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Psycholinguistik: Prägt Sprache unser Denken?

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Psycholinguistik: Prägt Sprache unser Denken?

Der Podcast untersucht, wie Sprache unsere Wahrnehmung und unser Denken prägt. Die frühere Sapir-Whorf-Hypothese, wonach Sprache das Denken vollständig bestimmt, gilt heute als überholt. Stattdessen zeigt die Forschung, dass Sprache bestimmte Wahrnehmungen beeinflusst, wie das Beispiel der Farbwörter im Litauischen und Norwegischen belegt: Wer zwei Begriffe für Blau hat, erkennt Blautöne schneller. Neurolinguistin Julia Mailänder erklärt, dass Fremdsprachen neue Persönlichkeitsfacetten hervorbringen können, da sie kulturell eingebettet sind. So wirken Spanischsprechende oft extravertierter. Im Gehirn sind Sprachen in Netzwerken organisiert; beim Sprechen werden andere Sprachen unterdrückt, was zu Code-Switching führen kann. Sprache beeinflusst auch die Zeitwahrnehmung: Die Schreibrichtung einer Sprache (horizontal oder vertikal) prägt, wie wir Vergangenheit und Zukunft räumlich einordnen. „Affect Labeling“ – das Benennen von Emotionen – kann Angst reduzieren, da das Gehirn die Situation als vertraut einstuft. Beim Thema Gendern betont die Expertin, dass Sprache zwar innere Bilder verändern kann, aber die gesellschaftliche Realität (etwa mehr Frauen in bestimmten Berufen) einen stärkeren Einfluss hat. Abschließend wird die Frage geklärt, ob man sich totlachen kann: Dies ist bei gesunden Menschen nicht möglich, kann aber bei Herzvorerkrankungen in seltenen Fällen gefährlich werden.

