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Die Psychiatrie

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Die Psychiatrie

Der Podcast „Jung und Freud“ startet mit einer persönlichen Einführung in die Psychiatrie aus der Uniklinik Freiburg, wo drei unterschiedliche Fachkräfte – eine Assistenzarztin, ein Assistenzarzt und ein Medizinstudent – gemeinsam über die Themen psychische Gesundheit und Behandlung sprechen. Der Fokus liegt auf der Unterscheidung zwischen Psychiater und Psychologe: Während Psychiater medizinisch ausgebildet sind und Medikamente verschreiben können, arbeiten Psychologen in der Psychotherapie. Die Redaktion betont, dass psychische Erkrankungen jederzeit vorkommen und dass der Alltag in stationären Einrichtungen durch strukturierte Tagesabläufe, Arztvisiten und individuelle Therapien geprägt ist. Wichtige Grundsätze sind die Freiwilligkeit und die gegenseitige Verantwortung bei Entscheidungen, wie zum Beispiel bei Ausgangsrechten. Der Großteil der Patienten wird ambulant behandelt, wobei der Hausarzt als erster Ansprechpartner gilt. Wartezeiten bei niedergelassenen Fachärzten werden als Problem aufgezeigt, doch die Institutsambulanz bietet eine schnelle und überbrückende Behandlung. Ein besonderer Aspekt ist die persönliche und empathische Beziehung zwischen Ärzten und Patienten – selbst Psychiater sind betroffen und vermitteln echte, authentische Erfahrungen. Der Podcast hebt auf, dass psychische Gesundheit ein allgegenwärtiges Thema ist und dass jeder Mensch auf dem Weg zu einer Behandlung Unterstützung benötigen kann. Die Redaktion betont, dass es keine „zwangsläufige“ Stationäre gibt, sondern dass Entscheidungen immer gemeinsam und individuell erfolgen. Die Folgen werden in Zukunft durch Experteninterviews ergänzt, um eine umfassendere und wissenschaftlich fundiertere Perspektive zu bieten.

