Esstörung, keine Periode mehr und eine persönliche Geschichte
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Lisa teilt ihre persönliche Erfahrung mit einer langjährigen Essstörung, die bereits im Alter von 14 Jahren begann. Der Auslöser war eine Bemerkung ihres ersten Freundes, der ihr ein „Bäuchle“ nannte, was zu einem ersten Abnehmen führte. Im Laufe der Zeit führte das zu einer zunehmenden Kontrolle über das Essen, einem starken Gefühl von Selbstwirkung und einer Identifikation mit der Idee, dünn zu sein. Diese Entwicklung wurde durch familiäre und soziale Schwierigkeiten verstärkt, wie ein Auslandsgewesen und eine fehlende familiäre Unterstützung. Mehrere stationäre und ambulante Behandlungen, darunter eine teilstationäre Therapie in München, konnten nur teilweise Erfolge bringen. Die Essstörung wurde als eine tiefe, wachsende Beziehung beschrieben, die sich in der persönlichen Identität, dem Leistungsanspruch und dem Leben widerspiegelte. Obwohl Lisa nach der Therapie ihre Lebensqualität verbesserte, blieb eine starke Verbindung zur Erkrankung erhalten. Sie erkannte, dass die Krankheit nicht nur eine Belastung war, sondern ein Teil ihres Selbst wurde – eine ambivalente Beziehung, die sich auf Berufswahl, Lebensziele und Selbstwahrnehmung auswirkte. Auch ihr Studium der Medizin wurde durch diese Erfahrung geprägt, da sie sich entschied, nicht die Therapeutenausbildung zu machen, weil sie sich selbst als zu krank fühlte. Nach dem Studium beschreibt sie eine langfristige Integration in eine normale Lebenswelt, in der sie mit Eltern und Partner zusammenlebt und sich in der Frauenheilkunde mit Hormonbehandlung beschäftigt. Die Erfahrung zeigt, dass Essstörungen nicht nur körperlich, sondern tief psychisch und identitätsbezogen sind und eine langfristige, vielschichtige Therapie erfordern.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Jung und Freudlos.
Dein Podcast aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Freiburg.
Ja, wir sitzen heute hier wieder mal in einer bisschen anderen Runde.
Heute sind da Esmene, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie eures Vertrauens.
Hallo.
Und ich bin Moritz, auf dem Weg zum Kinderarzt.
Und leider heute nicht bei uns ist Sebastian, der, wie soll ich das jetzt umschreiben?
Hat ein Virenproblem.
Macht Corona aus.
Umso schöner ist es, dass wir eine ganz tolle Gästin haben.
Heute ist bei uns Lisa.
Lisa hat mit mir studiert vor längerer Zeit, wie wir vorhin festgestellt haben.
Und Lisa kann aus eigenen Erfahrungen heute.
Und zwar von ihrer Essstörung, was für uns ein ganz großer Luxus ist.
Einmal, weil Lisa selber Psychologin ist und eben Medizinstudentin, aber eben auch selber Erfahrungen hat mit einer Essstörung.
Und sich trotz der Tatsache, dass sie in kurzer Zeit ihr Examen macht, bereit erklärt hat, mit uns in unserer kleinen Kammer über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Also Lisa, wir freuen uns ganz arg, dass du heute da bist.
Ja, ich freue mich auch.
Es ist eine große Ehre.
Ja, und ich würde sagen, wir verschwenden gar nicht so wahnsinnig viel Zeit.
Ich weiß nicht, ob du dir das gedacht hast.
Natürlich haben wir auch für dich.
Drei Oder-Fragen.
Man kommt ja nicht drum rum.
Wir haben ja behauptet, wir würden uns was anderes ausdenken.
Haben wir nie gemacht.
Uns ist nichts eingefallen.
Wir haben es versucht.
Wir bleiben beim Hinterstand.
Damit würden wir einsteigen.
Und danach geht es vor allen Dingen um dich.
Okay?
Okay, ja.
Sehr gut.
Soll ich anfangen?
Würde ich sagen.
Okay, Lisa, pass auf.
Sonnenaufgang, Sonnenuntergang oder Sonnenbrillen-Etui?
Sonnenuntergang.
Warum?
Das ist eine Begründung.
Ja, warum?
Ich glaube, für Sonnenaufgang bin ich einfach zu spät dran.
Und Sonnenbrillen-Etui?
Für mich, also das ist, das sowas habe ich gar nicht.
Also ich habe Sonnenbrillen, aber ich glaube, ich habe die noch nie in Etui gemacht.
Das habe ich immer so.
Eine Socke oder sowas benutze ich eher.
Ah, Sonnenbrillen-Socker.
Das Problem kenne ich.
Auf die Idee wäre ich jetzt noch nicht gegangen.
Das Sonnenbrillen-Problem, ja.
Okay.
Frage zwei für dich ist Freischwimmerin, Freibäuterin oder Freigestellt?
Was ist denn Freibäuterin?
Na, so eine Piratin, oder?
Mhm, eine Sehbäuterin.
Also, ich weiß nicht, ob du hier durch Freiburg mit so einem Bächleboot ziehst.
Ich glaube, das finde ich gut, ja.
Zumindest von der Idee her.
Du kannst ja auch deine Sonnenbrillen-Socke dann mitnehmen auf dein Boot und dann bist du bereit.
Okay, letzte Frage.
Innenleben, Außenleben oder Baumhaus?
Innenleben.
Ich bin so ein Drinni irgendwie, ja.
Ein Drinni?
In dir drin oder drin in Häusern?
Nee, schon eher im Haus.
Ich mag das gerne.
Ich mag doch so dieses Schattige, wenn es draußen heiß ist.
Ich bin da nicht so krass draußen wie, also schon, aber jetzt nicht so wie andere.
Ich bin da voll bei dir.
Wirklich?
Ja.
Ich finde, also wir sitzen hier.
Es ist jetzt Mitte April, würde ich sagen.
Das Wetter wird wieder schöner und ich finde, also das innerste Bedürfnis von mir ist gerade
rauszugehen und die Sonne auf mich anwirken zu lassen.
Also du hast ja auch schon Sonnen-August.
Danke für die Blumen.
Dann sieht man, dass du ein Drausie bist.
Auf jeden Fall.
Aber das rächt sich, was?
Drei Jahre ab und dann bist du ganz schön runzlig im Boot.
Das macht Spaß mit euch.
Okay, Lisa, du hast dich wacker geschlagen und jedes Mal noch eine Begründung dazu gegeben.
Das gibt einen Pluspunkt.
Und dann würde ich sagen.
Wir schlägen los, oder?
Wir schlägen los.
Wir schlägen los.
Ab geht's.
Okay.
Zum Einstieg, Lisa.
Wie geht es dir heute?
Wie bist du drauf?
Gerade bin ich irgendwie sehr erleichtert, mal von meinem Alltag rausgerissen zu werden.
Es ist schon sehr anstrengend, mit Kind zu Hause sich aufs Examen vorzubereiten.
Es sind jetzt noch drei Wochen und irgendwie ist es so, wirklich mal eine ganz andere Sache,
Podcast aufzunehmen.
Das macht mich gut gelaunt.
Ich habe mich auch voll gefreut, auch mal einen anderen Abend.
Ich habe mich auch voll gefreut, auch mal eine andere Abendgestaltung zu haben, als
zu baden und zu essen und sauber zu machen.
Das ist cool.
Dann haben wir alle was davon, dass du heute hier bist.
Zu sagen, eine Win-Win-Geschichte, genau.
Du hast uns geschrieben, dass du gerne mit uns über deine Essstörung sprechen möchtest,
was, wie gesagt, für uns ein großer Luxus ist und auch für unsere Hörerinnen und Hörer
ein großer Luxus ist, einfach weil es ganz wertvoll ist, wenn man Erfahrungen teilen
kann.
Deshalb würden wir deine Geschichte gerne einmal so veröffentlichen.
Danke.
Danke.
Danke.
Danke.
von Beginn an aufrollen, wenn man das so sagen kann,
wenn das für dich okay ist. Also wenn du magst,
darfst du einfach mal ein bisschen berichten,
wie es dir ging, was da los war.
Okay, also angefangen
hat die Essstörung eigentlich, als ich 14 war.
Da habe ich,
da hatte ich meinen ersten Freund
und der hatte mal gesagt zu mir,
dass ich einen Bäuchle habe.
Und dann habe ich gedacht,
naja, das brauche ich ja nicht.
Und dann habe ich eigentlich, also
dann habe ich einfach aufgehört, Süßigkeiten
zu essen. Und das war eigentlich relativ erfolgreich.
Dann habe ich
ein bisschen abgenommen und
ich würde, es war jetzt so,
ich würde sagen, so ein Teenie-Ding.
Also ich glaube, das macht
vielleicht jeder Teenie oder viele Teenies mal durch.
Und war auch irgendwie
noch nicht so ganz so pathologisch. Aber es war
schon so, dass ich gemerkt habe, ah, da stimmt irgendwas nicht.
Also so, ich habe halt keinen Kuchen
mehr angenommen, weil in der Schule Kuchen gebacken wurde, weil jemand
Geburtstag hatte. Also es
war schon so, dass ich gedacht habe,
irgendwie ist was
komisch. Und meine Sportlehrerin hatte mich damals
auch angesprochen.
Und das habe ich meiner Mutter
erzählt. Und meine Mutter hat
dann mit einer befreundeten
Psychologin mal
besprochen, wie das so ist. Und die hat halt gesagt,
ja, also eben 14, das ist ganz normal.
Das kann auch gut eine Phase sein.
Einfach nicht pathologisieren
und weitermachen.
Und so war das dann auch, bis ich
dann mit,
und jetzt so im Nachhinein kenne ich ja viele
Essstörungsgeschichten,
zu der Klassiker mit, in der 11. Klasse
ins Ausland gegangen bin.
Und da hatte ich einfach wenig Halt und wenig
Familie und
wenig
ja, irgendwie
Liebe, sage ich jetzt einfach mal so.
Und habe dann einfach angefangen,
weniger zu essen und mehr Sport zu machen.
Und dann
kam ich zurück und meine Eltern
hat am Flughafen
der Schlag getroffen. Und die mussten
mir dann auf dem Weg nach Hause erstmal klar machen, dass die
Überraschungsfeier, die sie für mich organisiert haben,
vielleicht nicht so gut ankommt, wenn die Leute
mich sehen. Das war eine ganz schlimme Situation.
Genau. Und dann
habe ich wirklich, also das war wirklich
sehr heftig. Dann war ich,
ich komme ja ursprünglich aus Freiburg.
Weiß ich noch, wie gestern,
wie meine Mutter dann mit mir hier in die Klinik gegangen
ist. Und die Psychosomatik hat mir hier einen Termin
bei einer Ärztin, die ja auch
gar nicht mehr da ist. Und die mir dann klar
gemacht hat, so, ich dachte halt, jetzt mache ich Therapie
und dann hat sich das, weil ja vorher wusste ich ja gar
nicht, ob ich jetzt wirklich eine Essstörung habe. Und jetzt dachte ich, okay,
jetzt habe ich halt eine. Aber dass es so schlimm
ist und ich wirklich so
extrem, also, dass ich gar nicht ambulant
hätte behandelt werden dürfen, das habe ich ja
gar nicht umrissen. Wie alt warst du da?
Da war ich 17.
Okay, und du warst aber nicht in der
Kinder- und Jugendpsychiatrie dann, sondern schon
in der Psychosomatik.
Es war nur ein Vorgespräch. Ich glaube, es war halt
einfach mit der, das war nicht eine
Kinder- und Jugend, also, ich weiß
nicht, ich glaube, es war einfach eine Spezialistin für Essstörungen
hier an der Uniklinik. Aber
genau, ich weiß gar nicht,
also, es war auch kein Vorgespräch, sondern es war eher,
also, ich weiß auch, das weiß ich nicht mehr,
aber es war mehr so ein,
vielleicht war es auch ein Vorgespräch,
aber mehr halt so eine Einschätzung, was kann man jetzt mit mir
machen. Okay, das heißt, du warst 17
und dann war die Aussage, du bist
schon ziemlich schwer erkrankt.
Genau. Zu dem Zeitpunkt schon sehr untergewichtig.
Genau, du bist so untergewichtig für eine ambulante
Behandlung und da, ich meine, das war
halt wirklich, das war eine Situation, die
die so
einfach schwierig, glaube ich, für alle zu handeln
war. Genau.
