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Overtourism - Sind Airbnbs oder Hotels das größere Problem?

19m 49s

Overtourism - Sind Airbnbs oder Hotels das größere Problem?

Die Diskussion beleuchtet zwei Hauptthemen: die Auswirkungen von Plattformen wie Airbnb auf Wohnungsmärkte und das Phänomen des kollektiven Verdrängens in Gesellschaften. Airbnb wird oft für steigende Mieten und Wohnraumknappheit verantwortlich gemacht, was wissenschaftlich teilweise bestätigt wird. Studien zeigen, dass in Städten wie Berlin jede langfristig über Airbnb vermietete Wohnung die Mieten im Umkreis um etwa 13 Cent pro Quadratmeter erhöht. Allerdings ist Airbnb nur ein Verstärker; Hauptfaktoren sind Inflation, mangelnder Wohnungsbau und Zuzug. Besonders problematisch sind gewerbliche Ferienwohnungen, die dauerhaft Wohnraum entziehen. Städte reagieren mit Regulierungen wie zeitlichen Beschränkungen oder Verboten. Das zweite Thema behandelt kollektives Verdrängen: Gesellschaften ignorieren oft unbequeme Wahrheiten, etwa historische Schuld oder die Klimakrise, um kognitive Dissonanz zu vermeiden. Dies geschieht durch Bagatellisierung, Umdeutung oder Schweigen. Unaufgearbeitete Themen können über Generationen hinweg sozial und biologisch weitergegeben werden, etwa durch vererbte Ängste oder Verhaltensmuster. Die Erkenntnisse fordern zu bewussterem Umgang mit Wohnraum und gesellschaftlichen Krisen auf, etwa durch persönliche Entscheidungen bei der Reiseplanung oder offene gesellschaftliche Debatten.