Transcription

8806 Words, 55203 Characters

German
Hallo und herzlich willkommen zu unserem brandneuen Podcast Jung und Freud. Los! Wir podcasten, wenn zwar nicht live, aber direkt aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Freiburg. Und spätestens jetzt wisst ihr, dass wir zu dritt hier sitzen und vielleicht erklären wir euch mal, wer wir sind. Ich bin Ismene und arbeite hier als Assistenzarztin an der Klinik seit knapp vier Jahren. Ja, mein Name ist Sebastian. Ich bin seit zweieinhalb Jahren Assistenzarzt an der Klinik hier. Und ich bin der Moritz. Ich bin Medizinstudent hier an der Uniklinik Freiburg. Fast im zehnten Semester. Und letztes Jahr den Psychiatrie-Blog und bin irgendwie einfach hier hängen geblieben. Ja, schön, dass du bei uns hängen geblieben bist, Moritz. Ich freue mich auch. Ja, wir sitzen heute hier zusammen und wir wollen gemeinsam mit euch über das Thema psychische Gesundheit sprechen und das gemeinsam mit euch entdecken. Wir werden über verschiedene Krankheitsbilder Informationen vermitteln. Wir werden von unseren persönlichen Erfahrungen berichten. Wir werden auch Experten interviewen. Und heute wollen wir euch eine Einführung liefern und euch erzählen, was ein Psychiater ist. Was ein Psychiater ist. Was ein Psychiater macht. Und was eine Psychiatrie überhaupt ist. Was dort passiert. Und wie man psychische Störung erkennen und behandeln kann. Und wie bei allen Folgen wollen wir so ein bisschen ab und zu das Augenmerk drauflegen auf diese Übergangsphase, wenn man mit der Schule fertig ist und anfängt zu studieren oder eine Ausbildung zu machen. Also einfach eine Phase, wo man vielleicht die Rolle wechselt. Und das wollen wir immer mal wieder so in den Blick nehmen. Aber bevor wir jetzt so richtig einsteigen, ich liebe es die Sache heraus zu zögern, habe ich noch was kleines vorbereitet. Und zwar finde ich, dass wir uns ein bisschen besser fühlen. Und zwar finde ich, dass wir uns ein bisschen besser kennenlernen sollten, außer dass wir wissen, dass ihr Ärzte bzw. Arzt seid. Und deswegen habe ich für jeden von euch drei Oder-Fragen vorbereitet. Die solltet ihr alle ganz spontan und in den Moment hinein beantworten, damit wir eure Charakterstrukturen vielleicht einen Ticken besser verstehen lernen können. Und ich würde sagen, damit fangen wir doch jetzt einfach mal an. Das klingt aber furchteinschön. Das stand aber nicht auf dem Rider, den du uns vorher gegeben hast. Richtig, macht aber umso mehr Spaß. Los geht's. Die erste Runde geht um Freizeitgestaltung. Ismene, fangen wir mit dir an. Was würdest du wählen? Bohrmaschine, Stricknadel oder Malpinsel? Stricknadel, ganz klar. Okay. Sebastian, widmen wir uns dir. Ja, Moritz. Deine Freizeitgestaltung. Ballett, Boxkampf oder Elektronikfestival? Ja, ich würde schon eher aufs Elektronikfestival gehen. Ja? Ja, ja. Warst du schon mal oder würdest du gehen? Nee, nee, ich war auch schon mal, muss ich zugeben. Okay. Fragerunde zwei, jetzt geht's um die Einstellung. Ismene, Fairtrade-Socken, Haute Couture oder Secondhand-Levis? Secondhand-Levis. Hast du im Schrank? Tut mir leid, ich bin Hipster. Oder hättest du gern? Ich bin im Schrank. Du bist Hipster. Würde ich auch jederzeit wieder tun. Okay, Ismene trägt Secondhand-Levis. Sebastian, wie ist es bei dir mit der Einstellung? Vegan, vegetarisch oder Fleisch darf schon mal sein? Ja, jetzt würde ich mich in Freiburg brutal unbeliebt machen, aber Fleisch darf schon mal sein. Reden wir nicht nur über Fleisch, sondern jetzt ums Leben. Ismene, wenn wir dein Leben betrachten, alles nochmal so machen wie bisher, Bundeskanzlerin werden oder auf eine andere Erde wünschen? In der Vergangenheit wurde mir diese Frage schon einmal gestellt. Nein. Damals habe ich geantwortet, ich würde mich auf eine andere Erde wünschen. Hat mich in eine tiefe Sinnkrise gestürzt und jetzt würde ich sagen, ich mache alles nochmal einfach aus Faulheit genauso. Aus Faulheit? Dann weiß ich, was auf mich zukommt. Ich habe so eine grobe Vorstellung und letztendlich weiß ich, dass ich zumindest jetzt hier im Trockenen sitze. Nach der anderen Erde kommt die sichere Nummer. Ja. Wunderbar. Sebastian, wie steht es mit dir? Irgendwann mal Chef hier in der Klinik werden oder auch woanders? Einfach untertauchen oder umschulen und Schauspieler werden? Ich finde Schauspielen total super. Ich gucke denen richtig gerne zu. Ich könnte es auch gerne aus Mangel an Talent. Habe ich es nie probiert. Naja, aber warum nicht, ne? Danke. Ich finde, wir haben euch super kennengelernt. Fühltet ihr euch wieder gefunden in den Fragen? Absolut. Absolut. Zu 100 Prozent als Persönlichkeit erfasst. Super Fragen. Jetzt möchten wir den Moritz noch was fragen. Oh oh. Ja. Mir graut. Moritz, deine Lieblingsfarbe? Grün, tatsächlich. Passend zu Freiburg übrigens. Achso, das war jetzt aber keine Entweder-Oder-Frage. Achso, grün oder blau? Grün. Okay. Total schnell und übrigens super. Bier oder Wein? Bier. Macht weniger Kopfweh. Sonne oder Mond? Sonne. Frühstück oder nicht Frühstück? Frühstück viel. Immer. Orange oder Zitrone? Orange. Kennst du jemanden, der da Zitrone sagen würde? Ja. Die Leute, die gerne Tintoni trinken? Den trinkt man mit Gurke. Nein. Im Idealfall, ja. Also die hippe Generation trinkt den mit Gurke. Und zwar mit dieser Gurkenschalenspirale. Das hängt an. Das hängt davon ab. Okay. So, wir haben Moritz ein bisschen kennengelernt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Danke der Nachfrage. Ich fühlte mich bestens repräsentiert. Super, das freut uns. Dann sind ja alle. Ich bin die Gurke in diesem Podcast. sind hier jetzt alle. Die ist ja auch grün. vollkommen bekannt. Ja, ich glaube, dann wird es Zeit, dass wir uns um Inhalte kümmern, oder? Ja, fangen wir an, oder? Fangen wir an. Was ist denn die Psychiatrie? Was würdest du dir sagen? Tja, Psychiatrie ist zunächst mal ein Krankenhaus. Und in diesem Krankenhaus. In diesem Krankenhaus arbeiten verschiedene Berufsgruppen, unter anderem Ärzte. Und die nennen sich Psychiater, Psychiaterinnen und auch noch ganz viele andere Menschen. Und in diesem Krankenhaus werden Krankheiten behandelt. Meistens Erkrankungen der Psyche oder, sagen wir mal, im Großen und Ganzen des Gehirns. Du hast gerade gesagt, Psychiatrie ist ein Krankenhaus. Also es ist einerseits ein Krankenhaus, andererseits ja auch eine ganze Fachrichtung, also eine medizinische Fachrichtung, so wie Chirurgie, Innere Medizin, Allgemeinmedizin. Ich glaube, das ist schon sowas, was man, glaube ich, nicht so direkt auf dem Schirm hat, dass es tatsächlich eine medizinische Disziplin irgendwie ist. Genau, also es ist eine medizinische Fachrichtung, die sich mit der Psyche, psychischer Gesundheit, psychischer Krankheit beschäftigt. Und eben, dann gibt es noch das Haus namens Psychiatrie. Das ist ganz interessant, dass Sie das sagen mit dem Haus. Ich habe nämlich mal nachgeguckt im Internet. Und zwar immer, wenn man irgendwas bei Google eingibt, kommt man ja irgendwie nach Google direkt auf gutefrage.net. Auch da ging es um die Psychiatrie. Und ich glaube, dass die Menschen, die sich dort zu der Frage, was ist die Psychiatrie oder wie ist es in der Psychiatrie, auch eher mit dem Haus, also dem Krankenhaus Psychiatrie beschäftigt haben. Und ich würde euch jetzt ein Zitat vorlesen. Und vielleicht könnt ihr danach einfach mal kurz Stellung nehmen oder sagen, wie ihr dazu steht, wie ihr das so seht. Das Zitat war auf die Frage, wie ist es in der Psychiatrie? Es ist nicht besonders schön da. Es gibt feste Zeiten, wann man zu Bett zu gehen hat. Und man kann in der Nacht nicht unbemerkt auf Toilette gehen, ohne dass das Licht auf dem Flur angeht. Amtsgedacht, aufgrund des Zeitmangels der Ärzte, Medikamente verschrieben. Die ersten zwei Aspekte haben mich sehr an die Jugendherberge erinnert. Oder an mein Elternhaus. Ganz schön schrecklich. Ich gehe da auch mal das Licht an, wenn du aus dem Flug gehst. Also es ist nicht wie zu Hause. Das stimmt wahrscheinlich. Ja, das mit den Medikamenten, das stimmt so teils, teils. Also man kriegt nicht zwangsläufig Medikamente in der Psychiatrie. Aber viele Krankheiten lassen sich mit Medikamenten natürlich behandeln. Was ich nicht so unterschreiben würde, ist, dass die Medikamente, aus Zeitmangel verordnet werden. Das absolut nicht. Weil tatsächlich sind die Medikamente ein wesentlicher Behandlungsbestandteil bei psychischen Erkrankungen. Viele kann man einfach fast nur mit Medikamenten behandeln. Bei anderen Erkrankungen ist es anders. Also es hängt immer davon ab, was das Problem ist. Aber also meiner Erfahrung nach, in der Klinik, in der wir arbeiten, sind Medikamente keine Lösung für Zeitmangel. Was gibt es denn als Alternativen zu Medikamenten? Das kommt drauf an. Also Erkrankungen, die primär nur auf Medikamente ansprechen, die sind einfach nicht irgendwie alternativ mal eben zu behandeln. Sondern da muss man ganz klar sagen, es gibt Dinge, die kann man nur mit Medikamenten so richtig behandeln, wie sich auch zum Beispiel ein Blutdruck meistens mit einem Medikament am besten einstellen lässt. Und es nicht so wirklich richtig gute Alternativen dazu gibt. Ansonsten gibt es natürlich zahlreiche Formen. Es gibt ganz viele Therapieformen, von der Psychotherapie über die Ergotherapie, Physiotherapie. Es gibt auch noch unbekanntere, kleinere, experimentellere Therapien. Es gibt eine ganze Bandbreite, was man da machen kann. Häufig ist es einfach auch schon gut, in einer