Kannst du dich noch erinnern, was du zu dem Zeitpunkt
gewogen hast oder wie dein BMI war?
Also, ich,
ich glaube, der BMI war
so um die,
um die 13.
Okay, also schon deutlich
vermindert. Genau.
Und wenn wir noch mal einen Schritt
zurückgehen, also mit 14 kann man
jetzt im Nachhinein sagen, war wahrscheinlich
der Beginn. Wie ging's
dir denn davor? Warst du immer
gesund gewesen oder gab's auch in der
Kindheit schon mal irgendwelche
psychischen Schwierigkeiten?
So im Nachhinein auf jeden
Fall, also ich hatte auch so
Ängste als Kind und
auch so Zwänge mal, aber das ist so,
ich meine, das kennt man ja auch so, diese
Zwänge gibt's ja oft als Kind.
Deswegen würde ich das nicht unbedingt pathologisieren, diese Ängste
schon eher,
aber die waren dann schon weg. Also ich hatte
nicht das Gefühl, dass das so, dass das
eine das andere abgelöst hat.
Auf jeden Fall war das, also als ich da
meinen ersten Freund hatte, der hatte auch nicht in Freiburg gewohnt,
da muss ich auch dazu sagen, dass
ich eine Depression entwickelt habe. Also
es war wirklich, es war so krass, ich konnte
nur noch heulend im Zimmer sitzen,
und das
ging so ein bisschen miteinander einher, aber
ich weiß auch gar nicht, ob das so
ob das so
unbedingt was mit der Essstörung zu tun hat. Also
vielleicht auch diese, vielleicht, dass
man eher, also dass ich da eher auch eine
Gefahr
habe, dafür eine psychische Erkrankung zu
bekommen, vielleicht, aber ich weiß nicht, ob
das jetzt, also ob diese zwei
Depressionen und Essstörungen in dem Fall
unbedingt was miteinander zu tun haben.
Vielleicht ist es schwierig,
das zu
ähm
das irgendwie nachzuvollziehen, aber
das war, diese Depressionen und diese Trauer,
dieser Weltschmerz, das war
das eine, und dieses, ich
nehme ab, war für mich jedenfalls im Kopf
was komplett anderes. Ob das jetzt
psychologisch irgendwie
miteinander einhergeht, ist jetzt für mich eine andere Sache, aber
in meinem Kopf waren das irgendwie zwei Stiefel.
Ja, das ist ja auch schwer,
da, also man kann natürlich
spekulieren, aber im Nachhinein wirklich
Ursache- und Wirkungsbeziehungen
herzustellen. Also es waren auch so,
diese Essstörung hat ja irgendwie so einen Sinn, man hat ja
also für mich, ich wollte ja einfach
Dünn sein, schlank sein, gut aussehen. Und diese Depression ist ja irgendwie eine Krankheit, die einen so überkommt. Und die Essstörung ist in dem Fall, wenn sie beginnt, für mich jedenfalls eine aktive Krankheit. Das ist eine Wahl, die man trifft. Also das Abnehmen und das Nicht-Essen.
Das heißt, da hattest du dich eher so gefühlt, als hättest du die Kontrolle.
Genau, ja. Auch eine spannende Unterscheidung auf jeden Fall von der Wanderung von den zwei Erkrankungen. Und als du dann mit 17 hier das erste Gespräch hattest, bist du freiwillig da hingegangen? Musste man dich an der Hand ziehen? Oder wie war die Situation für dich?
Nee, ich wusste das dann schon, dass das jetzt irgendwie keine gute Situation ist. Das war mir irgendwie klar. Ich weiß noch, dass ich hier war und ich dachte mir, no way, gehe ich da hin.
Also diese Frau, die hat mir irgendwie völlig. Da war keine Sympathie da auf beiden Seiten. Aber ich weiß nicht, oftmals sind so Essstörungsspezialistinnen sehr strenge Personen. Und so eine war die auch.
Aber genau, ich wusste dann schon, jetzt muss ich halt was machen. Und war dann aber noch so völlig. Ich wusste ja gar nicht, wohin. Und ich wusste, ich will nicht hier hin.
Aber ich wusste, es muss auf jeden Fall sofort was passieren, weil das irgendwie keine Situation ist, die ich weiter aushalten möchte auch.
Das hast du auch so empfunden.
Das war nicht so, dass deine Eltern gesagt haben, du musst jetzt was machen und du hast dich aber nicht krank gefühlt.
Nee, nee, nee. Ich wusste das auch. Also ich glaube, wir waren einfach alle total verzweifelt und wussten nicht, wo wir hin, wo ich hin könnte.
Und wie ging es dann mit dir weiter?
Dann sind wir eigentlich, wir sind quer durch Deutschland gefahren gefühlt und haben uns, oder durch Süddeutschland und haben uns zwei, drei, vier Kliniken angeguckt, meine Mutter und ich.
Und dann habe ich mich für. Ich habe mich für eine Klinik hier in der Nähe, für eine Privatklinik entschieden. Und da war ich dann erstmal für dreieinhalb Monate.
Genau. Und dann, ja, dann habe ich ein bisschen zugenommen und dort Therapie gemacht.
Ich weiß gar nicht, so ging es halt weiter. Also ich habe dann zugenommen, Therapie gemacht, bin wieder nach Hause, habe wieder abgenommen und bei meiner Schwester in Berlin habe da irgendwie so ein Zwölf-Schritte-Programm versucht.
Ich weiß nicht, ob ihr das kennt. Das ist ja so ein Selbsthilfeprogramm.
Also eigentlich von anonymen Alkoholikern gibt es aber auch für alles andere. Unter anderem auch eben für Essstörungen.
Und habe aber irgendwie gemerkt, das bringt mir irgendwie auch nicht viel. Das ist irgendwie so ein, ich tue so als ob, aber ich wusste halt, ich komme da einfach nicht raus.
Und dann bin ich, haben wir nochmal, also hatten wir erfahren von einer Freundin, deren Tochter eben auch eine Essstörung hatte, die in München in so einer teilstationären Behandlung ist.
Und dann haben wir uns das angeschaut.
Wir hatten immer so offene Tage an Samstagen und dann waren wir da und die Chefin dort, die diese Runde eben, diese offene Runde geleitet hat, hat gesagt so, sie kommen sofort in die Klinik.
Und dann bin ich da im Krankenhaus gewesen. Meine Mutter hat mit dem Campingbus vor dem Krankenhaus gecampt mit ihrer einen Unterhose, die sie dabei hatte. Wir wollten ja nur einen Tag da bleiben.
Und ich war zwei Wochen im Krankenhaus und wurde dann dort aufgepäppelt im Krankenhaus und bin dann in diese teilstationäre Einrichtung gekommen.
Wie ist das für dich gewesen, dass dir jemand dann nochmal auch so ganz. Ich bin ganz klar vor Augen geführt, dass ich empfinde dich als so schwer krank, dass du jetzt hierbleiben musst, weil das ist ja schon auch ein massiver Schritt, sag ich mal.
Wenn man das so klar gesagt kriegt, nee, nix mit nur einen Tag gucken, du bleibst jetzt hier.
Ich war da eigentlich ziemlich erleichtert, muss ich sagen, weil ich das auch so gefühlt habe. Also ich wusste halt, also ich konnte einfach nicht mehr.
Ich konnte, also ich hatte ja jeglichen Bezug zum Essen verloren. Ich wusste überhaupt nicht, wie viel sollte ich essen. Und das war einfach, das hätte ich zu Hause alleine niemals hingekriegt.
Da irgendwie rauszukommen, das war mir völlig klar. Ich war so, so fernab von normal, dass mir das total klar war. Und ich war so erleichtert. Ich war wirklich so erleichtert.
Das ist ja auch immer so eine Frage, die man sich als Essgestörte stellt. Wie viel, wie krank, also bin ich krank genug, um, weißt du, das hatte ich mir mit 14, habe ich ja gar nicht, also als es alles anfing, da war ja auch mein High-Gefühl von der Essstörung noch viel zu groß.
Aber ich habe auch schon gemerkt, ich glaube, da stimmt was nicht.
Aber das war natürlich so ein. So ein Ding, wo man noch sagen kann, ja, kann sich ja noch verwachsen.
Und als du in der ersten Klinik warst, da würde mich nochmal interessieren, du hast das so nebenbei gesagt, dann habe ich halt ein bisschen zugenommen, dann wieder abgenommen. Wie ging es dir denn? Weil das war ja dein allererster stationärer Aufenthalt und du warst, also jetzt nicht super weit, aber ein bisschen weg von zu Hause, ohne deine Eltern. Was war das für ein Gefühl, da anzukommen?
Also es hat mich auch erleichtert, muss ich sagen. Es war halt, es war auch schon alleine dieses. Essen müssen und essen dürfen. Ich meine, das durfte ich ja vorher nicht. Und da musste ich ja essen, wenngleich das auch immer ein Kampf war. Also immer, immer trotzdem versuchen, so wenig wie möglich zu essen innerhalb der Rahmen, die man halt hat. Also so man, ich, ja, die ich hatte. Aber es war trotzdem eine Erleichterung. Ich meine, das ist ja trotzdem ein Schlimmer. Ich lief ja voll auf Sparflamme die ganze Zeit und es war wirklich, also ich meine, ich habe da Sachen gemacht, dass ich da nicht tot umgefallen bin, ist teilweise ein Wunder.
Und ich glaube, also der Körper, mein Körper war einfach so auf dem Hund, dass der, dass das dem Körper schon gut getan hat. Aber ich war einfach, ich war psychisch noch nicht so weit, dass ich irgendwie hätte, dass ich da hätte weiterkommen können. Es hat mich körperlich aufgefangen, so würde ich sagen. Und ich habe natürlich auch therapeutisch ein bisschen gearbeitet, aber bei weitem nicht so, wo ich sagen würde, dass das hat mich irgendwie massiv weitergebracht.
Das heißt, du bist dahin, du hast gemacht, was man dir gesagt hat, also so viel gegessen, wie du solltest. Und als du entlassen worden bist, ist es dann aber relativ schnell wieder in die alten Muster gefallen.
Ja, genau. Ja, auch weil ich dann, ich war ja, ich war ja, also geplant ist ja so, wenn man in der 11. Klasse weggeht, dass man ein halbes Jahr weg ist und dann geht man in die zweite Hälfte wieder. Und das war ja dann sowieso schon passé. Und da wusste ich auch gar nicht, gehe ich jetzt in die Schule, gehe ich nicht in die Schule und dann bin ich halt nicht in die Schule gegangen, weil irgendwie hatte ich auch nicht, also hatte ich ja völlig einen Anschluss.
Und dann hatte ich ja auch nichts zu tun. Und das war dann so, das war ja dann irgendwie wieder das Gleiche, wie was mir im Ausland widerfahren ist. Ich habe nichts zu tun, also kümmere ich mich halt um die Essstörung. Und wenn man sie nicht in die richtige Richtung füttern kann oder wenn, als ich sie nicht in die richtige Richtung füttern konnte, habe ich sie halt in die falsche Richtung gefüttert.
Was heißt das, in die falsche Richtung füttern?
Also, dass ich halt einfach wieder, also ich hatte so das Gefühl, wenn man an der Essstörung arbeitet, dann ist es eben oftmals so, dass man entweder eben wieder in die Muster zurück,
also ich meine, es ist immer anstrengend, egal ob man sich sozusagen rausarbeitet aus der Essstörung oder weiter reinarbeitet. Und das meine ich. Also ich habe mich halt dann wieder in die falsche Richtung reingearbeitet, statt rausgearbeitet.
Klingt irgendwie, so wie du das berichtest, ganz spannend, weil es so klingt, als hätte man wie so eine Art Beziehung zu seiner Essstörung. Würdest du das so sehen? Ist das wie so ein Teil von einem, an dem man arbeitet, mit dem man arbeitet? Oder ist das jetzt so der rückwirkende Blick darauf?
Ja, wie gesagt, ich glaube eher so rückwirkend, weil ich meine, es ist ja keine, also es ist, ich hatte zwar am Anfang gesagt, es ist eine aktive Entscheidung, aber wenn,
wenn man einmal so in diesem Strudel drin ist, ist es ja keine aktive Entscheidung. Es ist ja keine aktive Entscheidung, nicht zu essen. Also ein Stück weit schon, aber es ist ja so, das ist ja nicht so wie mit Alkohol, dass ich trinke oder nicht trinke.