Transcription

3418 Words, 22253 Characters

German
[Musik] Habt ihr den Urlaub schon geplant für dieses Jahr? Da ist ja einmal eine Frage, wo will man schlafen? Zelt, Wohnmobil, Hotel oder vielleicht ein Airbnb? Das Schöne bei Airbnb oder auch bei anderen Plattformen wie Booking.com zum Beispiel. Da kann man ja echt schöne und zum Teil auch wirklich besondere Wohnungen finden. Schön eingerichtet, altbau, mitten in der Stadt. Da können Hotels nicht immer mithalten. Auf der anderen Seite wissen wir mittlerweile auch, Airbnb und Co sind umstritten. So umstritten, dass es auch immer wieder Proteste gibt. In Barcelona zum Beispiel noch vor kurzem. Ein Vorwurf durch solche Plattformen, die private Wohnungen vermieten, wird der Wohnraum knapper und die Mieten steigen. Aber stimmt es wirklich? Gibt es da wissenschaftliche Belege für oder anders gefragt? Können wir noch mit einem guten Gewissen, Wohnungen bei Airbnb und Co. Buchen? Klamm wir gleich als erstes. Außerdem sprechen wir darüber, dass es so was wie ein kollektives Verdrängen gibt. Verdrängen wir als Gesellschaft zum Beispiel gerade den Klimawandel. Und wenn ja, welche Mechanismen stecken dahinter? Damit herzlich willkommen zu "Forgs Daily". Ich bin Sebastian Sondtag. Tag. Over Tourism. Vor allem in Innenstädten. Das ist der Vorwurf in Richtung Airbnb und Co. Die Lebensqualität der Menschen in den Städten leidet unter dem Tourismus. Nicht nur, weil zu viele Touristen in den Touristen in beliebten Städten unterwegs sind, sondern auch, weil Wohnungen, die Überbuchungsplattformen angeboten werden, zum einen nicht für die Menschen zur Verfügung stehen, die dauerhaft in der Stadt wohnen möchten. Und zum anderen dafür sorgen, dass die Mieten steigen. Das ist der Vorwurf. Heißt für uns vielleicht doch lieber oder beim Hotel? Das ist eine Frage, mit der sich Nicole aus der Co. Buchen Community bei uns gemeldet hat. Wir klären, ob es wissenschaftliche Belege dafür gibt, zusammen mit Sabrina Neu aus dem Co. Buchenstein. Sabrina Over Tourism, fehlender Wohnraum, steigende Mieten, sind Plattformen wie Airbnb und Buking.com usw. sind die wirklich Schuld an all dem? Also Schuld allein nicht, aber solche Plattformen, die wirken schon als Verstärker. Bei Wohnraumknapheit und Mieten, da spielen schon andere Faktoren eine größere Rolle. Airbnb oder Buking.com, die verschärfen das Problem aber zusätzlich. Wie stark das hängt vor allem vom Ortab und von der Art der Unterkunft. Was den Over Tourism angeht, da zeigten Untersuchungen, dass viele Reisen in dieser Form ohne Airbnb nicht stark gefunden hätten. Aha, also ohne Airbnb werden wir einfach zu Hause geblieben oder was? Also konkret sagt sich Studie, dass rund die Hälfte der Airbnb über Nachtungen ohne diese Plattform nicht zu einer Hotelübernachtung geführt hätten. Okay. Das kann dann heißen, dass wir ganz zu Hause geblieben werden. Das kann aber auch heißen, dass wir Wondersinger fahren werden. Also einfach irgendwie zur Familie, alte Freunde besucht, eine andere Stadt besucht, Campingplatz, was weiß ich? Genau, zum Beispiel, wir werden an einem Ort gefahren, vielleicht einer der Touristisch nicht zu überlaufen und entsprechend günstiger ist. Also, ich meine, als es nur Hotels, Pension oder Bed and Breakfast gab oder vielleicht auch noch den Campingplatz, da waren wir irgendwann voll. Damit waren sozusagen auch das Limit an Tourist erreicht. Mit Airbnb wurden dann ja aber neue Kapazitäten geschaffen und in einigen Städten hat das eben miter zu geführt, dass sie komplett überlaufen sind und die man sprechen, die Einwohnerinnen und Einwohner eher schlecht auf Tourist zu sprechen sind. Ein Kritikpunkt ist ja dann habe ich gerade schon angedeutet, dass dadurch die Mieten steigen. Ist es wirklich messbar oder ist Airbnb, da vielleicht auch ein einfacher Sündenbock? Ja, ja und nein. Also, die können durchaussteigen. Wie stark das