Gespräch mit einem People Pleaser: Verantwortung abgeben und Grenzen setzen #82
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Tim teilt in einem ehrlichen, tiefen Gespräch seine Erfahrungen mit dem Thema „People-Pleasing“, das sich seit seiner Kindheit entwickelt hat und zu einem automatischen Muster der Hilfsbereitschaft geworden ist. Ursächlich ist eine streng aufgebaute familiäre Umgebung mit alkoholabhängigen Eltern, die ihm früh vermittelt hat, dass Erwachsenwerden bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und anderen zu helfen. Dieses Muster hat sich im Laufe der Jahre verstärkt, bis es zu einem emotionalen und physischen Burnout geführt hat, da Tim ständig Ja sagt und seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen verliert. Er merkt, dass er sich oft nicht mehr selbst verantwortlich fühlt und dass er durch das Helfen eine starke Bindung zu anderen aufbaut, die aber auch eine emotionale Last mit sich bringt. Um aus dieser Spirale herauszukommen, sieht er in der Selbstreflexion und der regelmäßigen Aufzeichnung des Tages eine effektive Methode, um die eigenen Wünsche und Grenzen wieder zu entdecken. Ein kleiner, aber effektiver Schritt ist das Hängen eines Post-its an den Badezimmerspiegel mit der Frage „Was will ich?“, um regelmäßig die eigene innere Stimme wachzurufen. Die Veränderung ist jedoch nicht sofort möglich – sie erfolgt schrittweise durch Wiederholung, Achtkampf gegen alte Glaubenssätze und das Erkennen, dass es nicht notwendig ist, immer die erste und verantwortliche Person zu sein. Die Kommunikation von Nein erfordert Emotionale Mut, um sich selbst zu schützen und die Beziehung nicht durch Stress zu beeinträchtigen. Tim betont, dass der Prozess nicht durch eine sofortige Perfektion erfolgen muss, sondern durch kontinuierliche kleine Schritte, die langfristig Selbstbewusstsein und eine gesunde Balance zwischen Hilfe und eigenem Wohlbefinden schaffen.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Parapsychologie-Podcast-Folge.
Ich habe heute eine ganz besondere Folge für dich und zwar spreche ich heute mit Tim über das Thema People-Pleasing.
Und das ist ein echtes Gespräch, das nicht geskriptet wurde, sondern Tim ist zu mir in die Praxis gekommen
und wir haben das Mikro quasi angemacht und angefangen, gemeinsam an seiner Problematik zu arbeiten.
Und ich glaube, das kann eine ganz wertvolle Folge für dich sein, wenn du selber damit Probleme hast, Grenzen zu setzen,
nicht immer weißt, was du eigentlich willst und merkst, dass du emotional ausbrennst.
Über diese und viele weitere Themen habe ich mit Tim gesprochen.
Du wirst auch ein bisschen was von seiner Geschichte kennenlernen.
Wir gehen also wie in einer Einzelsitzung auch bei mir relativ tief.
Auch in die Thematiken rein.
Und ich hoffe, dass das so nochmal eine ganz andere Qualität an Informationen für dich sein kann.
Eine Sache muss ich jedoch vorher noch loswerden.
Und zwar war es leider so, dass genau an dem Tag vor meinem Fenster in der Praxis Bauarbeiten stattgefunden haben.
Das heißt, wenn du es bohren hörst, dann tut mir das wirklich super leid.
Das war an dem Tag davor und danach nicht mehr.
Also wirklich ungünstiges Timing.
Aber ich hoffe, dass es nicht so laut ist, dass es die Audioaufnahme wirklich groß stört.
Wenn du beim Hören merken solltest Mensch, ich möchte auch mehr über meine eigenen Muster kennenlernen.
Ich möchte mich mehr selber reflektieren, dann kann ich dir mein neues Buch empfehlen.
Das verlinke ich dir in der Podcast Beschreibung.
Doch lass uns jetzt starten mit unserem Gespräch.
Was wäre denn für heute wichtig, was wir als Thema besprechen?
Also was für mich ganz, ganz wichtig ist, und zwar die People Pleasing, was ich jetzt dabei auch gemerkt habe, eben durch die Podcast,
die ich bei dir angehört habe, habe ich doch auch schon gemerkt, dass dieses Thema People Pleasing auch sehr stark mich betrifft.
Und ich habe einfach Schwierigkeiten, Nein zu sagen.
Also ich bürge mir viel zu viel auf und habe dann am Ende die Schwierigkeit, dass ich anfange, sogar andere Leute zu enttäuschen,
weil ich einfach nicht mehr hinterherkomme mit allen Ja's, die ich den Leuten versprochen habe.
Und am Ende fühle ich mich selber schlecht, weil ich es nicht geschafft habe.
Das ist ein Riesen, Riesenpunkt auf jeden Fall.
Gut, wenn du magst, können wir mal so ein bisschen erstmal reden.
Nein starten mit dem Thema Nein sagen, sich zu viel aufbürden.
Wie ist denn das?
Wie muss ich mir das vorstellen?
War das schon immer so?
Kennst du das schon von dir, seit du klein bist?
Hat sich das irgendwann später entwickelt?
Seit wann ist dir das so aufgefallen?
Also ich würde sagen, ich bin grundsätzlich so eine Person, die sehr, sehr hilfsbereit ist.
Also ich hatte schon immer, glaube ich, das Problem gehabt, nicht Nein sagen zu können einfach.
Also schon in der Schule war ich immer sehr schüchtern, sehr zurückhaltend.
Und wenn mich jemand gefragt hat, hey, kannst du mir da helfen, dann war ich eigentlich immer sogar der Erste, der sagte, ja, ja, klar, gar kein Problem.
Und ich glaube, das hat sich sogar jetzt in dieser Zeit immer mehr verstärkt.
Aber so schleichend, dass ich gar nicht gemerkt habe, wo der Switch dann schlussendlich war.
Also ich glaube, es war wirklich von Jahr zu Jahr immer ein bisschen stärker.
Also ich glaube, ich hatte schon immer irgendwie.
Okay, aber jetzt ist es an einem Punkt angekommen, wo sozusagen die Hilfsbereitschaft, was ja eine wunderschöne Charaktereigenschaft ist,
also quasi so, wo der Pegel. Wo der Pegel ausschlägt in so ein bisschen einen orangenen und roten Bereich, wo du selber merkst, dass du darunter leidest
und auch dein Umfeld, in dem du halt das dann nicht mehr so leisten kannst.
Du hast gesagt, der Leidensdruck hat so mit der Zeit jetzt zugenommen.
Das heißt, ich muss mir so vorstellen, du warst schon immer ein hilfsbereiter Mensch.
Aber jetzt in den letzten Jahren ist es einfach immer mehr geworden.
Und du hast zu mehr Dingen Ja gesagt.
Du hast häufiger gesagt, das mache ich, da bin ich da für dich, so in die Richtung.
Genau, genau, richtig.
Es ist sogar so stark in Anführungszeichen geworden, dass ich nicht mal wirklich aktiv gefragt werde.
Sondern wenn im Raum eine Person einfach die Hilfe braucht und einfach die Frage in den Raum stellt mit mehreren Personen,
fühle ich mich schon fast schon verantwortlich, auch zu sagen, ja, ich helfe dir.
Sodass ich habe nicht mal wirklich die aktive Frage.
Also so weit habe ich das mittlerweile auch schon.
Und wenn du dir dessen bewusst bist jetzt, des Problems, dass du merkst, okay, ich brenne da ein bisschen aus,
das tut mir nicht gut, das tut den anderen nicht gut.
Kann ich mir gut vorstellen, dass du vielleicht einmal versucht hast, das nicht zu machen?
Oder irgendwie was anderes zu machen?
Wie ist das bislang gelaufen?
Oder hast du schon mal diesen Automatismus irgendwie mitbekommen, wenn der so voll im Gange war
und dann versucht, aktiv was anderes zu tun?
In den letzten Jahren habe ich eben das gemerkt, dass mich das ein bisschen ausbrennt
und dass ich da ein bisschen zurückfahren muss.
Auch meine Freundin hat immer gesagt, du kannst nicht immer Ja sagen.
Das funktioniert doch nicht.
Und dann habe ich versucht, mich da aktiv darauf zu konzentrieren und zu gucken,
ja, okay, ich muss öfter versuchen, Nein zu sagen.
Und in diesen Momenten, wo ich dann Nein gesagt habe,
dann habe ich mich dann auch wieder auf den Weg gebracht.
Und dann habe ich mich irgendwie schlecht gefühlt.
Klar, ich habe es immer mal wieder hinbekommen,
aber eigentlich nicht in dieser Häufigkeit, in der ich es eigentlich bräuchte.
Wie hast du dich dann gefühlt, wenn du mal Nein gesagt hast?
Du hast gerade gesagt, du hast dich schlecht gefühlt.