Umgebung zu sein, in der das Krankheitsbild akzeptiert wird, in der man verstanden wird, in der es Menschen gibt, die sich damit auskennen, dass da auch eine gewisse Normalität erstmal Einzug hält. Und ich glaube, das ist ziemlich schwierig, das so in einem Satz zu sagen, welche Therapieformen es gibt. Weil es gibt ja ganz viele verschiedene psychische Erkrankungen. Sehr unterschiedliche. Wenn man jetzt Suchterkrankungen, psychotische Erkrankungen, alle möglichen Formen von Depressionen oder Ängsten oder Persönlichkeitsstörungen schon allein nimmt, kann man ja gar nicht über einen Kamm scheren. Und einen Behandlungsplan zu machen, ist ja immer eine ziemlich individuelle Sache, wo dann meistens verschiedene Bausteine aus medikamentösen und nicht medikamentösen Therapien zusammengesetzt werden. Und das ist auch wieder bei jedem Menschen, sehr unterschiedlich, welche Therapien gut wirken. Also vieles, was wir machen, ist auch ausprobieren, bis man das gefunden hat, was hilft. Und es hängt sich ja auch von dem Schweregrad der Erkrankung ab. So wie es beim Blutdruck, ja, so ist es bei einer nur leichten Blutdruckerhöhung. Allgemeine Dinge wie Sport schon helfen. So ist es bei leichten Depressionen oftmals auch so, dass allgemeinere Maßnahmen, nicht sofort Medikamente, auch helfen können. Aber das kann man nicht allgemein und pauschal für alle psychischen Erkrankungen sagen. Das hast du sehr schön gesagt, Ismene. Danke schön. Das Wichtige an der Antwort war letztendlich auch einfach zu sagen, es gibt halt auch noch was anderes als Medikamente, vielleicht nicht immer, aber potenziell ist es nicht so, dass man immer Medikamente bekommt, wenn man in der Psychiatrie ist. Nee, es schwang ja auch so ein bisschen die Unfreiwilligkeit mit in dieser Aussage und da muss ich vehement sagen, nee, dem ist nicht so. Jetzt kommt mal ein Imperativ, okay, dem ist nicht so. Die Sorge kann man ja vielleicht in gutefrage.net-Usern nehmen, die Gesetzgebung zur unfreiwilligen Medikamentengabe ist ja sehr streng geworden, oder? Absolut. Du arbeitest doch auf der Akutstation, Sebastian. Also das ist jetzt natürlich auch wieder schwierig, das recht komplexe Thema in drei Sätzen irgendwie abzuhandeln, aber im Grunde ist es eigentlich so, dass sobald Medikamente nicht nur zur puren Gefährdungsabwendung, gegeben werden, die eigentlich von einem Richter erlaubt werden müssen. Also Medikamente müssen nicht immer sein und sind in den allermeisten Fällen, was man anbietet und was dann auch freiwillig angenommen wird, weil die Patientinnen und Patienten ja auch möchten, dass sich was ändert an dem Zustand. Der Punkt für Butter bei die Fische geht heute an Ismene. Vielen Dank dafür. Danke, das ist ja auch ein Buzzer. Dafür gibt es nachher eine Krone, ist das eine Alternative zum Buzzer? Ja, auf jeden Fall. Gut. Ich habe noch ein anderes Zitat, auch zu der gleichen Fragestellung. Da sagt der, der, die Userin, es ist nicht wie zu Hause. Wenn du einmal dort drin bist, kommst du so schnell nicht wieder raus. Wie ist es? Einmal in der Psychiatrie, nie mehr raus? Das klingt eher nach Gefängnis und nicht nach Krankenhaus. Und nach Kafka. Ja. Also was auf jeden Fall richtig ist, dass die meisten psychiatrischen Behandlungen ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen. Gib mal so ein, was ist so fürs Gefühl, so ein ungefährer Rahmen. Ist wahrscheinlich wieder blöd, aber. Also es ist wieder einfach ganz schwierig zu sagen. Ich stelle dumme Fragen. Die Einzelfälle überwiegen halt hier doch, aber wir reden halt eher von Wochen als von Tagen. Das ist doch mal. Also es geht nicht um Tage, so wie man jetzt vielleicht denkt bei einer krassen Grippe oder so, sondern um längere Zeit rum. Genau, richtig. Aber da läuft eigentlich 99 Prozent auf freiwilliger Basis ab und jeder kann das Krankenhaus zu jedem Zeitpunkt verlassen, wenn er oder sie das möchte. Ich habe noch ein letztes Zitat. Das ist ein bisschen positiver gestimmt als die anderen. Wir wollen ja auch so ein bisschen positiven Touch mitgeben. Und zwar, ich habe schon gute und schlechte Erfahrungen gemacht, aber die einzelnen, die Einzelzellen, Gummizellen, Hammermedikamente ans Bett geschnallt Variante ist heute nicht mehr generell die Regel. Kann ich voll unterschreiben. Absolut richtig. Ist nicht mehr die Regel. Das ist schön. Gibt es denn noch Einzel- oder Gummizellen? Also ich würde das zuerst mal nicht Zelle nennen, weil das wirkt doch starke Gefängnisassoziation. Also wir sprechen von Zellen. Zellenzimmern und die Einzelzimmer sind sehr beliebt, muss man sagen. Ich glaube, der Begriff Gummizelle kommt auch noch aus einer Zeit der Psychiatrie, als es keine Medikamente gab. Da war das so eine Art Verwahranstalt ganz häufig. Die Situation haben wir heute nicht mehr zum Glück. Also man muss sagen, wir sind ein relativ kleines psychiatrisches Krankenhaus. Es gibt ja große Landeskrankenhäuser mit ganz, ganz vielen Patienten. Und ganz vielen schwerkranken Patienten. Und es gibt dort natürlich die Möglichkeit, Menschen auch zu isolieren, wenn sie gerade sich selbst gefährden oder andere gefährden. Das sind aber mitnichten Gummizellen, sondern das sind Räume, in denen keine gefährlichen Gegenstände stehen, damit niemandem was passiert. Das ist eben auch keine Bestrafung, sondern ein Schutz. Das habe ich gerade auch gedacht. Ich glaube, das ist ein total wichtiger Punkt. Es geht da nie darum, dass man jemanden jetzt irgendwie erzieht. Deswegen in die Gummizelle steckt nach dem Motto, jetzt denkst du mal drüber nach, was du gerade getan hast, sondern es geht im Prinzip um Schutz. Und du hast es, glaube ich, gerade schön gesagt, und zwar vor sich selber und halt für andere. Also es ist in beide Richtungen. Man muss sich manchmal, vielleicht muss man auch vor sich selber geschützt werden. Genau. Und eben, das stimmt ja, was der User oder die Userin sagt, das ist auch nicht die Regel, dass es das gibt. Wir haben sowas zum Beispiel nicht, oder? Nee, das haben wir einfach aus räumlichen Gründen haben wir das nicht. Deswegen können wir das gar nicht machen. Das ist aber tatsächlich die Realität, dass es Zustände gibt, in denen so Isolierzimmer einfach auch benötigt werden. Und das hat seinen Grund. Die werden auch bewacht. Da wird niemand einfach nur reingeschmissen und wird schmoren gelassen, sondern da wird ganz genau drauf aufgepasst. Und häufig ist es einfach auch gut, wenn jemand nicht diesen Außeneinflüssen so ausgesetzt ist. Ja, da einfach ein bisschen die Reize zu reduzieren, das kann schon gut tun. Ja, da kommt diese Gummizelle her. Das gibt es schon noch. Aber das Spiel. Das spielt in der Psychiatrie eine sehr untergeordnete Rolle heutzutage. Wenn wir von Psychiatrie reden, dann reden wir eigentlich eher von hellen, offenen Fluren, von viel Psychotherapie, die wir mittlerweile haben, von offenen Arzt-Patienten-Gesprächen. Und nicht mehr davon, dass da irgendwas mit Ketten und Einsperren gemacht wird. Da sind wir wirklich schon lange nicht mehr. Okay, ich glaube, danke. Wir haben einen ganz guten Eindruck gekriegt, wie die Psychiatrie außerhalb von gutefrage.net aussieht. Und das. Gibt, glaube ich, auch ein bisschen Hoffnung für diesen Podcast und ein bisschen den Drive. Jetzt habe ich eine Zwischenfrage, bevor wir weitermachen. Und zwar, das Problem hatte ich selber schon ganz oft, dass die Leute immer so hilflos dastehen mit Psychiatrie und Psychologen. Vielleicht könnt ihr einfach nochmal ganz, wirklich ganz kurz raushauen, was ist ein Psychiater, eine Psychiaterin, was ist ein Psychologe, eine Psychologin? Ich würde sagen, das beantwortet die Preisträgerin der Butter bei die Fische. Ach, Entschuldige, ich meine, dass ich die Frage nicht direkt an dich adressiert habe. Es gibt bestimmt ein Vorführeffekt. Also Psychiater und Psychiaterinnen sind Ärzte und Ärztinnen, haben also Medizin studiert. Und könnten theoretisch auch noch Augenärzte werden, ne? Könnten sie auch. Oder Chirurgen. Oder Urologen. Kinderärzte. Das ist alles noch möglich, aber weil das natürlich das tollste Fachgebiet ist, bleiben die meisten dann auch Psychiater und Psychiaterinnen. Und Psychologen und Psychologinnen haben Psychologie studiert. Das war Butter, würde ich sagen. Das war Butter. Das war Butter. Jetzt vielleicht nicht ganz ins Detail. Vielleicht kann Sebastian noch was ergänzen, was ihm zu dem Thema einfällt. Ich glaube, ein wichtiger Unterschied ist, dass die Ärzte eben auch die Medikamente verschreiben können. Und dass die Ärzte in unserem Gesundheitssystem ja so ein bisschen als die Behandlungskoordinatoren vorgesehen sind. Und daher einfach an vielen zentralen Schaltstellen sozusagen zu finden sind. Zum Beispiel immer in den psychiatrischen Kliniken. Da gibt es immer Ärzte. Die meisten haben auch Psychologen, aber zum Beispiel nicht alle. Das heißt, die Ärzte sind irgendwie so die Grundlage und Psychologen machen dann viel auch Therapie und kommen da dazu? Ich glaube, das ist so die Modernisierung der Psychiatrie, dass mehr und mehr Psychologen eingebunden werden, weil die Gesprächstherapie eine immer größer werdende Rolle spielt. Und das können sowohl die Psychologen als auch die Psychiater. Das nennt sich dann Psychotherapie und deswegen heißt auch der Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie. Und die Psychologen, wenn die ihr Studium in klinische Psychologie. Wenn die abgeschlossen haben meistens den Master, dann können die auch Psychotherapeuten werden und