Die alte Schutzstrategie erkennen: Ich lese Kapitel 6 aus meinem Buch vor #83
0m 0s
Das Kapitel 6 des Buches beleuchtet, wie emotionale Wunden und alte Überlebensstrategien die Kommunikation im Paar beeinträchtigen. Das Gehirn reagiert bei Gefahrensituations auf automatische Weise – es wechselt in den Gefahrenmodus, wodurch schnelle, aber oft schädliche Reaktionen wie Angriff oder Rückzug entstehen. Beispiele aus der Paartherapie von Hanna und Timo verdeutlichen, dass sie trotz Erfolge in anderen Situationen in bestimmten Konflikten automatisch in alte Muster abrutschen. Diese Muster, wie das „Säbelzahntiger“-Verhalten, entstehen aus der Angst vor Verletzung und führen zu Abstand, Erstarren oder Aggression. Der erste Schritt zur Veränderung ist das bewusste Wahrnehmen von Warnsignalen wie Magenkrampf, Schwitzen oder Zahnknirschen. Um diese Muster zu erkennen und zu überwinden, werden drei Schritte vorgeschlagen: Wahrnehmen, Erkennen und gezieltes Üben. Die Strategien sind zwar kurzfristig schützend, doch sie schaden langfristig der Beziehung, da sie Verständnis und Nähe verhindern. Das Buch verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft mit praktischen Szenarien und persönlichen Beispielen, um eine umfassende und zugängliche Methode zur Entwicklung von gegenseitigem Verständnis und emotionaler Sicherheit darzustellen. Die Leser lernen, ihre eigenen „Säbelzahntiger“ zu erkennen und schrittweise aus den automatischen Reaktionsmustern hinauszukommen.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Parpsychologie-Podcast-Folge.
Mir ist vor ein paar Tagen aufgefallen, dass ich noch nie länger aus meinem neuen Buch
Getriggert vorgelesen habe und genau das holen wir heute nach.
Ich habe euch auf Instagram at parpsychologie gefragt, welches Kapitel oder welchen Auszug
von einem Kapitel ihr gerne hättet und Kapitel Nummer 6, die alte Schutzstrategie erkennen,
hat gewonnen.
Das heißt, daraus werde ich jetzt einige Seiten vorlesen.
Wir schauen mal, ob wir das ganze Kapitel schaffen.
Es gibt in meinem Buch nur 14 Kapitel, das heißt, die sind alle relativ lang und nochmal
mit Übungen etc. untergliedert.
Aber wir starten auf jeden Fall mal rein.
Kurz zur Einordnung.
Das Kapitel Nummer 6 ist das erste Kapitel im zweiten Teil.
Der erste Teil, da geht es darum, die großen Beziehungsthemen zu identifizieren, wie diese
die Kommunikation auch lahmlegen und ich gebe im ersten Teil schon ganz viele Tipps und
natürlich auch Wissen an die Hand, dass man direkt umsetzen kann.
Im zweiten Teil geht es jetzt darum, die Themen, die aber so eine richtige emotionale Wunde
treffen, die uns vielleicht auch triggern können, weil sie auf alte Verletzungen zurückzuführen
sind.
Dass wir die noch besser verstehen und das, was uns da so auseinanderbringt, das fehlende
Verständnis und die heftigen Stressreaktionen, denen auf den Grund zu gehen.
Und dafür hören wir uns jetzt das einleitende Kapitel, Kapitel Nummer 6, gemeinsam an.
So, du hast es durch den ersten Teil des Buches geschafft.
Das bedeutet, im besten Fall hast du jetzt eine Idee davon, was wirklich guter Kommunikation
im Wege steht und welche typischen Probleme dabei auftreten.
In diesem zweiten Teil schauen wir uns genauer an, was man machen kann, um endlich aus den
unproduktiven Kommunikationsmustern auszubrechen.
Dabei wird uns das Wissen aus dem ersten Teil natürlich helfen.
Schauen wir bei unserem Lieblingspaar Hanna und Timo vorbei und sehen nach, wo die beiden
im Paartherapieprozess gerade stehen.
Ich, willkommen zurück.