Wie muss ich mir das genau vorstellen?
Ja, also wenn ich dann Nein gesagt habe
und die Person versucht dann quasi weiterhin, das Problem zu lösen
und ich merke das und ich sehe das,
dann kommt tatsächlich auch immer der Punkt, wo ich sage,
verdammt, ich kann eigentlich nicht.
Und dann zwei, drei Tage später bin ich wirklich hin
und sage, hey, brauchst du noch Hilfe?
Ja, soll ich dir vielleicht doch noch irgendwie helfen?
Also dieses Nein hat sich dann irgendwann sogar später umgewandelt
in ein Jahr, wenn ich gemerkt habe,
dass die Person ist tatsächlich weitergekommen.
Okay, also das heißt, du kannst es nicht dann so komplett durchhalten,
sage ich jetzt mal.
Richtig, bei dem Punkt stehe ich und da möchte ich gerne raus.
Und ich glaube, sie würden mich auch voll verstehen,
wenn ich sage, nee, ich kann nicht.
Ich glaube auch, dass sie sofort sagen,
hey, du, gar kein Problem, das überhaupt zu machen.
Zu sagen, es ist trotzdem eine Schwierigkeit, die ich aktuell habe.
Ja, du müsstest ja da in dem Moment das aushalten,
die Verantwortung nicht anzunehmen
und damit aber auch dann sozusagen die Bestätigung und die Anerkennung,
das, was dann hinterher so als Wertschätzung kommt,
wenn man das dann gemacht hat, das würdest du ja dann auch nicht bekommen.
Richtig, ja.
Das fällt ja dann auch irgendwie weg.
Wie fühlt sich das für dich an, sich vorzustellen,
okay, ich müsste zum einen diese Verantwortung zurückgeben
und zum anderen auch so diese Wertschätzung dann nicht bekommen?
Schwer zu sagen.
Also die Verantwortung abzugeben, fühlt sich dann so an,
als ob ich dem nicht gewappnet bin zum einen.
Wirklich schwer zu sagen, tatsächlich.
Also überhaupt der Gedanke, du müsstest jetzt sagen,
okay, ich nehme das nicht an.
Ich lasse die Verantwortung bei dir.
Ich gehe da nicht mit rein und übernehme was,
packe mir ein bisschen was auf die Schultern.
Das kann sich ja manchmal auch schwierig ansehen.
Das kann sich auch schwierig anfühlen oder so.
Wenn du gerade gesagt hast, das ist irgendwie eine Herausforderung,
der ich dann nicht gewappnet bin,
dann könnte da vielleicht so ein bisschen durchklingen,
okay, aber ich muss das ja stemmen können.
Ich muss das ja leisten können.
Es ist irgendwie auch wichtig, dass ich dann zur Stelle bin,
dass ich dann da bin.
Das kann ja auch ein bisschen was mit dem eigenen Selbstbild zu tun haben,
dass man sagt, okay, ich habe auch das Bild von mir,
dass wenn mich jemand fragt, dass ich das dann hinkriege.
Und dann, wenn ich das ablege, könnte das vielleicht so etwas sein wie aufgeben.
Das sind jetzt aber nur meine Worte.
Das kann für dich sich auch komplett,
anders anfühlen.
Ja, ich glaube, das Thema Aufgeben trifft es schon mal nicht schlecht.
Einfach, ich habe viel in der Vergangenheit miterlebt.
Ich habe viel versucht, auch Leute zu unterstützen.
Also ich war immer in dieser Bittstellung,
also in dieser Geberstellung,
den Leuten auch wirklich zu unterstützen, zu helfen.
Das war schon immer so meine größte Eigenschaft.
Und es dann nicht zu machen,
ist auf jeden Fall ein komisches Gefühl,
was ich nicht richtig anfühle.
Deswegen, ja, Aufgeben ist vielleicht kein so schlechtes Wort tatsächlich.
Ja, gerade wenn du sagst, das ist schon schwierig,
da loszulassen oder die Finger vorn zu lassen,
hat irgendwie noch mehr eine Bedeutung als,
ich helfe jetzt einfach nur einer Freundin nicht.
Sondern es hat ja auch in dem Moment eine Bedeutung für dich
und wie du dich siehst und was es irgendwie für dich bedeutet.
Wenn du sagst, du kennst das von dir, du weißt, du bist der Helfertyp
und auf den können sich alle verlassen, auf den können alle zählen.
Und das ist wichtig.
Und das ist vielleicht auch eben verwachsen und verwurzelt in dem Selbstbild.
Dann ist halt manchmal die Frage Okay, was passiert, wenn ich das nicht mehr bin?
Oder wenn ich das nicht mehr so hundert Prozent ausfüllen kann,
wie ich das vielleicht von mir selbst erwarte?
Stimmt, wenn ich jetzt so überlege, wenn ich,
wenn die Person nicht mehr zu mir kommen will und ich nicht mehr die erste Anlaufstelle wird, dann
wüsste ich gar nicht genau.
Ich müsste mich erst mal selber finden.
Glaube ich wieder, habe ich so das Gefühl, es ist etwas riesiger,
Bestandteil meines Selbst, also meines Charakters.
Und wenn das wegfallen würde, ich glaube, das wäre ein Riesenloch, wo ich wieder auffüllen müsste.
Dann müsste ich erst mal gucken Wer bin ich?
Was was will ich eigentlich?
Was sind meine Ziele? Was sind meine Intentionen?
Wo möchte ich eigentlich hin?
Ich glaube, vielleicht ist das auch so ein Riesenpunkt, wo ich sage
Ach, vielleicht die Angst, das auffüllen zu müssen.
Vielleicht auch ein Stück weit.
Okay, aber du hast ja gesagt, das ist ein Automatismus.
Das ist schwer, den zu stoppen, weil dir das meistens gar nicht so richtig auffällt.
Da hast du schon zugesagt.
Da hast du es schon quasi zu deiner Verantwortung auch mitgemacht.
Und du hast gesagt, er gibt.
Den gibt es auch einfach schon ziemlich lange, diesen Automatismus.
Der ist immer sich immer mehr ausgebreitet, möchte ich sagen, hat immer mehr Kraft gewonnen irgendwie mit den Jahren.
Und jetzt hat er aber so viel, so viel die Finger im Spiel in vielen unterschiedlichen Lebensbereichen,
dass es schwierig ist, den wieder zurückzunehmen, weil er so schnell ist.
Okay, genau, genau.
Tatsächlich ist das was dieser Mechanismus, dass man bestimmten
Automatismus hat und der sich immer weiter
Leben ausbreitet und dann irgendwann eine Schwelle übertritt, wo man sagt, da geht
es mir jetzt gerade gar nicht mehr so richtig gut mit, das kennen ziemlich viele Menschen.
Also analog dazu kann ich zum Beispiel vielleicht ein anderes Beispiel mal geben, es gibt viele
Menschen, die sind sehr getrieben und sehr leistungsfokussiert und das war früher vielleicht
nur an den Job oder die Schule oder das Studium gebunden, zu sagen, okay, jetzt gebe ich
hier 110 Prozent und das hat sich aber irgendwann so weit ins ganze Leben ausgedehnt, dass diese
Menschen eigentlich nur noch gestresst sind und überall irgendwie das Gefühl haben,
okay, das muss ich noch machen, das muss ich noch machen, hier muss ich noch rein, das
muss ich noch machen und deshalb gar keine Ruhephasen mehr haben.
Und dann hinterher merken, okay, dass dann vielleicht so eine Art Burnout passiert, dass
man einfach gar nichts mehr spürt, weil man nur noch am Funktionieren ist und sich sozusagen
dieser antreibende Modus von einem kleinen Bereich in den gesamten Bereich des Lebens
so ein bisschen ausgedehnt hat.
Ja, und das kam mir jetzt gerade so als Gedanke, weil du gesagt hast, auch dass diese,
diese Hilfsbereitschaft sich immer mehr ausgedehnt hat in den Rest deines Lebens.
Genau, also du sagst es sogar sehr gut.
Dadurch, dass ich ja auch für die zukünftigen Hilfen immer Ja sage und versuche zu unterstützen,
dass ich schon sagen würde, ich habe jeden Tag irgendwo schon einen stressigen Tag.
Also ich habe jeden Tag viele To-Dos, meine eigenen To-Dos, wie auch To-Dos, wo ich anderen
Leuten auch meine Hilfe angeboten habe.
Und irgendwann merke ich. Dann zeigt mir mein Körper auch, ich brauche die Pause, nehme mir die Pause, lege mich
dann eine Stunde hin, zwei Stunden, mache den Fernseher an, gucke mir irgendwas an,
um einfach runterzukommen und fühle mich dann teilweise auch schon in der Situation
schlecht, weil ich denke, verdammt, eigentlich habe ich noch so viel zu tun.
Und am Ende des Tages ärgere ich mich jedes Mal über mich selber.
