Akuthilfe: Fehlgeburt, was hilft deinen Emotionen wirklich? So findest du Halt nach dem Verlust! #288
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In dieser Podcast-Folge sprechen die Paartherapeuten Florian und Ina über den Umgang mit einer Fehlgeburt und wie Paare emotionalen Halt finden können. Eine Fehlgeburt geht häufig mit starken Gefühlen wie Ohnmacht, Trauer, Schuld und Leere einher. Besonders Frauen suchen oft die Schuld bei sich, obwohl die Ursachen meist unklar bleiben. Zudem erleben Frauen und Männer die Fehlgeburt unterschiedlich: Während die Frau bereits ab dem positiven Schwangerschaftstest körperliche und emotionale Veränderungen durchläuft, nimmt der Mann das Geschehen oft weniger unmittelbar wahr. Dies kann zu unterschiedlichen Verarbeitungswegen und Missverständnissen führen.
Die beiden Therapeuten betonen, wie wichtig offene Kommunikation über echte Basisgefühle ist. Paare sollten sich bewusst Zeit und einen geschützten Raum nehmen, um über ihre Gefühle, Bedürfnisse und körperlichen Empfindungen zu sprechen. Individuelle Abschiedsrituale können helfen, dem verstorbenen Kind einen Platz zu geben. Auch die Unterstützung durch vertraute Menschen ist wertvoll, sofern diese nicht verharmlosend oder triggernd reagiert. Entscheidend ist, die unterschiedlichen Trauergeschwindigkeiten anzuerkennen und gemeinsam im Wir-Gefühl zu bleiben. In der nächsten Folge soll es vertiefend um die langfristige, nachhaltige Verarbeitung als Paar gehen.
Wahrscheinlich fühlst du dich innerlich zerrissen, überwältigt von Gefühlen wie Ohnmacht oder großer Traurigkeit.
Du hast vielleicht Gedanken wie, ich sollte jetzt für die Familie stark sein, das darf mich nicht komplett aus der Bahn werfen.
Warum ist das ausgerechnet uns passiert?
Wir haben in den letzten Jahren viele Paare begleitet, die genau vor dieser Herausforderung standen.
Nämlich den Umgang mit dem Thema Fehlgeburt.
Man weiß ja manchmal nicht bis ins letzte Detail, warum das passiert ist.
Dann fängt man an, bei sich zu suchen.
So erzählte die Frau damals, ich bin alles durchgegangen.
Ich habe mich an alles gehalten, ich habe das und das und das gemacht.
Eigentlich ging es mir auch gut und es war so plötzlich.
Dann entsteht schon das Gefühl von Schuld.
Auch wenn der Mann, das muss man jetzt gar sagen, das Gefühl gar nicht angesprochen oder ausgelöst hat.
In dieser Folge sprechen wir darüber, wie du nach einer Fehlgeburt emotionalen Halt findest.
Und wie du den akuten Schmerz, die Trauer, vielleicht auch Schuldgefühle oder auch die Leere besser einordnest.
Und hast vielleicht Gedanken wie, ich sollte jetzt für die Familie stark sein, das darf mich nicht komplett aus der Bahn werfen.
Viele erleben natürlich diese Gefühle wie starke Trauer oder Missverständnis unterschiedlich und suchen dann nach Halt im Alltag.
Und fragen sich, wie sie diese Verletzungen über die Jahre mit sich oder anderen verarbeiten können.
Du bist im Podcast der Lebensidealisten gelandet.
Mein Name ist Florian.
Ich bin Ina.
Wir sind Paartherapeuten und Coaches und helfen euch raus aus der Krise hinein in eine dauerhaft glückliche und harmonische Beziehung.
Ja, wenn Paare zu uns kommen, dann relativ selten.
Mit dem Fokus darauf, eine Fehlgeburt gemeinsam zu verarbeiten, das ist meistens ein Bestandteil im Prozess.
Wenn wir die Zeitlinie durchgehen und schauen, was hat was im Fundament ausgelöst, dann liegt da manchmal auf der Zeitlinie auch eine Fehlgeburt.
Und manchmal ist die ganz gut zusammen verarbeitet.
Man ist dadurch stark geworden.
Es hat einen zusammengeschweißt, dass das passiert ist.
Andere wiederum erleben das als trennend, also distanzierend, sind nicht gut als Paar.
Und manchmal ist es natürlich auch so, dass die Frau das auch gar nicht recht für sich verarbeiten konnte, weil das nicht so richtig Raum bekommen hat.