Wir haben uns jetzt ja ein paar Wochen nicht gesehen.
Was ist denn in der Zwischenzeit passiert?
Timo, wir haben versucht, einige der besprochenen Dinge umzusetzen.
Ich, super, was hat denn funktioniert?
Hanna, manche Sachen liefen ganz gut.
Aber wir sind noch ein paar Mal richtig aneinandergeraten.
Ich merke, dass wir eigentlich immer wieder über die gleichen Themen reden.
Das ist irgendwie gut, aber auch sehr frustrierend, weil wir uns ja trotzdem im Hier und Jetzt
heftig streiten.
Timo, ja, das sehe ich genauso.
Für mich ist es leichter geworden zu verstehen, was Hanna von mir will, wenn es ihr nicht
gut geht.
Doch ich merke auch, dass ich immer wieder in die alten Muster verfalle.
Ich, es ist tatsächlich ganz normal, dass ihr euch in einem Zwischenstadium befindet
und einiges besser klappt, anderes noch nicht so gut.
Einsicht in eine bestimmte Situation zu erlangen, ist schon enorm hilfreich.
Doch ihr merkt gerade, dass es nicht für alle Momente ausreicht.
Wenn man anfängt, neue Techniken zu implementieren, gibt es immer einige Bereiche, an die man
noch nicht herankommt.
Und das sind die Gebiete, wo besonders viele Emotionen, Verletzungen und Trigger sitzen.
Dafür brauchen wir besonders viel Zeit.
Besondere Strategien.
Hanna, ja, ich merke, bei den Themen, die mich nicht so aufregen, kann ich die Sachen
schon ganz gut umsetzen.
Es fällt mir viel leichter, meine Intentionen und Gefühle ruhig anzusprechen, wenn mir
die Situation nicht so nahe geht.
Doch ganz bestimmte Dinge packe ich einfach nicht.
Ich, ja, genau um solche Situationen, die sich gerade noch zu groß oder intensiv anfühlen,
werden wir uns jetzt kümmern.
Timo, gab es solche Momente auch für dich?
Timo, für mich ist es schon immer so, dass ich mich nicht mehr so gut fühle, als ich
bin.
Ich glaube, es ist schwieriger, herauszufinden, wann ich emotional unter Druck stehe.
Ich glaube, es ist besonders schwer für mich, wenn mich Hanna angreift.
Dann offen zu bleiben und nicht einfach aus der Situation zu gehen, klappt selten.
Vielleicht bist du ja an einem ähnlichen Punkt wie Hanna und Timo.
Du hast angefangen, die Tipps aus diesem Buch anzuwenden und ein paar Techniken haben auch
schon ganz gut funktioniert.
Doch es gibt immer wieder Momente, die einfach automatisch ablaufen, sodass du sie noch nicht
einfangen kannst.
Da dies genau die Situationen sind, die den größten Unterschied zwischen der Situation
und der Beziehung haben, schauen wir uns sie noch einmal in Ruhe an.
Sicherlich fragst du dich, warum es dir nicht gelingt, einfach anders zu reagieren.
Du hast bereits einige Möglichkeiten an die Hand bekommen, um besser zu kommunizieren.
Warum sind diese Informationen dann plötzlich verschwunden, wenn du sie am meisten brauchst?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einen kleinen Abstecher in die Neurowissenschaft
machen und uns anschauen, woher wir als Menschen eigentlich kommen.
Aber keine Sorge, ich werde dich nicht mit Fachbegriffen und abgehobenen Fakten verabschieden.
Ich werde dich nicht mit Fachbegriffen und abgehobenen Fakten verabschieden.
mal stehenbleiben und überlegen, in welche Richtung du springen solltest. Du springst einfach. Dein
Gehirn nimmt eine Abkürzung und lässt deine bewusste Entscheidung einfach ausfallen. Denn
die Zeit und Kraft, die es dich kosten würde, bewusst über etwas nachzudenken, hast du im
Ernstfall nicht. Das bedeutet aber auch, dass du in einer heftigen Situation mit deinem Partner,
deiner Partnerin, mit deinen Eltern oder Geschwistern, deinen Kolleginnen oder Bekannten
all die guten Tipps und Techniken vergisst, weil dein Gehirn die schnelle und automatische Route
einschlägt, die dich kurzfristig schützen soll, aber langfristig eher zu Problemen in der Beziehung
führt. Wenn uns ein Mensch angreift oder ausschließt, kann das für uns eine Gefahr bedeuten. Wir
bespüren, wie der Kontakt abreißt und etwas in uns ausgelöst wird. Das ist unsere Gefahrenreaktion.
