Speaker 1ganz ganz herzlich willkommen zu einer neuen folge von meinem podcast lebendig frau sein und ich bin ganz freudig aufgeregt denn heute bin ich mal nicht alleine hier ich bringe die liebe elan stefani mit die elan ist körper forscherin sie ist autorin und seminarleiterin und wir haben auch schon einiges miteinander erlebt wo ich ja ganz glücklich bin dass wir uns kennen hallo liebe
Speaker 2elan eine solche ehre in einem podcast ein stück online space mit dir zu teilen ja
Speaker 1ja magst du noch irgendwas zu dir persönlich sagen oder ich könnte sagen
Speaker 2eigentlich nicht und es geht mir gar nicht so darum was zu mir persönlich zu sagen aber weißt du allein diese wenige worte über einiges zusammen erlebt und ich habe sofort wo ich so feuer fange und wo ich auch über unsere zusammenarbeit so dankbar wenn es so diese ein bisschen wie so ein wütender bis dahin zu schauen und über das zu sprechen was immer nach so teilweise ein paar jahren oder jahrhunderten smalltalk mal zur sprache kommt und dass das darunter dieses diese schattige dieses dunkle dieses hässliche falsche gestörte in anführungsstrichen das ist so dass wo ich irgendwie sehr liebe dass da eine zusammenarbeit von uns beiden spürbar ist für mich die das halt so ohne den smalltalk ohne das vorspielen so direkt angeht und da wollt ihr sagen das ist das ist für mich eine kraftader in unserer verbindung finde ich
Speaker 1großartig total weil wir könnten jetzt glaube ich tatsächlich fünf stunden smalltalk machen hier und und es ist tatsächlich das andere was es auf den punkt bringt und was uns alle wach rüttelt und was uns letztlich auch wieder gesund werden lässt oder kraftvoller werden lässt direkt die dinge anzusprechen und ja
Speaker 2und tatsächlich wenn ich dann noch mal eine fußnote hinzufügen kann wenn wir einen podcast machen oder ein gespräch machen zum beispiel bei weiblichkeit oder lebendig frau sein oder oder was für eine riesenversuchung verlieren dass wir uns dann in irgendwelchen hübschen netten richtigen etiketten aber so richtig verfangen und das wäre zeitverschwendung und da bin ich irgendwie total neugierig weil ich einfach weiß du arbeitest komplett andersrum so und dann merke ich aber auch dass das macht reden über weiblichkeit und lebendigkeit so immens wichtig dass wir einfach speziell wo wir auch hübsch sein können und richtig und nett und angepasst und lächeln können dass wir genau diese diese öffentliche diskussion stören den wir genau damit sprechen was sprachlos ist und beschämt und verwundet weil ich glaube daher kommt die echte kraft von echter lebendigkeit und echter weiblichkeit und echter männlichkeit aber das ist nicht unser thema
Speaker 1ist vielleicht in der form nicht unser thema aber ich es streift unser thema auch immer ein bisschen es gibt nämlich sowas was ich ganz oft erlebe und das habe ich mich am anfang selber auch gefragt vielleicht magst du da was dazu sagen dieses thema wenn man sich so mit mit frauengruppen frauen seminaren und so wie du das auch tust beschäftigt dann taucht so diese frage auf wieso gibt es jetzt da schon wieder frauengruppen und wieso müsst ihr frauen immer was irgendwie für euch tun oder nur nur für euch und ist das nicht was trennendes und für mich ist das auf einer tiefen seite sehr wichtig und das ist ja auch so auf einer tiefen ebene genau das gegenteil es ist verbindend aber es ist von vielen menschen in klammern vor allen dingen auch männern eben einfach so eine angst dass es wieder nur irgendwie etwas sein könnte was trennend ist wie siehst du das und wo siehst du vor allen dingen die brücke ja
Speaker 2die brücken bauen sich von selber wenn wir auf allen seiten oder auf allen ebenen unserer kontinente wieder genug satte erde unter den füßen haben ich könnte sagen unter den pfoten haben als tiger und als tigerin die brücken bauen sich von alleine wir kommen aus einer verhungernden und traumatisierten kultur was das angeht sich überhaupt mal fünf minuten lang um sich selber kümmern zu müssen zu dürfen bedeutet in diesen fünf minuten ja da brauche ich eine harte hitliste sind das fünf minuten die ich mich mit mir beschäftige mit mir als frau mit mir als mensch verbringe ich die in einer frauengruppe verbringe ich sie mit meinen liebsten der natürlich heterosexuell ist et cetera et cetera ganz ehrlich lillian so will ich nicht leben ich will die verbrannte ganze torte ich will frauengruppen ich will als frau männergruppen leiten ich will als frau von männern lernen ich will zeit alleine haben ich will zeit als tier haben ich will zeit haben um einen baum zu umarmen und ich will zeit haben um die fresse zu halten ich will die ganze torte die ganze torte und ganz ehrlich wenn ich die ganze torte haben kann und du die ganze torte weil es kein tabu mehr ist sich selber mal selber nähren zu dürfen mit allen frequenzen selbstverständlich dann bauen sich die brücken von selber es ist nicht wahr dass es mich von männern trennt wenn ich mich in frauengruppen befinde es ist auch nicht wahr dass es mich von männern trennt oder nicht trennt wenn ich mich mit männern angebe wahr ist solange ich verhungere in bezug auf die erlaubnis mich selber zu lieben und zu erforschen und zu spüren das trennt weil dann alle im burnout feststecken aber ganz ehrlich das ist immer noch eine kultur die glaubt man kann sich an brotproben satt essen und das ist nicht wahr wir versuchen zu überleben aber ich will die torte und das ist für mich lebendig frau sein ich gehe nicht in dieses spiel rein wir müssen uns entscheiden sowohl als auch als auch als auch als auch das ist das ist die größe von leben die uns zur verfügung steht und die kriegen wir nicht wenn wir mit play in small weitermachen weder als man noch als frau noch als anderes
