Geschwister - Wie uns Brüder und Schwestern prägen
29m 10s
Die aufopfernde große Schwester. Das verwöhnte Nesthäkchen. Das egoistische Einzelkind. Manche Klischees über Geschwister stimmen nicht. Doch Schwester und Brüder prägen uns - und bleiben ein Leben lang. Ein Podcast von Marisa Gierlinger.CreditsAutorin dieser Folge: Marisa GierlingerRegie: Günter MaurerSprecherin: Elisabeth FindeisRedaktion: Vera Kern
Im Interview:Hildegard Botzenhardt, Neu-Ulm, hat viele GeschwisterÜnsal Mutlu, Gastwirt, LangenauÜmit Mutlu, Gastwirt, LangenauJochen Rögelein, Familientherapeut in MünchenDr. Jürg Frick, Psychologe und Geschwisterforscher, SchweizDr. Julia Ro...
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4012 Words, 26855 Characters
"Wie wir ticken, wie wir ticken, wie wir ticken, euer Psychologie-Podcast!" Geschwister können wir uns nicht aussuchen und sind sie einmal da, werden wir sie nicht los. "Wir haben eigentlich uns gebraucht, also ich wollte nie allein sein, ich kann auch heute schlecht allein sein." Brüder und Schwestern sind unsere Ängsten verbündeten und härtesten Revalen. "Das ist halt das schöne an Geschwistern, in der einen Sekunde, soft man sich in der anderen Sekunde leck man sich wieder in den Armen." "Das muss man sich immer klar machen, Geschwisterbeziehungen sind die Beziehungen, die uns biografisch am längsten zur Verfügung stehen." "Machen Sie uns auch zu denjenigen, die wir sind, die aufopfernde große Schwester, das verwöhnte Nesthekchen oder eben das egoistische Einzelkind? Bloßig Klisches oder ist doch was dran?" Geschwister, wie Brüder und Schwestern uns prägen, von Marisa Gierlinger. "Also wir befinden uns hier im Hauptraum von Sys Downtown und haben hier die Automaten, wo unsere Heimlandschaften ihre Spiele austragen." In Salmutlung führt durch seine Laden, das Sys Downtown in Langenau bei Ulben. Anfang 2025 hat er die Darzknalpe mit seinen beiden Brüdern übernommen. Dem älteren, Ünal und dem jüngeren, ümit. "3 Ü ist eine Sturder als Sandra." Ünsal, der mittlerer, ist der Chef. Mit seinen langen Locken passt er auch gut in die Rockerknalpe. Früher waren die Brüder selbst Stammgäste. "Man große Bruder, Ünal und ich, wir haben auch in der Tatliga gemeinsam gespielt in einer Mannschaft, solchen Vögel war es." "Genau, solchen Vögel war es." "Und dadurch wollen wir halt auch sehr oft hier, würde ich sagen." "Ja, was ich nie verstanden habe, wenn man mich z.B. gesehen hat, habe ich schon der Bruder von Ünsal." "Ja, wie kommst du drauf?" "Ja, ich sehe doch ich ähnlich." "Da habe ich immer gedacht, wir sehen uns überhaupt nicht ähnlich." "Ja, aber da hat wahrscheinlich irgendetwas anders gesehen, dass uns eh nicht." In Deutschland wachsen drei Viertel der Kinder mit mindestens einem Geschwisterteil im selben Haushalt auf. So eine Erhebung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2022. Zwischen leiblichen Adoptiv und Stiefgeschwistern wird dabei nicht unterschieden. Entscheidend ist das gemeinsame Aufwachsen. Auch für die Entwicklung. Wir können natürlich sehr viel von einem anderen profitieren. Sag der Schweizerpsychologe und Geschwisterforscher Jörg Fregg. Man lernt zu streiten auf einer anderen Ebene als, dass mit den Eltern passiert, wiederstand zu leisten, nachzugeben. Einstellungen, die man vom Geschwister übernimmt oder die Einstellungen, die man ablehnt, die man doof finden zum Beispiel. Also ganz viele Gefühlsmuster und Einstellungsmuster, die hier auf einer