Go back

Gender: Sind Männer die schlechteren Menschen?

35m 4s

Gender: Sind Männer die schlechteren Menschen?

Die Folge der Podcast-Reihe „Wissen Weekly“ untersucht die provokante Frage, ob Männer die „schlechteren“ Menschen seien. Ausgangspunkt sind Social-Media-Narrative, die Männer negativ darstellen. Anhand von Daten des Buches „Was Männer kosten“ von Boris von Heesen wird aufgezeigt, dass Männer in Deutschland jährlich geschätzte 63 Milliarden Euro Mehrkosten verursachen, vor allem durch Suchtprobleme (40 Mrd. Euro), höhere Kriminalitätsraten (94% der Gefängnisinsassen sind männlich) und ein gesundheitsschädlicheres Verhalten. Dies führt zu einer etwa fünf Jahre kürzeren Lebenserwartung und einem größeren ökologischen Fußabdruck. Die Ursachen werden nicht primär in der Biologie gesucht. Expertinnen wie Prof. Paula-Irene Villa Braslavsky betonen die Rolle der Sozialisation: Stereotype Männlichkeitsbilder, die Risikobereitschaft, Dominanz und die Vernachlässigung der eigenen Gesundheit sowie Empathie fördern, prägen das Verhalten. Die „Klosterstudie“ belegt, dass bei ähnlicher Lebensweise von Mönchen und Nonnen die Lebenserwartungsdifferenz fast verschwindet. Persönliche Erfahrungen, wie die des Gastes Aurel, illustrieren den sozialen Druck, diesen Normen zu entsprechen, und die negativen Folgen bei Abweichung. Die Folge plädiert dafür, schädliche Männlichkeitsbilder zu hinterfragen, um zu einer gesünderen und verantwortungsvolleren Gesellschaft beizutragen.

