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Jetzt ist alles gut. Im Gespräch mit Käthe Kruse und Ilka Voermann

40m 46s

Jetzt ist alles gut. Im Gespräch mit Käthe Kruse und Ilka Voermann

In der 20. Folge des Podcasts "Kunst in Berlin" der Berlinischen Galerie spricht Direktor Thomas Köhler mit der Künstlerin Kette Kruse und Kuratorin Ilka Firmann anlässlich der Ausstellung "jetzt ist alles gut". Die Folge fällt in das Jubiläumsjahr des Museums. Kruse blickt auf ihre künstlerische Laufbahn zurück, die in den 1980er Jahren in der West-Berliner Punk- und Hausbesetzerszene begann. Sie schildert eindrücklich das düstere, von Brachflächen geprägte Kreuzberg jener Zeit und das intensive kollektive Leben in einem besetzten Haus mit 40 Personen, das von politischem Aktivismus, Bauarbeiten und gemeinsamer Organisation geprägt war. Diese Erfahrung formte ihre kooperative und teamorientierte Arbeitsweise. Die aktuelle Ausstellung transformiert ihre Vergangenheit, insbesondere ihre Zeit bei der experimentellen Band "Die tödliche Doris", in eine große, farbenfrohe Tapeteninstallation. Kruse erläutert den Übergang zur Solo-Karriere nach der Auflösung der Band, ihr Studium und die Verbindung von künstlerischer Arbeit mit der Gründung einer Familie. Das Gespräch betont die Kontinuität ihres Schaffens zwischen Performance, Musik und visueller Kunst.

