Go back

Folge 240: Vermehrt Hautkrebs & Masern und Arzneimittel mit Melatonin

19m 11s

Folge 240: Vermehrt Hautkrebs & Masern und Arzneimittel mit Melatonin

Das Montagsbriefing des PTA-Heute-Podcasts behandelt mehrere aktuelle Gesundheitsthemen. Zuerst wird Melatonin als beliebtes Schlafmittel besprochen: Es ist ein Hormon, dessen Bildung vom Tageslicht abhängt. Verschreibungspflichtige Präparate wie Zirkadin oder Slenito enthalten retardiertes Melatonin und sind nur für bestimmte Gruppen zugelassen, etwa ab 55 Jahren oder bei Kindern mit neuropsychiatrischen Erkrankungen. Freiverkäufliche Produkte sind Nahrungsergänzungsmittel ohne Zulassungspflicht, wirken schneller und sollten unmittelbar vor dem Schlafengehen eingenommen werden; von Melatonin bei Kindern wird ohne ärztliche Rücksprache abgeraten. Ein weiteres Thema ist der Anstieg von Hautkrebserkrankungen in Deutschland, der durch demografische Veränderungen, bessere Vorsorge und vor allem übermäßige UV-Strahlung verursacht wird. Die Beratung zum Sonnenschutz, besonders bei photosensibilisierenden Medikamenten, ist daher entscheidend. Zudem wird über die höchste Zahl an Maserninfektionen in Europa seit 1997 berichtet, bedingt durch sinkende Impfquoten; die STIKO empfiehlt, Impfstatus zu prüfen und nachzuholen. Abschließend geht es um Nachhaltigkeit bei Arzneimittelverpackungen: Aktuelle Blister sind oft nicht recycelbar, aber es gibt innovative Lösungen wie Monomaterial-Blister oder Papierbasierte Verpackungen. Die Umstellung ist jedoch langwierig, da Verpackungen Teil der Zulassung sind und Stabilitätsprüfungen erfordern. In der Rezeptur lassen sich bereits jetzt Ressourcen sparen, etwa durch Digitalisierung.