in einer Klinik arbeiten als Psychotherapeuten. Ich glaube, jetzt kriegt ihr beide den Butterpreis, oder? Können wir den teilen? Bin ich jetzt auch dabei? Jeder 125 Gramm. Da freue ich mich. Ich teile mein Krönchen mit dir. Oh ja. Wir hatten uns ja neulich mal darüber unterhalten und dann hattest du noch einen wichtigen Punkt gesagt, nämlich, dass Psychiater ja auch gebraucht werden, um die Eingangsuntersuchungen zu machen und da auch die ganze körperliche Diagnostik. Ja. Zum Fremdwort, also die körperlichen Untersuchungen, um auszuschließen, dass jetzt die psychische Problematik auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Also auch wenn man Psychiatern immer unterstellt, sie seien keine richtigen Ärzte, ein bisschen so Arztsachen machen die doch noch. Manchmal machen wir auch Arztsachen. Also die machen auf jeden Fall noch Arztsachen. Das ist eine ganz infame Unterstellung. Okay, damit wollen wir nicht weitermachen. Vielen Dank für die gute Erklärung, was ein Psychologe ist, was ein Psychiater ist. Und jetzt, ihr habt es vorhin gesagt, das richtet sich ja ein bisschen anders. An Leute, die vielleicht gerade in einem Umbruch sind, wo man manchmal ja selber nicht so genau weiß, wo man selber einfach. Die Affen. Wir reden da kurz drüber, das Plakat mit den Affen, was wir wirklich liebevoll zu Dekorationszwecken in diesem ansonsten eher tristen Raum aufgehängt haben, stürzt langsam ab. Ja. Entweder Zeichen dafür, dass wir zu lange geredet haben oder Zeichen der, weiß ich nicht, der destruktiven Stimmung. Wir wollen nicht zu viel Bedeutung reininterpretieren. Okay, trotz der abgestürzten Affen, besinnen wir uns ein bisschen auf die Leute, die vielleicht in dieser Situation sind, mit einem Umbruch und kommen zu dem Punkt, wir sind jetzt so im Alltag und wir haben vielleicht nichts mit Medizin zu tun und haben aber das Gefühl, bei einer guten Freundin, einem guten Freund oder irgendwelchen Verwandten ist irgendwas, was in diesen großen Formenkreis psychologischer Erkrankungen fällt. Vielleicht einfach mal die Frage an euch, was mache ich dann? Also ich habe jetzt eine Freundin, die erzählt mir, wow, ich bin zurzeit immer niedergeschlagen, ich komme nicht mehr aus dem Bett, ich weiß nicht, was ich mir tun soll. Ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll und meine Stimmung ist dauer schlecht. Also ich glaube, ganz basal ist drüber reden. Da ganz offen drüber reden. Und wer sich das nicht zutraut, der sollte sich auf jeden Fall vielleicht auch besser Hilfe holen. Und auch wenn man offen drüber geredet hat, es sollte das meistens nicht das Ende sein, sondern ich empfehle dann eigentlich immer zum Hausarzt zu gehen. Der kennt einen gut. Den sieht man da eigentlich gar nicht so, ne, in diesem ganzen so, ich hätte glaube ich auch nicht an einen Hausarzt gedacht. Das wäre ganz wichtig, die behandeln glaube ich sogar die meisten. Die behandeln die meisten Depressionen, oder? Die behandeln die meisten Depressionen und die wissen dann auch, was zu tun ist, ja. Die wissen dann auch, ist das was, was ich mir mal genauer anschauen kann, oder ist das was, was ich einem Psychiater genauer anschauen sollte. Das heißt, du hast vorhin gesagt, Ärzte sind oft so eine Schleimhaut. Schaltstelle. Das heißt, meine nächste Schaltstelle wäre tatsächlich ein Hausärztin oder ein Hausarzt. Und die können dann schon mal einschätzen, ist akut, wir müssen sofort was machen oder ruf mal da an. Ganz genau. Ganz wichtig ist es natürlich aber auch, dass man erstmal in den Kontakt kommt. Deswegen ist auch häufig der Impuls, wenn man hört, mir geht es nicht so gut, besser nicht nachbohren. Könnte ja irgendwie schlimm sein. Ich finde den Impuls gar nicht so richtig. Häufig ist es gut, dann auch nachzufragen, hey, warum eigentlich kann ich irgendwas Gutes tun für dich? Kann ich dir irgendwie helfen? Einfach Unterstützung anbieten. Das tut den meisten Menschen schon richtig gut. Muss ich da Angst haben, dass ich auch mal irgendwie was auslöse? Also wenn man jetzt sagt, ja, warum geht es dir gerade schlecht? Und dann bricht so ein Mensch von mir total zusammen? Nein. Das glaube ich nicht. Also was man auslösen kann, ist schon eine emotionale Reaktion. Aber die Emotionalität ist ja schon davor da. Genau. Das heißt nicht, dass du das gemacht hast, sondern dass die Person es dir dann mitteilt. Also ich glaube, es gibt ja nie was, was es nicht gibt in der Medizin. Das stimmt. Das ist was, was ich unbedingt merke. Es gibt nichts nie. Auch an alle Medizinstudenten nie ist immer falsch. Genau. Nicht ankreuzen. Aber das ist schon extrem unwahrscheinlich. Also das, was da ist, ist schon da. Und wenn man dann eine heftige emotionale Reaktion mitbekommt, dann ist es ja eher gut, dass die jetzt gezeigt wird, weil dann hat man vielleicht eine bessere Vorstellung davon, wie der Zustand wirklich ist. Und dann kann man ja damit umgehen. Ja. Und die Probleme muss man ja auch nicht lösen können. Das reicht ja häufig, wenn man die sich anhört. Da ist keiner in der Pflicht, jetzt einer todtraurigen Person irgendwie den Generalstabsplan zu servieren, der alle die Probleme auf einmal löst. Das ist überhaupt nicht nötig. Aber da sein, Hilfsangebote machen und vielleicht auch anbieten, hey, ich gehe mit dir mal mit zum Arzt. Und wenn das ganz dringend ist, wenn man sich da richtig unwohl fühlt, dann gibt es psychiatrische Notaufnahmen. Da kann man sich einfach im Internet erkundigen, wo die nächste ist. Oder auch einfach mal bei der Uniklinik anrufen, an der Forte und dann wird man da auch weitergeleitet. Das mache ich jetzt, also wenn ich jetzt in meiner Sorge direkt 112 anrufe, bin ich dann falsch? Nee, gar nicht unbedingt. Das ist auch medizinischer Notfall unter Umständen. Jemand, der jetzt traurig ist, dem wird es wahrscheinlich nicht gut tun, wenn man jetzt die 112 anruft. Aber wenn da zum Beispiel irgendwas in die Richtung kommt, ich möchte mich umbringen, dann ist das allemal besser. Darf man also tatsächlich auch machen. Und bevor man Angst hat und sich deswegen scheut, die 112 zu wählen, würde ich auch auf jeden Fall empfehlen, sonst lieber, wie Sebastian gesagt hat, in der Uniklinik anzurufen, mit dem zuständigen Dienstarzt zu sprechen und sich da nochmal kurz beraten zu lassen, weil der kann unter Umständen ein bisschen besser einschätzen, auch wenn es über das Telefon natürlich immer ungenau ist, aber kann vielleicht ein bisschen besser einschätzen, wie groß der Notfall ist. Weil das ist ja eine Verantwortung, die man als Freund nicht tragen kann, das zu unterscheiden, ob es jetzt gefährlich ist oder nicht. Genau, ich glaube auch, das fällt auch vielen schwer, wenn jemand jetzt eben dieses schildert, boah, mir geht es gerade super schlecht, ich bin traurig, ich weiß gerade auch nicht mehr weiter so und dann sitzt man da und denkt, ja passiert jetzt heute Nacht irgendwas, was ich eigentlich nicht will oder können wir da morgen nochmal drüber reden und dann sagt ihr jetzt, also im Zweifelsfall lieber einmal zu viel angerufen als zu wenig. Genau, zum Schutze der Angehörigen denke ich auch sobald da die Sorge ist, es könnte was passieren, dann auf jeden Fall anrufen. Jetzt haben wir viel über Patienten gesprochen, die in Notfallsituationen in die Klinik kommen, die auf Wegen in die Klinik kommen, die eher selten und die Ausnahme sind. Wir müssen natürlich drüber reden, dass 99 Prozent der Patienten sich bei uns im Haus freiwillig behandeln lassen und geplant hier hinkommen, weil psychische Erkrankungen kann jeden treffen, das ist ein absoluter Bevölkerungsquerschnitt, den wir haben, das kann du und ich, das kann jeder von uns irgendwann mal sein und genauso wie man mit einem gebrochenen Bein ins Krankenhaus geht, so kann man sich auch mit einer psychischen Erkrankung im Krankenhaus behandeln lassen. Das ist eigentlich die Regel, ja, darüber, wo wir gerade gesprochen haben, das ist eine Ausnahmesituation zum Glück. Und wenn ich jetzt in so einem Regelfall bin, wie komme ich denn dann hierher? Muss ich mich irgendwo anmelden oder wie muss man sich das vorstellen? Ja, also im Regelfall wird die Erstdiagnose von einer psychischen Erkrankung ja eigentlich beim Hausarzt gestellt, es sei denn, man befindet sich bereits irgendwo in einer fachärztlichen, psychiatrischen Behandlung. Das klingt jetzt aber kompliziert. Sag's mal einfach. Okay, ich meine, wenn du es besser sagen kannst, pack mal auf. Nein, ich glaube nicht, dass ich es besser sagen kann, aber eben, du hast ja schon angedeutet, es gibt da verschiedene Wege. Der Hausarzt ist auf jeden Fall ein Ansprechpartner, den ja fast alle Menschen haben und der auf jeden Fall der richtige Ansprechpartner ist, wenn man das Gefühl hat, jetzt könnte sich im Bereich Psyche irgendwas verändern. Und was Sebastian gesagt hat mit der fachärztlichen, psychiatrischen Behandlung, bedeutet, dass man sich natürlich auch an einen Psychiater wenden kann oder manche haben vielleicht auch schon einen Psychiater, weil sie früher schon mal eine psychische Erkrankung hatten und dann kann der natürlich auch die Behandlung in die Wege leiten. Genau, also der Hausarzt kriegt meistens als erstes was davon mit. Der hat den Verdacht auf eine psychische Erkrankung und häufig weisen die Hausärzte ja auch eben bei einem Verdacht in die Klinik ein, um dann hier in der Klinik eine entsprechende Diagnostik in die Wege zu leiten. Das ist ja übrigens auch das Vorgehen, das eigentlich bei allen