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Negative Verhaltensmuster verändern - So streitet ihr besser!

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Negative Verhaltensmuster verändern - So streitet ihr besser!

In diesem Podcast untersuchen Florian und Ina vier häufige Streitmuster: laut werden, weggehen, Vorwürfe machen und stumm bleiben. Jedes Muster entsteht aus tief verwurzelten Emotionen und Prägungen, oft aus der Kindheit oder aus familiären Konfliktsituationen. Herumschreien und Vorwürfe zeigen Angriffsverhalten, die durch Wut und Verletztheit entstehen, während Weggehen und Stummsein Flucht- oder Harmonieverhalten sind. Diese Muster sind oft unbewusst übernommen und führen zu einer verzerrten Beziehungsauffassung, z. B. dass Streit zur Zusammenhaltung gehört. Die Lösung liegt nicht in kurzfristigen Kompensationsstrategien wie Sport oder Stoppwörter, sondern in der tiefgreifenden Analyse der Ursachen. Es ist wichtig, die emotionale Verletzungen aufzudecken, den eigenen Blickwinkel zu überprüfen und die frühen Ursprünge der Muster zu erkennen. Nur durch die Rückkehr zu Situationen, in denen es noch gut war, kann ein nachhaltiges Verhalten verändert werden. Der Schlüssel liegt darin, dass beide Partner in Ruhe und mit Wertschätzung die Konflikte ansprechen, um die Verbindung zu stärken und langfristig eine gesunde Beziehung aufzubauen.

