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Scouting, Streit & Struktur | So geht’s richtig

30m 45s

Scouting, Streit & Struktur | So geht’s richtig

Transcription

5148 Words, 31408 Characters

Speaker 1Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode Advanced Football Spieltrieb, dem Kinder- und Jugendfußball-Podcast. Mir gegenüber sitzt wie jede Woche der Sakko. Hallo Sakko, schön, dass du da bist. Einen wunderschönen guten Tag, Joscha. Bevor wir inhaltlich rein starten, ihr habt es wahrscheinlich schon im Titel gesehen oder du hast es schon im Titel gesehen, möchte ich einmal kurz darauf hinweisen. Jetzt ist ja gerade End of Season, wie man jetzt im Marketing wahrscheinlich sagen würde, aber bei uns natürlich im Fußballbereich. Also die einen sind schon quasi im Ende der Saison, die anderen gehen langsam dem entgegen. Und was ist das allseits bekannte Problem? Wie geht es eigentlich nächstes Jahr bzw. nächste Saison weiter? Wo finde ich Co-Trainer, wo finde ich Betreuer, wo Trainer? Und da haben wir uns jetzt schon mittlerweile vor fünf Wochen, sechs Wochen, sieben Wochen was einfallen lassen, nämlich unseren Trainergewinnungskurs. Dieser Kurs hilft dir und deinem Verein, Trainer zu finden und ist nicht einfach mal so ad hoc, sondern sehr strukturiert, sehr klar, sehr nachhaltig. In vier Modulen erarbeiten wir da alles Mögliche, was du brauchst, um Trainer zu finden, zu halten und gegebenenfalls auch glücklich zu machen, wenn sie bei dir zum Verein kommen. Schau da gerne mal in die Shownotes rein. Ich verlinke auch nochmal ein paar Folgen. Wir haben dazu ja auch eine Spezialreihe gemacht, wo es eben genau um dieses Thema geht, Trainergewinnung und sorgenfrei in die nächste Saison zu gehen. Wenn du den Podcast also hörst und denkst, das wäre vielleicht was für den Jugendleiter oder generell für unseren Verein, dann schau dir das doch gerne mal an und pitch das deinen Jugendleitern bzw. den Leuten, die dafür zuständig sind. Und jetzt hätte ich gesagt, Sakko, starten wir rein, inhaltlicher Natur. Du hast eine Zuschauer, Zuhörer, mal so, mal so. Frage vorbereitet. Bevor du deine aber los wirst, werde ich meine los. Und zwar ist das ein Thema, also ist ein Riesenthema, aber ich würde es trotzdem gerne einmal anschneiden, um auch so ein bisschen die Rückmeldung von den Zuhörern mitzubekommen. Und zwar hat uns ein Hörer geschrieben, dass er vor kurzem sportlicher Nachwuchsleiter in seinem Heimatverein geworden ist. Zusammen mit seinem Jugendleiterteam hat er einiges auf den Weg gebracht. Eine klare organisatorische Entlastung durch die Jugendleitung, etwa bei Elternkommunikation und Spielplanung und die Entwicklung einer neuen, modernen Trainingsphilosophie. Sicherlich ist er ein großer Bestandteil unserer Videoplattform. Ziel ist es, junge, motivierte Trainer zu fördern und veraltete Methoden Schritt für Schritt abzulösen. Seine konkrete Frage jetzt an uns ist Scouting im Nachwuchsbereich eines ambitionierten Amateurs. Was ist für einen Amateurvereins überhaupt notwendig? Und wenn ja, wie könnte das konkret aussehen? Sollte man dabei je nach Altersklasse unterschiedlich vorgehen? Und kann man Eltern sinnvoll einbinden, zum Beispiel über ein Belohnungssystem? Hintergrund ist nämlich, dass der Verein sportlich mit der ersten Mannschaft eher im unteren Tabellenbereich unterwegs ist. Jetzt wäre witzig zu wissen, welche Liga, ob Kreisliga oder Oberliga. Während umliegende, höherklassige Vereine aggressiv Talente abwerben. Gleichzeitig hat der Verein aber eine Top-Infrastruktur mit drei Plätzen, darunter ein neuer Kunstrasen und ein modernes Jugendzentrum. Huiuiui! Scouting im ambitionierten Kinder- und Jugendfußball. Meine erste Einschätzung von meiner Seite, als ich es gelesen habe, habe ich gedacht, nein, kein aktives Scouting, weil das schon im Profi-, im Leistungsbereich in Anführungszeichen, in vielen Mal in diesen