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Störungen der Sexualfunktion im Kontext Psychiatrie

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Störungen der Sexualfunktion im Kontext Psychiatrie

Störungen der Sexualfunktion sind ein komplexes und weit verzweigtes Thema, das sowohl körperliche als auch psychosoziale Faktoren umfasst. In der Psychiatrie treten häufig Libidoverlust, Erektionsstörungen oder vorzeitiger Samenerguss auf, die durch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder bipolare Störungen verstärkt werden. Viele Medikamente, insbesondere Antidepressiva, Antipsychotika und Blutdruckmedikamente, verursachen sexuelle Nebenwirkungen, was zu Leidensdruck und Frustration führen kann. Wichtige Prinzipien sind die frühzeitige Einbindung der Sexualanamnese, die offene, transparente Kommunikation zwischen Patient und Therapeut sowie die Anerkennung der Sexualität als ein Menschenrecht. Psychotherapeutische Maßnahmen wie Paargespräche und Verarbeitung von Versagensängsten können entscheidend zur Verbesserung der sexuellen Gesundheit beitragen. Obwohl die Thematik oft tabu ist, ist es entscheidend, dass Patienten aktiv auf ihre Symptome achten, diese mitteilen und gemeinsam mit ihrem Arzt Lösungen suchen. Die Behandlung muss individuell angepasst sein und berücksichtigt sowohl psychische als auch körperliche Faktoren. Der Fokus liegt nicht nur auf der medikamentösen Therapie, sondern auf der Erkennung, Aufklärung und akzeptierten Diskussion der eigenen sexuellen Erfahrungen, was letztlich zur Verbesserung der Lebensqualität und psychischen Heilung beiträgt.