Transcription

3742 Words, 23125 Characters

German
Herzlich willkommen in einem weiteren Podcast der Lebensidealisten. Mein Name ist Florian. Ich bin Ina. Wir beide sind Coaches und Paartherapeuten und wir wollen heute uns das Thema ansehen, besser miteinander streiten. Wir wollen anhand von vier Beispielen von verschiedenen Streittypen, beziehungsweise verschiedenen Mustern, was im Streit, im Konflikt passiert, euch aufzeigen, warum dieses Muster nicht hilft und euch auch nicht hilft, einen Konflikt nachhaltig zu lösen. Und wie ihr vielleicht im ersten Step eine Verhaltensweise nutzen könnt, um das Ganze zu kompensieren oder erstmal in eine andere Bahn zu lenken, um das Ganze dann später auch nachhaltig zu lösen. Das erste Beispiel ist laut werden oder herumschreien. Da kennst du bestimmt jemanden, der das für sich nutzt, dieses Muster hat und eher schnell die Stimme erhebt, wenn es eine Diskussion ist, um die Meinung zu verdeutlichen oder halt, wenn zu viel Wut da ist, zu viel Ärger da ist, tatsächlich ins Schreien gerät. Das kann auf der Arbeit sein, das kann der cholerische Chef sein, der cholerische Vorgesetzte. Das kann aber auch in der Beziehung passieren. Das kann auch passieren, dass der Partner oder die Partnerin laut wird in Konfliktsituationen. Wie entsteht das Ganze? Das ist meistens eine Kombination wieder aus zu viel Wut und dazu meistens das Gefühl von Hilflosigkeit, Ohnmacht. Es geht irgendwie argumentativ nicht weiter. Ich kriege das nicht hin, den anderen auf ruhige Art und Weise zu vermitteln, was gebraucht wird. Oder der sieht es aus meiner Sicht einfach nicht ein. Was da wichtig ist. Und dann kann es passieren, dass dieses Herumschreien passiert. Auch das ist häufig etwas, was man bereits lange, lange aufgebaut hat. Das kann sein, dass man das zum Beispiel bei seinen Eltern gesehen hat, dass die sich häufig streiten und laut werden. Wir hatten mal einen ganz tragischen Fall im Coaching, wo dieses Muster übernommen worden ist. Und das lag daran, dass die Eltern sich immer gestritten haben. Und immer laut miteinander gewesen sind. Und irgendwann wurde es mal ruhiger. Die Eltern haben aufgehört, miteinander zu streiten. Und das war ein ganz komisches Gefühl für das Kind in dem Fall. Und dann haben die sich getrennt. Und daraus ist eine Angst entstanden. Daraus ist der Blickwinkel für das Kind entstanden. Jetzt mittlerweile erwachsene Frau, selbst in der Beziehung. Dass Streit irgendwie zur Beziehung dazugehört. Und es anscheinend dazu führt, dass man zusammenbleibt. Und wenn es ruhig wird und sich harmonisch anfühlt, dass das dann Richtung Trennung läuft. Und dadurch ist bei ihr dieses Streiten, Rumschreien, Lautwerden entstanden. Dass das irgendwie ein wichtiger Bestandteil für die Beziehung wäre. Das war ihr natürlich nicht bewusst. Das ist nichts, wo sie es bewusst hätte ausgesprochen. Ja, ich schreie auf jeden Fall in jeder Beziehung und werde immer laut, weil Streit gehört dazu. Und es ist ganz wichtig, wer sich nicht streitet, der trennt sich vermutlich. Sondern das ist ein unbewusst übernommenes Verhalten. Ja, was kann man tun, um das Verhalten zu verändern? Man kann natürlich im ersten Step mal etwas zum Kompensieren suchen. Also wenn ich das Gefühl habe, dass da so viel Wut in mir steckt und ich eigentlich laut werden wollen würde oder merke schon, dass es passiert, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wenn man die Möglichkeit hat, Sport machen und sich abreagieren, das heißt irgendwie diese Wut so rauslassen. Man kann tatsächlich auch. In der Vorstellung einfach innerlich den anderen anschreien, um das gar nicht nach außen zu tragen. Das macht meistens das genau das gleiche Gefühl, als würde man es wirklich tun. Weil wir ja zwischen Vorstellung und real erlebten schwer unterscheiden können. Deswegen machen Filme bei uns ja auch ein Gefühl. Obwohl wir eigentlich vom Kopf her wissen, das ist geskriptet. Da passiert nichts Schlimmes gerade oder die beiden lieben sich nicht wirklich. Das ist alles geskriptet, was passiert. Trotzdem