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Episode 3: Making It Work in the Real World with Russ Glasgow

from Implementation Happy Hour

32m 0s

Episode 3: Making It Work in the Real World with Russ Glasgow

Jakob Springfeld, 24 Jahre alt und Aktivist aus Zwickau in Sachsen, teilt seine Erfahrungen mit dem Publikum, wie er durch persönliche Konfrontationen mit Rassismus und Fluchtgeschichten zum politischen Engagement gekommen ist. Seine Geschichte beginnt mit dem Freund Mostafark, der in Afghanistan geschlagen und in Zwickau Opfer von Rassismus wurde. Dies führte zu einem tiefen Verständnis für soziale Ungerechtigkeiten, insbesondere in einer Stadt, die als „entspannt“ gilt, aber eine dunkle Geschichte von Neonazismus aufweist. Jakob zeigt auf, dass die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland oft durch Vorurteile und fehlenden Austausch verfälscht werden. Westdeutsche sehen den Osten als rechtsorientiert, Ostdeutsche als wohlfühlerisch, was jedoch beide Seiten verfälscht. Die eigentliche Herausforderung liegt in der fehlenden differenzierten Sicht auf soziale Ungleichheiten, die auch in der Wiedervereinigung nicht überwunden wurden. Obwohl Social-Media-Engagement verbreitet ist, ist es für Jakob effektiv, aber nicht ausreichend, da es oft nur eine „Babbel“ ist. Statt dessen betont er die Bedeutung von realen Begegnungen, wie Lesungen oder Schulprojekte, die Gemeinschaften stärken und die Gefahr von Desinformationsbubbles im digitalen Raum verhindern. Er sieht in der kooperativen, lokal orientierten Aktivität – auch bei geringerem Engagement – eine zentrale Rolle für Demokratie und menschliche Werte. Sein Fazit: Aktivismus beginnt nicht mit großen Demonstrationen, sondern mit dem Widerstand gegen Schweigen und die Bereitschaft, in Gemeinschaften aktiv zu sein – egal, ob im Internet, in der Schule oder auf der Straße.

