Pablo Hagemeyer, Psychiater und Buchautor, erklärt in seinem Podcast-Auftritt die komplexen Hintergründe des Narzissmus. Er beschreibt ihn nicht als schlimmes, isoliertes Phänomen, sondern als eine Entwicklungssituation, die im frühen Leben durch ein unzureichendes Ernährungs- oder Zuneigungsempfinden beginnt. Diese frühe Entwicklungsstörung führt dazu, dass Narzissten ständig nach Bestätigung und Wertschätzung suchen. Hagemeyer unterscheidet zwischen einem guten, reflektierenden Narzissmus und einem bösartigen, agressiven Typ, der durch das Verhalten gegenüber Kritik und Kontrolle gekennzeichnet ist. Er betont, dass die meisten Narzissten gutartig sind und dass die anderen – vor allem die Personen in der Beziehung – am meisten leiden. Ein zentrales Konzept ist die Anerkennung des Narzissten als Person mit einem verletzlichen, unbewussten Inneren, das sich durch Fassaden und Spiegelung versteckt. Hagemeyer fordert eine menschlichere, nicht stigmatisierende Haltung, bei der Narzissten nicht als „Arschlöcher“, sondern als eingebettete, leidende Individuen verstanden werden. Schließlich wird betont, dass Narzissmus eine Ressource und eine Lernmöglichkeit ist, die durch Selbstreflexion, Distanz und das Vermeiden von Bewertungen überwunden werden kann. Die Hörer sollen lernen, in Begegnungen mit Narzissten nicht zu bewerten, sondern mit Liebe und Verständnis zu interagieren.
Hallo und herzlich willkommen zu Jungen freudlos, eurem Podcast aus der Klinik für Psychiatrie
und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.
Hier sitzen die hartgesottenen, die nicht im Sommerurlaub sind, nämlich Moritz, der
immer noch neugierige, fragengestellende Frischarzt und ich, ich bin Esmene, Fachärztin für
Psychiatrie eures Vertrauens.
Neugierig, fragengestellend, frisch.
Genau.
Und wir haben einen prominenten Gast in unserer Skype-Pipeline und wir freuen uns sehr, dich
hier zu begrüßen, Pablo Hagemeyer.
Herzlich willkommen.
Bei Jungen freudlos.
Hallo, ja, vielen Dank.
Prominent, ja, das hört sich so an, ja.
Gut, da spricht das an.
Ich sage ein paar Worte zur Vorstellung.
Pablo Hagemeyer ist, so wie ich, Psychiater und Psychotherapeut, ist aber darüber hinaus
noch Buchautor, Podcaster und ist im Bereich Medien aktiv als Filmberater und in der psychotherapeutischen
Praxis hat er sich auf das Thema Narzissmus spezialisiert und sich auch selbst als Narzissist
Narzisst geoutet.
Pablo hat nämlich das Buch geschrieben
namens Gestatten, ich bin ein
Arschloch. Und der Untertitel lautet
Ein netter Narzisst und Psychiater
erklärt, wie sie Narzissten entlarven
und ihnen Paroli bieten.
Und wir sind große Fans
von deinem Buch und freuen uns jetzt sehr
darauf, mit dir drüber zu sprechen.
Vielen Dank. Das ist ein roter
Teppich, den ihr wieder ausrollt.
Das ist was Geiles, so gut es geht.
Nur angemessen. Und was
du vielleicht nicht weißt, ist, dass
wir jedes Interview starten
mit ein paar spontan
zu beantwortenden Oder-Fragen.
Genau. Drei Sachen zur Auswahl
und du darfst ganz aus dem Impuls heraus
antworten, welche am besten zutrifft. Genau.
Ziel ist, dich zu 1000% gut
kennenzulernen. Aufgepasst.
Kamera, Mikrofon
oder Papier und Stift?
Papier und Stift. Das ging sehr schnell.
Das ist dir das Liebste, weil du hast ja mit allen
dreien offensichtlich zu tun.
Ja, aber das Ursprünglichste
ist Papier und Stift. Ich habe mit sieben
oder mit acht Jahren, glaube ich, mein erstes
Darf ich an dieser Stelle mich als
Lyriker outen? Mein erstes Gedicht
geschrieben. Echt? Wahnsinn.
Das ist ein junger Einstieg. Spannend.
Ja, tatsächlich. Sehr gut, Moritz.
Okay, Frage Nummer zwei. Selbstoptimierung.
Habt ihr da Wettenlaufen eigentlich?
Nee, noch nicht offiziell.
Ist aber eine gute Geschäftsidee.
Können wir einnehmen.
Genau, Wetten.
Frage Nummer zwei. Selbstoptimierung,
Selbstinszenierung oder Selbstgeißelung?
Selbstoptimierung.
Ja, ständig dabei.
Ständig. Also ich bin nicht total
der, wie nennt sich das?
Der Biohacker oder wie heißen die Leute,
die sich extrem selbst optimieren?
Wie heißen die?
Biohacker.
Aber ich bin
sehr, sehr entspannt mit dem eigenen
Scheitern unterwegs.
Genau, und deshalb
optimiere ich mich jeden Tag.
Spannend. Beneidenswert.
Eine Frage habe ich noch, die vielleicht dazu passt.
Laufschuh, Rennrad oder
Schachtturnier?
Da muss ich
ambivalent sein, weil ich bin sehr viel gelaufen.
Also ich würde
Laufschuh sagen, ja. Sehr gut.
Und du bist aber auch viel Rennrad gefahren oder
viel auf Schachtturnieren gewesen?
Schachtturnier gar nicht.
Rennrad habe ich mir gekauft.
Das war es auch dann
mit dem Rennrad.
An die Wand gehängt?
Ja, in der Praxis. Es steht eigentlich immer
hinter mir in der Praxis, aber durch
Corona habe ich alles, was wichtig ist, nach Hause
geschleppt und jetzt bin ich wieder in der Praxis
und habe es zu Hause gelassen.
Laufschuhe tatsächlich,
ich habe bis ich
25 war, bin ich regelmäßig
joggen gewesen und habe es sogar
geschafft, mit minimalem Invest
maximal rauszuholen. Also ich war richtig
aktiv, aber jetzt wiege ich fast 100
Kilo, das geht jetzt nicht mehr.
Das ist nie zu spät, würde ich sagen.
Ich möchte mal ganz eitel bemerken,
dass ich gar keinen so schlechten Riecher hatte.
Das würde ich jetzt auch sagen an deiner Stelle.
Im Unkenntnis von Pablos Persönlichkeit.
Ich wollte ja raten.
Gut, jetzt geht es los, bevor
ich noch zu viel Selbstbeweichung
betreibe. Aber gut, sehr gut gemacht.
Danke.
Das ist wirklich ein gutes Gefühl.
Also, Pablo, du schreibst
am Anfang deines Buches, dass du den
Eindruck hast, dass kaum jemand wirklich
genau weiß, was Narzissmus ist.
Darum die Frage, warum meinst du
dann, ist Narzissmus so schwer zu verstehen?
Ja,
weil es verkannt wird. Also ich glaube
viele denken, es ist
irgendwie so was ganz, ganz
Schlimmes und Furchtbares, was
nur wenige haben.
Und sie denken, es hat
auf jeden Fall mit Selbstverliebtsein
zu tun.
Und keiner
merkt, wenn der Narzisst, also
meine Meinung bisher,
merkt, wenn der Narzisst mitten im Raum steht,
hat man dafür keine Worte.
