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Folge 290: Hepatitis A, Tuberkulose, Methylphenidat & Vitamin D mit Fluorid

19m 20s

Folge 290: Hepatitis A, Tuberkulose, Methylphenidat & Vitamin D mit Fluorid

Die Podcast-Folge vom 30. März 2026 behandelt aktuelle medizinische Themen aus den Bereichen Infektionskrankheiten und Pädiatrie. Zunächst wird über einen Hepatitis-A-Ausbruch in Neapel berichtet, wo die Fallzahlen etwa zehnmal höher liegen als in den Vorjahren. Als Quelle werden kontaminierte Muschelzuchtanlagen vermutet, weshalb ein Verzehrverbot für rohe Meeresfrüchte verhängt wurde. Die Behörden rufen zur Impfung auf, besonders für ältere und vorerkrankte Menschen. Ein weiteres Thema ist die Tuberkulose, die trotz Heilbarkeit weltweit jährlich über eine Million Todesfälle verursacht. In Deutschland steigen die Fallzahlen wieder auf etwa 4.500 pro Jahr. Die Behandlung erfolgt mit einer Kombination aus Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol über sechs Monate. Die BCG-Impfung wird in Deutschland nicht mehr empfohlen. Zudem warnt das BfArM nach einem Todesfall vor der falschen Anwendung von Vitamin-D-Fluorid-Tabletten bei Säuglingen: Diese müssen in Wasser aufgelöst werden, da unaufgelöste Tabletten eine Erstickungsgefahr darstellen. Abschließend wird Tozoebi vorgestellt, eine neue retardierte Kautablette mit Methylphenidat für Kinder ab sechs Jahren mit ADHS. Sie setzt 30 Prozent des Wirkstoffs sofort und 70 Prozent verzögert frei, was eine einmal tägliche Einnahme mit achtstündiger Wirkdauer ermöglicht. Die Kautablette ist in drei Dosierungen erhältlich und stellt eine kindgerechte Alternative zu herkömmlichen Retardtabletten dar.

