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Kann man eine Fehlgeburt durch eine Paartherapie verarbeiten?

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Kann man eine Fehlgeburt durch eine Paartherapie verarbeiten?

Fehl- und Totgeburt sind traumatische Ereignisse, die viele Paare emotional tief beeinflussen. Diese Erfahrungen werden oft nicht ausreichend verarbeitet, was zu psychischen Problemen, Angstzuständen und einer Zersplitterung der Beziehung führen kann. Ein entscheidender Schritt zur Heilung ist die Anerkennung des verlorenen Kindes – beispielsweise durch einen Platz im Familienleben oder durch eine Trauerfeier. Paare reagieren unterschiedlich auf die Trauer: Frauen erleben oft Schuldgefühle, Männer können sich abwenden, was zu Konflikten führt. Eine nachhaltige Verarbeitung erfordert offene Kommunikation, Respekt für den individuellen Trauerprozess und die Bereitschaft, gemeinsam Zeit zu nehmen. Coaching spielt hier eine wichtige Rolle, indem es den Prozess begleitet, Gedanken klärt und ein Gefühl der Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft fördert. Auch die Anerkennung von Schwesterkindern oder den ersten Kindern als „gestorben“ oder „nicht gelebt“ ist essenziell. Diese Praxis hilft nicht nur, die Trauer zu verarbeiten, sondern auch, eine nachhaltige und gesunde Beziehung nach dem Ereignis aufzubauen – mit einem neuen Gefühl von Zuversicht und dem Wunsch, zukünftig wieder gemeinsam ein Kind zu haben.