hängt aber davon ab, wo wir sind. Es gibt eine Untersuchung vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Das hat mal für Berlin ausgerechnet, dass eine Wohnung, die langfristig über Airbnb vermietet wird. Also, ein langfristiger ist mehr als die Halfte des Jahres. Dass diese Wohnung dazu führt, dass in einem Umkreis von 250 Metern um diese eine Wohnung die Mieten um ungefähr 13 Cent pro Quadratmeter steigen. Das heißt, bei einer 65 Quadratmeter großen Wohnung sprechen wir also von ungefähr 8-9 Euro im Monat. Durchschnittspreis, je nach Bezirk kann das auch höher ausfallen. Nur S-Studio kommt zu einem Ingeniegebnis, also bei einem Prozent mehr Airbnb steigen die Monatsmieten umkreis ungefähr um 9 Dollar. Aber ist das am Anfang auch gesagt? Airbnb treibt die Preise jetzt nicht alleine, die wir hören? Nein, Inflation zu wenig Neubauten und auch überdurchschnittlich viele Menschen, die in eine Stadt neu hinzuziehen. Das sind natürlich alles Faktoren, die da reinschielen. Die US-Studie sagt, in dem Zeitraum und Märk nieder untersucht wurden, konnte durch Airbnb um für 20 Prozent das realmiedanstiegs erklärt werden. Okay, aber immerhin. Das heißt, es hängt vom Standort ab und eben hast auch an Gedeutet. Es hängt auch von der Art des Airbnb ab. Also ob es jetzt ein einzelnes Zimmer ist, dass da vermietet wird oder dann auch eine ganze Wohnung? Genau, und vor allem, ob sie Wohnung ist, die sonst von jemanden anderen bewohnen wird oder eine reine Ferienwohnung, die wirklich nur ein Tourist vermietet wird. Und damit ja dann auch nicht mehr für die Einwohnerinnen und Einwohner zur Verfügung steht. Okay, das heißt, die reihen Ferienwohnungen, die sind im Prinzip das Problem. Genau, also vor allem, wenn die von Leuten betrieben werden, die gleich mehrere solche Wohnung vermieten. Also das müssen sie in Barcelona zum Beispiel der Fall, wo es ja schon sehr lange Protest dagegen gibt. Schätzungen zufolge sind da je nach Jahr so ungefähr drei, vierteel disting, gewerblich. Das heißt, die Wohnung als Geschäftsmodell, das ist quasi so ein bisschen das Problem. Aber auf einer Seite muss man natürlich auch sagen, dass Hotel-Sie-Auplatz wegnehmen, den man theoretisch für Wohnraum nutzen könnte. Na ja, der entscheidende Unterschied ist aber, ein Hotel wird auf einer Fläche gebaut, die von Anfang an für Tourismus gedacht ist. RBNB nutzt halt oft Wohnraum, der ja vorher Teil des normalen Mietmarkts war. Das heißt, RBNB hat ja praktisch etwas Neues eingeführt, nämlich eine zusätzliche Einnahmequelle für Wohnraum. Also eine Wohnung kann ja plötzlich nicht mehr nur für eine WG oder eine Familie genutzt werden, sondern auch für zahlende Touristen und Touristen, was oft die deutlich höheren Erdrege bringt. Gibt es denn da irgendwie Zahlen, wo man ablesen kann, wie viele Wohnungen tatsächlich wegen RBNB wegfallen? Das ist nicht so leicht zu sagen, weil es eben auch offizielle Zahlen von RBNB gibt. Für Deutschland haben die selbstmalende Studie beim Frauenhofer-Institut-In-Auftrag gegeben. Ja. Das heißt, dass in ganz Deutschland 0,3% der Wohnungen bei RBNB gelistet sind und die Hälfte davon sind, den nach Unterkünfte die regelmäßig für kurze Zeit vermietet werden, also mehr als 90 Tage im Jahr. 0,3% klingt jetzt erst mal überschaubar, wobei dann eben auf ganz Deutschland gerechnet. Genau, sind halt durchschnittszahlen. Also unter dem Strich kann man sagen, dass in fast allen untersuchten Städten RBNB nur wenige Prozent des gesamten Wohnungsbestands ausmacht. Aber in einzelnen Stadtvierteln kann es dann durchaus mehr sein. Und dann kommt halt noch hinzu in Städten, in denen viele Menschen in Algentungswohnungen leben und es ohnehin nur sehr wenige Mietwohnungen gibt. Da verschärft RBNB das Problem noch mal. Da gibt es wieder Zahlen von Barcelona. Die sind allerdings schon 10 Jahre alt, aber schon damals waren eben rund 2% aller Wohnungen