Unser Herz rast wie wild, wir bekommen schwitzige Hände und denken nicht mehr klar. Das Verhalten,
das darauf folgt, soll uns schnell aus der Gefahrensituation herausbringen. Das geschieht automatisch
und ohne bewusste Steuerung. Viele Menschen beschreiben diesen Zustand auch als getriggert
sein. Das bedeutet, dass die Person eine hohe emotionale Aktivierung erlebt, da eine alte
Wunde in ihr getroffen wurde. Solche Punkte lösen starke Gefühle und meist problematische
Verhaltensweisen aus. Sobald die Gefahrenreaktion vorüber ist, tauchen wir aus diesem Zustand wieder
auf. Wir erkennen die Konsequenzen, die das Verhalten unseres Gehirns im Gefahrenzustand
nach sich gezogen hat und können nur noch mit dem Kopf schütteln.
Wie passt das alles zu den Aussagen von Timo und Hanna?
Die beiden sagten ja, dass sie in manchen Situationen schon einiges umsetzen konnten. Das sind sicher
Momente, in denen sie nicht besonders stark emotional aktiviert waren. Sie sind vielleicht
nicht komplett entspannt, aber ihr Gehirn hat auch noch nicht in den Gefahrenmodus gewechselt.
Sie können ihr Verhalten aktiv gestalten und sich an die Tipps aus unseren Gesprächen erinnern.
Natürlich klappt das nicht immer perfekt,
aber sie verfügen schon über einen gewissen Handlungsspielraum.
Die Situationen, die ihn entgleiten, gehen mit einer höheren inneren Anspannung einher. Das
sind Momente, in denen sie in alte Muster zurückverfallen, ohne dass sie dies verhindern
können. Momente, in denen die Aktivierung so hoch ist, dass ihr Gehirn in den Gefahrenmodus wechselt
und die Führung übernimmt. Und genau das sind die Momente, die den größten Schaden unserer Beziehung
anrichten. Wenn es dir also schwer fällt, in aufgeladenen Situationen ruhig zu bleiben, dann weißt
du, gegen was du da eigentlich arbeitest. Versuche noch einmal entspannt und locker zu sein, wenn alles
in dir "Gefahr!" schreit. Fühlst du dich kopflos oder erstarrt, passiert also jede Menge in dir. Der
instinktive Teil deines Gehirns übernimmt, will dich schützen und greift dabei auf uralte
Überlebensstrategien zurück. Es erfolgt dabei eine Strategie, die nur auf kurzfristige Sicherheit aus
ist und nicht auf langfristige Bindung zählt. Hannah verschafft sich diese kurzfristige Sicherheit, indem
sie ihren Freund von sich weg stößt und in den Angriffsmodus wechselt. Die Idee dahinter ist also:
Ich erlebe dich als Gefahr, da du mir den Kontakt entziehst, also greife ich dich an, damit du mich
nicht noch mehr verletzen kannst. Wenn ich dich auf Abstand halte, kann mir nichts passieren. Hilft
Hannah diese Strategie? Ja und nein. Ihr Freund wird auf Abstand gehalten und sie fühlt sich kurzfristig
vielleicht ein bisschen besser. Doch ihr Verhalten triggert wiederum Timo und gefährdet damit ihre Beziehung.
So bekommt Hannah letztendlich nicht das, was sie sich eigentlich vorstellt, nämlich Verständnis und
Nähe. Denn Timo ist mittlerweile so verletzt, dass er nicht mehr auf sie zugehen kann. Somit verhindert
Hannahs Strategie, dass sie ihre Bedürfnisse von ihrem Freund erfüllt bekommt. Die Angriffe machen
deutlich mehr kaputt, als sie retten. Dennoch kommt Hannah nicht von ihnen los, da sie automatisch
ablaufen. Timos Strategie verläuft eher analog zum Flight und Freeze, Rückzug und Erstarren. Wenn er nicht gleich den
Raum verlässt, hält er die Situation einfach aus. Auch dieses Verhalten hat langfristige Konsequenzen.
