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Das Transaktionale Stressmodell: Warum manche Menschen unter Stress zusammenbrechen – und andere wachsen

32m 49s

Das Transaktionale Stressmodell: Warum manche Menschen unter Stress zusammenbrechen – und andere wachsen

In dieser Podcast-Folge der Coaching-Bande besprechen Susanne Henkel und Astrid Kellenbens das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus. Sie erklären, dass Stress nicht einfach durch äußere Umstände entsteht, sondern durch die individuelle Bewertung einer Situation in Wechselwirkung mit der Person. Viele Menschen leiden doppelt, weil sie ihren Stress zusätzlich negativ bewerten („Ich müsste belastbarer sein“), was eine Abwärtsspirale verstärkt. Lazarus unterscheidet eine primäre, automatische Bewertung (Herausforderung, Bedrohung, Verlust) und eine sekundäre Bewertung, bei der Ressourcen und Bewältigungsmöglichkeiten geprüft werden. Genau hier setzt Coaching an: Klientinnen und Klienten können lernen, ihre Bewertungen zu hinterfragen, Zugang zu eigenen Ressourcen zu finden und ihren Einflussbereich zu erkennen – auch in schwierigen Situationen. Die Coaches warnen vor typischen Stressfallen wie Katastrophisieren und Kontrollverlust und betonen, dass jeder Mensch immer einen Gestaltungsspielraum hat, etwa in der eigenen Haltung. Gleichzeitig stellen sie klar, dass Coaching nicht dazu dienen darf, strukturelle Ungerechtigkeiten oder Opfererfahrungen zu relativieren. Abschließend empfehlen sie Reflexionsfragen zur Selbstanwendung und verweisen auf ihre Weiterbildungsangebote sowie das Link-Coaching-Board, wo sie das Modell entdeckt haben. Die Folge schließt mit dem Hinweis auf die Sommerpause und neuen Inhalten im Herbst.