RBNBs. Wenn man aber nur auf die Mietwohnungen guckt, da waren es fast 7%. Im Durchschnitt für die ganze Stadt muss man dazu sagen, weil es in einzelnen Stadtteilen sind die Anteile noch mal deutlich höher. Okay, dann wird es schon ein signifikant am Ende. Und dann kommen dann auch eben diese Forderungen, die man in Barcelona gesehen hat, die Demonstrationen dagegen und irgendwann kommt sie Politik und reguliert das Ganze. Ja, teilweise, wo du und wird das gemacht. Also Barcelona vergibt keine neuen Dezens mehr und lässt die aktuellen alle auslaufen. Stand jetzt, hießt das, ab 2029 gibt es dort keinen RBNB mehr. Berlin geht da anders vor. Da gibt es ein sogenanntes Zweckentfremdungsverbot. Schönes deutsches Wort. Heiß eine Wohnung gar nicht einfach so, als Ferienwohnung umfunktioniert werden, wenn es einfach eine normale Wohnung ist. Genau, also wer seine Wohnung kurzerlich vermieten will, der muss sich dafür im Bezirk mehrlaubnis holen. In London wird es nochmal anders gehandhabt, da dürfen Wohnungen nur noch für maximal 90 Tage im Jahr kurzer vermietet werden. In Amsterdam sogar 30 Tage. Andere Städte arbeiten mit anderen Quoten, die dann je nach Stadtteil unterschiedlich sein könnten. Also zum Beispiel darf es dann in touristischen Stadtteil mehr RBNBs geben als in Rhein-Wongebieten. Okay, bei 30 Tagen im Jahr kann ich mir vorstellen, dass da die ein oder der andere dann sagt, das Geschäftsmodell, das lohnt sich für mich jetzt am Ende nicht mehr. Also bringen diese ganzen Regelungen was? Also ein großer der Forschung deutet daraufhin, dass das schon hilft, wichtig ist dennoch eben vor allem diese Kommerzialisierung zu regulieren. Also dieses Geschäftsmodell zu verhindern, dass Gastgeber viele Unterkünfte gleichzeitig vermieten. Wenn solche Maßnahmen dann durchgesetzt werden, dann könnten eben die negativen Effekte reduziert werden, ohne gleich den Tourismus abzudürgen. So nachdem ich das jetzt alles gehört habe und hier jetzt Gedanken mache darüber, was war ich denn dann bei meinem nächsten Städtetrip? Also was heißt das jetzt alles für uns für unsere Urlaubsplanung? Also zum Beispiel kannst du bei der Auswahl der Unterkunft gucken, ob es wirklich eine Wohnung ist, die tatsächlich von jemandem bewohnt wird und dann auch wirklich nur vorübergehen vermietet wird. Vielleicht reicht aber auch für den Wochenendstädtetrip auch ein Zimmer bei jemanden in der Wohnung. Eigentlich war das ja mal die ursprüngliche Idee von Airbnb mal. Irgendwann ganz ursprünglich. Ganz ursprünglich vor ganz vielen Jahren. Sharing muss man auch dazu sagen, also diese Zahlen, das nimmt eben keinen potentiellen Wohnraum weg und das erhöht auch nicht die Mieten. Die Kommerzialisierung ist eben das, was in einigen Stadtwirtel zum Problem wird. Das ist also schon mal ein wichtiger Punkt. Ja. Und dann vielleicht auch noch bei einer Reise innerhalb von Europa mal schauen, ob im Inserat eine Registrierungsnummer dabei steht. Die sind ab mal in der EU verpflichtend und dann ist die Vermietung legal. Das ist besonders in den Städten wichtig, in denen die Vermietung reguliert wird, also so, wie ich es ja radischen gesagt habe, also wenn du in bestimmte Anteilanwohnungen für Airbnb freigegeben wird oder wenn Unterkunft nur für eine begrenzte Zeit im Jahr für solche Kurzzeitvermietung zur Verfügung gestellt werden dürfen. Oder ganz verrückt meine Pension oder eine Hotel ausprobieren. Das hat in letzter Zeit tatsächlich noch mal versucht, nachdem ich auch sehr lange eher so in fairinwohnungen oder im Campingplatz gewesen bin. Und das ist gar keine so schlechte Erfahrung, so ein Tels oder auch so kleine Pensionen. Da gibt es echt sehr schöne Orte und eine Art von der Klinik. Vielleicht kann das ja auch hier und da mal eine Alternative sein, um da ein bisschen Druck rauszunehmen. So, bin er leuer, zum Quarkstin. Danke. Gerne. Vor kurzem haben wir in