Seine Freundin fühlt sich von ihm abgewiesen und bestraft. Sie kommt nicht mehr an ihn heran. Soll sie
auch nicht, denn genau dafür ist die Überlebensstrategie da. Die Idee ist: Wenn ich mich innerlich abschotte,
kannst du mich nicht mehr verletzen. Wenn ich der Situation entfliehe, kann mir nichts mehr passieren.
Auch Timos eigentliche Bedürfnisse bleiben bei dieser Strategie auf der Strecke und können nicht erfüllt
werden. Er möchte sich eigentlich verstanden und sicher mit Hannah fühlen, doch wenn er sich
abschottet, kommt niemand mehr an ihn ran und das macht Verständnis und Nähe unmöglich.
Ich erkläre Hannah und Timo dieses Phänomen in unserer Sitzung.
schon verrückt, was da alles passiert, aber irgendwie finde ich den Begriff
Überlebensstrategie merkwürdig. Ich weiß ja, dass meine Partnerin kein Säbelzahntiger ist.
Das stimmt, in der Theorie weiß man das. Aber wir haben auch gesehen, dass das Bild, das wir voneinander
haben, sich in der Beziehung verändert. Das heißt ja nicht, dass wir die Person die ganze Zeit als
Feind ansehen, aber in ganz bestimmten Momenten verändern sich die Gefühle zueinander. Wenn wir
unser Gegenüber tatsächlich als ruhig und die Situation als entspannt empfinden würden,
bräuchten wir diese heftige Reaktion nicht. Hannah im Scherz: Ich glaube, du siehst mich
schon als Säbelzahntiger, der dir ein Bein abbeißen will, deshalb rennst du auch immer
so schnell weg vor mir. Timo grinst: Du hast recht, deine Angriffe sind mein Säbelzahntiger.
Das ist eine schöne Bezeichnung. Wir sollten alle unsere inneren Säbelzahntiger
kennen. Das fühlt sich für uns individuell gefährlich an und lässt uns dementsprechend
reagieren. Hannah:
Ich glaube, mein Säbelzahntiger ist Liebesentzug und Alleinsein. Dieser Moment, in dem ich nur
auf mich gestellt bin und du irgendwo hinter deiner Mauer verschwindest, lässt mich in den
Gefahrenmodus wechseln. Eine kurze Stille breitet sich zwischen uns aus. Jeder lässt das Gesagte auf
sich wirken. Dann sagt Hannah: Aber das klingt jetzt irgendwie so, als könnten wir da nichts
dran ändern. Wenn das eine so alte und heftige Reaktion ist, wie sollen wir jemals gegen sie
ankommen? Es ist sicher nicht einfach, aus diesem Muster auszubrechen. Wäre es so,
hättet ihr keine Kommunikationsprobleme, sondern könntet einfach sagen, was euch belastet. Aber
es ist auch nicht unmöglich. Stellt euch das wie Klavierspielen vor. Das ist auch
eine neue Fähigkeit, die man erst entwickeln muss. Am Anfang lernt man die Theorie, dann setzt
man sich ans Klavier und fühlt sich vollkommen überfordert. Die Finger müssen sich erst an die
neuen Abläufe gewöhnen und man macht immer wieder Fehler. Aber je mehr man übt, desto leichter fällt
es einem auch. Das bedeutet nicht, dass man sich gar nicht mehr verspielt. Manchmal ist man deutlich
unkonzentrierter, manchmal hat man einen schlechten Tag. Okay, also sollen wir das als eine neue
Fähigkeit behandeln, die man erlernen kann. Das verstehe ich, aber was genau sollen wir lernen?
Es gibt drei Schritte, über
die man aus solchen Mustern herausfindet. Diese sollen zunächst erlernt und dann stetig geübt
werden. Hannah, das klingt nach einem Plan. Worum besteht der erste Schritt?