Transcription

4882 Words, 30956 Characters

German
Hallo, herzlich willkommen zurück im Easy German Podcast heute mit Manuel, mit Karri und mit einem wunderbaren neuen Gast. Willkommen bei uns Jakob Springfeld. Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich. Jakob, du bist 24 und du bist Aktivist. Ja, also ich glaube erst mal Aktivist kann ja total vieles bedeuten und ich finde es glaube ich mal wichtig zu betonen, dass Aktivismus nicht nur sein muss und gegen Protest zu organisieren oder ein Social Media Statement abzulassen. Ich glaube sich im Schülerrat, im Betrieb, in der Gewerkschaft, in der Partei, in der Initiative, wo auch immer zu engagieren, all das kann irgendwie Aktivismus sein und vieles mehr. Für mich bedeutet Aktivismus, vor allem mit den unterschiedlichen Leuten in Deutschland ins Gespräch zu kommen, über Demokratie, über Antifasismus, über meine Heimat aus Deutschland. Ich bin in Zwickau und Sachsen aufgewachsen. Genau. Aktivismus bedeutet ja eigentlich nur, man wird aktiv. Man geht raus aus der Passivität und macht aktiv etwas, oder? Manuel, du warst auch mal Aktivist, oder? Ich war. Ja, was machst du aktuell, ist Aktivismus immer politisch? Wo ist die Schwelle? Also wenn man wählen geht, ist man dann schon Aktivist, ich würde sagen, nee, man muss es hat schon was mit Öffentlichkeit zu tun, also dass man rausgeht und mit anderen Menschen in Kontakt tritt und über die eigene Überzeugung spricht. Ja, ich glaube, ich mach's immer ein bisschen davon abhängig, wie schwer es vielleicht auch für unterschiedlich privilegierte Leute ist, aktiv zu sein. Und ich glaube, für manche Leute ist es auch in irgendeiner Art Aktivismus einfach zu überleben und sich durch die 40 Stunden Woche zu kämpfen. Weil das glaube ich, dann manchmal vergessen wird, so ich kann jetzt erzählen, wie toll der Aktivismus ist, der irgendwie Boucher schreibt, ein Podcast sitzt oder auf Demos reden hält. Aber ich glaube, für andere Leute sind die Kämpfe kleiner und sie sind trotzdem irgendwie wichtig und müssen geführt werden. Man muss auch die Zeit und die Energie dafür haben. Ja. Ja, kopf, ich habe dich kennengelernt und ich weiß mittlerweile nicht mehr, ob ich dich erst online gesehen habe oder bei einer Demo. Aber ich glaube, wir sind sicher beides und dann bin ich dir lange gefolgt und treffe dich heute zum ersten Mal persönlich und was mich sehr fasziniert hat an dir ist, dass du sehr jung bist, immer noch mit 24 und dich schon seit vielen Jahren einsetzt für die Demokratie im großen und ganzen. Du hast verschiedene Themen, die hast du gerade schon angesprochen. Kannst uns mal erzählen, wie hat das alles angefangen? Du hast gesagt, du hast bis ins Wickau aufgewachsen, wo ist das, wenn man noch nie in Deutschland war oder vielleicht Zwickau noch nie gehört hat? Ja, Zwickau ist eine Stadt mit 90.000 Einwohner*innen im West Sachsen und mittlerweile wahrscheinlich nur noch 85.000 und lange Zeit war Zwickau für mich einfach meine entspannte Jugend, Stadt und Heimat. Ich bin da irgendwie in Jugendsten von New Yorkerster gegangen, um Trumpete zu spielen. Ich habe mich ja Wochenende mit Freunden getroffen, um Fußball zu spielen, von Rechtsextremismus, Rassismus und Kuh habe ich damals maximal wenig mitbekommen und ich glaube, so geht es auch total vielen weißen privilegierten Leuten wie mir, selbst an Orten wie Zwickau, die bekannt für ihre rechte Szene sind. Lassen sich die Dinge aus privilegierter Perspektive ziemlich leicht auspländen. Für mich ist das relativ schnell ziemlich absurd gewesen, denn Zwickau ist halt nicht nur meine entspannte Heimatstadt, sondern auch eine Stadt in der der Nationalsozialistische Untergrund untertauchen konnte. Also in meiner Heimatstadt hat eine neonazistische Terrorgruppe gelebt, die neun Menschen mit Migrationsgeschichte und eine Polizistin in Deutschland ermordet haben. Und so ist, glaube ich, meine Plase nach und nach zum Platzen gekommen, spätestens damit, dass ich meine Eltern ehrenamtlich begonnen haben, in der Arbeit mit geflüchteten zu engagieren. Und in dieser Zeit habe ich einen ziemlich guten Kumpel namens "Mostafark" kennengelernt und spätestens als mir "Mostaf" also davon erzählt hat, dass für ihn eben die Kontinuität die Geschichte von Gewalt in seinem Leben mit der Ankunft in Zwickau nicht vorbei gewesen ist, weil er in Afghanistan gewalt erlebt hat, weil er bei der Flucht über das Mittelmeer gewalt erlebt hat, bei der seine kleine Schwesterartrunken ist. Und weil er dann in Zwickau gewalt erlebt hat in Form von Grastismus spätestens in dieser Zeit, dachte ich mir dann, dass ich auf "Butouch" gesagt habe, jetzt vielleicht ein ziemlich großes Arsch noch sein musste, wenn ich weiterhin irgendwie nichts sage oder über Grastistische Witze lache und all diese Dinge so stillschweigenden nehme. Interessant, du hast also diesen Freund kennengelernt "Mostafark" und dann hast du erst mal gemerkt okay, anderen Menschen geht's hier da, wo ich mich sicher und gut fühle, eben nicht so, die fühlen sich hier nicht sicher und gut, was hast du denn dann gemacht, also wie alt warst du da, erst mal? Also ich habe "Mostaf" also ungefähr mit 15 Jahren kennengelernt