Altersbereichen sehr unprofessionell abläuft und irgendwie sehr unstrukturiert. Und selbst da gibt es ja auch irgendwie keine Referenzrahmen, woran ich mich orientieren kann, wenn es um Spielerbewertung geht. Und jetzt stelle ich mir vor, das ist auf diesem Amateurniveau, dann ist es ja noch viel, viel hanebüchener. Nach was gucke ich denn? Und das Einzige, nach was ich gucke, ist, ist das Spiel akzeleriert? Wie ist seine momentane Spielleistungsfähigkeit? Also ist er halt ein guter Spieler momentan? Und es hat ja dann nichts irgendwie mit einer nachhaltigen, wir wollen den Spieler ausbilden und bei uns im Verein halten Kultur. Das war so mein erster Gedanke. Ich glaube, wenn man das machen möchte, also wenn man Spieler extern für seinen Verein gewinnen möchte, dann nicht durch ein Pull-, nee, nicht durch ein Push-Prinzip, sondern durch ein Pull-Prinzip, korrigiere mich da gerne, Sacco, im Sinne von, wir machen so gute Arbeit im Training, wir sind in den Turnieren, bei den Spieltagen so nett und das ganze Klima dieses Vereins funktioniert so gut, dass die Leute sagen, ey, ich habe da Bock drauf. Und die Infrastruktur stimmt auch noch. So, aber ein aktives, komm du zu uns, dann wirst du XYZ, halte ich für den Case, den er jetzt beschrieben hat, das halte ich irgendwie für übertrieben und auch nicht gesund. Da gibt es sicherlich andere Baustellen im Verein, die man angehen sollte. Wie siehst du das denn?
Speaker 2Okay, tatsächlich ein interessantes Thema, das uns immer wieder ja auch begegnet. Die Vereine, mit denen wir zusammenarbeiten, sind ja typischerweise eher ambitionierte Klubs. Die Frage ist ja jetzt, was ist das Ziel durch das Scouting? Und ich vermute mal, dass das Ziel durch das Scouting wäre, bessere Spieler als die aktuellen quasi für den Verein zu gewinnen und damit dann bessere Spielergebnisse und höhere Spielklassen zu erreichen, um damit noch attraktiver zu werden für noch bessere Spieler. Also ich vermute mal, dass so diese Aufwärtsspirale das Ziel des Ganzen ist. Also Vereine, die ich jetzt persönlich kenne, die sich irgendwann auf diesen Weg begeben haben, zu sagen, so wir fangen jetzt an und graben hier die Spieler aus anderen Vereinen ab, sind früher oder später damit sang- und klanglos gescheitert. Ich kenne kein Beispiel, wo der Verein irgendwie auch regional ein gutes Standing hat, wo die anderen positiv darüber sprechen und wo auch in diesem Verein nicht extreme Grabenkämpfe entstehen durch diese Leistungsorientierung, die ich damit dann reinbekomme. Und das ist ein Keil auch zwischen die neuen Spieler, zwischen deine bestehenden Spieler. Du hast dann das Kind in der D-Jugend, das seit sechs Jahren im Verein ist und dem sagst du jetzt ja, du musst D2 spielen, weil wir haben hier zwei neue geholt aus dem Verein. Und dann sagen die Eltern, der ist doch gar nicht besser als meiner und jetzt muss der hier in der D2 bei dem schlechten Trainer trainieren. Was soll das? Und du sorgst damit für eine unendliche Unruhe, die du nie wieder einfangen kannst. Also ich kann diesem Verein nur empfehlen, bitte Finger davon. Finger davon lassen, die Kinder in den anderen Altersstufen und Scouting bedeutet ja genau das, was du beschreibst, dieses aktive Ansprechen auf einem Kinderturnier. Dann läuft da irgendjemand von dir herum, geht auf die Eltern zu und sagt, hier seid doch die Eltern von einem Siebner und wir bauen hier gerade bei uns was auf und wir legen Wert auf, bla bla bla. Das gleiche Geschwätz wie alle Vereine, wollt ihr nicht mal bei uns zum Probetraining vorbeigucken. Dann bekommt es der Trainer von dieser Mannschaft mit, weil die Eltern das erzählen und dann ruft er seinen Jugendlehrer. Dann kommt der Jugendleiter an, der Jugendleiter ruft den Jugendleiter vom anderen Verein ab und dann beginnt die ganze Schose und ich glaube, das kannst du dir alles sparen. Meine Empfehlung wäre erstmal Masse statt Klasse. Also