Und ich will jetzt überhaupt nicht damit sagen, dass Alkoholabstinenz irgendwie leichter ist, aber man kann sich viel länger was vormachen auch. Und irgendwie, man hat jetzt so völlig den, also ich sage jetzt mal einen Mann, weil ich mag eigentlich dieses Wort Mann nicht, aber es ist ja, also ich glaube, das ist bei vielen einfach so.
Man hat so den, total den, das Gefühl für Normalität verloren. Und irgendwie, also bei mir war es jedenfalls so, ich wollte ja auch gar nicht normal sein. Also ich war ja immer was, so einen narzisstischen Anteil hat ja diese Störung ja auf jeden Fall auch.
Und das war ja für mich immer, also ich war ja immer was Besonderes. Und das auch irgendwie abzulegen, ist ja dann auch Teil von therapeutischer Arbeit. Aber ein Stück weit ist es auch einfach. Und ich weiß auch noch, dass die Frau Zeeg, als sie bei euch hier zu Besuch war, das auch gesagt hat.
Und dass das manchmal auch einfach so ein Selbstläufer ist. Und das ist es, glaube ich, einfach. So wie auch die Normalität irgendwann ein Selbstläufer ist, wenn ich, also jetzt für mich ja, das Leben ist ein Selbstläufer, ein Stück weit, das Essen.
Das ist schon mal ein hoffnungsvoller Vorgeschmack. Da kommen wir aber gleich nochmal drauf zurück.
Ja, das stimmt.
Was wollte ich halt, achso genau, ich wollte dich noch fragen, glaubst du im Nachhinein, dass es fatal war, dass du keine Tagesstruktur hattest, als du damals aus der Klinik kamst? Also wäre es vielleicht besser gewesen?
Oder wäre es vielleicht wieder eingeplant gewesen für Schule und so weiter?
Ich weiß es nicht. Das kann ich so nicht sagen. Und die Gedanken habe ich mir tatsächlich auch noch nie gemacht, weil auch, also die Gedanken habe ich erst seit kurzem, dass ich manchmal überlege, boah, irgendwie wäre eine normale Jugend auch schön gewesen.
Ich habe das nie, ich habe das nie in Frage gestellt, ob irgendein Wegabschnitt von mir irgendwie falsch war oder.
Also ich glaube.
Es ist zwar nicht immer, dass alles so passiert, wie es passieren soll, aber in dem Fall habe ich das irgendwie nie in Frage gestellt.
Okay, dann sind wir wieder in Berlin.
In München.
Ich dachte, wir waren in München.
Genau, wir waren in München.
Ich will eine topografische Teilleistung.
Wir hangeln uns so stückweise in der Geschichte. Eine Frage hätte ich vorher, bevor es weitergeht, noch, weil du jetzt zweimal gesagt hast, es war für dich eine Erleichterung, dass man dir vielleicht so ein bisschen einen Teil der Entscheidung abgenommen hat.
Kannst du dich noch erinnern, damals in München, oder vielleicht hat deine Mutter dir das dann auch später irgendwann erzählt, wie war das denn für sie?
Weil auch ihr hat man ja einen Teil der Entscheidung abgenommen, wenn jemand sagt, okay.
Doch, da bleibt jetzt hier, die ist so schwer krank, hat die sich auch erleichtert gefühlt, einfach weil sie das Gefühl hat, okay, du bist jetzt in dem Fall vielleicht in guten Händen oder du bist erst mal auf ein Stück beschützt oder was?
Oder war das für sie eher so, krass, jemand möchte da mein Kind einsperren?
Nee, überhaupt nicht.
Also meine Mutter war, glaube ich, die erleichtertste Person überhaupt.
Die wusste ja, sie fährt da gerade mit einem halbtoten Menschen
und das ist ihr eigenes Kind durch die Gegend.
Also das war für sie die größte Erleichterung überhaupt.
Also das habe ich nie in Frage gestellt.
Ja, okay.
Da habe ich auch noch eine Frage.
Hattest du denn in der Zeit viel Streit mit deinen Eltern?
Weil man kann sich ja vorstellen, dass die irgendwie auch an ihre Grenze kommen,
dass sie vielleicht dann mal ungehalten werden, sagen, jetzt ist halt was.
Nee, tatsächlich kaum.
Also ich erinnere mich jetzt, also ist ja jetzt auch schon lange her,
ich erinnere mich kaum daran.
Ich weiß nur, es gab hier so eine ambulante Therapeutin, bei der ich war.
Die hatte sich auf Essstörungen spezialisiert und die hatte auch einen ganz schlechten Ruf.
Und meine Mutter hat die irgendwie auch nicht für richtig kompetent gehalten.
Aber ich weiß noch, das hat meine Mutter mir dann irgendwann gesagt,
dass ich ihr gesagt habe, wenn du mir das nicht bezahlst,
oder wenn ich da nicht hin darf, ich meine, ich hatte ja gar kein eigenes Geld,
dann bringe ich mich um.
Also sowas habe ich schon auch gesagt.
Und ja, was war die Frage?
Ob es Konflikte gab.
Also das ist genau, also das ist so der einzige Konflikt,
aber sonst, ich glaube, sonst war das eher so eine Trauer und Ohnmacht.
Okay, also du warst erleichtert.
Nach 25 Zwischenfragen weiter in der Geschichte.
Genau, diese nervigen Interviews.
Also fast forward.
Wir sind jetzt in München.
Genau, und da gibt es auch gar nicht viel.
Also das war ein langer Aufenthalt von einem Jahr.
Das war so eine teilstationäre Weiterbehandlung.
Und ich bin dann da auch zur Schule weitergegangen in München.
Und genau, da gibt es eigentlich jetzt auch gar nichts.
Also das war eine gute Behandlung, sehr Essstörung,
also es war eine essstörungsspezifische Behandlung.
Das hieß Therapiezentrum für Essstörungen.
Es war sehr verhaltensorientiert.
Das hat mir aber auch für den Zeitraum auch ganz gut getan.
Das war dann auch ein bisschen schwierig,
weil ich bin dann in München in die Schule gegangen.
Und das war ja ein Ewiger, dass ich das letzte Mal in der Schule war.
Und dann bin ich halt irgendwie zwei Jahre später eben wieder in die Schule.
Also ich hatte mal in dem Gymnasium eine wiederholt.
Und dann habe ich dann eben in dem Zuge dieser ganzen Therapien
eben nochmal eine wiederholt und bin dann da wieder eingeschult worden.
Und habe dann gemerkt, dass ich es in der Schule gar nicht packe.
Und das war für mich halt eine Situation, die ich damals,
als ich eine wiederholt habe, schon kannte.
Das waren, da hatten auch, da wurde ich halt extrem gemobbt.
Und ich glaube, das war auch mit ein Grund,
warum ich so mit den Noten runtergegangen bin.
Danach war das eigentlich wieder gut.
Ich war dann eine ziemlich gute Schülerin, also durchschnittlich gut.
Und dann war ich irgendwie wieder vor so einem Problem.
Wow, ich meine, das ist super krass, wenn man auf einmal in die Schule geht.
Man hat nur fünf und man freut sich über eine Fünf, weil man keine Sechs hat.
Also das kannte ich vorher gar nicht.
Und das war wirklich, das war richtig krass.
Und dann hieß es halt ja vom Gymnasium, geh doch auf die Fachoberschule.
Da macht man ja dann so Fachabi.
Genau, also ich erzähle das jetzt nicht,
weil ich irgendwie jetzt so viel über meinen akademischen Weg erzählen will.
Aber das war für mich auf jeden Fall insgesamt eine Situation,
die wirklich richtig schwierig war.
Also das hat mich auch persönlich einfach nochmal richtig runtergezogen.
Und gleichzeitig muss ich halt sagen,
ihr kennt wahrscheinlich alle diese oder viele kennen diese Essgestörten,
die einfach immer unglaublich, die einfach die Besten sind und sein wollen und unglaublich gut.
Und ich war halt mit so einem ganzen Haufen zusammen in dieser therapeutischen Einrichtung.
Und wir sind von dort aus wieder in die Schule gegangen.
Und ich muss auch sagen, das war zwar gut, diese therapeutische Einrichtung,
aber ich habe mir auch Dinge abgeguckt, die ich vorher gar nicht in Erwägung gezogen habe.
So dieses, ich war gar nie so die Streberin.
Aber auf einmal bin ich das geworden, weil alle so waren.
Und weil ich irgendwie halt dann auch, als ich dann,
ich bin dann auch tatsächlich auf die Fachoberschule gegangen.
Und die war halt auch nicht so schwer.
Und da konnte ich das auch.
Ich konnte die Beste sein, wenn ich nur genug gemacht habe.
Aber das war insgesamt auch wieder so eine Situation.
Ich bin dann da auch ausgezogen und bin weiter in München wohnen geblieben.
Die mich aber auf eine andere Art und Weise in dieser Krankheit gehalten hat auch.
Auch wenn jetzt das nicht unbedingt dieser Anspruch,
was mit der Essstörung direkt zu tun hat,
weil es nichts mit dem Essen zu tun hat,
ist das ein ganz typischer Persönlichkeitseigenschaft von Magersüchtigen, würde ich jetzt mal sagen.
Also das Problem hat,
dass man sich dann irgendwie verschoben auf Leistungsanspruch.
Ja, genau.
Also verschoben würde ich jetzt gar nicht unbedingt sagen,
weil für mich war auch diese,
ich bin dann da rausgegangen und ich hatte ein relativ stabiles Gewicht.
Aber ich habe auch gemerkt,
das ist jetzt eigentlich so diese Situation,
die ich mit 14 hatte.
Ich war zwar ein bisschen höhergewichtiger,
aber also hatte so diesen niedrigsten BMI,
den man halt haben durfte,
der normal war,
aber trotzdem einfach für meinen Körper zu niedrig,
weil ich ja auch gemerkt habe,
ich habe ja eigentlich Hunger,
wenn ich so viel esse, wie ich halt das Gewicht halte.
Und wir hatten da halt auch so eine ganz klare Essensstruktur,
von der ich gar nicht abweichen konnte,
außer, also innerhalb der Struktur eben.
Aber ich konnte nicht,
ich konnte da nicht,
zumindest nicht nach oben hin,
nach unten hin natürlich schon,
aber ich konnte da nicht abweichen davon.
Und das habe ich gemerkt,
dass ich eigentlich immer noch in der Krankheit gefangen bin.
Und genau.
Und dann ist es aber so,
das war dann relativ stabil und hat sich so gehalten.
Ich habe dann drei Jahre insgesamt in München gelebt,
bis ich meinen Abschluss gemacht habe in der Vergangenheit.
In der Fachoberschule.
Und dann war klar, dass ich jetzt irgendwo hin will, studieren.
Kurze Frage, Entschuldigung, diese ganzen Zwischenfragen.
Was hat dich zu der Entscheidung bewogen,
dass du in München geblieben bist
und nicht zurück zu deiner Familie gegangen bist?
Ich war ja dann schon 19 oder 18, 18, 19.
Und ich hatte einfach keine Lust, hier in Freiburg zu sein.
Und meine Freunde alle irgendwie schon Abi gemacht und so
und gehen jetzt in die weite Welt.
Deshalb, da wusste ich halt, boah,
das, da bin ich nicht mit konfrontiert sein.
Ich will lieber die,
ich hatte auch so ein unglaubliches Autonomiestreben,
lieber diejenige sein, die einfach schon von zu Hause ausgezogen ist
und in einer WG wohnt, fand ich irgendwie cool und so.
Und ja.
Und hattest du dann auch neue Freundinnen aus der Behandlung kennengelernt?
Ja, genau.
Also würde ich sagen, auch bis heute eigentlich meine engsten Freundinnen.
Ja, also das tatsächlich,
wenn man da so Gruppentherapie miteinander macht,
das vereint schon sehr.
Ja, jeder kennt die Geschichte von der anderen.
Jeder kennt die Eltern, jeder kennt also das, was unglaublich schön ist.
Also ich, diese Zeit will ich überhaupt nicht missen.
Das war, das war für mich die, die, also beziehungstechnisch einfach die intensivste Zeit überhaupt.
Und das ist, ich glaube, man lernt niemals, jemals jemanden so intensiv kennen wie in dieser Zeit.
Ja, kann man sich vorstellen.
Ihr wart ja ein Jahr lang, hast du gesagt, teilweise zusammen in Behandlung.
Ja, genau.
Wir haben ja auch zusammen gewohnt.
Also das war, waren ja WGs.
Das war einfach wie, das war wie im Film.