und ja wie schon auf jeden meine Eltern haben in dieser Zeit so Treffen mit geflüchteten organisiert, wo ich viele Freunde gefunden habe und wir haben dann zum Beispiel begonnen mit der Schulklasse so Deutsch lernen Paare, ja passend zum Podcast zu organisieren, also ein paar Leute aus meiner Klasse haben dann so Nachhilfe gegeben für Menschen, die nach Zwickauer geflüchtet waren und das war zum Beispiel ein was, wo ich wirklich gemerkt habe, das hat auch irgendwie die Stimmung in meiner Klasse so ein bisschen zumindest verbessert, weil davor wurde glaube ich viel übereinander gesprochen, gerade in Zwickauer gibt es sehr häufig wenige Berührungspunkte und dann sind so einzelne Dinge entstanden, die ich auch mit versucht habe zu fördern, wo man dann halt miteinander gesprochen hat und in dieser Zeit ist dann so nach und nach auch "Fridays for Future" die Klimaschutzbewegung großgeworden und ich glaube ich war davor gar nicht so interessiert an Klimaschutz und all diesen Dingen, aber spätestens das hat glaube ich sehr an meinen Bewusstsein getragen und ich dachte mir sowas muss doch irgendwie auch in Zwickau möglich sein, auch hier müssen doch Leute irgendwie Angst davor haben, irgendwann oder schon jetzt nicht mehr sicher auf diesen Planeten wo und zu können und da kam einst zum anderen und genau in dieser Zeit sind dann eben auch die ersten Probleme mit Neonazis aufgetreten, jetzt hast du viel aus deiner Heimatstadt Zwickau erzählt, Zwickau liegt im Osten von Deutschland, in ehemals Ost-Deutschland, wir drei haben diese Teilung Deutschlands ja gar nicht so aktiv wahrgenommen, du warst noch nicht mal am Leben als die Mauer gefallen ist und trotzdem haben wir das gerade in den aktuellen Zeiten super präsent, Ost-Deutschland, West-Deutschland denn gerade so dass er starken der AfD findet ja besonders stark in dem Osten von Deutschland statt, wann ist dir das so bewusst geworden, also hey ich komme aus Ost-Deutschland und hier gibt es diese Tendenzen, du hast auch ein Buch, zwei Bücher darüber geschrieben, ne, also dein erstes Buch heißt "Unternazis Jung, Ost-Deutsch gegen Rechts" und das zweite Buch heißt "Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert, warum das er starken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist". Ja also sehr lange war mir das überhaupt nicht bewusst, dass irgendwas an Ost-Deutschland vielleicht besonders oder anders sein könnte, weil ich bin in meiner Jugend der eigentlich nicht groß rausgekommen habe, vor allem Zwickau, Trästen und Leipzig andere Städte in Sachsen wahrgenommen und gesehen, ich glaube für mich hat sich da vor allem was verändert in dieser Fridays for Future Zeit, als wir mit Klimaschutzprotestene auf die Straße gegangen sind, denn in dieser Zeit wurden wir immer wieder auch von Westdeutschen Journalistinnen angefragt um irgendwie über die Klimaschutzbewegung in Ost-Deutschland zu sprechen, es ging dann immer in den Fragen konkret eben auch um Ost-Deutschland, weil in Ost-Deutschland viele der Klimaschutzprozesteheit von neonazistischen Anfeindungen betroffen waren, so auch wir damals in meiner Heimat statt Zwickau und da habe ich gemerkt, dass das einfach Westdeutsche Klimaschutzaktivisten häufig andere Fragen gestellt bekommen haben, da ging es eben darum, was sind gerade die Ziele und die Forderung, mit denen ja auf die Straße geht und wenn wir gefragt wurden, dann haben wir immer gehofft, dass wir jetzt auch über unsere Ziele Forderung und Vorstellungen sprechen können, aber meistens ging es dann primär darum, das gefragt wurde ja, wie war das als dann den Nazis euch betrot konfrontiert haben? Es ist krass, weil eigentlich gibt es Ost- und Westdeutschland nicht mehr, es gibt einfach eine Bundesrepublik Deutschland, aber diese innerdeutsche Grenze, die existiert dann in den Fragen der Journalisten und in dem, was man dann versucht zu erreichen, in dem Moment auf so einer Demo vielleicht auch. Ja, und ich glaube, dass es in den Teilen auch in Reflex von Westdeutschen ist, um nicht über die eigenen Probleme vor der eigenen Haustür zu sprechen, denn erstens ist die rechtsextreme Szene in Ost-Deutschland ja nicht im Luftlernraum entstanden, sondern gerade nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland sind teilweise gezielt neonazies aus Westdeutschland in den Osten gezogen, um dort dieses Szene mit aufzubauen, bei sie eben auf Arbeitslosigkeit, soziale Probleme und ähnliches gestoßen sind und da die Bedingungen vielleicht einfacher waren, mit diesen rassistischen Ideen beispielsweise Fuß zu fahren. Und dann ist es natürlich auch heutzutage noch so, dass Leute im Osten weniger verdienen, weniger erben und weniger in hohen Ämtern repräsentiert sind, als dass mit Westdeutschen der Fall ist. Und ich glaube, deswegen sag ich immer für mich, ich spreche nicht über Ost und Westdeutschland, weil ich diese Teilungen betonen möchte, oder weil ich das so toll finde darüber zu sprechen, sondern ich spreche darüber, damit zukünftig, hoffentlich nicht mehr darüber gesprochen werden muss, weil sich die Lebensbedingungen noch mehr angepasst haben. Gleichzeitig, glaube ich, aber das ist auch ein Problem, dass wir häufig über