In dieser Podcast-Folge von „Jung und Freudlos" der Uniklinik Freiburg diskutieren die Gastgeber Ismene und Sebastian mit Linn Anne von Zeppelin, pflegefachliche Leitung der Medizinischen Intensivstation, und Katharina Dölle, Gesundheits- und Krankenpflegerin mit Intensivpflegeerfahrung, über die Belastungen auf Intensivstationen während der Corona-Pandemie. Die interdisziplinäre Station behandelt ein breites Spektrum internistischer Krankheitsbilder, wobei eine Pflegekraft üblicherweise zwei Patienten betreut. Besonders die Versorgung von Covid-19-Patienten erweist sich als äußerst aufwendig, da die Bauchlagerungstherapie mit erheblichem Personalaufwand verbunden ist und über viele Wochen durchgeführt werden muss. Die Gäste berichten von einer enormen Arbeitsdichte, dem Verlust erfahrener Kollegen und der emotionalen Belastung durch zahlreiche Todesfälle. Besonders in der dritten Welle verstarben fast alle ECMO-Patienten. Zur Bewältigung nutzt das Team verschiedene Unterstützungsangebote wie eine neu gegründete Ballingruppe, Supervision und kollegialen Austausch. Die Pflegenden äußern den Wunsch nach politischer Anerkennung, mehr Personal und nachhaltigen strukturellen Verbesserungen, da die derzeitige Belastung langfristig nicht tragbar ist.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Jung und Freudlos, deinem Podcast
aus der Uniklinik Freiburg, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.
Wir begrüßen euch heute zu zweit aus der Stammbesetzung. Da wären einmal Ismene, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik
und meine Wenigkeit Sebastian. Ich bin auch Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Und wir haben uns heute eines Themas angenommen, wofür wir gleich zwei Gästinnen zu uns eingeladen sind.
Und zwar soll es um die Situation auf den Intensivstationen in Deutschland gehen oder konkret in Freiburg.
Also mal wieder ein richtig tagesaktuelles Thema. Und deswegen sind heute bei uns zu Gast
einmal Linn, Anne von Zeppelin. Hallo Linn, du bist pflegefachliche Leitung von der Medizinischen Intensivstation am Uniklinikum Freiburg.
Und wir begrüßen dich herzlich im Podcast. Schön, dass du gekommen bist.
Ja, hallo zusammen.
Und du hast eine Kollegin mitgebracht. Das ist Katharina Dölle. Du bist Gesundheits- und Krankenpflegerin und hast die Weiterbildung zur Intensivpflege gemacht.
Die habe ich noch nicht. Hallo.
Die hast du noch nicht? Hallo.
Die steht dieses Jahr auf dem Plan.
Okay.
Aber ich arbeite jetzt seit viereinhalb Jahren auf Intensivpflege.
Auf Intensivstation.
Bist auch schon eine ganze Weile mit dabei. Super. Schön, dass ihr da seid. Vielen Dank.
Hallo auch von mir.
Genau. Und heute wollen wir uns eben mit dem schon angekündigten Thema beschäftigen.
Und bevor wir aber gleich ganz tief in die Materie einsteigen, müssen wir uns nochmal über die Oder-Fragen unterhalten.
Ismene, legst du los?
Ja, Moritz hat freundlicherweise, Grüße von Moritz an dieser Stelle, uns ein paar Mori-typische Oder-Fragen zur Verfügung gestellt.
Nämlich zwei für jede von euch.
Und dann würde ich mal anfangen mit dir, Lynn.
Bitte sage uns, was dir am meisten zusagt von den folgenden drei Dingen.
Monitor, Manitou oder Morgengruß?
Morgengruß.
Warum entscheidest du dich für den Morgengruß und nicht für den Monitor?
Der Monitor ist sowieso da, aber den Morgengruß, den muss ich aktiv tun und der gefällt mir.
Und das ist ein guter Start in den Tag.
Kann man sich vorstellen. Ein bisschen Achtsamkeit, die man dann mitnimmt auf die Intensivstation.
Aber hallo.
Klingt total bodenständig.
Sehr gut. Du hast die erste Oder-Frage geschafft.
Okay, Katharina, dann schauen wir mal, wie du dich schlägst.
Perfusor, Perfektion oder Perser-Teppich?
Oh, das ist bei mir, glaube ich, die Perfektion, weil ich ziemlich perfektionistisch bin und meine Arbeit versuche, ziemlich perfektionistisch zu machen.
Okay.
Was manchmal dann auch ein bisschen schwierig ist.
Ja, ja, das ist ein zweischneidiges Schwert, diese Perfektion.
Okay, alles klar. Cool, aber danke für deine Ehrlichkeit.
So, Lynn, zweite Runde. Tubus, Kubus oder Schieber?
Der Schiebus.
Der Schiebus? Ich kann nicht Skifahren, aber da denke ich spontan daran, dass ich in den Schnee darf. Und das gefällt mir.
Das heißt, du würdest dann im Zweifelsfall auch mit Schneeschuhen in den Schnee ziehen.
Na sicher, es finden sich immer irgendwelche Möglichkeiten, sich im Schnee zu beschäftigen.
Sehr gut. Und jetzt gibt es ja auch wieder Schnee.
Ja.
Ganz im Gegensatz zu der Zeit, wo Sebastian im Skiurlaub war.
Ja, genau. Aber ich bin heute schon durch den verschneiten Schwarzwald gefahren. Das war sehr, sehr schön.
Katharina, Kurve, Kanzel oder Kerze?
Puh, dann nehme ich die Kanzel, weil wir so vorne auch unseren Bereich nennen, wo unser Monitoring ist und wo wir dann sitzen und dokumentieren.
Und weil das so der Bereich ist, wo man im Dienst mal seine Kollegen sieht, wo man mal zusammenkommt, kurz mal quatscht.
Und das ist eigentlich sehr angenehm, wenn man nicht immer nur in seinem Zimmer steckt, sondern auch mal seine anderen Kollegen im Dienst trifft und einfach mal kurz.
Also die Kanzel sozusagen als Social Hotspot auf der Intensivstation und der Punkt, an dem auch alle Patienten überwacht werden können.
Okay, super. Ja, damit sind wir ja schon gleich im Thema.
Vielleicht könnt ihr uns ja mal einen kurzen Überblick geben, was auf eurer Intensivstation eigentlich grundsätzlich alles so behandelt wird.
Ja, bei uns wird eigentlich fast alles behandelt.
Und wir sind ja eine interdisziplinäre Intensivstation.
Internistische Intensivstation, das heißt, wir machen eigentlich wirklich fast alles, was nicht operiert werden muss.
Also manchmal auch kleine Operationen, die liegen auch manchmal bei uns.
Jetzt ganz viel Corona-Patienten, Lungenversagen, Leberversagen, Herzpatienten, also nach Herzinfarkt oder Herzversagen.
Da ist eigentlich eine ganz bunte Mischung bei uns an Patienten.
Deshalb wird es auch nie langweilig und man lernt auch jeden Tag dazu, jeden Tag was Neues.
Und noch eine Verständnisfrage. Interdisziplinär bedeutet, dass Arbeiten verschiedene Fachrichtungen mit auf der Intensivstation oder wie können wir uns das vorstellen?
Ja, einerseits das und andererseits eben, dass wir nicht auf ein Krankheitsbild oder auf eine Fachdisziplin uns quasi, wie sage ich das jetzt, dass wir nicht nur eine Fachdisziplin da haben, sondern dass wir eben verschiedene Fachdisziplinen haben.
So Kardiologie, Pulmologie.
Ah, verstehe.
Genau.
Gastroenterologie, Nephrologie.
Sehr gut. Und was sind denn. Was sind denn eure Aufgaben auf der Station als, jetzt fällt mir wieder das schlaue Wort nicht ein, als Pflegende, als Gesundheits- und Krankenpfleger, wollte ich sagen.
Ja, also wir haben in der Regel zwei Patienten, für die wir zuständig sind, also eine Pflegekraft, zwei Patienten.
Und die versorgen wir dann in unserer Schicht, indem wir die Vitalfunktionen überprüfen, reagieren auf Veränderungen eng mit den Ärzten zusammen.
Wenn wir irgendwie merken. Wenn wir irgendwie merken, dass sich irgendwas verschlechtert, stehen wir in engem Kontakt mit den Ärzten und überlegen, was können wir tun.
Genau, dann pflegerisch versorgen, also bei der Körperpflege unterstützen, was die Patienten ja selber nicht mehr können.
Viele sind im Koma, genau, und da unterstützen wir die Patienten.
Verbandswechsel, Mobilisation, ganz wichtig, genau, Angehörigenbetreuung gehört dazu.
Ganz viele Medikamente, ganz viele. Apparate, die die Vitalfunktionen und Körperfunktionen der Patienten überwachen und unterstützen und die wir kennen müssen und bedienen müssen und das können wir auch und das macht es natürlich sehr komplex.
Man muss sich das so vorstellen, dass da eben eine Patientin, ein Patient im Bett liegt und der hat halt alle möglichen Schläuche und alle möglichen Verbindungen zu Medikamenten und zu Geräten und das sind natürlich wirklich Medikamente.
Die verabreicht werden, aber das sind natürlich auch Geräte, die beispielsweise eine Dialyse oder ein Beatmungsgerät oder eben diese Herz-Lungen-Maschine, die ECMO, über die man jetzt ja auch viel spricht, die stehen ja alle um das Bett noch rum.
Da hatte ich immer großen Respekt, wenn ich mal im Rahmen des Studiums auf der Intensivstation war, weil ich finde, man verliert ganz schnell die Orientierung vor lauter Geräten und überall bimmelt was und dann die ganzen Perfusoren, wo man ja auch genau einstellen muss, wie schnell läuft das rein, also das ist glaube ich echt eine Welt für sich.
Und man muss diese ganzen Töne kennenlernen, also das ist für jeden, der bei uns neu auf Station kommt, tatsächlich was, was sehr irritierend ist, dass wir dann einfach echt wissen, welcher Ton ist es, welches Gerät ist es, muss man rennen oder nicht und vor allen Dingen von wo kommt es.