Transcription

4067 Words, 24759 Characters

German
Hallo und herzlich willkommen zu dieser neuen Podcast-Folge bei den Lebenslisten. In dieser Folge soll es um das Thema gehen, Totgeburt oder Fehlgeburt, wie könnt ihr diese als Paar nachhaltig verarbeiten und die emotionalen Verletzungen und Gefühle wie Wut, Ärger, Traurigkeit, Ängste vor der Zukunft vielleicht, was passiert bei einer neuen Schwangerschaft, wie könnt ihr das für euch lösen und als Paar nachhaltig verarbeiten. Viele Paare haben den Wunsch, gemeinsam ein Kind zu bekommen. Aber manche Paare erleben es halt leider, dass das Kind nicht es auf die Welt schafft. Und dieses Thema möchten wir heute im Podcast nochmal etwas näher erklären, erläutern. Und dazu ist mir gleich am Anfang auch eine Geschichte in den Sinn gekommen. Wir haben eben darüber noch gesprochen, dass ja das ganze Thema Fehlgeburt, Totgeburt ein Thema ist, was in der Zeit, in der wir jetzt leben, in unserer Gesellschaft leider noch gar nicht so präsent ist. Darüber wird irgendwie zu wenig gesprochen. Wenn man aber doch mal in den näheren Umfeld so bei sich selbst auch schaut und gerade vielleicht auch mit dem Thema Schwangerschaft sich beschäftigt, dann wird einem doch klar, dass es gar nicht so selten ist, dass eine Fehlgeburt eine Familie betreffen kann. Und wir hatten gerade die Geschichte mit unserem Sohn, als ich schwanger geworden bin und ich den positiven Schwangerschaftstest in der Praxis gemacht habe. Wir waren damals, vor Corona durfte man ja vor einigen Jahren noch zusammenwenden zum Arzt. Und ja, ich hatte zu Hause einen Test gemacht und dann noch in der Praxis. Und für mich war in dem Moment einfach klar, ein positiver Schwangerschaftstest in meiner kleinen heilen Welt. Ja, jetzt bin ich schwanger und jetzt geht das Ereignis Schwangerschaft los. Und war eigentlich nur so eine Bestätigung noch, dass das alles jetzt so ist. Also Schwangerschaft heißt auch? Ja, für mich war das so der Fall in meinem Kopf. Und gestoppt wurde dieser Gedanke so ein bisschen in dem Moment, als der Arzt reinkam vor der Untersuchung in dieses Behandlungstimmer und dann sagte, ja, sie haben einen positiven Schwangerschaftstest, aber ich gratuliere noch nicht. Das heißt ja noch nichts. Und das fand ich in dem Moment total verletzend, weil ich dachte so, ja, also er hat gerade gesagt, er möchte mir nicht gerade oder uns nicht. Er möchte mich nicht gratulieren. Das fand ich dann irgendwie total makaber. Ja. Und das hat mir in dem Moment auch irgendwie Angst gemacht, weil ich dachte so, wieso stimmt irgendwas nicht? Was meint er damit? Warum heißt das noch nichts? Ja. Und das war so der Moment, wo mir klar war, so das erste Mal, okay, es ist doch alles komplizierter als gedacht oder könnte komplizierter werden. Letztendlich sind wir sehr dankbar, es ist alles gut gegangen. Unser Kind ist einige Monate später gesund auf die Welt gekommen. Ja, es ist trotzdem ein komisches Gefühl von ärztlicher Seite, einmal so den anderen Blickwinkel zu bekommen und das so plötzlich überraschend. Ja. Und wir hatten das selber auch im Freundeskreis schon, dass ein paar von uns leider das erlebt hat, dass sie das Kind sehr spät verloren haben. Und ja, das sind Momente, gerade wenn man selber denn ein Kind hat, die einem natürlich auch sehr berühren und die auch bei uns im Coaching, halt ab und zu immer mal wieder ein Thema sind. Und deswegen wollen wir darauf heute nochmal genauer eingehen, weil es ja schon eine krasse Belastung ist, ein Ereignis. Also ich finde immer so, Geburt und Sterben sind so Ereignisse, die in der Gesellschaft keinen Platz haben, die aber einen total durchrütteln und ja, erschrecken und mal wieder zeigen, dass man doch nicht alles im Leben bestimmen kann. Also bei Geburt meinst du eben Tod oder Fehlgeburt hat keinen Platz, ne? Also die Geburt, wenn alles gut geht, hat ja schon einen Platz. Nein, ich meinte jetzt das. Dass man auf die Geburt letztendlich auch nicht immer zu 100% Einfluss hat, also auf die Welt kommen und von der Welt weggehen, dass das noch sozusagen zwei Prozesse sind, die man nicht bis aufs Letzte sozusagen bestimmen kann. Ja, okay. Man