Die beschützte Station und der Tatort "Gefangen" - eine Gegendarstellung
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Der Podcast diskutiert die Darstellung von beschützten psychiatrischen Stationen im Tatort „Gefangen“ kritisch und aus medizinischer Sicht. Die Folge betont, dass solche Stationen nur bei echten Gefährdungen – wie Eigen- oder Fremdgefährdung – eingesetzt werden und nicht als Gefängnis fungieren. Die Entscheidung für eine Unterbringung erfolgt nicht willkürlich, sondern durch gerichtliche Genehmigung, was eine hohe Transparenz und Rechtsbindung sicherstellt. Im Gegensatz zur dramatischen Darstellung im Film, finden Gruppentherapien auf solchen Stationen nur unter strengen Voraussetzungen statt, mit viel Fokus auf die Sicherheit und den Schutz der Patienten. Die Patienten erhalten individuelle Ausgangsrechte und werden im Laufe der Behandlung systematisch auf offene Stationen verlegt, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Zudem sind medizinische Akten streng geschützt und dürfen nicht einfach an Dritte weitergegeben werden. Der Prozess wird durch ein multidisziplinäres Team kontrolliert und durch regelmäßige Teambesprechungen überprüft. Die Darstellung im Tatort wird jedoch als extrem überspitzt und gefährlich beschrieben, da sie Angst, Stigmatisierung und falsche Vorstellungen über Psychiatrie vermittelt. Die Gesprächsmöglichkeiten sind in der Realität durch sorgfältige, empathische Kommunikation und den Aufbau von Vertrauen geprägt, während im Film oft emotionale und manipulative Szenen gezeigt werden, die nicht realistisch sind. Der Podcast betont, dass die Erfahrungen von Patienten meist eine Verbesserung zeigen, nicht eine verlorengegangene Freiheit oder eine kriminelle Unterbringung.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Jung und freudlos, eurem Podcast
aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.
Und wir begrüßen euch in gewohnter Runde zu unserer Podcast-Folge in üblicher Besetzung.
Da wäre einmal Ismene, Fachärztin an der Uniklinik und des Weiteren haben wir noch Moritz,
den ich wohl die längste Zeit als neugierigen und fragestellenden Medizinstudenten angekündigt
habe.
Nein, liebe Freunde da draußen, heute ist ein Novum.
Moritz ist in den Rang eines Arztes aufgestiegen.
Herzlichen Glückwunsch.
Danke.
Ich komme mit meiner neuen Rolle noch nicht so richtig gut klar, eigentlich wäre ich, ich glaube,
ich wäre eigentlich gerne noch der fragenstellende Student.
Naja, wir wollen mal gucken, ob dir die Neugier und das Fragenstellen noch erhalten bleiben
als Charakterzüge.
Naja, mal gucken, bisher geht es noch, glaube ich.
Na, hoffentlich.
Wir hoffen auch drauf.
Ich glaube schon.
Ja, mein Name ist Sebastian, ich bin Assistenzarzt und über was sprechen wir heute, Moritz?
Ja, wir haben tatsächlich alle drei den Tatort geguckt, der heißt Gefangen, der kam am 17.05.
zum ersten Mal in der ARD und in dem Tatort geht es auch um die Psychiatrie, wie genau,
besprechen wir gleich und wir haben den geguckt.
Und haben danach alle gedacht, irgendwie müssen wir da, glaube ich, mal drüber sprechen, ne?
Und das wollen wir heute in dieser Folge tun.
Vorher, auch wenn wir uns unglaublich gut kennen und schon eine unglaublich eingespielte Runde sind,
eine neue Runde Oder-Fragen, ich kann, ich glaube, wir können damit nie aufhören.
Ismene, für dich zum Start: Ohrensessel, Kunstledersofa oder Palettencouch?
Ohrensessel.
Ja?
Ja, habe ich auch zu Hause.
Hast du, oder?
Das ist ultra gemütlich, auch wenn er schon sehr abgeschabbelt aussieht, kann ich wirklich empfehlen.
Ja, kann man immer brauchen, ne?
Mhm.
Okay, Sebastian, Chips, Popcorn oder Dinkelcracker?
Chips.
Ja?
Ja, Chips.
Das ist nicht das ungesunde davon, ne?
Aber ja, das ist das einzige, was ich davon tatsächlich esse.
Isst du gar keinen Popcorn?
Ich esse vor allem keine Dinkelcracker.
Du hast schon mal Dinkel hier runtergemacht.
Ich erinnere mich dunkel, ja.
Ich bin nicht so ein riesengroßer Dinkel-Fan, zugegeben.
Verdammt.
Naja.
Aber zum Popcorn, ein super Tipp, süß und salzig mischen.
Was?
Dann ist es geil, dann schmeckt es auch mehr.
Oui.
Okay.
Oui.
Okay.
Ist mir eine Ortsgebunden, Fernweg oder Handyortung?
Du hast mich ja was ähnliches schon mal gefragt.
Ne, ne, das war in einem anderen Kontext.
Das war in einem anderen Kontext.
Also im Moment bin ich tatsächlich Fernweg, weil ich ja nicht in Urlaub fahren darf.
Mhm.
Und ich wollte doch so gern schnorcheln gehen.
Schnorcheln?
Ja.
Mit so einer Fullface-Maske?
Ja.
Das habe ich letztes Jahr zum ersten Mal gemacht.
Wirklich?
Und dann habe ich mich Schnorchisme genannt.
Ich habe einen Fisch gesehen und wollte das unbedingt bald wiederholen und das ist jetzt
irgendwie schwierig.
Hast du doch auch einen Babydelfin gesehen, oder?
Ja, aber den habe ich vom Boot aus gesehen.
Ah, okay.
Vielleicht kannst du ja mal in der Dreisam schnorchismi, schnorchelismi, wie?
Schnorchismi.
Schnorchismi sein.
Ja, vielleicht muss ich darauf zurückgreifen, aber ich habe noch ein bisschen Hoffnung,
dass man irgendwann wieder irgendwo hin kann.
Schnorchismi.
Wo es mehr zu sehen gibt als in der Dreisam.
Das kommt.
Okay, Sebi.
Primetime, zeitlos oder gerade noch rechtzeitig?
Zeitlos.
Also, ja.
Echt?
Das war eigentlich total die Suggestivfrage.
Es war total suggestiv.
Nein, natürlich komme ich gerade noch rechtzeitig, weil aber meistens halt auch nicht mehr.
Deswegen versuche ich es eher zeitlos.
Zeitloser Typ.
Was ist dein zeitlosestes Accessoire?
Mein Portemonnaie.
Uh.
Ja.
Ich glaube, das hätte man einfach auch schon so vor 50 Jahren tragen können.
Okay.
Ja.
Nicht schlecht.
Gefangen, mitgehangen oder abgehängt?
Abgehängt.
Von dir, Moritz.
Auf keinen Fall.
Ich sage aber nicht warum.
Moritz hat uns alle abgehängt.
Er hat uns wirklich alle abgehängt.
Nicht sehr, Frau Fachärztin.
Na gut.
Letzte Runde, Sebastian.
Werbefrei, werbungsanfällig oder abgeworben?
Werbungsfrei.
Komma, aber?
Komma, kein aber.
Einfach Punkt.
Unterstrichen.
Fett.
Ja.
Bitte.
Werbefreier Typ.
Ich mag keine Werbung.
Zeitlos und werbefrei.
Das ist eine coole Frage.
Ja.
Ja.
Ja.
Ja.
Ja.
Das ist eine coole Kombi.
Kann man machen.
Commercial free.
Sehr gut, Mori.
Wir haben natürlich nicht ganz so schöne Fragen wie du wie immer, aber wir haben welche.
Wir sind eigentlich immer besser.
Ne.
Ich fange mal an.
Tatort, Tagesschau oder Traumschiff?
Also Traumschiff kann ich ausschließen.
Ja, Tatort.
Tatsächlich.
Wirklich?
Ja.
Immer noch?
Tatsächlich.
Trotz der jüngsten Folge.
Und komplett ritualisiert.
Ja, das war jetzt ein bisschen so ein Tiefflug, aber es gibt ja Hoffnung auf andere.
Ja.
Okay.
Na, dann bin ich ja froh und natürlich auch überrascht, dass du so geantwortet hast.
Und ich schließe mich an mit der Frage: Köln, München oder Münster?
Uh.
Und das ist jetzt nicht so einfach.
Münster.
Ja.
Glaube ich von den dreien, ja.
Ja.
Sonst hätte ich gerne Weimar gesagt, aber jetzt sage ich Münster.
Ah, ich habe mir auch noch überlegt.
Also der Ost-Tatort fehlte noch.
Ja.
Ja, okay.
Macht nichts.
Ja.
Aber Münster mag ich auch gerne.
Ja?
Gut.
Alles klar.
Schön.
Ich habe noch eine saisonale Frage an dich.
Erdbeere, Spargel oder Rhabarber?
Rhabarber.
Vor allen Dingen, weil Kuchen, also ich finde Rhabarber-Baiser ist ungefähr die Erlösung.
Mhm.
Kurz vor der Erlösung.
Stimmt.
Da gebe ich dir recht.
Also Erdbeeren sind super lecker, aber Rhabarber-Baiser ist echt.
Oh Gott, ich habe die Frage gestellt, aber ich könnte es gar nicht entscheiden.
Nee?
Würdest du Erdbeer-Rhabarber machen?
Nee.
Zusammen passt das gar nicht.
Doch, das passt sehr wohl.
Nee, nee, nee.
Dann hätte man einen ganz leckeren Kuchen bekommen.
Ja, ich müsste länger drüber nachdenken.
Gut, dass du die Frage bekommen hast.
Okay.
Na gut.
Dann steigen wir jetzt total saisonal ein.
Vor einer Woche oder vor anderthalb sind sie jetzt mittlerweile am 17.05. in der ARD erstmals
ausgestrahlt, der Tatort Gefangen aus Köln.
Da geht es um die Psychiatrie, im Besonderen auch um eine beschützte Station oder geschlossene
Station, sagen sie, glaube ich, im Tatort.
Und Esmine, du hast es schon angedeutet, ihr beide habt es angedeutet, wir waren nicht
so ganz einverstanden mit der Darstellung, deswegen wollen wir verschiedene Aspekte,
die in dem Tatort zum Tragen kommen, hier jetzt nochmal besprechen.
Vielleicht für euch, die jetzt diese Folge hört, wenn ihr den Tatort noch gucken wollt,
guckt ihn lieber jetzt.
Und schaltet danach wieder die Folge ein, weil wir mit Sicherheit ein bisschen Sachen
vorweggreifen oder spoilern.
Das lässt sich, glaube ich, anders nicht machen, um ihn in voller Gänze zu besprechen.
Deswegen, also wenn ihr ihn euch anschauen wollt, wir haben ihn in den Shownotes verlinkt
und hört einfach danach weiter.
Und schreibt uns dann in die Kommentare, wie ihr ihn fandet.
Ja.
Das fänden wir sehr spannend.
Total.
Weil wir haben beide, wir haben alle…
Beide.
Danke.
Ich hatte gerade so intensiven Blickkontakt mit Esmine, da konnte ich leider nicht mehr
an Sebastian denken.
Wir haben alle kurzfristig hohen Blutdruck gekriegt.
Genau.
Aber das bespellen wir jetzt.
Also, in dem Tatort geht es ja um eine Frau, die seit langer Zeit, muss man sagen, auf
einer beschützten Station oder geschlossenen Station behandelt wird, vielleicht auch fehlerhaft
behandelt wird.