Man kann das nicht in Worte fassen.
Das fällt sehr schwer. Es ist zumindest
unangenehm. Und wenn er gewählt wird als
Präsident von Amerika, merkt es,
dass irgendwie auch keiner. Und das hat mich
alles, ja, das hat mich alles total
irritiert. Und dann
habe ich mir gedacht, in einer
in einem
in einer Selbstermächtigung
oder in so einer Art Eingebung, die man
ja nicht jeden Tag hat, dachte ich
mir, irgendeiner muss das jetzt sagen oder
zumindest mal aufschreiben. Und dann
kam parallel eben der Verlag auch auf mich zu
und wollte wissen, wollte mit mir
ein Buch machen. Da habe ich gesagt, ja, dann lass uns darüber schreiben,
weil irgendwie habe ich das Gefühl, das
muss man irgendwie mal noch
mal aufschreiben. Also es gibt ja zig Bücher
über Narzissmus, aber man muss es noch mal
anders aufschreiben.
Du hast jetzt gesagt, es ist ganz schön schwer, manchmal ein Wort
oder Worte dafür zu finden. Kannst du uns jetzt noch mal
oder unsere Hörerinnen und Hörern sagen, was ist
denn dann Narzissmus jetzt eigentlich? Was steckt
dahinter? Ja, also
das ist immer so kompliziert. Also
man denkt sich, das ist so leicht zu sagen.
In der Nomenklatur aus
der Psychiatrie, wenn wir jetzt mal ganz
psychiatrisch, ist es eine
Selbstbewertungsstörung, die
sich ausagiert in einer
Selbstbeweisung.
Eine Selbstbeweihräucherung oder eine
Selbstvergrößerung, wo eigentlich
gar nichts Großes ist.
In der Historie
ist es ja eine Perversion. Also aus
der psychiatrischen Historie
heraus hat Freud gesagt, das ist
pervers. Die narzisstische
Liebe ist dem Untergang geweiht
und dem Scheitern und der nicht
therapierbar. Und dann sind irgendwann
in den 60er Jahren, gar nicht so lange her,
Leute draufgekommen, dass das
selbst existiert.
Als dritte, Quatsch, als vierte
Instanz, wenn man so will,
über ich, ich und es,
da gibt es noch was Viertes,
das Selbst. Aha, was ist denn das
Selbst? Ach so, das ist das, was wir
als Persönlichkeit meinen.
Das ist diese Rolle, die wir uns
da zusammenbauen, dieses Ich,
ich zusammenbaut. So, und das ist auch noch mal
gestört. Also, und wenn das gestört ist, dann
gibt es den Narzissmus. Also die
Störung, die Störung der Persönlichkeit
an der Stelle.
Hand. Also das ist
immer eine lange Antwort. Man kann es nicht kurz beantworten.
Und wie
entsteht denn jetzt so eine Störung im
Selbst? Ja, also die Störung
im Selbst entsteht früh,
beim Narzissmus. Da bleibt
man stecken in dieser unreifen
Entwicklungsstufe des
Haben-Wollens und Nicht-Bekommens.
Im Grunde
genommen wie ein Säugling, der halt dann
nicht genug
Milch kriegt oder nicht genug Futter kriegt.
Was übrigens ganz, was ich
gerade gelernt, vor kurzem,
das, wisst ihr, warum der
Mensch geboren
wird und als Säugling noch
völlig, völlig unbeholfen.
Also ich meine, im Tierreich können die ja schon laufen,
die Kids, die Kleinen. Der Mensch
nicht. Warum wird der Mensch viel zu früh
geboren?
Aha.
Jetzt richte ich das Interview um.
Man denkt ja immer,
das liegt daran, weil das Gehirn so groß ist
und dann irgendwann nicht mehr durchs Becken der Mutter kann.
Habe ich jetzt aber was anderes gehört,
nämlich, dass das Kind, das heranwachsende
Kind, so viel Hunger entwickelt,
dass die Mutter es nicht mehr versorgen
kann. Und deshalb muss es raus.
Sonst würde sie sterben.
Sonst würde sie dran drauf gehen, genau.
Und geil, also wirklich
interessanter Punkt, weil das würde
mit dem Ur-Narzissmus ja
funktionieren, mit dem Modell,
das wir davon haben. Das heißt, ich will ganz viel
haben, fressen, fressen, fressen
und verbrauche meine Mutter damit.
Also ich finde, das ist ein schönes Bild.
Und deshalb muss die Mutter das Kind loswerden.
Und das ist die Urkränkung
des Narzissten, dass er nämlich
verstoßen wird, weil er hungrig ist.
Ist das nicht furchtbar?
Das ist furchtbar.
Und dann sucht dieses kleine Wesen,
schreit, ist hilflos, inkompetent
und sucht und sucht
nach Futter und Zuwendung und Bestätigung und Liebe
und Wärme, kriegt den ganzen Scheiß nicht mehr so,
wie er es mal gewöhnt war als Säugling
oder als hier Leibesfrucht.
Ja, und dann ist der Narzissmus
gesetzt. Also das ist eine frühe,
unreife Störung, weil der Kerl nicht kapiert,
dass die Nummer gelaufen ist für ihn
in seinem Leben. Er muss jetzt erwachsen werden.
Und das wird er nicht.
Dann bleibt er da und ist Narzisst.
Dann müssten wir doch alle Narzisst sein.
Ja, sind wir auch.
Ja, sind wir auch, wenn wir das
nicht überwinden, die Nummer.
Wenn wir also aus dieser Entwicklungsstufe nicht weiter
uns entwickeln und
merken, okay, wir sind für uns
selbst verantwortlich, wir müssen
selber unseren Hunger regulieren,
wir müssen selber unsere Frustration regulieren.
Eigentlich lernen wir das ja schon.
Mit 14, 15, 16
merken wir, okay, ich kriege jetzt nicht
alles, was ich will. Nicht die Noten,
nicht die Anerkennung, nicht die. Ich bin vielleicht talentiert auf der
einen Seite, aber. aber es hilft mir nicht auf der anderen Seite.
Also diese Frustrationen, mit denen müssen wir irgendwie klarkommen.
Und dann wären wir keine Narzissten.
Wir haben immer noch vielleicht diesen narzisstischen Anteil in uns,
der uns antreibt.
Das wäre der gute Narzissmus, der auch unbedingt gefordert ist.
Also Kohut und die ganzen Persönlichkeitspsychologen sagen,
es ist total wichtig, auch die Psychoanalytiker,
einen gesunden Narzissmus zu haben.
Spannend, das heißt aber, den pathologischen Narzissmus,
den verlernt man eher wieder in der Entwicklung,
als dass man ihn irgendwann bekommt durch ein undefiniertes Unheil.
Genau, würde ich auch sagen.
Das ist ein Lernvorgang, das ist ja auch ganz neu.
Also wirklich, Persönlichkeitsstörungen haben wir immer gesagt,
nicht korrigierbar, weil es die Störung ist.
Deswegen ist es die Störung, weil es nicht korrigierbar ist.
Und weil wir daran leiden.
Zweite Grundkriterium für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung.
Und deshalb ist es schwer zu behandeln.
Aber wir wissen heute, wenn wir die Störung rausnehmen,
dass das Leiden nicht so da ist, was wir ja haben.
Wenn einer etwas nur leicht narzisstisch ist, kann man es ja korrigieren.
Dass es eine Evolution ist und dass wir diese Evolution
positiv beeinflussen können.
