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DVS-Special: Wissenschaft & Praxis im Nachwuchsfußball mit Dr. Sebastian Schwab

25m 20s

DVS-Special: Wissenschaft & Praxis im Nachwuchsfußball mit Dr. Sebastian Schwab

DVS-Kommission Fußball: sportwissenschaft.de Unser erster Podcast mit Sebastian: https://www.youtube.com/watch?v=X0OcI_YfY Schwab, S. & Balle, J. (2024). Fußball - Das Praxisbuch für Training, Studium, Schule und Freizeitsport. Berlin: Springer-Verlag. https://bit.ly/3IbQ7Lc Memmert, D., Schwab, S. & Ludwig, C. (2025). Kognitives Athletiktraining im Fußball - Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination und kognitive Fähigkeiten kombiniert trainieren. Berlin: Springer-Verlag. https://link.springer.com/book/9783662712757 Schwab, S., & Balle, J. (2025). Soccer - The Practical Guide for Athletes and Coaches from Weekend Warriors to Elite Competitors. Berlin: Springer-Verlag. https://link...

Transcription

3798 Words, 24650 Characters

Speaker 1Spieltrieb, der Kinder- und Jugendfußball-Podcast von ADVANCE FOOTBALL.
Speaker 2Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Spieltrieb, dem Kinder- und Jugendfußball-Podcast von ADVANCE FOOTBALL. Mein Name ist Marian und diese Woche wartet etwas Besonderes auf dich. Wissenschaft trifft Praxis. Ich war nämlich zu Gast in der DFB-Akademie bei der Fußball-Kommissionstagung der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. Fünf spannende Gäste. Ab jetzt bekommst du jeden Tag ein spannendes Interview auf die Ohren. Es geht unter anderem um Mädchenfußball. Wir haben eine Elternexpertin zu Gast und wir blicken in den Breitensport mit der Frage, was zeichnet erfolgreiche Vereine aus. Außerdem vergleichen wir Spielformate im F-Jugend-Bereich und zeigen euch ein interessantes Turniermodell. Zum Auftakt unseres DVS-Specials sprechen wir mit Dr. Sebastian Schwab, Sprecher der DVS-Kommission Fußball und Dozent an der Sporthochschule Köln. Er erklärt, was die DVS-Kommission Fußball ist und wie sie die Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis schlägt. Außerdem teilt er exklusive Blicke in eine brandneue Studie mit überraschenden Ergebnissen über das Coaching-Verhalten im Jugendbereich. Wie oft rufen Trainer im Spiel wirklich rein? Und wie viel davon besteht aus Kritik oder hilfreichem Coaching? Und jetzt viel Spaß mit Folge 1 unserer DVS-Special-Woche. Hallo Sebastian. Danke für die Einladung. Schön, dass wir hier sein dürfen. Was ist eigentlich die DVS-Kommission Fußball und was macht ihr genau?
Speaker 3Genau. Also die Kommission Fußball ist so ein bisschen oder versucht, das Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis letztendlich zu sein. Das ist auch der Grund, warum wir dieses Jahr unsere Tagung, die alle zwei Jahre stattfindet, hier beim DFB, auf dem DFB-Campus in Frankfurt ausrichten dürfen, weil der Sprecherrat zusammen mit den DFB-Verantwortlichen die Tagung tatsächlich selbst ausrichtet. Normalerweise sind es immer Institute, die sich da zusammentun und das entsprechend ausrichten. Das war heute ein bisschen was Besonderes oder die drei Tage hier ein bisschen was Besonderes. Und die Aufgabe der Kommission Fußball oder des Sprecherrates, also ich bin der Sprecher, aber es gehören noch drei beziehungsweise jetzt nach den Wahlen wieder vier MitgliederInnen entsprechend dazu zu dem Sprecherrat. Und unsere Aufgabe ist es eben die Verzahnung zwischen Wissenschaft und Praxis in gewisser Weise herzustellen, die zu fördern. Und deswegen auch entsprechend so eine Tagung hier auf dem Campus, wo eben Praxis, in dem Fall DFB, die Fußballdozierenden beziehungsweise die Wissenschaftler, die sich im Bereich Fußball entsprechend treffen. Und unsere Aufgabe ist zum Beispiel alle zwei Jahre diese Tagung auszurichten beziehungsweise einen Ausrichter dann auf Institutsbasis entsprechend zu finden. Und alle zwei Jahre, das war jetzt diesmal eine Kombination, organisieren wir auch einen Fußballdozierenden. Eine Fußballdozierenden-Fortbildung, wo es 25 Fußballdozierende aus ganz Deutschland eingeladen werden, also wer möchte von DFB-Site aus für 24 Stunden. Und dann kommt es zu so einem kollegialen Austausch mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen. Und ein Thema war eben beispielsweise am Mittwoch mit Markus Stenger, wie eben zukünftig vielleicht wieder eine Neuausrichtung oder eine bessere Verzahnung eben zwischen DFB und ich sag mal ganz allgemein der Wissenschaft. Und dann eben in Verzahnung. Und dann eben in Verzahnung. Und dann eben in Verzahnung. Und dann eben in Verzahnung. Und dann eben in Verzahnung. Was du als Wissenschaftler nicht in 14 Jahren wahrscheinlich hinbekommst. Also es tut sich was und es wird einfach neu gedacht und viele Seiten oder jetzt die beiden Seiten haben einfach festgestellt, dass es schade wäre, wenn nicht so eine Zusammenarbeit mal wieder neu gedacht werden sollte oder wieder aufgelebt werden sollte.