eher horizontaleren Ebene auch laufen. Mit den Eltern trainiert man auch Muster, aber wir sind dann eher wertig. Das sind andere Beziehungsebene und Muster. Das heißt, es sind auch andere Möglichkeiten, solche Muster zu trainieren, zu verfeinen, zu verändern und zu weiter. Wie wirken sich Geschwister auf unsere Persönlichkeit aus? Einer der ersten, der sich für diese Frage interessierte, war der Psychotherapeut Alfred Adler, begründer der sogenannten Individualpsychologie. In seinem 1927 erschienenden Werk "Menschenkenntnis" kommt Adler zu dem Schluss. Das ist für die Beurteilung eines Menschen wichtig ist, die Situation zu kennen, in der er aufgewachsen ist. Eine Situation besonderer Art ist nun in der Stellung gelegen, die ein Kind in der Reihe seiner Geschwister einnimmt. Auch nach diesem Gesichtspunkt können wir die Menschen einteilen und sind, wenn wir über genügend Erfahrung verfügen, im Stande zu erkennen, ob jemand ein Erstgeborener, der Einzige, der Jüngste und so weiter ist. Die Geburtsreinfolge wird seit Alfred Adler immer wieder aufgegriffen, wenn es darum geht, Geschwisterkinder einzuordnen, von Alltagsklischees bis zur psychologischen Forschung. Elterstes, mittleres oder jüngstes Kind macht das wirklich einen Unterschied? Stellen Sie sich vor. Sie sind das älteste Kind, das Zweite ist fünf Jahre jünger, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das ältere Kurs auf das jüngere aufpassen muss, wenn die Eltern zum Beispiel Kurs zum Briefkassen gehen oder schnell zu nachbringen, ist die Wahrscheinlichkeit ungleich höher, dass die Eltern nicht das jüngere Kind fragen, pass auf das ältere auf so einen ungekehrt. Man kann vielleicht sagen, es gibt eine älters erhöhte Häufigkeit, wenn man eine Position hat sich dann auf alle bestimmten Ortenweise zu verhalten. Und doch, empirisch erforschen lässt sich das nur schwer. Julia Rohra ist Persönlichkeitspsychologin und forscht an der Universität Leipzig. Was wir tatsächlich in der Forschung uns eigentlich nur anschauen können, sind eben durchschnittliche Effekte. Also wie sieht es im Schnitt aus, bei Erstgeborenen im Vergleich zu zweitgeborenen, im Vergleich zu Drittgeborenen und so weiter? Und da finden wir eben wenig systematische Unterschiede einfach. Rohra war in den vergangenen Jahren an mehreren, großangelegten Studien zur Reinfolge der Geschwister beteiligt. Mit Daten setzen von insgesamt mehr als 30.000 Menschen aus unterschiedlichen Ländern, haben sie und ihre Kollegen untersucht, wie sich ältere und jüngere Geschwister in ihrer Persönlichkeit unterscheiden. Verglichen wurden dabei Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit oder Extraversion, also soziale Offenheit. Aber auch die Faktoren Intelligenz und Bildungsniveau. Die Ergebnisse sind ernüchternd, aber für Julia Rohra nicht überraschend. Also eine Herausforderung ist einfach, dass wir wissen, dass in Prinzip Persönlichkeit von ganz, ganz vielen Faktoren in unterschiedlichster Art und Weise beeinflusst wird. Wir haben im Prinzip viel Rauschen in den Daten, also viele Unterschiede, die uns gar nicht so sehr interessieren. Eine wichtige Rolle spielen die Gene, die wir uns nur zu etwa 50% mit unseren Geschwistern teilen. Aber auch Faktoren außerhalb des familiären Umfels nehmen Einfluss auf unsere Entwicklung. Dazu kommt das Familien sich untereinander schwer vergleichen lassen, selbst dann, wenn sie vermeintlich ähnlich sind. Es zum Beispiel jeweils einen großen Bruder