Und dann gehen wir da natürlich tiefer rein in dieses Thema, um das nachzuverarbeiten.
Dass die Frau sich davon lösen kann, wieder ausgeglichen kraftvoll wird und dass auch das Paar einen anderen Blickwinkel auf die Situation bekommt und das nochmal im Rahmen der Paartherapie als Paar verarbeitet.
Bei Trauer ist es halt immer schwierig, weil wir haben auf der einen Seite die Situation, die wir haben.
Auf der anderen Seite kann man sagen, es ist ja gut, dass man im Leben vielleicht noch nicht so viel Erfahrung mit dem Thema Trauer hat.
Aber man spricht ja auch nicht vorher drüber, wie würden wir uns als Paar verhalten, wenn wir einen Trauerfall hätten in der engsten Kernfamilie.
Weil es ist natürlich ein Gedanke, der auch grausam ist und der ja auch, allein der Gedanke kann ja schon tiefe Traurigkeit auslösen.
Und bei Trauer ist es, wie du sagst, entweder vereint das ein Paar eher, also dass man sagt, oh, diese Trauer war so schlimm.
Das kann ja auch manchmal sein, die Eltern, wenn die sterben, das ist häufig ja.
Wie Menschen so der erste Trauerfall, den sie so ganz bewusst miterleben.
Oder es kann halt auch ein Paar auseinander treiben, dass man sagt, ja, wir sind in dem Punkt einfach unterschiedlich abgebogen in unserer Trauer.
Ich habe mich eher zurückgezogen, ich hätte Gespräche gebraucht, ich hätte Umarmung gebraucht und der Partner ist, und so hatte ich das auch schon öfters erlebt,
nach zwei Tagen wieder zur Arbeit gegangen und hat gesagt, ja, wir waren jetzt da zwei Tage zu Hause.
Ich habe keinen Werkzeugkoffer gehabt, was ich tun kann, um dir zu helfen.
Und es muss.
Es muss ja auch irgendwie weitergehen und ich war selber so überfordert und war auch ehrlich gesagt ein bisschen glücklich, dann wieder losgehen zu können und wieder für uns irgendwie was zu tun, weil ich arbeite.
Und dann zieht sich so ein Gefühl von Traurigkeit halt sehr in die Länge und wird so eine chronische Trauer, die das natürlich in der Verbindung sehr schwer macht untereinander, wenn man in unterschiedlichen Punkten steht.
Der eine ist doch auf der Suche innerlich nach einem Platz für das verstorbene Kind und sagt, ich kann das gar nicht bei mir einordnen.
Und ich weiß nicht.
Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.
Und die andere Person sagt, ja, vielleicht auch rational denkender.
Das war alles traurig, das ist alles traurig, aber es ist jetzt passiert und wir haben vielleicht ja noch ein weiteres Kind.
Es muss jetzt ja auch irgendwie weitergehen.
Ja, würdest du sagen, dass das hängt ganz unmittelbar mit dem unterschiedlichen Erleben zusammen?
Also wenn ich mich jetzt an die Phase mit deiner Schwangerschaft und auf unseren Sohn hinaus vorbereitend zurückdenke, dann habe ich ja die ersten Wochen und Monate,
eigentlich, bei mir läuft alles recht normal weiter.
Also ich kann das an dir beobachten, du kannst mir von vielem erzählen, aber für mich ändert sich eigentlich erstmal nichts.
Also weder im Hormonzustand noch körperlich und so weiter.
Das heißt, ich sehe es eigentlich nur bei dir, was so passiert.
So das heißt, du fühlst Veränderung, ich nicht.
Das heißt, dann wirst du ja wahrscheinlich, dann wird die Frau ja wahrscheinlich auch schon eine ganz andere Bindung schon da haben.
Für die Frau ist das Projekt schon so richtig gescheitert.
Für den Mann noch nicht so ganz, zumindest nicht spürbar.
Genau, für dich treten ja oder sind damals keine Konsequenzen eingetreten.
Bei einer Frau fängt das ja an, sobald der Schwangerschaftstest positiv ist.
Die Ernährung wird umgestellt, es werden bestimmt Lebensmittel nicht gegessen.
Man darf nicht mehr so viel tragen.
Je nach Job ändert sich manchmal auch schon was mit der Arbeitsstelle, dass man ins Beschäftigungsverbot geht oder nicht.
Und es kommen vor allem mal ganz viele Arztterminen zu, Blut abnehmen.