Ich habe eigentlich nur 60 Prozent von dem geschafft, was ich eigentlich heute erledigen
wollte.
Und das Gefühl ist fast täglich.
Okay.
Tatsächlich.
Ja.
Weil so viele Sachen anstehen, die ich zugesagt habe für mich, auch für andere, dass ich
dann gefühlt auch schon gar nicht mehr hinterherkomme, aber trotzdem mein Körper signalisiert, jetzt
machen wir langsam.
Ja, ja, klar.
Also deshalb kam ich da auch gerade drauf, weil es ist ja auch viel, was du leisten musst,
viel, was umgesetzt werden muss, viel, wo man da sein muss für andere.
Und das hat ja natürlich was mit deiner Zeit zu tun, aber das kann ja auch im Kopf weiterlaufen,
dass man sich darüber Gedanken macht, wie könnte das noch funktionieren.
Was könnte ich da noch machen?
Wer braucht noch meine Hilfe?
Das ist ja auch eine mentale und emotionale Arbeit, der ebenfalls stressig sein kann.
Und dass du dann vielleicht am Ende des Tages nicht mehr so viel übrig hast für dich.
Oder vielleicht eben auch so eine Art emotionales Burnout erlebst, wo du sagst so: "Uff, das
wird an mir alles gerade ein bisschen zu viel.
Ich kann das gerade alles gar nicht mehr so stemmen."
Das ist natürlich, wo man dann sehen muss: Okay, es gibt anscheinend ein Muster.
Wie gesagt, das läuft automatisch ab.
Das führt dazu, dass du dir zu viel aufbürdest und dann so gestresst bist, weil es so viel
zu tun gibt, dass du über deine eigenen Grenzen hinweg gehst.
Richtig.
Genau.
Genau.
Durch diesen ganzen Stress, durch die ganzen Do's, die in meinem Kopf rumschwirren und
Sachen, die ich ja noch erledigen und machen muss, habe ich selber mal die Schwierigkeit,
nicht mehr zu wissen: Ja, was möchte ich jetzt eigentlich machen?
Ja, was sind jetzt meine Wünsche?
Wo möchte ich hingehen?
Was möchte ich jetzt erleben?
Aber zu diesem Punkt komme ich schon fast gar nicht mehr.
Was mir auch ein bisschen Angst macht tatsächlich.
Ich habe mir dann auch wirklich die Zeit genommen und überlegt: Was möchte ich eigentlich?
Und was sind meine Wünsche?
Was sind eigentlich meine Hobbys?
Ich musste wirklich überlegen: Was sind eigentlich meine Hobbys?
Und ich saß da und hatte tatsächlich keine Antwort.
Weil ich selber gar nicht mehr wusste, was mich jetzt ausmacht, was mich jetzt so anstrebt,
abgesehen davon.
Ich bin der Helfer-Mensch.
Aber das ist ja was ganz Spannendes.
Das geht tatsächlich vielen People-Bleasern so oder Menschen, die die Bedürfnisse von
anderen Menschen vor ihre eigenen stellen.
Dadurch verlernt man ja den Zugang zu den eigenen Bedürfnissen.
Wenn ich immer an erster Stelle: Was willst du eigentlich?
Was würde dir gerade guttun?
Habe, dann wird dieser Zugang zu: Was will ich eigentlich?
Was ist meine Meinung?
Wo will ich eigentlich hin?
Der verkümmert dann so ein bisschen.
Wird immer ein bisschen kleiner.
Wie so eine Pflanze, die man nicht gießt.
Und wenn man dann irgendwann mal vor der Aufgabe steht, wieder dahin zu kommen, dann
hat man halt, ist dieser Zugang so klein geworden, dass man den kaum noch spürt.
Weil das muss man trainieren.
Und das darf halt nicht zu klein werden für sich selbst.
Das ist aber eine Konsequenz, wie gesagt, die erleben viele Menschen sozusagen.
So dann: Mist, ich weiß gar nicht, was mich antreibt.
Mist, ich weiß gar nicht, was, wer ich bin, außerhalb von den Personen, die die Bedürfnisse
von anderen auf dem Schirm hat.
Und das hatten wir ja vorhin schon mal so ein bisschen mit diesem Selbstbild.
Wenn das natürlich, oder halt auch Selbstwertgefühl, wenn das sehr stark eben daran gekoppelt ist,
im Außen, in deinem Fall, zu helfen, im Außen zu sein, mit den Gedanken, mit dem Verhalten,
mit den Dingen, die man so macht, dann ist eben das, was ist im Inneren?
Was ist bei mir?
Was ist mir wichtig?
Was brauche ich für mich gerade?
Nun, das wäre schon mal so eine erste super wichtige Aufgabe.
Mal häufiger sich überhaupt diese Frage zu stellen: Was will ich gerade?
Es tut sogar ganz gut, ein Tagebuch einfach mal zu schreiben.
Das ist so eine Übung, wo ich jetzt mal für mich selber entdeckt habe, wo ich gesagt habe:
Das ist etwas, wo ich mal selber lernen kann: Was will ich?
Was möchte ich?
Und auch ein bisschen zu reflektieren: Ja, was habe ich heute überhaupt gemacht?
Was habe ich heute überhaupt geschaffen?
So um dann auch zu sehen: Okay, ich habe vielleicht nur 70 Prozent von meinem Tag heute erledigt,
aber was waren die 70 Prozent überhaupt?
Ist eine sehr gute Idee.
Also generell was aufschreiben, sich die Zeit für sich zu nehmen, die Reflektion zu machen,
ist sehr schön, weil da kann man so ein bisschen das ausgleichen, wo sozusagen den Rest des Tages über
vielleicht nicht unbedingt deine Energie hingeht.
Wenn deine Energie viel im Außen ist, viel bei anderen ist, so 90 Prozent der Zeit,
dass man dann nochmal guckt: Okay, jetzt nehme ich mir nochmal ein bisschen gesonder Zeit
und richte diese Energie nicht nach außen, sondern nach innen.
Also sozusagen der Pfeil geht einmal in die andere Richtung.
Wenn du jetzt merkst und auch vielleicht an alle, die zuhören:
Boah, mein Alltag ist so super stressig, ich weiß nicht, wo ich das einbauen soll,
dann ist mein Tipp da immer, das mit etwas zu kombinieren, was man eh schon macht.
Also jetzt vielleicht in deinem Fall, das ist immer so mein Go-To, sich wirklich so einen kleinen Post-it
vielleicht einfach an den Badezimmerspiegel zu hängen und einfach nur die Frage darauf zu schreiben:
Was will ich?
Was würde mir jetzt gerade guttun?
Ja, ist keine schlechte Idee tatsächlich.
Weil klar, natürlich, man geht mindestens zwei-, dreimal täglich ins Bad
und es ist immer wieder die Erinnerung sozusagen zu wecken: Ja, was möchte ich eigentlich?
Genau, es geht erstmal nur darum, diesen Zugang wieder größer zu machen, sich überhaupt die Frage zu stellen.
Und es kann auch sein, dass man am Anfang gar nicht so wirklich das weiß,
so die Antwort auf die Frage nicht unbedingt kennt.
Aber daran merkt man auch sozusagen, dass man erstmal so ein bisschen aufräumen muss,
dass dieser Zugang vielleicht vollgestellt ist.
Also mit Spinnenweben und verrostet und man kommt da gar nicht mehr so richtig ran.
Muss man erstmal wieder so ein paar Mal durchgehen, bis man dann wirklich auch merkt und spüren kann:
Was will ich eigentlich gerade?
Was würde mir jetzt gerade etwas Gutes tun?
Finde ich gut, ja.
Also auf jeden Fall ein To-Do, was ich sehr, sehr gerne mitnehmen werde.
Ich würde jetzt ganz gerne nochmal so ein bisschen verstehen, warum das für dich so wichtig ist, der Helfer zu sein.
Ja.
Also ich glaube,
dass es viel von meiner Kindheit eben kommt.
Also ich denke mal,
also damit assoziiere ich es auf jeden Fall sehr,
weil ich früh lernen musste, erwachsen zu werden.
Wir sind sehr, sehr streng aufgewachsen worden durch unsere Eltern.
Wir sind übrigens auch eine große Familie.
Wir durften auch einfach nicht viel machen.
Sehr viele Konsequenzen.
Bei guten Sachen wurden wir nie gelobt.
Bei schlechten Sachen wurden wir nur bestraft, sage ich jetzt in Anführungszeichen.
Und was ich dann einfach in der Zukunft so ein bisschen selber gemerkt habe,
früher habe ich das als Kleines Kind vielleicht gar nicht wirklich gemerkt,
aber in der Zukunft habe ich das auch so selber auch gemerkt,
dass es meinen Eltern auch nicht gut geht tatsächlich.
Also ja, meine Eltern sind halt wirklich so dieses alte Denken, sage ich jetzt mal.