und eine kleine Schwester gibt. Die socioekonomischen Verhältnisse, innerfamiliere Allianzen, einschneidende biografische Erlebnisse, das alles unterscheidet sich von Fall zu Fall. Geschwisterbeziehungen sind komplex. Sie sind geprägt von großer Nähe, aber auch von Rivalität und Konflikten. Weder suchen wir sie uns aus, noch können wir ihnen entkommen. Der Vergleich mit Geschwistern liegt Buchstäblich näher als mit anderen Menschen. Wir messen uns mit ihnen und werden an ihnen gemessen. Dazu können Eltern beitragen, aber auch außenstehende wie Lehrkräfte. Dazu kommt eine Art naturgegebenen Rivalität, jene um begrenzte Ressourcen innerhalb der Familie. An erster Stelle davon, die älterliche Aufmerksamkeit. Ein Kind tut sich damit angeblich besonders schwer. Der Eifersüchtige erst geboren. Eine Sache haben alle erst geborenen Kinder gemeinsam. Sie sind zunächst einmal Einzelkind. Für einen gewissen Zeitraum genießen sie die ungeteilte Zuwendung und Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Bis sich Kind Nummer 2 ankündigt und das bereits verhandene sich. Wie ein Enttronter König vorkommt. So der Psychologe und geistige Vater der Geschwisterforschung Alfred Adler. Demnach sei das erste Kind von der neuen Situation regelrecht traumatisiert. Es reagiere mit Eifersucht und Aggression. Vom Enttronungstrauma sprechen Psychologen heute kaum noch. Auch wenn Einigkeit darüber herrscht, dass diese Phase für das erste Kind sehr schwierig sein kann. Aber es behält eine besondere Stellung, wie Adler immer in männlicher Form schreibt. Der älteste Seil. Derjenige, dem so viel Kraft und Krankheit zugemutet wird, das man ihn zum Mithelfer und zur Aufsichtsperson macht. Dem älteren Kind wird mehr Verantwortung übertragen. Das ist in den meisten Familien ganz automatisch der Fall. Aber der erst geborene zu sein hat laut Adler auch seine Privilegien. Vor allem hat er den Vorteil einer ausgezeichneten Positionen für die Entwicklung seines Seelenlebens. Schon aus der Geschichte ist uns bekannt, dass er immer eine besondere, günstigere Position gehabt hat. Die Statistik scheint Adler heute noch recht zu geben. Zumindestrieb des hier tatsächlich ein paar beobachtbare Effekte, sagt Julia Rohra. Erstgeborene haben eher höhere Bildungsabschlüsse. Genere auch ein bisschen andere Berufsfelder rein. Also typisch erst geboren wäre eher so, dass man Medizin studiert, oder vielleicht Ingenieur wird. Später geboren wird tatsächlich eher sowas künstlerisches oder auch Journalismus. Auch der Iku sei bei erstgeborenen im Schnitt etwas höher als bei den jüngeren Geschwistern. Aber woran wiegt das? Also die eine Erklärung, die vielleicht die intuitivste ist, ist, dass das erstgeborene Kind am Anfang eben einfach mehr Aufmerksamkeit bekommen kann. Eine andere Idee ist auch, dass einfach die erstgeborenen im Prinzip am Anfang eine sehr von erwachsenen dominierte Umgebung haben. Und vielleicht auch, dass das die verbale Entwicklung empfördert, wenn man halt mit seinen Eltern redet. Diese Unterschiede könnten sich allerdings auch erst in späteren Jahren entwickeln. Nicht zu unterschätzen sind dabei gesellschaftliche Kondensionen. Über viele Kulturen hinweg gilt der älteste Sohn als Stammhalter. Oft ist er es, der die Leitung der familiären Geschäfte übernimmt, von der Tronfolge bei den Royals bis zum Landwirtschaftlichen Betrieb. Etwas anders sieht es bei den erstgeborenen Teuchtern aus. Vor allem, wenn das nächste älteste Geschwisterteil