Transcription

2521 Words, 17999 Characters

German
Speaker 1Hallo und herzlich willkommen beim PTA-Heute-Podcast. Letzte Woche musste ich leider aussetzen und Conny Neth hat freundlicherweise übernommen. Dafür erstmal noch ein großes Danke, aber diese Woche mache ich wieder das Montagsbriefing. Ich bin übrigens Benedikt Richter und letzte Woche, da war einer meiner liebsten inoffiziellen Feiertage, der Welttag des Schlafes. Habe ich am Wochenende nicht so richtig genutzt, ehrlich gesagt. Aber bezugnehmend auf diesen Tag sprechen wir heute mal über die vielbeschworene Geheimwaffe Melatonin und welcher Arzneimittel es da eigentlich gibt. Außerdem wird es langsam Zeit, die Sonnenschutzvorräte aufzufüllen, denn mangelnder UV-Schutz kann das Hautkrebsrisiko erhöhen. Reden wir auch gleich drüber. Außerdem beschäftigt uns heute die höchste Masernzahl in Europa seit über 20 Jahren und das Thema Nachhaltigkeit bei Arzneimittelverpackungen. Hier wird jetzt also nicht geschlafen. Macht es euch trotzdem bequem. Es geht los. Vielleicht ist es euch letzte Woche aufgefallen, als ihr so durch pta-heute.de gescrollt habt. Es gab sehr, sehr viele Artikel zum Thema Schlaf. Und das passte, denn jedes Jahr am dritten Freitag im März wird der Weltschlaftag begangen. Dieses Datum liegt immer kurz vor der Tag- und Nachtgleiche, also der Tag, an dem der Tag und die Nacht gleich lang sind. Schlaf ist wichtig, nicht nur um sich vom Tag zu erholen. Ausreichend und erholsamer Schlaf spielt eine wesentliche Rolle für unsere Gesundheit. Deshalb gibt es auch viele Arzneimittelverpackungen, da gibt es natürlich ein großes Bedürfnis unserer KundInnen, Schlafprobleme schnell zu beheben. Und ein Stoff, der sich in den letzten Jahren zum Liebling entwickelt hat, ist Melatonin. Melatonin ist ein körpereigenes Hormon. Es wird in der Zirbeldrüse im Gehirn gebildet und spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Außerdem hat es eine schlafinduzierende Wirkung. Die Bildung von Melatonin hängt vom Tageslicht ab. Also bei Helligkeit. Wird die Synthese gehemmt, bei Dunkelheit dagegen gefördert. Einige Stunden vor dem Schlafengehen steigt in unserem Blut der Melatoninspiegel langsam an und bereitet den Körper auf die nächtliche Ruhephase vor. Arzneimittel mit Melatonin sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Alles, was frei verkäuflich ist, ist lediglich ein Nahrungsergänzungsmittel. Daher findet man das ein oder andere Melatonin-Produkt auch in der Drogerie oder im Supermarkt. Um ein Rezept zu finden, für ein retardiertes Melatonin-Produkt muss man mindestens 55 Jahre alt sein. So die Zulassung der Arzneimittel. Im Alter lässt die natürliche Produktion von Melatonin nach. Entsprechende Präparate setzen die Substanz langsam über einige Stunden hinweg frei und ahmen so die natürliche Bildung des Hormons im Körper nach. Erhältlich sind dazu Retardtabletten mit 2 mg Melatonin. Zum Beispiel Zirkadin, 2 mg Retardtabletten, und diverse Generika. Die Dosierung beträgt in der Regel eine Tablette täglich. Bei Bedarf kann die Dosis auch erhöht werden, wobei eine Tagesgesamtdosis von 10 mg nicht überschritten werden darf. Das Arzneimittel wird 1-2 Stunden vor dem Schlafen gehen, nach der letzten Mahlzeit eingenommen. Für jüngere Erwachsene besitzen die Tabletten keine Zulassung. Ein großes Thema sind auch Schlafstörungen bei Kindern mit neuropsychiatrischen Erkrankungen wie einer Autismus-Spektrum-Störung. Bei diesen Kindern ist es wichtig, die Freisetzung von Melatonin so verändert zu sein, dass das Hormon zur falschen Tageszeit ausgeschüttet wird. Erhältlich ist dazu das Fertigarzneimittel Slenito. Oder wie es korrekt ausgesprochen wird, Slenaito. Aber da weigere ich mich ein bisschen. Auf jeden Fall Slenito mit jeweils 1 mg oder 5 mg Melatonin