ist ja doch gewöhnt, dass man sonst alles auf der Welt für alles eine Lösung hat. Ja. Also da vielleicht nochmal zu unserem befreundeten Paar, die sind auch beide Coaches, von daher ist es vielleicht für euch interessant, die gehen da auch sehr offen mit dem Thema um, wenn euch das betrifft. Dann könnt ihr uns auch gerne eine Nachricht schreiben, denn unser guter Freund hat dazu ein größeres E-Book geschrieben, das senden wir euch dann gerne mal. Dann könnt ihr einfach mal bei einem Paar, was das erlebt hat und was einfach die Coaching-Erfahrung und die Voraussetzung mitbringt, das nachhaltig und gut zu verarbeiten, dann könnt ihr die Geschichte von den beiden nachlesen, wie sie es gemacht haben, wie sie es geschafft haben, was deren Prozess war. Vielleicht hilft das dem einen oder anderen nochmal, diese etwas intensiver beschriebene Geschichte. Mir fällt da ein aktuelles Coaching ein, bei dem nochmal klar wird, welche Spätfolgen das auch letztendlich für das Paar und auch für vielleicht nachfolgende Geschwisterkinder hat. Wenn man eine Todgeburt oder eine Fehlgeburt nicht nachhaltig verarbeitet, denn da war es so, da ist die große Schwester von demjenigen, den ich im Coaching habe, kurz nach der Geburt verstorben. Das ist damals als Todgeburt betitelt worden und es gab auch keine Trauer. Keine Beerdigung, also dem wurde damals nicht viel Zeit beigemessen oder nicht viel Anerkennung geschenkt, dass da eigentlich schon ein fertiger Mensch zur Welt gekommen ist, der ja auch schon einen Namen bekommen hat. Das ist ja nochmal wieder was ganz anderes. Und die Mutter konnte dieses Ereignis nicht nachhaltig verarbeiten und hing seitdem ihr Leben lang in der Traurigkeit fest und hatte natürlich in den zwei Nachfolgern, in den Schwangerschaften enorme Angst davor, dass so etwas wieder passiert, weil natürlich auch nicht das Wissen und die Technik von heute besteht und heute passiert sowas deutlich seltener. Wird ja auch ganz anders überwacht in der Schwangerschaft schon. Die Lunge hat sich nicht geöffnet, ein Problem, was sicherlich heute auch noch auftreten kann, aber wo wir heute natürlich medizinisch ganz andere Maßnahmen haben, als wenn man jetzt mal 50 Jahre zurückgeht. Was hat sich daraus ergeben? Also die Mutter hat tatsächlich, so beschreibt das mein Klient, hat dadurch psychische Erkrankungen in der Folge entwickelt, weil sie mit dieser großen Traurigkeit für sich nicht zurechtgekommen ist. Sie auch von ihrem Mann oder ihren Eltern keine begleitende Unterstützung bekommen hat, diese Traurigkeit zu verarbeiten. Dann war das eh eine Zeit, wo viel Arbeit angesagt war, Wiederaufbau. Also es gab auch nicht jetzt irgendwie viel Zeit, sich auszuruhen und zu sagen, ich nehme meine Auszeit, ich fahre mal in Urlaub und komme mal runter, verarbeite das, nehme mir mal Zeit für mich. Das war auch nicht da. Und ja, dann hat sie diese Angst in die anderen Schwangerschaften mitgenommen und ein bisschen, dass sie dann meinen Klienten nicht annehmen konnte, als er geboren wurde, was sicherlich Anteile hatte aus der entstandenen psychischen Erkrankung, aber auch. Vielleicht zum Selbstschutz, um sich selbst ein Stück weit abzukoppeln. Das waren vor allen Dingen so die ersten drei Monate, wo sie ihn nicht annehmen konnte. Und das ist vielleicht so die Zeit, wo ihre Angst noch ganz besonders stark war, dass da was passieren könnte. So wie wir heute ja so in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft immer recht vorsichtig sind, damit das groß zu verkünden, weil man sagt, da kann noch so viel passieren. So hatte sie wahrscheinlich das Gefühl in den ersten drei Monaten. Ich nehme ihn mal nicht so an und mache da meine Liebe sofort auf und schließe ihn in mein Herz, denn es könnte ja passieren, dass er vielleicht auch wieder verstirbt. Und dann habe ich wieder diese starke Verletzung und ein zweites Mal verkrafte ich das nicht nochmal. Und das heißt, das hat sich bei ihr durchs ganze Leben gezogen. Und bei ihm hat sich das letztendlich durch das Gefühl der Suche nach Liebe, der Suche nach Urvertrauen auch durchs ganze Leben gezogen, was wir jetzt dann für ihn nochmal