Die bevorstehende Documenta 16 in Kassel, kuratiert von Naomi Beckwith, steht im Zeichen der Aufarbeitung der umstrittenen Vorgängerschau. Eine Konferenz des Documenta-Instituts widmete sich der Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Theorie. Beckwiths eigene Ausstellung in Paris, die den Einfluss französischer Denker auf die US-Kunst untersuchte, gab einen Vorgeschmack auf ihre Herangehensweise. Die Konferenzteilnehmer diskutierten kontrovers: Während der Kulturwissenschaftler Philipp Fels einen neuen Theoriehunger bei Studierenden feststellt, warnt der Politikwissenschaftler Oliver Marchart vor einem wachsenden Anti-Intellektualismus, der sich in Trends wie Immersion und Authentizität äußere. Als historische Beispiele für die gelungene Synthese von Kunst und Theorie dienten der legendäre Merve-Verlag und die Documenta 14, die Institutionskritik räumlich umsetzte. Obwohl Beckwith ihr Konzept noch nicht preisgegeben hat, deuten ihre bisherigen Arbeiten darauf hin, dass Theorie und politische Reflexion auch 2027 eine zentrale Rolle spielen werden. Eine Rückkehr zu einer unpolitischeren Kunst ist demnach nicht zu erwarten.
Die Dokumenter in Kassel, in einem Jahr beginnen wieder 100 Tage, in denen sich die zeitgenössische Kunst präsentiert wie nirgendwo sonst. Unter Leitung von Naomi Backworth soll vieles anders sein als bei der letzten Schaub 2022, die ja von einem Antisemitismus-Eklar unten nicht von der Kunst dominiert wurde. Im Dokumenter-Institut haben sich drei Tage lang Wissenschaftlerin und Künstler mit dem Zusammenhang von Kunst und Theorie beschäftigt, also mit einer der zentralen Fragen von Backworth. Wie viel Theorie steckt in der Kunst und wie viel Kunst in der Theorie? Mein Kollege Ingo Ahrend hat im Kassel-Afridrizeanum drei Tage lang in dieser Hitze zugehört, gab es eigentlich einen konkreten Anlass, sich jetzt mit dem Thema zu befassen? Ja, liebe Gabi, wird gesagt, haben Naomi Backworth angesprochen, die hat tatsächlich etwas mit dieser Tagung zu tun, die von dem Dokumenter-Institut organisiert wurde, dass aber eigentlich mit der Dokumenter als Gesellschaft gar nicht viel zu tun hat. Denn die Kuratorin der Dokumenter 16, das ist hier, hat vor Kurzem zur allgemeinen Überraschung, eben ihrem neuen Job in Kassel noch schnell eine Ausstellung im Pariser Paletetok, jo, kuratiert. Die witzigerweise heute auch endet. Der Titel dieser Ausstellung lautete Echo Delay Reverb, was so viel heißt, wie Echo, Verzögerung, Hall, Amerikanische Kunst, französisch gedacht. Und in dieser Ausstellung geht es, Naomi Backworth um die Resonanz und die Aneignung französischer Theoretiker, wie Foucault, Deridal und Delös, in den USA seit den 1970er Jahren in den bildenden Kunst. Und da hat sie eine riesige Schau dieser transatlantischen Zirkulation von Texten, von Philosophen, Psychologen, Dich dann Aktivisten nachgestellt, in Form von Büchern und Traktaten. Hatte den Vorwurf dann eingetragen, dass es eine tröge Theorie Schau war. Und dieser Zufall, etwas mit wo vor allem eigentlich niemand, was wusste, passte dann so der Forschungsfrage des 2020 gegründeten Dokumentar-Instituts, welche Theorien im Feld der Gegenwärtskunst eigentlich immer so züglich störmionand werden und wie sie sich dort manifestieren. Und diese Konferenz über drei Tage, ich habe es gesagt, Wissenschaftlerin, Künstlerin, kam die zu einer Schnittmenge, was die Frage anbelangt, dieses Wechseltspiel zwischen Kunst und Theorie? Also die Tarot, die hat sich nicht lange mit den populären Vorteil aufgehalten, dass bei der Gegenwärtskunst zu viel Theorie im Spiel ist, das hört man ja immer kunstets bei jeder Ausstellung oder wenn ein Kurator irgendwas erklärt. Oder dass man das jetzt irgendwie alles mal wieder auf die Kunst selbst zurückschrauben müsste. Sondern man hat sich eben damit beknügt oder hat sich zurückgezogen auf das Tiktum des konservativen Sozologen Arnold Gehlen, der im 1960 von der essentiellen Kommentarbedürftigkeit der Kunst gesprochen hat. Man hat auch wieder Adornos satt zitiert, dass keine Kunst eben nur aus sich selbst heraus erschlossen werden kann und hat einfach noch einmal, ja manchmal streckenweise wie in einem begleimen Propedeutikum, die Stationen dieser Allianz von Kunst und Theorie-Revy passieren lassen. Der Urknall dürfte natürlich Kathrin Davidsdokumentar 10 1997 