Tetzlaff et al. (2025) | Instruktion versus Selbstorganisation
from Psychologie fürs Klassenzimmer
19m 52s
Der Expertise-Reversal-Effekt beschreibt, dass Lernende mit geringem Vorwissen von intensiver Anleitung profitieren, während fortgeschrittene Lernende von übermäßiger Unterstützung behindert werden. Eine Meta-Analyse aus 2025 mit über 5.900 Teilnehmern bestätigt diesen Effekt mit hoher Robustheit und einer Effektstärke von 0,9. Der Effekt ist stärker in Hochschul- und fachspezifischen Kontexten wie Recht oder Wirtschaft, bei denen Vorkenntnisse klarer messbar sind. Die Ergebnisse zeigen, dass eine differenzierte, kontextsensitive Unterrichtsplanung entscheidend ist: Anleitung sollte schrittweise reduziert werden, und der Lernstand sollte nicht nur durch Tests, sondern durch Beobachtungen und Gespräche ermittelt werden. Die Aussage, dass "das habe ich euch doch schon 1.000 mal erklärt" ein Zeichen für eine schlechte Passung ist, wird durch die Forschung untermauert. Außerdem wird kritisch an die traditionelle Aufteilung von Lernen in "aktiv" oder "passiv" herangeführt – es gibt kein passives Lernen, da alle Prozesse aktive Konstruktionen sind. Die Ergebnisse rufen eine radikale Umstellung der Unterrichtspraxis auf: statt dogmatischer Positionen zwischen selbstorganisiertem Lernen und Instruktion sollte der Fokus auf der individuellen Lernstand auf einer funktionalen Anpassung liegen. Dieser Effekt ist nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer relevant, da selbst anfängliche Lehrer durch Hinweise schneller relevante Unterrichtsevents wahrnehmen. Psychologie fürs Klassenzimmer bietet so eine fundierte, wissenschaftlich begründete Antwort auf die lange Zeit kontrovers diskutierte Frage nach dem richtigen Maß an Anleitung.
Psychologie fürs Klassenzimmer
Forschung zur Schule und Unterricht, die jede Lehrerin und jeder Lehrerkennin sollte.
Ein Podcast mit Benedikt Wiesnijewski.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Psychologie fürs Klassenzimmer.
Schön, dass sie wieder mit dabei sind.
Wir kaum ein anderes Thema wird wahrscheinlich ein Lehrerzimmer so leidenschaftlich gestritten
wie über epistemologische Überzeugungen.
Also die Frage, wie Wissen entsteht, wie Kompetenzen aufgebaut werden, wie sich Denkfähigkeiten
entwickeln und vor allem, was Menschen wirklich dabei hilft, erfolgreich zu lernen.
In der einen Ecke Team selbst organisiert das Lernen, überzeugt von Freiheit, Intrinsischer
Motivation und lernen durch eigenes Ton.
In der anderen Ecke Team Instruktion Vertreter von Klarheit und Struktur, Lehrkräfte, die Brüche
erklären statt Projektgruppen zur Bruchkultur zu gründen.
Lasst sie entdecken, ruft die eine Seite.
Aber wie, wenn sie gar nicht wissen, wo nach sie suchen sollen, entgegnet die andere.
Der Streit wird mit fast religiöser Inbrunst geführt und der Blick ins Ausland verschärft
den Kontrast sogar noch.
In Deutschland gilt oft Lernen gelingt, wenn Schülerinnen und Schüler selbst herausfinden,
was sie brauchen.
In England dagegen gilt beispielsweise, erst muss man wissen, was man braucht und das
vermittelt am besten eine Lehrkraft.
Wir enthirt zur Lande bestseller für maximale Selbststeuerung und sogar teilweise für
die Abschaffung des Unterrichtswerben, gilt in England expliziter stark Lehrkraftgesteuerte
Unterricht als Best Practice.
Die Schulaufsicht Offstead bewertet ihn mittlerweile austrücklich positiv und unterstützt
ihn politisch.
Ja, aber wer liegt denn nun richtig?
Vielleicht liegt das Problem schon in der Frage selbst.
Vielleicht hat keine der beiden Seiten recht und man müsste eigentlich eine ganz andere
Frage stellen.