Transcription

4700 Words, 30318 Characters

German
Mir werden manchmal Videos in meine Timel eingespült, die mich als Mann irgendwie dazu bringen, mich selbst zu hinterfragen. So was wie "Männer, sind in einer Partnerschaft abgüglichsten Frauen, wenn sie Single sind." Oder ich höre, dass ich den Schlaf meiner Freundin störe. Okay, Leute, es ist offiziell wissenschaftlich bewiesen, Frauen schlafen besser, wenn kein Mann daneben liegt. Oder sogar, dass ich peinlich bin. Die Wohlgesackten "Bollfront haben" ist peinlich. Und ich sag euch jetzt, dass es nicht nur peinlich ist, dass es sogar gefährlich ist. Oder, dass man als heterosexuelle Frau scheinbar ein besseres Leben führt, wenn man sich nur noch auf sich anstatt auf Männer konzentriert. Ich check's aber auch. Ich meine, viele Frauen machen mit Männern richtig schlimme, verletzende und zum Teil sogar missbräuchliche Erfahrung. Absolut welle, dass sich der Frust dann auf Social Media entleht. Vielleicht können wir das verhindern und als Männer besser werden, wenn wir uns was von den Frauen abgucken. Ich finde auch ehrlich gesagt, wir asuzieren Weiblichkeit ja auch viel mehr mit Empathie und Sozialerinnen empfinden. Und selbst eine ökologische Ressentfinden, einfachen empfinden, dass sich mehr mit dem Miteinander und dem, was um ein Rumme ist auseinandersetzt. Ich freue mich immer wahnsinnig, wenn mir solche Attribute zugeschrieben werden. Wenn ich auf Social Media unterwegs bin, bekomme ich schon oft den Eindruck, Männer sind einfach die schlechteren Menschen. Empathieloser, peinlich, vielleicht wäre die Welt ohne Männer ja einfach besser dran. Aber jetzt mal ehrlich, stimmt das? Es spiegelt sich auf alle Fälle in den Zahlen deutlich, wie da das Frauen friedlicher sind, dass sie weniger gewaltorientiert sind, dass sie sich eher um andere, aber auch um sich selbst sorgen. Ich bin Julien Stoppa und ihr hört Wissen Weekly. Wir versorgen euer Gehirn mit Brain Food und machen Schluss mit Gefühlen Wahrheiten. Dafür welsen wir Studien, fragen bei Wissenschaftler*innen ganz genau nach und sprechen mit Menschen, die es direkt betrifft. Heute klären wir, sind Männer die schlechteren Menschen? Vorab ein kurzer Disclamer. Wir sprechen in dieser Folge viel über Geschlechterrollen. Dabei verwenden wir eine binaire Sprache, also reden von Frauen und Männern. Das liegt daran, dass es noch kaum wissenschaftliche Daten zu Rollenklisches von Nichtbinairen oder Transperson gibt. Was macht denn mit dir als Mann, die Frage dieser Folge? Das ist meine Kollegin Anna Scholz, die diese Folge für uns recherchiert hat. Und ohne viel darüber nachzudenken, konnte ich für mich persönlich die Frage schnell und easy beantworten. Gefühlt sind Männer schon die schlechteren Menschen. Klar. Aber auch wenn ich noch neu im Wissen Weekly Game bin, weiß ich jetzt schon, hier geht's nicht um meine gefühlte Wahrheit. Also lasst mal auf harte Fakten gucken. Und dafür haben wir uns Hilfe geholt. Was Männerkosten sage ich immer, ist ein, was ich da gemacht hab, ist ein Trick, was Männerkosten, so heißt das Buch von Boris von Hesen. Er ist Wirtschaftswissenschaftler, Chef eines Jugendhilfe-Triggers und außerdem Männerberater. Ja, das ist Real Talk eine anerkannte Fortbildung in der Sozialforschung. Er könnte aber nicht weiter weg von selbst ernannten Echten Männern und Man-Fluenzern wie Endutät sein. Boris von Hesen hat in seinem Buch ausgerechnet, wie viel Mehrkosten das Verhalten von Männern in Deutschland für den Staat pro Jahr verursacht. Also keine eigenen Schätzungen, oder so. Ich hab damit öffentlichen Daten gerechnet. Denn Boris von Hesen hat sich für sein Buch durch viele Tabellen und Zahngerarbeitet, um zu dem Schluss zu kommen, dass Männer in unserer Gesellschaft zwar im Schnitt viele Vorteile genießen, aber trotzdem absoluter Spitzenreiter in zahlreichen Negativstatistiken sind. Und wenn wir uns mal wirklich ernsthaft mit der Frage beschäftigen wollen, ob Männer die schlechteren Menschen sind, sollten wir uns mal diese Zahlen anschauen. Bei klar an sich ist die Frage ja schon sehr überspitzt gestellt, denn niemand ist besser oder mehr wert, schon gar nicht aufgrund des eigenen Geschlechts. Aber es gibt schon Zahlen, die darauf hinweisen, dass Männer für unsere Gesellschaft eine größere Belastung sind. Meine Kollegin Anna hat mich mit diesen Zahlen mal konfrontiert. Fangen wir an mit der, was mich am meisten beeindruckt hat, im negativen Sinne, ist die Zahl der Gefängnisinsassen. Ja. - Wie viel Prozent denkst du, sind männlich und wie viel weiblich? Boah. Es muss ja irgendwie ein großer Unterschied sein. Ich glaube, 80 Prozent männlich. Er ist sogar noch mehr. 94 Prozent Männer. - Wow. Heftig. - Ja. Es spricht nicht für uns. Und nicht nur die kriminelle Arter dieser Männer ist ein Problem für Obwies-Resens, die männlichen Straftäter verursachen, auch viel mehr Kosten für den Staat. Und zwar 3 Milliarden Euro direkte mehr Kosten pro Jahr im Vergleich zu verurteiten Straftäter Rinnen. Und genau darum geht es Boris von Hesen. Eigentlich wissen wir, dass Männer im Strafvollzug überrepräsentiert sind. Aber nicht nur das wissen wir. Dass wir bei illegalen Drogen mehr als 80 Prozent männliche Nutzer haben, und niemand darüber redet, dass 92 Prozent der entzogenen Führerscheine auf Männer entfallen und niemand darüber redet. Das hat natürlich damit zu tun, dass Männer in den Machtpositionen sitzen. Und die reden selbst einmal, wo sie den Auftrag haben, diese Zahlen zu verändern. Nicht so gerne darüber, wenn andere Männer schlecht abschneiden. Boris von Hesenhoft, wenn man ansonsten sehr abstrakte Statistiken ein Preis-Shield hängt, könnte sich vielleicht was verändern. Wenn man also in einer Geld so befestmachen kann, wie viel schlechter Männer als Frauen sind. Und jetzt dürfte einmal kurz schätzen. Wie viel mehr Kosten Männer den deutschen Staat jedes Jahr im Vergleich zu den Frauen? Ganze 63 Milliarden Euro. Milliarden. Ich stelle euch mal vor, was wir damit alles machen könnten. Das ist ungefähr dreimal so viel, wie aktuell fürs Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt ausgegeben werden soll. Und etwa 20 Milliarden Euro mehr, als wir für Bürgergeld und Grundsicherung im letzten Jahr gezahlt haben. Die größten Mehrkosten verursachen Männer, aber in einem anderen Gebiet. Der Bereich, der wirklich die höchsten Kosten verursacht und wo auch eine sehr starke Schieflage ist, ist der Bereich der Sucht. 