Obdachlosigkeit: Warum müssen in Deutschland Menschen noch auf der Straße leben?
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In der Podcast-Folge „Wissen weekly“ wird der Frage nachgegangen, warum es in Deutschland weiterhin Obdachlose gibt. Dabei wird zwischen Obdachlosigkeit (Menschen, die im Freien schlafen, ca. 50.000) und Wohnungslosigkeit (Menschen ohne Mietvertrag, geschätzt 350.000–600.000) unterschieden. Die Ursachen sind vielfältig: ein extrem angespannter Wohnungsmarkt, Armut (13,4 Millionen Betroffene), psychische Erkrankungen, Sucht, Arbeitsplatzverlust sowie Gewalterfahrungen – besonders bei Frauen. Der Sozialstaat bietet zwar Hilfen, doch viele Betroffene fallen durch das Raster, weil Leistungen zu langsam greifen oder nicht auf komplexe Lebenslagen zugeschnitten sind. Zudem herrschen starke Vorurteile: Obdachlose würden oft als „selbst schuld“ abgestempelt, was gesellschaftliche Ignoranz und sogar Gewalt (jährlich ca. 20 Tote durch Übergriffe) begünstigt. Notunterkünfte sind häufig überfüllt, unhygienisch und nicht auf spezielle Bedürfnisse ausgerichtet – für Frauen gibt es in ganz Niedersachsen nur zwei spezifische Einrichtungen. Eine echte Lösung erfordert laut Expert*innen nicht nur Notversorgung, sondern präventive Maßnahmen wie bezahlbaren Wohnraum, flexible Sozialleistungen und eine Entstigmatisierung der Betroffenen. Solange das Problem als individuelles Versagen betrachtet wird, bleibt es ein strukturelles Versagen der Gesellschaft.
Auf dem Weg zur Arbeit komme ich immer an einer Fußgängerunterführung vorbei. Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit ist es dort ziemlich ungemütlich. Der Match und der Regen sammeln sich. Aber an der Seite der Unterführung liegen eng aneinander, matratzen, plastiktynten, Schlafsecke und in manchen liegen auch noch dick eingepackt Menschen. Sie sind obdachlos. Oder zumindest gehe ich davon aus. Gesprochen habe ich noch nie mit ihnen. Wir können die meisten gesellschaftlichen Probleme soziale Ungerechtigkeit können wir am meisten voll gut verdrängen, wenn wir so recht privilegiert leben. Und in dem Moment sitzt dann aber so ein Mensch vor dir. Und irgendwie denkst du, ich muss mich dazu jetzt verhalten. Irgendwie hat es doch jetzt auch was mit mir zu tun, wenn ich hier vorbei laufe. Aber dann ist es halt so für mich und wahrscheinlich viele von uns so ja, lieber ignorieren schnell vorbei gehen und so, "Who dann ist die Situation auch wieder vorbei?" Genau, so müssen so Augen zu und durch dann in der Situation. Das ist unsere Reporterin Eva Moorland, die diese Folge recherchiert hat. Und die in so einer Situation genauso hilflos ist, wie ich. Ich hab 1000 Fragen im Kopf, wenn ich die Menschen dort liegen sehe. Und mir vorstelle, was passiert sein muss, dass man so die Nacht verbringt. Mein Leben hatte eigentlich immer mit selbst zweifeln und mit Existenzängsten zu tun in dieser Zeit. Das ist Jan. Er hat es man nie auf der Straße schlafen müssen, aber war kurz davor, denn er hat schon mehrmals seine Wohnung verloren. Das sind die heftigsten Erfahrungen, die Menschen machen können, dass sie einfach nicht in Ort haben, wo sie die Tür hinter sich zu machen können und sagen können, hier kann nicht jetzt sein, so wie ich eigentlich bin. Das ist eine Realität von der viele nichts wissen und manche auch nichts wissen wollen. Eine Art Reflex meint der Psychologe Daniel Geschke. Und eine Möglichkeit, sich davor zu schützen ist, dass man das ignoriert, dass man das verdrängt, dass man vielleicht sogar die Leute abwertet, die da leiden, indem man sagt, die sind doch irgendwie selber schuld. Im vergangenen Winter sind 23 Obdachlose auf der Straße erfrohren. Mindestens. Genaue Zahlen gibt es nicht. Aber dazu kommt die Gewalttaken gegen Obdachlose Menschen neben zu. Nur ein paar Schlagzeilen von Fällen aus dem vergangenen Jahr. Du, o, tritt im Hauptbahnhof auf Obdachlosen ein. Obdachlose in Hannover ermordet. 16-jährige misshandelt Obdachlosen. Es gibt viele Vorurteile gegen diese Menschen, die offenbar auch in brutaler Gewalt enden können. Und die Vorurteile fang schon bei so einem Satz an, den ich auch schon sehr häufig gehört habe. In Deutschland muss doch niemand Obdachlose sein. Und immer, wenn jemand so was behauptet, weiß ich ehrlich gesagt nicht, was ich entgegnensol. Denn ich habe keine Ahnung. Stimmt das? Weil Deutschland ist doch ein Sozialstaat. Muss also in Deutschland wirklich niemand Obdachlose sein? Ich bin Lisa Sophie Scheute und ihr hört Wissenweakly. Den Podcast, indem wir euch so kurz und knackig wie möglich, antworten auf die großen Fragen im Leben geben wollen. Diesmal wollen wir die Frage klären, warum gibt es in Deutschland immer noch Obdachlose? Immer noch Obdachlosigkeit. Bevor