Das Mercosurabkommen ist ein lang erwartetes Freihandelsabkommen zwischen der EU und südamerikanischen Ländern, das eine riesige Freihandelszone mit über 700 Millionen Menschen schafft. Es sieht den Wegfall von Zöllen für gehandelte Güter vor, was zu einem erheblichen Anstieg der Exporte führen könnte. Landwirte in der EU haben Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf den Agrarmarkt, insbesondere im Bezug auf Rindfleischimporte. Das Abkommen zielt darauf ab, EU-Regeln stärker zu überwachen, um Standards in Bezug auf Umweltschutz und Tierwohl einzuhalten. Trotz Bedenken wird das Abkommen als Signal für offene Handelsbeziehungen in einer Zeit des zunehmenden Protektionismus betrachtet.
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Was lange wert wird endlich gut, sagt man ja so. Stimmt das aber auch für das sogenannte Mercosurabkommen, ein Freihandelsabkommen ist das der Europäischen Union mit Staaten aus Südamerika über das, und jetzt haltet euch mal kurz fest, mehr als 25 Jahre lang verhandelt wurde. Jetzt ist das Ganze endlich in trockenen Tüchern, nicht alle sind allerdings happy über diesen Deal und genau deswegen konnte man sich eben auch so schwer einigen. In den nächsten 10 Minuten klär ich mit meinem Kollegen Markus Plettendorf aus der NL-Info Wirtschaftsredaktion um was es bei diesem Abkommen eigentlich geht und welche wirtschaftlichen Auswirkungen das Ganze haben kann, auf übrigens weit mehr als 700 Millionen Menschen in der Welt. Also das Ganze ist eine große Nummer und damit heizu 10 Minuten Wirtschaft diese Woche wieder mit mir Melanie Biff von uns bekommt ihr Montag bis Freitag eine frische Folge in der ARD-Audiothek oder überall sonst wo es Podcast gibt. Und bei mir ist jetzt Markus Plettendorf, hi Markus schön, dass du da bist. Hallo Melanie, dann lasst uns doch vielleicht mal bei diesem ganzen Thema Mercosur grundsätzlich mal klären für was steht denn Mercosur überhaupt. Ja, musste ich ganz offen auch nachgucken und mein spanisch Portugiesisch ist jetzt, na ich spreche es eigentlich gar nicht, aber ich versuche es mal, Mercado-Commun-Del-Sur. Na, das klang doch gar nicht so schlecht. Ja, ich kann die Übersetzung besser, heißt ungefähr so viel wie gemeinsam am Markt des Südens und dahinter steht eine 1991 gegründete Wirtschaftsgemeinschaft, Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay haben die gegründet, mit dem Ziel, sondern gemeinsam binmarkt, also sowas wie wir vier, vier in der EU auch haben zu schaffen, also gemeinsam am Markt, freie Handel und seit 2023 ist auch Bolivien mit dabei. Okay, und wenn dieser Mercosur Wirtschaftsverbund jetzt sozusagen mit dem europäischen Pondor kooperiert, dann entsteht ja wirklich eine ganz riesige Freihandelszone, muss man sagen, hast du da ein paar Zahlen für uns mal? Na klar, also diese fünf Länder, wenn man die zusammennimmt, ich sage sie noch mal, Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien, die haben 2024 ein gemeinsames Bruttoinlandsprodukt von knapp drei Billionen US-Dollar erwirtschaftet, um das mal einzuordnen, ein bisschen vergleich zu machen, die EU liegt bei mehr als 20 Billionen, also schon ein bisschen mehr. Und beim Handelsvolumen, also was geht rein, was geht raus, da sprechen wir über ungefähr 438 Milliarden US-Dollar, was aus diesen Ländern exportiert wird und waren im Wert von 368 Milliarden US-Dollar, kommen rein bei den Importen. Also was raus geht, Sojabohnen, Erdöl, Eisenerze, wichtige Agrarprodukte und importiert werden vor allem Industriegüter, Fahrzeuge, Autos, LKW und Fahrzeugteile, Maschinen, Chemieprodukte und Düngemittel und Bislang, das ist ganz spannend, wichtigste Handelspartner, ist gar nicht die EU, mit der jetzt das Vorhandelsabkommen geschlossen wurde oder z.B. Wird ja, Unterschrift ist noch nicht drunter, sondern China war Bislang der wichtigste Partner. Und da gibt es jetzt also eine Veränderung und man muss ja auch sagen, jetzt du hast ja schon so ein paar Zahlen genannt, das ist einfach ein riesiger Wirtschaftsraum, der da entsteht wahrscheinlich mit sehr, sehr vielen Menschen. Vielleicht können wir da noch mal erklären, was genau denn jetzt in diesem Abkommen drin steht, über das ja übrigens hier mehr als 25 Jahre habe ich ja Eingang schon erwähnt, verhandelt wurde. Ja, ich konnte mal doch zurück, was du gerade gesagt hast, das ist