In der heutigen Folge schauen wir uns den Artikel "Acronostone of Adaptivity" am Mitte-Analysis
of the Expertise-Reversel-Effekt an.
Eine Forschungsarbeit von Leonhard Tetzluff, Bianca Simons-Meier, der B.A. Peters und
Garwin Brott, erschienen im Jahr 2025 in der Fachzeitschrift Learning and Instruction.
In dieser Meta-Analyse wird der sogenannte Expertise-Reversel-Effekt untersucht und dabei handelt
sich um das Phänomen, das Lernende mit geringem Vorwissen oder geringem Vorkenntnissen
von stark unterstützenden Instruktionalen Maßnahmen profitieren, während dieselben Maßnahmen
bei Lernenden mit Home vorwissen, zu geringerer Lernwerksamkeit oder sogar Beeinträchtigungen
führen.
Die zentrale Idee, wer wenig Vorwissen hat, braucht viel Anleitung, wer viel Vorwissen
hat, braucht wenig Anleitung und kann doch diese sogar im Lernbrutses geheimt werden.
Beim Expertise-Reversel-Effekt, erstmals beschrieben durch Slava-Kaliuga, handelt es sich um
eine besondere Form der "Aptitude Treatment-Interaktion".
"Aptitude Treatment-Interaktion" die wiederum geht zurück auf den großen League-Rone-Bach.
Beschreibt das zusammen spät zwischen den individuellen Lernvoraussetzungen, also der "Aptitude"
und der Art der detaktischen Maßnahmen oder des Lernmateriales, also des Treatments.
Die Grunde, die dieser Theorie ist, dass nicht alle Methoden für alle Lernenden gleich
wirksam sind und dass die Effektivität einer Methode viel mehr davon abhängt, welche
Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Präferenzen die Lernenden mitbringen.
Und der Expertise-Reversel-Effekt zeigt, dass instruktionale Maßnahmen dynamisch angepasst
werden müssen, je nachdem, welchen Erfahrungs- und Wissenstand die Zielgruppe vorher besitzt.
Es gibt prinzipiell zwei zentrale Erklärungsansätze, einen Kognitiven und einen Motivationalen.
Der Kognitive-Ansatz betrifft die "Cognitive-Low Theory" die sie aus Folge 12 der ersten Staffel
kennen.
Lernen erfordert Kognitive-Ressourcen, aber das Arbeitsgedechtnis ist eben begrenzt.
Anfängerinnen und Anfänger profitieren von viel Anleitung, weil diese Anleitung die
Kognitive-Belastung reduziert.
Fortgeschrittene dagegen erleben die Unterstützung als Überflüssig oder sogar störend.
Die Anleitung blockiert Kapazitäten für tieferes Verstehen.
Der Motivationale Erklärungsansatz beruht auf der Selbstbestimmungstheorie von Dissian
Rhein.
Auch dazu gibt es bereits eine Folge, nämlich Folge 3 aus Staffel 1.
Die Entstehung "Intrinsischer Motivation" wird dadurch be günstigt, das Lernen, der sich
autonom, kompetent und sozial unterstützt fühlen.
Wenn Lernende überfordert sind, aber auch wenn Hilfen aus unnötig oder entmündigen
Fahrgennommen werden, dann kann das die Motivation im Bremsen.
Das wären zwei Erklärungen für den Effekt aus theoretischer Sicht, die Metanalyse von
"Tetzlauf"-Kolleginnen und Kollegen untersucht den Expertise-Riversal-Effekt nun genauer.
Sie geht den Fragen nach "Vikobusste-Effekt", "Wie stark ist er?", und gilt er in allen
Altersstufen und Fächern.
Warum sind diese Forschungsergebnisse für Lehrerinnen und Lehrer interessant?
Diese Metanalyse ist für Lehrerinnen und Lehrer, deswegen besonders interessant, weil sie
einen Effekt nachweist und vor allem näher beleuchtet, der auf die allgegenwärtige
Frage nach dem richtigen Maß an Anleitung eine sehr differenzierte Antwort liefert.
Kennen Sie vielleicht setze wie, das habe ich euch doch schon 1.000 mal erklärt.
Oder aber auch, hier ist das Material jetzt macht mal.
Der Expertise-Riversal-Effekt rückt die Passung zwischen Methode und Lernstand in den
Mittelpunkt.