Speaker 2Okay, super. Jetzt haben wir die DVS-Kommission Fußball kennengelernt. Jetzt möchten wir dich noch ganz kurz kennenlernen. Wer bist du und was machst du im Fußball?
Speaker 3Ich arbeite. Ich arbeite als Fußballdozent an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Mittlerweile seit zwölf Jahren. Bin seit 2009 jetzt an der Sporthochschule in Köln. Habe dann promoviert, eher in so einem sportpsychologischen Thema und nach Promotion und Beendigung meiner A-Lizenz, das war damals die Voraussetzung, um auf die Fußballdozentenstelle zu rutschen, bin ich jetzt seit Oktober 2013 als Fußballdozent tätig. Das heißt, ich unterrichte sowohl im Anfängerbereich als auch. Bei fortgeschrittenen Studierenden unterschiedliche Fußballkurse, auch im Lehramtsbereich bin ich entsprechend tätig. Forschungsschwerpunkte, wie du vorhin schon angesprochen hast, wo ich mal ganz kurz ein bisschen rot geworden bin und mich sehr geschmeichelt gefühlt habe, waren eben Sachen, dass ich viel im Kinderfußball in der letzten Zeit entsprechend gemacht habe. Unter anderem eben, wie du schon angesprochen hast, die Torhöhenreduzierung, aber auch viel eben in den neuen Wettbewerbsformen angeschaut und auch ich keinen Parameter entdeckt habe, der nicht die Vorteile hat. Auf kleinen Feldern mit weniger Spielern entsprechend Fußball zu spielen, gerade bei den Jüngeren. Und bin jetzt seit 2022 Sprecher der DVS-Kommission Fußball. Bin darüber hinaus noch Stützpunkttrainer bei uns in Köln-Müngersdorf, also im Fußballverband Mittelrhein und war auch als Trainer in der Mittelrheinauswahl die letzten Jahre immer mal wieder tätig. Ich habe das jetzt aber ein bisschen zurückgeschraubt aus privaten, zeitlichen Gründen. Ist das ja dein Forschungsstil?
Speaker 2Ich finde deinen Schwerpunkt sehr praxisnah und auch dein Aufgabengebiet sehr praxisnah. Nichtsdestotrotz ist diese Arbeit ja auch extrem wichtig, dass dieser Theorie-Praxisgraben kleiner wird. Was würdest du jetzt sagen, jetzt auch aus der Vergangenheit, wo sind wir da in Deutschland?
Speaker 3Wow. Also da könnt ihr, sind wir auf einem guten Weg. Also mit der Frage könnt ihr, glaube ich, ein Jahr lang Podcasts en masse füllen wahrscheinlich. Also das ist ja schon fast philosophisch. Also ich glaube, da muss man, ist es jetzt bezogen nur auf den Fußball oder reden wir jetzt von Sportpädagogik, Sportphysiologie, Sportgeschichte?
Speaker 2Gerne auf den Fußball, gerne auf deinen Forschungsbereich auch. Welche Erfahrungen hast du?