Speaker 1geschlecht ja ich glaube es ist auch im blickwinkel an dem man sich einfach festbeißen kann und da verliert man dann das was du gerade angesprochen hast ja
Speaker 2und man verliert das geschenk von einer zutiefst tabuisierten und gefürchteten energie und das ist gier aber wenn wir ganz ehrlich sind wir sind verdammt gierig nach einem verdammt guten leben oder wenn wir mal aufhören der kleine gute junge zu sein das kleine brave mädchen wir sind verdammt ungeduldig wir haben auch keine lust mehr darauf auch nur noch bis morgen zu warten dass wir diese welt retten oder an unsere weibliche kraft kommen wir haben uns dazu warten wir sind ganz schön gierig und die energie von gier ist ganz schön gut und wenn wir die unterdrücken wird es zerstörerisch im außen und im innen aber wenn wir sie nicht unterdrücken dann dann wollen wir alles wir wollen uns nicht entscheiden müssen und das gute ist wir müssen auch nicht ja in einer frauengruppe die ja aktuell durch corona gar nicht legal ist schau wie schön wäre das wenn mein blickwinkel wo
Speaker 3du sagst wir
Speaker 2beißen uns am blickwinkel fest das ist ein blickwinkel und er hat recht aber er hat nicht mehr recht als der gegensätzliche blickwinkel weil das leben eine runde torte ist und kein duales spiel aus wer ist hier der wichser und wer ist hier der brave engel ist das nicht cool dass in der wahrheit jede wahrheit platz hat ja das ist das
Speaker 1spielt aktuell glaube ich eine ganz besondere rolle was du gerade gesagt hast weil wir das alle so erleben wie viele meinungen so nebeneinander stehen die sich bekämpfen und das ist ich merke mal dass es mich sehr traurig macht weil all diese wahrheiten und all diese meinungen letztlich nebeneinander stehen könnten und wir könnten uns ich sag mal damit bereichern wir könnten uns auch unsere meinung ganz klar sagen wir könnten uns abgrenzen aber wir könnten auch neugierig darauf sein und das geschieht halt nicht oder zu wenig
Speaker 2ich glaube sogar es gibt wenn wir uns mit unseren instinkten und unseren schattenenergien beschäftigen mit unserer körperlichkeit und das ist ja letzten endes wie du auch sagst körperforscherin wir haben uns in einem so tief körperlichen setting kennengelernt von körperlich gesehenen frauen gruppen die tanzen und die sich schütteln und die mit ihrer mit ihrer urkraft wieder in verbindung kommen weißt du wenn wir körperlich werden mit diesen themen wie weiblichkeit oder menschlichkeit oder meinungen dann bemerken wir unser nervensystem unsere körperlichkeit die hat gar kein problem mit widersprüchlichen meinungen weil die sagt ey ich nehme alle weiten gleichzeitig fühlt sich gut an exakt das interessante daran ist wir müssen uns auch nicht entscheiden zwischen ich darf mich abgrenzen von deiner meinung lillian und du dich von meiner und wir müssen uns auch nicht entscheiden zwischen ich darf mich abgrenzen von deiner meinung lillian und du dich von meiner und wir müssen uns auch nicht entscheiden zwischen ich darf mich abgrenzen von deiner meinung lillian und du dich von meiner und ich darf mich hier öffnen die magie ist sogar ich muss mich von deiner meinung lillian abgrenzen können erst dann kann ich mich physiologisch öffnen für deine schönheit deiner wahrheit und wir menschen sind so dual traumatisiert wir sind so mental dass wir glauben ja wie jetzt abgrenzen oder ja sagen und die tigerin in uns lacht sich tot und sagt wie bitte das sind gegensätze für euch ihr armen kinder grenz dich ab grenz dich ab und speziell wenn ich den punkt kurz für diesen Podcast lancieren, darf lebendig Frau sein. Wir müssen als Frauen hören, immer die Meinung unserer Schwester teilen zu müssen. Das ist Zwangsharmonie, das ist Familientrauma. Wir beide müssen miteinander kämpfen, können wir lernen. Ansonsten sind wir unmöglich gute Tigerinnen füreinander. In dem Moment können wir aber zusammenarbeiten, können wir uns aufeinander verlassen, indem du ganz klar weißt, ich kann dir ins Gesicht sagen, wo ich anderer Meinung bin und du andersrum auch. Wir brauchen das Geburtsrecht, uns voneinander abzugrenzen. Und speziell dort wo wir es am wenigsten in der Kultur gelernt haben, und das ist speziell unter Frauen, es hat nichts mit echter Weiblichkeit zu tun und nichts mit Lebendigkeit. Wenn wir sagen, oh, jede Frau ist meine Schwester und wir sind ja so gleich. Das sind wir nicht. Das sind wir nicht. Und wir werden diese Vielfalt feiern in dem Moment, in dem wir dazu stehen dürfen, dass wir beide Weiblichkeiten sind, die es so nie wieder geben wird. Nie wieder. Niemand wird deine Form von lebendiger Weiblichkeit
Speaker 1wiederholen können. Und niemand deine.
Speaker 2Und niemand deine, liebe Hörerin und lieber Hörer. Oder nicht liebe Hörerin, gierige Hörerin, was auch immer. So viel Wildheit.
Speaker 1Wenn du jetzt von dem Wertvollen, was du gerade gesagt hast, so versuchen würdest, jemandem zu erklären, der sagt, ja, wie mache ich das denn? Ich kann das verstehen, was du sagst, dass wir eigentlich nebeneinander stehen dürfen oder uns auch anfauchen dürfen und uns verschieden finden dürfen und streiten dürfen und uns grundlegend verkehrt finden dürfen. Aber wie können wir das auf einer tieferen Ebene so lernen, dass wir es spüren, dass wir das können? Nicht nur vom Kopf verstanden haben, ich darf
Speaker 2das. Schau, ich sage jetzt mal einfach, was mir was mir, entschuldige, ich hoffe, diese Sprache ist erlaubt in deinem Podcast, den Arsch rettet, und zwar jeden Tag, und zwar ungefähr hundert Male, okay?
Speaker 1Also hier ist alles erlaubt.
