The transcription delves into the historical development and perpetuation of stereotypes about Bavarians throughout the centuries. Influenced by travel literature, societal perceptions, and political contexts, these stereotypes have evolved from negative portrayals to more positive, romanticized views. The role of tourism, cultural exchange, and self-perception has shaped the image of Bavarians, with a complex interplay between self-representation and external stereotypes. Modern studies indicate a more nuanced and contemporary societal outlook among Bavarians, challenging traditional clichés. The podcast explores the multifaceted nature of cultural identity, highlighting the importance of humor and self-awareness in navigating stereotypes.
Transcription
2734 Words, 18994 Characters
Alles Geschichte. Ein Podcast von Bayern II. Der Bayern, so sagt man, sei ein Widerspänztiger und unfreundlicher Geselle. Mit unter sogar Rauflustiger und Sau-Grop. Das ist natürlich ein böses Vorurteil. Ein sehr altes, so alt wie eine der ältesten schriftlichen Erwähnungen des Stammes. Um das Jahr 565 herum pilgert Venanzius Fortunatus ein norditalienischer Dichter und späterer Bischof zur Vererungstätte des Heiligen Martin von Tour. Bei der Heimreise nach Ravenna wandert er auch durch jenes Gebiet, das wir heute Bayern nennen. Bewohnt wird es von einem Stamm, der damals gerade entstanden ist, den Bayo Waren. Wenn die Straße frei ist und der nicht der Bayo Waren im Wege steht, so zieht dort durch das Gebirge. Schreibt Venanzius in seinem Buch über den Heiligen Martin. Glaubt man dem frühmittelalterlichen Autor, dann waren die Bayo Waren damals eher unfreundliche Leute. Ein bisschen handig und krantig würde man heute auf Beirisch sagen. Und etwas Salopp könnte man behaupten, dass Klischee vom Grom Bayern existiert noch bevor es dem Bayern selbst so richtig gegeben hat. Gehalten hat es sich jedenfalls hartnäckig dieses hetero Stereotyp. So nennt die Sozialpsychologie eine relativ starre, meist vereinfachte, sichtweise auf eine Gruppe. Das eigene Bild, das sich die Gruppe von sich selbst macht, nennt man hingegen Autor Stereotyp. Und auch das gibt es bei den Bayern schon seit fast 1200 Jahren. Um 760 herum, nämlich beschreibt der Freisinger Bischof Arbio seine Stammesgenossen durchaus positiv als hochgewachsen und stark, als ein Volk, das auf nächsten Liebe und Sitte gegründet sei. Der Bischof geht in seiner Bayern-Beschreibung sogar noch weiter, sagt der Buch und Literaturwissenschaftler Reinhard Wittmann. Arbio hat geschrieben, dass eben die Bayern ein sesshaftes und wehrhaftes Volk sind und hat eben dieses Gischee, eben gerade der Sesshaftigkeit mit auch wohl in die Welt gebracht. Aber eine Zutreffnis ist ja, das Problem mit der Klischee ist, manchmal haben sie wahnsinnig recht. Was wohl mit Eingrund dafür ist, dass es sich so hartnäckig halten, diese Klischee. Fast 1000 Jahre nach dem Venanzius Fortunatus den Bayern einen ersten Stempel aufgedrückt hat, schreibt Aventin, der Vater der Bayerischen Geschichtsschreibung, in seiner Bayerischen Kronik aus dem Jahr 1526. Das Bayerische Volk läuft gerne Wahlfahrten, hat auch viele köchliche Aufzüge, bleibt gern daheim und sieht nicht viel zu fällt in fremde Länder. Trinkt sehr, macht viel Kinder. Ist etwas unfreundlicher und eigensinniger, wie es geht bei Leuten, die nicht viel hinauskommen, gern daheim alt werden, wenig Handeltreiben und fremde Länder und gegen den Heim suchen. Ein etwas eigenbrötlerischer Haufen also. Aventinus, der eigentlich Johannes Turmeier-Hies und ein Wirtzohn aus dem niederbarischen Abendsberg bei Kählheim war, kamnte