zu sagen, wie bekommen wir es hin, dass bei uns in der Bambini nicht 30 Kinder sind, sondern 80. Wie bekommen wir es hin, dass in der F-Jugend nicht 26 Kinder sind, sondern 52. Vor allem, wenn die Infrastruktur das quasi hergibt, dass sich grundsätzlich da mehr bewegen könnte, würde ich sagen, wie schaffen wir es, dass in ganz frühen Jahren sich noch mehr Kinder für unseren Verein aktiv von sich aus entscheiden. Weil wir, anstatt einen Scout zu bezahlen, der für 200 Euro da irgendwo rumrennt, den in die Kindergärten schicken, den an die Grundschulen schicken, dort unterstützen, diese Betreuungsangebote vielleicht auch aufzufüllen und jetzt unseren Verein dadurch attraktiv machen. Wir Schnuppertage organisieren. Und zwar nicht nur einen zum Saisonbeginn, sondern acht Stück über das ganze Jahr verteilt. Und dann gewinnen wir so mehr und mehr Kids. Und das führt dann dazu, dass in der D-Jugend eben nicht mehr 15 Kinder rumlaufen, von denen acht das Niveau hätten, das sich dann irgendwie vielleicht mal perspektivisch erreichen möchte in der obersten D-Jugend-Liga. Sondern ich habe dann in dieser D-Jugend über 30 Kinder und kann dann hergehen und sagen, liebe Eltern, wir wollen, dass jedes Kind auf seinem individuellen Leistungsstand optimal gefördert wird. Das können wir nur gewährleisten, wenn wir möglichst homogene Mannschaften einteilen. Für diesen Weg haben wir uns jetzt entschieden. Deswegen wird die Einteilung in D1 und D2 eben auf dieser Grundlage durch die Einschätzung von diesen Personen stattfinden. Wir trainieren aber zeitgleich und so weiter. Fahrgemeinschaften bleiben intakt, was auch immer. Also das ist nochmal ein größeres Thema jetzt, diese Kommunikation für die Einteilung. Das hatten wir auch schon mal als Podcast-Folge. Aber jetzt würde ich... Dadurch, und das ist natürlich ein längerfristiges Projekt, es schaffen über die Vielzahl an Kids automatisch einfach Gute für mich zu gewinnen, die noch gut auszubilden. Und dann ist im besten Fall auch unsere in Anführungszeichen D2 eine der besten Mannschaften in der Region. Das ist der Ansatz, der einen Verein die nächsten 10 bis 20 Jahre absichert und dafür sorgt, dass du wirklich ein Fundament aufbaust, das dich in Zukunft so weit, so meilenweit vor die Konkurrenz katapultiert, dass du wirklich ein Fundament aufbaust, das dich in Zukunft so weit, so meilenweit vor die Konkurrenz katapultiert, dass du wirklich ein Fundament aufbaust, das dich in Zukunft so weit, so meilenweit vor die Konkurrenz katapultiert, dass du dich gar nicht mehr dagegen wehren kannst, dass in der D, C und B-Jugend die besten Spieler bei euch mal anfragen und ein Training machen wollen.
Speaker 1Vor allem ist es ja auch so, dass... Zusatz, der da in der Frage mitschwingt, im unteren Tabellenbereich unterwegs ist. Während umliegende, höherklassige Vereine aggressive Talente abwerben. Vor allem dieses Thema höherklassige Vereine. Der Obersticht immer unter im Fußball. Das werden wir nicht ändern, das werdet ihr als Verein nicht ändern können. Auch Hoffenheim, auch Dortmund, auch Leverkusen beschwert sich, dass Jonathan Tah jetzt zu Bayern geht. Da könnt ihr doch auch bei Bayer Leverkusen spielen. Das ist nun mal Regel des Fußballs ein Stück weit, aber ich kann natürlich bei mir, so wie du es schon sagst, durch interne Abläufe und interne Regeln Grenzen setzen und auch Anreize setzen, dass die Leute bleiben oder zu mir proaktiv kommen. Weil sie halt sagen, naja, ich gehe halt zu dem höherklassigen Verein, da bin ich einer von acht Neuen oder ich bin einer von zwei Neuen bei euch im Verein und ich weiß, die Trainingsarbeit ist gut, ich weiß, die Infrastruktur ist gut und ich würde eher auf Köpfe anstatt Steine bauen in dem Fall und zu sagen, hey, interne Prozesse besser machen, Training besser machen, die Nachwuchsabteilung besser aufstellen, nachhaltig aufstellen und dann kommt der Erfolg von alleine.