macht es bei uns ein Gefühl. Und deswegen kann auch die Vorstellung, den anderen anzuschreien. Ausreichend sein. Was meistens nicht gut funktioniert, sind so Stoppwörter. Das habe ich schon das eine oder andere mitbekommen, dass sowas versucht wird, dass ein Wort dazu führen soll, dass das dem anderen signalisiert, meine Grenze ist erreicht, du bist zu laut. Da ist die Erfahrung, dass das den anderen meistens eher noch wütender macht und der noch lauter wird, weil er in seinem Drang jetzt die Sachen loszuwerden, das nicht kann. Ansonsten ist natürlich ganz klar, dass man schauen muss, wo ist die Ursache für das Lautwerden und dass man dahin zurückgeht, wo es mal gut war, wo das Rumschreien noch nicht da war. Das kann sein, dass es im eigenen Leben war. Das kann sein, dass das bei den Eltern war, bei den Großeltern, die das noch nicht kennen, dass man sich anschreit und dass man dann schaut, welche emotionale Verletzungen, welcher Konflikt hat dazu geführt, dass das entstanden ist und das dann bei der Ursache löst. Und dann kommt dieser Impuls gar nicht mehr so hoch. Dann schießt diese Wut, die da ist. Die schießt einfach nicht mehr so hoch, weil man, wenn dann das Basisgefühl, dieses Basisgefühl, wo die ganze Wut und die Schlechtgefühle der Vergangenheit gespeichert ist, die vielleicht bei jedem Herumschreien mit rausschießt, dass die gar nicht mehr da ist. Man kann das auch immer ganz gut erkennen daran, wenn jemand herumschreit, wenn man mal den Blickwinkel ändert, was ist das Bedürfnis dahinter, hinter dem Schreien? Das Bedürfnis ist häufig, oder die Verletzung, die dahinter steckt, ich werde nicht gesehen, ich werde nicht gehört. Und so rum kann man auch überlegen in der Beziehung dann zu schauen, okay, wenn das der Grund ist, was hat dich denn mal verletzt, dass du jetzt laut werden musst? Also welche Verletzung hast du, wo hast du das Gefühl gehabt, dass du nicht gesehen worden bist von mir oder nicht gehört worden bist? Ja, jetzt kommen wir schon zum nächsten Beispiel, weggehen. Also wenn jemand im Streit immer das Muster hat, zum Beispiel den Autoschlüssel zu nehmen und zu sagen, okay, ich steige jetzt hier aus, ich fahre weg. Das kennen ja auch vielleicht einige von euch, das sind dann die Menschen, die dann einfach den Konflikt nicht aufrechterhalten wollen oder können und dann den Raum verlassen und wegfahren. Das erzeugt meistens beim anderen Partner, bei den anderen Partnern sehr viel Wut, wenn jemand denn weggeht und das ist auch ein Muster, wo beide sich eigentlich auch häufig hilflos fühlen. Weil der, der weggeht, fühlt sich hilflos, weil er aus dem Konflikt raus möchte, fühlt sich ja nicht wohl. Eine Fluchtreaktion und die Person, die zurückbleibt, fühlt sich auch hilflos, weil sie sagt, ich kann mit dir keinen Konflikt klären, du haust ja immer ab. Also es ist eine ganz doofe Situation zwischen den beiden. Woher kommt das Verhalten? Auch wieder ähnlich ein bisschen, wie du das beim Beispiel davor beschrieben hast. Das kann ein Verhalten sein, was bekannt ist aus der eigenen Kindheit. So, dass wenn die Eltern so Konflikte geklärt haben, gesagt haben, okay, Papa ist jetzt wieder abgehauen, der fährt jetzt eine Runde um den Block, der kommt gleich wieder, der muss mal runterkühlen dass man das so gesehen hat als Verhalten und selber dann in seiner eigenen Beziehung später auch anwendet. Weil man vielleicht auch gesehen hat, okay, Papa ist um den Block gefahren, dann kam er wieder, dann wurde aber nicht mehr darüber gesprochen, dann war wieder alles gut. Häufig werden danach die Konflikte auch nicht wirklich geklärt, sondern unter dem Teppich gekehrt. Ja, und dann denkt man, so ist eine Konfliktlösung. Was natürlich auf Dauer keine wirklich nachhaltige Methode ist, einen Konflikt zu klären. Und das wissen häufig auch die Paare, die, die diese Problematik haben. Manchmal liegt auch genau das Gegenbeispiel zum Herumschreien vor, wo ich erzählte, dass jemand das Rumschreien kennengelernt hat, dann wurde still dann die Trennung, dass er es andersherum