Speaker 3Ja, also Erfahrungen, die ich so ein bisschen jetzt wirklich, also jetzt sehr subjektiv, die ich einfach gemacht habe, dass gerade was so Höhenreduzierung angeht, was neue Wettbewerbsformen angeht, dass da ein großes Interesse in der Praxis auch besteht, egal ob DFB, kleinere Vereine, wie auch immer. Gerade zu dem Thema haben natürlich wir in Köln das Glück, dass es eine sehr engagierte Trainergemeinschaft gibt, die das sehr gepusht hat natürlich. Und ich habe da nicht Überzeugungsarbeit leisten müssen, sondern mir wurden die Möglichkeiten gegeben, meine Forschung quasi da zu machen, zu dem Thema. Und von daher ist da schon eine gewisse Dankbarkeit, aber dann den Prozess, dass sowas, was ganz viele Leute irgendwie gut finden, sinnvoll finden, wo es eigentlich fast keine zwei Meinungen geben kann, dass das dann irgendwie in die nächste Instanz und zu den Strukturen dann gelangt, die dann diese Erkenntnisse so umsetzen müssen, dass daraus eben das flächendeckend in Deutschland passiert. Ja, das ist halt ein bisschen schwierig in Deutschland oder generell, von daher bin ich da so ein bisschen zwiegespürt. Also der innere Kölner Raum, glaube ich, ist sehr gut, sehr einfach. Wenn man jetzt ein bisschen so größer denkt, der DFB wird ja immer so ein bisschen als Riesenfrachter irgendwie dargestellt, wenn es darum geht, irgendwelche Reformen anzuschieben. Aber ich glaube, wenn der DFB ein Frachter ist, dann muss man sagen, dass das föderale System, das DFB, was dahinter steckt, dann sind es drei Frachter hintereinander, so gefühlt. Also beispielsweise, weil wir uns im Off ein bisschen... Über Trainingsphilosophie, weil das hier Thema war, auch nochmal kurz unterhalten haben. Also ein Hannes Wolf beispielsweise als Gesicht kann Empfehlungen geben, brennt mit seinem Team für sowas. Aber ob das jetzt der Kreisvorsitzende irgendwo in Deutschland dann so umsetzen möchte oder nicht, oder der Landesverbandspräsident oder nicht, damit hat dann Hannes Wolf halt nichts mehr zu tun. Obwohl das... Obwohl das mal gut ist, total sinnvoll ist, richtig ist, wie auch immer ist. Aber das macht es manchmal so ein bisschen schwierig. Und gerade auch bei diesen Höhenreduzierungen und neuen Wettbewerbsformen hat man auch gemerkt, dass es in manchen Landesverbänden einfacher möglich war, das auf den Platz zu bringen, zu den Kindern zu bringen und bei manchen einfach nicht. Und wenn dann schon auf der Ebene aber es zu Ressentiments kommt oder zu Widerständen kommt, na wie soll es dann beim kleinen... Also klein in Anführungsstrichen, beim Trend... ...einer F-Jugendmannschaft in einem Dorf dann irgendwie ankommen, die jetzt nichts mit dem DFB richtig zu tun haben.
Speaker 2Ich glaube, du hast gelernt, oder ich würde es jetzt mal so zusammenfassen, empirische Befunde, die eindeutig sind, überzeugen nicht jeden. Da muss dann andere Überzeugungsarbeit geleistet werden. Ein Beispiel, das mir da auch ein bisschen am Herzen liegt, wir hatten es letztens in der Bambini-Folge davon, es gibt keine einheitlichen Foninio-Regeln, was ich ein absolutes Unding finde. Jeder Fußballkreis hat dann nochmal irgendwie so ein bisschen andere Nuancen, was aber total kontraproduktiv ist für die Kinder, weil... Das sind die Jüngsten, das sind 100 Prozent Fußball-Neulinge, viele Trainer sind Neulinge, viele Eltern sind Neulinge und genau die müssen sich mit einem Regelwirrwarr auseinandersetzen. Da würde ich auch sehr dafür plädieren, dass wir die einfachste Möglichkeit an Regeln entwickeln und das sollte irgendwie dann für jeden zur Pflicht werden.