Selbstreflexion, Selbstempathie und so weiter.
Frustrationskorrektur.
Und dann sind wir eigentlich gerettet.
Wir können uns schon retten.
Du hast jetzt gerade schon so ein bisschen, es ist angeklungen.
Würdest du auch sagen, dass es sozusagen eine Art narzisstisches Spektrum gibt?
Also von narzisstischen Zügen bis starker Narzissmus, wenn man so sagen kann?
Genau, da tendieren ja auch die neuesten Schichten, also DSM-5.
Die neuen Kriterien.
Ich weiß gar nicht, die neuen Kriterien.
Benutzt ihr die als junge Ärzte jetzt?
Oder ich hoppel immer noch mit den Alten durch die Gegend.
Wir benutzen in der Klinik vor allem immer ICD-10.
Aber ich würde für Persönlichkeitsstörungen immer DSM-5 benutzen,
weil die besser sind.
Aber ich tendiere total dafür zu sagen, es ist eine Spektrumstörung.
Ich meine, alles ist eine Spektrumstörung, das wissen wir ja.
Also Psychosen, Depressionen, was auch immer.
Und auch die Persönlichkeitsakzentuierung, Störung,
das habe ich auch in meinem Buch stehen.
Der Craig Malkin hat das ja am Merkmal der Wichtigkeit durcherzählt und dargestellt.
Total einleuchtend.
Für mich auch das Hauptkriterium einer narzisstischen Störung
ist der Mensch oder die Person, die sich selbst sehr wichtig nimmt.
Und wenn wir die sich selbst sehr wichtig nehmen,
wenn wir diese Wichtigkeit anzweifeln,
wird diese Person Emotionen entwickeln wie Ängste, Unsicherung, Paranoia
und wird dann zum Angriff blasen.
Und wenn wir also jemanden, der meint, er ist sehr wichtig,
öffentlich anzweifeln, wird er uns vernichten wollen.
Im Extremfall.
Und das ist für mich ein kralares Kriterium für den malignen Narzissmus.
Und der beniegene Narzissmus, der würde die Frustration ertragen,
dass er kritisiert wird
und würde dann versuchen, sich zu verbessern und sich zu optimieren.
Kurze Übersetzung nur für die Nicht-Mediziner, Nicht-Altspracher.
Also der Benigne, der Gutartige und der Maligne, der Bösartige.
Genau.
Narzissmus.
Gut.
Du nimmst dich ja mit Vorliebe als Psychotherapeut diesen Patienten an,
vor denen ja viele andere Therapeuten eher zurückschrecken,
weil es oftmals nicht immer interaktionell angenehm ist,
sag ich mal, mit diesen Patienten.
Woher stammt denn deine Leidenschaft für die Behandlung von Narzissen?
Ja, das ist eine sehr gute Frage, weil ich bin wie die Jungfrau zum Kinde gekommen.
Ich habe es selber nicht gewusst, dass ich offensichtlich da Rezeptoren habe für Narzissmus,
also sehr gut mit Narzisstischen kann.
Und weil ich natürlich eigene Anteile habe, überlappen die oder kommen die in Resonanz
und die bleiben bei mir kleben.
Ich kann ja nichts dafür, das ist so.
Die finden mich cool, ich finde die cool, fertig.
Ein diagnostisches Tool kann ich ja an dieser Stelle vielleicht mal verraten.
Das ist eigentlich universell.
Ich habe auch auf Stationen gearbeitet in der Psychiatrie
und wusste, bevor ich den Patienten exploriert habe,
wusste ich, was er für eine Diagnose hat.
Warum?
Warum?
Warum?
Man lässt den Patienten auf die Station
und der sucht sich dann irgendwo seinen Platz.
Also wir hatten immer so Sitzgruppen,
so Stuhlkreise oder so kleine,
so wie in so einer Kneipe, keine Ahnung.
Tischchen, Stühlchen,
und ich wusste genau, da sitzen die Schizophrenen,
weil die sitzen ja immer zusammen,
da sitzen die Depressiven und da sitzen die Suchtkranken.
So, und dann musste ich nur beobachten,
wo setzt sich der Typ hin.
Und wenn der sich zu den Schizophrenen setzt,
weil gleich ist zu gleichem,
das ist so, das war meine Beobachtung,
dann hat der irgendwas Psychotisches
oder Schizoides oder Schizophrenes.
Und das war oft so.
Den Narzissten aber, was machen die?
Die gehen immer gleich zur Kanzel, stellen sich breitbeinig hin,
machen den großen Dekolletégriff und sagen,
ich möchte gerne eine bestimmte
Behandlung von Ihnen haben
oder ich habe jetzt einen Anspruch auf einen Arzttermin.
Und da konnte ich die auch erkennen.
Dann habe ich mir die Narzissten rausgepickt
und die Ärzte, die Kollegen,
die haben das dann auch mitgemerkt
und dann haben sie mir alle Narzissten immer geschickt.
Okay, ist ganz automatisch.
Das war ein diagnostisches Ersttool sozusagen.
Das ist total wichtig an die Nachwuchs,
an die nachkommende Generation.
Genau, erstmal den Patienten ankommen lassen,
wo er sich hinsetzt, Diagnose.
Sehr gut und zeitsparend.
Ja, das stimmt.
Und man muss nicht mit den Leuten sprechen.
Jetzt hast du schon gesagt,
du hast bei dir selber auch narzisstische Züge
sozusagen entdeckt oder einen Teil Narzissmus
oder genau.
Wie kamst du denn da selber drauf bei dir
oder hat dich da jemand anders drauf gestoßen?
Hast du sozusagen selber auch eine Beobachtung von außen gebraucht
oder hat jemand geguckt,
stellst du dich als erstes an den Tresen und sagst,
hier bin ich.
Ja genau, die Beobachtung muss von außen erfolgen.
Also die Inspektion reicht nicht.
Ich habe mehrmals in meinem Leben gehört,
du bist arrogant,
was ich nicht verstand.
Ich wusste nicht, was das Konzept der Arroganz
ist.
Die Arroganz der Jugend kann ich aus heutiger Sicht
bestätigen. Die müssen arrogant sein,
weil wer sonst glaubt an sie,
wenn sie nicht selbst an sich glauben.
Was ja auch Studien zeigen,
dass Narzissmus nicht mehr geworden ist,
sondern das gehört dazu.
Der arrogante junge Mann oder junge Frau.
Und das habe ich aber gehört
immer wieder und dann habe ich immer
gemerkt, dass ich so ein bisschen so eine kleine Bühne brauche.
Also ich finde das irgendwie lustig, wenn
und das hat sich dann auch so ergeben.
Also ich gab dann plötzlich den
auf Stationen,
einfach weil wir jetzt hier in diesem Podcast sind,
auch vielleicht ein paar Anekdoten von Stationen.
Es gab auch immer wieder
den Pablo-Termin.
Also es gab
sozusagen als Institution
gab es dann Kaffee trinken
mit Pablo.
Und ich wurde dazu eingeladen.
Man bekommt den Namen,
man wird also attribuiert, man bekommt
das Etikett Narzisst
von außen. Und das habe ich halt
angenommen und habe es auch wahrgenommen und auch
genossen und auch humorvoll gebrochen,
also ich habe mich da nicht so wichtig
genommen und das eher mit Humor.