kennengelernt hat. Es war erst harmonisch, dann wurde immer mehr gestritten und geschrien und dann kam die Trennung. Und dadurch entsteht das Gefühl, okay, bevor ich jetzt in das Verhalten hineingerate, den anderen anzuschreien und laut zu werden, gehe ich lieber weg. Dann bleibt es ruhig, dann ist Ruhe da. Und das Verhalten. Dann vermindert das die Angst, dass dann eine Trennung zum Beispiel entstehen könnte. Was auch sehr spannend ist, was ich in den Coachings häufig erlebe, ist, dass jemand mit dem Muster wegzugehen, auf jemanden trifft mit der Angst vor Verlust. Die matchen irgendwie miteinander zusammen. Und es ist so, dass dann immer noch bei dem, der eh schon die Verlustangst hat, immer wieder noch eine neue Verlustangst angetriggert hat. Weil typischerweise, wenn die Menschen weggehen und das so als Muster drin ist, dann sind die meistens einzigartig. Ein, zwei, drei Stunden gar nicht erreichbar. Im Extremfall sogar mal ein, zwei, drei Tage nicht erreichbar. Dann ghosten die sich kurzzeitig. Und das ist für den, der natürlich eine Verlustangst hat, ein ganz unerträglicher Moment. Ist natürlich auch in Familienkonstellationen ganz schwierig. Wenn Kinder natürlich dann auch fragen, wo ist Papa, wo ist Mama denn jetzt hin? Weil man dann ja auch wieder in eine Erklärungsnot kommt, die sehr schwierig ist. Auch da gilt nachher zum Lösen nochmal das Gleiche wie beim ersten Beispiel. Wir müssen schauen, wo war es mal gut? Was hat dieses Gefühl ausgelöst? Und müssen da die Ursache verändern? Das ist ganz wichtig. Beim ersten waren wir halt einfach nur in der Krisensituation, gehen wir in den Angriffsmodus. Das zweite Beispiel, das Weggehen, ist halt der Fluchtmodus. Weil meistens, wenn wir uns in die Ecke gedrängt, hilflos und ohnmächtig fühlen, dann gehen wir entweder in Angriff oder in Flucht über. Ja, und manche flüchten auch ganz bewusst, wie zum Beispiel in längeren Arbeitszeiten wenn man weiß, zu Hause sind Konflikte. Wenn ich jetzt nach Hause komme, da möchte jemand mit mir wieder reden. Da bin ich wieder in einer Position, die mir ein ungutes Gefühl macht. Da arbeite ich lieber länger. länger. Also so in der Form geht es auch, dass ein Weggehen eine Regelmäßigkeit hat. Genau, Beispiel Nummer drei. Kommen wir zum nächsten Teil. Das ist das Vorwürfe machen. Was auch häufig vorkommt. Was sehr, sehr häufig vorkommt. Vorwürfe entstehen im Regelfall ja auch dadurch, dass ich mich vorher auch wieder nicht anerkannt und gewertschätzt gefühlt habe und ich deswegen den anderen vielleicht Feedback geben möchte, kritisieren möchte. Vielleicht möchte ich sogar, habe ich sogar eine positive, ich habe immer eine positive Absicht, aber es kommt sprachlich und von der Haltung nicht so an. Das heißt meistens wählt man Worte, die eher eine Schuld dem anderen zuweisen. Du hast, du bist, du machst nicht. Nie. Dann kommst du genau zu den Verallgemeinerungen, die es auch immer für den anderen ganz schlimm machen. Nie machst du. Immer. Immer. Und das kommt einfach als Vorwurf an. Ich glaube auch Vorwürfe entstehen viel, weil wir ja, wie du schon sagtest, unterschiedliche Wahrnehmungen haben natürlich von dem Leben, von unserem Alltag, aber auch Erwartungshaltung dauerhaft aufbauen. Also immer wieder eine Erwartungshaltung zum Partner haben, die häufig leider nicht ausgesprochen wird und die dann aber in einem Vorwurf deutlich wird. Weil die Enttäuschung da ist. Genau, weil die Enttäuschung da ist und weil ich dann nicht mehr normal, also wertschätzend kommunizieren kann, respektvoll kommunizieren kann, sondern das hat so in mir drin gebrodelt und gebrodelt und jetzt ist das doch nicht eingetreten und immer wieder Erfahrungswerte gesammelt werden, die das meine Erwartung sozusagen bestätigen, die dann nicht eintritt und dann kommt es zu Vorwürfen und im schlimmsten Fall oder am Ende der Konfliktspirale dann zu diesen Rundumschlägen, die ja eigentlich, ja, viele Paare kennen, vielleicht kennt ihr das auch, so ein Sammelsurium von Vorwürfen, von Beschuldigungen sind, die immer wieder aufgewärmt