ein Bruder ist. Eine 2019 veröffentlichte Lengschnittstudie mit US-amerikanischen Daten zeigte, Frauen, die einen jüngeren Bruder haben, gehen später eher in typischweibliche Berufe und verdienen im Schnitt um 7% weniger Geld. Wiesentlich bekannte ist eine Theorie, die sich in den vergangenen Jahren auf Social Media verbreitet. Das Eldest daughter syndrome. Ein Ausschnitt aus einem Instagram-Jährung der Juseren 2019. Pause wie diesen gibt es in den sozialen Medien zu tausenden und sie werden massenhaft geteigt. Die älteste Tochter, die es immer an Recht machen will, die sich die Gefühle und Probleme alle anderen auflastet und immer die Verantwortung übernimmt, bis zur völligen Selbstaufgabe. Damit können sich viele identifizieren. Ich finde das erst mal sehr plausibel, also klar, dass älteste Kind bekommt am meisten Verantwortung aufgetragen, dass sie selbstverständlich und klar, dass wird in manchen Familien vielleicht doch noch relativ stark gejendert werden, was Hausaufgaben und so weiter angeht. Es ist keine Seltenheit, dass Mädchen im Vergleich zu ihren Brüdern mehr Keraufgaben übertragen werden oder sie sich von sich aus mehr an der Mutterrolle orientieren. Trotzdem betont Julia Rohra, um ein psychatrisch anerkanntes Syndrom handelt es sich nicht. Wir haben keine klare Evidenz, dass es in irgendeiner Form die Persönlichkeit prägt, aber es kann natürlich sein, dass es Frauen gibt, für die diese Rolle im Prinzip vielleicht auch interagiert mit der Persönlichkeit, die sie schon selber mitbringen und dann quasi anfällig dafür sind, dass sie auf einmal für alle die Verantwortung übernehmen und so weiter und eben dieses ältestörter Syndrom am Rutschen. Und hier war im Lager, da hatten wir diese Metallbetten, wie bei Bundeswehr. Und da hatten wir, sind wir auf den Betten gesessen, wir hatten keinen T-Shot oder so. Da ging es ja mehr über die Übernachtung. Das ist eine Rolle schon klar, alle dachten, dass unsere Mutter, meine Mutter ist da, ich bin das. Ein später nachmittag im Neu-Unma-Generationentreff. Die vier Schwestern, Hertha, Edith, Renate und Hildegard schauen sich alte Fotos an. An Spiegel vergangener Zeiten und der Rollen, die schon damals klar verteilt waren. Die hatte die Hauptaufgabe, das war ganz klar. Sie hatte im Haus zu sagen, wenn wir Hilfe gebraucht haben, die hatte, hat für vieles dann Verständnis gehabt und hat geholfen, wenn irgendetwas war. Dabei war Hertha da nicht die älteste, sondern das Drittel von insgesamt neuen Kindern. Ein besonderer Fall, so wie bei ihrer Familie vieles besonders war. Als Bukovina-Deutsche wurden sie 1940 aus ihrer Heimat im heutigen Rumänien vertrieben. Zogen als Flüchtlinge von Lager zu Lager landeten erst in Österreich, dann irgendwann in Ulm. Jeder hatte seine Aufgaben, in der Familie wie bei der Schichtarbeit. "Wann ist die Liede geworden?" Das schweißt zusammen, auch wenn zwischen den Geschwistern teils viele Jahre liegen. Der Peter ist 54 geworden, 32, 52, sind 20, sind 22 Jahre unterschied. Fast ihre gesamte Kindheit und Jugend haben die Geschwister so verbracht. Zusammen auf engstem Raum alles wurde geteilt, vieles entwert. Und doch, fragt man sie heute, verbinden sie mit dieser Zeit fast nur schöne Erinnerungen. Ich weiß noch, als ich mein Mann kennengelernt habe und das erste Mal ausgehen wollte und ich hatte aber nichts zum Anziehen. Wir hatten ja immer unserem Montag den Stock mit Wachdonnerstaglamotten. Und dann wollte ich ja nicht