Angst verlassen zu werden: Effektive Wege raus aus der Verlustangst #296
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Verlustängste in der Beziehung stammen oft aus frühen, traumatischen Erfahrungen wie Trennungen von Eltern oder Flugreisen, bei denen ein Gefühl der Verlassenheit entstand. Derjenige auf der Herzseite versucht, die Bedürfnisse des anderen zu befriedigen, um eine Trennung zu vermeiden, was zu einem ungleichgewichtigen Beziehungsfeld führt. Diese Angst wird durch körperliche Symptome wie Herzrasen oder zittrige Hände sichtbar, was eine bessere Kommunikation ermöglicht. Kritisch wird es, wenn Kinder als Instrumentalisierung zur Trennung genutzt werden. Der konstruktive Weg zur Lösung liegt nicht in der Flucht, sondern im Erkennen der Ursachen, der Entwicklung von emotionaler Intelligenz und der Aufbau eines stabilen, offenen Beziehungsfundaments. Offene, wahrheitsgemäße Gespräche über echte Gefühle statt Schlussfolgerungen fördern Vertrauen und gegenseitiges Verständnis. Ein zentrales Prinzip ist das KDW-Modell: Wollen (ich will zusammenbleiben), Können (ich kann mich trennen) und Dürfen (ich darf mich trennen). Diese Freiheit wird oft durch frühe Erfahrungen wie Scheidungskindheit eingeschränkt und muss bewusst und mit Unterstützung entwickelt werden. Der Weg zu einer gesunden Beziehung erfordert Selbsterkenntnis, emotionale Verarbeitung und gemeinsame Verantwortung – und kann durch Coaching oder therapeutische Unterstützung effektiv unterstützt werden.
Wenn einer von beiden eine unverarbeitete Verlustangst mitbringt, dann ist der meistens auf der Schwertseite nicht so ausgeprägt.
Das heißt, der setzt weniger Grenzen, sagt weniger Nein, steht weniger für sich ein, sondern ist eher auf der Herzseite sehr bemüht um die Bedürfnisse und Wünsche des anderen, damit derjenige ja zufrieden ist und keine Trennung ausspricht.
Wenn Sätze halt fallen manchmal, wie wenn du gehen würdest, dann wirst du nicht mehr glücklich werden, du machst das Leben der Kinder damit kaputt.
Kritisch wird es immer, wenn einer von beiden dann eben auch die Kinder instrumentalisiert und nutzt.
Zum Beispiel in Form von, wenn du dich trennst, dann werde ich alles dafür tun, dass die Kinder mich am liebsten mögen und die Kinder nur bei mir sein wollen.
Und das möchte ja auch keiner von sich sagen. Ich finde, das ist auch etwas, was häufig mit Scham belastet ist.
Viele sagen ja auch so einer gewissen Stärke, wenn ich nicht mehr glücklich bin, dann gehe ich halt.
Aber dann zu sagen so, aber ich kann nicht gehen innerlich, ist ja auch etwas, was einfach auch ein Gefühl von Scham ist.
Zu sagen, ja, ich bin so schwach, dass ich nicht gehen könnte.
Letzte Woche haben wir darüber gesprochen, wie man das Bewusstsein schaffen kann, um Ängste zu bewältigen, indem man emotionale Verletzungen erkennt und Verantwortung übernimmt.
Das sogenannte Systemgesetz 9, aussprechen und anerkennen, was ist, mit dem man eigentlich in der Beziehung alle Themen gemeinsam bewältigen kann.
Aber natürlich auch so besonders intensive Themen wie Ängste, die man hat.
In dieser Folge wollen wir nun genau darüber sprechen, warum Verlustängste auftreten und wie man ein solides Beziehungsfundament schafft, sodass diese Verlustängste nicht mehr gebraucht werden.
Du bist im Podcast der Lebensidealisten gelandet. Mein Name ist Florian.
Ich bin Ina.
Wir sind Paartherapeuten und Coaches und helfen euch raus aus der Krise hinein in eine dauerhaft glückliche und harmonische Beziehung.
Ja, Verlust.
Trennungsangst ist natürlich ein sehr herausforderndes Thema innerhalb der Beziehung, weil die Beziehung natürlich schon eine ganz wichtige Säule im Leben darstellt.
Auf Sinngebungsebene, aber auch so für die eigene Existenz und dieses Gefühl verlassen zu werden, wenn die Liebe aufhört, das ist innerlich sicherlich für viele gekoppelt an manche Ängste,
die man eben auch in der Kindheit hat.
Da gibt es ja auch Trennungssituationen von den Eltern, die eben sehr schwierig sind, sei es Kindergarten, Schule und andere Momente.
Und da können natürlich dann auch, wenn das prägendere Ereignisse gewesen sind, stärkere Verlustängste entstehen.
Ich würde sagen, bei uns persönlich, ich am Anfang hatte schon ein Stück Verlustangst geprägt aus vorherigen Beziehungen.
Und da gab es ja diesen einen Moment, wo du mir eine Nachricht geschrieben hast, so ganz am Anfang.
Und da hast du mir. Eine SMS geschrieben. Damals war es noch SMS. Es gab doch keine WhatsApp und so weiter. Da gab es auch noch keines. Doch, Smartphones gab es schon.
Aber ich hatte definitiv keins. Also das weiß ich noch.
Wir haben uns 2009 kennengelernt und ich hatte definitiv schon ein iPhone. Denn ich hatte, ich war ja schon selbstständig.
Und ich habe mir gleich dieses erste iPhone gegönnt, das iPhone 1.
Man musste irgendwie um die 400, 500 Euro so zahlen und bei der Telekom einen sehr teuren Vertrag.
Glaube ich mit 99 Euro monatlich oder so abschließen. Das war damals echt viel in dieser Konstellation.
Und dann über zwei Jahre, dass du quasi irgendwie diese zweieinhalbtausend Euro Jahresverträge zwei Jahre hattest und dann 500 Euro oder so einmalig fürs iPhone.
Aber es war. Ich hatte mein Nokia Club Handy und war sehr glücklich.
Ja, das war aber so mit dem iPhone. Da gibt es doch spannende Geschichten zu.
Also da war am Anfang so ein Hype drum.
Da war ein Lehrer in der Klasse. Ich schweife ab, aber ich finde die Geschichte trotzdem irgendwie cool.
Kennen Sie auch schon.
Der hat nicht in seinem Leben ein Handy besessen.
Und als er dann erfahren hat, dass ich das iPhone habe, da hat er so gesagt, Mensch, Florian, darf ich mir das mal angucken? Zeigst du mir das mal?
Der war so interessiert.
Und da hatte ich da irgendwie zwei, drei Freunde um mich herum, die da mit mir das iPhone guckten.
Und dann kamen zwei Mädels rein aus der Klasse, die dann irgendwie nur hörten, dass ein iPhone im Raum ist.
Und dann mitbekamen das Mainzern, die dann kreischten.