aufgreifen. Er selbst hatte dann eine sehr schöne Idee, als wir da zu diesem Punkt schauten und gesehen haben, dass das so die Ursache dafür war, die Auslöser, dass er eben diese Liebe und das Urvertrauen nicht bekommen hat, wie er es sich gewünscht hat. Und weil wir immer den Punkt suchen, wann war es mal gut. Und da hatte er von sich aus die Idee, dass da seine Schwester erstmal natürlich so einen Platz bekommt, dass er erstmal so sehen kann für sich. Dass er gar nicht drei Geschwister hat, sondern eigentlich vier. Dass die erstmal so einen Platz bekommt. Und das ist so ein wichtiger Anteil unserer Methode, dass jeder einen Platz bekommt, ob nun lebend oder tot. Der hat seinen Platz im Inneren halt. Genau, wollte ich gerade sagen, was heißt seinen Platz bekommen? Vielleicht das mal erläutern. Das heißt, dass die Person sozusagen im Leben einen Platz bekommt. Das kann vielfältig ausgelegt werden, dass man vielleicht, wenn man mag, einen verleugnet. Wenn man ein Foto aufstellt oder irgendwie einen Namen irgendwo aufschreibt. Das geht darum, dass, wie du schon sagst, wenn man eine Aufzählung macht, wie viele Kinder hat man, dass das Kind mitgezählt wird. Es geht darum, dass die Geschwisterkinder, die vielleicht danach kommen oder die natürlich davor vielleicht da sind, dass die auch davon wissen. Und natürlich kindgerecht damit umzugehen wissen, dass das Kind nicht verschwiegen wird. Ja, da geht auch einfach um die Anerkennung da. Wenn wir jetzt wieder an unseren Freund denken, dann ist das so ein bisschen. Untypisch? Das machen wir sonst so nicht, wie die das für sich dann machen. Weil die sagen, die haben jetzt ein zweites Kind bekommen, was gesund zur Welt gekommen ist. Und er schreibt zum Beispiel oder sagt, er ist zweifacher Vater. Das ist gesellschaftsuntypisch. Gesellschaftstypisch wäre eher zu sagen, ich habe eine Tochter. Aber er sagt ganz klar, ich habe zwei Töchter. Sodass die Erste da voll ihren Platz bekommt und voll in die Anerkennung geht. Auch wenn sie vielleicht nicht mehr physisch auf der Welt ist, so ist sie ja irgendwie da gewesen. Und das anzuerkennen, das ist ein ganz wichtiger Schritt. Und dann war seine Idee, um da seiner Schwester einen Platz zu geben und das nochmal nachhaltig zu verarbeiten, mit einem anderen Familienmitglied zusammen diese Trauerfeier und auch den Grabstein nochmal nachzuholen und zu sagen, dadurch bekommt sie ihren Platz. Man kann diese Traurigkeit nachholen. Und das könnte einiges verändern. Wir sind jetzt im Coaching an einem Prozess, wo wir das alles innerlich durchlaufen haben und wo das für ihn jetzt auch nicht mehr gebraucht wird. Also er konnte ihr jetzt einen Platz geben. Er konnte die Traurigkeit der Mutter innerlich nachverarbeiten, auch für sich. Und konnte für sich in das Gefühl gehen, von der Mutter angenommen worden zu sein. Sodass er das verarbeiten konnte. Die Überlegung ist jetzt noch, das so auf den Familiengrabstein ihren Namen mit hinzuzufügen. Dass da letztendlich auch diese Anerkennung wieder da ist. Aber diese Trauerfeier und eine Rede eines Pfarrers oder Pastors, das braucht er für sein Gefühl jetzt nicht mehr. Dann nur noch mal, das war jetzt so ein bisschen ausgeholt, so eine Geschichte. Aber es geht darum mal zu sehen, was das mit einem nachhaltig verändern kann oder sogar mit der nächsten Generation verändern kann, wenn man das halt eben nicht nachhaltig verarbeitet, sondern diese Traurigkeit weiter mit sich trägt. Genau. Switchen wir jetzt noch einmal zu den Paaren. Wie man das als Paar erlebt vielleicht oder als Paar damit belastet ist. Das ist ja, denke ich mal, für viele vielleicht, die sich das jetzt anhören, auch ein großes Thema, wenn als Paar einfach so eine Belastung im Leben, so ein schlimmes Ereignis hervortritt. Überraschend natürlich häufig auch. Wie geht man damit um? Ich glaube, da ist auch die Schwierigkeit, dass da auch Mann und Frau unterschiedlich wieder miteinander umgehen. Dass die Frauen natürlich auch einen anderen Prozess als die Männer durchleben. Natürlich durch die Geburt, die körperlichen Auswirkungen, dass da auch ja medizinisch, medizinische Interventionen stattfinden. Denn