wirklich, finde ich, muss man gerade zu heutigen Zeiten ein bisschen sagen, es entsteht gerade die größte Freihandelszone der Welt, einen Wirtschaftsraum mit 750 Millionen Leuten. Ja, absolut, wahnsinnig viele Menschen. Genau, und wenn man sich gerade mal anguckt, was sonst so in der Welt passiert, nämlich Nationalismus, Abschottung der eigenen Märkte, gerade bei den USA sieht man das sehr, dann ist da schon ein echtes Signal, was da passiert. Aber zu einer Frage, was steht drin beim Abkommen? Grundsätzlich sieht dieses Abkommen vor, dass fast alle gehandelten Güter die Zölle erst mal wegfallen. Die U-Kommission schätzt, dass die jährlichen Exporte, also das, was wir dann dort rüber verkaufen, dadurch, um bis zu 39 Prozent steigen können. Okay, also 39 Prozent ist ja schon deutlich, aber vielleicht setzen wir das mal in Verhältnis, also wie viel exportieren denn Deutsche Unternehmen überhaupt jetzt in diese Region? Ja, da gibt es Zahlen von der Deutsche Industrie- und Handelskammer und demnach exportieren bei den Deutsche Betrieben 12.500 Deutsche Unternehmen in diese Region. Davon sind 72 Prozent kleine und mittlere Betriebe und gerade für die sieht man auch wirklich große Chancen, dann neue Märkte zu erschließen. Grundsätzlich sind die Chancen großen, na klar, für die Autoindustrie. Ich habe es vorhin ja schon ganz kurz erwähnt, Autos werden importiert, im Moment fallen da 35 Prozent Zoll drauf an, die fallen dann eben weg, ganz gut, aber auch der Maschinenbau, Farma, Chemie, Branche, also das sind Branchen von denen, man ausgeht, dass sie von diesem Handelsabkommen profitieren. Und gucken wir uns umgekehrt an, wo knallen wir denn ordentlich Zölle drauf, das ist zum Beispiel auf den Import von Rindfleisch. Weshalb ja auch europäische Landwirte eben die Befürchtung hatten, dass billige Agrarprodukte eben hier die Märkte kaputt machen könnten, da hat es ja auch heftige Proteste vor allem gegeben in Frankreich, also auch Frankreich, hat ja bis zum Schluss dieses Abkommen nicht haben wollen und sich dagegen gestemmt. Genau, auch Italien hatte sich lange dagegen gestemmt, aber diese Proteste haben dann durchaus auch zu Zuständenissen geführt, weshalb Italien dann eben jetzt am Ende doch zugestimmt hat. Unter anderem gibt es früher und mehr Geld im EU-Haushalt für die Landwirtschaft und was man auch eingeführt hat, sind Kontingente, also es sind jetzt nicht alle waren in unbegrenzter Menge von den Zöllen befreit, sondern Rindfleisch, wo ja zum Beispiel die großen Sorgen waren, dass der Markt hier überschwemmt wird. Rindfleisch dürfen pro Jahr nur 99.000 Tonnen zu diesem reduzierten Zoll, dann künftig eingeführt werden. Und das klingt aber trotzdem irgendwie viel erst mal, oder? Ja, klingt viel 99.000 Tonnen, ich möchte sie nicht essen müssen. Aber das ist ungefähr die Hälfte von dem, was jetzt schon importiert wird, nur um das mal einzuordnen und gucken wir uns die gesamte EU-Produktion an, dann reden wir bei 99 Tonnen über nicht mal 2%. Und was auch noch vereinbart wurde, ist, dass die EU eingreifen darf, wenn es dann jetzt doch zu Preisdumping kommen sollte und hier die Märkte ins Rutschen geraten, also sollte der Rindfleischpreis jetzt wirklich massiv in den Keller rutschen, einfach weil so viel und so günstig von drüben kommt, dann könnte man auch in dieses Abkommen wieder eingreifen und diese Zollvereinbarung aussetzen und so weiter und so fort. Und man darf sich eben auch nicht immer nur ein Gewerk angucken, klar die Landwirte, die protestieren im Moment, auf der anderen Seite profitieren sie auf der anderen Seite, Schweinezüchter zum Beispiel, Milchprodukte, Weinbauern, die werden eher von dem Abkommen profitieren. Und was auch noch versprochen wurde, das ist noch ein letzter Punkt, weil man ja befürchtet hat, dass eben Standards nicht eingehalten werden, dass die Einhaltung von EU-Regeln deutlich stärker überwacht werden soll. Was genau heißt das aber in der Praxis? Naja, man will den Verbraucherinnen und Verbrauchern oder in diesem Fall auch der Landwirtschaft die Sorge nehmen, dass die Mercosur starten, deshalb billiger produzieren können, einfach weil bei ihnen andere Standards gelten. Beim Umweltschutz zum Beispiel, beim Tierwohl, da geht es um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die hier gar nicht mehr zugelassen sind, es geht um den Einsatz von