Also man isst vor allem mal so eine andere Blase ab einem bestimmten Tag.
Im bestimmten Moment.
Ist Schamgefühl da auch noch was, was eine Rolle spielt?
Weil wenn ich mir vorstelle, ich muss jetzt recht früh kommunizieren, ich bin schwanger, weil dann ich ins Beschäftigungsverbot gehe.
Das heißt, alle Kollegen wissen das und jetzt komme ich plötzlich früher zurück.
Absolut, das berichten auch einige im Coaching, dass sie sagen, ja, ich wurde da ein bisschen auch zu gezwungen, das so früh zu kommunizieren.
Manchmal muss man auch sagen, kommunizieren das Menschen einfach ja auch aus einem Stolz heraus.
Dass sie sagen, ich freue mich drüber, gerade wenn das so lange gewünscht war.
Und dann erzählt man das.
Freunde, Familie ist ja vielleicht noch natürlich was anderes, wenn es dann zu einer Fehlgeburt kommt, aber dann auch bei der Arbeit.
Weil das positive Gefühl, was man bei vielen Menschen damit auslöst, so löst man ja auch bei anderen Menschen damit wieder Triggerpunkte aus.
Wir wissen ja, dass Fehlgeburt ein Thema ist, was deutlich, deutlich häufiger auftritt, als man es so weiß oder im Gefühl hat, weil da nicht so oft drüber gesprochen wird.
Und auch da ist es so, dass wir natürlich dann auf Menschen treffen, wenn es sozusagen. in diesem Schicksalsschlag kommt, die das vielleicht auch erlebt haben, die sich ganz doll angetriggert fühlen.
Also ich erinnere mich bei der Schwangerschaft, da gab es auch ein, zwei Personen, die eher vorsichtig reagiert haben und gesagt haben, ich kann oder möchte oder ist nicht böse gemeint, aber mich irgendwie nicht freuen, weil bei mir war das am Anfang anders.
Und das war irgendwie eine ganz komische Stimmung, weil man dann natürlich in dem Moment denkt, ja, es tut mir leid, vor allem habe ich dich da jetzt angetriggert mit meiner positiven Nachricht.
Und irgendwie dämpft es ja auch die eigene positive Nachricht, muss man ja auch sagen, in dem Moment, weil man vor allem mal von der großen Freude in so eine Trauerphase reinkommt.
Genau, und das ist, glaube ich, auch zwischen Mann und Frau, wie du sagst, einfach komplett anders.
Das sind komplett andere Projektphasen am Anfang.
Und auch die Konsequenz ist ja auch eine ganz andere, muss man ja auch sagen.
Je nachdem, wann es zu der Fehlgeburt kommt, ist es ja auch für den Mann natürlich auch emotional total belastend, gar keine Frage.
Aber rein körperlich gesehen hat das ja auch eine ganz andere Konsequenz.
Für die Frau.
Und wie ist das bei denen, die du jetzt begleitest?
Ist da auch das Thema Selbstvertrauen etwas, was bei den Frauen dadurch angekratzt wird, wo man sagt, ich habe es nicht hinbekommen, ich bin gescheitert?
Und sagst du, das macht was in meinem Selbstwertgefühl als Frau?
Wird das mit aufgeführt als Verletzung oder als Konsequenz, die die Frauen gespürt haben?
Ich erinnere mich an ein Paar, da war das Thema Fehlgeburt auch auf der Zeitlinie.
Ein großes Thema.
Dadurch, dass man manchmal ja auch bei dem Thema keine Antwort bekommt.
Also man weiß ja manchmal nicht bis ins letzte Detail, warum das passiert ist.
Ist es natürlich für die Verarbeitung auch wirklich schwierig.
Und so erzählte die Frau damals, ich bin alles durchgegangen.
Aber ich habe mich an alles gehalten, Ina, wirklich.
Ich habe das und das und das gemacht.
Und eigentlich ging es mir auch gut.
Und es war so plötzlich.
Und dann steht schon das Gefühl von Schuld.
Auch wenn der Mann, das muss man ganz klar sagen, das Gefühl gar nicht angesprochen.
Oder ausgelöst hat.
Gar nicht.
Und wiederum in unserem Bekanntenkreis hatte ich das auch.
Einmal das Gespräch, dass eine Frau, die eine Fehlgeburt hatte, auch sagte,
dass sie bei der zweiten Schwangerschaft nach der Fehlgeburt so extrem unsicher war.