Transcription

2737 Words, 19638 Characters

German
Speaker 1Hallo und herzlich willkommen zum PTR-Heute-Podcast am 30. März 2026. Ich hoffe, ihr hattet alle ein schönes Wochenende. Meins war voll mit Wissen, denn ich war bei den Münchner AIDS- und Infektiologietagen und habe mir allerhand spannende Vorträge anhören dürfen. Und hier schließen sich auch einige Themen unserer heutigen Folge an, die es mir aufgefallen. In Neapel wird beispielsweise Hepatitis A gerade zum Problem. Wir sprechen darüber. Außerdem war Tuberkulose ein Thema und das wird es auch heute bei uns hier. Tuberkulose ist heilbar und dennoch ist sie immer noch in vielen, vor allem ärmeren Ländern, ein Problem. Und wir reden über Kinder, zum einen über die ganz Kleinen und warum man darauf achten sollte, ihre Florid-Tabletten richtig aufzulösen. Und zum anderen die Kinder ab sechs Jahren mit ADHS, für die jetzt eine retardierte Kautablette mithinkt. Mit Thylphenidat zur Verfügung steht. Ich sage nochmal Hallo und meinen Namen. Ich bin Benedikt Richter. Lasst uns in die neue Woche starten. Laut italienischen Gesundheitsbehörden sind die Hepatitis A-Fallzahlen in und um Neapel zurzeit etwa zehnmal so hoch wie in den vergangenen Jahren. Das könnte die Krankenhäuser in der Region Kampagnen an ihre Belastungsgrenzen bringen. Als Ursprung des Ausbruchs werden Muschelzuchtanlagen im Gebiet der phlegräischen Felder, deutlich des Vesuvs vermutet, in die kontaminiertes Abwasser gelangt sein soll. Weil die Aufnahme verunreinigter Speisen ein typischer Auslöser von Hepatitis A ist, verordnete Neapels Bürgermeister Manfredi ein Verzehrverbot für hohe Meeresfrüchte in allen öffentlichen Lokalen. Die Polizei soll das Verbot in der Gastronomie, auf Märkten und in Fischgeschäften kontrollieren und bei Zuwiderhandlung hohe Bußgelder verhängen. Laut Tagesschau geht es hier um Strafen von bis zu 20.000 Euro. Da werfe ich doch direkt mal einen Blick in meinen Impfpass, denn das ist eine gute Erinnerung daran, dass es ja eine Impfung gegen Hep A gibt. Die lokalen Gesundheitsbehörden in Neapel rufen gerade die Bevölkerung zur Impfung auf, um besonders ältere und vorerkrankte Menschen vor der Leberentzündung und ihren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen zu schützen. Außerdem wird besonders gründliches Händewaschen empfohlen, um die Übertragung von Mensch zu Mensch zu verhindern. Eine Impfung gegen Hepatitis A ist unter anderem für Reisende in Endemiegebiete sinnvoll, und lohnt sich aufgrund der langen Inkubationszeit des Virus auch noch nach der Reise. Unser Auswärtiges Amt rät auf seiner Website besonders Reisenden in die südlichen Landesteile Italiens zur Impfung gegen Hep A, bei Langzeitaufenthalt oder besonderer Exposition auch gegen Hepatitis B, die chronisch werden kann. Eine weitere gefährliche Infektionskrankheit ist die Tuberkulose. Die kennt man vor allem aus so historischen Filmen. Da wird sie dann auch ganz gern als Schwindsucht bezeichnet. Also warum reden wir dann heute darüber? Das ist ja kein History-Podcast. Ja, ganz einfach, weil die TB noch immer nicht ausgerottet ist. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken weltweit jährlich etwa 11 Millionen Menschen an Tuberkulose. Mehr als eine Million sterben daran. Und das, obwohl die Infektionskrankheit heilbar ist. Insbesondere Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen in Sub-Sahara-Afrika und in Südostasien sind besonders stark betroffen. Stark betroffen sind auch die Philippinen, Indonesien und Indien. Aufgrund eines begrenzten Zugangs zu medizinischer Versorgung und anderen Faktoren ist dort die Inzidenz höher. Wie sieht es in Deutschland aus? Naja, bei uns gab es aufgrund der Covid-19-Pandemie einen Rückgang der Tuberkulose-Neuerkrankung. In den letzten Jahren sind die Fallzahlen aber wieder gestiegen und liegen bei jährlich etwa 4.000 bis 4.500 Fälle. Zum Vergleich mal, im Jahr 2021 wurden 3.931 Fälle registriert. 