Das ist total faszinierend, wie man da drauf so getriggert ist, so wenn irgendwas piepst und da sitzt ein Auszubildender, der das noch nicht kennt und auf einmal springen alle auf, dann weiß er, okay, das ist gerade irgendwas Wichtiges, aber wenn wir sitzen bleiben und sagen, es ist nur irgendwie die Töne.
Wie Topfspüle im Schmutzraum, da ist alles gut, da ist man einfach total drauf getriggert und interessant wird es, wenn irgendein Geräusch ist, was man nicht zuordnen kann, dann sind alle auf einmal sehr hellhörig und gehen auf Suche, das ist immer auch ganz witzig eigentlich.
Wie organisiert ihr euch eigentlich in eurer Arbeit da, also wie arbeitet ihr, habt ihr einen 9-to-5-Job oder wie sieht das bei euch eigentlich konkret aus?
Ja, eigentlich fast jeden Tag anders, also wir sind ja im Dreischichtsystem.
Früh, spät, Nachtschicht und wir haben dann noch einen Kerndienst bei uns, der von 8 bis 16 Uhr ist, also mal eine normale Arbeitszeit und ja, das wechselt auch völlig unwillkürlich, also ich kann nicht sagen, ich habe eine Woche früh, eine Woche spät, sondern das ist, ja, ich habe jetzt die Woche schon spät gehabt, früh gehabt, Kern gehabt, das ist ganz unterschiedlich bei uns, man muss sehr flexibel sein.
Auch der Schlaf-Nacht-Rhythmus muss relativ flexibel sein, höre ich daraus.
Ja, auf jeden Fall, das ist manchmal ein bisschen.
Das ist ein bisschen schwierig, gerade wenn man einen Nachtdienst hatte, dann wieder in den normalen Rhythmus zurückzukommen, ja.
Und Wochenende?
Ja, so im Schnitt zwei im Monat, zweimal im Monat, zwei Wochenende im Monat arbeitet ihr.
Ja, das ist ja auch schon fürs Privatleben durchaus relevant, wenn man jedes zweite Wochenende verhindert ist.
Dafür hat man dann unter der Woche Zeit.
Ja, genau.
Das stimmt.
Genau, bei mir ist es ein bisschen anders, ich habe auch viele Dienste in den Kernarbeitszeiten und kann,
ich kann es mir ein bisschen anders auch einteilen, bin natürlich an den Tagen, an denen ich direkt am Bett arbeite, auch im Schichtdienst,
aber die anderen Tage kann ich es mir so einteilen, dass ich dann auch von 8 bis 16 Uhr da bin.
Also das heißt, du hast auch noch eine administrative Aufgabe dazu, die du dann in den Kernarbeitszeiten machst.
Genau, administrativ, das klingt irgendwie für mich fremd, weil das ist es für mich gefühlt nicht,
weil ich eben auf beiden Stationen dann präsent bin und schaue, wo Fragen zugehen.
Wo Fragen zu beantworten sind, wo Dinge zu klären sind und nebenher auch eben an Standards weiter arbeite.
Und Sachen recherchiere, um sie dann wieder zurück in die Praxis zu geben und Netzwerkarbeit mache mit anderen Abteilungen und auch als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehe, wenn irgendwie Not am Mann ist und hier und da helfe. Also das ist schon, ich bin nicht administrativ gefühlt, nicht administrativ tätig.
Also es geht darüber deutlich hinaus.
Ja, also das ist auch so dieses Qualitätsmanagement, was auch eben über mich auf Station laufen soll.
Jetzt stecken wir ja schon eine ganze Weile in der Corona-Pandemie. Was habt ihr denn da für Veränderungen in eurem Intensivalltag bemerkt, als das losging?
Also ich habe auch noch genau zu Beginn der Corona-Pandemie meinen Job gewechselt, beziehungsweise meine Stelle. Deshalb habe ich jetzt keinen direkten Vergleich auf der Station.
Ich war vorher in Heidelberg an der Uni.
Klinik in der Herzchirurgie und bin dann zum 1. April 2020, also als alles losging, direkt auf die Corona-Intensivstation hier in Freiburg gekommen, wo ja wirklich nur Corona-Patienten lagen.
Ja, es ist schon, also gerade in der ersten Welle war halt alles neu und da waren wir super viele Leute, weil das OP-Programm ja drastisch reduziert wurde und wir hatten viel Hilfe und das war ja wirklich toll.
Und also es hat gut geklappt für diese Situation.
Wir waren wirklich gut besetzt und konnten uns dieser neuen Herausforderung wirklich gut annehmen. Genau, wie es jetzt da vorher auf der Station war, da habe ich leider keinen Vergleich zu.
Also ich habe das so erlebt, dass in der ersten Welle man so wie gefühlt Luft angehalten hat. Alles drumherum auch. Und dann war auch ganz viel Aufmerksamkeit auf den Intensivstationen, die dann halt die Corona-Patientinnen versorgt haben.
Und das war eine ganz besondere Zeit, die wir auch so noch nie erlebt hatten vorher.
Andere Patienten waren nicht mehr da. Und wo die geblieben sind, weiß man nicht, weil in der Zeit wurden einfach deutlich weniger Patienten mit anderen Krankheitsbildern behandelt.
Und das war irgendwie eine ganz komische Situation. Also natürlich wussten wir auch am Anfang nicht so richtig Bescheid, worauf es jetzt bei Corona-Patienten so ankommt.
Da haben wir uns auch erst so herangetastet, haben die Dinge gemacht, wo wir wussten, die funktionieren, beispielsweise Patienten auf den Bauch gedreht und einfach viel Geduld gehabt.
Aber es war so ein bisschen so ein Luftanhalt.
Und nicht so richtig wissen, was passiert jetzt als nächstes. Und wir hätten eigentlich alle irgendwie gedacht, danach ist es vorbei. Wirklich. Wir haben echt gedacht, das ist jetzt vorbei.
Nach der ersten Welle.
Ja.
Wie hat sich das denn dann weiterentwickelt? Also offensichtlich war es nicht vorbei, aber haben sich die Dinge dann verändert? Du hast gesagt, am Anfang wart ihr viel Personal. Gab es da wieder Veränderungen im Verlauf?
Also was ich ganz interessant fand, nach der ersten Welle.
Im Juni war so ein kleines Loch.
Also erst mal, als die ersten Corona-Patienten weg waren, sind noch ganz viele Patienten gekommen, die tatsächlich eine Herzschwäche hatten, weil sie irgendwie nicht zum Arzt gegangen sind, schon länger Beschwerden hatten.
Und dann sind sie zu uns gekommen und dann war es halt teilweise wirklich schon zu spät, weil sie zu lange gewartet haben, weil sie Angst hatten, ins Krankenhaus zu gehen.
Und dann war im Juni aber irgendwie so ein kleines Loch, wo wir auch mal ein paar Betten frei hatten, was ganz angenehm war für uns, wo gar nicht so schwerkranke Patienten,
immer da lagen. Und dann hat es halt irgendwann wieder angezogen. Dann kam, glaube ich, im Juli der erste Corona-Patient wieder und dann im August, September ging ja dann die zweite Welle los.
Und dann haben wir eigentlich, ich glaube, fast ein Jahr dann, bis mal wieder ein bisschen Ruhe war, nonstop gefühlt 150 Prozent arbeiten müssen, weil ja die zweite und dann direkt hinterher die dritte Welle uns nochmal ordentlich getroffen hat.
Und dann war halt nicht mehr so viel Unterstützung da, weil halt das OP-Programm weitergelaufen ist oder halt nicht mehr so.
Und dann haben wir auch anders verteilt. Vorher war es so, dass wir die Corona-Patienten konzentriert haben auf einzelne Stationen und jetzt war das danach dann eben nicht mehr so.
Auf allen Stationen oder fast allen Stationen, Intensivstationen waren eben Corona-Patienten und auch andere. Und das hat es auf der einen Seite ein bisschen leichter gemacht, weil man dann auch Verständnis hatte natürlich gegenseitig.
Aber auf der anderen Seite hat es bedeutet, dass man so den ganzen anderen Patienten nicht mehr so viel Unterstützung hat.
Das bedeutet, dass man so den ganzen anderen Alltag eben auch hatte. Und das sind auch schwerkranke Patienten. Das ist ja nicht so, dass die irgendwie Fußgänger wären.
Und hat denn jetzt das Krankheitsbild Covid-19 als solches auch einen Arbeitsalltag verändert? Sprich, kommt mit den Patienten, die eben an dieser Erkrankung leiden, eine ganz besondere Aufgabe auf euch zu, die jetzt bei anderen Patienten nicht so ist? Unterscheiden die sich stark?
Also die Corona-Patienten sind wahnsinnig.
Die sind wahnsinnig aufwendig. Da ist man eigentlich, wenn man zwei Patienten hat, die gerade quasi am Höhepunkt ihrer Erkrankung sind, das schafft man gar nicht, denen gerecht zu werden. So eine Bauchlagerung ist total aufwendig. Ich muss das lange vorher vorbereiten. Ich muss mein Material da haben. Ich brauche noch vier Kollegen, die mir helfen, um auf den Bauch zu drehen.
Vielleicht können wir mal ganz kurz, bevor wir jetzt schon auch auf Bauchlagerung eingehen, kannst du vielleicht so ein bisschen beispielhaft mal sagen, wie läuft das eigentlich so ab?
So ein typischer Corona-Verlauf.
Also wir kriegen noch ganz viele Patienten von externen Krankenhäusern, weil wir halt als Uniklinik und die Ekmotherapie machen, dann sind die teilweise schon beatmet. Dann lagen die da auf Intensivstationen und haben da auch schon Bauchlagen gekriegt.
Genau deshalb haben wir den Entstehungsprozess von der Krankheit bei den Patienten gar nicht so mitgekriegt. Aber wir kriegen auch ein paar Patienten über die Notaufnahme und das ist ganz faszinierend.
Die laufen dann in die Notaufnahme noch und sagen halt, ihnen geht es nicht so gut.
Und dann wird da mal eine Sauerstoffsättigung von 60 Prozent gemessen.
Obwohl man denkt, oh Gott, das ist extrem niedlich.