werden, meistens über Jahre gesammelt. Ja, das Verhalten entsteht meistens dadurch an der Stelle, dass man einfach eine positive Absicht hat, man möchte ja eigentlich was an der Beziehung verändern und verbessern, meistens möchte man gar keinen Vorwurf machen, sondern will eigentlich einen Wunsch an den anderen richten oder dem anderen ein Feedback geben, was dann aber als starke Kritik oder Vorwurf ankommt. Also im Regelfall sagt man ja nicht, so, wenn mein Partner nach Hause kommt, dann werde ich ihm mal einige Vorwürfe machen, sondern man hat ja das Gefühl, wenn mein Partner nach Hause kommt, dann werde ich mal Feedback zu dem Thema geben. Und wie kann man das besser machen? Oder verändern, indem man erstmal sich ganz genau anschaut, liegt bei mir eine emotionale Verletzung vor? Hat es bei mir jetzt wirklich ein stärkeres, ungutes Gefühl gemacht, was eigentlich gelöst werden muss? Oder ist es wirklich einfach nur eine Situation, auf die ich ein Feedback geben möchte? Weil das ist ein ganz großer Unterschied in der eigenen Haltung. Das wird der Partner spüren, ob eine Verletzung zugrunde liegt und dann wird die Haltung so sein, dass das als Vorwurf ankommt, obwohl ein Wunsch gemeint ist. Das heißt, sobald ich mich verletzt fühle, kann ich eigentlich keinen Wunsch mehr äußern. Dann muss ich erstmal die Verletzung auflösen und einfach mitteilen, welches Gefühl macht das denn bei mir. Wenn einfach abgesprochen war, dass der Partner oder die Partnerin den Geschirrspüler ausräumt und hat das nicht gemacht und das macht mir einfach ein bisschen Stress und ist doof, dass es nicht geklappt hat, dann kann ich das natürlich durchaus als Feedback wiedergeben und sagen, das haben wir vereinbart, das hat nicht geklappt. Ich wünsche mir, dass es in Zukunft besser klappt, bevor das irgendwann bei mir ein ungutes Gefühl macht. Dann geht das noch. Aber man merkt das schon selber in der eigenen Haltung und in der eigenen Aussprache. Was kann man auch noch vielleicht ganz praktisch tun? Mal sich innerlich das selber vorspielen. Also innerlich einmal sich vorstellen, wie wäre das, wenn mein Partner jetzt da ist und ich dem das mitteilen möchte und sich dann in die Rolle des anderen versetzen und zu prüfen, wird das bei mir oder bei dem als Vorwurf ankommen oder kommt das als Wunsch an und wie meine ich das eigentlich? Also ist es eine Verletzung? Ist es ein Feedback? Kann ich bei mir bleiben und sagen, das macht bei mir ein ungutes Gefühl, anstatt zu sagen, du hast, du bist, nie räumst du auf. Also sich selber hinterfragen und im letzten Step zu schauen, dass man wieder keine äußeren Einflüsse mit rein bekommt. Also den Partner einmal kurz fragen, hey, ich würde dir gerne ein Feedback geben. Bist du gerade bereit dafür? Genau, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Super wichtig. Ja, weil man kennt das ja, man kommt nach Hause, jetzt nimmt man mal dein Geschirrspielbeispiel, Geschirrspielerbeispiel und jemand steht da noch halb in der Jacke, möchte auf Toilette gehen, weil er eine lange Autofahrt hatte, hat im schlechtesten Fall noch Hunger und dann sagt noch meine Partnerin, mein Partner, du wolltest heute Morgen doch den Geschirrspieler ausräumen. Das ist ja keine Haltung oder keine Art, die ich in dem Moment gut aufnehmen kann. Weil ich auf das Feedback nicht vorbereitet bin, ich wurde nicht gefragt, bist du bereit für Feedback? Weil häufig, wenn man ehrlich ist, wenn man dann gefragt wird, bist du bereit für Feedback, ist man manchmal einfach nicht bereit. Dann möchte man erst einmal ankommen zu Hause, möchte vielleicht eine kurze Kleinigkeit essen. Also bei mir ist es zum Beispiel so, wenn ich hungrig bin, ich würde dann Feedback bekommen, wird das ganz anders wirken, als wenn ich etwas gegessen hätte. Man würde dann Feedback bekommen, da ist schon von der Stimmung was ganz anderes. Genau, und viele beschreiben aber auch den Stress von der Arbeit natürlich als etwas, was erstmal abgebaut werden muss. Wenn man ein paar doofe Kundengespräche hatte, vielleicht, die nicht gut