Kadaver-Ökologie: Warum tote Tiere voller Leben sind
27m 20s
Ein tote Tier wird nicht einfach abgeholt oder verbrannt, sondern wird zu einem lebendigen Ökosystem, das viele Arten anzieht. In der Natur beginnt die Verwesung mit Fliegen, die Eier ablegen, und entwickelt sich schrittweise: der Körper wird durch Bakterien und Pilze zersetzt, wobei Gase entstehen und die Hülle aufbläht. Dieser Prozess zieht Käfer wie Ufa-Aßkäfer, Speckkäfer oder Schnecken an, die aus dem Fleisch und Fett ernährt werden. Die hier entstehenden Nährstoffe reichen in Boden und Pflanzen ein, was zu einem Wachstum und einer vorhersehbaren, aber erstaunlichen Artenvielfalt führt. In der Tiefe des Meeres verhält sich das gleiche: sterbende Wale schaffen eine Oase, die tausende von Lebewesen nähren. Forscher beobachten diese Prozesse und stellen fest, dass kein Stoff verloren geht – alles wird umgewandelt und wieder in neue Formen eingebaut. So bleibt das Tier nicht verschwunden, sondern lebt weiter im Kreislauf in Luft, Boden, Futter und Pflanzen. Ob im Wald oder Meer, die Verwesung ist ein lebendiger Prozess, der nie endet, denn der Vorhang fällt nie – das Leben findet stets eine neue Form.
Die Fliegen kommen zuerst. Sie umschwirrenden Kadawa krabbeln darauf herum und legen ihre weißen Eier hinein. Die Fliegen sind
sozusagen die Overtüre. Aber die Fliegen sind eben nur der Anfang.
Was dann folgt ist ein Theaterstück, den man den Titel "Explosion des Lebens" geben könnte.
Da treten Arskäfer auf Dungkäfer, Schmetterlinge, Singenfögel bilden in Kor, Eichhönchen, Wölfe und Füchse spielen wichtige Rollen, Schnecken, Pilz und Bakterien.
Alle sind Teil dieses Spektakels und nur wenige Tage, oder Wochen später, ist der Kadawa nicht mehr da. Der Vorhang fällt.
Aber wo ist es dann hin, das Tote Tier? Was ist da genau passiert auf der Theaterbühne nach dem Tod?
An einem traumhaften Herbsttag im Bayerischen Wald will ich genau das herausfinden. Ich bin Jenny von Sperber und normalerweise liebe ich es mich mit Forschung im Wald zu beschäftigen.
Und es laupt, warme Sonne, weiches Moos und es riecht nach Herbst. Es riecht herrlich nach Herbst. Das muss ich an dieser Stelle betonen, denn in dem Moment im Wald bedauere ich noch, dass ich ein bisschen schnupfen habe und deshalb nicht gut riechen kann.
Später am Kadawa werde ich Heil froh darüber sein. Eigentlich werden große Kadawa möglichst schnell aus den Wäldern entfernt und verbrannt.
Sie sollen Spaziergänger nicht stören und nicht stinken. Seit einiger Zeit aber wird erforscht, wie wichtig so ein Kadawa für die Natur ist, für die Artenvielfalt.
Als ich mit Kadawa Forschern in den Bayerischen Wald gefahren bin, hab ich deshalb vor allem über eins viel gelernt über das Leben.
Zuerst wollen wir die Reste von einem rot Hirsch auslegen. Die holt der Förster in einer Plastikwanne aus dem Kofferraum und trägt sie zu einer offenen Fläche zwischen Kahlen, Kieferne im Wald.
Das ist unsere Anreichungsfläche. Das heißt, es ist ungefähr ein bis zwei, da große Fläche, in der wir regelmäßig Kadawa auslegen oder im Reste von Kadawan.
An der Fläche deshalb, weil es hier konzentriert liegt und bewusst immer auf diese Fläche gebraucht wird, mit den Ziel zu schauen, wie viel Kadawa es braucht, bis es eine Sättigung erreicht ist, bis zu der dann keine neuen Arten mehr hinzukommen.
Das ist Jans Schlüter, erst Förster und arbeitet für den Nationalpark Bayerischer Wald.
Wie interessiert, wie viele Arten es sind, die sich auf einem Kadawa tummeln und welche Arten, denn eines ist klar, wenn ein Tier in der Natur verweist, dann wird dieses Tier zu einem Festmal.
Ein Kadawa lockt viele verschiedene Arten an, ein ganz neues Ökosystem entsteht und zu dem gehören manchmal auch seltene Arten und solche, von denen die Wissenschaftler gar nicht wussten, dass sie hier leben.