Transcription

4801 Words, 30566 Characters

German
Herzlich willkommen beim Podcast der Coaching-Bande. Wir sind Susanne Henkel und Astrid Kellenbens, die systemischen Coaches und Therapeuten von www.coachingbande.de. Wir freuen uns, dass du uns zuhörst und wünschen dir viel Vergnügen und neue Impulse mit unserer heutigen Folge. Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen zum Coaching-Bande-Podcast. Ich bin Susanne und ich bin Astrid und wir freuen uns, dass ihr wieder dabei seid. Wir sprechen heute über ein Thema, das wahrscheinlich wirklich jede und jeder von euch kennt. Und trotzdem wird es erstaunlicherweise ziemlich oft missverstanden. Es geht nämlich um Stress. Genauer gesagt geht es um die Frage, warum manche Situationen einen Menschen komplett aus der Bahn werfen und ein anderer Mensch in der gleichen Situation scheinbar total entspannt, gelassen und ruhig bleibt. Und bevor jetzt jemand denkt, naja, klar, manche Menschen sind halt einfach belastbarer als andere. So einfach ist das eben nicht. Denn Stress entsteht nicht einfach nur durch äußere Belastung. Und genau das. Was da noch so entscheidend ist, das beschreibt das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus. Und über das sprechen wir heute. Ja, und wir haben uns das quasi gar nicht unbedingt alleine recherchiert und zusammengesucht, sondern wir sind mal wieder eine Abkürzung gegangen. Wir bedienen uns ja manchmal des Link-Coaching-Boards und da gibt es das Development Center. Also große Herzensempfehlung, wenn ihr zwischendurch immer mal wieder ein bisschen. wichtigen Content für uns Coaches konsumieren wollt. Und dort haben wir eine Ausführung zu diesem transaktionalen Stressmodell entdeckt und beim Lesen sofort gedacht, hm, das ist doch eigentlich ein unglaublich spannendes Thema für Coaches und nebenbei bemerkt auch für alle anderen. Insofern sollten wir das mal im Podcast besprechen. Denn, besagt der Richard Lazarus, beschreibt Stress nicht als so öffentlich, als irgendwas von Gott gegebenes, was von außen auf uns draufkommt oder über uns ausgeschüttet wird, sondern als etwas, das in der Wechselwirkung zwischen dem jeweiligen Menschen und der Situation entsteht. Und das ist deshalb so wichtig, weil viele Menschen ja mit ihrem Stress zusätzlich noch kämpfen. Da kommt dann sofort dieses Gefühl auf, ja, scheiße Mann, mich macht das total kirre oder mir macht das total zu schaffen. Ich komme damit nicht so gut. Gut, klar, andere schaffen das doch auch. Und schon haben wir eine Situation, dass neben dem Stressor, also der stressauslösenden Situation, auch noch dieses schlechte Gefühl oder schlechte Gewissen on top kommt. Und das ist Grund genug für uns, das heute mal ein bisschen unter die Lupe zu nehmen. Also doppelte Belastung, ja, genau. Und deswegen ist dieses Modell eben auch, wenn man es einmal durchdrungen und verstanden hat, wirklich entlastend. Denn es erklärt eben sehr nachvollziehbar, warum das genau häufig so ist, die gleiche Situation völlig unterschiedlich erleben, völlig unterschiedlich bewerten. Übrigens kann man da auch von Zeitepochen sprechen. Ich erinnere mich, dass meine Schwester zum Beispiel ganz anders über unsere Kindheit spricht als ich. Also es geht nicht nur um eine bestimmte Situation, sondern wir können das Ganze auch noch ein bisschen größer machen. Objektiv passiert natürlich das Gleiche, aber emotional im Innern des Menschen passiert eben nicht das Gleiche. Und das macht Lazarus sichtbar, erklärt es mit seinem Stress, und damit bekommen wir eine Einsicht, vielleicht ja auch, was wir anders und besser machen können. Zumindest aber, wie wir unsere Coaches besser verstehen. Nach Lazarus gibt es zunächst mal eine sogenannte primäre Bewertung. Also das heißt, unser Gehirn bewertet irgendetwas, also zum Beispiel eine Situation blitzschnell und clustert das irgendwie, ob das relevant für uns ist oder ob das eher harmlos ist, ob das positiv oder vielleicht potenziell. Das passiert aber in der Tat vollkommen automatisiert. Also da haben wir Möglichkeiten, nicht allzu viele, um da einzugreifen, sondern das läuft einfach los, lange bevor wir überhaupt gecheckt haben, dass das Gehirn da schon arbeitet. Und ich glaube, wir kennen das ja auch alle. Also es gibt so Menschen, die betreten einen Raum und während man selbst noch denkt, naja, der ist jetzt erst mal mit reinlaufen beschäftigt, hat dessen Gehirn schon sofort die Stimmung bis ins kleinste Detail gescannt. Oder wir kennen diese eine Freundin oder diesen einen Freund, der eine E-Mail liest und sofort einen Vorwurf zwischen den Zeilen herausliest. Oder man will jemandem ein Feedback geben und merkt, während man das Feedback gibt, dass das Gegenüber extrem sensibel darauf reagiert, so als hätte man gerade eine unglaublich harte Kritik dem Gegenüber geäußert. Also es passiert immer dieses Loslaufen dieser ersten inneren Reaktion, die wir dann natürlich auch. Die wir auch immer für eine objektive Wahrheit halten. Also diese Freundin, die aus den Zwischenzeilen der E-Mail einen Vorwurf rausliest, die wird nicht so leicht davon überzeugen zu sein, dass da gar kein Vorwurf drinsteht, weil sie ja ihre Bewertung für die objektive Wahrheit hält. Genau. Und das ist etwas, was wir