gelaufen sind und dann hat ein negatives Feedback schon vom Chef bekommen, dann ist es vielleicht erstmal so, dass erstmal eine Zeit gebraucht wird, das zu verarbeiten. Ansonsten fliegt demjenigen, der Feedback geben möchte, das auch noch mit um die Ohren, was da gar nicht hingehört. Genau. Nächstes Beispiel, stumm sein, nicht zum Konflikt sagen. Also die Menschen, die in Schweigen gehen. Also das haben wir auch sehr häufig, dass häufig ein Part der Beziehung den Konflikt unbedingt schnellstmöglich lösen möchte. Und der andere sich da überfordert fühlt mit und dann in Schweigen geht. Was für den anderen oder die anderen dann wieder schwer auszuhalten ist. Weil Schweigen ja für viele Menschen auch deshalb wie ignorierend das Schlimmste ist, was man machen kann. Also das Ausschluss, genau. Es ist ein Ausschluss und damit eine sehr, sehr starke Systemgesetzverletzung, wie wir es nennen. Und ja, auch da immer schnell eine Hilflosigkeit mitkommt. Also wenn mein Partner nicht mehr spricht mit mir, mich ignoriert, ich das Gefühl habe, ich komme nicht mehr an ihn ran, dann macht mich das an einem gewissen Level nachher hilflos. Und wütend, dann kommt die Wut hoch, weil ich möchte es erklären, ich spüre die Last in mir. Und das ist natürlich einfach für die ganze Partnerschaft sehr anstrengend. Da auch wieder verschiedene Möglichkeiten. Es gibt nicht diesen Einfall, wo man sagt, daher kommt das immer. Man muss das immer so ein bisschen analysieren und schauen. Häufig ein Verhalten, was mit der Zeit lang angeeignet worden ist, weil man das so kennt. Es ist, würde ich sagen, obwohl wir ja nicht so klischee-mäßig sprechen, häufiger aber oder tendenziell eher eine Männersache in Schweigen zu gehen, meiner Erfahrung nach. Und mehr sind das die Frauen, die dann daran verzweifeln und sagen, du sprichst denn ja nicht mehr mit mir. Wie ist deine Erfahrung? Das kommt, glaube ich, darauf an, wie die Prägung ist. Wenn das beim Mann auftritt, ist es häufig, glaube ich, eher an die Emotionen gekoppelt. Die Frau möchte über ihre Emotionen sprechen und möchte das gerne verändern und ihr ungutes Gefühl wieder loswerden. Und ich glaube, kann auch wieder ein Schubladendenken sein, aber über die Paare, die wir jetzt betreut haben, würde ich sagen, die Männer wollen das eher ein Stück weit beiseite schieben und Gras drüber wachsen lassen. Wenn das bei den Frauen auftritt, dass die Frauen ins Schweigen gehen und nichts zum Konflikt sagen, dann ist es aus meiner Erfahrung eher so ein Stück weit der Wunsch nach Harmonie und Angst vor Konflikten. Also, dass man vielleicht schon häufig von der Mutter so eine Harmoniesucht vielleicht manchmal sogar kennengelernt hat und einfach einen Konflikt, einen Streit als was ganz, ganz Schlimmes gesehen wird und dadurch man möglichst schnell versucht, das Ganze zu unterbinden und dann lieber nichts sagt, als dass man dann vielleicht mit seiner eigenen Meinung nochmal wieder aneckt und dann neue Diskussionspunkte eröffnet. Ja, genau. Also da auch zu schauen, wo kommt das her, das zu analysieren? Aus welcher Prägung, welche Glaubenssätze bestehen da? Weil dann kann man natürlich auch dementsprechend handeln, also was kann man besser, wie kann man sich besser verhalten? Da ist natürlich ganz wichtig, aussprechen, was ist. Also der Idealzustand ist ja nachher, dass man Konflikte nicht mit weggehen, schweigen, herumschreien, Vorwürfen löst, sondern dass man anspricht, wenn es ein ungutes Gefühl entsteht und das direkt auch ausspricht und damit auch diese Verbindung in der Kommunikation immer aufrechterhalten ist. Also ich immer das Vertrauen habe, alles, was bei mir ein ungutes Gefühl macht, kann ich ansprechen und bekomme dann aber auch eine wertschätzende und respektvolle Haltung vom Gegenüber. Also es wird gesehen, das wird nicht gesagt von wegen, ja du wieder, jetzt macht dir das wieder Bauchschmerzen und das ist ein Problem bei dir und ich hab das ja gar nicht und ich hab das so nicht gesagt, sondern dass man da wirklich gut drüber sprechen kann und das auch als Last