Armut hat tiefgreifende Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit. Studien zeigen, dass Menschen mit niedrigem sozialem Status deutlich häufiger an psychischen Erkrankungen wie Depressionen leiden und eine viel frühere Sterblichkeit aufweisen. Der Zusammenhang ist nicht bloß statistisch, sondern manifestiert sich in realen Lebensbedingungen: Arme Menschen erleben höhere Belastung, schlechtere Wohnsituationen, mehrere Arbeitsplätze und stärkere Stigmatisierung. Das Regenbogenmodell verdeutlicht, dass Gesundheit durch komplexe Interaktionen von sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Faktoren entsteht – nicht durch individuelle Verantwortung allein. Stigmatisierung verstärkt psychische Belastung und behindert den Zugang zu medizinischer Hilfe. Während primäre Prävention Krankheiten verhindert, fördert die Salutogenese eine ressourcenorientierte Gesundheitsförderung, die Lebensqualität stärkt. Die Pandemie hat die Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung deutlich gemacht, insbesondere für Arbeitnehmer in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Um eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen, ist es notwendig, grundlegende Bedürfnisse wie bezahlbaren Wohnraum, gute Kinderbetreuung und faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Der Fokus muss daher weit über das Gesundheitssystem hinausgehen und gesamtgesellschaftliche Politiken verankern, die Chancengerechtigkeit und Lebensqualität für alle gewährleisten – insbesondere für Menschen in Armutslagen. Die gemeinsame Anerkennung, dass Gesundheit in Interaktion mit Lebensumgebungen entsteht, ist die zentrale Botschaft.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Jung und Freudlos, eurem Podcast
aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.
Wir haben heute eine Internet-Telefonverbindung hergestellt und wir, das sind zum einen Moritz,
unser fleißiger, lernender und immer noch fragestellender Medizinstudent.
Hallo.
Sebastian, unser weltbester Assistenzarzt in unserer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.
Und ich, Esmene, Fachärztin hier in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.
Super tolle Fachärztin.
Und unsere Internetverbindung haben wir hergestellt mit Maren Janella,
die in Berlin sitzt und sich heute mit uns unterhalten wird.
Hallo Maren.
Hallo.
Sehr schön, dass du da bist.
Maren ist Gesundheitswissenschaftlerin und Krankenpflegerin
und organisiert maßgeblich den Kongress für Armut und Gesundheit in Berlin mit
und will heute mit uns über Geld sprechen.
Wo wir jetzt schon gerade über Geld sprechen,
muss ich noch etwas einschieben.
Und zwar hat uns eine Bitte ereilt,
von unseren Freunden, möchte ich sagen,
vom Aktionsbündnis Seelische Gesundheit und zwar durch die Corona-Krise.
Wir kommen noch nicht ganz drum herum, über Corona zu sprechen,
sind dort die Projektgelder weggebrochen für die bundesweite Aktionswoche
und auch für die Grüne Schleife, die wir so gerne mögen.
Und deswegen gibt es einen Spendenaufruf.
Wir möchten also alle dazu ermutigen und anregen, da zu spenden,
wenn ihr was übrig habt.
Es gibt dazu einen Internet-Link.
Ich lese es kurz vor, aber es kann sich kein Mensch merken,
deswegen schreiben wir das nochmal in die Shownotes
und machen auch nochmal einen Post dazu im Internet.
Die Seite lautet dein-kopf-voller-fragen.de/rettet-mit-uns-minus-sagt-man-geil-die-aktionswoche-2020/
Also lest es nochmal nach im Internet.
Aber du hast es so schön vorgelesen.
Ich glaube, man kann das so abtippen.
So ungefähr, genau.
Was machen die Leute, wenn sie jetzt erst einen Bindestrich eingegeben haben?
Und dann Minus?
Und dann Minus.
Funktioniert das dann auch, dann brennt es?
Ja, das funktioniert dann auch.
Okay.
Ja.
Ja.
Ja.
Gut.
So, dann geht es los.
Aber natürlich nicht mit unserem Thema, sondern mit unseren Oder-Fragen an Maren.
Bist du schon aufgeregt, Maren?
Ja, total.
Die Oder-Fragen sind ja immer total spannend.
Ich bin gespannt, ob es vor allem Oder-Fragen werden oder ob ich Sätze vervollständigen muss.
Ich bin ja ein schleifiger Hörerin.
Genau.
Ja, Maren hat ja schon versucht, vorab so ein bisschen, ähm,
ähm, zu spicken in die Oder-Fragen.
Ja.
Da hast du aber wirklich an unserer gnadenlosen Geheimhaltung gescheitert.
Genau.
Maren verwahrt die Oder-Fragen eigentlich immer am Tag dann in einem Safe-Fair, den Schlüssel
bewahrt er an einem getrennten Ort auf.
Also da ist kein rankommen.
Ja.
Ja.
Das habe ich gemerkt.
Das kann ich nicht unterstreichen.
Ja.
Also hundertprozentig spontan.
Ich stelle die erste Oder-Frage.
Jawohl.
Arme Ritter, Hummus oder Pizza?
Pizza.
Pizza.
Ähm, das ist natürlich immer ein Klassiker: Wusstet ihr, dass Hummus eines der größten
armen Leute essen in der Türkei ist?
Also nicht.
Nein.
Wusste ich nicht.
Ich dachte immer, das wären Hipster-Wohlhabenden.
Bei uns ist das so, ne?
Ja.
Ja, aber wir sind ja auch nicht da, wo Kichererbsen auf der Tagesordnung stehen, ne?
Ne, stimmt.
Ich glaube, das ist die Türkei, weil wahrscheinlich habe ich jetzt eh was ganz Falsches gesagt.
Kann ja wohl sein.
Pizza mit was drauf?
Äh, gerne vegetarisch und eigentlich nur mit Tomate und Käse, aber ich glaube, ähm,
Margarita heißt sie dann.
Margarita.
Mhm.
Ist das nicht zu langweilig?
Ne, ist es nicht.
Äh, ein bisschen, aber ich mag's total gerne.
Ja, gut, Langeweile hat ja auch was für sich, ne?
Ist ja Klassiker.
Ist ja Klassiker.
Nein, ich glaube, wenn du wissen willst, ob eine Pizzeria gut ist, dann musst du Pizzamagerita
essen.
Ah, dann ist es die Margarita.
Ja, das stimmt.
Das ist wieder…
Also ein guter Italiener macht da ein richtiges Feuerwerk draus, ne?
Ja.
Das ist wieder Whisky Sour.
Ja, das stimmt.
Gut, vielleicht war langweilig jetzt zu hart.
So, wer macht weiter?
Soll ich die zweite stellen?
Ja.
Wir müssen weiter machen.
Streetwear, Streetfood oder Streetfighterin, müsste ich ja fast sagen.
Streetfood.
Ja?
Ja.
Und da dann Pizzamagerita?
Ich mag einfach diese Fettnähte total gerne.
Nein, eher nicht.
Also ich habe noch kein Streetfood, obwohl gäbe es vielleicht.
Gibt's bestimmt nicht.
Streetfoodtruck oder Streetfoodstand gesehen mit Pizzamagerita, aber ich mag tatsächlich
dieses Ambiente immer total gerne, wenn es irgendwo Streetfood gibt.
Ja, das stimmt.
Das ist auch ein bisschen hipster heute, oder?
Das ist schwierig, aber…
Stimmt.
Genau.
Daran werden wir wieder zurückkommen, hoffentlich irgendwann.
Zur Not mit Maske.
Hoffentlich.
Genau.
Gut.
Ich mach weiter mit der dritten und letzten Frage, Maren: Wildschwein, Sparschwein oder
Hausschwein?
Ui.
Äh, Hausschwein.
Ja?
Hast du?
Ja.
Äh, nee.
Aber ich find's, äh, genau.
Also ich seh immer wieder in Berlin, äh, Menschen mit Hausschweinen, ähm, äh, durch
den Kiez laufen.
Ach, krass.
Und, äh, bin da immer sehr ambivalent quasi.
Ja.
Ja, ich find's, äh, ja, ich find's einfach spannende Tiere.
Sind einfach mega süß, diese kleinen.
In Berlin Hausschweine, also das hätte ich jetzt nicht erwartet.
Wusste ich auch, ja.
Also, ich mein in Brandenburg, ja, aber in Berlin?
Ja.
Nicht so weit weg.
Ja.
Ich glaub, ich mach hier rüber.