seine Bayern wohl recht gut, also schrieb. Der gemeine Mann sitzt tag und Nacht bei dem Wein, schreit, sinkt, tanzt, kartet, spielt, mag Wertragen, Schweins spieß und lange Messe. Wie aber entstehen solche Klischees überhaupt? Die Münchner Volkskundlerin Nina Gokarell hat Anfang der 1970er Jahre ihre Dissertation über das Bayerische Selbst- und Fremdbild geschrieben. Es ist ja so, dass niemand von uns ohne Vorurteile leben könnte. Keiner kann sich über alle Erscheinungen des Lebens eigene Urteile bilden, das ist gar nicht möglich. Selbstverständlich übernimmt man Urteile, die andere sich gebildet haben. Oft sind diese Urteile sehr griffig, sehr eingängig, um so leichter übernimmt man sie. Und diese Vorteile haben natürlich auch den Vorteil, dass man sozusagen in der eigenen Gruppe, die selben Vorurteile teilt, sich mühlos verständigen kann. Man weiß, wovon man redet, man weiß, worüber man erzählt, worüber man spricht und die Verständigung ist ganz einfach. Manchmal auch allzu einfach. Sind solche Vorurteile aber erst einmal in der Welt, werden sie häufig weiter transportiert. Zum Beispiel durch die Reiseliteratur. Mit Fremdenbeobachtungen im Kopf findet der Reisende dann genau das vor, was er vorher schon gelesen hat. Und der Vergleich des mit dem, was er kennt. Jeder, der ein fremdes Land bereist und sei es auch nur ein anderes Bundesland, der wird sich selber sozusagen zum Maßstab allerdings machen, der wird von sich selber ausgehen. Von dem, was er kennt, was seine vertraute Umgebung ist, wie die Menschen da sind, wie sie da reagieren. Und er wird im Vergleich dazu feststellen, dass andere Menschen in anderen Gegenden anders sind. Und es ist ja eine ganz normale Alltagserfahrung, dass, ja, meinetwegen, die Menschen in Ostfriesland ein bisschen anders sind als die in Oberbayern. Reisen bildet also, verstärkt aber unter Umständen auch Stereotype. Alle Engländer Franzosen und Norddeutschen, die im 18. Jahrhundert auf Kavaliersreise oder zu Bildungszwecken nach Italien führen, mussten erst einmal über die Alpen, sagt Nina Gokarell. Die meisten Schilderungen gibt es deswegen von Bayern und Tirolern. Und man kann das sehr schön beobachten, wie einzelne Beschreibungen nicht nur auf Deutsch immer wiederholt wurden, sondern sogar in Andersprachen übersetzt wurden. Also man kann in französischen Schilderungen wörtliche Übersetzungen von deutschen Autoren finden. Einer schreibt vom anderen ab. Und das Bild vom unhöflichen, unkultivierten und drohen Bayern verfestigt sich immer mehr. Nicht alle Bayern können einen Charakter haben, ein Charakter ist, was sehr individuell ist, was wirklich nur einer Person gehört. Aber es gibt eben bestimmte Züge im Wesen, bestimmte Züge einer Mentalität, die vergleichbar sind in bestimmten Regionen. Diese Wesenszüge, die Nina Gokarell hier erwähnt, sind nicht immer leicht zu fassen. Man könnte sie als Leitmotive eines Volkes bezeichnen oder als kollektive Gefühlslagen. Die werden manchmal von anderen ganz bewusst, verzerrt und weltanschaulich politisch aufgeladen. Zum Beispiel das Zeppelklischee von Bayern, das sich als ein schräger Grundton in die Landesbeschreibungen des 18. Jahrhundertseinistete. Bayern wurde damals vom Protestantischen Norden zum Feindbild Nummer 1 erklärt, zu einer Schande für das aufgeklärte Jahrhundert. Denn dort im Süden hausten angeblich die eifrigsten Katholiten Europas, wie Godte, Abergläubische und hinterweltlerische Untertanen, die von Jesuitischen dunkel Männern am Nasenring durch die Finsternis der Unwissenheit geführt werden. Diese Jesuiten und der Bayerische Kurfürst Karl Theodor verfolgten Ende des 18. Jahrhunderts