wir richtig loslegen, müssen wir erst mal eine Sache klären, weil wir darauf immer wieder zurückkommen werden. Es gibt die Gruppe der Obdachlosen Menschen, wie wir sie schon beschrieben haben. Die schlafen im Freien, in Häuser-Eingängen oder Unterführungen. Es gibt keine genauen Zahlen dazu. Schätzungen gehen von ungefähr 50.000 Menschen aus, die in Deutschland so leben. Und das ist der sichtbare Teil des Problems, den wir alle kennen. Aber es gibt noch eine weniger sichtbare Gruppe. Und die ist viel größer. Das sind Menschen, die man als Wohnungslos bezeichnet. Und dazu zählt er mehrmals auch er hier. Ich bin Jan, männlich, neuerdings 41-Jahrweit. Neuerdings, okay, herzlichen Duft und nachträglich. Danke sehr. Jan sitzt in unserem Videokollen ein Zimmer, das richtig heimlich aussieht. Eine Pflanze im Hintergrund und jede Menge Familienfotos anerwand. Er hat eine blaue Brille und ein mega sympathisches Lachen. Und uns zu Beginn des Interviews genau diese Einteilung erklärt. Also in Obdach und Wohnungslos. Jan arbeitet inzwischen als Sozialarbeiter in der Wohnungslosenhilfe. Uns hilft er sehr bei der ersten großen Frage, die wir in dieser Folge klären wollen. Warum werden Menschen überhaupt Obdach oder Wohnungslos? Sie betrifft einfach viel mehr Menschen. Es betrifft mittlerweile Studierendes, betrifft mittlerweile Menschen, die mit Altersarmut leben. Es betrifft im großen Maße Frauen, die gewaltgepräkten Beziehungen leben. Und es gibt erste Hinweise darauf, dass in der Pandemie die Obdach- und Wohnungslosigkeit zugenommen hat. Das betrifft zum Beispiel Studierende, die ihren Studijopp in der Gastroferleure haben und dann nicht mehr genug Geld für die Miete hatten. Wohnungslose Menschen haben keinen Mietvertrag. Kommen gerade noch so irgendwo unter. Die unsichtbar teilweise leben in irgendwelchen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, die bei Bekannten und Freunden auf dem Sofa schlafen. Gerade auch bei jungen Erwachsenen ist das ein Riesenfeld, was gar nicht so sichtbar ist. Das heißt, die Probleme zu Hause haben mit 18, 19 ausziehen. Vielleicht schon vorher. Wo das amt dann möchte, dass sie gerne wieder zurückziehen. So eine ähnliche Erfahrung hatte ich auch gemacht. Die dann aber eben geduldet sind bei Freunden. Und dann vielleicht mal zwei Wochen hier, drei Wochen dort. Und irgendwann hört es eben auf. Von seiner persönlichen Geschichte erzählt Jan und später noch mehr. Das viel größere Thema, das wir nicht so offensichtlich sehen, ist also Wohnungslosigkeit. Und wie viele Menschen betrifft das? Ja, nicht so einfach zu sagen. Sie tun mir ein bisschen, Leute. Weil sie sich ja jetzt gerade auch in der schwierigen Materie in Erwalten. Das ist Jutta Henke. Sie leitet die Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung. Kurz GESS in Bremen. Und vorstseit Jan zu Obdach und Wohnungslosigkeit. Aber eine genauer Zahl hat sie auch nicht. Wir haben Dokumentationssysteme, die man nutzen kann, um in eingeschränktem Umfang sich ein Verständnis der Größenordnung zu machen. Aber eine richtig harte Zahl gibt eben seit 40 Jahren nicht. Es gibt keine deutschlandweite Statistik, sondern immer nur hier und da einzelne Erhebungen von Kommunen oder Bundesländern. Für ganz Deutschland ergeben sich dann Schätzungen aus den verschiedenen kleineren Zehlungen und auch die gehen krass weit auseinander. Von 350.000 bis 600.000 betroffenen. Aber trotzdem sind wir nicht ohne Wissen. Denn was wir wissen, einer der größten Risikofaktoren für Obdach- und Wohnungslosigkeit ist Armut. Und in Deutschland leben 13,4 Millionen Menschen in Armut. Gut 16 Prozent der Bevölkerung. Die Zahl steigt schon seit Jahren und hat durch die Pandemie ein Rekord hoch erreicht. Als Arm gilt in Deutschland, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Netto-Einkommens vergleichbare Haushalte zur Verfügung hat. Für eine alleinlebende Person liegt die Grenze da aktuell bei rund 14.000 Euro im Jahr. Was in der Forschung von Jötter Henke gut dokumentiert ist, das sind die Gründe, warum Menschen ihre Wohnung verlieren und dann im schlimmsten Fall sogar auf der Straße landen. Und da sagt sie erst mal einen Satz, der mich echt hat aufhorchen lassen. Es könnte jeden treffen. Denn ein Grund liegt auf der Hand. Wir haben besonders in den Großstädten einen super angespannten Mietmarkt. Wer seine Wohnung verliert, der hat schlechte Chancen eine neue Wohnung zu finden. Das ist also Grund eins. Warum es hier immer noch so viele Wohnungs- und Obdachlose Menschen gibt? Arme Menschen werden Wohnungslos nicht alle Armen, sondern nur solche Armen-Menschen, bei denen zur Armut noch weitere Faktoren dazu kommen und das kann alles möglich sein. Also, "Arm" bedeutet nicht gleich Wohnungslos. Die gesündere