2022 waren es dann schon 4.082. Und 2023 waren es dann schon 4.481. Deutschland gehört laut Robert-Koch-Institut zu den Niedrig-Inzidenz-Ländern. Das ist schon mal gut. In solchen Ländern hat die WHO das Ziel gesetzt, die Zahl der Tuberkulose-Neuerkrankungen bis zum Jahr 2035 auf weniger als einen Fall pro 100.000 Einwohner zu senken. Erst Mitte Februar 25 wurde über einen Fall in einer Gemeinschaftsschule im Kyffhäuser-Kreuzberg, in Thüringen berichtet, bei dem sich eine Person mit Mycobacterium tuberculosis infiziert haben soll. Die TB kennen wir vor allem als Lungenkrankheit. Zu etwa 80 Prozent betrifft eine Tuberkulose die Lunge, seltener andere Organe. Ein Leitsymptom der Lungentuberkulose ist Husten, mit oder ohne Auswurf. In seltenen Fällen kann er blutig sein. Wenn sich ein Husten über mehr als drei Wochen zieht und als therapieresistent erweist, dann sollte grundsätzlich an eine Tuberkulose gedacht werden. Neben Husten gibt es weitere, eher unspezifische Symptome. Dazu zählen nächtliches Schwitzen, Appetitmangel, unbeabsichtigter Gewichtsverlust, leichtes Fieber, Müdigkeit und allgemeine Schwäche. Laut dem Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose führt nicht jeder Kontakt mit Tuberkulose zu einer Infektion und nicht jede Infektion zu einer Erkrankung. Sind Tuberkulose-Bakterien nachweisbar, ohne dass der Mensch erkrankt oder ansteckend ist, dann spricht man von einer latenten oder verbreitenden Erkrankung. Ob es zu einer Erkrankung kommt, hängt auch davon ab, wie lange, wie häufig, wie eng der Kontakt zu einer infizierten Person war, außerdem natürlich an der Menge und Virulenz der eingeatmeten Erreger und wie empfänglich die exponierte Person ist. Einen der Erreger hatte ich bereits genannt. Prinzipiell wird Tuberkulose durch erobe, stäbchenförmige Bakterien der Familie Mycobacteriaceae ausgelöst. Bei Menschen trifft M. Tuberkulosis am häufigsten. Das war auch der Erreger in dem Fall aus Thüringen. Die Bakterien werden über Aerosole übertragen, die von Lungentuberkulose-Erkrankten abgehustet werden. Bei einem mikroskopisch positiven Befund sind im Ausbruch vermehrt Tuberkulose-Erreger vorhanden und diese PatientInnen sind besonders ansteckend. Die Erreger werden leicht in die Luft abgegeben, zum Beispiel beim Husten oder Sprechen. Wird während der Erkrankung Lungengewebe zerstört, dann steigt die Übertragungsgefahr. Es entsteht eine Erkrankung. Es entstehen kavanöse Veränderungen, also Gefäßveränderungen mit Hohlräumen, die in Röntgenaufnahmen oder einer Computertomographie sichtbar sind. Im Gegensatz dazu sind kulturell positive oder PCR-positive Personen weniger infektiös. Bei ihnen wurden die Erreger zum Beispiel im Sputum, also dem Auswurf aus den Atemwegen, nur mittels Kultur oder PCR nachgewiesen. Bei Kindern unter 10 Jahren ist die Ansteckungsgefahr in der Regel geringer. Das liegt daran, dass sie oft eine niedrigere Erregerdichte im Sputum haben, selten kavanöse Veränderungen. Und durch einen schwächeren Hustenstoß weniger Erreger in die Umgebung abgeben. Um eine infektiöse Tuberkulose erfolgreich zu behandeln, müssen vorhandene Mykobakterien abgetötet werden. Anhaltspunkte dafür findet man in der S2K-Leitlinie Tuberkulose im Erwachsenenalter. Vor Beginn muss abgeklärt werden, ob die Erreger gegenüber den eingesetzten Antibiotika sensibel sind und ob die Arzneimittel voraussichtlich über den gesamten erforderlichen Therapiezeitraum eingesetzt werden können. In den ersten zwei Monaten werden dann vier von den Erregern, verschiedene Wirkstoffe kombiniert. Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol. Danach werden für weitere vier Monate nur noch Rifampicin und Isoniazid eingesetzt. Patienten sollten die Wirkstoffe einmal täglich 30 Minuten vor dem Frühstück einnehmen, um optimale Wirkspiegel zu erreichen. Wird die Therapie abgebrochen, dann können Resistenzen entstehen und die sind dann meist wesentlich schwerer zu behandeln. Und hier werfen wir wieder einen Blick in den Impfpass. Also ich entmache. Nein, und vielleicht steht die auch in eurem. Ich habe nämlich 1996 noch eine Tuberkulose-Impfung erhalten. Im Gebiet der DDR wurde das tatsächlich noch bis in die 90er Jahre hinein gemacht. Mittlerweile wird die sogenannte BCG-Impfung von der Ständigen Impfkommission nicht mehr empfohlen. Der Impfstoff ist in Deutschland für diese Indikation nicht mehr zugelassen, international aber weiterhin verfügbar. Hauptsächlich wird der Lebendimpfstoff bei Kleinkindern eingesetzt. Zur Wirksamkeit bei Erwachsenen liegen aus verschiedenen Ländern variierende Angaben. Von 0 bis 70 Prozent vor. Es befinden sich einige Tuberkulose-Impfstoffe in der Pipeline. Bis neue Impfstoffe aber zugelassen werden oder auf den Markt kommen, können noch einige Jahre vergehen. Übrigens, netter Funfact noch, am 24. März war der Welt-Tuberkulose-Tag. Damit wird an den 24. März 1882 erinnert. Und an diesem Tag gab der deutsche Mediziner Robert Koch bekannt, dass er den Erreger für die TB gefunden hatte. Ja, den Tuberkelparzellus Mycobacterium. Der Todesfall eines Kindes hat das BfArM dazu veranlasst, auf die sachgemäße Verabreichung von Tabletten mit Vitamin D und Fluorid bei Säuglingen hinzuweisen. Zur Prophylaxe von Rachitis und Karies erhalten Säuglinge und Kleinkinder standardmäßig Tabletten mit Vitamin D und Fluorid. Von der zweiten Lebenswoche bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns werden täglich 400 bis 500 internationale Einheiten Vitamin D und 0,25 Milligramm Fluorid in Tablettenform verabreicht. Ab dem ersten Zahn bis zu einem Alter von zwölf Monaten erhalten Kleinkinder weiterhin täglich eine Tablette mit Vitamin D und Fluorid. Zusätzlich sollten die Zähne bis zu zweimal täglich mit einer fluoridfreien Zahnpasta geputzt werden. Alternativ können die Milchzähne auch zweimal täglich mit einer reißkorngroßen Menge einer Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid geputzt werden. Als Tablette sollte dann ausschließlich Vitamin D verabreicht werden. Wir schauen auch gleich, warum das so ist. Vitamin D3 oder Kulikazidin. Sorg dafür, dass Kalzium Dexiumionen aus der Nahrung ins Blut aufgenommen und in die Knochen eingelagert werden. Bei einem Vitamin-D-Mangel kann es zu einer Rakitis kommen. Das ist eine Knochenerkrankung, die im Kindesalter die zu bleibenden Knochenverkrümmungen durch zu weiche Knochen führt. In den ersten zwei Lebensjahren reicht die Zufuhr von Vitamin D über die Muttermilch- und Säuglingsmilchnahrung nicht aus. Auch durch das Füttern von Beikost ab dem fünften Lebensmonat kann das Defizit nicht ausgeglichen werden. Auch wenn Vitamin D mithilfe von UV-Strahlung über die Haut gebildet werden kann, ist die Eigenproduktion bei Säuglingen ungenügend. Außerdem sollten Babys ohnehin nicht direkt, sondern in Strahlung ausgesetzt werden. Zur Rakitis-Prophylaxe bekommen Säuglinge daher bis zum ersten Geburtstag täglich eine Tablette mit 400 bis 500 Einheiten Vitamin D. Im Herbst und Winter geborene Babys erhalten Vitamin D bis zum folgenden Frühjahr weiter, da in Deutschland die nötige Lichtstrahlung zur Bildung des Vitamins zwischen November und Februar nicht erreicht wird. Fluorid ist in bestimmten Kreisen sehr umstritten. Vor kurzem wurde eine Studie hart kritisiert, die angeblich nachwies, dass es keinen Nutzen hat, Fluorid zuzuführen. Hauptgeldgeber der Studie war angeblich ein Hersteller fluoridfreier Zahnpasta. Was wir aber wissen, Fluorid ist ein natürliches Spurenelement und für die Zahngesundheit entscheidend. Es wird in den Zahnschmelz eingelagert und unterstützt dort den Einbau von Calciumphosphat. Das Mineral härtet also den Zahnschmelz und beugt damit wirksam Karie. Auf dem Zahnschmelz bilden Fluoride eine Schicht aus Calciumfluorid und machen den Zahn widerstandsfähig gegenüber Karies verursachenden Säuren. Und was wir auch wissen ist, dass wenn ein Kind zu viel Fluorid einnimmt, dann kann es zu Dentalfluorosen in den bleibenden Zähnen kommen. Dabei bilden sich kreidig-weiße Flecken oder Streifen auf den Zähnen, bei schweren Formen können diese auch gelblich-braun sein. Bei der