Quarkstaley in einem Spezial über das Thema "Verdrängung" gesprochen. Siegmund Freut hat da unter anderem eine Rolle gespielt. Wir haben da gelernt, der hat das Konzept dahinter beschrieben und erklärt, dass das so eine Art Abwehrmechanismus ist, der uns hilft, unangenehm, überwältigend ist, von unserem Bewusstsein fernzuhalten. Falls euch das interessiert, den direkten Link zu diesem Quarkstaley "Spezial über das Verdrängung" haben wir in die "Show North" gepackt. Also, das passiert bei jedem von uns individuell, aber gibt es das ganze quasi auch eine Nummer größer im gesellschaftlichen Kontext. Also können gesellschaften bewusst, oder vielleicht auch unbewusst Probleme ignorieren, wegschieben, verdrängen, egal ob das jetzt um historisches geht, wie z.B. die NS-Zeit hier in Deutschland oder auch aktuelle Krisen wie z.B. der Klimawandel. Gibt es das Phänomen des kollektiven Verdrängens? Oder ist das nur, wie so eine Art Metapher zu verstehen? Und wenn es das gibt, was dann das für Konsequenzen wenn eine Gesellschaft Krisen verdrängt? Julia Traums aus dem Quarkstee, die schon viel Zeit mit Siegmund freut, verbracht hat. Also zumindest theoretisch für unser Spezial hat da jetzt auch noch mal die gesellschaftliche Ebene angeschaut. Julia, gibt es das kollektives Verdrängen? Ja, so richtig passt der Begriff "Verdrängen" eigentlich nicht. Denn rein psychiornalytisch ist Verdrängung der Abwehr oder auch Schutzmechanismus bei einem Individuum, nicht bei einer Gesellschaft. Aber es ist natürlich schon so, dass unbequeme Wahrheiten oder bestimmte kollektive Erfahrungen durchaus von einer ganzen Gesellschaft ausgeblendet werden können. Und das kann tatsächlich nicht nur folgen fürs Individuum haben, sondern auch über Generationen hinweg für die Gesellschaft. Wenn der das so sagt, dann habe ich direkt so Sachen, wie die Zeit des Nationalsozialismus oder den Holocaustvorken. Ja, das sind sicher die historischen Beispiele. Aber auch heute passiert das, dass eine Gesellschaft unangenehme Realitäten ignoriert, vergisst oder verweigert, so zu sagen, als sozialer Abwehr-Michandismus. In der Soziologie und Sozialpsychologie spricht man dann zum Beispiel von kollektiven Vergessen oder kollektiver Amnesie. Es ist schon krass, ne? Woher kommt das denn, dass eine ganze Gesellschaft sich dann quasi entschließend Thema komplett auszublenden? Im Kern funktioniert das ähnlich wie beim Einzelnen, nämlich über kognitive Dissonanz. Das ist ein innerer Konflikt, der entsteht, also ein innerer Widerspruch zwischen Wissen und Verhalten. Also, wenn ich zum Beispiel rauche, obwohl ich weiß, dass es ungesund ist, dann entsteht so ein unangenehmes Spannungsgefühl. So und um das zu reduzieren, fange ich an zum Beispiel zu bagatellisieren. Also so schlimm ist das ja nicht. Oder ich fange an mich zu rechtfertigen. Ah, ich rauch ja nur ganz wenig. Oder ich blende widersprüchliche Informationen einfach aus. So und genau dieser Mechanismus lässt sich eben auch auf Gesellschaften übertragen, nur im größeren Maßstab. Aber wie funktioniert das dann? Da hat man ja schon so ein paar mehr Beteiligte, ne? Ja, aber auch Gesellschaften haben ja ein Selbstbild, das sie auch aufrechterhalten wollen. Also so was wie wir sind vernünftig, wir sind gerecht oder zivilisiert. So und wenn dann aber eben Realität und Selbstbild nicht zusammenpassen, entsteht diese kollektive Dissonanz. Also quasi in innerer Konflikt, wie du eben schon gesagt hast und um diese Spannung zu verringern, greifen Gesellschaften dann auch zu ähnlichen Strategien wie individuen? Ja, das weiß man aus der Historie, dass sich die Kognitive Dissonanz eben ganz besonders stark nach traumatischen Ereignissen wie etwa nach Kriegen zeigt. Wenn eine Gesellschaft dann dabei auch noch selbst zähter war, wie das jetzt im Fall von Deutschland war während der NS-Zeit, dann ist diese Dissonanz eben sehr extrem, das