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Mindestlohn steigt - wer profitiert wirklich?

11m 45s

Mindestlohn steigt - wer profitiert wirklich?

Neues Jahr, mehr Geld auf dem Konto! Millionen Menschen profitieren von der Erhöhung des Mindestlohns, aber nicht alle. In Zehn Minuten Wirtschaft erklären wir, mit welchen Tricks Firmen den Mindestlohn umgehen. Und wir sagen, was dran ist an der Sorge, die aktuelle Erhöhung überfordere die Wirtschaft. LINKS ZUR FOLGE: NDR-Umfrage zum Mindestlohn: https://www.ndr.de/ndrfragt/umfrage-mehrheit-fuer-hoeheren-mindestlohn,mindestlohn-318.html Wer profitiert? Beispiele aus Schleswig-Holstein: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/was-der-hoehere-mindestlohn-ab-2026-fuer-schleswig-holstein-bedeutet,mindestlohn-306.html Mindestlohn & Co – was sich im neuen Jahr ändert: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ausblick-aenderungen-2026-100.html

Transcription

1817 Words, 11669 Characters

Neues Jahr mehr Geld auf dem Konto und zwar für Millionen Beschäftigte, die in Deutschland den Mindestlohn kriegen. Der wurde zum Jahreswechsel kräftig erhöht auf 13,90 Euro pro Stunde, wer 40 Stunden die Woche arbeitet, kriegt Brutto 190 Euro mehr pro Monat. Und wie häufig, wenn der Mindestlohn steigt, gibt es Diskussionen, die einen sagen, im Prinzip super, müsste aber eigentlich noch mehr sein, die anderen sagen, im Prinzip verständlich, aber es überfordert die Wirtschaft. Welche Fakten ihr dazu kennen solltet und wie Experten das einschätzen, erfahrt ihr in gut zehn Minuten Wirtschaft. Wer befreie, gibt es unsere Folgen in der AR-ED-Audiothek? Ich bin Arne Schulz. Hi, schön, dass ihr zuhört. Und bei mir im Studio ist jetzt mein Kollege Markus Plettendorf und es ist gut, dass er hier ist, weil er ist seit vielen Jahren unser Mann für Arbeitsmarktthemen in der NDR Wirtschaftsredaktion. Hi, Markus. Hallo, Arne. Ich habe so den Eindruck, die Diskussionen über den Mindestlohn verläuft oft sehr schwarz-weiß, also für die einnis ist immer zu wenig, die sagen, davon kann man immer noch nicht leben, die anderen sagen, der lohnt es viel zu hoch, dass überfordert die Arbeitgeber, das für dann Ende zu stellen, abbau, lass uns genauer hinschauen, erst mal diese Diskussionen, die habe es eigentlich vor Anfang an, oder, seit es den Mindestlohn gibt? Ja, diesen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn, den gibt es in Deutschland jetzt ziemlich genau 11 Jahre. Zum ersten Januar 2015 wurde der eingeführt und die Höhe damals 8,50 Euro Brutto-Prostunde. Und seitdem hat es auch 11 Erhöhungen gegeben, war nicht jedes Jahr, einer hat mal zwei in einem Jahr gegeben, aber es waren eben 11, mal in kleinen Schritten, da gab es am 10 Cent mehr Brutto-Stunde, oder auch gab es mal einen großen Schluck aus der Pole, einen Euro 55 mehr war das im Oktober 22 und Kritik, wie gesagt, hat es eigentlich immer gegeben, die Forschung allerdings hat bislang keine Belege dafür gefunden, dass der Mindestlohn oder dessen Erhöhung zu Arbeitsplatz abbau oder zu Jobverlusten geführt hätte. Das heißt, der Mindestlohn ist eigentlich gut so wie er ist, oder könnte die jetzt geplante Erhöhung für die Wirtschaft doch zum Problem werden. Na ja, man muss die jetzige Höhung und auch den beschlossenen weiteren Anstieg dann im kommenden Jahr auf 14,60 Euro natürlich im wirtschaftlichen Gesamtkontext sehen. Wir reden aktuell über eine Höhung von fast 8,5 Prozent und das sind einer Phase in der zwei Jahre Rezession hinter uns liegen und die Wirtschaft ja weiterhin schwächelt. Hier sieht auch die Wissenschaft gefahren, Enzo Weber zum Beispiel, der ist Forscher-Minstitut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung JB. Ihr weiter hoch, man jetzt geht, desto größer werden auch die Risiken, dass man doch dann irgendwann in den kritischen Bereich kommt, denn natürlich werden die Jobs nur gehalten, wenn die Lohnkosten auch erwirtschaftet werden. Das heißt, man kann den Mindestlohn nicht unendlich hochschrauben. Irgendwann fallen die Jobs weg und die Leute werden arbeitslos und das ist dann das, was keiner wollte. Und das ist bei dieser Erhöhung jetzt auch ein bisschen das Problem. Es ist eine relativ kräftige Höhung in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Gibt