Abgabe von Produkten mit Fluorid, egal ob mit oder ohne Vitamin D, sollten PTA-Umbedienungen stattfinden. Diese müssen unbedingt darauf hinweisen, dass die Tabletten in einer geeigneten Flüssigkeit aufgelöst werden müssen. Keinesfalls darf die Tablette dem Kind unaufgelöst in die Backentasche gelegt werden, weil sonst die Gefahr eines versehentlichen Verschluckens besteht. Säuglinge können an Festkörpern ersticken, auch an unaufgelösten Tabletten. Das muss man nochmal ganz deutlich sagen. In der Packungsbeilage wird Wasser als geeignete Flüssigkeit genannt. Um die Tablette aufzulösen, wird sie auf einen Teelöffel mit Wasser komplett zerfallen gelassen und die Lösung anschließend dem Kind direkt in den Mund gegeben. Je nach Produkt kann die Tablette auch in Tee oder Saft aufgelöst werden. In Muttermilch löst sich die Tablette hingegen deutlich langsamer auf, daher muss hier besonders sorgfältig auf einen kompletten Zerfall geachtet werden. Um die Sicherheit der Anwendung zukünftig zu erhöhen, wird das BfArM die Zulassungsinhaber der Produkte auffordern, die Angaben in Fach- und Gebrauchsinformationen zu überprüfen und entsprechend anzupassen. In der Packungsbeilage soll deutlich auf das notwendige Auflösen der Tabletten hingewiesen werden. Ja, und nach all diesen eher schlechten Nachrichten, habe ich zum Schluss noch eine gute Frage. Ich habe eine gute Frage. Wir haben ein neues Arzneimittel auf dem Markt. Diese Erkrankung wird unter anderem durch ein Ungleichgewicht bestimmter Neurotransmitter im Gehirn hervorgerufen. Zur Therapie der ADHS wird, wird überwiegend der Arzneistoff Methylphenidate eingesetzt. Die Substanz besitzt eine relativ kurze Halbwertszeit von ungefähr 5 Stunden. Daher muss ein entsprechendes Arzneimittel meist 2-3 mal täglich eingenommen werden. Um einen gleichmäßigen Wirkspiegel bis in den Nachmittag aufrechtzuerhalten, stehen auch verschiedene Retardformulierungen zur Verfügung. Dabei handelt es sich dann um Tabletten oder Kapseln, die allerdings von jüngeren Kindern nur schwer geschluckt werden können. Mit Tozoebi steht nun erstmals auch eine kindgerechtere Tatformulierung als Kautablett. Methylphenidat gehört zu den Amphetamin-ähnlichen Stoffen und stimuliert das zentrale Nervensystem. Als indirektes Sympathomimeticum hemmt es die Wiederaufnahme der beiden Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt und erhöht damit deren Wirkungsdauer. Durch die erhöhte Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin werden Aufmerksamkeiten und Konzentrationen gefördert. Zusätzlich kommt es zu einer verstärkten Aktivität und Wachheit. Methylphenidat wird zur Therapie der ADHS. ADHS bei Kindern ab sechs Jahren und zur Behandlung von Narkolepsie bei Erwachsenen eingesetzt. Der Wirkmechanismus klingt schon nach Missbrauchspotenzial. Der Wirkstoff fällt daher in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz. Bei Arzneimitteln wie Ritalin und Medikinet wird der Wirkstoff nach der Einnahme schnell freigesetzt und die Wirkung hält in der Regel drei bis vier Stunden an. Um eine durchgehende Wirkung über den Tag zu gewährleisten, sollten solche sofort freisetzenden Darreichungsformen morgens und mittags ausgehen. Die Arzneimitteln mit Methylphenidat sorgen für eine längere Wirkung und können daher im Alltag vorteilhaft sein. Durch spezielle galenische Techniken wird der Wirkstoff über einen längeren Zeitraum kontinuierlich abgegeben. Bei Ritalin LA wird die Hälfte des Wirkstoffs sofort und der Rest über die nächsten acht Stunden kontinuierlich freigesetzt. Auch Medikinetretat und Equazinretat geben den Wirkstoff in zwei Phasen frei. Die Wirkung hält auch hier etwa acht Stunden an. Im Präparat Concerta kann Methylphenidat sogar über zwölf Stunden gleichmäßig freigesetzt werden. Und dafür verantwortlich ist ein fortschrittliches OROS-System. Das steht für Osmotic Release Oral System. Ja, der Wirkstoff wird durch osmotischen Druck kontrolliert und gleichmäßig freigesetzt. Bei der Anwendung dieser Ritalin-Arzneiform