im Coaching ganz, ganz oft erleben oder ich würde sagen fast immer, nämlich, dass unsere Klientinnen mit der felsenfesten Überzeugung zu uns kommen, dass die Situation schlimm ist. Also die Situation an sich ist schlimm. Manchmal oder sehr häufig stellt sich dann aber im Gespräch heraus, Moment mal, es ist eigentlich. Also die Situation ist vielleicht herausfordernd und die ist gerade nicht optimal und vielleicht auch nicht so wie gewünscht. Aber die Katastrophe, die ich gerade empfinde, die entsteht in meinem Kopf. Die entsteht im Kopfkino. Deswegen gibt es eben so etwas wie eine Situation ist schlimm, gibt es nicht. Sondern es gibt eben immer ein persönliches Erlebnis, ein Erleben dieser Situation. Das bedeutet aber bitte, bitte, bitte nicht falsch verstehen, natürlich nicht, dass Menschen sich ihren Stress einfach einbilden oder eben selbst machen ausschließlich. Das wäre wirklich total unfair. Aber die Bewertung beeinflusst eben auch massiv, wie stark wir den Stress erleben. Und Lesseress unterscheidet dabei nochmal zwischen Herausforderung, Bedrohung und Verlust. Und dann können wir so ein bisschen analysieren. Und das finde ich ziemlich wichtig. Ziemlich hilfreich. Ja, weil es natürlich auch emotional einen riesigen Unterschied macht. Eine Herausforderung, würden wir uns, glaube ich, alle einig sein, fühlt sich anders an als eine Bedrohung. Wenn ich jetzt zum Beispiel, keine Ahnung, einen neuen Job beginne und denke, ich glaube, das wird ganz schön anstrengend, aber auch spannend, dann entsteht natürlich bei mir ein komplett anderes Gefühl, als wenn ich jetzt denken würde, oh Gott, wenn ich das jetzt nicht schaffe, dieser neue Job, das ist die Once-in-a-Lifetime-Chance. Und wenn ich das jetzt nicht schaffe, dann ist das eine neue Chance. Und wenn ich das jetzt nicht schaffe, dann bin ich gescheitert. Also es gibt Situationen, die wir unterschiedlich bewerten und manchmal tatsächlich eben auch als Verlust. Und das kann gerade bei so Veränderungssituationen ganz stark sein. Und selbst positive Veränderungen bringen eben auch oft Abschiede mit sich. Man kann es gar nicht anders sagen. Also wenn ich in eine neue Rolle zum Beispiel reingehe oder in eine neue Stadt ziehe oder einfach nur eine neue Aufgabe übernehme oder, wir kennen es alle, eine neue Beziehung starte, und dann geht immer auch gleichzeitig irgendwas verloren. Sei es Sicherheit, sei es Routine, sei es Kontrolle oder Zugehörigkeit. Und ich glaube auch, dass Menschen sich deshalb mit ihrem Stress oft so missverstanden fühlen, weil das Umfeld nur die äußere Situation sieht. Und da auch ganz schnell mit so äußeren Bewertungen ist von, ja, ist doch aber nicht so dramatisch, was regst du dich denn jetzt so auf? Aber die sehen halt nicht die innere Bedeutung, die diese Situation für einen Menschen hat. Ja, absolut. Wir auch. Manche bilden sich das vielleicht ein, dass sie das Innere lesen könnten, aber eigentlich können wir das ja nun mal nicht. Gedanken lesen tun wir nicht. Was ich allerdings für eine Beobachtung also mittlerweile relativ häufig mache ist, und ich bin gespannt, ob du das genauso siehst, ist, dass Menschen eigentlich fast schon dauerhaft in so einem Alarmzustand sind. Also dauerhaft eigentlich schon fast jede Unsicherheit, die eine Bedrohung wahrnehmen und für sich interpretieren und dann eben sich auch so verhalten und fühlen. Also häufig reicht da schon, keine Ahnung, irgendwie eine WhatsApp-Nachricht, die nicht beantwortet worden ist innerhalb einer Stunde. Also wenn ich da keine Antwort bekomme. Oder es reicht für andere Menschen ein Blick in einem Meeting oder ein Satz, so was wie, oh, darüber sollten wir aber nachher nochmal sprechen. Und schon springt das komplette Alarmsystem an, als ob eben sozusagen jetzt schon damit alles ausgelöst, wird, was man im Kopfkino so an Bedrohungen feststellt und sieht. Aber bisher ist ja noch gar nichts passiert. Ja, weil das Verrückte eben wieder ist, was ich eingangs schon sagte, dass wir eine Interpretation vornehmen, also die WhatsApp-Nachricht, die nicht innerhalb einer Stunde beantwortet ist, interpretieren wir, was weiß ich, der will nichts von mir, klassisches Dilemma aus früheren Zeiten. Und dann kommen wir aber nicht zu dem Punkt, dass wir sagen, naja, das ist jetzt eine mögliche Interpretation, vielleicht ziehe ich da sogar unbewusst noch, andere Faktoren dazu. dass ich dazu komme, dass das die Realität ist. Es könnte aber auch sein, dass der einfach gerade sein Handy nicht zur Hand hat. Aber nein, wir bleiben bei dieser ersten Interpretation, die in dem Fall auch möglichst von Nachteil für uns selbst ist. Und diese Interpretation machen wir dann zu einer absoluten Realität. In einem anderen Kontext könnte irgendwas passiert sein und dann denkt jemand eben leider heutzutage nicht mehr, oh, im Hinblick auf diese Situation könnte mir das eventuell Angst machen, sondern da kommt direkt so ein völlig glasklares, hier stimmt irgendetwas nicht. Also es wäre das so eine unumstößliche Wahrheit. Und dadurch, dass wir uns da so festbeißen und eben auch häufig immer im Negativsten aller möglichen Interpretationen verhaftet sind, dadurch wird es für uns so stressig und so anstrengend. Wir nehmen unsere Gedanken nicht