Ost und Westdeutschland sprechen, aber z.B. nicht über Stadt und Land und andere Gefälle und Ungleichheiten, die in diesem Land eben parallel auch existieren. Vielleicht kannst du uns mal erzählen aus deiner Perspektive, was ist denn das, was dich heute am meisten stört? Also wenn man sich jetzt anguckt oder jemand, das vielleicht guckt aus einem anderen Land, der noch nie in Deutschland war, dann kann man sich vielleicht die freigestellt, okay, Deutschland war irgendwie 41 Jahre geteilt und ist jetzt fast so lange wieder zusammen. Was sind denn heute die Probleme, die wir immer noch haben? Du hast ja gerade schon beschrieben, dass es dir zum ersten Mal bewusst geworden ist, als Leute erst mal aus dem Westen zu dir gekommen sind und dich anders behandelt haben. Wie würdest du das heute sehen? Ja, ich glaube es mangelt das ein oder andere Mal noch immer einfach an Austausch. Also ich treffe immer noch häufig Leute bei Lesungen in Westdeutschland, die mir erzählen, dass sie noch nie oder erst ein oder zwei Mal in Ostdeutschland überhaupt gewesen sind. Und auch dadurch existieren, glaube ich, einfach Vorurteile auch in beide Richtungen. Also viele Westdeutsche meinen über den einheitlichen Osten sprechen zu können und viele Ostdeutsche meinen über den einheitlichen Westen sprechen zu können, obwohl das halt so einfach nicht funktioniert. Und auch in Westdeutschland gibt es ja beispielsweise im Rohrgebiet in Nordrhein-Westfalen große Gebiete in den große Transformationen stattgefunden haben, wo Leute auch von Armut betroffen sind, wie es vielleicht in denlicherweise vor ein paar Jahren in Ostdeutschland passiert ist. Und einerseits wird so getan, als wären wir wieder das große eine. Aber man ist es eigentlich noch nicht. Und andererseits wird glaube ich einfach zu wenig differenziert. Und ja, also, wenn halt immer wieder auch über den Frauen oder neonazistischen Osten gesprochen wird, dann ist es halt für Leute wie mich und auch ganz viele andere Menschen in Ostdeutschland, die eben nicht für diesen Neonazismus stehen. Ich glaube ich immer wieder ziemlich bitter, das so zu erleben. Gleichzeitig darf der Ostdeutsche Abwehr Reflex dann auch nicht bedeuten, dass man darüber einfach nicht mehr spricht und die Probleme unter den Tisch kehrt. Weil es gibt natürlich ein großes Problem mit Neonazis und extrem rechten auch verstärkt in Ostdeutschland. Was würdest du sagen? Ich mein, du hast das jetzt gerade schon halt beantwortet. Was sind denn die großen Missverständnisse? Vielleicht gehen wir mal auf beide Seiten. Du hast gerade darüber gesprochen, welche Missverständnisse Menschen im Westen haben. Teilweise, also das wäre zum Beispiel sowas wie, da sind alle Leute rechts im Osten, dass das größte Missverständnis ist. Was würdest du sagen, was gibt es noch für Missverständnisse? Ja, viele sagen zum Beispiel nach Landtagswahlen, in denen die AfD in Ostdeutschland besonders stark abschneidet, in Westdeutschland zu setzen. Wie da müssen wir halt wieder die Mauer hochziehen oder wir kürzen den Leuten, dazu üben einfach die Finanzierung weg für ihre Politik, für ihre Projekte, alles Mögliche. Und ich finde, das ist eben eine sehr egoistische Haltung, die ausplendet, dass auch Westdeutsche Politik dazu geführt hat, dass in Ostdeutschland die AfD stärker ist, als sie das vielleicht in Westdeutschland ist. Und ich glaube, das ist keine Entschuldigung. So die Ostdeutschen sollten nicht sagen. Die Westdeutschen haben uns ungerecht behandelt. Das nehmen wir als Begründung dafür, um jetzt die AfD zu wählen, die an diesen Bedingungen nach meiner Wahrnehmung und auch nach dem, was ein Wahlprogramm steht, wirklich nichts verbessern würden. Und gleichzeitig, glaube ich, müssen wir halt im Jahr 2026 einfach versuchen, gemeinsame Lösungen zu finden und versuchen, in Gesamtdeutschland die Dinge sozialgerechter, demokratischer Aufzustellen, um ein ganz konkretes Beispiel zu nennen. Mein Papa arbeitet im Volkswagenwerk in Zwickau und aktuell wird diskutiert, dass dieses Werk schließen könnte. Und ich glaube, mein Papa fühlt sich anderen Autoarbeiter in Westdeutschland häufig sehr, sehr viel näher, als irgendein Akademiker oder Student in Berlin oder Leipzig, nur weil das vielleicht auch gerade beides in Ostdeutschland liegt. Und ich glaube, genau so sollten wir unsere politischen Vorderungen verknüpfen auf Ungleichheiten hinweisen, aber niemals, dass einer gegen das andere ausspielen. Was sind denn die Missverständnisse oder Vorurteile, die im Osten, wo du aufgewachsen bist, gegenüber dem Westen von Deutschland existieren? Ja, ich glaube, zum einen, dass dort so ein großer Wohlstand vorhanden ist und dass es irgendwie keiner Armut in Westdeutschland gebe. Und es ist natürlich auch so, dass manche Leute in Ostdeutschland weniger verdienen, aber auch weniger Miete zahlen, beispielsweise. Und in Westdeutschland verdienen einige Leute mehr, aber zahlen auch in den größeren Orten mehr Miete. Und ich glaube, allein dieses Beispiel zeigt, wie genau man hinkucken muss, um so einer komplexen Lage irgendwie gerecht zu werden, wenn man das analysiert. Und ich glaube, viele wählen da sehr verkürzte Antworten auf, sehr, sehr