Deswegen wollen wir so ein bisschen einmal die Darstellung in den Mittelpunkt nehmen,
aber auch das System "beschützte Station", um da vielleicht mit Vorurteilen oder Stigmatisierungen,
die durch diesen Tatort entstehen, aufzuräumen.
Vielleicht als Einstieg für uns.
Wann oder bei welchen Krankheitsbildern kommt man denn auf eine beschützte Station?
Was macht es notwendig, sozusagen?
Also, man kann bei verschiedenen Krankheitsbildern auf eine beschützte Station kommen.
So zentrale Punkte sind, dass so eine beschützte Station eben bei einer Fremd- oder Eigengefährdung
von Patienten wichtig ist, um eben zu verhindern, dass die Menschen sich selber oder anderen
Schaden zuzufügen können.
Und wir haben da in den diversen Erkrankungspodcasts.
Die wir schon hatten, sei genannt Depression, Schizophrenie, aber auch ganz, ganz, ganz viele
andere Erkrankungen schon drüber gesprochen.
Da kann es eben zu Eigen- oder Fremdgefährdungen kommen, sei genannt, also gerade bei Eigengefährdungen
ist Suizidalität sehr, sehr häufig oder die Fremdgefährdung kann eben auch sein, dass
zum Beispiel jemand viel Angst hat im Rahmen von einer Psychose und dann eben auch aus
Angst heraus zum Beispiel aggressiv oder gewalttätig werden könnte, es gibt noch so ein bisschen
einen Fall, das nennen wir so eine hilflose Person, also wenn Menschen so krank sind,
dass sie überhaupt nicht mehr zurechtkommen im Alltag und einfach zu erwarten ist, dass
die Schaden nehmen dadurch, dass sie zum Beispiel nicht mehr als Fußgänger im Straßenverkehr
teilnehmen könnten, weil es so eine starke Realitätsverkennung ist, dann ist eine beschützte
Station sinnvoll.
Eine beschützte Station ist eine Station mit einer geschlossenen Türe, das heißt,
man kann nicht einfach von dieser Station herunterlaufen.
Und aber man muss ganz klar sagen, ein Großteil der Patienten wird total freiwillig auf so
einer beschützten Station.
Also die meisten Patienten, die auf so eine Station kommen, sind damit einverstanden dort
zu sein.
Kurz, du sagst die meisten Patienten, das heißt, es gibt auch den Fall, dass sie nicht
einverstanden sind, aber dann gibt es spezielle Wege und das ist ziemlich eindeutig geregelt
bei uns, ne?
Ganz genau.
Ja, ich weiß nicht, wie tief wir auf diese Regeln eingehen sollen.
Also da gibt es Gesetze und verschiedene gesetzliche Grundlagen, um Menschen auch unfreiwillig
auf einer geschützten Station zu behandeln.
Und das läuft immer über ein Gericht ab, also über das zuständige Amtsgericht.
Da müssen dann ärztliche Zeugnisse geschrieben werden, Atteste, teilweise noch Gutachten
von unabhängigen Ärzten, um den Richter entscheiden zu lassen, ob das gerechtfertigt
ist, im Einzelfall jemanden auch gegen seinen Willen weiter zu behandeln.
Genau, wahrscheinlich reicht das schon von der Tiefe.
Ich glaube, entscheidend ist, dass es eben dann nicht darum geht, dass willkürlich jemand
jetzt aus der Medizin entscheidet, der Mensch muss jetzt da bleiben, sondern das geht dann
immer über ein Gericht bei uns.
Das ist eben keine Willkür.
Genau, mit der kleinen Einschränkung ganz kurz.
Kurzfristig über 24 Stunden können wir eine fürsorgliche Zurückhaltung machen, aber ab dann spätestens oder bei einem Wochenende spätestens nach dem Wochenende muss der Richter eingeschaltet werden.
Genau, also es ist so ein bisschen dieser Zeitraum für die fürsorgliche Zurückhaltung, in der man eben auch Zeit bekommt, eine Untersuchung vorzunehmen, ein Gutachten zu verfassen und den Richter zu benachrichtigen und der muss ja dann auch reagieren.
Und in der Zeit wird eben eine Rechtsgrundlage dafür hergestellt.
Oder die Richterin, Entschuldigung an die Richterin, ich habe auch nicht gegendert. Böse.
So sieht es aus, macht nichts, wir grooven uns ja gerade ein.
Jetzt ist es so, dass die Hauptperson, die Frau aus dem Tatort ist über ein Jahr auf der Beschützungsstation. Kann das vorkommen? Ist das typisch?
Also es kann vorkommen, ist aber eher sehr selten. Also Unterbringungen gegen den Willen der Patienten sind in erster Linie erstmal zeitlich sehr begrenzt und müssen dann verlängert werden.
Unterbringungen über so lange Zeiträume kann es geben.
Unterbringungen sind aber wirklich nicht der Regelfall und werden auch sehr restriktiv von den Gerichten überhaupt genehmigt.
Da muss wirklich eine ausgeprägte und auch anhaltende und auch auf Basis des Krankheitsbildes nachvollziehbar anhaltende Gefährdung geben.
Und die Gefährdung ist wieder das Entscheidende, was Sebastian am Anfang schon mal gesagt hat.
Genau, also das ist einfach auch gesetzlich so geregelt, dass man eben die Freiheit nur einschränken darf, wenn wir dafür eine größere Gefahr abwenden.
Und die Freiheit ist ja in unserer Gesetzgebung ein sehr, sehr hohes Gut.
Und die Gefahr muss also auch sehr unmittelbar sein und das müssen wir beweisen können und sehr gut darlegen können.
Und das sind ja so ein bisschen die Dinge gewesen, über die wir uns im Tatort geärgert haben, dass das eben so gar nicht klar geworden ist.
Ja, wo soll denn diese Gefährdung da sein?
Und das können wir einfach aus unserem Alltag heraus so nicht bestätigen.
Das ist deutlich strenger gehandhabt.
Das ist auch gut so, dass das strenger gehandhabt ist.
Und das ist heute schon auch schon lange Realität in Deutschland.
Dass man Menschen eben nicht einfach so irgendwie mal wegsperren kann, wie so dort gezeigt.
Okay, sehr wichtig. Erstes Ausrufezeichen für heute.
Jetzt kam, glaube ich, schon so ein bisschen raus, dass es den Patientinnen und Patienten, die auf einer Beschützungsstation behandelt wird, in der Regel ja wirklich schlecht geht.
Ihr habt gesagt, Eigen- und Fremdgefährdung spielt eine Rolle oder die hilflose Person, wie du gesagt hast, Sebastian.
Welche Therapieformen trifft man denn typischerweise auf so einer Beschützungsstation?
Also, wir machen meistens auf der Beschützungsstation erstmal viele Untersuchungen.
Und viel Diagnostik. Es sei denn, es gibt schon sehr viele Vorbefunde und Vorbehandlungen.
Und das passiert dann in der Regel bei uns im Eins-zu-eins-Setting.
Also PsychiaterInnen, PsychologInnen, PflegerInnen sprechen mit den Betroffenen und auch mit den Angehörigen.
Und an Therapien, sobald der Zustand zulässt, haben wir verschiedene Angebote, die aktuell alle ein bisschen brach liegen wegen Corona.
Da muss dann aber im Einzelfall entschieden werden, wer ist.
Und für welche Therapie aktuell gesund genug imstande, wer würde von welcher Therapie profitieren.
Und das sind dann die Therapien, über die wir auch an anderer Stelle immer mal wieder erzählt haben.
Also Therapien aus dem Bereich Sport und Bewegung, Gestaltung, Ergotherapie.
Als Therapie kann man wahrscheinlich auch noch zählen, Kontakte zu den SozialarbeiterInnen, um Probleme im Umfeld lösen zu können.
Und das ist dann auch ein bisschen die Therapie, die wir auch immer mal wieder erzählt haben, also Therapien aus dem Bereich Sport und Bewegung, Gestaltung, Ergotherapie.
Und das sind dann die Therapien, über die wir auch an anderer Stelle immer mal wieder erzählt haben, um Probleme im Umfeld lösen zu können.
Und es gibt bei uns in der Klinik auch Gruppentherapien, die finden größtenteils, also solche Gruppengesprächstherapien finden größtenteils auf den offenen Stationen statt und sind dann in unserer Klinik störungsspezifisch.
Das heißt, wenn jemand eine Depression hat, dann kann er zum Beispiel oder sie in die Depressionsinformationsgruppe gehen.
In der Regel sind die PatientInnen, die da hingehen, auf der offenen Station.
In Ausnahmefällen entscheiden wir, dass jemand jetzt schon stabil genug ist, um auch dorthin zu gehen.
Und insgesamt sind die Therapien bei uns auf der Station sehr niederschwellig und dienen erstmal dazu, Tagesstruktur und Aktivitäten wieder aufzubauen, Ablenkung zu finden, eher erstmal zu entlasten.
Was kann man noch dazu sagen, Sebastian? Du warst ja auch lange auf der geschützten Station in unserem Haus. Habe ich was vergessen?
Ja, es hilft auch so ein bisschen tatsächlich, dass die Patienten miteinander in Kontakt kommen und vielleicht auch eine stützende Sozialstruktur dann bilden.
Und ich denke, ich weiß gar nicht, ob du es erwähnt hast, aber auch wichtig ist natürlich, dass wir noch eine medikamentöse Therapie in den meisten Fällen machen.
Und natürlich auch versuchen, recht schnell am Krankheitsbild zu arbeiten, sodass Eigen- und Fremdgefährdungen nicht mehr bestehen.
Und das gelingt in der Regel auch ganz gut, weswegen man die meisten Menschen jetzt irgendwie nicht über Jahre hinweg auf einer geschütztgeschlossenen Station behandeln muss.
Also, dass man sozusagen über die geschützte Station so einen Grundzustand erreichen kann, der auch andere Therapieformen dann möglich macht.
Oder dass man eben an der Erkrankung arbeitet oder an den Problemen, die bestehen.
Ja, genau.
Esmine, du hast es gerade schon angesprochen, die Gruppentherapie, das war auch so ein Fakt, wo ich drüber gestolpert bin in dem Tatort.
Da wird auf der geschützten Station auch eine Gruppentherapie gezeigt.
Vielleicht könnt ihr mal kurz sagen, die Gruppentherapie dort, da sind ja Patientinnen mit verschiedenen Krankheitsbildern zusammen und eine Therapeutin.
Ist das eine typische Gruppentherapiesituation vielleicht generell?
Und jetzt für die Beschützt, ihr habt es gerade schon gesagt, ist bei euch gar nicht mal so typisch.
Aber kommt es so vor?
Ich würde sagen, ziemlich klar nein.
Also zunächst mal haben wir das auf der beschützten Station nicht so, dass jetzt Ärzte eine Gruppentherapie machen,
in der die Patienten so ganz offen über ihre Erkrankungen gefragt werden und dann vor allem antworten müssen.
Und das Ganze wirkte auch so wie im Tatort dargestellt, ziemlich unmoderiert.
Also was wir sehr wohl haben, sind Gesprächsrunden, die zum Beispiel häufig von Pflegenden durchgeführt werden,
in denen es aber eben eher darum geht.
Wie fühle ich mich auf der Station, was sind Aktivitäten, die geplant sind, wo brauche ich noch weitere Unterstützung?
Und im Tatort gezeigt war das ja so ein bisschen wie so eine Visite-Diagnostik-Sitzung.