Transcription

6361 Words, 38264 Characters

German
* Musik * Also das S.O.36 an diesem Heiligen Abend war in desaß trös. Und die Stimmung war auf einem Nullpunkt. Es haben Benz gespielt, wie Säulen grün, die später zu den Ärzten wurden. Ich war auf dem Plakat und habe gesagt, was soll ich machen? Ich stehe auf dem Plakat. Ich habe in Schwarz mit Glitzer und in Schwarz und Leder gekleidet. Ich bin als schwarzer Engel auf die Bühne. Ich habe immer vor den Benz Feuer gespuckt. * Musik * Herzlich willkommen zu Kunst in Berlin, dem Podcast der Berlinischen Galerie, Museum für moderne Kunst. Mein Name ist Thomas Köhler. Ich bin die Direktor des Hauses. In diesem Podcast treffe ich Künstlerin, die bei uns ausstellen Menschen, die die Kunst statt Berlin prägen. Wir sprechen über moderne und zeitgönörsische Kunst und die Arbeit in eine Museum. Kunst in Berlin wird präsentiert vom Förderverein der Berlinischen Galerie. * Musik * Liebe Freundin der Berlinischen Galerie, liebe Kunst fans, herzlich willkommen zu bereits 20. Vollge unseres Podcasts Kunst in Berlin. Ein großes Jubiläum steht dieses Jahr an die Berlinische Galerie feiert ihr 50-jähriges Jubiläum. In diesem besonderen Jahr legen wir daher einen Schwerpunkt auf unsere Sammlung. Und den ersten Wechselausstellungs-Slot in diesem Jahr haben wir an die Künstlerin Kerte Kruse vergeben. Es ist erst einige Tage her, dass wir ihre Ausstellung jetzt ist alles gut, bei uns in der Berlinischen Galerie eröffnet haben. Noch ganz verzaubert von dieser fuhlminanten feierlichen Eröffnung freue ich mich, dass die Kerte Kruse und Ilka Firmann, die die Ausstellung koordiert hat, ging übersetzen. Liebe Kerte, liebe Ilka, schön, dass ihr da seid, großartig. Ich bin auch noch ganz besählt von unserer Eröffnung in der vergangenen Woche, bin sehr spät nach Hause gekommen, muss ich sagen. Das lag natürlich an deiner Anziehungskraft, der bin ich mir ganz sicher. Kerte, kannst du dich noch erinnern, wenn wir uns kennengelernt haben? Ja, ich weiß es noch ganz genau. Ich habe hier eine Ausstellung von der Berlinischen Galerie gehabt, und ich glaube, das war auch deine erste Ausstellung. Du bist in Berlin gestartet mit Nengolin. Ich als sehr zentilange Freundin habe sie dann öfters begleitet ins Haus, weil das hat ihr dann ein wenig Sicherheit gegeben. Du warst mein Medium und mein Trost. Das war großartig, denn nennen war da nicht so gut, als sie bei uns war. Das war eine unterschiedliche Gründe, die Ausstellung ist großartig geworden. Das ich das Intakt überstanden habe, ist unter anderem dir zu danken. Das war großartig. Seit dieser Zeit kennen wir uns. Und ich habe auch wirklich in den letzten 14 Jahren deine zahlreichen Aktivitäten in Berlin verfolgt. Wir haben auch einmal über einen Projekt gesprochen. Das waren mir aber zu klein. Ich finde, wir haben jetzt zu einer richtigen Größe gefunden. Wie kam es ansonsten zu dieser Idee? Wir haben uns überlegt, Mensch der Geburtstag der Berlinischen Galerie könnte eine großartige Gelegenheit sein, dich zu fragen, ob du da drin Interesse hättest. Ich habe mich in Mitte irgendwo unterwegs, ich habe dich angerufen. Und du warst gleich zugestimmt. Das hat mich sehr erfreut, weil du jetzt natürlich auch ein bisschen zögern könnt. Ich weiß nicht, ich habe keine Ahnung, aber gerade noch ein anderes Eis nimmt vorher. So ging das los. Ich habe schon den Ball weiter gespielt an Ilka. Die habe ich gleich mit ihr Kontakt aufgenommen. Und ihr habt die ersten Gespräche vor 2 Jahren. Das ist richtig. Genau, 1,5 Jahre ist das her. Und Kett und ich kannten uns zu dem Zeitpunkt ja auch schon. Das war nämlich auch total witzig. Haben wir letztens noch darüber gerichtet, wann wir uns eigentlich kennengelernt haben. Und das war bei der Abschiedsfeier von Anneli Lütgins meiner lieben Vorgängerin. Da hat uns meinen lieber Kollege, die du fast bin, da vorgestellt. Und Kett drückt mir dann diese kleine Visitenkarte, die du immer noch hast in die Hand. Ich habe die auch immer noch. Und die ist mit solchen, diese Streifen, wie sieben Karte ist, das im Grunde. Also, wo du deine Streifenbilder in Visitenkartenform umgesetzt hast. Und diese Streifen sind jetzt bei uns in der Berlinischen Galerie an der Wand. Also so kommt alles so ganz wunderbar zusammen. Und ja, Kett und ich, ja vor 1,5 Jahren haben wir angefangen. Und ich weiß auch noch was sehr lustig war, dass du irgendwann zu mir gesagt hast. Ja, ich kann mir das schon genau vorstellen, wie das wird. Ich komme dann mit meinen Sachen und dann lege ich mich in den Raum und dann wird das schon. Und dann legen wir das schon. Legen, ja, also auf den Boden legen und dann wird das schon. Und ich habe dann gesagt, nee, Kett, so geht es leider nicht. Das ist alles ein bisschen eine andere Größenordnung. Jetzt, jetzt nach zwei Wochen aufbau, wie hast du das dann auch so wahrgenommen war? Oder wie, was war, so der Unterschied von dieser Ausstellung vielleicht zu, zu anderen. Du hast ja viele Ausstellungen schon gemacht. Ja, ich habe manchmal, ich kannte die Räume ja schon gut und ich war jetzt eben jahrelang. Also auch nach Nens-Ausstellung habe ich eben gemerkt, was für ein interessantes Programm in der Berlinischen Galerie zu sehen. Es bin oft gekommen und du hattest mich auch mal zu einem Vortrag eingeladen und dann hatte ich Stefanie Heckmann und Gido Fassbender eben auch intensiver kennengelernt. Und ich bin wirklich eine Freundin der Berlinischen Galerie. Und deshalb kann ich die Räume gut, was ich oft mache, wenn ich irgendwo anreise und nicht viel Zeit habe. Und die Arbeiten werden angeliefert, dann leg ich mich schon manchmal hin auf den Boden und lasst die Räume auf mich wirken und fange dann an auszustellen. Das war ja in diesem Fall auch nicht nötig, weil du Ilka auch eine hervorragende Kuratorin warst und mich auch viel gebremst hast. Ich hatte dich ja noch mehr Material angebracht, aber nach deinem Anruftomas und ich weiß auch noch genau, wo ich war. Ich kam nämlich mit der U-Bahn von irgendwo und saß auf der Bank draußen vor dem Nachbarhaus am Michael Kirchplatz und war hoch erfreut und hatte mir das heimlich auch schon länger gewünscht, dass ich mal diese Räume gespielen durfte. Und war dann ganz erfreut und konnte wirklich sofort zu sagen. Und als du dann gesagt hast, dass es auch eine Rittrospektive werden soll, habe ich schon zwei Tage später diese Idee der komplizierten Treppenhalle und dieser langen Wand nachgedacht und hab gedacht, genau da könnte die Vergangenheit sein und zwar wirklich als Rieseninstallation auf Tapete. Und immer