Und bei allen Dingen, die selbst gar nicht gebraucht wurden.
Also sie hat dann keinen Salat mehr gegessen, weil sie Angst hatte,
der könnte nicht richtig abgewaschen sein im Restaurant.
Und der Kreis ist so klein geworden, weil diese Angst so groß war.
Und das macht ja auch wieder was in einem.
In einer Partnerschaft, wenn man weiß, okay, der andere gibt sich irgendwie Mühe.
Man muss ja letztendlich sagen, für eine Sache, die man nicht durch vielleicht ein Salatblatt beeinflussen kann,
das ist ja alles fürs Gefühl ab einem gewissen Grad.
Und bei dem Paar im Coaching war es halt auch noch schwierig, dass die Frau sagte,
dass die beiden sich das halt so sehr gewünscht haben.
Und der Umgang danach so unterschiedlich war, weil der Mann auch erschrocken darüber war,
wie schlecht es ihr ging und ihr sozusagen freigeben wollte.
Möchtest du, dass wir das nochmal probieren?
Wenn nicht, ist auch okay.
Okay. Und das hat bei ihr ein total ungutes Gefühl gemacht,
dass sie gesagt hat, ist er jetzt rausgestiegen aus dem Projekt?
Habe ich jetzt Schuld, dass es nicht geklappt hat?
Also auch ganz schwierig dann.
Und sie haben jahrelang darüber nicht gesprochen.
Wir wollen jetzt in unserer Akutfolge mal über ein paar typische Tipps sprechen,
die man online findet und über unsere Sichtweise darauf,
beziehungsweise was wir noch mit reingeben würden,
wenn das Paare betrifft, die jetzt das in letzter Zeit erlebt haben
und da noch in die Verarbeitung gehen wollen
oder das noch nicht vollständig verarbeitet haben.
Das kann man aber auch durchaus natürlich später machen,
wenn man nochmal zurückblickt und merkt,
boah, das Thema ist in mir echt nicht gut verarbeitet.
Da haben wir uns damals nicht die Zeit für genommen.
Das hat nicht den Raum bekommen.
Da sollte man nochmal drauf schauen.
Das Erste, was man findet, ist, redet offen über eure Gefühle.
Das ist natürlich das, was wir auch empfehlen würden,
Systemgesetz 9, aussprechen, anerkennen, was ist.
Nun geht es wieder um die Details eigentlich.
Wie spricht man über seine Gefühle?
Dazu muss man erstmal reingeben, was sind denn überhaupt Gefühle?
Denn die meisten von uns sprechen ja über Schlussfolgerungen und glauben, das seien Gefühle.
Ich habe mich nicht gesehen gefühlt. Das ist kein Gefühl. Das ist eine Schlussfolgerung.
Gefühle sind Basisgefühle in erster Stufe. Traurigkeit, Angst, Sorge, Leid, Schmerz, Wut, Ärger.
Wenn es jetzt auf die negative Seite geht, das alles gibt es natürlich auch auf die positive Seite.
Ich richte in der Freude, Spaß, im Flow, Fühlen, Liebe und so weiter.
Das sind echte Gefühle. Und wenn man das jetzt an seinen Partner transportieren möchte,
der ja ein ganz anderes Gefühl dazu hat, weil beide sagen vielleicht, dass sie traurig sind,
aber jetzt ist ja die Frage, wie kann man die Dimension der Traurigkeit auch gut darstellen
oder die Dimension von dem Schmerz, den man fühlt.
Da muss man sich ein bisschen vorstellen, als würde man zum Arzt gehen
und dann spricht man über das, was der Körper macht, was da passiert.
Also Druck im Bauch, zittrige Knie, schwitzige Hände, Hitze steigt auf, Kloß im Hals,
Druck in der Brust, Lüft schnurrt sich zu.
Was passiert im Körper, wenn diese Traurigkeit da ist?
Und dadurch kann der andere das deutlich empathischer annehmen, was da wirklich vorliegt.
Ganz besonders greifbar wird das bei Ängsten, wenn jemand eine Angst nicht hat.
Dann ist das irrational für einen.
Wie kannst du Angst davor haben? Höhenangst.
Wieso hast du Höhenangst?
Also ich kann das Gefühl nicht nachempfinden, Höhenangst zu haben.