Transcription

2324 Words, 14843 Characters

German
Wie Sprache unsere Wahrnehmung und unser Denken prägt Wie hängen Sprache und denken zusammen? Das ist eine der ältesten Fragen der Psycholinguistik Psycholinguistik, das ist das Forschungsfeld, das sich anschaut, wie Sprache im Gehirn verarbeitet wird, also wie wir Worte verstehen, Sätze bilden und auch wie Sprache unsere Wahrnehmung der Welt formt, inwiefern sie das tut, ob sich zum Beispiel unser Charakter dadurch verändert, dass wir eine Fremdsprache lernen, das. Sprecher*in 2 Bespreche ich gleich. Sprecher*in 1 Mit einer Neurolinguistin. Und danach geht's um die Frage, kann man sich eigentlich totlachen. Herzlich willkommen euch allen bei Aha, ich bin Sophia Heggesberger los geht's. Sprecher*in 3 Aha, 10 Minuten alltagswissen, ein Podcast von Welt. Sprecher*in 1 Die Idee, dass Sprache unser Denken prägt, geht zurück auf die sogenannte Sepire war Hypothese. Lange hat man sie sehr streng verstanden, als würde Sprache unser Denken komplett bestimmen, Menschen, die unterschiedliche Sprachen sprechen, würden demnach auch die Welt völlig unterschiedlich wahrnehmen. Heute weiß man, so einfach ist es nicht, Sprache bestimmt nicht was wir denken, aber sie kann sehr wohl beeinflussen, wie wir Dinge wahrnehmen, ein schönes Beispiel dafür kommt aus der Farbforschung. Im Litauischen gibt es 2 verschiedene Wörter für blau, Shitra für Hellblau und Melina für dunkelblau. Ich hoffe, ich spreche das richtig. Sprecher*in 2 Aus übrigens. Sprecher*in 1 Im norwegischen dagegen gibt es nur ein einziges Wort. Blow Forschende haben Menschen nun verschiedene Blautöne gezeigt und sie gebeten, diese einzuordnen. Es gab 3 Gruppen, einmal Menschen, die nur Litauisch sprechen, Menschen, die nur norwegisch sprechen und Menschen, die beide sprachen können. Das Ergebnis war klar. Wer 2 Wörter für blau hat, erkennt Unterschiede zwischen hell und dunkelblau schneller und genauer und besonders spannend bei den zweisprachigen Teilnehmenden änderte sich das, je nachdem, in welcher Sprache sie gerade dachten, war Litauisch aktiv, waren sie schneller, war norwegisch aktiv, verschwand der Vorteil. Fremdsprachen formen Charakter und Gehirnorganisation Ich bin jetzt verabredet mit Julia Mailänder. Sie schreibt Bücher rund ums Thema Neuro und Sprachwissenschaften, und wir wollen heute darüber sprechen, in welchen Bereichen Sprache, unser Denken und auch unser Fühlen beeinflussen kann. Sprecher*in 2 Herzlich. Sprecher*in 1 Willkommen, Frau Mailänder. Sprecher*in 4 Hallo, vielen Dank für die Einladung. Sprecher*in 2 Es gibt 7000 sprachen auf der Welt, also ganz schön viele, und die sind teils ganz unterschiedlich aufgebaut. Mich würd interessieren, was macht es denn mit ihren Sprechern und Sprecherinnen, also prägt Sprache dann tatsächlich auch die Sicht auf die Welt und was für Beispiele kennen wir dafür? Sprecher*in 4 Definitiv prägt Sprache die Sicht auf die Welt. Auch Goethe hat schon gesagt, mit einer fremden Sprache erwerben wir quasi eine zweite Seele und es wurde mittlerweile durch etliche Studien auch bestätigt. Diese Aussage, das hat einfach damit zu tun, dass eine Sprache eng verwoben ist mit der Kultur eines Landes, und das bedeutet zum Beispiel. Obwohl es im Mandarine, also in China, ganz viele Wörter im Wortschatz gibt, gibt es ganz wenig Wörter für Kraftausdrücke, weil die Kultur das gar nicht möchte, dass man viel Flucht. Und deshalb heißt es auch, dass Chinesen am liebsten auf Englisch fluchen, weil sie sich da besser ausdrücken können, in jeder Sprache, die wir auch sprechen oder erlernen, zeigen wir eine andere Facette unserer Persönlichkeit. Sprecher*in 2 Das heißt, wenn ich eine Fremdsprache Erlerne, ändert sich dann auch potenziell mein Charakter oder mein? Sprecher*in 4 Denken ja definitiv allein deshalb schon, weil wenn wir jetzt eine Fremdsprache lernen, dann lernen wir selten den ganzen Wortschatz von, sagen wir 300000 Wörtern, sondern nur einen bestimmten Ausschnitt, und dementsprechend macht es ja auch