wieder wird eben über Raumgreifende Installationen gesprochen und das fand ich dann toll, dass ich dann hab ich gedacht, ja gut, dann mache ich eine Raumgreifende Installation. Über die Vergangenheit ein großes Wort, was bedeutet das? Ja, das ist die tödliche Doris, meine Anfänger in 80er Jahren im Berlin als Performancekünstlerin, Schlagzeugerin der Band. Wir haben ja sehr früh dann angefangen, alle Medien auch zu Mischen, Wolfgang Müller und Nikolaus Utomölen hatten ja beide an der ODK, Visuelle Kommunikation studiert. Meine erste Meisterschülerprüfung, die ich auch bestanden habe ohne Studier zu haben, war eine Performance von die tödliche Doris. Und da haben wir schon immer zwischen allen Medien gearbeitet, mit allen Medien und zwischen allen Stühlen. Ich wollte jetzt nicht diese Verklärung der 80er Jahre, die dann in verstauften Vitrien oder bzw. nicht verstauften Vitrien, sondern verstauptere Lickien in Vitrien. Ich wollte die tödliche Doris auch in einem neuen Licht und neuen Glanz zeigen und da finde ich so eine moderne Installation war mir da ganz passend. Und da sind ja eben auch das Misch, sicher alles auch. Da sind ja ein bisschen so die erste Arbeit, die ihr angekauft habt. Das ist ja eine Arbeit aus den 80er Jahren, aber auch mein allererstes Kunstwerk in den 80er Jahren, wo ich die Arbeiten von Wolfgang Müller und Nikolaus Utomölen, die das Dokumentar-Archiv entwickelt haben mit Fotografien und ich habe dazu die Überordnung den geregelten Zustand erarbeitet. Das fand ich auch eine tolle Arbeit, die dann eben draußen an der Tapete hängt, ohne genau zu wissen funktioniert das. Buntetakt-Peten, die Gesamtheit allen Lebens und alles darüber hinausgehende, diese 44 gemälde, wo von 11 jetzt ausgestellt sind, die eine kaleidoskopische Bewegung zeigen, passt das auf Tapete. Also bis zum Schluss Experiment und das ist ja auch was ich liebe, wenn ich vorher nicht genau weiß, wie es ausgeht, sondern die Ideen, die im Kopf entstanden sind, realisier und dann merke es geht gut aus. Das ist natürlich toll. Hat natürlich total rein diese Wand, wo kommen die ganzen Tapeten her, was sind das für Muster? Es spielt der der zum Fall auch eine große Rolle beim Aussuchen oder wie sind die zustande gekommen? Ja, da habe ich immer einen Laden in der Oranienstraße und die haben eine Riesenortiment an Tapeten, man kann natürlich auch Rollen kaufen für 350 Aufwärts, das Stück. Und mein Kriterium ist, dass ich einen Farbenspektrum abdecke wie, was was ich schwarz, rot weiß, blümchen, Muster, Gold habe ich gerne dabei und da gehe ich dann im Laden nach Preis. Also sind die müssen preisgrünstlich sein, 15, vielleicht 20 Euro die Rolle ist. auch schon mal eine für 30 Euro dabei und die sind auch nicht alle schön. Also die treffen nicht alle meinen Geschmack, aber in dieser Reihung und da ist mir dann wichtig den ersten Tag haben wir damit verbracht die Rollen auszulegen. Erstmal zu entscheiden nimmt man zwei Rollen oder drei um die Streifen zu machen. Es sind zwei geworden, dann wiederholen sich die Tapeten jede noch einmal, ohne in derselben Reihenfolge zu sein und das macht das total ebendig und diese Vielfalt an auch Glitzer-Tapeten macht dieses fröhlich bunte gemischte Bild. Thomas hat es grad schon gesagt, es ist halt wirklich haut rein, also man kommt in den Raum und ist erstmal ganz schön überwältig. Ganz wichtig ist ja auch dir ja auch ganz wichtig ist ja auch, dass das ganze Installation ist. Also das ist jetzt keine, die Tapete ist nicht nur hintergrund, sondern sie ist Teil einer Raumgreifenden Installationen, wie immer so schön sagen, also die alten Arbeiten werden zu einem neuen Werk, wo ich jetzt nochmal einhagen wollte, also dieses bunte Grälle, was das jetzt zum mitbringen, steht so ein bisschen an zum Kontrast zu was, was du mal über die 80er-Jahren Westbelin gesagt hast, weil du hast mal in den Vorbereitungen gesagt, ne, also Farbe sich in den 80ern gar nicht Westbelin war, Schwarz und Weiß und Krau. Vielleicht nimmst du uns nochmal so ein bisschen mit in die Zeit, so wie das war, als du hier ankamst und auch diese ganze Zeit im besetzten Haus, weil das ja auch dein Arbeiten bis heute ganz stark prägt. Diese Zeit. Ja, also in 80er-Jahren, erst mal diese Hochbahn, die also meine Strecke auch viel vom Kotbussator bis Gölz-Abanof war, unser besetzes Haus-Mandorvelstraße, Ecke-Oranienstraße, der Bauhof. Man hatte das Gefühl, man kommt in Kreuzberg an in einer Dusternis. Es waren ja noch diese Gaslaternen, die abends angezündet und morgens wieder ausgemacht wurden. Und es gab ganz viele Trödeläden und nichts war dekoriert. Die Scheiben waren verdreckt, die Sachen einfach nur so reingeschmissen ins Schaufenzer. Dann gab es noch viele türkische Gemüseleden dazwischen. Und dann muss man auch sagen, das waren ungefähr noch 70 Prozent von Kreuzberg 36 unbewohnt. Das heißt, Duster kein Licht hinter den Fensern, der Himmel von der Kohleheizung eigentlich orange. Das war so das einzigen, was an Farbe existierte, entsprechend der Gestank dazu von den ganzen Kohleüfen. Und unser besetzes Haus, da sind wir auch rein und haben mit 40 Leuten später kamen im Laufe der Zeit zu zehn Kinder dazu, die da geboren wurden und haben wirklich in Großgruppe gelebt. Wir haben organisieren müssen, Renovierung, Materialbeschaffung, andere besetzte Häuser, was was ich von Fenstern, Dusch, Wannen und Toiletten und Waschbecken zu befreien, die dann zu uns transportiert wurden. Wir haben Güterwagungsbricketts bestellt, die dann auch in unserem Bullys vom Güterbahnhof im Wetteng abgefahren wurden. Und gleichzeitig mussten zwei Leute immer Nachtwache machen, weil das war ja komplett illegal. Die kümmerten sich dann wieder darum, dass morgens das Frühstück auf dem Tisch stand für 40 Leute. Und die anderen 38 kamen dann so nach und nach dazu und teilten sich in ihrer Arbeitsfälle ein. Und es gab dann immer noch zwei, die den sogenannten Küchendienst gemacht haben, eingekauft, abgewaschen. Und das Essen vorbereitet hinter wieder abgewascht. Das gab die Glocke, die aus dem Fenster gehalten wurde, zu den Essenzeiten und dann aber auch wenn Räumungen irgendwo waren und dann wurden man auch nachts rausgeklingelt und vor wieder mit diesen Bullys zu anderen besetzen, Häusern, die geräumt wurden. Also das war schon eine lebendige Zeit. Also in dem Haus habe ich dich, glaube ich, auch noch besucht und ich kann mich auch noch an die Küche erinnern, an die große Tafel, auf der die einzelnen Personen dann vernerkt waren, die für die bestimmten Sachen zuständig waren. Das ist doch