Das war einfach so richtig cool.
Ja.
Es ist irgendwie schön zu hören, dass es bei aller Schwere der Erkrankung dann trotzdem so schöne Dinge gibt,
die man auch weiter behalten kann.
Ja, das war also wirklich, ja.
Okay, dann höre ich auf, dich zu unterbrechen.
Also du hast dann überlegt, was du studierst.
Und ich erzähle das jetzt mit diesem Studieren auch deswegen, weil ihr habt ja auch eingangs erwähnt,
ich bin Psychologin und Medizinstudentin und es klingt immer so, ja klar, das ist die typische Essstörung,
die irgendwie jetzt zwei Abschlüsse auf einmal machen.
Und es war halt überhaupt nicht so, ja, ich bin da ja völlig
in der Schule abgeschifft und dann, ich habe natürlich ein gutes Fach-Abi gemacht.
Aber mit dem Fach-Abi, ich wollte, also es war immer so mein Traum, so Medizin oder Psychologie fand ich immer cool und interessant.
Aber das ging ja gar nicht mit dem Fach-Abi.
Und ich wusste, man konnte, also es gab die Möglichkeit, noch ein Jahr Schule dran zu hängen.
Und für mich war das überhaupt gar keine Option.
Und dann hat mir irgendjemand erzählt, dass man mit Fach-Abi in Hessen auch an der Uni studieren könnte,
wenn die, wenn die schon umgestiegen sind auf Bachelor, Master.
Und ich habe das dann recherchiert und das war dann tatsächlich auch so.
Und dann habe ich gesehen, man kann auch in der Uni studieren.
Man kann auch dann eben, also ich konnte kein Staatsexamen studieren, das heißt kein Medizin, aber Psychologie schon.
Bei den Unis, wo das schon umgestellt war auf Bachelor, Master.
Und dann habe ich mich tatsächlich beworben auf Psychologie und hatte auch einen Platz bekommen und auf Sozialwissenschaften in Fulda.
Und dann haben ja auch alle immer so, meine Eltern wussten ja auch darum, dass ich ja so leistungsorientiert bin und so.
Und dann haben ja alle gesagt, oh, das meinst du nicht, dass Psychologie irgendwie so krass ist?
Und dem bin ich dann, dem habe ich dann geglaubt.
Dann habe ich Sozialwissenschaften in Fulda studiert für zwei Semester oder beziehungsweise erst mal.
Also für zwei Semester.
Genau, ich bin dann aus München weggezogen, bin dann nach Fulda gezogen.
Und dann habe ich echt, war der erste Tag und ich habe gewusst, das war ein Fehler.
Oder was heißt, also das klingt jetzt so hart.
Also ich wusste, ich mache Psychologie.
Und dann bin ich da aber noch zwei Semester geblieben und das war auch eine coole Zeit.
Da habe ich auch noch Freunde und das war irgendwie, ich wusste dann einfach, ich bewerbe mich nochmal, das wird schon klappen.
Und dann, dann mache ich doch Psychologie.
Und dann bin ich ein Jahr später nach Darmstadt gezogen und habe dann da Psychologie angefangen.
Zu studieren.
Die Essstörung war zu dem Zeitpunkt, ich hatte noch meinen Freund in München, als ich in Fulda war.
Das war dann nämlich so, ich hatte dann meinen Freund, während ich in Fulda war und der, das war dann so ein bisschen auch schwierig mit der Beziehung.
Und während dieser Zeit, als ich noch in Fulda war, bin ich dann in den Semesterferien nochmal in die Klinik und zwar in die Klinik in Baden-Baden, weil ich auch gemerkt habe so, ich habe da, hatte dann zu dem Zeitpunkt vielleicht so fünf, sechs, vielleicht auch acht, neun Kilo abgenommen im Gegensatz zu dem.
Zu meinem Entlassgewicht und habe auch einfach gemerkt, ich, ich komme nicht mehr so gut klar, das ist jetzt irgendwie ein Punkt, wo ich, das war nicht so krass wie damals, aber es war so, sagen wir mal so Mitte 40 Kilo, wo ich sagen würde, okay, das, ich habe einfach gemerkt, das beeinflusst mich zu sehr und es ist nicht mein Leben, das ich mir vorstelle.
Also ich meine, das war eine Situation, wo wahrscheinlich jeder andere auch sagen würde, das ist völlig normal in die Klinik zu gehen, aber ich wusste ja, es könnte, also es war auch schon viel schlimmer.
Aber es war das erste Mal, dass du es auch selber entschieden hast oder selber gesagt hast.
Nee, das war auch schon bei den anderen beiden Malen eigentlich so, also auch in München, da war für mich, wollte ich da ja auch gerne.
in die Klinik, ich wusste nur nicht, dass es so hoppladihopp
geht, so sie gehen sofort ins Krankenhaus. Ich war da ja
auch, also wenn ich noch drei Wochen
hätte warten müssen, es wäre der Horror gewesen.
Genau, aber da war das jetzt halt
einfach so, dass ich gesagt habe, okay,
das ist einfach keine gute
Situation. Es war schon auch schlimm,
also es war natürlich eine Situation, ich meine,
dafür, dass, wir müssen nicht
darüber reden, wie man sich fühlen muss, um in eine stationäre
Behandlung zu gehen.
Und ich hatte auch zu dem Zeitpunkt
einen
Therapeuten,
ambulant, nee, das war später,
Moment, also nee.
Ist gar nicht so einfach, sein eigenes Leben zurück zu verändern, oder?
Genau, aber
zu dem Zeitpunkt bin ich dann nochmal in die Klinik, eben nochmal
in diese Privatklinik, wo ich
zum Zeitpunkt eins schon mal war.
Und das war dann irgendwie auch
so ein bisschen aufgefüttert und
dann wieder entlassen. Natürlich habe ich auch
irgendwie therapeutisch gearbeitet und
es hat mich ein Stück weitergebracht, aber irgendwie auch nicht wirklich.
Aber es hat mich ein bisschen
aufgefüttert, sagen wir so.
Genau, und dann. Darf ich dich kurz hinterbringen?
Weil das ist was Interessantes, finde ich, wenn man so von außen
guckt beim Thema Essstörung, dass dieses
Gewicht ist ja wirklich sowas Prägnantes.
Du sagst jetzt auch selber immer dieses
Auffüttern, dann wird das Gewicht wieder hergestellt, aber
das Problem ist irgendwie nicht ganz behoben.
Hast du das denn körperlich auch, also hat es dir körperlich
gut getan, dieses Auffüttern?
Ja, ja. Also das war schon auch wichtig
für dich. Ja, und auch mal diese Erleichterung
einfach essen zu dürfen, das hatte ich ja vorher nicht.
Ich habe mir dann immer so dieses Kopfkino
darf ich, soll ich jetzt, soll ich nicht und
in dem Moment, ich meine natürlich,
du stehst am Kuchenbuffet und darfst den Kuchen aussuchen,
und du nimmst natürlich den kleinsten, also ich habe natürlich
den kleinsten genommen, aber trotzdem, du darfst
den Kuchen essen. Und dieses
Dürfen war aber das selbst, also selbst in Anführungszeichen
auferlegte, der Essstörung ist
das, was dich so einschränkt und da, wenn du gezwungen
wirst, sozusagen, ist es in dem Moment eine Erleichterung,
weil jemand sagt, nein, du musst jetzt essen.
Ja, genau. Danke dafür, ich esse
wenigstens das kleine, okay. Und auch
du musst die Portionen aufessen, ist egal, du darfst
nicht, also ich meine, so
jeder Essgesteller sagt irgendwann nach zwei Bissen, sie ist
voll, aber ich meine, das ist
das ist ja eigentlich nie der Fall.
Deswegen war das, das war eine
Erleichterung und ich wusste halt, also schon allein
dafür lohnt es sich, da hinzugehen und schon
allein zu wissen, okay, ich muss das machen.
Ja,
also ich, ja,
vielleicht hätte ich, ich kann nicht mehr
sagen, ob das mich jetzt mehr weitergebracht hat, weil es
hat es ja am Ende nicht. Ich meine, ich bin ja immer wieder
irgendwie ins Loch gefallen, deswegen würde ich es
jetzt nicht anders behaupten.
Und hast du eine Idee, woran das
liegt, dass die ersten jetzt
zumindest drei Behandlungen nicht wirklich
grundlegend was geändert haben?
Ich glaube, dass es einfach,
ich kann nicht sagen, ob ich,
ob es für mich was gegeben hätte,
was mir zu dem Zeitpunkt wirklich geholfen hätte,
weil vielleicht habe ich noch zu viel
irgendwie
narzisstischen
Bereicherung in dieser
Essstörung gefunden. Also ich
kann das gar nicht, ich kann
es retrospektiv nicht sagen, weil das,
wir kommen ja dann auch noch darauf, was das, was mich am Ende
irgendwie auch rausgeholt hat, ist auch nicht
das, was mich in der Zeit rausgeholt hätte.
Ich glaube, die Entscheidung, die Essstörung irgendwie ein Stück weit
loszulassen,
hätte ich damals gar nicht treffen können.
Das ist so eine Frage des Timings dann.
Und würdest du sagen, aus deiner
Erfahrung in deinem Umfeld
mit den Mitpatientinnen, ist das normal,
dass es einfach
eine gewisse Anzahl an
Runden braucht? Viele glaube ich schon.
Es gibt natürlich auch die, die man früh abfangen kann.
Es gibt ja auch viele, die, also ganz junge
Patientinnen, die einfach wirklich nur so eine Phase
hatten und die ist dann auch ganz extrem und schnell
und dann geht es hoch und dann ist es wieder normal.
Und dann gibt es auch die, die eigentlich,
wo die Essstörung irgendwie nur so ein i-typisch,
ein bisschen ist von anderen Problemen, die
irgendwie viel,
die zu lösen sind.
Und dann gibt es aber auch die, die nie loswerden.
Und zwar ein nicht kleiner
Teil.
Okay. Dann
Unterbrechung beendet.
Sind wir wieder im Psychologiestudium?
Wir waren in Baden-Württemberg und dann
habe ich halt dieses zweite Semester in Fulda
beendet und bin dann
ins Psychologiestudium.
Ich meine, ich sage jetzt so, aber wenn ich mir
jetzt Bilder von damals abends schaue, das war wirklich,
also ich sah schlimm aus.
Ja, also ich sah wirklich schlimm aus
und habe dann,
ja, mehr gibt es aber auch nicht zu sagen.
Ich habe mein Psychologiestudium angefangen
habe und das irgendwie so vor mich hingewuppt
habe und genau zu dem Zeitpunkt
hatte ich dann aber auch einen ambulanten Therapeuten
irgendwann im
Psychologiestudium
und
dann bin ich noch
mal in die
Klinik gegangen.
In eine andere Klinik, die
er mir empfohlen hatte,
weil er meinte, das war so eine
etwas spirituellere Klinik und das hatte
irgendwie auch von der Beschreibung her ganz gut
auf mich gepasst und er meinte,
zu mir, wenn sie glauben,
dass das
Kopfkissen unter ihrem Sofa eine Relevanz
hat für ihre Krankheit, dann wird
es dort auch aufgenommen. Also so ein bisschen,
glaube ich, ein bisschen einfach
nicht mehr verhaltensorientiert, was mich
halt, also ich wollte eigentlich nie
in eine verhaltensorientierte Klinik gehen und ich fand das auch immer total
kacke, dass alles so verhaltensorientiert war
und habe auch immer gesagt, dass ich das halt
nicht mehr will. Ich will keine Verhaltenstherapie mehr machen
und jetzt kann ich halt aber auch nur drüber lachen,
weil ich meine, das ist ein Traum einer jeder Essgestörten,
dass ich nicht essen muss und trotzdem gesund ist.
Das geht halt einfach nicht.
Aber genau und das war
aber tatsächlich eine Klinik, die sich gar nicht, also die
mich nicht zum Essen gezwungen hat und das war für mich extrem
schwierig. Ich habe da auch nicht, ich habe da weder
zu noch abgenommen groß,
aber
habe meine große Liebe dort
kennengelernt.
Auch richtig. Genau.
Ja und ich rede
jetzt so darüber, aber ich meine, das war trotzdem
wirklich, es war trotzdem kein,
das war ein isolater Zustand eigentlich.
