Der Podcast „Jung und Freudlos“ präsentiert eine Hörer-Folge, die auf direktes Feedback der Zuhörerinnen und Zuhörer basiert. Thematisch wird ein breites Spektrum abgedeckt: von Angst, Selbstverletzung und Hypochondrie über Autismus und Borderline bis hin zu Beziehungen mit narzisstischen Persönlichkeiten. Besonders hervorhebt das Gespräch, dass psychische Erkrankungen vielschichtig und individuell sind – es gibt keine einheitliche Beschreibung, und das Verständnis wird durch persönliche Erfahrungen ergänzt. Dabei wird zum Beispiel die Rolle von Apothekern als Beratungspartner betont, da sie oft unerkannt als wichtige Ansprechpartner im Gesundheitssystem fungieren. Bei Fragen zum Wahn und Verschwörungstheorien wird unterschieden: Wahn erfordert kulturelle Unangemessenheit, während Verschwörungstheorien oft kulturell verankert sind. Zukunfts- und Versagensängste werden als häufige, aber nicht pathologische Erfahrungen beschrieben, die sich in Stresssituationen verstärken können. Eine zentrale Botschaft ist, dass Selbstreflexion und Selbsterfahrung in der Psychotherapieausbildung unerlässlich sind, um eigene Reaktionen, Grenzen und emotionalen Trigger zu erkennen. Der Podcast unterstreicht damit die Notwendigkeit, empathisch, offen und vielschichtig auf psychische Themen zu reagieren – ohne zu vereinfachen oder zu verallgemeinern. Die Bandbreite der Erlebnisse zeigt, dass therapeutische Ansätze individuell und kontextbezogen sein müssen, um wahrhaft wirksam zu sein.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Jung und Freudlos, eurem Podcast aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.
Und wer sind wir, die wir hier sitzen? Wir sind drei Personen. Zu meiner linken Seite sitzt der hervorragende Moritz, unser Kinderarzt des Vertrauens aus einer Kinderklinik hier im Umland.
Zu meiner rechten sitzt, und Achtung, das ist jetzt neu, Sebastian. Sebastian ist nicht neu, aber Sebastian ist neuerdings Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Herzlichen Glückwunsch!
Ich hab's tatsächlich geschafft, ja.
Genau, und er hat uns auch auf eine Weise verlassen und arbeitet nicht mehr bei uns.
Nee.
Sondern ist jetzt als Oberarzt tätig in einer psychiatrischen Klinik, wir sagen nicht genau welche, auch hier in der Umgebung.
Richtig.
Genau, und ich bin es mir, nämlich kennt ihr, bei mir hat sich gar nichts geändert, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in der Uniklinik in der Ambulanz.
Und stellt chronisch ihr Licht unter den Scheffel.
Ja, allerdings.
Es wird Zeit, das Video wieder vorstellen, glaube ich.
Das könnte ich dir gut, ja.
Schön, dass wir uns heute wieder hören. Die Folge ist ein bisschen verspätet, verzeiht's uns bitte. Irgendwie kommen wir mit Arbeit und Leben manchmal mehr, manchmal weniger klar.
Diesmal war es vielleicht weniger.
Dafür wird die Folge vielleicht eine besondere, denn es ist keine klassische Themenfolge, sondern seit langem mal wieder eine HörerInnen-Folge,
wo wir uns dem widmen wollen, was ihr uns so habt zukommen lassen an Fragen, an Anregungen und an Anmerkungen.
Seht's uns gleich nach, wenn wir nicht alles, alles beantworten können.
Ich glaube, das wäre tatsächlich unmöglich gewesen, oder wir würden übermorgen immer noch hier sitzen und versuchen zu podcasten.
Deswegen haben wir so ein bisschen versucht zu filtern und Sachen rauszusuchen, die vielleicht für euch alle da draußen relevant sein können.
Wie gesagt, seid uns nicht böse, wenn nicht alles genannt werden kann.
Bevor wir loslegen.
Ich habe da drei Oder-Fragen in hässlichster Schrift auf mein Zettelchen gekritzelt.
Und ich würde sagen, auch wenn ich jetzt eigentlich vor Ehrfurcht dahin schmelze, weil ich hier mit zwei FachärztInnen an einem Tisch sitze, das ist ganz absonderlich.
Kannst du mal deine Füße vom Tisch nehmen, bitte.
Dann setz dich mal richtig hin.
Die Oder-Fragen bleiben die Oder-Fragen. Und ich fange direkt an. Ismene für dich.
Meer, Teer oder Rindenmulch?
Meer.
Meer.
Meer.
Meer.
Meer.
Einfach.
Wirklich? Ich dachte, du bist so voll die Rindenmulch-Tante.
Also Rindenmulch habe ich erst vor kurzem so kennengelernt als Begriff.
Vorher habe ich immer, ich wusste, was das ist, aber ich hatte kein Wort dafür.
Wie hast du es genannt? Pöppel aus Holz.
Eine Holzschnipsel.
Und eine Patientin von mir in der Diagnostik, da zeige ich manchmal so Bilder mit Säden drauf, da hat sie gesagt, sie sieht da ein Rindenmulchbecken mit einem Spielplatz drauf.
Und da war ich schwer beeindruckt, dass sie weiß, wie man das nennt.
Das war eine sehr gute Vorbereitung auf diese Oder-Frage.
Da habe ich was gelernt.
Über Rindenmulch.
Aber ich gehe lieber ins Meer als in den Rindenmulch.
Du alte Meer-Nixe. Okay.
Sebastian, Barfuß, Zehensandale oder Sneaker mit Socken?
Barfuß. Auch wenn ich jetzt gerade nicht darf, aber Barfuß ist toll.
Wer hat es dir verboten?
Ach so, die Gesellschaft so ein bisschen. Also ich glaube, ich darf Barfuß A nicht Autofahren und B ist Barfuß-Therapie machen auch gefährlich, weil wenn man Leuten auf die Füße steht, dann tut es nicht weh genug.
Hahaha, genau über dieses Bild.
Der Sebi. Auch als Oberarzt hat er seinen Humor nicht verloren.
Okay. Nächste Frage. Ismene, eisgekühlt, aufgewärmt oder blanchiert?
Im Moment natürlich eisgekühlt. Ja, es ist Sommer, es ist heiß, es ist schwül. Wir haben 100 Grad hier im Dachstudio.
Da ist man ganz blanchiert, ne?
Eisgekühlt, genau. Ich bin blanchiert und möchte ein eisgekühltes Getränk.
Okay. Und Sebi, du? Meeresfrucht, Fruchteis oder Fruchtbarkeit?
Meeresfrucht. Also hatte ich am Sonntag auf der Pizza, wobei mir ging es gestern.
Dann am Montag nicht so gut und ich hatte Bauchschmerzen und alles.
Vielleicht nehme ich dann doch lieber ein Fruchteis. Das verträgt ich ja.
Das ist zumindest harmloser, das stimmt. Je nach Frucht vielleicht.
Ja.
Passt aber auch zum Wetter.
Okay, letzte Runde. Ismene, Sonnensegel, Sonnenhut oder Sonnenbrand?
Sonnenhut, denn ich lege Wert auf möglichst wenig Hautalterung.
Ich nehme den Lichtschutzfaktor 50. Sonnenbrand ist mir eng raus.
Was war das andere? Sonnensegel habe ich nicht.
Der Balkon ist nur ein Quadratmeter groß.
Könntest du ein Sonnensegelchen haben?
Und ich habe einen Sonnenhut am Sonntag von meinen Schwiegereltern geschenkt bekommen.
So ein Schlappi, also der so runterhängt über die Augen.
Ja, der hängt tatsächlich, wenn ich gerade gucke, runter, sodass ich nichts sehen kann.
Und hat so ein schwarz-weißes Haarentritt, nennt man das, oder?
Ein Muster, so ganz fancy. Brigitte Bardot-Hut, haben sie mir gesagt.
Wenn uns mindestens fünf Leute schreiben, gibt es ein Bild von Ismene in diesem Hut auf Instagram.
Vielleicht.
Okay, Sebi, letzte Frage.
Finde ich Beach-Club, Fight-Club oder Club-Tanz?
Och, Mann, also ja, gehen wir in den Beach-Club, ja.
Bist du nicht so der Club-Tanz-Typ, so Animation am Pool?
Club-Tanz, ist das jetzt genau, also was ist ein Club-Tanz eigentlich?
Ach so, ich hätte jetzt nicht an Disco, also nicht Tanzen im Club, sondern nee, eher so Macarena am Pool.
Oh, Macarena am Pool, ja, das ist auch nicht so meine Umgebung eigentlich.
Nee, dann gehe ich doch lieber.
Dann könntest du aber Barfuß tanzen, ne?
Ja, aber am Beach, am Beach-Club erst recht, ne?
Okay, was ist jetzt die Antwort?
Ja, Beach-Club.
Okay.
Klar.
Aber es ist ja voll, voll Sommer-Themed heute, ne?
Voll.
Ja, okay.
Total.
Wie kontern wir?
Ja, ich habe da zufällig auch, also, weil ich so originell war heute, sind mir genau solche Sachen eingefallen.
Pass mal auf, Moritz.
Kokoswasser, Ananaswürfel oder Rumpur?
Ananaswürfel.
Kokoswasser, finde ich, irgendwie kam ich nie so richtig drauf klar und Rumpur.
Weißt du, wer Kokoswasser sehr gerne mag?
Sag's.
Unser, unser Technik.
Unser Dr. Simon.
Oh, der Dr. Simon.
Er mag Kokoswasser.
Ja, das hat er immer getrunken.
Ihr hört ihn nicht, aber jetzt wisst ihr zumindest ein kleines Geheimnis, ein kleines Geheimnis über ihn.
Ja, und warum nicht Rum?
Ja, das ist nicht erwünscht, ne?
Also, ich trinke tatsächlich nicht so gerne Rum, aber wenn ich, selbst wenn, hätte ich es jetzt hier nicht laut gesagt.
Okay.
Bin zu verschämt.
Okay, ich habe nur so eine Frage auf Ametaebene leider gefunden.
Gut zuhören.
Und, oder, und, oder?
Oder, oder.
Das ist definitiv zu spät für die Beantwortung dieser Frage.
Also, es ist mega schwierig zu beantworten und gleichzeitig habe ich das Gefühl, wir haben es trotzdem schon mal.
Nee, glaube ich nicht.
Echt, ich bin mir nicht sicher.
Hoffentlich kein Plagiat, sonst machen sie denn mit mir die Baerbock hier.
Ist das eine Antwort, ja?
Ja, klar, und ist eine Antwort.
Oder wäre auch eine Antwort gewesen.
Und, oder wäre auch eine Antwort gewesen.
Und?
Und, warum?
Ja.
Okay.
Alles klar, danke.
Ich habe noch eine.
Wenn du jetzt gezwungen wärst, entweder eine lange Hose oder ein langes Oberteil anzuziehen, was würdest du tun?
Lange Hose.
Lange Hose, versuchen hochzukrempeln, kurze Socken und dann hat man fast das Gefühl einer kurzen Hose.
So wie Sebi das heute gemacht hat.
As shown here.
Yes.
Ja, wenn ihr da draußen eine Idee habt für ein anderes Warm-Up-Spiel, weil wir alle uns irgendwie inzwischen ein bisschen schwer tun mit neuen Oder-Fragen, dann gerne her damit mit den Vorschlägen.