natürlich auch die Verbundenheit durch das Kind, die ja einfach auch durch die Schwangerschaft eine andere ist. Viele Frauen berichten auch, dass sie eine Art Schuldgefühl haben, weil das Kind ja bei ihnen im Bauch war. Jetzt ist das nicht gesund auf die Welt gekommen. Also ich frage auch, habe ich irgendwas falsch gemacht? Habe ich irgendwas nicht gemerkt? Hätte ich recht, zum Arzt gehen sollen? Also auch ganz viel Angst und Zweifel. An sich selber. Und natürlich auch die Trauerphase als Paar. Also bei der Trauer, so ist mein Erfahrung auch im Coaching ganz häufig, ist es so, dass es Paare zusammenbringen kann. Also das Trauer verbindet. Aber auch, dass Trauer, auch in anderen Lebenssituationen, eigentlich immer, wenn eine Trauerphase eintritt, auch einen auseinander treiben kann. Weil Trauer auch wieder ein Ereignis ist, was wir sehr selten im Leben durchleben. Manche Paare jahrzehntelang nicht. Und dann sterben vielleicht die Eltern das erste Mal. Und dann zeigt sich halt einfach auch, wie jeder trauert. Und das kann ja auch anders sein, als man den anderen bisher kennengelernt hat. Also wenn ich jetzt denke vielleicht, okay, wir gehen sonst in Konflikten so und so miteinander um. Oder wenn du traurig bist, dann kann ich dich trösten auf die Art und Weise. Kann das bei einer Trauerphase, wenn jemand gestorben ist, was ganz anderes sein. Da kann die Person, die eigentlich gerne in den Arm genommen werden möchte, in dem Moment sagen, okay, das ist mir alles zu viel. Ich brauche, ich brauche Platz für mich, ich ziehe mich jetzt zurück. Und da entstehen ganz viel Unsicherheiten. Und das kann einen auch in dem Sinne auseinander treiben, weil man dann denkt, okay, ich wünsche mir, also auch Erwartungen, die da nicht erfüllt werden, ich wünsche mir von meinem Partner, dass er so und so reagiert. Und das wird dann vielleicht nicht erfüllt. Und dann kommt es zu einer emotionalen Verletzung. Und das sind eigentlich zwei wichtige Hebel, die ganz wichtig sind. Das eine ist, dass ich mir in der Situation, weil man kann sich schwer vorweg vorstellen, welche Bedürfnisse man wohl haben wird, wenn das eintritt, das ist einfach schwer vorstellbar. Möchte man sich ja auch nicht vorstellen irgendwie. Will man auch gar nicht reingehen, aber es ist einfach vorher nicht klar. Das heißt, da wird ja ein Stück weit Selbstreflexion gebraucht und dass man seine Bedürfnisse und Erwartungen deutlich ausspricht. Dass man offen miteinander kommuniziert und sagt, ich erwarte von dir das oder ich wünsche mir von dir das und meine Bedürfnisse sind, wie gehe ich mit der Trauer um? Und dann letztendlich von beiden Seiten, das müssen ja auch beide machen, aber auch von beiden Seiten dann das Respektieren der Bedürfnisse und des Trauerprozesses, das ist das andere. Das heißt, nur weil ich dann vielleicht das nach fünf Tagen abgeschlossen habe und sage, das ist für mich okay, ich habe das abgeschlossen, ich kann nach vorne gucken, heißt das ja nicht, dass das für den anderen auch geht. Wenn der andere länger braucht, dann entsprechend zu schauen, den unterstützen zu können. Wenn ich selber das dann nicht kann, den anderen nicht unterstützen kann, dann muss ich vielleicht mal mich hinterfragen und prüfen, habe ich das nach fünf Tagen wirklich abgeschlossen oder habe ich es nur verdrängt? Und wenn das nicht geht, wenn du immer noch traurig bist, störst du meinen Verdrängungsprozess. Also das ist nämlich häufiger der Fall, dass man es gar nicht richtig verarbeitet hat, sondern eher der eine es erfolgreich verarbeitet hat, aber dann nicht gut darüber reden kann zum Beispiel. Das wäre ja ein Signal, also wenn ich das richtig gut verarbeitet habe und damit erstmal so gerade davor bin, dann kann ich darüber reden, dann kann ich dich unterstützen und dann bin ich emotional wieder einigermaßen gefestigt. Aber wenn das darüber reden, mich sofort wieder voll ins Leid führt, dann habe ich meine Traurigkeit noch nicht voll verarbeitet. Darum geht es dann. Ich finde das aber auch ganz schwierig, muss ich sagen, weil das ja auch ein Ereignis ist, was wirklich von einer auf die andere Sekunde eintritt. Also