Und dann gab es halt immer den
Pablo-Tag oder nicht Tag,
sondern Termin. Da gab es Kaffee trinken bei mir auf Station
und dann kamen alle und haben Kaffee mitgebracht
und dann haben wir halt eine Stunde gequatscht.
Also Kollegen.
Genau.
Den Namen im ganz coolen Termin.
Der Pablo-Termin.
Und dann haben wir
Quatsch gemacht und Witze erzählt und so.
Und dann hat mir eine Kollegin gesagt, dass ich ein netter Narzisst
sein soll. Irgendwann sagt,
das ist dann ein wirklich jemals so.
Und konntest du das annehmen?
Oder hast du gedacht, was
soll das jetzt?
Nö, konnte ich annehmen. Das ist ja auch ganz spannend.
Die meisten Narzissten können das ja, wissen das ja eh.
Also die können es annehmen, wenn sie es
hören. Also wenn sie einen Begriff dafür kriegen,
können sie es sofort akzeptieren.
Die Narzissten, die quasi, die das bewusst
wissen. So, dass da irgendwas
ist komisch. Nur
die unbewusst Narzisstisch,
die also quasi noch narkotisiert
sind von ihrem eigenen Narzissmus,
die, die werden
sauer. Da muss man aufpassen.
Ja, das hätte ich jetzt eher gedacht, dass das ein häufiges Problem
ist tatsächlich, dass man das den Leuten
sagt, die sich eher dagegen wehren, wenn man sagt,
also bei mir ist doch nichts falsch, ist doch alles ganz gut,
so wie ich es mache. Eben, bei den anderen ist es doch falsch.
Ja, genau. So ist es, ja.
Also ich bin ja im Vorteil, dass ich
mit der Nomenklatur und mit den Texten
habe ich ja mit zu tun, also
stolper ja drüber. Und wenn ich
die Persönlichkeitsstile
durchlese, merke ich ja, dass
ich bin nicht, vielleicht bin ich ein bisschen
schizoid,
weiß ich nicht, also keine Ahnung,
so eigenbrötlerisch und ein bisschen
schizotyp bin ich vielleicht auch noch zusätzlich
und ein bisschen hysterisch vielleicht auch noch.
Wir sind ja immer eine Mischung aus verschiedenen
Persönlichkeitsanteilen und
Stilen. Aber bei diesem
Narzisstischen, der sich also nichts scheißt,
länger zu reden, als die anderen
ertragen.
Also ich merke dann immer so,
wir reden jetzt, ist jetzt Podcast,
aber ich habe immer in der Interaktion gemerkt,
okay, jetzt könntest du eigentlich mal jetzt
jetzt ist gut, jetzt sei mal wieder
leise.
Okay, dann bist du nicht nur ein Netter, sondern auch
ein sehr reflektierter Narzisst.
Ja, aber das ist glaube ich
berufsbedingt.
Hast du das selber dann als
Vorteil wahrgenommen, dass du vom Fach bist sozusagen?
Weil ich stelle mir das auch gar nicht so einfach vor,
wenn man eben sozusagen ja weiß, was dahinter
steckt oder wie das Konzept ist oder
was das auch für Konsequenzen vielleicht hat, das
dann anzunehmen. Das ist ja vielleicht auch
eine besondere Herausforderung. Ja, genau.
Also ich würde mich nicht als gestört,
das würde mich schon stören, wenn man jetzt
sagt, ich habe jetzt eine Störung, das würde ich
jetzt nicht so sehen, wird das
piekst dann schon irgendwie so in der Brust, weil das
passt irgendwie nicht. Also wenn, dann
wäre da die Ablehnung. Aber ich würde total
d'accord gehen zu sagen,
dass das eine Charaktereigenschaft
ist.
Wird denn deiner Meinung nach
Narzissmus zu viel stigmatisiert
oder eher zu sehr verharmlost?
Da kann ich ja nur
Salomonisch antworten, beides.
Und was kaufen wir uns davon?
Ja, verharmlost wird es bei
Trump, der ist ja noch viel schlimmer als
Narzisst und stigmatisiert wird es
bei,
nehme ich mich halt, ich habe mich ja mit dem Buch
quasi als Spiegel hingestellt
und muss mir dann auch mal,
man soll seine Kritiken nie lesen, die
übereingeschrieben werden, aber da
hat sich
dann eine so geäußert, dass ich mir
denke, hast du das Buch nicht gelesen
oder hast du es nicht kapiert, wieso ziehst
du es jetzt über mich her, ich habe doch hier irgendwie
nur versucht aufzuklären und dann
stellt man mich quasi als den
krankhaften Narzissten dar, der sich jetzt
outen will und jetzt angeben will
und seine große Bühne braucht, genau das
ist es ja nicht, ich will ja nur aufklären und
kommunizieren, ich stehe nicht im Mittelpunkt, das Buch
steht im Mittelpunkt und das hat diese,
das haben einige, verstehen das nicht und dann
stigmatisieren sie mich halt.
Ist ja irgendwie auch paradox, dass
quasi die allermalignesten
Narzissten, dass es da
dann verharmlost wird und weggeschaut wird
und so beim Alltagsnarzissmus,
da ist es dann irgendwie ganz
böse und pfui, wenn man irgendwie
ein Selfie postet.
Genau, das kann man
vielleicht, kann man auch alles erklären,
kann man es erklären, also das ist ja erreichbar,
also mich zu beschimpfen oder den
Alltagsnarzissten zu beschimpfen, der sich was rausnimmt,
ist ja viel leichter zu erreichen
als jetzt einen
Despoten wie, keine Ahnung.
Wir wissen, nein.
In deinem Buch verwendest du die Begriffe Narzisst
und Arschloch synonym, jetzt haben wir, wir haben selber mal
eine Folge zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung
gemacht und damals gesagt, dass
es eigentlich nicht darum geht, jemandem zu erklären, er oder sie
sei ein Arschloch. Jetzt wollten wir
nochmal nachfragen, wie ist es denn mit dem Arschlochbegriff
jetzt nun in dem Kontext? Ist es passende Vereinfachung
oder eher eine Provokation von dir?
Ja, es ist eine Vereinfachung, ich meine,
es ist auch so ein bisschen aus der Marketing-Ecke
erwachsen, wie betiteln wir das
Buch? Schreiben wir drauf
ich, ich, ich und nur ich?
Oder schreibt man drauf, hallo, ich bin ein Arsch
und du kauf das Buch
bitte. So, und dann würde
man glatt sich dazu entscheiden, das A-Wort
zu nehmen, weil es einfach heraussticht
und man kann
sich natürlich drüber ärgern und sagen, Gott, schon wieder so
ein laut schreiendes, so ein laut schreiender
Titel, so niveaulos
und dann haben wir gedacht, naja, Moment, da sind wir ein bisschen
schlauer, da stellen wir einen netten Kerl vorne drauf
aufs Titelbild, der sozusagen
die Bild-Textschere geht sehr weit
auseinander und den Untertitel
noch dazu mit netter Narzisst
und dann müssten eigentlich die Leute kapieren, dass
der Titel Arschloch nur ein
Aufhänger ist. Kommt nur zweimal vor
auch im Buch, das Wort. Stimmt, also
aber manchmal kommt es drinnen vor, aber ich finde
auch auf so eine sehr wohlwollende Weise
vielleicht in einem Gleichgewicht
mit dem Ausdruck Lieblingsnarzisst.
Ja, Lieblingsnarzisst.