ein Unterschied zum Beispiel. Ob ich dann das Wort Problem lerne, was ja recht negativ konnotiert ist, so n Endstadium zeigt oder ob ich statt Problem das Wort Herausforderung erlerne, was viel positiver und aktiver konnotiert ist. Und so hat das viel mit unserem Wortschatz zu tun und eben auch wieder mit der Kultur, weil jetzt zum Beispiel gibt es eine Studie, die hat herausgefunden, dass Menschen, sobald sie Spanisch sprechen, glücklicher und extravertierter wahrgenommen werden und sich selber auch so wahrnehmen. Sprecher*in 2 Ja, ist spannend. Ich kenne das auch, dass man da vielleicht eine kleine andere Facette in sich entdeckt mit einer Fremdsprache. Es gibt es ja auch Personen, die mehrere Sprachen sprechen, was passiert denn bei Mehrsprachigkeit im Gehirn, wie organisieren wir sprachen, wenn wir mehrere können? Sprecher*in 4 Also wir haben tatsächlich leider keine Schubladen im Kopf, dass man jetzt sagen könnte, ah, ich ziehe jetzt einfach mal japanisch raus oder jetzt hole ich Englisch raus. Sondern man spricht da von Netzwerken, die aktiv werden und hier als Beispiel das Netzwerk bei unserer Muttersprache ist ein anderes als in der Fremdsprache, weil unsere Muttersprache auch die emotionalste Sprache von uns ist, weil wir jetzt eine Fremdsprache normalerweise etwas rationaler lernen, wie jetzt im Umfeld, in der Schule zum Beispiel, und eine Muttersprache ist immer sehr emotional, und deshalb ist das anders sortiert. Wenn wir jetzt eine Sprache sprechen, ist unser Gehirn damit beschäftigt, alle anderen Sprachen aktiv zu unterdrücken. Und es gibt ein Phänomen, wo das dann nicht mehr so richtig funktioniert. Das nennt man Code Switching und das hat man vielleicht schon mal mitbekommen, wenn man in Berlin in der U Bahn sitzt und man hört 2 Damen sich unterhalten auf Deutsch und auf einmal versteht man nichts mehr, die wechseln dann im Satz zum Beispiel auf Türkisch, weil sie sowohl Deutsch als auch Türkisch wahrscheinlich perfekt beherrschen. Und dann gar nicht merken, dass sie auf einmal abgedriftet sind in eine Fremdsprache. Und das nennt man Code Switching. Sprecher*in 2 Das heißt, es geht ab einem gewissen Sprachniveau dann fast so n bisschen verselbständigt, dass ich von einem ins nächste wechseln kann. Sprecher*in 4 Ja, wir kennen das ja vielleicht selber auch mit jetzt dem medialen Gebrauch von Englisch, dass ich dann auf einmal sage, Oh, das sieht aber nice aus. Und ich merke gar nicht, dass ich jetzt nicht mehr nett oder schön gesagt habe, sondern dass ich automatisch auf den englischen Begriff gewechselt habe, weil er immer präsenter in unserer Umgebung ist. Spracheinfluss auf Zeitwahrnehmung und Gefühlsverarbeitung Herr Mailänder, Wir wollten uns auch noch ne Studie ansehen, denn. Sprecher*in 1 Auch die. Sprecher*in 2 Wahrnehmung wird von Sprache beeinflusst. Etwa zum Zeitverständnis. Da gab es eine Studie zu Englisch und Mandarin, es wurde gezeigt, dass Zeit ganz unterschiedlich räumlich gedacht wird, absolut spannend, was wurde denn da genau erforscht? Sprecher*in 4 Ja, wirklich sehr faszinierend. Man hat geguckt, wie sich Menschen Zeiträumlich vorstellen. Bei den englischen Testpersonen ähnlich wird es bei uns auch, hat man gemerkt, dass jetzt auf einer horizontalen Achse man die Vergangenheit eher nach links eingeordnet hat und die Zukunft nach rechts, was damit zu tun hat, dass wir von links nach rechts schreiben und in Kulturen, wo man von rechts nach links schreibt, zum Beispiel im arabischen Raum oder auch auf Hebräisch, da wäre die Vergangenheit dann auch eher rechts verordnet und die Zukunft links, das hat mit unserem Schriftbild zu tun. Und in dieser Studie war es jetzt besonders interessant, dass man Mandarin Sprecher untersucht hat, die ja bis in die 50er Jahre hinein nicht nur von rechts nach links geschrieben haben, sondern auch von oben nach unten. Und deshalb hat man geguckt, wie die sich Zeiträumlich vorstellen und man hat dann in dieser Studie herausgefunden, dass sie auch die Vergangenheit nicht nur von