eigene Selbstbild kollidiert da massiv mit der Realität und in solchen Situationen entsteht dann oft so ein kollektives Bedürfnis nach Stabilität und auch nach Normalität. So und die wird dann quasi vorgezogen, anstatt sich mit der Schuld und der Verantwortung auseinanderzusetzen wird dann lieber geschwiegen. Genau und psychologisch betrachtet ist das ja auch nicht verwunderlich, denn dieses Schweigen schützt erst mal vor Überforderungen und macht es auch möglich, sich auf sozialen Zusammenhalt oder auch auf den Wiederaufbau zu konzentrieren. Und so hat es eben in Deutschland auch bis in die 1960er Jahre gedauert, bis die Menschen bereit waren, diese Verbrechen breiter aufzuarbeiten. Okay, das heißt, das Ausbänden fühlt sich dann in den Moment an wie eine Erleichtung, aber es hat natürlich Konsequenzen, wie das Beispiel ja gar schon zeigte. Wenn du so ein ganzes Thema oder ein Kapitel so stark ausblenden, es verschweigst, dann wird es ja dadurch auch irgendwann vergessen. Ja und ne, also erst mal ändert die Gesellschaft ja das Narrativ, die Erzählung von dem, was vorgefallen ist. Zum Beispiel, um das positive Selbstbild nicht zu zerstören. Also auch da, die eigene Gewalt kann dann zum Beispiel relativiert werden. So schlimm war das ja nicht, oder die eigene Gruppe stärker auch als Opfer gesehen werden. Oder sie relativieren Probleme mit denen, die Gesellschaft zu tun hat? Also, das ist richtig Wort Klimawandel, ne? Also ich kann ja wenigstum so richtig. Genau, die Verantwortung kann auch nach außen verschoben werden. So die anderen sind schuld oder andere sind viel schlimmer. Die eigene Beteiligung kann geläugnet werden. Wir waren das gar nicht, ne? Oder die Ereignisse werden eben marginalisiert oder als unbedeutend dargestellt. Und so entsteht dann eben schrittweise ein Prozess, in dem unangenehme Themen nicht mehr offen verhandelt werden, sondern sozial ausgeblendet. Und das kann eben sogar so weit gehen, dass die Geschichte auch offiziell umgedeutet wird, dass sie eben in Lehrbüchern in der Schule zum Beispiel umgeschrieben wird. Das ist ja schon krass, ne? Jetzt ist das am Anfang gesagt, dass das auch folgenübergenerationen weg haben, kann ich meinen Klaber jetzt erst mal in der Schule hierhin steht. Ich leuchtet mir das ein, ne? Ja, aber das zeigt auch die Forschung zur Epiginätik und die Trauma-Forschung, das eben nicht aufgearbeitete Erlebnisse, besonders eben Traumata oder Schambesetzteerlebnisse, über familiäre und soziale Strukturen hinweg weitergegeben werden können. Also zum Beispiel leiden viele Kinder und Enkel von Holocaust überlebenden unterensten, unter Schuldgefühlen oder so 'n Gefühl von Unsicherheit. Obwohl sie ja selbst gar keinen direktes Trauma erlebt haben. Und diese Belastung, die entsteht, weil die Eltern oder Großeltern eben nicht offen über ihre Erlebnisse sprechen konnten, aber ihre Ängste und ihre Verhaltensweisen dann doch unbewusst weitergegeben haben, zum Beispiel durch Übrvorsichtigkeit, durch ständiges Misstrauen oder so eine emotionale Distanz. Ist das dann auch so wie 'ne Art Bummer-Rang? Also kommt das dann irgendwann zurück, ne? Der ist sich dann auch quasi über Generation verärzt. Ja, das kann schon passieren, ne? Denn es gibt ganz allgemein zwei Wege, wie das passieren kann. Einmal als soziale Verärbung, also durch Verhaltensmuster, Familiengeschichten, durch die Erziehung, dass die Kinder einfach diese Lücke spüren in der Erzählung der Eltern, wenn über bestimmte Themen geschwiegen wird, dann entsteht ja auch automatisch ein Tabu und das Kind lernt "Ah, hier ist es irgendwie gefährlich", da darf man nicht genauer hinsehen. Und das führt dann eben oft zu einer diffusen Ängstlichkeit oder auch Identitätsprobleme bei den Nachkommen, die gar nicht so richtig wissen, woher dieses Gefühl eigentlich kommt. Und du hast gerade von zwei Wegen gesprochen, was ist der zweite? Ja, das