es denn da überhaupt so eine Grenze, wo man sagen kann, bei dieser Grenze ab da wird es wirklich zu viel? Ja, das ist genau das Problem, vor dem auch die Mindestlohn-Kommission steht, die ja diese Mindestlöhne festlegt, die muss immer wieder austarieren. Wie hoch muss der Lohnen sein, damit er wirkt und wo kippt das Ganze und leider kann die Wissenschaft da jetzt keinen konkreten Betrag nennen und sagen, bis hierher ist es gut, aber ab 15 Euro irgendwas, dann eben nicht mehr, Weber vom RAB warnt hier vor allem vor rein politisch motivierten Setzungen des Mindestlohns, die jetzt sehr kräftige Höhung, die hätte aber für noch vertretbar. Es ist dabei durchaus in Ordnung, in der Mindestlohnpolitik auch ambitioniert zu sein. Also über die allgemeinen Lohnsteigerung hinauszugehen, das ist ja überhaupt die Voraussetzung, um Lohn Ungleichheit runterzubringen. Wenn ich einfach immer nur mit dem Strom schwimme, komme ich ja auch nicht weiter nach vorne, aber 8,4 Prozent ist schon sehr weit über den normalen Maß im Moment. Deswegen, wenn man dann in die nächste Mindestlohn-Runde geht und die wirtschaftliche Lage immer noch schwach sein sollte, dann sollten wirklich die Alarmblocken leuten. Mein Arbeitsmarkt-Vorscher Weber, auf der anderen Seite müssen Menschen ja auch von diesem Geld leben können und da sagen manche, eigentlich braucht man dafür eben schon noch mehr als jetzt geplantes mit der Höhung, man braucht mindestens 15 Euro pro Stunde, wie viele Menschen betrifft dieser Mindestlohn überhaupt? Ja, das sind sehr viel mehr als man denkt, mehr als 6,5 Millionen Menschen profitieren jetzt von der Höhung, oder umgerechnet ist das etwa jeder sechste Job, der im sogenannten niedriglohn Sektor angesiedelt ist und natürlich würden sich diejenigen, die hier arbeiten, noch höhere Löhne wünschen. Klar, denn ich habe es mal durchgerechnet, gut 2.000 Euro kommen da hin, an Ende Brutto im Monat, davon leben zu müssen, vor allem in Ballungsräumen, das ist ohne Zweifel schwierig und garantiert nicht vergnügen steuerpflichtig, aber der Mindestlohn muss halt nicht nur für Arbeitgeber bezahlt über sein, sondern auch in einem vernünftigen Verhältnis zum Nächsten besser bezahlten Job stehen. Nehmen wir mal einen Beispiel in Koch in Deutschland, der verdient im Schnitt nicht viel mehr als eben diesen Mindestlohn, der jetzt beschlossen ist und wenn die Aushilfe im Restaurant mit 2,2 Brutto nach Hause geht, dann ist der Koch, oder die Köchen mit 2,3 eben nicht mehr zufrieden. Also ein höherer Mindestlohn hat dann eben oft auch Auswirkungen auf das weitere Lohngefüge. Ja, das ist ein wichtiger Punkt, das leuchtet mir ein, man muss natürlich auch Anreize schaffen, für Leute auch höher qualifizierte Jobs anzustreben überhaupt. Kucken wir mal über den Tellerrand, die deutschen Lohnkosten insgesamt, die gelten ja im internationalen Vergleich als besonders hoch, ist das auch so, wenn man den Mindestlohn international vergleicht? Ja, wir bleiben jetzt für den Vergleich mal in Europa und in der EU, dann ist es vielleicht auch ein bisschen besser vergleichbar. Da haben wir 5 Länder, in denen es keinen nationalen Mindestlohn gibt, denemark, Italien, Österreich, Finland und Schweden und gucken wir uns die Anerländer an. Im Vergleich lag der deutsche Mindestlohn bis lang auf Platz 4. Mehr bezahlt wurde in Luxemburg, Irland und den Niederlanden. In Bulgarien gab es bis lang gerade einmal 551 Euro im Monat, also knapp ein Viertel unseres Mindestlohn. Jetzt profitiert von einem höheren Mindestlohn ja nicht nur die oder der einzelnen Beschäftigte, sondern auch der Staat, weil ja Leute mehr verdienen und dadurch mehr Steuern zahlen, muss man vielleicht auch berücksichtigen. Ja, das ist absolut richtig. Zumindest so lange, wie der Mindestlohn überall bezahlt wird und nicht die Schwarzarbeit eben aufgrund auch höherer Löhne zunehmend. Hier gibt es sehr unterschiedliche Stimmen aus der Wissenschaft, die ein, die sagen, ein guter Mindestlohn senkt die Schwarzarbeit, einfach weil ich eben ausreichend verdiene, muss ich nicht mehr Schwarzarbeiten. Und es gibt aber andere, die kommen zu einer völlig gegenteiligen Überzeugung. Interessant sind hier auch noch mal ein paar Zahlen von den mehr als sechs Millionen Menschen, die in