in retardierter Form. Die Tabletten müssen etwa eine Stunde vor dem Schlafen gehen, zu oder nach einer Mahlzeit eingenommen werden, müssen als Ganzes geschluckt, und dürfen nicht zerteilt werden. Wie bei älteren Erwachsenen beträgt die Einzeldosis normalerweise 2 mg Melatonin, die Tageshöchstdosis liegt bei 10 mg. Auch in der Rezeptur werden dann und wann Melatoninpräparate hergestellt. Flüssige Darreichungsformen bis 1 mg pro Milliliter können dabei als Lösung umgesetzt werden. Bei Konzentrationen über 1 mg pro Milliliter wird Melatonin dann zu einer flüssigen Suspension verarbeitet. Erwähnenswert ist auch noch das Arzneimittel Melatonin-Vita-Balance. Das Präparat enthält pro Tablette 5 mg Melatonin und ist ebenfalls verschreibungspflichtig. Melatonin-Vita-Balance hat eine Zulassung zur kurzzeitigen Behandlung von Jetlag bei Erwachsenen. Am Reiseziel selbst sollte für maximal 4 Tage eine Tablette vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Dabei ist genau auf den Einnahmezeitpunkt zu achten, denn die Tablette darf nicht vor 20 Uhr oder nach 4 Uhr morgens eingenommen werden. Erahnt ihr das? Man kannte sicher schon, dass Jetlag keine Krankheit ist, die eine Erstattung über die Kasse rechtfertigt. Melatonin-Vita-Balance ist ein Lifestyle-Arzneimittel und muss daher vom Kunden selbst bezahlt werden. Aber sprechen wir doch noch mal kurz über die unzähligen Melatonin-Produkte, die man ohne Rezept kaufen kann. Wie bereits erwähnt, sind das alles Nahrungsergänzungsmittel. Also im Gegensatz zu Arzneimitteln unterliegen die keiner Zulassungspflicht. Zuständig für die Überwachung sind die Lebensmittelüberwachungsbehörden, der einzelnen Bundesländer. Und das verwundert auf den ersten Blick und vielleicht auch auf den zweiten, denn ein Stoff mit dieser Wirkung gehört eigentlich fest in Apothekenhand. So sehen das einige. Deshalb wird auch immer wieder darüber gesprochen, ob diese Nahrungsergänzungsmittel nicht doch eigentlich eine Arzneimittelzulassung bräuchten. Um das zu klären, müsste ein Gericht über die pharmakologische Wirkung entscheiden. Und ein einmal getroffenes Urteil wäre dann auch nur für das Konzept, das ein konkretes Produkt bindend. Bis zur endgültigen Klärung darf das Präparat sowieso weiter verkauft werden. Nahrungsergänzungsmittel dürfen für Werbezwecke mit sogenannten Health Claims, also gesundheitsbezogenen Aussagen, versehen werden. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sind für Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin folgende Aussagen erlaubt. Melatonin trägt zur Linderung der subjektiven Jetlag-Empfindung bei und Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verhindern. Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen. Für Jetlag gilt dabei eine Dosierung von mindestens 0,5 mg Melatonin pro Einzeldosis. Für die Verkürzung der Einschlafzeit müssen 1 mg Melatonin pro angegebene Portion enthalten sein. Und jetzt kommt der entscheidende Unterschied. Die Retardierung. Alle RX-Präparate enthalten Melatonin in retardierter Form. Die Nahrungsergänzungsmittel nicht. Das heißt, der Wirkstoff wird schnell freigesetzt und auch schnell wieder abgebaut. Dadurch verhindert sich die Erkrankung der Nahrungsergänzungsmittel. Verändert sich auch der Einnahmezeitpunkt. Melatonin in Lebensmitteln wird unmittelbar vor dem Einschlafen angewendet. Arzneimittel mit Melatonin haben dagegen einen anderen Einnahmezeitpunkt, wie schon erwähnt, 1-2 Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen werden, weil der Wirkstoff langsam aus der retardierten Darreichungsform freigesetzt wird. Und von Melatonin bei Kindern können wir als Apotheke guten Gewissens abraten. Kinder verstoffwechseln Melatonin. Kinder verstoffwechseln Melatonin. Melatonin langsamer als Erwachsene, wodurch