ein Mensch, desto sicherer lebt er. Das ist einfach so, wer gesund ist, hat leichter Arbeit, hat er eine Wohnung umgekehrt. Aber eben genauso, wer krank ist, verliert leichter seine Arbeit und hat auch ein höheres Risiko seine Wohnung zu verlieren auf jeden Fall. Für chronische und schwer kranken Menschen, die nicht arbeiten können, gibt es in Deutschland natürlich Sozialleistungen. Und auch in vielen anderen Krisensituationen hilft der Staat. Jutta Henke erklärt das am Beispiel einer Alleinerziehenden Mutter, die sich mit mehreren, kleineren Beträgen über Wasser hält. Hier mal ein kleiner Job, da ein bisschen Kindergeld, vielleicht noch unterhalt staatliche Leistungen. Und in dem Moment, wo eine der Leistungen oder Zahlungen nicht rechtzeitig auf dem Konto ist, ist am 1. an das Monatsgang Geld für die Miete dörre. Das heißt nicht, dass alle Alleinerziehenden jungen Frauen ein hohes Risiko haben, Wohnungslos zu werden. Das heißt aber, dass bestimmte Lebenslagen eben mit höheren Risiken verbunden sind. Wenn man über längere Zeit keine Miete zahlen kann, droht eine Königung. 2020 wurden mindestens 30.000 Haushalte zwangsgeräumt. Und das mitten in der Pandemie. Obdach und Wohnungslosigkeit wird oft als ein individuelles Problem angesehen. Da ist jemand abgerutscht. Wenn man aber Jans Geschichte anhört, dann ist das kein plötzliches Abrutschen, sondern etwas, was sich langsam ankündigt. Seine Eltern trennen sich sehr früh und er lebt dann erst mal bei seinen Großeltern. Erst mal habe ich bis ich 12 war in so einem Gästezimmer irgendwann geschlafen, hab das nie so wirklich eingerichtet, dass es meinst war, dann später in einem alten Zimmer vom Amonkel. Er ist mega froh, als er alt genug ist, auszuziehen. Beim Abi ist er durchgefallen.
Aber okay, mit dem Gehalt vom Zivildienst kann er sich eine eigene Wohnung leisten. Aber das geht nicht lange gut. Jan hat Depression, Trinkt und Kift viel taucht irgendwann nicht mehr bei der Arbeit auf und wird schließlich untauglich geschrieben. Die Krise wird auch in seiner Wohnung sichtbar. Ich hatte Ratten, hab den so einen Ratenschrank gebaut. Der hat dann aber irgendwann richtig gestunken. Und die haben alles Mögliche vollgekohnt. Ich hatte überall irgendwelche gelben Sekko und Müll in dem Zimmer liegen. Und war im Prinzip sucht mittelabhängig, wenn man jetzt Tia 10 nimmt. Und ich hab halt wirklich viel gesoffen. Dazu Schmerzabletten, das war dann so diese erste große Krise, wo der familiäre Rückhalt für mich nicht spürbar war. Er verliert seinen Ziviljob, kann die Miete nicht mehr zahlen und muss raus. Die Wohnung ist komplett reif für den Spärmeln und er zieht zu seinen Großeltern zurück, mit 22. Auf der Straße landet Jan also nicht. Aber er fühlt sich komplett am Boden. Es war wieder ein Scheitern, es war wieder ein Fühlen. Du kommst sich an in der Gesellschaft. Jan war also einer von den heute geschätzt bis zu 600.000 Wohnungslosen Menschen in Deutschland, die kaum sichtbar sind. Aber ein paar verlässliche Zahlen gibt es schon. Einzelne Bundesländer und Kommunen schauen genauer hin. In der Wohnungslosenstatistik aus NRW von 2020 waren rund ein Drittel weiblich und mehr als 20% waren Kinder und Jugendliche unter 18. Mehr als 20% sind Kinder. Das ist super krass. Aber moment, in diese Statistik fällt noch eine Gruppe mit rein, über die wir bisher nicht gesprochen haben. Geflüchtete, deren Asylverfahren schon durch ist. Die Anerkennung wurden, die aber immer noch in einer Gemeinschaftsunterkunft leben. Weil sie keine eigene Wohnung haben. Das sind also Menschen, die nicht ihre Wohnung verlieren, sondern gar nicht erst eine finden. Weil es die Flucht-Zuwanderung begann, hatten wir aber gleichzeitig einen deutlich verschlechterten Wohnungsmarkt und deutlich engere Bedingungen am Wohnungsmarkt. Im ländlichen Raum konnten geflüchtete teilweise direkt in normalen Häusern und Wohnungen untergebracht werden. Und dann auch dort bleiben. Wenn sie aber in Sammelunterkünften waren und dann das Asylverfahren abgeschlossen wurde, dann waren sie immer noch in Sammelunterkünften und mussten Aufwohnungssuche gehen. In Berlin zum Beispiel leben aktuell rund 21.000 Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften des Landes. Davon ist bei 9.000, also fast bei der Hälfte, das Asylverfahren schon abgeschlossen. Sie sollten eigentlich eine eigene Wohnung beziehen. In Berlin, genau wie in allen anderen deutschen Großstädten auch, ist es ja schon hart eine Wohnung zu finden, wenn man Lisa so viel heißt, perfekt deutsch spricht und nicht von Rassismus betroffen ist. Wer noch in keiner Statistik auftaucht, sind illegalisierte Migrant*innen, also Menschen, die in Deutschland keinen offiziellen Aufenthaltsstatus haben. Die haben gar nicht