Es gibt ja nichts, was es nicht gibt in Berlin.
Hausschweine gibt's ja auch in Kinderwägen.
Ich hab nämlich gehört, in L.A. werden die Hunde in meinem Kinderwagen rumgeschoben.
Mhm.
Das hab ich noch nicht gesehen.
Aber mit Leine tatsächlich.
Ja.
Hausschweine haben dann auch Leinen.
Kannst ja auch nicht ein Schwein einfach wild rennen lassen in Berlin.
Ja.
Nee.
Ja.
Hm.
So, du hast es überstanden.
Yay.
Mit Bravour alle Ruderfragen gemeistert.
Okay.
Haben dich ein bisschen besser kennengelernt, oder?
Ja, in allen Untiefen.
Ja.
Oh Mann, du kennst sogar schon unsere Sprüche, das ist ja echt fies.
Heute fühl ich mich entdeckelt.
Nein.
Nein, Quatsch.
Okay, dann kann's jetzt ja losgehen, oder?
Auf jeden Fall.
Ähm, Maren, du machst mit bei dem Kongress für Armut und Gesundheit, haben wir gerade
schon gehört.
Vielleicht kannst du uns, bevor wir jetzt ins Thema Geld, wie es mir das jetzt so schön
angekündigt hat, einsteigen, einmal noch kurz erklären, was muss man sich denn unter
diesem Kongress vorstellen?
Um was geht's?
Ja, ich versuch's tatsächlich mal in paar Sätzen.
Das ist eine sehr etablierte Struktur und der Kongress ist tatsächlich mehr als diese
reine Veranstaltung, die einmal im Jahr an zwei bis drei Tagen immer in Berlin, seitdem
es ihn gibt, und seit langem auch schon wieder an der Technischen Uni, meistens im März,
stattfindet.
Sondern wir verstehen uns tatsächlich als Plattform, die das Thema Armut und Gesundheit
mit ganz vielen Partnerinnen und Partnern seit 25 Jahren beackert und das ist auch das
Herzstück, würde ich sagen, dieser ganzen Struktur, dass wir um den Kongress herum sowas
konstituiert haben, was wir Programmkomitees nennen, wir haben 22 Themenfelder im Rahmen
des Kongresses.
Von den frühen Hilfen über Globalisierung.
Globale Gesundheit, Gesundheitspolitik, Wohnungslosigkeit, you name it, we have it, quasi, und das sind
150 Kolleginnen und Kollegen aus Wissenschaft, Praxis, Zivilgesellschaft, behördliche Vertreterinnen
und Vertreter, die uns über das ganze Jahr hinweg mit ihrer Expertise zur Verfügung
stehen und mit denen wir ganz kleinteilig das Programm gemeinsam gestalten.
Das geht damit los, dass wir uns ein gemeinsames Motto oder einen gemeinsamen Schwerpunkt geben,
das wäre Gender-Aspekte in Public Health gewesen, wenn wir im März hätten tagen dürfen.
Und dann entscheiden wir das einmal und dann gehen wir mit allen 22 Programmkomitees in
Klausur und diskutieren, was das für das jeweilige Themenfeld heißt, also welche Gender-Aspekte
treten auf in den frühen Hilfen, im Bereich Wohnungslosigkeit, im Bereich Kita-Schule
und machen dann so thematische Call for Abstracts, also fassen dann diese Themen und Fragen,
Partnern kommen noch mal zusammen und schicken die in unsere Community und kriegen dann Beiträge
eingereicht. Das waren 300 in diesem Jahr, das ist so ungefähr die Zahl, an der wir
gerade so kleben, die sich gerne präsentieren möchten auf dem Kongress und wählen sie
dann mit den Programmkomitees wieder aus. Und so entstehen ungefähr, also in diesem
Jahr wären es 130 Veranstaltungen gewesen an drei Tagen, so entsteht das Programmkomitee
mit 100 Programmen. Und zum einen ist dieser Austausch untereinander, auch für die Mitglieder
der Programmkomitees immer ganz spannend, die sich zum Teil natürlich kennen, zum Teil
aber auch nicht. Und für uns natürlich auch, man kriegt quasi die gesamte Public-Health-Szene
so mit und kriegt mit, woran sie so arbeiten. Und man kriegt vor allem die unterschiedlichen
Disziplinen auch sehr in den Austausch, also dass die Wissenschaftlerin mit der Vertreterin
der Wohnungsloseninitiative und der behördlichen Vertreterin und der Behördlichenvertreterin
oder dem Vertreter in den Kontakt kommt, das ist schon sehr einzigartig und das zieht sich
auch durch. Auf dem Kongress machen wir das dann weiter, dass es neben den vielen Panel-Diskussionen
auch ganz viel Raum und Austauschmöglichkeiten gibt, um sich zu vernetzen. Und da wird auch
der Bedarf immer größer, ist so unser Eindruck. Also wir kommen mit unseren Raumkapazitäten
da immer kaum noch hinterher, diesen ganzen Ansprüchen irgendwie gerecht zu werden. Und
deswegen sagen wir quasi eher platt.
Ja, das ist natürlich auch ein sehr interessanter Punkt, weil wir haben ja auch die ganze Zeit
der Kongress an und für sich ist,
aber was das ganze Jahr
davor passiert und dann danach wieder
passiert, das macht ihn schon sehr besonders
und genau, auch total spannend
da mit dabei sein zu dürfen.
Sorry, das war jetzt ganz viel, aber es ist irgendwie so
eine, einfach so eine große Struktur,
die wir jetzt seit 25 Jahren aufgebaut
haben. Ja, ist ja auch eine wichtige Sache
mit einer reichhaltigen Geschichte, wie du uns glaube
ich gerade gut erklären konntest.
Jetzt habt ihr
ja auch, außer dem Kongress, der jetzt
eben bedauerlicherweise nicht stattfinden könnte,
glaube ich, auch noch euer Portfolio ein bisschen erweitert und
habt einen Podcast mit demselben Namen.
Stimmt's?
Genau, den nennen wir
Armut und Gesundheit, der Public Health Podcast,
genau, um
auch nochmal tiefer in
bestimmte thematische Diskussionen
einsteigen zu können,
perspektivisch. Jetzt gerade
sind wir dabei, so eine
Sonderreihe zu dem nicht stattgefundenen
Schwerpunkt Gender
aufzubauen. Da gab es jetzt schon eine
Folge, die wir veröffentlicht haben und die nächste
veröffentlichen wir morgen.
Genau, dann möchten wir,
vielleicht darf ich das schon teasern, da auch
das Thema psychische Gesundheit
stärker abbilden und
freuen uns auch euch da als Gäste zu
haben bei uns und
da nochmal zu gucken, was gibt es da für
Zusammenhänge zwischen psychischer Gesundheit
und Armut
und insgesamt einfach
deutlicher zu machen,
wer ist eigentlich diese
Community, was sind das für Partner,
die diese Themen beackern, was für
Fragen stellen sich da
und genau, hoffentlich
da einen spannenden Diskurs
anzuregen oder abzubilden.
Super, dann könnt ihr da draußen
ja auch mal reinhören in den Podcast
Armut und Gesundheit.
Du hast es schon angedeutet,
dass es da Zusammenhänge
gibt zwischen Armut und Gesundheit,
deswegen beschäftigt ihr euch damit.
Jetzt mal ganz plakativ gefragt,
sind denn jetzt arme Menschen kränker als
reiche Menschen? Ja, absolut,
das sind sie und sogar
so viel kränker, dass sie auch
deutlich früher sterben.
Das ist statistisch total
gut belegt, dass Armut krank macht
und tatsächlich Lebensjahre kostet
und es gibt so zwei Zahlen, die
seit Jahren eigentlich stabil
bleiben und das sind die Unterschiede
in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen,
zwischen dem höchsten,
wir nennen das so ein bisschen sperrig,
sozioökonomischen Status, kann ich
gleich nochmal ein bisschen mehr zu sagen,
und dem niedrigsten
und der liegt zwischen Männern und Frauen,
genau, der höchsten Einkommensgruppe
und der niedrigsten Einkommensgruppe
bei Männern bei elf und bei Frauen bei acht Jahren
und damit nicht
genug, dass sie früher
sterben. Sie sind halt auch viel, viel
kränker Menschen, die in Armutslagen
leben. Sie haben zum Beispiel ein
zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko
an chronischen Erkrankungen
zu leiden und dann auch daran
zu versterben, sowas wie Herzinfarkt,
Schlaganfall oder Diabetes.