Speaker 2Alles erlaubt. Lebendige, weibliche, kraftvolle Schattenarbeit, okay, haust raus, Ilan. Also pass auf. Was mir den Arsch rettet, multiple, jeden Tag, ist, mich zu schütteln. Und zwar nicht, mich zu schütteln mit, oh, ich schüttel mich von Kopf bis Fuß und dann habe ich die Lösung, sondern ich schüttel mich jeden Tag, von mir aus, hundert Male, von Kopf bis Fuß. Und dann glaube ich nicht mehr der alten Lüge oder dem alten Konzept, als sei es die Lösung. Mein Weg ist, mich ganz viel zu schütteln, um die alte Ordnung, das, was ich gelernt habe, systematisch zu verlernen oder durcheinander zu schütteln. Und ganz konkret, ganz konkret, ich stelle mich hin, stehe breitbeinig, ich mache die Augen zu, ich atme durch den Mund und dann, schüttel ich mich in den Handgelenken und in den Kniegelenken, während ich durch den Mund atme statt durch die Nase, während ich Töne mache statt zu lächeln, weil ich ja so ein hübsches Mädchen bin. Wirklich, es sind diese, wie ganz oft am Tag sind es diese Pausen, die ich mir als Tier, als Tigerin nehme, von der, von der Kultur, die mir sagt, du bist ein Mensch. Weil bevor ich ein Mensch war, war ich eine Tigerin. Und das schüttelt sich wach, das wird frei in mir, das bekommt Kraft in mir, wenn ich mich schüttel. Und in dem Sinne ist es ein bisschen wie, ich versuche einfach in meine Automatismen von, oh, ich muss ja die Meinung von meinem Nachbarn gut finden. Nein, ich finde sie fucking beschissen. Er hat fucking Unrecht und er muss jetzt die Partei wählen, die ich wähle. Fertig, aus. Ich bin nämlich gierig, ich bin nämlich selbstgerecht und ich bin nämlich zu viel und ich bin auch wütend auf ihn. Und ich bin auch wütend auf Männer und so weiter. Halt, das ist was ich mit Schattenarbeit meine. Das ist, das ist die Goldader meiner echten Kraft. Da wird das nicht stecken bleiben. Aber wenn ich mir den ganzen Tag erzähle, nein, also Männer haben auch ha, ha, ha, ha, ha. Wenn ich den ganzen Tag einen auf lieb und nett mache, dann bleibe ich darin stecken. Und dann ist mein eigener Schatten in meinem eigenen Schattenbereich. Und damit werde ich auch ein Problem für alle um mich rum. Die mir dann nämlich abkaufen sollen. Ich sei ja so harmlos, während sie sagen, Ilan, du bist ganz schön zickig und ganz schön anstrengend. Wenn wir uns, wenn wir das mal so sagen würden. Und ich versuche also in diese Abläufe von ich bin das liebe gute Mädchen und lächle einfach weiter, drei Minuten Pause reinzubringen, indem ich mich drei Minuten lang schüttel. Und das bringt was. Weißt du, wenn ich beispielsweise jetzt mir von dir irgendeine Meinung anhöre, bei der ich absolut dagegen bin, dann müssen ich und du gar nicht sofort in die Diskussion gehen, wer denn hier jetzt irgendwie mehr Recht hat und wer jetzt recht hat. Ich kann mich einfach hinstellen und drei Minuten lang schütteln. Und danach kann ich entweder mit dir sprechen und ich werde es unter Garantie anders tun, als vor den drei Minuten schütteln. Oder ich kann sogar merken, meine gesamte Ladung, Lilian, darüber müssen wir reden, du musst dir meine Meinung anhören, die ist viel richtiger als deine, die hat sich in Luft aufgelöst. Denn das Problem, dass deine Meinung nicht neben meiner stehen kann, das existierte nie zwischen uns, es existierte in mir. Weil ich den Raum für meine Wahrheit zu klein gemacht habe. Und wenn der Raum für meine Wahrheit zu klein ist, dann mache ich den Raum für deine Wahrheit natürlich auch zu klein. Deshalb will ich die Wahrheit aus dir rausprügeln. Und was ist Wahrheit? Das ist kein mentales Konzept. Wahrheit ist, wie viel Lebensenergie darf in mir fließen oder nicht fließen. Und wenn in mir, weil ich mich halt nie schüttel, keine Lebensenergie fließen kann, ja, dann werde ich geizig mit dem Begriff Wahrheit. Und dann sage ich, pass mal auf, entweder deine oder meine. Und selbst meine Wahrheit ist ja nicht wirklich wahr. Und das wirklich Schöne ist, wenn ich für meine Wahrheit kämpfe und Grenzen um sie setze, weil ich meine Wahrheit beschütze wie eine Tigermama, ihr Tigermädchen. Dann ist meine Wahrheit in meinem Herzen so wahr, dass ich dir deine Wahrheiten mit Kusshand lasse. Weil ich deine Wahrheiten sehe, wie sie dich mit Energie füllen. Und noch mal, solange wir aus einer verhungernden, kulturellen Kultur kommen, die glauben, die glaubt, sie könnte sich satt essen an Brotkuchen, solange werden wir die eigene Wahrheit sogar eigentlich erleben als ein Fake. Und dieser innere Selbsthass, der macht uns dann so eng nach außen. Der macht uns unmenschlich. Es ist wirklich das Körperliche. Nimm eine Pause vom Denken, indem du drei Minuten dich schüttelst. Und danach, Tigerin und Tiger, darfst du gerne weiter denken. Aber bitte drei Minuten jetzt einfach schütteln. Zu guter Musik, das ist doch keine Strafe. Nur anders als das, was wir gelernt haben unter Menschen, als Frauen. Und aber ganz ehrlich, wir wollen Dinge anders machen, als so, wie wir sie gelernt haben. Also warum nicht damit anfangen? Oh, wir setzen eine Playlist in die Show Notes zu diesem Podcast. Mit Sprecher-Schüttelmusik. So richtig meine Tigerinnen-Musik. Voller Schattenenergie. Wütende Sängerinnen. Die gibt's nämlich. Cool. Ja, drei Minuten Quickies mit Schüttel. Der Tigerinnen-Quickie. Und danach zurück zum Menschlichen. Sich die Köpfe einschlagen, wenn es dann noch