so gehen, dann hatte ich Edith, hat mir von ihr am Schrank was gegeben. Ich wurde eingegleitet, wie bei Grafs. Und da bekam ich was zum Anziehen. Wir hatten in etwa so die gleiche Größe, die passenden Schul dazu. Und dann war ich wie eine Erwachsenne. Bis heute ist das Verhältnis der Geschwister in ich. Misskunst oder Revalitäten habe es unter ihnen nie gegeben, sagen sie zumindest rückblickend. Der Kontakt wurde ein bisschen weniger als unsere Eltern nicht mehr da waren. Weil das war immer ein Treffpunkt, aber wir haben immer telefoniert. Und wir sehen uns auch heute nur, wenn das Singen nicht wäre, würden wir uns vielleicht zweimal im Jahr sehen. Die Musik hat die Geschwister ihr ganzes Leben lang verbunden. Sie alle haben ein Instruments gelernt und schon in der Kindheit viel miteinander musiziert. Zwei Mal im Monat treffen sich die vier Schwester in einem Sinkkreis, den Hildegard für eine Seniorengruppe organisiert. Sie und Renate spielen Gitarre, Hertha, Akkordeon. Die Beziehung zwischen Geschwistern verläuft häufig wie eine U-Kurve. In den ersten Lebensjahren gehören sie zu den wichtigsten Bezugspersonen, zwangsläufig. Man wächst zusammen, weil man zusammen aufwächst. Wenn Kinder das gemeinsame Elternhaus, vielleicht sogar den Wohnort oder die Region verlassen, ebt der Kontakt erst mal ab. Es werden neue Engebeziehungen geknüpft, ein eigenes Leben geschaffen. Man entwickelt sich weiter, vielleicht auch auseinander. In vielen Fällen steigt der Kontakt im späteren Leben wieder an. Zeit ist durch gemeinsame Aufgaben wie die Versorgung der Eltern oder durch geteilte Erinnerungen, die an Bedeutung gewinnen. Eine Bindung fürs Leben, das ist das, was viele Eltern sich für ihre Kinder wünschen. Dabei spielen sie selbst eine wichtige Rolle. Denn ein zerrüttetes Verhältnis unter Erwachsenen Geschwistern geht in vielen Fällen auf eine als unfair empfundene Behandlung in der Kindheit zurück. Man kann es sein, dass man mit über 50 plötzlich mit diesen Benachteilungsgefühlen um die Ecke kommt. Und sie auch noch 50 Jahre an dem Bruder oder der Schwester zum Beispiel noch vorwärft. Jochen Rügelein ist systemischer Familientherapeut mit eigener Praxis in München. Wir haben einen jeden Tag eins bei Familientherapien mit wachsen Kindern, wo zum Kontakt der Brüche geht. Generationenkonflikte, Erbschaftsträtigkeiten, Geschwisterkonflikte, Benachteilungsgefühle, geht wieder hart. Also den Ding, das ich mal mal Familie, kann schon auch höll sein, irgendwie auch. Gerechtigkeit ist in Familien ein großes Thema. Das sieht auch das Gesetzing gewisse Maße vor, wenn es etwa um die anteilige Aufteilung des Erbes geht. Bei der gerechten Behandlung ist es schon schwieriger. Diese Vorstellung von Eltern, wir behandeln unsere Kinder doch alle gleich in der Vorstellung, dass das gleich behandeln, auch was mit Gleichberechtigung dann zu tun hätte in irgendeiner Form, oder vor allem der Vermeidung von Ungerechtigkeit. Aber was ist denn, wenn die Kinder nicht gleich behandelt werden wollen? Weil die Kinder zum Beispiel sehr unterschiedlich sind in ihren Persönlichkeitsmustern, sondern in ihrem Gefühlsausdruck, in ihren Talenten, in ihren Stimmungen und so weiter, in ihren Interessen, dann wäre doch die gleiche Maharei total ungerecht. Die Vorstellung von einem Lieblingskind ist unter Eltern verpönt. Doch für Psychologen steht fest, dass in Familien und auch zwischen einzelnen Eltern teilen und Kindern oft längerfristig bestimmte