verbissen den radikalen aufklärerischen Geheimbund der Illuminaten, der an der Ingolstädter Universität sein Zentrum hatte. Im Protestantischen Norden sah man dadurch das Projekt Aufklärung gefährdet. Es begann ein publicistischer Krieg gegen Bayern, seine korrupten Eliten und sein dummes Volk. Besonders aktiv, sagt Reinhard Wittmann, war bei dieser literarischen Schlammschlacht ein Berliner Verleger namens Friedrich Nikolei. Ja, Nikolei war der Muster-Aufklärer aus dem Norden. Man hat diesen konfessionellen Dualismus und die Protestanten waren diejenigen, die quasi Deutschland in die moderne geführt haben. Jedenfalls ihrem Selbstverständnis nach, die Aufklärung, die Aufklärung war schon ein hauptsächlich protestantisches und nördliches Projekt und da war dann der große Widersache oder das große Gegenbild war Bayern. Römisch katholisch und streng Jesuitisch. Aus protestantischer Sicht bedeutete das damals blanken Aberglauben, Menscherei und Bigoterie. Denn neben der Frömmigkeit, die Friedrich Nikolei bei seinem immerhin fünftägigen Aufenthalt in Bayern-Vorfant, erkannt er auch eine Lockerheit der Sitten. Der Umgang, beider Geschlechter ist ziemlich frei. Müsiggang und kräftige Nahrung verführt zu Ausschweifungen und die Bigoterie hindert sie nicht. Die ungeheure Anzahl unehnlicher Kinder ist der offenbarste Beweis davon. So weit Friedrich Nikolei. Sinnenfreue und trinkfreudige Landsleute beschreibt auch Johann Petzl, ein niederbayerischer Schriftsteller und Bibliotheka aus Malastorf. Petzl war ein radikaler Aufklärer, der in seinem Buch Reise durch den Bayerischen Kreis im Jahr 1784 weder Bürger noch Obrigkeit schundte. Die großen des Hofs schreibt Petzl. "Huldigen dem Kirchendienst und dem Luxus" halten sich Haustheologen und Metressen. Besuchen die Hofandachten und Freudenhäuser. Es ist natürlich so, dass die radikalen mehr oder minder radikalen Bayerischen Aufklärer gemeint haben, indem sie ihrerseits die sicher problematischen Verhältnisse in Bayern mit diesem Absolutismus, mit diesen hüfischen Treiben, in dem sie das deutlich schildern und auch noch vergröbern. Und so weiter war sie der Aufklärung auf den Weg zu helfen. Also die haben es eigentlich schon versucht, mit dem bayerischen Volk Anführungszeichen gut zu meinen und das vorwärts zu bringen. Das ist natürlich das, was sie an kritischem geschrieben haben, dann dankend als Munition im Norden verwendet worden. In Bayern zu schreiben, die Bayern selber schreiben, schonungslos, wie schlimm die Zustände sind, neuer. Also bitte. Aber war er wirklich so begott und fremelnd der Bayer? Aufgeklärten und protestantischen Geistern mag es so vorgekommen sein, sagt die Volkskundlerin Nina Gokarelle. Für ihre Gedankenwelt blieben viele religiöse Traditionen einfach unverständlich. Andererseits? Es gibt dann natürlich auch wieder beide Seiten. Es gibt von einheimischen glühende Schilderungen der bayerischen Främigkeit, die so natürlich und so selbstverständlich und so überzeugend empfunden wurde. Und es gibt zu selben Zeit eben in den 1780er Jahren, hauptsächlich die wirklich weißen spöttischen Schilderungen von meist Berliner aufgeklärten Literaten, die sich sehr unfreundlich und auch nicht wirklich informiert geäußert haben. Es kommt eben immer darauf an, wer was über wen sagt und warum. Im 19. Jahrhundert zum Beispiel wandelt sich das Bayernbild plötzlich vollständig und zwar ins positive. Mit der einsetzenden Industrialisierung an den Orts wird das Landleben jetzt dramatisch verklärt dargestellt. Der Bayer ist nicht mehr der dumme Bauern-Töpel, sondern der kräftige Naturbrusche vom Land. Und dann wird der Bauer ja