erst die nötigen Papiere, um eine Wohnung zu mieten oder Sozialleistungen zu beantragen. Da ist die dunkelze Verhoch. Schätzungen gehen von bis zu 500.000 Personen aus. Die meisten Wohnungslosen entsprechen also nicht den Klischee, die wir vielleicht erst mal im Kopf haben. Sie haben aus unterschiedlichsten Gründen ihre Wohnung verloren oder finden gar nicht erst eine. Aber wir wollen ja auch herausfinden, muss in Deutschland überhaupt jemand Obdachlos sein. Und da habe ich eine ganz grundlegende Frage. Gibt es denn nicht so was wie ein Recht auf eine Wohnung in Deutschland? Nein, das gibt kein Recht auf Wohnung jedenfalls, kein einlösbares Recht auf wohnen. Aber ein Recht auf ein Dach über dem Kopf gibt es schon. Wenn wir über die Unterbringungsverpflichtung der Kommunen sprechen, dann sprechen wir über Notversorgung. Es gibt nicht mal einen Standard, was die Quadratmeterzahl in solchen Unterkünften angeht. Also es gibt keine Regel, die sagt, jede Menschen, der untergebracht wird, müssen so oder so viele Quadratmeter zur Verfügung stehen. Das ist dann von Unterkunft zu Unterkunft unterschiedlich. Aber Jan hat uns von furchtbaren Zuständen erzählt. Da sind Betten, da haben den letzten Nächte, weiß ich nicht, verschiedene Menschen dringelägen, die ein vielleicht mit Läusen, die anderen vielleicht mit Folgekaktahose. Du weißt es nicht, irgendjemand hat vielleicht gesorfen, hat gekotzt, dann sehen die Wende teilweise beschmiert aus. Außerdem haben die Unterkünfte teilweise Regeln die Menschen abschrecken. Etwa, dass sie ihr hab und gut am Eingang abgeben müssen, oder dass sie in der Unterkunft kein Alkohol trinken dürfen. Das ist für sucht erkrankte keine Option. Für sie bräuchte es andere Lösungen. Und oft gibt es keine separaten Unterkünfte für Frauen, was aber dringend notwendig wäre, weil sie auch seine Arbeit. Denn viele Frauen, die in der Wohnungslosenhilfe landen, haben Gewalterfahrungen gemacht. Zum Beispiel in ganz Niedersachsen gab es über 20 Jahre lang nur in Hannover, Angebote für Wohnungslose Frauen. Also die Explicit für Frauen war, den Frauen brauchen einen Schutzraum. Da darf ich als Mann nicht hin, weil ich könnte die Frau anträgern, weil sie einen Traumat zu eigenes hatte. Mit Männern. Und jetzt gibt es ein zweites mittlerweile im Braunchbike. Aber das sind ganz Niedersachsen. Sind das die einzigen Frauen spezifischen Einrichtungen. Das musst du dir mal überlegen. Ich finde das richtig krass, weil Niedersachsen ist. Die weitgrößte Bundesland in Deutschland, Niedersachsen ist fucking huge. Und es gibt nur zwei Unterkünfte, die sagen, okay, wir richten uns ganz speziell an Frauen. Und ein drittell, der obdachlosen und Wohnungslosenleute sind ja aber Frauen. Ich finde das insane. Das ist super krass. Okay, sorry, kurz a rant. Das eine Problem ist, viele Notunterkünfte sind in schlechten Zustand. Und für Frauen oft gar keine Option. Dazu kommt noch, dass viele Betroffene auch einfach nichts wissen von den Hilfsangeboten. Oder sie haben nicht das Gefühl, dass das für sie passt. So war das bei Jan auch. Wenn man sich Internetseinen anguckt, da wird eben noch mit dem obdachlosen Menschen geworden. Und als so einer habe ich mich nicht gefühlt. Ich habe mich nicht gefühlt, wie jemand, der auf der Parkbank sitzt, mit einer Flasche Bier unter sich und eine Tüte. In der Hand, sondern ich hatte ganz andere Schwierigkeiten. Jan steckt mit Mitte 20 wieder in einer Krise. Er holt sein Abinach und arbeitet zeitweise bei einem Fotografen. Aber er kämpft weiterhin mit Depressionen. Versäumt die Anmeldepfrasst für die Uni, steht wieder ohne Job da. Als ich kein Geld mehr hatte und eigentlich einen Anspruch, also auch kein Job hatte und eigentlich einen Anspruch auf Sozialleistung, bin ich halt eben zum Amt gegangen, war damals aber unter 25. Und die haben mal sämtliches abgelehnt. Die haben halt gesagt, ich sollte zurückziehen zum Amt Vater. Ich meine, ja, gut, da wohne ich seitdem ich 13 bin, nicht mehr. Mehr habe ich halt nicht gekriegt. Da war ich halt verzweifelt, ich wusste ja gar nicht wohin. Eigentlich hätte Jan da sehr wohl Anspruch auf Sozialleistung gehabt. Das weiß er heute. Aber damals hat er das nicht hinterfragt. Es sind also nicht nur individuelle Kunde und der angespannte Mietmarkt. Es gibt doch einfach sagen in den Hilfesystem des Staates. Wir haben unzählige Sozialleistungen in Deutschland. Aber der Umgang mit ihnen ist oft so star, dass sie nicht auf die individuelle, komplexe Situationen passen und Menschen deshalb durchs Raster fallen. Außerdem greifen Sozialleistungen im entscheidenden Moment nicht schnell genug, sagt Jutta Henke. Und dann werden mit der Notversorgung nur Symptome bekämpft, statt Ursachen. Bei wir Wohnungslosigkeit verstehen