wie du schon sagst, natürlich kann man dafür drüber sprechen und reflektieren und sagen, was braucht man. Aber dieser Sturz in die Trauer ist ja so plötzlich, dass man vielleicht auch es versuchen sollte, anzunehmen, dass nicht alles so perfekt läuft. Also auch dem anderen zusprechen, dass der nicht in meiner Wahrnehmung dann perfekt reagiert vielleicht. Also das ist glaube ich auch immer so, diese ganze Welt ist einfach so perfekt und dass man dann in dem Moment vielleicht enttäuscht ist von dem anderen, weil man sich gewünscht hatte, der nimmt einen in den Arm. Warum weint mein Partner nicht? Warum möchte er auch ein Thema, ob man das Kind nach der Geburt noch sehen möchte, das sind ja alles freie Entscheidungen, die jeder Mensch ja auch für sich treffen sollte. Aber da nicht verletzt zu sein oder alles so sehr genau zu nehmen, sondern zu sagen, okay, es ist jetzt einfach auch eine Ausnahmesituation. So eine absolute Ausnahmesituation. Und ich glaube jetzt in Bezug auch auf die Zeit danach ist es wichtig zu gucken, wie lange hält diese Ausnahmesituation an und wie kommen wir als Paar dadurch? Und wie kommen wir als Paar dadurch? Also ich darf für tendenziell lieber einen Moment länger Zeit nehmen und sicherstellen, dass das funktioniert, als sich zu kurz Zeit geben. Sich durch Arbeit schnell wieder abzulenken, ist nicht die Lösung. Also ganz kurzfristig vielleicht, aber ist nichts Nachhaltiges. Und es ist nun mal ein Ausnahmezustand. Dem gilt es dann auch entsprechend, ja, Zeit einzuräumen, Ressourcen einzuräumen, zu sagen, okay, dann sieht die Wohnung halt nicht so sauber aus wie sonst. Okay, dann muss ich mich halt mal krankschreiben lassen oder wie auch immer. Dann muss ich halt mal gucken, dass einige andere Lebensbereiche mal pausieren, weil wir sind in einem Ausnahmezustand. Und dann auch dem anderen zuzustehen, dass er eben nicht so klar, rational handelt wie sonst und vielleicht auch mal nicht immer so für mich da sein kann, wie es gebraucht wird. Aber dass man trotzdem offen damit umgeht und sagt, ich sage, was meine Bedürfnisse sind. Ich frage dich, was du brauchst. Andersrum genauso. Und je mehr man das gemeinsam macht, desto eher könnt ihr das nachhaltig verarbeiten. Was kann man jetzt als Paar machen, wenn man merkt, dass jetzt Wochen, Monate vergangen sind und das Ereignis vielleicht so ein bisschen gesagt ist, aber man merkt, das hat was mit der Beziehung zueinander gemacht. Also es hat diese Beziehung irgendwie stark geprägt und man hat das Gefühl, wir sind nicht mehr das Paar, was wir vorher sind und wir kommen auch irgendwie nicht mehr zusammen. Wir können darüber nicht sprechen. Wir können aber auch irgendwie die Zeit so nicht miteinander gut verbringen. Ich würde sagen, sich bei uns melden. Ja. Ja, also da ist dann die Frage, wenn man das, wie du sagst, über Wochen und Monate da so den Weg nicht gefunden hat, könnte es ja daran liegen, dass man nicht weiß, wie der Weg geht. Dass man selber, und das liegt auch, dazu müsste man nicht mal fehlendes Wissen haben, sondern das kann einfach aus der Befangenheit heraus sein, weil man ja selber voll in diesem Thema drinsteckt. Ja. Also ich glaube, wenn uns sowas passieren würde, würden wir uns auch einen Coach dazu geben, der uns einfach in diesem Prozess begleitet, obwohl wir das ganze Wissen haben, würden wir jemanden nutzen, der uns hilft und sagt und uns da einfach durchführt, weil man in dieser Befangenheit dann einfach schwer klare Gedanken fassen kann und das einfach deutlich länger dauert oder deutlich durcheinander geht irgendwie. Und deswegen, glaube ich, hilft bei sowas ein Coach enorm, der da einfach Erfahrung in dem Bereich hat und einen da durchführt, die entsprechenden Impulse liefert, Denkanstöße liefert. Nochmal schaut, ob wirklich die Dinge nachhaltig verarbeitet sind, das anleitet. Das ist, glaube ich, enorm wichtig. Genau. Also ich glaube, so eine Beratung ist da sehr, sehr sinnvoll. Ich glaube auch, dieser geschützte Rahmen, dass man sich als Paar nochmal bewusst Zeit nimmt mit einer dritten Person zusammen. Viele Paare berichten ja auch, dass es schön ist, irgendwo hinzufahren. Also