Und die waren so, boah, das iPhone, Florian, das ist ein iPhone.
Also wie es damals halt war, wo die Menschen dann irgendwann mal Schlange vorm Apple Store standen.
Also das war krass. Also es gab schon das iPhone, aber es gab noch kein iMessage, weil noch zu wenig Menschen ja iPhones hatten.
Deswegen haben wir per SMS kommuniziert. Und du hast mir eine SMS geschrieben.
Da hast du geschrieben, ich habe mich neu verliebt.
Ich hatte damals schon einen besonderen Sinn für Humor.
Ja, das war sehr, sehr gut.
Das war sehr lustig für dich. Das hat in mir sofort Ängste getriggert.
Und ich habe dich angerufen. Und dann hast du kurz klargestellt, dass du eine Handtasche, nee, einen Schal.
Einen Schal, glaube ich, war das.
Dass du einen Schal entdeckt hast, in den du dich verliebt hast.
Und ich war gerade dabei, mit meinem Klapp-Handy die Nachricht, den zweiten Teil zu schicken.
Ich bin ja nie so schnell gewesen.
Ich wusste ja nicht, dass du die Nachricht sofort liest und da gleich ein ungutes Gefühl entsteht.
Und man hat es auch gemerkt, weil ich war voller Euphorie und war ganz entspannt.
Und in der Innenstadt unterwegs und die Ernsthaftigkeit in deiner Stimme passte nicht zu meinem Shopping-Erlebnis in dem Moment.
Und mir war auch gar nicht klar, dass es bei dir halt dieses Gefühl so antriggert.
Wie auch, ne? Man lernt sich neu kennen.
Das war ja ganz in der Anfangsphase.
Und da muss man ja erst mal nach und nach sich aufeinander einstellen.
Vor allen Dingen ist das ja nicht, in der Anwarnungsphase kommt man ja nicht gleich mit seinen ganzen prägenden Themen um die Ecke.
Und sagt, hey.
Hey, übrigens, ich bin ein totales Wrack.
Aber es hat sogar deinen Vater geprägt, der mir jahrelang später sogar noch erzählte, er war in dem Moment dabei, als du die Nachricht bekommen hast.
Und er gesagt hat, dass du dich erst mal hinsetzen musstest und da erst mal ziemlich überrascht warst.
Und das zeigt das nochmal, wie intensiv so ein Gefühl auch sein kann.
Und es zeigt eben auch, dass solche Späße oder solche Formulierungen, dass die immer dann funktionieren,
wenn das gemeinsame und das einzelne Fundament stabil genug ist.
Und sobald das Fundament nicht stabil genug ist, funktionieren eben Scherze, Ironie, Sarkasmus, funktioniert alles nicht, macht alles ungute Gefühle.
Deswegen ist das immer ganz wichtig, weisen wir auch dann in Terminen mit uns immer auch sofort darauf hin, dass das so ein Modus ist.
Und ich weiß, manche Menschen sind auch gerne witzig und so weiter und fühlen das auch auf Identitätsebene so.
Aber dass man immer sagt, ja, ist in Ordnung.
Aber wenn es um ernste Themen geht.
Wenn es um emotionale Verletzungen geht, dann wollen wir das gänzlich rauslassen.
Aber ich habe das heute noch, also ich kann das sehr gut nachvollziehen, so ein Gefühl von Verlustangst.
Ich hatte damals als Kind eine Angst entwickelt, wenn wir zum Flughafen gefahren sind, um in Urlaub zu fliegen mit meinen Eltern.
Und einfach aus pragmatischen Gründen hat mein Vater, also er ist ja damals gelernter Reiseverkehrsmann gewesen,
gesagt, ich lasse euch am Terminal raus mit den ganzen Koffern und so weiter.
Frau mit zwei Kindern.
Ihr stellt euch in die Halle, könnt da erstmal ein bisschen gucken, ist ja auch spannend so.
Und ich bringe das Auto weg, ohne Koffer, ohne alles, dann komme ich dann zurück.
Und ich fand das immer ein bisschen komisch, dass er mit dem Auto dann weggefahren ist und wir standen dann mit den Koffern.
Meine Mutter war natürlich auch mal so leicht gestresst, wie es halt ist, wenn man am Flughafen ankommt, viele Menschen, hält seine Kinder zusammen,
hast die ganzen Koffer und dann stand man in der Halle und irgendwann so nach, sag ich mal, zwei, drei Urlauben war sie halt so routiniert
und hat dann halt angefangen zu sagen, es ging damals anscheinend irgendwie noch, wir können ja schon mal einchecken.
Und dann konnten wir schon die zum Schalter gehen, die hatte dann ja auch seinen Reisepass dabei und hat dann schon mal eingecheckt
und er kam auch jedes Mal dazu, also wir sind nie ohne ihn geflogen.
Ich hatte ganz große Angst als Kind, ich hatte immer Angst, dass wir eingecheckt sind
oder dass wir uns im Bereich, im Flughafen doch irgendwie verlaufen haben und er uns nicht findet
und wir ohne ihn fliegen müssen oder er Angst hat, dass er uns nicht findet.
Also es war so eine unangenehme Situation, da hat sich bei mir als Kind alles zusammengezogen bis zu dem Moment, wo er da war
und dann fing für mich an.
Und dann fing für mich erst der Urlaub an und ich habe auch immer gefragt, ob wir das nicht lassen können,
ob wir das nicht so machen können, dass wir alle, ich ziehe mit dem Koffer und dann steigen wir alle beim Auto aus
und gehen dahin, um dieses Gefühl von Trennung in dem Moment einfach zu umgehen.
Und für meine Eltern, die haben das damals nicht sehen können, die Angst bei mir
und hatten halt diesen Pragmatismus von, nee, das ist viel zu kompliziert, wir machen das, wie wir es immer machen.
Und das habe ich aber spannenderweise nochmal gemerkt, als wir das erste Mal mit unserer Familie, also mit unserem Sohn,
Urlaub geflogen sind.
Wir haben das jetzt nicht so gemacht.
Ich meine, das muss man auch sagen, ist ja auch schon Jahre her.
Jetzt ist das ja auch viel komplizierter mit kurz halten und den Wagen wieder wegbringen und sonst was.
Jetzt ist auch alles ja ziemlich easy.
Mehr Parkplätze und so weiter.
Aber trotzdem so, dass ich die ersten Male gedacht habe, so war das also als Kind.
Ich glaube, ich hätte jetzt kein Problem, wenn wir es so machen würden, wie meine Eltern das gemacht haben.
Aber ich bin ja jetzt auch nicht mehr in der Kinderposition, sondern in der Erwachsenenposition.
Aber ich kann das schon sehr nachempfinden.
Man muss ja auch immer die individuelle Situation sehen, dass es ja als Kind ist ja diese Flughafenhalle auch nochmal viel gigantischer,
als wenn man als Erwachsener schon fünf oder zehn Mal da durchgelaufen ist.