plötzlich zu einem beneideten Wesen sozusagen, dann wären die Bauernburschen schneidig und pfiffig und die Mädchen sind rotwange und breitzend und sie gelten immer noch als die Repräsentanten Bayerns, also vor allem Oberbayerns. Da Münchner spielt da überhaupt keine Rolle in der Entstehung dieses Bayernbildes. Intellektuelle spielen keine Rolle. Auch Arbeiter haben zu diesem Bild nicht beigetragen, sondern man konzentriert sich in dieser Klischeebildung nach wie vor auf die bäuerliche Bevölkerung. Auch Niederbayern und Oberpfälzer Schwaben und Franken finden sich da nicht wieder. Die Oberbayern prägen das Klischee, ländlich, sittlich und dem König stets treu ergeben. Und diesen Bayernbild hatte auch die herrschende Dynastie der Mittelsbacher ein vitales Interesse. Was mit den Romantikern begann, setzte sich mit den Anfängen des Tourismus Mitte des 19. Jahrhunderts fort. Bayern, vor allem Oberbayern mit seinen Bergen sehen und Wiesen, wird zum heiteren Ort der Bewunderung und der Sehnsucht. Obwohl die bayerische Bevölkerung sich natürlich nicht groß geändert hatte. Das belegen die sogenannten Physikatsberichte bayerische Gerichtsärzte, die 1858 vom Innenministerium angewiesen wurden, Land und Leute zu beschreiben. Im Bericht für das Land gericht Mülldorf heißt es 1862. Bürger, sowohl wie Bauern, sitzen im Wirtzhause höchst ledern bei sammen. Ausgelassene Lustigkeit findet man bei unserer Jugend selten. Die jungen Burschen auf dem Lande sitzen im Wirtzhause, solange sie nicht streiten und raufen, ziemlich trübselig bei sammen. Offenbar hatte das Vorurteil vom trunk süchtigen und rauflustigen Bayern doch einen Warenkern, jedenfalls in Mülldorf am In. Ananortsetzte damals bereits der Fremdenverkehr ein und veränderte einiges. Die Sommerfrischler, so nannte man seinerzeit die Touristen, waren meist gut situierte und gebildete Bürger, Kaufleute und Gymnasialprofessoren, die es sich leisten konnten, ein paar Wochen im Jahr Urlaub zu machen. Sie kamen aus dem hohen Norden, aus Preußen oder Sachsen, und in immer größerer Zahl seit es die Eisenbahn gab. Am liebsten ließen sich die Sommerfrischler entlang der Alpennieder südlich von München zwischen dem Tegern sehr gebied bis hinüber zum Kimsee. Diese Fremden brachten nicht nur Geld in das agrarisch geprägte Bayern, sondern auch ganz eigene Vorstellungen, die dann mit unter zu wildesten Wechselwirkungen bei der bayerischen Fremd und selbst wahrnähmung führten. Eine zentrale Rolle spielte dabei der 1869 gegründete deutsche Alpenverein, sagt die Museumspelagogen und Tourismushistorikerin Franziska Lobmrufer Hirschbeut. Der Alpenverein gründet in ganz Deutschlandsektionen, die in den Bergenwege anlegen und Hütten bauen, aber auch Kulturveranstaltungen organisieren. Besonders rührig ist damals die Berlinersektion. Sie veranstaltet in den 1870er und 1880er Jahren Alpenfeste und Kostümfeste. Und versucht sich diese Alpenwelt zusammen mit diesen eingebohrenen nach Berlin zu holen. Also es kommt das Gärtnerplatz Theater, das schliere sie abauern Theater. Und es gibt Kostümfe, die sind so begehrt, dass man einfach an diese Karten nicht mehr hinkommt und der während bayerisches Zinerien teuerst inszeniert. Dauernd nur schneidige Jagarsburschen und fäsches Änderinnen spielen, das muss man schon mögen. Auf zahlreichen Fotos und Postkarten aus jener Zeit konnte man solche Klischees jedenfalls bewundern. Die Bayern rechten sich ihrerseits, indem sie sich lustig machten über die komischen Berliner, die in der Tracht durch bayerische Gebärkster verstolzierten. Dabei war es für die Einheimischen natürlich nicht verkehrt, sich den Erwartungen der