Wir freuen uns.
Die waren gut, aber es wird immer anstrengender.
Es ist voll.
Wirklich anstrengend, ja.
Okay.
Also, jetzt haben wir die Herausforderung, heute uns durch wirklich viele Fragen zu wühlen, sage ich mal.
Erstmal an dieser Stelle vielen Dank an alle Menschen, die uns schreiben.
Es ist wirklich beeindruckend und zwar jedes Mal aufs Neue für uns, wie viele Leute Anteil nehmen, sich Gedanken machen, zum Teil kluge, zum Teil sehr schwer zu beantwortende Fragen stellen oder auch einfach nur Sachen mitteilen.
Jedes Einzelne ist eine Bereicherung.
Wir schaffen es nicht immer adäquat und schnell genug zu antworten.
Ich habe das nie.
Nie finde ich jetzt sehr.
Wir schaffen es selten, aber irgendwann.
Unsere erste Fragenrunde geht so ein bisschen zum Thema Autismus.
Ist ja was, was wir schon öfter hier besprochen haben.
Eins von Ismenes Lieblingsthemen, wie ihr vielleicht mitbekommen habt.
Ich stelle einfach mal die Frage und ihr beantwortet dann.
Dann hangeln wir uns so durch, würde ich sagen.
Da schreibt uns eine Hörerin die Frage, wohin man sich anfangs denn wenden kann, wenn man sozusagen den leisen Verdacht hegt, dass man eventuell selber irgendwo sich auf dem Spektrum befindet.
Zudem stellt sie die Frage, ob man also oder sie.
So ein bisschen die Angst geäußert, als Hypochonderin oder Hypochonder wahrgenommen zu werden.
Was ich ganz interessant fand, weil man Hypochonder, glaube ich, häufig in Kontext somatischer Krankheiten sieht.
Also wenn man Angst hat, schwer, weiß ich nicht, an Krebs zu erkranken, obwohl man vielleicht gerade nur nur in Anführungszeichen Bauchschmerzen hat.
Sozusagen gibt es denn die Hypochondrie auch im Kontext Psychoerkrankungen?
So, das sind unsere zwei Antiksfragen.
Ihr dürft loslegen.
Genau, ich sage da gerne was dazu.
Vor allem, du hast die Kleine jetzt weggelassen, hatte sehr Sorge, wenn sie das in der Psychotherapie äußert.
Was hier dort als Hypochonderin gilt und eben wohin man sich wenden könnte.
Also ich würde sagen, wenn es eine Psychotherapie schon gibt, dann wäre das durchaus der richtige Ort, um das dort anzusprechen.
Oder wenn man noch keine Behandlung hat, dann wäre es ganz gut, da vielleicht zumindest einen Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie aufzusuchen und das dort zu besprechen.
Ich habe in der letzten Zeit immer wieder PatientInnen gesehen in der Sprechstunde, die aus verschiedenen Gründen,
sich vorgestellt haben und das ist oft gar nicht so, dass von der Behandlerseite der Verdacht erstmals geäußert wird,
sondern das sind oft irgendwie Angehörige, das weitere Umfeld oder eben die Betroffenen selbst, die zuerst auf die Idee kommen und die das dann ansprechen.
Und oft ist es dann auch so, dass die Reaktion eher ist, ach ja, interessant, dass sie das sagen.
Ich hätte den Verdacht auch schon gehabt, aber ich wollte es noch nicht ansprechen.
Also da würde ich schon eher zu ermutigen, das einfach zu machen, weil es ist doch irgendwie noch ein spezielles,
spezielles Thema, nicht jeder ist so firm darin und bevor da irgendwas übersehen wird, würde ich es einfach mal ansprechen und dann kann man dem ja nachgehen.
Und wie ist es mit der Angst, mit der Hypochondrie? Habt ihr schon mal gesagt?
Sie sind aber hypochondrisch im Kontext psychischer Erkrankungen?
Hast du das schon mal gesagt?
Ne, das habe ich nicht gesagt. Das finde ich auch nicht so professionell.
Also man kann das natürlich schon irgendwie mal sagen, wenn echt eine Hypochondrie vorliegt, aber dann haben wir das davor ja auch irgendwie besprochen und abgeklärt.
Wenn sich jetzt jemand eben sehr besorgt darüber zeigt, irgendwie verschiedene Erkrankungen zu haben, dann hat das ja meistens irgendeinen Hintergrund, irgendeinen Leidensdruck.
Und da fände ich es jetzt echt blöd, sich darüber lustig zu machen.
Das würde ich schon tendenziell ernst nehmen. Es gibt sicherlich Patienten, die immer sehr stark versuchen zu gucken, was könnte ich denn alles haben?
Und das kann sicherlich auch Ausmaße annehmen, die dann nicht mehr besonders hilfreich sind oder problematisch werden oder zum Beispiel irgendwie auch eine Therapie einfach überhand nehmen anstatt von anderen Themen.
Und dann ist es sicherlich auch wichtig, das mal so zu diskutieren.
Aber so per se das abbiegeln würde ich nicht.
Und ich hoffe auch, dass es nicht so häufig passiert, wobei natürlich kann es ja schon in der einen oder anderen unglücklichen Situation mal vorkommen.
Ich würde dann hoffen, dass die oder derjenige sich nicht abbringen lässt davon und das trotzdem weiter verfolgt.
Okay, auf jeden Fall ein spannender Punkt, weil ich glaube, das ist so was, wo man vielleicht gar nicht so häufig nachdenkt, die Angst davor als Hypochonder oder Hypochonderin zu gelten, wenn man sozusagen Sorge hat, psychisch erkrankt zu sein in irgendeiner Form.
Also ich muss sagen, ich kann da schon mitgehen, weil ich kann die Angst nachempfinden.
Die Angst, Hypochonderin zu sein?
Ja, oder also ich sag mal so das Gefühl.
Wenn man irgendwie zu Ärzten geht, da mit seinem Anliegen nicht ernst genommen zu werden oder irgendwie die Befürchtung selbst zu übertreiben.
Ich weiß nicht, ob das eine Mediziner-Innen-Erkrankung ist oder nicht.
Also man kommt ja manchmal dann auch auf abstruse Ideen.
Aber tatsächlich sind die Reaktionen, glaube ich, in der Regel nicht so, wie man denkt.
Was spinnen Sie?
Wie kommen Sie auf die Idee?
Sie sind ja total verrückt.
Nee, passiert nicht, glaube ich.
Zum Glück.
Okay.
Sehr gut, Frage 1 beantwortet.
Dann ist die nächste Frage, die schrappt nur den Autismus, würde ich sagen.
Da geht es nämlich so ein bisschen, also unsere zweite, nee, dritte, ich korrigiere, dritte Folge zum Thema Autismus,
hieß ja Autismus und Frausein, weil wir eine ganz wunderbare Gästin hatten, die sich selber klar als Frau identifiziert.
Und wir haben so ein bisschen das Frausein im Kontext Autismus in den Fokus genommen.
Woraufhin die Reaktion kam, wann denn eigentlich die Folge zu Autismus und Nicht-Binärsein kommt.
So ein bisschen kombiniert mit der Kritik vielleicht.
Dann einmal unserer Sprache, aber auch unserer Haltung gegenüber Menschen, die nicht binär sind.
Vielleicht dazu eher ein Statement, das ist ja keine konkrete Frage.
Also doch, die Frage ist konkret, aber es geht vielleicht eher um ein Statement dazu.
Genau, die Frage ist ja, glaube ich, ein bisschen sarkastisch gemeint, wie ich es verstehe.
Also das kann man so ein bisschen aus dem Subtext herauslesen.
Und ich glaube, da gibt es mindestens zwei verschiedene Aspekte.
Also der eine Aspekt ist ja, wir haben jetzt halt so der Gelegenheit, eine Person interviewt.
Die sich als Frau identifiziert.
Es wäre wahrscheinlich die etwas modernere Variante, im Vergleich mit zu sagen, die eine Frau ist.
Und ich glaube, dass das halt für ganz viele Betroffene, die sich auch als Frauen identifizieren, in dem Bereich ganz interessant und hilfreich ist, so eine Folge sich anzuhören.
Anscheinend oder logischerweise natürlich nicht für Menschen, die sich jetzt weder als Mann noch als Frau identifizieren.
Und das soll aber überhaupt nicht heißen, dass wir diesen Menschen nicht auch gerecht werden.
Oder dass wir diese Menschen ignorieren.
Und also das Thema Autismus und nicht binär sein oder Autismus und sexuelle Identität an sich wäre tatsächlich ein sehr interessantes Thema, wo wir uns überhaupt nicht gegensperren, das auch mal zu besprechen.
Allerdings ist es halt auch ein spezielles Thema, da bräuchten wir, glaube ich, schon gute Gesprächspartner, Pause innen.
Und das ist nämlich der andere Punkt, der da gemeint ist, dass unsere Sprache halt nicht ganz konsequent nicht-binäre Geschlechter inkludiert.
Weil wir manchmal sagen, Ärztinnen und Ärzte und nicht jedes Mal diese Gap mit aussprechen.
Und ich glaube, das liegt zum einen daran, dass wir das einfach noch nicht hundertprozentig verinnerlicht haben, auch wenn wir uns da bemühen.
Bei manchen Wörtern funktioniert es auch einfach nicht so gut, finde ich.
Also den Arzt, die Ärztin, da wüsste ich jetzt gar nicht, wie ich das in einem Schwupp vereinheitlichen kann.
Und wir sind da aber durchaus bereit und bemüht, auch weiter zu lernen.
Bitte versteht.
Das ist nicht so, dass wir da bewusst irgendjemanden diskriminieren oder ignorieren möchten.
Das ist so überhaupt nicht gemeint.
Oder, Sebastian?
Nein, das ist nicht so gemeint.
Ich habe auch, ehrlich gesagt, gerade in den letzten Monaten zu dem Thema noch mal viel gelernt, zu queeren Themen und allen.
Und man möge uns nachsehen, dass wir da auch, glaube ich, wie die ganze Gesellschaft noch in einem Lernprozess stecken.
Zudem solche Rückmeldungen natürlich irgendwo auch beitragen.
Und ich hoffe, dass es irgendwie rübergekommen ist.
Genau, aber wir sind auf jeden Fall stets bemüht und wir freuen uns auch trotzdem über Anmerkungen.
Vielleicht kriegen wir nicht alles sofort in der nächsten Folge umgesetzt, aber wir arbeiten dran.
Okay, das waren so ein bisschen die zwei Sachen zu Autismus.
Ich würde jetzt mal so ein bisschen weiterspringen.
Nächstes Thema auf unserer Agenda war die Folge zu selbstverletzendem Verhalten, wo wir so ein bisschen offen gefragt haben.
Wie sind eure Erfahrungen?
Was ist euer Bedürfnis sozusagen?
Wenn es darum geht, wollt ihr darauf angesprochen werden?
Soll man das eher ignorieren?
Wie wünscht ihr euch den Umgang damit?
Und da gab es relativ viele Rückmeldungen.
Vielleicht können wir die einfach so ein bisschen subsumieren.
Ja, also wir haben eine Rückmeldung über Instagram bekommen.
Und da hatte uns eine Hörerin geschrieben, dass sie zumindest in der Phase, als sie noch akut selbstverletzendes Verhalten hatte,
schon Schwierigkeiten hatte, darauf angesprochen zu werden und dann auch abgeblockt hatte.