Dann weißt du ja ungefähr, wo alles ist.
Aber als Kind ist es ja viel riesiger.
Genauso auch diese neuen Parkhäuser in Hamburg, die es gibt.
Ich meine, dieses Gefühl, wie findet denn mein Vater jetzt wieder zurück und findet er den Weg?
Das ist die richtige Verlustangst.
Wo geht es längs?
Wir verlieren uns.
auch heute, dass du eine
eine ausgeprägte Schwäche hast, dich irgendwo zurechtzufinden.
Ob das mit einem Navigationssystem geht,
aber wenn das Auto irgendwo geparkt ist,
dann ist das schon gut, wenn unser Sohn dabei ist
und dir später sagen kann, wo es geparkt war.
Definitiv, ja.
Sich zurechtzufinden ist jetzt nicht deine Stärke.
Und das macht natürlich vielleicht auch was,
wenn du dieses räumliche Denken,
keine Karte im Kopf hast, wo du weißt, wo alles irgendwie so ist.
Kein Schlafentzug, wir sind nachts aufgestanden und früh geflogen.
Das war auch alles aufregend.
Und ich glaube, das steckt in uns Menschen auch häufig drin,
so eine gewisse normale Verlustangst.
Wir hatten es letztens auch, da waren wir in Hamburg
mit unserem Sohn unterwegs und wollten in ein Kaufhaus da reingehen
und hatten zu ihm gesagt, jetzt geht es links oder so.
Und er hat uns nicht gehört und lief geradeaus weiter,
wirklich nur ein, zwei Meter.
Und dann hast du ihn gerufen und er hat sich so erschrocken,
hatte so Angst, dass er schon viel weiter ist
und dass er uns hätte verlieren können.
Und wir auch super viele Menschen unterwegs sind.
Ja, es war sehr voll.
Und das ist dann ja sowieso als Hochsensibler für ihn sehr schwierig,
da so in diesen Menschenmengen mit den ganzen Reizen zurechtzukommen.
Er ist dann da voll beschäftigt
und da musste ich erst mal kurz einmal drehen,
bis er uns dann wieder entdeckt hat.
Dann musste er kurz den Schreck verarbeiten
und dann ging es auch wieder so.
Nun geht es bei uns ja mehr um so eine Trennungsverlustangst,
die nachher im Laufe einer längeren Beziehung
besteht, wo dann vielleicht Krisen, Konflikte, Streit,
emotionale, körperliche Distanz dazu führen,
dass diese Sorgen entstehen.
Nicht selten ist das ja so am Kreislauf gemündet.
Also bei dem Mann entstehen typischerweise immer mehr Sorgen,
wenn die körperliche Nähe nachlässt,
weil das für viele Männer eben so ein Signal ist,
dass die Beziehung gut läuft,
was auch tendenziell nicht ganz falsch ist,
denn wenn die Beziehung gut läuft,
kann die Frau sich eben gut auf körperliche Nähe einlassen,
während die Frau typischerweise emotionale Verbundenheit,
tiefgründige Gespräche,
Wir-Gefühl braucht,
um sich sicher und stabil in der Beziehung zu fühlen.
Und das ist dann häufig eben so eine Negativspirale,
die in Gang gesetzt wird,
wo manche sich mit arrangieren,
manche arbeiten sich daraus
und andere, die geraten halt in mehr Distanz und mehr Ängste,
je nachdem, wie man eben auch so vorgeprägt wird.
Und der Druck entsteht ja,
wenn die Verletzungen einfach immer mehr werden.
Also wenn man das Gefühl hat,
ich bin so unglücklich,
bin so ein Mangelgefühl.
Ich mag mein Leben nicht mehr so,
wie es ist in der Partnerschaft.
Ich wünsche mir es gern anders,
aber vielleicht besteht auch nicht die Bereitschaft
bei der anderen Person zur Veränderung.
Und ich kann selber auch keine,
also kann im Sinne von Verlustangst,
kann selber nicht eine Veränderung herbeibringen.
Dann ist das natürlich eine totale Paz-Situation,
die mich ja wiederum auch sehr unglücklich machen kann.
Also,
dass ein Anteil in mir drin,
mir selbst,
meinem Glück,
meinem eigenen Empfinden im Weg steht.
Und das wiederum überträgt sich dann ja wieder auf das System.
Also das ist ja ein total frustrierender Moment auch.
Und das gebe ich als Energie dann ja auch bewusst und unbewusst wieder zurück.
Das ist eine Hoffnungslosigkeit,
das Gefühl von,
es ist alles verloren.
Es kann ja auch nicht mehr gut werden.
Viele sagen dann ja auch,
ich habe einfach gar keine Ressourcen mehr.
Ich kann nichts mehr machen.
Ich kann eigentlich gar nicht mehr zur Arbeit gehen.
Ich kann mich nicht gut um die Kinder kümmern.
Ich bin eigentlich gar nicht mehr
der Mensch,
der ich sein möchte,
weil ich so unglücklich bin.
Also viele sagen ja auch so einer gewissen Stärke,
nur wenn ich nicht mehr glücklich bin,
dann gehe ich halt.
Zu sagen,
ja,
ich bin,
sagen ja viele auch,
ich bin so schwach,
dass ich nicht gehen könnte.
Und manchmal ja auch das Gefühl,
das merkt der andere vielleicht und weiß,
ich könnte gar nicht gehen und nutzt das vielleicht dann ja auch aus.
Aber meistens unbewusst.
Genau.
Also meistens nicht bewusst in böser Absicht,
sondern das hat sich ja schon grundsätzlich häufig durch die Beziehung unbewusst gezogen.
Denn wenn einer von beiden eine unverarbeitete Verlustangst mitbringt,
dann ist der meistens auf der Schwertseite nicht so ausgeprägt.
Das heißt,
der setzt weniger Grenzen,
sagt weniger Nein,
steht weniger für sich ein,
sondern ist eher auf der Herzen,
ist auf der Schwertseite sehr bemüht um die Bedürfnisse und Wünsche des anderen,
damit derjenige ja zufrieden ist und keine Trennung ausspricht.
Was natürlich für die andere Person schwierig ist.
Aber gar nicht selten haben wir das ja,
wenn wir Verletzungen auflösen,
dass dann rauskommt,
der andere sagt,
ja,
aber das hast du ja gar nicht gesagt.
Du hast doch gar nicht gesagt,
dass du da gar nicht hinfahren willst in Urlaub.
Warum hast du das denn nicht ausgesprochen?
Ich habe einen Vorschlag gemacht,
aber ich habe das Gefühl,
du stellst mich so da wie ein Mensch,
der alles vordiktiert.
Ja,
zwei Momente finde ich,
wo das nach einer langjährigen Beziehung so ins Bewusstsein kommt,
weil das ja etwas ist,
was immer so unterschwellig mitschwingt,
aber nicht so richtig bewusst ist.