Klar, so wie es früher war, so muss es immer laufen.
Und es wird das ganze Leben lang so gehen.
Und ich hätte mir tatsächlich sogar gewünscht,
wenn sie sich jemanden gesucht hätte, mit dem sie reden könnten,
hätten wir wahrscheinlich nicht so eine Kindheit
oder würde sie nicht so ausgeprägt sein bei mir.
Weil der Hintergrund ist ein Stück:
Meine Mutter ist starke Alkoholikerin.
Das habe ich früher nie gemerkt.
Das habe ich jetzt erst im Alter gemerkt,
durch ihre Verhaltensweise, ihre Verhaltensmuster.
Ja, und der Hintergrund selber bei ihr ist,
dass sie ihren Bruder auch sehr, sehr früh verloren hat durch einen Unfall.
Als sie schwanger war, hätte ihr Bruder eigentlich
der Patenonkel von meinem Bruder sein sollen.
Ich glaube, das ist etwas, was sie sehr, sehr getroffen hat,
was sie sehr zerstört hat.
Und dieses Negative, dieses Gefühl, was sie ja hat,
meint es auch, auf uns rübergebracht zu haben.
Und er hat früh mit dem Trinken angefangen.
Und da hat sie dann irgendwo gemerkt,
ich glaube, mit 15, 16 Jahren habe ich das ja wirklich erst realisiert,
dass sie das hat.
Und das war halt nicht einfach für uns Kinder.
Und ich habe das immer versucht zu verstecken von meinen Freunden.
Also jedes Mal, wenn ich raus bin und meinen Freunden irgendwas gemacht habe,
habe ich das nicht an mich ran lassen.
Also ich bin wirklich hinsichtlich.
Viele meiner Freunde wussten jahrelang gar nicht, was so wirklich hinter unserer Tür wirklich passiert, weil ich wollte nicht, dass die Leute das wissen. Mir war es irgendwo ein Stück weit unangenehm, peinlich und ich wollte halt auch nicht schwach meinen Freunden gegenüber werden.
Klar, in der Pubertät darf man jetzt nicht so ein kleiner Schwächling sein, sei es mal in Anführungszeichen. Da wollte man groß und stark wirken und da habe ich es, glaube ich, auch verlernt, offen zu sein, mit den Leuten zu sprechen, über meine Probleme, meine Schwierigkeiten zu sprechen.
Und auch da habe ich gelernt, dieses Erwachsensein habe ich da sehr, sehr schnell lernen müssen. Und ja, dieser Alkohol selber hat unsere Familie sehr gespalten.
Das sind keine. Keiner wollte uns mehr besuchen von unserer Verwandtschaft, von unserer Bekanntschaft. Alle haben sich distanziert. Das hat sich auch bei uns irgendwo auch eingebrannt, weil klar, keiner wollte mehr zu uns. Wir sind auch nirgends, wo wir hin. Also wir waren so ein bisschen wie eingesperrt.
Und ja, das ging halt jahrelang so. Und mein ältester Bruder, der ist schon irgendwann ausgezogen aufgrund vom Studium.
Dann bin ich mit 17 irgendwann. Dann bin ich mit 18 irgendwann ausgezogen, weil ich einfach das nicht aushalten konnte. Also das hat mich so die Jahre richtig, richtig kaputt gemacht. Dieses Hin und Her quasi von meiner Mutter, dieses Geschrei, dieses Aggressive.
Ja, es war ein großes Haus, aber jedes Mal hoch und herum geklopft, Türe eingerissen, teilweise auch schon fast handgreiflich gewesen. Also war alles nicht so einfach, um das eben zu verstecken und nicht nach außen zu tragen.
Ja, es war auch nicht wirklich einfach für mich. Und ja, dann bin ich halt irgendwann ausgebrochen und habe gesagt, tut mir leid, das kann ich nicht mehr, das funktioniert nicht mehr.
Ich habe mich so sehr kaputt gemacht, dass ich dann quasi ausgebrochen bin, bin ausgezogen eben zu meiner Freundin, sehr, sehr früh eben mit 17.
Also in so einer Familienstruktur übernimmt man ja unterschiedliche Rollen. Und gerade wenn sozusagen die Rollen der Eltern ja eigentlich die sind, die beschützen sollten, die da sein sollten, die Verantwortung übernehmen,
das aber nicht können, aus welchen Gründen auch immer, entweder weil sie nicht da sind oder weil sie vielleicht eben alkoholabhängig sind und das dann nicht können und selber sehr instabil sind und nicht reguliert sind,
dann verteilen sich diese Rollen häufig neu. Und wenn du sagst, okay, ich musste früher erwachsen sein und du hast auch gemerkt, da ist deine Bezugsperson, vor allem deine Mama, wo du nie wirklich einschätzen kannst, was jetzt so als nächstes kommt.
Und du weißt aber auch, das ist wahnsinnig.
Das ist wichtig und das ist für unser aller Zusammenleben total wichtig, dass es eine gewisse Harmonie gibt und wir leiden da alle drunter. Und diese Rolle wird nicht von den Eltern übernommen.
Dann verlagert sich das meistens auf die Kinder, dass dann eine oder mehrere Kinder sagen, okay, dann sind wir jetzt die Aufpasser, dann sind wir jetzt die, die gucken, dass zumindest irgendwie das bisschen, was wir irgendwie machen können, dass sich das verändert, dass wir irgendwie die Ruhe halten und das auch auf uns nehmen.
Und das kann aber auch komplett zum Automatismus werden und dass man auch dann eben das Gefühl hat, dass er normal ist.
Dass ich Verantwortung habe. Es übernimmt ja keiner sonst die Verantwortung.
Richtig, ja. Genau. Und ich würde sagen, ich bin auch die Person, die es auch voll und für sich übernommen hat.
Ja.
Ja, weil eben mein Bruder, der eben weggezogen ist, durchs Studium halt relativ weit weg war und einfach auch nicht mehr die Nähe hatte, irgendwas zu tun.
Und ich als der Zweite, ja, dann mich dann in der Verantwortung gesehen habe, okay, wenn irgendwas ist, ich muss.
Ja.
Ja, und die anderen waren einfach noch zu jung, um einmal das teilweise zu verstehen, weil es ja früh schon angefangen hat.
Und natürlich kann es dann auch, wenn du merkst, gut, die Situation mit deinen Eltern ist so eine ganz spezielle, super zugespitzte Extremsituation,
wo dieses Gefühl natürlich noch viel, viel heftiger rauskommt.
Aber der Automatismus schleicht sich auch in deinen Freundeskreis rein.
Genau, ja.
Dass gar nicht die Frage aufkommt, sollte ich vielleicht nicht die Person sein, die hilft, sondern du weißt, du bist die Person, die hilft.
Genau.
Das war schon immer so. Und das hatte auch als Kind und als Jugendlicher eine enorme Wichtigkeit, weil das niemand anderes gemacht hat.
Mhm.
Also hat sich da auch nie ein Filter entwickelt, der sagt, Mensch, soll ich das jetzt wirklich machen oder nicht?
Weil die Antwort war immer ja.
Richtig.
Ne, jahrelang.
Richtig.
Und deshalb ist wahrscheinlich jetzt nicht mehr der Punkt, wo du dich fragst, sollte ich das machen, sollte ich das nicht machen,
sondern weil die Antwort immer ja war, ist sie jetzt auch immer noch ja.
Wenn man jetzt so von deiner Kindheit ausgeht, ist ja vor allem das Helfen als Schutzstrategie, um Gefahr abzuwenden.
Weil es sonst keiner macht, weil sonst die wichtigen Aufgaben liegen bleiben, weil sonst. Irgendwas Schlimmes passiert, weil sonst Konflikt passiert, ne, also eigentlich so eine Art Gefahrenmanagement.
Mhm.
Es kann aber auch irgendwann zu einer Strategie geworden sein, um Bindung aufzubauen, ne, weil du auch gemerkt hast,
oh, da gibt es auch ein positives Feedback, ah, okay, die Menschen mögen mich, wenn ich helfe, ich kann das gut,
weil ich das jetzt schon jahrelang gemacht habe, dann zu merken, ah, okay, dann gehst du nicht weg oder bleibst du bei mir,
so kann ich Bindung aufbauen, so kann ich Nähe aufbauen, wenn ich etwas für dich mache.
Ne, und das ist natürlich dann auch total relevant, wenn man vom Gefühl vielleicht sonst auch nicht weiß,
wie kann ich das denn noch herstellen, wie kann ich noch die gleiche Art von Bindung und die gleiche Art von Vertrauen und Nähe herstellen,
wenn ich das nicht mehr mache.
Ne, also dafür sind ja auch wichtig solche Erfahrungen wie, ich werde bedingungslos geliebt, ne, oder ich werde nur für meine Selbstwillen geliebt.
Mhm.