komplexe Fragen. Und gleichzeitig, glaube ich, es gibt nicht dieses eine Vorurteil, aber ich glaube, Westdeutschland ist halt mit vielen Hoffnungen verbunden gewesen, nach der Wiedervereinigung und diese Hoffnungen wurden halt für einige Anteilen enttäuscht. Und das hat, glaube ich, eine große Verunsicherung und große Störgefühler ausgelöst. Gleichzeitig, ich hoffe, dass es jetzt nicht zu schwer verständlich ist. Ich glaube, viele Ostdeutscher verglichen im Jahr 2026 ihre jetzigen Lebensbedingungen sehr, sehr gerne mit den Lebensbedingungen in Westdeutschland, aber eben nicht mit ihren eigenen Lebensbedingungen von vor 30 Jahren, wo sie sehen würden, dass sich vieles verbessert hat. Und sie vergleichen ihre Lebensbedingungen auch häufig nicht mit Menschen in anderen Postsophiertlichen Staaten, wo die Lebensbedingungen auch häufig sehr, sehr viel schlechter sind als in Ostdeutschland. Und ich finde, dass es gar nicht so leicht, einerseits die Probleme nicht abzuerkennen und wegzuwischen, aber andererseits auch nicht permanent in so einer Opferrolle, über Ostdeutschland zu sprechen, die ich auch falsch finde. Ist aber ein Gesamtdeutsches Ding, dass wir immer, also dass wir immer nur uns beklagen und ein bisschen vergessen, wie gut uns eigentlich hier insgesamt geht in Deutschland. Darüber sprechen wir sehr oft in diesem Podcast, diese deutsche Beschwerde, Mentalität, die ja dann auch viele Leute aus dem Ausland schnell wahrnehmen, wenn man hier ankommt. Ja, ich meine, es ist schon noch die Frage, gibt es dieses deutsche Wir überhaupt? Also ich meine, dass es uns gut geht, fast auch eine ganze Gesellschaft zusammen, die ich glaube ich schwer zusammenzufassen finde. Ja. Und aus meiner ganz persönlichen Perspektive sich, das glaube ich ganz genau wie du, keine Ahnung, ich war von einem Monat irgendwie in Kierf und dann kommt man zurück und im Zug geht die Klimaanlage nicht und Leute regen sich eine Stunde lang bei der Bahnbegleiterin darüber auf und man fragt sich so ja, in welcher Welt bin ich ja eigentlich gerade gelandet, im Vergleich zu all den anderen Realitäten, die es auf dieser Erde gibt. Gleichzeitig verstehe ich und die Frust des VW-Arbeiters in Zwickau, dass er gerade Angst hat, sein Choppy darf verlieren zu können oder Leute, die von Bürgergeld betroffen sind, darauf angewiesen sind, auf einem starken Sozialstaat und gerade erleben, dass sehr, sehr viele Kürzungen stattfinden und dadurch auch Existenzen betrot sind. Deswegen, ja, ich finde beide Perspektiven wichtig. Ist ja auch nicht jede Beschwerde gleich Beschwerde, aber dieses sich beschweren auf hohem Niveau, ist vielleicht eine Sache, die ich würde schon sagen, wir in Deutschland gerne machen und das direkt sein. Also überhaupt Sachen, die einen Stören anzusprechen, das macht man schon schneller, als in einigen anderen Ländern, würde ich aus meiner Wahrnehmung sagen. Ja, man spricht es so vereinzelt an, zum Beispiel in sozialen Medien oder Netzwerken. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass Deutsche zum Beispiel so ein Protest wollen, das Land oder eine Bevölkerung sind. Ich habe den Vergleich zu den Franzosen, gehen wir nicht so viel auf die Straße. Zum Beispiel. Und ich glaube genau, das ist auch das, wo ich voll mitgehen würde, was mich auch so stört. Also ich finde, es ist okay mal zu meckern und sich zu beschweren. Aber dass so viele Leute meckern und sich beschweren, die eigentlich die Möglichkeiten hätten, um sich einzubringen, in politischen Initiativen und anderen Dingen, um Dinge wirklich zu verändern und es einfach nicht tun, das ist halt sehr problematisch. Gibt mir doch mal ein paar konkrete Tipps. Also ich bin doch jetzt jemand, der sich tatsächlich relativ oft beschwert, ich nutze hier meine Plattform im Podcast. Und im Vergleich zu damals, da hast du recht Kari, mich vielleicht jetzt nicht mehr so oft, auf Demonstrationen begebe, Geber oder. unter Schriftenkampagnen, unter Stütze, was sind Optionen für jemanden, der sich politisch engagieren will. Wie kann man sich in Deutschland politisch engagieren? Ich glaube es gibt so viele Möglichkeiten, dass die erste, so dumm wie das auch klingt, Sache für mich immer ist zu sagen, sucht euch zwei, drei Leute und diskutiert genau diese Frage mal. Und was könnte das dann für euch vor Ort bedeuten? Weil ich glaube, sich politisch zu engagieren kann in Berlin ganz anders aussehen als in meiner Heimat Statzwickau beispielsweise. Und es gibt so viele unterschiedliche Wege. Ich glaube das wichtigste, was ich immer wieder sage ist, ich glaube es ist schwer zum Beispiel Menschenfeindlichen Kräften zu widersprechen, wenn man alleine ist. Aber sobald man auch schon zu zweit oder zu dritt darstellt, darstellt, darstellt, ist es glaube ich sehr, sehr viel einfacher und besser auszuhalten. Und ich glaube viele in Deutschland meinen, dass die politisch neutral sein können und sich als einen raushalten können. Aber verstehen halt nicht, dass diese Neutralität gar nicht neutral ist. Es gibt keine Neutralität. Weil Schweigen bedeutet, man stimmt halt dem Zweifel, dem Hass der Menschenfeindlichkeit oder irgendwelchen Neonazis zu. Und ja, wo man aktiv werden kann, in