Speaker 3Aber da sind wir genau wieder bei dem Thema, dass jeder Landesverband halt, was das angeht, auf Kreisebene eigene Hoheitsrechte, entsprechend was so Regelauslegungen angeht. Ich habe jetzt nicht das konkrete Beispiel, was du vielleicht dann letztendlich meinst, da bin ich so ein bisschen zwiegespalten, weil ob das jetzt okay, ob das jetzt Bambini oder F-Jugend, da kann man sich drüber streiten, aber generell ist es schon so, es ist einfach manchmal schon schwierig, Stadt und Land vielleicht miteinander zu vergleichen, weil es keine anderen Voraussetzungen gibt oder Ballungsgebiete und weniger Ballungsgebiete.
Speaker 2Ich meine gar nicht die Turnierorganisationen, da muss man dann auf jeden Fall unterscheiden, ob man in Köln-Mitte ist. Oder in Brandenburg, da geht es einfach rein um die Regeln, also wo muss man eintrippeln, wenn der Ball über die Grundlinie läuft oder so Sachen.
Speaker 3Wobei auch das, okay, das Beispiel kann ich jetzt nachvollziehen, aber zum Beispiel, wenn man jetzt so ein Bambini-Festival oder ein F-Jugend-Festival organisiert und man baut beispielsweise, weil man drei Mannschaften hat und man baut vier Felder auf, weil die Anzahl dann entsprechend so passt, bin ich ja ein großer Befürworter davon, nicht viermal das gleiche aufzubauen. Also das dann in jedem Feld schon andere Regeln. Und dass man beispielsweise sagt, okay, in Feld 1 darf ich ab der Mittellinie ein Tor erzielen, in Feld 2 darf ich erst in der 6-Meter-Schusszone ein Tor erzielen, aber wir spielen auf Minitore und beispielsweise in den beiden anderen Feldern spielen wir auf höhenreduzierte Tore, im F-Jugend-Bereich zum Beispiel. Das finde ich schon sinnvoll, aber jetzt habe ich deine Anmerkung auch, glaube ich, verstanden. Ich habe es vorhin ein bisschen für mich anders interpretiert. Klar, sowas sollte klar sein. Wo wird eingetribbelt? Wird eingetribbelt oder? Okay, eingetribbelt natürlich nicht, aber darf eingetribbelt? Muss eingepasst werden, darf auch hoch eingepasst werden oder nur flach? Das sind so Basics, die sollten irgendwie gleich sein. Und ob man jetzt, wie gesagt, Mittellinie, 6 Meter, Höhen reduziert, Triple-Tor oder sonst was macht, das gehört dann für mich zu einem Festival dazu, das möglichst mit vielen Erlebnissen, unterschiedlichen Erlebnissen einfach zu gestalten.
Speaker 2Weil die Aktionsdichte ist dann möglichst hoch, wenn die Regeln auch klar sind.
Speaker 3Wenn die Rahmenregeln quasi sind. Absolut.
Speaker 2Genau. Ich habe auch noch ein aktuelles Forschungsthema mitgebracht. Da haben wir uns gestern schon kurz drüber unterhalten. Magst du uns einfach ganz kurz vorstellen, was ist der Titel dieser Arbeit?
Speaker 3Ich kann es ganz kurz vorstellen, weil es auch noch nicht beendet ist. Deswegen allzu viel kann ich noch nicht sagen. Das ist auch alles noch nicht irgendwie publiziert. Deswegen alles so ein bisschen mit Vorsicht noch entsprechend zu genießen. Aber wie ich schon angedeutet habe, bin ich ja selbst Stützpunkttrainer in Köln. Mein Jahrgang ist aktuell der 2011er Jahrgang. Das ist also die U15, die ich betreue. Das heißt, ich bin am Wochenende durchaus regelmäßig auf dem einen oder anderen Sportplatz in Köln unterwegs. Mein ältester Sohn spielt auch aktuell U13. Also bin wirklich in diesem Altersbereich durchaus häufig, nicht nur dieses Jahr, sondern generell zu Gange und habe einfach festgestellt und mich auch gewundert, weil mein Trainerverhalten so glaube ich nicht ist, so reflektiert wäre ich, würde ich dann schon das behaupten, dass nachdem ein Anpfiff war in einem U12, 13, 14, 15, dann zählt das. Dann zähle ich innerlich bis drei und dann kommt die erste Ansage vom Trainer, wo ich mir denke, wow, warum trainiert ihr eigentlich dreimal die Woche? Also