Und das ist schon über
die Jahre, wir sind im ganz engen Austausch,
einmal mit dem Robert-Koch-Institut auch,
die ja ihre eigenen Gesundheitsservice
haben und bundesweit repräsentativ
dazu auch Erhebungen machen.
Und das ist seit 20 bis 30
Jahren auch relativ stabil, dass
es einfach diese Ungleichheit gibt
und dass sie sich einfach so manifestiert
hat und für uns Grund genug,
da immer wieder auch drauf hinzuweisen
und nach Auswegen zu suchen.
Das ist ja schon echt krass, oder? Dass man
quasi in seiner Geschlechtsvergleichsgruppe
acht beziehungsweise elf Jahre früher stirbt
und während man noch lebt,
wenn ich es richtig verstehe, auch mehr
untergehalten wird.
Genau, deutlich länger einfach
mit bestimmten Phänomenen zu tun hat.
Es gibt so ein Bild, ich weiß gar nicht von wem das,
wer das mal gezeichnet hat, aber
es gibt in Berlin eine U-Bahn-Linie,
die quasi von dem
Bezirk, wo sehr viele Menschen
mit hohem sozioökonomischen Status
leben, hin zu einem Bezirk,
wo eher wenig Menschen mit hohem sozioökonomischen
Status leben und das ist ungefähr
eine U-Bahn-Strecke von einer halben Stunde,
die man da fährt.
Und da gibt es dieses Bild, dass quasi
die Lebenserwartung, wenn man diese Strecke
zurücklegt, um diese acht
oder elf Jahre, je nachdem zu welchem Geschlecht
man gehört,
abnimmt oder zunimmt, je nachdem in welche
Richtung man fährt quasi.
Also das ist schon, genau, das sind einfach
sehr eindringliche Bilder,
die man immer wieder zeichnen kann.
Kannst du ganz kurz noch den sozioökonomischen
Status erklären?
Auf jeden Fall. Das ist quasi eine
Kennziffer, die verwendet wird in der
Gesundheits- und Sozialberichterstattung, die wir auch
in den Gesundheitswissenschaften verwenden.
Und der setzt sich
zusammen zu gleichen Anteilen aus dem
Bildungsstand, den eine
Person hat, aus dem Beruf und aus dem
Einkommen, also aus dem akademischen
Grad quasi,
zu gleichen Anteilen und dann werden drei
gleich große gesellschaftliche
Gruppen gebildet, die mit
quasi hohem, mit mittlerem
und mit niedrigem sozioökonomischen
Status und genau, das wird dann als
Kennziffer verwendet.
Ist eigentlich ein bisschen was klar,
was so die Gründe dafür sind, dass
diese Unterschiede so drastisch ausfallen.
Also was könnten zum Beispiel Mechanismen sein,
die dazu führen?
Naja, wir stellen uns dann immer
eher so die Frage, wie entsteht
eigentlich Gesundheit und wie wird
Gesundheit aufrechterhalten? Und da gibt es ja
recht viele Einflussfaktoren. Wir
sagen da auch Determinanten zu.
Und es gibt so ein Modell, das
nennt sich Regenbogenmodell
von Whitehead und Dahlgren.
Ich kann, genau, kann man gerne
nochmal in die Shownotes auch packen.
Wer da nochmal näher quasi
sich das angucken will. Und da gibt es,
also das ist aufgebaut wie ein Regenbogen
und man hat ganz unten Einflussfaktoren
auf die Gesundheit, die man als
einzelne Person nicht verändern kann. Das
sind so Faktoren wie das Alter,
das Geschlecht oder auch die Erbanlagen,
die man irgendwie mitbringt und
auf die man auch keinen Einfluss
nehmen kann. Und dann alles,
was darüber hinaus kommt, sind Faktoren,
die man stark
beeinflussen kann oder die stark beeinflusst
werden. Und das ist zum Beispiel sowas,
wie meine eigenen Verhaltensweisen
oder meine Lebensweise,
wie ich so in meinem
sozialen Umfeld
eingebettet bin, was ich da an
Unterstützung erfahre, wo
ich lebe und arbeite,
also wie meine Arbeitsbedingungen in meinem Wohnumfeld
so ist. Und dann wird es quasi ganz
groß, die größte Ebene sind so die wirtschaftlichen,
kulturellen und physischen Umweltbedingungen.
Also darf ich in Frieden
leben? Wie ist mein Land
insgesamt finanziell aufgestellt?
Lebe ich in Sicherheit?
Kann ich meine Kultur
ausleben? Und so weiter und so weiter.
Und das alles zusammengenommen
quasi wirkt
halt sehr stark auf die Gesundheit und
je nachdem,
was ich da für Erfahrungen mache,
führe ich halt eher ein Leben
mit mehr oder weniger Gesundheit.
Und wir versuchen halt immer ganz stark
dafür zu sensibilisieren, dass
man sich immer diese
verschiedenen Facetten genau
angucken muss, wenn man irgendwie zum
einen zu Urteilen kommt,
warum Armutslagen entstehen,
aber auch wenn es darum geht,
an Aspekten anzusetzen und
sich zu verändern.
Und nicht zuletzt auch,
um dafür zu sensibilisieren, dass der
Gesundheitsbereich per se
halt nicht der Bereich ist, der
Gesundheit entstehen lassen
kann oder aufrechterhalten kann.
Also der Gesundheitsbereich ist ein Bereich,
der natürlich
Wirksamkeit entfalten kann, indem
vernünftige medizinische
Versorgung und so bereitgestellt
werden kann. Aber auf
mein soziales Umfeld
oder meine Lebensarbeitsbedingungen
oder so hat natürlich der Gesundheitsbereich
per se jetzt erstmal
keinen Einfluss. Und da
einfach andere Bereiche aufzuschließen,
sich auch
der Gesundheit zuzuwenden,
ist einfach eine große Aufgabe.
Spannend. Also
das Regenbogenmodell mit diesen
ganzen Faktoren lässt mich irgendwie
sofort überlegen, wie kann man
das denn überhaupt voneinander trennen, weil das
sind ja auch viele Dinge, die wahrscheinlich
sehr stark zusammenhängen, oder? Also was
man für einen Beruf hat, hängt ja wahrscheinlich
damit auch zusammen, wie viel
Einkommen man hat,
wie viel Zeit für
andere Dinge man hat,
wie das soziale Umfeld ist, oder?
Total. Die Nachfrage ist total richtig
genau. Das ist alles überhaupt nicht trennscharf,
sondern ist natürlich ganz
eng auch miteinander verwoben.
Auf jeden Fall. Und hängt total eng
miteinander zusammen.
Deswegen ist ja quasi dieses
ressortübergreifende und
gesamtgesellschaftliche, was wir immer
versuchen so zu postulieren,
ja so entscheidend so. Weil man
kann irgendwie an einer Stellschraube versuchen
irgendwie anzusetzen,
aber genau, es hängt einfach
alles miteinander zusammen. Aber könnt ihr
eine Richtung vorgeben? Sozusagen kann man sagen,
macht Armut krank oder macht Krankheit arm?
Kann man das? Tatsächlich beides.
Also du kannst von beiden Richtungen aus
argumentieren. Also es ist schon,
also genau, es geht
einfach beides. So wie die U-Bahn in
beide Richtungen fährt, geht es auch da in beide Richtungen.
Ne, genau. Natürlich
ist es so, wenn ich irgendwie ein Leben führe,
wo wenig Möglichkeit,
wo sich wenig Möglichkeit
bietet, dass ich für mich persönlich
Gesundheit entwickeln kann,
ist das genauso,
genau, wirkt sich das genauso negativ
aus, als wenn
ich eigentlich
ganz gut aufgestellt war und dann durch
eine langwierige und schwere Erkrankung
in eine Notlage
gekommen bin, die dann quasi den Weg
andersrum
quasi, ne, also mich in den Weg
andersrum zwingen kann. Kann man sich vorstellen.
Dass auch dann sich soziales Umfeld abwendet,
ich meinen Beruf nicht mehr so ausüben kann.
Also genau, es geht einfach
in beide Richtungen.
Und du hast noch eine skandalöse Sache gesagt,
Entschuldigung Sebastian, wolltest du auch was sagen.
Und zwar sagst du ja im Prinzip, dass nicht
Gesundheit vom Gesundheitssystem
geschaffen wird, oder?