Aber auch sagt, es ist jetzt eine Weile her und mittlerweile hat sie gelernt, darüber zu reden.
Und kann eigentlich auch halbwegs offen damit umgehen.
Und sie sagt, es ist in den ersten Erfahrungen manchmal schwierig gewesen, weil die Leute eher vorwürflich gegenüber gewesen wären.
Und sie sagt an der Stelle, Empathie hätte ihr besser geholfen und das würde es ihr leichter machen.
Aber generell würde es mit der Zeit leichter machen.
Also das heißt grundsätzlich in einer empathischen Art und Weise auf so jemanden, also jemanden auf offensichtliche Narben oder Verwundungen anzusprechen, scheint schon zu gehen.
Kommt halt darauf an, wie man es macht.
Gleichzeitig, ich glaube auf YouTube war der andere Kommentar von auch einer Hörerin,
die schreibt, dass sie sich nicht so für andere offensichtlich selbst verletzt hat meistens, aber doch ein paar Narben auch davon getragen hat.
Und die eher sagt, sie würde lieber nicht darauf angesprochen werden.
Und falls sie doch mal jemand darauf anspricht, findet sie da vielleicht auch eine kleine Ausrede.
Und das zeigt dann doch irgendwie, dass bei aller Bemühung wir wahrscheinlich keine Pauschalen machen.
Wir können eigentlich keine pauschale Handlungsanweisung geben.
Es gibt nicht die Lösung.
Also das scheint sehr individuell zu sein.
Insofern können wir nur sagen, hört auf euren Bauch.
Ja und man hört ja schon bei beiden raus, dass potenziell, glaube ich, Zurückhaltung wahrscheinlich nicht verkehrt ist.
Nicht im Sinne von Vermeidung, sondern einfach, dass man da vielleicht sich so ein bisschen rantastet.
Was letztendlich vermutlich irgendwie mit der Empathie dann einhergeht.
Aber jetzt doch nicht das Thema, was man mal eben so. Neipendresen ansprechen sollte.
Zumindest nach dem, was wir jetzt da so gehört haben.
Ja.
Aber da ganz wertvoll, da haben uns auch wirklich viele verschiedene Leute geschrieben.
Und da sind wir immer sehr dankbar, weil das einfach nochmal was anderes ist, wenn man das sozusagen aus erster Reihe erfährt.
Okay, dann nächster Themenwechsel.
Es gibt heute, wie würde es mir nicht sagen, es ist eine Mannigfaltigkeit an Themengebieten, die wir hier eine nach dem anderen abhandeln.
Ganz korrekt.
Die Frage ist, die wurde uns, glaube ich, per YouTube gestellt.
Ist der Off-Label-Use von. Neuroleptika zum Schlafen nicht mehr empfohlen.
Die Frage per se ist ja schon mal relativ speziell.
Jetzt würde ich euch vielleicht bitten, kurz erstmal für die Hörerinnen und Hörer zu erklären, was heißt denn Off-Label-Use?
Das ist ja jetzt. Also gut, man kann es sich irgendwie aus dem Englischen herleiten.
Trotzdem ist es, glaube ich, Menschen, die nicht aus dem medizinischen System stammen, erstmal kein klarer Begriff.
Vielleicht deshalb erstmal die Klärung, was heißt denn, wenn man ein Medikament Off-Label-Used?
Ja, also Medikamente werden für bestimmte Anwendungen zugelassen und meistens auch ganz speziell für eine Anwendung.
Nehmen wir mal zum Beispiel das. Antipsychotikum, Arepiprazole, Entschuldigung.
Das ist eigentlich zugelassen zur Behandlung von Schizophrenien und Manin.
Jetzt wird Arepiprazole aber zum Beispiel ganz häufig Off-Label eingesetzt zur Behandlung von depressiven Episoden, von Zwangsstörungen.
Das ist so ein bisschen eine Erwägenssache.
Es sollte natürlich irgendwie von Leuten eingesetzt werden, die ein bisschen Erfahrung damit haben.
Aber manche Medikamente haben halt auch bei anderen. Störungsbildern, sage ich jetzt mal, eine Wirksamkeit, eine gewisse Wirksamkeit und können daher Off-Label eingesetzt werden.
Das erfordert aber eben immer eine spezielle Aufklärung über diesen Off-Label-Einsatz.
Das ist jetzt eben nicht verboten, wie manche denken würden, sondern durchaus gängig, Medikamente Off-Label einzusetzen.
Es setzt eben nur voraus, dass der Patient darüber informiert wird, dass es ein Off-Label-Use ist.
Okay, das heißt, man nutzt ein Medikament einfach für eine bisschen andere Sache als für das, wo es primär benutzt wird.
Und dann ist eben die. Mhm.
Voraussetzung, wie du sagst, dass man das mit der Patientin, dem Patienten bespricht und auch klar macht, dass es eben sich um ein Off-Label-Use handelt.
Genau.
Okay.
Und jetzt in der Frage geht es ja um den Off-Label-Use von Neuroleptika zum Schlafen.
Vielleicht könnt ihr das erstmal kurz erklären, was das denn heißt und dann vielleicht die Frage beantworten, ob man das jetzt macht oder nicht.
Mhm.
Also das würde dann heißen, dass man Neuroleptikum, jetzt zum Beispiel Quetiapin, weil man weiß, dass es auch sehr gut schlaft.
Stoßend wirkt.
Als Schlafmittel verwendet.
Und man zu den PatientInnen sagt, hören Sie zu gegen Ihre Schlafstörungen.
könnten wir Ihnen zum Beispiel Quetiapin geben. Das ist eigentlich ein Antipsychotikum, aber wir machen die Erfahrung, dass es sehr gut zum Schlafen hilft. Deswegen würden wir das bei Ihnen versuchen. Und natürlich muss dann auch eine Aufklärung über Wirkungen und Nebenwirkungen erfolgen. Und genau, das wäre der Off-Label-Use von Quetiapin.
Und das ist tatsächlich in der Klinik eine sehr weit verbreitete, gängige Praxis. Und ich glaube, das hatten wir, ich weiß ja nicht mehr genau unserem Wortlaut, aber darum ging es in dieser Folge, auf die sich die Frage bezieht, ja im Wesentlichen, was für Medikamentengruppen kann man zum Schlafen verwenden, auch wenn es nicht als Schlafmittel zugelassen ist. Und da hatten wir es von Antidepressiva und auch Antipsychotika und noch ein paar anderen Medikamentengruppen.
Genau, und ein Knackpunkt ist auch so ein bisschen, es wurde uns noch,
einen Artikel zugeschickt, der eben zum Beispiel sagt, dass Quetiapin kein Schlafmittel ist. Und da wird jetzt zum Beispiel auf die Leitlinie für Schlafstörungen verwiesen. Und glaube ich, ganz wichtig ist, dass wir über Schlafstörungen im Kontext von psychischen Erkrankungen reden und nicht über primäre Schlafstörungen.
Das heißt, wenn jemand eine isolierte Schlafstörung hat, dann würde man nicht mit einem atypischen Antipsychotikum in erster Linie behandeln. Das ist tatsächlich nicht leitliniengerecht.
Das kann sein, dass so etwas ganz, ganz arg schwierig zu behandeln ist, dass man trotzdem irgendwann nochmal,
so ein Off-Label-Use in Betracht zieht. Aber wir haben häufig ja zum Beispiel Schlafstörungen durch depressive Episoden, Schlafstörungen durch Manien, Schlafstörungen durch Psychosen. Und da kann man diese Medikamente eben sehr wohl einsetzen.
Unter der genannten Voraussetzung, dass man eben mit den Patientinnen bespricht, dass es ein Off-Label-Use ist.
Also man würde ohnehin, und das finde ich gut, Clinical Practice bei jedem Medikament über Nebenwirkungen aufklären, weil einfach das ethisch richtig ist und ist natürlich auch ganz wichtig, weil sich Patienten natürlich dieses Medikament,
weiternehmen müssen und bei der Therapie informiert sein müssen. Und deswegen tun wir das sowieso.
Umso besser, muss man ja sagen.
Okay, die nächste Frage. Also jetzt waren wir so ein bisschen pharmakologisch unterwegs. Es geht nämlich um Medikamente. Die nächste Frage hat vielleicht entfernt, oder das ist gar nicht so eine richtige Frage, aber hat entfernt auch mit Pharmakologie zu tun.
Und zwar hat uns eine Apothekerin geschrieben und da schwangen sie ein bisschen mit. Hey Leute, eigentlich habt ihr uns irgendwie noch überhaupt nie erwähnt. Und das stimmt, da müssen wir uns wohl entschuldigen.
Das ist irgendwie, ist ganz absonderlich vielleicht, weil man ja eigentlich als, denkt so, Ärzt*innen sind nahe verbunden mit Pharmazeut*innen, aber irgendwie ist es so in der Praxis dann doch nicht so arg und man kriegt nicht so viel voneinander mit, glaube ich.
Und die Frau hat uns geschrieben, dass man ja als Apothekerin oder Apotheker wirklich häufig auch Ansprechpartner ist für Fragen zu zum Beispiel Schlafhygiene, zu Schlafmitteln, zu wahrscheinlich allen irgendwie Medikamentengruppen.
Und jetzt habe ich, glaube ich, das eigentlich schon beantwortet.
Was wollten wir sagen, dass man daran denken muss?
Wir hatten es nicht auf dem Schirm.
Genau.
Und eben, also sie hatte vor allem ja auch gesagt, dass sie in dem Rahmen auch oft Schlafhygieneberatung macht und da hätte ich jetzt wirklich nicht dran gedacht, dass das auch Apotheker*innen, dass sie sich damit vielleicht auch gut auskennen, weil sie oft gefragt werden, weil der Arzt anscheinend nie Zeit hat, hatte sie geschrieben.
Ich weiß nicht, ob das von der ganzen Apotheker*innen-Lobby gewünscht ist, dass wir das als Empfehlung aussprechen zur Apotheke zu gehen.
Um sich dort beraten zu lassen.
Das ist jetzt ja ein Einzelfallbericht, aber ich glaube, vielleicht ist es doch gut zu wissen für den oder die ein oder andere, dass es da noch kompetente Ansprechpartner an jeder zweiten Straßenecke potenziell gibt.
Ich glaube, wir vergessen manchmal, was die Apotheker*innen alles so wegfedern für das medizinische System.
Aber das ist die Sache, ich glaube, das ist, weil man als Ärztin, Arzt nicht so häufig in die Apotheke geht tatsächlich oder nicht zu einer Beratung führt.
Total, mir wurde mal als Kundin das Leben gerettet in der Apotheke. Das war irgendwie in der Zeit von einem Ärztestreik und ich hatte irgendwie ein stark juckendes Hautproblem.
Und da wurde ich dann in so eine kleine Kabine geholt, die haben sich das angeschaut, haben mir dann natürlich eine Kortisonsalbe gegeben, weil das wirkte immer und dann war ich gerettet.
Das hätte dir ja sogar ein Dermatologe verschreiben können.
Ja, aber ich gab es ja nicht. Ich weiß nicht mehr genau, ob es Ärztestreik oder Weihnachten war. Es gab irgendwie ein großes Versorgungsproblem.
Und da wäre ich dann auch extrem froh. Die hätten ja auch sagen können, bin ich Arzt?