oder ihr wollt auf der einen Seite, dass Kinder auf dem Feld selbst Entscheidungen treffen und dann gebt ihr denen genau drei Sekunden, bevor die erste Anweisung kommt. Das passt nicht. Und deswegen habe ich mich mit einer Sportpsychologin an der Sporthochschule mal getroffen und ihr das mal so geschildert. Das finde ich eigentlich mal spannend, einfach nur mal so eine Verhaltensbeobachtung entsprechend zu machen. Das, was wir gemacht haben, wir haben knapp 20 Studierende in der letzten Saison auf sämtliche U12 bis U15 Plätze geschickt. Die sollten sich heimlich, still und leise irgendwo in die Nähe von Trainerbänken einfach stellen. Das ist ein öffentlicher Raum, kann ja jeder zuschauen, kann ja jeder Strich auf dem Blatt machen, wie er möchte. Wir haben auch keine Personendaten von den Trainern oder dergleichen entsprechend erhoben, sondern es ging uns einfach wirklich nur darum, ich konzentriere mich jetzt das ganze Spiel auf einen Trainer und wenn dieser Trainer sich äußert, bediene ich meine Strichliste. Und wir haben dann Kategorien gebildet, so ein bisschen um den Kontext abzubilden, also wie viel steht es in dem Moment, Minus 1, Unentschieden, Plus 1, Plus 2, Plus 3. Dann haben wir danach rausgefunden, was für eine Trainerlizenz der Trainer letztendlich hatte. Wir haben uns auch geschaut, welches Leistungsniveau gerade auf dem Platz die Spieler entsprechen, also in welcher Liga die spielen und haben uns unter anderem eben auch angeschaut, wie ist beispielsweise die Äußerung, ist die eher positiv, ist die neutral, ist die negativ. Wird eher taktisch-technisch gecoacht, eher motivational, ist es komplett belanglos, was er da reinbrüllt, ist es eher, dass er ein Spieler, die ganze Mannschaft, den Schiedsrichter anblöckt, seinen eigenen Co-Trainer, geht es komplett gegen die gegnerische Mannschaft, dass er sich die ganze Zeit mit einem anderen Trainer irgendwie abarbeitet. Also haben wir versucht, mal so ein bisschen so ein breites Bild entsprechend zu zeichnen und wie gesagt, was jetzt so die Ergebnisdarstellung angeht, sind wir noch komplett an den Anfängen, aber so 1, 2 ganz spannende Befunde, die ich vielleicht kurz mal anreißen kann, ist, ich habe irgendwo mal aufgeschnappt, ich glaube irgendwo vom DFB, dass so eine sinnvolle Relation zwischen positiv und negativ sollte mindestens 5 zu 1 sein. Also ich sollte schon 5 mal was Positives reinbrüllen, auch wenn ich gerade vielleicht innerlich einer komplett anderen Meinung bin, aber das ist dann eben meine Aufgabe, gerade im Kinder- und Jugendfußball und vielleicht einmal was Negatives, wenn es denn irgendwie sein muss. Ich meine, man muss ja auch mal Fehler ansprechen, das kann ja dann auch was Negatives dann vielleicht entsprechend sein oder wo der Strich dann bei negativ gemacht wurde. Und was man eben sieht, dass es einen starken Zusammenhang, eine starke Korrelation gibt zwischen den Trainerlizenzen und wie dieses Verhältnis entsprechend sich darstellt und tatsächlich, und das muss man jetzt erstmal positiv bewerten, was so TrainerInnen-Ausbildung, vielleicht Verband, DFB entsprechend zu tun hat, dass je besser die Trainerlizenz, umso besser war dieses Verhältnis. Also man findet in A, A-Plus-Lizenz innerhalb der Trainerlizenz, fast keine negativen Äußerungen mehr, eigentlich nur noch positiv und das Verhältnis ist dadurch natürlich viel, viel wertvoller. Während in weiter unteren Stufen und gerade so in dem C- und B-Lizenzbereich ist es fast 60 zu 40, also 6 zu 4, 3 zu 2, also eine komplette Verschiebung, wie es eigentlich sein sollte. Und so Basis-Coach und Kindertrainer-Zertifikat hat es wieder ein besseres Verhältnis, weil vielleicht auch da eher auf pädagogische Dinge möglicherweise eine Ausbildung geschult werden und da es noch gar nicht so sehr um, ich sage jetzt mal, irgendwelche taktisch-technischen Dinge im Fußball vielleicht entsprechend geht. Und der Grund, und das ist jetzt erstmal rein spekulativ, warum vielleicht genau im C- und B-Lizenz diese Diskrepanz zwischen positiv und negativ viel, viel, viel stärker hervortritt, könnte ich mir vorstellen, dass hier viele Trainer, vielleicht dann auch ambitionierte Trainer in Köln, in manchen ambitionierten Vereinen, die vielleicht auch die Trainerleiter der nächsten Schritts