Hier war zum Beispiel der Schwarz-Rote Scheinarskäfer, für sie eine Überraschung.
Aber zu unseren rot herrschresten kommen zuerst mal alte Bekannte.
Die Fliegen, sie haben schon Eier auf ihm abgelegt, schon bevor wir die Stücke überhaupt an ihren Platz im Wald gebracht haben.
So dass die Fliege praktisch landet, legt dann so ein Geschmeiß ab, das sind hier diese Paketchen. Und wenn man ganz genau hinschaut, so ein Stiftchen ist ein Ei und das sind teilweise über 200 Eier in einem zum Klumpen drin.
Dann kann man sich auch vorstellen, wenn dann die ganzen Larven schlüpfen von diesen Schmeiß fliegen, warum dann auch so viele Fliegen-Maden da sind.
Das ist Christian von Hörmann. Wenn man Fragen zu Kadawan hat, dann fragt man am besten ihn. Von Hörmann ist der Kadawa-Ökologe in Deutschland.
Die heißen ja Schmeiß-Fliegen, das sind diese Grünschillern, keinen viele vom Kot zum Beispiel.
Manchmal auch im Sommer von der Fensterbank im eigenen Haus, diese Blauen hier, die Kaliforas, die Grünen sind die Lucilias.
Lucilias und Kaliforas. Manchmal kommen sie sogar schon bevor ein Tier gestorben ist, sagt Christian von Hörmann.
Denn was sie brauchen, um mit ihrer Eier-Ablage loszulegen, ist zunächst Blut.
Es reicht also, dass ein Rhe oder ein Dachs eine Wunder hat, die Fliegen kommen, um an der Verletzung Blut zu trinken.
So was ist ja auch forensisch wieder interessant an Tatorten zum Beispiel, wenn ein System Mensch betrifft.
Man kennt dann bei bestimmten Arten die Eidzeit. Man rechnet das dann mit der Temperatur raus, hat dann eine bestimmte Madenlänge und kann da zum Beispiel auch wieder die Liegezeit der Überreste herleiten.
Weil sobald was stirbt ist die Fliege da, wie eine Uhr die ich aufzähl, legt ihre Eier ab, dann entwickelt sich auf dem Toten etwas.
Die Entwicklungszeit kennt ich sehr gut, heißt, ich kann das im Labor anstimulieren und kann dann, wenn ich die Temperatur weiß und die Art weiß, kann ich dann zurückrechnen.
Und so den Todeszeitpunkt bestimmen.
Kadava Forscher arbeiten deshalb mit Experten aus der Forensik zusammen, denn tatsächlich fehlen hier in unseren Breitengraden noch Studien über Verwesung, sagt von Hörmann.
Die Ergebnisse aus Kanada oder den USA lassen sich nicht so ohne weiteres auf jede andere Umgebung übertragen.
Wie Verwesung in dieser Umgebung passiert im Bayerischen Wald, das wird jetzt jedenfalls gut untersucht.
Auf der Fläche liegen schon hier und da verteilt Überreste von Tieren, auch ältere Überreste.
Und das ist jetzt mal so eine Fläche, wo wir immer wieder was hinwegen, also da Jens ist hier auch.
Ich bin schon fast auf die Beine getreten.
Das ist der Hof des Tiers.
Aber es ganz wichtig ist, dass man wirklich alles der Natur überlässt.
Es gibt z.B. bestimmte Nagelpilze, die speziell auf dem Hof wachsen. Das heißt, ich habe ganz bestimmte Pilzaden, die sich darauf entwickeln können.
Wenn ich das wegnehme, fehlen natürlich die Pilze auch wieder.
Okay, da sind die Huf, da sind die Beine sehr relativ lang.
Genau, da sind noch Passoszenen und so knorte Reste.
Ritten liegen hier noch rum, hier hinten ist ein Schädel.
Und was man mal ganz interessant ist, wenn man so ein Schädel noch auskloppt.
Das stecken manchmal noch Grundkäfer drin.
Der Schädel ist zerbrochen.
Also da gibt es den rotbeinigen Schinkenkäfer z.B. der Gang in dem Schädel drinsteckt.
Man sieht auch wie wichtig, das ist z.B. auch die Knochen einfach liegen zu lassen.
Für die alten Knochen interessieren sich tatsächlich noch erstaunlich viele Tiere.
Jens Schlüter ist zu einer der Kiefern rübergegangen, an der er eine Wildtierkamera aufgehängt hat.
Er öffnet sie und klickt durch die Fotos, die sie in den vergangenen 24 Stunden geknipst hat.