Wachstumshormonen in der Tierzucht und die Agrar- und Umweltverbände, die haben da logischerweise auch massivste Bedenken angekündigt, Ökonomen, die das sich jetzt eben nicht nur aus einem Blickwinkel betrachten, die sehen eher die enormen Vorteile des Abkommens und da hört man eben auch stimmen, die sagen, Mensch kommen, wir haben doch diese Mengenquoten jetzt auch mit vereinbart. Eine riesengroße Gefahr, dass jetzt der europäische Markt hier überschwemmt wird, mit billig Produkten, für die überhaupt keinen Standard mehr gilt, die Gefahr sei nicht besonders groß. Dann kann man ja vielleicht sagen, haben sich diese 25 Jahre Verhandlung vielleicht am Ende doch gelohnt. Vielen Dank Markus für deine Recherche. Genau, wir reden in 25 Jahren. Wieder drüber. Genau. Oh Gott. Dankeschön. Tschüß. Am Sonnabend dann in dieser Woche soll das Mercosurabkommen final unterschrieben werden. Damit hat die EU sich also neue Handelspartner gesichert. Und das in einer Zeit, in der sich vieles in der Welt, in der Handelsordnung geändert hat. Also ich sage nur US-Zölle, aber auch die Konkurrenz aus China. Und bei Mercosur allein wird es wahrscheinlich auch gar nicht bleiben. Kanzler März ist ja gerade auf Indienreise bei dem dortigen Ministerpräsidenten Modi. Und März hält es offenbar für möglich, dass die EU schon ganz bald, nämlich Ende des Monats, ein weiteres, freihandelsabkommen vereinbaren könnte und zwar mit Indien. Und das wäre dann eine richtig große Nummer, denn allein in Indien leben rund 1,5 Milliarden Menschen. Wenn ihr von uns nichts mehr verpassen wollt, dann lasst uns gerne mal ein Abo da in der ARD-Audiothek oder über sonst wo es Podcast gibt. Wir hören uns dann morgen wieder und da sprechen wir übers Öl und vor allem die Preise für diesen Rohstoff, nach dem US-Angriff auf Venezuela. Und wir klären, was das eigentlich alles für uns bedeutet. Damit wünsche ich euch jetzt erst mal einen schönen Tag, ich sage Tschüss und bis morgen.
Podcast Summary
Key Points:
Das Mercosurabkommen ist ein lang verhandeltes Freihandelsabkommen zwischen der EU und südamerikanischen Ländern.
Das Abkommen schafft eine riesige Freihandelszone mit wirtschaftlichen Auswirkungen auf über 700 Millionen Menschen.
Es beinhaltet den Wegfall von Zöllen für gehandelte Güter, was zu einem Anstieg der Exporte um bis zu 39% führen könnte.
Landwirte in der EU haben Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf den Agrarmarkt, insbesondere im Bezug auf Rindfleischimporte.
Das Abkommen zielt darauf ab, EU-Regeln stärker zu überwachen, um Standards in Bezug auf Umweltschutz und Tierwohl einzuhalten.
Summary:
Das Mercosurabkommen ist ein lang erwartetes Freihandelsabkommen zwischen der EU und südamerikanischen Ländern, das eine riesige Freihandelszone mit über 700 Millionen Menschen schafft. Es sieht den Wegfall von Zöllen für gehandelte Güter vor, was zu einem erheblichen Anstieg der Exporte führen könnte. Landwirte in der EU haben Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf den Agrarmarkt, insbesondere im Bezug auf Rindfleischimporte.
Das Abkommen zielt darauf ab, EU-Regeln stärker zu überwachen, um Standards in Bezug auf Umweltschutz und Tierwohl einzuhalten. Trotz Bedenken wird das Abkommen als Signal für offene Handelsbeziehungen in einer Zeit des zunehmenden Protektionismus betrachtet.
FAQs
Das Mercosurabkommen ist ein Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit Staaten aus Südamerika, darunter Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien.
Das Abkommen schafft eine riesige Freihandelszone mit einem gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt von knapp drei Billionen US-Dollar und einem Handelsvolumen von Hunderten Milliarden US-Dollar.
Das Abkommen sieht vor, dass fast alle gehandelten Güter zollfrei gehandelt werden können, was zu einem potenziellen Anstieg der Exporte um bis zu 39 Prozent führen könnte.
Deutsche Unternehmen, darunter viele kleine und mittlere Betriebe, könnten von neuen Absatzmärkten profitieren, insbesondere in Branchen wie Automobilindustrie, Maschinenbau, Pharma und Chemie.
Einige befürchten, dass billige Agrarprodukte den europäischen Markt überfluten könnten, was zu Protesten von Landwirten führt. Es wird betont, dass die Einhaltung von EU-Standards verstärkt überwacht werden soll.
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