Erkrankungen, egal aus welchem Bereich, gewünscht ist, dass man erstmal zum Hausarzt geht, der sich ein Bild machen kann, das sortieren kann. Genau, der kennt sich mit allem aus und kann am ehesten einschätzen, welcher Facharzt jetzt gebraucht wird. Und vielleicht könnt ihr das auch nochmal so kurz ein bisschen so aufzeigen, wenn man dann hier ist, so ganz freiwillig und so ein bisschen, sagen wir mal, die Durchschnittsbehandlung, wie muss man sich das denn vorstellen? Wie ist hier der Alltag? Der ist auf jeden Fall sehr geregelt. Also Station bedeutet tatsächlich, dass man auf der Station schläft. Da hat man dann sein Bett und da gibt es eine recht feste Tagesstruktur, was vielen Menschen einfach auch schon mal sehr gut tut. Man steht morgens früh auf und wenn man das nicht alleine schafft, dann wird man halt auch mal geweckt. Es gibt ein Frühstück, ein gemeinsames im Aufenthaltsraum und häufig gibt es dann auch eine Medikamenteneinnahme. Das kommt immer so ein bisschen darauf an und der erste Schritt am Tag ist eigentlich immer die Visite. Das heißt ein Arztkontakt. Ist der im Zimmer dann so, wie jetzt auf einer chirurgischen Station, dass alle Ärzte reinkommen und kurz den Patienten angucken und sagen, wir rennen wieder raus oder ist das persönlicher oder wie muss man sich das vorstellen? Also das ist glaube ich unterschiedlich in verschiedenen Kliniken und auch in unserer Klinik variiert das ein bisschen von Station zu Station. Genau. Ich gehe mal ins Zimmer zu meinen Patienten. Und ich nicht. Ich lasse sie zu mir kommen in mein Zimmer. Ihr habt auch eigene Zimmer. Wir haben ein Arztzimmer, genau, in dem die Visiten auf vielen Stationen stattfinden. Und soweit ich weiß, gibt es aber auch psychiatrische Kliniken. Da gibt es Gruppenvisiten am Morgen, so eine Morgenrunde. Also das ist von Klinik zu Klinik nochmal ein bisschen anders. Und wenn man jetzt als Patientin oder Patient überhaupt keinen Bock auf Visite hat, was kann man dann sagen? Sorry, heute nicht. Naja, das kann man schon mal sagen. Also man muss auch nicht jeden Morgen seine Lebensgeschichte auspacken. Manchmal reicht es einfach auch zu sagen, ja, gibt nichts Neues, alles in Ordnung. Und dann kann man wieder abzwitschern. Also man kann natürlich sagen, dass man keine Lust drauf hat. Aber es ist ja schon so, dass die tägliche Arztvisite eines der Hauptmerkmale von so einer stationären Behandlung ist. Vieles, was wir hier machen, könnte man ja auch von zu Hause aus ambulant machen. Nur sind da die Arztkontakte meistens deutlich weiter auseinander, vielleicht einmal die Woche oder so. Also Visite ist schon auch Pflicht, aber sie darf auch kurz sein. Und wie ist es generell mit Pflichten sozusagen? Also wenn man jetzt merkt, irgendwie kann ich heute nicht an einem Therapiegespräch teilnehmen oder an einer Therapiesitzung oder an irgendwelchen anderen Aktivitäten, kann man sich da rausziehen? Ist man da frei oder ist man so ein bisschen, also ist es an die Behandlung geknüpft, dass man die Sachen auch machen muss, die sozusagen vorgehen werden? Das ist eine sehr gute Frage. Ja, also es ist tatsächlich ein Problem, was wir häufig haben, dass gerade bei verschiedenen Erkrankungen man gar nicht so wahnsinnig Lust auf Therapie teilnehmen hat. Aber das ist natürlich irgendwie schon auch der Sinn von so einer stationären Behandlung. Deswegen sind wir da auch schon ein bisschen hinterher. Und natürlich kann in Ausnahmefällen oder bei guten Gründen was ausgefallen werden lassen. Aber da wird dann schon drüber gesprochen, das ist ganz klar. Okay, also es wird thematisiert, aber es ist keine Form der Zwangsbehandlung im eigentlichen Sinn. Absolut keine Zwangsbehandlung. Es geschieht natürlich alles auf freiwilliger Basis. Und die Planung ist auch sehr individuell. Also meistens macht es die Bezugspflege, also ein Krankenpfleger oder eine Krankenpflegerin setzt sich mit den Patienten zusammen und schaut, was kommt erstmal in Frage vom Therapieprogramm. Das hängt ja auch immer davon ab, wie schwer die Erkrankung ist und was auch die Vorlieben sind. Also man kann sich da aussuchen aus verschiedenen Sporttherapien, aus Ergotherapien. Das ist nicht so, dass da. Nee, das ist auch, glaube ich, gar nicht schlecht. Ja, man kann sich gut ablenken über den Tag, denke ich auch. Und da muss auf gar keinen Fall jeder das Gleiche machen oder jeder alles machen, sondern das wird angepasst. Aber wir sehen es schon auch als unsere Aufgabe, dann mit drauf zu achten, dass das, was vereinbart wurde, auch gemacht wird, weil das eben häufig als Symptom von Erkrankungen vorkommen kann, dass es eben schwer ist, sich da aufzuraffen. Und oftmals höre ich das auch, dass das als positiv empfunden wird, dass man in der stationären Behandlung eben auch ab und zu mal so einen Tritt kriegt für die Dinge, die man eben zu Hause nicht mehr geschafft hat. Das kann ich mir vorstellen, dass man sozusagen den inneren Schweinehund überwunden bekommt. Und ein letztes vielleicht noch, wie ist es denn so? Ausgang, finde ich, klingt immer so. Ein bisschen nach Gefängnis, aber wie ist es zum Beispiel? Beispiel auch am Wochenende, wie frei ist man in seinem Bewegungsradius, wie ist es mit darf ich meine Familie sehen, Freunde treffen, wie ist es? Also die allermeisten Patienten sind recht frei. Ich arbeite jetzt auf einer beschützten Intensivstation, das heißt, ich arbeite mit Menschen zusammen, die teilweise sehr krank sind, denen einfach auch das Draußensein alleine und unbeobachtet ohne medizinische Behandlung nicht gut tut, aus unterschiedlichsten Gründen. Und das nennen wir dann Ausgang, also die Definition davon, wie und in welcher Frequenz und mit wem man die Station verlassen darf. Und auch das ist kein Zwang, aber die meisten wissen selber, dass das häufig nicht gut ist. Das können zum Beispiel Suizidgedanken im Hintergrund sein, dass man die Befürchtung hat, jemand könnte sich was antun oder ähnliches. Dann ist es sinnvoll, auf der Station zu bleiben und eben nicht rauszugehen, damit nichts passiert. Oder auch bei anderen Erkrankungen, in denen die Wahrnehmungen des Denkens gestört sind, ist es manchmal auch gefährlich, sich in der Nähe von der Straße aufzuhalten. Dann haben die Leute eben keinen Ausgang oder Ausgang nur in Begleitung von Angehörigen. Da gibt es unterschiedliche Stufen und das wird individuell vereinbart. Das ist auch meistens hier mal in der Visite. Und das erklären wir auch immer ganz ausführlich. Und wie gesagt, es wird trotzdem niemand eingesperrt. Das ist meistens eine Absprache, die wir dann treffen, gemeinsam. Und ich glaube auch wichtig als Ergänzung zu dem, was du, Sebastian, jetzt gesagt hast, ist, dass das Ziel, das wir im Auge behalten, ja immer ist, zurück ins Leben zu gehen. Das heißt, das Ziel ist natürlich immer 100% Ausgang und Freiheit. Aber manchmal muss man es eben am Anfang der Behandlung noch einschränken. Und die Entscheidung, wie viel Ausgang an welchem Tag machbar und sinnvoll ist, die wird eben im Idealfall in der Visite dann gemeinsam getroffen. Das ist manchmal auch ein Verhandeln. Und je besser es einem geht und je besser man seine Therapien machen kann, um so bessere Voraussetzungen hat man dann auch für Freiheiten im Ausgang. Wobei man jetzt den Ausgang auch nicht als Belohnung oder Bestrafung verstehen sollte, sondern das ist einfach eine gemeinsame Entscheidung, die gemessen am Krankheitsbild getroffen wird. Und da geben wir uns auch immer ganz viel Mühe und schauen wirklich richtig genau hin. Ist aber interessant, weil ich glaube, dass man oft bei dem Thema so ein bisschen im Kopf hat, ja tatsächlich, was du gesagt hast, Bestrafung oder im besten Fall dann Belohnung. Aber wenn ich es jetzt richtig rausgehört habe, ist sozusagen ein primäres Ziel auch vielleicht in den akuteren Fällen der Schutz sozusagen, wenn man nicht raus kann. Und eben auch so ein bisschen dieses Einbinden in Therapie, was ist möglich, was ist nicht, auch mit dem langfristigen Ziel, dass man dann effektiv in Anführungszeichen zurück in seinen Alltag kann, ohne dass man jetzt was überstürzt, aber auch nicht so ewig rauszuhört. Auf jeden Fall, genau. Das ist immer so das Gleichgewicht, das es zu suchen gilt. Ich glaube, wir haben jetzt ein ganz gutes Bild, wie es aussieht, wenn man hier in einer stationären Behandlung ist. Vorhin hat es schon mal so kurz angeklangen mit dem ambulanten. Vielleicht könnt ihr mal erklären, wie ist denn der Durchschnittsfall sozusagen, weil der ist ja vielleicht gar nicht unbedingt stationär immer, oder sind ja nicht alle psychiatrischen Patienten stationär? Nein, überhaupt nicht. Also der allergrößte Teil ist eben nicht stationär, sondern ambulant. Und das kann man sich so vorstellen, dass der größte Teil von niedergelassenen Psychiatern abgedeckt wird. Das sind Ärzte, die in einer Praxis arbeiten oder in Gemeinschaftspraxen oder Versorgungszentren, die den ganzen Tag über Patienten sehen. So wie der Hausarzt auch, nur dass es da dann eben nur um psychiatrische Probleme geht. Und das alleine reicht für die allermeisten Menschen schon, um wieder gesund zu werden. Das heißt, der Großteil der Patienten mit psychischen Problemen oder mit Krankheitsbilden, die in den Bereich fallen, die sind tatsächlich in ambulanter Behandlung, also bei einem zum Beispiel niedergelassenen Facharzt. Verstehe ich das richtig? Genau. Und die Entscheidung für einen stationären Aufenthalt wird dann getroffen, wenn das aus verschiedensten