Speaker 2gehen wollen, die vielleicht denken, dass das zu meinem Auftreten dazugehört, um auf mich aufmerksam zu machen und deswegen vielleicht übers Ziel hinausschießen und dann einfach so Spiele durchcoachen. Also vielleicht mal…
Speaker 3Die Frage ist nur, ist da das Spiel, das Spiel in dem Moment der beste Ort, um das reinzurufen? Oder ist nicht vielleicht eine der drei Trainingseinheiten die bessere Möglichkeit, um im Spiel einfach mal entsprechend laufen zu lassen? Vielleicht mal eine kurze Frage an die Zuhörenden. Ich halte dann mal kurz fünf Sekunden inne. Was glaubt ihr denn, wie viele Äußerungen im Schnitt, also wir hatten insgesamt 179 TrainerInnen, die wir uns angeschaut haben. Wie viele Äußerungen kamen denn im Schnitt vom U12 bis U15 Bereich pro Trainer entsprechend heraus? Also wir reden dann quasi von 60 bis, je nachdem, also 60 Minuten ist ein Spiel in der D-Jugend und 70 Minuten in der C-Jugend. Was glaubt ihr denn, wie viele Traineräußerungen pro Trainer im Mittel da entsprechend rauskamen?
Speaker 2Jetzt nicht schummeln, schreibt sofort in die Kommentare. Sebastian zählt gedanklich weiter und kann die Auflösung gleich geben.
Speaker 3Die Zeit sollte reichen. So groß ist die Zahl jetzt auch nicht, dass man da zu viele Nullen hinhängen muss. Aber ich hoffe, dass es erschütternd für den einen oder anderen ist. Die Zahl, die ich präsentiere, sind im Schnitt circa 80. Das heißt, mehr als einmal pro Minute kommt eine entsprechende Ansage von außen. Und auch hier, wie gesagt, ich habe die Daten jetzt noch nicht in Gänze mir komplett bis ins letzte Detail. Aber der Tiefpunkt an Äußerungen, was ich in dem Fall jetzt sehr, sehr positiv bewerten würde, war, glaube ich, ein A- oder ein A-Plus-Lizenzinhaber mit 19 Aussagen. Das finde ich vollkommen okay, vollkommen im Rahmen. Da müsste man sich jetzt auch im Detail nochmal anschauen, ist es eher motivational, eher taktisch-technisch, sehr wenig belanglos und dann meistens auch konkret ein Spieler wirklich helfend angesprochen. den Lauf. Ich weiß es nicht genau, aber es geht in die 244, irgendwie sowas in die Richtung. Da reden wir von vier Aussagen pro Minute. Jetzt gehe ich mal schwer davon aus, dass jeder, der diesen Podcast hört, entweder selbst mal Fußball gespielt hat oder vielleicht sogar noch aktiv ist. Ganz ehrlich, habt ihr da Bock drauf? Also ich kenne es ja selbst, also gerade wenn ich auf einer Außenbahn spiele und mein Trainer auf der anderen Seite in seinem Trainerhäuschen da sitzt und meint, der müsste mir einmal komplett über den Platz was brüllen, da höre ich meinen Namen, da ging es bei mir früher links rein und rechts raus. Also das war mir vollkommen egal, was der da sagt. Also im Spiel und nochmal und ich glaube, das ist so ein bisschen das Entscheidende. Ja, helfen, ja, aber vielleicht nicht übertrieben helfen. Und auf jeden Fall. Auf der anderen Seite eben wollen, dass Spieler selbst Entscheidungen treffen und in dem Altersbereich dann vielleicht auch mal Fehler machen und Fehler auch zulassen. Ein Akronym ist ja dann von Fehler ist Helfer, also das hilft dann ja vielleicht auch aus Fehlern entsprechend zu lernen. Nur dann darf ich halt nicht ständig reinblöken und alles entsprechend vorgeben.