Jens Schlüter will wissen, wer alles die alten Knochen besucht hat.
Der Fuchs.
Ah, ein Fuchs.
Der Fuchs ist schon die Art, die wurden sehr fortgeschütteln.
Ich hatte dabei auch, Fuchs und Docks.
Die nehmen das ohne Probleme.
Der Lux wird dann gar nicht mehr hingehen.
Und was frisst dieser Fuchs da jetzt?
Der wird untersuchen, aber noch was findet.
Und dann schade er auch noch, wie er sonst noch da war.
Das sieht aus, das wäre der Erwichtag gewesen.
Jekrundenmöte vorbei, ja.
Da war noch nichts.
Da haben wir noch eine Moisypust.
Wer auch gern ganz am Schluss der Verwesung vorbeikommt, um an den Knochen zu nagen, das sind Eichhörnchen.
Das Eichhörnchen holt sich auch sehr gern Knochenmark.
Also man hat so typische Nagespuren vom Eichhörnchen wie so einen Strichkaut.
Wer so was mal sieht, der weiß auch, dass Eichhörnchen da waren und sich eben das Knochenmark holen.
Das lustig. Eichhörnchen wirken immer so friedlich aufstellt.
Die holen sich dann auch die fliegen Maden, als wertvolle Kost.
Hier auf dieser Fläche zählen die Forscher, wie viele und welche Arten von den verendeten Tieren leben.
In den unterschiedlichen Verwesungsstadien.
Sie stellen nicht nur Fotofallen auf, sondern auch Fallen für Insekten.
Manchmal nehmen sie auch Abstriche am Kadaver, um Kleinstlebewesen zu bestimmen, die sich darin tummeln.
Ihr Ergebnis bisher, 17 Wirbeltiaten, fast 100 Käferarten, jede Menge andere Insekten, wie die Schmeiß fliegen und über 3.700 Pilzarten.
Auch im Meer werden Säugetiere, wenn sie sterben, zu einer großen Party für andere Lebewesen.
Nehmen wir mal einen Wahl.
Wale sterben alle anderen Tiere, an Alter, an Krankheit, aber natürlich auch viel an menschlichen Einflüssen.
Zum Beispiel Schiffskullisionen oder Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden, Nischtiffsschrauben, Dichnetze und so weiter.
Es gibt verschiedene Ursachen, aber ansonsten kann man sich vorstellen, dass sie zur Ruhe kommen, dass sie weniger Spimm treiben, einfach auf sie.
Das ist Helena Herr. Sie ist Professoren am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und an der Universität Hamburg.
Und sie ist Experten für Wale.
Wenn ein Wahl stirbt, dann treibt er meistens erst mal an der Oberfläche, wegen der Verwesungsprozesse, die stattfinden, dass der ist hier dann aufgast.
Und deswegen näher zur Weile erst mal oben treibt, da finden die ersten Verwertungsprozesse statt, weil Asfressor, wie zum Beispiel Möwen oder Heille, sich schon an der Oberfläche dann halt angehen, die Kadawa.
Und irgendwann, wenn die Gase entweichen, dann sinkt der Kadawa zum Meeresgrund.
Wahl stürzt, nennen das die Experten.
allerdings so ein
ein Festbankett am Meeresgrund zu untersuchen,
das ist natürlich schwieriger als im Bayerischen Wald.
Genau Erzählungen, wer da wann kommt, um sich zu bedienen,
die gibt es deshalb bei Wahlkadawan nicht.
Manchmal gelingt es aus reinem Zufall,
so einen Kadaver eine Weile zu beobachten.
Mit Hilfe von Unterwasserkameras.
Ein Riesenglück ist das dann für die Meeresbiologen.
Wow, architell.
Wow, wow, wow. So klingt es, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
zufällig einen Wahlkadaver am Meeresgrund entdecken.
Das war 2020 beim Kanadischen Nautilist Tiefseeforschungsprogramm.
Der etwa fünf Meter lang Wahlkadaver auf dem Grund war voller Tintenfische und Aide.
Die Dramaturgie des Festmals läuft ähnlich ab wie an Land.
Erzählt Helena Herr nur langsam her.
In der Tiefsee herrschnehmlich völlige Dunkelheit.
Ein hoher Druck und es ist kalt.
Vor allem aber gibt es dort mehrere Kilometertief kaum etwas zu fressen.
Und dann schwebt auf einmal so ein riesiger Fetter-Wahl herab.
Das, was unten sonst in der Tiefsee ankommt,
dass es dieser Meeres Schnee oder Marines know.
Das sind kleine feinaufgelöste organische Partikel,
die da so die ganze Zeit runter rieseln.