Das eine ist,
wenn die Krise offensichtlich wird
und auch das Trennungsthema potenziell wirklich auf dem Tisch liegt,
entweder weil im Streit einer von beiden sagt
oder der andere sagt,
ich glaube,
es ist besser,
wenn wir uns trennen oder uns scheiden,
dann ist das Thema auf einmal da.
Oder wenn zum Beispiel eine Affäre in Fremdgehen auffliegt
und sozusagen sich ein Konkurrent,
eine Konkurrentin zeigt.
Das ist eben etwas,
was bei vielen so diese ganz akute Verlustangst dann triggert
und die wieder voll aktiviert,
dass die voll da ist,
weil man sich normalerweise über die langjährige Beziehung erstmal meistens,
sag ich mal,
sicher genug fühlte.
Das zweite ist,
dass so die eine Seite,
wo die Verlustangst aktiviert wird,
das andere ist,
dass derjenige innerlich,
einen Verarbeitungsprozess durchlebt,
zum Beispiel in einer Therapie ist,
in einem Coaching ist,
irgendwas in der Persönlichkeitsentwicklung macht
und merkt so,
ich habe mich da ganz schön lange selbst vernachlässigt.
Ich habe lange nicht für mich eingestanden.
Ich habe zu vielem Ja gesagt,
obwohl ich Nein meinte und fühlte.
Und derjenige dann daraus eine neue Stärke,
Selbstbewusstsein hat,
mehr ausgeglichen kraftvoll ist,
also Schwertseite wächst,
Herzseite,
das nivelliert sich aus.
Und auf einmal beginnt derjenige,
seine Meinung klar zu sagen und sagen,
ich möchte das machen
und ich will jetzt auch wieder Sport für mich machen.
Und nein,
dass ich das und das alles alleine übernehmen geht nicht.
Jetzt musst du da was machen.
Und das bringt auf einmal die Beziehung ins Ungleichgewicht.
Und dann merkt auf einmal derjenige,
der eben mit in der Beziehung war,
dass der andere lange Zeit gar nicht so das sagen konnte,
was er eigentlich meinte und die ganze Zeit dachte,
die Beziehung läuft gut,
weil der andere vielen einfach zugestimmt hat.
Und auf einmal merkt die Beziehung lief nur für ihn empfunden,
oberflächlich gut,
aber eigentlich nicht so wirklich.
Das sind also die beiden Hauptsituationen,
die wir in Coachings kennen.
Oder kennst du noch eine dritte?
Ich erlebe das in Coachings immer häufig,
dass man so einen Punkt kommt,
also dass manchmal beiden das gar nicht so klar ist,
dass jemand so eine Verlustangst hat,
wo dann eigentlich sagt,
ja, einer sagt,
ich muss Klarheit finden und die andere Person dann eher so über Dritte das sagt.
Also,
sowas hatte ich schon mal,
wie meine Freundin sagt,
dass viele Menschen sich in dem Moment ja trennen würden,
wenn sie an meiner Stelle wären,
aber dann ja nicht klar gesagt wird,
ich möchte mich trennen,
aber trotzdem hervorgebracht werden möchte,
dass das schon ganz schön viel Last ist
und da so ein bisschen drum herum gesprochen wird
und man das einfach dann die Fragestellung entsteht,
aber könntest du dich denn trennen?
Wäre das denn eine Variante für dich überhaupt im Kopf?
Und dann häufig davor kommt so,
ja, weil da sind Ängste auch manchmal Ängste aus der Beziehung.
Also wir haben jetzt ja viel über die Verlustangst gesprochen,
die man, sag ich mal, mitbringt vielleicht,
aber es gibt ja auch Verlustangst,
die entsteht in der Partnerschaft,
wenn Sätze halt fallen manchmal,
wie wenn du gehen würdest,
dann wirst du nicht mehr glücklich werden,
du machst das Leben der Kinder damit kaputt
und dann einfach auch diese Verlustangst von,
ja, dann habe ich aber wenigstens das berechenbare Leid,
was ich kenne
und ich kann mich nicht trennen,
weil ich Angst habe,
dass das, was gesagt worden ist, eintrifft.
Ja, da kommt manchmal dann noch nicht nur der Verlust in der Partnerschaft dazu,
sondern auch Verlust der Kinder.
Ich finde besonders kritisch wird es immer,
wenn einer von beiden dann eben auch die Kinder instrumentalisiert und nutzt,
zum Beispiel in Form von,
wenn du dich trennst,
dann werde ich alles dafür tun,
dass die Kinder mich am liebsten mögen
und die Kinder nur bei mir sein wollen.
Das sind so Dinge so, wo,
also das macht auch wieder jemanden,
normalerweise nicht aus einer bösen Absicht heraus,
sondern das sagt typischerweise der,
der eben die Verlustangst hat,
weil der möchte dem anderen quasi die Trennung so schwer wie möglich machen.
Also wie kommt das zustande?
Normalerweise ist es so,
ich trenne mich dann,
wenn das vorgestellte Leid durch die ausgelöste Trennung niedriger ist,
als das Leid in der Beziehung zu bleiben,
dann trenne ich mich.
So, das heißt, jetzt gibt es zwei Optionen.
Um das zu verändern,
entweder sorge ich dafür,
dass das Leid in der Beziehung weniger wird
und die Beziehung wieder zufriedener wird.
Dann ist der Gap wieder so groß,
dass man sagt,
nee, dann macht Trennung keinen Sinn,
weil es ist so viel zufriedener in der Beziehung da.
Wenn der Weg aber nicht funktioniert
und dass derjenige,
der unter Verlustangst leidet,
unbewusst spürt,
dann kann der zweite Weg sein,
den Schmerz der Trennung zu erhöhen,
damit dann die leidvolle Beziehung
trotzdem wieder einen großen Gap hat,
zu der viel schmerzvoller gewordenen Trennung im Gefühl,
weil du verlierst dann nicht nur mich, ich nehme dir das Haus, die Kinder, alles wird sein, wir werden nie wieder und das wird nie wieder glücklich und dann, okay, Schmerz hoch, hoch, hoch, hoch, okay, ich trenne mich doch nicht.
Und das ist nicht böse gemeint, das wirkt zwar so und das ist nicht schön, was da passiert, aber das sind Hilfsmaßnahmen, ich habe Angst und ich will auf keinen Fall, dass diese Trennung eintritt, ich tue alles, um das zu verhindern.
Naja, so extreme Aussagen sind ja immer eigentlich und was heißt immer, aber sehr, sehr, sehr häufig ein Anzeichen von absoluter Überforderung und Hilflosigkeit.
Da schlägt ja jemand verbal dann komplett um sich einfach aus kompletter Verzweiflung, weil jedem ist ja klar, der eine verantwortungsvolle Elternschaft hat, dass es nie gut ist, die Kinder auf eine Seite zu ziehen.