gewesen sein, wobei dem Projekt "Hundert Tage, Hundert Gäste, Philosophen und Theoretiker gleichberechtigt" neben die Künstler der Ausstellung traten. Spätestens ab dann spricht man von dem "Discursive Turn" in der Gegenwartskunst. Anders gesagt, der Ausstellungsraum wird zum Diskurs, zum Theorie, zum Streitraum. Und ihr Runde war so ausgesucht, dass es keine Wiederworte gab? Wiederworte eigentlich nicht in dem Sinne, aber man kann sagen, es haben sich zwei Flügel bei dieser Grundsatzdiskussion herausgebildet. Auf der einen Seite stand ein Mann wie Philipp Fels, Kulturwissenschaftler von der Berliner Humboldt-Universität, der durch sein viel beachtetes Buch der lange Sommer der Theorie 2015 ist, das rausgekommen bekannt geworden ist, wo er eben diesen Hunger nach Theorie von der 1960er bis 1990er Jahre in Deutschland beschreibt. Und er hat dann seinen Durchgang durch diese Theorie-Konjunkturen in der Kunst im Speziellenfall, dann wird er offenen Frage beendet. Gibt es eine neue Romantik der Theorie? Er will bei seinen Studierenden einen neuen Hunger auf Theorie bemerkt haben, bei gleichzeitiger nachlassender Politisierung. Und hat dann so Beispiele wie den Kulturantropologen Rene Girat oder die Müßtigerinnen und Philosophen Simon Weih herangezogen. Und auf der anderen Seite stand ein Mann wie Oliver Marchard, Politikwissenschaftler von der Universität Wien, Bienale-Experte, der selbstmal Mitarbeiter der Dokumentar Elf von Okwoyin Wesor war. Und der spricht davon, dass spätestens nach dieser Post-Kolonialen Dokumentar im Kunstfeld ein genereller Anti-Intellektualismus, also ein Wiederwählengegen-Theorie, vorherrscht. Und den Siehtag hinter dem gegenwärtigen Trend von Immersion, also Eintauchen, Authentizität, Identität, auch der Rückrufung von Indigenen, Kunstweisen oder auch der Autofektion, also Unmittelbarkeit und das sinnlicher der Reflexion vorgezogen werden. Das klingt jetzt alles in sich schlüssig. Trotzdem scheint es mir doch einen hohes Niveau mit viel in Klammern, wo möglich Staub trockener Theorie gewesen zu sein. Haben Sie ein Beispiel, worüber ganz konkret diskutiert wurde? Also ein Beispiel, das immer wieder zur Sprache kam in der Diskussion, war natürlich der legendäre Merveverlag, der ja lange als der Umschlagpunkt zwischen Kunst und Theorie diente, also insbesondere der poststrukturalistischen Theorie aus Frankreich. Die in der Ausstellung von Normandy bei gewissen Rolle spielte. 2010 hat der Sammler Harald Faltenberg sogar alle erschienen Verlagstitel dieses Merveverlags einmal in seinem Waldküub in Hamburg ausgestellt. Ein anderes Beispiel hat, und das fand ich sehr interessant, der treesene Kulturwissenschaftler G hat Panzer mit der Dokumentar 14 ins Spiel gebracht. 2017 war das Gerator Adam Schimschick. Und zwar wollte er unabhängig von dieser Sache von Athen lernen, mit dieser Schau die Theorie der Institutionskritik sozusagen gestalt werden lassen. Es ging um Dezentrierung, und deswegen hat er die Schau vom Kunstolüm Kassel nach Athen und die Kunst vom Frieder Ritianum weg in die Perreverie der Stadt verlegt. Und das war so ein Beispiel, wie man sagt, die Theorie wird quasi selber Kunst im Ausstellungsraum. Spätestens im nächsten Juni dürften Kunst und Theorie wieder auf der Tagesordnung stehen, ist ihre persönliche Ahnung, worum es auf der Dokumentar 16 von Naomi Beckwith gehen könnte konkreter geworden in den letzten drei Tagen? Beckwith hat sich natürlich bislang ziemlich bedeckgehalten in Bezug auf ihr Konzept. Hat natürlich strategische Gründe, wie sie will, keine verrüte Debatte, sie soll sehr spät berufen worden. Aber man kann sagen, die erwähnte Ausstellungen Paris ist, zumindest ein Hinweis, dass Theorie bei ihr nicht zu kurz kommen wird. Vor allem, weil sie mit der Paris-Schao-Jahre konstruieren wollte, welche Zitatkatalog revolutionären Energien für eine kritische Sicht auf Kunst und Gesellschaft freigesetzt wurden, damals in den 70er-Jahren als dieser Theorie transfer stattführen. Und insofern ist also nicht zu erwarten, dass sich die D16 als Reaktion auf diese viel beschmerte, überpolitisierte Dokumentar 15, 15, jetzt auf eine Lapolabposition zurückzünderf, oder unpolitisch wird. Ingo Arand über die dreitige Diskussion des Dokumentarinstituts in Kassel Kunstausstellung des Kurs, ein Jahr vorbeginn der Dokumentar 16 in Kassel.