Nicht Anleitung an sich ist gut oder schlecht, sondern ihre Wirkung in einem bestimmten Kontext.
Wer das versteht, muss im Lehrerzimmer möglicherweise nicht mehr für die eine oder andere
Seite kämpfen.
Sondern kann sich auf die eigentlich zentrale Frage konzentrieren.
Was brauchen meine Schülerinnen und Schüler, gerade jetzt um weiterzukommen?
Was wurde genau erforscht?
Insgesamt wurden 60 Experimentelle und quasi-experimentelle Studien mit einer Gesamtschtichprobe von über
5.900 Lernenden aus dem Grundschul, Sekundarschul, Universitäts- und Ausbildungskontext ausgewertet.
Und diese wurden in Form einer Metaanalysik quantitativ zusammengefasst.
Es wurden die Robustheit und Stärke des Expertise-Riversal-Effekts untersucht und mögliche Einflussfaktoren
im Sinne von Moderatorvariablen identifiziert.
Der analysierten Studien enthielten allesamt ein Versuchste sein, bei dem Lernende mit
unterschiedlichem Vorwissen unterschiedlich stark ausgeprägte Anleitung erhielten.
Die Analyse war nicht auf bestimmte Lernumgebungen beschränkt, um allgemeine Mechanismen des
Effekts möglichst kontextunerpengig zu erfassen.
Es sollten im Allgemeinen drei Fragen untersucht werden.
Erstens, wie stark profitieren Lernende mit niedrigen Vorkenntnissen von hoher Anleitung?
Zweitens, wie stark profitieren fortgeschrittener Lernende von Geringer Anleitung?
Und drittens, wie groß ist die Differenz dazwischen?
Also der eigentliche Expertise-Riversal-Effekt?
Es ging also immer umszenarien mit zwei Gruppen, mit unterschiedlichem Vorwissen, hochversos
niedrig und zwei Varianten der Instruktion, viel Anleitung versus wenig Anleitung.
Und am Ende wurde immer der Lernerfolg nach der Intervention gemessen.
Neben dem generellen Effekt war das Forschungsteam auch daran interessiert zu untersuchen, ob
dieser durch bestimmte Merkmale moderiert wird.
Etwa durch Eigenschaften der Lernenden, Merkmale des Studiendesigns oder durch das jeweilige
Lernmaterial.
Ziel war es nicht nur aussagen, über die durchschnittliche Effektstärke zu treffen, sondern auch die
Generalisierbarkeit des Expertise-Riversal-Effekts über verschiedene Lernenhalte und Zielgruppen
hinweg bewerten zu können.
Was sind die Zentralen Ergebnisse?
Der Expertise-Riversal-Effekt wird auf sehr eindeutige Weise bestätigt und er ist nicht
nur vorhanden, sondern er ist extrem hoch ausgeprägt.
Anfängerinnen und Anfänger profitieren von viel Anleitung mit einer Effektstärke von 0,5
1 Standard-Abreichungen.
Für fortgeschrittene war dagegen weniger Anleitung effektiver mit einer Effektstärke von -0,4
Standard-Abreichungen.
Die Differenz der beiden Effekte ergibt einen Gesamtwert von 0,9
7 Standardabweichungen. Und das ist ein gigantisch hoher Effekt. Man kann also schon mal sagen,
der Expertise Reverse-Lefekt ist grundsätzlich robust und es handelt sich grundsätzlich um einen
sehr hohen Effekt. Nun haben sich die Autorinnen und Autoren aber wie gesagt auch noch moderator
variablen genauer angesehen und da gibt es noch ein paar interessante Details. Der Effekt war besonders
stark in Studien mit Teilnimmenden aus dem Hochschulbereich, während der in der Primastufe weniger ausgeprägt war.
Vorsichtig könnte man formulieren, geelter die Lernenden des zu substanzieler der Effekt. Auch
der Fachbereich spielte eine Rolle. In den Geisteswissenschaften oder beim Sprachenlernen etwa war
der Effekt tendenziell schwächer, im Bereichen wie Jura Wirtschaft oder handwerklichen Berufen dagegen
stärker. Nicht zuletzt spielte auch die Art der Vorwissensbestimmung eine wichtige Rolle. Der
Effekt war in den Studien besonders ausgeprägt, in denen das Vorwissen der Lernenden nicht nur durch
kurze Tests oder punktuelle Messungen erhoben wurde, sondern über möglichst vielfältige Zugänge.