Transcription

7856 Words, 50835 Characters

German
Hallo und herzlich willkommen zu eurem Podcast Jung und Freudlos aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Ja ihr Lieben, sehr lange nicht gehört, hier sind wir wieder nach unserer Sommerpause. Heute leider nur zu zweit, es fehlt uns nämlich unsere liebste Ismene, die ist gerade im Business versunken. Aber da ist Sebastian, mein liebster Oberarzt. Ja, hallo Moritz. Und ich bin Moritz, der fragenstellende, immer noch unglaublich jung gebliebene und unverbrauchte Assistenzarzt. Ja, schön, dass ihr wieder da seid. Wir freuen uns, wieder in unserem Kämmerchen zu sitzen. Wir haben als Thema für den Wiedereinstieg heute gewählt, Sebastian. Störungen der Sexualfunktionen im Kontext Psychiatrie, also einmal unter psychischen Erkrankungen, aber auch unter Psychopharmaka, also einer medikamentösen Therapie in der Psychiatrie. Und ja, haben wir gedacht, bietet sich an als Wiedereinstieg in der Sommerpause. Ja, was Leichtes mal, was gut verdaulich ist. Aber ein Thema, was total wichtig ist, glaube ich, und deswegen gehen wir es an. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch erinnern könnt, wir fangen gerne an mit Oder-Fragen. Wir haben in der letzten Folge so getan, als würden wir uns was Neues, ausdenken. Jetzt fehlt uns heute schon Ismene, deswegen haben wir es auf keinen Fall geschafft, was Neues zu machen. Aber ich habe Oder-Fragen für Sebi. Wir müssen ja heute irgendwie zu zweit durch diese Nummer kommen. Und Sebastian, ich würde sagen, wir steigen ein, oder? Sehr schön. Die erste ist extrem unprofessionell, aber dafür irgendwie schlüpfrig. Sebi, bist du sexy, flexi oder hexi? Ich bemühe mich immer, flexi zu bleiben. Dafür mache ich auch immer Flex-Übungen. Das ist so in dem Programm von meinem Fitnessstudio. Okay, das ist echt noch ein bisschen gehemmt in der ersten Folge und traut sich nicht, dass er sich sexy fühlt. Man kann ja auch sexy-hexi sein, wenn man flexi ist. Du bist einfach ein Trio. Zweite Frage. Störanfällig, Störeier oder Störtebäcker? Henker sind ein Störeier. Ach so, Jakabier. Ach so, klaro. Aber wir sind ja im Kontext Störung und deswegen ruht sich jetzt Störeier eher an. Mein Hirn scheint ganz klar störanfällig zu sein, darum würde ich mich mal eher da wieder finden. Ja, die Uhrzeit rechtfertigt einiges. Okay, letzte Frage an dich. Betört, gehört oder segeltörn? Ich bin ganz betört von dir, du unverbrauchter, frischer Assistenzarzt. Oh Gott, ja, ich werde ganz rot vor Schleimi-Leimi. Wird er nicht, kann ich euch verraten. Er ist das gewohnt. Wird er doch, aber wir sind so schlecht mit Social Media, dass ihr kein Bild davon kriegen werdet. In Ordnung. Okay, ihr Leute, ihr habt genug gelacht. Jetzt widmen wir uns dem Inhalt. Also heute, wie gesagt, es geht um Störungen der Sexualfunktion. Meine erste Frage an dich, Sebastian. Was genau meint man denn eigentlich, wenn man. aus medizinischer Sicht sagt, die Sexualfunktion sei gestört? Klingt ja so ein bisschen umständlich. Ja, ist ein Begriff, an dem sich natürlich viele Menschen auch stören und irgendwo auch zu Recht. Ja, weil gestörte Sexualität, das ist irgendwo wertend. Und das hat natürlich auch eine gewisse Vorgeschichte, dass Sexualität schon immer sehr stark moralisch aufgeblasen wurde. Es wurden viele Vorgaben gemacht und dass Menschen tatsächlich eine freie Sexualität leben können, ist zumindest in unserer Kultur. Und eine Errungenschaft der Neuzeit und, glaube ich, eine Angelegenheit, die immer noch nicht irgendwo in ihr Ziel gelaufen ist. Genau, die noch ausbaufähig ist. Ja, deswegen ist es immer so ein bisschen tricky zu sagen, es gibt da irgendwas Normales, es gibt da irgendwas Gestörtes und es gibt irgendwas Krankes. Es gibt aber trotzdem einen Grund, warum es sinnvoll ist, an so einer Einteilung festzuhalten. Fangen wir aber erstmal an. Was ist denn eigentlich gesunde Sexualität? Gesundheit ist ja eigentlich definiert als Zustand vollständigen physischen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Und die WHO hat jetzt für sexuelle Gesundheit auch eine Gesundheitsdefinition herausgebracht, weil es ja einfach auch sehr wichtig ist zu sagen, wo nullen wir uns so ein bisschen ein. Und die sagt eben, diese sexuelle Gesundheit bedeutet eben nicht nur, dass Krankheit, Funktionsstörungen oder Schwäche abwesend sind. Es bedeutet auch, dass es einen positiven und respektvollen mit Sexualität, mit sexuellen Beziehungen gibt, sowie auch die Möglichkeit, lustvolle und sichere Erfahrungen frei von Gewalt, Zwang oder Diskriminierung zu machen. Also erweitert das Ganze so ein bisschen weg von den reinen Körperfunktionen hin zu auch einem positiven Gesamtding, oder? Ja, also wir spielen sehr stark auch in gesellschaftliche, in politische Bereiche hier mit rein. Und das werden wir, glaube ich, auch später einfach noch mitbekommen, dass das natürlich auch was mit Sexualstörungen zu tun hat. Und es bedeutet, zu sexueller Gesundheit gehört nicht nur das Individuum, sondern auch eine Umgebung, die eben sexuelle Gesundheit zulässt. So, zunächst mal das. Und jetzt ist es aber trotzdem so, dass man in der Medizin natürlich trotzdem von Krankheiten, von Störungen reden möchte und dass wir irgendwo eine Form von Klassifikation brauchen, um nicht komplett den Überblick zu verlieren. Das sind die Schubladen, von denen wir auch schon in vielen Kontexten gesprochen haben, die man manchmal leider doch braucht, auch wenn sie nicht allem gerecht werden. Richtig, richtig, genau. Deswegen hat man sich jetzt schon entschlossen, so einen Kontinuum zu schaffen. Und dann setzt man jetzt drei Punkte drauf. Das ist Gesundheit, Störung und Krankheit. Und diese Punkte sind natürlich individuell definiert, die sind kulturell definiert. Und jeder hat dann natürlich irgendwo auch so ein bisschen seine anderen Ankerpunkte. Aber diese Punkte grundsätzlich zu haben, ist wichtig und sich ein bisschen sprachlich darauf zu einigen. Genau. Also gibt es die Möglichkeit, dass wir eine Störung haben oder eine Krankheit. Und das ist nochmal wichtig, zwischen Störung und Krankheit zu unterscheiden. Weil eine Störung eben nicht gleich einen kranken Hintergrund haben muss. Und die Dinge, die uns letztlich dann dahin führen, das sind eben die Symptome. Das sind eben Probleme oder Schwierigkeiten, die wir dann versuchen medizinisch einzuordnen. Und so zu sehen, befinden wir uns im gesunden Bereich, befinden wir uns in einem gestörten Bereich. Das heißt einer nicht vollständig gesunden Sexualfunktion oder auch in einem krankhaften Bereich. Okay. Du hast es eigentlich schon gesagt, aber was wir vielleicht nochmal betonen. Und das ist ja sicherlich was, was extrem individuell ist, mal unabhängig von dem kulturellen Kontext. Und was vermutlich auch jede Person so ein bisschen für sich nochmal neu definieren muss. Weil ja sozusagen der Gesundheitszustand wahrscheinlich ganz unterschiedlich wahrgenommen werden kann, oder? Also wenn jetzt jemand von sich selber sagt, er sei gesund, was die Sexualfunktion angeht, lässt man das dann so stehen? Oder muss man das trotzdem irgendwo abgleichen? Naja, es kommt ein bisschen darauf an, in welchem Kontext wir uns befinden. Und ich glaube jetzt den Kontext im Speziellen. Im Gespräch mit Behandler, Behandlerin oder Ähnlichem, da würde ich eben schon auch näher nachfragen, weil es Sinn macht. Weil wir das häufig erleben, dass es da zum Beispiel Störungen oder Schwierigkeiten gibt. Und das ist ja auch ein bisschen der Auftrag, das im Gespräch zu erfragen und herauszukriegen. Hingegen ich jetzt privat kein Problem hätte, jemandem das Bewusstsein zu lassen, sexuell gesund zu sein. Sondern dann kann man sich ja mitfreuen. Ja, eigentlich schon, ja. Hast du wohl recht. Okay. Also so viel. So ein bisschen zum Überblick. Was heißt es denn eigentlich, wenn die Sexualfunktion gestört ist? Jetzt reden wir eben, sagen wir mal im Kontext Psychiatrie, vor allen Dingen vielleicht über die, was du gesagt hast, Fälle Störung und Krankheit. Da muss man ja nochmal so ein bisschen unterscheiden, wie du es gerade gesagt hast. Vielleicht können wir jetzt trotzdem kurz so ein bisschen aufzählen. Was gehört denn dazu, wenn die Sexualfunktion vielleicht gestört oder auch krankhaft in Anführungszeichen gestört ist? Also wir haben ja schon ganz viel über Binarität und so diskutiert. Trotzdem vielleicht, wenn man sich jetzt ganz rein wirklich. Aus biologische beschränkt, die Unterschiede zwischen Geschlechtern. Also einfach mal grob sagen, was gibt es denn da an möglichen Störungen sozusagen? Also es gibt einen ganzen Haufen von, sagen wir mal, Problembereichen. Und ich möchte einfach auch, du hast es schon angesprochen, wir müssen vorsichtig sein mit der Sprache. Wir wollen niemanden auf die Füße