40 Milliarden Euro mehr Kosten verursachen die Suchtprobleme der Männer in Deutschland. Die Gründe für Konsum sind natürlich immer individuell. Aber Boris von Hesen denkt auch, dass ein bestimmtes Männlichkeitsbild damit reinspielt. Oder ich nutze Suchtmittel um ein bestimmtes Bild, von Männlichkeit herzustellen, von dem ich glaube, das andere, das von mir erwarten, besonders Risikoorientiert zu sein, besonders laut zu sein, besonders dominant zu sein. Wo ich es eigentlich gar nicht will. Und da helfen mir Suchtmittel. Boris von Hesen hat sich die Abhängigkeit von illegalen Drogen, Glücksspiel, aber auch den sogenannten Alltagsdrogen angesehen. Was glaubst du, wie viel Männer sind, alkoholabhängig? Ich glaub, Prozentual wieder? Also, Prozentual gegen Frauen, quasi geregelt. Ich glaub, nicht so krass wie die Gefängnisinsassen. Ich glaube, siebzig Prozent. Sehr gut, ja, es sind 73 zu 27 Prozent. - Oh. Yes. - Ja. Aber auch nicht gut. Und mal kurz Realtalk, das, was Boris von Hesen beschrieben hat, kennt auch ich aus meiner Jugend. Ja, und wie war das bei dir? Also, hattest du auch mal Bock damit zu gehen? Oder hast du euch gedacht, euch muss jetzt irgendwie. Also, es gab auf jeden Fall auch eine Zeit, wo ich sehr auf meine Ernährung geachtet hab. Und alkohol ist jetzt ja nicht das Gesündnis, was man so seinem Körper antun kann. Und da hatte ich schon Phasen, wo ich gerne nichts getrunken hätte. Und dann trotzdem, ehrlich gesagt, aus Gruppenzfang mitgemacht hab. Und wenn alle anderen Jungs und Männer aus dem Freundeskreis das machen, dann klar mach ich das dann auch. - Ja. Nicht denn, natürlich, klar, sauf ich. Heute lass ich mich da nicht mehr ganz so doll unter Druck setzen. Und klar, jetzt könnte man sagen, ein hoher Alkoholkonsum macht ein nicht automatisch zum schlechten Menschen. Aber. Das würde auch deutlich, dass Männer mit ihrem schädlichen, ungesunden Verhalten vor allem sich selber, aber dann auch andere Schädigen, Frauen, Kinder, andere Männer. Alkohol und illegale Drogen können zum Beispiel aggressiv oder streitzüchtig machen. Oder man gefährdet andere Menschen im Straßenverkehr. Unsere Süchte und Issues sind eben nicht nur unser privates Problem, sondern beeinflussen auch das Leben unserer liebsten und wichtigsten Menschen. Und wer noch unter dem Verhalten von Männern leidet, ist unser Planet. Denn Männer haben ein um 26 Prozent größeren CO2-Fußabdruck als Frauen. Was daran liegt, dass sie häufiger Autofahren dabei größere Autos fahren, mehr Geld für klimaschädliche Produkte ausgeben und doppelt so viel Fleisch essen. Gerade letzte Riss spielt in einen weiteren Bereich hinein, den sich Boris von Hesen angeschaut hat. Gesundheit und Lebenserwartungen. Laut dem Statistischen Bundesamt haben Jungs die heute geboren werden, immer noch eine etwa fünf Jahre geringere Lebenserwartung als Mädchen. Dieser Unterschied liegt an verschiedenen Faktoren. Faktor 1, das Verhalten von Männern, vor allem in Jungen Jahren, hat mehr Anna erklärt. Was da interessant ist, ist, dass es gar nicht mal so im hohen Alter aus der Natur ist. da klappt, sondern das ist eine ganz krasse Überstärblichkeit von Männern gibt zwischen 15 und 35 Jahren. Also im ganz jungen Alter sterben deutlich mehr Männer als Frauen. Liegt das in dem Fall an der Risikobereitschaft von Männern oder an der Suizidrate, die auch bei Männern deutlich über ist als bei Frauen? So wohl als auch. Also es gibt die RKI Todesursachenstatistik und die sagt in der. Sehr grüßiger Bevoringsschuldigung. Ja, ja. Wie sie. Und die sagt als gründe Verletzungen, Vergiftungen und Folgen äußere Umstände. Also Unfälle, Suizide, Gewalt straffte. Ja. Gerade junge Männer legen häufiger als junge Frauen ein gefährliches Risiko verhalten an den Tag und fordern sich gegenseitig heraus und überschätzen sich dabei oft. Dieses besonders mutig und hart sein gehört ja auch irgendwie zum Klischee ein echter Mann zu sein. Zu diesem Klischee gehört auch Faktor 2. Männer kümmern sich weniger um ihre Gesundheit. Das fängt schon damit an, dass sie seltener zum Arzt gehen. Nur 12 Prozent der Männer gehen zu Krebsvorsorgeuntersuchungen, aber 40 Prozent der Frauen. Das ist auch noch nicht perfekt, aber viermal mehr als Männer. Und es geht damit weiter, dass Männer im Durchschnitt weniger Gesundheitsbewusst leben als Frauen. Männer unter 65 sterben in Deutschland am häufigsten an vermeidbaren Herzkreislauferkrankungen. Lungkrebs oder alkoholischer Leberkrankheit. Denn sie rauchen und trinken mehr, essen mehr Zucker und doppelt so viel Fleisch wie Frauen. Die Bundeszentrale für politische Bildung bringt Fleischkonsum auch mit der Konstruktion von Männlichkeit in Verbindung. Stichwort Dominanz, Macht und vermeintliche Stärke. Das sind ja Eigenschaften, die vor allem bei selbst ernannten Alphabros hoch im Kurs sind. Und ich war wirklich an so einem Scheidepunkt, wo ich mich gesagt habe. Ich weiß gar nicht, ob ich. also kann ich so bestehen, wenn ich nicht so bin wie die. Diese Stimme kennt ihr vielleicht nicht nur vom Anfang dieser Folge, sondern auch von euer For You Page oder aus dem guten alten Fernsehen. Ich bin Aurel März, ich bin Komidien, Schauspieler und neuerdings Autor. Und da sind mir eigentlich schon zu viele Berufsbeschreibungen, aber jetzt ist es halt so, kannst nix machen. Aurel wächst eigentlich, wie er sagt, in einem Matriarchat auf. In seiner Familie gibt es außer seinem Vater eigentlich keine Männer. Dafür aber seine Mutter, so wie Omas und Oomas, die den Ton angeben. Und als ich dann irgendwann in dieses Berufsleben rausgesprungen bin, hab ich links und rechts geguckt und hab festgestellt, halt mal, das ist ja ein Patriarchat, eine männlich dominierte Gesellschaft, in der der Männer versuchen, ihren Willen aufzudrücken. Das merkt Aurel vor allem, als er anfängt, in der Medienbranche zu arbeiten. Eine Branche, die große Männer-Egos scheinbar magisch anzieht. Er persönlich erlebt eine besonders schmerzhafte Situation. Es gab schon also auch. rassistische