als so eine Art Naturgegimmeschicksal. Jemand ist ja abgerutscht in den abgrund so und jetzt sehen wir ihn da liegen und denken, dass sowas passieren kann. Und wir haben einen mildtätigen Impuls und sagen, das kann man ja nicht mit anschauen. Da muss man was tun. Und dann beginnen wir die Menschen auf der Straße zu versorgen. Aber dort brauchen sie unsere Hilfe gar nicht mehr. Sie brauchen unsere Hilfe, um in Wohnung zu kommen. Sie brauchen unsere Hilfe jenseits der Straße. Bevor sie wohnungslos werden und hinterher. Natürlich brauchen die Menschen auf der Straße unsere Versorgung. Was Jutta Henke aber meint ist, dass wir da schon viel früher ansetzen sollten, sodass die Leute gar nicht erst auf der Straße landen. Und da uns vor allem darauf fokussieren sollten. Um das System grundlegend zu ändern, bräuchte es politische Entscheidungen und eine Lobby für das Thema, die bisher nicht stark genug ist. Und das ist auch kein Wunder, wenn wir als Gesellschaft die betroffenen stigmatisieren. So sagen wir die Seien kriminell, sie sind angeblich schmutzig, sie sind alle Drogen oder Alkohol abhängig, sie sind assozial, deklassiert oder auch unangepasst. Daniel Geschke haben wir am Anfang schon mal kurz gehört. Er hat lange Haare und trägt ein Blumiggemuster des Hemd. Der Psychologe forscht am Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena zu Hasskriminalität. Und die betrifft auch obdachlose Menschen. Ihr erinnert euch an die Schlagzeilen. Daniel Geschke hat die Zahl vorliegen, dass jedes Jahr in Deutschland 20 obdachlose Menschen durch Gewalt zu Tode kommen. Diese Statistik unterschätzt das ganze Phänomen massiv, weil es da garantiert noch viel mehr gibt, denen das passiert. Und dazu kommt auch, dass ja, wenn Menschen zum Beispiel sich zu Tode frieren, weil sie irgendwo draußen liegen im kalten Winter, dass das ja auch eine Form von Gewalt ist. Das ist ein strukturell Gewalt, dass Menschen auch zu Tode kommen, weil die Gesellschaft ihnen keinen Wohnraum zur Verfügung stellen kann. Das viele so oft obdachlose Herabschauen führt er zum einen auf den Sozialdavinessmus zurück. Das Motto "Survival of the fittest", die schwachen werden zurückgelassen. Und dann auch, wir kennen es alle nur zu gut, wirtschaftliches Leistungsdenken. Diese neoliberale Ideologie sagt also, verleistet, Für Leiste.
Der verdient auch was und wer nicht ordentlich leistet, der scheitert dann halt, der hat dann Pech, weil er selber schuld ist. Das prägt uns alle, das prägt auch mich. Das prägt auch Sie und das prägt garantiert auch die Leute, die hier zuhören. Wenn wir das Thema Obdachlosigkeit so stigmatisieren, macht natürlich auch niemand Druck bei der Politik, damals zu unternehmen. Bevor wir darauf schauen, welche politischen Möglichkeiten es den Gebe recapitulieren wir noch mal ganz kurz. Es gibt in Deutschland kein Recht auf Wohnung. Die Kommunen sind nur verpflichtet, für Notunterbringungen zu sorgen. Die Hilfsangebote, die es gibt, erreichen manche Betroffenen noch nicht richtig oder nicht im richtigen Moment. Jetzt wär es doch an der Zeit, mal zu schauen, wie man das besser machen kann. Hey Eva, ich hoffe, du verstehst mich überhaupt, das ist ein bisschen winnig. Ich laufe gerade durch Helsinki. Und was richtig krass ist, was mir gerade aufgefallen ist. Ich hab die letzten zwei Tage hier nicht eine einzige obdachlose Person gesehen. Also überall so. - Tja. Wer hätte es gedacht? Skandinavien mal wieder. Genauer gesagt, Finnland, wo ich zufälligerweise vor kurzem erst war. Finnland hat sich Ende der 80er Jahre das politische Ziel gesetzt, Wohnungslosigkeit bis 2027 zu beenden. Das ist Juhar Karkinen. Der Spiegel tietelt im April 2021, dieser Mann schafft die Obdachlosigkeit ab. Im Zoom-Koll wirkt er bescheiden, aber bestimmt. Erleitet die Wife-Foundation, eine NGO, die nach dem Prinzip "Housing First" Menschen eine Wohnung vermittelt. 1987 zu Beginn des Programms gab es knapp 20.000 Wohnungslose in Finnland. Heute sind es rund 4.000, also in der Zeit, nur noch ein Fünftel. Es ist so, dass die gesagt haben, was haben all diese Leute gemeinsam, die verschiedenste Probleme haben, psychische Probleme, familiäre Probleme, finanzielle Probleme. Allen ist gemein, dass sie keine Wohnung haben. Deswegen muss es zu allerersten Wohnung geben, bedingungslos. Und das hat sich auch bestätigt, durch alle anderen Leute, mit denen ich gesprochen habe, alle anderen Expert*innen, dass sie sagen, das ist einfach so die Basis, dafür, dass man dann alle anderen Probleme bewältigen kann. Das ist auch Beratungsangebote und so, natürlich noch dazukommen. Aber eben erst mal diesen Schutzraum zu haben, das funktioniert da sehr gut. Alle kriegen eine Wohnung, "Housing First". Dafür arbeitet Karkins Stiftung mit