Deutschland eben in diesem niedrichen und sektor arbeiten, bekommen längst nicht alle den Mindestlohn. Sagt Soshi Johannes Sehbauer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, er hat sich dafür Zahlen der Mindestlohnkommission angeschaut. In 21 waren es rund zwei Millionen Menschen, die weniger ist denn damals bei den Mindestlohn verdient haben. Und der alternative Variante ist auf die Verdiensterhebung zu beziehen, dass es quasi eine Befragung der Arbeitgeber und dort habe ich Zahlen von aktuell 22, da waren so ungefähr 800.000 Leute. Sagt Wirtschaftsforscher Sehbauer. Ich kann Ihnen das sein. Also auf den Mindestlohn gibt es ja einen gesetzlichen Anspruch. Na ja, Gesetze kann man brechen. Es wird getriegt, um weniger bezahlen zu müssen. Zudem gilt der Mindestlohn ja auch nicht für jeden, sondern nur für abhängig beschäftigte. Und ja, damit kann man dann schon mal arbeiten. Der wird im Friseur Salon nicht mehr jemand angestellt, zum Mindestlohn, sondern es wird demjenigen, die Infrastruktur vermietet. Also der Friseur zahlt dem Salon. Inhaber eine Stuhlmiete und arbeitet ansonsten selbstständig und verdient dann eben eventuell weniger als den Mindestlohn. Das finden wir selbst im akademischen Bereich. Da gibt es dann eben keine Stelle als Professor an der Uni, sondern man wird Honoura Professor und bekommt eine feste Summe, zum Beispiel für jede korrigierte Arbeit, 10 Euro pro Arbeit, zum Beispiel braucht aber für diese arbeiten mindestens andere Repel da zwei Stunden. Und Zack ist der Mindestlohn im Grunde genommen unterlaufen. Ist aber illegal, oder? Ja, eben nicht unbedingt, ob jetzt wirklich eine Selbstständigkeit vorliegt oder eben nicht. Dafür gibt es viele Kriterien. Und das im Zweifelsfall zu überprüfen, das Objekt dem Zoll, der Finanzkontrolle schwarzarbeit, ist aber ziemlich aufwendig. Sarah Gaber von der Generalzolldirektion, die kennt nicht nur diese, sondern auch noch weitere Möglichkeiten, mit denen versucht wird, den Mindestlohn zu umgehen. So typische Umgehungsform oder Manipulationsversuche sind, dass man halt die Aufzeichnung der Arbeitszeiten unrichtig macht oder unvollständig, dass man beispielsweise umbezahlt über Stunden macht. Dann haben wir ganz auf den Fall das Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als Praktikanten auszubildene oder Selbstständige bezeichnet werden, also gar nicht richtig angestellt sind. Und es gibt immer noch die Möglichkeit zum Beispiel Bereitschaftszeiten, Rüstzeiten oder Lehrfahrten je nach Branche, dass man die nicht als Arbeitszeit anrechnet und entsprechend dann noch nicht vergütet bekommt. Der durch den Zoll festgestellte Schaden durch schwarzarbeit und illegale Beschäftigung lag 2024 bei 766 Millionen Euro, wie gesagt der festgestellte Schaden, Schätzungen gehen davon aus, dass der wirkliche Schaden weit aus höher ist, nämlich mehr als 400 Milliarden Euro. Wow krass. Markus, vielen Dank für die Einordnung. Sehr gerne. 13,90 Euro pro Stunde, mindestens so fair nicht getrickst wird. Wir haben das mal auf unserer Meinungsplattform NDR-Frag zur Diskussion gestellt. 16.000 Leute haben damit gemacht. Ergebnis, 70 Prozent finden das sinnvoll. Wir haben aber auch Leute gefragt, die selbst Mindestlohn kriegen, wie Daniel Thühner, der in Osnabrück bei der Tafel arbeitet. Und er sagt, so viel ändere sich gar nicht. Grundsätzlich käme er mit dem Mindestlohn ganz okay über die Runden, blöd sei aber immer, wenn was außer der Reihe bezahlt werden muss. Was schon Schiene geht kaputt oder der Kater muss wieder zum Tierarzt oder der Reifen ist wieder mal plat. Also es ist was schön zu sehen, dass da irgendwas passiert, aber es ist jetzt nichts weltbewegen, es ist auf gut Deutsch gesagt, das ist halt ein Tropfen auf dem heißen Stein. Was ist eure Sicht auf den Mindestlohn? Wie gut kommt ihr selbst damit aus? Oder kennt ihr Fälle, wo der umgang wird? Vielleicht seid ihr auch unternehmer und müsst mit den steigenden Lohnkosten umgehen, wie blickt ihr auf dieses Thema? Wir würden uns freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit uns teilt, schreibt uns sehr gerne an Wirtschaft@NDRDE. Das war es für heute. Montag gibt's eine neue Folge. Bis dahin macht's gut. Tschüss!

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