Okay, also zukünftig erweitern wir auf jeden Fall vielleicht das Spektrum an Menschen, die irgendwie beteiligt sind an dieser ganzen Kette Gesundheitssystem, auf jeden Fall auch um die Apotheker*innen, die da wahrscheinlich eine wirklich wichtige Rolle spielen, was wir leider bisher nicht so richtig erwähnt haben.
Aber vielen Dank für den Hinweis. Ich glaube, das ist wirklich relevant.
Okay, ich weiß gar nicht, wie ich inhaltlich Überleitungen schaffen soll. Ich denke, weil es so unnatürlich wirken würde, versuche ich es gar nicht.
Also, die Frage geht so ein bisschen. Also, die war gestellt zur Folge Mental Health First Aid, wo wir mit einer Kollegin und einem Kollegen aus Mannheim gesprochen haben, die diese Kurse anbieten, was wirklich eine ganz große Errungenschaft ist.
Und ihr beiden seid ja eigentlich da auch Instruktoren. Also, ich sitze ja hier sozusagen im MHFA-Epizentrum.
Und die Frage bezieht sich jetzt gar nicht so speziell auf Fragen zu MHFA, sondern eher so auf Notfälle, vielleicht auch im psychischen oder im Kontext psychischer Erkrankung.
Und zwar schreibt die Person, ich neige durch berufliche Vorbelastung dazu.
Verwirrte, sich gefährdende Menschen zu entdecken und mich dann zu kümmern. Bisher habe ich eher die Polizei gerufen. Wäre die 112 nicht eigentlich richtiger?
Also, zuerst mal gibt es eine Medaille von mir, weil so viel Hilfsbereitschaft und Heldenmut, das höre ich gerne. Das finde ich großartig.
Unter der 110 ist ja die Polizei zu erreichen. Und unter der 112 denkt man ja häufig immer an die Feuerwehr.
Die 112 wurde aber, glaube ich, in den meisten Kommunen und Bezirken eigentlich zu einer zentralen Leitstelle ausgebaut. Das heißt, bei der 112 erreicht man eigentlich alle.
Die alarmieren auch, wenn es besser zur Polizei passt oder die Polizei dazugehörte, die Polizei.
Also, die 112 ist so die Universalrufnummer. Aber Leute, wenn ihr in einer Notsituation seid, ist es wurscht. Man wird euch auf beiden Nummern helfen.
Genau, ich glaube, das ist das Wichtige. Die sind ja doch vernetzt, wirklicherweise.
Dann ruft die 110 die 112 an und andersrum.
Also, alles richtig gemacht.
Genau. Wichtige Botschafter draußen, ruft an im Zweifelsfall. Und wenn ihr unsicher seid, die fragen auch nach, wenn die was wissen müssen. Das lohnt sich eigentlich immer.
Das, was jetzt kommt, ist auch wieder weniger eine Frage als vielmehr eine Mitteilung.
Und wir haben vorhin in unserem kleinen Team-Briefing gesprochen, dass wir zumindest beispielhaft ein bisschen was dazu sagen wollten.
Weil wir hatten eine Folge über Dissoziation gemacht und darauf auch viel Resonanz erhalten.
Wir haben auch ganz klar gesagt, wir können das oder ihr beiden konntet das ja zum Glück aus der klinischen Praxis so ein bisschen berichten.
Aber keiner von uns konnte aus der eigenen Perspektive berichten, weswegen wir nachgefragt haben, was eure Erfahrungen sind mit Dissoziation, wie sich das für euch anfühlt.
Oder was man da sozusagen mitmacht.
Und da gab es wirklich viele, viele Nachrichten, entweder auf private Art und Weise, direkt zu uns oder auch als öffentliche Kommentare, was total wertvoll war.
Wir wollten, glaube ich, auf einmal sagen, dass man wieder gemerkt hat, wie groß die Bandbreite ist und wie individuell dieses Phänomen ist.
Ich glaube, das können wir bei keinem der Dinge oft genug sagen, was wir hier besprochen haben.
Trotzdem vielleicht beispielhaft so ein bisschen Schilderungen von euch.
Einfach, dass ihr auch da draußen, die es vielleicht nicht gelesen habt, mal euch anhören könnt, wie sich so eine Dissoziation,
Dissoziation bei Menschen anfühlen kann.
Soll ich was vorlesen?
Oh ja, lies uns was.
Tatsächlich haben wir uns jetzt auf ein Beispiel beschränkt, aufgrund der knappen Zeit.
Eine sehr schöne plastische Schilderung von Anonym.
Bei mir ist der Auslöser immer ein innerer Konflikt, welcher von außen getriggert wird.
Ich werde unruhig, gleichzeitiger Flucht- und Kampfimpuls.
Alles wird surreal, Klammer auf, die Realisation, Klammer zu.
Irgendjemand hat mich in Frage gestellt.
Panik.
Mein Körper wird glühend.
Glühend heißt, und ich rutsche in die Depersonalisierung.
Ich finde meine Persönlichkeitsanteile nirgends und bin dann weg, Klammer auf, Dissoziation, Klammer zu.
Ich fühle aber Verzweiflung, dann Filmriss mit Zeitverlust und Amnesie.
Auch was davor geschah.
Manchmal Füg, Anmerkung von der Redaktion, das bedeutet, dass man sich, dass man komplexe Dinge macht und sich danach nicht daran erinnern kann.
Anmerkung Ende.
Aber danach immer heftige Schmerzen, unfähig zu denken und völlige Desorientierung.
Aus einer Dissoziation aussteigen kann ich nur bis vor dem Filmriss.
Genau, und die individuellen Empfindungen, die da verschiedene Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben, die können eben ganz verschieden sein.
Interessant finde ich noch die Anmerkung, dass der Ausstieg nur bis zu einem gewissen Punkt gelingen kann.
Das ist, glaube ich, etwas, was wir auch angedeutet hatten, dass das so ein Erfahrungswert ist.
Und genau, lasst es einfach auf euch wirken.
Und wir sind wirklich total. Total dankbar, dass wir so viele Sachen von euch da draußen lernen durften und dass ihr unsere kleine ahnungslose Frage auch so ernst genommen habt und uns da an der Hand genommen habt und eure Erfahrung geteilt habt.
Vielen Dank.
Wir können leider wirklich nicht viel mehr vorlesen aus Zeitgründen.
Genau.
Okay, die nächste Frage, oder das ist eine Anmerkung, geht zum Thema narzisstische Persönlichkeitsschulden.
Wir haben zwei Folgen dazu gemacht.
Eine haben wir jetzt mal dritt besprochen.
Das ist, glaube ich, schon. Also gefühlt.
Das ist sehr lange her.
Da waren wir noch jung.
Und die zweite Folge dazu war ein Interview mit Pablo Hagemeyer, der ein Buch geschrieben hat.
Deswegen war unser Titel auch Interview mit einem netten Narzissten.
Das nette Narzissten in Anführungszeichen, weil er das selber so ein bisschen selbstironisch einsetzt.
Und da schrieb uns eine Hörerin, die, glaube ich, ein bisschen unglücklich war mit der Folge.
Ich lese das jetzt gar nicht alles vor, sondern so ein bisschen einfach, was sie nochmal mitteilen wollte, ist, wie sehr man als Mensch auch unter einer Beziehung mit einem narzisstischen Menschen leiden kann.
Wie viel das kaputt machen kann.
Und je nachdem, welche Persönlichkeit vielleicht auf der anderen Seite ist, eben wie sehr das Schaden machen kann.
Und ich glaube, der Vorwurf, der da so ein bisschen mitfangen war, dass das nicht richtig rüberkam oder dass es verharmlosend wirkte.
wir da gesagt haben. Vielleicht können
wir das einfach nochmal so ein bisschen, vielleicht nicht
gerade rücken, aber in den Kontext setzen, warum wir
da so drangegangen sind und
wie das denn ist mit Beziehungen mit
narzisstischen Menschen.
Vielleicht muss ich da drauf antworten, weil Sebastian gar nicht dabei war.
Genau.
Also ist der auf unseren
Mist gewachsen. Verdammt.
Ich war auch nicht dabei.
Du warst sehr wohl dabei. Alles alleine ist meine Schuld.
Okay, alles meine Schuld. Ja, da ist tatsächlich
ja auch der Begriff Schönreden gefallen und
ich habe zwar vergessen, was die
Frage war, die Mori jetzt gerade gestellt hat.
Du sollst in den Kontext rücken. Ich rücke das mal
in den Kontext. Also das war natürlich
zu gar keinem Zeitpunkt jemals
unser Ziel, da irgendwas schön zu reden.
Tatsächlich hatten wir
die Interviewfolge mit Pablo
unter anderem deshalb gemacht,
weil schon nach der ersten
Narzissmus-Episode von
uns so der Vorwurf kam, wir hätten das
vielleicht etwas zu positiv
dargestellt und insbesondere
nicht die negativen
Folgen für Beziehungspartner
ausreichend gewürdigt.
Und da Pablo das in seinem Buch
meiner Meinung nach sehr gut und gar nicht
beschönigend gemacht hat, dachten
wir, das Interview ist doch vielleicht eine gute Gelegenheit,
das in den Kontext zu rücken.
Anscheinend
ist der Narzisst in dem
Interview mit Pablo jetzt
doch auch wieder zu gut in Anführungsstrichen
weggekommen. Vielleicht
liegt es ein bisschen daran, dass wir schon
immer, egal über welche psychische Störung
wir sprechen, so das Bedürfnis haben,
möglichst einen neutralen Blick drauf zu
finden und
das, was da passiert, auch nachzuvollziehen
und vielleicht sind wir
da auf eine Art dann auch relativ
empathisch, wenn wir im Einzelfall
verstehen, welche
Lebenserfahrungen, welche
Erziehungserfahrungen führen dann vielleicht
am Ende dazu, dass man die eine oder andere
Persönlichkeitsstruktur entwickelt.
Ich würde das nicht gleichsetzen mit
Schönreden, sondern das ist
dann natürlich so ein bisschen
der verstehende Blick.
Das soll aber gar nicht bedeuten,
dass es nicht schrecklich sein kann, mit so einer
Person zusammenzuleben und wenn
das so rübergekommen ist, dann tut
es uns leid, aber vielleicht
ist dann unser Format
doch auch nicht richtig geeignet,
um das in der ganzen Tiefe darzustellen.
Also vielleicht lohnt es sich dann doch tatsächlich
nochmal in das Buch reinzuschauen
oder in andere Bücher
oder vielleicht auch nochmal mit
Menschen drüber zu sprechen, also gerade wenn man
wirklich schlimme, belastende Erfahrungen gemacht hat,
die einen nachhaltig beeinträchtigen,
vielleicht auch nochmal mit einer professionellen Person
drüber zu sprechen.
Beschönigen möchten wir da natürlich gar nichts.
Das war
so einfach nicht gemeint.
Genau und ich glaube, das, was vielleicht ein bisschen
die Schwierigkeit ist, auch die Gegenperspektive,
also vielleicht die von Betroffenen einzunehmen,
die da sehr unter so einer Beziehung gelitten haben,
das können wir natürlich auch nur sehr bedingt
und selbst wenn man jetzt eine Person
einladen würde, ist auch das ja nur eine
individuelle Fallschilderung, sagt man in Anführungszeichen,
was wahrscheinlich auch nicht die gesamte
Bandbreite wiedergeben kann, weswegen man vermutlich
dem einfach nicht zu 100% gerecht
werden kann. Aber genau
wie du gesagt hast, es ging nicht um, dass
man das beschönigt. Manchmal haben wir wahrscheinlich ein bisschen
diesen Blasebrick, der versucht, auch
vielleicht positive Aspekte oder Erklärungsversuche
mitzugeben, was dann nach
außen so wirkt, als wollte man sagen, hey
so easy, was es aber gar
nicht heißt. Ja, total.