Und dieser Gedanke kommt meist dann auch in einem klaren Moment dann wieder, aber das Basisgefühl schießt dann so krass hoch.
Und das Denkgefühl.
Dafür setzt dann aus, dass so eine Aussagen getätigt werden und die machen einfach sehr vielen Menschen ganz doll Angst.
Das heißt, wenn ihr an so einem Punkt vielleicht steht und euch in dieser Folge wieder findet, dann meldet euch sehr gerne bei uns fürs Telefonscherstgespräch.
Das ist sicherlich ein Punkt, in dem es sehr herausfordernd wird, ohne externe Unterstützung durch diese Phase gut durchzukommen, beziehungsweise man geht dann diverse Wege und nimmt viel Leid in Kauf, was vielleicht gar nicht sein müsste.
Wenn man den konstruktiven Weg mit Begleitung und Erfahrung sucht.
Ja, wie kann man sich dem Ganzen annähern?
Wie kann man dort vielleicht Lösungswege gehen?
Zunächst mal ist natürlich immer gut, wenn ich die emotionalen Muster verstehe und die Verlustangst als solche benennen und anerkennen und annehmen kann.
Und so gut wie alle Ängste, alle Themen, die wir in uns tragen, die wir als belastend empfinden, sind durch emotionale Verletzungen entstanden.
Das heißt, normalerweise gab es.
In der Vergangenheit emotionale Verletzungen, die dazu geführt haben, dass so eine Angst entstanden ist.
Und da kann man sich alleine zum Beispiel für sich selber schon mal auf die Suche machen.
Was kann das ausgelöst haben?
Also das kann ja innerhalb der Beziehung, wie wir sagten, passieren, aber halt auch davor.
Also mit anderen Bezugspersonen oder anderen Situationen im Leben.
Das heißt in der Familie, Kindheit, Jugend, eine Ausbildung, andere prägende Lebensereignisse.
Menschen haben das auch manchmal, wenn sie.
Manchmal Ereignisse mitbekommen haben, erlebt haben, Katastrophen.
Und da geht es darum, das mal zu analysieren.
Wo kommt das denn her?
Also selber so sich auf den Weg zu machen.
Also wie du sagtest, das anzuerkennen, das anzunehmen.
Ich habe das und ich möchte da jetzt rangehen ans Thema.
Das braucht natürlich eine eigene Motivation auch, die man sehen sollte.
Und wo kommt das her?
Also welche Verletzungen in meinem Leben zahlen sozusagen auf diese Art von Muster in meinem Leben ein?
Und dazu muss man auch sehen, dass die Verlustangst nicht die.
Beziehung sichert, sondern die Beziehung gefährdet und dass das Lösen so eine Angst eben nicht dazu führt,
dass dann der Weg der Trennung auf einmal frei ist und auch gegangen wird,
sondern dass man eher dadurch Druck aus der Beziehung rausnehmen kann und dadurch die
realistische Chance entsteht, die Beziehung in eine zufriedene Richtung zu führen.
Das ist auch manchmal gar nicht so einfach, sich alleine auf die Ursachen Suche zu machen,
weil das kann manchmal komplexer sein oder
Ursache Wirkung hängen so zusammen, dass man das ja ohne Erfahrung schwer herausfinden kann.
Man kann das probieren und kann auch schauen, ob man damit zurechtkommt.
Aber je nachdem, wie intensiv und stark die ist, macht das eben wirklich Sinn,
auch da sich Unterstützung zu suchen.
Wenn ich jetzt schaue, bei mir ist das eine Kombination aus erst mal den Vorfahren.
Das heißt, das ist schon im Gen Pool bei uns drin.
Denn wenn man jetzt mal so auf meine Familien Seite guckt, dann kann zum Beispiel fast keiner Verluste vernünftig
verarbeiten. Also alle, alle hängen über Jahre und Jahrzehnte in Trauer drin, um diese Verluste.
Also die Verluste werden nicht richtig verarbeitet.
Und das haben alle, alle, alle Tanten und Onkel auf der einen Seite.
Und jetzt fragt man sich natürlich, wenn man jetzt nichts wissen hat, wie zeigt sich das?
Und ich finde das super spannend zu sehen.
Zum Beispiel bei deiner Familie zeigt sich das ganz viel, wie du sagst, der Trauer.
Also wenn ein Mensch stirbt, dass da ganz viele sehr stark da an dem Punkt festhängen und
jetzt aufs Leben bezogen, merkt man das halt häufig mit Statusmeldung, Post oder so.
Also die hängen sehr stark in der Erinnerung drin.
Also nicht ein, zwei Jahre, sondern Jahrzehnte.
Ja, so dann, dann, dann ist das eh schon mal angelegt.
Irgendwie so.
Dann ist, als ich Jugendlicher war, mein Opa plötzlich verstorben, ohne dass mir das mitgeteilt wurde.
Also quasi das war bekannt, dass er bald, bald verstirbt.
Aber das wurde uns Kindern nicht gesagt, sondern das sind so Dinge, die lösen.
Die lösen dann was aus.
Dann hast du nochmal andere Erfahrungen, die das bestärken, weil man natürlich dann schon
mit so einer Verlustbrille auch durch die Welt geht.
Das heißt, jede Trennung, alles das, was sonst so passiert, löst das sofort aus und bestätigt
diese Angst.
Und dann braucht es eben, dass man in dieser Kette möglichst alle Bestandteile angeht und
löst.
Und dann kann man sich da auch entspannen und das Thema loslassen.
Und da alleine an diesem Punkt natürlich ranzukommen, weil man natürlich emotional selber auch
stark involviert ist, ist manchmal gar nicht so leicht.
Und ich muss sagen, es gibt wenige Sachen, wo ich sagen würde, das ist, das kann man nicht
alleine im ersten Schritt so ein bisschen für sich angehen.
Aber ich finde so eine Angst und das wäre bei uns ja auch zum Beispiel ein Einzelcoaching-Thema.
Da ist es wirklich ein absoluter Booster, jemanden an der Seite stehen zu haben, der mit einem
das durchgeht, der noch immer die Brille von außen hat und sagen kann Okay, schau noch mal
hier rauf, wie war das für dich da?
Und da war alles gut.
Und
weil man sich noch mehr auf den Prozess innerlich einlassen kann, weil man diesen Rahmen vorgegeben
bekommt.
Und weil man auch wirklich dahin geht, wo die Ursache liegt, weil das ist das häufige Problem bei der
Angst, dass man natürlich genau davor ja Angst hat und entsprechend das meidet.
Und wenn man da geführt und begleitet wird, dann geht man da wirklich hin, löst das Ganze, hat aber
auch eben so einen gewissen Sicherheitsanker, dass, wenn man da zu stark getriggert wird, jemand auch
da ist, der aus dem Gefühl wieder raushilft und so weiter.