Gäste ein wenig anzupassen, sagt Nina Gokarelle. Was auch kein Problem war, denn der Bayern hat ja seit jeher einen schauspielerisches Talent heißt es. Man hat dann natürlich relativ schnell gemerkt, dass das für den Fremdenverkehr ganz förderlich ist, wenn man also noch ein bisschen derber und noch ein bisschen gröber und noch ein bisschen fröhlicher und noch ein bisschen lauter ist. Und man ist dann dazu übergegangen, diese Eigenschaften zu spielen. Vieles davon ist im Bezug auf den Tourismus, auf die Fremdenverkehrswerbung auch wirklich Schauspielerei und das ist es bis heute. Doch juchützte und jodelte und schuplattelte er fleißig weiter, der Bayern. Und bewegte sich fortan in einem magischen Vier-Eck zwischen Selbstvermarktung und Selbstverzwergung, Minderwertigkeitskomplex und großschgurigen Auftrumpfen. Fremd und Selbstbild gingen dabei oft eine merkwürdige Symbiose ein. Damals entwickelte sich auch eine ganz spezifische Selbstverteidigungstrategie gegen die Aroganz des Norgens. Der Literaturhistoriker Reinhard Wittmann. Das ist das berühmte Mir sein Mir, das eigentlich fast immer falsch verstanden wird als großkotzige Aroganz. Das ist aber eigentlich jedenfalls ursprünglich nicht, sondern das trotzige Beharen drauf, dass man ja ahemangt ist und dass man eigentlich gegenüber den nördlichen Verwandten keineswegs, Minderwertigkeitskomplexe haben muss, sondern eben seine Eigenart hat, die heute anders ist. Selbstverteidigung tat Not, denn das komische Seppel-Image hatte durchaus eine ernste politische Seite. Spätestens seit sich 1866 die preußische Machtpolitik durchsetzte, um fortan mit Sebel rassende Militarismus nach der deutschen und europäischen Vorherrschaft zu gieren. Das über 1.000 Jahre alte, selbstbewusste Beiern, stürte die Parvynüß von der Spräder bei. Preußenshofhistoriker Heinrich von Treitsch gesagt, deshalb in Beyer nur – Eine lebensunfähige politische Missbildung, recht eigentlich ein Zwerg mit einem Wasserkopf – und den gelte es zu zerschlagen. Aus ihnen Tagen stammt auch der Begriff Saupres. Der Beyer benutzte ihn vorzugsweise gegen über 7 gescheiten Repräsentanten des militaristischen, preußischen Oberigkeitstaates. Das Stereotyp hält sich bis heute, obwohl es seines tieferen Sinnes beraubt zu sein scheint – meistens wenigstens. Aber wie steht es heute mit Stereotypenbeiernbildern? Als Commerzklischees geistern sie weiter durch die Schaufenster einer oktoberfestzähligen Weltbevölkerung, die zwischen Oklahoma und Südschweden ihr Bild vom Sebel pflegt. Tatkräftig unterstützt, wird dieses Bild manchmal von einer bayerischen Fremdenverkehrsindustrie, und mitunter wirkt auch noch der Toppers vom grantigen, widerspänztigen Volkstamm, der vor lauter Kraftmairei kaum mehr gehen kann. Für echte Bayern ist sowas eher beschämend, mein Volkskundlerin Nina Gokarell. Ich glaube, dass heutzutage wirklich vielen Bayernmünchnern dieses Mirsamir gehabt, wirklich sehr peinlich ist. Und dass diese Art der Übersteigerung nicht mehr sehr viele Freunde hat. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt, auch auf der politischen Bühne. Die Sebelklischees werden auch dank der Massenmedien weiter am Leben gehalten. Seit 1945 aber hat sich doch grundlegendes geändert, mein Dreinhalt widman. Denke die Zahl der Autoktonen ist relativ überschaubar und die mit den Klischeetiketten des typischen Bayern zu bekleben ist ja nur Grotesque. Es gibt ja auch inzwischen die zweite und vielleicht auch schon dritte Generationen in München, die sich also mit Fug und Recht als eingeborene Münchner bezeichnen dürfen, die aber kein Wort beirisch können. Geschweige denn sonst irgendwo