es zu schwerwiegenden Gesundheitsfolgen kommen kann. Daher Melatonin für Kinder nur nach ärztlicher Rücksprache. Vom Thema Nacht und Schlaf geht's zum Thema Tag und Sonne. Die Kosmetik-PTA wissen ganz genau, dass man rund ums Jahr Sonnenschutz tragen sollte. Aber für viele unserer KundInnen wird das Thema Sonnenschutz eigentlich erst im Urlaub so richtig relevant. Das ist besser als nix, aber wahrscheinlich nicht genug. In Deutschland gibt's immer mehr Menschen mit einer Hautkrebsdiagnose. Das zeigt ein neuer Bericht der Barmer Krankenkasse. Im Jahr 2023 wurde bei rund 417.400 Menschen eine Diagnose für ein malignes Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt, festgestellt. 2005 waren es noch etwa 188.600. Eine Diagnose für einen nicht-melanotischen Hautkrebs, auch weißer Hautkrebs genannt, erhielt laut Barmer im Jahr 2013. Im Jahr 2015 waren es noch knapp 638.500. Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten starben 3.169 Menschen im Jahr 2023 an einem malignen Melanom der Haut. An hellem Hautkrebs starben den Angaben zufolge 1.048 Menschen. Kurz mal zum Unterschied zwischen diesen beiden Formen. Der weiße Hautkrebs entsteht kurz gesagt aus Leberflecken. Er tritt vor allem an exponierten Stellen des Körpers, den sogenannten Sonnenterrassen, auf, also Gesicht, Ohren und unbehaarte Kopfhaut. Schwarzem Hautkrebs hingegen liegt eine Entartung der Pigmentzellen der Haut zugrunde. Der ist gefährlicher als weißer, weil er sehr früh streuen kann. Wichtig ist es, auf Hautveränderungen zu achten. Hinweise können ungleichmäßig geformte Hautflecken, unterschiedliche Färbungen oder verwaschene Ränder bei Leberflecken sein. Wird der Krebs frühzeitig entdeckt, ist die Prognose gut, und er kann operativ entfernt werden. Was aber beide gemeinsam haben, sie werden primär durch übermäßige UV-Strahlung. verursacht. Jetzt könnte man sich noch fragen, warum die Hautkrebszahlen eigentlich so steigen. Und das hat mehrere Gründe. Ein wesentlicher Teil des Anstiegs ist auf demografische Veränderungen in der Gesellschaft zurückzuführen. Hautkrebs tritt vorwiegend bei älteren Menschen auf. Bei schwarzem Hautkrebs gibt es aber auch viele jüngere Patienten, muss man auch sagen. Ein weiterer Grund für den Anstieg ist die bessere Vorsorge. Versicherte haben seit 2008 ab einem Alter von 35 Jahren Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs. Die Krankheit wird also seltener übersehen als früher. Die Hautschäden, die man heute sehe, stünden häufig im Zusammenhang mit Schäden in den 70er und 80er Jahren. Damals haben wir noch weniger auf Sonnenschutz geachtet. Außerdem seien die Lichtschutzfilter der Sonnencremes noch nicht so gut gewesen, so der Barmer Bericht. Aber der wahrscheinlich bedeutsamste Grund für den Anstieg ist die übermäßige UV-Strahlung. Laut Deutscher Krebsgesellschaft ist sie einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Hautkrebs. Je intensiver und häufiger die Haut-UV-Strahlung ausgesetzt ist, desto höher ist das Risiko für eine Hautkrebserkrankung. Nehmen wir das als Motivation, unsere KundInnen noch intensiver zum Sonnenschutz zu beraten, vor allem wenn sie photosensibilisierende Arzneimittel einnehmen, also das kleine Sonneneichen in unserem Kassensystem nicht ignorieren. Und während die Ansteigen hatten wir 2024 noch eine andere erschreckende Zahl. Die Zahl der in Europa und Zentralasien gemeldeten Maserninfektionen war 2024 so hoch wie seit 27 Jahren nicht mehr. Das teilen die Weltgesundheitsorganisation und das UN-Kinderhilfswerk UNICEF mit. Demnach sind im vergangenen Jahr in der europäischen WHO-Region gut 127.000 Masernfälle gemeldet worden. Das waren laut WHO. Doppelt so viele Fälle wie im Vorjahr und die höchste Zahl in der Region seit 1997. Rumänien war der WHO zufolge mit 