Ja, das nächste ist, dass man den Kommunikationsansatz findet, gemeinsam als Paar, dass man offene und
ehrliche Gespräche über die Gefühle miteinander führt, ohne Vorwürfe und der andere das eben auch
anerkennen kann.
Dazu bekommen bei uns zum Beispiel alle Paare, die bei uns sind, einen Gesprächsleitfaden und eine
Gesprächscheckliste mit, die man so übergangsweise erst mal nutzen kann, bis man sich in diesem Modus
recht automatisiert wieder zurecht gefunden hat.
Weil dieser Austausch über die echten Gefühle, also über die tiefsten Gefühle, die man in sich hat, ist auch
wichtig, um ein starkes Beziehungsfundament zu haben.
Und das ist halt die Frage: Kann ich das in der Partnerschaft?
Also ist das zwischen uns, das Fundament, so stark auch, dass ich meine Ängste äußern kann?
Oder muss ich sozusagen das Fundament in der Partnerschaft erst mal stark genug machen, um das auch äußern zu können?
Weil ganz viele werden natürlich sagen: Wir haben so viel Konflikte.
Jetzt mag ich nicht mit meiner Angst, meiner Verlustangst kommen, weil ich habe Angst, wiederum dann verurteilt zu werden.
Weil ganz viele werden natürlich sagen: Wir haben so viel Konflikte, jetzt mag ich nicht mit meiner Angst, wiederum dann verurteilt zu werden.
Oder dass mir das irgendwie nachteilig nachher ausgelegt wird.
Und dennoch ist es wichtig, dass man auch darüber in der Partnerschaft sprechen kann.
Man macht sich natürlich damit verletzlich, aber es ist ein wichtiger Punkt und nichts, was man so nebenbei heimlich für sich klären sollte.
Sondern es sollte, wenn es innerlich jetzt nicht geht und jemand sagt: Das kann ich in der Partnerschaft nicht klären, wieder ein Signal sein zu sagen:
Ja, da muss ich aber auch an die Themen der Partnerschaft ran, weil das ist wichtig, dass wir darüber sprechen.
Jetzt hast du echte Gefühle benannt. Da können wir mal kurz darauf eingehen, was denn echte Gefühle nun sind.
Denn daran scheitert es ja schon häufig, dass man sich empathisch nicht gut genug versteht bzw. nicht gut genug auf den anderen eingehen kann.
Da wir sehr häufig in Schlussfolgerungen statt in echten Gefühlen sprechen.
Also Menschen sagen eher sowas wie: Ich habe das Gefühl, du distanzierst dich von mir. Ich habe das Gefühl, ich werde nicht gesehen und so weiter.
Das sind aber alles Schlussfolgerungen. Das ist wie, wenn man zum Arzt geht und sagt: Ich bin krank.
Das ist kein Gefühl, das ist eine Schlussfolgerung aus den Gefühlen, die ich habe. Schlussfolgere ich, dass ich wohl krank sein muss.
Das heißt, wir brauchen echte Gefühle. In der ersten Stufe, Basisgefühl 2, wäre das eben zu sagen: Ich habe Angst.
Oder beim Arzt zu sagen: Ich habe Schmerzen. Das wären dann schon mal Gefühle, die reichen aber nicht aus.
Weil wenn jemand Verlustangst nicht kennt, dann weiß er nicht, wie es sich anfühlt.
Und selbst wenn beide Verlustangst haben, dann würde man immer davon ausgehen, dass der andere genauso fühlt wie man selbst.
Aber die Gefühle können völlig anders sein. Weil Angst ja auch ein Begriff ist, der genutzt wird zum Beispiel für klitzekleine Sorge bis Todesangst.
Aber was davon ist es nun und wie fühlt es sich an? Und selbst Todesangst fühlt sich wieder für jeden anders an.
Das heißt, wir brauchen Basisgefühl 1. Das, was wir auch nutzen, um dem Arzt zu beschreiben, wie wir uns wirklich fühlen.
Das heißt, wir brauchen Basisgefühl 2. Nämlich, ich habe Schmerzen. Schmerzen im Bauch. Hier oben zeige ich hin, das fühlt sich so an, als würde das da drinnen richtig stechen.
Das passiert so und so. Und ich habe auch schwitzige Hände, zittrige Knie.
Und das kann man beschreiben und dann versteht der Angst, was man meint.
Jetzt würde der Arzt natürlich nochmal abtasten und dadurch verstehen, wie stark ist der Schmerz wirklich, um weitere Maßnahmen abzuleiten.
Wir können das eben kommunizieren.
Genau, wie in einer Partnerschaft, dass man sagen würde, immer wenn du die und die Aussage bringst, merke ich, mein Puls geht höher, ich kriege feuchte Hände, ich habe das Gefühl, es wird alles eng auf der Brust.
aus dem Raum raus oder was auch immer.
Und das ist meistens deutlich verständlicher für eine andere Person.
Weil gerade beim Begriff Angst,
wenn jemand noch nie mit Angst in seinem Leben zu tun hatte,
dann wird er nicht gleich darauf kommen,
dass man Herzklopfen bekommt, feuchte Hände, Zittern,
Kreislaufprobleme im Gefühl von, oh, mir wird schummrig.
Wobei eher selten ist, dass jemand noch nie mit Angst zu tun hatte,
aber wahrscheinlich noch nie mit dieser einen Angst.
Genau, dass man in dem Moment von einer Aussage Angst bekommen könnte.
Manche Leute kennen ja eher Angst zu sagen,
wenn ich jetzt dicht an der Autobahnbrücke stehe,
dann geht das jetzt mal ein bisschen schneller.
Weil ich könnte mir vorstellen, es ist nicht so geil,
wenn man hier runterfällt oder jemand mich jetzt schubsen würde.
Das ist irgendwie noch so für Menschen logisch.
Ja, und es nimmt dem Ganzen ein bisschen den Raum,
darüber zu diskutieren und das abzulehnen.
Weil wir brauchen ja aussprechen, was ist, und anerkennen, was ist.
Und da gehen häufig bei Schlussfolgerungen die Probleme los.
Wenn du sagst, Mensch, ich habe mich da
in den letzten Wochen nicht von dir gesehen gefühlt,
bei der und der Herausforderung, und fühlte mich da alleine.
Dann sage ich: Wieso? Ich sehe dich doch.
Du sitzt doch vor mir.
Und ich habe doch das und das und das gemacht und dir geholfen.
Dann bin ich dazu verleitet, zu beweisen, dass deine Unterstellung,
ich würde dich nicht sehen, nicht passt.
Also ich bin in einer Beweislast auf einmal in meinem Gefühl.
Ja, oder noch härter, dass ja auch häufig
Menschen sagen: Ja, aber das macht ja gar keinen Sinn.
Das stimmt ja gar nicht.
Kann ich mir nicht vorstellen, dass man deswegen Angst hat.
Das ist mal ein Beispiel, ein Erstgespräch.
Wenn du sagst, dass du Angst vor Spinnen hast,
ist das für mich rational gesehen vollkommener Schwachsinn.