Also ich finde, ihr habt das gut gemacht und
finde auch die Einstellung eigentlich
sinnvoll, die wir auch in unserem Podcast
eben versuchen, so an den Tag zu legen,
empathisch auf verschiedene Themen
und Dinge zu gucken. Und ich glaube, das ist unsere Rolle,
die wir ausfüllen, die empathische Rolle
und die Empathie gilt natürlich auch
den Opfern, das ist klar, aber
eben auch den Narzissten. Und ich glaube, das ist wichtig,
um alle Sachen oder alle Dinge
einer Sache wirklich gleichmäßig zu beleuchten.
Trotzdem natürlich
ein wichtiger Kommentar.
Nächste Frage, jetzt vielleicht wieder in Richtung
Sebi, kam
auch auf YouTube zur Folge
Psychose, die auch schon wieder
eine Weile her ist, aber eine spannende
Frage, vielleicht auch im aktuellen Kontext der
Corona-Pandemie und zwar, wie verhält sich
eigentlich ein Wahn zu einer Verschwörungstheorie?
Das ist ja wirklich was, was man
jetzt erstmal denkt, okay, Verschwörungstheorien,
ich glaube, da sind fast alle Menschen in den letzten
Wochen, Monaten, dem letzten Jahr
irgendwie in Kontakt gekommen und
das Thema Wahn hatten wir mehrfach hier auch schon
besprochen. Ja, was
würdet ihr sagen, kann man das abgrenzen? Geht es
ineinander über? Wie stehen die zwei Sachen
zueinander? Also ich fand die Frage
auch super spannend und ich habe mich
gleich, sobald ich die gelesen habe, ein bisschen
in die Frage verliebt, weil ich sie echt
gut finde. Also ich habe versucht,
das ein bisschen auseinanderzunehmen. Man sagt ja, bei einem Wahn,
das ist eine nicht korrigierbare Überzeugung
und dann denkt man sich ja sofort, okay, ein
Verschwörungstheoretiker, das ist doch genau
das, was alle eben immer auch gerade schreiben.
Die sind nicht korrigierbar.
Die behaupten falsche Dinge
oder Dinge, die wirklich teilweise
abstrus und absurd sind,
mitunter gefährlich
und sind nicht zu überzeugen durch noch
so viel argumentatives Bemühen von
wem auch immer darin,
dass die ihre Meinung ändern.
So, ja, da würde ja dieses Argument gar nicht
ziehen. Jetzt ist es aber auch so,
dass für einen Wahn
auch nötig ist, dass
das Thema des Wahns kulturell
unangemessen oder bizarr ist.
Und das ist jetzt wieder spannend,
weil zum Beispiel würde man
ja jetzt einen Voodoo-Priester
in einem afrikanischen Stamm
nicht als wahnhaft bezeichnen,
weil er da Dinge
glaubt, dass er zum Beispiel irgendwie andere Menschen
heilen
oder verletzen könnte. Das ist jetzt sehr klischeehaft,
in dem eine Puppe reinsticht.
Das ist eben kulturell angemessen. Das ist ein Teil
der Kultur. Und
tatsächlich glaube ich, dass man diese
Verschwörungstheorien, so weh das auch tut,
ein Stückchen weit als Teil der Kultur
bezeichnen müssen, weil
einfach eine größere Gruppe von Menschen davon
überzeugt ist. Und ich glaube zusätzlich,
dass die Inhalte so komplex sind, dass der
Wahrheitsgehalt nicht mehr überprüfbar wird für viele Menschen.
Und
darum würde ich sagen,
eignet sich das eben nicht, da jetzt die Definition
von Wahn heranzuziehen, weil es ist natürlich
auch offensichtlich falsch, weil unser
Konzept von Wahn falsch wäre, wenn wir es auf so
viele Menschen anwenden müssten.
Und ich glaube ehrlich gesagt auch, dass die Korrigierbarkeit
sich einstellen wird bei vielen von diesen Leuten,
wenn da mal wieder ein bisschen der Wind
abgeflaut ist.
Wande These, jetzt habt
ihr was gelernt da draußen.
Heißt aber dann auch, dass man eine Verschwörungstheorie
nicht behandelt? Das ist keine
psychische Erkrankung.
Was aber ganz interessant
ist, weil zum Beispiel jemand mit einem Wahn
vermutlich in den meisten Fällen auch nicht
freiwillig zu euch kommt. Das hatten wir sicherlich auch schon
besprochen, aber es ist ja auch nicht so, dass,
weil wir ja häufig auch Kontextleidensdruck haben,
der sich bei einem Wahn sicherlich vielleicht ein bisschen
anders auswirkt, als
jetzt zum Beispiel bei einer Depression, wo man klar
sagt, ich leide gerade darunter, während ein Mensch
in einem Wahn, je nach Situation, vielleicht auch leidet,
wenn es jetzt mit Verfolgung oder so zu tun hat, aber vielleicht
nicht so dieses, es geht mir so schlecht, bitte
helft mir, weil da ist ja diese Überzeugung.
Und vermutlich würde jemand, der gerade in einer
Verschwörungstheorie anhängt, auch nicht sagen,
hey, ich glaube irgendwie ist
es komisch, helft mir da mal raus.
Wobei meine Erfahrung mit Menschen,
mit Wahn ist, vor allem mit Verfolgungswahn, dass die
wahnsinnig Angst haben. Und das ist
irgendwie so die Leidemotion eigentlich. Und die
Angst ist fürchterlich, die haben wahnsinnigen Leidensdruck.
Ja, das kann man sich gut vorstellen, das stimmt.
Okay, vielen Dank fürs Auseinandernehmen.
Ich würde jetzt springen zum
Thema Angst. Und zwar stellt
uns hier ein Hörer, eine Hörerin, eine
Rückfrage zum Thema Angststörung. Wie ist es mit
Ängsten vor Versagen, Verlust und allgemein
vor der Zukunft? In Klammern also
vor dem Scheitern von Lebenszielen bis hin zu wahren
Existenzängsten. Lassen sich diese Ängste
irgendwo im Klassifikationssystem einordnen
und auch irgendwie behandeln.
So, was ist eure Erfahrung zu
diesen Angstinhalten, sage ich mal?
Ist es was, was super selten ist? Ist es was, was häufig
ist? Und was kann man damit machen?
Sebastian, hast du schon mal Zukunftsängste
gehabt? Ja, häufiger.
Du, Ismene,
kennst du das? Nee, nee.
Nee. Also ich habe neulich Facharztprüfung
gemacht, da hatte ich eigentlich die Sorge, dass ich kurz
vor der Enttarnung stehe.
Oh nein, Impostor-Syndrom. Ja, ein absolutes
Hochstapler-Syndrom hatte ich.
Genau, also ich würde sagen, die genannten
Ängste, ich finde gerade nicht mehr die richtige Seite,
also Zukunftsängste, Existenzängste,
Versagensängste sind, glaube ich, eine ganz
elementare menschliche Erfahrung,
die wir alle bis zu einem
gewissen Grad haben und haben dürfen,
ohne dass man da eine Erkrankung
draus machen würde.
Jetzt gibt es natürlich Situationen,
wo solche Ängste
extrem stark ausgeprägt
sind und dann für sich genommen
zur Belastung werden können und das ist
ganz häufig der Fall im Rahmen von
depressiven Episoden,
da würde man die dann eben als Teil
der Depression bewerten
und wenn
wirklich nur die Angst im Vordergrund
steht und dann noch mehrere
verschiedene Themen mit dazu kommen,
irgendwie Angst, dass jemand anderem was passiert,
sich Sorgen machen über alles
Mögliche und das Thema wechselt
zwar ständig, aber Angst ist irgendwie immer
da und schränkt einen ein im Leben,
dann, das hatten wir, glaube ich, auch mal kurz
angeschnitten, könnte es auch
eine generalisierte Angststörung sein.
Da würden diese Ängste auf jeden Fall
thematisch auch mit drinnen
aufgehen, aber es gibt jetzt keine
andere spezielle
Angststörung, die sich rein mit
Zukunftsangst oder Versagensangst
beschäftigt. Aber grundsätzlich
sind es also Inhalte, die häufiger
vorkommen, in verschiedenen Kontexten
vorkommen, aber das klingt jetzt auch so, als
hätte man dann für diese Art Ängste
in der Regel auch sozusagen was in der Hinterhand
aus therapeutischer Sicht, also wie man das angehen
kann, oder? Ja, also
ich denke, da ist
Psychotherapie auf jeden Fall wirksam
und ich denke über ganz viele verschiedene
Mechanismen. Erstmal, dass man sich vielleicht auch
so ein bisschen dieser
Denkspezialität selber klar wird und
das vielleicht auch anfängt zu erkennen, dass es in Teilen
dysfunktional ist, dass das nicht immer
ein Wahrheitsgehalt hat
und dann kann man versuchen, glaube ich, verschiedene
Strategien zu entwickeln, die da so ein bisschen
gegenwirken, von
Selbstwertstabilisierung bis hin einfach
auch zur Identifikation von möglichen
Belastungsfaktoren. Ich glaube, das ist
ein weites Feld, wenn wir da jetzt weitermachen, aber
es gibt viele mögliche Ansatzpunkte.
Aber das ist ganz wichtig, weil aus der Frage schwingt ja
so ein bisschen mit dieser vielleicht Sorge oder der Gedankengang,
dass es sich um absonderliche Ängste oder spezielle,
und so wie ihr das jetzt schildert, ist es ja wirklich was, was häufig vorkommt,
was das nicht bagatellisieren soll, aber einfach deutlich macht,
dass das wirklich häufig ein Symptom sein kann von verschiedenen Erkrankungen
oder vielleicht auch von gar keinen Erkrankungen,
sondern einfach Teil unseres normalen Angstspektrums, sage ich mal,
so wie wir vor verschiedenen Sachen Angst haben.
Genau, und was ich vielleicht noch vergessen habe zu sagen ist,
also wenn wir jetzt nicht psychisch erkrankt sind und wir haben diese Ängste,
die sind aber für unsere Verhältnisse gerade stark ausgeprägt,
das kann ja natürlich auch in Abhängigkeit der Lebenssituation einfach sein.
So wie vor der Facharztprüfung.
Vor der Facharztprüfung oder erster Beruf oder man wird befördert,
hat ganz viel Verantwortung, was auch immer, oder man baut ein Haus,
hat dann Existenzängste, weil das verdammt teuer war
und die Bauarbeiter immer wieder neue Mängel entdecken und so weiter.
Also Stress, um es jetzt ganz grob runterzubrechen,
verstärkt dann natürlich solches Gedankenkreisen auch.
Und Stress, Anpassungsstörungen, Belastungsreaktionen,
das darf ruhig im Laufe des Lebens mal mehr und mal weniger werden.
Aber wenn es zu einem Belastungsfaktor wird,
wenn man nicht mehr einschlafen kann wegen dieser Ängste,
dann wie immer lieber Hilfe holen.
Sehr gut.
Fragen Sie Ihren Arzt oder Apothekerin.
Genau.