bestimmt nicht immer reibungslos abgelaufen. Habt ihr euch viel gestritten? Ja. Wir haben uns total viel gestritten und es war ja auch damals noch so, man muss sich vorstellen, diese lange Tafel und Plenum, dreimal die Woche. Also normales Plenum, dann gab es Besetzarat, Gesamtberliner, Besetzarat, Blockrat. Also man war auch wirklich aktiv und zwischen drin eben Bauarbeiten und dann gab es natürlich ganz viel Streit auch um Verhandlungen, nicht Verhandlungen. Da war die radikaler Szene, die andere, die mehr aufbauen wollten. Dann gab es eben die ökologische Wirtschaften wollten und die Systeme, die wir jetzt erreicht hatten, dieses Großgruppenleben mit 40 Leuten. Da konnte einem ja auch keiner sagen, wie funktioniert so. Was man konnte auch, ich konnte meine Eltern auch nicht fragen, wie das geht. Und diese ganze Reibung und eben, ich gehörte zu den Leuten, die lieber verhandeln wollten, weil die alternative wäre gewesen, Räumung zurück in anderthalb Zimmer, hochpaterrausend Toilette. Das war ja der Stand, den vorher alle gehabt hatten. Und in dieser Großgruppe konnte man aber auch erreichen, wir haben ja einen Blockheitskraftwerk errichtet, wir haben Strom, wir haben die ersten Stromverträge in Berlin mit der Bewack verhandelt. Wir krikten aber allerdings so wenig Geld von der Bewack dann für unserem verkauften Strom, dass wir daran nur noch so viel produziert haben, wie wir selber brauchten. Und es waren eben neun Häuser im Block 103, die über Solarpanäle, alles auch mit der Uni, der TU studierenden, abgewickelt, mit der IBA, international Baustellung, Architekten waren auch im Haus bei uns. Und wir waren wirklich sehr engagiert und dann kam natürlich auch die ganzen Fernsehe. WDR drei hatten drei Wochen bei uns gelebt, Lerosch hatten Kindseichen, die Sendung gemacht. Also ja, wir waren bekanntes Haus und waren aber auch, das hat uns ja auch geschützt der Baustattrat, auch Lofski, der stand schon immer vor der Polizei, Formhaus, bevor die anfingen, das Haus zu durchsuchen. Und dann wurde das schon bei uns auch alles da nicht so schlimm. Also wir hatten auch viel Unterstützung aus der Bevölkerung, weil wir auch positiv, wir wollten aufbauen, wir wollten etwas. Und das hat ja dann auch relativ lange gehalten dieses Aronschmo, oder diese Duldung, kann man fast sagen, oder? Ja, das ging, wir haben irgendwann angefangen, Hausverein zu gründen alle neun Häuser, dann haben die neun Häuser sich in einer Besanierungsgesellschaft, die heute Stadtbau heißt, das wurde auch dann mit so, so Organisationen gegründet und die dann auch unterstützt finanziell. Und dann er kamen die ersten Anwält, die Teil dieser Organisationen waren, die haben dann verhandelt mit dem Senat und uns. Und dann haben wir die Genossenschaft, die Luisenstadt Egege gründet, die ja auch immer noch am Heinrichplatz existiert. Und mit dieser Genossenschaft haben wir die Häuser legalisieren können, dem Senat dann abnehmen können, erst mit Verträgen und später haben wir die Häuser abgekauft, weil plötzlich ging die Mauer auf und die Verträge galten nicht mehr und wir dachten, okay, dann besetzen wir das eigene eben wieder und haben dann ganz schnell als die Mietpreisbindung bevor die aufgegeben wurde, haben wir die Häuser gekauft und jetzt sind immer noch sechs Euro 50 der Quadratmeter dort, wenn man dort lebt. Und es existiert alles noch. Also Marc, der schon, wenn du das so erzählst, du bist halt und ich muss sagen, das ist auch eine Erfahrung, die wir in der Berlin-Schengalerie mit dir gemacht haben, du bist halt wahnsinnig gut im Zusammenarbeiten mit vielen anderen Leuten, so einem Team, das macht ja auch total viel Spaß. Und ich habe auch immer zu allen Kollegen, die so neu dazu kam, das ist ja auch mal so, am Anfang hast du mehr so nur mit mir gearbeitet, dann kommt die Presse dazu, die Kommunikation dazu, dann kommt die Vermittlung dazu, dann die Restaurierung und ich habe immer zu allen gesagt, mit Kitt ist es total toll zusammen zu arbeiten, weil die hat halt im Kollektiv gearbeitet, die weiß wieder, es geht, die ist eine echte Teamklärerin und das hat sich auch total bewahrheitet und wenn man jetzt gehört, wie du bei die Zeit erzählt, weiß man auch wie so, weil du das auch immer so mußtest irgendwie, bzw. es war halt total deines Alltags und das gilt ja auch für die Zeit mit die tödliche Doris, also vor allen Dingen mit Wolfgang Müller und Nikolaus Uttermüllen, was ich immer wahnsinnig spannend fand. Ihr habt dann 87 als die tödliche Doris gesagt, wir hören jetzt auf und das ja auch nach einer Zeit, wo ihr wahnsinnig erfolgreich wart, ihr wart Muma gewesen, ihr hattet dieses letzte Konzert, dann noch ein bisschen später in Japan. Wie war das dann für dich als du dann alleine da standst, sozusagen, bzw. als Solo-Künstlerin, das ist ja eine große Freiheit, man kann endlich mal machen, komplett was man will, keiner der sagt, nee, ich finde das so besser. Wie bist du das angegangen oder wie war diese erste Zeit gerade für dich? Ja, das war natürlich erstmal schwierig, einerseits, aber andererseits auch relativ einfach, weil wir uns ja zu dritten noch unterstützt haben mit der Schule der tödlichen Doris, wo wir jeder erst mal eine Solo-Schallplatte gemacht haben, die wieder gemeinsam präsentiert und rausgebracht haben und uns dann so ein bisschen geholfen haben. Also auch Wolfgang Niki haben mir geholfen bei meiner Mappe, weil ich dachte jetzt habe ich mal endlich Zeit, ich hatte ja nie Zeit, jetzt kann ich endlich mal studieren und habe dann visuelle Kommunikation studiert und dann mein meister Schüler mit Studium zum zweiten Mal gemacht und das hat mir auch geholfen erst mal dieses Studium, dass ich nochmal praktiken vertiefen konnte und da habe ich zwar auch Performance gemacht zum Diplom und dann als Meisterschülerarbeit, die Lüessex Rouge, die dann ja in der Bremer Kunsthalle gezeigt wurde, diese 13 Arbeiten. Und das war für mich ein guter Einstieg und dadurch, dass ich ja schon bekannt war und viel Kunst gemacht hatte, war klar, ich produziere keine Diplomstarbeit oder Meisterschülerarbeit für uns, das Bett, sondern eine, die auch weiter in die Welt direkt hineingeht. Und das war für mich der Staat. Aber dann war ja auch gleichzeitig noch, dass ich Familie und zwei Kinder bekommen hatte und dann merkte man eben auch, ja, Karriere Knick gibt es auch, weiß ich auch, drum und wie man dann gemeinsam eben als Kleinfamilie innerhalb der Großfamilie, das hat auch sehr getragen, konnte man die Kinder auch schon mal runter schicken, wenn man Zeit für sich selber brauchte