30.692 gemeldeten Fällen das Land mit den meisten Maserninfektionen der Region, die Europa und Zentralasien umfasst. Auf Platz 2 ist dann übrigens Kasachstan mit rund 28.000 Fällen. Hans Kluge, der WHO-Regionaldirektor für Europa, sagt, die Masern sind zurück und das ist ein Weckruf. Ohne hohe Impfquoten gäbe es keine Sicherheit für die Gesundheit, sagt Kluge. Trifft das alles auch auf Deutschland zu? Also, in Deutschland wurden für 2024 bis zum 25. September laut dem Robert-Koch-Institut 553 Masernfälle gemeldet. Die Zahl der registrierten Fälle schwankt sehr. In den Jahren 2020 bis 2023 lagen die Masernfallzahlen laut RKI im ein- und zweistelligen Bereich. Vor der Corona-Pandemie waren es 165 bis rund 2.500 pro Jahr. Bei 91 Prozent der Fälle, die 2024 an das RKI übermittelt wurden, sei der Impfstatus bekannt gewesen. Und davon waren 82 Prozent ungeimpft gewesen. Besonders betroffen waren Kinder in den ersten beiden Lebensjahren, gefolgt von der Altersgruppe der 25- bis 30-Jährigen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie waren die Impfquoten lauter. Die Impfquoten waren in den ersten beiden Lebensjahren nicht so hoch wie in den ersten Jahren. Die Impfquoten sind laut WHO in den vergangenen Jahren insgesamt zurückgegangen. In vielen Ländern seien sie demnach noch nicht wieder auf dem Stand von vor der Pandemie. Diese Tatsache erhöhe laut der Mitteilung das Risiko für Krankheitsausbrüche. Die Ständige Impfkommission hier bei uns rät, die Masernimpfung bei Kindern bis zum Alter von 15 Monaten vollständig abzuschließen. Für die nach 1970 geborenen Erwachsenen empfiehlt die STIKO, bei unklarem Impfstatus die Standardimpfung gegen Masern nachzuholen. Etwa 15% der an das RKI übermittelten Masernfälle in 2025 haben sich im Ausland infiziert. Folglich sieht das RKI Aufklärungsbedarf bei Reisenden und Menschen, die nach Deutschland kommen, um hier zu leben und zu arbeiten. Sie müssten ihren Impfstatus überprüfen und bei fehlendem Impfschutz zeitnah ein Impfangebot erhalten. So, genug von Krankheiten. Im letzten Thema reden wir über Nachhaltigkeit und ich habe da mittlerweile einen ganz neuen Blick drauf. Wir haben seit einigen Monaten eine neue Impfung. Wir haben seit einigen Monaten eine neue Impfung. Wir hatten eine FIP, eine Pharmazeutin im Praktikum, die auch von mir in der Rezeptur betreut wurde und die hat nicht mal darauf aufmerksam gemacht, wie viel Müll wir als Apotheke so produzieren. Gut, einiges kann man halt wirklich nicht ändern, zum Beispiel den Verbrauch an Zellstoff in der Rezeptur, großer Müllverursacher oder auch Arzneimittelverpackungen. Darüber beschweren sich ja mittlerweile auch viele KundInnen. Muss das wirklich so groß eingepackt sein? Das ist doch eine große Frage. Vielleicht kennt ihr solche Gespräche auch. Was man erstmal festhalten muss, Arzneimittel sind besondere Güter, die daher auch eine besonders sorgfältige Handhabung erfordern. Die Verpackung muss das Arzneimittel schützen, zum Beispiel vor Staub, vor mikrobieller Kontamination, vor UV-Strahlung, vor Sauerstoff und Feuchtigkeit. Außerdem sollte die Verpackung für Kinder nicht zu öffnen sein. Tabletten sind oft in Durchdrück, belistern aus Verbundmaterialien, verpackt. Aluminium, Polyvinylchlorid, also PVC und Co. sind dabei so fest miteinander verbunden, dass sie kaum noch trennbar und damit nicht recycelbar sind. Die leeren Blister werden daher nach Gebrauch verbrannt. Ein Ansatz, Arzneimittelverpackungen nachhaltiger zu gestalten, sind nur aus einem einzigen Kunststoff bestehende Blister. Insbesondere wenn die nicht eingefärbt sind, lassen sich solche Verpackungen tatsächlich gut recyceln. Entsprechende Verpackungen sind bereits auf dem Markt. Die Verpackungen sind nicht nur aus einem einzigen Kunststoff bestehende Blister. Die