Genau, und also wenn
wir jetzt aber das Arschloch als Vereinfachung
trotzdem mal nehmen, würden wir
es richtig verstanden wissen, wenn
wir jetzt sagen, das Arschloch ist aber
eher die Fassade und
darunter ist eher was anderes.
Ja, genau. Was mit Gefühlen.
Richtig. Man kann es auch umgekehrt
sehen. Ich meine, es gibt ja die
Idee des inneren
Kindes und das scheint ja auch ein
traurigen Anteil zu haben.
Das kann natürlich auch ein
Arschlochanteil haben, ein zerstörerisches,
wütendes inneres Kind sein.
Aber in dem Kontext,
wie ich das Buch auch aufgezogen habe, ist es
tatsächlich so, dass wir die Fassade,
die wir vor uns tragen, sehr unangenehme
Anteile hat, die
ausnutzerisch ist und andere
auf Kosten der anderen geht.
Und dass dahinter, und das ist so
das Versöhnliche eigentlich an diesem Konstrukt,
dass dahinter eben ein verletzter
Anteil ist, den
wir verbergen, den
wir das Insuffiziente oder
das Inkompetente
Selbstschema nennen, jetzt
fachlich, verhaltenspsychologisch.
Ja, oder so.
Und das ist, genau,
das ist versteckt. Also das ist sogar
psychoanalytisch würde man sagen, im
Unbewussten versteckt.
Das heißt, der Narzisst selbst
kann nur aufgrund seiner Unreife
im Äußeren sein.
Er muss erstmal dazu gebracht werden, nach innen zu schauen.
Das heißt, er sagt nicht,
jetzt bin ich mal irgendwie ein Arschloch
und verstecke mein
unbewusstes
empfindliches Ich, sondern
es passiert automatisch.
Unbewusst.
Genau, es ist ein unreflektierter Vorgang,
der immer da ist und der immer
gerade bei dem unreifen,
unreflektierten Narzissten
ohne den Blick nach innen
stattfindet.
Und der nur
in der Spiegelung stattfindet,
mit dem Interaktionspartner, also mit dem Gegenüber,
erkennt der Narzisst Dinge
von sich. Das ist ja diese Spiegelung.
Er sieht ja,
da kriege ich was von dem Gegenüber,
was mich bestätigt. Also ist das sowas wie
mein Mutterideal?
Oder ich kriege die Bestätigung, dass ich
großartig bin, also bestätigt es mein Größen
selbst. So, da funktioniert es.
Aber sobald im Äußeren
die Spiegelung bricht,
also dass keine Bestätigung kommt, keine
Anerkennung kommt, keine Zufuhr kommt,
kommt
das Innere in Resonanz, und zwar diese
dunklen Anteile, das Insuffiziente,
was unbewusst ist, und das
macht ihn dann ärgerlich.
Und das spürt er innerlich und denkt sich
so, scheiß. Aber er weiß nicht, warum.
Aber er hat diesen Ärger und diese
Angst, und man sagt auch, also
die Psychoanalytiker sagen, dass es sogar
existenzielle Ängste
sind, also die ja eine große
Fragmentationsangst haben.
Also die Narzissten haben
panische Angst davor, in
Einzelteile zu zerfallen.
Also das ist wirklich so.
Also das klingt jetzt so nach, keine Ahnung,
nach Terminator und so.
Aber die haben
wirklich panische Angst.
Also wenn es eine Angststörung ist beim Narzissmus,
dann ist es die vor der
Selbstzerstörung.
Klingt auch gar nicht so angenehm. Jetzt ist allerdings
dieses, was du gesagt hast mit dem Arschloch,
das ist ja im Prinzip diese Fassade, die man vielleicht
auch als Mensch von außen dann spürt oder als Umfeld.
Wer würdest du denn sagen, leidet
unter dem Verhalten von einem Menschen mit
narzisstischen Zügen oder mit Narzissmus am meisten?
Die anderen. Also nicht der,
der Narzisst oder die Narzisstin selber,
sondern das Umfeld. Genau.
Also das ist ja Paradebeispiel. Also
alle Persönlichkeitsstörungen sind ja,
oder die meisten sind zumindest Symptom.
Das heißt, sie gehen mit dem
Selbstbild, das man von sich hat,
in eine eher positive Richtung.
Also wir haben alle
ein positives Bild von uns selbst.
Sonst würden wir ja wahnsinnig werden, vermutlich.
Deshalb haben wir ein positives Bild
von uns selbst.
Punkt.
Punkt.
Und wenn der Narzissten ein positives Bild hat,
dann wird
er natürlich alles tun im besten Sinne
und wird nicht merken, dass er vielleicht gerade Scheiße
baut. So, das merken die anderen.
Und dann kriegt er die Meldung,
du baust gerade Scheiße und dann wundert er sich
und denkt sich, du spinnst.
Weil ich baue keine Scheiße, ich habe ein positives Selbstbild
von mir und das ist beim Narzissmus ganz, ganz stark.
Deshalb leiden die anderen
am meisten. Außer die Störung,
Klammer auf, die Störung, also wenn er
wirklich selbst daran leidet, depressiv wird
und grübelt, dann hat er auch die Störung.
Sonst nicht. Das ist, glaube ich, auch nochmal
wichtig tatsächlich, was du sagst. Das ist total wichtig.
Genau, das ist das diagnostische
Kriterium. Das Einzige, was zählt
noch. Vielleicht ändert sich das ja auch.
Okay. Dein Buch ist unter anderem
ja auch sowas wie ein Ratgeber für Narzissmus-
Opfer. Und
jetzt frage ich mich, wie können
denn Narzissmus-Opfer,
die von sich vielleicht noch gar nicht wissen, dass
ihre Probleme in ihrer Beziehung
oder in ihrem Leben Narzissmus-bedingt
sind, denn erkennen, dass sie Opfer eines
Narzissten geworden sind?
Ja, da muss ich dann Kaufempfehlung aussprechen.
Sowieso.
Genau. Sowieso.
Ist quitt, verlinkt.
Ja, also versuchen zu benennen,
was gerade los ist. Also ich meine,
es kann ja nicht sein,
dass man selbstständig der Depp ist
in der Beziehung. Also
kann ja nicht sein, dass ich immer wahnsinnig bin
und immer falsch liege und immer
schuld bin. So, diese Frage
erst einmal stellen. Also ob man
überwahrscheinlich, überproportional
häufig als der Schuldige
gilt oder als der Idiot in der Beziehung.
Und die
Folgefrage wäre, wieso will der
Typ mit mir oder die Frau mit mir
trotzdem zusammenbleiben,
obwohl ich ja der letzte
Depp bin? Also was ist
die Absicht?
Interessant, das ist so wie bei so Pärchen,
wo man sagt, die können nicht miteinander,
aber auch nicht ohne einander
immer die Köpfe
einschlagen und nicht trennen.
Und dann wird schnell klar,
wer sozusagen wem
nutzt in so einer Beziehungsform.
Das kann dann so weit
gehen, dass das so eine sadistische,
masochistische Konstellation ist,
wo ganz viel
Gaslicht stattfindet, also dieses
Manipulative,
dem anderen Sand in die Augen streuen
und dem anderen verwirren
und den anderen
für bekloppt
deklarieren, nur damit er sich
quasi fügt und damit der Narzisst
die Kontrolle hat.
Ja, wenn man das mag, ist ja okay.