Genau, also bei anderen bleibt da schon das Herz stehen und das ist wahnsinnig, wie lang der Körper das kompensieren kann. Und dann geht aber der Verlauf bei diesen Patienten ziemlich rapide bergab.
Die müssen dann auf Intensivstationen, brauchen viel Sauerstoff, dann brauchen sie eine High-Flow-Therapie, da gibt man nochmal mit ein bisschen mehr Flow.
Dann müssen sie an die NIV-Maske, das ist so eine ganz enge Maske, die aufs Gesicht gesetzt wird. Das ist für viele Patienten schwierig zu tolerieren, weil die wirklich einfach ganz eng drauf sitzt.
Da darf keine Luft nebenher gehen. Und dann irgendwann, wenn sie das nicht mehr schaffen, dann müssen sie intubiert werden und dann gibt es eigentlich auch meistens ziemlich zügig eine ECMO gelegt und dann geht es auf den Bauch. Und das geht dann ein paar Wochen.
Also mal kurz noch um die Begriffe, mal kurz um die Begriffe nochmal zu erklären. NIV, das wäre dann die nicht-invasive Beatmung, also eine Maske, die dicht abschließt und über Druck wird dann die Luft in die Lunge gepumpt.
Und bei einer Intubierung, da sprechen wir davon, dass ein Schlauch in die Atemwege eingelegt wird und dadurch die Atemwege innerhalb vom Bronchialsystem abgedichtet werden und dann auch die Luft reingedrückt werden kann.
Und die ECMO musst du auch noch erklären.
Die ECMO würde ich auch noch erklären. Bei der ECMO würde man dann. Katheter in den Blutkreislauf legen und das Blut durch eine Maschine leiten, die dann das Blut außerhalb vom Körper mit Sauerstoff versorgt, nicht wahr?
Ja.
Also ziemlich heftige Maßnahmen, die wahnsinnig invasiv sind. Und du hast jetzt gesagt, das NIV ist was, was nicht toleriert werden kann. Können die Patienten da überhaupt noch bei Bewusstsein sein?
Ja, bei dem NIV sollten sie auch noch bei Bewusstsein sein.
Da muss der Patient einfach mitarbeiten. Es ist wahnsinnig unangenehm. Manche machen das super. Es sitzt halt sehr eng drauf. Man kann darunter Platzangst kriegen.
Die Patienten haben schon Luftnot und dann wird da noch so eine feste Maske aufs Gesicht geschnallt.
Dann bieten wir manchen Patienten auch an, dass sie sich mit der Maske auch noch auf den Bauch lagern, damit wir also da schon die Bauchlagerungstherapie anfangen.
Das tolerieren leider nicht alle. Und manche tolerieren es und manche kommen dann auch um den Atemschlauch rum damit.
Aber wenn wir halt sehen, dass das über viele Tage oder über viele Stunden geht, wenn die dann nur noch an dieser Maske sind und sobald man sie kurz abmacht, sofort entsättigen und nicht mal mehr sprechen können, weil sie keine Luft kriegen.
Und wir sehen, es geht nicht mehr und die können nicht mehr, die haben keine Kraft mehr. Dann kommt man halt leider nicht um den Atemschlauch rum.
Dann ist es schwierig, wenn es eine Sprachbarriere noch gibt und das war in letzter Zeit einfach auch häufig oder eine kulturelle Barriere gibt oder wenn es eben auch insgesamt so vom Mitmachen und vom Verständnis her nicht mitgetragen wird.
Und dann können wir es zwar versuchen zu erklären, aber es wird dadurch trotzdem nicht besser erträglich und das verlangt den Patienten eine ganze Menge ab.
Also den Atemschlauch kriegen, dann nehme ich an, kriegen sie wahrscheinlich auch Schlafmittel und sind dann in einem künstlichen Koma.
Das heißt, von da an habt ihr es dann mit jemandem zu tun, der nicht mehr wach ist und nicht mehr mithelfen kann oder was wahrscheinlich ja auch die Arbeitsintensität mit beeinflusst.
Ja, zunächst mal ist es am Anfang eigentlich einfacher, weil die ja dann wirklich, wenn sie schlafend sind, dann kann man viele Arbeitsabläufe auch ganz gut planen.
Das weiß man dann vorher, was als nächstes.
Aber dann sind halt solche Dinge wie jemanden mit Beatmungsschlauch und mit ECMO auf den Bauch drehen eben auch dran und sehr aufwendig und jeder Mensch ist anders, jeder Mensch muss individuell gebraucht werden.
geplant auf den Bauch so gelegt werden, dass er gut liegt und das ist gar nicht so einfach, wie man so glaubt. Wir denken, auf den Bauch legen ist einfach, aber jemand hat anatomische Verhältnisse, die man dann berücksichtigen muss dafür, die eben erfordern, dass man dann manchmal auch noch eine Person mehr ist oder zusätzliche Lagerungshilfsmittel braucht und ja, genau.
Und erst wenn sie dann später im Verlauf wacher werden können wieder, dann ist es was, wo sie halt dann ja auch einfach sich nicht erinnern können oft, das fehlt ihnen, diese Zeit ist dann einfach nicht da und dieses langsame Auftauchen wieder, zurückkommen in die Welt, das ist sehr mühevoll für alle.
Das ist für den Patienten sehr mühevoll und für uns und für die Angehörigen natürlich auch, weil die dann am Bett sitzen und dann weiß man auch nicht so richtig, am Anfang haben sie dann ja den Beatmungsschlauch noch, können auch nicht sprechen.
Dann weiß man nicht, was würden sie denn jetzt eigentlich sagen, was haben sie verstanden, was haben sie, was fehlt ihnen noch.
Das ist echt eine Situation, in der niemand landen möchte.
Absolut nicht, nie.
Ich würde ganz gerne noch unseren Zuhörerinnen und Zuhörern erklären, warum diese Bauchlagerung so wichtig ist, weil wir haben jetzt öfter schon drüber gesprochen und die scheint ja einen erheblichen Aufwand mit sich zu bringen.
Warum muss man das denn gerade bei den Covid-Patienten machen?
Also der Sinn der Bauchlagerung.
Die Bauchlagerung ist, dass einfach nochmal andere Areale von der Lunge belüftet werden, weil man liegt ja meistens auf dem Rücken, dann ist der untere Bereich der Lunge, da sammelt sich das Sekret, was vielleicht nicht mehr richtig abgehustet werden kann und der Sinn der Bauchlage ist eben, dass dann der Teil der Lunge auch am Gasaustausch teilnehmen kann und dass auch sich das Sekret löst und man es dann eben absaugen kann durch den Atemschlauch und so eben die Lunge wieder mehr arbeiten kann.
Genau, weil die ECMO ist keine Therapie für das ADL.
Sondern es ist quasi, es verschafft der Lunge Zeit, sich zu heilen oder sich zu regenerieren.
Deshalb sind die Bauchlagen so wichtig.
ARDS hast du noch einen neuen fremden Begriff eingeführt, das ist das Acute Respiratory De-Stress-Syndrom.
Ja, also eine akute Atemnot könnte man es vereinfacht vielleicht aussprechen.
Ja, ein Lungenversagen.
Also ein Lungenversagen. Ja, danke.
Und man muss sich halt vorstellen, dass so im Verlauf dieser Covid-Erkrankung die Lungen, wenn man die sich,
im Röntgenbild oder in der Computertomographie anguckt, so wie so eine Masse aussehen, die einfach nicht mehr am Gasaustausch teilnehmen kann.
Und das ist natürlich was, was man dauerhaft nicht überleben kann.
Und um zu verhindern, dass das alles zusammenklebt und halt völlig verbuggt, ist das halt wichtig,
dass da trotzdem die Lunge voll auch am Gasaustausch teilnehmen kann, so gut es eben geht.
Und dann sind das sozusagen diese Reservebezirke hinten im unteren Teil der Lunge, die dann auch,
die auch teilnehmen können am Gasaustausch und deswegen ist das so wichtig.
Und dann liegen die halt so, dass dieser Teil der Lunge oben ist.
Okay.
Und dann liegen die lange, die liegen 16 bis 20 Stunden auf dem Bauch.
Und dann wird wieder gedreht für weitere 16 bis 20 Stunden.
Nee, wir haben so einen Rhythmus, dass wir halt nachmittags zwischen drei und vier die Patienten auf den Bauch drehen
und morgens zwischen neun und zehn drehen wir sie wieder zurück auf den Rücken.
Und dann liegen sie halt eben von zehn ungefähr oder ja, halb zehn.
Bis drei oder halb vier liegen sie auf dem Rücken.
Und in der Zeit läuft dann Diagnostik, Besuch, alles, was eben dann in Rückenlage wichtig ist.
Körperpflege beispielsweise, Mobilisation, wenn möglich.
Und im Rest der Zeit liegen sie dann halt auf dem Bauch.
Und so ist dieser Turnus.
Sie sollen halt eben nicht so lange auf dem Rücken liegen, sondern möglichst lange auf dem Bauch
und dann halt viele, viele Tage in Folge.
Okay.
Und das heißt, ihr hattet wahrscheinlich von dieser Sorte Patienten, die diese Lagerung brauchen,
jetzt auf einmal viel, viel.
Viel mehr als unter Nicht-Corona-Umständen.
Ja, unbedingt.
Wir hatten früher immer so mal auch Grippewellen, in denen ein oder zwei Patienten auf dem Bauch lagen.
Dann aber nur für eine Woche vielleicht.
Wenn es hochkam, mal zwei.
Aber jetzt liegen die mehrere Wochen und dann nicht nur ein Patient oder zwei,
sondern dann gleich vier oder fünf oder auch noch mehr auf dem Bauch.
Ich weiß gar nicht mehr, in der ersten Welle, wie viel das Maximum, ich glaube sechs oder sieben,
die wir auf den Bauch gedreht haben, jeden Tag.
Und das dauert pro Patient, obwohl wir das schon insgesamt deutlich schneller können als früher,
trotzdem immer noch eine halbe bis dreiviertel Stunde.
Wegen der ganzen Schläuche wahrscheinlich.
Einfach einen Menschen umzudrehen, was man bei Bewusstsein innerhalb von wenigen Sekunden machen kann.