Speaker 1Spaß macht. Das ist gut. Ah, wow. Ja, es ist oft so dieses ganz viele Komplexe, was drüber liegt. Und eigentlich, immer wieder runtergebrochen ist es so einfach. Und wir machen es uns so schwer. Und eigentlich ist es so natürlich. Und wir sind so unnatürlich. Und ja, es ist immer wieder irgendwie so berührend. Weil ich glaube, dass das Thema mit Gier, das Thema mit, ich bin aber richtig und du hast Unrecht und all diese Dinge in jedem Menschen schlummern. Und wir alle, dieses diese Nicht-Erlaubnis von, was ist meine Wahrheit, mit all der Wucht, die da drin steckt, so krass runterdrücken und so krass negieren und weghalten und bekämpfen, obwohl sie so bis an die Oberfläche da ist und eigentlich auch vibriert. Und wir merken es dann in den vielen Dingen, die schieflaufen. wir suchen aber an den verkehrten Stellen, ich sag mal, durch vielleicht Kultur oder Erziehung oder was auch immer, suchen wir an den verkehrten Stellen. Und es ist so genüsslich, wenn dieser Geschmack davon dann da ist, dass ich mit dem, was da in mir ist, sowas von richtig bin und da sein darf und damit auch erscheinen darf. Ja, und
Speaker 2es ist, wie weißt du, wenn wir uns schütteln, dann ist das ja nicht, die Körperin schüttelt sich vor sich hin und dem Rest ist langweilig in meinem Erleben. Das bringt ja die Wut hoch. Und das bringt ja die Angst hoch. Und wenn ich dann als was ist denn der nette kleine Nebeneffekt von Schütteln, wenn ich dann was hinzufügen darf, und ich glaube, das ist wahr für alle Menschen, wenn ich ein wesentlich lebendiges, selbstbestimmtes Leben führen möchte, speziell als Frau, mit diesem Haufen an Scheiß, den ich gelernt habe über Weiblichkeit, das geht nicht ohne Angst und es geht nicht ohne Wut. Und ich möchte es ganz klar gesagt haben. Wenn ich in meinem Leben keine Angst erlebe, dann lebe ich ein Leben, das halbtot ist. Wenn ich mir weiter die Geschichte erzähle, nein, meine Kindheit war in Ordnung, ich habe keine Wut in mir, dann habe ich ein Riesenproblem. Ich hatte wirklich Lehrerinnen und Lehrer, die mir gesagt haben, pass mal auf, wenn du das Spiel weiterspielst, du seist hier nicht wütend, dann können wir aufhören zu arbeiten, denn dann ist hier nichts zu holen. Du trittst auf deine Hauptschlagader und verlangst von mir zu lernen, wie du lebendiger wirst, das wird nicht funktionieren. Wenn du nicht wenigstens so tust, als seist du wütend, wird die echte Wut in dir sich überhaupt nicht eingeladen fühlen. Und das ist ein Punkt, weshalb wir uns so sehr versuchen, verzweifelt an dem zu orientieren, was wir von der Kultur gelernt haben. Weißt du, Lilian, wir versuchen immer noch, das gute Mädchen zu sein. Lass mich lebendig Frau sein, aber lass es mich kriegen auf einem Weg, der immer noch safe ist. Wenn aber niemanden enttäusche um mich rum oder schockiere, dann bin ich nicht auf einem Highway in meine Kraft, denn ich bin verdammt viel und du bist verdammt viel. Und wir Frauen sind kollektiv und individuell so ausgebrannt und so erschöpft. Und weißt du, was unter diesem ausgebrannten Burnout kollektiv individuell schlummert? Wir sind zu viel. Wir sind zu viel. Wir machen Angst. Wir sind eine Tigerin, bei der sich die Tiger schön der Reihe nach anstellen und in Seelenruhe abwarten, für wen sich und ob sich die Tigerin heute überhaupt für Kontakt entscheidet. Die Tigerin ist die Queen in einem Dschungel seit Millionen von Jahren. Und wenn wir nicht in das Erbe von diesem Brüllen treten, dann treten wir auch nicht in das Erbe von dieser immensen Kraft zu begehren und zu wollen und zu leben und zu lieben. Wir kriegen nicht die kleine Liebe. Wir kriegen auch nicht die kleine Ekstase. Es kommt nach dem Brüllen und es kommt nach der Todesangst. Und ganz ehrlich, eine Sache, die ich zum Beispiel an deiner Arbeit so sehr schätze oder die ich an dir als Lehrerin so sehr schätze, ist, du lernst halt nicht, auf einem Weg aus Büchern, du lernst halt aus der Wunde, du lernst halt aus dem, dass du sagst, ich weiß, wie es ist, auf die Fresse zu fliegen. Ich weiß, wie es ist, mir die Stirn an den Wänden, die stehen bleiben, blutig zu schlagen. Und deshalb zeige ich dir einen anderen Weg. Und ich habe gerade heute Morgen so dieses, nee, ich würde gar keine Menschen mehr als Lehrerin akzeptieren, wenn ich nicht wüsste, dass diese Lehrerinnen ihre Wunde kennen. Wer nicht darüber spricht, wo er scheitert, der kann mir nichts erzählen. Weil nicht zu scheitern. Och, das haben mir meine Lehrer in der Schule schon erzählt. Lief großartig. Heute Morgen war das gerade so deutlich in mir. So dieses, Mann, was bin ich froh, Menschen zu kennen, deren Licht leuchtet, weil sie die Dunkelheit kennen. Und es
Speaker 1gibt auch etwas von, ich kenne es selber auch so gut, und ich kenne unfassbar viele Frauen, für die das so ist. Ich habe selber lange immer nach diesen Kompromissen gesucht, weißt du? Diese Kompromisse, so ein bisschen mehr Wut, so ein bisschen mehr von Rebellion und ein bisschen mehr meine Meinung sagen. Aber versuchen alles andere immer noch so halten zu können. Ehe muss immer noch genauso laufen. Sex muss immer noch genauso laufen. Mit den Eltern muss es noch genauso laufen. Das Bild nach außen muss noch genauso weiterlaufen. Und ich habe irgendwann verstanden, ich falle immer noch mal wieder kurz drauf rein. Das ist irgendwie wie so eine Sucht, die, keine Ahnung, ob mir die eingeimpft worden ist oder wo auch immer die herkommt. Aber ich habe irgendwann wirklich mal verstanden, dass das nicht miteinander funktioniert an der Stelle. Es gibt nicht ich mache das bisschen mehr kraftvoll, ich mache das bisschen mehr lebendiger. Es gibt einfach nur entweder gehe ich diesen Weg mit all dem auf die Schnauze fliegen oder ich gehe ihn wirklich nicht.