Beschimpfungen von. Chefs, die ich als. die man ja irgendwie in irgendeiner Form auch als. ich sag'n, nicht Mentor, aber das war mehr als ein Chefs, sondern es war schon eine Person, die in dem Fall auch in mir Art so Schutz befolgen, aber in dieser Art, wie wir da gearbeitet haben. Aurel fühlt sich unmächtig. Er hat dieser Chefperson ja vertraut. Und wenn das dann, weil die Person besoffen ist, auf irgendeiner Weihnachtsfeier missbraucht wird, und man dann sich dann in der Rede dieser Person rassistische Beschimpfung anhören muss, aus Spaß. Und niemand in der Gruppe irgendwas dazu sagt, weil natürlich alle in diesem Machtverhältnis zu dieser Person stehen, dann ist es traumatisieren und es hat wahnsinnig viel mit mir gemacht. Die gleiche Person hätte auch gegenüber Frauen sehr sexistische Kommentare abgegeben, sagt Aurel. Und er fragt sich, muss ich jetzt auch ein Arschloch werden, damit ich in diesem System erfolg haben kann? Ob das so gekommen ist, hören wir später noch. Ich fasse an dieser Stelle erst mal zusammen. Frauen machen nur ein Bruchteil der deutschen Gefängnisinsassinen aus. Sie konsumieren deutlich weniger Drogen, sind weniger Alkoholabhängig, leben Umwelt und Gesundheitsbewusster, gehen häufiger zu Vorsorge und früherkennungsuntersuchungen und haben eine fünf Jahre längere Lebenserwartung. Boah, ganz schön erdrücken bis her für uns Männer. Natürlich wäre es eberlistisch zu sagen, nur wer gesund ist, ist ein guter Mensch. Aber wer sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um seine Gesundheit kümmert, betreibt eben selbst für Sorge. Und wer sich noch nicht mal um sich selbst sorgen kann, hat womöglich auch Schwierigkeiten sich um andere zu sorgen. Die Liste davon, was bei Männern alles schiefläuft, ist also wirklich beachtlich. Aber woran liegt das? Ist das einfach biologisch so in uns Männern drin? Also, werden wir Männer schon als Fleischessende, umweltverschmutzende, kriminelle Menschen geboren? Ist da was anders verschaltet in unserer DNA? Also, ich würde sagen, gute Genderforschung sagt nicht per se, dagegen, sondern ja, lass uns gucken im komplexen Gefühl mit vielen anderen Faktoren. Ein sehr diplomatischer und typisch wissenschaftlicher Auftakt von Paula Irene Willa Praslavski. Sie ist Professoren für Sociologie und Genderstadis an der LMU München. Sie beschäftigt sich also täglich mit dem Thema Geschlecht als Soziales Phänomen. Dabei erkennt sie auch tatsächlich biologische Unterschiede an, die reichen ihr aber nicht als einzige Erklärung für das häufig unterschiedliche Verhalten von Männern und Frauen. Es gibt ja keinen Kromosum, das dann sagt, "hello, schau mich an, ich bin die Weiblichkeit oder so." Das ist ja eine falsche Vorstellung. Es gibt ja nie sozusagen biologische Prozesse, die unabhängig sind von Erfahrungen, von Gesellschaft, von Lebensweisen, von Geschichte. Heißt übersetzt unsere Hormone und Gene reagieren auch auf unseren Lifestyle. Ob und wie viel wir Sport treiben, wie wir schlafen, was wir essen, ob wir traumatische Dinge erlebt haben. Häufig hört man ja, dass das Hormone Testosteron, das sogenannte König-Sormon des Mannes, die Risikobereitschaft steigen lässt. Dazu gibt es aber keine eindeutige wissenschaftliche Evidenz. Er im Gegenteil erklärt meine Kollegin Anna. Es gibt gerade von der Uni Lüberg eine relativ neue Studie über Testosteron und Frauen. Die hat gezeigt, dass Frauen mit einem hohen Testosteronpiegel sogar im Schnitt prosozialer Handeln und weniger aggressiv sind. Mensch, interessant. Bedeutet für uns also, dass wir Männer früher sterben und die Gefängnisse ausbuchen, ist kein Naturgesetz. Es gibt also keinen Fleischessen umweltverschmutzenden Kriminalitätsgehen. Dafür gibt es auch ein ziemlich faszinierenden Beweis, den sich auch Boris von Hesen für sein Buch ganz genau angeschaut hat. Die Klosterstudie. Da werden seit zwei Jahrzehnten Nonden und Mönche beforst, weil sie ein sehr ähnliches Leben haben in Bezug auf Bewegung, Ernährung und Stress. Da ist dann rausgekommen, dass die Lebenserwartung von Nonden und Mönchen nur noch ein Jahr Unterschied ist, weil sie sehr ähnlich leben. Wenn Männer, also wie Mönche, leben würden, also weniger Risiko, weniger Alkohol, ausgewogene Ernährung, dann wäre der biologische Vorsprung der Frauen fast weg. Das Männer sich aber eben oft nicht wie Mönche verhalten, hat viel mit dem zu tun, was Professor Willabraslassgi Sozialisation nennt. Also verinnerlichte Muster durch Erziehung und unser Umfeld. Und es gibt sich also im Kern, sogar ein Stereotyp natürlich, aber doch sehr prägend, so ein Kern dessen, was als richtige Weiblichkeit gilt oder auch als richtige Männlichkeit. Unsere Prägung ist natürlich nie nur von unserem Geschlechterpengig, sondern auch zum Beispiel von unserer Hautfarbe, von unserer wirtschaftlichen Situationen oder davon, ob wir gesundheitliche Einschränkung haben. Intersektionalität nennt man das, wenn man also verschiedene Merkmale gemeinsam betrachtet. Aber wenn man sich jetzt mal nur die Stereotypen Geschlechterbilder anschaut, dann gehören zu den stereotypisch weiblichen Eigenschaften Dinge wie Fürsorge, Kümmern für andere da sein, empathisch sein und sich selbst zurücknehmen. Und umgekehrt gilt so ganz Stereotyp eben gesprochen, als richtig männlich, riskant Risiko einzugehen, sich gar nicht und konkurrenzig zu sein, sich auch in Notfalls mit Gewalt und Stärke durchzusetzen, nicht so berührbar zu sein, von den Gefühlen und den Sorgen und den Nöden anderer schon gar nicht einfühlsam sorgen zu sein. Und natürlich gibt es auch empathische Männer und ärgertige Frauen, aber gleichzeitig ist es in unserer heutigen Gesellschaft leider immer noch bequemar sich innerhalb der Geschlechterung zu verhalten. Sie sind auch eine Art Versprechen. Wenn du so bist, dann wirst du gemocht und geliebt und anerkannt und erfolgreich und Teil des Normalen. Nicht Teil des Normalen zu sein kann sogar richtig gefährlich werden. Wir wissen alle, dass z.B. Abweichen von bestimmten Geschlechtlichen Erwartungen gerade im Bezug auf Körper auch sehr viel Gewalt verursachen oder mit sich bringen kann, der z.B. queer aussieht, nicht richtig, nicht inreichend männlich, barsches Weise. Diese Erfahrung macht