Initiativen Gewerkschaften, Parteien, man kann seine eigene Gruppe gründen, man kann am Familientisch mit Leuten diskutieren auf der Arbeit irgendwie widersprechen. Ich glaube es gibt sehr, sehr viele Wege. Aber die sind ja nicht alle gleich oder haben nicht den gleichen Effekt. Also der Klassiker vielleicht ist ja dieses Engagement auf Social Media, dass man eben was postet oder was repostet und da so sein Ausdruck oder sein Profilbild ändert. Und in mir, wenn ich sowas sehe, das ist eine politisches Engagement, wo ich persönlich gar nicht mit mache. Einerseits, weil ich sowieso nicht so viel Social Media benutze privat. Aber andererseits, weil ich auch einfach riesige Zweifel daran habe, dass das irgendwas bringt. Weil es ist doch eine Babbel. Du hast jetzt eigentlich alles Sachen erzählt, die in der echten Welt stattfinden. Aber wobei du machst, eigentlich beides. Du bist auf Social Media Präsent und du schreibst auch Bücher und gehst vor Ort hin, machst Lesungen, diskutierst mit Leuten. Was ist denn nach all den Jahren bei dir hängen geblieben? Also was empfindest du als Effektiv? Effektiv, aber auch zufriedenstellen. Weil klar, theoretisch kannst du mit einem Post auf Instagram 5000 Leute erreichen. Und auf der Straße eben vielleicht nicht so schnell. Auf der anderen Seite ist es vielleicht auch nicht das, was man will. Ich glaube, ich kann es vielleicht an einem Beispiel ganz gut erklären. Ich hab aktuell häufig bei Lesungen an Schulen, so Kinder vor mir sitzen, die mir erzählen, dass es keine Schulsozialarbeiterin mehr gibt. Weil kein Geld mehr dafür zur Verfügung steht. Die mir erzählen, dass kein Bus fährt. Die mir erzählen, dass ihr Jugendzentrum nicht mehr existiert. Weil kein Geld mehr dafür ist, diesen Raum zu erhalten, wo sich junge Leute irgendwie treffen können. Und ich glaube, mit jeder, mit jedem Raum, wo sich Menschen im realen Leben treffen, der verschwindet, verbringen mehr Leute zeit alleine, mehr Zeit zu Hause, mehr Zeit im digitalen Raum. Und sind dann dort wieder anfällig für anti-demokratische Inhalte. Die Leiter auf vielen Plattformen noch immer stärker vertreten, sind als demokratische Inhalte. Und ich glaube, unsere Aufgabe ist es beide Räume nicht den Demokratiefeilen zu überlassen. Weil wenn das Jugendzentrum weg ist, dann stärkt das im Zweifel, die Desinformationsanfällige Social Media bubble. Und wenn aber der demokratische Inhalt auf Social Media weg ist, dann fällt es vielleicht schwieriger im Jugendzentrum gemeinsam miteinander demokratisch zusammenzuarbeiten und sich eben nicht perbernend voll zu pöwen. Also beides ist echt. Es hat mich jetzt daran erinnert. Ich glaube, die AfD ist extrem erfolgreich. Und die anderen Parteien haben das ein bisschen verschlafen, dass man da auch präsent sein muss und diese Zielgruppe erreichen muss. Ja, und ich glaube auch, dass Social Media halt auch eine riesen Chance sein kann. Also es gibt ja zum Beispiel richtig viele Leute, die in einem kleinen Dorf wohnen und zum Beispiel Queer sind oder von Rassismus betroffen sind. Und die vielleicht niemanden in diesem Dorf haben, mit dem sie darüber reden können. Glücklicherweise gibt es zum Beispiel Discord, Channels und Gruppen, wo solche Leute Hilfe finden, wo Leute sich Leute austauschen können, mit Menschen, die in ihrem kleinen Ort vielleicht einfach nicht existieren. Und ich glaube, diese Chance muss man schon auch versuchen, zu sehen und zu nutzen. Weil wenn wir diese Chance nicht sehen und nutzen, dann tun es andere und die extreme Rechte ist ja auch international wirklich bestens vernetzt. Ja, und jeder kann auch vielleicht für sich entscheiden, wie, also klar, eine Möglichkeit wäre einfach zu sagen, ich bin frustriert. Von den ganzen Scheiß auf Social Media, ich meld mich ab bei Instagram. Hast du das schon gemacht? Nee, noch nicht ganz. Bei Twitter habe ich mich abgemeldet. Genau, eine andere Möglichkeit ist vielleicht auch zu gucken, wie kann man, ich nenne das mittlerweile Algorithmus Hygiene. Wie kann ich meinen Profil, meinen Algorithmus irgendwie mit Sachen füllen, die Sinn machen? Wie kann ich mich mit Leuten vernetzen, die Sinn machen? Weil das, was du sagst, hat auch mein Leben ein nicht total positiv geprägt. Ich kenne echt, ich habe Freunde gefunden, die ich eigentlich durchs Internet kenne. Und wir haben irgendwie schon so früh, dass die Möglichkeiten des Internets genutzt. Also wir haben ja, wir sind eigentlich das beste Beispiel, die wir etwas mit unseren Medien im Internet verändern. Und das kann ja jeder auch im Kleinen machen. Es kann jeder gucken, okay, vielleicht umgebe ich mich mit Menschen, vielleicht folge ich Menschen, die mich inspirieren statt. Menschen, die ich nur aus, weiß nicht, Verachtung an Kucker. Und vielleicht folge ich auch Themen, die interessant sind, wo ich was lerne. Und nicht Sachen, die mich eben vielleicht eher bedrückt machen. Ja, das ist ja auch das Schönemaktivismus. Das ist ja eigentlich auch für jeden irgendwie eine Rolle und einen Job da sein kann, der ganz unterschiedlich ist. Also es muss nicht jeder die Social Media Statements raushauen. Aber wenn es halt keiner macht, dann machen es halt irgendwie