rechts nach links, sondern auch von oben oben die Vergangenheit gesehen haben und die Zukunft dann eher unten, was mit dem Schriftbild zu tun hat. Und seit 2004 schreiben die Chinesen aber auch von links nach rechts und deshalb wäre es jetzt natürlich interessant, bei zukünftigen Studien zu sehen, ob die dann auch eher die Vergangenheit wieder auf der horizontalen Achse einordnen als auf der Vertikalen. Sprecher*in 2 Mhm, ja ich hoff, da kommt vielleicht dann noch mal eine ja zweite Studie raus zu dem Thema, wie sich es verändert noch mal. Und wie sieht es mit Sprache und Emotion aus? Ich bin bei einer Recherche auf den Begriff Effect Labeling gestoßen. Ich erklär mal ganz kurz, das heißt, wenn ich zum Beispiel benenne, dass ich Angst habe, kann dadurch meine Angst kleiner werden, wie das, was passiert da im Gehirn. Sprecher*in 4 Also Sprache und Emotion ist ein ganz, ganz großes Feld. Und wenn wir jetzt auf Effect Labeling eingehen, möchte ich dann ein Beispiel anbringen, was wahrscheinlich jeder von uns kennt. Und zwar ist das das Lampenfieber. Wir haben jetzt Lampenfieber, wenn wir wissen, wir stehen morgen auf einer großen Bühne und das ist einfach so, weil wir noch nicht wissen, was dann passiert. Wir haben Angst vor einer unbekannten Situation und wir sind gewohnheitstiere und wir lieben es, wenn wir eine Situation kennen. Und wir haben Angst vor Situationen oder Momenten oder auch Menschen, die wir noch nicht kennen. Und das bedeutet, sobald wir etwas aussprechen, das wird ja auch angewandt, dann in Therapie und Hypnose, wenn wir über eine Angst sprechen, dann gaukeln wir in dem Moment unserem Gehirn vor, das sei schon passiert und ab dem Moment ist es nicht mehr so ganz ungewohnt für uns, so wie wenn wir unseren auftritt uns morgen einmal vor Augen führen, und schon schwindet das Lampenfieber oder eben die Angst. Vor einem bestimmten Moment. Sprecher*in 2 Spannend kann man das auch im Gehirn irgendwo verorten, wo dann quasi diese Sprache Einfluss nimmt. Sprecher*in 4 Das ist schwierig, das hat jetzt weniger auch mit der Sprache zu tun als mit dem Phänomen. Wenn wir etwas visualisieren, oder anders gesagt, auch ein schönes Beispiel, wenn ich mir jetzt ein Lied. Einfach im Kopf vorstelle zum Beispiel. Oh Tannenbaum und ich denk nur dran, dann sind dieselben Netzwerke aktiv, als wenn ich das Lied gerade wirklich hören würde, und damit ist dieser Effekt eigentlich zu begründen. Psycholinguistik zum Gendern: Bilder versus Realität Und ich will noch ein kontroverses Thema zum Abschluss ansprechen. Grammatikalisches, Geschlecht und Gendern, das soll unser Denken über Personen und Rollen beeinflussen. Jetzt haben wir viel über Psycholinguistik gesprochen. Was ist denn das Argument aus der Fachrichtung zum Thema Gendern und grammatikalisches Geschlecht? Sprecher*in 4 Also die Psycholinguistik ist bei dem Thema auch etwas gespalten. Denn zum einen ist es ja richtig, sobald wir mehrere Geschlechter darstellen. Also wir sagen zum Beispiel nicht mehr die Ärzte, sondern Ärzte und Ärztinnen, dann kommen ja sofort Bilder in unseren Kopf, und dann stellen wir uns nicht mehr nur die Männer vor, sondern auch die Frauen, und von daher ist verständlich, dass diese Art des Sprechens und des Schreibens gewünscht ist. Gleichzeitig, was die Sprache nicht machen kann, ist die Realität tatsächlich zu verändern. Soll bedeuten, wenn ich an einer Baustelle vorbeigehe und ich sehe da immer nur männliche Bauarbeiter, dann kann ich hundertmal Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen oder Bauarbeiterinnen lesen. Ich werde mir trotzdem immer männliche Bauarbeiter vorstellen, das heißt, viel wichtiger ist, dass die Gesellschaft sich dahingehend. Einfach verändert und das tut sie ja in dem Sinne auch. Also es gibt ja heutzutage schon viel mehr weibliche Ärzte oder weibliche Lehrer oder wie auch immer, und damit werden sich diese Konzepte in unseren Köpfen eigenständig verändern, da hat die Sprache gar nicht die Macht, das zu tun, aber ein Stück weit