Wenn mir aber jemand sagt, wenn ich jetzt am Hochhaus an der Kante stehe,
dann runter schaue, bekomme ich zittrige Knie, schwitzige Hände,
ich bekomme einen unfassbaren Druck im Bauch, ich kriege einen Kloß im Hals
und mir schießen die Tränen in die Augen.
Dann weiß ich, ah ok, diese Gefühle kenne ich alle.
Zwar nicht, wenn ich am Hochhausrand stehe, aber dann weiß ich, wie krass unangenehm das für dich ist.
Jetzt weiß ich also, was Angst mit dir macht.
Das sind also für mich keine irrationalen Dinge.
Der Grund schon, Höhenangst, man springt ja nicht runter,
also der Grund bleibt sozusagen irrational, aber das Gefühl,
kann ich auf einmal empathisch greifen und sagen, jetzt verstehe ich, wie du dich fühlst.
Und dann ist es wichtig, dass man sich auch wirklich die Zeit nimmt, darüber zu sprechen.
Also das nicht im Alltag nebenbei macht,
sondern wirklich auch ein bisschen Distanz vielleicht mal zum Alltag sucht.
Das ist kein Thema, was nur so Tür- und Angelgespräch ist,
sondern auch, wo man sich vielleicht mal einen Tag Auszeit nimmt,
mal irgendwo anders spazieren geht und hinfährt.
Also dass man bewusst auch sich einen geschützten Rahmen sucht,
wo man zusammenarbeitet.
Wo man zusammen darüber sprechen kann, wo man nicht unterbrochen wird durch ein anderes Kind.
Oder das Gefühl, das können wir jetzt leider nicht weitersprechen,
weil ich muss jetzt zur Arbeit, sondern es braucht auch einen Raum und einen Platz.
Dann helfen häufig kleine Rituale zum Abschied.
Denn man muss jetzt mal ein bisschen schauen, ab wann, aus unserer Sicht,
würde man sagen, ab dem Moment, wo der Schwangerschaftstest positiv ist,
ist man Eltern geworden.
Unser Ausbilder sagt ja immer, ab der Zeugung.
Ab der Zeugung eigentlich sogar.
Ist man Eltern, ja.
Aber man weiß das ja quasi erst mit dem positiven Schwangerschaftstest.
Das heißt, man hat einfach ja, und so kann auch vielleicht der Mann sich noch besser hineinfühlen,
man hat gemeinsam ein Kind zu betrauern, was verstorben ist.
Da braucht es dann häufig eben auch entsprechend die Abschiedsrituale,
die einem dann darüber hinweg helfen können.
Ja und zu guter Letzt findet man häufig natürlich sich Unterstützung im Freundes- und Familienkreis zu holen.
Das macht natürlich Sinn, wenn man dort,
eine echte Bezugsperson hat, wo man sich gut anvertrauen kann,
wo man auch zusammen gut traurig sein kann,
wo auch das Gefühl ist, da wird man bestärkt.
Da wird aber auch das Gefühl angenommen.
Das heißt, das Gefühl darf da sein.
Dann ist das genau das Richtige.
Was eher nicht hilft, ist natürlich, wenn jemand da ist, der erst mal selber getriggert wird.
Oder wenn jemand so ist, dass er sagt, Mensch, du musst nicht traurig sein.
Jetzt aber auch mal gut und so weiter.
Ja, da gibt es ja auch ganz viele Glaubenssätze, die sehr verletzend sind.
So, na ja, das war doch noch so früh.
Da war ja noch gar kein richtiges Kind.
Das ist gut gemeint.
Das sind so diese alten Versuche, ein Gefühl klein zu machen, zu verdrängen und zu sagen,
das Gefühl brauche nicht so groß werden.
Das ist ja gar nicht so schlimm.
Das ist ja gut gemeint.
Aber die Wirkung ist meistens nicht gegeben.
Nein, das ist extrem verletzend.
Gerade wenn jemand das gut meint und dann vielleicht noch einen so ein bisschen in den Arm nimmt
und man selber merkt, das ist wie so ein Stich ins Herz.
Das fühlt sich gerade gar nicht gut an.
Man sollte das gar nicht annehmen.
Du hast gerade so den tieferen Lösungsansatz schon angeteasert.
Wenn man das wirklich nachhaltig verarbeiten möchte, dann braucht es, dass man sich Zeit nimmt.
Also man braucht Zeit, um Schmerz, Trauer, Kummer wirklich zuzulassen, sich gemeinsam Zeit zur Verarbeitung zu nehmen.