Aber wenn dann ein Wahl ankommt,
dann wäre das einzige, was es im Stück nach unten schafft.
Das heißt, das ist eine riesige Menge an Nahrung,
die da auf einen Schlach unten ankommt.
Die so viel Nahrung bringt wie mehrere tausend Jahre Meeres Schnee.
Das macht das so besonders da unten.
Die ersten Tiere, die sich über so eine Jahrhundertlieferung von oben freuen,
sind die so genannten mobilen Aßfresser.
Schleimale oder langsam schwimmende Schlafheier wie die Grünlandheier.
Aber auch kleine und große Krebse, wie sie spinnen.
Die verzehren Fleisch und Spektis war als.
Durch diesen Verwesungsprozess entweichen natürlich Nährstoffe
auch in das umgebende Sediment und reichern das mit Nährstoffen an.
Viel fauna siedelt sich dann in der Umgebung
um diesen Wahlklar da war im Sediment an
und ernährt sich von diesen Nährstoff an, gereichertem Sediment.
Also sowas wie Schnecken und Würmer und Muscheln.
Also um den Wahlklar da war herumbildet sich dann auch ein ganzes Ökosystem.
Die Kardava selbst werden dann zu neuen Lebensräumen
mitten in der Nährstoffamen Kaltentiefsee, eine Oase in der Wüste,
ein gratisbefeh und das reicht für viele Jahrzehnte.
Helena Herrs Lieblingstiere in dieser Bankettrunde
sind die Zombiewürmer.
Die roten Würmer boren sich mit Hilfe einer Säure
in die fetthaltigen Knochen ein und ernähren sich davon.
Die Vorstellung, wenn man ein Skelet sieht
und überall aus den Knochen schauen solche Würmer raus.
Das hat schon ein Gruselfilmqualität, wenn man davon wilder sieht.
Genau wie bei den Kardavern im Wald
wird bis zu den letzten Knochenresten alles gebraucht und verwertet.
Danach setzt dann die Phase der schwäfeldiedenden Bakterien ein,
die sich wie so ein Bakterienfilm über die Knochen stürzen
und auch noch von den Knochen die letzten Reste zähren
und dabei schwäfel Wasserstoff erzeugen.
Und selber wiederum als Bakterienfilm, als Nahrung,
für ganz viele weitere andere Organismen gingen.
Die Artenvielfalt an jedem einzelnen Kardaver am Meeresgrund
ist erstaunlich groß.
2.840 Lebewesen pro Quadratmeter haben Forscher gezielt,
die vor kurzem eine Art Wahlfriedhof
in der tiefsehmindischen Ozean entdeckt haben.
Schlangensterne, Fische, Schnecken, teilweise auch Arten,
die bisher niemand gekannt hat.
Kardaver bringen Leben in die Stockdunkle tiefseh
und so muss es da unten früher einmal dichter besiedelt gewesen sein als heute.
Bevor der industrielle Wahlfang angefangen hat,
denn der Wahlfang bis 1986 hat von den Großwahlen
nur noch ein bis fünf Prozent ihrer Populationen übrig gelassen, sagt Helena Herr.
Der Wahlfang hat damit nicht nur die lebendigen Wale
verschwinden lassen, sondern auch diese Tiefsee-Oasen.
Ich bin wieder im Bayerischen Wald,
wo mehr Christian von Hörmann und Jens Schlüter
noch den Kardaver einer rot-Hirsch-Kuh zeigen wollen.
Sie ist mit einem Auto kollidiert und dabei ums Leben gekommen.
Die Wissenschaftler haben die Hirsch-Kuh vor zwei Wochen ausgelegt,
als Teil ihres Projektes.
Sie wollen rausfinden, welche Arten alles von Kardavern profitieren,
wenn man sie nicht wegräumt, sondern im Wald liegen lässt.
Da ist nachts schon friert, kann die Verwesung der Hirsch-Kuh
noch nicht weit fortgeschritten sein vermuten sie.
Ich bin schon mal gespannt, wie die aussehen wird,
weil letzte Woche war ich mit einer Schmiedlasse da.
Da war sie noch aufgebläht, also im Gasblehungs-Stadium, aber mal schauen.
Man könnte das Verwesen eines Landseugetiers in vier Akte einteilen.
Im ersten Akt legen die Fliegen ihre Eier.
Der zweite Akt wäre dann die Gasblehung.
Der Bauchraum blät sich auf, weil sich die Darm-Bakterien
im Körper ausbreiten und das Gewebe zersetzen.
Dabei produzieren sie Gase, die den Bauch des Tieres dick aufblasen.