Nicht von den Ärzten. Nicht alleine, auf jeden Fall.
Genau, nicht alleine.
Wollte Sebastian nickt, das wollte er auch sagen.
Nee, das ist eine sehr gute Einlassung, dass man. das Gesundheitssystem vielleicht eher Krankheit bekämpft, aber nicht Gesundheit fördert.
Naja, und wenn man nochmal in die Historie guckt, warum wir sowas wie eine gesetzliche Krankenversicherung haben,
dann ist der ursprüngliche Auftrag ja nicht der, Gesundheit herzustellen, sondern Krankheiten zu bekämpfen.
Und man hat quasi den Bereich Gesundheitsförderung damit mit aufgenommen und hat natürlich auch in den Partnern
da starke Partner, das will ich gar nicht sagen, aber das ist schon, ja, einfach schon, also es kann nicht
dabei bleiben, sondern man muss einfach gucken, was sind die Einflussfaktoren auf Gesundheit und welcher Bereich
kann welche Verantwortung übernehmen in diesem Gesamtkonzert.
Obwohl ich schon dachte, dass im Prinzip, wenn man sagt, was macht gesund, wäre so im Prinzip eine salutogenetische
Herangehensweise und ich dachte schon, dass das immer mehr versucht wird, auch ins Gesundheitssystem
sozusagen zu implementieren und das eben mit früher Erkennung, gut, das ist natürlich schon sozusagen ein Schritt zu spät,
aber auch mit Präventionsprogrammen versucht wird ja im Prinzip einen Schritt vorher anzugreifen, oder?
Naja, wir versuchen schon nochmal dafür zu werben, dass zwischen Primärprävention und Gesundheitsförderung,
dass es da einen Unterschied gibt, einfach in der Haltung quasi oder in dem Ansatz.
Also die Primärprävention hat ganz klar den Verhütungsansatz, also da geht es darum, einfach Krankheiten zu vermeiden.
Und bei der Gesundheitsförderung geht es eher darum, ressourcenorientiert Gesundheit zu stärken.
Und das kann einem so ein bisschen als doppelzünglich ausgelegt werden oder so, oder als, naja, so trennscharf kann man es nicht machen,
aber es ist tatsächlich von der ganzen Vorgehensweise, ist das eine ganz andere Haltung.
Und auch das Konzept der Salutogenese hat ja auch in den Gesundheitswissenschaften großen Eingang gefunden.
Und was da viele als so besonders oder toll teilen.
An diesem Konzept finden ist ja, dass Gesundheit, Krankheit immer auf einem Kontinuum steht.
Und dass man immer beide Anteile quasi hat und je nachdem, in welcher Lebensphase man gerade ist
oder wie die Belastungen um einen herum gerade so aussehen, befindet man sich halt mehr auf dem einen oder mehr auf dem anderen.
Aber man wird halt nie ganz krank und nie ganz gesund sein, außer man ist quasi kurz vorm Tod oder man ist gestorben quasi.
Dann hat man natürlich keine gesunden Anteile mehr.
Aber ansonsten wird das immer, ist das ja immer, hat man ja immer beides.
Und das einfach zu wissen und in der Gesundheitsförderung halt eher ressourcenorientiert vorzugehen
und das nicht das Ziel ist, in erster Linie Krankheit zu verhindern, sondern tatsächlich Gesundheit zu fördern.
Das ist schon nochmal ein ganz anderer Ansatz.
Das würde jetzt plakativ also bedeuten, wenn ich jetzt einen primär präventiven Ansatz wähle und Diabetes verhindern will,
dann würde ich zum Beispiel Zuckergetränke verbieten.
Wenn ich jetzt aber Salutogenese fördere,
dann würde ich zum Beispiel Spaß, Freude am Kochen, an Bewegung, an gesunder Ernährung, an verschiedensten Faktoren fördern
und wahrscheinlich auch das ähnliche Ziel erreichen, oder?
Ja, theoretisch schon.
Wobei es schon so ist, dass wir natürlich die Primärprävention auch brauchen.
Also es ist ja gar nicht quasi, also das soll ja in Synergie zueinander stehen.
Also die großen Public-Health-Maßnahmen, die es schon gegeben hat oder die es auch aus meiner Sicht weiterhin bräuchte,
sind ja schon auch so große politische Entscheidungen.
Also ihr könnt euch vielleicht auch noch dran erinnern, dass ihr als Kind zum Beispiel in Autos keinen Gurt ummachen musstet.
Also ich kann mich da auf jeden Fall noch total gut dran erinnern, dass ich irgendwie hinten auf der Rückbank rumgeturnt bin und so.
Und dann hat man irgendwann mal wahrgenommen, wie viel Verkehrstote es gegeben hat und hat sowas wie eine Gurtpflicht eingeführt.
Es gibt andere Länder, die entschieden haben, dass das Zucker nochmal anders besteuert wird.
Wir haben in Deutschland entschieden, dass wir mit Tabak,
mit Tabak nochmal anders umgehen wollen, als wir es bislang tun.
Das ist alles nicht so weitreichend, wie man sich das wünschen würde.
Aber trotzdem hat man da große quasi politische Entscheidungen ja auch schon getroffen an der einen oder anderen Stelle.
Und das würde man ja alles gar nicht, gar nicht missen wollen.
Also es braucht schon auch diesen ganz klassischen präventiven Ansatz, sowohl primär, sekundär als auch tertiar.
So auf jeden Fall, da würde man überhaupt nicht gegen argumentieren.
Aber es braucht halt quasi auch die Gegenseite, die einfach nochmal ressourcenorientierter guckt und nochmal eher den Ansatz wählt,
wie du es gerade beschrieben hast, Sebastian, dass man eher Strukturen aufbaut, in denen sich halt Gesundheit wie automatisch mitentwickeln kann.
Wo Gesundheit zu einfachen Entscheidungen gemacht wird oder zur einfacheren Entscheidung. Genau.
Könnte man also auch so ein bisschen sagen, dass man nicht so einfach ist. Genau.
Könnte man also auch so ein bisschen sagen, Salutogenese ist jetzt eben nicht spezifisch, während Primärprävention sich immer auf bestimmte Objekte bewegt.
Sebastian, das klingt jetzt sehr kompliziert. Kannst du das bitte nochmal höher in den Kreuz legen?
Genau. Also Salutogenese ist, glaube ich, dann wohl eher einfach ein allgemeiner Gesundheitsbegriff, der gefördert wird.
Und jetzt eben bei der Primärprävention haben wir davon gesprochen, Cola zu verbieten, um Diabetes zu verhindern.
Das ist ja was ganz Klares, Definierbares. Und die Salutogenese ist eben, glaube ich,
eher weitreichender und beschränkt sich nicht nur auf die Verhinderung von wenigen Krankheitsbildern,
sondern es geht in eine ganz generelle Richtung.
Ja, beziehungsweise auch zu dieser ganze Bereich der Früherkennungsuntersuchung.
Also da geht es ja auch nicht, da wird ja auch fälschlicherweise oft so der Begriff Verhütung oder so in den Mund genommen.
Wenn ich regelmäßig zur Krebsvorsorge gehe, dann verhindere ich ja nicht, dass ich eine Krebserkrankung bekomme,
sondern ich habe sie einfach früh entdeckt und kann dann nochmal mir bestimmte Zielgruppen angucken,
die vielleicht, also Frauen in einem bestimmten Alter und so, wo man nochmal anders oder engmaschiger gucken müsste und so.
Genau, aber ich glaube, wichtig ist einfach, dass das eine nicht irgendwie ohne das andere geht
und dass man auch nicht das eine stärken und das andere schwächen sollte,
sondern dass es einfach unterschiedliche Ansatzpunkte sind, die man quasi wählen kann und die man aber auch wählen sollte.
Also es braucht einfach beides.
Super, jetzt waren wir, glaube ich, ganz schön viel in Konzepten unterwegs.
Vielleicht können wir jetzt nochmal so ein bisschen zurück zum Thema Armut und Gesundheit.
Armut und vielleicht auch psychische Gesundheit tatsächlich.
Und zwar haben wir hier im Podcast schon häufig über Stigmatage gesprochen
und die Stigmatisierung von Menschen einmal vielleicht mit somatischer, also körperlicher Krankheit, aber auch mit psychischer Krankheit.
Wie ist es denn, oder wie ist es nach eurer Sicht, welche Rolle nimmt Stigmatisierung in Bezug auf Armut ein?