Speaker 2Ja und die Möglichkeit zu nutzen, also jetzt ist die Frage, was ist ein höherklassiger Verein und wenn es in Richtung Leistungszentrum geht oder dieser unangefochtene Top-Verein bei uns in der Region, sowas haben wir ja viele Klubs, dann würde ich mich da gar nicht so sehr dagegen wehren, dass diese Wechsel stattfinden, sondern ich würde damit Werbung machen, dass unsere Spieler dorthin wechseln und auch das Gespräch hatte ich schon so oft jetzt mit Jugendleitern, die dann sich hinstellen und sagen, wie können wir verhindern, dass, das ist doch gar nicht das Problem, diesen Spieler, diesen Top-Spieler in der U14, den könnt ihr doch eh nicht halten. Was ihr aber machen könnt, ist dem eine goldene Brücke zu bauen und zu sagen, hey, richtig geil, dass du dich hier so gut entwickelt hast und es geschafft hast, wir gucken echt, dass wir mit unserer Mannschaft dein erstes Heimspiel bei euch dann irgendwie besuchen, weil wir uns wirklich freuen, dass du diesen Sprung jetzt schaffst und die Möglichkeit bekommst, das ist nämlich die goldene Brücke, nicht nur hin, sondern auch zurück, also für den Fall, dass der Spieler dort nicht mehr spielt oder keinen Spaß hat und gleichzeitig gewinnst du dadurch, indem du das publik machst, vielleicht drei andere Spieler, die sagen, oh, diesen Schritt dorthin, den will ich eigentlich auch gehen, das finden wir ja schon interessant, also wir haben jetzt mitbekommen, ihr habt in den letzten drei Jahren, 15 Spieler in Top-Vereine, in Leistungszentren, was auch immer gebracht, deswegen würden wir gerne bei euch anfangen, also daraus ein Marketing- Instrument zu machen, anstatt sich ständig darüber aufzuregen, dass diese Wechsel stattfinden, die, wie du richtig sagst, sowieso stattfinden und ich hatte erst letzte Woche mit einem Verein von uns, der auch schon hier im Podcast war und die haben jetzt gemeint, so, hey, wir haben jetzt zwei Spieler, die zu Leistungszentren wechseln und die bekommen dafür eine Ausbildungsentschädigung, mit dieser Ausbildungsentschädigung finanzieren sie beziehungsweise den nächsten Workshop, den wir vor Ort machen, weil die der Meinung sind, hey, weil wir mit euch damals gestartet sind, inhaltlich, nur deswegen sind diese Wechsel ins Leistungszentrum zustande gekommen, davon sind sie fest überzeugt und reinvestieren jetzt einen Teil der Erlöse wieder in den nächsten Workshop mit uns, weil sie sagen, neue Trainer, müssen wir neu schulen, damit das wieder vorkommt und da war aber auch ihr Vereinsinternes Thema so, ah, die wollten den überzeugen, eben nochmal zu bleiben und er hat so gesehen wie ich, sag ich, das ist doch das Beste, was euch passieren kann, der Wechsel in ein Leistungszentrum, wie geil ist das, ich würde das auf die Homepage packen, ich würde das auf Social Media packen, ich würde den Spieler offiziell irgendwie im Rahmen der Sommerfeier oder was verabschieden und auch die Family, dass jeder mitbekommt, wer bei uns anfängt, hat die Chance nach ganz oben und dadurch sicherst du dir den Zustrom von den nächsten Spielern, die diesen Weg gehen wollen und dann hast du etwas geschaffen, auch hier wieder der Hebel ist ein ganz anderer, einer geht, fünf kommen und das, also warum das nicht öfter genutzt wird, sondern sich jeder darüber aufregt und die erste Frage ist, wie können wir das zwar hindern und wie du so richtig sagst, kannst du nicht, also du reibst dich auf in so vielen Diskussionen und die Eltern haben ja immer das Gefühl, ja klar, ihr argumentiert jetzt in eurem Sinne als Verein und da kommst du nicht raus aus der Rolle, weil du gar nicht in der Rolle bist, den als objektiver Berater zur Seite stehen zu können und zu sagen, was jetzt besser ist.
Speaker 1Cool. Dann hoffe ich, dass die Frage soweit beantwortet ist und ich hätte gesagt, wir springen weiter in deine Frage.