allen möglichen Trägern, Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften zusammen. Sie haben haufenweise neue Wohnungen gebaut, aber auch Menschen, die sind sehr gut. Aber auch Menschen in den regulären Wohnungsmarkt vermittelt, wo sie allein nur schwer etwas gefunden hätten. Viele der Betroffenen können ja sogar selbst ihre Miete zahlen, haben ein eigenes Einkommen. Trotzdem sind sie am Wohnungsmarkt die letzten in der Reihe. Da setzt "Housing First" dann an und nimmt die Leute an der Hand. Wir begleiten in NRW die Landesinitiative endlich ein Zuhause. Da gibt es sogenannte Kümmererprojekte, die das Land bei Kommunen fördert. Dort haben die Kümmerer die Aufgabe, möglichst viele Wohnungsvermittlungen zustande zu bringen. Und gleichzeitig den Vermietern, wie den Mietern ein Angebot zu machen, sich zu kümmern. Im Zweifel, wenn es Schwierigkeiten der Mietverhältnisse gibt, oder wenn vor der Anmietung noch irgendwas zuregeln ist, oder was weiß ich, die müssen Überzeugungsarbeit leisten und haben auf diese Weise ätliche Tausend Menschen mit Wohnraum versorgt. Auch für Geflüchtete gibt es da schon Hilfsangebote. Zum Beispiel "Zusammenleben willkommen". In Deutschland sind das bisher viele vereinzelte Initiativen. Manche Kommunen machen schon ordentliche Vorschritte, andere leider weniger. Vieles basiert auf Ehrenamt. Da gegen Finland ein bundesweites Programm mit bezahlten Stellen. Die Kosten des Homelessen ist absolut viel mehr als der Kosten des Homelessen, mit Bermanent Housing Solutions. Juhakarginen sagt, es ist teurer für den Staat, die Leute auf der Straße zu lassen und dort zu versorgen, als eine langfristige Lösung für das Problem zu finden, und den Leuten Wohnungen zu vermitteln. Als ich das das erste Mal gehört habe, war ich wirklich richtig schuck. Also von den persönlichen Schicksalen mal ganz abgesehen. So schätzt das Jutta Henke auch für Deutschland ein. Kommunen, die ihre Unterkünfte auflösen, können ganz deutlich sagen, dass das günstiger ist. Denn das Notunterbringungssystem kostet natürlich auch viel Geld. Und je dichter belegt wird, desto teurer wird es. Dann kommen in solchen Berechnungen, Krankenwagen-Einsätze, Mitter zu. Oder sicherheitspersonal, was man braucht, wenn man viele Menschen auf einem Fleck zusammen sperrt, dann kommen chronische Erkrankungen, dazu die längere Krankenhausaufenthalte erforderlich machen, wenn man unter schlechten Unterarmutsbedingungen leben muss. Okay, also Geld kann anscheinend echt nicht das Argumänzein, dass es noch Obdachlosigkeit geben muss. Weder in Finland noch hierzulande. Was Finland uns voraus hat, sind Messungen. Sie haben seit Beginn des Programms eine jährliche wohnungslosen Statistik. Und die braucht es zwingend, damit man entsprechend planen und handeln kann. Was uns Finland auch voraus hat, es gibt mehr Sozialwohnungen. Und die sind ganz entscheidend. Das sind Wohnungen, die den Regeln des Freien Markts entzogen sind und wo der Staat mehr Kontrolle hat, wer sie bekommt. In Finland sind das 13 Prozent aller Wohnungen. In neu gebauten Vierteln sogar 25 Prozent. In Deutschland sind es nicht mal 3 Prozent. Das ist echt verdammt wenig. Und es werden sogar immer weniger. Die Kommunen, das stimmt. Die haben in großem Stil ihre Wohnungsbestände abgestoßen oder privatisiert. Und inzwischen haben wir ein großes Loch, was das angeht. Und natürlich wäre die Versorgung nicht nur von Wohnungslosen. Auch von Geflüchteten, auch von niedrig verdienen, auch von allen anderen, die in einem ähnlichen Segment das Marktes suchen müssen. Viel viel besser, wenn wir höhere Bestände hätten. Deshalb fordern Expertenen schon seit Jahren, es muss mehr gebaut werden. Und ein festgelegter Anteil davon müssen Sozialwohnungen sein. Auch in Finland ist noch nicht alles perfekt. Frauen werden noch nicht ausreichend erreicht, sagt Karkinen. Das Problem kennen wir ja auch aus Deutschland. Aber was Karkinen ganz wichtig ist, Prävention. Energie da reinstecken, dass Menschen gar nicht erst ihre Wohnung verlieren. Und das bekräftigt Jutta Henke auch. Da hat unsere Sozialsysteme leistungen noch und nörcher zur Verfügung. Die müssen wir da installieren. Also es ist überhaupt nicht so, dass unser System nichts kann. Das kann alles. Wir handeln an den richtigen Zeitpunkten nicht schnell genug und nicht entschlossung genug. Wenn ich demnächst wieder einem obdachlosen Menschen am Bahnhof begegne, habe ich auf jeden Fall weniger Fragezeichen im Kopf. Warum gibt es Obstachlosigkeit in Deutschland noch? Weil wir uns noch nicht entschlossen haben, sie zu beenden. Es war halt zu kurz zusammengefasst. Ich glaube, dass das der entscheidende Punkt ist, wenn wir uns vornehmen ist zu tun, ist es kein. Es ist ein Problem, sonst hätten wir es ja