auch Aurel, schon als Kind. Es gab sowieso einen riesen Problem. Ich sah Auswindmetchen, ich hatte sehr, sehr, sehr lange Haare. In dem Punkt ging es mir übrigens ähnlich wie Aurel. Bei ihm kommt aber noch dazu. Seine Mutter hat für Aurel einen ganz bestimmten Style im Kopf. Häufig näht sie Kleidung selbst. Zum Beispiel. eine schwarze Jacke mit einem riesigen Herz auf dem Rücken. Und ich hab diese Jacke geliebt, aber irgendwann hat mir meine Mutschwanderung noch mal erzählt, kam ich von der Schule und hatte diese Jacke unter dem Arm, und es hatte halt minus grade. Und dann wusste ich sie schon, scheiße. Jetzt ist vorbei. Und dann habe ich gesagt, ich will. Ich wollte ihr nicht sagen, dass ich diese Jacke nicht mehr anziehen möchte, weil ich sie nicht verletzen wollte. Und ich weiß noch was, ich fühl. Nein, ich will die Neue jetzt gerade nicht anziehen, usw. Und das war. Ich fand das total verletzen, weil in der Schule mich dann alle für die Jacke gehänselt haben, lassen Herz drauf und die Jungs haben sowas nicht. Aurél zieht von da an die Jacke nicht mehr an. Oder auf dem Weg zur Schule wieder aus. Auch die Haare muss seine Mutter ihm abschneiden, damit er nicht mehr gemobbt wird. Aber ja, doch, ich fand das schon krassen Druck. Ich meine, ich will gar nicht darüber nachdenke. Es hat dann auch Jahre gedauert, bis ich mir die Haare wieder lang abwachsen lassen. Also ich mein, mit Jahren mein ich Corona. (lacht) Dazu kommt noch, Aurél ist schon als Kind kein Fleisch, weil ihm die Tiere so leit tun. Das ist in seiner Kindheit in Stuttgart nicht nur aufgrund des mangels an vegetarischen Alternativen ein Problem. Aber auch inhaltlich war das herausfordernd, wenn ich mich noch gut erinnern kann, dass sich das Schulkammeraden erzählt hatte, dass ich mich vegetarisch ernähre, wo du mir gesagt, "Ein Häh, das machen doch nur Mädchen und so weiter." Und dann musste ich das Geheim halten. Aurél z.B. zeigt, wie einschränkend und belasten dieses stereotyptes Hartenmannes schon für Kinder und Jugendliche sein kann. Und ungesund ist es ja auch, wie wir schon gehört haben. Aber auch weich und lieb sein ist für Frauen nichts, wingend etwas positives. Denn die Stereotypen weiblichen Eigenschaften dien vor allem der Gesellschaft, indem sie Frauen dazu drängen, unbezahlte Sorgearbeit zu übernehmen. In wird quasi eingeredet, dass sie dazu geschaffen sind, gute Menschen zu sein, die sich um andere Sorgen. Und es glauben auch sehr viele Menschen, und dann tun sie das, was getan werden muss. Marie-Talk ohne diese Aufopferung von Frauen wären wir als Gesellschaft total aufgeschmissen. Also Einkaufen, Kochen, sich um Haushalt und Kinderkümmern, kranker Eltern pflegen, das muss ja alles gemacht werden. Und das nennt man auch Kerarbeit, Arbeit, nicht Freizeit oder Spaßzeit. Die kostet viel Zeit, ist aber unbezahlt und hat deswegen für Frauen einen hohen Preis. Ihre Berufliche, sowie private Selbstverwirkung und finanzielle Unabhängigkeit bleiben häufig auf der Strecke. Und nicht selten droht genau diesen Frauen Altersarmut. Ey, wie die Männer jammern würden, wenn sie diese Kerarbeit von der Gesellschaft aufgedrückt bekämen. Hört dazu gerne mal in unsere Folge über Mental-Load rein. Also, man kann schon sagen, dass Frauen durch ihre Sozialisation dazu gedrängt werden, gute Menschen zu sein. Wenn wir unter gut verstehen, dass Frauen im Schnitt empathischer und friedlicher sind und sich mehr um andere Kümmern. Aber ganz ehrlich, wäre es nicht für alle Männer, Frauen, Kinder und unseren Planeten besser, wenn wir Empathie und Fürsorge nicht mehr nach Geschlecht verteilen. Aber wie kriegen wir das hin? Vielleicht starten wir erst mal mit einem Reality-Check. Weil so eindeutig, wie uns Stereotype das erzählen, ist die Geschlechterwelt gar nicht. In der tatsächlichen Praxis im echten Leben gibt es ja zum Beispiel sehr viel mehr Gender-Trouble als Stereotype uns glauben machen. Gender-Trouble, das ist kein Beef zwischen Geschlechtern, damit mein Professor Willabras-Laski nämlich Geschlechter-Unordnung. Klingt dramatisch, ist aber ziemlich unspektakulär. Gemeins sind Menschen, die einfach ihr Ding machen, unabhängig davon, was ihr Rollenbild ihnen vorgibt. Das heißt, wir haben längst Gegenbeispiele. Männer, die Elternzeit nehmen, Frauen, die keine Kinder wollen, Jungs mit Langhahn oder Mädchen im Fußballverein. Also, man sollte wirklich nicht glauben, dass Stereotype die ganze Wirklichkeit sind. Sie sind ein wichtiges Element, ganz klar. Und sie sind sehr wirkmächtig. Aber sie bestimmen Menschen nicht vollständig. Vielleicht ist das schon die erste gute Nachricht dieser Folge. Wir sind den Stereotypen nicht ausgeliefert. Denn, und das ist eigentlich der Kern. Wir sind alle menschlich, egal, welche Geschlechtigkeit wir da haben. Das beinhaltet immer die Möglichkeit, schlechtes zu tun, böse zu sein, Gewalt auszuüben, einander Schaden zu tun. Und ebenso die Möglichkeit, genau das auch zu lassen. Und sich umeinander zu sorgen, und zu kümmern, veröinander da zu sein, sich selber auch zu kontrollieren, jeden auch im Pull zu folgen. Das heißt, Empathie ist kein Astrogene-Fiecher und Rücksichtslosigkeit kein Y-Kommosom. Es gibt fast immer eine Möglichkeit, der Wahl. Sie ist uns nicht immer so bewusst. Sie ist manchmal mit hohen Kosten verbunden. Und so weiter. Aber eine Wahl haben alle Menschen auf Frauen. Eine Wahl, die manchmal echt Mut kostet. So wie bei Aurel. Wir erinnern uns, er wurde von einem seiner Chefs-Rassistisch beleidigt. Und niemand schreitet einen. Aurel fragt sich, muss ich genau so ein Arschloch werden, um als Mann in dieser Branche erfolgt zu haben. Ich weiß noch, wie ich nach Hause gelaufen bin, was er gescheit und ich habe mir geschworen, ist, dass ich mir nie wieder gefallen. Und ich bring mich in eine Position, die dafür sorgt, dass ich nie wieder jemand traut. Aurel's Plan geht auf. Er macht sich selbstständig, und wird so erfolgreich, dass er von solchen Alperführungskräften nicht mehr abhängig ist. Er weiß aber auch, dass er damit ziemlich Glück hatte. Weil ich glaube, ich hätte mir vorstellen können, dass ich daran zerbrochen wäre, wenn ich mir in irgendeiner Form eine gewisse Unabhängigkeit arbeitete. So ein System