Also wenn
jetzt die Person gerne
masochistisch ist
oder sich auch
ko-narzisstisch quasi
Vorteile hat durch
die Beziehung mit dem Narzissten,
Reichtum,
Anerkennung,
Erfolg, Partys,
keine Ahnung, unendlicher
Drogenkonsum, Zugang zu
Geld und Menschen
und Fernsehkameras,
dann why not?
Klingt aufregend.
Klingt spannend.
Aber ist es nicht gerade die größte Herausforderung
selber sich diese Fragen zu stellen und das dann
vielleicht zu erkennen, weil ich glaube, wenn man
in der Beziehung drin ist, ist ja genau das
das Schwierige, oder? Also vielleicht sagt
dein Umfeld zwar, sag mal du, hör mal, das ist doch
du bist doch da ausgenutzt, aber man
selber, wie kommt man denn selber zu dem Punkt, dass man
schafft sich diese Frage zu stellen und vielleicht auch ehrlich
zu beantworten und zu sagen, ja stimmt,
ich weiß eigentlich auch nicht so genau, warum er noch mit mir zusammen ist
wenn, oder sie, wenn
ich ständig nur auf den Kopf kriege.
Der Beginn jeder Reise
ist zu erkennen, wo
ich gerade bin.
Und wenn wir uns Melania Trump anschauen zum Beispiel,
da wollen wir auch nichts mehr sagen.
Der Podcast endet an dieser Stelle.
Da wollen wir auch nichts mehr sagen.
Was ist da los?
Das ist eine Frau, die einen Typen geheiratet hat,
der offensichtlich frauenfeindlich ist.
Und sie verteidigt ihn noch.
Also muss man einfach nur mal sich überlegen.
Das passt nicht zusammen.
Und das muss man sich ganz klar anschauen,
also in die Betrachtung gehen.
Und dann kommen die Antworten eigentlich sofort.
Aber auch vielleicht was, wo man Unterstützung braucht tatsächlich.
Also bei dem Prozess, das zu erkennen oder sich die Fragen zu stellen.
Ja, genau.
Also die Snarkose ist derselbe Wortstamm von Narzis.
Der unterliegt man ja selber auch.
Ja, kann man sich vorstellen, ja.
Gibt es denn sowas wie ein typisches Skript für narzisstische Beziehungen?
Ja, klar.
Also es geht los mit Lovebombing.
Also wir sprechen jetzt von der heterosexuellen Beziehung,
die dann auch misslingt.
Die sich mit 40, 45 scheiden lassen und sich wundern,
dass ihr Leben am Ende ist.
Also die lernen sich halt kennen und bomben sich gegenseitig.
Es muss ja nicht immer einer den anderen,
sondern gegenseitig bomben die sich mit Liebe.
Und glänzen im Strahl des anderen und im Erfolg des anderen
und pushen sich und sind super.
Bis dann irgendeiner merkt, dass das zu wenig ist,
dass er die Kontrolle über den anderen haben will
und langsam anfängt, den Bereich des anderen zu infiltrieren.
Zu steuern, etwas nicht so gut zu finden.
Ach, zieh doch mal lieber eine Bluse an als einen Top.
Oder mal einen kurzen Rock, da siehst du irgendwie sexier aus.
Und dann wird das so ganz langsam slippery slope.
So hat das gerade ja erzählt zum kriminellen Verhalten.
Also der Narzisst lernt quasi während der Entwicklung,
lernt das zu optimieren und den anderen dahin zu manipulieren,
wo er ihn haben will.
Und wenn das Opfer, der Interaktionspartner,
das mit sich machen lässt, dann ist es am Ende so,
dass die Frau komplett entmündigt,
also jetzt nicht entmündigt juristisch,
sondern kognitiv nicht mehr weiß, wer sie eigentlich ist
und was sie hier eigentlich soll
und völlig die Federn gelassen hat
und der Mann die Herrschaft hat.
Und dann muss der Mann nur noch scheitern im Leben,
rausfliegen im Job und dann ist die Nummer gelaufen.
Dann hat die Frau ihr Leben weggeschmissen für so ein Deppen
und der Mann ist unfähig und inkompetent,
vernünftig aus der Nummer wieder rauszukommen.
Oh je.
Klingt ganz schön dramatisch tatsächlich.
Das wollte ich auch sagen.
Es ist oft übrigens sehr erfolglos.
Also es sind ja nicht immer Geschäftsführer und Chefs
und Finanzen im Felsen,
sondern es sind oft auch total, wie habe ich gemeint,
Bürgertum verankerte, spießige Typen,
die einfach scheitern an den Erwartungen,
an den überzogenen Erwartungen, die sie ans Leben haben.
Ja, jetzt hast du mit deinem Skript dieser Beziehung
schon relativ schonungslos gerade dargestellt,
dass ja jemand mit Narzissmus schon auch das Leben von jemand anderem
tatsächlich verhindert.
Tatsächlich zerstören kann mitunter.
Vielleicht auch sein eigenes Leben.
Trotzdem zeigst du sehr viel Mitgefühl für Menschen mit Narzissmus.
Vielleicht müssen wir das jetzt nochmal ausarbeiten.
Würdest du jetzt sagen,
narzisstische Menschen sind Täter oder Opfer?
Oder auch wieder beides?
Ja, beides.
Das ist zu einfach.
Sorry, ja.
Das ist zu einfach für die Antwort,
aber zu kompliziert für die Realität.
Die Narzissen verstecken sich ja oft hinter einer Opferrolle.
Sie leiden am meisten,
eigentlich irgendwann.
Und da gibt es ja verschiedene Konstellationen.
Also warum immer ich,
oder ich stelle mich mal blöd.
Da gibt es so verschiedene Spielchen, die sie spielen können.
Und aus dieser Opferhaltung
sind sie aber eher in der Kontrolle.
Passiv-aggressiv.
Also schaffen es auch gerade Frauen,
Männer zu dominieren und zu kontrollieren.
Insofern,
das mit Opfer und Täter wechselt oft.
Aber wenn wir jetzt klassisch sagen,
sind Männer, männliche Narzissen eher
Täter.
Und weibliche Narzisstinnen
Co-Narzissen,
die lassen dann vielleicht eher
den Täter agieren.
Also sprich,
ganz tief in die Gruselkiste
packen, also Missbrauch von Kindern.
Da ist dann sozusagen die
co-narzisstische Ehefrau lässt es zu,
dass ihr narzisstischer Mann
Missbrauch durchführt,
weil sie die Fassade,
die bürgerliche Fassade aufrechterhalten will,
hinter der sie steht
mit ihrem narzisstischen Ehemann,
um sozusagen
den Schein zu wahren, aber im
inneren Verhältnis den Missbrauch
zuzulassen am gemeinsamen Kind.
Etwas
kleiner erzählt,
die Selbstaufgabe der
Co-Narzisstin geht so lange, bis sie
merkt, sie muss hier viel zu viel opfern
und sich dann vielleicht als Opfer auch dann
Jahre später zeigt.
Deshalb bleiben hier so viele Opfer in der Beziehung,
weil die Kosten, die sie haben,
noch nicht so hoch sind.
Weil es doch irgendwie gefährlich wird.
Keine Ahnung, Gewalt oder so kommt.
Komplexe Dynamik auf jeden Fall.
Es geht hin und her.
Also nicht dieses Schwarz-Weiß-Denken,
wie der Narzisst, du beschuldigst mich,
sondern es ist gemischt.
Darf ich noch mal ganz kurz einhaken,
weil das jetzt mit den Geschlechtern schon ziemlich viel vorkam.