mit beirischen Sitten und Gebreuchen, wie sie über die Jahrhunderte über Lieferdwaren was zu tun haben. Da passt es natürlich überhaupt nicht mehr und je weniger es noch passt, desto hysterischer geradezu werden die Klischees wieder in den Vordergrund gedrängt. Also die Frage ist, ob wir da wirklich an einem gewissen Endpunkt auch angelangt sein inzwischen. Wie also kann es heute aussehen, das Bild vom Bayern, Gamsbad und Prachtengut, Laptop und Lederhose allein, reichen wohl nicht um es angemessen zu zeichnen. Jüngste Studien zeigen, dass die Bayern trotz ihrer Verbundenheit mit Heimat und Geschichte eine deutlich modernere Sicht auf die Gesellschaft haben, als viele Zeit genossen im In- und Ausland meinen. Klar, regionale Eigenheiten wird es weiterhin geben und auch das Seppel im Mitschwirt wohl nicht ganz aussterben, allein schon wegen der Touristen. So gesehen müssen wir wohl auch künftig nicht ganz verzichten auf ein Humorvolles und augenswinkende Spiel mit den Stereotypen, Bayrischer selbst und Fremdwarnigung. Und das ist doch gut so. Schließlich birgt ja jedes Vorurteil immer auch ein körnchen Wahrheit. Das war alles Geschichte, History von Radiowissen aus der Staffel, alles erfunden, diesmal mit der Folge die Bayern von Thomas Karsberger. Gesprochen haben Alexander Duda und Peter Weiss in der Technik war Susanne Herzig, Regie, Martin Trauner, Redaktion, Thomas Murawitz. Und von uns gibt's natürlich noch viel mehr. 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Podcast Summary
Key Points:
Stereotypes about Bavarians have existed for centuries, shaped by various historical and cultural factors.
Travel literature and societal perceptions have influenced the formation and perpetuation of these stereotypes.
The portrayal of Bavarians has evolved over time, reflecting changing societal values and influences.
Modern studies suggest that Bavarians hold a more diverse and modern societal view than commonly portrayed.
Summary:
The transcription delves into the historical development and perpetuation of stereotypes about Bavarians throughout the centuries. Influenced by travel literature, societal perceptions, and political contexts, these stereotypes have evolved from negative portrayals to more positive, romanticized views. The role of tourism, cultural exchange, and self-perception has shaped the image of Bavarians, with a complex interplay between self-representation and external stereotypes.
Modern studies indicate a more nuanced and contemporary societal outlook among Bavarians, challenging traditional clichés. The podcast explores the multifaceted nature of cultural identity, highlighting the importance of humor and self-awareness in navigating stereotypes.
FAQs
Klischees entstehen oft durch Vorurteile, die von anderen übernommen werden und sich hartnäckig halten, besonders wenn sie in Reiseliteratur verbreitet werden.
Im 18. Jahrhundert wurden Stereotypen über Bayern von aufgeklärten Literaten verbreitet, die Bayern als unfreundlich, trinkfreudig und rauflustig darstellten.
Die Bayern entwickelten eine Selbstverteidigungsstrategie gegenüber den Vorurteilen und Stereotypen, indem sie sich lustig machten über die Fremdbilder und ihr eigenes Selbstbild kultivierten.
Im Laufe der Zeit wandelte sich das Bild der Bayern von negativen Klischees zu positiven Darstellungen, insbesondere im 19. Jahrhundert während der Industrialisierung.
Trotz modernerer Sichtweisen bewahren die Bayern regionale Eigenheiten und Stereotypen als Teil ihrer Identität, wobei ein humorvoller Umgang mit diesen weiterhin gepflegt wird.
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