Und das kann aber auch natürlich sein, dass das vielleicht ein bisschen flachgefallen ist in einem frühen Kindheitsjahr natürlich,
dass hier, wenn da Elternteile viel mit sich selbst beschäftigt sind und du auch gesagt hast, das ist sehr streng, da ist wenig Lob, ne,
nur wenn man, man wird vielleicht nicht kritisiert dann, wenn man was Schlimmes gemacht hat,
aber Lob dafür, dass man so ist, wie man ist und dass man liebenswert ist, so wie man ist, man muss nichts dafür tun, ne,
das ist nochmal eine ganz andere Ecke und da kann sich dann dieser Teil vielleicht nochmal reinschleichen,
so ich muss was geben, um auch Nähe zu bekommen und dann aber natürlich auch dieses, okay, jemandem geht es schlecht, ich muss zur Stelle sein, ne,
und ich sehe ja, ich habe so viel Empathie entwickelt, ne, ich kann mir vielleicht vorstellen, du hast auch ganz feine Antennen,
wenn es deiner Freundin schlecht geht, gut geht, du merkst es sofort, diese feinen Antennen kommen natürlich auch nicht von ungefähr.
Ich kann mir vielleicht auch vorstellen, wenn man halt eben so aufgewachsen ist, dass man schnell wissen musste, ist heute ein guter Tag, ist heute ein schlechter Tag,
ist heute ein Tag, wo ich aufpassen muss, wo ich schon vielleicht gegenarbeiten muss oder nicht, das heißt, diese feinen Empathieantennen,
die du jetzt auch bei deiner Freundin hast.
die du jetzt auch bei deiner Freundin hast, die vielleicht zu stark ausschlagen, wo du merkst, okay, ich mache ihr das alles schön, obwohl ihr Stress jetzt noch gar nicht so hoch ist,
weil aber alles schon bei dir sagt, okay, das könnte jetzt schlimm sein, ich helfe jetzt, ich reguliere schon mal gegen bei ihr, bevor das irgendwie droht zu kippen,
auch das kann eine gewisse Quelle sein, die sagt, okay, mach das einfach, geh in die Verantwortung und tu einfach schnell was, bevor es ein Problem wird.
Ja, ja, das stimmt. Was mir jetzt auch in letzter Zeit aufgefallen ist, diese feinen Antennen,
so wie du das jetzt beschrieben hast, auf jeden Fall richtig, nur dass es mittlerweile auch fast schon in die entgegengesetzte Richtung mittlerweile geht,
dieses, mittlerweile bin ich fast nur noch froh, ich liege auf der Couch, Füße hoch, dass ich manchmal sogar das nicht mal mehr erkenne,
wenn es meiner Freundin nicht mehr so gut geht, also ich habe tatsächlich, je nach Situation, würde ich sagen, wie ich mich gerade aktuell fühle, merke ich es direkt,
aber in manchen Situationen merke ich es dann gar nicht.
Gar nicht mehr, tatsächlich.
Das braucht ja auch viel Kraft, also die ganze Zeit halt auch im Außen zu sein, zu analysieren, zu scannen, das ist ja auch ein Hochleistungssport.
Wenn du aber schon ausgebrannt bist, weil du schon den ganzen Tag das gemacht hast, die letzten Wochen, du kannst gar nicht mehr und dein Körper zwingt dich auf die Couch,
dann wird natürlich auch alles runtergefahren.
Ja, so ungefähr fühlt sich das an, ja.
Aber das ist natürlich, weil du zu viel davon schon rausgegeben hast und diese Fähigkeit,
die du halt so doll benutzt hast, dass dann auch vielleicht irgendwann deine Psyche sagt, so, boah, ich kann nicht mehr, ich habe jetzt keine Lust,
nur noch Tunnelblick, hier nur noch was gucken, jetzt hier nicht noch tausend Informationen, weil du filterst ja die ganze Zeit,
überleg dir, muss ich jetzt direkt in Alarmbereitschaft gesetzt werden, muss ich jetzt direkt was machen, muss ich jetzt direkt reinspringen oder nicht?
Das ist ja jedes Mal ein Stressimpuls, der da passiert.
Ja, richtig, genau, das stimmt.
Das heißt, für dich wird es wichtig sein, diese kleinen Stressimpulse, die abzufangen.
Ja, richtig, genau, also einfach ein bisschen mehr auf mich zu gucken, das ist ein Riesenpunkt, was mir fehlt, was ich lernen muss,
einfach zu gucken, wo möchte ich hin, was möchte ich machen, oder einmal zu sagen, hey, du, es geht gerade nicht,
gerade in Bezug auf meine Freunde, ich sage jetzt mal, zu meinen engen Freunden im Umkreis,
kriege ich das, sagen wir mal, relativ gut gewuppt mittlerweile, das funktioniert mal besser, mal weniger gut,
das ist ein Riesenschritt, ein Riesenpunkt, wo ich noch die absolute große Schwierigkeit habe, zu sagen,
nee, mach das doch mal alleine, so, ich traue mich fast schon gar nicht, zu sagen, nee, mach es doch einfach mal alleine,
sondern das ist etwas, wo ich sage, das muss ich irgendwo lernen.
Ja, also du wirst irgendwie diesen Gefahrenimpuls, diesen Stressimpuls, den das in dir auslöst, mit dem musst du dich beschäftigen,
also wenn du siehst, irgendwie, keine Ahnung, deine Freundin ist heute nicht bei 100% Energie und sie muss noch was erledigen
und in dir springt direkt an, mach es einfach für sie, so, dieses Anspringen, das musst du erstmal wahrnehmen.
Und wenn du dann sagst, okay, das lasse ich jetzt bei ihr, kann es gut sein, dass sich dann etwas in dir sträubt.
Richtig.
Das, was sich da in dir sträubt, ist höchstwahrscheinlich diese erlernte Reaktion.
Die sagt, wenn du es nicht machst, wird was Schlimmeres passieren.
Entweder du verlierst vielleicht die Bindung zu ihr, sie findet dich dann nicht so nett.
Oder aber dann wird es hinterher irgendwie viel stressiger sein.
Mach es doch einfach schon direkt, dann spart ihr euch hinterher den Stress.
Das kann natürlich das im Kleinen sein, was man vielleicht schon in der Kindheit erlebt hat.
Zu sagen, okay, ich mache es einfach jetzt schon direkt, bevor hier eine Explosion passiert.
Und dass du dich dann fragst, okay, ist das jetzt wirklich wichtig?
Ist das jetzt wirklich hilfreich, wenn ich ihr das abnehme?
Oder spricht da auch zum großen Teil vielleicht mal Muster aus mir raus,
dass ich jetzt vielleicht das Gefühl habe, wenn ich es nicht mache, dann passiert was.
Dann ist es vielleicht so eine Gefahrenreaktion.
Oder wenn ich es nicht mache, verliere ich Bindung, verliere ich Nähe.
Und wenn du merkst, oh, das könnte sein, das fühlt sich danach an,
dann weißt du, dass auch zu einem großen Teil dein Muster mitaktiviert wurde.
Wenn man das dann mal so ein bisschen mental rausrechnet,
kann ja sein, dass es immer noch die Wichtigkeit gibt, jetzt zu sagen,
du, ich nehme dir das mal gerade ab, damit wir heute Abend früher ins Bett kommen,
damit morgen ein spannender Tag wird. Kann gut sein, ist auch legitim.
Es kann aber auch sein, dass du merkst, es ist gar nicht so stressig und so gefährlich
und so dringend, wie dieser Automatismus mir das Glauben macht,
sondern da ist auch viel, was ich jetzt da gerade rein projiziere
und was vielleicht aus der Vergangenheit kommt.
Auf jeden Fall mal ein Versuch, ein Versuch wert, ja.
Also das ist so auseinanderziehen, so ein bisschen zu sagen,
okay, ich habe jetzt hier die Situation auf der einen Seite
und ich habe jetzt diesen Automatismus, der sich da total reinbusselt, drüberlegt,
der mir ganz klar sagt,
ich muss zur Stelle sein. Wenn ich es nicht mache, macht es keiner.
Ja, und dann einfach, wahrscheinlich dann einfach sagen,
offen kommunizieren und sagen, hey, guck mal, du machst das jetzt,
ich nehme mich da jetzt raus, probiere es selber oder du musst es jetzt machen.
Also ich, dann, die Schwierigkeit ist dann schon wieder für mich da,
wenn ich es nicht mache, einfach sein lassen, sie dazu drängen,
hey, du musst machen, sonst kriegen wir es nicht hin,
dann stellt sich da schon für mich die Schwierigkeit,
wie gehe ich jetzt dann damit um, ziehe mich einfach zurück und denke mir,
okay, jetzt lasse ich es einfach mal laufen,
ich sage, dir zusprechen, schau mal, wenn du das jetzt nicht machst,
dann kriegen wir es zeitlich nicht mehr hin.