Jeder, der mit Patienten hat, was eingeworfen, was auch nicht immer hilfreich war.
Und es kam ja dann auch zu einer Eskalation.
Es konnte einfach eine fremde Person in diese Gruppentherapie, also in dem Fall der Kommissar, hineinlaufen.
In eigentlich eine Situation, in der eben höchste Privatsphäre einfach auch geboten wird.
Und das findet man so bei uns nicht.
Also es ist jetzt schon, dass PatientInnen bei Gruppen zusammensitzen.
Meistens sind die nicht ärztlich geleitet, sondern von Pflegenden.
Und es geht eben nicht so sehr um substanzielle Dinge.
Sondern es geht mehr so um das Miteinander auf der Station in dem Fall.
Oder es gibt Wochenzielgruppen, wo es darum geht, woran möchte ich diese Woche konkret arbeiten.
Aber solche empfindlichen und intimen Informationen, das ist bei uns in der Klinik wirklich,
das ist bei uns in der Klinik wirklich, das ist bei uns in der Klinik wirklich,
unüblich, dass Leute da, ich sag mal, schon fast genötigt werden, das in der Gruppe mitzuteilen.
Und eben was einen wirklich wütend macht, ist, dass diese Gruppentherapie, die da dargestellt wird,
ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir würde das schon alleine Angst machen,
jemals in so eine Klinik zu gehen.
Und man sieht, dass gegenseitig die MitpatientInnen sich abwerten und irgendwie kaum dazwischen gegangen wird.
Und man sich denkt,
okay, nach so einer Gruppe, wie würde es mir da gehen?
Besser oder schlechter?
Wahrscheinlich eher schlechter.
Also wir würden,
selbst wenn wir eine Gruppe
auf Station hätten,
wo Patienten und Patientinnen
kotherapeutisch aktiv sind,
dann würden wir schon auch sehr sorgfältig schauen,
wer ist überhaupt stabil genug, so etwas zu machen.
Weil die PatientInnen auf unserer geschützten
Station sind schwer krank.
Überallanders sicherlich
genauso.
Und so eine Gesprächssituation
wie dort,
wie dort dargestellt, kann man in so einem Zustand
womöglich gar nicht
verkraften.
Das hattest du vorhin, als wir es so ein bisschen
vorbesprochen haben, auch schon gesagt, dich hat auch die Rolle der
Therapeutin, wie sie da dargestellt war,
so ein bisschen gestört.
Also dass sie so passiv
und mehr so, als würde sie da zugucken,
was mal so passiert,
dass das nicht so ideal war. Wie würdet ihr denn sagen,
ist denn typischerweise die Rolle von jemandem, der das vielleicht
moderiert, egal mal ob pflegende Person oder
auch eine Ärztin oder ein Arzt?
Also man versucht ja schon stark,
dass,
in eine Richtung zu lenken, sodass ein Gesprächsverlauf
hilfreich ist. Und
das ist ja jetzt nicht unvorstellbar,
dass es Menschen gibt, die dann auch dazwischen
schießen mit wenig hilfreichen
Kommentaren oder vielleicht auch destruktiven
Kommentaren in manchen Situationen.
Aber in so einer Situation wäre klar die
Aufgabe von der Person, die die Gruppe anleitet,
sowas dann rasch zu unterbinden.
Und
wenn das eben nicht gelingt, dann sollte
man die Gruppe vielleicht auch nicht weiterführen,
weil dann ist das nicht hilfreich. Wir wollen ja, dass es den
Menschen besser geht. Und das war ja eine sehr dystopische
Darstellung, in der sich alle
bedrückt gefühlt haben, unter
Druck, eben
ihr Innerstes nach außen kehren mussten und sich
dann auch noch anhören mussten, wie sich andere darüber lustig
machen. Und das hat mich
genauso wie Ismene auch wirklich geärgert,
dass so eine Darstellung in
einer Serie im
Jahr 2020 noch auftauchte.
Das war wirklich ärgerlich.
Genau. Sebastian, du hast jetzt vorhin schon
gesagt, mal jetzt so ein bisschen
weg von der Gruppentherapiesituation, aber da kam
der Kommissar einfach reingelaufen
so, jetzt reden wir ja von einer beschützten Station.
Du hast vorhin gesagt, die Tür ist geschlossen. Wie ist es denn
so rein logistisch? Kann man als besuchende Person,
die ja eher ja in dem Fall gewesen wäre,
einfach so auf diese Station marschieren und dann
ab ins Patientinnenzimmer und mal so
ein Gespräch führen?
Auf gar keinen Fall.
Also,
man kommt ja erstmal nicht alleine rein,
weil man keinen Schlüssel hat, idealerweise
als unbefugte Person.
Das heißt, Besucher
innen müssen klingeln und
stehen dann in der Regel erstmal
am
Stationsstützpunkt,
müssen da mitteilen, wer sie sind,
zu wem sie möchten.
Und bevor sowas wie eine polizeiliche Befragung stattfindet, müssen auf jeden Fall die Behandler auch mit einbezogen werden und auch entscheiden, ob durch die Befragung zum Beispiel eine Verschlechterung des Zustands mit einer Verstärkung der Gefährdung stattfinden kann.
Sowas wie ein Gruppentherapie-Setting ist natürlich denkbar ungünstig für den Erstkontakt, wobei der Polizist in diesem Tatort ja auch als der Retter in der Situation aufgetreten ist, um die dann akut aufgetretene Gefährdung zu beheben.
Was er natürlich auch besser konnte als das Psychiatriepersonal. Das ist nochmal ein Sonderfall gewesen, aber es gibt ja auch später noch Szenen, wo er scheinbar unbemerkt vom ganzen Behandlungsteam ein Gespräch mit der besagten,
Patientin führt und dann wieder raus spaziert. Also das geht nicht. Also das Beschützte an der Station geht schon auch in zwei Richtungen. Das ist auch das, was für viele PatientInnen erstmal entlastend ist, dass sie auch wissen, dass niemand, der unbefugt ist oder niemand, von dem sie sich gerade bedroht fühlen, von außen da einfach rein spazieren kann.
Also das ist auch nicht realistisch und das wäre auch wirklich gefährlich, weil Polizisten sind ja keine. Ein psychologisch, psychiatrisch geschultes Personal und können das im Zweifelsfall auch nicht einschätzen, wenn sie das Gespräch wieder verlassen, ob jetzt die Person womöglich eine engere Beaufsichtigung braucht oder dadurch destabilisiert wurde und wenn es so wäre, dass eine polizeiliche Befragung auf der geschützten Station stattfindet, dann müsste auf jeden Fall auch immer im Nachhinein dann das Personal informiert werden.
Wir sind jetzt fertig, sodass dann auch wieder durchs Behandlungsteam Kontakt aufgenommen werden kann.
Du meinst, dass sozusagen auch ja durch so ein Gespräch die Situation für den Patientinnen und Patienten sich verschlechtern kann oder dass das eine Krise auslöst?
Da wurde immerhin ja auch drüber gesprochen, dass der behandelnde Arzt gestorben ist, ermordet wurde, was weiß ich nicht noch alles. Das wäre ja schon für jeden psychisch ganz gesunden wahnsinnig belastend und für psychisch erkrankte Personen erst recht.
Ja, glaube ich auch ein ganz wichtiger Punkt.
Ein wichtiger Punkt, genau. Jetzt hast du schon gesagt oder ihr habt es gesagt, es ist aber beschützt in zwei Richtungen letztendlich. Wie ist es denn für die Patientinnen und Patienten auf der Station? Die Tür ist geschlossen, das heißt, die können auch nicht einfach raus oder wie ist die Situation für die Menschen, die dort behandelt werden?
Also ganz unterschiedlich mit den Patientinnen wird ein sogenannter Ausgang festgelegt bei uns. Das heißt, in der Visite wird besprochen, wie viel Ausgang kann eine Person in Anspruch nehmen.
Also wenn man zum Beispiel keinen Ausgang hat, dann kann man die Türe nicht verlassen, also kann man nicht vor die Türe gehen und das ist wirklich nur so eine Notfallsituation, in denen gerade eine akute Gefährdung da ist und ansonsten fängt man relativ schnell wieder an, die Menschen auch wieder nach draußen zu lassen. Zunächst mal vielleicht in Begleitung durch Pflegepersonal, durch Praktikanten, in Therapien, die außerhalb von der Station stattfinden, bis auch dahin, dass sich Menschen auf der beschützt geschlossenen Station befinden, die, wenn sie sagen, ich möchte rausgehen und zum Bäcker gehen, einfach auch rausgehen und zum Bäcker gehen können.
Auch teilweise für eine, zwei Stunden oder länger noch. Das ist eben eine sehr individuelle Entscheidung und hängt einfach auch sehr stark davon ab, wo befinden sich die Betroffenen gerade in ihrer Erkrankungsphase und das ist natürlich so, dass man am Anfang meistens mit einem eher restriktiven Ausgang startet und den dann eben zunehmend freigibt und im Idealfall werden Patientinnen dann noch auf eine offene Station entlassen sozusagen oder verlegt, in der sie dann eben noch mehr so ein bisschen wieder aufbauen können.
Es gibt aber auch ganz andere.
Es gibt ganz häufig Kriseninterventionen und diese Krisen, die sind ja zum Beispiel auch irgendwann wieder vorbei und dann kann man auch eine Entlassung vornehmen, wenn es ein gutes ambulantes Netz gibt und ähnliches.
Okay, das ist aber auch eben nicht Ziel der Beschützungsstation, möglichst lange auf der Station zu bleiben und gar nicht mehr rauszukommen, sondern euer Ziel ist eher, dass man möglichst schnell, wenn es die Krankheit sozusagen oder der Zustand erlaubt, dass man die Station auch mal jetzt mehr oder weniger begleitet, wieder verlässt.
Ganz genau. Also es ist eben kein Gefängnis, sondern es ist wirklich ein Krankenhaus und von der Intensivstation darf man im Übrigen auch nicht einfach runter spazieren.
Einfach drauf, ja. Das ist auch unsere psychiatrische Intensivstation, auch die einfach sehr schwerkranke Menschen sind, die eben eine spezielle Umgebung benötigen.
Und noch ein Punkt, der uns aufgefallen war, ist der Polizist in dem Tatort, der kann nicht nur einfach auf die Station marschieren, der kriegt auch einfach so Akten an sich, kann Akten mit nach Hause nehmen, die Akten werden verschickt.
Wie ist es denn damit? Sind auch Akten beschützt?
Definitiv und das ist ja gar kein Alleinstellungsmerkmal für eine beschützte psychiatrische Station. Das gilt für alle Krankenhausakten.
Die können natürlich nicht einfach so rausgegeben werden können und erst recht nicht in der Weltgeschichte umhergeschickt werden können, um dann irgendwelchen befreundeten Psychiatern die zum Gegenchecken vorzulegen.
Also wenn die Polizei Akteneinsicht fordert, dann haben wir auf der beschützten oder überhaupt auf der Station erstmal damit gar nicht so viel zu tun, weil das muss hochoffiziell über die Verwaltung und über die Rechtsabteilung abgewickelt werden.
Und das können wir ja gar nicht entscheiden.
Das heißt, ich komme nicht zu dir und du läufst dann schnell in deinen Schrank, holst die Akte und gibst sie mir mit, sondern es ist ein bisschen komplizierter.
Und selbst wenn ich das tun würde, würde dir das gar nicht so viel weiterhelfen, weil heutzutage auch die wenigsten Unterlagen überhaupt in so einer Papierakte gekommen sind.