einfach verlassen, das Privileg hat nicht jeder. Und das schafft auch kein strukturellen Wandel. Aber deswegen ist vor Aurel auch die Arbeit noch nicht vorbei. Und deshalb habe ich angefangen, mich für viele gesellschaftliche Themen einzusetzen. Er hat unter anderem gerade ein Buch über den Kult der Alphabet geschrieben, in der auch seine Rolle als Mann kritisch reflektiert und für mehr Empathie unabhängig vom Geschlecht wirkt. Dass so ein Rollenwandeln nicht nur moralisch sinnvoll ist, sondern sogar auf biologischer Ebene etwas verändern kann, erklärt Autor- und Statistik-Experte Boris von Hesen. Das sehen wir ja auch in der Studienlage, wenn Männer mehr engagiert sind in der Sorgearbeit, dann verändert sich auch ihr Hormonhaushalt und Körperstoffe-Oxitizien wird stärker ausgeschüttet, wenn sie stärker in der Kerarbeit engagiert sind. Sie werden weniger wütend, die mentale Gesundheit nicht nur von den Männern, aber an allen Beteiligten in der Familie wird besser. Empathie ist also genauso trainierbar wie der Beats-Heps. Mit dieser Erkenntnis müssten doch auch echte Männer was anfangen können. Es ist möglich, dass wir in ab kurzer Zeit dieses Rat durchbrechen. Wir müssen es nur wollen. Und es brauchen einen gesellschaftlichen Willen, dass wir aufhören, zu erzählen, wie ein Mädchen zu sein hat, wie ein Junge zu sein hat. Diese Stereotype aufbrechen klappt auch bei Anna und mir schon gut. Wenn ich das mal so bescheiden, sagen darf. Selbst bei mir in der Beziehung bin ich eher für's Kochen verantwortlich. Das ist völlig in Ordnung, das ist super, ich mache das total gerne. Das freundeskreis war mir das schon, dass ich dafür gewandelt habe. Nee, das glaube ich auch. Bei mir ist es auch so, mein Freund hat kein Führerschein. Aber ich hab 'nen Führerschein unten aufeinander. Du bist nämlich die Umwelt verschnuppt. Ich bin nämlich die Umwelt sauer. Okay, Spaß beiseite. Das sind zwar erste Schritte, aber das ist noch kein Systemwandel. Und den brauchen wir echt dringend, sagt Professor Willa Braslavski. Aus der Forschung habe ich was gesprochen. Das ist mit, sozusagen individuellen Ansprachen nicht getan ist. Also Care Sorgen kümmern ist ein so zentrales Element unserer sozialen Orten und unserer biologischen, sozusagen Form. Das ist nicht reicht und auch nicht sinnvoll oder ergiebig ist. Menschen zu sagen, ja, da musst du das individuell vereinbaren. Oder du musst es für dich lösen oder Teilzeit oder Lifestyle oder dies das. Sondern Sorgen ist ein so elementaler Bestandteil unserer Existenz. Das Problem ist, dass wir nach wie vor in einer Gesellschaft leben, in der es nur für Lohnarbeit, Einkommen, Absicherung, Rente und Anerkennung gibt. Und so lange Carearbeit weniger wert ist als Profit, wird sie in einer patriarchalen Gesellschaft fürs Erste weiterhin vor allem an Frauen hängen bleiben. Wow, wir wollen nicht auf so einen Daunerenten. Wir haben ja eigentlich gefragt, ob Männer die schlechteren Menschen sind. Und aktuell sieht es für uns Männer tatsächlich nicht besonders rosaus. Wir füllen viele negativ Statistiken an, die weder uns noch unserem Umfeld gut tun. Das liegt vor allem an unserer Sozialisation, die schon Jungs zu Härte gegenüber sich selbst und anderen zwingt. Und bei The Way, darunter leiden am Ende alle. Nicht nur Frauen, sondern auch wir Männer. Aber ich habe richtig gute Nachrichten. Frauen werden zwar Eigenschaften wie Empathie, Führsorge und Verantwortung, häufiger anerzogen. Aber wir alle haben die Möglichkeit, und die Wahl gute Menschen zu sein. Und das sollten wir nicht nur unseren Mitmenschen zu lieben tun, sondern auch aus rein egoistischen Gründen. Und ego können wir Männer ja. Wenn ihr auch die nächsten Folgen nicht verpassen wollt, dann folgt unserem Podcast auf Spotify und aktiviert die Glocke. Nach dem Abspann beantworten wir noch eure Community-Frage zum Thema Genderrollen. Also bleibt dran. Nächste Woche gibt es ausnahmsweise mal keine neue Folgewissen wieglieben. Wir legen eine Minipauser ein. Insofern. Zwei Wochen sind wir dann aber zurück und haben eine fette Überraschung für euch. Ihr werdet es ja sehen. Ich bin Julian Stoper und bedanke mich bei allen, die mit uns für diese Folge gesprochen haben. Professor Dr. Paula Irene Willabras-Lafsky von der LMU München, Boris von Hesen und Aurel März. Wenn ihr uns Lob oder Feedback schicken wollt, könnt ihr das per Mail tun und zwar an [email protected]. Wir freuen uns auf Post von euch. Wissenweekly ist eine Produktion von Spotify Studios in Zusammenarbeit mit Kugel und Nire. Executive Producer Michael Bad-Lafsky, Audio-Produktion, Hammer und Amboss. Redaktion, Anna Scholz, Dennis Kogel und ich Julian Stoper. Creative Producer Nadine Raber, Line Producer, Saarul Krause Yench. Hi, hier ist Lena aus Miss Michael Team. Ihr habt uns noch Fragen geschickt und eine davon beantwortet. Und zwar kommt die heutige Frage von Silla. Silla fragt, betrügen Männer mehr. Also erstmal muss man sagen, dass man es gar nicht so leichter forschen kann, denn es kann natürlich immer passieren, dass Menschen in wissenschaftlichen Umfragen auch lügen und das ist bei so einem Thema wie untreue nochmal wahrscheinlich her als jetzt bei einem harmloseren Thema. Es gibt aber Studien, die eben untersucht haben, ob jetzt Männer oder Frauen häufiger fremd gehen, aber hier gibt es kein klares Ergebnis, weil manche Studien sagen, Männer gehen häufiger fremd. Andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Frauen häufiger betrügen. Also da geben sich beide Geschlechter nicht viel.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Männer verursachen laut einer Analyse höhere gesellschaftliche Kosten durch Kriminalität, Suchtverhalten und gesundheitsschädliches Verhalten.
  2. Geschlechterstereotype und sozialisierte Männlichkeitsbilder fördern risikoreiches, weniger fürsorgliches und umweltbelastenderes Verhalten bei Männern.
  3. Biologie allein erklärt die Unterschiede nicht; Studien wie die Klosterstudie zeigen, dass bei angeglichener Lebensweise die Diskrepanzen (z.B. in der Lebenserwartung) stark schrumpfen.
  4. Der Druck, stereotypisch männlichen Normen zu entsprechen, kann zu persönlichem Leid führen und schädliche Verhaltensmuster verstärken.