Sind ärmere Menschen besonders stigmatisiert und hat das Stigma vielleicht in dem Fall auch noch weitere negative Auswirkungen?
Also ich würde sagen, ganz stark spielt das eine Rolle.
Also arme Menschen sind aus meiner Sicht,
die sind in der Lage, sich zu stigmatisieren.
Die sind total stigmatisiert.
Wenn ich so mitbekomme, was für Bilder von Menschen in Armutslagen gezeichnet werden,
das sind irgendwie die faulen Transferleistungsbezieher,
die alle irgendwie nur zu dumm sind, sich um ihre eigene Gesundheit zu kümmern.
Ich überspitze jetzt mal, das ist das, was ihnen im extremsten Fall passiert.
Da gibt es ja ganz viel Graustufen darunter,
aber häufig wird halt dieses Bild irgendwie bemüht
und das entspricht zum Beispiel überhaupt nicht dem Bild,
was ich habe.
Wir haben auch als Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung
arbeiten wir in diversen Projekten mit Partnern zusammen,
die mit Menschen in Armutslagen arbeiten
oder sind auch direkt selber über Befragungen und Fokusgruppen und ähnliches
im Kontakt mit Menschen in Armutserfahrung.
Und da zeichnet sich für mich ein komplett anderes Bild.
Ich erlebe eher Menschen, deren Gehalt so gering ist,
dass sie irgendwie aufstocken müssen
oder dass sie mehrere Jobs haben, um über die Runden zu kommen.
Die in Wohnungen leben, die eher nicht in ruhigerer Lage sind
und wo wenig Grün vor der Tür ist.
Die in psychisch oder körperlich ziemlich anspruchsvollen Jobs arbeiten,
also entweder irgendwie im Akkord oder körperlich nochmal anders schwer
und trotzdem versuchen, für sich und ihre Familien
ein lebenswertes Leben aufzubauen.
Und dass sie das trotz aller Widerstände irgendwie versuchen
und dass dabei die Umstände einfach denkbar schwierig sind.
Und jetzt kann man wieder darüber diskutieren,
wer hat denn die Umstände kreiert
und welchen Anteil haben denn die Menschen daran selbst
und welchen Anteil haben quasi die anderen in Anführungszeichen.
Und wenn man dann aber wieder zurückkommt zu diesem Modell,
was wir am Anfang diskutiert haben, das Regenbogenmodell,
dann sieht man einfach, wie vielschichtig die Einflussfaktoren sind.
Und mir wäre das einfach zu kurz gesprungen
und es würde auch nicht den Tatsachen entsprechen,
die Menschen da selbst verantwortlich zu machen in erster Linie,
sondern sie einfach in ihrem Umfeld zu verantworten.
Umfeld zu sehen und zu begreifen
und zu gucken, an welchen Punkten kann man ansetzen,
dass sie nochmal andere Lebensumstände erleben
oder an andere Lebensumstände kommen, die besser für sie sind.
Jetzt habt ihr da draußen wahrscheinlich alle schon drauf gewartet.
Kommt zum Thema.
Was wissen wir denn über den Zusammenhang von Armut
und speziell psychischer Gesundheit?
Wir haben jetzt ja schon ein paar körperliche Beispiele genannt
und wissen, die Lebenserwartung sinkt.
Aber was wissen wir denn über den Zusammenhang von Armut und psychischer Gesundheit?
Ist psychische Gesundheit denn auch verstärkt vorhanden, wenn man ärmer ist?
Habe ich Gesundheit gesagt oder Krankheit?
Nee, Gesundheit.
Ja, genau, so rum. Also nicht Gesundheit.
Ja, da bin ich auch vor allem echt auf eure Erfahrung nochmal gespannt,
ob ihr in der Klinik da auch Unterschiede wahrnehmt.
Aber das bin ich, genau, bin ich einfach keine ausgewiesene Expertin.
Aber ich habe nochmal in so Studien geguckt,
wie zum Beispiel die vom Robert-Koch-Institut zur Kinder- und Jugendpflege,
Jugendgesundheit, also die KIK-Studie.
Und da gibt es zum Beispiel schon so Beispiele,
dass Familien. ihren Kindern eher, ihre Kinder eher als verhaltensauffällig zum Beispiel einschätzen, wenn sie niedrigen sozialen Status haben als Kinder von Familien, die einen höheren sozialen Status haben.
Und da liegt zum Beispiel die Spannweite zwischen 7 und 34 Prozent, also 7 Prozent der Eltern, deren Kinder im eher höheren sozialen Status aufwachsen, sagen das über ihre Kinder, dass sie verhaltensauffällig seien, zu 34 Prozent im niedrigen sozialen Status.
Und jetzt kann man natürlich über soziale Erwünschtheit im Rahmen dieser Erhebung diskutieren, auf jeden Fall. Das muss man sich natürlich auch kritisch angucken.
Aber das würde ja nur einen Teil dieser Spannweite erklären, dass es da einen deutlichen Unterschied gibt. Das ist, denke ich, auf jeden Fall der Fall.
Und dann habe ich nochmal in der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland, in der DEX-Studie vom RKI, die Kennziffer gefunden, dass Menschen mit niedrigem sozialen Status zu 15 Prozent ungefähr anzeichen einer depressiven Symptomatik haben.
Wohingegen das bei Menschen mit höherem Status nur 6 Prozent sind. Und da, aber das könnt ihr viel besser einschätzen, das ist, glaube ich, auch ein bisschen stabiler quasi in der Erhebung als diese vermittelte Aussage, die die Eltern über ihre Kinder treffen in dem ersten Beispiel.
Und er ist wie bei den organischen Erkrankungen einfach vorhanden, der Unterschied.
Zusammenhängen, zum Beispiel mit Armut, da rauszurechnen. Also deswegen ist es, wie so oft, finde ich, gar nicht so einfach, da ganz pauschal was zu sagen, ohne was Falsches zu sagen.
Und wir haben uns auch darüber unterhalten, dass unsere Alltagsevidenz, wie man sagen könnte, also so unser Eindruck, wen sehen wir hier, sind da mehr ärmere oder mehr reichere Leute dabei, dass das wahrscheinlich auch nicht gut geeignet ist, um wirklich eine Statistik zu machen.
Statistische Aussage zu machen. Also dafür sind natürlich die Fallzahlen viel zu klein. Aber wir haben in Moritz' Pädiatriebuch nachgelesen und haben einige Studien gesehen, die doch zeigen, dass es auf jeden Fall ja eine Korrelation gibt zwischen eigentlich ja fast allen psychischen Erkrankungen, muss man sagen.
Also man sagt Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Verhaltensstörungen, Suchterkrankungen.
Also eigentlich fehlt jetzt ja gar nicht mehr viel. Insofern ja. Und wir haben ja auch schon in früheren Folgen oft darüber gesprochen, dass so das psychosoziale Umfeld und psychosoziale Belastungsfaktoren, wo natürlich Armut dazu zählt und auch prekäre Arbeitsbedingungen dazu zählen, aber auch Migrationshintergrund zählen kann, dass die natürlich auch ganz wesentlich sind für die psychische Gesundheit.
Oder, Sebastian?
Von dem ganzen Feld der Psychotherapie finde ich, dass unheimlich viel Aufklärungs- und Unterstützungsarbeit geleistet worden ist, um auch Zugänge für Menschen zum Beispiel in Armutslagen nochmal überhaupt zu ermöglichen.
Also wenn ich alleine so in meinem Umfeld, und das ist jetzt genau auch meine ganz persönliche Evidenz, aber quasi in meinem Umfeld so ein bisschen gucke, wie man inzwischen mit dem Thema psychische Gesundheit und psychische Krankheit,
umgeht, mit Therapie, mit Aufenthalt in Kliniken und so, dann ist ja insgesamt einfach in der Gesellschaft heute, ich finde das total wichtig, dass ihr da auch immer wieder darauf hinweist und dass es da immer wieder auch noch viel, dass es da viel zu tun gibt, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass da schon einiges passiert ist, so einfach auch so Stigmatisierung abzubauen und alles, was quasi auf dieser Ebene passiert, wirkt sich natürlich unmittelbar sofort aus auf die Menschen,
die vom Zugang her noch mit die meisten Schwierigkeiten hätten, weil sie entweder nochmal stärker gegen Stigma kämpfen müssen oder weil sie per se einfach den Zugang nicht so einfach bekommen, weil sie sich nicht so gut selbst informieren können oder genau, nicht auf die Idee kommen quasi, dass das, was sie plagt, irgendwie behandelbar ist, also da gibt es ja die tausendsten Aspekte, aber ja.