treten. Und man muss insgesamt sagen, der ganze Bereich ist im Wandel. Das ist ein kultureller Wandel. Wir müssen unsere Definitionen immer wieder anpassen. Wir haben jetzt zum Beispiel die Frage, was ist das, was ist das, was ist das, was ist das? Wir wollen zum Beispiel mal zu unserem bevorzugten Diagnosemanual gehen, dem ICD-10, also der International Classification of Diseases von der WHO, die momentan einfach immer noch das Standardwerk ist. Da sind mittlerweile viele Begriffe total veraltet. Die würde man so heutzutage wahrscheinlich nicht mehr in das Manual reinschreiben. Aber wir können mal zum Beispiel anfangen, einfach aufzuzählen. Es gibt Möglichkeiten, Störungen der Geschlechtsidentität. Da gibt es diverse Störungen, die auftreten können. Störungen der sexuellen Orientierung. Wow. Boah, das ist ja schon so was, wo man kurz genannt durchatmen muss. Da muss man kurz durchatmen, ja. Vor 80 Jahren oder sowas, ja, da war Homosexualität noch eine Erkrankung, die geheilt werden musste, ja. Und das ist heute natürlich ein völlig ferner Gedanke. Trotzdem steht es noch da und trotzdem gibt es auch Möglichkeiten, dass die sexuelle Orientierung gestört ist, ohne dass man damit jetzt Homosexualität bezeichnet, weil eine Homosexualität auch eine gesunde sexuelle Orientierung wäre. Völlig, ja. Das sexuelle Interesse. Das sexuelle Interesse kann betroffen sein. Es kann sexuelles Begehren, sexuelle Annäherung betroffen sein. Es gibt Probleme bei der sexuellen Stimulation. Es gibt Probleme im Koitus oder beim Einführen des Penis. Es gibt Schwierigkeiten bei Orgasmus und Ejakulation. Es gibt Schwierigkeiten nach dem Sex, also bei nachorgastischen Reaktionen. Und dann gibt es einfach nochmal ganz andere Problembereiche, zum Beispiel sexuelle Traumatisierung mit sehr komplexen Geschichten, Risikoverhaltung. Sexuelles, was nicht primär eine sexuelle Erkrankung ist, aber natürlich auch eine sexuelle Endstrecke hat und damit auch die Gefahr von sexuell übertragbaren Krankheiten zum Beispiel oder operativer Eingriffe. Genau, ein kleiner Überflug über die verschiedenen sexuellen Problembereiche, die es gibt. Ganz schön breit muss man sagen und also wenn man jetzt so versucht, so ein bisschen so zu clustern, sage ich mal, es gibt ja tatsächlich Sachen, die eher so mit vielleicht Empfinden der Sexualität oder Orientierung im gröbsten Sinne zu tun haben und dann wirklich dieses eher körperbezogene, was eben mit dem vor allen Dingen auch Geschlechtsverkehr oder sexueller Nähe irgendwie auf körperlicher Ebene zu tun hat und dann noch so ein bisschen alles so drumrum, also wirklich ganz vielschichtig, weil man glaube ich häufig, oder ich hätte jetzt glaube ich vor allen Dingen eben auch an das gedacht, okay, das Körperliche passt nicht so gut oder da sind körperliche Funktionen eingeschränkt, aber es ist eben nochmal viel, viel, vielschichtiger, wie du es gerade schön aufgezählt hast. Jetzt ist es wahrscheinlich so, manche Sachen sind komplett isoliert, manche Sachen treten wahrscheinlich im Kontext auch noch von anderen Erkrankungen auf, das wird wahrscheinlich gar nicht so einfach da alles so ein bisschen zuzuordnen. Vielleicht können wir einfach nochmal kurz sozusagen, was ich mir vorstelle, gerade im Kontext Psychiatrie, was ist denn was, mit dem du häufig als Psychiater oder Psychiaterin konfrontiert bist, sozusagen von dem so ein bisschen, was du da jetzt gerade aufgezählt hast? Also das häufigste Symptom, was mir im Kontext Psychiatrie begegnet, ist eigentlich die Libido-Störung, also eine Störung der sexuellen Appetenz. Das heißt, es kommt nicht mehr dazu, dass Lust sich entwickelt oder Lust sich frei entwickeln kann. Und das ist auch so zum Beispiel bei Frauen die häufigste sexuelle Störung, die wir eigentlich auch insgesamt so beobachten, dass eben das sexuelle Verlangen einfach vermindert ist. Ja, die Ursachen sind sehr vielfältig, gehen wir gerne auch später nochmal drauf ein. Bei Männern zum Beispiel, würde ich auch sagen, dominiert schon auch die Libido-Störung so im Rahmen von psychischen Erkrankungen, wie ich es eben sehe. Was aber zum Beispiel am häufigsten bei Männern ist, ist der vorzeitige Samenerguss. Das heißt, dass es nicht möglich ist, den Orgasmus hinauszuzögern und einfach für beide Betroffene eine unzufriedenstellende Situation aufgrund eines wirklich viel zu frühen Samenergusses entsteht. Oder die Erektionsstörung, das ist vor allem eine Problematik, die natürlich Männer ab dem 50. Lebensjahr teilweise aber auch schon früher betrifft. Genau. Ja, interessant. Genau. Das wären jetzt nämlich auch so die Sachen, an die ich, glaube ich, so vom Gefühl her als erstes gedacht hätte. Die anderen Sachen sind, glaube ich, deswegen auf keinen Fall weniger wichtig, aber wahrscheinlich erstens vielschichtiger und viele Sachen, gerade jetzt, wenn du sagst, so ein bisschen so veraltete Begriffe noch aus dem WHO-Katalog, wahrscheinlich was, was man entweder heute überhaupt nicht mehr als irgendwie krankhaft oder gestört wahrnehmen würde oder eben vielleicht nicht im Kontext Psychiatrie trifft, sondern eher in einem ganz anderen. Also heute so ein bisschen, ähm, ähm, vielleicht, wahrscheinlich fokussiert eher solche Sachen, wie du sie gerade aufgezählt hast, einfach weil man das hier in unserer Blase, von der wir gerade ausberichten, häufiger mal hört oder sieht. Genau. Das war jetzt ja beides. Also gut, Libidoverlust ist ja auf jeden Fall was mit zu wenig Lust. Ein vorzeitiger Samenerguss ist jetzt, der hat ja nicht mit zu wenig Lust zu tun, das ist ja ein anders geartetes Problem und auch die Erektionsstörung ist, denke ich, vielschichtiger. Trotzdem mal die klischeehaft platte Frage, wenn es gerade so zu wenig Lust gibt im Kontext, Psychiatrie, gibt es denn auch das Problem, in Anführungszeichen, dass man zu viel Lust haben kann? Also gibt es hier andere Extreme? Also das Problem gibt es vor allem in der Form, dass es viele Menschen gibt, die darüber klagen. Also lohnt es sich, sich mit der Sache genauer auseinanderzusetzen und man muss natürlich sagen, was ist jetzt zu viel Sex? Ist natürlich was, was extrem stark vom religiösen, kulturellen, sozialen und individuellen Kontext abhängt, ja. Und das ist eigentlich auch einem dauerhaften Wandel unterworfen insgesamt. Aber man kann sagen, ja, es gibt eine Möglichkeit, dass es eine Hypersexualität gibt. Also ich würde mal sagen, es gibt so qualitative und quantitative Abweichungen und da befinden wir uns auch schon wieder so ein bisschen bei dem Begriff Abweichung oder Deviationen oder Deviation, das ist im Englischen sehr unbeliebt geworden, der Begriff, weil es auch so einen moralischen Beigeschmack hat. Trotzdem ist es einfach momentan so definiert. Also zum Beispiel gäbe es jetzt die Hypersexualität, das wäre jetzt diese sogenannte zitierte Sexsucht, die es manchmal gibt. Das wäre eine quantitative Abweichung, die wird auch klar definiert, dass das über sechs Monate bestehen muss und dass es sexuelle Fantasien oder ein sexuelles Verlangen oder sexuelle Verhaltensweisen geben muss, die dazu führen, dass in anderen Bereichen Dinge vernachlässigt werden oder dass es zu Beeinträchtigungen im Alltagsleben kommt, ja. Und das wird häufig eingesetzt als Reaktion auf dysphorische Stimmungszustände, also zum Beispiel auf Ängstlichkeit, auf Langeweile, auf Depressionen oder als Reaktion auf Stress, also auch von außen vermittelnden Stress eingesetzt. Häufig sind im Zusammenhang damit vergebliche Versuche zu beobachten, das Verhalten zu reduzieren und es gibt auch Schäden für die Personen oder die Betroffenen selber und andere. Leidensdruck, ähm, ist auch vonnöten und ganz wichtig ist auch, dass dieses hypersexuelle Verhalten nicht im Zusammenhang mit Substanzkonsum steht. Genau. Interessant, weil das vieles erinnert ja wirklich an die so, wir haben ja mal eine Folge zu Sucht, vor allen Dingen im Kontext Alkohol gemacht und vieles erinnert ja tatsächlich auch daran, so diese Tatsache, dass man eben sein Sozialleben einschränkt aufgrund dieses Bedürfnisses oder dass eben man persönlichen Schaden hat oder andere davon tragen. Genau. Und es geht ja eine ähnliche Richtung. Genau, deswegen wird eben auch dieses hypersexuelle Verhalten als eine Verhaltenssucht, ähnlich wie eine Spielsucht zum Beispiel, gesehen, weil es eben auch um eine Regulation von Emotionen geht und es ist ein erlerntes Verhalten und ansonsten gibt es vielleicht auch noch andere Erklärungen dafür, weil es natürlich sehr unterschiedlich sein kann. Wir können natürlich nicht so genau auf die individuellen Faktoren eingehen, aber was man auch häufig sieht, ist, dass es ein Resultat mangelnder Aufklärung sein kann und dass es auch Menschen gibt, die sehr rigide Sexualvorstellungen haben. Es lohnt sich