Verpackungen sind nicht nur aus einem einzigen Kunststoff bestehende Blister, sondern auch aus einem einzigen Kunststoff bestehenden Blister. Die Verpackungen sind einen ausschließlich aus Polypropylen, also PP bestehenden Blister, inklusive entsprechender Siegelfolie bietet unter anderem die Firma Etimex an. PP zeichnet sich durch eine geringe Wasserdampfdurchlässigkeit aus, was es ja zu einem geeigneten Blistermaterial macht. Ein transparentes, ausschließlich aus Polyethylentereftalat bestehendes Pendant, das ist PET, hat die Firma Hutamaki entwickelt. Auch im Bereich der Tuben gibt es bereits Ansätze, diese aus einem einzigen Werkstoff herzustellen. Der Hersteller Tubex produziert beispielsweise ein Modell, das inklusive Verschluss einheitlich aus Aluminium besteht. Eine vollständig aus Polyethylen, also PE bestehende Tube, produziert die Firma Neopack. Ein weiterer Ansatz zur Reduktion von problematischem Müll sind bioabbaubare Verpackungen. Tagesdosetten und Wochenblister auf der Basis von Kartoffelstärke und Pflanzenfasern können Alternative zu einmal Plastikblistern sein. Das Unternehmen EcoBlister bietet sowas an, sogar mit einer bioabbaubaren Folie. Vergleichbare Materialien verwenden die Firmen Paperform und Körper für die Herstellung von Einsätzen für Faltschachteln. Mit denen werden beispielsweise wirkstoffhaltige Pens im Umkarton an Ort und Stelle gehalten. Und auch Papier könnte ein spannender Stoff werden. Die Firma Syntigon und Hutamaki haben einen papierbasierten Blister entwickelt. Dieser wird durch eine spezielle Beschichtung undurchlässig für Wasserdampf. Die Recycelbarkeit soll dadurch laut Herstellerangaben nicht eingeschränkt werden. Und auch wenn das alles schon sehr, sehr cool klingt, in der Apotheke finden wir aktuell nichts davon. Auf Anfrage des Packaging Journal 2022 gaben mehrere Pharmafirmen, wenn auch noch vage, an, nachhaltige Verpackungslösungen zu testen. Das Problem ist auch, dass die Verpackung Bestandteil der Zulassung ist. Und bei einem Materialwechsel untersuchen wie etwas Stabilitätsprüfung wiederholt werden müssten. Weiterhin dürfte bei einigen neuen Materialien noch unklar sein, inwieweit sie mit den bereits betriebenen Produktionsanlagen kompatibel sind. Also die Umstellung im Sinne der Nachhaltigkeit wird noch ein bisschen dauern. Aufatmen aber in der Rezeptur. Die häufig verwendeten Aponorm-Schraubdeckeldosen bestehen bereits jetzt aus reinem Polypropylen. Und wenn man die Augen offen hält, dann findet man sicher noch mehr Punkte. An denen man Rohstoffe in der Rezeptur quasi einsparen kann, zum Beispiel beim Digitalisieren der Herstellungsprotokolle. In diesem Sinne sage ich schon mal Tschüss, denn für mich geht es diese Woche wieder in die Rezeptur. Und euch sage ich jetzt Danke fürs Zuhören. Ich freue mich, wenn ihr nächste Woche wieder dabei seid. Da werdet ihr einen sehr entspannten Moderator vorfinden, denn ich habe Montag und Dienstag frei. Genießt eure Woche, lasst euch nicht stressen, denkt an den Sonnenschutz und gehabt euch wohl. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert; verschreibungspflichtige Arzneimittel sind retardiert und für bestimmte Gruppen zugelassen.
  2. Freiverkäufliche Melatonin-Produkte sind Nahrungsergänzungsmittel ohne Zulassungspflicht und unterscheiden sich in Freisetzung und Einnahmezeitpunkt.
  3. Die Hautkrebszahlen in Deutschland steigen stark; Hauptursache ist übermäßige UV-Strahlung, weshalb Sonnenschutzberatung wichtig ist.
  4. Die Masernfälle in Europa sind 2024 auf den höchsten Stand seit 27 Jahren gestiegen; Impflücken sind der Hauptgrund.
  5. Nachhaltige Arzneimittelverpackungen wie Monomaterial-Blister oder Papierlösungen existieren, aber die Umstellung dauert wegen Zulassungs- und Stabilitätsanforderungen.