Speaker 2Yes. So, folgendes, uns hat der Hannes geschrieben, lieber Joscha, lieber Sakko, ich habe aktuell eine Dezember-Sendung, um die 2-Mannschaft zu betreuen. Ich verfolge euren Podcast seit längerem und habe schon einige Übungen in meinen Trainingseinheiten eingebaut. Die Kids machen alle anfangs mit, zerschießen sich aber oftmals die Übungen wegen ihrem Gerechtigkeitssinn. Heißt, sie fangen an zu diskutieren, ob der Ball im Aus war oder durch das Hütchentor gepasst war oder wer als letztes am Ball war. Ich habe dadurch immer zum Ende viel Unmut beim Training, was nicht schön ist. Habt ihr Tipps für mich, wie ich das in den Griff bekommen kann? Und mir ist eigentlich sofort das Bild von der Art und Weise, wie wir es eigentlich gerne auf dem Platz haben, eingefallen. Nämlich, dass wir diese Diskussion ja nicht eine Millisekunde zulassen. Also, wir sagen dann, okay, 2-1 weiß. Und da geht es nicht darum, war der Ball jetzt im Tor oder im Aus oder ich, also ich nehme dieses Angebot der Diskussion nicht an. Und ich habe mir überlegt, okay, kann man das vielleicht in eine klare Regel übersetzen, auch für die Kids? Und bin dann auf eine Idee gekommen, die würde ich dir jetzt auch gerne mal teilen. Was, wenn du sowas wie einen Diskussionsball oder Antidiskussionsball immer als Trainer hast? Heißt, der Ball ist im Aus und Spieler von der blauen Mannschaft sagt, wir haben. Und, also, hey, wir haben doch, oder du hast den ins Aus. Also fängt eine Diskussion an. Und dann kommt mein Antidiskussionsball als Trainer ins Spiel und bekommt dann immer sofort die nächste, die andere Mannschaft, den Ball. Also es geht gar nicht mit der eigentlichen Situation so weiter, sondern ich rolle den Ball zu einem anderen blauen, äh, zu einem anderen gelben Spieler von einer anderen Mannschaft und sage, hier, Diskussionsball. Und treib den dadurch quasi dieses Verhalten aus, zu sagen, sobald du anfängst zu diskutieren, gibst du deinem Gegner immer einen Vorteil. Und wenn ich für einen Moment die Schnauze halte, dann werde ich das entscheiden und sagen, nee, gelb hat. Und dann hast du nochmal die Möglichkeit, dich zu beschweren oder nicht. Und dann geht's weiter. Also auf der einen Seite nicht eine Sekunde, darauf eingehen und sofort auf die nächste Aktion achten, sofort die nächsten Spieler reinschicken, sofort irgendwie dann, also weg von der Situation hin zu etwas anderem. Ich hab gemerkt, dass die Kinder sehr schnell drauf kommen, dass, wenn sie dann zu dir gucken, anfangen wollen zu diskutieren und du guckst weg und schickst den nächsten rein und achtest gar nicht drauf, dann hat sich das für so ein Kind sehr, sehr schnell erledigt. Und als irgendwie...
Speaker 1Es ist ja auch gelerntes Verhalten. Es ist ja ganz so, wie auch bei Babys, Säuglingen. Ich hatte jetzt am Wochenende so eine Thematik, wo ein Kind sich wirklich sehr leicht den Kopf angestoßen hat am Tisch. Und es war wirklich nicht arg, also jetzt nicht so, dass man da eigentlich hätte intervenieren müssen. Und zweimal hat es das tatsächlich gemacht. Und beim ersten Mal haben alle noch reagiert und dann hat das Kind angefangen zu heulen. Und beim zweiten Mal noch ein bisschen weniger dran gestoßen und keiner hat reagiert, weil irgendwas anderes gerade passiert ist. Und das Kind fängt halt dann an nicht zu heulen, weil es quasi nicht dieses, oh, was ist jetzt passiert? Und so ist es ja ganz oft auch beim Verhalten im Training, wenn ich auf Sachen nicht reagiere oder auch Diskussionen gar nicht erst zulasse. Und Diskussion, das finde ich immer ganz wichtig, nicht zulassen heißt nicht immer wegwischen verbal, sondern das, was am meisten zählt, nämlich die nächste Aktion ins Spiel bringen. So, einfach der nächste spielt an und dann geht's sofort weiter. Weil dann nimmst du dich auch als Trainer so ein bisschen aus der Schussrolle, äh, aus dem Schussfeld, weil die Spieler, die dann noch, also die jetzt reinkommen, die spielen möchten, die stoßen dich dann schon raus aus dem Feld und sagen, jetzt verpiss dich mal, ich möchte jetzt weiterspielen. Weil für die ist es ja völlig egal, ob der Ball jetzt im Aus war oder nicht. Die wollen ihre Aktion machen und nicht dein Geschwätz, was du jetzt irgendwie ausdiskutieren möchtest.