aktuell verändert es natürlich dieses Konzept, was wir haben, wenn wir einen Begriff lesen. Sprecher*in 2 Vielen Dank. Das war die Neurolinguistin Julia Mailänder. Sprecher*in 4 Vielen Dank. Kann man sich wirklich totlachen? Die Fakten Witz ist bestimmt auch etwas, das von Sprache zu Sprache sehr unterschiedlich ist. Uns Deutschen wird ja immer nachgesagt, wir hätten ein Humorproblem. Trotzdem glaube ich schon, dass wir hier alle schon mal fast vor Lachen geweint haben und wenn wir uns nicht mehr halten können, schon Tränen in den Augen haben, dann sagen wir oft so was wie ich lach mich tot, aber kann man sich wirklich totlachen? Das klären wir jetzt. Sprecher*in 3 Warum ist das so? Die kleine Alltagsfrage. Sprecher*in 1 Lachen ist bekanntermaßen gesund, es fördert den Stressabbau, es stärkt das Immunsystem und es wirkt entspannend. Dabei pumpt dein Herz deutlich mehr Sauerstoff durch den Körper, die Bronchien werden Durchlüftet, der Kreislauf angeregt und wenn du zum Beispiel 10 Minuten lang lachst, verbrauchst du etwa 10 bis 40 Kilokalorien. Das ist ungefähr so viel, als würdest du 5 Minuten spazieren gehen, aber. Herzhaftes Lachen kann für den Körper auch anstrengend sein. Im Körper wird dabei eine ganze Menge verschiedener Muskeln in Bewegung versetzt und durch die schnellere Atmung baut sich im Brustkorb Druck auf, weil das Blut für Sekunden etwas langsamer abfließt, kann auch der Druck in den Kopfgefäßen kurz leicht ansteigen, da kann einem sogar schwindelig werden, aber keine Panik, wirklich totlachen kann man sich nicht bei. Bei Herzvorerkrankungen kann man es natürlich so weit treiben, dass man sich den Todesstoß verpasst. Aber das ist äußerst selten. Auch ersticken durch einen Lachanfall ist nicht möglich, vorausgesetzt ihr habt nicht gerade zeitgleich etwas im Mund und trotzdem. Die Vorstellung, sich buchstäblich totzulachen, hat es in einige Legenden und Geschichten geschafft. Eine der bekanntesten stammt aus der Antike, der Mala Zeuxes, einer der größten Künstler seiner Zeit soll beauftragt worden sein, eine alte, besonders hässliche Frau zu porträtieren, und als er sein fertiges Werk betrachtete, so heißt es, brach er in einen unkontrollierbaren Lachanfall aus und starb daran der. Danke an Elias Jakob für die Recherche zum Totlachen. Empfehlungen zu Sprache und Abschied von Aha! Ich finde es ja schön mal wieder. Sprecher*in 2 So richtig ausgiebig. Sprecher*in 1 Zu lachen, dass einem sogar der Bauch weh tut. Sprecher*in 2 Kennt ihr das? Sprecher*in 1 Oder was bringt euch so richtig zum Lachen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare. Bei Aha haben wir uns schon häufiger dem Thema Sprache gewidmet, ich verlinke euch noch folgen meiner Kolleginnen zum Thema, warum Kinder schneller sprachen lernen als Erwachsene und was Dialekte über uns verraten. Danke euch fürs Zuhören. Ich bin Sophia Helgesberger bis zum nächsten Mal.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung, bestimmt aber nicht unser Denken (frühere strenge Sapir-Whorf-Hypothese ist widerlegt).
  2. Studien zeigen, dass unterschiedliche Farbwörter (z. B. Litauisch für Hell- und Dunkelblau) die Farberkennung verbessern, was bei Zweisprachigen je nach aktivierter Sprache variiert.
  3. Fremdsprachen können Persönlichkeitsfacetten verändern (z. B. wirken Spanischsprechende extravertierter), da Sprache eng mit Kultur verbunden ist.
  4. Im Gehirn sind Sprachen in Netzwerken organisiert; beim Sprechen einer Sprache werden andere aktiv unterdrückt (Phänomen des Code-Switching).
  5. Sprache beeinflusst die Zeitwahrnehmung
  6. „Affect Labeling“ (Benennen von Gefühlen wie Angst) reduziert emotionale Anspannung, da das Gehirn die Situation als bereits erlebt einstuft.
  7. Gendern kann innere Bilder verändern, aber die Realität (z. B. tatsächliche Berufsverteilung) hat stärkeren Einfluss auf unsere Vorstellungen.
  8. Sich totlachen ist extrem selten; bei Herzvorerkrankungen kann heftiges Lachen gefährlich sein, aber ein gesunder Mensch stirbt nicht daran.