Ja, wegen der ganzen Schläuche und weil eben jeder auch anders ist.
Jeder Mensch sieht anders aus, jeder Mensch hat anders irgendwelche,
der eine hat ein bisschen Bäuchle, der andere hat eher irgendwie eine runde Schulter.
Und das sind alles Dinge, die es wirklich. Schwer machen, die dann gut hinzulegen.
Ja, und dann kommt es auch noch darauf an, wie stabil ist der Patient.
Also der Blutdruck, die Sauerstoffsättigung, wenn der noch an der ECMO ist.
Das ist eben, wir dürfen die Katheter nicht verlieren während der Bauchlage.
Es muss ein Arzt oben am Kopf sein, der sich wirklich nur auf diese Schläuche,
auf diese lebenswichtigen Schläuche konzentriert und dann noch vier Personen dabei, Pflegepersonen.
Wir haben Physiotherapie Auszubildende, die uns unterstützen.
Und ja, das ist einfach ein enormer Aufwand, dass man gar nicht mehr so jetzt im Blick hat,
in dem Sinne, dass es mittlerweile Alltag ist.
Das war früher was Besonderes, so eine Bauchlage und jetzt ist es einfach Alltag, Routine.
Wir wissen genau, wo müssen wir hingreifen. Jeder weiß Bescheid, auf was müssen wir achten.
Von dem her läuft es jetzt mittlerweile sehr gut, aber es ist trotzdem immer ein Risiko, so eine Bauchlagerung.
Es ist immer eine bedrohliche Situation, weil es auch sein kann, dass ein Patient in so einer Situation
einen Hustenanfall bekommt beispielsweise.
Und wenn er einen Hustenanfall bekommt, kann das eben sein, dass ganz vieles plötzlich ins Ungleichgewicht gerät.
Also, dass er dann einfach so stark anspannt und so stark presst, dass keine Luft mehr in die Lunge kommt
und dass er vielleicht diese Herz-Lungen-Maschine nicht mehr gut funktioniert und nicht mehr gut Blut pumpen kann.
Und da können dann auch Situationen entstehen, die einfach Notfall sind.
Dann fällt der Blutdruck ab, dann fällt die Sättigung ab, dann piepst das Beatmungsgerät, dann piepst der Monitor.
Also, das ist Hochstress am Morgen dann gleich.
Also, das ist, glaube ich, klar geworden mittlerweile, dass Corona-Patienten, also das durchschnittliche Pensum an Arbeit,
deutlich überschreiten, deutlich aufwendiger sind, deutlich kränker sind und vor allem auch ganz, ganz lange liegen.
Ich glaube, das ist eben auch ein sehr relevanter Punkt, was die Belastung von Intensivstationen angeht.
Ihr habt vorhin schon angedeutet, dass zu euren sehr umfangreichen Aufgaben auch die Betreuung von den Angehörigen gehört.
Was habt ihr denn da erlebt?
Verschiedenes.
Also, ich hatte in der zweiten Welle mit einer Angehörig sehr viel Kontakt.
Und ich finde, das hat mir die Arbeit mit dem Patienten schwerer gemacht, weil man dann mehr drin gesteckt hat.
Die hat wahnsinnig hohen Gesprächsbedarf gehabt, weil das war ja auch da in der zweiten Welle noch relativ neu.
Das war ein junger Mann.
Und wir haben dann wirklich eine Stunde mit ihr gesprochen, wie es ihm geht, was passiert, wie es ihr geht, wie es ihr zu Hause geht.
Und ja, das nimmt einen dann schon.
Das nimmt einen dann schon mit, das zu hören, wie er zu Hause mitten im Leben stand, ohne Vorerkrankung.
Und auf einmal liegt er jetzt da und wir wissen ja, wie spitz auf Knopf es teilweise steht.
Und das können die Angehörigen gar nicht so begreifen manchmal.
Die kommen da rein, die waren noch nie auf einer Intensivstation, die sehen die Monitore, die sehen die ECMO, die sehen die Dialyse.
Man kommt fast gar nicht ran an den Patienten vor Geräte teilweise.
Und da muss man die dann irgendwo abfangen.
Einmal die Situation, das ist. Total unbekannt ist.
Dann noch erklären, was hier eigentlich gerade passiert.
Und dann ist es für die manchmal gar nicht greifbar, was wirklich gerade mit diesem Menschen passiert.
Was der Körper gerade alles aushalten muss und was im Körper noch bevorsteht.
Okay.
Das waren ja auch Bilder, die immer sehr durch die Medien gegangen sind, dass Angehörige zu Anfang ja auch gar nicht die Intensivstation betreten durften.
Dass dann mit Handy oder iPad von intubierten Angehörigen. Abschied genommen werden mussten.
Hat euch das auch?
Ist das euch auch so passiert?
Wir haben uns eigentlich von Anfang an Mühe gegeben, Angehörige auch reinzulassen.
Natürlich war das sehr begrenzt.
Also es war jetzt nicht möglich, dass dann irgendwie ganze Familien kamen.
Aber wir haben eigentlich sehr schnell Angehörige auch reingelassen, weil wir auch gemerkt haben, das kann man nicht.
Trotzdem kam es vereinzelt vor, dass Patienten alleine gestorben sind.
Aber wir haben uns eigentlich immer Mühe gegeben, dass die dann auch rein durften.
Ja.
Und habt ihr einen Unterschied erlebt bei der Angehörigenarbeit mit den Covid-Patienten im Vergleich zu, ich sag mal, ihr habt ja ein buntes Bild an Patienten, aber eurer üblichen Klientel?
Es kommt immer auf die Krankheit auch drauf an, wenn es jetzt ein Patient ist mit einer chronischen Erkrankung, der vielleicht schon mehrere Krankenhausaufenthalte hat oder zum Beispiel eine Krebserkrankung, wo es absehbar wird, dass es irgendwann eine palliative Situation wird.
Also dass man nicht mehr das Leben. Leben retten kann, dann ist das was anderes, als wenn jetzt da ein junger Mensch von so einer Krankheit aus dem Leben gerissen wird und dann auf einmal innerhalb von Tagen oder Stunden sich so verschlechtert, dass er da von diesen Maschinen abhängig ist.
Dann ist es für die Angehörigen schon teilweise schwerer zu begreifen.
Aber das gibt es natürlich auch, wenn jemand auf einmal einen Herzinfarkt hat.
Ja.
Also das, was es für uns besonders macht, ist, dass die Angehörigen, so wie die Patienten,
ja dann auch sehr lange und sehr oft auf Station sind.
Dadurch kennt man sie halt dann echt auch gut.
Und es kamen jetzt immer wieder auch Briefe, so wie der eine unserer. Einer der ersten Patienten, der jetzt ein Jahr her wieder gesund ist oder nicht gesund, aber wieder draußen rumlaufen kann und der uns schreibt und mitbildet und er anruft und einfach so dankbar ist und das hat uns alle auch bewegt.
Ist ja klar, der und seine Frau, die haben da einfach ein gutes Team, das muss man ja auch sagen. Das glaube ich tatsächlich ist auch was, also diese Geschichten, wo Angehörige und die Patienten zusammen ein gutes Team sind, die kommen besonders gut aus der ganzen Situation raus.
Ja, man muss einfach miteinander arbeiten, also die brauchen sich auch gegenseitig. Man merkt das einfach, wenn Patienten gerade in so einer Aufwachphase sind, wenn wir sie wieder wacher werden lassen wollen und sie kennen uns ja nicht, es piepst überall.
Die sind in so einem Dämmerschleim.
Die haben vielleicht noch irgendwelche Albträume gehabt und wenn dann da einfach eine vertraute Stimme ist, wenn dann da der Ehepartner am Bett steht oder ein Kind und da ist jemand und sagt, es ist alles gut, dann glaubt man dem eher, als wenn da noch irgendwelche anderen Leute hinkommen, wo man vielleicht noch geträumt hat, dass man gerade irgendwo gefangen genommen wurde.
Dann merkt man schon bei manchen Patienten, wie die dann wirklich sich beruhigen, wenn da die Angehörigen am Bett stehen und das war eben früher, konnte man das halt über längere Zeit machen.
Die konnten die Angehörigen.
Die konnten den Aufwachprozess begleiten und jetzt ist halt eine Stunde am Tag. Aber die ist super wichtig, diese Stunde.
Jetzt seid ihr ja auf den Intensivstationen auch ziemlich stark in das Medieninteresse gerückt durch die Pandemie. Hat das denn auch was mit euch gemacht, so eurem Gefühl bei der Arbeit?
Ja, das waren so Wellen irgendwie. Also am Anfang in der ersten Welle, da waren wir schon ein Stück weit irgendwie auch stolz so auf uns.
Und das hat auch, weil ja viele durch diese Kontaktbeschränkungen auch im Privaten wenig Kontakte hatten, war das auch bei uns auf Station dann eher wie so, man kommt da hin und dort hat man auf jeden Fall soziale Kontakte und das hat sich eigentlich auch gut angefühlt.
Irgendwie hat sich das gut angefühlt, ja. Und so mit der Zeit hat sich das dann verändert, dahingehend, dass wir das Gefühl hatten, wir sind einfach echt kaputt. Wir sind am Arbeiten und wir sind am Arbeiten und dieses irgendwie vom Balkon klatschen hat sich von Anfang an nicht richtig angefühlt.
Also Anerkennung durch Klatschen vom Balkon oder durch Berichterstattung in den Medien ist okay, aber am Ende muss die Arbeit auch irgendwie geschafft werden und dafür Gehör zu finden, das ist echt wichtig.
Ja, und ihr musstet richtig viele Überstunden machen, hattest du gesagt. Also quasi 150 Prozent stemmen. Das kann man sich ziemlich gut vorstellen, dass man sich da dann vielleicht durch das Balkon klatschen nicht so wirklich belohnt, sondern eher so ein bisschen.
Ja, abgespeist fühlt.
Das mit 150 Prozent war aber nicht auf die Überstunden gemeint, sondern einfach dieses Arbeitspensum an einer Schicht.
Also die Arbeitssichte quasi.
In einer Schicht quasi für mehrere Schichten gearbeitet gefühlt.