Speaker 2Ja, es ist wie wir sagen, ah, okay, die Wut ist also wichtig. Dann geben wir immer so einen kleinen Kaninchenkäfig. Und in diesem kleinen Kaninchenkäfig, wo ja niemand irgendwie was davon haben kann, da darf sich dann meine Wut austoben. Da sagt die Wut natürlich zu Recht, Entschuldigung, ich bin die Wut. Ich bin der Killerinstinkt. Ich hoffe, du hast verstanden, mit wem du es hier zu tun hast. Und mir ist es so, aber gehen wir nicht in den Vorgarten, liebe Wut. Wo die Wut natürlich, wo sie denkt, ja, aber dann bin ich nicht Wut. Und das ist so spannend, dass wir wirklich versuchen, die Wut, diese tiefen, eruptiven, explosiven Urkräfte in uns noch hübsch am Vorgarten vorbeizulenken. Und sich dann die Tigerin und der Tiger in uns drüber totlachen und sagen, ups, naja, das ist das nicht transformiert. Das war irgendwie klar. Das ist ja irgendwie klar. Genau. Es ist wirklich, weißt du, wir sind ja aufgrund von unserem Leidensdruck und auch weil wir sehen, wir haben es unsere Mütter, unsere Großmütter, unsere Väter und so weiter, wir haben sie es hingekriegt und nicht hingekriegt. Wir sind ja bereit, Schritte zu gehen. Und dann ist aber die nächste Falle, die Schritte auf dem Nicht-Minenfeld gehen zu wollen. Weil wir wissen, wir leben menschlich und individuell aber auf dem Minenfeld. Und dort lernen zu tanzen, ich glaube, es bleibt uns einfach nicht erspart. Es ist, wie wir wissen, unsere Wut, unsere Wahrheit fordert Menschen heraus. Wird Menschen verstören? Wird vielleicht dazu führen, dass uns Menschen verlassen? Können wir das ganz ins Feuer werfen? Ganz ins Feuer werfen? Können wir unsere Beziehung heute opfern? Können wir den falschen Sex heute ganz verbrennen? Denn wenn wir dem Sex und dem Leben und der Liebe und dem Leuchten, wenn wir diesen Dingen etwas zutrauen, dann kann es ja wohl nicht wahr sein, dass wir glauben, sie würde nie auferstehen, nur weil wir nicht an der kleinen Version von ihr festhalten. Es gibt was, wo wir uns so überschätzen. Aber es ist ja so, der Sex, die Liebe, das Leben, das hat ja uns hervorgebracht. Es ist ja nicht so, dass die Liebe entstanden ist, nachdem ich auf die Welt kam, weil ich die Liebe geboren habe. Ich bin ja ihre Tochter. Ich bin ja nicht ihre Mutter oder ihre Vorgesetzte. Warum opfere ich dann nicht meine kleinen Bilder von Liebe und warte darauf, dass sie groß wieder aufersteht? Es gibt was, wo wir wirklich sehr, sehr falsch umgewickelt sind. Aber man verängstigt zugleich. Und können wir diese falschen kleinen Konzepte ganz vernichten? Ganz vernichten? Weil wir so ganz und gar eigentlich verzweifelt sind? Und was entsteht dann? Es gibt aus Tibet ein so schönes Sprichwort. Nun, da meine Scheune heruntergebrannt ist, kann ich den Mond sehen. Wie ist das? Wie ist das, wenn wir diese ganzen Scheunen, diese falschen Ehen, diese unglücklichen Lügen, dieses ganze kleinen Mädchen lächeln? Wenn wir all das verbrennen und verbrennen lassen, wenn wir dann dastehen, als wir ein kleines Staunen und das Tiger-Mädchen und wir schauen den Mond an. Was für ein Frieden, wenn dieses Brennen in uns endlich mal brennen durfte. Aber die Scheune lodert. Und das ist eine knallende Nacht.
Speaker 1Klar. Ja. Du sprichst, man hört ja, diese Kraft da drin, wie du über dieses Thema sprichst und auch man spürt deine Wut da drin. Wenn du sagen würdest, so wie es früher war und wie du jetzt heute für diese Themen einstehst, komme, was da wolle. Was ist für dich dieser Punkt gewesen, wo du die Entscheidung getroffen hast? Vielleicht sogar wirklich mit dem Wissen, ich fliege vielleicht Millionen Mal mit der Schnauze in den Dreck und ich gehe diesen Weg. Was war deine Motivation oder was war das, was dich dahin gebracht hat? Weil ich vermute, dass du, ich sage mal, auch mal erstmal normal aufgewachsen bist und die Entscheidungen dahin sind ja oft nicht die Entscheidungen, wo man sagt, naja, ich probiere jetzt einfach mal was Neues aus, sondern es sind ja oft eher vielleicht schmerzhafte Punkte im Leben. Was war es bei dir?