dann auch mal einen Abgleich zu machen, wie häufig ist das eigentlich? Häufig ist man dann erstaunt, dass häufig gar nicht so häufig ist, wie man selber gedacht hätte und dann merkt man wieder, wie stark individuell gefärbt auch die Wahrnehmung davon ist. Und jetzt so für dich, also ist es auch was, was du öfter mal hörst oder siehst? Hypersexualität auch vielleicht als, ich weiß nicht, wird es von den Betroffenen als Problem wahrgenommen oder eher vom Umfeld? Ja, das ist sowohl als auch. In Partnerschaften ist es ja leicht vorstellbar, dass das ein Problem ist und es ist natürlich auch häufig was, was Leidensdruck schafft. Wo ich jetzt auch noch drauf eingehen möchte, wo wir hyposexuelles Verhalten beobachten können, ist zum Beispiel im Rahmen von Manien oder Hypomanien bei bipolaren Störungen und da ist das ein Verhalten, das natürlich extrem problematisch ist, weil es eben auch Leidensdruck bei anderen ausüben kann. Also es kann auch zu delinquentem Verhalten, also zu strafbarem Verhalten führen und deswegen muss man da schon gucken. Der Leidensdruck kann beim Individuum, aber auch bei der Umgebung auftreten, ganz klar. Ja, das kann man sich gut vorstellen bei dem, was du jetzt gerade geschildert hast. Okay, du hast eine schöne Überleitung gebracht, weil du nämlich gesagt hast, Hypersexualität im Kontext von bipolaren Störungen oder eben genau den Manien. So ein bisschen jetzt weiter, also du hast gesagt, Sachen, die du häufig siehst, sind Libidoverlust, bei Männern vielleicht dann eher die Erektionsstörungen, aber sicherlich kann auch da Libidoverlust ein Problem sein. Durch was im Kontext Psychiatrie kann denn die Sexualfunktion gestört sein? Was ist da häufig oder was ist auch selten? Also zunächst muss man fast sagen, fast alles. Es ist einfach wirklich wahnsinnig viel und es gibt sehr beeindruckende Zahlen zu dem Thema, also in der Allgemeinbevölkerung wurde mal eine Studie umgeführt und zum Beispiel 43% der Frauen haben über sexuelle Probleme berichtet, 30% der Männer. Aber es waren eben Probleme und letztlich hat es sich dann gezeigt, von dieser Gesamtpopulation hatten 12% tatsächlich auch eine Störung und wenn wir jetzt in der psychiatrischen Stichprobe gucken, dann kommen wir da auf Zahlen zwischen 50-90%, die eine sexuelle Störung haben. Also es ist die Mehrheit der Patienten, die über sexuelle Störungen berichten, in Klammern verfügen, würde ich sagen, weil das Berichten, da kommen wir später auch nochmal dazu, ist häufig schwierig. Also grundsätzlich kann man schon sagen, die Schwere der sexuellen Störung korreliert ganz klar mit der Schwere der psychischen Erkrankung und woher das jetzt genau kommt, warum gerade psychiatrische Patienten so häufig sexuelle Störungen haben, ist gar nicht so genau klar, aber wenn man sich so ein bisschen Gedanken macht, wird das schon so ein bisschen klar, warum weil die Sexualität eine sehr komplizierte Sache ist, die auf einer anatomisch, auf einer hormonellen, auf einer neuronalen, auf einer psychosozialen, auf einer kulturellen Ebene stattfindet und es geht um Lebensstil, es geht um Partnerschaft, es geht um Versagensängste und da gibt es so viele Ecken und Enden, an denen es haken kann und bei psychischer Erkrankung sind nun mal viele, viele von diesen Ecken und Enden einfach auch mit betroffen und es hakt sehr leicht und sehr häufig und ja, es ist natürlich schon so, dass es eine Wechselwirkung gibt zwischen den sozialen Beziehungen und natürlich alleine durch die psychische Erkrankung die Partnerschaft häufig so beeinträchtigt ist, dass Sexualität gar nicht mehr so gelebt werden kann oder eben auch andersrum ist zum Beispiel vorstellbar, dass sexuelle Störungen oder große Schwierigkeiten in dem Bereich eben auch durch einen erniedrigten Selbstwert, durch eine verminderte Partnerschaftsqualität, die damit einhergeht, eben auch zu depressiven Symptomen führt und vielleicht auch mit ursächlich für eine Erkrankung sein kann. Um aber mal ein paar Namen noch zu nennen, welche Erkrankungen wir so finden, bei denen es einfach wirklich sehr, sehr, sehr häufig auftritt. Das sind eben eigentlich alle affektiven Störungen, also Depressionen, bipolare Störungen und die substanzbezogenen Störungen. Also alles, was wir haben an Süchten, einfach weil die häufig auch so einen enormen Impact auf den Körper, auf das soziale Umfeld haben. Und Psychosen oder Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis haben wirklich sehr, sehr häufig Schwierigkeiten bei. Leichteren Depressionen, Angst, Zwangserkrankungen, Somatisierungsstörungen ist es nicht mehr so häufig, aber natürlich noch häufig. Im Rahmen von Persönlichkeitsstörungen zum Beispiel kann Sexualität häufig auch unauffällig sein. Okay, also es zieht sich schon so ein bisschen durch die gesamte Psychiatrie, muss man sagen, so wie du es schilderst. Und dann natürlich wie immer in unterschiedlichem Schweregrad und unterschiedlicher Ausprägung. Vielleicht nochmal so, weil du vorhin ja so ein bisschen den Blumenstrauß, jetzt vielleicht ein komisches Wort, aber die Breite der möglichen Störungen der Sexualfunktion genannt hast. Das, was häufig jetzt aber auch im Kontext der Erkrankung, die du gerade aufgezählt hast, vorkommt, sind dann auch eher so vielleicht eher körperbezogene Sachen wie eben der Libidoverlust? Oder ist zum Beispiel jetzt die sexuelle Orientierung, also wirklich jetzt als vielleicht blödes Beispiel mal, ist das auch was, was man jetzt im Kontext von psychischen Erkrankungen sieht? Oder sind das tatsächlich eher Sachen, die. Losgelöst davon vorkommen oder vielleicht die Menschen betreffen? Also leg mich nicht fest bei meiner Antwort. Meine Erfahrung ist, dass diese Sachen häufig schon davor bestehen und dass natürlich eine psychische Erkrankung sowas stark verstärken kann. Und wenn das davor ein Thema ist, dann wird das natürlich durch eine depressive Episode noch ein schlimmeres Thema. Weil ich glaube, Unklarheiten bei der Geschlechtsidentität oder bei der sexuellen Orientierung, die. Problematisch verarbeitet werden, weil sie einen Belastungsfaktor darstellen. Die sind natürlich auch extrem qualifizierend dafür, auch daran psychisch zu erkranken. Und wenn das natürlich ursächlich ist für die psychische Erkrankung, ist das ein ganz, ganz entscheidender Faktor, der extrem stark bewertet werden muss. Wohingegen ich jetzt sagen würde, dass es bei Depressionen oder bei vergleichbaren Erkrankungen jetzt irgendwie gezielt zu Phänomenen im Bereich sexuelle Orientierung kommt. Das würde ich eher nicht sagen. Ich würde eher sagen, so generell ist es diese Sexualität, die wird heruntergefahren und auch der Gedanke, die Beschäftigung damit. Ja, aber das klingt sehr plausibel, was du sagst, genau. Und wie gesagt, hier auch nochmal, also auf keinen Fall wollen wir irgendwas hier in eine pathologische Ecke stecken. Ich glaube, darum geht es wirklich in keinster Weise, aber einfach um das einzuordnen. Ich glaube, das macht Sinn, so wie du das schilderst, dass ein Thema, was einen vorher beschäftigt, durch eine psychische Erkrankung mit betroffen sein kann oder vielleicht noch verschlimmert wird. Kann man sich sehr gut vorstellen. Aber eben auch dieses, ich meine, wir haben wirklich viel auch über Depressionen gesprochen. Und dass dieser ganze Formenkreis sich auf dein sexuelles Verlangen und auch eben die Körperfunktion und auch eben vielleicht das Körperbild auswirkt, das kann man sich ja sehr gut vorstellen. Und ich glaube deswegen, also es klingt sehr, sehr nachvollziehbar, was du da sagst. Jetzt wäre so ein bisschen meine nächste Frage. Wir haben es vielleicht auch schon angeteasert. Jetzt haben wir darüber gesprochen, was können psychische Erkrankungen mit der Sexualfunktion machen? Was hört ihr da häufig? Wie ist es denn jetzt mit der Therapie? Ich meine, die Psychotherapie, weiß ich nicht, kannst du vielleicht auch was dazu sagen? Aber da so einen Ticken auskoppeln, aber vor allen Dingen natürlich Medikamente, die ja einfach eine breite Wirkung haben. Und wir haben es, glaube ich, auch schon sehr oft gesagt, jedes Medikament, was eine Wirkung hat, hat immer auch eigentlich eine Nebenwirkung. Wie ist es denn damit? Kann eigentlich auch, wenn vorher alles sozusagen im Lot war, was Sexualität angeht, kann auch dann die Therapie mit Medikamenten das erst in ein Unlot bringen sozusagen? Ist das was, was ihr häufig seht? Ja, das ist was, was wir häufig sehen, was gleichzeitig aber gar nicht so leicht auseinanderzuhalten. Ist von den sexuellen Störungen, die durch die psychischen Erkrankungen ausgehen. Aber natürlich ist es so, dass diese Medikamente, die verabreicht werden, Psychopharmaka, alle Antidepressiva eigentlich, mit Ausnahme von ganz wenigen Substanzen, auch verschiedenste sexuelle Störungen