Okay.
Einfach gar nicht hinterher, man ist nur noch hinterhergerannt.
Ja, okay.
Und normalerweise ist es ja so, dass man auf einer Intensivstation immer stressige Phasen hat und danach kommen wieder ruhigere Phasen. Das hat es immer schon so gegeben.
Schon, ja, immer.
Und jetzt ist es halt eigentlich schon sehr lange auf so einem Niveau, dass man eigentlich die ganze Zeit mit Hochkonzentrationen.
Wenn man mit Hochkonzentration arbeitet und man weiß schon, wenn man kommt, dann hat man acht Stunden Hochkonzentrationsarbeit und danach ist man echt auch erledigt.
Und das geht aber jetzt schon so lange so.
Also das kostet einen echt auch was.
Also das geht, das können wir auch alle, aber manchmal denkt man, puh, die Zeiten, wo es mal ruhiger ist, die haben auch einfach einen Sinn gehabt.
Dass man sich irgendwie wieder erholt, wieder sammelt, dass man auch mal längere Zeit mit einem Patienten oder einem Angehörigen sprechen kann.
Manchmal hetzt man ja auch dann wirklich einfach weiter, weil man weiß,
das Nächste ist auch noch zu erledigen.
Aber solche Gespräche mit Angehörigen oder mit Patienten, die machen ja auch uns, tun ja auch uns gut.
Das ist ja nicht nur für die Patienten wichtig.
Uns bleiben ja wahrscheinlich auch ganz viele andere Dinge liegen, die in ruhigeren Phasen sonst irgendwie noch angegangen werden könnten,
wie zum Beispiel Teamgeist stärken oder wahrscheinlich auch organisatorische Aufgaben oder mal den Medikationsschrank aufräumen oder ähnliches.
Aber ihr habt es gerade schon sehr eindrücklich beschrieben, wie,
wie anstrengend diese Arbeit für euch ist.
Und ich möchte mal sagen, also das ist ja auch eine Form von psychischer Belastung, der ihr da auch ausgesetzt seid.
Hat das nochmal so ein bisschen was mit euch gemacht?
Habt ihr das auch gemerkt, dass ihr als Person vielleicht jetzt auch mehr mit nach Hause nehmt?
Ja, also ich hatte jetzt im Oktober, November, Dezember so einen kleinen Tiefpunkt.
Ich habe dann auch meine Arbeitszeit reduziert, weil ich einfach gemerkt habe, ich kann nicht mehr abschalten.
Ich brauche einfach ein bisschen mehr frei, mehrere Tage am Stück mal, um wirklich runterzukommen.
Weil das schon einfach wahnsinnig viel ist, was wir die letzten zwei Jahre da erlebt haben und auch machen.
Und weil das ja auch für uns belastend ist.
Wir haben auf der Arbeit mit Corona zu tun und wir kommen nach Hause.
Und das ist ja dann das Gleiche, was jeder Mensch hat.
Wir haben ja auch die Kontaktbeschränkungen.
Wir können auch nicht auf Konzerte gehen oder in Urlaub fahren einfach.
Sondern wir haben einfach irgendwie 24.
27 mit Corona zu tun.
Und das ist wahnsinnig schwer abzuschalten.
Und dann schaltet man den Fernseher an und dann ist da wieder Corona.
Und das hat mich jetzt schon sehr beschäftigt, jetzt gerade Ende des Jahres.
Sodass ich dann eben die Konsequenz gezogen habe, weniger zu arbeiten, um wenigstens da von diesen Worst-Case-Fällen ein bisschen Abstand nehmen zu können.
Ja, die Stimmung auf Station war auch irgendwann angespannt.
Also jetzt gerade als dann die Omikron-Welle.
Angekündigt war, hat man schon gemerkt, wie so die Stimmung so ein bisschen angezogen hat.
Weil alle einfach nicht wussten, was kommt jetzt auf uns zu.
Und auch so, jetzt geht es schon wieder los.
Ja, also wir sind glaube ich alle, uns reicht es jetzt mit Corona langsam.
Wir müssen da halt durch.
Und wenn man dann aber halt auch noch irgendwie im Fernsehbilder von irgendwelchen Demos sieht.
Ja.
Wie fühlst du dich dabei dann?
Wütend.
Es macht mich wahnsinnig wütend.
Und traurig, dass es so gerade, was da gerade passiert, dass es auch eskaliert teilweise.
Und auch noch so ein bisschen verständnislos.
Also klar, wir sehen da, was passieren kann.
Und für uns ist ganz klar, dass man sich an diese Regeln halten muss.
Dass wir da irgendwie durchkommen, um eben die Fallzahlen zu reduzieren.
Dass wir nicht zulaufen mit Patienten, weil es gibt auch noch genug andere Krankheitsbegriffe.
Und wir sehen auch noch Bilder, die intensivpflichtig sind.
Die sind ja trotzdem noch da.
Und dass manche Menschen aber da jetzt so auf die Straße gehen und so dagegen sind.
Also es ist jetzt nicht mal die, die sich unsicher sind mit der Impfung, sondern die, die wirklich erzählen, Corona gibt es nicht.
Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll.
Ich verstehe es nicht.
Ich kann es nicht verstehen.
Da sprichst du glaube ich vielen, vielen aus dem größeren medizinischen Bereich, sehr aus der Seele, aus allen Berufsgruppen.
Ja, das kann einen so richtig umtrauen.
Das kann einen wahnsinnig umtreiben.
Also ich hatte solche Phasen auch gerade in Bezug auf das Thema Umgang mit Ungeimpften.
Und ich habe gemerkt, wie sehr mich das aufregt.
Und ich kann aber mit diesem Stresspegel, den man hat, wenn man sich aufregt, gar nicht dauerhaft umgehen.
Das geht ja gar nicht.
Wie soll man denn wieder loswerden?
Und dann gab es natürlich auch Phasen, wo ich irgendwie dachte, ich muss mich irgendwie distanzieren von Menschen, die ungeimpft sind.
Ich möchte darüber auch nicht ständig sprechen müssen.
Ich möchte auch nicht ständig.
Ich möchte nicht als Expertin, nur weil ich im Gesundheitssystem arbeite, dastehen.
Weil das bin ich nicht.
Ich kann nur sagen, ich kann es kaum aushalten, diese Argumentation nachvollziehen zu müssen.
Und dann vielleicht sogar noch zu sagen, ja kann ich verstehen.
Weil ich kann es nämlich eigentlich nicht verstehen.
Ihr seid da wirklich ganz besonders in dem Spannungsfeld, weil ihr ja an der Front arbeitet, an der Corona-Front.
Und ich kann mir vorstellen, dass eure emotionalen Reaktionen da dann wahrscheinlich nochmal stärker ausfallen gegenüber.
Ja, ich glaube, das kann auch nicht so bleiben.
Also das ist jetzt für mich so ein Im-Moment-Zustand, dass ich es einfach schlecht ertrage, mich mit Menschen beschäftigen zu können.
Die nicht geimpft sind und dann auch entsprechend so reden und dafür auch eine Absolution wollen.
Und ich kann dem aus dem Weg gehen, wenn ich das möchte.
Ich kann auf Stationen bei der Arbeit damit gut umgehen, weil ich dann das professionell hinkriege.
Aber so sonst fällt es mir schwer.
Aber das kann so nicht bleiben.
Also wenn ich mir jetzt mal vorstelle, in einem halben Jahr wäre das immer noch so.
Da muss sich auch bei mir was ändern.
Ich kann nicht dauerhaft mit der Idee rumlaufen, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen,
für mich zu meiden sind.
Aber das ist jetzt halt noch vorgegriffen.
Ich denke halt nur, man kann sich nicht darüber dauerhaft aufregen.
Das muss irgendwie. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger und ein sehr zentraler Gedanke, der uns auch gerade als Gesellschaft umtreiben sollte,
dass das natürlich so nicht weitergehen kann.
Ich glaube, die Gräben sind tief und die Anteile von Menschen, die sich da auch gegenüberstehen,
sind dann doch jeweils zu groß, um das einfach so hinnehmen zu können.
Zumindest was den Anteil der Menschen geht.
Die sich nicht impfen lassen wollen.
Ich denke, das radikale Lager der Corona-Leugner ist wahrscheinlich noch mal was anderes,
dem man vielleicht auch mehr mit Akzeptanz begegnen muss, als den anderen noch mal.
Mich würde noch interessieren, ob es denn mehrere Kolleginnen und Kollegen von euch gibt,
die auch solche Maßnahmen ergriffen haben, wie Arbeitszeitreduktion oder Umorientierung in andere Bereiche, Berufswechsel?
Ja, hat es schon gegeben. Also wir haben in den letzten zwei Jahren doch einige Kolleginnen verloren und auch welche, also auch an Arbeitskraft verloren dadurch, dass Kolleginnen reduziert haben.
Also das ist schon deutlich spürbar. Und wir haben natürlich auch neue Mitarbeiterinnen bekommen, aber nicht in derselben Zahl wie die, die gegangen sind.
Und es sind auch Erfahrene gegangen, die eben eine ECMO betreuen können, die schon Berufserfahrung haben.
Und es sind halt jetzt neue Mitarbeiter dazu gekommen, frisch aus der Ausbildung oder von Normalstationen, die natürlich erstmal diese Expertise erlernen müssen, um eben mit diesen ganzen Geräten umgehen zu können.
Und was glaubt ihr, Entschuldigung, ich habe noch eine dringende Frage.
Dann frag deine dringende Frage zuerst.
Also was glaubt ihr, sind denn die wesentlichen Belastungsfaktoren gewesen, die dazu geführt haben?
Ist es die Arbeitszeit?
Ist es die Arbeitsdichte, die ihr erwähnt habt? Oder ist es dann die Stimmung, die kippt? Oder ist es vielleicht auch irgendwie die Belastung durch den Verlauf genau dieser Erkrankung, dass man vielleicht nicht so viel tun kann, sondern viel abwarten muss?
Ich glaube, dass es die Arbeitsdichte ist und dieses, dass man es nicht kontrollieren kann mehr und dass es sich einfach zu wenig Phasen gibt, wo man sich wieder erholen kann.