immer wieder loswerden kann. Also wichtig ist, glaube ich, nochmal drauf zu schauen, wie man sich auch als Partner oder Partnerin verhält, wenn mein Partner oder meine Partnerin dieses Verhalten zeigt und ich eigentlich anders damit umgehen wollen würde. Also wenn ich das Gefühl habe, ich möchte eigentlich offen und konstruktiv darüber sprechen, mein Partner oder meine Partnerin kann das aber vielleicht nicht. Dass man dann schaut, wie geht man damit um? Bei Beispiel 1 und 3, also herumschreien und Vorwürfe machen, sind wir vielleicht eher im Angriffsmodus. Das heißt, derjenige braucht vielleicht etwas zum Kompensieren. Der muss das innerlich für sich vielleicht erstmal machen, der muss vielleicht schnell Sport machen gehen, was auch immer. damit der das entweichen kann. Und dem zu sagen, jetzt bleib mal ruhig, hör mal auf, fahr mal runter, wird im Regelfall denjenigen noch wütender machen. Der muss das tatsächlich erstmal auf irgendeine Art und Weise loswerden, bis das so ist, dass die Ursache geklärt ist und nicht mehr so viel Wut rauskommt. Wichtig ist einfach, sich nochmal bewusst zu machen, beide, dass das nicht nur dieser einen Situation gerade geschuldet ist, sondern dass, wenn dieser Angriffsmodus entsteht, einfach schon ganz viele Gefühle von davor mit ins Spiel kommen. Also nicht alles von dieser Wut gehört gerade zum Partner. Bei Beispiel 2 und 4, wo es ja eher eine Flucht ist, also wegzugehen oder stumm zu sein, da hilft es auch wieder nicht, den Partner aufzufordern, jetzt bleib hier, jetzt sprich endlich mit mir. Das wird auch wieder Druck und Ängste auslösen und eher einen Gegendruck erzeugen, dass derjenige das nicht machen wird. Das heißt, der braucht tatsächlich seine Ruhe und dann macht es aber auch keinen Sinn, das Ganze danach totzumachen. Sondern in der Ruhe, wenn die Emotionen auch wieder runtergefahren sind, den Konflikt erneut anzusprechen, Bereitschaft zu erfragen und mitzuteilen, dass das für das eigene Gefühl ganz wichtig ist, das jetzt zu lösen, um am Ende auch wieder ein starkes gemeinsames Paar zu bilden. Und dann auch hier gleiches Thema wie bei 1 und 3, die Ursache sollte gelöst werden, also schauen, wann ist dieses Muster entstanden und wie kann ich das dann ganz nachhaltig verändern, sodass in mir gar nicht mehr der Impuls hochkommt und der Drang, rumzuschreien, wegzugehen, Vorwürfe zu machen oder stumm zu sein. Das wäre doch ein schönes Abschlusswort. Finde ich auch. Genau. Ja, schön, dass du, dass ihr zugehört habt und wir hoffen, dass ihr einen spannenden Impuls vielleicht mitnehmen konntet und freuen uns auf den nächsten Podcast. Ja und wenn euch eins dieser Beispiele an euch selbst erinnert oder an den Partner, die Partnerin erinnert, könnt ihr uns natürlich gerne anschauen. Schreibt uns in die Kommentare, gerne gehen wir nochmal detailliert auf eure Fragen ein, wenn euch eins dieser Themen besonders interessiert und noch nicht tiefgreifend genug war. Ja, bis zum nächsten Mal. Bis dann. Ciao.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Herumschreien entsteht durch Wut und Hilflosigkeit, oft als unbewusst übernommenes Verhalten aus familiären Konflikten.
  2. Weggehen ist eine Fluchtreaktion, die aus Angst vor Verlust oder mangelndem Vertrauen in die Beziehung hervorgerufen wird.
  3. Vorwürfe machen sich aus emotionalen Verletzungen und unerfüllten Erwartungen, oft verborgen hinter gut gemeinten Wünschen.
  4. Stumm bleiben ist ein Ausdruck von Angst vor Konflikten oder dem Wunsch nach Harmonie, häufig prägt durch frühe Erlebnisse.
  5. Alle Streitmuster stammen aus unbewussten Prägungen und müssen durch Rückgriff auf frühere Erfahrungen verstanden und verändert werden.
  6. Kompensationsstrategien wie Sport oder innere Vorstellung können kurzfristig helfen, aber nicht nachhaltig sind.
  7. Stoppwörter oder Druck auf den Partner wirken oft entgegengesetzt und verstärken die Wut oder das Schweigen.
  8. Nachhaltige Lösung erfordert die Aufarbeitung der Ursachen und die Wiederherstellung gesunder emotionaler Verbindungen.