Also nee, das würde so nicht funktionieren.
Also es gab ja diese Szene, in der Max Balloff die Ärztin dann quasi bedroht und sagt, er würde sich ja sonst vom Staatsanwalt eine entsprechende Anordnung holen und die würde er ja auch bekommen.
Sie ihm die Akte davor freiwillig.
Aber lustigerweise genau den Weg hätte man halt gehen müssen.
Ja, das ist der Rechtsweg und anders geht so etwas nicht.
Und die Ärztin hat sich in dem Moment strafbar gemacht und zwar massivst.
Genau, glaube ich, ganz wichtig.
Das ist einfach rechtlich geschützt bei uns.
Absolut.
Jede Akteneinsicht oder jede, das ist ja Schweigepflicht und auch Persönlichkeitsrecht von jeder Patientin, jedem Patienten, dass sowas nicht einfach durch die Welt fliegt.
Abgesehen davon, ich weiß nicht, ob wir später noch drauf kommen, ich würde es gerne an der Stelle schon einstreuen.
Es ist natürlich.
Vollkommen absurd, überhaupt auf Basis der Akte irgendeine Aussage über die Richtigkeit oder Falschheit einer Diagnose treffen zu wollen, ohne die Patientin persönlich gesehen und untersucht zu haben.
Also auch das ist nochmal ein logischer Schnitzer in dieser Folge.
Einer.
Einer.
Einer von mehreren.
Genau, das hast du vorhin auch schon gesagt, gerade auch im Zusammenhang mit der gerichtlichen Anordnung sozusagen.
Da müssen zum Teil Gutachten erstellt werden und psychiatrische Gutachten heißt ja nicht, dass man sich mal so einen theoretischen Fall durchliest und danach sagt, aha, der Mensch hat das und das, sondern wie sieht es denn in der Praxis aus, wie erstellt man so ein Gutachten?
Also die Aktenlage ist ein Teil des Gutachtens.
Natürlich muss man sich alles, was es schon gibt, anschauen und sichten und zusammenfassen.
Aber ein ganz wesentlicher Teil des Gutachtens ist auch die psychiatrische Untersuchung.
Man höre unsere Folge zum psychopathologischen Befund.
Da gibt es doch was.
Und nochmal die eigene Anamnese.
Das ist ja eben der Witz an der Sache, dass sich nochmal jemand anders auch ein Bild machen kann.
Absolut.
Und es ist ja auch gang und gäbe, wenn wir längere Unterbringungen haben oder ähnliches, dass eben auch ein Fremdgutachter vom Gericht bestellt wird, der dann auf die Station kommt und selber mit dem Patienten spricht.
Das heißt, es ist dann jemand, der vorher die Patientin, den Patienten gar nicht kannte, sondern wirklich möglichst objektiv sozusagen von außen dazu kommt, sich das gesamte, das Gesamtpaket, sage ich mal, anguckt, also Aktenlage und auch den Menschen.
Es gibt da zumindest in Baden-Württemberg mehrere involvierte Personen.
Es ist nicht unbedingt die Regel, dass noch ein Gutachter vorbeikommt.
Ich glaube, das ist eher, wenn es gewisse Zeitfristen überschreitet, die ich jetzt auch nicht genau kenne.
Das entscheiden die Richter dann zu irgendeinem Zeitpunkt.
Aber es gibt eine Anhörung durch den Richter, die persönlich sein muss.
Und es kommt auch noch eine sogenannte Verfahrenspflegerin vorbei.
Das sind in der Regel Rechtsanwälte, die einfach auch PatientInnen dann nochmal beraten zu ihren rechtlichen Möglichkeiten.
Die ihnen die Möglichkeit geben, einen Widerspruch zum Beispiel zu erheben oder eben denen auch Unterstützung anbieten, wie das auch sein kann.
Damit das ganze Verfahren den Menschen auch nicht so wahnsinnig feindselig und gegen sie gerichtet vorkommt, wird das eben möglichst transparent gemacht.
Auch nochmal wichtig.
Jetzt haben wir am Anfang schon darüber gesprochen, dass es sein kann, dass man über einen auch längeren Zeitraum tatsächlich auf einer beschützten Station behandelt wird.
Dass es vielleicht nicht unbedingt die Regel ist.
Vielleicht könnt ihr nochmal sagen.
Wie ist es denn, wenn jemand wirklich länger?
Auf so einer beschützten Station ist.
Wie werden denn die Diagnosen oder auch der Therapieplan besprochen und evaluiert?
Im Tatort, finde ich, war das so ein bisschen, hatte man das Gefühl, okay, da gab es diesen Chef und es gab die leitende Oberärztin.
Und das war so ein bisschen so ein ausgeklüngeltes System.
Durch welche Hände, sag ich mal, oder an welchen Augen vorbeigehen denn normal solche Prozesse bei euch?
Also bei uns wird ja viel im multidisziplinären oder interdisziplinären Team gearbeitet.
Und das bedeutet, dass eben FliegerInnen.
Beteiligt sind FachtherapeutInnen, beteiligt sind Ärzte.
Da ist meistens ein Assistenzarzt und ein Oberarzt, manchmal auch noch ein Chefarzt übergeordnet mit zuständig.
Und dann gibt es ja auch immer noch den Fall, dass verschiedene Personen mal abwesend sind im Urlaub oder krank.
Und dann sind teilweise noch weitere Ärzte und Ärztinnen beteiligt.
Und das bedeutet letztendlich, dass schon sehr viele Augen auf so einen Fall drauf schauen.
Und im Zweifelsfall auch bemerken, ob die Diagnose und die Therapie, ob das alles zusammenpasst, ob das in die richtige Richtung führt.
Weil eben, wie Sebastian gesagt hat, wir sind ja ein Klientel.
Das Ziel ist ja die Patientinnen zu behandeln und nicht zu verwahren. Unser Ziel ist immer, dass es auch besser wird und man irgendwann auch die Verlegung auf die offene Station oder die Entlassung wieder planen kann.
Und dass es einem gelingt, so im Zweierklüngel krude Behandlungen, die das Gegenteil des erwünschten Ergebnisses beiführen, durchzuführen, ohne dass es irgendjemandem auffällt und ohne dass irgendjemand was dazu sagt oder darüber sagt oder das irgendwie weiterträgt.
Das ist wahnsinnig unrealistisch, weil zumindest so wie ich es kenne aus unserem Krankenhaus wird es schon allein.
Das Pflegeteam, das da ja nicht offiziell in diese kleine Verschwörung integriert war, schon allein das würde merken, wenn jemand mit den komplett falschen Medikamenten behandelt wird.
Damit kennen die sich auch aus und alle beteiligten Behandler würden merken, wenn jemand mit einer in dem Fall jetzt angeblich paranoiden Schizophrenie, wenn der oder die gar nicht besser wird trotz Behandlung.
Also ich halte es für sehr.
Fiktiv und märchenhaft, dass das funktioniert. Ich weiß nicht, wie es dir geht, Sebastian?
Also ich glaube, das ist vielleicht einfach auch noch ein bisschen eine alte Urangst, die jetzt irgendwie der guten oder meinetwegen mittelmäßigen Erzählung wegen so aufgezogen wurde.
Ich glaube, es geht viel um die Angst vor der Psychiatrie der 50er, 60er Jahre, wo es wirklich viele Horror-Stories gab und wahrscheinlich tatsächlich einfach auch entsprechend intransparent abgelaufen ist.
Ich weiß es nicht, ich kenne es selber nur aus Büchern.
Heute ist das System.
Aus gutem Grund anders. Besser ist es sicherlich nicht. Fehlerfrei. Es gibt immer wieder sehr kontroverse Diskussionen und die wir jetzt natürlich auch nicht hier in der Gänze abbilden können.
Aber zumindest können wir darüber sprechen, was wir aus unserem Alltag kennen und ich halte es auch für nahezu unmöglich, dass das, was dort beschrieben wurde, abläuft.
Es wurde ja eben auch gesagt, es wurden sogar Medikamente verabreicht, die eher eine Schizophrenie begünstigen sollen als eben eine Schizophrenie.
Also wenn ich mich daran erinnere, wie mir manchmal von der Pflege der Kopf gewaschen wurde, wenn sie mit dem medikamentösen Regime nicht einverstanden wurden.
Also die Realität ist, die Pflege weiß Bescheid über Medikation.
Ich meine, die arbeiten seit 20, 30 Jahren in dem Beruf teilweise.
Ja, natürlich kennen die die Präparate selber und da kann man nicht einfach mal eben irgendwie das komplette Gegenteil von Medikament anordnen.
Und sicherlich gibt es da manchmal Meinungsverschiedenheiten.
Und man streitet dann aber eher. Ja, um Feinheiten und nicht darum, ob es jetzt ein Medikament ist, was potenziell komplett schädlich ist.
Du hast schon gesagt, ein multidisziplinäres Team steht so ein bisschen im Mittelpunkt.
Wie kommt es denn dann zum Tragen?
Habt ihr regelmäßig sozusagen Sitzungen, Teambesprechungen, wo das auch besprochen wird, wo auch eben jede Behandlerin, jeder Behandler oder auch jede Pflegerin, jeder Pfleger sagen kann,
du, da kommt mir irgendwie das komisch vor oder da habe ich das Gefühl, da läuft es nicht so gut oder da müssen wir nochmal gucken.
Ist das bei euch regelmäßig im Alltag sozusagen etabliert?
Ja, also auf der Station mit dem unmittelbaren Behandlungsteam gibt es das bei uns.
Und soweit ich weiß, aber auch in jeder anderen Klinik so im wöchentlichen Rhythmus, dass alle zusammenkommen und sich über die Verläufe austauschen.
Auf unserer Station jetzt, wir haben den Luxus, dass wir uns zwischen Ärzten, Psychologen, Pflegern, ihnen täglich austauschen sogar über den Verlauf.
Okay, noch häufiger.
Und darüber hinaus gibt es bei Fällen, die besonders. In der Klinik sind in unserer Klinik auch noch regelmäßig Besprechungen über die Station hinaus, wo geklärt wird, warum manche Betroffenen so lange in der Klinik sein müssen, ob es noch gerechtfertigt ist, warum es gerechtfertigt ist, was die Gründe sind.
Und noch darüber hinaus, wenn gerade nicht eine Pandemie herrscht, gibt es auch noch Fallkasuistiken, wo nochmal Fälle besonders ausführlich im Kollegium vorgestellt werden,
wenn man an irgendeiner Stelle. Also da ist wesentlich mehr Transparenz gegeben, als es jetzt in diesem Film dargestellt wurde.
Das heißt, es gibt sogar mehrere Stufen, im Prinzip vom konkreten Behandlungsteam bis noch weitere, ich sag mal, Expertinnen und Experten im Sinne von Kolleginnen und Kollegen, die Fälle mitbeurteilen oder wo das einfach diskutiert wird.
Ja.
Das ist schon mal beruhigend, dass die Chance, dass es zwei einfach so reißen können, ist doch dann nicht so hoch.
Sehr gut.
Sebastian, jetzt hast du schon gesagt. Das System ist deutlich besser geworden, es ist aber auch nicht fehlerfrei.
Vielleicht müssen wir uns jetzt tatsächlich trotzdem auch fragen, birgt denn das System beschützte Stationen für die PatientInnen auch Gefahren?
Ist da sozusagen die Gefahr gegeben, dass jemand zu lange behandelt wird, dass zu Unrecht behandelt wird, solche Sachen?
Also ja, klar gibt es die Gefahr.