Und das ist was. Und dann sind viele, viele auch gestorben.
Also wir haben einfach sehr viele Patientinnen.
Auch verloren in den letzten zwei Jahren.
Also jetzt in dieser Welle haben wir auch Patienten nach Hause entlassen dürfen, die jetzt noch kleben.
Aber in der dritten Welle sind eben bis auf eine, die eine ECMO hatten, alle gestorben.
Und das macht auch was mit uns.
Das macht auch traurig.
Und dann hat man so plötzlich das Gefühl, wie kann ich denn helfen, wenn ich weiß oder ich spüre oder ich merke oder ich erfahre, dass halt viele von denen sterben.
Das hat uns umgetrieben.
Und es war auch so, dass wir ja auch viele junge KollegInnen bekommen hatten, die dann praktisch direkt in die Corona-Zeit hinein ihre ersten Jahre auf der Intensivstation erlebt haben.
Und für die muss sich das ja so anfühlen, als sei das Normalität.
Und dass man dann, wenn man das hochrechnet, glaubt, das schaffe ich nicht über das ganze Leben.
Das ist schon auch klar.
Also das ist völlig verständlich, wenn man nicht erlebt hat, dass es auch anders war.
Weil es immer.
Es ist immer so anstrengend, wenn man gar keine Erfolgserlebnisse hat.
Und den Aufwand, den ihr betreibt, um so eine ganz geringe Prozentchance für ein Überleben zu wahren, der ist ja schon heftig.
Wie macht ihr das eigentlich, dass ihr euch da auch motiviert, immer wieder bei jeder Patientin, bei jedem Patienten von neuem in den Kampf zu ziehen und zu sagen, ich gebe jetzt alles und begleite diese Person durch die ECMO durch, obwohl ihr genau wisst, das Outcome ist richtig schlecht.
Wir haben es auch anders gesehen.
Also wir hatten immer ein paar Fälle in der ersten Welle, in der zweiten Welle, da fallen mir auch spontan ein paar Namen und Gesichter ein, die einfach gezeigt haben, dass man das überleben kann.
Wo wir auch gedacht haben, okay, der stirbt jetzt, das war es jetzt, der versagt gerade die Niere, der versagt gerade die Leber, die Lunge hat sowieso versagt.
Jetzt hat er noch eine kleine Hirnblutung.
Jetzt gibt es noch eine Lungenembolie obendrauf.
Also manche haben wirklich alles mitgenommen und aber dann doch irgendwann die Kurve gekriegt und es überlebt.
Und das ist glaube ich das, woran wir uns alle krallen.
Und deshalb tut uns jetzt gerade die vierte Welle auch in dem Sinne gut, dass wir wieder mehr Erfolgserlebnisse haben.
Und deshalb ist auch die Stimmung jetzt wieder besser, nachdem wir eben im Dezember erstmal ein bisschen Angst hatten, was kommt.
Und jetzt merken wir aber, der überlebt und der überlebt und der überlebt.
Und deshalb merkt man schon am Stimmungsbild, dass es jetzt wieder entspannter ist und dass uns jetzt wieder gezeigt wird, es lohnt sich da zu kämpfen und die ganze Energie reinzustecken.
Kleine Verständnisfrage für mich mit der vierten Welle.
Sind jetzt schon eher die Omikron-Patienten, die jetzt kommen oder sind es schon noch Delta?
Delta, am Anfang war es noch Delta.
Aber die Überlebensraten sind jetzt besser?
Jetzt besser, ja.
Okay. Und wie ist das zu erklären aktuell?
Wir haben halt sehr viele eher jüngere Patientinnen und wenig Vorerkrankte.
Und das merkt man, die haben dann einfach eine bessere Chance zu überleben.
Und was sind da gerade eure Privat-Empiriden, was den Anteil von ungeimpften und geimpften Patienten angeht?
Also die meisten sind ungeimpft.
Wenn jemand geimpft bei uns landet, dann hat es irgendeinen Grund, dass das Immunsystem geschwächt war durch eine andere Erkrankung beispielsweise.
Und dann sind die auch viel schneller da durchgekommen.
Also wir hatten einen Geimpften, der lag dreimal auf dem Bauch und dann konnte ziemlich schnell die ECMO wieder rausgezogen werden.
Und jetzt hatten wir wieder einen, der hat gar keine ECMO gebraucht und die Ungeimpften liegen halt, also wir hatten welche, die lagen über 100 Tage bei uns.
Und fast zwei Monate an der ECMO. Also da sieht man schon einen deutlichen Unterschied bis jetzt.
Das ist richtig lang.
Und auch da wieder würde mich total interessieren, wie ihr auch damit umgeht, wenn ihr seht, da liegt jetzt eine Person, die sich nicht hat impfen lassen,
die eigentlich die Möglichkeit gehabt hätte, dieses Szenario, in dem sie sich jetzt befindet, wahrscheinlich zu vermeiden.
Habt ihr denselben Gedanken und was macht ihr damit? Wie geht ihr damit um?
Das wechselt so. Also es gibt Phasen.
Da ärgert einen das und da nervt einen das. Und dann gibt es Phasen, da geht es eigentlich ganz gut,
wo man dann einfach diesen Menschen so behandelt wie jeden anderen auch, der da liegt mit einer schweren Erkrankung und das auch ausblendet.
Also ganz oft gelingt es mir auch, da einfach nicht dran zu denken, sondern das zu tun, was eben dran ist.
Und dann denke ich auch wirklich, es kommt gar nicht in meinen Kopf. Es kommt dann nur immer wieder mal.
Ja, also gerade am Anfang, als es eben angefangen hat, jetzt die vierte Welle, war es schon auch so,
so ein bisschen Wut, die man verspürt hat, wenn man denkt, das müsste doch jetzt nicht sein.
Es müsste jetzt nicht wieder die halbe Station voll Corona liegen, wenn ihr euch einfach alle hättet impfen lassen.
Aber ja, da muss man halt jetzt durch. Und das war die Entscheidung der Patienten.
Wir wissen es nicht direkt von den Patienten, meistens warum, weil die schon intubiert zu uns kommen, also mit Beatmungsschlauch.
Da können wir nicht mehr mit denen sprechen. Bringt auch nichts. Es ist jetzt so, da müssen wir jetzt zusammen durch.
Also ich stehe dann vor dem Patienten, das hatte ich vor ein paar Wochen, dem hat auch die Leber versagt, die Niere.
Und habe gesagt, warum? Es müsste doch nicht sein.
Du könntest doch jetzt einfach zu Hause sitzen, wahrscheinlich nach deiner Quarantäne und alles wäre gut.
Und jetzt liegst du hier, Kinder zu Hause, Familie zu Hause und vielleicht stirbst du jetzt.
Also ja, das fragt man sich schon manchmal.
Aber sonst bei der Arbeit blendet man es aus und macht halt seine Arbeit und guckt halt, dass die Patienten bestmöglich durch die Situation durchkommen.
Und das war es.
Und manchmal sammelt man auch irgendwie so skurrile Geschichten wie die Patientin mit der Corona-Party, wo man sich dann irgendwie fragt,
ja, wieso muss es das geben, dass Menschen auf eine Corona-Party gehen und ihr eigenes Risiko völlig fehleinschätzen.
Und dann hat man, also ich habe manchmal das Gefühl, wir haben schon so viele Geschichten gehört, man könnte Bücher schreiben darüber.
Ja, wahrscheinlich. Ich weiß nicht.
Ob ich das medial hätte mitbekommen müssen, die Patientin mit der Corona-Party.
Gab es dann mehrere Patienten, die die gleiche Party besucht haben oder was?
Weiß ich nicht. Aber die war halt einfach nach Corona-Party halt bei uns.
Also hatte sich quasi bewusst mit dem Coronavirus infiziert.
Und ihr eigenes Risiko halt nicht so eingeschätzt, wie es tatsächlich war.
Das sind schon alles tragische Schicksale. Ich kann mir vorstellen, dass man sich da relativ hilflos manchmal fühlt.
Und ich frage mich, ob ihr in Phasen so besonders hoher Belastung. eigentlich auch Unterstützungsangebote habt, die helfen können, wenn man irgendwie emotional an die Grenze kommt.
Sowas wie bei uns wäre es die Supervision oder Ballend-Gruppen-Austausch. Gibt es da was bei euch?
Genau das. Es läuft gerade eine Ballend-Gruppe zum ersten Mal. Da bin ich auch drin.
Wir treffen uns einmal die Woche stationübergreifend.
Also wir haben ja zwei medizinische Intensivstationen und sind Pflegekräfte von der, auf der ich bin und von der anderen.
Und es sind auch Ärzte dabei.
Genau. Und Supervisionen sind auch möglich jederzeit. Fallbesprechungen können wir auch einberufen.
Und sonst halt auch ganz viel untereinander. So die Gespräche nach dem Dienst noch einen Kaffee trinken, nochmal die Dienstrevue passieren lassen.
Das ist auch super wichtig. Und auch mit unseren Leitungen können wir über alles reden.
Wir können auch mal zusammen Quatsch machen. Und das ist super wichtig. Einfach auch.
Wurde die Ballend-Gruppe jetzt neu gegründet? Extra wegen der Pandemie? Oder hattet ihr das schon immer im Angebot?
Nee.
Haben wir deswegen ins Leben gerufen. Und da sind wir auch total glücklich drüber. Und es wird jetzt im Mai auch eine zweite geben.
Also es hat es bei uns noch nie gegeben. Und das ist jetzt einfach als Versuch gestartet worden. Und jetzt im Mai wird es eine zweite Ballend-Gruppe geben.
Super.
Schönes Projekt.
Und darüber hinaus können wir natürlich jederzeit beim Coaching-Dienst, Supervision zum Coaching-Dienst auch Termine machen.
Der ist auch jede Woche nachmittags an einem Nachmittag bei uns auf Station vorbeigekommen.
Persönlich. Und hat jeden gefragt, wie geht's? Und sich angeboten auch für Gespräche, Niederschwellige.
Und manche haben das auch wahrgenommen. Haben dann einzelne Termine mit ihm ausgemacht, um auch akuten Frust oder akute Gefühle von
ich hoffe das jetzt gerade nicht mehr zu besprechen und andere Lösungen zu überlegen, wie kann ich jetzt hier weiterkommen.