Also das Bild gezeichnet hast, geschildert, dass viele Leute zum Beispiel mehrere Jobs annehmen müssen, um halt sich über Wasser zu halten und das lässt einen ja schon an so eine Form der Belastung denken, dass man sich vielleicht vorstellen kann, dass es eben besondere Herausforderungen gibt für die Menschen, die in Armut leben, gerade auch im Hinblick so auf Selbstfürsorge oder Fürsorge ihrer psychischen Gesundheit, kannst du das nochmal so ein bisschen konkretisieren und gibt es da auch spezielle Angebote, die das adressieren?
Ich glaube, dass die Belastungen im Leben insgesamt einfach sehr hoch sind, dass Gesundheit immer was ist, was irgendwie hinten runterfällt, ob das jetzt die körperliche Gesundheit ist oder die psychische Gesundheit, man ist irgendwie in so einem Hamsterrad und versucht sein Leben irgendwie zu organisieren und dann kommen gut gemeinte Ratschläge von der Seite, dass man irgendwie mal mit dem Rauchen aufhören sollte, gegebenenfalls mal sich anders ernähren sollte, Sport machen sollte und dann kommt man in seinen Kontext,
zurück und die Raucherpause ist die einzige Fünf-Minuten-Situation, in der ich mich mal auf den Balkon zurückziehen kann und nicht in einer für mich anstrengenden Situation bin. Ich will jetzt überhaupt nicht Rauchen beschönigen und auch nicht irgendwie dazu auffordern, sich nicht gesundheitsförderlich zu verhalten, aber ich glaube, dass es total wichtig ist, das, was man insgesamt sich so gesellschaftlich vorstellt oder mittelschichtsorientiert so vorstellt,
von einem gesundheitsförderlichen Leben, dass man das eins zu eins übertragen kann auf Menschen in Armutslagen, sondern dass da Gesundheit wirklich was ist, was sich automatisch einstellen würde, wenn sich die Lebensumstände ändern würden und wenn einfach der eine Job zum Leben reicht, die Wohnung bezahlbar ist, die Kinderbetreuung adäquat ist und ich mir einfach ein vernünftiges Mittagessen irgendwie leisten kann,
entstehen automatisch Räume, in denen sich auch Gesundheit wieder entwickeln kann und in denen ich mich auch wieder meiner eigenen Gesundheit zuwenden kann. Und das heißt nicht, dass man nicht auch einen eigenen Beitrag leisten muss und soll, das natürlich auch, aber es ist einfach viel leichter oder dann nicht mehr zu viel verlangt, wenn der Rest die guten Voraussetzungen sind.
Und was, womit wir halt sehr gute Erfahrungen machen, sind halt sogenannte Setting-Angebote, also dass man in den Lebenswelten, in denen sich die Menschen aufhalten, ansetzt und die versucht, gesundheitsförderlich zu gestalten, also dass die Kita ein Ort ist, in der sich Gesundheit entwickeln kann, dass die Schule ein Ort ist, in der sich Gesundheit entwickeln kann, der Betrieb, der Stadtteil, dass überall ich auf gute Bedingungen stoße für mein Wohlbefinden.
Und dass ich meinen Ressourcen entsprechend und meinen Möglichkeiten entsprechend gefördert werde und mich entwickeln kann und dann entwickelt sich auch Gesundheit.
Und ich habe vorhin mal den Suchbegriff psychische Gesundheit eingegeben und habe 765 Treffer erhalten. Also das Thema psychische Gesundheit im Soziallagenbezug quasi ist auf jeden Fall eins, wo es sehr viel gibt an Ansätzen und an Partnern und wo man sich einfach über die Seite mal schlau machen kann.
Super, können wir auch verlinken. Wir sammeln ja Shownotes ohne Ende heute.
Ja, sehr gerne.
Klingt auf jeden Fall nach einem sehr schlauen Ansatz.
Ich habe mich gerade auch gefragt, wenn jemand drei Jobs hat und dann vielleicht noch Kinder, wann geht man dann bitteschön jemals zum Arzt und zur Vorsorge?
Geht das überhaupt?
Ja, also eben. Das sind genau so alterspraktische Fragen. Also genau das ist es.
Situation habe mit meinen
Kindern, wo irgendwie Unterstützung notwendig
ist, Logopädie, Ergotherapie,
was auch immer. Wann und wie kann
ich diese Termine wahrnehmen, wenn ich parallel
noch zwei andere Kinder zu betreuen habe und
alleinerziehend bin? Also das sind so ganz
alltagsnahe Fragen, die sich
in den Familien stellen.
Ja.
Ich finde, man kann sich darüber hinaus ja auch mal ehrlich
fragen, wie leicht fällt uns das denn
mit einem Job, dieser ganzen
hilfreichen, salutogenetischen
Lifestyle-Empfehlungen
umzusetzen? Also
ich kenne jetzt niemanden, der nicht
irgendwie auch an seiner Ernährung,
seinem Sportpensum
oder seiner
Qualitätszeit
mit Freunden irgendwie noch arbeiten will
oder könnte. Also es ist
wirklich schwer vorstellbar,
wie das in so prekären
Bedingungen überhaupt gehen soll.
Naja, und ich meine, ihr hattet in eurer
letzten Folge, hattet ihr den Fokus
auf das Thema Sport und
da denke ich auch, also klar
ist das alles irgendwie richtig, dass
das Sport hilft, auch
eine bestimmte Tagesstruktur
zu schaffen.
Jetzt unter Corona-Zeiten ist das mit dem
sozialen Miteinander beim Sport
natürlich nicht ganz so einfach, aber
auch der Effekt ist natürlich
total da, aber auch da
dann von den Menschen, die
irgendwie in Armutslagen sind,
zu verlangen, dass sie irgendwie zwischen
vier und fünf morgens
joggen gehen, weil das irgendwie eine verlässliche,
reiche Zeit ist, wo die Kinder schlafen, das kann man ja
irgendwie auch keinem zumuten. Also ich übertreibe jetzt,
es würde ja auch keiner den Menschen zumuten,
aber manchmal habe ich so das Gefühl, werden
die Diskussionen halt so ein bisschen ab Absurdum
geführt und
gehen so total vorbei an den
Lebenswelten
der Menschen.
Ich höre jetzt auch immer wieder häufig, dass
es eben auch um Kinder geht, also wir
verschiedene Szenarien aufmachen, in denen Menschen einfach
auch noch eine Kinderbetreuung zu leisten haben.
Ich stelle mir jetzt auch mal vor, wie ist
das jetzt zum Beispiel für eine alleinerziehende Mutter,
die jetzt nicht mal mal einen Job haben muss, aber drei Kinder
da versorgt, die hat ja eigentlich auch gleich drei Jobs
auf einmal, das macht es ja auch nochmal schwierig.
Wie geht es eigentlich Mutter, wie geht es
Kindern dabei, was wissen wir eigentlich,
wie groß ist denn die Rolle von den Kindern in dem ganzen
System? Naja, also was wir wissen,
das ist ja bei der psychischen Gesundheit
so und auch bei der körperlichen, dass sich
so Risiken kumulieren, also
dass es nicht darum geht, dass man in seinem Leben
mal eine Phase,
in der mal irgendwas schwierig war und man mal ein bisschen
jonglieren musste, dass sich das gleich
negativ auf die Gesundheit auswirken
muss und vor allem längerfristig
nicht unbedingt Konsequenzen haben muss,
aber das Dauerhafte, also dass
man immer über seine Ressourcen,
wenn man immer über seine Ressourcen
geht oder einfach Belastungen
und Ressourcen nie eigentlich
ernsthaft im Einklang stehen, sondern
man eigentlich immer so ein Defizit
mit sich rumschleppt,
dass sich das sehr negativ auswirkt
auf die Gesundheit
und da sind Kinder ja noch
relativ
unbedarft, also das sind quasi
noch die gesündeste
Bevölkerungsgruppe, die wir
quasi haben, weil sie einfach noch nicht so viel
Leben hatten, wo sich viel
kumulieren kann und deshalb ist es so
entscheidend, dass wir so früh wie
möglich mit diesen ganzen Ansätzen
beginnen und dass wir
eigentlich schon Frauen in der Schwangerschaft
versuchen
zu unterstützen,
zu sensibilisieren,
zu befähigen,
in eine Situation
zu kommen, dass einfach solche Risiken
nicht entstehen,
für sich selbst und
für die Kinder auch nicht.