mehr als Gedanken wahr, also im Sinne von, es könnte jetzt sein, dass das unangenehm wird oder es könnte passieren, dass oder, mein Gott, ja, wenn ich Pech habe, steht er einfach nicht so auf mich, sondern wir machen da sofort eine absolut negativ geframete Wahrheit draus und das versetzt uns natürlich in einen Mordstress. Und jetzt gehe ich noch ein Schrittchen weiter, weil ich ehrlicherweise glaube, dass ganz viele Menschen gar nicht mehr merken, in welchen Bedrohungsszenarien sie da eigentlich die ganze Zeit unterwegs sind, sondern weil sie es eben als Wahrheit nehmen, stellen sie auch gar nicht mehr fest, dass es eine, ja, ein selbstgemachtes Szenario ist, was da gerade im Kopf stattfindet. Und natürlich hängt das auch damit zusammen, in welcher Zeit wir leben, weil ich glaube, dieses Thema ist eben auch gesellschaftlich ziemlich interessant, sich mal anzuschauen. Und ich sehe da starke Parallelen zwischen einzelnen Klientinnen und der Gesellschaft, weil wir eben auch als Gesellschaft permanent in so einer Alarmbereitschaft sind, weil es ständig und dauernd und überall Nachrichten gibt. Und bei jeder Nachricht, die wir hören, spult sich, in unserem Kopf wieder eine dann selbstgemachte Wahrheit zusammen. Und die bedeutet eben nicht, dass wir alle in Frieden und Freude und Eierkuchen miteinander leben, sondern da spielt sich wahrscheinlich was anderes an. Ständig und dauerhaft sind wir Krisen gegenübergestellt. Ständig und dauernd empfinden wir Unsicherheit. Bei vielen auch Unternehmen und Konzernen mittlerweile ja über Jahre haben Menschen Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Naja, alles das führt dazu, dass unser Nervensystem, gefühlt permanent auf Hochspannung läuft. Und dann gibt es natürlich auch noch dieses, was du am Anfang schon gesagt hast, aber wenn es jetzt noch auf diese Hochspannung draufkommt, dann finde ich das nochmal doppelt wichtig. Nämlich, dass wir diesen Stress, den wir empfinden, auch noch bewerten. Eben, ich darf nicht so empfindlich sein, ich müsste doch belastbarer sein. Wenn das mein Kollege hinkriegt, dann muss ich das doch auch hinkriegen und so weiter und so weiter. Und schwupsidewupsi sind wir eben auch noch, in einer negativen Selbstbewertung. Ja, jetzt wäre das natürlich ziemlich dramatisch und eine absolute Abwärtsspirale, wenn wir genau da jetzt stehen bleiben würden. Und dann müsste man auch ganz ehrlich sagen, okay, dieser Richard Lazarus, was ist jetzt der Bonus, den wir haben, dadurch, dass wir uns mit ihm beschäftigen? Es gibt in der Tat einen. Nämlich nach dieser ersten Einschätzung, die sozusagen automatisiert losläuft, kommt es. Und das ist laut Lazarus zu einer sogenannten sekundären Bewertung. Und da wird es im Coaching oft besonders spannend. Denn in dieser Phase der sekundären Bewertung geht es jetzt um so Fragen wie, hm, habe ich eigentlich genug Ressourcen, um mit dieser Situation umzugehen? Also traue ich mir das zu? Ist es mir in ähnlichen Situationen schon mal gelungen? Bin ich stark genug? Welche Ressourcen habe ich, um eine solche. Welche Situation zu meistern? Habe ich Unterstützung? An welcher Stelle kann ich innerhalb dieser Situation Einfluss nehmen? Was liegt in meinem Einflussgebiet? Oder in meinem. Ja, Einflussgebiet heißt das Wort nicht. Nee, so heißt es nicht. Einflussbereich. Nicht Einflussgebiet. Was liegt in meinem Einflussbereich? Also das heißt, wir können jetzt sozusagen nach dem ersten Schock aus dieser Schockstarre heraus anfangen, ja, damit in irgendeiner Art und Weise zu arbeiten. Beim Stichwort Einsatz. Einflussbereich sind wir natürlich bei. Steven Covey. Und da geht es schon wieder so, da verzahnt sich schon wieder die eine Methode oder der eine Gedanke mit dem anderen Modell und so. Das finde ich immer schon wieder total spannend. Aber genau hier entscheidet sich jetzt eben in dieser sekundären Betrachtung, ob der Stress aktivierend oder lähmend bleibt oder eben aktivierend wird. Ich glaube, so müsste man es richtig ausdrücken. Weil wenn ich plötzlich feststelle, was ich für Ressourcen brauche und wie ich die auch wieder zugänglich mache, das ist vielleicht. Wenn es dann auch externe Ressourcen gibt, na ja, dann ist es vielleicht immer noch schwierig, aber ich finde einen Weg. Und wenn dieser Gedanke Einzug erhält in mir oder in meinen Klientinnen, dann wird natürlich die Situation noch mal ganz anders bewertet. Und zwar sowohl analytisch oder kognitiv als auch emotional. Weil es ist natürlich was ganz anderes zu sagen, okay, das wird jetzt eine harte Zeit, aber ich komme da durch und dabei hilft mir XY dies und jenes oder eine Erfahrung, die ich in meinem Leben bereits gemacht habe, als wenn da eben jemand vor mir sitzt und immer noch denkt, das schaffe ich niemals. Also nochmal, die Situation selbst ist wirklich nicht das Entscheidende. Es ist entscheidend, wie die Person selbst sich die Bewältigung dieser Situation zutraut oder eben nicht zutraut. Und da haben wir ja auch im Coaching den Hebel. Also es ist ja nicht so, dass man sich nicht zutraut. Es ist ja nicht so, dass man sich nicht zutraut. Es ist ja nicht so, dass wenn jemand ins Coaching geht, plötzlich alle Probleme irgendwie verschadet sind. Aber im Coaching können wir einen