Okay. Das ist jetzt aber eher eine neuere Momentaufnahme, wenn ich das richtig verstanden habe. Die Ballend-Gruppe ist neu geschaffen worden.
Das heißt, es gab. Aber auch eine Phase, in der das noch nicht war. Gab es denn auch mal eine Situation, in der ihr euch so richtig alleingelassen gefühlt habt oder habt ihr da von vornherein irgendwie gute Methoden gefunden?
Also wir haben eigentlich ziemlich schnell schon gleich in der ersten Welle angefangen, eben diesen Supervisor mit einzubauen, dann halt Fallbesprechungen und auch die Seelsorge mit ins Boot zu holen.
Und da waren viele Angebote da, nur ist es dann halt auch manchmal so, dass man dann lieber nach Hause geht, als jetzt nochmal irgendwie in so eine Gruppe zu gehen oder halt eben jemanden anzurufen und zu fragen, kann ich mal quatschen.
Und da ist eben dieses, dass man sich im kollegialen kleinen Kreis nochmal nach dem Dienstkorps zusammensetzt, das ist einfach von unschätzbarem Wert.
Und das ist oft so niederschwellig und so hilfreich, das kann auch eben gut sein.
Aber diese Strukturen wie eine Ballinggruppe dann jetzt ins Leben zu rufen, das freut uns sehr, dass wir das jetzt machen.
Und das ist glaube ich auch was, was wir weiter beibehalten werden, weil das eben irgendwie auch ein Erfolg ist.
Das freut natürlich auch uns als PsychiaterInnen, dass da auch diese emotionalen Bedürfnisse berücksichtigt werden.
Das ist ja relativ fortschrittlich, würde ich behaupten, für den Bereich der somatischen Medizin, wenn man denkt, vor 20 Jahren Ballinggruppe auf Intensivstation wäre wahrscheinlich nicht so gut angekommen.
Lächter geerntet vielleicht.
Ja, um das aber auch nochmal kurz zu erklären, also eine Ballinggruppe ist eine von der Fachperson geführte Gruppe, in der es vor allem auch darum geht, was macht eigentlich der Patient, die Patientin mit den BehandlerInnen.
Und darauf soll eben verstärkt eingegangen werden.
Deswegen schön, dass ihr das habt.
Gibt es denn, also ihr seid auf der progressiven Seite unterwegs, kann man ja schon mal so ein bisschen zusammenfassen.
Gibt es aber dennoch Dinge, die ihr, von denen ihr sagt, das wünsche ich mir, dass das besser wird?
Gibt es denn Dinge, die ihr sagt, das wünsche ich mir, dass das besser wird?
Also ich wünsche mir, dass das, was wir tun, politisch gesehen wird und dass diese ganzen Bemühungen, das Pflegepersonal so zu stärken, dass wir diese Arbeit, die so verantwortungsvoll und so wichtig ist, auch tun können, dass das in die richtige Richtung weiterverfolgt wird.
Und das hoffe ich. Das ist auf einem Weg jetzt.
Weil wir haben auch vor der Pandemie schon gemerkt, dass wir eigentlich mit dem Personal, was wir haben, diese Anforderungen nicht täglich schaffen können.
Und jetzt haben wir das dauerhaft.
Und das ist was, was, wenn ich mir in die nächsten fünf Jahre denke, eigentlich nicht mehr geht.
Und da hoffe ich, dass das eben in Zukunft mehr Gehör findet und dass es besser abbildbar ist, was wir alles machen und wie viel Verantwortung wir auch haben.
Und dass es da Möglichkeiten gibt.
Und das ist das, was ich mir wünsche.
Ja, ich hoffe auch, dass da politisch mal was angegangen wird und auch wirklich was angegangen wird und nicht nur irgendwie alle neun Monate mal ein Pflegebonus ausgezahlt wird.
Damit ist das Problem nicht gelöst.
Und ja, wir haben jetzt ein bisschen Gehör gefunden, aber man hat auch das Gefühl, dass das jetzt genauso schnell wieder abgeflacht ist eigentlich, weil es funktioniert ja.
Weil wir hängen uns halt rein und machen es und dann springt man halt mal wieder ein und so.
Und dann wird der Laden irgendwie am Laufen gehalten.
Und ja, das ist ein bisschen schade, weil das auf unsere Kosten geht.
Und es steigen schon junge Leute aus dem Beruf aus, weil es einfach zu viel ist.
Das müsste nicht sein, wenn man da ein bisschen was von politischer Seite machen würde.
Das ist extrem schade.
Und wir haben schon gehört, also was ihr nicht unbedingt braucht, ist Applaus.
Aber was wären denn konkrete Dinge, die erforderlich wären, damit sich die Lage wieder entspannt bei euch?
Weniger schwerkranke Patienten auf einmal.
Das wäre schon mal sehr gut.
Mehr Personal wahrscheinlich.
Ja, natürlich.
Ja, und das liegt gar nicht unbedingt an der Bezahlung.
Klar wäre ein bisschen mehr Geld schön, weil wir einfach eine wahnsinnig große Verantwortung haben.
Also wir haben das Leben von diesen Patienten in unseren Händen.
Aber genau, mehr Personal.
Und ich glaube, es gibt viele Leute, die das interessant fänden, diesen Beruf, aber halt sagen, Schichtdienst, Nachtdienst.
Das geht nicht. Ich habe Kinder zu Hause. Das schaffe ich nicht.
Oder halt dieses Arbeitspensum einfach auf Dauer nicht schaffen.
Dann Rückenprobleme. So ein Klassiker eigentlich.
Weil die Patienten halt auch schwerer werden.
Ja, da muss man einfach was machen, dass die Arbeitsbedingungen an sich irgendwie angenehmer werden.
Ich glaube ja, eine 30-Stunden-Woche ist das neue 100 Prozent.
Dafür würde ich plädieren.
Weil, dass man mit 38,5 Stunden.
Bis zur Rente arbeitet, das ist selten.
Und wenn man das nicht tut, dann hat man nämlich doch zu wenig Geld.
Und das ist eben was, was ja auch ein Kontrollmechanismus ist, dass ich einfach nicht 100 Prozent arbeite, damit ich besser mit dem Arbeitspensum klarkomme.
Und dafür braucht man mehr Geld.
Und bei weniger Arbeitszeit.
Das ist mal, denke ich, ein konkreter Vorschlag, den du da so gemacht hast.
Und auch mal ein bisschen Orientierung bekommt, was vielleicht politisch mal umgesetzt werden müsste.
Wenn man nämlich so ein bisschen.
Wenn man so ein bisschen guckt, wie die Prognosen aussehen, die sind ja durchaus düster.
Und es steht ja schon ein erheblicher Pflegenotstand bevor, der wahrscheinlich uns als Gesellschaft auch alle betreffen wird.
Weil es ja nicht nur um Intensivstationen geht, sondern auch um ganz essentielle Bestandteile der Gesundheitsversorgung.
Also ich glaube, kreative Lösungen und Vorschläge sind gefragt.
Es ist ein Problem, das uns alle angeht.
Und Professionalisierung noch weiter.
Also da ist ja Pflege auch schon auf einem Weg.
Es gibt jetzt auch viele Möglichkeiten, Pflege zu starten.
Zu studieren, Pflegemanagement, Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik.
Und das weiterzuentwickeln und da auch in den Berufsfeldern halt mehr Möglichkeiten der Beschäftigung zu finden und anzubieten für Menschen, die das studiert haben.
Um sich einzubringen in diesem Gesamtkonstrukt Krankenhaus, Krankenversorgung, Gesundheitsversorgung.
Das ist Zukunft.
Ihr möchtet bestimmt an der Stelle vielleicht auch ein bisschen Werbung machen für zukünftige KollegInnen.
Vielleicht könnt ihr uns einmal sagen, was ihr denn besonders mögt an eurem Beruf und wie ihr es schafft, in eurem inneren Gleichgewicht zu bleiben.
Und also vielleicht habt ihr einen kleinen Lifehack für Entspannung bei der Arbeit.
Was ich besonders mag an meinem Beruf sind die Momente, wenn man da wirklich schwerkranke Patienten hat und es denen dann besser geht.
Und was eben jetzt über Weihnachten haben wir so viele Karten gekriegt.
Und das ist einfach so toll, wenn man dann nochmal wirklich sieht, was man geleistet hat und dass es sich gelohnt hat, diese ganze Arbeit da reinzustecken.
Oder wenn ein Patient Danke sagt.
Das tut einfach wahnsinnig gut, weil einem dann nochmal bewusst wird, dass man dem eben nicht nur das Überleben gerettet hat, sondern dass es ihm dabei vielleicht auch noch gut ergangen ist.
Also dass man sich für den Patienten so eingesetzt hat, dass er keine Schmerzen hatte.
Aber einfach, dass er sich den Umständen entsprechend wohl gefühlt hat, jetzt um es mal so auszudrücken und eben diese positiven Verläufe zu sehen.
Ja, das gibt ganz viel Sinnempfinden wahrscheinlich in dem Beruf.
Die Frage muss man sich nie stellen, ob der Beruf sinnvoll oder gerechtfertigt ist.
Und ja, was mein Gleichgewicht auf der Arbeit irgendwie dafür sorgt, ist, also wir haben ein unfassbar tolles Team bei uns und wir haben einen unfassbar tollen Zusammenhalt und dass man einfach mit den Kollegen dann auch
mal Quatsch redet.
Also wir sind natürlich jederzeit professionell, aber man muss halt auch einfach mal sich gegenseitig so ein bisschen foppen und Spaß haben bei der Arbeit und das ist bei uns möglich.
Und deshalb kommt man auch gerne dahin, auch wenn es noch so stressig ist.
Das ist sehr schön.
Lynn, wie geht es dir mit der Arbeit?
Also für mich ist es so, dass ich so dieses Flow erleben, wenn ich beim Arbeiten bin, total genieße.
Das gefällt mir und es fühlt sich einfach sinnvoll an.