Ist es denn so, dass der typische Narzisst auch der Mann ist
oder kann man es nicht so richtig sagen?
Du hast jetzt gerade gesagt, die Rolle von Männern und Frauen
ist vielleicht ein bisschen verschieden im Narzissmus,
aber gibt es da ein klares Geschlechterverhältnis?
Die Studien sagen,
es soll eins geben.
Also mehr Männer als Frauen.
Ich glaube das eigentlich gar nicht.
Also meiner Erfahrung nach
ist es gleich verteilt.
Vielleicht gibt es auch eine Studie, die sagt,
dass es gleich verteilt ist.
Meisten sind aber, glaube ich, so,
dass es eher männlich ist, Narzissmus.
Weil ich glaube total,
dass die Frauen einfach durch ihr Role Model
eine völlig andere Strategie haben,
narzisstisch zu sein.
Die sind halt in ihrem
Frauenverständnis so
narzisstisch, dass sie
naja, die haben halt ein Problem,
ein Dilemma im Grunde genommen.
Gehen wir mal in Firmen rein.
Gehen wir mal in Boardrooms,
also in die Vorstände.
Eine Frau wird da nie reinkommen,
wenn sie nicht eine Männerrolle spielt.
Wenn sie aber jetzt zu sehr männlich ist,
würde sie von ihren männlichen
Interaktionspartnern und Kollegen
nicht ernst genommen werden,
weil die spielt ja dann in der falschen
Liga oder im falschen
Team. Sie ist ja eine Frau.
Aber wenn sie bei den Männern mitspielen will
und sie sehr männlich ist,
dann wird sie ja quasi
ausgelacht oder nicht ernst genommen,
weil sie als Mann quasi auftritt
und nicht authentisch ist.
Wird sie aber zu sehr in der weiblichen Rolle bleiben,
würde sie auch als schwach gesehen werden
von den männlichen Kollegen.
Die würden sie dann auch wiederum nicht ernst nehmen.
Und das ist das Dilemma der Frau
und deshalb muss die Frau
in ihrem Rollenverständnis
viel flexibler sein,
was das Ausleben des Arbeitgebers,
des eigenen Narzissmus betrifft,
als ein Mann.
Ein Mann kann ganz eindeutig und klar sagen,
ich bin jetzt hier handlungsorientiert,
aggressiv, setze das jetzt durch,
glaube an das, was ich mir vornehme,
habe ein Ziel.
Die Frau muss da eher so ein bisschen rumeiern
und rumtänzeln
und sich da organisieren.
Also deshalb das Bild
mehr im Hintergrund,
mehr von hinten die Feinde erstechen,
der Mann von vorne.
In der Kampf.
Es klingt so ein bisschen pauschal.
Aber trotzdem wahrscheinlich gibt es individuell
auch Unterschiede, wo es genau andersrum ist, oder?
Ja, genau.
Ich wollte das jetzt nochmal so pauschal erzählen,
weil ich glaube, dass das 80% so ist.
Oder so vom Gefühl her.
Ich kenne ein paar wenige Frauen,
die tatsächlich in diesen Führungspositionen sind,
die, wenn sie erfolgreich sind,
das hinkriegen,
dieses Rollenmodell aufzulösen.
Also die haben die Qualitäten
der Zielorientiertheit,
Handlungsorientiertheit,
die haben die Qualitäten der Zielorientiertheit,
die Qualität der Zielorientierung,
Effektivität,
haben sie einerseits.
Und andererseits sind sie auch als Frau,
wie soll ich sagen,
sie schauen, dass sie die Rollenmerkmale,
die man einer Frau zuschreibt,
dass sie die nicht aufgeben.
Das sind die erfolgreichen Frauen.
Aber ihr wisst, was ich meine?
Doch, ich glaube, es ist nachvollziehbar.
Ich frage mich gerade,
deswegen bin ich schon wieder in meinen Gedanken woanders,
wie erkennt man denn dann die Frauen?
Weil es klingt ja nicht so,
wie die Schilderung von der Sorte,
der Narzissmus,
wie sie dann eben in DSM 5,
oder nee, DSM 4 war es ja,
also in den Diagnosemanualen geschildert ist, oder?
Das ist ja wahrscheinlich ein bisschen schwieriger.
Genau, was neu dazugekommen ist,
ist ja dieser stille Narzissmus als Kriterium.
Im DSM 5, in den neuen Kriterium,
oder diesem Addendum,
ich weiß es nicht genau,
da ist sozusagen erfasst worden,
dass es auch diesen passiven Narzissmus gibt,
diesen stillen, diesen verdeckten.
Und da müssen wir wahrscheinlich das Weibliche mit verorten.
Also dieses so,
so heranpirschen und trotzdem durchsetzen, was man will.
Und so, ja.
Aber ich bin nicht zu viel im Klischee.
Also wie gesagt, es gibt alles Mögliche.
Ja, klar.
Also wir nehmen,
wir setzen das bei unserer Hörerschaft als selbstverständlich voraus,
dass ihr alle da draußen in der Lage seid zu verstehen,
dass das jetzt ein plakatives, vereinfachtes Bild ist.
Und das natürlich auch immer andersrum sein kann.
Ja, auf jeden Fall.
Ja, ganz richtig.
Gut.
Letzte Frage,
weil du hast gleich einen Termin
Stimmt, wir müssen jetzt unseren Timeplan einhalten, ne?
Genau, ich würde sagen, wir springen hier einfach kurz und fragen dich,
was soll denn jetzt nach unserem Gespräch bei unseren HörerInnen und Hörern,
HörerInnen und Hörern ist voll doppelt gemacht,
bei unseren HörerInnen und Hörern hängenbleiben zum Thema Narzissmus?
Wenn die eine Sache mit nach Hause nehmen
Oder 20.
Oder 20, was sollte es sein?
Was sollte jeder wissen?
Wirklich jeder.
Und jede.
Und jede.
Also Narzissmus ist auch eine Ressource.
Also auch eine Kompetenz.