Überhaupt, das finde ich auch bemerkenswert,
wie du das so rückwirkend schilderst, weil man
eben, glaube ich, verpasst vielleicht, weil das
jetzt relativ locker klingt, so wie du das schildern kannst,
aber das sind ja Phasen, wo es dir wirklich sehr
schlecht gegangen sein muss, auch wenn du
selber entscheidest, ich möchte gerne in eine Klinik
gehen. Du hast vorhin kurz angesprochen, das ist
ja ein Zustand, den man jetzt nicht so
beim Nachmittagstier entscheidet, sondern da muss ja wirklich
ein Leidensdruck da sein und das
ist ja schon auch krass
über so eine Phase und dann über mehrere Male
und einen langen Zeitraum einfach, das muss man
sich wahrscheinlich so bei aller
Lockerheit in Anführungszeichen jetzt gerade doch auch
vor Augen rufen. Ja, das stimmt, ja.
Und was ich dir auch noch fragen wollte, weil
das ist ja, befürchte ich, eines der
schlimmsten Klischees, mit dem man im Psychologiestudium
konfrontiert ist oder dieses, du studierst
es doch nur, um dich selber zu therapieren
und es ist ja schon auch so vom
Fach her vielleicht ein spezielles Umfeld,
weil man ja sehr sensibilisiert ist, vielleicht
auch auf psychische Erkrankungen oder noch sensibilisierter
als in einem anderen Umfeld. Wie war das damals
für dich und deine Kommilitoninnen und Kommilitonen?
Hat man dich drauf
angesprochen? Hast du das selber
zum Thema gemacht oder lief das alles so
nebenher? Also eher so nebenher.
Ich hatte, wenn sie, zu denen ich jetzt mehr Kontakt hatte,
die wussten auch, dass ich mal eine Essstörung
hatte.
Das war ja irgendwie auch doch
ein bisschen lächerlich zu sagen, ich hatte eine Essstörung.
Ich weiß auch nicht, ob ich das tatsächlich,
ich habe auch nie behauptet, ich hätte sie nicht
mehr, aber
ja, es lief so nebenher
tatsächlich. Ich habe dann auch
zu dem Zeitpunkt mit einer Freundin zusammengewohnt,
die ich aus München kannte,
nicht aus der therapeutischen Einrichtung, aber die ich da in der Schule
kennengelernt habe und für die war das natürlich auch
super schwer, weil ich ja da vor mich hin
gemagert bin und
es gab da auch wirklich,
ich bin einmal, weiß ich noch, in die Notaufnahme, weil
ich so dicke Knie bekommen habe und so einen
dicken Bauch. Das waren halt einfach massive
Ödeme und ich bin dann in die Notaufnahme
gegangen. Flüssigkeitseinlagerung.
Und ich meine, das ist ja wirklich eine,
eine Situation, die man eigentlich
abklären sollte. Und der Arzt
meinte dann nur zu mir, ja, Frauen mit
ihrem Problem, die haben öfter mal
den Gedanken, dass sie zu dick sind. Und ich
hatte überhaupt nicht den Gedanken, ich bin zu dick. Ich hatte einfach
nur massive Wassereinlagerungen.
Also es war wirklich. Und das war,
weil du Mangelerscheinungen hatte.
Ich denke, ich hatte einfach zu wenig Protein im Körper.
Okay, ist aber echt ein Armutszeugnis
für diesen Arzt, dass er da so eine
unangemessene Bemerkung
drauf setzt. Hat er
sich dann nicht weiter gekümmert oder hat er
nicht, hat er nicht, hat mich wieder heimgeschickt.
Das ist ja echt unglaublich. Ja, genau.
Und dann, also ja, und dann war ich eigentlich,
dann habe ich da meinen Bachelor gemacht und
genau, da war ich nochmal in der Klinik.
Hat mir so im Medium geholfen, aber dafür
habe ich ja was mit nach Hause genommen.
Und
dann
muss ich kurz überlegen, genau, dann bin ich
nochmal ins Ausland gegangen im Studium und
ja, im Endeffekt war das zwar,
ja, also ich bin dann
auf diesem, auf diesem Pound 40
Kilo irgendwie herumgehangen,
und habe mich da so durch die
Gegend geschleppt mit. Genau, dann bin
ich, habe ich zum Master, konnte man
ja dann sich einfach weiter
bewerben, ohne, unabhängig vom Abitur. Dann bin ich
dann nach Heidelberg zum Master
gegangen und dann habe ich
mir auch schon überlegt, was will ich denn nach dem Studium
machen. Ich hätte unglaublich gerne die
Therapeutenausbildung gemacht. Also man muss ja, um
Psychotherapeut zu sein, eben eine Therapeutenausbildung machen
und das hätte ich gerne gemacht, aber ich wusste halt auch,
ich kann mich da in keinem Ausbildungsinstitut bewerben.
Also das hätte,
das hätte ich auch gar nicht mal können. Also
ich hätte das einfach nicht, persönlich nicht können.
Weil du
dachtest, die gucken mich blöd an.
Ja, auch, ja, und ich finde das irgendwie,
ich konnte das nicht mit mir vereinbaren. Also nicht
nur, also ich hätte das gar nicht übers Herz
gebracht, da hinzugehen und zu sagen, hey, Leute,
hier, ich würde keine Ausbildung bei euch machen, ich bin aber selber
schwer, ich meine, ich war wirklich schwer untergewichtig.
Genau, und dann habe ich irgendwo erfahren,
dass man, wenn man schon
einen Abschluss hat, sich für Medizin,
fürs Medizinstudium mit diesem Bachelor
bewerben kann. Und das war ein unglaublich
glaubwürdig, da habe ich gedacht, ach, das kann ich mal probieren.
Und dann habe ich mich da eingelesen, das war eine unglaublich aufwendige Bewerbung,
wo man dann auch sein Bachelorzeugnis
irgendwie einschicken musste und mein Bachelor,
ich hatte zufällig eine kontrolliert randomisierte
Studie gemacht als Bachelorarbeit und
sogar von einem Mediziner betreut.
Und das habe ich alles
eingereicht und dann habe ich gedacht, naja, gucken wir mal,
was rauskommt. Und dann habe ich tatsächlich
die Zusage bekommen und dann
habe ich eben in
Heidelberg während meines dritten
Mastersemesters
noch Medizin angefangen zu studieren.
Okay.
Klingt auch stressig.
Ja, das war stramm.
Ich habe dann während meiner Pflegepraktika
immer abends die Masterarbeit geschrieben.
Aber es war irgendwie machbar.
Es war irgendwie tatsächlich,
es war dann auch kein stressiger Master.
Die ersten zwei Semester waren sehr stressig
und dann lief das ja so nebenher.
Ich meine, anders geht es nicht im Medizinstudium.
Also das war wirklich,
das Medizinstudium war wirklich,
das war der Horror für mich.
War irgendwie auch nochmal körperlich
nochmal so eine andere Herausforderung.
Einfach dann so dieses an der Leiche stehen
und das Kalte.
Irgendwie ist man dann auch mit dieser Krankheit,
das fand ich irgendwie viel anspruchsvoller
als das Psychologiestudium,
weil man halt auch so krass, krass lernen muss.
So Dinge, die man für unmöglich hält.
Genau.
Das heißt ganz kurz,
auch zu dem Zeitpunkt ging es dir,
was die Essstörung angeht,
immer noch schlecht, kann man sagen.
Und kannst du rückwirkend sagen,
woher hast du die Energie und die Kraft genommen?
Weil ich meine, das ist ja schon,
wenn man gerade keine Essstörung hat,
ein relativ straffer Plan,
vorsichtig ausgedruckt.
Woher kam die Energie da dran zu bleiben?
Hat das was mit dem Leistungsorientiertsein auch zu tun?
Also ich glaube tatsächlich auch,
dass das so ein Selbstläufer ist.
Also ich meine, ja,
weißt du, auch wenn ich jetzt irgendwie,
ich glaube, das hätte keinen Unterschied gemacht,
hätte ich irgendwie sechs, sieben Kilo mehr gewogen.
Weil dieses, entweder du hast diese Gedanken im Kopf
oder du hast diese Gedanken im Kopf,
oder du hast diese Gedanken im Kopf,
oder du hast sie nicht.
Also ich meine, auch jemand, der zum Beispiel,
oder eine Frau, oder ein Mann, der bulimisch ist,
oder Binge-Eating hat oder so,
und ständig an das Essen denkt,
du hast ja einfach diesen Struggle im Kopf.
Also ich weiß nicht, ob deine Frage jetzt
auf das Körperliche bezogen war.
Also das spielt natürlich auch mit eine Rolle,
aber das ist irgendwie gar nicht so,
also man kann ja diesen Zustand
unglaublich lange irgendwie aufrechterhalten,
ohne dass das was passiert.
Du meinst, dass die Gedanken,
also dieses ständige Denken an Essen,
an Kalorien, an Gewicht, dass das,
das Anstrengendere war und mehr Energie gesaugt hat,
jetzt als die körperlichen Nebenwirkungen
von Untergewicht.
Genau.
Und ich muss auch dazu sagen,
was ich jetzt interessant finde,
was mir jetzt so geht
und wie es mir auch schon auf die,
also auf die zweite Staatsexamenprüfung geht,
dass es mir, mir macht es Druck,
irgendwie zu wissen,
ich habe ja jetzt eigentlich die Essstörung nicht mehr,
also müsste ich ja jetzt besser sein.
Also müsste ich jetzt besser liefern.
Also ich habe schon noch diesen Gedanken
und als ich war dann,
ich war nicht gut in meinem zweiten Staatsexamen
und dann habe ich mir gedacht,
warum eigentlich?
Ich war, es war meine schlechteste Performance ever
und ich bin eigentlich am gesündesten überhaupt.
Ich meine, natürlich,
es ist jetzt auch nicht,
dass mich das jetzt ewig lange,
aber es ist irgendwie,
es ist interessant, ja,
dass ich so das Gefühl habe,
ich habe besser performt,
als ich schwer krank war.
Ja, Mist, das ist nicht das,
was die Verhaltenstherapeuten gerne irgendwie
zeigen möchten.
Ja, okay, interessant,
aber es muss ja nicht unbedingt kausal zusammenhängen.
Ja, es muss ja auch überhaupt nicht
von da zusammenhängen.
Es kann auch einfach ein schweres Examen gewesen sein
oder irgendwie,
ich habe nicht gut performt
und ja,
ich will es auch gar nicht miteinander unbedingt,
aber es ist nicht unbedingt,
es ist dann auch so,
eben, dass bei mir das dann so ist,
dass ich mir denke,
oh, komisch,
also es ist ja auch nicht so,
dass ich bewusst mir dann sofort gedacht habe,
warum bin ich jetzt so schlecht,
jetzt kann ich ja wieder S-gestört werden,
sondern es ist eher so,
es ist ja auch irgendwie interessant.
Spannend, ja.
Was ich auch noch interessant finde,
ist, dass du gesagt hast,
du hättest gerne die Therapeutinnenausbildung gemacht
und hast gemerkt,
ich bin zu krank dafür
und hast dann gesagt,
okay, dann studiere ich Medizin,
es hätte ja auch die Option gegeben zu sagen,
na gut, dann gehe ich es jetzt nochmal an,
werde gesund,
mache die Ausbildung.
War das für dich eine Überlegung?
Nee, also nicht,
dass ich jetzt sagen würde,
dass mit dem Gesundwerden,
aber ich hatte,
ich musste ja,
wenn ich versuche gesund zu werden,
dann ist der Schuss,
geht der Schuss nach hinten los.
Also ich hatte auch immer das Gefühl,
wenn ich zu Hause mir vorgenommen habe,
jetzt nehme ich zu,
dann habe ich abgenommen.
Weil man sich,
oder weil ich mich dann immer mehr
mit diesem Essen beschäftigt habe
und das Gefühl habe,
das nimmt so viel mehr Raum ein,
dass ich,
dass ich das Gefühl habe,
der Schuss geht einfach nach hinten los.
Okay, ja.
Das ist auch interessant.
Also es lässt sich dann nicht
auf Teufel komm raus kontrollieren,
weil du dir das vornimmst,
sondern irgendwie
spielen da andere äußere Faktoren eine Rolle.
Kannst du denn einschätzen,
wie hoch war denn der Drang,
gesund zu werden?
Weil du ja schon auch gesagt hast,
die Essstörung hat so was Funktionales.
War das denn auch so,
dass man gar nicht jetzt denkt,
ach, die muss jetzt weg sein,
passt schon auch?
Boah, also ich kann auch gar nicht sagen,
ob ich jetzt auf Schnipsen
hätte gesund werden wollen
mit einem BMI von 2,
22 oder sowas.