machen können. Und die wirken natürlich auch in den Orten, in denen auch Lust entstehen muss, in denen die Lust durch muss. Und da haben die Medikamente natürlich auch immer ihre Finger drin. Also zum Beispiel Serotonin-Wiederaufnahme-Hämmer haben bei Männern sehr häufig einen ausbleibenden Orgasmus zur Folge. Und das ist sogar so spezifisch das Symptom bei SSRI, dass es mittlerweile eigentlich auch als Therapeutikum eingesetzt wird für vorzeitigen Samenerguss. Es gibt ein Medikament, was zugelassen ist, was nichts anderes ist als ein Serotonin-Wiederaufnahme-Hämmer, der eben die Zeit bis zum Orgasmus verzögert, sodass es dann schon wieder. einen therapeutischen Nutzen hat. Interessant. Da ist natürlich auch die Frage, was das Problem ist sozusagen. Ja, genau, richtig. Wir können uns das nochmal später genauer angucken, was noch alles dazugehört. Aber diese Medikamente haben Einflüsse. Ganz kurz, da möchte ich kurz einhaken, weil uns hat mal ein Hörer nämlich geschrieben, genau das war auch ein junger Hörer, Anfang 20, wenn ich mich recht entsinne, der eben genau darauf nochmal hingewiesen hat und eben auch betont hat, also die Therapie so wichtig, die für die psychische Erkrankung ist, wie schwer das auch sein kann, wenn eben, wenn man merkt, wie die Therapie eben diese Sexualfunktion so lähmt. Oder verändert. Und wie tabuisiert es für ihn eben auch war. Und das, glaube ich, ihm war wichtig, dass das eben angesprochen wird, dass das eben einfach eine Folge sein kann und auch dann was ist, was man vielleicht äußern muss. Also so wie du es sagst, auch wenn es vielleicht für die Menschen mit einem vorzeitigen Samenerguss dann sehr hilfreich sein kann, für die, wenn es nicht so ist oder eben wenn dein Orgasmus ausbleibt, kann das einfach zu viel Frustration wahrscheinlich führen und eben auch die Therapie verschlechtern. Ich glaube, das ist auch ein eigenes Kapitel wert, darauf einzugehen, wie wichtig das ist, dass Betroffene aufgeklärt werden im Vorfeld über die möglichen sexuellen Nebenwirkungen. Gleichzeitig möchte ich auch nochmal die Medikamentenliste auch vervollständigen, damit wir so ein bisschen einen groben Eindruck haben, was gibt es denn eigentlich so für Substanzklassen, die überhaupt verdächtig sind, so sexuelle Funktionsstörungen zu machen. Neben den Antidepressiva, ich gehe jetzt gar nicht so im Einzelnen auf die chemischen Klassen ein, sind auch Antipsychotika problematisch und Benzodiazepine. Machen auch wirklich sehr, sehr wenig Lust und es gibt auch einige Medikamente aus der somatischen Medizin, die tatsächlich auch ein reduziertes Lustempfinden machen, zum Beispiel Diuretika, also haarentreibende Medikamente haben das häufig als Nebenwirkung. Sympatholytika, das sind auch einige Blutdruckmedikamente darunter und Beta-Blocker, also auch ein sehr häufig eingesetztes Blutdruckmedikament oder eben auch zur Behandlung von Herzinsuffizienzen, macht ziemlich klar. Aber sexuelle Appetenzstörungen, das ist eigentlich mittlerweile auch bekannt und deswegen werden Beta-Blocker nicht mehr so sehr in der Erstlinientherapie eingesetzt, sind aber manchmal trotzdem nicht mehr verzichtbar. Also einfach eine ganze Latte an Medikamenten, die eben gerade dieses, was du am Anfang gesagt hast, das, was man auch häufig hört, die eben so ein bisschen die, oder was heißt ein bisschen, die die Lust einfach stark einschränken können. Und was ich mir vorstellen kann, das ist ja auch gar nicht so einfach, dann erstens auseinanderzuklamüstern. Ja. Wenn jetzt jemand zum Beispiel eine schwere Depression oder eine schwere depressive Episode hat und dann in der Therapie ist und dann fängt es an, auch so ein bisschen auseinanderzudröseln, was kommt denn jetzt eigentlich woher? Ja, genau. Was macht jetzt hier eigentlich was? Und da knüpft so ein bisschen die nächste Frage an, würde man dann jetzt eben sonst grundsätzlich erwarten, wenn du jetzt die Depression therapierst, dass dann auch die damit zusammenhängende Störung der Sexualfunktion besser wird und kann es sich sozusagen gegeneinander wirken, ne? Also so könnte man sich ja vorstellen. Ja, also ganz klar muss man schon sagen. Ja, das ist, wenn eben wir in der Situation uns befinden, dass wir eine Behandlung haben, es wurde ein Medikament gegeben, es ist ganz wichtig herauszufinden, wann haben eigentlich die sexuellen Funktionsstörungen begonnen. Der zeitliche Zusammenhang lässt sich nicht immer herstellen, aber es ist ganz, ganz wichtig, ja, ist das jetzt wirklich mit Beginn der Medikation gekommen oder ist eigentlich erst mit Beginn der Medikation eine Beschäftigung mit Sexualität überhaupt wieder möglich gewesen, sodass es aufgefallen ist, dass da irgendwie ein Problem existiert. Ja. Ja. Ja. Das ist schon auch einer der Hinweise, dass es nicht verwechselt werden sollte mit der wirklich sehr, sehr häufigen Störung der Sexualfunktion durch die psychische Erkrankung, dass es häufig nicht das Medikament sein kann und das auch durch die antidepressive oder durch die behandelnde Wirkung des Medikaments eben auch das Symptom Sexualstörung wieder verschwinden kann. Mhm. Ich glaube, dass das auch ein Rückzug ist. Wir gehen davon aus, dass Medikament funktioniert, die Stimmung ist besser, der Antrieb ist besser, wir sind noch nicht bei 100 Prozent, haben aber immer noch das Problem mit einer Störung der Sexualfunktion. Es lohnt sich trotzdem zu erwarten, weil die kann sich auch unter der medikamentösen Therapie immer noch bessern. Es ist nicht notwendigerweise das Medikament verantwortlich. Also ich appelliere dann auch nochmal an Geduld. Auch wenn es gar nicht so leicht ist wahrscheinlich. Auch wenn es nicht so leicht ist. Und auch wenn man mal den Gedanken hat, das liegt an dem Medikament, das wieder so ein bisschen wegzukriegen ist. Ja, genau. Und eben auch nochmal, um auf den Erfahrungsbericht von unserem Hörer einzugehen, also ich finde es sehr wichtig im Laufe der Behandlung zunächst mal bei der Aufklärung von Medikamenten auch relativ klar zu erwähnen, dass das sexuelle Funktionsstörungen machen kann und dass die bitte auch angesprochen werden sollen, wenn die auftreten, dass A, unsere PatientInnen damit rechnen können, wenn da was passiert, dass es nicht irgendwie ein großes Fragezeichen ist, dass es nicht was ist, was am Ende irgendwie auch noch ausfällt und die Situation dann noch verschlechtert. Transparenz ist wichtig. Das ist da wichtig. Und dann weiter im Verlauf sind wir BehandlerInnen, es ist unseren PatientInnen schuldig, dass wir auch aktiv erfragen, was gibt es eigentlich für Nebenwirkungen der Medikation oder gibt es sexuelle Funktionsstörungen. Dazu gehört einfach ganz klar die Sexualanamnese zu jedem Zeitpunkt der Therapie, immer wieder. Das wäre jetzt auch mal eine Frage gewesen, genau, ist es denn was, was für dich automatisch dazugehört, auch wenn du jemanden zum ersten Mal triffst oder kennenlernst zum Beispiel? Also es ist eine klare Sollte-Empfehlung und natürlich ist es im Arbeiten so, dass man nicht immer irgendwie zuerst an die Sexualanamnese denkt. Manchmal befindet man sich mit seinen PatientInnen in einer Situation, in der man sich irgendwo komisch vorkommt, jetzt nach Sexualität zu fragen. Das ist ein denkbar weit weg ist Thema, es geht gerade um existenzielle Fragen und dann wirkt Sexualität immer so klein und unbedeutend, aber Sexualität wird irgendwann groß und bedeutend wieder im Heilungsverlauf und deswegen lohnt es sich schon früh daran zu denken. Den Status der Sexualität zu erfragen, damit wir einen Ist-Zustand erhoben haben zu Beginn der Therapie, der uns weiterhelfen wird im späteren Verlauf. Und anschließend ist es eben wichtig, aktiv nachzufragen, weil die wenigsten PatientInnen berichten spontan von sexuellen Funktionsstörungen, also eigentlich nur ein Viertel. Es gab mal eine Studie, die Medikamenten untersucht hat in zwei Armen und im einen Arm, der herkömmlich befragt wurde, wurden keine sexuellen Funktionsstörungen angegeben. Also nur ein gewisser Prozentsatz und im anderen Arm, in dem eine gezielte Sexualanamnese dazugehörte, waren die Sexualstörungen viermal so hoch. Also es ist ein Problem, es ist ein Tabu, es wird von PatientInnen nicht von alleine thematisiert, deswegen sind eigentlich wir Behandler dran. Ja, wichtiger Punkt auf jeden Fall und auch was du gesagt hast, dass man sich manchmal wahrscheinlich in der ersten Situation auch vielleicht nicht komisch vorkommt, aber dass der Rahmen unpassend erscheint, weil das natürlich trotzdem auch, wenn das vielleicht ein Standard sein sollte, irgendwie was sehr Intimes ist. Gerade vielleicht in einem Erstgespräch müsst ihr euch vermutlich erstmal kennenlernen oder muss sich jede Behandlerin, jeder Behandler mit dem Gegenüber erstmal vertraut machen, bevor man jetzt