Und das ist für uns auch immer sehr präsent, dass so eine Therapie auch zu lange gehen kann und irgendwann auch den Punkt überschreiten kann, an dem sie noch hilft,
sondern an dem sie mehr. Schaden zufügt.
Das sind aber meistens Situationen, in denen PatientInnen sehr gerne bei uns sind und eben nicht gegen ihren Willen bei uns festgehalten werden,
sondern es sind meistens Leute, die sehr stark ihre Selbstständigkeit vielleicht auch im Zuge eines solchen stationären Aufenthalts verloren haben
und sehr große Ängste davor haben, in ihr vorheriges Umfeld zurückzukehren, was von ihnen ein viel höheres Funktionsniveau verlangen würde,
als sie es momentan im Krankenhaus haben.
Wir nennen das Hospitalisieren.
Das kennen auch ganz viele somatische medizinische Richtungen.
Dass man Patienten zum Beispiel auch nicht zu lange liegen lassen darf in einem Krankenhausbett, jetzt einfach, weil das dem Körper nicht gut tut.
Genauso ist eben auch ein zu langer Aufenthalt in einem Krankenhaus mit all seinen vielen Strukturen vielleicht etwas,
was irgendwann auch die Menschen in so eine Art untrainierten Zustand versetzt, in dem es ihnen schwerfällt, wieder herauszukommen.
Und das ist, denke ich mal, ganz klar die Gefahr, die wir dabei haben.
Aber das widerspricht ja diesem Fallbeispiel in dem Tatort komplett, weil das war sozusagen eine Unterbringung gegen den Willen,
die Medizin hat kein Interesse daran, Menschen irgendwie jahrelang einzusperren.
Die Krankenkassen haben auch kein Interesse daran, das zu bezahlen und schicken auch immer gerne noch ihre Fragesteller dann los.
Also es ist einfach auch so, das Interesse ist meistens irgendwie nicht so richtig da für sowas.
Und wir haben jetzt im Tatort natürlich irgendwie so eine Art Verbrecherkartell gesehen, was sich da in so einem Krankenhaus gebildet hat.
Aber das ist schon echt einfach eine Fiktion jetzt gewesen.
Aber es ist ja trotzdem so, wir hatten es am Anfang davon, dass sozusagen,
Fremd- und Eigengefährdungen spielen eine große Rolle und häufig werden ja Menschen auf einer Beschützungsstation behandelt,
die vielleicht auch in dem Moment gar keine Krankheitseinsicht haben.
Henning Taube hat uns das ja im Prinzip auch berichtet, als wir mit ihm über seine schizoaffektive Störung gesprochen haben.
Wie geht die denn damit, um dass die PatientInnen sich in dem Moment tatsächlich gefangen fühlen und zu Unrecht behandelt?
Also das ist ja gar nicht, das ist wahrscheinlich ja tatsächlich gar nicht so unwahrscheinlich, dass es zu dieser Situation kommt.
Genau, das ist im Prinzip unser täglich Brot und gerade deswegen ist dieser Tatort auch so,
er ist ja toxisch, aber da gehen wir gleich nochmal drauf ein.
Also wir haben das ganz oft, weil es ganz oft ein Symptom der Erkrankungen ist, die auf die geschützte Station führen.
Nämlich, dass man paranoide Befürchtungen hat, Ängste, dass man meint eben, es haben sich alle verschworen.
Ich werde hier gefangen gehalten, ich werde hier vergiftet.
Die Medikamente helfen nicht, die Medikamente machen alles schlimmer.
Und wie gehen wir damit um?
Also wir machen in der Regel transparent, dass wir die Realität,
die Realität anders einschätzen.
Wir versuchen darüber aufzuklären, dass unserer Ansicht nach diese Gedanken und diese Wahrnehmung Teil der Erkrankung sind.
Wir versuchen parallel die Bereitschaft dafür zu erarbeiten, Medikamente zu nehmen, die helfen.
Die auch helfen erstmal die Angst und die Anspannung zu reduzieren, sodass man überhaupt auch längere Gespräche führen kann.
Und in der Regel, das ist immer ein Prozess, kommt man dann auch an den Punkt,
wo man das Vertrauen der Betroffenen gewinnen kann, sag ich mal.
Und wo diese Ängste weniger werden und wo auch diese Einschätzung der Dinge wieder revidiert werden kann.
Und das Problem ist, dass durch solche ja auch total typischen Darstellungen von Psychiatrie,
dieser Tatort ist ja gar kein Einzelfall, sondern es ist halt der Standard.
Und durch die Geschichte, die die Psychiatrie auch hat, diese Ängste halt bei ganz vielen Betroffenen,
präsent sind und auch nicht in dem Maße abnehmen, wie sich die Psychiatrie verändert hat, meiner Meinung nach.
Und also da kämpfen wir tagtäglich dagegen und nicht nur bei Betroffenen,
sondern teilweise auch bei Angehörigen, die ähnliche Ängste haben, die teilweise auch Angst haben,
unsere Medikamente könnten mehr schaden als nutzen.
Es gibt auch noch ein paar andere Ansätze einfach, um dem so ein bisschen zu begegnen,
dass viele Menschen Angst haben, wenn sie in die Psychiatrie kommen oder einfach auch krankheitsbedingt Angst haben.
Dass es für die Pflegeteams zum Beispiel verschiedene Handlungsanweisungen gibt in der Kommunikationsform.
Die werden da intensiv geschult, um besser zu sein.
Ich finde zum Beispiel hier ganz schön auf unserer beschütztgeschlossenen Station gibt es so einen Hoffnungsbaum,
in dem genesene Patienten Kärtchen schreiben und auf diesem Baum aufhängen.
Und das ist dann eben für nachfolgende Patienten auch so ganz zentral im Flur sichtbar.
Und dass da auch so ein bisschen die Botschaft drin ist, mir ging es auch ganz schlecht.
Ich hatte fürchterliche Angst, als ich gekommen bin und das wurde besser und das war Hilfe.
Und das war für mich ganz wichtig.
Und dass andere Menschen das dann auch, die in dieser Situation gerade akut sind, das lesen können.
Und ich glaube, da gibt es auch noch ganz viele andere Ideen.
Man ist sehr, sehr bemüht und versucht das eben mit viel, sag ich mal, Soft Power,
also auf einem sanften Weg eben richtig zu stellen.
Und dann ist es eben leider ganz besonders.
Und es ist blöd, wenn so ein Tatort einfach mal mit der Keule alle diese Bemühungen wieder abräumt.
Aber erlebt ihr das auch tatsächlich, dass PatientInnen dann sozusagen nach einer gewissen Behandlung sagen,
Herr Krass, ja, ich hatte super Angst und ich habe mich da so unwohl gefühlt,
aber jetzt ist es für mich irgendwie in Ordnung und ich habe gemerkt, okay, es hat letztendlich doch geholfen?
Und dauernd. Aber wer die Folge mit Henning Taube noch nicht gehört hat,
der sei vielleicht an der oder die Seite auch mal an dieser Stelle drauf verwiesen,
weil er das ja auch ganz schön geschildert hat, dass man da teilweise eine 180-Grad-Wendung macht.
Am Anfang hat man Angst und fühlt sich völlig zu Unrecht behandelt
und später kann man teilweise gar nicht mehr so richtig nachvollziehen,
wieso man das gedacht hat und ist dann doch dankbar, dass dieser Zustand durchbrochen wurde.
Also das ist in der Tat die Regel.
Ich will gar nicht sagen, dass alle total beseelt unsere Station verlassen
und mit allem einverstanden sind, was wir machen.
Es gibt immer auch Fälle, die sich anhaltend,
zu Unrecht behandelt fühlen, aber das ist wirklich die Minderheit, würde ich sagen.
Sagt deine innere Statistik, Sebastian?
Ja, also ich kann es nur untermauern.
Also dauernd ist mir das passiert, dass Menschen, die dann gesünder geworden sind,
das auch im Nachhinein sehr gut reflektieren konnten,
sich teilweise für ihr eigenes Verhalten geschämt haben
oder tief erschrocken waren darüber, was mit ihnen passiert ist.
Und das hat sich durch die Therapie eben gewandelt.
Und deswegen habe ich auch,
ich habe gar kein schlechtes Gewissen damit zu sagen,
nein, das ist was total Hilfreiches, das ist was total Gutes,
auch wenn Einzelstimmen, wie es mir nur schon sagt,
oder anderes behaupten möchten,
aber den allergrößten Teil der Menschen tut es richtig gut
und es ist extrem wichtig und es ist medizinisch geboten.
Ja, das ist, glaube ich, tatsächlich nochmal wichtig.
Und hatten wir ja auch schon an der einen oder anderen Stelle hier besprochen,
dass es eben tatsächlich so ist und dass ja viele Dinge eben,
die so negativ am Anfang erscheinen,
ein Ausdruck von der Erkrankung selber auch sind,
auch wenn sich das in dem Moment natürlich nicht so anfühlt.
Ja, selbstverständlicherweise.
Okay, ich weiß nicht,
ob es für euch da draußen vielleicht schon durchgeklungen ist.
Ich frage euch jetzt trotzdem mal ganz offen,
wie war denn für euch die Darstellung der Beschützungsstation
in dieser Situation Psychiatrie in dem Tatort?
Sagen wir mal so, ganz katastrophal.
Ja, man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, oder?
Ich habe hier ein Wiener Vierblatt mit Notizen.
Das habe ich mir gemeint.
Das hat Wiener während dem Film mitgeschrieben.
Ja, soll ich mal meine Notizen vorlesen?
Ja, fang doch mal an.
Ja, alle duzen ihre Patienten.
Das finde ich interessant.
Das ist in Deutschland gar nicht so üblich.
Das ist nur eine Kleinigkeit, nur ganz am Rande.
Stimmt, das ist ja auch eine Form von Distanz in unserer Sprache,
muss man sagen.
Also sei es mal jetzt höflich oder unhöflich,
aber auf jeden Fall ist ja die Regel
in einem professionellen Kontext tatsächlich,
das Siezen allein um eine gewisse professionelle Distanz zu machen.
Auf der körperlichen Intensivstation
würde man sich ja auch nicht duzen.
Das ist halt so ein amerikanisches Ding.
Vielleicht ist das von den amerikanischen Therapiesendungen
rübergeschwappt.
Genau.
Alle sagen Borderlinerin, das ist mir aufgefallen.
Stimmt, haben wir ganz früher auch mal drüber gesprochen,
mit 20 Mattis.
Wir waren uns ja nicht so sicher damals,
was wir sagen dürfen,
aber mir ist aufgefallen, in dieser Penetranz,
wenn man immer wieder sagt,
naja, sie ist halt eine Borderlinerin,
finde ich schon, dass es abwertend klingt.
Also mir ging es auf jeden Fall so,
ich fand das furchtbar abwertend
und habe mich sehr darüber geärgert,
dass dann einfach auch Verhaltensweisen damit erklärt wurden,
ja, sie ist ja eine Borderlinerin.
Ja, genau. Das war gar nicht die Frage, gell?
Sie ist halt eine Borderlinerin.
Ist ja klar.
Was haben wir denn gesagt?
Wie sollte man sagen?
Menschen mit Borderlinerin-Persönlichkeitsstörung zum Beispiel,
oder dass man so ein bisschen davon,
also das so ein bisschen enthebt von
der Mensch ist jetzt in seiner Gesamtheit
vielleicht eine Form von einer Persönlichkeitsstörung
oder auch die Erkrankung.
Ich meine sogar, dass Vanti uns das Wort Bordis erlaubt hat.