Erst dann beginnt die Verwesung.
Das heißt, Bakterien und Pilze oder genauer deren Entzüme
zersetzen den Körper in kleinste Teilchen,
in Wassermoleküle zum Beispiel oder Foss vor.
Und am Schluss, letzter Akt, die Skeletierung.
Ich glaube, wir da oben über den Baum sind.
Die Hirschkuh stinkt sehr sogar.
Jetzt bin ich froh über meine verstopfte Nase.
Aber das große Tier ist schon aus etwas Entfernung
noch vollständig zu erkennen.
Ihr Bauch ist dick, ihr Hals aufgerissen.
Das war die Verletzung durch den Zusammenstoß mit dem Auto.
Ihr Kopf liegt mit etwas verdrehtem Tiefer auf dem Boden.
Mit den unversehrten langen Ohren sieht sie aber noch ziemlich frisch aus.
Es war nachts schon sehr kalt.
Man muss wissen, dass wir gerade Nächte mit 0 und 2 Grad hatten.
Da war es wie in der Gefrierdruhe.
Drum wirkt es noch frischer als es ist.
Ich sage schon, wir können nachher mal hingehen,
weil ich sehe, dass es nicht mal frische ist.
An dieser Stelle muss ich kurz vorwahren.
Vielleicht finden manche von euch das, was jetzt kommt eklig.
In dem Moment dort im Wald fand ich das komischerweise gar nicht.
Ich fand es einfach nur spannend.
Einmal ist da der aufgeblete Bauch.
Wenn wir mal hinschauen, wenn ich mit dem Handschuh hinges Wienballon.
Ja, da habe ich auch mal, ich habe aber keine Handschuh.
Ja, ich trotz dem.
Ja, mit dem Handschuh wär es besser.
Dann ziehe ich lieber einen Handschuh an, bevor ich dieses Tier anpasse.
Ich drücke es drauf auf den riesigen Dickenbauch.
Das ist aber auch ganz hart, das hier ist noch so ein bisschen weicher.
Hier ist es aber bereits durch die Sonne schon mummifiziert.
Aber ich fühle sich fast noch lebendig.
Da, wo das Fell noch dicht ist, ist hier Bauch ganz weich.
Ich kann ihn eindrücken.
Mehr ist der Verwesungsgeruch, stören mich dabei,
die ganzen Westen, die sich in ihrer Wunde zu schaffen machen.
Die Westen vermuten manche gar nicht an den Kardabern,
aber die holen natürlich Fleisch.
Aber die schneidet sich einfach Fleischprocken raus und fliegt damit weg.
In der Wunde am Hals teils unter dem Fell,
sind auf einmal viele schwarze, schnelle Käfer zu sehen.
Die sich aber gleich wieder im Körper verstecken.
Ufa-Aßkäfer heißen die.
Von Hörmann greift in die Wunde und schnappt sich einen der Käfer.
Man sieht auch, wie schnell es ist.
Man merkt, dass die Wechselwarm sind.
Die heißer ist umso schneller.
Jetzt fragt man sich, wo kommt diese ganze Temperatur her?
Man kennt es auch von Wahlkardabern.
Kollegen, die in Wahlkardabern proben,
nehmen die sangen, sie stehen da in 80 Grad Celsius.
Das kommt durch die Bakterielle abwärme.
Durch die Reibung der Madenmassen,
da innen sind schon viele Maden drin.
Wir können mal schauen, ob wir ein paar rausholen können.
Wir stehen sehr hohe Temperaturen.
Die sind oft 20 bis 30 Grad über die Umgebungstemperatur.
Die Käfer können schnell sein.
Jetzt wird er schon langsam bei Ihnen auf der Hand rumkommen.
Der kühlt ein bisschen aus, das ist ein Weibchen.
Wir sehen, dass ihm die starken Schänkel fehlen.
Die sind sehr kräftig, die Ufa-Aßkäfer.
Ich kann mal ein bisschen anhüben.
Unter dem Kada war es in ganz viele.
Das ist auch wieder ein Weibchen.
Ufa-Aßkäfer fressen Fliegen-Maden.
Sie für die Forscher so interessant.
Wenn die Maden nicht die ganze Hirschkuh abkriegen,
dann kommen später noch andere Käferarten zum Zug.
Und Käfer und Glanzkäfer.
Einige dieser Arten sind vom Aussterben bedroht.
Der Ufa-Aßkäfer braucht große Kadawe.
Die großen Kadawe sind die, die in unserer Landschaft fehlen.