Okay, ich würde jetzt vielleicht so ein bisschen springen,
weil ich glaube, das nächste Thema,
das machen wir dann als übernächstes Thema,
wird wieder eher ein Ismene-Thema,
dann springe ich zur Arbeit mit PatientInnen.
Und zwar schreibt uns da jemand,
der selber auch in der Psychiatrie arbeitet
und schildert die Situation,
dass er manchmal Patientinnen oder Patienten hat,
mit der die Person einfach nicht klarkommt.
Also die absolut unsympathisch sind aus Sicht der beschreibenden Person.
Und dann schildert sie eine Situation,
wo sie das gegenüber ihrer Oberärztin geäußert hat
und dann das Gefühl hat, sie wurde so ein bisschen dafür verpönt
und es wurde einfach nicht ernst genommen.
Jetzt ein bisschen die Frage an euch.
Vielleicht ist es denn was, was einfach häufiger mal vorkommt,
dass man denkt, krass, mit der Person da gegenüber
komme ich gerade wirklich überhaupt nicht zurande.
Und dann so ein bisschen die Frage, wie geht man damit um?
Was sind Wege, damit klarzukommen?
Und gegenüber wem kann man oder sollte man das vielleicht auch äußern?
Also ja, das kommt vor.
Und das kommt gar nicht mal so selten vor,
dass unsere PatientInnen in uns etwas bewegen.
Und das können auch manchmal aversive Emotionen sein.
Das ist nicht immer so,
dass man gleichbedingungslose Sympathie und Liebe
und findet und gleich eine super gemeinsame Arbeitsbasis hat.
Ich finde, das ist aber einfach immer,
wenn man wirklich so eine Emotion hat,
eigentlich eine sehr spannende Sache.
Es gibt zum Beispiel in der PsychotherapeutInnen-Ausbildung,
das ist eine sich-Bahland-Gruppe,
was sich eben speziell in der Gruppentherapie darauf fokussiert,
was macht eigentlich mein Gegenüber mit mir
und warum habe ich diese Emotion?
Und das ist interessant dahin zu gucken,
weil irgendwas passiert da ja,
dass es gibt irgendeinen Hinweis,
warum ist mir die Person,
eigentlich unsympathisch?
Und wie kann ich das vielleicht sogar therapeutisch aufgreifen?
Wie kann ich das sogar so drehen,
dass ich der Person,
der ich ja trotzdem helfen soll,
obwohl ich sie nun unsympathisch finde,
eventuell genau mit dieser Emotion weiterhelfen kann?
Indem ich das zum Beispiel aufgreife
und auch relativ offen transportiere
und versuche für mich zu identifizieren.
Ich komme zum Beispiel nie zum Ausreden
und mein Gegenüber monologisiert.
Das ist etwas,
was einem ganz schnell irgendwie höllisch auf den Sack geht.
Und das einfach auch,
mal anzusprechen in so einer Therapie,
ist super wichtig,
damit man überhaupt vorankommt.
Und ich finde es schade,
dass jetzt da eine Frage auch so ein bisschen genannt wurde.
Es wurde jetzt eher als ein verbündetes Thema
oder ähnliches wahrgenommen.
Ich finde, das ist eigentlich ganz wichtig,
dass man da relativ transparent ist.
Einer meiner Oberärzte hat immer gesagt,
man muss sich nicht mögen,
man muss nur zusammenarbeiten können.
Und ich finde das auch eigentlich eine gute Aussage,
weil es ist nicht zwangsläufig Sympathie vorhanden,
um zusammen gute Arbeit,
also nicht zwangsläufig Sympathie nötig,
um gute Arbeit,
aber zusammen machen zu können.
Und trotzdem ist es ja irgendwo auch eine Aufgabe
von den Vorgesetzten,
sowas zu supervidieren und ein bisschen zu gucken,
wie kann ich da der Person helfen.
Und man fängt ja irgendwo halt auch an
mit so einer Therapieausbildung
und muss viele Dinge erst mal lernen
und da dann angeleitet zu werden.
Und solche Situationen treten auf,
da ist schon wichtig,
dass man sich an jemanden wenden kann.
Also schon auf jeden Fall ansprechen,
so wie es klingt.
Und so ein bisschen die Frage an euch,
wie lernt man vielleicht im Laufe der TherapeutInnen-Ausbildung,
auch bei sich selber zu merken,
was einen vielleicht da stört.
Also weil du jetzt gesagt hast,
ich merke, wenn jemand wahnsinnig viel monologisiert,
dann macht das ja auch was mit einem.
Aber das muss man ja über sich selber, glaube ich,
auch erst mal lernen.
Gibt es denn da auch irgendwie Unterstützungsmöglichkeiten,
wie man sich selber besser kennenlernt im Kontext Therapie?
Ja, also jeder Weiterbildungsassistent,
jede Weiterbildungsassistentin muss,
schrägstrich darf,
Selbsterfahrung machen.
Sowohl bei PsychologInnen
als auch bei den ÄrztInnen
und so und das ist glaube ich ein ganz wichtiger Teil der Ausbildung,
weil es da wirklich darum geht,
ich sage mal eine Mini-Therapie selbst zu machen,
sei es in der Gruppe oder im Einzel,
wo man einerseits mal die Seite wechselt
und auf dem Patientenstuhl sitzt und Übungen
oder Interventionen auch am eigenen Leibe erlebt,
die man normalerweise mit PatientInnen anwendet.
Und wenn es gut läuft,
dann lernt man dabei schon ein bisschen über sich
selber, wo sind eigentlich meine Trigger-Punkte
und wo sind meine Themen,
wo ich vielleicht angreifbarer bin als andere,
was bringt mich auf die Palme.
Also im Idealfall lernt man das dort.
Mhm.
Und jetzt mal ganz praktisch,
ich habe das jetzt bald erwähnt bei allen Gruppen,
Selbsterfahrung, wie häufig macht man sowas in der Ausbildung?
Ist es was, was man einmal im Monat, einmal im Halbjahr angeht
oder ist es wirklich was Regelmäßiges?
Also Selbsterfahrung ist zum Beispiel jetzt bei ÄrztInnen festgelegt
auf 150 Stunden im gesamten Ausbildungsjahr,
im Ausbildungszyklus.
Das ist meistens dann alles ziemlich gehäuft und auf einmal.
Also ja, letztlich ist das schon was, was hilft.
Ich meine, 150 Stunden ist nicht nichts,
aber es ist jetzt keine regelmäßige Begleitung.
Meistens die Barland-Gruppe zumindest wurde bei uns in der Klinik
jetzt wirklich wöchentlich angeboten oder zweiwöchentlich war es so.
Das war auch ganz gut und man hat dann in Reihe um vorgestellt.
Und das ist ja auch häufig etwas,
wofür man erst alle paar Monate immer wieder so Thema hat.
Mhm.
Ja, das ist ja jetzt auch nicht die Regel immer,
dass man wirklich so stark aversive Emotionen hat.
Aber es ist schon auch immer interessanter hinzugucken.
Und Psychotherapie ist halt was Dynamisches.
Mhm.
Und so, wenn ihr jetzt, ihr, die jetzt hier beide mit viel Erfahrung
und als FachärztInnen vor mir sitzt, zurückblickt.
Hat sich da für euch selber auch was getan tatsächlich in dieser ganzen Zeit?
Auch so, wenn ihr zurückguckt an eure Anfänge,
was eure Selbstwahrnehmung angeht und auch so das Wissen über euch
und euren Umgang mit PatientInnen in der Therapie?
Ich würde sagen ja, auf jeden Fall.
Ich habe aber auch nicht das Gefühl, dass diese Reise beendet wäre.
Also ich glaube, dass auch immer noch ein Lernprozess im Gange.
Weiß nicht, wie es bei dir ist, Sebastian?
Ja, also nein, ich bin auch nicht am Ende der Reise.
Ich finde, da lernt man immer mehr.
Und wenn man wirklich erfahrene Leute dann wieder bei der Arbeit sieht,
dann merkt man, was einem selber da noch fehlt.
Und ja, aber es hat sich wahnsinnig viel getan zu den Tagen meines Berufseinstiegs.
Unglaublich viel getan.
Also in allen möglichen Dingen.
Man wird ja auch erwachsen.
Ja, noch erwachsener, sehr schön.
Jünger wird man nicht, da schneiden wir alles raus.
Nein, vielen Dank zu dem Thema.
Jetzt würde ich zurückspringen zum Thema Borderline,
was ja neben Autismus vielleicht eines von Desmines Lieblingsthemen ist.
Da hat uns eine Hörerin einen relativ langen Beitrag geschrieben.
Ich würde es ein bisschen subsumieren, und zwar spricht sie davon so als grob über Thema von
stillen Borderline-Betroffenen, des stillen Anführungszeichen, vielleicht einfach kurz dazu.
Was hat es denn damit auf sich?
Und dann geht es so ein bisschen um die Frage oder es geht darum,
dass das vielleicht häufig zu wenig erwähnt bleibt.
Dieses Phänomen will ich jetzt nicht nennen,
aber vielleicht diese Subgruppe stille Borderline-Persönlichkeiten.
Genau, also die kurze Antwort wäre ja, die gibt es durchaus.
Die Hörerin hat ja vor allem auch geschildert, dass es manchmal
merkwürdige Situationen gibt, wenn man die Beschreibung der klassischen Borderline
Patientin vor sich hat. Und man hat die Diagnose erhalten, aber man findet sich darin gar nicht
wieder, weil man da vielleicht nicht so in dieses Stereotyp reinpasst. Und soweit ich
das mitbekommen habe, gibt es durchaus so eine Gruppe von sehr stark eher gefühlsvermeidenden
Patientinnen, die schon die Kriterien der Borderline-Störung erfüllen, aber wo es einen
vielleicht nicht so anspringt, weil eben ganz viel dann eher nach innen gerichtet passiert. Und ja,
kurz gesagt, ja, das gibt es. Und ja, wahrscheinlich kommt es ein bisschen zu kurz. Und ich glaube, es war ja auch noch ein Wunsch dabei,
ob wir vielleicht auch mal wieder was zum Thema Borderline machen würden. Das kam auch von mehreren Stellen.
Also das Interesse scheint da zu sein. Vielleicht können wir da noch mal ein bisschen mehr drauf eingehen.
Nochmal nachhaken. Ich glaube, was mit der Frage so ein bisschen mitschwingt, ist was, was wahrscheinlich bei allen
Krankheitsbildungen, die wir hier besprochen haben, immer wieder vorkommen kann. Weil natürlich kann man niemals, glaube ich, die ganze Bandbreite abdecken,
oder ich weiß nicht, wie es euch da geht. Und vermutlich werden wir mit allem, was wir schildern, nicht alle Leute oder es wird nicht bei allen Leuten aussehen.
Ach ja, da sehe ich mich ja zu 100 Prozent. Genauso war es bei mir. Aber einfach, weil das auch noch mal zeigt, wie groß eben die Bandbreite von den verschiedenen psychischen Erkrankungen oder auch Spielarten einfach sein kann.
Punkt. War das eine Frage? Nee, das habe ich ja nur geredet. Ja, du darfst auch mal reden. Punkt. Okay, nach diesem Punkt weiter mit der nächsten Frage.
Und zwar geht es jetzt nochmal ein bisschen ums Gruppthema Depressionen.