und und toll war eben auch, dass sobald ich eben Bett lagen, habe ich ja wieder an den Ausstellungen gearbeitet, die mussten auch viel aushalten, aber die haben auch viel gegeben. Das heißt, diese Kombination aus Großgruppen leben und Kunst machen und die tödliche Doris im Rücken und mit Wolfgang habe ich ja fast 20 Jahre noch weiter gearbeitet, an Performance ist, bis dann klar, weil ich möchte jetzt viel mehr Kunst als Performance machen und dann hatte ich wirklich zehn Jahre, wo ich nur Kunstprojekte gemacht habe, gar keine Performance ist, bis mir das dann auch ein bisschen langweilig wurde, bis ich merkte, da fehlt doch ein ganz wichtiger Teil in meinem Leben und dann bin ich wieder zurückgekommen, auch die Performance ist mitzudenken und gleich mit in so Projekte einzuarbeiten und jetzt bin ich eben an diesem Punkt, wo ich sagen kann, ja toll. Ja, ist ein breites Spektrum, was du da bedienst kann man was sagen kannst du dich noch an deine ersten, an diesen ersten Schritt erinnern, Performerin zu sein. Ich glaube, das ist doch eine richtige Überwindung, weil man eben sich, man wird zum Werk letztlich, man hat kein Objekt von dem man sich entfernt, sondern man ist es, man exponiert sich, es ist ja eine ganz, ganz mutige Tat zu perform, kannst du dich dann noch erinnern, war das kein Problem, du machst es heute so, oh ja, man geht bestimmt da weiter, wie das sieht, nur so aus. Also ich habe heute genauso viel lampenfieber wie früher und dieses allererste Mal, wo ich mich da raus geschmissen habe, das war im S.O.36 Weihnachten für Heino, das war genau dieses heilig Abendding, wo entweder man zilebriert Weihnachten oder man tut so als gäbe es das nicht und dieses so tun als gäbe es das nicht, das ist auch total anstrengend und erschüttern, also das S.O.36 an diesem heiligen Abend war in desaß trös und die Stimmung war auf einen null Punkt und es haben Benz gespielt, wie Säulen grün, die später zu den Ärzten wurden. Ich war auf dem Plakat und habe gesagt, ja, was soll ich machen? Ich stehe auf dem Plakat, jetzt muss ich was machen, habe ich mir Engelsflügelchen produziert in schwarz mit glitzer und in schwarzen Leder gekleidet, bin ich als schwarz erengel auf die Bühne und habe immer vor den Benz Feuer gespuckt und dann gab es immer diesen Aha-Moment, das illusionierten ein wenig glücklich in diesen Moment und das zwei Nachden gerettet für die. Ja und aber für mich irgendwie auch, denn daraufhin haben ja Wolfgang und nicht ihm mich kontaktiert und dann haben wir schon im Januar getroffen und meine erste Arbeit war eben das Naturkatastrophenballet, die Vertonung der Naturkatastrophen, die Wolfgang und Nikki aus Kinderlexika gelesen haben und das von meinen Einstieg dann in die Performance und bildende Kunst. Aber es ist natürlich auch, ihr habt dann ja auch immer viel zusammen performt und du hast mir auch mal erzählt, dass ja auch wie so ein Sicherheitsnetz, dann man ist zu dritt und ich glaube diese Zusammenarbeit, also dieses sich so gegenseitig absehrend ist auch was, woran du dich immer gerne erinnerst oder so ne? Ja, weil wir haben immer zu dritt gearbeitet, wir haben uns im Grunde jeden Tag getroffen. Bei uns im Besetz hinaus gab es den Eierpappenkäller, den ich daher gerichtet hatte, das war unser Studio, haben wir gar nicht so oft gebraucht, wir haben auch gerne so im trockenen, auf dem am Tisch mal so probiert und dem macht man tag, tag, tag und so machen wir das dann auf der Bühne und wir haben nie Überzeugungsarbeit geleistet, sondern wir waren zu dritt, haben so lange diskutiert und an Ideen umgefalt, bis wir alle 300 Prozent hinter jeder Idee gestanden haben. Denn wir hatten auch Situationen, wo in Frankfurt, zum Beispiel das Publikum sich gegenseitig beschimpft und angeschrien hat und unsere pübeligen Stimmen bei dem Acarpeller waren ja gar nicht mehr zu hören und wir haben auch, wir sind beschmissen worden mit Gegenständen und Tomaten oder wir hatten in Budapest, da gab es ein Festival, das war noch ja eben in den 80er Jahren und vor uns war eine Truppe, die da mit Seifenblasen handiert hatte und wir drei so in Mini-Kleitchen, Wolfgang als erstes mit einem Sprung raus, farbenprechtige Kostüme und gräht gleich über diese glittschige Suppe der und Niki und ich hätte der Seifenblasen und Niki und ich hätten eigentlich auch vor Lachkramm, erst mal hinter der Bühne bleiben konnten, mussten dann aber auch mit dem fröhlichen Gesicht hinterher springen und immer ne sowas, das schweißt auch zusammen, also wir waren wirklich eine Einheit auf der Bühne und egal ob wir uns geschubst haben oder was immer da vorfiel, wir wussten wir können uns da total aufeinander verlassen und das hat so eine ganz extreme Sicherheit uns allen da ein auch gegeben. Vielleicht von mir noch was Apropos Einheit und zusammengeschweißt ihr seid hier eine tolle Familie, du bist ja mit deinen Töchtern auch ein Wahnsens Team, man sind die denn mit ins Spiel gekommen? Ja ich glaube ich weiß gar nicht mehr genau 2010, 2011, ich wurde gefragt für eine Performance in den Kunstwerken, EVO und die sollte nach halb Stunden sein und dann dachte ich, sehr alles so komisch, kriegerisch, ich mach mal was zum Thema Frieden, recherchiere und finde nur Krieg und dann habe ich diese Kriegsdaten und dann sagt er da ach, Krieg und Trommel, und sage ich ja es, wenn natürlich toll, wenn du Trommelst, das stimmt jetzt schon mal gar nicht, weil das faschen unsere zweite gemeinsame Performance, die erste war Thema Abtreibung und zwar hatte ich einen Interview mit meiner Schwester geführt, indem ich über ihre, ja sie sagt immer miskeboert, weil sie hat einen Kind im Bauch gehabt, ohne Hinterkopf und ohne Gehirn, das heißt dieses Kind war nur lebensfähig, so lange es an der Nabelchnur war, diese Entbindung war auch alles sehr kompliziert und ich habe mit ihr dieses Interview geführt, das hat uns beiden geholfen, ich über meine Abtreibung, sie über diesen Zustand und darum geht es, da sieht man eben auch, darum ging es auch darum, wie männliche Gynokologen Frauen eigentlich behandeln, und das ist schon relativ erschütternd und als Clara, glaube ich 13 oder 14 war, er war dann 16, 17, fanden die das so toll und haben gesagt, wir möchten mitmachen bei der Performance und dann habe ich gesagt, gut, dann macht du doch deinem Bass, Clara und Anna-Dune, Trommels und Filmbild waren Sonnenspiegelung im Wasser, einmal in Butter, einmal im Meer, in USA und die Leute im Publikum, die haben auch wirklich teilweise geweint und geschrien, das war schon sehr intensiv wie meine beiden Töchter zu