Summary:

Der Podcast untersucht, wie Sprache unsere Wahrnehmung und unser Denken prägt. Die frühere Sapir-Whorf-Hypothese, wonach Sprache das Denken vollständig bestimmt, gilt heute als überholt. Stattdessen zeigt die Forschung, dass Sprache bestimmte Wahrnehmungen beeinflusst, wie das Beispiel der Farbwörter im Litauischen und Norwegischen belegt: Wer zwei Begriffe für Blau hat, erkennt Blautöne schneller.

Neurolinguistin Julia Mailänder erklärt, dass Fremdsprachen neue Persönlichkeitsfacetten hervorbringen können, da sie kulturell eingebettet sind. So wirken Spanischsprechende oft extravertierter. Im Gehirn sind Sprachen in Netzwerken organisiert; beim Sprechen werden andere Sprachen unterdrückt, was zu Code-Switching führen kann.

Sprache beeinflusst auch die Zeitwahrnehmung: Die Schreibrichtung einer Sprache (horizontal oder vertikal) prägt, wie wir Vergangenheit und Zukunft räumlich einordnen. „Affect Labeling“ – das Benennen von Emotionen – kann Angst reduzieren, da das Gehirn die Situation als vertraut einstuft. Beim Thema Gendern betont die Expertin, dass Sprache zwar innere Bilder verändern kann, aber die gesellschaftliche Realität (etwa mehr Frauen in bestimmten Berufen) einen stärkeren Einfluss hat.

Abschließend wird die Frage geklärt, ob man sich totlachen kann: Dies ist bei gesunden Menschen nicht möglich, kann aber bei Herzvorerkrankungen in seltenen Fällen gefährlich werden.

FAQs

Die Muttersprache ist emotionaler, da sie in einem anderen Netzwerk im Gehirn gespeichert wird. Fremdsprachen werden rationaler gelernt, etwa in der Schule, und lösen daher weniger emotionale Reaktionen aus.

Im Mandarin gibt es nur wenige Wörter für Kraftausdrücke, da die Kultur Fluchen nicht fördert. Auf Englisch können sie sich besser ausdrücken, weil der Wortschatz mehr Möglichkeiten bietet.

Code Switching ist der spontane Wechsel zwischen Sprachen mitten im Satz, etwa von Deutsch zu Türkisch. Es tritt auf, wenn beide Sprachen perfekt beherrscht werden und die Unterdrückung der anderen Sprache im Gehirn verselbstständigt.

Mandarin-Sprecher ordneten früher die Vergangenheit oben und die Zukunft unten, weil sie von oben nach unten schrieben. Seit 2004 schreiben sie von links nach rechts, was die Zeitwahrnehmung horizontal verschieben könnte – zukünftige Studien sind nötig.

Nein, Sprache kann die Realität nicht direkt verändern. Wenn an einer Baustelle nur Männer arbeiten, hilft Gendern nicht – die Gesellschaft muss sich real wandeln, damit sich Konzepte in den Köpfen automatisch anpassen.

In der Regel nicht – Lachen ist gesund und senkt Stress. Nur bei Herzvorerkrankungen kann ein heftiger Lachanfall theoretisch tödlich sein, aber das ist extrem selten. Die Legende des Malers Zeuxes ist wissenschaftlich nicht belegt.

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