Also Tests, Beobachtungen, Einschätzungen doch Lehrkräfte oder Vergleiche zwischen klar
unterscheidbaren Gruppen wie etwa Jahrgangsstufen. Je klarer und umfassender die Unterschiede im
Vorwissen bestimmt wurden, desto ausgeprägt er zeigte sich der Expertise-Reversal-Effekt. Insgesamt
deuten die wir fundet darauf hin, dass der Effekt zwar generell robust und gut belegt ist, aber
nicht in allen Kontexten gleich stark auftritt. Die Generalisierbarkeit ist also hoch, aber nicht
uneingeschränkt. Was bedeuten die Ergebnisse für Schule und Unterricht? Der Expertise-Reversal-Effekt zeigt,
dass Instruktion und selbst organisiertes Lernen kein Entweder oder sein müssen. Viel mehr ein, es
kommt darauf an. Für die Unterrichtspraxis bedeutet das "Effektiver Unterricht ist nicht dogmatisch,
sondern adaptiv". Er richtet sich nicht nach einem festen Lager, sondern orientiert sich
einen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. Das kann heißen, dass zu Beginn einer
Sequenz ein klarer, stark gesteuerte Unterricht sinnvoll ist, werden später mehr Raum für
eigenständige Problemlösungen oder Projektarbeit gegeben ist. Es kann aber auch bedeuten, dass innerhalb
einer Lerngruppe unterschiedliche Zugänge notwendig sind, je nachdem, wer schon über welche
Vorerfahrungen verfügt. Ganz konkret hat der Effekt für den Unterricht verschiedene
Implikationen. Erstens, ein hoher Grad an Anleitung ist manchmal sinnvoll, manchmal weniger.
Und je älter die Lernen, desto entscheidender diese Passung. Zweitens, um die Unterstützung gezielt
anpassen zu können, legen die Ergebnisse nahe, den Lernstand nicht nur punktuell zu testen,
sondern über möglichst unterschiedliche Zugänge einzuschätzen. Etwa durch Beobachtungen,
Gespräche oder wiederkehrende Lernstandserhebungen. So lassen sich Unterstützung und Aufgaben
vom Ort besser aufeinander abstimmen. Drittens, es ist sinnvoll, Anleitung nicht abrupt zu beenden,
sondern schrittweise zurückzufahren. Beispielsweise von vollständigen Lösungen über angeleiteten
Detailschritte bis hin zu eigenständigen Anwendungen. Diese Form des Fading unterstützt den
Übergang zur Selbstständigkeit, ohne das Lernende den Anschluss verlieren. Und nicht zuletzt
lohnt sich eine kritische Reflexion. Anleitung ist nicht automatisch gut, nur weil sie gut gemeint ist.
Gerade bei fortgeschrittenen Lernenden kann zu viel Hilfe den Lernprozess eher behindern als fördern.
Das Satz, das habe ich euch doch schon 100 mal erklärt, kann ein Symptom einer solchen schlechten
Passung sein. Deshalb ist es hilfreich, sich immer wieder zu fragen, welche Anleitung ist hier
tatsächlich noch nützlich und was kann ich gezielt reduzieren? Zier kurz gesagt, anpassen
statt vereinheitlichen, beobachten statt vermuten, Unterstützung langsam abbauen, statt erprobt
beenden. Jetzt würde ich gerne in diesem Zusammenhang noch einen Aspekt auf der Meter-Ebene kurz
ansprechen, weil der es meiner Sicht immer wieder zu sehr viel Konfusion führt. Es geht um eine
empädagogische Diskurs tief verwurzelte Unterscheidung, nämlich die zwischen aktiven und passiven
Lernen. Genauer gesagt, die automatische oder mehr oder weniger automatische Zuordnung von
aktiven Lernen zu selbstorganisierten Formen und passiven Lernen zu instruktiven Formen.