Speaker 2Ja, ich glaube, ehrlich gesagt, es war eine Serie von Wake-up-Calls und ich bin eher normal aufgewachsen. Ich würde sogar sagen, ganz, ganz, ganz besonders normal. Also ich war so sehr das richtige, hübsche, intelligente irgendwie Mädchen und dass ich einfach niemand Sorgen machen musste und Bilderbuchkindheit und so weiter und Wunschkind. Also es war irgendwie so besonders unauffällig, dass wahrscheinlich schon einige bedachten, also wenn das mal knallt, dann knallt das vermutlich richtig. Und das ist aber auch, ich glaube, ganz viele von uns leiden an dieser Unauffälligkeit, die sie sich dann auch erstmal selber geglaubt haben, weil sie es mitgegeben bekommen haben und das ist auf einer Ebene ein ganz gutes Sprungbrett, weil sozusagen, wenn du die Bombe zündest, dann fliegt es echt allen um die Ohren, weil halt auch niemand vorher mal Schutzmaßnahmen getroffen hat, weil man dachte, also denen geht es so gut, da passiert wirklich nichts. Also mein erster Leidensdruck war, ich habe mich unlebendig gefühlt. Das heißt, ich habe durch eine relativ unbesorgte Kindheit und Herkunft das schmerzhafte Privileg gehabt, zu leiden an dem, was diese Kultur uns überhaupt erzählt, über dieses naja, man kommt ja zurecht. Speziell wenn man weiblich und jung und privilegiert ist. Und man denkt, vielleicht ist weiblich und jung und privilegiert gar nicht so ein Privileg, wenn es darum geht wirklich den Juice von Leben zu kosten. Ich war einfach sehr gut in der Schule, nur im Kopf und so weiter. Klar, am Ende des Tages, ich weiß nicht, wie es ist zu rennen. Ich weiß nicht, wie es ist zu fühlen, wirklich zu vibrieren vor Lebendigkeit. Und irgendwann fordert die Tigerin in mir ihr Recht ein. Und dann bin ich sehr unbewusst auf sehr krassen Wegen. Ich würde immer noch sagen, ich war mit 18, 19 einfach zu feige, um mal auf den Putz zu hauen, indem ich Drogen nehme. Und bin dann sehr unbewusst einen echt effektiven Weg gegangen, indem ich zwei Jahre in der Sexarbeit gearbeitet habe. Total freiwillig. Auch wieder unter sehr privilegierten Umständen in Berlin. Aber gleichzeitig das Privileg, privilegiert in der Sexarbeit zu arbeiten, öffnet ja nur wieder den Blick dafür, was läuft denn da eigentlich schief zwischen Männern und Frauen, wenn sie sich gerade nicht gegenseitig bezahlen für Sex. Denn Sexarbeit spiegelt das ja. Sexarbeit ist ja wieder mal nicht die Schattenwelt, die die bösen anderen miteinander ausmachen. Das passiert ja in jedem Schlafzimmer. Der Tauschhandel von Sex gegen Nichtsexuelles passiert ja von allen mit allen. Aber es ist ja so bequem zu sagen, nein, also bei uns ist ja privat der Sex. Und der böse bezahlte Sex, der ist ja ganz anders. Und das ist er halt nicht. Und ich habe aber in diesen zwei Jahren Sexarbeit erlebt, es macht mich lebendiger, mich mit Schattenthemen zu beschäftigen. Den Tabuthemen, eine Hure zu sein. Den Tabuthemen, Geld zu nehmen oder Orgasmen zu fägen, was auch immer. Das macht mich lebendiger. Weil ich irgendwie nicht verstehe, wie läuft das mit den Huren und den Freiern. Ich verstehe irgendwie, wie läuft es mit Mama und Papa. Und Mama und Papa sind nicht meine Mama und mein Papa, es sind unsere Mamas und unsere Väter. So sieht es aus. Und dann habe ich nach und nach gemerkt, wenn mich das Erkörpern von Schattenaspekten lebendiger macht, wenn ich öffentlich sozusagen eine Hure sein kann, was ist dann eigentlich wirklich so bedrohlich? Sozusagen, wenn mein Ruf schon ruiniert ist und ich aber mehr Energie habe und mehr Zugang zu Wahrheit und mehr Durchblick als jemand, der dieselbe Zeit seines Lebens in der Uni verbracht hat.
Speaker 1Das hast du damals schon, entschuldige, wenn ich dich unterbreche, aber das hast du damals schon körperlich gefühlt, dass da was anders wurde,
Speaker 2oder? Ja, ich würde schon sagen, ich möchte ganz kurz an dieser Stelle erstmal als Disclaimer, ich mache keine Werbung dafür, als Sexarbeiterin zu arbeiten, man zahlt einen hohen Preis. Ich sage nur, sich nicht mit den eigenen und kollektiven Schattenaspekten und Energien zu beschäftigen, dafür zahlt man auch einen Preis. Und ich glaube, deshalb unter anderem reden wir hier. Ja, ich habe das damals gespürt und ich möchte ganz kurz an einem Punkt in die Tiefe gehen, Lilian. Und das war vor meinem ersten Freier, am ersten Tag im Hof. Das war, ich hatte überhaupt keine Ahnung, davon zieht man sich hier die Suess an, wie schminkt man sich überhaupt, die Wimpern, ich habe keine fucking Ahnung von irgendwas. Ich bin nie vorher in meinem Leben auf High Heels gelaufen und meine Kolleginnen waren so ein bisschen so, aha, das ist hier ihr erster Tag und sie hat überhaupt nichts drauf und nichts verstanden, was machen wir denn jetzt? Dann haben sie mir von irgendwelchen Second-Hand- Sammlungen, irgendwelche roten Trillkleider hinterhergestopft ins Bad und haben gesagt, probier mal dich irgendwie komisch anzuziehen. Also es war irgendwie so ein bisschen, geh mal in dieses Puff-Badezimmer rein und versuch dich mal irgendwie anzuziehen mit diesen Klamotten, du hast von nichts eine Ahnung, das wird jetzt irgendwie schon. Und ich habe vor diesem Spiegelbild gestanden und ich habe mich noch nie so frei gefühlt. In einem Setting, was wohlgemerkt nicht gebaut ist, damit ich mich frei fühle. Natürlich mit Männern, die ich mir nicht frei aussuche, also nicht frei im Sinne von, dass es jetzt nur um Law of Attraction und Mr. Right geht. Sex in einer Weise, die auch von denen geprägt ist und nicht nur davon, was ich jetzt meine lebendige sexuelle Urkraft heute gerne hätte. Natürlich und gleichzeitig, warum habe ich mich dort freier gefühlt als in der Schule? Weil da irgendwie diese Fata Morgana aus der Wohlstand einer privilegierten Gesellschaft hätte Ahnung von Freiheit, der war mal weg. Diese Fata Morgana, diese Illusion, diese kollektive Lüge war mal weg. Ich habe mich noch nie so frei gefühlt wie in dem Moment, in dem ich versucht habe, verzweifelt meine Wimpern so zu tuschen, dass ich wenigstens in hundert Jahren mal aussehe wie eine Prostituierte. In meinen Klischees natürlich auch nur aussieht, weil die echten Prostituierten sehen natürlich ganz anders aus als unsere Rollenbilder von Prostituierten, die da alle so produzieren. Ja, ich habe das körperlich gespürt. Ich habe es körperlich gespürt. Und ich habe nach dem ersten Freier gespürt, oh wow, ich habe nie sexuell was anderes gemacht als das. Ich habe noch vorher kein Geld dafür genommen. Wie interessant ist das denn? Und ich habe nach dem ersten Freier vor dem Spiegelbild wieder gestanden, mir in die Augen gestanden und gedacht, irgendetwas muss doch jetzt anders sein. Und es war einfach nichts anders. Das ist, was ich sagen kann. Es war nichts anders. Und das zeigt, wie sehr, wenn wir in die kollektiven, individuellen Schattenenergien eingehen, wir erkennen uns selber mehr als die freieren, kraftvolleren Wesen. Die Öffentlichkeit und die Schule erzählt dir nicht wie viel du drauf hast. Sie erzählt es dir nicht. In dem Sinne, ja, ich habe das körperlich gespürt. Und von dort aus war es eine Kettenreaktion. Dann habe ich ein Buch darüber geschrieben. Dann sagten mir so viele, die nie mit Sexarbeit was am Hut hatten, Männer und Frauen, danke für dieses Buch. Und ich habe plötzlich gemerkt, mein Schatten und mein Leiden ist gar nicht ein privates Hobby. Das sind gar nicht die fünf Minuten von Frauengruppe oder Männergruppe. Das ist etwas, worunter der gesamte Planet leidet. Und deshalb will ich, dass du stolz bist auf deine Verwundung, Lillian. Denn nur dann redest du über Dinge, die mich abholen unterhalb von meinem Smalltalk und die mich mutiger und neugieriger machen in Bezug auf mich selber. Und deshalb ist wichtig, dass ich weiß, wo ist meine Wunde und darüber rede. Denn nur dort kann ich etwas teilen, was Kraft hat.
