denn er war überzeugt, dass amerikaner in Kriegszeiten nicht einmal einander trauendurften. Galadier Umberto ist kein Kriegsromahn, schon gar keiner, der eine Heldenfaiere veranstalten würde. Burns beschreibt stattdessen die italienische Besatzung in den Jahren 1943 und 1944 in einer mal nüchternen, mal kritischen, aber immer so intensivemweise, dass die wenigen Literaturwissenschaftlichen Lexikoneinträge zu dem Roman schon von einer eigenen Untergattung Besatzungsliteratur sprachen. Dabei glücktes ihm, den setzen eine analythische Linie einzuzien und alle Kapitel mittelsübergreifender Themen zu verbinden. So begegnet man in diesen Buch Alkoholismus in vielen Formen, der Reduktion des Menschen auf seine Körperlichkeit, der strikten Homofobie in der Armee, was Burns über seinen Gegenteil zeigt, ein eigenes Kapitel über Mama, die in der Galadier eine Schwulen war betreibt, und vor allem begegnet man der genadendosen Ausbeutung von Frauen. John Hohn Burns, der bereits mit 36 Jahren starb, hätte in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag gefeiert. Dass man den Roman gerade jetzt in neuer Übersetzung herausbringt, verdankt sich gewiss auch dem kritischen Bild, dass er von den Vereinigten Staaten zeichnet. Das Kürzel USA steht in diesem Buch nicht für die heere Befreiung vom Nazi-Regime, sondern für Kapitalismus in Rheinkultur, für Autoritarismus und Gewalt und erst recht für die Verachtung von Minderheiten. Der ich erzähle John aus den Promenaden verzweifelt darüber. Es gab einige Propagandisten der Vorstellung des American Dream, die an ihrer Arbeit gut verdienten, ansonsten entpuppten sich die Amerikaner als innerlich verarmt. Ihre ideale Dienten nur dazu möglichst schnell möglichst reich zu werden, ihre Seelen waren Bankrot. Und deshalb brach mir das Herz. Burns schreibt seinen Amerikanern die Vorurteile und ideologischen Verschattungen jener Zeit ein, ganz besonders einen tiefsitzenden Rassismus, nicht nur der Hilfskrankenschester Luella oder dem Zensur-Mayer-Modes, sondern auch den vielen Nebenfiguren, die man oft nur in Form von Dialogfetzen mitbekommt, die durch die Galadier wehen. Beileufige Kommentare und das Endwort in all seinen Varianten gehören damit zum Programm. Gregor Hens hat hierfür in seiner schönen Neuübersetzung immer wieder überzeugende Lösungen gefunden. Er hat aber auch Burns spiel mit französischen und italienischen Einsprängsel und mit Umgangssprache eingefangen und die eigentlichen Bilder in packende deutschsprache Geversion verwandelt. Etwa wenn Neapel als Golden Porpoise Slept in Dorn beschrieben wird und die Übersetzung daraus eine goldene Schweinswahl cool im Morgendunst macht. Ja, Galaria umberto neigt immer wieder zu Kitsch und Allgemeinplätzen. Es ist in seinen Promenaden kommentarlastik und hat auch schlichtweg überflüssige Kapitel. Das Portrait zweier geistlicher zum Beispiel, dass Klischeehaft Katolyzismus und Protestantismus afeinander preilen lässt, womöglich schielte Burns mit solchen Zähnen auf eine Verfilmung, die seinem Buch aber versagt blieb. Dennoch ist Galaria umberto ein großer Roman, der noch die unscheinbarste Figur bis zur Desillusionierung führt und der esthetisch weit mehr wagt als andere erfolgreiche Kriegsbücher der Zeit, Norman Maylors, die Nackten und die Totenäpfer oder James Jones verdammt in alle Ewigkeit. Das ist Burns bei all dem gelingt, die Liebe, als das ultimative Gegenmittel zum Krieg zu feiern und am Ende sogar nach einer neuen Vernunft ja, nach einer neuen Moral zu suchen, grenzt so gesehen an ein kleines Wunder. Aber es passt zu diesen Buch der wunderbaren Dinge, dass die geistige Natur des Menschen in ihr Recht setzen will und dem der Wunsch eingeschrieben ist, Liebe und Leben mögen, trotz allem eine Einheit blilgen. Nico Bleutge war das über John Horn, Burns, Galaria umberto. Gregor Hens hat den Roman aus dem amerikanischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen und erschienen ist der in der anderen Bibliothek im Aufbauverlag. Der Umfang 491 Seiten unter Preis 48 Euro. Hier im Programm geht es jetzt weiter mit Wissenschaft im Brennpunkt und der Frage, wie fragil Europas Wärmepumpe ist und morgen um 16 Uhr 10 da gibt es dann einen neuen Büchermarkt. Mein Name ist Wiebke Boromka, ich danke fürs Zuhund, weiterhören und wünsche Ihnen noch einen guten Tag.