Dann ist mal so für mich die Frage, wie gehe ich da jetzt am besten um,
um sie mit den Worten auch nicht zu stressen,
weil ich möchte sie ja in dieser Situation auch nicht stressen,
indem ich ja sage, du musst es machen, weil wir es zeitlich nicht hinbekommen.
Und da ein bisschen entgegenzuwirken, da die Schwierigkeit ist.
Also wenn du das für dich einmal auseinandergenommen hast,
ist das jetzt gerade wirklich notwendig oder ist es auch mal ein Muster?
Kann gut sein, dass es eine Kombi auch ist.
Die machen es einem ja auch immer nicht so einfach, diese Muster,
dass es so ganz klar ist, schwarz-weiß, das eine oder das andere.
Wenn du weißt, es ist dein Muster, dann musst du dir erstmal emotional begegnen.
Und das für dich erstmal so ein bisschen einordnen, zu sagen,
okay, alles in mir sagt jetzt, ich muss die Person sein,
die zur Stelle ist, weil das sonst keiner gemacht hat.
Und das sonst keiner machen wird, dann werden wir hinten raus ein Problem haben.
Weil das war schon sehr, sehr, sehr viele Male in der Vergangenheit so,
dass es genau so abgelaufen ist.
Wenn ich es nicht gemacht habe, hatten wir hinterher ein Problem.
So, okay, ich merke, dass es auch eine emotionale Komponente hat,
dass dich das stresst, dass dich das in ein Gefühl irgendwie wahrscheinlich auch reinbringt.
Jetzt kann es aber durchaus sein, dass deine Freundin wirklich noch was machen muss
und sie das vielleicht einfach wirklich vergessen hat.
So, wichtig ist. dass du nicht aus dem Affekt heraus auf sie zugehst,
sondern sie vielleicht sogar auch ein bisschen mit reinnimmst.
Muss man natürlich immer gucken, wenn ihr irgendwie da,
wenn du sie anrufst von Autobahn oder was,
dann ist das vielleicht nicht die richtige Situation.
Aber wenn sie dieses Muster auch von dir kennt und Bescheid weiß,
dann kannst du das natürlich auch kurz mitkommunizieren
und sagen, ey, es fällt mir gerade total schwer.
Normalerweise würde ich jetzt sagen, komm, ich mache das schnell,
aber ich merke gerade, das ist auch ein Stück weit mein Muster
und ich trainiere jetzt mal gerade ein bisschen,
um ein bisschen davon Abstand zu nehmen.
Ich lasse dich das nur wissen, damit du weißt,
dass es für mich gerade keine einfache Situation ist,
jetzt die Füße stillzuhalten.
Vielleicht sollten wir kurz mal darüber sprechen,
wie wir das zusammen lösen können.
Also, dass du sie schon so ein bisschen mit reinnimmst,
dass du gerade nicht total entspannt und locker bist
und dass sie das auch einschätzen kann,
ah, okay, du versuchst da gerade was zu verändern.
Okay, ja, auf jeden Fall.
Dann seid ihr beide im gleichen Boot
und sie kann dir ja dann auch ein Feedback geben,
ob sie das wirklich vergessen,
ob sie das auf dem Schirm hat,
was es für dich vielleicht ein bisschen leichter macht,
das loszulassen.
Aber klar, manchmal wird es wahrscheinlich auch Situationen geben,
wo du sagst, da muss ich das jetzt einfach so loslassen.
Das wird, wie du vorhin schon gesagt hast,
einfacher sein bei Menschen, die nicht so wahnsinnig nah dabei sind.
Das heißt, ich würde dir aber raten,
das Nein sagen und die Verantwortung zurückgeben,
weil erst mal auch bei Leuten zu trainieren,
wo es dir ein bisschen leichter fällt,
damit du da dein Selbstvertrauen,
deine Selbstsicherheit schon mal so ein bisschen erarbeitest,
dass du merkst, ich krieg das hin.
Okay.
Manchmal hilft auch da eine Visualisierung.
Also wenn man wirklich sich Verantwortung vorstellt,
wie so ein kleines Päckchen
oder mit Rucksacken schweren,
dass man sagt, okay, ich ziehe den aus
und ich gebe ihn dir zurück.
Ich stelle ihn dir hin.
Ich gebe dir das Päckchen zurück.
Manchmal hilft es in der Visualisierung,
dass man sich das wirklich auch so klar vorstellt,
um das, was man auf emotionaler Ebene dann macht,
ein bisschen konkreter zu machen.
Weil es kann so sehr abstrakt sein,
so ja, dann gib doch die Verantwortung wieder ab.
Dann löst dich doch davon.
Okay, was heißt denn das jetzt konkret?
Und meistens braucht man da was,
was man wirklich machen kann als Alternative.
Und für manche Leute funktioniert es eben sehr gut
über das Visuelle, über die Bilder.
Ja, wie du selber auch sagst,
gib doch die Verantwortung einfach ab.
Das ist ja immer so einfacher gesagt, als einfach getan.
Aber den Schritt dann auch wirklich wegnehmen.
Aber den Schritt dann auch wirklich zu machen.
Dann wirklich zu sagen:
"Ja, Schatz, schau mal, ich krieg's wirklich nicht hin."
Der Schritt ist schwer.
Der ist einfach schwer dann, ja.
Da ist so eine emotionale Hürde.
Das ist ja keine rationale Hürde.
Rational würdest du sagen:
"Ja, klar kann man das machen.
Natürlich, ich verstehe die Logik dahinter.
Die ist jetzt auch nicht so wahnsinnig schwer."
Aber emotional, das sieht ja ganz, ganz anders aus.
Oder vom Bauchgefühl her.
Von so was Unbestimmtem.
Von aber etwas Unbestimmtem.
Oder etwas Starken.
Das sagt:
"Nein, kannst vergessen.
Kannst du gar nicht erst probieren."
Richtig, ja.
Genau.
Das sind, wie gesagt, die alten Sachen.
Das sind die alten, ganz klaren Überzeugungen,
die über eine Wiederholung passiert sind.
Jeder, der das so erlebt hätte, hätte den gleichen Glaubenssatz.
Weil das früher eine Wahrheit war.
Jetzt hat sich der Kontext im Außen verändert.
Du hast da eine Person, eine Bezugsperson,
die durchaus in der Lage wäre, verantwortlich zu sein.
Und auch etwas damit umzugehen, wenn du eine Grenze setzt.
Aber innerlich kann es sein, dass es noch nicht so mitgewachsen ist.
Weil häufig diese Glaubenssätze und diese Ideen,
die sind da so festgefroren, wo sie mal entstanden sind.
Und interessanterweise bildet sich das nicht nach.
Dass ich jetzt sage:
"Okay, die Person, die mir gegenübersteht,
ich sage jetzt mal ganz platt, das ist nicht meine Mutter,
das ist meine Freundin."
Ja, bei deiner Mutter hättest du das nicht machen können.
Das wäre nicht gegangen.
Das wäre nicht okay gewesen.
Auch nicht für deine Geschwister wäre auch nicht okay gewesen.
Bei deiner Freundin sieht es anders aus,
aber es fühlt sich nicht anders an.
Komm, trifft es ganz gut, ja.
Ja, das stimmt.
Und das ist halt total hart, zu sagen:
"Okay, vom Kopf her weiß ich, das ist kein Problem.
Aber da gibt es einen Teil in mir,
und das ist ein starker Teil, und der ist überzeugt.
Und der ist klar, und der hat Kraft.
Und über den müsste ich erst mal drüber,
damit ich es tatsächlich auch umsetzen kann.
Damit es nicht einfach nur ein Gedanke ist,
sondern damit es auch eine Verhaltensweise wird."
Dann kann es nur sein, also für viele Menschen ist es halt so,
dass sie es nicht akut in dem Moment dann sofort umsetzen können.
Das macht aber nichts.
Wenn du raus bist aus dem Gefühl,
und du merkst aber mit ein bisschen Abstand:
"Oh, das könnte gut sein, dass das das Muster gewesen ist."
Kannst du immer noch zurückgehen und sagen:
"Okay, vielleicht schreibe ich da noch mal was zu auf."
"Schreibt ihr da noch mal was."
"Oder schreibt mir das noch mal gerade runter."
Zu sagen: "Was wurde da aktiviert?"
"Warum konnte ich nicht über diese emotionale Hürde drüber?"
"Und was möchte ich verändern?"
Kannst du auch erst mal einfach nur so mitgeben,
damit man so ein bisschen, dass es so eine Gewohnheit wird,
es nicht einfach so stehen zu lassen.
Dass es nicht dieses in Stein gemeißelte:
"Wenn ich einmal Ja gesagt habe, dann geht es nicht anders."
Sondern, dass du ein bisschen anfängst,
das anzuknabbern, aufzuweichen von den Ecken.
Um zu merken: "Okay, ich habe da einen Anpack."