Warum kann man Angst vor Spinnen haben?
Die haben Angst vor uns. Das ist Blödsinn.
Aber wenn du mir beschreibst, was das in dir körperlich auslöst,
dann ist das zwar weiterhin rational für mich Blödsinn.
Aber ich weiß ja, dass Ängste eben irrational sind und nicht rational.
Das heißt, wenn du mir es beschreibst, weiß ich, wie du dich fühlst und kann das ernst nehmen.
So, und das ist eben genau das, was da gebraucht wird.
Wenn der eine unter einer
Verlustangst leidet und bestimmte Verhaltensweisen, Sätze und so weiter das
triggern, dann macht es Sinn, eben auch wirklich auf Basisgefühl 1 zu gehen.
Das macht eigentlich in allen Lebenslagen Sinn.
Und dem anderen zu beschreiben, welche körperlichen Symptome das auslöst,
sodass der andere das empathisch nachvollziehen kann.
Das ist nur gänzlich gegen unseren Modus, den wir sonst erlebt haben.
Wir haben typischerweise, als es darum ging,
rauszukommen als kleine Kinder, ich bin wütend und schlag um mich, hin zu:
Ich rede über meine Wut.
Diesen Transfer haben wir meistens nicht beigebracht bekommen, sondern uns wurde
gesagt, dass wir Wut nicht haben sollen, dass wir nicht traurig sein müssen.
Das heißt, uns wurde eher gezeigt: Das Gefühl soll nicht da sein.
Das Gefühl ist nicht gut.
Das Gefühl schiebt das beiseite.
Und das ist unser Modus, den wir eher kennen.
Deswegen fällt uns das eher schwer, so detailliert über unsere Gefühle zu sprechen.
Sieht man ja zum Beispiel auch an Handlungsweisen wie Geschenken, die kurzfristig
einen Effekt da manchmal auslösen.
Dass man sagt: Okay, dir geht es ja nicht so gut.
Ich habe dir was mitgebracht.
Ja, das ist nett gemeint.
Aber bei Menschen, die Angst haben, wird es die Angst nicht lösen.
Oder es wird nur kurzzeitig vielleicht so ein Gefühl von Wertschätzung und Anerkennung machen.
Aber das kann halt auch eine Enttäuschung machen, dass man sagt: Okay, du dachtest du
wirklich, dass ich durch diese Aufmerksamkeit, dass das andere deswegen weg ist?
Das wäre ja einfach.
Und das aber gar nicht, auch da wieder nicht eine böse Absicht
hinter, sondern einfach auch eine Hilflosigkeit zu sagen.
Vielleicht auch eine Sprache der Liebe.
Okay, ich bring dir was mit und dann ist doch auch wieder gut.
Weil das ist so ein typisches Erziehungsmuster, was wir viele haben.
So mal, wir pusten die Angst raus aus dem Fenster oder du kriegst ein kleines Geschenk.
So einfach ist es halt nicht.
Man kann sich das immer mit der körperlichen Ebene eben auch super gut vorstellen.
Also diese nette Geste ist ja gut.
Die darf auch gerne sein.
Nur es ist eben nicht die Lösung des Gefühls.
Das ist eben immer wichtig zu wissen.
Also man kann sehr gerne natürlich die
Aufmerksamkeit, die Geste mitbringen, mit dabei haben.
Aber es ist nicht die eigentliche Lösung des Problems, der Ursache des Gefühls.
Und auf der körperlichen Ebene kann man das gut sehen.
Wenn du einen komplizierten Beinbruch hast
und deswegen im Krankenhaus liegst und ich komme vorbei und bringe dir Blumen mit
und eine Schachtel Pralinen, ist dann das Bein auf einmal heil?
Nein.
Also daran zeigt sich schon, das ist eine nette Geste, eine Aufmerksamkeit, es liefert
Anerkennung, Wertschätzung, aber es löst nicht das eigentliche Problem.
Und das ist eben bei emotionalen Verletzungen und Themen auch so.
Das ist nett, wenn ich dir Blumen mitbringe, weil ich irgendwie
dir eine emotionale Verletzung durch mein Verhalten zugefügt habe.
Aber das löst die Verletzung nicht.
Das heißt, ich kann Blumen mitbringen und sagen Hey Ina, ich habe gemerkt, dass das
heute Morgen mein Verhalten anscheinend nicht gut war.
Ich glaube, ich habe mit dir irgendwelche Gefühle ausgelöst.
Wie fühlst du dich? Was hat das mit dir gemacht?
Und dann fängt das an.
Dann geht es an die Ursache ran.
Dann kannst du sagen, wie du dich fühlst.
Ich kann dein Gefühl empathisch nachvollziehen, kann dir aussprechen, dass
mir das leid tut und ich diese Gefühle in dir auslösen wollte und kann dir helfen,
dieses Gefühl zu verarbeiten und dann ist das gut.
Aber wie du schon sagst, wenn ich nur Blumen
hinstelle und sage, damit ist das wieder gut, dass ich dich verletzt habe.
Das legitimiert das.
Hier Blumen, hör jetzt auf wütend zu sein.
Das wird dich noch wütender machen. Oder wenn du traurig warst.
Noch trauriger.
Das heißt zusammenfassend so ein Thema wie Verlustangst, wenn das auftritt, wenn man
merkt, man kann sich deswegen von einer Person nicht trennen oder man kann kein
Getrennungsgedanken zulassen, ist ja auch eine Sache, ob man sich dann, wenn der
Gedanke von Verlustangst weg ist, überhaupt trennen möchte.
Aber ich habe dann halt die Range von
Entscheidung wieder offen und kann dann frei entscheiden.
Und das macht ja auch wieder ein Gefühl von Leichtigkeit im Leben und von
Selbstbestimmung, dass ich das selber bestimmen kann für mich, was ich möchte.
Und da braucht es halt ja einen Weg hin.
Wir können das ganz schnell prüfen, ob das innerlich geht oder nicht.
Nämlich mit den KDW Fragen können, dürfen und wollen.
Das heißt, eine Beziehung sollte dadurch
aufrechterhalten sein, dass man sich nicht trennen will.
Das ist ums Wollen geht.
Man will zusammenbleiben und jetzt geht es ums Können und ums Dürfen.
Das Dürfen wäre, so habe ich innerlich die Erlaubnis, mich zu trennen.
Häufig etwas, was innerlich geprägt ist
durch Eltern, Vorbeziehungen und so weiter.
Also ein Beispiel, wenn man sich das innerlich nicht erlaubt, nicht darf, ist,
wenn man selber Scheidungskind geworden ist.
Die Eltern haben sich getrennt und man
selber hat das als sehr schmerzvoll und prägend in Erinnerung.
Und er legt sich quasi selbst auf.
Ich will niemals, dass meine Kinder Scheidungskinder werden.
Dann erlege ich mir auf, dass ich mich nicht mehr trennen darf.