Rahmen schaffen, innerhalb dessen Menschen eben wieder Zugang zu ihren Ressourcen finden. Und das ist ja auch, wenn wir mal ganz ehrlich sind, so einer der schönsten Momente überhaupt in unseren Coaching-Gesprächen. Wenn plötzlich jemand merkt, der vorher noch sich selbst als sehr macht- oder hilflos wahrgenommen hat, wenn der plötzlich merkt, Moment mal, ich bin jetzt nicht so gut, ich bin ja gar nicht so hilflos in der Situation. Ich kann ja XYZ oder ich habe ja schon 100 Mal XYZ gemacht. Das heißt, da werden plötzlich alte Erfahrungen wieder sichtbar oder Kompetenzen wieder sichtbar. Menschen bekommen einen Zugang zu dem, was sie in sich selbst schon längst haben und was sie in dieser Situation unterstützen kann. Da spielen plötzlich frühere Krisen eine Rolle, die ja schon längst bewältigt wurden. Und man kann aus denen zehren. Und das verändert dann wirklich oft unglaublich viel. Und das ist so, ja, dieses Momentum im Coaching, wo man so etwas verstohlen, dreinblickend das Gefühl hat, oh, hier geht gerade über irgendjemandem die Sonne wieder auf. Oh, ein schönes Bild, ja. Ich würde gerne über typische Stressfallen, in denen sowohl wir häufiger mal hineintappen, als auch natürlich unsere Klientinnen. Aber ich finde, man kann ja mal einfach jetzt so ein bisschen mitdenken, wenn wir die so vorstellen. Habe ich das auch schon mal gemacht? Oder habe ich vielleicht sogar, eine ziemlich starke Tendenz, das häufiger zu tun? Und die erste Falle, die mir in den Sinn kommt und die ich für wahnsinnig wichtig halte, zu durchschauen und zu kennen, ist das Katastrophisieren. Also dieses innere Kopfkino, dieses innere, wenn das passiert, passiert das auch noch. Und dann ist wirklich alles vorbei. Also so eine ganz typische Situation, wenn irgendwie ich das Gefühl habe, oder vielleicht wurde es mir auch schon gesagt, dass mein Arbeitsplatz unsicher ist, dann bin ich gedanklich eben nicht mehr da. Und nicht nur und ausschließlich beim Verlust des Arbeitsplatzes, sondern ich bin immer schon noch fünf Schritte weiter. Also wenn ich den verliere, dann kann ich die Rate für mein Haus nicht mehr zahlen. Dann verliere ich mein Haus. Und wenn ich das Haus erst mal verloren habe, dann trennt sich auch meine Frau oder mein Mann. Und dann leben wir auf der Straße. Und da ist man dann plötzlich von eben auf jetzt. Und das ist auch nichts, was wir steuern im Normalfall. Aber es ist eben etwas, was wir, ja, wie soll ich sagen, was wir dann eben unterbrechen können, dieses scheinbar automatische Denken vom Hundertsten ins Tausendstel. Und wo wir unterbrechen können und sagen können, okay, jetzt lass uns das doch mal anders bewerten. Genau das, was wir das eben mit Lazarus vorgestellt haben. Ja, aber vorher ist es ja erst mal so, dass sich das für denjenigen absolut logisch anfühlt, dieses Katastrophisieren. Also manchmal sitzen uns ja im Coaching Klienten gegenüber, die erzählen so ihre Gedanken. Und während man denen zuhört, merkt man richtig, wie die nur vom Zusammenfassen der Gedanken, was könnte das bedeuten oder was könnte das sein, so stark darauf reagieren, manchmal richtig auch körperlich, dass man das Gefühl hat, okay, das ganze Nervensystem reagiert jetzt mit Anspannung auf etwas, was erst mal nur Bilder, Vermutungen, Interpretationen sind. Und mir fällt gerade dieses alte Lied ein, die Gedanken sind frei, das sind sie natürlich. Und das sollten sie auch immer bleiben. Eine große Errungenschaft unserer Demokratie. Aber sie sind eben nicht neutral. Das kommt vielleicht noch dazu. Vielleicht sollte darüber mal jemand einen Song machen. Diese Gedanken, die wir denken, die tragen uns nicht einfach irgendwo hin und hinterher verlassen wir diesen Ort wieder und denken in eine andere Richtung. Sondern diese Gedanken beeinflussen unser Verhalten und in manchen Fällen eben sogar unseren Körper, unser Nervensystem, weil der reagiert dann nämlich nicht. nehme ich auf diese Gedanken, auf diese Bewertung. Und wenn ich innerlich die ganze Zeit zu irgendeinem Ereignis oder sowas denke, das schaffe ich nicht oder das stürzt mich in ein Unglück oder das ist eine absolute Katastrophe, dann erzeugt das natürlich Stress und zwar nicht nur gedanklich, sondern bis hin zu körperlich. Also jetzt mal, wenn man diesen Gedanken weiterdenkt, das kann in einen richtigen stressbedingten Erschöpfungszustand führen, wenn ich an diesen Gedanken so haften bleibe. Und dann sind wir wieder bei etwas, was wir auch aus anderen Kontexten kennen, nämlich die selbsterfüllende Prophezeiung. Die Frage ist dann nämlich, war die Situation eigentlich wirklich so schlimm oder haben wir sie erst dazu gemacht? Also ich hätte eine Vermutung, aber die darf jede für sich selbst beantworten, diese Frage. Für mich eine zweite Falle, in die wir hineintapseln können, wäre der Kontrollverlust. Viele Menschen können tatsächlich ziemlich gut sogar mit Belastung umgehen oder mit Herausforderungen, mit Schwierigkeiten umgehen, solange sie das Gefühl haben, Einfluss zu haben. Wenn das allerdings in Frage gestellt wird, also wenn jemand glaubt, es ist absolut nicht mehr kontrollierbar, was hier passiert, sondern es passiert, es passiert einfach, ich habe daran überhaupt gar keinen Einfluss mehr, dann zeigt sich