Spannender erster Punkt
Genau, geht liebevoll
mit euren Narzissten um
die sicher auch Arschlöcher sind
aber
behandelt sie nicht wie einen Narzissten
also seid selber nicht
narzisstisch im Umgang mit den
Narzissten, sondern so
und zu 80, 90% sind die meisten Narzissten
ja gutartig, wir sehen ja
nur die Bösen, die Psychopathischen
die sehen wir ja
aber die anderen
die sich anstrengen und die
mit sich kämpfen und die auch scheitern
die sehen wir ja nicht
Das finde ich voll interessant, jetzt muss ich leider
das ist jetzt vielleicht die fast letzte
Punkt 2 Frage, weil ich es total interessant finde
dass du eben so auch jetzt gefühlt
mit einer totalen Leichtigkeit darüber sprichst
und ich glaube auch wenn man häufig dann so Kommentare
und so beobachtet, ist ja schon so, dass es für
viele Leute super schwer wiegt, also ich glaube
gerade das Gefühl Opfer eines Narzissten
oder einer Narzisstin gewesen zu sein
ist glaube ich für die Menschen richtig
richtig schwer und bei dir klingt es jetzt so
echt so
versucht es mal irgendwie so ein bisschen locker zu nehmen
ist auch eine Ressource, wie kommt man
auf diese Stufe der
Lockerheit
man kann es natürlich auch Weisheit nennen
also die
der Narzisst lebt in einer Welt der
Bewertung
der lebt nur in Werten, also
Werte sind ja was Gutes, aber die Bewertung
nicht, die Bewertung
die Einteilung in erfolgreich, erfolglos
in gut, in
nicht gut, in richtig, in falsch
das, wenn man das
aus der Beobachterperspektive
erkennt, dass die Person
mit der man zu tun hat, in so einer Welt existiert
wo es nur darum geht, dass
die anderen doof sind und ich bin super
wenn man das sieht, dann hat man eine Distanz
und da kann man sogar drüber schmunzeln
wie idiotisch der tickt
und daher
kommt meine Leichtigkeit damit umzugehen
also das Bewerten rausnehmen
sozusagen, genau, oder die Person
aus diesem Kosmos der Bewertungen
überhöhen oder, ach, das heißt überhöhen
rausnehmen und in die, in den
Kosmos der Liebe tun. Das klingt
schön. Klingt nach einem positiven Schlusswort
auf jeden Fall. Perfektes Schlusswort. Das üben wir jetzt mal
und vielleicht könnt ihr das da draußen auch üben
gar nicht so einfach wahrscheinlich immer, das aus der Tonne
der Bewertung rauszunehmen, aber
einen Ansporn auf jeden Fall
mit eurem Lieblingsnarzisten. Genau
Vielen, vielen
Dank Pablo, dass du dir jetzt eine ganze
Stunde von uns Zeit genommen hast
Ja, war super spannend. Obwohl du gleich noch weiterarbeiten
musst. Wahrscheinlich hätten wir, gäbe es
jetzt so eine Biertisch-Konstellation wie bei
dir früher in der Psychiatrie auf Station, hätte man
jetzt mit Sicherheit noch locker den Abend
weiter diskutieren können. Ja. Es ist schade
dass du wo ganz anders sitzt als
wir und wir das jetzt nicht machen können. Naja, mit
Corona hätten wir eh ein Problem. Das stimmt. Wir müssten dann
gucken. Es hätten relativ weit auseinanderstehende
Biertische sein müssen. Ja, ja, ja
Ich finde
also vielen Dank für die Fragen
für die Möglichkeit
weil darum geht es mir ja eigentlich auch, ne, dass wir
mal darüber reden, anstatt nur die Leute
die Leute zu stigmatisieren
Genau. Ja, das stimmt. Uns auch. Darum geht
es uns auch. Super. Wir hoffen, ihr
da draußen hattet Spaß beim
Zuhören. Ja, Unterhaltung
Schreibt uns gerne, auch wenn ihr Diskussionsbedarf
seht, weil ich glaube, dafür ist es sicherlich
auch da. Man muss ja auch über die Sachen diskutieren
Genau. Ist auch erlaubt. Genau. Und
ansonsten. Macht es gut. Genau.
Hören wir uns wieder in zwei Wochen. Tschüss zusammen
Tschüss. Tschüss
Musik
Podcast Summary
Key Points:
Pablo Hagemeyer definiert Narzissmus als eine Störung der Selbstbewertung, die sich in Selbstbeweisung und Selbstvergrößerung zeigt.
Narzissmus entsteht früh im Leben, oft bei einem unzureichenden Futterzustand des Säuglings, was zu einer frühen, unreifen Entwicklung führt.
Es gibt ein Spektrum von Narzissmus, von gutartigen bis zu bösartigen Formen, wobei der bösartige Typ durch Aggression und den Angriff auf Kritik gekennzeichnet ist.
Die meisten Narzissten sind nicht pathologisch, sondern zeigen nur Narzisstische Züge, die mit Selbstoptimierung und einem starken Bedürfnis nach Bestätigung verbunden sind.
Die anderen – nicht der Narzisst selbst – leiden am meisten, weil sie in Beziehungen mit manipulativen und kontrollierenden Muster über die Grenzen ihrer Toleranz hinausgehen.
Narzissmus ist eine Ressource und eine Kompetenz, die mit Gegenstandsschutz, Distanz und der Fähigkeit zur Selbstreflexion behandelt werden kann.
Die Beziehung zwischen Mann und Frau im Narzissmus ist komplex
Es ist entscheidend, Narzissten nicht als „Arschlöcher“ zu sehen, sondern als Person mit einem verletzlichen Inneren, das sich durch Fassaden und Spiegelung versteckt.
Summary:
Pablo Hagemeyer, Psychiater und Buchautor, erklärt in seinem Podcast-Auftritt die komplexen Hintergründe des Narzissmus. Er beschreibt ihn nicht als schlimmes, isoliertes Phänomen, sondern als eine Entwicklungssituation, die im frühen Leben durch ein unzureichendes Ernährungs- oder Zuneigungsempfinden beginnt. Diese frühe Entwicklungsstörung führt dazu, dass Narzissten ständig nach Bestätigung und Wertschätzung suchen.
Hagemeyer unterscheidet zwischen einem guten, reflektierenden Narzissmus und einem bösartigen, agressiven Typ, der durch das Verhalten gegenüber Kritik und Kontrolle gekennzeichnet ist. Er betont, dass die meisten Narzissten gutartig sind und dass die anderen – vor allem die Personen in der Beziehung – am meisten leiden. Ein zentrales Konzept ist die Anerkennung des Narzissten als Person mit einem verletzlichen, unbewussten Inneren, das sich durch Fassaden und Spiegelung versteckt.
Hagemeyer fordert eine menschlichere, nicht stigmatisierende Haltung, bei der Narzissten nicht als „Arschlöcher“, sondern als eingebettete, leidende Individuen verstanden werden. Schließlich wird betont, dass Narzissmus eine Ressource und eine Lernmöglichkeit ist, die durch Selbstreflexion, Distanz und das Vermeiden von Bewertungen überwunden werden kann. Die Hörer sollen lernen, in Begegnungen mit Narzissten nicht zu bewerten, sondern mit Liebe und Verständnis zu interagieren.
FAQs
Narzissmus ist eine Persönlichkeitsstörung, die sich in einer übermäßigen Selbstbewertung und Selbstvergrößerung äußert. Psychologisch wird er als Störung der Persönlichkeit verstanden, bei der das Selbst im Unbewussten verletzt und durch eine Fähigkeit zur Spiegelung von Anerkennung gefördert wird.
Narzissmus ist schwer zu verstehen, weil er oft als etwas Furchtbares oder Selbstverliebtes wahrgenommen wird, und weil die Personen, die daran leiden, nicht erkennen, dass sie in ihrer Interaktion mit anderen eine unbewusste, verletzende Dynamik aufweisen.
Ja, es gibt ein Spektrum. Der gute Narzisst akzeptiert Kritik und will sich verbessern, während der bösartige Narzisst Angst vor Frustration und Ablehnung hat und reagiert mit Aggression oder Kontrolle.
Die Störung entsteht früh im Leben, typischerweise bei einem Kind, das nicht ausreichend Futter oder Zuneigung erhält und daher als hungrig und hilflos empfindet – eine frühe Entwicklungsstörung, die zu einer festen Unfähigkeit, sich selbst zu regulieren, führt.
Die anderen – das Umfeld – leiden am meisten, da der Narzisst ein positives Selbstbild hat und weder merkt, dass er schädlich handelt, noch die Folgen seiner Handlungen sieht.
Narzissmus wird sowohl verharmlost als auch stigmatisiert: bei extremen Fällen wie Trump wird er verharmlost, bei Alltagsfälle wird er oft als 'Arschloch' abgemildert, was jedoch die zugrundeliegende Verletzung verharmlost.
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