Ich würde einfach mal loslegen. Und zwar die erste geht so ein bisschen um dieses Thema Antidepressiva-Absetzsyndrom, was wir besprochen haben in der extra Folge, weil uns das nochmal wichtig war. Und da fragt der Hörer, die Hörerin, wie lassen sich Absetzsyndrome von einem Rückfall unterscheiden, beziehungsweise wie häufig müssen denn Leute längerzeitig, also vielleicht auch länger als ein, zwei, drei, vier Jahre Antidepressiva nehmen? Wie sind da eure Erfahrungen?
Also wir haben ja diese Folge über die Absetzsyndrome von Antidepressiva gemacht und ich würde tatsächlich empfehlen, die sich auch nochmal in der kompletten Länge anzuhören, wenn man sich jetzt für das Thema interessiert, weil das durchaus interessant ist, wichtig ist und vielfältig ist.
Und ich kann jetzt auch nicht in aller Breite und Ausführlichkeit nochmal auf die Absetzsyndrome von Antidepressiva eingehen, aber natürlich ist es ein Unterschied, einfach auch in der Dauer, also ein Rückfall in eine Depression würde ja eigentlich quasi die Rückkehr der depressiven Symptomatik bedeuten.
Und das ist ja ein relativ großer, breiter Symptomkomplex und die Absetzsymptome von Antidepressiva sind eben mehr vereinzelt eigentlich, zum Beispiel Schlafstörungen oder dieses elektrische Gefühl.
Wenn man sich da unsicher ist, kann man sich natürlich auch gerne nochmal fachärztliche Hilfe dazu holen. Ich finde das ja schon auch durchaus relevant, wenn sowas auftritt. Da darf man auch gerne mal nachfragen und muss nicht mit alleine bleiben, weil die Sorge jetzt da nochmal einen depressiven Rückfall zu haben, die haben ja nicht wenige.
Da man sich ja sowieso begleiten lassen sollte, wenn man Antidepressiva absetzt, würde ich das jetzt mal so empfehlen.
Jetzt zu der Frage, wie viel Menschen Antidepressiva länger als drei Jahre nehmen. Dafür gibt es jetzt keine verbindliche und keine klare Antwort.
Also wir reden ja, das haben Ismin und ich vorhin besprochen, von etwa 20 bis 30 Prozent chronischen Verläufen bei Depressionen, wo man eben tendenziell eine antidepressive Therapie für den chronischen Verlauf auch empfehlen würde, was sicherlich nicht in jedem Fall auch so gemacht wird.
Also ich denke mal so in dem Bereich würde ich das mal verorten. Aber grundsätzlich ist die Empfehlung der Leitlinie, nachsustieren der depressiven Symptomatik, die Antidepressiva für vier bis neun Monate weiterzuführen.
Und letztlich ist es irgendwo auch, glaube ich, ein bisschen eine Entscheidung von den niedergelassenen KollegInnen, das dann zu entscheiden, wo man den Cut-Off ansetzt und das auch ein bisschen abhängig von der Lebenssituation macht, langsam macht, begleitet, guckt, geht das.
Aber mehr Blaupause kann man da auch gar nicht liefern.
Wunderbar. Also ich wäre damit auch zufrieden.
Gut.
Gut.
Okay, die nächste Unterfrage zum Thema Depressionen. Die Anmerkung von der Hörerin, und zwar könntet ihr vielleicht nochmal den Zusatz zu Pseudodemenz bei Menschen, gerade auch bei jüngeren Menschen mit zum Beispiel Depressionen machen.
Ist ein wichtiges Thema, haben wir, glaube ich, so konkret tatsächlich nicht angesprochen. Wir hatten eine ganze Folge zu Demenz mit Sabine Helwig, aber jetzt geht es eben um Pseudodemenz.
Vielleicht könnt ihr beiden einfach mal kurz schildern, was ist denn eine Pseudodemenz und wie ist es eben?
Im Kontext zum Beispiel von Depressionen zu verorten.
Es wundert mich total, dass wir das anscheinend noch nicht ausführlich erörtert haben.
Oder haben wir und haben es nur selber vergessen, ich glaube.
Also ich weiß nicht mehr, was wir schon alles besprochen haben.
Aber jetzt.
Aber Pseudodemenz ist eigentlich ein relativ faszinierender Teil von Depressionen, finde ich. Und zwar ist es extrem häufig bei Depressionen so, dass eben so Menschen aller Altersgruppen so ausgeprägte Konzentrations- und dadurch bedingt dann auch Gedächtnisprobleme haben.
Dass sie wirklich ernsthaft Sorge haben, an einer Demenz erkrankt zu sein.
Und das ist auch messbar an neuropsychologischen Testungen.
Also die können bestimmte Dinge in dieser Zeit gar nicht gut.
Und gerade bei älteren Patienten könnte man sich dann ja die Frage stellen, so oje, ist da jetzt eine Demenz im Anmarsch oder ist das Teil der Depression?
Und mit der Fragestellung sind wir extrem häufig auseinandergesetzt, falls man das so sagen kann.
Und eigentlich gibt es in den meisten Fällen.
Relativ klare Hinweise, in welche Richtung das geht.
Und zwar ist bei der depressiven Pseudodemenz klassischerweise die Sorge extrem groß und die Wahrnehmung der eigenen Defizite eben durchaus vorhanden, vielleicht sogar eher übersteigert.
Also die Wahrnehmung der eigenen Konzentrationsfähigkeit ist noch schlechter als die Konzentrationsfähigkeit an sich, was bei demenziellen Erkrankungen oft eben nicht der Fall ist, sondern da gibt es eher das Phänomen der Dissimulation.
Ich hoffe, ich sage es jetzt richtig, dass eher versucht wird, Defizite zu überspielen, zu vertuschen, die klein zu reden.
Ist ja alles nicht so schlimm oder habe ich jetzt verhuddelt, verschusselt, wie auch immer.
Also das ist ein relativ klares Merkmal.
Die depressiven PatientInnen klagen häufig viel über diese Defizite und ich bin dann meistens schon relativ unbesorgt, wenn das der Fall ist und gehe dann davon aus und kläre auch die Betroffenen darüber auf,
dass diese Symptomatik mit dem Besserwerden der Depression sich auch bessern wird.
Genau. Was fällt dir noch ein, Sebastian? Habe ich noch was vergessen oder reicht das erstmal?
Nee, du hast das ziemlich gut erklärt, sodass ich es auf jeden Fall verstanden habe.
Gut, genau.
Wenn Sebastian verstanden hat, dann safe.
Er, der ja nicht vom Fach ist.
Genau.
Was vielleicht dann nur als kurze Zusatz dazu, weil das jetzt vielleicht auch wieder aus der ÄrztInnen-Perspektive so ein bisschen so klingt, so faszinierend, aber natürlich kann es für die Betroffenen trotzdem ziemlich furchtbar sein vermutlich.
Gerade dieses, was du geschildert hast, dieses fast noch übersteigerte Wahrnehmen der Defizite ist ja für die Personen extrem negativ vermutlich.
Das stimmt. Und da muss ich, glaube ich, noch ergänzen, das Faszinierende daran ist ja, dass es tatsächlich wieder weggeht am Ende und dass es dann nicht mehr da ist.
Was wiederum ja positiv ist, weil das bei den Demenzen, wie wir schon gehört haben, oft anders sein kann.
Ja, genau. Ich finde also insofern faszinierend, als dass das ja nichts ist, wo man automatisch dran denkt, wenn man an Depressionen denkt.
Man denkt dann traurig, schlecht gelaunt und so weiter.
Ja.
Aber das ist wirklich die. kognitiven Fähigkeiten einem zerschmettern kann. Das hat, glaube ich, nicht jede oder jeder sofort auf dem Schirm.
Mhm. Das leitet sehr gut über zur nächsten Unterfrage zum Thema Depressionen. Und zwar die Frage, und passiert das alles nur im Gehirn?
Beisatz dazu, was ist mit Hormonen, dem Nervensystem außerhalb des Gehirns und dem Stoffwechsel?
Das ist jetzt wahrscheinlich auch eine Frage, die sich nicht mit einem Satz beantworten lässt.
Vielleicht könnt ihr das nur in einen Grobkontext drücken, damit man so ein bisschen eine Antwort auf die Frage hat, passiert es denn wirklich nur im Gehirn?
Nein, es passiert nicht nur im Gehirn. Eine Depression ist auch immer ganz viel Stress. Und Stress hat meistens auch einen höheren Cortisol-Spiegel zur Folge.
Also das heißt, die Nebennierenrinde ist irgendwo auch beteiligt. Und ganz viele haben ja zum Beispiel auch gastrointestinale Probleme bei so Depressionen.
Magen, Darm.
Magen, Darm. Also Bauchschmerzen, Durchfälle oder ähnliches. Und natürlich passiert da was. Wir haben, glaube ich, eine ganze Vielzahl von körperlichen Symptomen,
die üblich sind bei psychischen Erkrankungen oder Depressionen im Speziellen. Und da passiert ganz viel im Körper.
Ich wüsste auch nicht, dass wir das jemals behauptet haben, dass es nur im Gehirn passiert.
Ich glaube, die Frage suggeriert das gar nicht unbedingt, sondern eher so, vielleicht stellt sich die Hörerin, der Hörer einfach diese Frage, passiert es denn nur im Gehirn?
Aber eure Antwort ist scheinbar nein.
Nee, genau. Und wenn man jetzt natürlich so noch ein kurz bisschen weiter denkt, gibt es irgendeine Form von Kausalität?
Das ist ja immer so die Sache. Wir sagen ja immer wieder, es gibt auch Depressionen, die eben einen biologischen Imprint im Gehirn haben.
Sprich, also irgendwo sieht man in der Bildgebung, da ist ein Stoffwechselmangel da, da ist die Hypothese, dass wir einen Neurotransmittermangel haben, weswegen wir Serotonin, Wiederaufnahmehemmende Medikamente geben und ähnliches.
Das sind alles nur Hypothesen. Wir wissen nicht genau, ist das jetzt eigentlich Ursache oder nur Symptom der Erkrankung.
Ich glaube, über die Genese der Depression ist einfach noch erschreckend wenig bekannt und wir stützen uns nur auf empirische Daten.
Das heißt, welches Medikament hilft einfach einer Anzahl von Menschen, die signifikant ist.
Das sind die einzigen Aussagen, die momentan so richtig belastbar sind.
Und es gibt natürlich wahnsinnig viel Forschung, die versucht, dem immer näher zu kommen und das immer näher einzukreisen.
Aber so richtig den Durchbruch gibt es noch nicht.
Okay. Aber ich glaube, man kann sich gut vorstellen, dass es eben keine ganz eindimensionalen,
professionale Sache ist, wo man sagen kann, das ist nur da.
So einfach ist es eben nicht mit der Psyche. Das haben wir, glaube ich, auch schon oft genug besprochen.
Angesichts der Zeit und der fortwährenden Zerstörung unserer Gehirne, die leider doch irgendwie ursächlich sind für das, was wir reden,
würde ich sagen, wir kommen vielleicht zum letzten Punkt.
Und zwar Thema Suizidalität ist was, was wirklich häufig von unseren Hörerinnen und Hörern in irgendeiner Form angesprochen und nachgefragt wurde.
Relativ stark zurückgehalten haben.
Wir haben das im Kontext psychische Notfälle besprochen.
Wir haben das im Kontext Depressionen natürlich besprochen.