in dem Sinne auch mal weg vom Küchentisch, sage ich mal, oder von der Atmosphäre zu Hause, wo man spricht. Irgendwo hinzufahren und zu sagen, okay, wir geben auch dem Ereignis der großen Belastung sozusagen nochmal den Platz und den Raum, darüber zu sprechen. Und das ist ja auch so ein bisschen was, das ist ein Respekt und eine Wertschätzung dem Partner gegenüber ist. Wenn man sagt, okay, lass uns nochmal darüber sprechen. Damit wir unsere Beziehung, die ja nun weiterlaufen soll, auch gut aufbauen können wieder. Und ich glaube, ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Nach-Vorne-Schauen. Dass wir dann durch unsere Methodik auch durchaus Ängste und Unsicherheiten abbauen können und wieder Zuversicht und Vertrauen in einen neuen Versuch aufbauen können. Ich hatte ein Paar im Coaching, die hatten einen starken Kinderwunsch. Das hat lange Zeit nicht geklappt und dann hat es funktioniert und dann gab es eine Fehlgeburt. Und da hat dieser gemeinsame Trau sein Prozess nicht so sehr geklappt. Er hat sich sehr von dem Thema Kinder verabschiedet. Also ist er sehr in die Schutzhaltung gegangen, zu sagen, das Thema ist für mich erstmal raus, als wenn sein Kinderwunsch erloschen wäre. Und das war für sie natürlich ganz schwierig, damit jetzt umzugehen. Und darum geht es halt, aus diesen Schutzmechanismen dann auch wieder nachhaltig rauszufinden, wieder neue Zuversicht, Vertrauen aufzubauen, dass das nicht nochmal passiert. Und dann entsprechend einen neuen Versuch wagen zu können und nicht aus einem Schutzmechanismus heraus zum Beispiel den Kinderwunsch zu verändern. Und dann kann es natürlich für die Beziehung besonders kritisch werden, wenn zum Beispiel bei dem anderen Kinder mit in der Sinngebung enthalten sind. Dann entsteht auf einmal die komplette Beziehung durch die Fehlgeburt auf der Kippe. Genau, das so zu dem Thema. Also ich denke, das ist ein Thema, bei dem ich mir immer Hilfe holen würde und schauen würde, dass jemand das mit uns gemeinsam verarbeitet. Was ja auch gar nicht schlimm ist, finde ich. Also das finde ich immer so schade, dass man das irgendwie nochmal so betonen muss oder möchte, dass man sich Hilfe holt. Also ich weiß ja oder wir wissen ja selber durch unsere Arbeit, dass viele beim Thema Paartherapie schon, dass da einfach noch leider heutzutage viel Scham und ungute Gefühle manchmal mitschwingen, weil man sich da Hilfe holt. Aber wenn man überlegt, dass diese Entlastung ja auch in ganz vielen anderen Lebensbereichen durch Beratung und so weiter. Also man geht ja auch, wenn man finanzielle Beratung möchte, irgendwo hin. Man geht zum Arzt. Also man holt sich ja für sämtliche Lebensbereiche eigentlich jemanden, einen Experten dazu. Und gerade bei so einer Belastung. Warum nicht? Macht es nur Sinn. Macht es nur umso mehr Sinn. Ja. Es ist einfacher, sich in ein paar Finanzen, Finanzthemen einzuarbeiten, würde ich behaupten, als alleine so etwas durchzumachen. Weil Ausnahmezustand, ich bin befangen, das ist bei Finanzen noch was anderes. Da kümmere ich mich ganz in Ruhe drum. Da kann ich Wochen und Monate lang recherchieren, bevor ich vielleicht sage, in welchen Aktienfonds ich investiere oder was auch immer. Da habe ich keinen Druck und so weiter. Das ist hier ja alles ganz anders. Da bin ich ja voll im Leid drin. Normalerweise stecke ich nicht im Leid, wenn ich nicht weiß, worin ich mein Geld investieren soll. Also da bin ich ganz anders davor. Genau. Also wenn das bei euch leider vorgefallen ist und ihr das Gefühl habt, ihr möchtet das für euch nachhaltig verarbeiten und habt das vielleicht noch nicht so ganz verarbeitet, das belastet euch und eure Beziehung, dann meldet euch sehr gerne bei uns. Wir stehen für Vor-Ort-Coachings und Online-Coachings zur Verfügung. Und sollte das euch nicht betreffen, aber ihr fandet die Folge. Und unseren Podcast trotzdem sehr spannend und aufschlussreich, dann abonniert gerne unsere Kanäle. Schaut bei Instagram vorbei. Wir freuen uns immer sehr über neue Abonnenten und liefern euch sehr gerne neue und frische Impulse. Dann bis zum nächsten Mal. Bis bald. Ciao. Ciao. Untertitelung des ZDF für funk, 2017