direkt nach Sexualität fragt. Aber wie du sagst, es ist trotzdem relevant, dass man es irgendwo zumindest an den Beginn von irgendwas stellt, weil ich glaube, das ist nicht zu verachten, was du sagst mit dem Status Quo, weil man dann ja auch zu dem Punkt kommt, wann hat denn jetzt eigentlich was angefangen? Wenn man erst nach vier oder sechs Wochen damit anfängt, dann denkt man, wie war das denn? Ja, dann ist vielleicht die Erinnerung auch verändert und dann kriegt man es viel schlechter auseinander gedröselt. Und wenn man am Anfang das einmal klar benannt hat, dann ist vielleicht auch der Raum dafür da, im Verlauf nochmal drüber zu sprechen. Genau. Und ich muss tatsächlich auch aus meiner Erfahrung sagen, dass die Frage wirklich erstaunlich selten für rote Ohren sorgt, sondern häufig sehr sachlich und sehr dankbar beantwortet wird. Ja, das muss man sicherlich auch schaffen, dann die Atmosphäre da richtig für zu gestalten. Aber kann ich mir gut vorstellen, dass es dann eben auch problemlos machbar ist. Und nochmal ganz kurz, ist es denn für dich auch Teil vom psychopathologischen Befund oder ist es eher so eine Zusatzfrage? Zusatzanamnese im Sinne von persönlichen Faktoren oder wo würdest du es einordnen? Also die Libido, die Frage nach der Libido ist Teil des psychopathologischen Befundes, weil es tatsächlich in vielen Krankheitsbildern auch ein maßgebliches Symptom ist, das erfragt werden sollte. Okay, das heißt, das gehört dazu und alles andere ist dann so ein bisschen. Ja, also es wäre eine spezifischere Sexualanamnese, genau, die ich jetzt nicht in den psychopathologischen Befund packen würde, von der Ordnung her. Ja, okay, macht Sinn, auf jeden Fall. Und du hast jetzt gesagt, es ist nach wie vor. Es ist ja auch immer ein Tabuthema, trotzdem kann es dann auch auf einer sehr sachlichen Ebene besprochen werden. Wie ist es in deinem Empfinden nach, wie hoch ist der Leidensdruck für Patientinnen und Patienten? Also du hast gesagt, Sexualität kann im Verlauf gerade von der Heilung wieder zu einem richtig großen Thema werden. Ist dann auch der Leidensdruck mitunter riesig groß? Ja, wobei ich das auch eben extrem individuell erlebe und ich auch in dem Bereich somit am häufigsten Überraschungen erlebe. Und bei älteren Paaren gerade, dann wird das berichtet. Und dann sitzen die mir gegenüber oder sitzt mir die Frau gegenüber und sagt so, das funktioniert jetzt nicht, das stört mich jetzt echt enorm und ich möchte, dass das jetzt wieder in Gang kommt. Und ich habe irgendwie schändlicherweise kaum daran gedacht, dass das ein Problem werden könnte, weil ich so völlig in meinem Muster war. Ja, es ist was, was nur junge Leute angeht und das ist Quatsch. Also es ist. Auch ganz wichtig, glaube ich, da liegt man häufig völlig daneben. Ja, also es ist für alle ganz, ganz unterschiedlich und es gibt Menschen, für die spielt Sexualität eine wahnsinnig große Rolle. Das ist ganz, ganz wichtig. Das ist ein sehr wichtiges Thema, ein sehr lebensbestimmendes Thema und es gibt Menschen, denen ist es nicht so wichtig. Und ich glaube, beides ist okay und jeder hat da so ein bisschen seinen individuellen Standpunkt dazu, aber jeder hat das Recht auf eine gesunde Sexualität und die sollten wir ermöglichen, indem wir nachfragen. Ja, das glaube ich, das ist auch ein schöner Schluss des Kreises, so ein bisschen zum Anfang, so dass vielleicht jede Person ihren eigenen Status Quo hat, aber der sollte irgendwie erreichbar sein, egal mal auf welchem Wege. Ja, glaube ich, das kann man sich so ganz gut merken. Und jetzt nochmal so ein bisschen zu dem Punkt, was hilft denn dagegen? Du hast gesagt, ein wichtiger Weg ist, wenn die sexuelle Funktionsstörung mit der psychischen Erkrankung zu tun hat, ist sozusagen die Therapie der psychischen Erkrankung, weil wenn sozusagen die Depression besser wird, wird auch vielleicht der Libidoverlust wieder besser. Gibt es denn noch andere Sachen, die man tun kann? Also man muss sagen, klar, neben dem Abwarten, was natürlich so der absolute Haupt-Work-Faktor ist. Das, was man am allerwenigsten gerne hört, oder? Ja. Genau, das ist das, was man… Also da müssen Sie einfach abwarten. Okay, gar kein Problem. Extrem unbequem ist natürlich. Ja, leider, leider. Aber irgendwo auch ein bisschen begleitet werden sollte, ja. Also natürlich haben wir noch ein paar Möglichkeiten. Wir müssten unter Umständen tatsächlich irgendwann einfach auch mal dann vermuten, dass es eine durch die Psychopharmakotherapie ausgelöste Störung ist und eine Umstellung der Medikation erwägen. Also das wäre auch ein Grund, wenn man sagt, der Leidensdruck dadurch ist so hoch, dass man tatsächlich auch überlegt, die Medikation dann zu ändern. Das Problem ist, wenn wir die Medikation nicht ändern, dann wird es… Dann wird sie irgendwann abgesetzt. Dann haben wir ein Compliance-Problem. Ja, und das ist… Also zum Beispiel, mir liegen da so ein paar Zahlen zu, der hat ja bei Psychosen vor, bei der Behandlung von Psychosen, wo ja einfach auch die Dauertherapie extrem wichtig ist. Und das ist eins der größten Probleme für die Compliance bei medikamentösen Therapien und sexuelle. Ganz kurz, Compliance ist aus medizinischer Sicht so das Mitmachen der Patientin des Patienten. Also das ist tatsächlich, dass PatientInnen täglich ihr Medikament einnehmen, dass sie mithelfen bei der Therapie, weil wir können uns noch so schöne Therapien… Wenn die nicht eingehalten werden, sind die alle wertlos. Deswegen muss eine Abwägung stattfinden, ob wir eine Umstellung erwägen. Und da gilt es natürlich abzuwägen, Stabilität versus Hoffnung darauf, dass sich die Symptomatik natürlich bessert. Man kann auch eine Dosisreduktion in erster Linie mal erwägen. Es kann sein, dass eine geringere Dosierung von einem Medikament die Stabilität nicht gefährdet, aber die sexuelle Funktionsstörung unter Umständen unter der geringeren Dosis… funktioniert. Und jetzt könnte man auch über noch zusätzliche Add-on-Therapien nachdenken. Also es gibt einige, da sind wir jetzt schon eher bei den Psychosen, bei Antidepressionen gibt es nicht so viele Add-on-Therapien, die jetzt wirklich signifikant was an der Wirkung von den Antidepressiva ändern. Aber bei Antipsychotika gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, kompetitive Dopamin-Agonisten dazu zu geben. Das ist einfach ein anderes Antipsychotikum, was ein klein wenig anderen… Wirkmechanismus macht und so ein bisschen dazu führt, dass der Dopaminhaushalt mehr im Ausgleich ist. Und das macht häufig mal noch ganz schön gute Wirkung und kann nochmal vielversprechend sein. Okay, also das heißt einfach, man ergänzt die medikamentöse Therapie um noch was anderes. Genau, genau. Ja, ansonsten lohnt es sich auch nochmal, vielleicht auch ein Hormonlabor abzunehmen, auch nochmal die Differenzialdiagnostik zu machen. Vielleicht auch nochmal eine fachärztliche Vorstellung im Urologischen. Oder im Gynäkologischen Bereich und auch dort nochmal ein Hormonlabor in Anspruch zu nehmen. Es gibt eben auch einige organische Faktoren, die dafür verantwortlich sind. Und eine Prolaktinbestimmung kann sich unter Umständen lohnen, wobei das tricky ist. Prolaktin ist ein Hormon, was eigentlich für die Brustdrüse der Frau zuständig ist, dass diese dann am Ende auch laktiert. Und ein hoher Prolaktinwert ist eigentlich ein sehr starker Unterdrücker von sexueller Lust so ein bisschen. Und auch wieder bei den Antipsychotika. Das ist auch extrem relevant, weil die eine starke Prolaktinerhöhung machen. Die gehen halt auch an den Rezeptor, der das ausschüttet. Und deswegen ist da viel vorhanden. Allerdings muss man eben sagen, die Psychose selber macht auch schon eine Prolaktinerhöhung, weil der Dopaminhaushalt ohnehin im Ungleichgewicht ist. Jetzt sind wir im speziellen Bereich. Nee, aber trotzdem relevant, was du sagst. Einmal noch, da hatte ich vorhin auch noch kurz drüber nachgedacht, was wir häufig hier auch schon besprochen haben, dass man natürlich immer bei solchen Symptomen auch dran denken muss, dass es tatsächlich einfach, einfach in Anführungszeichen, aber eine somatische, also körperliche Ursache gibt, die eben zum Beispiel mit dem Hormonhaushalt, was ja auch im Rahmen des Alterungsprozesses sozusagen einfach auftreten kann, zu tun hat. Und das sollte man nicht komplett außer Acht lassen, auch wenn ein Mensch aktuell depressiv ist oder unter einer Psychopharmakotherapie steht. Also das ist was ganz Wichtiges, wo sicherlich jetzt aus Sicht der Psychiatrie ja auch schnell dran gedacht wird, beziehungsweise was häufig ja sozusagen vor Beginn einer psychiatrischen Behandlung, häufig schon drüber nachgedacht wird, beziehungsweise so was ausgeschlossen wird. Aber natürlich kann auch aus völliger psychischer Gesundheit der Körper eine Ursache