Das seltsame ist, als sich die Ufa-Aßkäfer wieder in der Hirschkuh versteckt haben,
sehe ich, dass sich das, was sich für Fleisch gehalten habe, bewegt.
Und rötlich schimmert.
Christian von Hörmann greift noch mal rein und zeigt es mir.
Was hier flimmert sind die ersten Fliegen-Maden, die die Eier verlassen haben.
Das ist ja alles voller Maden.
Das ist auch unglaublich schnell, da ist es auch warm.
Dieses Rötliche, was wir da drin sind, ist der Magen-Inhalt.
Das sieht man auch, dass sie an der Vollnispfüssigkeit schon gefressen haben.
Noch mal eine kurze Warnung an alle, den das bisher zu heftig war.
Ihr müsst jetzt wirklich 30 Sekunden weghören, bitte.
Das heißt, hier an dieser Wunder, am Hals von der Hirschkuh,
da ist die Verwesung deutlich weiter.
Wir haben auch Sauerstoff zu dritt.
Das heißt, wir haben hier verwesung,
während wir hinten noch diesen Vollniszustand haben im Magen-Darmtrakt.
Was sehen Sie da?
Wenn ich in diese Wundereien gucke,
dann sehe ich Westen, die sich ihre Fleischstücke rausschneiden.
Ich sehe diese Fliegen, die ein bisschen leuchten und sommen.
Sondern alle kleine weiße Margen, die sich unnahner will,
sehen sich noch mehr Art.
Da noch was rausziehen kann.
Die schwarzen Käfer, die jetzt wieder abgehauen sind.
Die Ufa-Askäfer waren drin, die könnten noch im Hals.
Hier sind noch massig.
Aus dem Hals kommen die jetzt raus.
Die sind sehr enge liebend, die gehen auch in den Schädel rein.
Bald kommen dann die Speckkäfer, erklärt Christian von Hörmann.
Aber die sind erst später dran.
Jede Tierart hat ihren festen Auftritt in der Geschichte.
Die dran sind, weil sich der Geruch des Kadawas
im Laufe der Verwesung verändert.
Die Fettsersetzung beginnt als langsam.
Was man tatsächlich riecht, sind die Aminosäure-Reste.
Diese Reste werden abgespalten von Bakterien.
Dann gibt es sowas wie Fenol, Indol, Putriskin, Kadaverin.
Diese Reste werden bakteriell modifiziert.
Die sind so leicht flüchtig, dass sie sofort in die Gasphase gehen.
Das heißt, winzige Teilchen, aus denen die Hirschkuh einmal bestanden,
sagen wir mal, Teile aus ihrem Fettgewebe,
fliegen dann Gasförmig in der Luft herum und landen in unserer Nase.
Oder an den Antennen von Insekten,
die extra für diese Stoffe Rezeptoren haben,
um das Fest mal zu finden.
Speckkäfer zum Beispiel, die fressen dann das Fett der Hirschkuh
und machen daraus einen Sexual-Lock-Stoff.
Mit diesem selbst gebauten Duft locken sie Speckkäfer Weibchen an.
Die Gleich zur Paarung anbeflogen kommen.
Andere Teilchen der Hirschkuh lösen sich in Flüssigkeit auf.
Körperflüssigkeiten sicken während der Verwesung in den Boden.
Rund um die Hirschkuh ist der Boden sichtbar dunkler.
Fett-Säure-See nennen das die Wissenschaftler.
Bodenbakterien verstoffwechseln das, was da in ihr Reich gesickert kommt.
Und eine Fett-Säure bringt viel Energie.
Oder der Stickstoff aus dem Hirsch.
Der landet im Blatt grün der Pflanzen.
Die runden um die Hirschkuh, sondern gut wachsen.
Wir hatten eine Vogelbeere aus dem Fett-Säure-See.
Die hatte so viel Blatt-Mase, dass es wie so ein Bonsai-Bäumchen war.
Die Pflanzen können mehr in Blatt-Mase investieren,
weil mehr Stickstoff da ist.
Und dann landet praktisch dieses Atom,
das aus dem Tier stammt, wieder eins zu eins in der Pflanze.
So bedienen sich auch die Pflanzen am Kadaver oder Pilze.
Die nur an Kadaverstellen vorkommen.
Damit ist es gar nicht weg, also chemisch gesehen.
Es ist ja alles noch da, nur in andere Form.
Es ist umgewandet, modifiziert, aber es geht nichts verloren.
Das ist ja auch das Schöne an dem Kreislauf.
Es bleibt alles da und ist nur in andere Form wieder vorhanden.
Das Tier ist gar nicht verschwunden, wenn es verwächst ist.