der Stress erst so richtig massiv. Und wir glauben, das von vielen Veränderungen tatsächlich. Und deswegen finde ich den Hinweis, liebe Susi, den du vorhin gemacht hast, mit diesem Einflussbereich ganz, ganz wichtig, weil wir natürlich felsenfest davon überzeugt sind, dass es jede Situation hergibt, dass es einen Einflussbereich gibt. Wir müssen ihn nur suchen und wir müssen ihn finden und wir müssen ihn dann vielleicht ein bisschen dehnen. Aber jeder und jede hat in jeder Situation, völlig egal, um was es geht, so schwierig sie auch sein mag, immer auch einen Einflussbereich. Und sei es nur, wie stelle ich mich jetzt gedanklich, und emotional diesem Thema. Das können wir tatsächlich, ja, beeinflussen und damit erlangen wir dann auch die Kontrolle wieder zurück. Natürlich gibt es Rahmenbedingungen, die wir nicht beeinflussen können, auch vollkommen klar. Aber die Frage ist in jeder Situation, wo ist mein Einflussbereich und wie kann ich ihn für mich nutzen? Ja, nur eins dürfen wir bei der Sache nicht vergessen. Du bist eben schon mal ein bisschen in die richtige Richtung gegangen. Ich möchte es aber nochmal ganz explizit sagen. Manchmal wird Coaching ja auch zu Recht der Vorwurf gemacht, dass man versucht, jegliche Ungerechtigkeit, jegliches strukturelles Problem mit Coaching wegzuzaubern, indem man den Betroffenen, sprich auch manchmal den Opfern, die Verantwortung gibt. Du musst ja nur dein Mindset oder du musst ja nur deine Haltung ändern. Das stimmt. Wer uns kennt, und die meisten von euch kennen uns ja schon sehr lange, die wissen schon längst, dass wir auf diesem Dampfer absolut nicht unterwegs sind. Also wenn wir hier wirklich über strukturelle Ungerechtigkeiten oder über eine Täter-Opfer-Situation reden oder sowas, dann ist natürlich Coaching überhaupt nicht Mittel der Wahl, um irgendwie einem Opfer das Gefühl zu geben, ja nee, du musst ja nur, du musst ja nur wieder einen Handlungsspielraum erarbeiten oder du musst ja nur diese ganze Sache anders sehen. Also darum geht es natürlich nicht. Und das ist mir nun noch an der Stelle einmal wichtig, um sozusagen das Einfallstor zu schließen, dass man uns jetzt hier irgendwie missverstehen könnte. Wir reden von gänzlich anderen Situationen, in denen jemand auch wirklich durch Coaching aktiv sich selbst helfen möchte und etwas an seiner eigenen Haltung verändern möchte, aber nicht, indem wir es Opfern auf oktruieren. So. Ich schnappe mir nochmal kurz das PDF von Link vom Coaching-Board, denn da sind ein paar sehr hilfreiche Reflexionsfragen enthalten. Ich finde ja, dass solche Fragen, oh Wunder, in einem Coaching-Prozess, der ja hauptsächlich auf Fragen passiert, unglaublich hilfreich sein können, aber man kann sie natürlich auch außerhalb eines Coaching-Prozesses zur reinen Selbstreflexion nutzen. Also wenn ihr zum Beispiel das nächste Mal unkontrolliert heftig auf eine Situation reagiert und euch das in Stress versetzt, dann setzt euch doch wortwörtlich einfach erstmal kurz hin, atmet kurz mal durch und überlegt mal ganz genau und versucht euch diese Frage auch ganz ehrlich zu beantworten, was stresst dich denn an dieser Situation jetzt eigentlich? Und so simpel wie das klingt, ist es aber in der Tat eben nicht leicht zu beantworten. Weil, ich glaube, die häufigste Antwort auf diese Frage, liebe Susi, lautet, alles. Mich stresst einfach alles an dieser Situation. Und das ist eben genau das, was unser Kopfkino natürlich dann nutzt, um noch schlimmere Szenarien daraus zu machen. Wir sind wieder voll im Katastrophisieren und da wollen wir ja nicht hin. Deswegen heißt es eben, genauer hinzuschauen, was denn da wirklich wirklich, wirklich stresst. Und dann stellt sich vielleicht heraus, naja, die Aufgabe selbst ist es gar nicht. Naja, es ist eher die Angst, dass ich es nicht hinkriege. Oder es ist die Sorge, bewertet zu werden. Oder vielleicht ist es auch das Gefühl, dass ich ganz allein mit dieser Aufgabe irgendwie konfrontiert worden bin. So, und diese Differenzierung, ja klar, die verändert dann schon wieder was, damit dieses Kopfkino nicht übernimmt. Eine andere spannende Frage würde, so in die Richtung gehen, mal zu gucken, was genau bewertest du denn hier eigentlich gerade als Bedrohung? Und auch hier wieder, das sind so Wolf-im-Schafspelz-Fragen. Denn wenn man darüber dann in so einer Situation mal nachdenkt, kann es durchaus sein, dass einem plötzlich auffällt, oh, wow, ich bewerte hier etwas gerade, als würde davon eine Lebensgefahr oder sowas ausgehen. Und eigentlich ist es nur eine Entwicklung, vor der ich stehe, die bedeutet, ich muss irgendeine alte Angewohnheit oder irgendeine alte Rolle loslassen und muss mich in einer neuen einfinden. Aber mit Lebensgefahr hat das jetzt ja eigentlich nicht so richtig viel zu tun. Genau. Und das ist mal wieder für mich ein guter Gedanke. Warum? Weil ich glaube, dass genau deswegen, wegen dieser Beschreibung, die du da gerade nochmal wiederholt hast, dieses Modell so unglaublich gut auch ins systemische Denken passt, ins systemische Coaching passt. Weil natürlich wir auch hier wieder konstruktivieren. In Anführungsstrichen oder unsere Konstruieren. Wie heißt es denn im Verb? Liebe Susi, ich stehe gerade auf dem Schlauch. Konstruieren. Einfach