Ich wüsste nicht,
ob ich damit hätte klarkommen können.
Also ich weiß auch,
und ob ich das gewollt hätte,
das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht.
Was ja auch,
also interessant ist,
weil du ja trotzdem auch
von dem Leidensdruck berichtest.
Ja, das stimmt.
Also diese Ambivalenz zwischen
die Krankheit macht mich
auf einer Seite irgendwie fertig
und führt dazu,
dass ich mehrfach mich selber
in eine Klinik einweise.
Aber eben auf der anderen Seite,
ich hatte nicht so diesen konkreten Wunsch,
es soll jetzt vorbei sein.
Wo man ja bei anderen Krankheiten schon
zu vielleicht mehreren Zeitpunkten denkt,
das könnte jetzt einfach weg sein
und ich wäre ganz zufrieden damit.
Aber das zeigt vielleicht auch nochmal,
die Komplexität eben
und diese Teilfunktionalität,
die du vorhin angesprochen hast,
die glaube ich sicherlich das erschwert.
Ja und die Identifikation vielleicht auch damit.
Ich weiß nicht,
ob jetzt zum Beispiel jemand,
der irgendwie eine andere Erkrankung hat,
sich damit identifizieren will.
Ich wollte mich schon damit identifizieren.
Ich wollte schon die Dünne sein
und die, also jetzt nicht immer
in dem Ausmaß vielleicht,
aber ich wollte schon
so eine Sonderrolle haben.
Was mir vorhin jetzt auch einfach so
vielleicht auch für die ZuhörerInnen nochmal,
wir reden jetzt gerade von wie vielen Jahren,
die dich die Essstörung
schon begleitet.
Das müssen ja über 6, 7, 8, 9, 10 Jahre fast sein.
Ich war 14 und zu dem Zeitpunkt,
wo ich Medizin angefangen habe,
war ich so 26 oder so.
Ja, also schon 12 Jahre.
Ja, ich weiß es nicht mehr.
Ich bin so schlecht mit Zahlen.
Ich weiß auch nicht,
wie alt ich bin.
Hier vorhin habe ich gedacht,
wenn sie mich fragen,
wie alt ich bin,
muss ich nochmal ausrechnen.
Ja, ich wollte es eigentlich fragen,
aber ich habe es vergessen,
zu deinem Glück.
Also jetzt bin ich 33.
Okay, das heißt,
du bist 26 gewesen,
also als ich angefangen habe
mit Medizin,
war ich 75, 26 oder so was.
Genau, das heißt,
schon deutlich über 10 Jahre
hatte ich die Erkrankung begleitet
oder war ein Teil von dir.
Und du konntest dich noch nicht ganz trennen.
Löten, ja.
Zu dem Zeitpunkt.
Wie ging es dann weiter?
Okay, dann ging es weiter.
Ich habe dann mein Physikum gemacht
und wusste,
also ich habe mir immer so erträumt,
dann,
oh, es wäre so schön,
doch wieder bei meinen Eltern zu wohnen.
Die haben ein Haus
und die haben oben drin eine Wohnung.
Also ich habe mir das immer so erträumt,
bei meinen Eltern im Haus zu wohnen
und einfach nochmal so
ein Stück weit wieder zu wohnen.
Und dann wieder Kind sein
und so miteinander sein.
Ich habe mir das so vorgestellt,
wenn man dann abends einfach
sich nochmal in den Garten setzt
und mit seinen Eltern so.
Ich fand das total schön,
die Vorstellung.
Und dann auch vielleicht
mit meinem Partner zusammen
in Freiburg zu wohnen dort.
Und so haben wir das dann auch gemacht.
Also ich bin dann hierher,
ich bin im Physikum hierher gewechselt
und bin dann wieder
mit meinen Eltern zusammengezogen
und mit meinem Partner ins Haus.
Und genau,
so war erstmal dann der Stand
nach dem Physikum.
Und wann gab es dann
den nächsten Zeitpunkt,
an dem du gedacht hast,
vielleicht ändere ich jetzt doch was?
Also der nächste Zeitpunkt war,
also ich hatte die ganze Zeit
oder lange,
ich kann auch gar nicht mehr richtig sagen,
ab wann,
was ja auch irgendwie völlig verrückt ist,
dass ich das nicht kann.
Aber ich hatte meine Periode
irgendwann nicht mehr.
Und ich weiß gar nicht mehr,
wann ich die das letzte Mal hatte.
Und damit bin ich dann schon in Heidelberg
zu einer Gynäkologin gegangen
und die hatte mich dann
mit Hormonpflastern versorgt.
Und das wollte ich dann hier weitermachen
und bin dann im Kinderwunschzentrum gelandet,
also für diese Hormonbehandlung,
weil die sich halt,
das sind ja endokrinologische Gynäkologen,
also die dafür eben spezialisiert sind,
die nicht nur Kinderwunsch machen,
sondern eben auch sich mit Hormonen einfach auskennen,
weil meine Frauenärztin gesagt hat,
sie hat davon keine Ahnung.
Und dann habe ich mich da erstmal einstellen lassen.
Und irgendwann habe ich auch so gemerkt,
boah, also es ging gar nicht nur so ums Essen,
sondern irgendwann habe ich auch gemerkt,
ich will eigentlich auch einfach mal eine Frau sein.
Ich will auch einfach,
ich fühle mich gar nicht weiblich.
Ich fühle mich nicht als Frau.
Ich fühle mich nicht irgendwie,
das Erotische war das eine.
Das stand ja auch gar nicht im Vordergrund,
weil ich hatte ja auch gar keine Hormone.
Ich hatte keine Libido, gar nichts.
Das war das eine.
Und das andere war auch so,
irgendwie so hatte ich so den Willen,
so im Saft zu stehen
und auch zu bluten,
so Frau zu sein.
Gab es dafür einen Auslöser,
wenn ich dich fragen darf?
Also gab es irgendeine Situation,
wo du dir das vorstellst,
die dich vor Augen geführt hat?
Ich weiß nicht.
Vielleicht lag es auch daran,
dass ich älter wurde und auch so gemerkt habe,
meine Freundin kriegt Kinder
und ich habe einen Partner.
Ich weiß nicht.
Einen Auslöser gab es dafür nicht,
dass ich jetzt sagen würde,
ich habe einfach nur gemerkt,
ich möchte die Periode wieder haben.
Das war so meine abhängige Variable.
Und dann wusste ich auch,
irgendwie hätte ich ganz gerne mal nachwuchsen.
Und ich wusste halt auch,
ich werde ja auch nicht jünger,
ich gehe jetzt auf die 30 zu
und ich war schon 28 oder 29
zu dem Zeitpunkt.
Und wenn nicht jetzt,
dann schaffe ich das nie.
Und ich habe auch nie daran gezweifelt,
dass ich da nicht rauskomme.
Also ich habe irgendwie immer daran fest geglaubt,
ich komme da irgendwann raus.
Und wusste halt nicht wann.
Und irgendwie,
das kam irgendwie so zu,
aber der Hauptgrund war irgendwie die Periode,
daran habe ich mich irgendwie so aufgehangen.
Und habe das dann auch recherchiert dazu.
Und weil ich auch gar nicht wusste,
sagt einem ja dann auch irgendwie kein Arzt,
die sagen ja dann ja,
weiß ich nicht,
ob sie ihre Periode irgendwann mal wiederkriegen
und ob sie überhaupt Kinder kriegen können.
Irgendwie keine Gynäkologin ist dafür ausgebildet
oder kann einem das sagen.
Genau.
Und dann war ich ja hier in diesem Kinderwunschzentrum
und habe dann aber auch mal gesagt,
ja, also irgendwie auf Dauer könnte ich mir schon auch vorstellen,
mal Kinder zu kriegen.
Dann hat sie gesagt,
ja, dann fahren wir die Hormone ein bisschen hoch.
Dann machen wir hier ein bisschen mehr Hormonproduktionen.
über die Pflaster und dann
Und dann müssen wir halt irgendwie weitergucken, wie wir dann hormonell das einstellen, also im Sinne von einer künstlichen Befruchtung oder sonst irgendwas. Und dann habe ich gedacht, ja okay, gut.
Und dann, ich weiß nicht, es war Dezember 2018 muss das gewesen sein, wenn mich nicht alles täuscht. Da war ich bei ihr und sie hat, im November war ich bei ihr und sie hatte mir diese Hormone aufgeschrieben und im Dezember fiel mir ein Buch in die Hand, das hieß No Period, Now What? Also keine Periode, was jetzt?
Und da ging es eigentlich um Frauen, die einfach ihre Periode verloren haben. Das kann einem auch passieren, wenn man einfach. Sich nur ein bisschen gesünder ernährt und zum Beispiel intermittentes Fasten macht oder ein bisschen zu viel Sport treibt, haben auch ganz viele Frauen, die Leistungssport machen, aber halt auch essgestörte Frauen.
Und viele so am Rande einer Essstörung und da gibt es auch ganz viele Frauen, die darüber berichten, wie sie halt zugenommen haben und wie es ihnen damit gegangen ist.
Aber auch so auf eine ganz interessante Weise, weil die ja gar nicht, also viele waren gar nicht schwer krank, also nicht so schwer krank wie ich.
Sie waren halt einfach nur, die haben halt einfach gedacht, ich ernähre mich jetzt ein bisschen gesünder und haben ihre Periode verloren.
Und haben dann aber auch damit gestruggelt und es ist halt oft so, dass man so ein bisschen das Gewicht überschießen muss, damit der Körper sich sozusagen wieder wohl fühlt und man die Periode wieder hat.
Witzigerweise hatte ich zu dem Zeitpunkt, ich habe aber unglaublich viel Sport gemacht, ein relativ normales Gewicht.
Ich würde sagen, ich sah aber nicht anders aus, wie die zu dem Zeitpunkt, als wir uns kennengelernt haben.
Ich habe einfach nur unglaublich viel Muskelmasse gehabt und war spindeldürr.
Also ich hatte dann Mitte 50 oder 52 Kilo oder sowas, aber sah bestimmt aus, als würde ich nur 40 Kilo wiegen.
Genau.
Zum Zeitpunkt habe ich dann, ich fiel mir dieses Buch in die Hand und ich habe mir einfach gedacht, okay, ich mache das jetzt einfach.
Ich muss da jetzt irgendwie durch, ich muss jetzt einfach irgendwie zunehmen.
Und es war natürlich auch keine Sache von heute auf morgen.
Das war ein wahnsinniger Prozess mit vielem pathologischem Essverhalten noch, viel Sport dennoch.
Und ja, dann kam irgendwann die Lernphase auf das Examen, auf das zweite schriftliche Examen, wo man ja irgendwie acht Stunden am Tag nur auf dem Hintern sitzt.
Und.
Und für die Zunahme hat mir das unglaublich viel gebracht, ja.
Und ich weiß noch, ich kann gar nicht sagen, es ist so viel passiert, aber irgendwie auch gar nicht.
Und ich hatte keine Waage zu Hause.
Und auf einmal habe ich mich, glaube ich, mal in der Apotheke gewogen und dann habe ich 62 Kilo gewogen.
Und ich dachte mir, was ist denn jetzt passiert?
Ich habe das einfach, ich habe das nicht mitbekommen.
Ich habe einfach, ich habe einfach gegessen und ich habe so versucht, irgendwie so, also natürlich auch.
Ich habe natürlich nicht.
Ich habe nicht irgendwie massenweise Schokolade gegessen oder sowas, aber ich habe einfach, ich habe das einfach viel mehr zugelassen.
Und ich hatte so das Gefühl, genauso wie das die Spirale nach unten ging, ging bei mir die Spirale in die Normalität ein bisschen.
Und genau.
Und dann fast forward kam aber meine Periode trotzdem nicht, obwohl ich irgendwie normales Gewicht hatte.
Meine Hormone waren normal.
Genau.
Und dann, um die Geschichte nur abzuschließen, habe ich dann eben mit dieser Gynäkologie.
Mit der endokrinologischen Gynäkologin.
Die hatte mir dann ein Präparat aufgeschrieben, das so, das den Eisprung triggern kann.
Und da ist die geringste Dosis 5 mal 50 Milligramm.
Und ich hatte 3 mal 25, habe einen Eisprung gehabt und bin schwanger geworden.
Das ist schnell.
Also, naja, das war zweimal.
Das erste Mal war eine Fehlgeburt.
Aber das zweite Mal hat dann funktioniert.