Du musst nicht von dir erwarten,
dass du direkt von 0 auf 100 dann BÄM super kommunizierst
und alles klasse und sofort das umgesetzt bekommst.
Sehr schön, ja.
Aber, dass man sich so langsam rantastet und sagt:
"Okay, ich werde das jetzt nicht so in Stein gemeißelt da stehen lassen,
sondern ich werde anfangen, das aufzuweichen."
Du hast ja selber auch gesagt, das Thema Aufschreiben.
Dann quasi wirklich am Abend sich hinzusetzen,
ein Buch rauszuholen, sich den Tag,
rückblickend dann mal anzuschauen:
"Okay, welche Situationen waren da,
wo ich gesagt hätte:
"Okay, da bin ich jetzt wirklich in Konflikt getreten."
Und mir das dann niederzuschreiben und zu gucken:
das war eine Situation, das war eine Situation und das war eine Situation und dann schlussendlich dann zu meiner Freundin zu gehen und zu sagen, schau mal, die drei, vier Situationen hatte ich jetzt heute zum Beispiel, das sind vielleicht so Punkte, wo ich gucke, da würde ich nächstes Mal schauen, anders damit umzugehen oder wie siehst du das, ist das ein Punkt, wo du sagst, das hättest du auch selber hinbekommen, vielleicht auch in die Richtung zu gehen und zu sagen, hätte ich da überhaupt unterstützen müssen, hätte ich dir überhaupt helfen müssen, hättest du es selber hingekriegt,
vielleicht da in die direkte Kommunikation mit ihr zu gehen nach meinem Aufschrieb.
Ja, das finde ich eine ganz schöne Idee, überhaupt auch mal zu hören, dass jemand sagt, ich schaffe das.
Kann sein, dass dann ein Teil von dir dann nicht so wirklich dran glaubt und dann sagt, okay, ja, das sagst du jetzt so, aber ich muss mal auf Nummer sicher gehen und ich mache es trotzdem.
Dann weißt du aber auch, okay, das ist wie gesagt der Teil, der dann nicht deine Freundin sieht, die Gegenüber.
Sondern das ist, wie gesagt, ein Teil.
Ein Teil, der über eine Wiederholung kommt, über jemanden, der wirklich das nicht hinbekommen hätte, weil du es erfahren hast.
Und das ist aber dann auch wieder wichtig, auch das vielleicht, du hast gerade so einen Schmutzel im Gesicht gehabt, das mit ein bisschen so einem, ein bisschen zu sehen,
ah ja, alles klar, da merke ich, wie das in mir spricht und woher das kommt und was das mit mir macht.
All das gibt dir wieder einen Anpack.
Und ich finde die Idee sehr schön, zu ihr zu gehen und zu sagen, ey, einfach nur, damit ich es mal gehört habe, damit ich eine andere Perspektive darauf bekomme.
Wie wäre das?
Wie wäre das gewesen?
Hättest du das von mir gebraucht?
Hättest du das überhaupt gewünscht?
War das sogar vielleicht zu viel für dich, dass ich das gemacht habe?
Lass mich doch einfach damit mal hören.
Und es wäre natürlich auch schön, wenn das für sie okay ist, dass du jemanden hast, mit dem du dich so ein bisschen austauschen kannst.
Kannst du auch für dich alleine machen, könnt ihr zusammen machen, dass du sagst, boah, mir fällt jetzt erstmal auf, an dem und dem und dem Punkt war bei mir sofort klar, ich muss gerade stehen, ich muss das machen, ich muss jetzt hier in Aktion treten.
Und habe ich in dem Moment gar nicht richtig gemacht.
Ich habe das wirklich gespürt, aber jetzt gegen Abend, wo ich es nochmal reflektiert habe, boah, das war drei, vier Mal am Tag heute.
Und da wollte ich dich einfach nochmal wissen lassen, einfach nochmal mit reinnehmen in die Reise der Selbstreflexion quasi.
Da musst du auch, also du hast gerade gesagt, und dann mache ich es das nächste Mal direkt besser.
Ja, das ist schön, wenn man so ein bisschen sagt, okay, da kann ich anpacken.
Aber gerade von Anfang ist es auch erstmal nur wichtig, sich darüber austauschen zu können, das gemeinsam oder auch alleine reflektieren zu können.
Du musst es auch nicht direkt von dir erwarten und bam.
Das heißt, morgen passiert mir das gar nicht mehr.
Sondern das ist wirklich so eine Randtaste.
Und das ist der menschliche Weg zur Veränderung.
Ja, ich glaube, das ist auch wirklich so ein Punkt.
Ich erwarte auch immer zu viel dann von mir, wenn ich sage, die und die Punkte habe ich jetzt gemerkt, die müsste ich ändern.
Dann ist es so mein innerer Ansporn, okay, ich muss am nächsten Tag, muss das auf jeden Fall besser laufen.
Ich denke, so jetzt rückblickend, ist es eher kontraproduktiv zu sagen, ich muss am nächsten Tag direkt.
Viel besser machen oder direkt umgesetzt zu haben, weil das ist wieder so ein, ich glaube, das geht wieder über zu dem, ich möchte den Menschen helfen.
Ich möchte, dass es denen gut geht.
Also will ich ja auch die Lösung direkt parat haben und auch direkt das umgesetzt bekommen, wie es auch richtig ist.
Und das ist wieder so ein unnötiger Druck wahrscheinlich, den ich mir wieder aufsetze, den man nicht unbedingt braucht.
Also du kannst wirklich mal so ein bisschen durch deinen Tag gehen und gucken, wo ist es so ein Druck?
Das kann auch nur ein ganz kleines sein, aber das könnte schon spannend werden, zu merken, okay, oh, bei dem Gedanken, jetzt morgen direkt alles kommunizieren zu müssen, da ist schon ein bisschen Druck.
Und dann einfach mal zu gucken, passt das in das Muster, so wie du es jetzt gerade auch gemacht hast.
Kann das sein, dass ein großer Ansporn eben daraus passiert, zu sagen, ich muss leisten, ich muss da sein, ich muss es richtig machen.
Dass ich mit der Zeit gelernt habe, auch diese Erwartung an mich zu haben, die man früher an mich hatte.
Anzumerken, dieses Einordnen und Verständnis für sich selbst haben, das kann schon total befreiend sein.
Das Interessante ist aber, man muss das wirklich jedes Mal wieder machen.
Weil wenn man dann da drin steht und einfach nur so eine Situation vor den Augen hat, ist einem das häufig gar nicht bewusst, auch wenn man im Hinterkopf sein Muster sehr gut kennt.
Sondern es muss einem wirklich, man muss es wieder hochziehen und sagen, ah ja, Mensch, das passt wieder.
Ah ja, Mensch, da ist ein ganz schöner Druck und der ist ganz schön alt und der ist ganz schön lange eingeübt.
Krass, dass der hier auch wieder seine Finger drin hatte.
Ja, ja, stimmt.
Das ist so ein bisschen auch wieder mit dem Post-it, dass man sich dann auch da von mir aus einen zweiten Post-it vielleicht einfach nochmal daneben setzt und sagt,
hey, schau doch mal, nimm dir die Zeit, reflektiere einfach nochmal in den Tagen nochmal ein bisschen selber, um einfach die Muster wieder zu erkennen.
Wie du selber auch gesagt hast, in der Situation selber die Muster zu erkennen, fällt mir auch tatsächlich sehr, sehr schwer.
So schnell auch wirklich was zu machen, dass man auch gar nicht merkt, okay, das war jetzt tatsächlich genau dieser Punkt.
Ja, das ist eigentlich gar nicht, also das mit dem Post-it finde ich eine sehr schöne Idee, weil es ja nicht nur mich ein Stück weit auch erinnert,
sondern auch meine Freundin auch ein Stück weit mit erinnert, weil es steht ja dann neben mir, putzend da gemeinsam wie zehn ansehen mit Post-it.
Ah ja, und, hast du schon so ein bisschen.
Ich glaube, das ist auch irgendwie um uns beide, glaube ich, ein Stück weit auch gut tut.
Ja, ja, genau, also dass man so ein bisschen in die Übung geht.
In die Übung kommt, in die Gewohnheit kommt.
Wie du sagst, viele Menschen haben Muster und Glaubenssätze, eigentlich alle, so, aber die schalten halt so schnell, weil, wir haben ja gerade darüber gesprochen,
dieser Filter, ist es jetzt wichtig, dass hier gerade geschaltet wird, muss ich das wirklich so machen oder nicht, der ist ja weg.
Der wurde ja über lange, lange, lange Wiederholungen einfach rausrandiert, weil der irgendwann irrelevant geworden ist, weil du musstest halt da sein.
Genau, genau.
So, das heißt, den müssen wir jetzt langsam wieder einbauen.
Den bauen wir aber nur über eine Wiederholung auch wieder ein.
Der ist über eine Wiederholung weggegangen, wir bauen den über eine Wiederholung wieder ein.