diesem Thema, mich quasi von hinten stützen und dann waren wir so eine Einheit und dann haben wir eben mit der Kriegsperformen zweiter gemacht, wo ich dann diese Kriege aufgelistet habe, Edda hat getrommelt und Clara hat irgendwann es reingekommen und hat gesagt, was probst du gerade und sage ich, na, ich versuche, alle Kriege dieser Welt in 30 Minuten zu quetschen, aber es gelingt männlich, ich glaube ich fang im Jahre null an und halbe Stunde später kam sie zurück und sagten, guck mal, ich lehste ja meine Gedanken vor, die ich dazu hatte, dann habe ich gesagt, ob bitte kommen mit zur Performance und sie hat dann wirklich mitperformed ihren Text irgendwann in diesen, der war nur fünf Minuten lang und hat diese anderen 25 Minuten einfach da stehen, performt, also die haben beide auch so was und Edda hat getrommelt und ich habe gelesen, wir haben es nicht geschafft bis zum Ende der Kriege in der halben Stunde zu kommen, aber das Publikum des harteilweise geschrien, also es muss auch sehr intensiv eben gewesen sein und das ist etwas, was natürlich immer auch sehr tragend ist, also für uns drei und uns auch sehr verbindet und wo wir uns dann gegenseitig auch so stützen und schätzen gelernt haben, dass wir häufig weiter machen und Clara ist jetzt lebt jetzt in Zürich, ist nicht mehr so dabei, aber Edda wird jetzt auch in der Berlinischen Galerie alle drei Performance am Schlagzeug oder an der Trommel begleiten. Wo ich noch mal darauf zu sprechen kommen wollte, war zum Ende mich so ein bisschen am Anfang übersprungen der Titel der Ausstellung, weil tatsächlich haben wir relativ viel hin und her geschoben, was kommt in die Ausstellung, was nicht, du hast immer gesagt, Ilka, das jetzt auch noch und ich habe gesagt, na, das wird zu viel, also da ging es immer wie auf so einem Schachtzeithin und her, aber was wirklich, wo wir uns ziemlich schnell ziemlich eigentlich waren, das war der Titel und das muss man sagen, ist nicht immer so manchmal quält man sich ganz schön mit einem Titel für eine Ausstellung, deine heißt jetzt ist alles gut, erzähle doch noch mal ein bisschen zu dem Titel, weil der es gleich ein bisschen Erklärungsbedürftig ist. Ja und der ist auch ein bisschen viel schichtig, weil für mich gibt es da eben verschiedene Gründe, weshalb ich zu diesem Titel gekommen bin, Der Titel hat ja auch mit der Frage, wie geht es dir jetzt? Jetzt ist alles gut, einen ganz eigenen Raum, wo auch die neuesten Arbeiten eben genau für diese Ausstellung gemacht worden sind, nämlich diese beiden Aussagen und Fragen in Holz, in Papier, in Ölmalerei. Und es hat auch die tödliche Doris wieder nochmal ein Schritt zurück zur tödlichen Doris. Wir haben eine doppelte, also eine LP gemacht, im Studio. Und dann diese Bänder getrennt, weil wir wollten die zu unterschiedlichen Zeiten rausbringen. Die Idee war gewesen. Leider haben die Plattenfirmen in Ostberlin und Westberlin nicht mitgemacht. Deshalb ist bald es dann in Düsseldorf, bei Attattack produziert worden. Aber die Idee war, eine Scheiplatte sollte in Ostberlin, eine in Westberlin zeitgleich abgespielt werden, so dass die Musik auf der Mauer zu hören sein sollte. Die unsichtbare LP, die dann zusammenkommen. Das ist eben eine unsichtbare LP. Wir haben dann erst die Platte Unser Debüt, die Nummer vier der tödlichen Doris rausgebracht. Keiner hatte das Gefühl, es fehlt etwas. Wir haben dann die Scheiplatte Nummer sechs, die auch sechs Hies rausgebracht. Und das Plakat erschienen, zeitgleich, das hieß, schmeiß die Grücken weg. Dort ist erklärt, wenn man diese beiden Platten jeweils die Aseiten und die gleichen Stücke zeitgleich auf zwei Schalplattenspielern abspielt, ergibt sich diese dritte Musik. Diese unsichtbare Schalplatte ist dann hörbar. Deshalb sind die Platten auch von Anfang an, bevor die zweite rausgebracht wurde, auch so ineinander gestaltet. Auf der einen ist dann in Orange. Wie geht es dir jetzt? Und erst als die zweite Scheiplatte rausgekommen ist, detailliert es alles gut. Das ist dieses Zusammenführen von Ideen und Gedanken. Für mich ist es in diesem Fall auch die Ausstellung, das Zusammenführen meiner vergangenen Arbeiten, der älteren Arbeiten, der neueren Arbeiten. Also wo ich jetzt als Künstlerin zum ersten Mal in einer Retrospektive auch das Gefühl habe, jetzt ist alles gut, weil das Werk rundet sich ab. Es ist nicht mehr wie in Bremerhaven, wo man denkt, "A, tolle Gruppenausstellung." Nein, jetzt kann man auch erkennen, das ist doch alles meinens. Auch unterschiedlich, wie alles ist und jeder Schritt, den ich gemacht habe, bessere und schlechterer Arbeiten alles eingeschlossen, hat es gebraucht, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin. Und jetzt ist mein Werk abgerundet. Ich kann sagen, jetzt ist alles gut. Und ich bin bereit zu neuen Taten und neuen Ideen und die nächsten Arbeiten wird es geben, solange ich Ideen und Energie habe, mache ich ja E-Weiter. Und als Drittes für mich ist auch diese duster Zeit, in der wir jetzt stehen, die sich im Laufe der anderthalb Jahre noch mal ein bisschen verdunkelt hat, ich habe jetzt so für mich das Gefühl, ich möchte jetzt möglichst positiv in die Welt hineinstrahlen. Auch dieses jetzt ist alles gut. Für diesen Titel habe ich so unendlich tolle Komplimente und E-Mails bekommen. Also ich finde das jetzt wichtig, positiv hineinzustrahlen. Das ist das, was ich von meiner Seite auch geben möchte. Das merkt man deiner Kunst auch an und ich finde das merkt man auch der Eröffnung an, wie viele Menschen diese Einladung gefolt sind. Es war so eine positive, wohlwollen, ist jetzt irgendwie so ein Pappywort. Aber irgendwie doch eine total tolle Atmosphäre, die richtig mitging, die Neugrig war, die mich angesprochen haben, endlich hat sie ihre große Ausstellung in Berlin. Das war wirklich spürbar, so eine große Sympathiewelle auf der Welt, an dem Abend und nicht nur an dem Abend geschwommen sind. Das war wirklich großartig. Ja, das sehe ich genauso. Also die Arbeit auf die viele Leute reagiert haben, sowohl bei der Pressekonferenz auch jetzt auch bei den ersten Führung ist ja die 366 Tagearbeit, beziehungsweise die Wörterbilder, von denen wir insgesamt 17 zeigen. Es gibt ja 80. Und ich muss mal vielleicht ein bisschen beschreiben, die Arbeit, also eigentlich sind es gemeldet. Also du hast Wörter mit Ölfarbe auf Leinwände gemalt. Und diese Wörter hast du über 366 Tage gesammelt. Vielleicht erzählst du noch mal ein bisschen wie die Arbeit eigentlich zustande gekommen ist oder was die Idee hinter dieser Arbeit ist und was diese Wörter jetzt eigentlich