ist dann die biologische Komponente. Es gibt nämlich hinweise darauf, dass extremer Stress chemische Markierungen am Erbgut hinterlassen kann, die wiederum die Stressreaktion der nächsten Generation beeinflussen können. Also, wir reden hier wirklich von der genetischen Weiterverärbung, ohne dass Sozialdrummer rum irgendwas passiert. Correct, ja. Okay, aber wenn es jetzt kein Trauma ist, sondern zum Beispiel so was wie die Klimakrise, die ja nicht so richtig kreifbar ist, ne? Also, auch ungelöste gesellschaftliche Konflikte oder Spannungen können, an die Nachfolgende Generation weitergegeben werden, etwa durch vererbte Ängste, Vorurteile oder soziale Ungerechtigkeiten. Also die Klimakrise wird ja trotz großer wissenschaftlicher Klarheit oft verdrängt oder verhablos, weil eben die Umstellung auf ein nachhaltiges Leben ja, einfach unbequem ist, ne? Aber auch das hat eben Folgen, es entstehen kollektive Spannungen, die sich in politischen Konflikten, in Protestbewegungen oder Resignation zeigen können. Also es hat eben immer einen Effekt. Dann ist die Frage, wie kann man kollektives vergessen am Ende verhindern? Na ja, vor allem, indem man Themen eben aktiv aufrechterhält, ne? Also durch Bildung, durch öffentliche Debatten, durch Berichterstattung in den Medien und auch Gedenkorte, entscheidend ist, dass Themen eben immer wieder gemeinsam aufgegriffen werden, statt einfach zu verschwinden und bei Themen, die jetzt in Vergessenheit geraten sind, da geht es dann darum, sie eben wieder hervorzuholen und aufzuarbeiten. Also es gibt in der Sozologie das Konzept des kollektiven Gedächtnisses, das besagt, dass er in anderem kein rein individueller Vorgang ist, sondern immer innerhalb von Gruppen wie Familie, Schule oder Gesellschaft stattfindet. Menschen bestimmen also immer gemeinsam, was als wichtig und erinnerungswürdig gilt, wie Ereignisse gedeutet werden und was überhaupt im kollektiven Gedächtnis bleibt. Wenn es ja gut ist, wäre immer mal wieder hier, was zum Klimawandel machen. Julia Trams, aus dem Quarksz, dem Danke. Gerne. Erbter mitbekommen dieser Podcast, der ist ja auch Community-Projekt. Nicole zum Beispiel hat den Themenvorschlag mit Airbnb und Over-Tourism hier mit in die Folge gebracht und genauso haben Jessica und Vanessa und Daniela Vorschlägern uns geschickt. Erst mal die Nachricht an euch, die haben wir bekommen, die stellen wir uns auf der Liste, die werden wir bei Gelegenheit besprechen. Und wir wollten noch Danke sagen für die netten Dinge, die ihr uns dazu geschickt habt. Schön, dass ihr mit dabei seid hier bei Quarksdaley. Und wenn ihr uns auch mal was schreiben mögt, egal ob schöne Dinge sind oder Kritik, nehm ich auch gerne einen gegen Themenvorschläge. Schaut gerne mal an die Show-Nodes, der findet ihr alles, was ihr braucht, wenn ihr uns erreichen wollt. Ich bin Sebastian Sonntag. Tschüss! Quarksdaley, gemacht vom VDR.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Airbnb und ähnliche Plattformen verstärken Wohnraumknappheit und Mietsteigerungen, sind aber nicht allein schuld; andere Faktoren wie Inflation und fehlende Neubauten spielen ebenfalls eine Rolle.
  2. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Airbnb in Städten wie Berlin und US-Metropolen die Mieten messbar erhöht, vor allem durch gewerbliche Ferienwohnungen.
  3. In Barcelona führen Proteste zu Regulierungen wie einem Verbot neuer Lizenzen bis 2029; andere Städte nutzen Zweckentfremdungsverbote oder zeitliche Beschränkungen.
  4. Kollektives Verdrängen ist kein psychologischer Begriff, aber Gesellschaften blenden unbequeme Wahrheiten wie den Klimawandel oder historische Traumata durch kognitive Dissonanz aus.
  5. Unaufgearbeitete gesellschaftliche Themen können über soziale und epigenetische Mechanismen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden, etwa durch vererbte Ängste oder Verhaltensmuster.