Das ist auch irgendwie noch liebevoller.
Ich glaube, sie hat gesagt,
so nennen sich die Patientinnen teilweise selber.
Ich glaube, ich würde,
wenn ich der Tatort-Drehbuchautorin wäre,
würde ich vielleicht sagen,
die Leute sagen lassen,
sie hat eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, oder?
Genau, ich glaube, wir hatten das damals auch
im Kontext mit der Alkoholabhängigkeit besprochen,
dass man eben nicht sagt,
der Alkoholiker, die Alkoholikerin,
sondern jemand mit einer Alkoholabhängigkeit,
weil das so ein bisschen zeigt,
es gibt den Menschen und es gibt vielleicht die Erkrankung,
aber es ist nicht automatisch immer eins.
Genau.
Und auch nicht die Begründung für alle Verhaltensweisen.
Genau, eben abgesehen davon ist das keine Antwort auf die Frage.
Ich weiß leider nicht mehr, was die Frage da war.
Was ist sie denn für ein Mensch?
Ja, ja, total, das stimmt.
Na gut, dann Pfleger Dennis
macht nachts Fotos von der Patientin,
drei Fragezeichen,
und dann hat sich nach und nach herausgestellt,
es sind wirklich auch sehr sexuelle Fotos.
Also meine Güte, das ist ja ein Albtraum, oder?
Da wird einem ja Angst und Bange.
Also dazu muss man sagen,
ich stecke natürlich auch nicht drin,
also Menschen, die sich kriminell verhalten,
gibt es in sicherlich jeder Berufsgruppe.
Leider schon, ja.
Aber das ausgerechnet, wenn es jetzt um die Psychiatrie geht,
wo die Leute sowieso so viel Angst vorhaben,
dass auch noch Pfleger,
die nachts die Patientin sexuell missbrauchen,
gezeigt werden müssen,
das ist mir ein bisschen schleierhaft.
Zusätzlich zu einem Chefarzt,
der noch junge Mädchen missbraucht auf seinen Tennisfällen.
Vergewaltigt.
Vergewaltigt, ja.
Und dann noch sich bestechen lässt.
Und sich bestechen lässt
und eine Patientin festhält gegen ihren Willen
und Diagnosen und Aktenlage fälscht.
Eine Oberärztin, die das alles freiwillig vertuscht,
damit sie befördert wird.
Ja, also,
da wollte ich mal sagen,
da wollte jemand der Psychiatrie böse mitspielen, oder?
Total.
Ja, das Schlimme ist,
ich glaube, was du gesagt hast,
stimmt total,
ist, man steckt nicht drin.
Den Fall kann es schon geben.
Wir können das jetzt hier nicht ausschließen.
Natürlich nicht.
Aber die Darstellung war schon extrem überspitzt.
Also, es ist einfach so.
Also, was da zusammenkommt in dieser Klinik.
Genau, so eine Art Höllensituation.
Und so ist es eben einfach nicht.
Einer krimineller als der andere.
Ja.
Ja.
Psychopharmaka verabreicht dir die Symptome verstärken.
Sebastian, was würdest du ihr denn geben,
wenn du möchtest,
dass sie eine Psychose bekommt?
Ja, wir haben,
wir haben uns vorhin schon so ein bisschen Gedanken drüber gemacht
und wir haben relativ schnell festgestellt,
wir müssten auf dem Schwarzmarkt aktiv werden,
weil es wird schwierig mit unseren Medikamenten.
Ja, also wirklich,
ich meine, ganz theoretisch betrachtet,
kann man,
wenn man ganz hoch dosiert bestimmte Antidepressiva gibt,
kann das psychotische Symptome verstärken.
Aber wenn sie keine psychotische Erkrankung hat per se,
ist das sehr, sehr schwierig
und es gibt da kein zuverlässiges,
legales Medikament,
was wir haben,
mit dem wir eine Psychose induzieren können.
Und das ist eben auch wieder der große Mist,
weil diese Angst habe ich schon mehr als einmal gehört
von Betroffenen und von Angehörigen.
Unsere Medikamente machen doch das Ganze
und das ist oft nicht so leicht auseinanderzuhalten,
weil die Krankheit und der Beginn der Medikation
ja oft auch relativ nah beieinander ist,
wenn es eine sehr akute Erkrankung ist.
Und das kann halt dann auch dazu führen,
dass die Medikamente nicht weiter eingenommen werden
und es eher schlimmer wird.
Also,
wir haben uns auch überlegt,
was soll das sein?
LSD,
Pilze.
Damit kann man eine Psychose ganz gut hervorrufen.
Ketamin vielleicht noch.
Aber das ist nichts,
was nicht extrem auffallen würde
in der Patientenakte.
Also wir müssten schon echt tief in die Trickkiste greifen
und selbst dann gäbe es keine Gelegensgarantie.
Vielleicht können wir da mal noch mal kurz drauf eingehen,
weil was du gesagt hast,
das stimmt ja schon.
Das hatten wir ja letztendlich auch in der letzten Folge besprochen
mit dem Antidepressiva-Absatzsyndrom.
Es gibt ja durch die Medikamente,
durchaus Nebenwirkungen von den Medikamenten.
So ist es ja nicht.
Also es ist ja nicht so,
dass man die nimmt und man hat nichts mehr
und alle Symptome werden besser.
Aber man kennt ja einen Großteil des Spektrums der Nebenwirkungen
und die werden ja auch beobachtet sozusagen.
Also es ist ja nicht so,
dass man die gibt und dann denkt man ja,
jetzt mal gucken, was passiert.
Sondern das ist ja sozusagen
unter Blick des therapeutischen Teams.
Und deswegen ist es, glaube ich, so wichtig,
was ihr gerade gesagt habt.
Das wäre ja aufgefallen.
Also man gibt nicht jemandem Medikamente
und er entwickelt psychische Symptome
und keiner kümmert sich.
Also das ist, glaube ich,
das ist so ein bisschen da das Problem.
Obwohl natürlich Nebenwirkungen bestehen können.
Ja, genau.
Was steht hier noch?
Man darf nicht einfach empfindliche Daten
in Klammern Akten
an irgendwelche befreundeten Psychologen
oder Psychiater schicken.
Das hatten wir schon.
Dann habe ich geschrieben,
naja, vielleicht darf die Polizei das.
Aber wie wir besprochen haben,
darf sie es eben nur,
wenn es über die Staatsanwaltschaft
oder über die Rechtsabteilung
oder beides, wie dem auch sei.
Also man darf es nicht einfach so.
Psychiatrische Diagnose verhindert Abtreibung
und dann wird sie
auch noch mit starken Medikamenten behandelt.
Das passt auch nicht so richtig zusammen.
Das stimmt. Das ist ein Widerspruch.
Aber ich glaube, das führt heute zu weit.
Aber auch das war überhaupt nicht plausibel
aus meiner Sicht, diese Begründung,
dass sie gezwungen wird, das Kind auszutragen,
weil sie zu krank sei
für eine Abtreibung.
Das kann man ja so einfach gar nicht beurteilen.
Ist jemand zu krank für eine Abtreibung?
Ist jemand vielleicht zu krank für eine Schwangerschaft
und für eine Geburt?
Und wenn man sich gegen eine Abtreibung entscheidet,
dann kann man nicht gleichzeitig
viele starke Psychopharmaka,
die einen psychotisch machen, verschreiben.
Nicht so plausibel.
Ja, das stimmt. Und auch das wären Fälle,
die mit Sicherheit sehr intensiv diskutiert werden müssten.
Weil gerade die Entscheidung, Abtreibung,
ist mit Sicherheit nichts, was man jetzt mal so eben
über die Ladentheke entscheidet.
Das ist auch nichts, was Psychiater entscheiden alleine.
Und ich weiß auch nicht, ob es dem kleinen Jakob
so gut gehen würde, wenn der
die ganze Zeit LSD oder Ketamin
gehabt hätte in der Schwangerschaft.
Das ist das Baby.
Das war das Baby. Ich musste gerade überlegen, wer heißt Jakob.
Ich dachte auch gerade, wer heißt der Jakob.
Ah ja, okay. Ist ein Männer, hat sehr gut geguckt.
Borderline ist gleich manipulative Mörderin.
Darüber können wir vielleicht nochmal sprechen.
Sie ist halt Borderlinerin.
Die Diagnose wurde am Ende
jetzt ja nicht mehr so richtig gerade gerückt.
Am Ende wissen wir jetzt ja gar nicht,
hatte sie jemals was?
Hatte sie einen Teil davon? Hatte sie nichts?
Aber auf jeden Fall, Leute, die in der Psychiatrie sind,
sind manipulativ,
wickeln alle um den Finger und morden dann.
Also vom erzählerischen Niveau
ist das so ein klein wenig wie wenn
in einem Grini
auf einem englischen Grafschaftshof, der gärtnert, haben wir.
da wäre, oder? Ja.
Du meinst
hochkomplex und komplett neu ausgedacht.
Und völlig unerwartet, genau.
Aber was mir da kurz einfällt, ich glaube, wir hatten tatsächlich
entweder war es die Folge zum
psychotischen Syndrom oder zur Schizophrenie
oder in beiden drüber gesprochen, dass
ja, da ging es nämlich auch so ein bisschen um die Gefahr
der Erkrankung für andere und die
Gefahr der Erkrankung für die Betroffenen selber
und ich meine, dass wir tatsächlich gesagt haben,
dass eben häufiger die Menschen, gerade mit einer Schizophrenie
oder einem psychotischen Syndrom, selber Opfer
von Gewalt werden, anstatt, dass
sie andere sozusagen
anderen gegenüber gewalttätig
sind und ich glaube, das ist ja so ein bisschen dieses Problem
hier, dass es jetzt wieder genau andersrum
dargestellt wird. Beziehungsweise
in dem Fall war es ja irgendwie beides, oder?
Sie ist halt eine Borderlinerin,
deswegen kann man das mit ihr machen,
dass man sie einfach für ein Jahr unterbringt,
sie zwingt ein Kind auszutragen,
also da war sie dann ja auf eine Art
auch ein leichtes Opfer, eben weil sie so
stigmatisiert ist mit ihrer Diagnose
und
gleichzeitig ist sie aber
noch. Täterin. Noch schlimmere
Täterin, quasi, als die, die ihr das
angetan haben, weil sie ist ja Mörderin.
Oder? Ich weiß nicht, ob. Es gab ja da keine abschließende
Wertung, aber. Ja, das stimmt.
So könnte man es ja verstehen,
letztendlich. Ja, aber vielleicht kann man
trotzdem nochmal klarstellen, wie das jetzt mit der
Gefährlichkeit von Menschen mit psychischen Erkrankungen ist.
Also, dass es eben ja nicht das
Hauptproblem ist, dass sie anderen gegenüber
gefährlich werden, sozusagen. Nein, das ist nicht
das Hauptproblem und ich finde, hier wird auch der
Teil viel vermischt, weil ja schon klar wird,
dass so eine Tat, wie sie die
gemacht hat, die ja auch wirklich durchgeplant
ist und
die sie ja auch wirklich fast geschafft hätte zu
vertuschen, das kann
man gar nicht machen, wenn man schwer psychisch
krank ist.