Speaker 2Ja, und ich sehe viele Trainer, die sich dann darauf einlassen in dem Moment. Und das, was du jetzt mit dem Baby beschrieben hast, ich erlebe das jetzt seit Neuestem ja ganz viel mit einem jungen Hund, der bei uns zu Hause eingezogen ist. Und da habe ich von einem Hundetrainer die Aussage gesehen, das finde ich eigentlich ganz cool. Verhalten, das ignoriert wird, stirbt aus. Denn für diesen Hund ist das beste Leckerli, was er bekommen kann, meine Aufmerksamkeit. Das ist schon der Blick und das Hinlaufen. Und wir hatten bei uns auch zu Hause Diskussionen, dass unser Hund immer wieder auf die Couch ist und da also an die Kante. Und das ist super hoch und da ist der Esszimmertisch in der Nähe und da war immer die Gefahr da, wenn sie jetzt springt und runterfällt, dann verletzt sie sich auch. Heißt, was haben wir gemacht? Wir sind natürlich hingegangen, haben sie von der Couch runtergeholt, auf den Boden gesetzt. Jetzt hat sie gelernt, dass wenn wir ihr keine Aufmerksamkeit geben, ist sie immer an diese Stelle hoch und hat dort gewartet, bis wir gucken. Und das haben wir dann auch irgendwie besprochen, weil wir nicht wussten, wie wir damit umgehen sollen. Und da hieß es, ignorieren. Und mittlerweile ist so, dass wenn sie da hochgeht, verlassen wir den Raum. Wir gehen raus. Was sie macht, ist uns hinterherlaufen. Mittlerweile ist das gar kein Thema mehr, sich an diese Stelle zu begeben, weil sie damit keinen Erfolg hat. Und diese Diskussion Diskussionen auch für ein Kind und generell auch zwischen uns, die machen ja nur deswegen Spaß, weil der andere auf die Diskussion einsteigt. Also wenn ich dir irgendwas an den Kopf werfe und ich merke, dass sich das nervt, dann macht mir das durchaus auch mal Spaß. Und ich glaube, da drüber zu gehen und wie du sagst, sofort die nächste Aktion und vielleicht den Antidiskussionsball einführen. Also wie gesagt, das ist mir einfach nur eingefallen, das haben wir auch noch nie benutzt, aber vielleicht kann das schon unserem Zuhörer Hannes helfen mit den Problemen des übertriebenen Gerechtigkeitssinn, was wahrscheinlich viele kennen, umzugehen.
Speaker 1Das ist ja ein bisschen ähnlich auch wie bei der Aktion, wenn Spieler nicht schnell genug aus der Übung rausgehen, dann passiert es, also gibt es zwei Möglichkeiten, entweder ich schreie 48 Mal innerhalb vom Training Jungs raus oder Mädels raus aus der Übung, die anderen sind dran. Oder ich mache das bewusst mal bei einer Torschussform, dass ich die Nächsten aufs Tor schießen lasse und derjenige, der halt noch vor dem Tor rumeiert, der abgeschossen wird. Und ich dann immer ganz bewusst und überhart und das ist bei den Fortbildungen dann immer ein Thema, wenn da ein Kind getroffen wird, ja ist halt der Klassiker, ist halt wie wenn du direkt am Pfosten stehst und den Torwart nervst, wenn du irgendwie kurz eine Wartezeit hast, wenn du das Ding halt ins Gesicht kriegst, dann bist du selber schuld in dem Fall. Und es gibt ganz klar Regeln, deshalb steht das Hütchen nicht direkt am Pfosten. Sondern zwei Meter links vom Pfosten, damit du nicht abgeschossen wirst, wenn er das Tor verfehlt. Spieler, die das aber nicht checken wollen, die müssen es dann in Anführungszeichen erstmal spüren, damit sie merken, okay, es gibt einfach Verhaltensweisen, die helfen und es gibt Verhaltensweisen, die helfen nicht.
Speaker 2Ja, also wir erklären es ja auch gerne mal mit, dass wir sagen, hey, die neben dem Tor, wenn ihr anfangt zu quatschen und hier schießt einer und er geht knapp am Tor vorbei, dann habt ihr den Ball im Gesicht und das tut weh. Und wenn ihr neben dem Tor ansteht, wichtig, hier hinzugucken. Nach dem Schuss ist es wichtig, rauszugehen, weil wenn ihr ins Tor lauft, dann bekommt ihr den Ball in den Hinterkopf und das tut weh. Und das reicht schon. Die Übung ist ja quasi von sich aus nicht darauf konzipiert, dass da Kinder abgeschossen werden, aber wenn du dich so verhältst, dass du abgeschossen werden kannst, dann wird es vielleicht passieren. Okay, cool, dann drückt nochmal die Pfeife, Josch. Ja, lange dauert. Ich habe nämlich noch zwei. Jawohl, okay, sehr gut.
Speaker 1Du wolltest sie mehrmals haben.