Die Option fällt also weg.
Das zweite ist das Können. Kann ich mich trennen?
Also habe ich die
Fähigkeiten, die Ressourcen, das Wissen, alles, was so gebraucht wird,
also finanziell und so weiter, also kann ich mich trennen.
Und das Können und das Dürfen, das sollte zur Verfügung stehen.
Da sollte ich einen Haken dran machen und sagen: Ich kann mich trennen.
Ich darf mich trennen.
Und beim Wollen sollte ein: Ich will mich aber nicht trennen stehen.
Dann ist das typischerweise gut.
Wenn da aber zum Beispiel wäre: Ich kann mich nicht trennen.
Ich darf mich trennen und ich will mich auch trennen.
Aber ich mache es nur nicht, weil ich es nicht kann.
Dann passt da irgendwas nicht.
Und das wäre eben auch bei Verlustängsten so.
Bei Verlustängsten greift das mal mehr auf dem Dürfen, mal mehr auf dem Können, aber
nicht beim Wollen eben.
Und Wollen zeigt eben genau diese Freiwilligkeit.
Wir sind in der Beziehung, weil wir uns lieben, weil wir uns gern haben, weil wir uns gut tun.
Und deswegen kann man das mit dem KDW, finde ich,
sehr gut für sich selber abprüfen, wo man da steht.
Wir freuen uns, dass du so lange bei dieser Folge jetzt dabei warst, bis zum Ende zugehört hast.
Wenn dich dieses Thema betrifft und du merkst beim KDW, dass eher beim K und beim D
kein Haken dran ist und du diese innere Freiheit nicht verspürst und an den Themen
arbeiten möchtest oder ihr gemeinsam merkt, dass eure Beziehung in einer Krise ist und
Verlustängste andere Themen damit hineinspielten und ihr möchtet ganz gerne
Klarheit für euch bekommen, zum Beispiel erstmal schauen: Könnt ihr die Beziehung
wieder in eine positive, stimmige Richtung für euch beide entwickeln?
Dann meldet euch sehr gerne bei uns fürs Telefon.
Es ist ein fantastisches Erstgespräch und wir schauen gemeinsam, ob wir euch optimal
in eurer Situation unterstützen können. Bis bald.
Bis dann.
Podcast Summary
Key Points:
Verlustängste entstehen oft aus frühen Erfahrungen mit Trennung oder Verlust, wie z. B. bei Flugreisen oder Elternseiten, und werden durch emotionale Verletzungen verstärkt.
Der Mensch auf der Herzseite neigt dazu, die Bedürfnisse des anderen zu erfüllen, um Verlustangst zu vermeiden, was zu einer ungleichen Beziehung führt.
Ängste werden durch körperliche Symptome wie Herzrasen oder feuchte Hände sichtbar, sodass ein echtes Verständnis für Gefühle möglich wird.
Verlustängste sind besonders kritisch, wenn Kinder instrumentalisiert werden, um die Trennung zu verhindern.
Die Lösung liegt nicht im Verlassen, sondern im Erkennen von Ursachen, Erkennen von emotionalen Muster und dem Aufbau eines stabilen Beziehungsfundaments.
Offene, ehrliche Gespräche über echte Gefühle statt Schlussfolgerungen sind entscheidend, um Vertrauen und Verständnis zu schaffen.
Die Freiheit, sich zu trennen (KDW-Prinzip), wird oft durch frühe Lebenserfahrungen eingeschränkt und muss bewusst entwickelt werden.
Unterstützung durch Coaching oder Therapie hilft, Angst zu verarbeiten und eine gesunde, selbstbestimmte Beziehung zu erreichen.
Summary:
Verlustängste in der Beziehung stammen oft aus frühen, traumatischen Erfahrungen wie Trennungen von Eltern oder Flugreisen, bei denen ein Gefühl der Verlassenheit entstand. Derjenige auf der Herzseite versucht, die Bedürfnisse des anderen zu befriedigen, um eine Trennung zu vermeiden, was zu einem ungleichgewichtigen Beziehungsfeld führt. Diese Angst wird durch körperliche Symptome wie Herzrasen oder zittrige Hände sichtbar, was eine bessere Kommunikation ermöglicht.
Kritisch wird es, wenn Kinder als Instrumentalisierung zur Trennung genutzt werden. Der konstruktive Weg zur Lösung liegt nicht in der Flucht, sondern im Erkennen der Ursachen, der Entwicklung von emotionaler Intelligenz und der Aufbau eines stabilen, offenen Beziehungsfundaments. Offene, wahrheitsgemäße Gespräche über echte Gefühle statt Schlussfolgerungen fördern Vertrauen und gegenseitiges Verständnis.
Ein zentrales Prinzip ist das KDW-Modell: Wollen (ich will zusammenbleiben), Können (ich kann mich trennen) und Dürfen (ich darf mich trennen). Diese Freiheit wird oft durch frühe Erfahrungen wie Scheidungskindheit eingeschränkt und muss bewusst und mit Unterstützung entwickelt werden. Der Weg zu einer gesunden Beziehung erfordert Selbsterkenntnis, emotionale Verarbeitung und gemeinsame Verantwortung – und kann durch Coaching oder therapeutische Unterstützung effektiv unterstützt werden.
FAQs
Verlustangst entsteht, wenn jemand Angst vor der Trennung hat, oft aus frühen Erfahrungen wie Trennungen bei den Eltern oder durch emotionale Verletzungen in der Kindheit. Diese Angst wird durch Ereignisse wie Konflikte, Distanz oder die Erwartung, dass die Beziehung endet, ausgelöst.
Derjenige, der stark von Verlustangst geprägt ist, setzt weniger Grenzen, sagt weniger Nein und steht weniger für sich ein, um die andere Person zufrieden zu stellen und eine Trennung zu vermeiden.
Emotionale Verletzungen aus der Kindheit oder frühen Beziehungen prägen die Persönlichkeit und führen dazu, dass Menschen besonders sensibel auf Trennungsängste reagieren, auch wenn die Beziehung heute stabil ist.
Eine konkrete Beschreibung von körperlichen Reaktionen wie Herzschlag, feuchte Hände oder Zittern hilft dem Partner, das Gefühl zu verstehen und empathisch darauf zu reagieren, was das Vertrauen in der Beziehung stärkt.
Das ist oft ein Ausdruck von Scham oder Angst vor Verlust, und zeigt, dass der Mensch sich nicht mehr selbst bewerten oder frei entscheiden kann, was ein Zeichen von Hilflosigkeit und mangelnder Selbstwirksamkeit ist.
Die Kinder werden oft als Mittel zur Verhinderung einer Trennung genutzt, zum Beispiel durch Aussagen wie: 'Wenn du dich trennst, dann werden die Kinder mich am liebsten mögen'. Das zeigt eine tiefgreifende Angst vor Verlust und Verstärkung der Beziehung.
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