Speaker 1Absolut, ja. Ja, und das Fantastische ist, und das habe ich tatsächlich auch erlebt, durch Wunde und durch Durchgehen, ich habe mich vorher wie abgeschnitten und alleine gefühlt damit. Und für mich war es dann tatsächlich zu bemerken, ich habe das geschafft, ich habe das überlebt, da durchzugehen. Und ich habe ja nicht nur eine Sache überlebt, ich habe viele Sachen mittlerweile überlebt, wo ich einfach spüre, ich bin durchgegangen. Und dann kam für mich, also noch eine Zeit vor lebendig Frau sein, kam einfach diese Zeit, wo ich gemerkt habe, ich bin gar nicht so alleine mit diesen Themen. Und ich habe mich aber so viele Jahre so schrecklich alleine damit gefühlt. Und dann war für mich einfach nur klar, ich habe zwar keine Ahnung, wie ich das mache, ich habe auch keinen Fahrplan dafür, ich habe auch keine Ahnung, was bei rauskommt. Und ich habe noch weniger Ahnung davon, ob das überhaupt jemand toll findet und da mitgeht oder so. Oder dass da irgendwo was draus zieht für sich. Aber für mich war klar, ich möchte mit diesem Thema rausgehen, weil ich selber gespürt habe, wie alleine ich mich gefühlt habe, die Erkenntnis hatte, dass ich es eigentlich nicht bin. Und dann kam einfach diese Wut, wo wird denn drüber gesprochen, dass wir mit diesen verletzten Themen, insbesondere Frau sein und Sexualität und all den Sachen, mit denen wir ja zu Hause uns in unseren vier Wänden bewegen und mit Freundinnen kommt wieder das Lächeln, wo du am Anfang so schön drüber gesprochen hast. Und diese Dinge. Und da war für mich klar, ich habe echt keinen Plan. Ich habe null Fahrplan für dieses Projekt. Aber ich weiß, ich gehe damit raus, weil das kann nicht sein, dass nicht mehr drüber besprochen wird. Und es kann nicht sein, dass sich jede Frau irgendwie damit alleine fühlt und eine Frau, die sich eingeladen fühlt, sich Inspiration zu holen, wie sie freier werden kann oder was sie für sich tun kann, für ihre Wut, für ihr Leben, für das, wofür sie hier auf die Welt gekommen ist, kann sich vielleicht bei Lebendig Frau sein, vielleicht bei dir, wo auch immer, einfach irgendwie eine Portion Mut oder Inspiration oder sowas holen, um nicht um meins zu finden und auch nicht um deins zu finden, sondern letztlich um ihres zu finden. Und das wusste ich. Und das war mit so einer Kraft irgendwie da, dass es aufregend ist und gleichzeitig aber irgendwie auch so eine ganz komische Klarheit hatte, undefiniert. Weißt du? Sonst hat man für Projekte immer so einen Fahrplan und sagt, ich werde jetzt als nächsten Schritt das tun und als übernächsten Schritt das tun und strategisch, da muss das und das folgen und so weiter. Und das war alles nicht da. Ich wusste nur, es gibt den Moment und jetzt ist er da und ich gehe damit raus. Und aus den Feedbacken aus dem Kontakt mit den Frauen merke ich einfach, dass es so auf den Punkt das ist, was wovon wir mehr brauchen. Deswegen liebe ich das mit dieser Wucht, mit der du drüber sprichst, diese Deutlichkeit, mit der du drüber sprichst. Weil ich glaube, dass das ansteckend ist und weil ich glaube, dass das die Dinge sind, wo einfach sowas vielleicht, wo der Kopf noch gegen ankämpft, aber in dir als Frau vielleicht was anspringt und sagt, ja, ja, ja, ich habe schon immer gewusst, dass es da noch was gibt, was mich mehr ausmacht, was mich mehr auf diese Welt bringen lässt. Und das ist irgendwie sowas, du hast vorhin auch so dieses Wort von Feuer irgendwie genannt, noch mehr Feuer dafür anzuzünden, dass das noch viel mehr Menschen, Frauen für sich wirklich finden auf ihre ganz, ganz eigene Art und Weise.