Und diese
Psychose wurde da ja auch als Diagnose
zurückgenommen und trotzdem finde ich, dass
beim Zuschauen da so eine Vermischung stattfindet,
die kann man, selbst wenn man sich dessen bewusst
ist, dann kaum noch auseinanderhalten. Man merkt
Psychiatriepatientin, egal mit welcher Diagnose,
ist gleich gefährlich
und eben, wir hatten es schon mal besprochen, also
du hast ja auch gerade sehr gut
zusammengefasst, also die Gefahr,
selbst Opfer zu werden von Gewalt
ist mit einer psychotischen
Erkrankung zum Beispiel oder
einer schweren Depression viel größer als andersrum,
dass man gewalttätige
Übergriffe auf jemanden startet.
Sebastian hat gesagt, das gibt es natürlich,
dass man bei Psychosen
aufgrund von großer Angst und Anspannung
auch gewalttätig wird. Das wird
oft von den Betroffenen dann auch als
sich wehren verstanden,
aber ein
penibel geplanter Mord
passt da überhaupt nicht dazu.
Das braucht ja so viel
Organisationstalent
und
Konzentration und
was nicht noch alles.
Ja, das ist glaube ich auch nochmal ein wichtiger Punkt,
weil ja häufig gerade in akuten Krankheitsphasen,
wie es jetzt vielleicht auf einer Beschützungsstation wäre,
ist man ja dazu zum Teil gar nicht in der Lage.
Einfach weil die Erkrankung so im Vordergrund
ist, dass man eben nicht jetzt komplett
komplexe Systeme sich ausdenken kann, wie man jetzt
jemanden umbringt zum Beispiel.
Ja, und es ist auch nicht so, dass Borderline-Patientinnen
gefährlichere Personen sind.
Also da richtet sich ja die Aggression
auch primär gegen
sich selber.
Den erzählerischen Zusammenhang, dass jemand mit einer
psychischen Erkrankung parallel noch ein Mörder sein könnte,
der ist ja theoretisch
möglich. Kann es geben.
Aber muss man das jetzt so
zeigen, wenn es doch überhaupt
nicht häufiger ist
als der Gärtner, der der Mörder ist?
Und wenn doch gerade
die Psychiatrie sowieso mit so viel
Angst besetzt ist,
die ja in der Regel
gar nicht gerechtfertigt ist.
Ist das jetzt nötig gewesen?
Ist das nötig gewesen?
Nein, das ist sicherlich in der Summe der Dinge,
wie wir es gesehen haben,
in diesem Tatort einfach auch eine Zumutung.
Ja, also ich weiß nicht, wie es
zu dieser Entscheidung kam.
Moritz, sag du doch mal was.
Warum denn jetzt wieder auf die Psychiatrie drauf?
Ich habe mir das gerade auch überlegt.
Weil es stimmt natürlich, was Sebastian gerade gesagt hat.
Das kann schon alles so
irgendwie vielleicht theoretisch sein. Es ist sehr konstruiert.
Ich glaube, das kam in der Folge jetzt sehr gut raus.
Da kommen halt auch wirklich eine Million Sachen
zusammen. Es ist einfach schade. Ich meine, natürlich
haben wir jetzt vielleicht extrem den Blickwinkel aus der
Psychiatrie sozusagen. Vielleicht ist es für jemand anders
ganz anders. Wäre es jetzt auf einer
kardiologischen inneren Station
gewesen, weiß ich nicht, wie wir darauf reagiert hätten.
Ich glaube,
was halt schade ist bei so einem Film, dass eben
nicht aufgeräumt wird mit Fakten.
Weil also der Fall könnte
vielleicht so sein. Aber es waren ja viele Dinge, die wirklich
in der Realität einfach sehr, sehr, sehr
unwahrscheinlich sind. Ja, wir haben schon häufig gesagt,
in der Medizin oder generell im Leben gibt es eigentlich nie,
gibt es nicht. Aber es ist einfach unglaublich unwahrscheinlich.
Und das ist, glaube ich, sehr schade, dass das da
so in der Masse kommt
und ja gar nicht damit aufgeräumt wird.
Also es gibt irgendwie nicht so den Aha-Effekt, wo man dann nachdenkt,
okay, aber es gibt auch irgendeinen positiven
Aspekt von beschützenden Stationen und dem System
Psychiatrie, sondern es ist eher so ein
Gesamtgrauen. Und
das ist leider schon eigentlich für einen Film von
2020, glaube ich, zu sehr 50er
gewesen. Und
warum die das jetzt so entschieden haben, gute Frage.
Vielleicht können die uns ja mal schreiben
da draußen, die dafür verantwortlich sind,
was sie sich gedacht haben.
Es bedient alle Stereotype, die es gibt
und setzt noch eins obendrauf,
weil für mich war das jetzt noch kein bekanntes
Stereotyp des Psychiater, auch noch
Vergewaltiger,
Verbrecher,
Ränkeschmiedende.
Das ist noch.
Ja, grüne Menschen. Natürlich kann auch das sein.
Kann ja keiner ausschließen. Also mit Sicherheit sind so wie
eben der Gärtner das sein kann. Es kann auch
Psychiaterin oder Psychiater das sein, aber
ja, die Dosis war vielleicht, die Dosis
macht ja bekanntlich das Gift und in dem Fall war es vielleicht
ein Ticken zu viel Dosis. Ja.
Schade drum.
Was man
vielleicht, damit wir jetzt
nicht nur lästern und hetzen,
vielleicht können wir es noch ein bisschen umkehren
und sagen, was würdet ihr euch denn wünschen,
was die Darstellung angeht
von solchen Situationen in
den Medien heute und was sollte
man sich vielleicht merken, wenn man jetzt an
geschützte
psychiatrische Intensivstationen denkt.
Was sollten wir bei der nächsten WG-Party,
so sie denn 2020 noch stattfindet,
was sollte man sagen können,
wenn es um das Thema geht? Also um erstmal
auf die erste Frage einzugehen. Ich denke,
es ist schwierig, sowas richtig gut
und dem Thema gerecht werdend
darzustellen. Glaube ich auch. Und das
sollte man sich überlegen, wenn man sich für eine Darstellung
dessen entscheidet, dass man sich
dann bitte gut beraten lässt,
dass man dann sich nicht einseitig beraten
lässt, sich am besten auch noch von
Betroffenen zu beraten.
Dass man sich auch von den Betroffenen und Angehörigenverbänden
zusätzlich beraten lässt und
eben schaut, dass man nicht solche
Ängste schürt, die jetzt
ohnehin schon irgendwo vorhanden sind und die
durch diesen Tatort einfach nochmal bestärkt werden, ohne dass
es eine anständige Gegendarstellung gibt.
Und ich würde mir natürlich wünschen,
dass man das versucht, so realitätsnah wie möglich
zu machen. Es gibt, ich habe schon ein paar
Mal gesagt, es ist nicht alles perfekt. Es gibt
sicherlich Möglichkeiten auch an unserem
System, was wir haben, Kritik
zu üben, obwohl es bestimmt weltbest,
also auf der Welt eines der besten Systeme
sein wird, in dem wir
natürlich immer schwierige Entscheidungen treffen müssen.
Aber wenn man das macht, dann bitte sehr nah an der
Realität, dann bitte sehr fundierte Kritik und
dann wird die aber auch ins Detail gehen müssen und dann
können wir nicht irgendwie einfach mal so ein wildes
Potpourri von verschiedensten kriminellen
Individuen mit unklarer Motivlage
an den verschiedensten Situationen, die einfach
so nicht existieren in der Realität
bringen. Also das war einfach
ganz mieses Storytelling.
Sorry. Und mich ärgert es auch
persönlich besonders sehr, weil
ich das auch immer wieder erlebe. Ich habe kürzlich auch erst wieder ein paar
Patienten gehabt, der
aus lauter Angst vor der Psychiatrie,
obwohl er schon wusste, dass er
eine Weile krank ist,
einen Selbstmordversuch begangen hat. Wirklich
schweren, weil er so unglaublichen Schiss
hatte davor, irgendwann in einer Zwangsjacke zu
landen, irgendwelche
Medikamente gespritzt zu bekommen, in
Isolationsräumen zu versauern und was weiß ich
nicht alles, der für schlimme Vorstellungen
hatte. Das war einfach
eine Person, die jetzt vielleicht
das irgendwie nie aktiv mal
sich angeschaut hat, wie das eigentlich ist, die nie so einen Podcast
gehört hat, wie jung und freudlos,
die möglicherweise vielleicht
dann auch ihre Bildung auf so einem Tatort bezieht
und für sowas ist das einfach ein total fatales
Signal, was, das muss man
ganz klar sagen, am Ende Leben kosten kann.
Und das
geht so nicht. Liebe ARD,
lieber WDR, ihr schuldet uns
ein fettes Entschuldigung. Uns allen.
Wow. Nichts mehr hinzuzufügen.
Ausrufezeichen. Ausrufezeichen.
Ja. Was vielleicht cool wäre
tatsächlich, wenn ihr uns hier zugehabt habt,
egal mal, ob ihr eigene Erfahrungen
gemacht habt, aber wenn ihr mögt, sagt uns doch
eure Meinung noch dazu, weil natürlich haben wir auch
nur einen begrenzten Einblick. Ich meine, ihr beide seid
sozusagen aus der behandelnden
Perspektive, guckt ihr drauf, ist natürlich auch
einseitig. Muss man sagen, ich
habe keine Perspektive, außer dieses
neugierigen, jetzt, naja,
Halbarztes.
Aber natürlich bildet es jetzt auch nicht die
100-prozentige Realität ab, aber
ich glaube, es wurde klar, dass es viele Sachen
gab, die einfach schade waren, aus unserer Sicht,
die der Realität nicht
gerecht werden, die den Menschen nicht gerecht werden, die in dem System
arbeiten, auch die da behandelt werden,
muss man ja sagen, es waren im Prinzip, beide Seiten
kamen nicht wirklich toll weg und
es ist schade, wenn das so ist, aber wie gesagt,
sagt doch mal, welche Erfahrungen ihr gemacht
habt oder was euch am Tatort
gefallen oder gestört hat.
Wir haben jetzt wenig positive Dinge genannt, aber auch
die kann man vielleicht nennen, vielleicht gab es was, wo ihr sagt,
okay, habe ich auch so erlebt oder keine Ahnung.
Auf jeden Fall interessiert es uns total, was ihr dazu sagt.
Wir haben jetzt viel darüber diskutiert
und haben mal gedacht, irgendwie müssen wir trotzdem eine Folge machen, ne?
Das stimmt. Und einfach nochmal drüber reden.
Ich will auch noch was Positives sagen.
Ich will auch noch was Positives sagen, weil ich auch das
Gefühl habe, vielleicht waren wir auch hart. Ich muss
sagen, das Positive ist, ich habe mir das ja gestern
angeschaut, extra für die Folge und
ich dachte so, oh Gott, jetzt muss ich Tatort schauen.
Ich schaue sonst nicht so gern Tatort. Ich muss sagen,
es war ja wirklich sehr unterhaltsam
und ich glaube, das ist auch so die Gefahr,
weil, also wahrscheinlich geht es auch anderen
Menschen so, man sieht sowas gerne, das
befriedigt so einen gewissen Voyeurismus.
Das ist spannend und
eben gerade, weil Psychiatrie oft noch so ein bisschen
was Mystisches und Verborgenes
und Geheimes hat, kam da, glaube ich, super spannende
Geschichten erzählen und ich kann mir schon vorstellen, dass die
Versuchung sehr groß ist, eben weil
Auch wahrscheinlich die allermeisten Menschen, das aus ihrer persönlichen Erfahrung jetzt nicht unbedingt ad hoc widerlegen können, die müssen das dann halt glauben.