Der erste Schritt ist die Wahrnehmung. Ich muss erkennen, wann ich in den Gefahrenmodus zu wechseln
drohe, sonst kann ich es nicht verhindern. Ich weiß, sobald ich erst einmal drin bin,
wird es verdammt schwer, wieder rauszukommen. Ich kann es nur immer wieder betonen:
Die Zeit ist nicht auf unserer Seite. Wenn wir die Signale verpassen und Zeit verstreichen,
sind wir schneller getriggert, als wir Säbelzahntiger sagen können.
Vielleicht denkst du dir jetzt: Na ja, ich nehme doch die ganze Zeit über Sachen
wahr, dann ist der erste Schritt doch geritzt, kann ich schon. Nein, leider nicht. Denn wir
müssen unsere Wahrnehmung trainieren, uns die "richtigen" Informationen zuzuspielen.
Jede Sekunde prasseln unzählige Eindrücke auf uns ein, elf Millionen, um genau zu sein. Von
denen werden allerdings nur vierzig bewusst verarbeitet. Leider verbleiben die Signale,
die für uns wichtig sind, meist im Bereich des Unbewussten. Irgendwo unter den restlichen
10.999.960 Informationen. Ist dir gerade in diesem Moment bewusst, wie sich dein Körper anfühlt?
Wahrscheinlich hat sich dein Bewusstsein erst darauf gerichtet, als du darüber nachgedacht
hast, oder? So verhält es sich oft. Die Informationen, die uns zeigen könnten,
dass wir in unsere Muster abrutschen, sind zwar da, aber sie werden nicht bewusst ausgelesen. Um
dieses Bewusstsein zu trainieren, schauen wir uns jetzt einige Beispiele mit Trigger-Potenzial an.
Versuche beim Lesen zu erkennen, was Warnsignale für die betreffende Person darstellen könnten.
Notiere dir dabei gerne, was dir hiervon bekannt vorkommt.
Murat Murat ist 39 Jahre alt und seit 15
Jahren mit seiner Partnerin zusammen. Die beiden haben eine gemeinsame Wohnung und zwei Kinder. Die
Kleinen sind sein ganzer Stolz, doch sie bringen ihn auch zur Verzweiflung. Gerade, wenn seine
Partnerin außer Haus und er alle zusammen ist, ist es nicht so einfach, dass sich die Partnerinnen und
seine Partnerinnen mit der Kinder beschäftigen. Im Moment, in dem Murat allein mit den Kindern ist,
fühlt er sich oftmals überfordert. Die meiste Zeit über kann er einigermaßen gut mit der
Situation umgehen, doch dann gibt es auch Momente, in denen er in ein bestimmtes Muster fällt. In
seinem Magen spürt er dann einen Knoten, der sich immer weiter zusammenzieht. Murat wird
angespannter und beginnt, mit den Zähnen zu knirschen. In diesem hoch angespannten Zustand
verharrt er meist einige Zeit. Wenn dann eines der Kinder ihn nervt, brechen Befehle und Kritik
aus ihm hervor. Das ist der Moment, in dem er im Tunnel ist und hinterher vor sich
selbst erschrickt. Um sein Muster abzufangen, muss Murat lernen, diese Zeichen bewusst wahrzunehmen.
Gefühle der Überforderung, Knoten im Magen, Zähne knirschen und Druck. Diese Reaktion
zeigt Murat, sobald er etwas als Bedrohung wahrnimmt. Für ihn ist es gefährlich,
wenn ihm die Situation entgleitet. Sein selbe Zahntiger ist die Hilflosigkeit, das Gefühl,
etwas regeln zu müssen und es doch nicht zu können. Emotionen, die für ihn enorm schwer auszuhalten
sind.
Er glaubt, dass er die Kontrolle über die Situation behalten muss.
dass es nicht okay ist, wenn er nicht mehr weiter weiß.
Das lässt ihn in den Gefahrenmodus wechseln, wie wir an seiner heftigen Reaktion erkennen.
Sibel ist 20 Jahre alt und gerade von zu Hause ausgezogen.