Und genau.
Jetzt habe ich ein Kind, das ja, das schon fast zwei ist.
Herzlichen Glückwunsch.
Ja, voll schön.
Da habe ich jetzt wieder ein paar Fragen.
Zu Moritz bestimmt auch.
Ja, aber du darfst.
Okay.
Würdest du sagen, dieses Ziel oder diese Motivation, ich möchte meinen Zyklus zurück,
war das das, was dich dann so gezogen hat, dass das die Funktion der Essstörung überwogen hat?
Ja, zu 100 Prozent.
Und das ist natürlich traurig, das zu sagen ein bisschen, weil es gibt ja auch viele Frauen,
die diese Essstörung entwickelt haben, die gerade den Missbrauch erlebt haben,
die gerade eben nicht Frau sein können oder wollen.
Deswegen tut mir das leid.
Das ist so, weil mit diesen Frauen tausche ich mich ja auch manchmal aus.
Aber bei mir war das einfach so.
Also das war für mich.
Und das hat mir, das war, also ich kann auch wirklich von, nur von Glück reden.
Ich meine, das hat natürlich wirklich, also eine Ausbleibeperiode hat einfach starke Konsequenzen.
Ja, also ich meine, ich mache gar keine, mache keine Knochendichte-Messung, weil ich weiß, was rauskommt.
Und es hätte ja auch keine therapeutische Konsequenz.
Aber für mich war das das Glück, das größte Glück, das ich haben kann, weil ich wüsste,
wenn ich jetzt, sagen wir mal, ich hätte jetzt mit einem BMI von 19 meine Periode bekommen oder von 18,
ich wäre nie weitergegangen.
Ich hätte jetzt gedacht, jetzt ist alles gut.
Und ich hätte nie zugelassen, einfach mal in Anführungsstrichen auseinander zu gehen.
Also einfach mal so fett anzusammeln, dass mein Körper sagt, okay, so fühle ich mich wohl.
Und ich glaube, das war für mich, für den Heilungsprozess so wichtig.
Und es gibt einfach Frauen, die tief in der Essstörung sind und trotzdem ihre Periode haben.
Und das für mich war das das größte Glück in dem Fall, um rauszukommen.
Ja, und du hattest dir aber mutmaßlich,
jahrelang nicht, das hatte ich auch jahrelang nicht gestört.
Das heißt, das kann sich auch ändern dann an irgendeinem Punkt.
Genau, ich habe das, glaube ich, gar nicht mitbekommen.
Ich habe da gar nicht drüber nachgedacht, ehrlich gesagt.
Irgendwann habe ich das schon geschnallt und dann, also das hat mich nicht gestört.
Und würdest du sagen, dass die Sachen, die du in den Kliniken, in den vielen Behandlungen vorher gelernt hast,
haben die dir dann geholfen, als du sie dann anwenden wolltest, um zuzunehmen?
Nee, also das ist ja, ich meine jetzt auch Verhaltens,
um dann nicht, ich weiß nicht, ich, nee, das könnte ich jetzt nicht sagen so.
Das heißt, du hast dann deinen eigenen Weg gemacht.
Also darf ich da kurz einhaken, das hat mich nämlich auch interessiert.
Hattest du zu dem Zeitpunkt therapeutische Begleitung, ambulant oder irgendwas,
als du sozusagen dich entschieden hast, ich möchte jetzt gerne meine Periode wieder haben und schwupps.
Ah ja, tatsächlich, das habe ich ganz vergessen zu erzählen.
Ich hatte eine ambulante Therapeutin, das war interessant, dass die mich übernommen hat,
weil eigentlich war ich wieder, also das, bevor ich die Reise begangen habe,
auch in einem Zeitpunkt, wo man eigentlich hätte sagen müssen, das mache ich nicht.
Und die hat das mit mir gemacht und das war die erste Therapeutin, die, es ging einfach nicht,
wenn ich mal wirklich abgenommen habe und sie das Gefühl hatte, jetzt wird es gefährlich,
dann hat sie was gesagt, aber wir haben nie über Gewicht gesprochen oder über das Essen.
Es ging mehr um alles andere, was man halt in Therapien eigentlich halt so macht.
Und, aber das hat jetzt für mich nicht, das hat keinen Ausschlag, also das hat jetzt nicht,
das hat schon auch, wir haben viel besprochen.
Ich meine, natürlich liegt da viel dahinter, was zu meiner Essstörung geführt hat.
Das habe ich schon auch mitbearbeitet, aber ich konnte dann natürlich,
was ich aus den anderen Therapien gelernt habe, das anwenden, was nicht mit der Essstörung zu tun hat.
Ich habe dann schon irgendwie Zusammenhänge verstanden und ich habe vor allem auch verstanden,
warum so viele sagen, du musst erst mal zunehmen, bevor du Therapie machen kannst,
weil das ist einfach so, dass diese Ängste, die, also bei mir sind das halt Ängste,
die ich weggehungert habe, das ist ja bei jedem irgendwie was anderes,
aber das, was wirklich so darunter ist, das kommt dann halt auch erst,
wenn man, wenn man sich nicht 24-7 mitessen oder nicht essen will.
Wenn man sich nicht mit Essen beschäftigt oder Sport oder nicht Sport.
Das ist ja wirklich ein tolles Tool, um sich abzulenken.
Das heißt, je mehr du zugenommen hast, umso mehr kamen die eigentlichen Themen
und diese Ängste vor der Zunahme, sind die dann besser geworden, als du zugenommen hast?
Oder wo sind die dann hingegangen?
Ja, weiß ich eigentlich auch gar nicht.
Ich glaube, ich habe das auch so, ich glaube, ich wollte das dann auch.
Ich wollte auch irgendwie weiblicher aussehen und natürlich habe ich mir jetzt nicht gewünscht,
weil es an den Bauch geht und das ist natürlich irgendwie auch erst mal ein bisschen so,
dass sich das nicht so schön verteilt, aber ich habe das auch,
ich bin auch eigentlich ein ziemlich lustiger Mensch
und ich kann auch eigentlich gut über mich und meinen Körper,
wenn was lustig aussieht, lachen.
Also das war, tatsächlich war das immer so ambivalent bei mir
und ich dachte, ich habe mich dann oft gefragt,
so dieser Anspruch, den ich an meinen Körper habe,
das hat eigentlich gar nicht zu meinem Naturell gepasst
und ich konnte das irgendwie immer besser hinterfragen
und habe dann auch gemerkt, dass mein Wert nicht so davon abhängig ist
und das habe ich natürlich auch,
irgendwo auch gefühlt, genau.
Also ich glaube, ja, ich glaube so eher.
Ich glaube, das war nicht mehr so,
es war ja dann auch eher so ein Selbstläufer.
Es war nicht so, dass ich dünn sein wollte.
Ich war einfach dünn und ich,
das war, es lag eher so an diesem,
diesem Nicht-Essen,
das war dieser Selbstläufer,
ohne dass ich jetzt sagen würde,
es war mein großes Ziel, dieses Dünn-Sein-Wollen.
Ich glaube, das war gar nicht,
das war gar nicht so primär,
das, was mir so wichtig war am Ende.
Das heißt, dann beide,
beide Richtungen war es dann wieder eher ein Selbstläufer.
Das klingt, als wärst du so rausgeglitten.
Ja, war aber auch so.
Also ich meine, das ist natürlich dann auch nicht so,
natürlich hatte ich dann auch Ängste
und ich hatte dann irgendwie so meine Strategien,
wie ich die Ängste umgangen bin
und ich hatte irgendwie,
fiel mir Frühstück nie leicht,
dann habe ich halt das Frühstück umgangen,
dann habe ich halt gesnackt am Morgen
statt gefrühstückt groß
und es gibt auch immer noch so Dinge,
die ich sagen würde,
boah, das finde ich jetzt,
also ich würde jetzt auch,
also so ein Fünf-Gänge-Menü wäre jetzt für mich auch nicht leicht,
aber es wäre jetzt irgendwie,
es wäre alles so machbar
und ich müsste mir nicht
Tage vorher Gedanken machen,
wie gehe ich dann,
also wie kann ich das einsparen
oder kann ich, muss ich dann,
also so,
nee, ich kann mich einfach immer satt essen
und wenn ich dann nicht mehr kann,
dann kann ich halt nicht mehr
oder nicht mehr will oder so
und natürlich sind es auch immer noch so,
würde ich jetzt auch nicht sagen,
dass ich jetzt gar keine
essgestörten Gedanken mehr habe,
aber mich stören die gar nicht mehr,
weil die sind halt so,
das ist halt so da,
ich glaube so,
jeder hat irgendwie,
weiß ich nicht,
jeder hat irgendwie sein Päckchen mitzutragen
und das ist halt meins,
aber das ist nichts,
was mich stört.
Ja, das ist echt interessant,
dass das nicht so schwarz-weiß
unbedingt sein muss,
weil eben der Anspruch,
wenn man wie viele Jahre am Ende,
dann 20 Jahre,
jetzt mal grob geschätzt,
damit zu tun hatte,
dann ist natürlich der Anspruch
extrem hoch,
dass diese Gedanken
nicht da sein dürfen.
Ja.
Die dürfen natürlich schon da sein,
das ist schön,
Wie du beschreibst, dass die dich aber nicht so tangieren oder nicht automatisch zu handeln dann werden. Das heißt, hast du auch das Gefühl, du hast da einfach ein bisschen mehr Spielraum, Gedanken kommen und gehen zu lassen, zu sagen, den Gedanken, dem gehe ich jetzt weiter nach und den setze ich jetzt mal nicht in die Tat um.
Ja, ich glaube auch. Oder ja, genau. Und dass ich auch mehr darüber lachen kann, dass mein Humor wieder da ist. Der war halt nicht so da, habe ich das Gefühl. Und jetzt ist das irgendwie wieder so da.
Und ich weiß auch noch, als ich da im Ausland war, da hatte ich ja immer so meine Tage, an denen ich laufen gegangen bin und da war ich irgendwie eingeladen. Und dann habe ich dieser Freundin gesagt, ja, dann gehe ich einfach einen Tag später laufen, oder?
Und als ob sie das interessiert hätte und ob ich mich so rückversichern müsste bei ihr, was ich machen dürfte.
Und das sind so Zwänge oder so Gedanken, die sich einem so aufdrängen und die so unumgehbar sind. Und tatsächlich ist das einfach so, wie viele sagen, man will es nicht wahrhaben, wenn man betroffen ist, dass sich auch so zwangige Gedanken irgendwie mit der Zunahme, also bei mir ist das halt so gewesen und mit Sicherheit auch bei vielen anderen, dass sich das irgendwie so verläuft.
Und das ist halt so, wie viele sagen, man will es nicht wahrhaben, wenn man betroffen ist, dass sich das irgendwie so verläuft.
vielen, aber mir war das halt
immer bewusst. Also ich glaube, vielleicht ist das
für die Situation, wo man selber nicht so ganz
weiß, habe ich das oder nicht?
Gibt es überhaupt Möglichkeiten? Aber ich bin ja immer irgendwo hingegangen,
wo mir geholfen wird.
Aber das wollte ich gerade sagen, das ist, glaube ich, ein entscheidender Punkt,
weil wenn man an dem Punkt ist, dass man es selber noch nicht wahrhaben
will, ist es vielleicht manchmal schon hilfreich,
wenn dich jemand anders anschließt oder dir auch
gespiegelt wird, hey, ich nehme wahr, dass
bei dir gerade was nicht in Ordnung ist.
Aber vielleicht hattest du auch
das Glück ein Stück weit, dass du immer
sehr reflektiert damit umgehen konntest
oder ein Umfeld hattest, was das sehr reflektiert
aufgenommen hat. Ich weiß nicht, so wirkt das jetzt rückwirkend zumindest.
Ja, aber das war halt auch irgendwie in meiner Familie bekannt.
Das war halt nie ein Geheimnis. Also ich meine,
das war ja offensichtlich. Ich bin da rumgerannt
mit einem BMI von unter 13 irgendwann.
Also das konnte man ja nicht verheimlichen. Also wenn mir
jetzt jemand erzählt, ich wusste auch immer, ich habe manchmal
mir auch gedacht, wenn Leute so mich fragen, was ich habe, dann sage ich
einfach irgendwie, ich habe eine Schilddrüsenüberfunktion.
Aber ich wusste, also das war
einfach sichtbar.
Zu deiner Arbeit nochmal, zu deiner
ehrenamtlich, hast du gesagt, machst du das?