Seine kleinsten Teile leben rundherum weiter in den Luft,
im Boden, im Fuchs, in der Made.
Jedes einzelne Molekyl der Hirschkuh wird von irgendwem gebraucht.
Und genutzt.
Dahinten sind schöner Schmetterling, der holt aus dem Feld die Mineralsalze.
Man sieht auch, dass er im Rüssel hingeht.
Wir haben großer Schillerfalter und admiral,
die dann gezielt auf die Kadavergehen und der Körpersalze holen.
So lebt die Hirschkuh weiter in einem ewigen Kreislauf in den Nichts,
jemals verloren geht.
Und genau das Gleiche passiert natürlich auch im Meer, mit dem Wahl.
Nehmen wir einen Kohlenstoff-Molekyl.
Schon bevor es im Wahl landet, steckt es,
wie es gebunden, in einem kleinen Krebs, im Kühl.
Und den frisst der Wahl dann.
Im Wahl wird es eingebaut in seine Speckschicht oder in seine Muskeln,
oder wo auch immerhin.
Und nach seinem Tod wird dann dieses Molekyl mitgenommen in die Tiefsee.
Und dort endet es als nächstes vielleicht in einem Schleim.
Der ist vielleicht, dass er seinerzeit dann auch irgendwann stirbt
und von irgendjemandem gezehrt wird.
Oder wenn es länger tiefer verbaut ist in den Knochen,
dann muss es ganz doll lang warten, bis es vielleicht in einem Sommingwurm endet.
Ein ewiger Kreislauf mit lauter Nebenkreisläufen,
die alle perfekt aufeinander abgestimmt sind.
Nur was, wenn ein Wahl nicht in der Tiefsee landet,
wo er Teil dieses ewigen Kreislaufs werden darf,
was, wenn er nahe der Küste verendet,
und ans Ufer angeschwemmt wird.
Häufig sind es sogar ganze Gruppen, die gleichzeitig am Strand verenden.
Das war zuletzt 2016.
Da sind 30 Portwale im Wartenmeer gestrandet.
Das war allein im Deutschen Wartenmeer,
wann es 13 Stück und wenn dann 13 suche großen Wale da verwesen,
das dauert richtig lange.
Und da sind belebte touristische Strände in Erholungsgebieten.
Und da gehen die Leute mit den Hunden spazieren.
Da muss man sich überlegen, was da eventuell an solchen Gefahr entstehen kann.
Wale sind schlicht und einfach zu groß.
An einsamen Stränden in der Wildnis können sie in Ruhe verwesen.
Aber an den bevölkerten Stränden Europas
kann das für Menschen gefährlich sein, also müssen sie weg.
Dann ist das eine wirklich harte körperliche Arbeit,
so ein Wahl zu zerlegen.
Die sind ja 16 Meter lang oder so, wie wir die da hatten.
Und dann wird wirklich, wie bei den Wahlen fangen,
einen Flensmesser benutzt, um große Schnitte da in den Wahl zu machen.
Und große Teile von dem Speck, von dem Blubber erst mal runterzuziehen.
Das haben wir tatsächlich dann mit ganzen Baggern gemacht.
Also das man oben ein Loch rein macht, dann ruft man den Bagger,
der befestigt, einen Haken mit einer Kette daran und zieht das runter.
Man schält den Wahlen erst mal wie so eine Orangin,
damit man diesen ganzen Speck wegkriegt.
Und schließlich wird der Verbrannt.
Das heißt, all die wertvollen Teile, die Energie, die Mulekühle,
werden dann nicht mehr in andere Form weiterleben.
Wird der Verbrannt, ist der Kreislauf beendet.
Kadawa, ob im Wald oder im Meer, befeuern das Leben.
Vielleicht kamen wir die wimmelnden Maden und die rasenden Askei
verdessen kein bisschen Ekelhaft vor.
Sie zeigen, wie alles miteinander in verschiedenen Kreisläufen
aufeinander abgestimmt ist.
Bäume und Boden, Fliege und Ree, Groß und Klein, Wasser, Oberfläche und Meeresgrund.
Insofern ist das Bild eines Theaterstücks
eigentlich falsch, wenn es um Verwesung geht.
So lange nicht eingekriffen wird, gibt es keine Overtüre und keinen Schlussakord.
Der Vorhang fällt nie.
Das war Iku, Wissenschaft und Forschung.
Ich bin Jenny von Speerber und habe euch davon erzählt,
was mit einem Wildtier passiert, nachdem es gestorben ist.
Helmut Nordwig war der Redakteur und er fand es zum Glück nicht zu Splettermäßig.