Demokratiefeinde. Und es muss auch nicht jeder auf der Demo vorne stehen und eine Rede schreien. Wenn es keiner macht, wäre es auch ein Problem. Aber es steht ja hinter jedem. Aktivismus muss noch so viel dahinter und über hinter jeder Rede, die gehalten wird. Steht erst mal eine Bewerbung nach Veranstaltungen. Stehen grafikerin. Stehen irgendwie Leute, die inhaltliche Ausrichtungen arbeiten. Und ich glaube, das kann sich perfekt ergänzen. Und jeder kann glücklicherweise mit seinen Skis, die mitgebracht werden, irgendwie seinen Teil dazu beitragen. Ja, kop, jetzt hast du ganz schön oft hier die extreme Rechte erwähnt und Neonazis und die AfD. Und das stimmt ja auch, dass all diese Parteien und Gruppierungen ein Aufwind haben in Deutschland. Wir sprechen da hier öfter drüber im Podcast. Kannst du vielleicht als allererstes noch mal kurz nach Einordnung machen, wie stark das so insgesamt ist, also wie viel von Deutsch, also wie viel der deutschen Bevölkerung. Ist aber eine schwere Frage. Ja, aber ich habe einfach Sorge, dass ein falscher Eindruck entstehen kann, dass Menschen im Ausland denken, die wir Deutschland jetzt schon von Nazis regiert so. Und zum anderen, was würdest du jemandem sagen, der sich überlegt, soll ich jetzt überhaupt nach Deutschland ziehen? Also erst mal, das weswegen ich hier lebe und weswegen ich mich auch sogar freue, in Sachsen zu leben, im Bundesland, in dem die AfD sehr stark ist, ist der Grund, dass es dort sehr, sehr viel stabile unterschiedliche Menschen mit verschiedenen politischen Meinungen gibt, auch mit verschiedenen politischen Meinungen, die eben nicht demokratiefeindlich und neonazistisch sind. Und ich glaube, darauf aufzubauen, ist total wichtig und auch zu wissen, dass es auch in kleinen Orten Dinge gibt, worauf sich demokratisch aufbauen lässt. Das macht mich, glaube ich, mal wieder sehr stolz und froh. Und es ist natürlich auch einfach reinfaktisch, so dass eine Mehrheit in diesem Land demokratische Parteien will. Gleichzeitig machen wir die demokratischen Kräfte in diesem Land natürlich auch manchmal Angst, weil sie sich in den Teilen der AfD auch annähern oder schlauben, indem sie Futterung der AfD aufnehmen, könnten sie die AfD damit schwächen, was offensichtlich seit Jahren nicht wirklich gut funktioniert. Und das bewiesenermaßen nicht funktioniert. Die Leute wählen dann das Original. Ja, absolut. Und deswegen, ich glaube, das Problem ist auch nicht nur die AfD, sondern sind vor allem auch Leute, die schweigend daneben stehen und die nicht sagen. Und davon gibt es natürlich meiner Meinung nach noch zu viele Leute in diesem Land. Aber was sich Leuten empfehlen würde, die überlegen, hier hinzuziehen oder nicht hinzuziehen. Ich würde sagen, es gibt leider aktuell wenige Orte an der Welt, wo es nicht auch nur gefahren mit demokratiefeindlichen Kräften und Neonazis gibt. Und ich finde überall ist der Kampf gegen Menschenfeinde und demokratiefeinde wichtig, ob in Deutschland oder auf anderen Kontinenten und ich für meinen Teil versuchen, immer wieder bewusst zu machen, dass es in Deutschland auf jeden Fall gerade noch viele Möglichkeiten gibt, gerade im Vergleich zu Ländern, in denen der Autoritärismus schon viel weiter vorangeschritten ist, um jetzt noch gegenzusteuern. Und ja, es ist für mich aktuell manchmal gefährlich, irgendwo, Irgendwo. im ländlichen Raum, in einem kleinen ordnen Lesung abzuhalten, weil da manchmal Neonazis vor der Tür stehen. Aber ich weiß auch, wenn ich jetzt dort nicht diese Lesung mache, dann ist die Gefahr in zehn oder zwanzig Jahren, kann sie zehnmal so groß sein, wenn alle jetzt schon davor zurückschrecken, aus Angst, nichts mehr zu sagen, nichts mehr zu tun. Und der letzte Punkt ist vielleicht, da es gibt so viele Leute, gerade in meiner Heimat stattzukommen, wenn du irgendwie queer bist und 13 Jahre alt bist, bei deinen Eltern wohnt, du kannst da gar nicht wegziehen. Du lebst da, du kannst diese Stadt nicht verlassen, du hast keinen Ausweg. Ich könnte meine Klapper halten, ich musst du mich nicht politisch positionieren. Hätte wahrscheinlich irgendwann meine Ruhe und genau diesen einfacheren Weg aber nicht zu gehen und zu checken, dass ganz viele mit diesem Problem konfrontiert sind, die das gar nicht aktiv ausgewählt haben mit ihrer Positionierung. Ich glaube, das sollten sich viele Leute bewusst machen, die Angst haben, wo andere Leute Angst haben müssen. Jakob, du bist auf jeden Fall eine Inspiration. Für mich, ich hoffe, für viele, die heute zugeschaut haben. Wo kann man dir folgen? Du hast zwei Bücher geschrieben. Die werden wir auf jeden Fall verlinken. Vielen Dank. Wo können die Leute dich finden? Einfach unserer Jakob mit K- und Nachnahme springfällt, auf eigentlich so wie allen Kanälen am liebsten auf Instagram. Vollt die Jakob, da lernt ihr dann auch noch ein paar andere interessante Menschen kennen, mit denen du immer wieder zusammenarbeitest und ich finde, das ist auch etwas, was man tun kann. Positiv bleiben und auch Menschen folgen, die selber inspirieren und selber vor Ort aktiv sind. Danke dir, Jakob, dass dir was. - Danke, ich hatte viel Spaß gemacht. Tschau. - Tschau. Tschüss. * Musik * [Musik]