ist zu beachten, dass diese keinesfalls geteilt oder zerkleinert werden dürfen. Dadurch wird sonst der Freisetzungsmechanismus gestört und der gesamte Wirkstoff sofort freigesetzt. Für Kinder, die Tabletten oder Kapseln noch nicht so gut schlucken können, gab es bisher nur den Ritalin-Saft, zwei Milligramm pro Milliliter. Da es sich bei dem Saft um ein schnell freisetzendes Methylphenidat-Medikament handelt, sind meist zwei bis drei Einzelgaben pro Tag notwendig. Mit Tozovi-Cow-Tabletten ist nun erstmals eine retardierte Arzneiform speziell für Kinder in drei Wirkstärken erhältlich. Enthalten sind jeweils 20, 30 oder 40 Milligramm Methylphenidat-Hydrochlorid pro Tablette. Das Arzneimittel ist für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren zugelassen. Die Cow-Tabletten setzen 30 oder 40 Milligramm Methylphenidat-Hydrochlorid pro Tablette. Das Arzneimittel ist für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren zugelassen. Prozent des Wirkstoffs sofort frei, damit ist ein schneller Wirkeintritt gewährleistet, die restlichen 70 Prozent werden verzögert abgegeben und sorgen für einen therapeutischen Plasmaspiegel über einen Zeitraum von acht Stunden. Wird von einer schnell freisetzenden Methylphenidathaltigen Formulierung auf die Kautablette gewechselt, dann ist die Dosis der Kautablette mit der bisher eingenommenen Tagesdosis vergleichbar. Also wurden bisher beispielsweise zweimal täglich 10 Milligramm Methylphenidat eingenommen, dann kann auf eine Kautablette mit 20 Milligramm Wirkstoff gewechselt werden. Und es ist ein bisschen faszinierend, was für eine Galenik dahinter steckt. Bei Tulsubi wird die sogenannte Liqui-XR-Galenik eingesetzt. Also wird die Kautablette im Mund zerkaut, dann zerfällt sie in mikrofeine Teilchen eines Ionenaustauscherharzes. An dieses negativ geladene Harz ist der protonierte Wirkstoff gebunden. Im Magen-Darm-Trakt wird Methylphenidat gegen dort vorliegende Kationen ausgetauscht, kann in Lösung gehen und wird anschließend reserviert. 30 Prozent der Feinpartikel sind ohne Überzug und setzen den Wirkstoff daher zügig frei. Der Wirkeintritt erfolgt hier nach ungefähr 45 Minuten und die anderen 70 Prozent des Ionenaustauscherharzes sind mit einer Membrane überzogen, die als Diffusionsbarriere dient. Um in den Magen-Darm-Trakt zu gelangen, müssen die Wirkstoffmoleküle durch den Überzug der Partikel diffundieren. Dieser Überzug ist übrigens unterschiedlich dick und je dicker die Membran ist, desto mehr Zeit benötigt der Wirkstoff für die Diffusion. Durch die LiquiXR-Technologie können die therapeutischen Plasmaspiegel von Methylphenidat über acht Stunden nach nur einmaliger Einnahme morgens aufrechterhalten werden. Die im Darm verbleibenden Partikel des Ionenaustauscherharzes werden über den Stuhl ausgeschieden. Bei der Abgabe von Tozolbi sollten PTA darüber informieren, dass die Kautablette einmal täglich morgens angewendet wird. Die Einnahme kann mit oder unabhängig zu einer Mahlzeit erfolgen. Die Tabletten schmecken nach Kirsche. Bei der Einnahme müssen die Tabletten gut gekaut werden und dürfen keinesfalls im Ganzen geschluckt werden. Die Einnahme ist auch ohne Flüssigkeit möglich. Die Kautabletten mit 20 und 30 Milligramm Wirkstoff sind über eine Bruchkerbe dosisgleich teilbar, wodurch eine individuelle Dosierung gewährleistet wird. Ansonsten gilt hier, die Tabletten dürfen nicht anderweitig zerkleinert oder gemörsert werden. So, das war unser letztes Thema für heute. Die Woche kann beginnen. Ich sage, euch jetzt danke fürs Zuhören und wünsche euch eine zauberhafte kurze Woche. Nächste Woche geht es hier weiter, aber na klar, aufgrund des Feiertags am Montag gibt es die neue Folge erst am Dienstag. Aufpassen. Ich sage Tschüss für heute. Ich freue mich aufs nächste Mal mit euch. Bis dahin. Gehabt euch wohl.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Hepatitis-A-Ausbruch in Neapel
  2. Tuberkulose bleibt global relevant
  3. BfArM-Warnung
  4. Neues ADHS-Medikament
  5. Impfempfehlungen