Summary:

In diesem Podcast untersuchen Florian und Ina vier häufige Streitmuster: laut werden, weggehen, Vorwürfe machen und stumm bleiben. Jedes Muster entsteht aus tief verwurzelten Emotionen und Prägungen, oft aus der Kindheit oder aus familiären Konfliktsituationen. Herumschreien und Vorwürfe zeigen Angriffsverhalten, die durch Wut und Verletztheit entstehen, während Weggehen und Stummsein Flucht- oder Harmonieverhalten sind.

Diese Muster sind oft unbewusst übernommen und führen zu einer verzerrten Beziehungsauffassung, z. B. dass Streit zur Zusammenhaltung gehört.

Die Lösung liegt nicht in kurzfristigen Kompensationsstrategien wie Sport oder Stoppwörter, sondern in der tiefgreifenden Analyse der Ursachen. Es ist wichtig, die emotionale Verletzungen aufzudecken, den eigenen Blickwinkel zu überprüfen und die frühen Ursprünge der Muster zu erkennen. Nur durch die Rückkehr zu Situationen, in denen es noch gut war, kann ein nachhaltiges Verhalten verändert werden.

Der Schlüssel liegt darin, dass beide Partner in Ruhe und mit Wertschätzung die Konflikte ansprechen, um die Verbindung zu stärken und langfristig eine gesunde Beziehung aufzubauen.

FAQs

Lautschreien entsteht oft aus Wut und dem Gefühl der Hilflosigkeit. Es ist ein unbewusstes Verhalten, das von der Kindheit übernommen wurde, z. B. wenn Eltern sich ständig streiten. Das Kind lernt, dass Streit zur Beziehung gehört und führt dazu, dass Ruhe als Trennungsignal gesehen wird.

Weggehen ist eine Fluchtreaktion, die aus der Kindheit übernommen wird, wenn z. B. Eltern Konflikte durch Flucht lösen. Der Partner fühlt sich hilflos, wenn er weggeht, und der andere fühlt sich isoliert. Es entsteht ein Gefühl der Verlustangst und wird oft als Lösung angesehen, obwohl es langfristig nachhaltig ist.

Vorwürfe entstehen, weil sich die Person vorher nicht gewertet oder verstanden fühlt. Die positive Absicht, Feedback zu geben, wird durch schuldzuschreibende Worte wie 'du bist', 'nie machst du' verfälscht. Enttäuschung und verletzte Erwartungen führen zu Verallgemeinerungen und Vorwürfen.

Schweigen ist oft ein Versuch, Konflikte zu unterdrücken und eine Harmonie zu bewahren. Es führt zu Hilflosigkeit und Wut beim anderen, da es als Ignorieren und Ausschluss wahrgenommen wird. Bei Frauen kann es ein Wunsch nach Ruhe und Angst vor Konflikten sein, bei Männern oft eine Abwehrhaltung.

Man kann die Wut durch Sport oder innere Vorstellung abbauen. Stoppwörter wirken oft entgegengesetzt und verstärken die Wut. Es ist wichtig, die Ursache zu finden – z. B. in der Kindheit oder bei den Eltern – und das emotionale Verletzungsgefühl zu heilen, damit der Drang, zu schreien, nachlässt.

Man sollte sich fragen, woher das Verhalten kommt. Es ist oft eine Erinnerung an Elternkonflikte. Die Lösung besteht darin, die Ruhe zu respektieren, den Konflikt später in emotionaler Ruhe zu erneut anzusprechen und die Ursachen des Verhaltens zu bearbeiten, um es nachhaltig zu verändern.

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