Und dieses Gemeinsame ist da so wichtig, denn Traurigkeit und Kummer sowie Schmerz verarbeiten wir am besten zu zweit.
Also in Unterstützung, wenn uns jemand in den Arm nimmt, uns begleitet.
Weil so haben wir das als Babys, Kleinstkinder gelernt.
Wenn wir da traurig waren, hat uns jemand in den Arm genommen und uns darüber hinweg geholfen.
Entsprechend hilft uns das als Erwachsene auch.
Wir haben nur irgendwann aufgehört damit.
Irgendwo vielleicht so zwischen acht und zwölf.
Spätestens bei der Pubertät haben wir gesagt, wir sind groß.
Ich kann jetzt alleine traurig sein oder ich bin gar nicht mehr traurig.
Ja und was es halt auch wirklich ausmacht, ist dieses Gefühl von Verbindung.
Und das ist ganz individuell.
Weil das hängt immer, finde ich, von jedem Paar ab, was sich gut anfühlt.
Da gibt es nicht den einen Weg, wo man sagt, das müsst ihr machen.
Und dann müsst ihr ein Bild aufstellen und das und das.
Nein, das ist nicht das Richtige.
Jedes Paar muss selber schauen.
Und da habe ich auch schon ganz viele verschiedene Wege mitbekommen.
Dieses eine Paar erinnere ich mich, hat gesagt, sie hatte das Gefühl, das Kind konnte keinen Platz bisher bekommen.
Und für die war es stimmig zu sagen, das was wir von dem Kind haben, und es war ein Ultraschallbild, dem geben wir einen Platz in unserem Zuhause.
Wir stellen das auf, wir machen das auch präsent, dass der Mensch da war, das fühlte sich für das Paar gut.
Anderes Paar sagte, nein, das ist nicht das Richtige.
Die haben so ein Ritual sich am Strand gemacht, dass die am Strand da was für sich gemacht haben und da zusammen traurig waren.
Und danach, wie aus Respekt, trinken wir ein Getränk danach zusammen da und sind zusammen traurig.
Und die wiederholen das jedes Jahr, dass sie immer wieder an diesen Strandabschnitt zurückkehren und sagen so, da ist unser Ort, das fühlt sich sicher an.
Da können wir dem einen Platz geben.
Und danach kam auch noch ein Kind und das Kind kam dann auch immer mit zu diesem Strandabschnitt.
Und ja, da gibt es so ganz viele individuelle Wege und da muss man mal reinhorchen, was sich gut anfühlt und was man ausholmen möchte.
Und man darf es auch nochmal ändern.
Also sich den Druck nicht aufzubauen zu sagen, wir fangen jetzt hier was an und es fühlt sich vielleicht doch nicht gut in zwei, drei Jahren.
Und dann darf es sich auch wieder ändern.
Also statt stark im Außen zu sein und schnell abhaken zu wollen, was man ja verstehen kann, dass man irgendwie schnell aus dem Gefühl wieder raus möchte.
Dann funktioniert das nur oberflächlich, aber nicht in der Tiefe.
Manchen Menschen hilft es auch, dass man zusammen darüber spricht.
Und dabei das macht bei vielen Paaren in der Situation auch immer eine Verletzung.
Wie sprechen wir denn über unser zweites Kind?
Also wie ist denn die Antwort, wenn wir gefragt werden, wie viele Kinder haben wir denn?
Also was möchten wir denn da sagen?
Was fühlt sich denn gut an?
Genau, das ist ja auch für jeden immer ganz individuell.
So rein bei uns systemisch gesehen ist das ja so, so machen das auch Freunde von uns.
Wir haben drei Kinder. Wir sind Eltern von drei Kindern. Aber ein Kind war eine Fehlgeburt. Zwei Kinder leben.
Und das Kind hat quasi richtig einen Familienplatz bekommen. Also wir sind Eltern von drei Kindern.
Genau. Manche umschreiben das ja auch und sagen, wir haben drei Kinder, zwei davon sind bei uns an der Hand.
Und ein Kind ist im Himmel oder wo auch immer. Also um das so ein bisschen anders zu beschreiben.
Aber darüber muss man halt auch mal als Paar im besten Fall mal sprechen, weil sonst macht es ja immer wieder eine Verletzung.
Wenn man irgendwo gefragt wird, sei es bei irgendeinem Bankgespräch oder sonst was.
Oder wenn man denkt, ja aber das ist wieder so, es tut innerlich so weh, dass wir da keine gleiche Sichtweise haben, wie wir das formulieren für uns.