Summary:

Die Podcast-Folge vom 30. März 2026 behandelt aktuelle medizinische Themen aus den Bereichen Infektionskrankheiten und Pädiatrie. Zunächst wird über einen Hepatitis-A-Ausbruch in Neapel berichtet, wo die Fallzahlen etwa zehnmal höher liegen als in den Vorjahren.

Als Quelle werden kontaminierte Muschelzuchtanlagen vermutet, weshalb ein Verzehrverbot für rohe Meeresfrüchte verhängt wurde. Die Behörden rufen zur Impfung auf, besonders für ältere und vorerkrankte Menschen. Ein weiteres Thema ist die Tuberkulose, die trotz Heilbarkeit weltweit jährlich über eine Million Todesfälle verursacht.

500 pro Jahr. Die Behandlung erfolgt mit einer Kombination aus Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol über sechs Monate. Die BCG-Impfung wird in Deutschland nicht mehr empfohlen.

Zudem warnt das BfArM nach einem Todesfall vor der falschen Anwendung von Vitamin-D-Fluorid-Tabletten bei Säuglingen: Diese müssen in Wasser aufgelöst werden, da unaufgelöste Tabletten eine Erstickungsgefahr darstellen. Abschließend wird Tozoebi vorgestellt, eine neue retardierte Kautablette mit Methylphenidat für Kinder ab sechs Jahren mit ADHS. Sie setzt 30 Prozent des Wirkstoffs sofort und 70 Prozent verzögert frei, was eine einmal tägliche Einnahme mit achtstündiger Wirkdauer ermöglicht.

Die Kautablette ist in drei Dosierungen erhältlich und stellt eine kindgerechte Alternative zu herkömmlichen Retardtabletten dar.

FAQs

In und um Neapel sind die Hepatitis-A-Fallzahlen etwa zehnmal höher als in den Vorjahren. Als Ursprung werden kontaminierte Muschelzuchtanlagen vermutet, weshalb ein Verzehrverbot für rohe Meeresfrüchte verhängt wurde.

Eine Impfung gegen Hepatitis A wird empfohlen, besonders für Reisende in Endemiegebiete und die lokale Bevölkerung in Neapel. Zudem hilft gründliches Händewaschen, um die Übertragung zu verhindern.

Tuberkulose ist heilbar, aber weltweit erkranken jährlich etwa 11 Millionen Menschen, über eine Million sterben daran. Besonders betroffen sind Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Afrika und Südostasien.

Leitsymptom ist Husten mit oder ohne Auswurf, der über drei Wochen anhält und therapieresistent ist. Weitere Symptome sind nächtliches Schwitzen, Appetitmangel, Gewichtsverlust, leichtes Fieber, Müdigkeit und Schwäche.

Unaufgelöste Tabletten können bei Säuglingen zu versehentlichem Verschlucken und Ersticken führen. Die Tabletten müssen in Wasser oder einer anderen geeigneten Flüssigkeit zerfallen und die Lösung dem Kind gegeben werden.

Die Kautablette wird einmal täglich morgens eingenommen, gut gekaut und nicht im Ganzen geschluckt. Sie kann mit oder ohne Mahlzeit eingenommen werden und schmeckt nach Kirsche.

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