Nee, ich mache es ehrenamtlich, nebenberuflich.
Da kannst du uns ja vielleicht nochmal sagen, was
wir verlinken sollen, falls das jemanden
interessiert. Ich weiß nicht, du hast eine bestimmte Homepage
oder sowas? Ja, genau, ja. Super, okay.
Die verlinken wir, findet ihr in den Show Notes. Das wird verlinkt.
Darf ich noch eine Frage direkt
stellen? Und zwar, weil du, oder weil
wir es gerade davon hatten, mit dem nicht ansprechen.
Generell so, auch was Öffentlichkeit
angeht, was würdest du dir denn wünschen, dass sich
in der vielleicht Öffentlichkeit oder so generell
in der Wahrnehmung und im Umgang mit
Essstörungen ändert? Oder wo siehst du Handlungsbedarf,
Verbesserungsbedarf?
Was sollten wir mitnehmen?
Ja, ich habe vorhin auch gestern mal im Garten
darüber nachgedacht und ich habe mir so gedacht, ich weiß auch nicht, wie es
euch geht, aber ich habe
so, weil meine Eltern
und, ich weiß nicht,
Tanten, Onkels, was weiß ich immer,
was weiß ich, ganz oft
kommt irgendwie,
weiß nicht, ob das eben bei euren Eltern auch so ist, aber
ganz oft kommt eine Bemerkung bei Frauen oder
Männern, eher bei Frauen, die zu kurze Sachen anhaben
und ein bisschen kräftiger sind,
eine blöde Bemerkung. Und da denke
ich mir, ich glaube, das ist auch,
also ich will auch gar nicht sagen, die Mode
Industrie ist schuld oder sowas, aber
ich habe das manchmal auch, dass
ich mir denke,
mittlerweile nicht mehr so, aber
früher hatte ich das oft so, die traut sich was
oder sowas und mittlerweile bin ich echt so
viel mehr positiv für alle Körperformen,
solange sich jemand wohlfühlt
und ich finde, ich
stehe auch kräftigen
Frauen total positiv gegenüber und
mache da gar keinen Unterschied, ist dünn besser oder
dick schlechter oder
versuche das weitestgehend abzuschalten und
ich finde das ganz schlimm, dass wir das so eingeträgt haben,
kommen, dass man überhaupt wagt
zu denken, jemand ist
nicht, da sollte sowas nicht tragen.
Das finde ich so absurd.
Also genauso wie jemand
bleich ist, ein gelbes T-Shirt tragen kann.
Also das finde ich eigentlich
eher, das finde ich eher
so das Schlimme, dass wir wirklich
sowas mitbekommen haben. Also gar nicht der Umgang mit
Thema Essstörung, sondern eher der Umgang mit Körper,
mit vielleicht
Äußerlichkeiten und einfach, dass man
grundlegend einen wertfreien Umgang findet
mit Menschen.
Ja, also ich meine, wir könnten natürlich stundenlang
über was kann man alles
darüber sprechen, aber das finde ich,
das habe ich mir halt so, als ich gestern so drüber überlegt habe,
worüber können wir sprechen und was würde ich mir wünschen?
Ich glaube, ich würde mir auch wünschen, dass ich das nie
eingeträgt habe bekommen hätte. Ich hätte, ich finde
so einen Spruch,
also ich kenne halt so Sprüche so wie
da kriege ich aber Augenkrebs oder wie traut
die sich das anzuziehen? Da denke
ich mir wirklich mittlerweile, boah,
das geht gar nicht, aber das ist halt so
eingeträgt bei vielen von uns.
Ja, ich weiß auch, was du meinst und ich denke,
auch wahrscheinlich die meisten dieser Bemerkungen,
die bekommt man ja unbewusst mit.
Du hattest ja diesen einen möglichen Trigger
von deinem Freund genannt, der
dann eine Bemerkung über den Bauch gemacht hat.
Das ist ja wahrscheinlich auf sehr
fruchtbaren Boden gefallen. Das war ja wahrscheinlich
nur die Spitze des Eisberges.
Also das ist ja tatsächlich
so in der Kommunikation
in unserer Gesellschaft noch sowas von
drin und ändert sich ja erst, das hatten wir ja auch
bei der
Körpergewichts-Übergewichts-
Folge ja auch besprochen.
Das ändert sich gefühlt mit
deutlichem Verzug jetzt im Vergleich
zu feministischen
Themen oder rassistischen Themen.
Da ist noch wenig Awareness
für dieses ganze Body-Shaming.
Ich denke auch, da
können wir alle wahrscheinlich
auch noch weiter an uns arbeiten.
Wichtige Botschaft. Ja, ich glaube
so langsam, wir sind fast, man könnte wirklich noch
Stunden, es gibt so viele spannende Themen.
Wir haben gefühlt auch 800.000 Zwischenfragen gestellt.
Vielleicht zum Schluss,
Lisa, was möchtest du denn
anderen Betroffenen auf den Weg geben?
Du machst wahrscheinlich mit deiner Arbeit da schon ganz viel,
aber so jetzt für unsere HörerInnen da draußen,
was ist deine Message? Außer
nicht sagen, was traut die sich denn?
Ja, ich glaube einfach,
dass man weiß,
dass auch so, also
selbst wenn ich jetzt auch so im Nachhinein oftmals gesagt habe,
dass die Therapien irgendwie nichts gebracht haben,
also schon allein, dass man mal körperlich auf ein
höheres Niveau kommt, das macht auch psychisch was
mit einem, dass das auch völlig in Ordnung ist, dass man
irgendwie Schritte braucht.
Ja, und
das ist einfach, dass man
auch nach langer Zeit irgendwie da Genesung
finden kann und dass es aber auch in Ordnung ist, das habe
ich ja, also das widerfährt mir auch in meinem,
in meiner Arbeit häufiger, dass Frauen
sagen, bis hierhin und nicht weiter und das ist auch
okay, man darf auch entscheiden, dass man nicht,
dass man ein Stück
Essstörung behalten möchte.
Das klingt irgendwie so hart, glaube ich, für Außenstehende,
aber das ist irgendwie,
es ist trotzdem ein wahnsinniger Zugewinn, den man
halt an Lebensqualität hat, wenn man ein Stück weit
rauskommt und
ähm,
wenn man sagt, das gehört mir, das ist, das,
ich möchte nicht raus, das ist auch in Ordnung. Also ich glaube,
dass, ähm,
dass das irgendwie jeder,
jeder Person eigene Entscheidung, ähm,
und jeder Schritt in die, in die Richtung
Genesung ist gut und es kann halt manchmal
ewig dauern und, aber es kann halt
auch so sein wie bei mir, dass man nach
15, 16, 17, 18 Jahren dann selber
sich da rauszieht irgendwie.
Sehr schöne Abschlussworte.
Finde ich auch. Den wir wahrscheinlich nichts Sinnvolles
hinzufügen können. Ich glaube auch nicht.
Umso schöner, dass du da warst,
Lisa. Ja, vielen, vielen Dank.
Ja, danke euch für die Einladung. Ja,
vielen Dank für so viel Einblick auch in
dein Inneres und deine persönliche Geschichte.
Ähm, das war wertvoll.
Dir viel Erfolg fürs Examen.
Ja, leider gibt es da noch eine Realität
außerhalb der Podcast-Höhle.
Wir haben sie abgelenkt.
Ja, sehr gut. Wir haben jetzt beigetragen, ja.
Sehr gut, also toi, toi, toi.
Ja, vielen Dank. Genau. An euch da draußen,
vielen Dank fürs Zuhören. Wenn ihr Fragen, Anmerkungen,
irgendwas habt, schreibt uns gerne.
Je nachdem können wir das dann auch an Lisa weiterleiten.
Und sonst, wie gesagt, die Homepage findet ihr
in unseren Shownotes auf der
Homepage. Und dann
hören wir uns beim nächsten Mal. Ja, habt ihr
einen schönen Frühling. Vermutlich dauert es wieder ein bisschen. Genau.
Ein bisschen. Genießt den Frühling. Mal gucken.
Seid ein bisschen draußig und ein bisschen drinnig. Genau.
Macht's gut. Tschüss. Tschüss.
Tschüss.
Podcast Summary
Key Points:
Lisa erzählt von einer Essstörung, die bereits im Alter von 14 Jahren begann und sich durch Zwänge und Selbstkontrolle ausprägte.
Die Erkrankung wurde durch eine Kombination aus sozialen Herausforderungen, wie das Auslandsgewesen und fehlende familiäre Unterstützung, verstärkt.
Mehrere stationäre und ambulante Behandlungen waren notwendig, doch die Therapien führten nur teilweise zu Verbesserungen, da die Essstörung tief verwurzelt war.
Lisa beschreibt die Essstörung als eine Art „Beziehung“, die sich über Jahre hinweg entwickelte und sich in Werten wie Leistung, Selbstwert und Identität widerspiegelte.
Trotz intensiver Therapien blieb eine tiefe Verbindung zur Essstörung bestehen, die sich in der persönlichen Entwicklung und den Lebensentscheidungen spiegelte.
Die Erkrankung beeinflusste auch ihre berufliche Entwicklung, da sie sich auf das Studium und die Berufswahl auswirkte, insbesondere auf die Entscheidung für Medizin.
Eine zentrale Herausforderung war die Ambivalenz
Die Therapie und das Leben nach der Erkrankung zeigten, dass eine vollständige Genesung selten ist und dass eine langfristige, vielschichtige Betrachtung notwendig ist.
Summary:
Lisa teilt ihre persönliche Erfahrung mit einer langjährigen Essstörung, die bereits im Alter von 14 Jahren begann. Der Auslöser war eine Bemerkung ihres ersten Freundes, der ihr ein „Bäuchle“ nannte, was zu einem ersten Abnehmen führte. Im Laufe der Zeit führte das zu einer zunehmenden Kontrolle über das Essen, einem starken Gefühl von Selbstwirkung und einer Identifikation mit der Idee, dünn zu sein.
Diese Entwicklung wurde durch familiäre und soziale Schwierigkeiten verstärkt, wie ein Auslandsgewesen und eine fehlende familiäre Unterstützung. Mehrere stationäre und ambulante Behandlungen, darunter eine teilstationäre Therapie in München, konnten nur teilweise Erfolge bringen. Die Essstörung wurde als eine tiefe, wachsende Beziehung beschrieben, die sich in der persönlichen Identität, dem Leistungsanspruch und dem Leben widerspiegelte.
Obwohl Lisa nach der Therapie ihre Lebensqualität verbesserte, blieb eine starke Verbindung zur Erkrankung erhalten. Sie erkannte, dass die Krankheit nicht nur eine Belastung war, sondern ein Teil ihres Selbst wurde – eine ambivalente Beziehung, die sich auf Berufswahl, Lebensziele und Selbstwahrnehmung auswirkte. Auch ihr Studium der Medizin wurde durch diese Erfahrung geprägt, da sie sich entschied, nicht die Therapeutenausbildung zu machen, weil sie sich selbst als zu krank fühlte.
Nach dem Studium beschreibt sie eine langfristige Integration in eine normale Lebenswelt, in der sie mit Eltern und Partner zusammenlebt und sich in der Frauenheilkunde mit Hormonbehandlung beschäftigt. Die Erfahrung zeigt, dass Essstörungen nicht nur körperlich, sondern tief psychisch und identitätsbezogen sind und eine langfristige, vielschichtige Therapie erfordern.
FAQs
Es ist ein Podcast aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Freiburg. Er behandelt Themen rund um psychische Gesundheit.
Lisa ist Psychologin und Medizinstudentin und spricht über ihre eigenen Erfahrungen mit einer Essstörung. Sie teilt ihre Geschichte, um anderen zu helfen.
Sie begann, als Lisa 14 war, nachdem ihr erster Freund bemerkte, dass sie ein Bäuchlein habe. Sie hörte auf, Süßigkeiten zu essen, und nahm ab.
In der 11. Klasse ging sie ins Ausland, wo sie wenig Halt hatte und begann, weniger zu essen und mehr Sport zu machen. Als sie zurückkam, war sie stark untergewichtig.
Sie war in mehreren Kliniken, darunter eine Privatklinik, eine teilstationäre Einrichtung in München und später eine Klinik in Baden-Baden. Sie versuchte auch ein Zwölf-Schritte-Programm.
Lisa glaubt, dass sie noch zu viel narzisstische Bereicherung in der Essstörung fand und die Entscheidung, sie loszulassen, damals nicht treffen konnte.
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