Und ich glaube auch, wenn Polizisten und Polizistinnen den Tatort schauen, denen stellen sich wahrscheinlich immer die Haare zu Berge, weil wahrscheinlich man niemanden ins Arbeitsalltag ganz originalgetreu darstellen kann.
Ja, aber eben die Psychiatrie hat halt an dieser Front mit Vorurteilen wirklich sehr zu kämpfen. Deswegen, wie Sebastian schon sagt, es ist ganz schwierig, das gut darzustellen und ist sicherlich irgendwie eine Abwägungssache, wie viel Psychiatrie man im Kontext mit so einem Unterhaltungswert zeigen möchte, weil die Gefahr eben immer ist, in diese Stereotype reinzurutschen.
Achso, und deine andere Frage war ja noch die Tech-Home-Message zur Geschlossenen oder Geschützten oder Bischöften.
Das ist die psychiatrische Intensivstation für unsere am schwersten erkrankten PatientInnen mit akuter Eigen- und Fremdgefährdung. Das ist eine Krankenhausstation und kein Gefängnis. Und man sieht noch die Sonne und kommt da in der Regel bei Zeiten auch wieder heraus.
Sehr gut. Jetzt mindest du, du hattest noch gesagt, du hast eigentlich noch einen Kommentar gefunden, den du gerne noch teilen würdest. Vielleicht ist das ein schönes Schlusswort oder vielleicht so.
Als Schlussaspekt.
Ich lese noch was vor.
Genau, hattest du mir noch was vor euch und uns.
Von dem Berliner Psychiater und Dramaturgen und Podcast-Kollegen Jakob Hein, der den Verrückt, so heißt der glaube ich, Podcast gemacht hat. Ist der so verrückt?
Ich glaube ja.
Der hat bei der Taz kommentiert, brandaktuell zu diesem Tatort. Ich lese das mal vor zu großen Teilen. Vielleicht lasse ich ganz ein bisschen was weg, sonst wird es zu lang.
Wir können den ganzen Kommentar auch gerne verlinken, dann könnt ihr ihn nochmal nachlesen.
Also hier.
Und auch in dem aktuellen Film, also diesem Tataus, war wirklich fast alles dabei, was eine stigmatisierende Darstellung von Psychiatrie und psychisch Kranken ausmacht. Doppelpunkt.
Die Klinik, in Anführungsstrichen, ist eine Art Sekte des renommierten, auch in Anführungsstrichen, Professors, der natürlich ein miserabler, falsche Diagnosen ausstellender Wicht ist und bald ermordet wird.
Seine Patienten, in Anführungsstrichen, vergiftet er mit den genau falschen Psychopharmaka.
Damit sie auf ewig in seiner Klinik bleiben müssen.
Und die Oberärztin deckt das mit einem Falschgutachten, weil er sie dafür zu seiner Stellvertreterin macht.
Offensichtlich Motiv genug, alle ethischen und ärztlichen Prinzipien zu verraten.
Der Pfleger arbeitet nach einer Nachtschicht auch noch die Tagschicht.
Und in seiner Nachtschicht ist er natürlich sexuell übergriffig gegenüber der Patientin, die an Borderline, in Anführungsstrichen, und einer paranoiden Schizophrenie gleichzeitig leidet.
In Anführungsstrichen.
Immerhin wird gesagt, das ist selten, aber es kann vorkommen.
Natürlich wird niemand in dieser sogenannten Klinik geholfen.
Also niemandem.
Und als die arme Patientin, Schrägstrich Opfer, vom guten Kommissar endlich befreit wird,
da ihre einjährige, Ausrufezeichen, richterliche Unterbringung durch das Wirken des rundum guten Kommissars endlich aufgehoben ist,
tanzt sie frohgemut im Sonnenlicht.
Denn eine psychiatrische Klinik,
ist schließlich wie ein Gefängnis.
Niemals zuvor hat die arme Kranke im vergangenen Jahr das Sonnenlicht gesehen.
In den Therapiegruppen erzählt immer eine oder einer von seinen Eltern,
und die anderen machen sich über ihn oder sie lustig.
So sind die psychisch Kranken nun mal.
Als die Therapeutin kurz die Gruppe verlässt,
eskaliert die Situation sofort in Richtung eines demonstrativen Suizidversuchs,
den natürlich nicht die Therapeutin,
sondern der menschlich gute Kommissar professionell auflösen kann.
Und selbstverständlich,
gibt es keine Möglichkeit,
diese Kranken erfolgreich zu therapieren,
denn in Wahrheit sind sie Grundböse und sogar Mörder.
Schrecklich, dämlich, ekelhaft,
mit dieser Stereotypen, seit 50 Jahren nicht enden wollenden Darstellung von Psychiatrie,
wie es sie in der Form nur im deutschen Fernsehen gibt und gegeben hat,
stigmatisiert man nicht nur das ärztliche und pflegerische Personal,
das auf diesen Stationen jeden Tag so gut wie möglich zu helfen versucht,
sondern vor allem auch,
die Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Das war mal ein Schlusswort.
Das ist jetzt nicht direkt die positive Umkehrung,
die wir ja gerne am Schluss haben,
aber es passt, glaube ich, nochmal gut zusammen,
was ihr auch schon kritisiert habt.
Also Stigma haben wir jetzt heute gar nicht so wahnsinnig im Fokus gehabt,
aber es spielt natürlich eine total große Rolle bei der Sache.
Und tatsächlich stimmt es ja auch,
dass sowohl die Behandelnden als auch eben die Patientinnen und Patienten
stigmatisiert werden dadurch.
Absolut, da sitzen wir alle in einem Boot.
Das stimmt.
Hat ja auch was,
aber dagegen wollen wir eigentlich weiter arbeiten.
Ankämpfen, so gut es geht.
Ja, haben wir.
Ich glaube, wir haben es.
War mal eine andere Folge als sonst.
Verzeiht uns, wenn wir vielleicht manchmal in den Bash-Modus geraten sind,
aber ich glaube, das hat es irgendwie tatsächlich so mit sich gebracht.
Und wie gesagt, wir freuen uns total von euch zu hören,
wie ihr das wahrgenommen habt,
wie es euch vielleicht ergangen ist.
Schreibt uns gerne, wenn ihr eigene Erfahrungen habt
oder auch nochmal nachfragen
oder euch mit irgendwas unsicher seid.
Wir versuchen das immer irgendwie zu beantworten,
auch wenn es nicht immer sofort klappt.
Genau.
Und ansonsten war es das für heute.
Das war es für heute, würde ich sagen.
Und wir hören uns in zwei Wochen.
Macht es gut.
Zum nächsten Mal.
Bis dahin.
Bleibt gesund.
Ja, genau.
Macht's gut.
Tschüssi.
Tschüss.
Ciao.
Untertitelung des ZDF, 2020
Podcast Summary
Key Points:
Der Tatort "Gefangen" zeigt eine unrealistische und verharmlosende Darstellung von beschützten psychiatrischen Stationen.
Beschützte Stationen sind vor allem bei Eigen- oder Fremdgefährdung notwendig, jedoch werden sie selten und restriktiv genehmigt.
Die Entscheidung für eine Aufnahme auf einer beschützten Station erfolgt über ein Gericht, nicht willkürlich durch Ärzte.
Gruppentherapien in der Psychiatrie sind in der Realität sehr vorsichtig und nicht so offen wie im Tatort dargestellt.
Patienten haben auf beschützten Stationen oft nur begrenzten Ausgang und werden nach und nach auf offene Stationen verlegt.
Patientenrechte wie Persönlichkeits- und Schweigepflicht sind streng geschützt – Akten dürfen nicht einfach freigegeben werden.
Der medizinische Prozess ist durch ein multidisziplinäres Team geprägt, mit regelmäßigen Besprechungen, um Transparenz und Qualität zu gewährleisten.
Die Darstellung im Tatort verstärkt Angst und Stigmatisierung, was sich negativ auf die Erfahrungen von Patienten auswirkt.
Summary:
Der Podcast diskutiert die Darstellung von beschützten psychiatrischen Stationen im Tatort „Gefangen“ kritisch und aus medizinischer Sicht. Die Folge betont, dass solche Stationen nur bei echten Gefährdungen – wie Eigen- oder Fremdgefährdung – eingesetzt werden und nicht als Gefängnis fungieren. Die Entscheidung für eine Unterbringung erfolgt nicht willkürlich, sondern durch gerichtliche Genehmigung, was eine hohe Transparenz und Rechtsbindung sicherstellt.
Im Gegensatz zur dramatischen Darstellung im Film, finden Gruppentherapien auf solchen Stationen nur unter strengen Voraussetzungen statt, mit viel Fokus auf die Sicherheit und den Schutz der Patienten. Die Patienten erhalten individuelle Ausgangsrechte und werden im Laufe der Behandlung systematisch auf offene Stationen verlegt, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Zudem sind medizinische Akten streng geschützt und dürfen nicht einfach an Dritte weitergegeben werden.
Der Prozess wird durch ein multidisziplinäres Team kontrolliert und durch regelmäßige Teambesprechungen überprüft. Die Darstellung im Tatort wird jedoch als extrem überspitzt und gefährlich beschrieben, da sie Angst, Stigmatisierung und falsche Vorstellungen über Psychiatrie vermittelt. Die Gesprächsmöglichkeiten sind in der Realität durch sorgfältige, empathische Kommunikation und den Aufbau von Vertrauen geprägt, während im Film oft emotionale und manipulative Szenen gezeigt werden, die nicht realistisch sind.
Der Podcast betont, dass die Erfahrungen von Patienten meist eine Verbesserung zeigen, nicht eine verlorengegangene Freiheit oder eine kriminelle Unterbringung.
FAQs
Eine beschützte Station ist eine psychiatrische Einheit mit geschlossener Tür, bei der Patienten, die eine Gefährdung für sich oder andere sehen, behandelt werden. Die Einrichtung dient der Sicherheit und wird nur dann eingesetzt, wenn eine ernsthafte Eigen- oder Fremdgefährdung besteht.
Patienten werden auf eine beschützte Station untergebracht, wenn sie eine Gefährdung für sich oder andere darstellen – beispielsweise durch Suizidgedanken oder aggressive Verhaltensweisen. Dies ist ein Schutzmaßnahme, um Lebensgefahr zu vermeiden.
Ja, es gibt strenge gesetzliche Vorschriften. Eine Unterbringung muss durch ein Gericht abgewickelt werden, und es gibt immer eine ärztliche Dokumentation. Es gibt auch eine sogenannte „fürsorgliche Zurückhaltung“ von bis zu 24 Stunden, nach der ein Gericht eingreift.
Ja, aber nur unter strengen rechtlichen Voraussetzungen. Solche Maßnahmen können nur dann erfolgen, wenn ein Gericht entscheidet, und es muss eine nachhaltige Gefährdung nachgewiesen werden. Der Patient hat rechtliche Anspruch auf einen Widerspruch.
In der realen Praxis finden Gruppentherapien auf beschützten Stationen nicht statt, wie im Tatort dargestellt. Die Therapien sind eher sachlich und anonym, und Patienten werden nicht gezwungen, ihre innersten Gedanken zu teilen. Die Gruppen sind oft von Pflegern geleitet und drehen sich um soziale und tägliche Aktivitäten.
Ein Besucher darf nicht einfach auf die Station eintreten. Er muss klingeln, sich im Stationsstützpunkt melden und die Behandler informieren. Es gibt keine direkte Befragung ohne Zustimmung des medizinischen Teams, und jede Aktenübertragung ist rechtlich und gesetzlich geschützt.
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