Speaker 2Das ist jetzt Abpfiff. Ich habe zwei kleine Hacks mitgebracht, was so Fehlverhalt von Kindern oder von Eltern angeht. Die habe ich zufällig in einem Insta-Video gesehen und fand das sehr, sehr cool. Vor allem das zweite, das ich gleich vorstellen werde, ist sowas, wo ich sage, das kann, glaube ich, richtig geil funktionieren. Ich habe es dir noch nicht präsentiert, deswegen bin ich auf deine Meinung gespannt bei den beiden Punkten. Punkt Nummer eins. Wenn es um das Thema Verhaltensweisen von Eltern geht und ich habe ein Kind, das benimmt sich daneben und die Eltern sind aber nicht offen für mein Feedback und meine Gesprächsversuche und ich finde keinen Zugang zu diesem Kind. Dann habe ich gesehen, dass eine Person das so löst, dass eine. E-Mail an die Eltern verfasst wird und das war jetzt im Schulkontext. Bei der E-Mail ist aber oft so, wenn oder in der WhatsApp, dann sieht es so aus, als ob der Trainer sich oder die Trainerin einfach nur beschwert. Hey, euer Kind benimmt sich daneben. Das stört die ganze Gruppe. Wir kommen langsam in unsere Grenzen, bla bla. Die Eltern auf der anderen Seite haben dann scheinbar das Gefühl, okay, der ist halt überfordert oder die können halt mit unserem Kind nicht umgehen und also schieben. Dann haben die Eltern das Gefühl, okay, der ist halt überfordert oder die können halt mit unserem Kind nicht umgehen und also schieben. Dann haben die Eltern das Gefühl, okay, der ist halt überfordert oder die können halt mit unserem Kind nicht umgehen und also schieben. Und dann ja vor allem mittlerweile, glaube ich, eine neuere Elterngeneration schnell das Problem in Richtung Organisation oder Handeln der Person und sind gar nicht offen für dieses Feedback. Und hier ist jetzt so ein bisschen der Hack, das umzuformulieren und hier nach einer Hilfestellung zu fragen seitens der Eltern. Also eben nicht diesen Vorwurf, euer Kind ist scheiße und benimmt sich nicht, sondern das umzudrehen und zu sagen aus einer Entschuldigung heraus. Entschuldigungs-E-Mail zu formulieren nach dem Motto so, es tut mir super leid, dass sich euer Kind bisher nicht angemessen unterstützen konnte. Bitte gebt mir doch ein paar Hinweise, wie ich euer Kind davon überzeugen kann, damit aufzuhören, im Training die Bälle wegzuschießen und andere Kinder zu beißen oder was auch immer. Und offensichtlich benutze ich aktuell nicht die richtigen Strategien, um das Bedürfnis von eurem Kind zu befriedigen. Deswegen wäre jetzt die Frage, ihr habt sicher irgendwelche... Welche Strategien, die ihr zu Hause anwendet, die ich auch benutzen kann. Könnt ihr mir da helfen? Und die Antworten, die dann da typischerweise kommen, sind sowas wie, wir kümmern uns drum, wir reden mit unserem Kind. Also die haben natürlich zu Hause nicht Strategien, aber aus dem, ich beschwere mich über das Kind, wird ein, könnt ihr mir helfen, wie ich lernen kann, mit eurem Kind umzugehen, weil dieses Verhalten wird aktuell gezeigt und damit habe ich Probleme, ich komme damit nicht weiter. Das fand ich sehr charmant, das so umzudrehen. Auch für ein Elterngespräch, es muss ja nicht mal eine E-Mail oder ein WhatsApp sein, sondern auch einfach das Vier-Augen-Gespräch, das ich dann mit den Eltern suche. Was denkst du?
Speaker 1Finde ich einen coolen Punkt, das umzudrehen. Frage ist dann natürlich, was passiert, wenn da auch nicht drauf reagiert wird bei den Eltern. Also es ist mal ein kleiner Versuch in der Kommunikation, das so ein bisschen umzuwandeln. Ist ja ähnlich wie in der Kabine. Wenn du eine Niederlagenserie hast und vier Spiele hintereinander auf den Sack bekommst und im fünften Spiel in der Halbzeit irgendwie auch schon 2-0 hinten liegst, dann kannst du zum fünften Mal reinmarschieren und alle zur Schnecke machen. Oder du kannst natürlich den Schalter umdrehen und sagen, wenn das tut mir leid, scheinbar bin ich nicht der…
Speaker 2Seid ihr nicht bereit für meine Ideen?
Speaker 1Entweder das oder scheinbar schaffen wir es im Trainerteam nicht, euch so zu erreichen, dass ihr… Dass ihr auf dem Platz performt so. Was müssen wir jetzt hier ändern? Ist ja eine ähnliche Kiste, finde ich gut.