Allianzen bestehen. Zum Beispiel, weil man sich mit einem Kind besser identifizieren kann oder es schlicht verträglicher ist. Eine Metastudie von 2025 ergab das Mädchen sowie jüngere Kinder insgesamt tendenziell bevorzugt werden. Das Nest herkennen und der Kükenbohns. Dass das jüngste Kind emotional bevorzugt wird, diese Schlussfolgerung zieht schon der Psychotherapeut Alfred Adler 1927. Als das bedürftigste Kind wachse es oft in einer bärmeren Atmosphäre als seine Geschwister auf. Adler, hier, wieder nur vom Sohn gesprochen. Er ist für die Eltern ein besonderes Kind. Er erfährt als Jüngster eine besondere Behandlung. Hey ja, auf jeden Fall. Liebling der Eltern. Sagt ihr mit Mutlu. Jüngster von vier Geschwistern. Ich kann mir immer wieder Sachen erlauben. Also was die anderen sich anscheinend nie erlaubend durften, durfte ich mit dann immer ganz gut erlauben. Und egal was ich wollte, wenn ich nachgefragt habe, habe ich es meistens auch gekriegt. Ümit ist nach Züge. Der heute 23-Jährige ist zehn Jahre jünger als sein älterster Bruder Inhal. Danach kommt noch meine Schwester, danach kommt der Insel und danach kommt der Ümit. Meine Schwester, Insel und ich sind quasi wieder länger aufgewachsen. Also wir sind ein Jahr, immer ein Jahr, ein Jahr Unterschied. Deswegen war es auch ein bisschen anders eigentlich. Die besten Chancen für ein enges Verhältnis haben Geschwister mit geringem Altersabstand und dem gleichen Geschlecht. Sie können sich in der Regel besser miteinander identifizieren. Das bedeutet aber auch, dass sie die nahe, legenderen Konkurrenten sind. Das muss sich nicht widersprechen, findet Insel. Bei mir war es eher so, dass ich das als Vorbild gesehen habe und tatsächlich mich das als Kind ein bisschen gestört hat, wenn ich was Neues ausprobiert habe und er hat schon gemacht und war richtig gut da, dann kam eben dieses Konkurrenzdenken vielleicht mal hier und da, dass ich das auf jeden Fall besser machen muss, weil ich es sehr nach ihm gemacht habe. Lange gehalten hat sich in der Geschwisterforschung die sogenannte Nischen-Theorie von Frank Salloway. Demnach entwickeln Kinder jene Persönlichkeitsmarkmale, die innerhalb der Familien noch zu besetzen sind. Ist das erst die Kind angepasst, wird es zweite zum Rebell. Ähnlich war die Annahme beim Geschlecht, demnach entwickele ein Mädchen mit mehreren Brüdern besonders feminine Merkmale. Im Widerspruch dazu steht die Theorie des sozialen Lernens, wunach sich Geschwistereinander eher angleichen. Inzwischen ist beides wiederlegt. In einer großangelegten Studie zeigten sich über neuen Länder hinweg keinen nennenswerten Auswirkungen des Geschwistergeschlechts. Die Persönlichkeitspsychologin Julia Rohra war an der Studie beteiligt. Das kann immer noch sehr sehr gut sein, dass es ein Unterschied macht für die eigenen Entwicklung, ob man jetzt ein Schwester hatte oder ein Bruder für einen persönlich. Wir kommen bloß quasi nicht an diese Effekte dran, weil wir eben nicht die gleiche Person in unterschiedlichen Familien platzieren können, um zu beobachten. Welchen Unterschied machen Geschwister überhaupt? Welche Vor- oder Nachteile hat es, mit ihnen aufzuwachsen? Dafür zieht man gerne diejenigen heran, die keine Geschwister haben. Einzelkinder. Egoistisch und verwöhnt? Gerade in Puncto Einzelkind sind die Vorurteile und Klischee es fest verankert. Schon Alfred Adler ging Anfang des 20. Jahrhunderts auffällig hart mit ihm ins Gericht. Dieses wird in Höchstem