Ja und diesem Ganzen dann wirklich Raum zu geben und den Raum nicht zu kappen.
Also nicht für sich selber, dieses jetzt muss auch mal gut sein, jetzt muss auch mal gut sein hilft nicht.
Und das hilft auch unserem Gefühl nicht.
Aber auch dem anderen das natürlich nicht zu sagen, hey jetzt muss auch mal gut sein.
Sondern den Raum dann wirklich zu nehmen.
Oder da wirklich zu schauen, was wird einfach für beide individuell gebraucht.
Das kann ja sein, dass das für den Mann einen Tick schneller funktioniert.
Aus diesen Gefühlen rauszufinden, die zu verarbeiten wirklich als für die Frau.
Dann kann aber nicht der Mann sagen, das Thema ist abgeschlossen oder jetzt schließ doch mal ab.
Sondern da geht es dann wieder ums Anerkennen.
Das ist beidseitig anzuerkennen, wenn das dann länger dauert.
Aber andersrum auch anzuerkennen von der Frau zum Beispiel, dass das für den Mann schon anders ist.
Dass der schon mehr verarbeiten konnte.
Und das dem Mann nicht böse vorzuhalten.
warum war dir das alles nicht so
wichtig. Also auch nicht solche
Schlussfolgerungen zu treffen,
sondern einfach anzuerkennen,
das ist anders, die Trauerbewältigung
ist anders, das gibt da aber
kein besser oder schlechter oder kein
angemessen oder unangemessen,
sondern es gibt einfach nur eine
gemeinsame Trauerbewältigung.
Abschließend finde ich auch ganz gut,
ganz offen über Bedürfnisse zu sprechen.
Also was brauchst du,
was hilft dir? Weil es geht auch
viel darum, in so einer Zeit den Akku
aufzuladen, also auch die Energie
auf der anderen Seite zu haben,
wieder in so eine Traurigkeitsphase einzutauchen
und da auch ganz bewusst zu gucken,
was brauchen beide und was
hilft beiden? Und wie kann man das
miteinander gut gestalten?
Wenn der Mann vielleicht nach einigen Tagen das
Gefühl hat, ich möchte irgendwie wieder
nützlich sein, was Sinnvolles tun,
ich würde mal wieder zur Arbeit gehen wollen, ich glaube,
das hilft mir, dann sprecht darüber.
Wie könnt ihr das stimmig gestalten?
Wir haben Folgen dazu, zu stimmigen
Kompromissen, Entscheidungsfindungen
und so weiter. Das sind natürlich alles gute
Hilfsmittel, die man in solchen Situationen
auch mit hinzuziehen kann, um dort
einfach für beide Stimmigkeit zu erzeugen
und zu schauen, wie können beide
mit der Situation gut umgehen,
aber trotzdem in einem Wir-Gefühl bleiben,
auch wenn man vielleicht phasenweise
unterschiedliche Dinge macht oder unterschiedliche Bedürfnisse
hat. Da wollen wir in der nächsten Folge
nochmal tiefer drauf eingehen,
insbesondere jetzt, wie die
langfristige, nachhaltige
Verarbeitung als Paar,
im Wir-Gefühl gut funktionieren
kann, wenn man so diese
erste akute Phase
vielleicht schon mal hinter sich gelassen hat
und dann einfach schauen möchte,
wie kann man da so etwas
langfristig, nachhaltig
gemeinsam im Wir-Gefühl
verarbeiten. Was vielleicht
in der Zwischenzeit schon mal helfen kann,
falls man die Folge gerade hört und die nächste
noch nicht rausgekommen ist,
wären zum Beispiel
Folgen zum Thema Kommunikation verbessern.
Da haben wir eine Playlist zu,
da gibt es zum Beispiel eine Folge speziell
zum Thema Bedürfnisse aussprechen,
aber auch eine Folge zum Thema
tiefgründige Gespräche in der
Beziehung und auch viele andere
Dinge. Da hatte ich eben schon erwähnt, Öko-Check,
Entscheidungen zu treffen,
Kompromisse schließen hatten wir vor wenigen
Wochen. Das sind alles sehr, sehr gute
Dinge, die in so einer Phase helfen.