An den Wochenenden fährt sie zu ihrer Familie zurück, um dort einige Stunden zu verbringen.
Sibels Verhältnis zu ihrer Mutter ist sehr angespannt.
Schon während der Autofahrt merkt sie, wie sie eigentlich den Wagen wenden und zurückfahren möchte.
Sie hat Sorge vor einem möglichen Konflikt, da ihre Mutter oft eine starke Meinung vertritt.
Als sie auf die Klingel der Haustür drückt, spürt sie, wie schwitzig ihre Hände sind.
Sie trägt ihre innere Anspannung eine Weile lang mit sich rum, bis es tatsächlich zu einer Meinungsverschiedenheit kommt.
Sie will sich erklären, doch ihre Stimme versagt ihr, bis sie irgendwann ganz still wird und in sich selbst zurückzieht.
Erst als sie wieder im Auto sitzt, fällt ein Teil der Anspannung wieder von ihr ab.
Sibels Warnsignale sind
Der Wunsch, aus der Situation zu fliehen
Sorgen
Schwitzige Hände
Und das Versagen der Stimme
Sibels Siebelzahntiger sind die Meinungsverschiedenheit mit ihrer Mutter bzw. die Konsequenzen, die damit zusammenhängen.
Sie hat Sorge, dass etwas schiefläuft und das Verhältnis zu ihrer Mutter langfristig darunter leidet.
Die Anspannung zeigt ihr, wie wichtig ihr die Harmonie in der Beziehung ist und wie stark sie unter dem Konflikt leidet.
Okay, erstmal bis hierhin.
Hier würden in dem Kapitel jetzt noch einige weitere Beispiele und Übungen folgen, wie du deinen persönlichen Sibelsahntiger auch herausfinden kannst.
Und die Kapitel gehen dann damit weiter, dass natürlich noch Schritt, das war jetzt ja Schritt 1, wahrnehmen, Schritt 2 und 3, um aus den inneren Mustern herauszusteigen und sie zu heilen, die werden dann hier durchgegangen.
Du siehst es also schon, das Buch ist eine Mischung aus Informationen, aber auch Dialogen mit unserem Beispielpaar Hanna und Timo.
Andere Beispiele, die noch hier und da mit reinkommen, Studien, die auch zitiert werden, das heißt, ich habe versucht, eine große Bandbreite an unterschiedlichen Informationen hier mit reinzubringen.
Wenn dich das Buch interessiert, dann guck auf jeden Fall in die Podcast-Beschreibung, denn da findest du einmal den Link zum physischen Buch und auch zum Hörbuch, das nicht von mir eingelesen wurde, aber von einer sehr, sehr talentierten Sprecherin, der Henriette Scheuers.
Da kannst du auch nochmal bei Audible.com.
Dann hoffe ich, dass du aus diesem Auszug auch einige wichtige Informationen mitnehmen konntest.
Schreib mir gerne deine Gedanken zu dem Kapitel, zum Buch auch, entweder auf Instagram, at paarpsychologie oder bei Spotify unten in die kleine Box, wo man seine Gedanken und Fragen hineinpacken kann.
Wenn dir die Folge gefallen hat, freue ich mich natürlich wie immer über eine Fünf-Sterne-Bewertung und dann hören wir uns.
Bis nächsten Freitag wieder zu einer neuen Podcast-Folge.
Alles Gute, bis dahin.
Podcast Summary
Key Points:
Das Kapitel 6 des Buches beschreibt, wie emotionale Wunden und alte Überlebensstrategien zu unproduktiven Kommunikationsmuster führen.
Das Gehirn wechselt bei emotionaler Bedrohung automatisch in den Gefahrenmodus, was zu impulsiven, oft schädlichen Reaktionen führt.
Solche Reaktionen werden als „getriggert“ beschrieben und lösen starke emotionale Aktivierung und alte Verletzungen aus.
Beispiele wie Hanna und Timo zeigen, dass sie in bestimmten Situationen in Muster wie Angriff oder Rückzug verfallen, obwohl sie andere Momente besser meistern.
Die Wahrnehmung von Warnsignalen wie Angst, Spannungen oder physischen Reaktionen ist entscheidend, um die Reaktionen zu erkennen und zu beeinflussen.