Podcast Summary

Key Points:

  1. Aktivismus bedeutet nicht nur Proteste oder Social-Media-Statements, sondern aktives Engagement in Gemeinschaften wie Schülerräten, Gewerkschaften oder Initiativen.
  2. Jakob Springfeld aus Zwickau in Sachsen begann seinen Aktivismus in der Jugend, als er durch den Erfahrungen seines Freundes Mostafark mit Rassismus und Flucht-Entwürfen konfrontiert wurde.
  3. In Zwickau wurde er aufmerksam, dass die Stadt – trotz ihrer "entspannten" Reputation – eine Geschichte von Neonazismus und Gewalt aufweist, was ihn zu einem politischen Engagement führte.
  4. Die Diskussion über Ost- und Westdeutschland zeigt, dass Vorurteile beidseitig existieren: Westdeutsche sehen den Osten als rechtsgerichtet, Ostdeutsche sehen den Westen als wohlhabend und arbeitslos.
  5. Es fehlt an echtem Austausch zwischen Regionen, sodass komplexe soziale Ungleichheiten oft verkürzt oder ignoriert werden.
  6. Social-Media-Engagement ist zwar verbreitet, aber nicht effektiv – wohin es führt, ist unklar, da es oft nur eine „Babbel“ ist und die Realwelt nicht beeinflusst.
  7. Tatsächlich ist der Erfolg von Aktivismus in der realen Welt – wie z. B. durch Schulen, Jugendzentren oder lokale Veranstaltungen – entscheidend, da sie Gemeinschaften und Demokratie stärken.
  8. Jakob betont, dass jeder – unabhängig von der Menge seiner Aktivitäten – einen Beitrag leisten kann, und dass Schweigen oft gleichbedeutend ist mit Zustimmung zu Hass und Feindlichkeit.

Summary:

Jakob Springfeld, 24 Jahre alt und Aktivist aus Zwickau in Sachsen, teilt seine Erfahrungen mit dem Publikum, wie er durch persönliche Konfrontationen mit Rassismus und Fluchtgeschichten zum politischen Engagement gekommen ist. Seine Geschichte beginnt mit dem Freund Mostafark, der in Afghanistan geschlagen und in Zwickau Opfer von Rassismus wurde. Dies führte zu einem tiefen Verständnis für soziale Ungerechtigkeiten, insbesondere in einer Stadt, die als „entspannt“ gilt, aber eine dunkle Geschichte von Neonazismus aufweist.

Jakob zeigt auf, dass die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland oft durch Vorurteile und fehlenden Austausch verfälscht werden. Westdeutsche sehen den Osten als rechtsorientiert, Ostdeutsche als wohlfühlerisch, was jedoch beide Seiten verfälscht. Die eigentliche Herausforderung liegt in der fehlenden differenzierten Sicht auf soziale Ungleichheiten, die auch in der Wiedervereinigung nicht überwunden wurden.

Obwohl Social-Media-Engagement verbreitet ist, ist es für Jakob effektiv, aber nicht ausreichend, da es oft nur eine „Babbel“ ist. Statt dessen betont er die Bedeutung von realen Begegnungen, wie Lesungen oder Schulprojekte, die Gemeinschaften stärken und die Gefahr von Desinformationsbubbles im digitalen Raum verhindern. Er sieht in der kooperativen, lokal orientierten Aktivität – auch bei geringerem Engagement – eine zentrale Rolle für Demokratie und menschliche Werte.

Sein Fazit: Aktivismus beginnt nicht mit großen Demonstrationen, sondern mit dem Widerstand gegen Schweigen und die Bereitschaft, in Gemeinschaften aktiv zu sein – egal, ob im Internet, in der Schule oder auf der Straße.

FAQs

Aktivismus bedeutet, aktiv zu sein und aus der Passivität herauszugehen. Er kann vielfältig sein – beispielsweise im Schülerrat, in der Gewerkschaft oder durch persönliche Gespräche über Demokratie und Antifaschismus.

Jakob begann seinen Aktivismus, als er in Zwickau, Sachsen, mit einem Freund namens Mostafark zusammenarbeitete, der von Gewalt in seiner Fluchtgeschichte und in Zwickau berichtet hat. Dies führte zu einem tieferen Engagement für Menschen mit Migrationsgeschichte.

Jakob betont, dass es keine echte Grenze zwischen Ost und West gibt. Die Diskussion über Ost- und Westdeutschland hilft, auf die sozialen Ungleichheiten und die unterschiedlichen Erfahrungen hinzuweisen, ohne diese zu übersehen oder zu verharmlosen.

Westdeutsche meinen oft, dass der Osten rechtsgerichtet sei, während Ostdeutsche denken, dass der Westen reich und wohlhabend sei. Beide Seiten vermeiden oft komplexe Realitäten und verfallen auf vereinfachte Vorurteile.

Man kann sich beispielsweise in lokalen Initiativen, Gewerkschaften oder Parteien engagieren. Es ist wichtig, nicht allein zu handeln, sondern zu zweit oder drei zu stehen, um Widerstand gegen Menschenfeindlichkeit zu zeigen.

Social Media kann ein wirksames Tool sein, aber Jakob zweifelt an seiner Effektivität. Er sieht es als Babbel, die oft keine echte Veränderung bringt. Allerdings kann es auch wichtige Gemeinschaften schaffen, besonders für marginalisierte Gruppen.

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