nicht. Aber es ist kein unbeherrschbares, kein unlösbares Problem. Es gelingt uns ganz andere Dinge. Diese Handvoll Menschen, ich habe das gesagt, 0,0,0,0% zu versorgen. Das geht doch. Damit Menschen in Wohnungen vermittelt werden können. Müssten aber erst mal, welche frei sein. Da sie in Deutschland gerade echt eng aus. Daniel Gesch geglaubt, dass sich das Problem in Zukunft noch zuspitzen wird. Wir deshalb dringend eine politische Lösung brauchen. Und dann kann man sich fragen, ob der sogenannte freie Markt in der Lage ist, dieses Problem zu lösen. Sie können sich vorstellen, meine Antwort ist nein, der freie Markt kann viele der Probleme unserer Gesellschaft offensichtlich nicht lösen. Wir möchten da andere Mechanismen, die irgendwie funktionieren. Ein krasser politischer Hebel wäre ein Recht auf wohnen. Das gibt es bisher nicht. Bisher sind nur die Kommunen verpflichtet für Notunterkünfte zu sorgen. Aber die sind keine langfristige Lösung. Und es gibt keine Standards. Ich wäre nie in Leben in ein Obdachlosenwohnheim gegangen oder in eine sogenannte stationäre Wohnungslosenhilfe, weil ich finde es einfach Menschen unwürdig, dort zu leben. Ich finde, dass es nicht die richtige Art und Weise dort wird dann geguckt, bist du überhaupt wohnfähig, zum Beispiel oder so als vorbereitet werden auf eine Wohnung. Und ich bin halt der Überzeugung, jeder Mensch kann wohnen. Und das, was ich gebraucht hätte, wäre eine Wohnung gewesen, die sie mir gegeben hätten. Ihr merkt schon, das geht alles ziemlich in die gleiche Richtung. Die Menschen brauchen eine Wohnung, egal ob sie arbeiten oder nicht. Psychisch krank sind, sucht abhängig, oder ob sie eine Flucht hinter sich haben. Alle mit denen wir gesprochen haben, sagen Obdach- und Wohnungslosigkeit ist ein lösbares Problem. Los hat sich in der Politik lange niemand drum gekümmert, mal grundlegend was zu ändern. Immerhin kommt dieses Jahr eine erste bundesweite Statistik. Und im Koalitionsvertrag steht, dass Wohnungslosigkeit bis 2030 komplett beendet werden soll. Aber ganz ehrlich, bis 2030, das klingt für mich echt sportlich, wenn man überlegt, wo wir stehen. Aber unsere Expertenen sind da gar nicht so skeptisch. Und in der Zwischenzeit können wir alle selbst üben, anders.
mit obdachlosen Menschen umzugehen, den wir auf der Straße begegnen. Jan Ritter zu einer großen Portion demut. Auch wenn so Blöd klingt, aber das alles passieren kann im Leben, was das mir alles mit die Füße wegreisen kann und dass ich dann auf dem Boden liege und dann irgendwann keine Wohnung mehr habe und mit dann die Frage stelle, wie möchte ich dann behandelt werden? Ein paar konkrete Tipps. Sprech die Leute an, sagt "Hallo" statt sie zu ignorieren. Und fragt, was sie brauchen, vielleicht ein Kaffee, vielleicht aber doch lieber Geld. Und wofür sie das ausgeben, ist nicht unser Business. Wenn ihr den Eindruck habt, dass jemand akut in Not ist, ruft Hilfe. Im Zweifelsfall die 1.1.2. Das gilt auch, wenn ihr seht, dass jemand bei Minus gerade draußen schläft. Lieber einmal zu viel Hilfe holen als einmal zu wenig. In vielen Großstädten gibt es für solche Fälle Kältebuse. Da verlinken wir euch eine Übersicht in den Show notes. Wenn ihr Dinge spenden wollt, ob Kleidung oder Schlafsack, nur Sachen, die ja auch selbst noch benutzen würdet. Wenn ihr speziell obdachlose Frauen unterstützen wollt, könnt ihr auch Periode-Produkte spenden. Wo wir nicht weiterkommen, ist, wenn Leute sagen, "Kaminie passieren, selbst schuld", da kann ich sagen, dieses Selbstschuld trifft in fast keinen Fällen zu dich kennen. Mir fällt nicht mal ein zu einer ein, wo ich sagen würde, der ist jetzt aber selbst schulder in seiner Situation. Kenn ich nicht. Das war Wissen Weekly. Über-Obdachlosigkeit. Folgt diesem Podcast auf Spotify, um keine Folge mehr zu verpassen. Und es gibt neuerdings ja auch diese kleine Glocke, die könnt ihr drücken, dann bekommt ihr eine Benachrichtigung, wenn eine neue Folgewissen wie Klionlein ist. Super spannend war zum Beispiel auch unsere Episode zu Wohnraum und warum die Mieten so hoch sind. Ich bin Lisa Sophie Scheuerl und bedanke mich bei allen, die mit uns beidere Schärsche gesprochen haben. Jan, der uns von seiner Geschichte erzählt hat, Jutta Henke von der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung, Daniel Geschke vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft und Juhakar Kienen von der Wifeondation, die in Finnland Wohnungslosigkeit bekämpfen. Wissen Weekly ist eine Produktion von Spotify Studios in Zusammenarbeit mit Kugel und Nire. Executive producers, Daniel Nikolao und Michael Badlowski. Audioproduktion Hammer und Amos. Redaktion, Michael Badlowski, Eva Moorlang und ich, Lisa Sophie Scheuerl. Line Producer, Zahrul Krause-Ench.