Speaker 2Ja, so jetzt findest du vielleicht meinen zweiten Hack, da sind die Kinder direkter adressiert. Noch besser, der hat mir sehr, sehr, sehr gut gefallen. Und es hat folgendes. Du kommst in deine Mannschaft rein, du hast irgendwie, keine Ahnung, 16 Kids und du schreibst von jedem Kind den Namen. Du schreibst den Namen auf einen Zettel und die kommen dann zusammen in eine Box. Jetzt sind da quasi 16 Zettel drin mit den Namen der Kinder. Und es ist so, dass nach jedem Training wird per Zufallsprinzip quasi ein Zettel rausgezogen und der Name, der draufsteht, von diesem Kind werde ich die Eltern anrufen nach dem Training und von dem Verhalten des Kindes vom Training berichten. Heißt, die Kinder haben direkt den Einfluss mit einem… Einen guten Verhalten im Training rufe ich an und sage, hey, ich wollte nur Bescheid sagen, der Ben hat sich heute überragend benommen im Training. Da waren noch ein, zwei Sachen dabei, die er neu gelernt hat. War richtig, richtig cool, das wollte ich euch dann nur feedbacken. Oder Ben hat sich daneben benommen. Ben hat sich die ganze Zeit beschwert, nur rumdiskutiert. Heißt, die Kinder leben immer so ein bisschen in der Gefahr, dass mein Name gezogen wird. Und wenn ich für heute scheiße baue und zufällig mein Name gezogen wird, dann werden meine Eltern angerufen. Und dann wird… Dann wird erzählt, was ich heute so gemacht habe.
Speaker 1Bleiben die Namen in der Box oder fällt man raus, wenn man einmal angerufen wurde?
Speaker 2Nee, nee, jedes Training alle 16 Namen drin. Heißt, es kann schon passieren, dass einer dreimal vorkommt und einer gar nicht. Aber die Gefahr, dass du drankommst, besteht natürlich immer. Also es betrifft natürlich nur die, die im Training sind. Also du hast 16 Kids im Kader, sind 10 im Training, da sind auch nur 10 Namen drin. Ich fand das einfach sehr, sehr cool irgendwie und dachte mir, das ist so einfach umzusetzen. Und du fährst sowieso im Auto nach Hause vom Training, die drei Minuten kannst du auch die Eltern anrufen. Und selbst wenn du es mal nicht machst, also da wird jetzt auch kein Hahn danach krähen. Aber was denkst du?
Speaker 1Ja, witzige Idee. Ich überlege gerade, ob das noch weitere Auswirkungen hat, aber ich glaube wahrscheinlich nicht.
Speaker 2Also der zweite Riesenvorteil ist, dass du einfach ein bisschen strukturierter auch mit Eltern in Kontakt bist. Also als Elternteil… Als Elternteil dreimal im Halbjahr angerufen zu werden vom Trainer, der dir einfach erzählt, wie es war, fände ich jetzt angenehm. Also danke, dass du dir die Zeit nimmst, irgendwie auch nochmal mit mir zu sprechen. Ich glaube, diesen strukturierten Austausch, den du für dich selber wählst, dann mit den Kids, mit den Eltern, dann da regelmäßig irgendeine Form von Kontakt zu haben. Ich glaube, daraus ergibt sich auch viel. So dieses Trainer-Mangel-Hilfe. Ja, genau.
Speaker 1Müssen die Kinder dann die Karte selber ziehen oder zieht man die als Trainer raus?
Speaker 2Fände ich ganz witzig, wenn man jedes Mal so eine Losfee auswählt, vielleicht durch das letzte Abschlussspiel oder sowas und der Spieler darf dann einen Namen ziehen. Also das fände ich noch als Ritual irgendwie ganz nett.
Speaker 1Einmal umsetzen und Erfahrungswerte aus der Praxis bringen. Hast du sonst noch was, Sakko? Nein, das war's für heute, Josch. Sehr gut. Dann mein letzter Hinweis noch auf den Trainergewinnungskurs. Gerne mal angucken. der Seite, wo ihr das erwerben könnt, auch ein längeres Einführungsvideo, wo ihr einfach mal reingucken könnt. Das könnt ihr gerne auch eurem Jugendleiter teilen, eurem Vorstand, eurem Kassier, wer auch immer. Ist vor allem auch eine Investition, die längerfristig hält. Also es ist nicht nur ein Zugang, sondern ihr könnt es dann als ganzer Verein nutzen. Ist vielleicht für die andere Abteilung auch interessant. Ja, jetzt nicht nur für den Fußball, sondern auch für Volleyball, Handball und was auch immer. Da gerne mal reingucken und Sakko, wir sehen uns nächste Woche auch wieder mit einem spannenden Thema. Bis dahin. Bis denne.

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