Gründen nicht zu funktionieren oder nicht auszureichen scheint. Oder, Sebastian? Ja, also man kann sagen, wenn da der Verdacht auf eine psychische Störung vorliegt, dann ist es einfach wichtig, dass man zunächst mal in das psychiatrische Gesundheitssystem einsteigt. Und das ist gegliedert in zwei verschiedene Bereiche, in ambulanten und stationären Sektor. Und im ambulanten Sektor muss man nochmal unterscheiden zwischen niedergelassenen Ärzten. Mhm. Und zwischen unserer Institutsambulanz, die wir haben. Genau, das wollte ich sagen. Ich bin doch hier schon öfter am Schild Ambulanz vorbeigelaufen. Wie spielt das da rein? Genau, das sind einige Ärzte aus unserer Klinik, bei denen man Termine vereinbaren kann. Und dort kriegt man dann im Prinzip die volle Bandbreite einer ambulanten Behandlung. Das fängt an mit Diagnostik. Dort können Blutentnahmen organisiert werden. Da können auch körperliche Untersuchungen gemacht werden. Es werden psychiatrische Gespräche gemacht. Es können Medikamente verschrieben werden. Also eigentlich alles das, was zu einer ambulanten Behandlung dazugehört. Und unter anderem kann eben auch die Entscheidung getroffen werden, dass eine stationäre Behandlung sinnvoll ist. Wie soll man sich denn jetzt entscheiden, Sebastian, wo man hingeht? Ja, wenn man. Einwählerfrage. Das klingt ja super mit dieser Ambulanz. Also die meisten Menschen, die ganz frisch ins psychiatrische System kommen, haben ja meistens keine niedergelassenen Psychiater, bei denen sie jetzt schon regelmäßig in Behandlung sind. Daher ist als erster Schritt schon durchaus auch sinnvoll, einen Termin in der Institutsambulanz zu vereinbaren und sich dort erstmal vorzustellen. Und ganz wichtig im Notfall eben ist unsere Ambulanz natürlich der Ansprechpartner, der am schnellsten da ist. Wir haben einen Notfalldienst oder einen Notdienst, der tags und nachts besetzt ist, in dem man sich immer vorstellen kann, und die psychiatrischen Notfälle werden dort einfach schnell behandelt. Das wäre jetzt auch meine nächste Frage gewesen. Und zwar, ich glaube so, wenn man sich umhört, kursieren ja auch immer so dieses oder das große Wort Wartezeit und dass man ewig keinen Termin kriegt. Wie ist das jetzt so, wenn man auf der Suche nach einer Behandlung ist, gibt es da Unterschiede auch mit Ambulanz und Niedergelassenen oder wie regelt sich das? Also häufig ist es so, wenn Patienten sich als Erstmaßnahme in der Ambulanz vorstellen, dass dann schon früher oder später empfohlen wird, dass sie sich einen niedergelassenen Psychiater für die weitere Behandlung suchen oder je nachdem, vielleicht auch einen Psychotherapeuten. Und ja, das stimmt, da kann es Wartezeiten geben. Was ich bisher mitbekommen habe, ist, dass sie sehr unterschiedlich sind. Also viele Patienten versuchen es gar nicht erst, einen Psychiater zu finden, weil sie von diesen abschreckenden Wartezeiten gehört haben. Und manchmal geht es dann aber überraschend schnell. Manchmal ist es notwendig, dass sich die Patienten auf Wartelisten setzen lassen und dann werden sie kontaktiert. Und gerade bei sowas ist es ja ganz gut, wenn es eine überbrückende Behandlung zum Beispiel in der Ambulanz geben kann. Meine Erfahrung ist aber eher, dass die allermeisten eher früher als später einen Psychiater finden. Und auch bei der Psychotherapie, wo die Wartezeiten wahrscheinlich sogar ein bisschen länger sind, auch da, wenn man sich einmal hinsetzt und konsequent alle Anrufbeantworter vollspricht oder zumindest mal zwei bis drei, dann klappt es meistens schon. Aber klar, das ist auf jeden Fall ein Problem, würde ich behaupten. Ich weiß nicht, wie du das siehst, Sebastian. Ich sehe das ganz ähnlich, wie du es meinst. Das ist auf jeden Fall ein großes Problem. Man hört häufig von bis zu sechs Monaten Wartezeiten. Das ist natürlich häufig ungünstig. Und dann ist überbrückend unsere Ambulanz dann doch meistens ein bisschen schneller. Und wie gesagt, Notfälle können immer sofort behandelt werden. Wartezeit bei einem Notfall kann mal zwei bis drei Stunden betragen. Das kann mal passieren. Aber das geht ja dann. Genau. Ich glaube, dann haben wir das auch ganz gut zusammengefasst. Also, dass man sich so ein bisschen merkt, dass es diesen ambulanten Teil auch noch gibt. Man verliert sich, wenn man in der Klinik ist, glaube ich, gerne drin, dass man so klinisch denkt und stationär. Ja, und was auch wichtig ist, also, falls irgendjemand da draußen sich nicht traut, zum Psychiater zu gehen aus Angst, dass daraus automatisch eine stationäre Behandlung werden sollte. Das ist so nicht. Also, es wird gemeinsam entschieden. In den allermeisten Fällen. Ganz selten, wenn es wirklich gefährlich ist, für den Betroffenen oder das Umfeld, mag das sein, dass der Arzt das entscheiden muss. Aber bitte, habt keine Angst. Psychiater sind Menschen, mit denen man reden kann. Sogar sehr viel. Auch reden soll, oder? Auch reden soll, ja. Praktizieren wir doch hier eigentlich ganz schön schon, oder? Genau, wir machen das hier so ein bisschen vor, wie man mit uns reden kann. Und dann wird das gemeinsam entschieden. Anders funktioniert es auch nicht gut. Super. Ihr habt mal Fragen gesammelt von Medizinstudierenden nach einer Vorlesung. Fragen an die Psychiatrie. Und da habe ich jetzt noch drei Fragen von den vielen, die es gab, rausgesucht. Vielleicht auch welche, die manchmal häufiger genannt wurden. Und vielleicht können wir die kurz mal abarbeiten und ihr sagt so ein bisschen aus eurer Sicht einfach was dazu, so wie ihr das seht. Klar, gerne. Sehr gespannt. Ja, sehr gespannt. Ich bin auch ein bisschen gespannt, ehrlich gesagt. Die Frage Nummer eins ist ein bisschen witzig, weil ich glaube, sie entspricht ein Stück weit auch einem Klischee ist. Was passiert denn, wenn man jetzt als Psychiaterin oder Psychiater feststellt, dass man selber von einer psychiatrischen Störung betroffen ist? Oder ich glaube, wie es gerne so im Volksmund ausgedrückt wird, sagt man, habt ihr nicht eigentlich alle selber einander klatschen? Gute Frage. Das ist wirklich, ich glaube, diese Frage kam auch mindestens dreimal. Es sind ja zwei Fragen in einem. Also die eine haben wir, also selbst einander klatschen und zweitens, was tun wir dann, wenn es der Fall ist? Einander klatschen? Ich würde ja sagen, solche stigmatisierenden Begriffe verwenden wir nicht. Ja, ich habe es geschrieben, oder? Nee, das hat jetzt Herr Proxamil gesagt. Ich entschuldige mich förmlich dafür, ich arbeite an meiner Ausdrucksweise. Genau, also soll ich mal anfangen? Ja, mach mal. Du ergänzt dann bitte. Ich rede mal frei von der Leber weg. Natürlich können alle Menschen, die in der Psychiatrie arbeiten, auch psychiatrische Erkrankungen bekommen. Es sind dann nicht Immun dagegen. Und psychiatrische Erkrankungen sind ja auch was, was insgesamt sehr häufig auftritt. Also es ist sogar wahrscheinlich, dass ein nicht ganz kleiner Anteil einmal im Leben sowas hat und dann vielleicht auch zufällig in der Psychiatrie arbeitet. Das kann passieren. Die aktuelle Studienlage dazu, ob es sogar öfter passiert als in anderen Berufsgruppen, weiß ich nicht. Also was so ist, ist, dass es schon eine gewisse berufliche Belastung geben kann. Es gibt auch dieses Klischee, dass die Psychiater die meisten Selbstmorde machen, oder? Darüber weiß ich jetzt nichts, aber ich weiß, dass die Suchterkrankungen wahnsinnig hoch sind, unter Ärzten zum Beispiel. Ja, unter Ärzten allgemein eben. Also wahrscheinlich kann man es gar nicht so sehr trennen von der Psychiatrie. Und dann die Frage, was würde man dann machen? Sich Hilfe suchen. Im Idealfall. Kann man sich selber diagnostizieren? Ich glaube, dass man gerne mal ein bisschen betriebsblind kann, ich mir vorstellen. Wie wahrscheinlich jeder weiß ich. Ich glaube, bei anderen kann man das immer noch ganz gut erkennen, aber bei sich selber will man das eigentlich nicht. Also es wird ja immer noch so. Ich habe mich ja auch davon abgeraten, dass man sein eigener Hausarzt ist. Es ist wahrscheinlich schon gut, wenn es irgendein Problem gibt, wenn man dann Hilfe hinzuzieht. Ob das Psychiater mit einer größeren Trefferquote machen, als jetzt nicht Psychiater, weiß ich nicht. Oder ob, ich kann mir vorstellen, dass diese Hemmungen, die ja auch ein Stück weit stigma-bedingt sind, dass es die auch bei Psychiatern geben kann, obwohl sie es ja eigentlich besser wissen sollten. Man denkt ja da natürlich wahrscheinlich auch, dass man selber therapieresistent ist, kann ich mir nur so vorstellen, weil man weiß ja genau, was gemacht wird. Also das ist bestimmt kein einfaches Thema und ich würde sagen, da gibt es garantiert auch keinen Goldweg. Und da wird jeder seine eigenen Lösungen und Antworten finden. Aber ein interessanter Punkt ist, glaube ich, was man gerne vergisst bei dem Punkt, dass auch Psychiaterinnen und Psychiater irgendwie ein bisschen Normalbevölkerung sind. Wir sind Hauptmenschen. Genau. Ich finde schon, man hat so das Gefühl, man ist dann alle umfassend Psychiater. Aber da steckt ja noch was anderes dahinter und mit den Risiken ist man im Prinzip genauso dabei wie jeder andere erstmal auch. Absolut. Die nächste Frage wurde tatsächlich auch mehrfach gestellt und das ist, glaube ich, auch was, was so ein bisschen nahe liegt. Ihr habt es vorhin mit dem Stress schon mal angesprochen. Wie kann man denn als Psychiater abschalten, wenn man abends nach Hause kommt? Da ist Sebastian doch Experte. Also da gehe ich einfach nach Hause und