sein. Das kommt jetzt irgendwie eher am Ende der Folge, aber trotzdem natürlich ein wichtiger Punkt. Und was ich kurz noch anmerken möchte, das ist mir jetzt gerade noch durch die Lappen gegangen, was man also speziell bei der Erektionsstörung bei Männern einfach auch versuchen kann, ist tatsächlich die Gabe von Sildenafil, Tadalafil oder Vadenafil, also die klassischen Potenzmedikamente, die in Tablettenform eingenommen werden, in der Regel auch gut verträglich sind. Ja. auch legitim, das mal zu probieren und zu schauen, ob das das Problem ist. Das stimmt auf jeden Fall. Fast schon zu einfach in Anführungszeichen, als dass man darüber nachdenkt, aber relevant. Was ich dich jetzt noch fragen wollte, ist in Psychotherapie, was jetzt die sexuellen Funktionsstörungen in dem Kontext angeht, auch noch was oder wird es da auch aufgegriffen im Rahmen der Behandlung vielleicht? Also ich würde sagen, Psychotherapie ist eigentlich bei der Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen absolut elementar, weil gerade in der Paardynamik, im Selbstverständnis, im Punkt, wo Versagensängste und ähnliches ja ganz häufig der Hase im Pfeffer liegt. Der Hase im Pfeffer, das habe ich noch nie gehört. Habe ich das jetzt durcheinander gebracht? Nee, das kann gut sein. Vielleicht bin ich nicht ausreichend gebildet. Ab jetzt liegt auf jeden Fall der Hase im Pfeffer. Der Hase liegt jetzt im Pfeffer. Der liegt da jetzt. Und es lohnt sich psychotherapeutisch. Psychotherapeutisch hinzugucken, genaue Anamnesen zu machen, unter Umständen auch Paargespräche zu führen und die Psychotherapie kann einen ganz, ganz großen Beitrag dazu leisten, dass Sexualität zufriedenstellender gelebt wird. Auf jeden Fall. Und das in einer unglaublich vielfältigen Weise. Okay, das heißt wirklich auch so ein Themenkomplex, der irgendwie Teil eines ersten Kennenlernens ist oder eines psychopathologischen Befundes, Teil der medikamentösen Therapie sein kann, aber irgendwie auch in der Psychotherapie vorkommt. Also wirklich so individuell, wie es ist, so vielfältig ist irgendwie das, wo man es angehen kann. Aber vielleicht macht das ja auch so ein bisschen Hoffnung, dass es eben verschiedene Schrauben gibt, wieder mal, wo man auch dran drehen kann, wenn man es denn schafft, das sozusagen adäquat anzusprechen und dann eben auch zu thematisieren. Okay, ich glaube, wir sind ja fast so ein bisschen am Ende der Folge. Ich habe das Gefühl, an manchen Punkten fehlte uns Ismene, um vielleicht für etwas mehr roten Faden zu sein. Ja, natürlich fehlt uns Ismene auch als weiblicher Counterpartner. Das noch? Zwei Männer, die sich über Sex unterhalten, das ist natürlich irgendwie… Suboptim. Ja. Aber leider hatten wir nichts mehr zu bieten. Das tut uns leid. Trotzdem, Sebastian, jetzt sozusagen nochmal von dir zum Ende. Was ist denn dein Tipp für Betroffene? Also wenn jetzt Menschen da draußen merken, ich habe das Gefühl, da ist irgendwas nicht im Gleichgewicht oder das stört mich auch einfach, ich habe da Schwierigkeiten, egal mal, ob jetzt im Kontext schon Psychiatrie oder was. Oder vielleicht auch vorher, was ist dein Tipp, wie man da dran geht und vielleicht auch dann, wie man Besserung finden kann? Also wir haben jetzt ganz lange und ganz viel darüber geredet und man merkt, Inhalt gibt es wirklich viel zu dem Thema. Es gibt wahnsinnig viele möglichen Antworten und Lösungen und Vorschläge, die gegeben werden können. Grundvoraussetzung ist aber, dass die Probleme benannt und angesprochen werden und da kann ich wirklich allen nur ans Herz legen, eine gesunde Sexualität ist. Das Wichtige ist fast schon ein Menschenrecht und sollte gelebt werden dürfen von jeder Person, so wie sie das möchte und deswegen benennt die Probleme, geht die Probleme ansprechen beim Hausarzt, bei der Hausärztin, beim PsychiaterInnen und wo auch immer das gerade seinen Platz finden soll, aber das Ansprechen ist wichtig. Man sollte gefragt werden, jedes sollte gefragt werden, aber es findet nicht immer statt und so kann man sein Schicksal. Man sollte ein bisschen mehr in die eigene Hand nehmen und das lohnt sich und die Antworten kommen dann auch. Und vielleicht auch nochmal, um so ein bisschen zu dem zurückzukommen, was du vorhin gesagt hast, sich bewusst machen, wie häufig das ein Problem ist und dass man damit wirklich nicht alleine ist, weil ich glaube schon, dass man häufig das Gefühl hat, ich bin da der Einzige, eben gerade auch so in diesem Kontext Versagensängste, was du gesagt hast, was glaube ich eine große Rolle spielt, dass man so denkt, ich kann da jetzt irgendwie nicht so, wie ich will oder es klappt nicht so, wie ich will und dann allein auf weiter Flur, aber nee, man ist nicht allein auf weiter Flur und es wird eben nicht benannt. Dem, was du gerade sagst, vielleicht nochmal mehr Gewicht gibt, dass man sich wirklich so gut es geht traut, anzusprechen, kann man ja auch in der Kneipe machen, ist auch nicht so einfach und man muss vielleicht die richtige Kneipe dafür finden, aber einfach mal sagen, ja, hey, bei mir auch mal schon mal so oder ich weiß nicht, das hilft glaube ich vielen wirklich auch schon weiter, einfach zu hören, okay, auch andere haben da schon mal Struggle mit gehabt und eben es ist ja auch was, was wieder gehen kann, das heißt nicht, dass das für immer bleibt. Die ganze Sexualität nochmal, die gesunde und den Normalfall, sag ich mal, außerhalb von der Psychiatrie nochmal aufgreifen, ich glaube, das ist ein wichtiges Thema und was du ansprichst, dieser Performance-Gedanke und alles, das treibt glaube ich echt viele Menschen an den Rand der Verzweiflung und ist es wert, nochmal thematisiert zu werden. Ist halt auch wirklich, das ist ja wirklich dann mehr auch in dem Kontext, was du vorhin gesagt hast, es ist sehr politisch, ist vielleicht auch gesellschaftlich einfach und nicht mal unbedingt was, wo jetzt die Medizin der Hauptansprechpartner ist, vielleicht finden wir ja mal die geeignete Person, die mit uns spricht. Wenn ihr es seid, sagt uns doch einfach Bescheid. Wenn ihr zugehört habt und irgendwas habt, was euch gestört hat oder was ihr sagt, hey, war bei mir genauso, war bei mir gar nicht so, wenn ihr irgendwas habt, teilt es gerne mit uns, wir freuen uns, wie auch schon bei allen Folgen davor, immer, wenn wir was von euch hören und kriegen auch immer wieder eben neue Anregungen oder sagt, hey, redet da nochmal genauer drüber, das war bei mir total wichtig, gerne über alle Kanäle, ihr wisst schon, Antworten ist immer so eine Sache, aber wir schaffen es meistens irgendwann im Rahmen der nächsten zwei bis drei Jahre und wir freuen uns auf jeden Fall. Ja, und dann würde ich sagen, hören wir uns demnächst. Dann hören wir uns demnächst einfach jetzt mal wieder. Wir geben uns Mühe, dass es nicht so lange dauert wie in unserer Sommerpause, versuchen auch unser Social Media wieder ein bisschen aufzupappen, aber das geht manchmal etwas unter in unserem Alltag. Ja, ich hoffe, ihr habt Verständnis. Wir hoffen, ganz heftig. Also ihr Lieben, macht's gut, schön, dass ihr wieder zugehört habt und dann bis zum nächsten Mal. Bis bald. Tschüss. Tschüss.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Störungen der Sexualfunktion sind komplex und vielschichtig, umfassen sowohl körperliche als auch psychosoziale Aspekte und werden oft durch kulturelle und individuelle Vorurteile beeinflusst.
  2. Die medizinische Klassifikation unterscheidet zwischen Gesundheit, Störung und Krankheit, wobei Störungen nicht automatisch krankhafte Zustände bedeuten, sondern vielmehr Probleme im Lebensalltag darstellen.
  3. In der Psychiatrie treten häufig Libidoverlust, Erektionsstörungen und vorzeitiger Samenerguss auf, wobei diese Symptome durch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder bipolare Störungen verstärkt werden.
  4. Viele psychopharmakologische Medikamente – insbesondere Antidepressiva, Antipsychotika und Beta-Blocker – verursachen sexuelle Nebenwirkungen, was oft zu Frustration und Leidensdruck bei Patienten führt.
  5. Eine umfassende, aktive Beratung und die frühe Einbindung der Sexualanamnese in die Therapie sind entscheidend, um Störungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  6. Die Sexualität ist ein Menschenrecht, das individuell wahrgenommen wird, und die Diskussion darüber muss in der medizinischen Praxis nicht als tabu gelten, sondern als zentrale Teil der Behandlung.
  7. Psychotherapeutische Ansätze wie Paargespräche und Verarbeitung von Versagensängsten können entscheidend zur Verbesserung der sexuellen Lebensqualität beitragen.
  8. Patienten sollten aktiv auf ihre Symptome achten, Probleme aussprechen und die Therapie gemeinsam mit ihrem Arzt reflektieren – die Transparenz ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.