Oder aber die Vorstellung selbstorganisiertes Lernen sei konstruktivistisch, Instruktion
dagegen bihävioristisch oder cognitivistisch. Sie kennen das wahrscheinlich, aber es handelt
sich dabei um einen didaktischen Kurzschluss. Denn wieder lassen sich Lernprozesse so eindeutig
den Theorien zuordnen, noch steht Konstruktion im Widerspruch zur Anleitung. Eine solche
Zuordnung ist empirisch schlichtfalsch. Es wurde längst nachgewiesen, dass auch angeleitete
Lernprozesse tiefen strukturiert und verstehen sein können, vor allem dann, wenn sie gut
zum Vorwissen passen. Konstruktivismus, Kognitivismus, Bihäviorismus – das sind Lern Theorien
keine didaktischen Theorien. Sie beschreiben verschiedene Lernprozesse zum Teil sogar
die gleichen, aber eben aus unterschiedlicher Perspektive. Der Konstruktivismus beschreibt
Lernen als aktiven individuellen Konstruktionsprozess, bei dem Wissen auf Grundlage des Vorwissens
subjektiv aufgebaut wird. Und ein entscheidende Punkt an dieser Stelle ist, Lernen ist immer
ein solcher aktiver Konstruktionsprozess. Es gibt kein passives Lernen.
Daher lässt sich aus dem Konstruktivismus – genauso wie aus den anderen Paradigmen – keine
bestimmte didaktische Praxis ableiten, etwa die das Unterricht generell offen, problemorientiert
oder minimal instruiert sein müsse. Die entscheidende Frage ist nicht, wo auf einem vermeintlichen
Kontinum zwischen Passiv und Aktiv das Lernen stattfindet. Diese Unterscheidung ist lernpsychologisch
völlig sinnlos, sondern wie erfolgreich die aktive Wissenskonstruktion unterstützt wird.
Eine gute Erklärung kann denken auslösen, wo offene Aufgabenstellungen nur Verwirrung
stiften. Umgekehrt kann eine offene Herausforderung zum Erkenntnisprozess führen, sofern die
nötige Basis vorhanden ist. In diesem Sinne bietet der Expertise-Reversal-Effekt eine fundierte
Einladung, unterrichtliche Entscheidungen stärker an funktionalen Kriterien auszurichten
und weniger an didaktischen Dokumen. Gibt es zu dem Thema noch mehr Forschung?
Günther Daniel Ray und Florian Buchwald beschäftigt sich in einer Studie aus dem Jahr 2011
mit der Frage, wie sich der Expertise-Reversal-Effekt erklären lässt. Die beiden Autoren kommen
zu dem Schluss, dass sich der Effekt vor allem auf Unterschiede in der kognitiven Belastung
zurückführen lässt, während motivazionale Faktoren weniger Einfluss auf die Lernergebnisse
haben. Wie der Expertise-Reversal-Effekt auch bei Lehrpersonen auftritt, untersuchten
an so viel Gruppkolleginnen und Kollegen in einer Eidwrecking-Studie aus dem Jahr 2022.
Dabei wurden angehende Lehrkräfte und erfahrene Lehrkräfte miteinander verglichen, um herauszufinden,
wie gezielte Instruktionen die Wahrnehmung von Unterrichtsstörungen in Abhängigkeit vom jeweiligen
Expertise-Grad beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass Berufsanfängerinnen und Anfänger
mit Hinweisreizen deutlich schneller relevante Ereignisse im Unterricht wahrnehmen.
Wie an erfahrene Lehrkräfte eine bessere Wahrnehmungsleistung ohne diese Hilfe erzielen.
Und damit sind wir am Ende dieser Folge angekommen. Vielleicht kann diese Jahr dazu beitragen,
den ewigen Schlagabtausch zwischen Team selbst organisiertes Lernen und Team Instruktion ein
kleines bisschen zu entschärfen. Wenn man den Expertise-Reversal-Effekt kennt,
kann man sich die nächste hitzige Grundsatzdebatte über Frontalunterricht oder offene Lernformen
vermutlich sparen. Und deswegen handelt es sich aus meiner Sicht um eine Meteranalyse,
die jede Lehrerin und jeder Lehrer kennen sollte.
Psychologie fürs Klassenzimmer. Sorschung zur Schule und Unterricht, die jede Lehrerin und jeder Lehrer kennen sollte. Bis zum nächsten Mal!
* Musik *
Podcast Summary
Key Points:
Der Expertise-Reversal-Effekt zeigt, dass Lernende mit wenig Vorkenntnissen von viel Anleitung profitieren, während fortgeschrittene Lernende von zu viel Unterstützung beeinträchtigt werden.