Summary:

Die Folge der Podcast-Reihe „Wissen Weekly“ untersucht die provokante Frage, ob Männer die „schlechteren“ Menschen seien. Ausgangspunkt sind Social-Media-Narrative, die Männer negativ darstellen. Anhand von Daten des Buches „Was Männer kosten“ von Boris von Heesen wird aufgezeigt, dass Männer in Deutschland jährlich geschätzte 63 Milliarden Euro Mehrkosten verursachen, vor allem durch Suchtprobleme (40 Mrd. Euro), höhere Kriminalitätsraten (94% der Gefängnisinsassen sind männlich) und ein gesundheitsschädlicheres Verhalten. Dies führt zu einer etwa fünf Jahre kürzeren Lebenserwartung und einem größeren ökologischen Fußabdruck.

Die Ursachen werden nicht primär in der Biologie gesucht. Expertinnen wie Prof. Paula-Irene Villa Braslavsky betonen die Rolle der Sozialisation: Stereotype Männlichkeitsbilder, die Risikobereitschaft, Dominanz und die Vernachlässigung der eigenen Gesundheit sowie Empathie fördern, prägen das Verhalten. Die „Klosterstudie“ belegt, dass bei ähnlicher Lebensweise von Mönchen und Nonnen die Lebenserwartungsdifferenz fast verschwindet. Persönliche Erfahrungen, wie die des Gastes Aurel, illustrieren den sozialen Druck, diesen Normen zu entsprechen, und die negativen Folgen bei Abweichung. Die Folge plädiert dafür, schädliche Männlichkeitsbilder zu hinterfragen, um zu einer gesünderen und verantwortungsvolleren Gesellschaft beizutragen.