gerade unselbstständig. Wartet immer, dass ihm jemand den Weg zeigt, es sucht, stets nach einer Stütze. Vielfach verzerrtelt, gewöhnt es sich daran, keine Schwierigkeiten zu erwarten, weil man sie ihm immer aus dem Weg geräumt hat. Da es sich immer im Mittelpunkt der Betrachtung befindet, bekommt es leicht, das Gefühl als etwas Besonderes zu gelten. Adler knüpft damit an schon bestehende Vorurteile an. In einer Zeit ohne verlässliche Verhütungsmittel und mit hoher Säuglingsstaatlichkeit waren Kinderreiche Familien die Norm. Nachwuchs diente der ökonomischen Absicherung. Ein Kindfamilien waren die seltene Ausnahme und als solche vielen Suspekt. Im frühen 20. Jahrhundert kam ein politisches Interesse dazu, Einzelkinder als "anormal" und "assozial" abzuwerten. Man wollte dem Geburtenrückgang in vor allem besser situierten Familien entgegenwirten. Seither hat sich an den negativen Zuschreibungen nicht viel geändert. Anna Hofer möchte damit aufräumen. Einzelkinder sind nicht weniger sozial. Einzelkinder sind auch nicht weniger kommunikativ. Einzelkinder leben auch nicht in einer nazistischen Selbstwahrnehmung. Nichts nichts davon trifft zu. Die Autorinnen und psychologische Beraterin hat die Vorbehalte zweifach erlebt. Einmal, weil sie selbst als Einzelkind aufgewachsen ist und einmal als Mutter eines Einzelkinds, diese heute ist. Eine Familie mit einem Kind sei nicht komplett. Diese Vorstellung werde noch heute von außen an viele Eltern herangetragen. Anna Hofer hat einen Elternratgeber geschrieben. Mein Farble habt es Einzelkind. Darin möchte sie anderen ein Kind Familien Mut machen. Also, es stimmt schon, dass Einzelkinder mehr Aufmerksamkeit durch ihre Eltern erfahren. Das ist einfach so und man kann das sozusagen positiv frame und sagen, wann immer ich Hilfe und Unterstützung brauchte, war auf jeden Fall einer von beiden. Da, also ich hatte immer einen Ansprechpartner. Ich hatte immer genug Ressourcen an, die konnten emotional sein, die konnten finanzieller Natur sein. Ich habe keinen Konkurrenzkampf, spüren müssen innerhalb meiner eigenen Vierwände. Tatsächlich zeigen Studien der vergangenen Jahrzehnte erstaunlich wenig Unterschiede zwischen Einzelkindern und Geschwisterkindern, wenn es um die Persönlichkeit und soziale Entwicklung geht. Andere statistische Effekte fallen ihr positiv aus. So schneiden Einzelkinder schule ich besser ab und erzielen im Schnitt auch höhere Bildungsabschlüsse. Grund dafür dürfte hier allerdings der Sozialökonomisch oft höhere Status von ein Kind Familien sein. Ein sozialer Mangel oder Garnatismus kann hingegen nicht belegt werden. Der Entwicklungspsychologe Jörg Fregg? Ja, man muss sagen, es gibt natürlich Einzelkinder, die tatsächlich diese Erfahrung zu wenig machen. Und dann dieses Klischee oder diese Stereotyp bei der Einzelkinder, auch tatsächlich dann vorleben. Aber ich glaube der Punkt ist, dass viele Einzelkinder das nicht zeigen, weil sieben sehr früh mit anderen Kindern in Kontakt kommen. Also über die Kita zum Beispiel, Nachbars-Kinder, dann auch später im Kindergarten in der Schule. Und viele Eltern versuchen hier wirklich, denke ich auch gut, Kinder sehr früh mit anderen Kontakt zu bringen. Umgekehrt sind Geschwisterbeziehungen nicht immer eine Bereicherung. Für viele werden sie zur Belastung. Wichtig sei es, dass dies auch die Eltern akzeptieren, sagt der Familientherapeut Jorgen Rögelein. Geschwister können so unterschiedlich sein, dass es ihnen gar nicht