Podcast Summary
Key Points:
Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit sind in Deutschland ein strukturelles Problem, das durch Armut, angespannte Wohnungsmärkte und Lücken im Sozialsystem verursacht wird.
Es gibt rund 50.000 Obdachlose (auf der Straße lebend) und schätzungsweise 350.000 bis 600.000 Wohnungslose (ohne festen Mietvertrag), aber keine offizielle Gesamtstatistik.
Individuelle Schicksale wie psychische Erkrankungen, Sucht, Arbeitsverlust oder Gewalterfahrungen (besonders bei Frauen) erhöhen das Risiko, wohnungslos zu werden.
Vorurteile und Stigmatisierung (z. B. „selbst schuld“) führen zu gesellschaftlicher Ignoranz, Gewalt gegen Obdachlose und unzureichender politischer Lobbyarbeit.
Notunterkünfte sind oft mangelhaft, nicht auf spezifische Bedürfnisse (z. B. von Frauen oder Suchtkranken) ausgerichtet und erreichen viele Betroffene nicht rechtzeitig.
Summary:
In der Podcast-Folge „Wissen weekly“ wird der Frage nachgegangen, warum es in Deutschland weiterhin Obdachlose gibt. Dabei wird zwischen Obdachlosigkeit (Menschen, die im Freien schlafen, ca. 000) unterschieden.
Die Ursachen sind vielfältig: ein extrem angespannter Wohnungsmarkt, Armut (13,4 Millionen Betroffene), psychische Erkrankungen, Sucht, Arbeitsplatzverlust sowie Gewalterfahrungen – besonders bei Frauen. Der Sozialstaat bietet zwar Hilfen, doch viele Betroffene fallen durch das Raster, weil Leistungen zu langsam greifen oder nicht auf komplexe Lebenslagen zugeschnitten sind. Zudem herrschen starke Vorurteile: Obdachlose würden oft als „selbst schuld“ abgestempelt, was gesellschaftliche Ignoranz und sogar Gewalt (jährlich ca.
20 Tote durch Übergriffe) begünstigt. Notunterkünfte sind häufig überfüllt, unhygienisch und nicht auf spezielle Bedürfnisse ausgerichtet – für Frauen gibt es in ganz Niedersachsen nur zwei spezifische Einrichtungen. Eine echte Lösung erfordert laut Expert*innen nicht nur Notversorgung, sondern präventive Maßnahmen wie bezahlbaren Wohnraum, flexible Sozialleistungen und eine Entstigmatisierung der Betroffenen.
Solange das Problem als individuelles Versagen betrachtet wird, bleibt es ein strukturelles Versagen der Gesellschaft.
FAQs
Obdachlosigkeit hat mehrere Ursachen: ein angespannter Wohnungsmarkt, Armut, psychische Erkrankungen, Suchtprobleme und Lücken im Hilfesystem. Viele Menschen verlieren ihre Wohnung durch Mietschulden oder finden nach einer Krise keine neue.
Obdachlose schlafen im Freien oder in Unterführungen (ca. 50.000 Menschen). Wohnungslose haben keinen Mietvertrag, hausen bei Freunden oder in Notunterkünften – diese Gruppe ist mit bis zu 600.000 Betroffenen viel größer.
Nein, es gibt kein einklagbares Recht auf Wohnung, aber Kommunen sind zur Notversorgung verpflichtet. Die Unterkünfte haben oft keinen Standard für Quadratmeterzahl und sind für viele Betroffene unzumutbar.
Laut Psychologe Daniel Geschke führt ein neoliberales Leistungsdenken dazu, dass Menschen Obdachlose abwerten und ihnen die Schuld geben. Dies schützt vor dem eigenen Unbehagen und kann bis zu Hassgewalt führen.
Mindestens 23 Obdachlose erfroren im letzten Winter, und jährlich kommen etwa 20 durch Gewalt ums Leben. Die Dunkelziffer wird als deutlich höher eingeschätzt.
Frauen, die Gewalt erleben, junge Erwachsene ohne familiären Rückhalt, Studierende mit Jobverlust, Geflüchtete ohne Wohnung und Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Suchtproblemen.
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