Es fühlt sich sinnvoll an, eine Beziehung zu einem Menschen einzugehen, der dort liegt und aufzunehmen, was braucht er gerade, was tut ihm gut, was tut ihm nicht so gut und dann mit den Angehörigen zusammen.
Das ist irgendwie halt, ja, wie so eine Gruppe oder wie so ein Geben und Nehmen, wo ich halt das Gefühl habe, das fühlt sich total sinnvoll und richtig und wichtig an.
Und das ist natürlich super.
Ich meine, wo gibt es das, dass man zur Arbeit geht und das Gefühl hat, wow, ich habe hier irgendwie was geschafft.
Ja, und das fühlt sich gut an.
Und ein Arbeitshack oder Live-Arbeitshack.
Ich habe mal ganz früher so ein Stressbewältigungsseminar auch hier in der Klinik gemacht.
Und da ging es darum, wie kann man für sich selber sorgen bei der Arbeit, wenn man in einer stressigen Situation ist.
Und es gibt immer wieder Tage, da schafft man es kaum auf Toilette zu gehen oder was zu trinken zwischendurch.
Und da kam dieser Tipp, ich könnte mir ein Stück Schokolade mitnehmen.
Und das so im Mund zergehen lassen.
Und dann habe ich so bei mir gesagt und auch gedacht, ich habe die Zeit gar nicht.
Ja, dann renne ich wieder raus und habe dieses Stück Schokolade im Mund.
Und dann fragte sie mich, ja, wo gibt es denn einen Ort, wo du das tun könntest, wo du nicht gestört wirst?
Und dann sagte ich, auf der Toilette.
Und tatsächlich ist die Toilette ein sehr schöner Raum auf der Station.
Das ist der Fluchtraum für jeden.
Ja.
Mal wirklich kurz einfach Ruhe, ohne dass irgendjemand kommt und irgendwas fragt oder irgendwas bimmelt.
Und das ist ja ein Neubau, der ist wahnsinnig toll gestaltet, dieser Raum.
Also der hat gelbe Fliesen und ist indirekt beleuchtet.
Und ist auch nicht so mini. Und tatsächlich ist es so, diese Vorstellung mit einem Stück Schokolade im Mund, genießend und dann jetzt diese kleine Auszeit, zwei Minuten auf Toilette zu sitzen und da halt irgendwie sich einfach zu entspannen und kurz mal das Gefühl zu haben, okay, hier kann ich nicht gestört werden, das fühlt sich gut an.
Und das zweite ist Vertrauen. Also wir haben einfach in unserem Team unglaublich viel Vertrauen zueinander. Wir kennen uns gut, wir wissen, was der andere kann, was der eine kann, wir wissen die Stärken und Schwächen gegenseitig und nutzen das nie aus und haben einfach Vertrauen zueinander und es ist so wichtig.
Klingt nach einem sehr schönen Teamgeist.
Absolut. Richtig bewundernswert.
Wir freuen uns immer über neue Mitarbeiterinnen.
Ja, kommt zu uns, das ist super.
Das klappt sofort.
Ihr habt heute mehr als Werbung dafür gemacht, so wie ihr das hier wertschätzend detailliert und interessant dargestellt habt in eurem Beruf.
Und ich möchte auch mal sagen, nach allem, was ich jetzt heute gehört habe, meinen Respekt habt ihr. Hochachtung, dass ihr das so lange jetzt mitmacht und irgendwie dafür sorgt, dass ihr dabei gesund und stabil und funktionsfähig bleibt. Also es ist, glaube ich, wirklich nicht ohne gewesen die letzten zwei Jahre.
Es ist ein Beruf.
Und kein Job.
Genau, kein Beruf.
Wollen wir noch ein kleines Schlusswort machen? Also von unseren Gästinnen.
Gibt es noch was, was ihr unserer Hörerschaft mit auf den Weg geben wollt? So eine kleine Schlusspointe oder eine Zusammenfassung.
Also nochmal zum Thema Werbung für den Beruf. Auch wenn man so viel Schlechtes hört über den Beruf, es ist so stressig, Rückenschmerzen.
Auch schon aufgezählt haben. Es ist ein wahnsinnig toller Beruf, weil man eben was Sinnvolles macht, weil man den Menschen in lebensbedrohlichen Situationen oder auch psychisch schwierigen Situationen helfen kann, den Angehörigen helfen kann. Es ist einfach ein wahnsinnig toller Beruf.
Und sehr vielfältig. Und sehr verantwortungsvoll.
Das klingt sehr gut.
Für jeden was dabei.
Also Leute.
Werdet PflegerInnen und unterstützt die beiden.
Und unterstützt uns und das ganze Gesundheitssystem. Das ist überhaupt eine schöne Sparte. Ich kann das nur empfehlen.
Liebe Katharina, vielen Dank, dass ihr heute da wart. Es hat großen Spaß gemacht, euch zuzuhören und mit euch zu quatschen. Und wir hoffen auch, ihr zu Hause habt viel mitgenommen.
Wir wollten ja ursprünglich vor allem den Fokus auf die Belastung legen. Und jetzt haben wir halt doch aber ein sehr ressourcenorientiertes Ende gefunden, was aber auch schön ist, sodass wir nicht so belastet aus der Folge rauskommen.
Insofern hat das Ganze doch noch einen schönen Bogen genommen. Trotzdem soll das ja nicht über den Umstand hinwegtäuschen, dass ihr eine wahnsinnig belastende Zeit in eurem Beruf hinter euch habt. Und genau das sollte auch Anerkennung finden.
Auf jeden Fall.
Vielen Dank auch von meiner Seite.
Sehr gerne.
Und dann schalten wir jetzt hier aus.
Und schaltet bei unserer nächsten Folge wieder ein. Liked uns auf Social Media.
Lasst euch impfen.
Bis dann.
Tschüss.
Tschüss.
Untertitelung des ZDF für funk, 2017
Podcast Summary
Key Points:
Der Podcast „Jung und Freudlos" der Uniklinik Freiburg behandelt die Situation auf den Intensivstationen während der Corona-Pandemie mit zwei Pflegefachkräften als Gäste.
Die interdisziplinäre internistische Intensivstation behandelt ein breites Spektrum an Krankheitsbildern, wobei eine Pflegekraft in der Regel zwei Patienten versorgt.
Die Arbeit im Dreischichtsystem mit durchschnittlich zwei Wochenenden pro Monat stellt hohe Anforderungen an die Flexibilität und den Schlaf-Wach-Rhythmus der Pflegenden.
Corona-Patienten sind deutlich aufwendiger zu versorgen, insbesondere durch die Bauchlagerungstherapie, die 16 bis 20 Stunden dauert und mit erheblichem Personal- und Materialaufwand verbunden ist.
In der dritten Welle verstarben bis auf einen Patienten alle ECMO-Patienten, was eine erhebliche psychische Belastung für das Team darstellte.
Viele erfahrene Pflegekräfte haben die Station verlassen oder ihre Arbeitszeit reduziert, während neue Mitarbeiter erst die notwendige Expertise erlernen müssen.
Das Team nutzt Unterstützungsangebote wie eine neu gegründete Ballingruppe, Supervision und kollegialen Austausch zur Bewältigung der emotionalen Belastung.
Die Pflegenden wünschen sich politische Anerkennung, mehr Personal und nachhaltige strukturelle Verbesserungen statt einmaliger Pflegeboni.
Summary:
In dieser Podcast-Folge von „Jung und Freudlos" der Uniklinik Freiburg diskutieren die Gastgeber Ismene und Sebastian mit Linn Anne von Zeppelin, pflegefachliche Leitung der Medizinischen Intensivstation, und Katharina Dölle, Gesundheits- und Krankenpflegerin mit Intensivpflegeerfahrung, über die Belastungen auf Intensivstationen während der Corona-Pandemie. Die interdisziplinäre Station behandelt ein breites Spektrum internistischer Krankheitsbilder, wobei eine Pflegekraft üblicherweise zwei Patienten betreut. Besonders die Versorgung von Covid-19-Patienten erweist sich als äußerst aufwendig, da die Bauchlagerungstherapie mit erheblichem Personalaufwand verbunden ist und über viele Wochen durchgeführt werden muss.
Die Gäste berichten von einer enormen Arbeitsdichte, dem Verlust erfahrener Kollegen und der emotionalen Belastung durch zahlreiche Todesfälle. Besonders in der dritten Welle verstarben fast alle ECMO-Patienten. Zur Bewältigung nutzt das Team verschiedene Unterstützungsangebote wie eine neu gegründete Ballingruppe, Supervision und kollegialen Austausch.
Die Pflegenden äußern den Wunsch nach politischer Anerkennung, mehr Personal und nachhaltigen strukturellen Verbesserungen, da die derzeitige Belastung langfristig nicht tragbar ist.
FAQs
Die Bauchlagerung belüftet den unteren Bereich der Lunge, löst Sekret und ermöglicht einen besseren Gasaustausch. Dies ist besonders wichtig, wenn die Lunge durch Covid-19 geschädigt ist und nicht mehr effektiv atmen kann.
Die Patienten liegen 16 bis 20 Stunden auf dem Bauch und werden dann zwischen drei und vier Uhr morgens wieder auf den Rücken gedreht. Dieser Rhythmus wiederholt sich über mehrere Tage.
Die Arbeitsbelastung war erhöht, weil viele Patienten mehrere Wochen auf der Station lagen, komplexe Maßnahmen wie ECMO benötigt wurden und eine dauerhafte, hohe Arbeitsdichte entstand, ohne ausreichende Ruhephasen.
Angehörige haben stärkeren Kontakt und höhere emotionale Belastung erfahren, insbesondere bei plötzlichem Verschlechterung von Patienten. Die Betreuung ist oft komplexer und emotional anspruchsvoller geworden.
Die Pflegekräfte erleben hohe emotionale Belastung, einschließlich Wut, Traurigkeit und Burnout, insbesondere bei hohem Patientenverlust und dem Gefühl, dass die Arbeitsbelastung und die Risiken nicht ausreichend abgegolten werden.
Ja, es gibt z. B. Ballend-Gruppen, Supervisionen und regelmäßige Gespräche mit Kollegen, um emotionale Belastungen abzubauen und kollegiale Unterstützung zu finden.
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