möglich ist, eine Beziehung miteinander zu führen. Und ich glaube, dass das schon mal ein Riesen auch kulturelles Familienkulturelles Problem ist, in unserer Gesellschaft. Diese Unterschiedlichkeit nicht wahrnehmen zu wollen, weil es so eine Vorstellung ist, wir sind doch alle gleich. Und trotzdem kämpfen viele um diese Beziehung, suchen immer wieder Versöhnung und Schlichtung, wo Konflikt ist. Gebeneinander nicht auf. Jorgen Rögelein ist selbst Einzelkind. Für ihn war das lange eine schmerzliche Erfahrung, er hätte sich einen Bruder gewünscht. Und doch, betont er, eine geschwisterliche Beziehung können wir auch mit anderen Menschen in unserem Leben herstellen. Es ist kein Zufall, das inige Freunde sich oft mit Brüdern oder Schwester vergleichen. Solche Wahlverwandtschaften hat Rögelein auch selbst in seinem Leben. Und solche Verhältnisse können wachsen, auch dort, wo man sie sich nicht ausgesucht hat. In seiner Praxis sieht er das immer wieder am Beispiel Patchwork-Familie. Die Kinder reden plötzlich von Geschwister. Egal, ob die Stiefgeschwister sind oder ob die Halbgeschwister sind, das ist meine Schwester, das ist mein Bruder. Und das finde ich so berührend, weil die Kinder zeigen uns eigentlich, was Familie sein kann. Diese Beziehung hier, die ist vom der ersten Stunde an da. Und das muss schon was Besonderes sein. Freunde sind da, aber ich habe jetzt festgestellt, seit beim Mann so krank ist, das sind jetzt fünf Jahre, wird ein Freundeskreis sehr klein. Die Freunde, die man dann noch krat, sind die richtigen Freunde. Aber die Geschwister, die hat dann in jeder Situation. Also ob mein Mann es jetzt gut geht oder nicht, die kommen trotzdem oder kommen gerade jetzt, weil sie wissen, man braucht die Hilfe. Also man sagt ja immer, Freunde sind die Familie, die man ausgesucht hat. Und ich bin ehrlich, ich habe mir meine Familie niemals als Freunde aussuchen können. Egal, in welcher Hinsicht? In jeder Schlimmhinsicht, genauso wie in jeder guten Hinsicht, sind die besten Freunde, die ich hier hätte wählen kann. Ja, schön gesagt. Ja, kann ich nur zustimmen. Brüder und Schwestern können Schlüsselfiguren in unserem Leben sein. Wegen der Bindung, die wir zu ihnen aufbauen und der Geschichte, die wir miteinander teilen. Welche Rolle wir darin einnehmen, wird von vielen Dingen beeinflusst, liegt aber letztlich bei uns. Ob großer Bruder, Nesthähkchen oder Einzelkind? Und was ist mit dem Sandwichkind? Das ist wohl schon wieder hinten runtergefallen. Das war wie wir ticken für diese Woche. Neue Folgen gibt es jeden Mittwoch in der ARD Audiothek und Freitags, überall wo ihr sonst eure Podcast hört. Bis dahin, hier noch ein Podcast-Tipp für euch. Und wir haben wie immer noch einen Podcast-Tipp für euch, Eltern ohne Filter. Das sind die, die auf die Frage "Hey, wie geht's?" ehrlich antworten. Und gerade als Mutter oder Vater ist das ja gar nicht so leicht. Hey, es ist doch das größte Glück, auf ihr habt seine Kinder aufwachsen zu sehen. Ich glaube ich spoilere nicht, wenn ich verrate. Denn neben dem Glück gibt's halt auch die anstrengenden Momente und die, die einen echt zum Verzweifeln bringen. Und genau darüber sprechen die Hosts, Catrin, Else, Russland und Lukas mit ihren Gästen, ehrlich und ungefiltert. Jeden Freitag gibt's eine neue Folge in der ARD Audiothek und überall wo sonst noch Podcast gibt. Und bei Instagram findet ihr die Eltern ohne Filter auch.
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