Speaker 2Ja. Und weißt du, wir reden so viel von weiblichen Archetypen. Ich rede davon übrigens gar nicht, aber heute ist ein guter Tag für Premieren, weil ich ja das erste Mal in deinem Podcast sein darf. Deswegen mache ich das kurz. Weißt du, wenn ich dir zuhöre, Lilian, es gibt was wie, ich bin mit so viel Stolz und Dankbarkeit da, wenn du auch jetzt einfach noch mal mehr Worte gibst in das, wie ist dein Prozess, weil ich weiß, du wirst wieder und wieder und wieder dich ganz in dieses Feuer werfen. Und wie du sagst, du hast es überlebt und ich möchte was hinzufügen. Nein, ein Teil von dir hat es nicht überlebt. Jedes Mal verbrennt ein falsches Selbstbild. Es gibt etwas von dir, was in diesen Transformationen, wo dir alles weggerissen wird, wo mir in meinen Krisen alles verbrannt wird, die Scheune ist niedergebrannt. Die Scheune ist weg. Aber ich habe nie die Scheune gebraucht, um zu leben. Ich brauchte den Mond, ich brauchte die Elemente, ich brauchte den Kosmos in mir und um mich umzuleben. Das macht mich lebendig. Das heißt, es gibt etwas, wo wir, und das ist der Archetyp, über den ich reden möchte, wir sind innerlich die Schamanen. Und das sind wir Frauen auf vielen Ebenen, glaube ich, einen Tick, ich könnte sagen, müheloser oder intimer mit dem Tod. Wir wissen sehr viel darüber, wie es ist, zu sterben und zu töten. Und diese Todesschamanen, die müssen wir sein füreinander oder können wir sein füreinander in einer Zeit, die auch global sich sehr, sehr ernsthaft mit dem globalen Sterben beschäftigen sollte. Einfach weil es jetzt auch wissenschaftlich langsam relevant wird, sich mal zu überlegen, wie es denn so kollektiv mit dem Sterben und Leben der Menschheit aussehen soll die nächsten Jahre. Das heißt, es gibt etwas, wo mein Zerrissenwerden und Verbranntwerden in meinen Krisen, wo dein Sterben, dein Verbranntwerden in deinem auf die Schnauze fallen, in deinem Verwundetsein, in deinem, dir fliegt alles um die Ohren, in deinem, da ist mal gar kein Fahrplan mehr. Wir brauchen dieses Wissen in unsere Nervensysteme, was du genau auf den Punkt bringst. Ich habe es überlebt und du wirst es wieder und wieder und wieder überleben. Du wirst in deine eigene Todesangst springen mit immer, immer, immer mehr Urvertrauen. Und du wirst eines Tages oder ich werde eines Tages, wenn es gut läuft, erleben, ich hatte lange keine Todesangst mehr. Hier läuft was schief. Ich muss zerbrochen werden für den nächstgrößeren Raum, der ich eigentlich bin. Für die nächstwildere, gefährlichere Frau, die ich eigentlich bin. Für die nächstsexuellere Tigerin, die ich eigentlich bin. Weißt du, es gibt etwas, wo wir diese Schamanen, diese Initiatoren, die eben nicht auf die Erlaubnis wartet, sondern die anderen die Erlaubnis gibt, weil sie sagt, ich bin so tief gefallen. Ich kann nicht tiefer fallen. Also lass los, Tigerin. Lass los, Schwester. Kein Fahrplan. Keine Richtung. Kein Fünfjahres-Businessplan. Es fühlt sich richtig an, weil dein Kopf nicht hinterherkommt. Also spring. Und zwar heute. Nicht morgen. Du bist zu ungeduldig, um zu warten. Es ist nie morgen. Dieses Rückhaltlose. Uns wird die ganze Scheune weggebrannt und danach sind wir bereit zu sagen, wenn deine Scheune fackeln soll, ruf mich an. Ich bin da. Ich kenne den Weg. Lass es verbrennen. Ich bin da. Du wirst es überleben. Aber du wirst erleben, dass du es nicht überlebst. Und ein Teil von dir stirbt. Der Teil, der zum Beispiel in dir, zum Beispiel in mir gründlich verbrannt ist und vielleicht immer noch gründlicher verbrennen muss, ist dieses es allen recht machen können. Und Wahrheit gut ausdrücken können. Ich glaube, etwas in dir und etwas in mir ist so oft gestorben, dass wir sagen, Moment mal, also entweder oder. Und deswegen, ich kann es nicht anders formulieren als schütteln rettet mir meinen verfickten Arsch. Jeden Tag. Es ist was wie ich kann sagen, schütteln hilft, aber helfen reicht mir nicht, weil ich zu gierig bin.
Speaker 1Ja, und es stirbt die Illusion, ich schmeiß mich einmal rein, stehe wieder auf und dann ist es endlich gut. Die stirbt einfach.
Speaker 2Und im Gegenteil, stell dir vor, wie schrecklich es wäre, es wäre ab jetzt einfach nur noch gut. Oh Lilly, schon morgen wäre uns so langweilig. Oh ja. Was für ein Fest, mit dir zu sprechen. Über so viel mehr oder auch so viel mehr Ebenen als einer Smalltalk und Worte-Ebene. Hat ganz viel Wertschätzung und Dankbarkeit dafür.
Speaker 1Ja. Wow. Ich habe gerade einfach jetzt hier den Impuls für den Augenblick, das so rund sein zu lassen.
Speaker 2Ja. Und wie eine Torte, die aber nie aufhört.
Speaker 1Genau. Da ist jetzt einfach so viel drin, was so gehaltvoll ist und so viel berührt, was es glaube ich für den Moment tatsächlich gut ist, rund ist. Und ich würde mich riesig freuen, wenn wir trotzdem eine zweite Torte backen und oder eine dritte oder eine vierte und uns einfach noch öfter auf diesem Weg so sehen und mit Intensität und mit Wut. Und mit viel Lust auf echtes Leben einfach noch weiter
Speaker 2unterhalten. Ja. Oh, wäre mir eine Ehre. Bitte. Super. Es gibt so viele Tortenrezepte. Oh ja. Ein Unterlassungs-Symbol, das sie mir absolut gekostet haben. Danke. Ich grüße die Wut. Ich grüße die Tigerin. Ich grüße das Feuer in dir.
Speaker 1*lacht* Danke dir, Ilan. Danke dir. Und für dich als Zuhörerin. Danke für deine Zeit und dein Vertrauen, dein Dasein. Und wir beide freuen uns, Ilan. Und ich freue uns auf ein nächstes Mal mit dir.
Speaker 3*Musik* Bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Mal.