denke mir nicht mehr an die Arbeit. Das funktioniert tatsächlich ganz gut bei mir, aber ich kenne da auch Menschen, die da größere Schwierigkeiten mithaben. Du machst auch die laute Musik ein, hast du erzählt. Achso, jetzt plaudert das Menü für Sebastian aus dem Bildschirm. Ich weiß noch, wie Sebastian sich entspannt. Ich weiß noch, wie du sitzt. Ja, die Musik auf dem Heimweg, das ist sozusagen mein Übergang in mein Privatleben. Gut, aber wenn ich zu Hause ankomme, dann habe ich einfach auch ganz viel zu tun. Dann habe ich mein ganzes Privatleben vor mir, was ich angebe. Dann denke ich nicht mehr viel an die Arbeit und dann lasse ich die einfach meistens auch da. Natürlich gibt es Situationen, die einen belasten. Die nimmt man mit nach Hause. Das ist aber meistens Stress mit Kollegen. Oder? Ähnliches. Also gar nicht mal die Patientengeschichten, sondern eher das Soziale drumherum. Sondern das, was jedem irgendwie passieren kann. Ismene und du? Ja, ich denke auch, Ablenkung ist gut. Hobbys haben, andere Sachen haben. Das ist eigentlich auch das, was ich allen Patienten empfehlen würde, wenn die durch irgendwas belastet sind. Wobei ich auch glaube, wenn man ein bisschen Berufserfahrung hat, dann ist es auch so, dass die Alltagssituationen jetzt gar nicht so schwer sind, in der Klinik zu sein. Da gehören die ja auch hin. Ansonsten glaube ich, dass Psychiater und Psychiaterinnen ihre Freizeit ähnlich gestalten wie andere Menschen auch. Ich glaube schon. Wir sind ja immer alle drei Tage wach am Wochenende. Ja, drei Tage wach, stricken, was es halt so gibt im Leben. Genau. Okay. Aber das klingt doch so, als hätte man, man könnte es in den Griff kriegen. Privatleben und Arbeit und es vermischt sich nicht dauerhaft. Also absolut. Ist auch ein schöner Nebeneffekt. Der Nebeneffekt des Jobs als Psychiater, dass wir tatsächlich richtig gut unsere Arbeitszeiten einhalten können. Meistens, ja. Natürlich machen wir auch über Stunden. Aber vielen meiner Kollegen in anderen medizinischen Fachrichtungen, denen geht es da deutlich schlechter als mir. Und da bin ich auch manchmal ganz froh, dass wir einfach in einem Beruf sind. Man funktioniert halt nicht wie eine Maschine in dem Beruf und dem trägt das Ganze auch ein bisschen Rechnung. Das haben die Psychiater halt verstanden, oder? Ja, das haben sie einfach verstanden. Dass es noch was anderes geben muss, wenn sie eine Sache verstanden haben. Dann die letzte Frage, die sicherlich nicht ganz einfach zu beantworten ist, die man vielleicht auch nicht immer so richtig beantworten kann oder will. Die aber auch mehrfach gestellt wurde. Und zwar, was denken Psychiater wirklich über ihre Patienten? Ich mag die ganz häufig richtig gerne. Also die sind mir häufig wirklich sympathisch, weil man lernt die ja kennen. Und man fängt ja schon auch an, so ein bisschen eine persönliche Beziehung zu denen aufzubauen. Und irgendwann sind mir die Menschen auch sympathisch. Und dann mag ich. Und dann freue ich mich, wenn es denen besser geht. Und dann ärgere ich mich, wenn es denen schlechter geht. Zusammen mit diesem Bild, was man aus Filmen und so kennt. So Patient ans Bett gefesselt, er schreit und du steckst ihm die Spritze in den Hals. Ich glaube, man kommt überhaupt nicht auf die Idee, dass man auch sowas wie Sympathie empfinden kann. Also das ist ja letztendlich eine zwischenmenschliche Beziehung. Und die kann auch was Positives haben, wenn ich verstehe. Ich glaube, es gibt auch dieses Bild von dem Psychoanalytiker, der so eine ganz neutrale Beziehung zu dem Patienten hat. Und da gar nichts von sich selbst mit reingibt. Und die Psychiatrie, die ich bisher kennengelernt habe, die ist eben wirklich ganz anders. Also wie Sebastian schon sagt, man lernt sich sehr gut kennen. Man verbringt viel Zeit miteinander. Man weiß ja auch Dinge über die Patienten, dadurch, dass man ausführlich über die Biografie zum Beispiel spricht, die man über viele Leute, die man gut kennt, gar nicht weiß. Die ist auch Teil der Behandlung wahrscheinlich. Genau. Und dadurch kann man ja viele Probleme extrem gut nachvollziehen und fühlt dann gezwungenermaßen schon mit. Ist es, fällt es euch schwer, da manchmal auch nicht zu viel von euch selber preiszugeben? Dass man sagt, okay, ich kann das gerade so gut nachvollziehen, weil bei mir war es auch schon mal so? Also in manchen Therapieformen ist das sogar vorgesehen, dass man diszipliniert authentisch ist. Also weil es kommt immer, es ist ein großes Fass. Also ganz häufig haben wir es mit den großen Fässern. In vielen Fällen kann das ziemlich hilfreich sein, wenn man auch eigene, Erfahrungen teilt und sagt, also zumindest mir wird es in dieser Situation ganz genauso gehen. Oder ich habe so eine ähnliche Situation auch mal gehabt und da habe ich dies und jenes gemacht. Also das ist nicht immer angebracht. Muss man wieder genau gucken, was ist das für eine Krankheit? Was hat man für ein Behandlungskonzept? Aber das ist heutzutage in vielen Therapieformen die normale Beziehung zwischen Arzt und Patient. Klar, aber es gibt natürlich auch andere Krankheiten, da kann man die Patienten nicht verstehen. Ja, das sind ja häufig auch Störungen des Denkens dabei, Störungen der Wahrnehmung. Die kann man nicht nachvollziehen und da macht es auch keinen Sinn, dann zu sagen, aha, ich verstehe. Eben, deswegen ist es halt sehr vom Fall abhängig. Da muss man dann auch manchmal sagen, das kann ich nicht nachvollziehen, das verstehe ich nicht. Ist aber vielleicht auch gar nicht so wichtig, dass ich das jetzt gerade verstehe. Wichtig ist, dass wir über andere Dinge sprechen. Das ist auch mal legitim und da muss man immer ein bisschen entscheiden. Und das hängt natürlich schon stark von den Störungsbildern ab, die man da jeweils hat. Und wie tief man sich da auch inhaltlich drauf einlassen kann. Aber so Echtheit und Authentizität sind schon wichtig, oder, wenn ich es so raushöre? Ja klar, die Menschen sind ja nicht dumm, die merken, wenn du dir einen lügst. Danke, dass ihr so ehrlich geantwortet habt, was ihr über Patienten denkt. Sehr gerne. Und ich glaube, angesichts der Luftverhältnisse und der Tatsache, dass Ismenes Hals immer trockener wird und dass wir schon super viel Inhalt, glaube ich, heute gequatscht haben. Und dass wir schon drei Tage wach sind. Und dass wir schon drei Tage wach sind, die olympischen Augenringe, wie Sebastian sie schon genannt hat, unter unseren Augen. Ist es vielleicht Zeit, kurz zusammenzufassen, was wir heute. Wenn ich jetzt sage, was wir heute gelernt haben, dann klingt das so pädagogisch. Und ich habe oft so eine Abneigung dagegen, pädagogisch zu sein. Aber was war heute? Was war heute? Das ist eine tiefe Frage. Was ist geschah? Vielleicht könnt ihr das nochmal sagen. Was war jetzt heute sowas, was euch auch wichtig ist? Ja, also wir haben einfach mal jetzt ein ganz neues Projekt angefangen, diesen Psychiatrie-Podcast. Wir sind alle unglaublich aufgeregt, wie das hier ausgeht. Wie sich das anhört und wie das noch gefällt. Was draus wird, ja. Freuen uns auch unglaublich. Über Rückmeldung, Kritik, Anregung. Ja, und auch ganz inhaltlich, finde ich, haben wir jetzt viel über Themen gesprochen, die natürlich auch unglaublich subjektive Meinungen sind. Wir haben jetzt unsere Meinung zum Besten gegeben. Ich fände es wahnsinnig spannend, wenn wir in der nächsten Zeit vielleicht auch einfach mal richtige Koryphäen ihres Fachs befragen könnten zu einzelnen Dingen. Oh ja, Experten. Noch andere Meinungen hören. Ja. Definitiv. Wo wir dann einfach nochmal ein Stückchen näher an der Wahrheit dran sind. Wenn du fünf Psychiater fragst, kriegst du fünf Meinungen. Dann würde ich sagen, nehmen wir uns vor, dass es bald eine nächste Folge gibt. Wir sind, glaube ich, alle gleichermaßen gespannt, um was es da geht und was wir dann machen. Meldet euch bei uns, wie es war und was ihr habt. Und dann freue ich mich, dass wir hier waren. Schön, dass ihr so viel erzählt habt. Schön, euch so gut kennengelernt zu haben. Richtig fett. Schön, dass ihr dabei wart. Schaltet wieder ein. Adieu. Tschüss. Bye.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Der Podcast „Jung und Freud“ präsentiert sich als Informationsplattform zur psychischen Gesundheit aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Freiburg.
  2. Die Redakteure – Ismene, Sebastian und Moritz – teilen persönliche Erfahrungen und stellen den Hintergrund der Psychiatrie sowie deren Behandlungsmodelle vor.
  3. Ein wichtiger Unterschied zwischen Psychiater und Psychologe wird klar definiert: Psychiater sind medizinisch ausgebildete Ärzte, die Medikamente verschreiben können, Psychologen haben eine psychologische Ausbildung.
  4. Die stationäre Behandlung in der Psychiatrie ist auf freiwilliger Basis gestaltet, mit klaren Tagesstrukturen, regelmäßigen Arztvisiten und individuell abgestimmten Therapien.
  5. Es gibt keine Zwangsbehandlung, sondern eine gemeinsame Entscheidungsfindung über Therapie und Freiheitsgraden, insbesondere bei Ausgangsfragen.
  6. Der Großteil der Patienten wird ambulant behandelt, und der Hausarzt ist der primäre Ansprechpartner für psychische Probleme.
  7. Wartezeiten bei niedergelassenen Psychiatern sind ein Problem, aber die Institutsambulanz bietet schnelle und überbrückende Behandlung.
  8. Psychiater sind selbst von psychischen Erkrankungen betroffen und verbinden mit Patienten eine authentische, empathische Beziehung, die über Fachwissen hinausgeht.