Podcast Summary

Key Points:

  1. Fehl- und Totgeburt sind häufige, aber gesellschaftlich unterschätzt und unerkannte Ereignisse, die tief emotionale Verletzungen bei Paaren hinterlassen.
  2. Ohne nachhaltige Verarbeitung können solche Erfahrungen zu psychischen Erkrankungen, Angstzuständen und einer gestörten Beziehung führen.
  3. Die Anerkennung des verlorenen Kindes – auch durch einen Platz im Familienleben oder in der Trauerfeier – ist entscheidend, um Trauer und Schuldgefühle zu reduzieren.
  4. Paare reagieren unterschiedlich auf Trauer
  5. Offene Kommunikation über Bedürfnisse, Respekt für den individuellen Trauerprozess und gemeinsame Zeit für die Verarbeitung sind entscheidend.
  6. Eine Coaching-Begleitung hilft, aus der Befangenheit heraus klare Gedanken zu gewinnen und den Prozess nachhaltig zu verarbeiten.
  7. Ausnahmezustände erfordern Raum, Zeit und Ressourcen – nicht sofortes Zurück zur Normalität oder zur täglichen Routine.
  8. Durch den psychischen Aufbau von Vertrauen und Zuversicht kann die Beziehung nach der Trauer wieder stabilisiert und eine neue Schwangerschaft oder Familienplanung wieder aufgegriffen werden.

Summary:

Fehl- und Totgeburt sind traumatische Ereignisse, die viele Paare emotional tief beeinflussen. Diese Erfahrungen werden oft nicht ausreichend verarbeitet, was zu psychischen Problemen, Angstzuständen und einer Zersplitterung der Beziehung führen kann. Ein entscheidender Schritt zur Heilung ist die Anerkennung des verlorenen Kindes – beispielsweise durch einen Platz im Familienleben oder durch eine Trauerfeier.

Paare reagieren unterschiedlich auf die Trauer: Frauen erleben oft Schuldgefühle, Männer können sich abwenden, was zu Konflikten führt. Eine nachhaltige Verarbeitung erfordert offene Kommunikation, Respekt für den individuellen Trauerprozess und die Bereitschaft, gemeinsam Zeit zu nehmen. Coaching spielt hier eine wichtige Rolle, indem es den Prozess begleitet, Gedanken klärt und ein Gefühl der Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft fördert.

Auch die Anerkennung von Schwesterkindern oder den ersten Kindern als „gestorben“ oder „nicht gelebt“ ist essenziell. Diese Praxis hilft nicht nur, die Trauer zu verarbeiten, sondern auch, eine nachhaltige und gesunde Beziehung nach dem Ereignis aufzubauen – mit einem neuen Gefühl von Zuversicht und dem Wunsch, zukünftig wieder gemeinsam ein Kind zu haben.

FAQs

Ein Paar kann die Trauer und die emotionalen Verletzungen nachhaltig verarbeiten, indem es offen miteinander kommuniziert, eigene Bedürfnisse ausspricht und den anderen Respekt vor seinem Trauerprozess zeigt.

Die Anerkennung eines verlorenen Kindes gibt dem Kind einen Platz im Inneren der Familie und hilft, die Trauer nachhaltig zu verarbeiten und die nachfolgenden Kinder zu unterstützen.

Unverarbeitete Trauer kann zu einer starken Angst vor weiteren Schwangerschaften führen, die sich in der ersten Phase besonders stark äußert und die körperliche Verbindung mit dem Kind beeinträchtigt.

Durch unterschiedliche Trauerprozesse und Erwartungen an den Partner entstehen Konflikte, wenn einer der Partner sich zurückzieht oder nicht wie erwartet reagiert, was zu emotionalen Verletzungen führt.

Ein Coach bietet einen sicheren Rahmen, hilft bei der Selbstreflexion, klärt die Gefühle auf und begleitet das Paar durch den komplexen Verarbeitungsprozess, ohne dass die Befangenheit die klaren Gedanken beeinträchtigt.

Die Trauerfeier und die Anerkennung des verlorenen Kindes geben dem Kind einen geistigen und emotionalen Platz und ermöglichen der Mutter, ihre Trauer nachhaltig zu verarbeiten.

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