Und dann finde ich es halt
total wichtig, immer wieder zu sagen, dass
Kinder zu stärken und zu unterstützen einfach
kein Nice-to-have ist, sondern das ist
ihr Recht, das ist über die UN-
Kinderrechtskonvention geregelt.
In Deutschland gibt es gerade
eine sehr erfolgsversprechende Initiative,
dass die Kinderrechte auch ins Grundgesetz kommen,
weil Kinder einfach keine kleinen Erwachsenen
sind und auch nicht so behandelt werden
sollten. Und nochmal ein ganz besonderer
Schutz brauchen und
einfach wirklich ein festgeschriebenes
Recht auf eigene
Perspektiven und Chancengerechtigkeit.
Ja, ganz wichtig.
Sag ich jetzt mal aus der Perspektive des
vielleicht Pädiaters.
Ich würde vorschlagen,
die Moritz
intelligente Theorien zum Zusammenhang
zwischen Kinderarmut und psychischer
Gesundheit, die heben wir uns auf für nächste
Woche, wenn wir bei euch zu Gast sind.
Ja, gerne.
Genau.
Ja, du hast ja schon ein bisschen
erzählt, wo
Handlungsbedarf
ist, quasi in der Gesundheitsförderung
bei Armut. Gibt es denn
irgendeinen Punkt, wo du sagen würdest, da
ist ganz besonders
Bedarf, dass sich
irgendwas verändert im System?
Ja, also ich glaube
tatsächlich, man könnte so ganz viele
Anknüpfungspunkte wählen, aber ich finde
so sehr wichtig
den Zugang.
Erstmal, ich hätte wirklich
so den Wunsch, dass
es einfach Normalität wird,
dass jeder die Hilfe bekommt und
die Unterstützung, die er braucht.
Und wir sagen da immer so ganz sperrig
zu, dass das alles niedrigschwellig
vorgehalten
werden soll, dass man also leicht,
also dass man über keine Schwelle muss,
quasi, um Hilfe
zu bekommen, sondern dass das,
ja, dass mir das
gelingt jederzeit.
Und häufig gibt es
so den Eindruck, dass das doch
so ist, weil wir alleine in unserer
Sozialsystem und in
unserem Krankenversorgungssystem
ja schon an vielen
Stellen wirklich so eine Vorreiterrolle haben
in Deutschland. Aber das macht
es für mich immer nochmal besonders
dramatisch, wenn sich einfach
diese Zahlen in der Lebenserwartung nicht
ändern oder wir
einfach so ein hohes Kinderarmutsphänomen
haben, auch in Deutschland
oder immer mehr in Altersarmutsphänomen
rutschen.
Das macht es so dramatisch.
Und ich fände es toll, wenn wir da hinkommen,
dass jeder
einfach, also dass wir tatsächlich zu einer
tatsächlichen Chancengerechtigkeit
hinkommen, dass jeder einfach
die Möglichkeiten bekommt, die er
braucht, um selber
Entscheidungen für sich und seine eigene
Gesundheit treffen zu können. Und wenn die dann
negativ ausfallen, also wenn ich mich dann
quasi trotz allem
dagegen entscheide,
mit
Gesundheit, die mir quasi offeriert wird,
anzunehmen, dann sind wir irgendwie
in einer ganz anderen Diskussion. Und da kann ich
irgendwie viel besser mitleben, als
mit dem Wissen,
dass, genau, einfach diese Chancen
Ungleichheit gerade da ist
und dass Gesundheit
nicht entstehen kann
in bestimmten Umständen,
Kontexten. Ganz konkret
mit Chancengleichheit, meinst du dann
mehr Aufklärung oder
wie würde man ganz konkret diese
Schwelle so senken, dass alle die Chance
auf gleiche Gesundheit haben?
Naja,
dass man sich nochmal genauer
anguckt, was einfach Menschen in
besonderen Bedarfslagen
brauchen. Also ich finde, dass
wir uns so einen ausgeweiteten,
prekären
Beschäftigungssektor weiterhin
irgendwie gönnen,
das finde ich ist eigentlich
ein Unding.
Und dass wir jetzt irgendwie
Pflegekräfte beklatschen,
statt sie
angemessen zu bezahlen und ihnen
angemessene Voraussetzungen bereit zu halten,
und ich finde jetzt auch, wenn wir nicht zu sehr
auf Covid eingehen wollten,
aber ich finde, diese Pandemie
ist ja auch nochmal wie ein Brennglas
einfach auf die Ungleichheiten
und man sieht genau, welche
Personengruppen betrifft
es jetzt besonders. Es sind einfach
die Menschen in den
besonderen Beschäftigungsverhältnissen,
die jetzt gerade keinen Job mehr haben,
weil sie nicht übers Homeoffice
arbeiten können. Es sind
die Menschen in der Pflege,
die in doppelter
Belastung sind. Sie sind zum einen
dem besonderen Ansteckungsrisiko
ausgesetzt und zum anderen
haben wir einfach zu wenig
für diesen Job und sie sind
auch noch schlecht bezahlt. Also da
kumuliert sich jetzt auch wieder
irgendwie ganz viel und wenn wir es da
schaffen würden,
den Leuten von
klein auf die Möglichkeit zu geben,
sich tatsächlich ihren
Fähigkeiten und Ressourcen
entsprechend irgendwie
entwickeln zu können und dass sie
tatsächliche Chancen
vorfinden und an den Stellen,
an denen das über die
eigene Familie oder das eigene
Umfeld nicht ganz so möglich
ist, wie man sich das wünschen würde,
dass man in den Einrichtungen,
wo die Kinder zum Beispiel sich
dann aufhalten, dass man da guckt,
bestimmte Dinge
kompensatorisch sich anzugucken.
Also dass Kinder, die die deutsche Sprache
nicht so gut sprechen, da die Unterstützung
erhalten, aufschließen zu können,
dass Kinder, die
in Familien groß werden, wo psychische
Erkrankungen vorliegen, dass es
da Möglichkeiten gibt, dass Kinder Entlastung
erfahren, dass man aber
natürlich auch guckt, dass man die Systeme damit nicht
überfordert. Ich kann nicht von einer Erzieherin
erwarten, dass sie das alles
irgendwie leistet, sondern dass man dann eher
in multidisziplinären Teams arbeitet,
dass man guckt, was ist genau
die Bedarfslage gerade und wie
kann man an welcher Stelle
unterstützen, weil Kinder, also gerade
finde ich Kinder, also alle Menschen, aber
Kinder ja nochmal, weil sie
einen besonderen Schutz brauchen,
haben das einfach
verdient. Das ist einfach ihr Recht.
Betrifft im Prinzip also weit
mehr als nur das Gesundheitssystem,
sondern eigentlich alle
politischen
Systeme. Das ist ja eine gesamtgesellschaftliche
Frage. Und wenn du schon das
Pennglas, was die Pandemie wirft,
erwähnst, möchte ich natürlich auch nicht unerwähnt
lassen, dass es an griechischen Früchtlingslagern
immer noch katastrophale Zustände gibt und die
Menschen, die nicht mal den Zugang zu unserem Gesundheitstest
Unter grausamsten Bedingungen ihres Schicksals.
harren und ich glaube, das ist was, was wir als Gesellschaft
auch nicht vergessen dürfen.
Naja, und selbst wenn das mit den
50 Kindern als Anfang
bezeichnet wurde, aber das hätten wir alleine in Berlin
gestemmt. Also das finde ich, sind dann halt
auch so, naja, aber das
machen wir jetzt nicht auf.
Da hast du recht, das ist ein großes Pass.
Ja, wir sind
glaube ich schon fast am Ende unserer Runde.
Ich glaube, es war sehr spannend, es sind ganz
viele Richtungen gegangen. Es war heute, glaube
ich, für unsere Verhältnisse relativ wenig
psychisch tatsächlich.
Aber trotzdem total spannend und ich glaube,
vieles, was wir oder was du
uns erzählten, berichtet hast, was
vielleicht jetzt eher auf organische Erkrankungen
oder Erkrankungen generell gemünzt war,
lässt sich ja auch auf die psychische oder psychische Erkrankung
übertragen. Von daher, glaube ich, lässt sich das in dem
Fall gar nicht so ganz klar voneinander
trennen, wie wir es auch schon häufiger hier
diskutiert haben. Wir fragen
gerne am Schluss immer nochmal unsere
Gästin oder unseren Gast
so ein bisschen nach der Botschaft, die sich
die Hörerinnen und Hörer vielleicht merken sollen.