FAQs

Die Frage ist überspitzt, da kein Geschlecht per se besser ist, aber Statistiken zeigen, dass Männer in vielen Negativbereichen überrepräsentiert sind, wie bei Kriminalität oder Suchtproblemen.

Männer verursachen laut Berechnungen von Boris von Heesen jährlich etwa 63 Milliarden Euro Mehrkosten, vor allem durch Suchtprobleme, höhere Kriminalität und Gesundheitsausgaben.

Männer leben im Durchschnitt fünf Jahre kürzer, was auf risikoreicheres Verhalten, geringere Gesundheitsvorsorge und ungesündere Lebensgewohnheiten wie höheren Alkohol- und Fleischkonsum zurückzuführen ist.

Stereotype Männlichkeitsbilder fördern Risikobereitschaft, Konkurrenzdenken und Vernachlässigung der Gesundheit, was zu negativen Statistiken beiträgt, obwohl biologische Faktoren allein nicht ausreichen.

Sozialisation prägt durch Erziehung und Umfeld verinnerlichte Muster, die stereotypisch weibliche Eigenschaften wie Fürsorge und männliche wie Dominanz fördern, was das Verhalten beeinflusst.

Nein, biologische Faktoren wie Testosteron erklären es nicht allein; Studien wie die Klosterstudie zeigen, dass ähnliche Lebensweisen die Lebenserwartungsunterschiede fast ausgleichen.

Chat with AI

Loading...

Pro features

Go deeper with this episode

Unlock creator-grade tools that turn any transcript into show notes and subtitle files.