Speaker 2Ich finde, was man sich da immer wieder in den Kopf rufen kann, ist Win, also what's important now. Das sollte eigentlich mein Coaching bestimmen. Also was ist jetzt wichtig, was braucht der Spieler jetzt von mir? In dem Spiel einen Fehler, der offensichtlich war, nochmal zu sagen oder muss ich ihn aufbauen oder kann ich ihm überhaupt schon einen Tipp geben? Also nicht jeder ist empfänglich und jederzeit empfänglich für Tipps und Hilfestellungen und natürlich auch auf großem Spielfeld nochmal die Einflussmöglichkeiten deutlich geringer.
Speaker 3Ja, das sind jetzt zwei Punkte, die du angesprochen hast. Jeder kennt, glaube ich, die Mario Gomez Szene bei einer EM oder WM, wo er den Ball so aus drei. Ja, das sind zwei Punkte, die du angesprochen hast. Jeder kennt, wo er den Ball aus drei. Lass den da, glaube ich, in Ruhe. Und jetzt kommt aber der zweite Punkt und das ist, glaube ich, ganz wichtig. Und dann sind wir so ein bisschen bei Persönlichkeitsentwicklung und Menschen-Mannschaftsführung. Natürlich ist jeder unterschiedlich. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass du, Marian, jemand bist als möglicher Stürmer, der auf jeden Fall von außen irgendeinen Arschtritt braucht, wenn er so ein Ding so eine klare liegen lässt, ja, dann brülle ich dir was rein vielleicht. Aber was dir teilweise Trainer von außen machen, das ist ja kein Muster, das ist einfach nur inflationär irgendwie. Das ist ein Spieler, der das anscheinend benötigt, der dann auch positiv darauf reagiert und dann merkt, ah, okay, jetzt legt er den Schalter um. Das war gut, dass der mal einen Arschtritt irgendwie bekommen hat. Das findet man ja da eigentlich. Das ist ja teilweise auch vogelwild irgendwie. Also man merkt so richtig, dass teilweise so Trainer, glaube ich, einfach so das innere, so ein bisschen Ballast abwerfen müssen und dann einfach planlos da irgendwie Dinge da irgendwie herumprollen. Was aber gerade im Kinder- und Jugendfußball, glaube ich, nicht der beste Mechanismus ist und auch nicht im Herren-Amateur-Fußball.
Speaker 2Und auch nicht im Profi-Ball. Also eigentlich gar nicht. Also mal einen Papa oder eine Mama mit einer Strichliste an die Seitenlinie stellen und euch so ein bisschen Feedback holen und auch mal selber hinterfragen. Vielen Dank für deine Zeit, Sebastian. Interessante Studie, die du mitgebracht hast. Wir sind auf die genauen Ergebnisse natürlich unfassbar gespannt und können dann vielleicht beim nächsten Gespräch genauer darüber sprechen. Danke für deine Zeit.
Speaker 3Ja, sehr gern. Hat wie immer Spaß gemacht. Nur ein kleiner Tipp für die Leute mit Strichliste. Sagt es gerne euren Eltern. Sie sollen mal eine Strichliste machen, aber die Eltern dürfen euch natürlich nicht verfolgen. Die Eltern müssen euch nicht verraten, zu welchem Spiel. Weil wenn ihr wisst, dass es Strichliste gibt, dann werdet ihr euch komplett anders verhalten. Oder geht davon aus, dass es immer eine Strichliste ist, vielleicht wird es dann positiver. In diesem Sinne, macht's gut. Liebe Grüße aus Frankfurt. Ciao, ciao.
Speaker 2Das war unser Gespräch mit Dr. Sebastian Schwab. Danke fürs Zuhören. Wenn dir die Folge gefallen hat, dann teile sie mit deinem Trainerteam. Bewerte uns in deiner Podcast-App und schau in die Shownotes. Dort findest du unser erstes Gespräch mit Sebastian aus dem Jahr 2019. Damals sprachen wir über Torhöhenreduzierungen. Einer meiner absoluten Lieblingsstudien aus dem Kinderfußball. Zudem findet ihr in den Shownotes Links zu Sebastians Bücher. Hast du Fragen oder Feedback, schreibe uns gerne an podcast.advance.football oder hier in die Kommentare. In der nächsten Episode geht's weiter mit Professor Dr. Heinz Reinders über die Zukunft des Vereinsfußballs und dem Mädchenfußball in Deutschland. Nicht verpassen. Bis dahin. Ciao.
Speaker 1Das war der Podcast von ADVANCE FOOTBALL.

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