Summary:

Der Podcast „Jung und Freud“ startet mit einer persönlichen Einführung in die Psychiatrie aus der Uniklinik Freiburg, wo drei unterschiedliche Fachkräfte – eine Assistenzarztin, ein Assistenzarzt und ein Medizinstudent – gemeinsam über die Themen psychische Gesundheit und Behandlung sprechen. Der Fokus liegt auf der Unterscheidung zwischen Psychiater und Psychologe: Während Psychiater medizinisch ausgebildet sind und Medikamente verschreiben können, arbeiten Psychologen in der Psychotherapie. Die Redaktion betont, dass psychische Erkrankungen jederzeit vorkommen und dass der Alltag in stationären Einrichtungen durch strukturierte Tagesabläufe, Arztvisiten und individuelle Therapien geprägt ist.

Wichtige Grundsätze sind die Freiwilligkeit und die gegenseitige Verantwortung bei Entscheidungen, wie zum Beispiel bei Ausgangsrechten. Der Großteil der Patienten wird ambulant behandelt, wobei der Hausarzt als erster Ansprechpartner gilt. Wartezeiten bei niedergelassenen Fachärzten werden als Problem aufgezeigt, doch die Institutsambulanz bietet eine schnelle und überbrückende Behandlung.

Ein besonderer Aspekt ist die persönliche und empathische Beziehung zwischen Ärzten und Patienten – selbst Psychiater sind betroffen und vermitteln echte, authentische Erfahrungen. Der Podcast hebt auf, dass psychische Gesundheit ein allgegenwärtiges Thema ist und dass jeder Mensch auf dem Weg zu einer Behandlung Unterstützung benötigen kann. Die Redaktion betont, dass es keine „zwangsläufige“ Stationäre gibt, sondern dass Entscheidungen immer gemeinsam und individuell erfolgen.

Die Folgen werden in Zukunft durch Experteninterviews ergänzt, um eine umfassendere und wissenschaftlich fundiertere Perspektive zu bieten.

FAQs

Die Psychiatrie ist eine medizinische Fachrichtung, die sich mit psychischen Erkrankungen beschäftigt. Sie umfasst sowohl eine spezifische Behandlungsdisziplin als auch Krankenhausanlagen, in denen psychische Störungen behandelt werden.

Psychiater und Psychiaterinnen sind Ärzte, die Medizin studiert haben und Medikamente verschreiben können. Psychologen und Psychologinnen haben Psychologie studiert und arbeiten oft in Therapieformen, wie der Psychotherapie, ohne Medikamente zu verschreiben.

Der erste Schritt ist, offen über die Probleme zu sprechen. Falls man das nicht kann, sollte man sich an einen Hausarzt wenden, der eine erste Einschätzung vornehmen und gegebenenfalls einen Psychiater vermitteln kann.

Der Alltag ist strukturiert: Es gibt tägliche Arztvisiten, gemeinsame Mahlzeiten und Medikamenteneinnahmen. Patienten haben oft ein eigenes Zimmer und können sich auf die Behandlung einstellen, wobei der Tag strukturiert, aber auch individuell angepasst ist.

Nein. Medikamente werden nur dann verordnet, wenn dies freiwillig von dem Patienten oder der Patientin abgegeben wird. In ausnahmefreien Fällen, wie bei Gefährdung, kann ein Richter die Verschreibung erlauben, aber dies ist keine Regel.

Körperliche Untersuchungen sind wichtig, um auszuschließen, dass psychische Symptome auf eine körperliche Erkrankung zurückgehen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Erstdiagnose und wird oft vom Psychiater durchgeführt.

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