Podcast Summary
Key Points:
John Horne Burns, ein früh verstorbener US-amerikanischer Schriftsteller, veröffentlichte 1947 den Roman „The Gallery", der nun in neuer Übersetzung als „Galeria Umberto" vorliegt.
Der Roman spielt im August 1944 im zerstörten Neapel und zeigt das Leben in der „Galleria Umberto", einer Passage, die als zentraler Ort für die Begegnungen der Figuren dient.
Burns verzichtet auf klassische Kampfszenen und Heldendarstellung; stattdessen nutzt er eine fragmentarische Erzählstruktur aus Porträts und „Promenaden", inspiriert von Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung".
Der Roman übt scharfe Kritik an den USA, thematisiert Rassismus, Homophobie, Frauenausbeutung und die Zerstörung menschlicher Werte durch den Krieg.
Der Ich-Erzähler John, der viele biografische Züge Burns trägt, reflektiert in den Promenaden über Einsamkeit, Sinnsuche und die Rolle der Kunst in einer zerstörten Welt.
Summary:
John Horne Burns, geboren 1916, war ein US-amerikanischer Schriftsteller, der während des Zweiten Weltkriegs als Geheimdienstoffizier in Nordafrika und Italien diente. Sein einziger großer Erfolg war der Roman „The Gallery" (1947), der nun in einer Neuübersetzung von Gregor Hens unter dem Titel „Galeria Umberto" erschienen ist. Der Roman spielt im August 1944 im zerstörten Neapel und konzentriert sich auf die titelgebende Passage Galleria Umberto, einen überdachten Ort voller Bars und Geschäfte, der zum Schmelztiegel alliierter Soldaten und Einheimischer wird.
Burns verzichtet bewusst auf klassische Kampfhandlungen und Heldenverehrung; stattdessen entwirft er eine fragmentarische Erzählstruktur aus neun Porträts und sogenannten Promenaden, die an Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung" angelehnt ist. Der Ich-Erzähler John, der viele biografische Züge Burns trägt, reflektiert in den Promenaden über Einsamkeit, Sinnsuche und die zerstörerische Wirkung des Krieges. Der Roman übt scharfe Kritik an den USA: Er zeigt Rassismus, Homophobie, Alkoholismus und die Ausbeutung von Frauen innerhalb der Armee.
Burns' Werk ist ein eindringliches Anti-Kriegsbuch, das die Liebe als Gegenmittel zum Krieg feiert und nach einer neuen Moral sucht. Trotz einiger klischeehafter Passagen und überflüssiger Kapitel gilt „Galeria Umberto" als bedeutender literarischer Wurf, der ästhetisch weit mehr wagt als andere Kriegsromane seiner Zeit.
FAQs
John Horne Burns war ein US-amerikanischer Schriftsteller, der 1916 geboren wurde und 1953 an einer Hirnblutung starb. Trotz seines erfolgreichen Romans 'The Gallery' geriet er aufgrund von Alkoholismus und seiner Homosexualität in Vergessenheit.
Der Roman spielt im August 1944 im zerstörten Neapel und zeigt das Chaos der Besatzungszeit aus der Perspektive verschiedener Figuren. Es ist ein Anti-Kriegsbuch ohne Heldengeschichten, das die Schattenseiten der US-Armee und der amerikanischen Gesellschaft kritisiert.
Der Roman ist nach dem Vorbild von Mussorgskis 'Bilder einer Ausstellung' aufgebaut: neun Porträts wechseln sich mit sogenannten Promenaden ab, in denen der Ich-Erzähler John reflektiert. Die Porträts zeigen einzelne Figuren, die durch keine gemeinsame Handlung verbunden sind.
Der Roman behandelt Rassismus, Homophobie, Antisemitismus, die Ausbeutung von Frauen und die innere Leere der US-Soldaten. Alkoholismus und die Reduktion des Menschen auf seine Körperlichkeit sind weitere zentrale Motive.
Weil er nicht die Kämpfe, sondern die Zeit nach der Eroberung Neapels durch die Alliierten beschreibt. Die zerstörte Stadt und das Leben der Überlebenden stehen im Mittelpunkt, nicht militärische Heldentaten.
Die Neuübersetzung stammt von Gregor Hens, der auch ein Nachwort verfasst hat. Das Buch ist in der 'Anderen Bibliothek' im Aufbauverlag erschienen.
Chat with AI
Loading...
Pro features
Go deeper with this episode
Unlock creator-grade tools that turn any transcript into show notes and subtitle files.