Es gibt drei Schritte zur Veränderung
Die Strategien wie „Angriff“ oder „Rückzug“ schützen kurzfristig, führen jedoch langfristig zu Verletzung und Abwesenheit von Verbindung.
Das Buch verbindet theoretische Neurowissenschaft mit praktischen Beispielen und persönlichen Erfahrungen aus Paartherapie.
Summary:
Das Kapitel 6 des Buches beleuchtet, wie emotionale Wunden und alte Überlebensstrategien die Kommunikation im Paar beeinträchtigen. Das Gehirn reagiert bei Gefahrensituations auf automatische Weise – es wechselt in den Gefahrenmodus, wodurch schnelle, aber oft schädliche Reaktionen wie Angriff oder Rückzug entstehen. Beispiele aus der Paartherapie von Hanna und Timo verdeutlichen, dass sie trotz Erfolge in anderen Situationen in bestimmten Konflikten automatisch in alte Muster abrutschen.
Diese Muster, wie das „Säbelzahntiger“-Verhalten, entstehen aus der Angst vor Verletzung und führen zu Abstand, Erstarren oder Aggression. Der erste Schritt zur Veränderung ist das bewusste Wahrnehmen von Warnsignalen wie Magenkrampf, Schwitzen oder Zahnknirschen. Um diese Muster zu erkennen und zu überwinden, werden drei Schritte vorgeschlagen: Wahrnehmen, Erkennen und gezieltes Üben.
Die Strategien sind zwar kurzfristig schützend, doch sie schaden langfristig der Beziehung, da sie Verständnis und Nähe verhindern. Das Buch verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft mit praktischen Szenarien und persönlichen Beispielen, um eine umfassende und zugängliche Methode zur Entwicklung von gegenseitigem Verständnis und emotionaler Sicherheit darzustellen. Die Leser lernen, ihre eigenen „Säbelzahntiger“ zu erkennen und schrittweise aus den automatischen Reaktionsmustern hinauszukommen.
FAQs
Eine Überlebensstrategie ist eine automatische Reaktion des Gehirns, die in stressigen oder gefährdeten Situationen ausgelöst wird, um kurzfristige Sicherheit zu gewährleisten. Solche Reaktionen sind evolutionär bedingt und dienen dem Schutz vor Verletzungen, aber sie können langfristig zu Konflikten und Abstand in Beziehungen führen.
Im emotional aufgeladenen Zustand wechselt das Gehirn in den Gefahrenmodus und übernimmt automatisch die Kontrolle. Dadurch wird die bewusste Entscheidung und die Anwendung von Kommunikationsmethoden ausgeschaltet, weil die Instinktreaktion schneller und effektiver ist – aber auch schädlicher für die Beziehung.
Beispiele für Warnsignale sind ein Knoten im Magen, zähneknirschend, schwitzige Hände, eine starke Anspannung oder das Versagen der Stimme. Diese Körperreaktionen zeigen, dass eine Person in einem Gefahrenzustand ist und möglicherweise in alte Muster abrutscht.
Hannas Angriffslage ist eine Abwehrreaktion, die ihren Säbelzahntiger (die Gefühle der Verletzung) aktiviert. Dadurch wird Timo weiterhin verletzt und fühlt sich abgewiesen, was seine Fähigkeit, sich zu öffnen und zu kommunizieren, beeinträchtigt.
Das bedeutet, dass eine Person unbewusst in alte, automatische Reaktionsmuster fällt, ohne das bewusst zu erkennen. Das ist problematisch, weil es die Entwicklung echter Verständnis und Nähe im Beziehungsverhalten behindert und langfristig zu Abwehr und Konflikten führt.
Man kann die Warnsignale durch bewusste Achtsamkeit und Übung erkennen. Beispielsweise wird es notwendig, die Körperreaktionen, Gefühle und Gedanken in einer konfliktreichen Situation zu beobachten und zu notieren, um das eigene Muster zu identifizieren.
Chat with AI
Loading...
Pro features
Go deeper with this episode
Unlock creator-grade tools that turn any transcript into show notes and subtitle files.