Wenn du also gerade an
dem schwierigen Punkt der Verarbeitung
stehst und gerade
nicht so weißt, wie du mit den starken Gefühlen umgehen
kannst und merkst, auch dass das
Thema natürlich und verständlicherweise gerade
eure Beziehung belastet, dann habt den Mut
und geh in die Verarbeitung
mit deinem Partner zusammen. Nehmt euch Zeit,
das ist ein wichtiger Schritt und hör gerne
nächste Woche wieder rein, wo wir dann
tiefer in die Thematik nochmal einsteigen,
wie ihr gemeinsam aus der Krise rauskommt
in eine nachhaltige Verarbeitung
und wieder in eine tiefe
Verbindung kommt. Dann bis zur nächsten
Folge. Bis bald. Bis dann.
Musik
Podcast Summary
Key Points:
Eine Fehlgeburt kann bei Betroffenen Gefühle wie Ohnmacht, Trauer, Schuld und Leere auslösen.
Frauen erleben eine Fehlgeburt körperlich und emotional oft intensiver als Männer, was zu unterschiedlichen Verarbeitungswegen führt.
Viele Frauen suchen die Schuld bei sich, obwohl die genauen Ursachen einer Fehlgeburt häufig unklar bleiben.
Offene Kommunikation über Basisgefühle wie Traurigkeit, Angst und Schmerz ist zentral für die gemeinsame Verarbeitung.
Paare sollten sich bewusst Zeit und einen geschützten Raum für Gespräche über die Fehlgeburt nehmen.
Individuelle Abschiedsrituale können helfen, dem verstorbenen Kind einen Platz zu geben.
Unterstützung aus dem Freundes- und Familienkreis ist hilfreich, sofern sie nicht triggernd oder verharmlosend wirkt.
Unterschiedliche Trauergeschwindigkeiten bei Mann und Frau sollten anerkannt und nicht als besser oder schlechter bewertet werden.
Summary:
In dieser Podcast-Folge sprechen die Paartherapeuten Florian und Ina über den Umgang mit einer Fehlgeburt und wie Paare emotionalen Halt finden können. Eine Fehlgeburt geht häufig mit starken Gefühlen wie Ohnmacht, Trauer, Schuld und Leere einher. Besonders Frauen suchen oft die Schuld bei sich, obwohl die Ursachen meist unklar bleiben. Zudem erleben Frauen und Männer die Fehlgeburt unterschiedlich: Während die Frau bereits ab dem positiven Schwangerschaftstest körperliche und emotionale Veränderungen durchläuft, nimmt der Mann das Geschehen oft weniger unmittelbar wahr. Dies kann zu unterschiedlichen Verarbeitungswegen und Missverständnissen führen.
Die beiden Therapeuten betonen, wie wichtig offene Kommunikation über echte Basisgefühle ist. Paare sollten sich bewusst Zeit und einen geschützten Raum nehmen, um über ihre Gefühle, Bedürfnisse und körperlichen Empfindungen zu sprechen. Individuelle Abschiedsrituale können helfen, dem verstorbenen Kind einen Platz zu geben. Auch die Unterstützung durch vertraute Menschen ist wertvoll, sofern diese nicht verharmlosend oder triggernd reagiert. Entscheidend ist, die unterschiedlichen Trauergeschwindigkeiten anzuerkennen und gemeinsam im Wir-Gefühl zu bleiben. In der nächsten Folge soll es vertiefend um die langfristige, nachhaltige Verarbeitung als Paar gehen.
FAQs
Sprich offen über deine Gefühle und nimm dir bewusst Zeit für die Trauer. Unterstützung von deinem Partner oder vertrauten Menschen hilft, den Schmerz besser einzuordnen.
Frauen erleben die Schwangerschaft körperlich und emotional intensiver, während Männer sie oft nur beobachten. Dadurch entsteht eine unterschiedliche Bindung und Trauerbewältigung.
Schuldgefühle sind normal, auch wenn sie oft unbegründet sind. Sprich darüber mit deinem Partner und erkenne an, dass du keine Schuld trägst.
Nehmt euch bewusst Zeit für Gespräche und beschreibt eure Gefühle mit körperlichen Bildern. Vermeidet Vorwürfe und erkennt an, dass jeder anders trauert.
Individuelle Rituale wie ein Bild aufstellen, ein gemeinsamer Ort oder jährliche Gedenkmomente können helfen, dem Kind einen Platz zu geben. Wichtig ist, dass sich beide damit wohlfühlen.
Besprecht als Paar, wie ihr das Kind in eurer Familiengeschichte benennen wollt. Ihr könnt zum Beispiel sagen: 'Wir sind Eltern von drei Kindern, zwei leben bei uns.'
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