Summary:

Störungen der Sexualfunktion sind ein komplexes und weit verzweigtes Thema, das sowohl körperliche als auch psychosoziale Faktoren umfasst. In der Psychiatrie treten häufig Libidoverlust, Erektionsstörungen oder vorzeitiger Samenerguss auf, die durch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder bipolare Störungen verstärkt werden. Viele Medikamente, insbesondere Antidepressiva, Antipsychotika und Blutdruckmedikamente, verursachen sexuelle Nebenwirkungen, was zu Leidensdruck und Frustration führen kann.

Wichtige Prinzipien sind die frühzeitige Einbindung der Sexualanamnese, die offene, transparente Kommunikation zwischen Patient und Therapeut sowie die Anerkennung der Sexualität als ein Menschenrecht. Psychotherapeutische Maßnahmen wie Paargespräche und Verarbeitung von Versagensängsten können entscheidend zur Verbesserung der sexuellen Gesundheit beitragen. Obwohl die Thematik oft tabu ist, ist es entscheidend, dass Patienten aktiv auf ihre Symptome achten, diese mitteilen und gemeinsam mit ihrem Arzt Lösungen suchen.

Die Behandlung muss individuell angepasst sein und berücksichtigt sowohl psychische als auch körperliche Faktoren. Der Fokus liegt nicht nur auf der medikamentösen Therapie, sondern auf der Erkennung, Aufklärung und akzeptierten Diskussion der eigenen sexuellen Erfahrungen, was letztlich zur Verbesserung der Lebensqualität und psychischen Heilung beiträgt.

FAQs

Gesunde Sexualität bezeichnet nicht nur das Fehlen von Krankheiten oder Funktionsstörungen, sondern auch das Fühlen von Lust, die Möglichkeit zu sicheren, respektvollen sexuellen Beziehungen und ein positives, sicheres Erleben der Sexualität ohne Gewalt oder Zwang.

Eine Störung bedeutet nicht automatisch, dass jemand krank ist. Es handelt sich um Schwierigkeiten oder Probleme, die medizinisch untersucht werden. Eine Krankheit ist eine erkrankte, dauerhafte Störung, die oft durch eine psychische oder körperliche Erkrankung verursacht wird.

Am häufigsten sind Libidoverlust, vorzeitiger Samenerguss und Erektionsstörungen zu nennen. Diese sind besonders bei Frauen und Männern mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Bipolaren Störungen oder Substanzmissbrauch verbunden.

Ja, Hypersexualität kann vorkommen, insbesondere als Reaktion auf Depressionen, Ängste oder Stress. Sie wird oft durch sexuelle Fantasien und Verhaltensweisen gekennzeichnet, die den Alltag beeinträchtigen und zu Leidensdruck führen können.

Viele Medikamente, insbesondere Antidepressiva wie SSRI, können zu Libidoverlust oder Orgasmusstörungen führen. Antipsychotika und Benzodiazepine wirken ebenfalls oft sexuell hemmend und können die Lust und die sexuelle Funktion negativ beeinflussen.

Eine systematische Abfrage der Sexualfunktion hilft, mögliche Störungen frühzeitig zu erkennen. Viele Patienten berichten nicht spontan, daher ist es die Aufgabe der Therapeuten, aktiv danach zu fragen, um Transparenz und Unterstützung zu schaffen.

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