Die Wirkung ist extrem stark
Der Effekt ist in Hochschulstudien besonders ausgeprägt und stärker im Bereich von Berufen wie Recht oder Wirtschaft als in Geisteswissenschaften oder Sprachen.
Die Genauigkeit der Vorwissensmessung ist entscheidend – umfassende Messungen (Tests, Beobachtungen, Vergleiche) erhöhen die Effektstärke.
Anleitung muss nicht abrupt abgeschafft, sondern schrittweise reduziert werden, um eine sichere Übergang zur Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Die Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Lernen ist didaktisch falsch, da es kein passives Lernen gibt – alle Lernprozesse sind aktive Konstruktionen.
Der Effekt fördert eine adaptive, kontextsensible Unterrichtspraxis, die auf den individuellen Lernstand abgestimmt ist.
Forschung zeigt, dass der Effekt auch bei Lehrern auftritt, wobei Anfänger stärker auf Hinweise reagieren als erfahrene Lehrkräfte.
Summary:
Der Expertise-Reversal-Effekt beschreibt, dass Lernende mit geringem Vorwissen von intensiver Anleitung profitieren, während fortgeschrittene Lernende von übermäßiger Unterstützung behindert werden. 900 Teilnehmern bestätigt diesen Effekt mit hoher Robustheit und einer Effektstärke von 0,9. Der Effekt ist stärker in Hochschul- und fachspezifischen Kontexten wie Recht oder Wirtschaft, bei denen Vorkenntnisse klarer messbar sind.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine differenzierte, kontextsensitive Unterrichtsplanung entscheidend ist: Anleitung sollte schrittweise reduziert werden, und der Lernstand sollte nicht nur durch Tests, sondern durch Beobachtungen und Gespräche ermittelt werden. 000 mal erklärt" ein Zeichen für eine schlechte Passung ist, wird durch die Forschung untermauert. Außerdem wird kritisch an die traditionelle Aufteilung von Lernen in "aktiv" oder "passiv" herangeführt – es gibt kein passives Lernen, da alle Prozesse aktive Konstruktionen sind.
Die Ergebnisse rufen eine radikale Umstellung der Unterrichtspraxis auf: statt dogmatischer Positionen zwischen selbstorganisiertem Lernen und Instruktion sollte der Fokus auf der individuellen Lernstand auf einer funktionalen Anpassung liegen. Dieser Effekt ist nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer relevant, da selbst anfängliche Lehrer durch Hinweise schneller relevante Unterrichtsevents wahrnehmen. Psychologie fürs Klassenzimmer bietet so eine fundierte, wissenschaftlich begründete Antwort auf die lange Zeit kontrovers diskutierte Frage nach dem richtigen Maß an Anleitung.
FAQs
Der Expertise-Reversal-Effekt zeigt, dass Lernende mit wenig Vorwissen von viel Anleitung profitieren, während Lernende mit viel Vorwissen von weniger Anleitung profitieren. Die Unterstützung ist daher stark von dem vorhandenen Wissen abhängig.
Er zeigt, dass Anleitung nicht universell gut oder schlecht ist, sondern je nach dem Vorwissen der Lerner individuell angepasst werden muss. Damit können Lehrer effektiver und differenzierter unterrichten.
Der Effekt ist besonders stark bei Hochschulstudierenden, während er in der Grundschule weniger ausgeprägt ist. Dies deutet darauf hin, dass das Vorwissen bei jüngeren Lernenden schwerer zu bestimmen ist.
Der Effekt wird durch den Fachbereich und die Art der Vorwissensbestimmung beeinflusst. So ist er stärker in Bereichen wie Recht oder Wirtschaft und bei umfassenderer Vorwissensmessung.
Der Lehrer sollte den Lernstand vielfach beobachten und über verschiedene Methoden einschätzen. Danach kann die Unterstützung schrittweise reduziert werden, zum Beispiel von vollständigen Lösungen hin zu eigenständigen Aufgaben.
Nein, die Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Lernen ist lernpsychologisch irreführend. Lernen ist immer ein aktiver Konstruktionsprozess, unabhängig von der Art der Unterstützung.
Chat with AI
Loading...
Pro features
Go deeper with this episode
Unlock creator-grade tools that turn any transcript into show notes and subtitle files.