Und deswegen Maren, unsere Frage an dich, was
würdest du denn sagen, sollten sich unsere Hörerinnen
und Hörer jetzt merken zum Thema
Armut oder Armutssituation und
psychische Gesundheit oder Gesundheit?
Naja, zum einen,
dass es einfach einen engen Zusammenhang
gibt. Ich glaube, dass der
vielen einfach nicht so
klar ist. Also ein Zusammenhang zwischen der
eigenen Gesundheit, also
der eigenen psychischen und auch der
eigenen körperlichen Gesundheit
und der individuellen Lebenslage.
Und dass dieser Zusammenhang
Lebensjahre kostet, also,
dass es hier nicht um irgendein Phänomen
gibt, das bagatellisiert werden kann,
sondern da geht es wirklich um
Lebensjahre. Und, dass
Menschen nicht alleine verantwortlich sind.
Also Gesundheit kann nicht durch einen
alleine und selbst irgendwie
hergestellt werden, sondern Gesundheit
entsteht quasi in Interaktion.
Und, dass wir
was tun können. Das finde ich auch
ganz wichtig. Aber halt nur
gesamtgesellschaftlich und dass in einem
reichen Land wie Deutschland Armut einfach
nicht sein muss.
Und, dass Menschen in Armutslagen
hilft, angemessen bezahlt zu werden,
eine gute Betreuung für ihre Kinder
zu haben und angemessen
und bezahlbar wohnen zu können. Also, dass
zumindest schon mal diese Grundbedürfnisse
irgendwie
gedeckelt sind. Und, wenn wir es dann noch
schaffen, die Meinung
über Menschen in Armutslagen
ein Stück weit zu revidieren und
der tatsächlichen Realität
anzupassen, dann
ja, dann wäre ich schon
dann wäre ich total glücklich.
Ja, das wäre
super.
Lass uns mal darauf hinarbeiten.
Super. Vielen Dank für
dieses
sehr schöne Abschlusswort.
Danke euch.
Das war, glaube ich, eine sehr gute Einführung
für unsere Hörerinnen und Hörer
zum Thema Armut und Gesundheit. Und wir
haben es ja schon gesagt, wir
kommen dann auch mal zu euch zu Gast
per Internet in einem Podcast.
Und da geht es dann nochmal speziell um Armut
und psychische Gesundheit.
Und das heißt,
ihr könnt alle gerne auch dann dort
einschalten. Unbedingt.
Im Public Health Podcast.
Cross-Listening, oder wie nennt man
das dann? Erst hier, dann da.
Das weiß ich nicht.
Wir schaffen diesen Begriff jetzt neu.
Einfach mal Synergie-Effekt.
Ja, sehr gut.
Also, es war sehr spannend.
Vielen Dank, dass du da warst.
Vielen Dank für den interessanten Blick über den Tellerrand machen.
Danke euch für euer Interesse.
Gehen nochmal viele Grüße raus nach Berlin.
An die Uhr 6.
Berlin, Grüße zurück nach Freiburg.
Macht's gut.
Bis dann. Ciao.
Und wie immer vielen Dank an euch da draußen,
dass ihr zugehört habt. Wir hoffen,
die Richtung Jung und Freudlos heute hat euch auch gefallen.
Für uns war es, glaube ich, sehr spannend.
Ging mal ein bisschen in eine andere Richtung.
Na ja, ansonsten hören wir uns in zwei Wochen wieder.
Schreibt uns doch, ob ihr es gut fand.
Und Isbine würde jetzt sagen,
und gebt uns Sternchen, wo auch immer.
Und lasst ein Abo da. Und lasst ein Like da.
Und alles das.
Genau.
Bye, ihr Lieben.
Tschüss.
Ciao.
Ciao.
Podcast Summary
Key Points:
Armut führt zu signifikant höherem Risiko für psychische Erkrankungen, wie Depressionen und Angststörungen, mit einem Unterschied von 15 Prozent bei niedrigem sozialem Status gegenüber 6 Prozent bei höherem.
Der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit ist tiefgreifend und kostet Lebensjahre – etwa acht bis elf Jahre weniger Lebenserwartung bei Menschen mit niedrigem sozialem Status.
Das Regenbogenmodell zeigt, dass Gesundheit durch komplexe Interaktionen aus sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Umweltfaktoren beeinflusst wird, wobei individuelle Verantwortung nur ein Teil ist.
Stigmatisierung von Armen verstärkt psychische Belastung und macht den Zugang zu Gesundheitsdiensten schwieriger, insbesondere in prekären Lebenssituationen.
Salutogenese und primäre Prävention sind komplementär
Es gibt dringenden Handlungsbedarf für verbesserten Zugang zu Hilfe, inklusive chancengerechter Lebensbedingungen, bezahlbarer Wohnraum und guter Kinderbetreuung.
Die Pandemie hat Ungleichheiten wie nie zuvor deutlich gemacht, insbesondere in den sozial schwächen Beschäftigungs- und Pflegesystemen.
Armut ist nicht nur eine soziale, sondern eine gesamtgesellschaftliche und politische Herausforderung, die gesundheitliche, wirtschaftliche und rechtliche Maßnahmen erfordert.
Summary:
Armut hat tiefgreifende Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit. Studien zeigen, dass Menschen mit niedrigem sozialem Status deutlich häufiger an psychischen Erkrankungen wie Depressionen leiden und eine viel frühere Sterblichkeit aufweisen. Der Zusammenhang ist nicht bloß statistisch, sondern manifestiert sich in realen Lebensbedingungen: Arme Menschen erleben höhere Belastung, schlechtere Wohnsituationen, mehrere Arbeitsplätze und stärkere Stigmatisierung.
Das Regenbogenmodell verdeutlicht, dass Gesundheit durch komplexe Interaktionen von sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Faktoren entsteht – nicht durch individuelle Verantwortung allein. Stigmatisierung verstärkt psychische Belastung und behindert den Zugang zu medizinischer Hilfe. Während primäre Prävention Krankheiten verhindert, fördert die Salutogenese eine ressourcenorientierte Gesundheitsförderung, die Lebensqualität stärkt.
Die Pandemie hat die Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung deutlich gemacht, insbesondere für Arbeitnehmer in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Um eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen, ist es notwendig, grundlegende Bedürfnisse wie bezahlbaren Wohnraum, gute Kinderbetreuung und faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Der Fokus muss daher weit über das Gesundheitssystem hinausgehen und gesamtgesellschaftliche Politiken verankern, die Chancengerechtigkeit und Lebensqualität für alle gewährleisten – insbesondere für Menschen in Armutslagen.
Die gemeinsame Anerkennung, dass Gesundheit in Interaktion mit Lebensumgebungen entsteht, ist die zentrale Botschaft.
FAQs
Armut führt zu einer erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände. Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status zeigen deutlich höhere Symptome, etwa 15 Prozent bei Erwachsenen gegenüber nur 6 Prozent bei wohlhabenden Menschen.
Ärmere Menschen werden oft als faul oder unzulänglich dargestellt, was ihre Lebenssituationen missverstellt. Diese Stereotypen verstärken soziale Isolation und erschweren den Zugang zu Unterstützung und Behandlung.
Das Regenbogenmodell beschreibt, wie verschiedene Einflussfaktoren auf die Gesundheit wirken – von unveränderbaren Faktoren wie Alter oder Erbanlagen bis zu veränderbaren Faktoren wie Lebensstil und soziale Umgebung.
Menschen in armen sozialen Schichten sterben durchschnittlich acht bis elf Jahre früher als Menschen mit hohem Einkommen, was statistisch bewiesen ist und die Lebensjahre in Armut kostet.
Durch ressourcenorientierte Ansätze wie die Salutogenese, die auf das Stärken von Ressourcen und Lebensqualität abzielt, anstatt nur Krankheiten zu verhindern. Gute Lebensbedingungen wie bezahlbare Wohnungen und betreuende Kinderbetreuung sind entscheidend.
Menschen in Armut haben oft wenig finanzielle Ressourcen, sind stigmatisiert und leiden unter hoher Belastung, was den Zugang zu Vorsorge und Therapie behindert und ihre eigenen Entscheidungsfähigkeiten einschränkt.
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