Summary:

Die Diskussion beleuchtet zwei Hauptthemen: die Auswirkungen von Plattformen wie Airbnb auf Wohnungsmärkte und das Phänomen des kollektiven Verdrängens in Gesellschaften. Airbnb wird oft für steigende Mieten und Wohnraumknappheit verantwortlich gemacht, was wissenschaftlich teilweise bestätigt wird. Studien zeigen, dass in Städten wie Berlin jede langfristig über Airbnb vermietete Wohnung die Mieten im Umkreis um etwa 13 Cent pro Quadratmeter erhöht.

Allerdings ist Airbnb nur ein Verstärker; Hauptfaktoren sind Inflation, mangelnder Wohnungsbau und Zuzug. Besonders problematisch sind gewerbliche Ferienwohnungen, die dauerhaft Wohnraum entziehen. Städte reagieren mit Regulierungen wie zeitlichen Beschränkungen oder Verboten.

Das zweite Thema behandelt kollektives Verdrängen: Gesellschaften ignorieren oft unbequeme Wahrheiten, etwa historische Schuld oder die Klimakrise, um kognitive Dissonanz zu vermeiden. Dies geschieht durch Bagatellisierung, Umdeutung oder Schweigen. Unaufgearbeitete Themen können über Generationen hinweg sozial und biologisch weitergegeben werden, etwa durch vererbte Ängste oder Verhaltensmuster.

Die Erkenntnisse fordern zu bewussterem Umgang mit Wohnraum und gesellschaftlichen Krisen auf, etwa durch persönliche Entscheidungen bei der Reiseplanung oder offene gesellschaftliche Debatten.

FAQs

Nicht allein, aber sie wirken als Verstärker. Andere Faktoren wie Inflation, wenig Neubauten und Zuzug spielen eine größere Rolle, aber Airbnb verschärft das Problem lokal.

Eine Studie des DIW zeigt, dass eine langfristig über Airbnb vermietete Wohnung die Mieten im Umkreis von 250 Metern um etwa 13 Cent pro Quadratmeter steigen lässt. Bei 65 Quadratmetern sind das rund 8-9 Euro mehr im Monat.

Reine Ferienwohnungen, die von gewerblichen Vermietern mit mehreren Objekten betrieben werden, entziehen dem Mietmarkt Wohnraum und treiben die Mieten.

Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts sind 0,3 % aller Wohnungen in Deutschland bei Airbnb gelistet, die Hälfte davon wird regelmäßig (über 90 Tage im Jahr) vermietet.

Barcelona lässt alle Lizenzen auslaufen, sodass ab 2029 keine Airbnb mehr erlaubt sind. Berlin verbietet die Zweckentfremdung von Wohnraum, und London sowie Amsterdam begrenzen die Kurzzeitvermietung auf maximal 90 bzw. 30 Tage pro Jahr.

Ja, ähnlich wie beim Individuum entsteht durch kognitive Dissonanz ein innerer Konflikt zwischen Wissen und Verhalten. Gesellschaften blenden dann unangenehme Themen aus, um ihr positives Selbstbild zu bewahren.

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