nur konstruieren, ja. So einfach kann es sein. Also, wir wenden hier mal wieder etwas an, was wir vom Konstruktivismus kennen, nämlich, dass wir unsere eigene Wirklichkeit nur konstruieren. Sie ist eben nicht so, sondern wir denken sie uns so. Wir nehmen sie so wahr. Und genauso ist es auch hier in diesem Modell. Die Situation ist eben nicht stressig, oder gefährlich, oder was auch immer. Sondern, dieser Stress, das was wir da empfinden, entsteht in der Wechselwirkung zwischen mir und meiner Umwelt. Zwischen mir und anderen Menschen. Zwischen mir und Rahmenbedingungen, wie auch immer. Aber es ist, objektiv betrachtet, nicht die Wahrheit, dass die Situation so oder so sich darstellt. Und das ist so spannend, weil wir das täglich im Coaching erleben. Menschen konstruieren sich ihre Wirklichkeit, und zwar ganz unterschiedlich. Sie bewerten Situationen, komplett unterschiedlich. Und Menschen erleben die gleiche Realität. Obwohl wir immer meinen, das geht doch gar nicht. Nein, eben doch. Wir erleben sie unterschiedlich. Die objektive Realität gibt es nischt. Hm. Traurige und hoffnungsvolle Geschichte zugleich. Beides. Und genau deshalb kann eben in den richtigen Situationen Coaching so hilfreich sein. Natürlich nicht, das sagten wir glaube ich schon zu Genüge, weil Coaching plötzlich alle Probleme verschwinden lässt, aber weil im Rahmen eines gut angeleiteten Coachings unsere KlientInnen beginnen, ihre Bewertungen zu hinterfragen, Ressourcen wieder zu erkennen, Handlungsmöglichkeiten neu wieder zu erschließen oder bewusster wahrzunehmen. Und manchmal, und ich möchte mich weit aus dem Fenster lehnen und sagen, relativ häufig reicht genau das schon aus, damit eine Überforderung, die ja meistens mit so einer Paralyse einhergeht, damit eine Überforderung sich wieder wandelt in etwas, in dem, ja wo Bewegung reinkommt, in dem Menschen wieder erkennen, okay, ich muss hier nicht wie in Schockstarre angewurzelt stehen, sondern ich kann ja da lang gehen, ich kann ja da lang gehen, ich kann ja das machen, ich kann ja jenes machen, ich kann ja mal durch diese Tür gucken und schon verflüchtigt sich das Drama und es gilt einfach nur noch, die Dinge zu regeln, die jetzt eben zu regeln sind. Ja, die Dinge zu regeln, die jetzt eben zu regeln sind. Das ist vielleicht zum einen eine gute Erkenntnis aus dieser Folge, also ich fasse noch mal kurz zusammen, dass Stress nicht einfach nur durch äußere Belastung entsteht, sondern durch unsere Bewertung und je kritischer wir bewerten, desto stressiger empfinden wir das und je offener wir bewerten, umso mehr Handlungsmöglichkeiten sehen wir. Aber ich fand eigentlich auch, dass das eine schöne Brücke gewesen ist, bevor ich noch mal zusammengefasst habe, um zu sagen, Dinge in die Hand nehmen, heißt ja auch für euch, vielleicht jetzt gerade mit der einsetzenden Sommerruhe oder Sommerpause, so ihr sie denn noch vor euch habt, euch damit mal beschäftigen, was ihr so für das zweite Halbjahr in Angriff nehmen wollt. Vielleicht ist es ja die ein oder andere Coaching-Fortbildung. Dann würden wir uns freuen, wenn ihr mal unter www.coachingbande.de schaut, was wir im Herbst so alles im Angebot haben. Ja, und dann schaut ihr natürlich auch bei Link noch mal rein, denn auch da gibt es Termine für Weiterbildungen und Zertifizierungen. Denn Wir haben es ja am Anfang schon verraten, wir haben diese Unterlage oder dieses Modell genau dort gefunden. Und zwar auf dem dortigen sogenannten Coaching Board bei Link. Also auch etwas, was ihr euch vielleicht auf deren Webseite einfach mal angucken könnt, ob das was für euch ist und euch inspirieren lassen. Und inspirieren lassen ist immer gut. Wir inspirieren euch hoffentlich auch wieder nächste Woche Freitag. Und bis dahin habt einfach eine grandiose Zeit und einen wundervollen Sommer. Macht's gut, ihr Lieben. Für heute sagen wir Tschüss, aber nur für heute. Denn schon in einer Woche sind wir mit einem spannenden Thema wieder zurück. Du kannst dich aber natürlich jederzeit. Auf www.coachingbande.de zu unseren Fort- und Ausbildungen, den Intervisionsabenden und natürlich auch dem Wine & Talk informieren. Eine riesen Freude machst du uns, wenn du uns Themenwünsche für unseren Podcast schickst, unseren Podcast bei iTunes bewertest und ihn mit deinen FreundInnen teilst. Wir danken dir, dass du uns zuhörst und damit ein Teil unserer Coaching Bande bist. Auf www.coachingbande.de zu unseren Fort- und Ausbildungen, den Intervionsabenden und natürlich auch dem Wine & Talk informieren.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Stress entsteht nicht allein durch äußere Belastung, sondern durch die Wechselwirkung zwischen Mensch und Situation (transaktionales Stressmodell von Richard Lazarus).
  2. Die primäre Bewertung erfolgt automatisch und unbewusst; dabei wird eine Situation als Herausforderung, Bedrohung oder Verlust eingestuft.
  3. Die sekundäre Bewertung entscheidet, ob genügend Ressourcen zur Bewältigung wahrgenommen werden – hier liegt der Hebel im Coaching.
  4. Typische Stressfallen sind Katastrophisieren (Kopfkino) und Kontrollverlust; der Fokus auf den eigenen Einflussbereich hilft, Stress zu reduzieren.
  5. Das Modell passt zum systemischen Ansatz
  6. Wichtig