Summary:

Das Montagsbriefing des PTA-Heute-Podcasts behandelt mehrere aktuelle Gesundheitsthemen. Zuerst wird Melatonin als beliebtes Schlafmittel besprochen: Es ist ein Hormon, dessen Bildung vom Tageslicht abhängt. Verschreibungspflichtige Präparate wie Zirkadin oder Slenito enthalten retardiertes Melatonin und sind nur für bestimmte Gruppen zugelassen, etwa ab 55 Jahren oder bei Kindern mit neuropsychiatrischen Erkrankungen.

Freiverkäufliche Produkte sind Nahrungsergänzungsmittel ohne Zulassungspflicht, wirken schneller und sollten unmittelbar vor dem Schlafengehen eingenommen werden; von Melatonin bei Kindern wird ohne ärztliche Rücksprache abgeraten. Ein weiteres Thema ist der Anstieg von Hautkrebserkrankungen in Deutschland, der durch demografische Veränderungen, bessere Vorsorge und vor allem übermäßige UV-Strahlung verursacht wird. Die Beratung zum Sonnenschutz, besonders bei photosensibilisierenden Medikamenten, ist daher entscheidend.

Zudem wird über die höchste Zahl an Maserninfektionen in Europa seit 1997 berichtet, bedingt durch sinkende Impfquoten; die STIKO empfiehlt, Impfstatus zu prüfen und nachzuholen. Abschließend geht es um Nachhaltigkeit bei Arzneimittelverpackungen: Aktuelle Blister sind oft nicht recycelbar, aber es gibt innovative Lösungen wie Monomaterial-Blister oder Papierbasierte Verpackungen. Die Umstellung ist jedoch langwierig, da Verpackungen Teil der Zulassung sind und Stabilitätsprüfungen erfordern.

In der Rezeptur lassen sich bereits jetzt Ressourcen sparen, etwa durch Digitalisierung.

FAQs

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das in der Zirbeldrüse gebildet wird und den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Es hat eine schlafinduzierende Wirkung, wobei die Bildung vom Tageslicht abhängt und bei Dunkelheit gefördert wird.

Ja, Arzneimittel mit Melatonin sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Frei verkäufliche Produkte sind lediglich Nahrungsergänzungsmittel und unterliegen keiner Zulassungspflicht.

Retardierte Melatonin-Präparate wie Zirkadin sind für Erwachsene ab 55 Jahren zugelassen, da die natürliche Melatoninproduktion im Alter nachlässt. Für jüngere Erwachsene besitzen diese Tabletten keine Zulassung.

Für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen gibt es das Fertigarzneimittel Slenito mit 1 mg oder 5 mg Melatonin in retardierter Form. Die Tabletten müssen etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen eingenommen werden und dürfen nicht zerteilt werden.

Bei Jetlag wird eine Tablette mit 5 mg Melatonin vor dem Zubettgehen für maximal 4 Tage eingenommen. Die Einnahme darf nicht vor 20 Uhr oder nach 4 Uhr morgens erfolgen, und das Präparat muss selbst bezahlt werden.

Erlaubt sind Aussagen wie 'Melatonin trägt zur Linderung der subjektiven Jetlag-Empfindung bei' und 'Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen'. Für Jetlag sind mindestens 0,5 mg, für die Einschlafzeit 1 mg pro Portion erforderlich.

Chat with AI

Loading...

Pro features

Go deeper with this episode

Unlock creator-grade tools that turn any transcript into show notes and subtitle files.