Ich hoffe, das ging euch auch so.
Tatsächlich war es nämlich hochinteressant,
mit den Kadawa-Forschern unterwegs zu sein.
Falls ihr noch was über eine lebendige Hirschkuwissen wollt,
hört doch mal in meinen Dreiteiler über das Tracking von Wildtieren rein.
In der zweiten Folge erzähle ich euch die Geschichte
von einer Hirschkuw in Amerika, der Forscher einen Sender angelegt
und so ihr abenteuerliches Leben verfolgt haben.
Verlinke ich euch in den Schornuts.
Podcast Summary
Key Points:
Der Tod eines Tieres löst ein komplexes Ökosystem aus, in dem Fliegen, Käfer, Pilze, Schnecken und andere Arten aktiv sind.
Auf dem Kadawa entstehen durch die Verwesung neue Lebensräume, bei denen bereits seltene oder bisher unbekannte Arten auftreten.
Die Verwesung erfolgt in mehreren Phasen
In Wald und Meer wird der Kadaver zu einem Lebensmahl für viele Arten, wobei Nährstoffe in die Umgebung gelangen und Pflanzen und Tiere davon profitieren.
Wissenschaftler beobachten die Entwicklung, nutzen Fallen und Abstriche, um Artenvielfalt und Verwesungsprozesse zu kartieren.
Im Meer sind Tiefsee-Oasen durch die Verwesung von Wale entstanden, die einzigartige Lebensgemeinschaften fördern.
Die chemische Umwandlung von Organismen erfolgt vollständig – kein Stoff wird verloren, sondern wird in andere Formen übernommen.
In urbanen Gebieten kann die Verwesung gefährlich sein, da tote Wale an der Küste zur Gefahr für Menschen und Hunde werden können.
Summary:
Ein tote Tier wird nicht einfach abgeholt oder verbrannt, sondern wird zu einem lebendigen Ökosystem, das viele Arten anzieht. In der Natur beginnt die Verwesung mit Fliegen, die Eier ablegen, und entwickelt sich schrittweise: der Körper wird durch Bakterien und Pilze zersetzt, wobei Gase entstehen und die Hülle aufbläht. Dieser Prozess zieht Käfer wie Ufa-Aßkäfer, Speckkäfer oder Schnecken an, die aus dem Fleisch und Fett ernährt werden.
Die hier entstehenden Nährstoffe reichen in Boden und Pflanzen ein, was zu einem Wachstum und einer vorhersehbaren, aber erstaunlichen Artenvielfalt führt. In der Tiefe des Meeres verhält sich das gleiche: sterbende Wale schaffen eine Oase, die tausende von Lebewesen nähren. Forscher beobachten diese Prozesse und stellen fest, dass kein Stoff verloren geht – alles wird umgewandelt und wieder in neue Formen eingebaut.
So bleibt das Tier nicht verschwunden, sondern lebt weiter im Kreislauf in Luft, Boden, Futter und Pflanzen. Ob im Wald oder Meer, die Verwesung ist ein lebendiger Prozess, der nie endet, denn der Vorhang fällt nie – das Leben findet stets eine neue Form.
FAQs
Ein Kadawa lockt zahlreiche Arten an und schafft ein temporäres Ökosystem, in dem Fliegen, Käfer, Pilze und andere Lebewesen leben können. Dabei kommen auch seltene Arten vor, die sonst nicht beobachtet werden.
An einem Kadawa kommen Schmeißfliegen, Schmeißfliegen, Ufa-Aßkäfer und Speckkäfer vor. Diese nutzen den Kadaver als Nahrung und spielen eine wichtige Rolle im Verwesungsprozess.
Der Geruch verändert sich schrittweise: zuerst sind Aminosäure-Reste erkennbar, dann folgen flüchtige Stoffe wie Fenol, Indol oder Putriskin, die durch Bakterien entstehen und den Geruch intensivieren.
Die Verwesung führt zu einer Enrichung des Bodens mit Nährstoffen wie Stickstoff und Fett-Säuren, was dazu führt, dass Pflanzen schneller wachsen und um die Kadaver herum eine neue Pflanzengemeinschaft entsteht.
Pilze und Bakterien zersetzen das Tiergewebe in kleinste Teile, produzieren Gase, die den Körper aufblasen, und geben Nährstoffe frei, die durch das Sediment oder den Boden in die Umwelt gelangen.
Das Fettgewebe wird durch Bakterien zerlegt und produziert Flüssigkeiten, die in den Boden sickern. Diese sogenannten Fett-Säure-See fördern das Wachstum von Pflanzen und liefern Nährstoffe für die Umgebung.
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