mit einem machen, wenn man sie sich jetzt anschaut. Ja, also ich hatte mich irgendwann gefragt, ich merkte, es gibt eine Verruhung in der deutschen Sprache, es gibt einen Rechtsrog und ich komme ja aus einer antifaschistischen Familie, mein Opa war ja unter Hitler sofort enhaftiert worden. Und ich hab gedacht, ja, wie kann ich das eigentlich lesen? Kann ich in Überschriften in deutschsprachigen Zeitungen lesen? Wie passiert das eigentlich mit einem Rechtsrog? Wie passiert das eigentlich, dass man plötzlich im Nationalsozialismus ist oder in einer Autokartie? Und dann habe ich mich ganz privat nur gefragt und bin am 1.04.2015 an der Angefangen und dann pro Tag, wir hatten die und immer noch die Tats im Abo und habe mir jeden Tag 25 Überschriften, die mich angesprungen haben auf der Tats einfach mal so rausgeschrieben und nach einem Monat merkte ich so, oh, das ist jetzt so interessant und spannend und da möchte ich jetzt dranbleiben und dann habe ich angefangen, habe so ordner aufgemacht von A nach Z und habe die Substantive aus den bereits gesammelten rausgenommen und dann habe ich auch gemerkt, das wird eine Arbeit, das ist nicht kein Privatinteresse mehr und dann habe ich eben auch gemerkt, die Performance, also ich kann überhaupt nicht so einen spannenden Text schreiben wie die Aner-Nandereiung, die chronologische Aner-Nandereiung über 366 Tage hinweg, mehr Textstoff gibt und es sind eben 3927 Wörter ins Gesamt geworden, die dann natürlich auch erst aufgezeichnet, dann aufgemalt, also ausgemalt auf den Bildern sind und die Bilder sind auch so unterschiedlich, also es gibt zum Beispiel bei X, gibt es das Bild enthält nur ein Wort, Xenophobie, mehr gab es nicht in den 365 Tagen, die 365 Tage überschriften, sind auch Blatt für Blatt im Foto-Laborhand abgezogen, es ist auch eine eigenständige Arbeit und diese Wörter sind doch sehr eindringlich. Auch jetzt zehn Jahre später, wo wir ja schon von Ruck gar nicht mehr so sprechen können, ist das schon mehr eine Rechtslavine und da möchte ich auch einfach sagen, da möchte ich auch gegen Antehämpfen, und das stehe ich dann auch mit positivität, dann gegen an. Und diese Performance sehen auch eindrücklich, weil innerhalb dieser zehn Jahre alles steht schon dort in diesen Wörtern, die Arbeit ist für mich im Arbeitstitel, ich sehe schwarz, deshalb auch der dunkle Raum dazu, die Box, die ich mit Doppel-LP dazu gemacht habe, auch bei Distanz erschienen, heißt ich sehe, weil ja, man kann eigentlich schon sehen, wie sowas abhutscht. Und jetzt noch mehr, und dann muss man sich fragen, was macht man denn dann, geht man irgendwo hin oder. Es ist halt wirklich ja starr nicht, dass diese Arbeit schon zehn Jahre alles und wirklich jetzt gerade ein Nerv bei den Besucher*innen trifft. Das haben wir schon super schnell gemerkt. Und was aber auch interessant ist, finde ich, oder was man, wenn du das jetzt so im Schreibst, auch nochmal ganz toll sieht ist, wie wenn du so eine Idee hast, wieder auf einmal daraus, so zig Projekte werden. Also wir haben die Überschriftenarbeit mit den vollen Überschriften, dann hast du dir einzelnen Wörterbilder, dann die Performance ist also dieses Recite-Leng, was ja, also transformieren, was halt auch immer bei dir ein Thema ist, da machst du auch vor deinem eigenen Werk nicht halt, beziehungsweise wird immer weiterentwickelt, weitergetragen. Und du lotes immer aus, was es noch ein Medium, wo ich nochmal das Thema anbringen kann oder weiter verwerten kann. Ja, genau und so und mit ganz viel Fleißarbeit entstehen eben auch alle Serien und ich arbeite ja viel sehriell, auch die 48 Farben, die Nähbilder, die ihr habt, da wird dann auch dillettantisch hoch und runtergenäht, dauert Stunden bis zum Bild fertig ist, jedes sieht anders aus, jedes hat andere Fehler und jedes hat die eigene Schönheit. Das ist doch ein super schöner Satz zum Abschluss. Ich will vielleicht noch hinzufügen, wenn man mehr über dich erfahren möchte und über deine Arbeit, kann man entweder die Ausstellung besuchen, die Performance besuchen oder sich die Katalog besorgen, der großartig geworden ist, gibt es ein Interview und Artikel zu deinem Werk und dann möchte ich doch gerne darauf hinweisen, weil ich selbst auch so ein bisschen stolz darauf bin, was an unserem Haus durch die Kuratoren und durch dich da erstellt wurde. Danke. Zum Abschluss gibt es bei uns immer so eine Frage und zwar nach "M-Geheim-Tipp". Hast du ein Geheim-Tipp für Berlin? Wo kann man hingehen? Was kann man machen? Und bist du vor allen Dingen bereit, den zu verraten? Ich weiß auch gar nicht mehr, was dir so Geheim-Tipp mäßig ist. Aber das Kumpel des 3000, das ist in seiner Schrägheit geblieben. Da habe ich ja auch viele Jahre hinter der Bar gearbeitet und ich glaube, das ist immer noch ein Geheim-Tipp. Alles klar, also wenn du mal wieder dort in der Bararbeit, das sagt bitte vorher Bescheid, dann kommt ja auch vorbei. Die Ausstellung jetzt ist alles gut, ist noch bis zum 16 Juni 2025 in der Berlinischen Galerie zu sehen. Während der Laufzeit wird wie bereits angesprochen in unterschiedlichen Zusammensetzung werden performances stattfinden. Das sollte man nicht verpassen. Man erfährt darüber über unser Instagram-Konto, aber auch über unsere Website. Und da sollte man sich dann rechtzeitig orientieren, wann diese Daten sind und ich tick ins Besorg. Vielen Dank an Ilkalf, wir lesen das Gespräch heute und natürlich ganz großen Dank an die Liebekette für deine Zeit und für das tolle Gespräch mit ihr. Sehr gerne, ich danke auch euch beiden. Sehr herzlich.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Der Podcast "Kunst in Berlin" der Berlinischen Galerie feiert sein 2
  2. Folge-Jubiläum im Jahr des 50-jährigen Bestehens des Museums.
  3. Die Künstlerin Kette Kruse stellt in der Ausstellung "jetzt ist alles gut" aus und reflektiert über ihre Karriere, von ihren Anfängen in der Berliner Punk- und Hausbesetzerszene der 1980er Jahre bis hin zu ihrer aktuellen Arbeit.
  4. Kruse beschreibt ihre Zeit in einem besetzten Haus in Kreuzberg, das kollektive Leben, die politischen Kämpfe und wie diese Erfahrung ihre Kunst und ihre kooperative Arbeitsweise bis heute prägt.
  5. Die Ausstellung integriert ihre Vergangenheit, insbesondere ihre Zeit bei der Band "Die tödliche Doris", in eine raumgreifende Installation mit Tapeten, die ihre charakteristischen Streifenbilder aufgreift.
  6. Der Übergang von der kollektiven Arbeit in der Band zur Solo-Karriere als Künstlerin wird thematisiert, ebenso wie die Verbindung von Familie und Kunstschaffen.