Podcast Summary
Key Points:
Die Documenta 16 unter Naomi Beckwith steht vor der Herausforderung, nach dem von Antisemitismus-Eklat geprägten Jahr 2022 neue Akzente zu setzen.
Eine dreitägige Konferenz des Documenta-Instituts untersuchte das Verhältnis von Kunst und Theorie, ein zentrales Anliegen Beckwiths.
Beckwiths Pariser Ausstellung „Echo Delay Reverb“ thematisierte die Rezeption französischer Theoretiker in der US-Kunst der 1970er Jahre.
In der Diskussion standen zwei Positionen
Als Beispiele für die Verflechtung von Kunst und Theorie dienten der Merve-Verlag und die Documenta 14, die Institutionskritik gestalterisch umsetzte.
Es wird erwartet, dass die Documenta 16 nicht unpolitisch wird, sondern Theorie weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird.
Summary:
Die bevorstehende Documenta 16 in Kassel, kuratiert von Naomi Beckwith, steht im Zeichen der Aufarbeitung der umstrittenen Vorgängerschau. Eine Konferenz des Documenta-Instituts widmete sich der Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Theorie. Beckwiths eigene Ausstellung in Paris, die den Einfluss französischer Denker auf die US-Kunst untersuchte, gab einen Vorgeschmack auf ihre Herangehensweise.
Die Konferenzteilnehmer diskutierten kontrovers: Während der Kulturwissenschaftler Philipp Fels einen neuen Theoriehunger bei Studierenden feststellt, warnt der Politikwissenschaftler Oliver Marchart vor einem wachsenden Anti-Intellektualismus, der sich in Trends wie Immersion und Authentizität äußere. Als historische Beispiele für die gelungene Synthese von Kunst und Theorie dienten der legendäre Merve-Verlag und die Documenta 14, die Institutionskritik räumlich umsetzte. Obwohl Beckwith ihr Konzept noch nicht preisgegeben hat, deuten ihre bisherigen Arbeiten darauf hin, dass Theorie und politische Reflexion auch 2027 eine zentrale Rolle spielen werden.
Eine Rückkehr zu einer unpolitischeren Kunst ist demnach nicht zu erwarten.
FAQs
Die Documenta in Kassel ist eine weltweit bedeutende Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Die nächste Ausgabe, die Documenta 16, beginnt im Jahr 2027 unter der Leitung von Naomi Beckwith.
Die Tagung beschäftigte sich mit dem Zusammenhang von Kunst und Theorie, insbesondere der Frage, wie viel Theorie in der Kunst steckt und umgekehrt.
Naomi Beckwith kuratierte die Ausstellung 'Echo Delay Reverb' im Palais de Tokyo, die sich mit der Rezeption französischer Theoretiker wie Foucault und Derrida in der US-amerikanischen Kunst seit den 1970er Jahren befasste.
Der 'Discursive Turn' bezeichnet die Entwicklung, dass der Ausstellungsraum zum Diskurs- und Theorieort wird, was maßgeblich durch die Documenta 10 im Jahr 1997 geprägt wurde.
Philipp Fels beobachtete einen neuen Hunger nach Theorie bei Studierenden bei nachlassender Politisierung, während Oliver Marchard einen generellen Anti-Intellektualismus im Kunstfeld ausmachte.
Der Merve-Verlag diente als wichtiger Umschlagpunkt für poststrukturalistische Theorie aus Frankreich und wurde in der Diskussion als Beispiel für die Verflechtung von Kunst und Theorie genannt.
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