Ja, klar, wie im Sport, in der Schule, überall.
Vokabellernen, genau.
Diese Wiederholung, dass sich das mehr einbringt.
Genau, das heißt, es ist wichtig, im Kleinen, wenn du sagst, ich habe nicht jeden Tag da eine halbe Stunde für, um meinen Notizblock aufzumachen und dann hier erstmal schön zu journalen, das wäre natürlich super.
Aber, wenn man sagt, okay, besser. Fünf Minuten als gar nicht.
Und dann zu sagen, okay, und wenn ich das eben nur beim Zähneputzen mache, mache ich es nicht schriftlich, schriftlich ist ein bisschen schöner, weil es auch nochmal eine gute Strategie ist, um wirklich das rauszubekommen, was in einem ist und man es dann nochmal so schön schwarz auf weiß sieht.
Aber wenn du es nur schaffst, an einem Tag zu sagen, ich denke einmal mal kurz drüber nach, ordne mal ein paar Situationen ein und stelle mir diese Frage, was will ich eigentlich, dann ist das auch schon super.
Ja.
Tatsächlich wüsste ich eine schöne Situation, eben meine Freundin und ich haben ja einen gemeinsamen Hund, gehen auch immer abends gemeinsam mit dem Hund laufen, wäre vielleicht sogar für mich so eine Situation, das ist gerade der Moment, wo ich sage, das ist eine schöne Zeit, um da ein bisschen selbst zu reflektieren und darüber zu sprechen und da einfach zu gucken, zu reflektieren, wie war der Tag über.
Hoffentlich natürlich, dass es nicht in der Zeit auch noch wieder ein Trigger kommt.
Natürlich auch, es sollte natürlich auch gegeben sein, aber eher vielleicht in der Situation ein Stück weit es zu machen.
Ich glaube, es wird erst im Laufe der Zeit, wenn ich das versuche anzuwenden, ich glaube, da werden viele Fragen aufkommen tatsächlich, weil ich das erstmal erleben muss und nicht nur erleben, sondern ein Stück weit auch spüren muss, wie fühlt sich das an, wie setze ich das um, wie geht es mir dabei.
Und ich denke, dass da sehr, sehr viele Fragen kommen.
Und ich denke, dass da sehr, sehr viele Fragen dann vielleicht noch aufkommen werden.
Wir können ja auch nochmal ein zweites Mal sprechen, vielleicht in ein paar Monaten, wenn du genug Zeit hattest, sozusagen das Ganze mal anzuwenden, können wir vielleicht noch eine zweite Sitzung zusammen machen und dass wir dann nochmal schauen, was vielleicht noch aufgekommen ist.
Ja, das würde mich sehr, sehr freuen auf jeden Fall. Es ist eine gute Stütze, ich würde sagen, ein gutes Fundament, womit ich weiter jetzt komme.
Wunderbar, dann danke.
Danke dir sehr für das Gespräch und ich wünsche dir noch einen wunderschönen Tag.
Ich habe zu danken, dass ich hier sein kann und das wünsche ich dir sehr verständlich auch.
Danke dir, Tim, nochmal für deine Offenheit, dass du diese Dinge mit uns geteilt hast.
Ich hoffe, dir als zuhörende Person hat diese Podcast-Folge auch gefallen, du konntest ganz viel mitnehmen.
Wenn ja, freue ich mich wie immer über eine Fünf-Sterne-Bewertung.
Wenn du selber einmal in diesem Format mitmachen möchtest, eine kostenlose Therapiesitzung hier zu machen, die dann aufhört,
aufgenommen wird für den Podcast, natürlich auch anonymisiert, dann kannst du dich bei mir gerne melden unter kontakt.partherapybon.com.
E-Mail hinterlasse ich dir auch nochmal in der Podcast-Beschreibung und dann hören wir uns aber auf jeden Fall nächsten Freitag wieder zu einer neuen Folge.
Podcast Summary
Key Points:
Tim beschreibt ein tiefes Problem mit dem Menschen-Betreuen, das sich seit der Kindheit entwickelt und zu einem automatischen Muster verfestigt hat.
Die Hilfsbereitschaft, die ursprünglich als Schutzmechanismus diente, hat sich im Laufe der Zeit zu einem Überlastungszustand entwickelt, der emotionale und physische Ausburnout verursacht.
Die Schwierigkeit, Nein zu sagen, entsteht aus tief verwurzelten Glaubenssätzen, die Bindung, Sicherheit und Verantwortung verbinden und oft aus einer traumatischen Kindheit mit alkoholabhängigen Eltern stammen.
Das Gefühl, verantwortlich zu sein, wird durch feine Empathieantennen verstärkt, die aber auch zu einer emotionalen Überlastung führen, wenn sie übermäßig aktiviert werden.
Für eine Veränderung ist es entscheidend, sich selbst zu reflektieren, durch Tagebücher oder kleine Aufgaben wie ein Post-it-System, um die eigenen Wünsche und Grenzen wieder zu erkennen.
Das Erkennen von Mustern und emotionalen Hürden ist ein langfristiger Prozess, der durch wiederholte, bewusste Reflexion und Übung gefördert wird.
Die Kommunikation von Grenzen – auch mit engen Bezugspersonen – erfordert emotionale Mut und wird durch die Erwartung, dass die Person das selbst hinbekommt, erleichtert.
Die Veränderung erfolgt nicht sofort, sondern durch kleine, kontinuierliche Schritte, die Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen schrittweise aufbauen.
Summary:
Tim teilt in einem ehrlichen, tiefen Gespräch seine Erfahrungen mit dem Thema „People-Pleasing“, das sich seit seiner Kindheit entwickelt hat und zu einem automatischen Muster der Hilfsbereitschaft geworden ist. Ursächlich ist eine streng aufgebaute familiäre Umgebung mit alkoholabhängigen Eltern, die ihm früh vermittelt hat, dass Erwachsenwerden bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und anderen zu helfen. Dieses Muster hat sich im Laufe der Jahre verstärkt, bis es zu einem emotionalen und physischen Burnout geführt hat, da Tim ständig Ja sagt und seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen verliert.
Er merkt, dass er sich oft nicht mehr selbst verantwortlich fühlt und dass er durch das Helfen eine starke Bindung zu anderen aufbaut, die aber auch eine emotionale Last mit sich bringt. Um aus dieser Spirale herauszukommen, sieht er in der Selbstreflexion und der regelmäßigen Aufzeichnung des Tages eine effektive Methode, um die eigenen Wünsche und Grenzen wieder zu entdecken. “, um regelmäßig die eigene innere Stimme wachzurufen.
Die Veränderung ist jedoch nicht sofort möglich – sie erfolgt schrittweise durch Wiederholung, Achtkampf gegen alte Glaubenssätze und das Erkennen, dass es nicht notwendig ist, immer die erste und verantwortliche Person zu sein. Die Kommunikation von Nein erfordert Emotionale Mut, um sich selbst zu schützen und die Beziehung nicht durch Stress zu beeinträchtigen. Tim betont, dass der Prozess nicht durch eine sofortige Perfektion erfolgen muss, sondern durch kontinuierliche kleine Schritte, die langfristig Selbstbewusstsein und eine gesunde Balance zwischen Hilfe und eigenem Wohlbefinden schaffen.
FAQs
People-Pleasing bedeutet, ständig anderen zu helfen und ihre Wünsche zu erfüllen, oft auf Kosten eigener Grenzen. Dies führt zu emotionaler Erschöpfung, da man sich selbst ausbrennt und nicht mehr Zeit oder Energie für eigene Bedürfnisse hat.
Das Muster entsteht oft in der Kindheit, wenn man von Eltern gelernt hat, sich zu verantworten und für andere da zu sein. Diese Verantwortung wird dann zu einer automatischen Reaktion und wird immer stärker, bis man kaum noch an seine eigene Meinung denkt.
Weil du dich verantwortlich fühlst und glaubst, dass du durch Nein die Bindung verlierst oder dass etwas Schlimmes passieren wird. Das führt zu innerem Stress und dem Gefühl, dass du etwas falsch gemacht hast.
Durch regelmäßige Selbstreflexion, zum Beispiel mit einem Tagebuch, wo du tagtäglich überlegen kannst: Was möchte ich wirklich tun? Was ist mir wirklich wichtig? Das hilft, den Verlust der eigenen Werte wieder zu erkennen.
Weil es oft mit einem tiefen Selbstwertgefühl verbunden ist, das an die Hilfsbereitschaft gebunden ist. Wenn man lange für andere da war, fühlt man sich als „nicht genug“ oder „nicht ausreichend“, wenn man nicht mehr hilft.
Ja, beispielsweise durch kleine Post-its an den Spiegel, auf denen steht: „Was will ich gerade?“. Dies schafft eine tägliche Erinnerung an das eigene Wohlbefinden und hilft, die eigene Stimme zu finden.
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