Summary:

In der 20. Folge des Podcasts "Kunst in Berlin" der Berlinischen Galerie spricht Direktor Thomas Köhler mit der Künstlerin Kette Kruse und Kuratorin Ilka Firmann anlässlich der Ausstellung "jetzt ist alles gut". Die Folge fällt in das Jubiläumsjahr des Museums.

Kruse blickt auf ihre künstlerische Laufbahn zurück, die in den 1980er Jahren in der West-Berliner Punk- und Hausbesetzerszene begann. Sie schildert eindrücklich das düstere, von Brachflächen geprägte Kreuzberg jener Zeit und das intensive kollektive Leben in einem besetzten Haus mit 40 Personen, das von politischem Aktivismus, Bauarbeiten und gemeinsamer Organisation geprägt war. Diese Erfahrung formte ihre kooperative und teamorientierte Arbeitsweise.

Die aktuelle Ausstellung transformiert ihre Vergangenheit, insbesondere ihre Zeit bei der experimentellen Band "Die tödliche Doris", in eine große, farbenfrohe Tapeteninstallation. Kruse erläutert den Übergang zur Solo-Karriere nach der Auflösung der Band, ihr Studium und die Verbindung von künstlerischer Arbeit mit der Gründung einer Familie. Das Gespräch betont die Kontinuität ihres Schaffens zwischen Performance, Musik und visueller Kunst.

FAQs

'Kunst in Berlin' ist der Podcast der Berlinischen Galerie, Museum für moderne Kunst, und wird vom Förderverein der Berlinischen Galerie präsentiert. Er behandelt moderne und zeitgenössische Kunst sowie Museumsarbeit.

Die Berlinische Galerie feiert ihr 50-jähriges Jubiläum. Die erste Wechselausstellung des Jahres wurde der Künstlerin Kertė Kruse gewidmet, mit der Ausstellung 'Jetzt ist alles gut'.

Sie beschreibt die 1980er Jahre in West-Berlin als düster, mit Gaslaternen, vielen Trödeläden und wenig Farbe. Die Atmosphäre war geprägt von Kohleheizungen und einem hohen Anteil unbewohnter Häuser in Kreuzberg.

Die 'tödliche Doris' war eine Performance-Kunstgruppe und Band, in der Kertė Kruse als Schlagzeugerin aktiv war. Sie markierte ihre Anfänge in den 1980er Jahren und prägte ihren interdisziplinären Ansatz in der Kunst.

Sie lebte mit etwa 40 Personen in einer Großgruppe, organisierte Renovierungen, Nachtwachen und gemeinsame Mahlzeiten. Das Leben war von kollektiver Arbeit, aber auch vielen Konflikten und politischem Engagement geprägt.

Sie studierte visuelle Kommunikation, vertiefte ihre Praxis und begann eine Solo-Karriere. Unterstützung erhielt sie durch die 'Schule der tödlichen Doris' und setzte ihre Arbeit mit Performances und Installationen fort.

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