Trotzdem vielleicht einfach nochmal ein kurzes Statement von Seite unseres Teams sozusagen zum Thema Suizidalität und vielleicht auch, warum wir das nicht weiter in der Folge ausbauen, sage ich mal.
Genau. Also wir nehmen das Interesse zur Kenntnis und hätten natürlich viele Ideen, was man dazu sagen kann.
Aber wir wissen, dass Berichterstattung und Sprechgespräche. Sprechen über Suizidalität in Medien einfach kritisch ist und starke Nebenwirkungen haben kann.
Und wenn wir hier drüber sprechen, dann wissen wir nicht, wer sitzt auf der anderen Seite der Endgeräte.
Wie geht's euch? Und wir möchten einfach kein Risiko eingehen, dass dann doch es irgendjemandem schlechter geht aufgrund der Dinge, die wir da erzählen.
Und deswegen möchten wir einfach alle anhalten, die da einen persönlichen Bezug zu dem Thema haben, die solche Gedanken haben oder die belastet sind durch. Ereignisse im Umfeld, das doch in einem persönlichen Setting zu besprechen mit Fachpersonal.
Und sich da alle wichtigen Informationen und auch Unterstützung zu holen, weil wir glauben einfach nicht, dass wir das in dem Format auf eine gewinnbringende, zufriedenstellende Art und Weise lösen können.
Genau. Und wenn es doch mal zu einer Krise kommen sollte, das haben wir vorhin schon gesagt, gibt es im Zweifelsfall immer die 1 in 2. Und natürlich alle anderen Stellen, die man anlaufen kann.
Genau. Und immer daran denken, Suizidalität ist ein medizinischer Notfall. Dafür ist das Hilfesystem auch da.
Und auch das Notfallhilfesystem. Ausrufezeichen.
So, ehrlich gesagt habe ich den Überblick verloren, beziehungsweise ich glaube, ich hatte zu keinem Zeitpunkt in dieser Folge den Überblick, was ich euch noch fragen muss.
Habt ihr noch was offen? Brennt euch noch was auf dem Herzen?
Nee, nee. Also, ich glaube, wir wollen Danke sagen, oder?
Ich glaube auch. Siby, fangen wir an.
Ja, danke, dass ihr uns so viel schreibt, dass ihr so viel an uns denkt, dass ihr uns auch so viele tolle Rückmeldungen gebt und uns schildert,
in welchen Lebensmitteln ihr uns so viele Rückmeldungen gebt.
In welchen Lebenssituationen euch der Podcast begleitet, geholfen hat oder auch manchmal geärgert hatte.
Eure Offenheit ist ganz, ganz wichtig für uns. Wir lesen alle eure Kommentare.
Manchmal sind wir zu schlampig, um sie zu beantworten.
Ich muss es echt gestehen, ich habe irgendwie gestern nochmal so ein bisschen nach Fragen geguckt und habe voller schlechten Gewissen noch drei Monate später dann mal geantwortet und ähnliches.
Also, bitte verzeiht uns. Manchmal haben wir auch einfach ein bisschen viel zu tun oder sind ein bisschen abgelenkt von anderen Themen.
Ich möchte Danke sagen an Leser.
Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber das werde ich noch tun.
Ja, und generell danke, wie gesagt, an alle vielen positiven Rückmeldungen, die uns auch auf verschiedensten Wegen erreichen.
Das tut jeder Einzelne tut sehr gut und motiviert uns natürlich, hier weiterzumachen.
Nichtsdestotrotz kündigen wir jetzt unsere kleine Sommerpause an, weil, wie das halt so ist, wenn man eine Folge schon zu spät abliefert, dann kommt die nächste einfach gar nicht.
Wir merken einfach, dass wir manchmal mit Arbeit. mit unserem persönlichen Leben und allem, was es noch so gibt, an unsere Grenzen kommen und es nicht immer ganz termingerecht schaffen.
Und deswegen werden wir jetzt einen Monat Pause machen und sind aber danach gewohnt frisch mit vielleicht einem neuen Einstiegskonzept und überhaupt jung und freudhaft wieder für euch da.
Neuen Einstiegsfragen, das wird auch aufregend.
Genau. Wir haben auch super viele Themenwünsche, die noch offen sind.
Langsam wird es nicht mehr ganz so einfach, mal eben eine Expertin, einen Experten zu finden, der mit uns spricht.
Aber wir sind stets bemüht und gucken mal, was da noch auf uns wartet.
Wir freuen uns auf jeden Fall.
Auf jeden Fall. Und ihr müsst nicht mehr fragen. Wir planen natürlich eine Folge zur dissoziativen Identitätsstörung.
Ausrufezeichen.
Ausrufezeichen.
Stimmt, es ist so viel gewünscht.
Meist ein gefragtes Thema. Ich habe auch schon eine Idee mit wem.
Ihr seht, es läuft.
Ja, es läuft.
Es mene kümmert sich.
Genau.
Es wird alles gut.
Es mene beantwortet eure E-Mails.
Ja, in jedem Sinne schließen wir, oder?
Machen wir.
Schön war es. Zum ersten Mal in meinem Leben mit zwei Fachärztinnen an meiner Seite.
Ach, Mo, jetzt mein Mund klebt schon von dem ganzen Honig.
Es ist wirklich ein warmes Gefühl, abgesehen von den 38 Grad Celsius, die mittlerweile in unserer Kammer sind.
Schön, dass ihr wieder dabei wart da draußen. Wir hören uns wieder nach der kleinen Sommerpause.
Macht's gut. Schreibt uns weiter.
Lasst euch nicht grillen.
In der Hoffnung, dass es Antworten gibt. Und nicht ärgern.
Und schaltet wieder ein bei einer neuen Folge von Jungen und Freudlos.
Tschüss zusammen.
Bis zum nächsten Mal.
Ciao.
Bye, bye.
Jungen und Freudlos.
Jungen und Freudlos.
Podcast Summary
Key Points:
Der Podcast vermittelt ein offenes, empathisches Gespräch über psychische Themen, basierend auf Hörerinnen- und Hörerfeedback.
Es wird eine Hörer-Folge realisiert, um eigene Erfahrungen und Fragen im Bereich von Angst, Selbstverletzung, Autismus und narzisstischen Beziehungen zu thematisieren.
Die Diskussion zeigt, dass psychische Erkrankungen wie Hypochondrie, Dissoziation oder Borderline-Syndrom vielschichtig und individuell sind und nicht universell beschreibbar sind.
Off-Label-Use von Medikamenten wie Neuroleptika zum Schlafen wird als gängige, aber ethisch durchdachte Praxis dargestellt, mit klarem Informationspflicht.
Apothekerinnen werden als wichtige, oft übersehene Beratungspartner bei Fragen zur Schlafhygiene und Medikamente hervorgehoben.
Die Beziehung zwischen Wahn und Verschwörungstheorien wird differenziert
Zukunfts- und Versagensängste sind weit verbreitet und treten häufig in Zusammenhang mit Stress oder Lebenswechseln auf.
Selbstreflexion und Selbsterfahrung in der Psychotherapieausbildung sind entscheidend, um eigene Reaktionen und Grenzen zu erkennen.
Summary:
Der Podcast „Jung und Freudlos“ präsentiert eine Hörer-Folge, die auf direktes Feedback der Zuhörerinnen und Zuhörer basiert. Thematisch wird ein breites Spektrum abgedeckt: von Angst, Selbstverletzung und Hypochondrie über Autismus und Borderline bis hin zu Beziehungen mit narzisstischen Persönlichkeiten. Besonders hervorhebt das Gespräch, dass psychische Erkrankungen vielschichtig und individuell sind – es gibt keine einheitliche Beschreibung, und das Verständnis wird durch persönliche Erfahrungen ergänzt.
Dabei wird zum Beispiel die Rolle von Apothekern als Beratungspartner betont, da sie oft unerkannt als wichtige Ansprechpartner im Gesundheitssystem fungieren. Bei Fragen zum Wahn und Verschwörungstheorien wird unterschieden: Wahn erfordert kulturelle Unangemessenheit, während Verschwörungstheorien oft kulturell verankert sind. Zukunfts- und Versagensängste werden als häufige, aber nicht pathologische Erfahrungen beschrieben, die sich in Stresssituationen verstärken können.
Eine zentrale Botschaft ist, dass Selbstreflexion und Selbsterfahrung in der Psychotherapieausbildung unerlässlich sind, um eigene Reaktionen, Grenzen und emotionalen Trigger zu erkennen. Der Podcast unterstreicht damit die Notwendigkeit, empathisch, offen und vielschichtig auf psychische Themen zu reagieren – ohne zu vereinfachen oder zu verallgemeinern. Die Bandbreite der Erlebnisse zeigt, dass therapeutische Ansätze individuell und kontextbezogen sein müssen, um wahrhaft wirksam zu sein.
FAQs
Wenn du den Verdacht hast, kannst du dich unbedingt an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie wenden. In der Praxis wird oft der erste Kontakt durch eine Psychotherapie oder einen ersten Beratungstermin hergestellt, ohne dass ein Verdacht von der Behandlerin oder dem Behandler bereits geäußert wird. Es ist wichtig, diese Sorge offen zu besprechen, um mögliche Bedenken zu klären und die eigene Situation zu erkunden.
Die Angst vor psychischen Erkrankungen wird nicht als klassische Hypochondrie betrachtet, sondern eher als ein leidensdruckreicher Zustand. Solche Befürchtungen sind oft verursacht durch Leidensdruck oder Angst vor Schmerzen. Es ist wichtig, diese Gedanken ernst zu nehmen, ohne sie zu lachen oder zu verleugnen, da sie ein Zeichen für eine tiefe emotionale Belastung sein können.
Es ist oft schwierig, auf selbstverletzendes Verhalten zu reagieren, besonders wenn man Angst vor Vorwürfen hat. In vielen Fällen hilft es, mit Empathie und offener Kommunikation umzugehen. Wenn die Person bereit ist, kann dies langfristig zu einer besseren Unterstützung führen. Es ist wichtig, dass jeder individuelle Fall berücksichtigt wird und keine pauschale Regelung angewendet wird.
Off-Label-Use bedeutet, dass ein Medikament außerhalb seiner zugelassenen Anwendung eingesetzt wird. So kann z. B. ein Antipsychotikum wie Quetiapin zur Behandlung von Schlafstörungen verwendet werden. Dies ist ethisch richtig, solange der Patient über die möglichen Wirkungen und Nebenwirkungen informiert wird. Es ist eine weit verbreitete Praxis, aber nur mit ausreichender Aufklärung und Abstimmung mit dem Patienten.
Apotheker*innen sind oft fachkundige Berater für Fragen zu Medikamenten, Schlafhygiene und allgemeinen Gesundheitsfragen. Besonders bei Versorgungsengpässen, wie z. B. während Ärztestreiks, können sie entscheidende Unterstützung leisten. Sie sind oft leichter erreichbar und können Patienten direkt beraten, was besonders in komplexen oder akuten Situationen von Vorteil ist.
Dissoziation kann durch innere Konflikte ausgelöst werden und führt zu Verlust der Selbstwahrnehmung und Orientierung. Der Auslöser ist oft ein äußeres Ereignis, das eine innere Panik auslöst. Es ist wichtig, dass man den Prozess mit einem Facharzt diskutiert, um die Ursachen zu klären und geeignete Unterstützung zu erhalten. Der Ausstieg aus der Dissoziation ist oft nur bis zum Zeitpunkt vor dem Verlust der Erinnerung möglich.
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