Summary:

In dieser Podcast-Folge der Coaching-Bande besprechen Susanne Henkel und Astrid Kellenbens das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus. Sie erklären, dass Stress nicht einfach durch äußere Umstände entsteht, sondern durch die individuelle Bewertung einer Situation in Wechselwirkung mit der Person. Viele Menschen leiden doppelt, weil sie ihren Stress zusätzlich negativ bewerten („Ich müsste belastbarer sein“), was eine Abwärtsspirale verstärkt.

Lazarus unterscheidet eine primäre, automatische Bewertung (Herausforderung, Bedrohung, Verlust) und eine sekundäre Bewertung, bei der Ressourcen und Bewältigungsmöglichkeiten geprüft werden. Genau hier setzt Coaching an: Klientinnen und Klienten können lernen, ihre Bewertungen zu hinterfragen, Zugang zu eigenen Ressourcen zu finden und ihren Einflussbereich zu erkennen – auch in schwierigen Situationen. Die Coaches warnen vor typischen Stressfallen wie Katastrophisieren und Kontrollverlust und betonen, dass jeder Mensch immer einen Gestaltungsspielraum hat, etwa in der eigenen Haltung.

Gleichzeitig stellen sie klar, dass Coaching nicht dazu dienen darf, strukturelle Ungerechtigkeiten oder Opfererfahrungen zu relativieren. Abschließend empfehlen sie Reflexionsfragen zur Selbstanwendung und verweisen auf ihre Weiterbildungsangebote sowie das Link-Coaching-Board, wo sie das Modell entdeckt haben. Die Folge schließt mit dem Hinweis auf die Sommerpause und neuen Inhalten im Herbst.

FAQs

Stress entsteht nicht allein durch äußere Belastung, sondern in der Wechselwirkung zwischen einer Person und ihrer Situation. Entscheidend ist die individuelle Bewertung der Situation, nicht die Situation selbst.

Die primäre Bewertung ist eine blitzschnelle, automatisierte Einschätzung des Gehirns, ob eine Situation relevant, harmlos, positiv oder potenziell bedrohlich ist. Sie läuft unbewusst ab und beeinflusst, wie wir Stress erleben.

Die sekundäre Bewertung folgt der ersten Einschätzung und fragt nach Ressourcen, Fähigkeiten und Unterstützung zur Bewältigung der Situation. Sie entscheidet, ob Stress lähmend oder aktivierend wirkt und bietet einen Hebel für Veränderung im Coaching.

Weil Stress durch persönliche Bewertungen entsteht, die auf individuellen Erfahrungen, Gedanken und Interpretationen basieren. Die objektive Realität gibt es nicht; jeder konstruiert seine eigene Wirklichkeit.

Katastrophisieren ist das gedankliche Eskalieren von Situationen zu extremen Negativszenarien, das Stress verstärkt. Man kann es unterbrechen, indem man die Bewertung hinterfragt und genau analysiert, was wirklich stressig ist.

Jede Situation bietet einen Einflussbereich, auch wenn er klein ist, z.B. die eigene Haltung oder Gedanken. Diesen zu suchen und zu nutzen, gibt Kontrolle zurück und reduziert das Gefühl von Hilflosigkeit.

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