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ADHS & Liebe: Symptome erkennen und gemeinsam aus dem Frust herauskommen #133

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ADHS & Liebe: Symptome erkennen und gemeinsam aus dem Frust herauskommen #133

ADHS ist eine vielfältige und individuelle Störung, die sich in verschiedenen Formen wie Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität und emotionale Empfindlichkeit zeigt. In Beziehungen führt dies häufig zu Missverständnissen, da neurotypische und neurodivergente Partner unterschiedliche Wahrnehmung und Reaktionsmuster haben. Besonders belastend ist die Empfindlichkeit gegenüber Ablehnung oder Kritik, die zu Frustration und Abweisung führen kann. Diese Effekte verstärken sich in Beziehungen, wo eine Diagnose fehlt oder nicht verstanden wird – was zu erhöhter Unzufriedenheit und höheren Trennungsrisiken führt. Phänomene wie der Hyperfokus schaffen zunächst starke Nähe, die jedoch nach kurzer Zeit zu dem Gefühl der Abwesenheit führt. Ein wirksamer Umgang erfordert Verständnis, gemeinsame Informationsaufnahme, mögliche medizinische Diagnose und medikamentöse Behandlung, wenn gewünscht. Zudem hilft es, eine gemeinsame "Bedienungsanleitung" für die Beziehung zu entwickeln, in der Stärken genutzt und Schwächen durch gegenseitige Verantwortung verteilt werden. So können Partner einander besser verstehen, Vertrauen aufbauen und die Beziehung nachhaltig stärken, auch durch externe Unterstützung wie Paartherapie.

Transcription

4961 Words, 30870 Characters

German
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Paarpsychologie-Podcast-Folge. Ich möchte heute mit meinem Kollegen Arne Wolf über das Thema ADHS in Beziehungen sprechen. Arne ist ebenfalls Psychologe und Paartherapeut und arbeitet in unserem Team online und in der Bonner Praxis. Er hat sich in seiner Arbeit auf das Thema ADHS im Erwachsenenalter spezialisiert. Das bedeutet, er begleitet bei uns die Paare, wo ADHS diagnostiziert wurde oder noch im Raum steht und hat dann natürlich auch ganz viele Erfahrungsberichte, Tipps und Ideen sammeln können, die Paaren wirklich dabei helfen, aus den Frustrationen und Missverständnissen rauszukommen. Mehr zu Arnes Arbeit und zu unserer Praxis findest du in der Podcast-Beschreibung, aber jetzt geht's erstmal los mit dem Gespräch. Ich hatte ja schon mal eine Podcast-Folge vor einiger Zeit zum Thema ADHS gemacht. Da wird das Thema einmal so grob vorgestellt, um was es sich da handelt, wie das aussehen kann und heute soll es darum gehen, dass wir nochmal mehr ins Detail gehen, auch gerade was die Paarbeziehung angeht zwischen neurotypischen und neurodivergenten Menschen. Wir möchten zusammen auch nachher ganz konkrete Tipps geben, was besonders wichtig ist und sich in der Praxis gezeigt hat, was man auf jeden Fall zusammen auf dem Schirm haben sollte. Aber erstmal, hallo Arne, ich freue mich sehr, heute mit dir zu sprechen. Hallo Anouk, ich freue mich, dass ich heute hier sein darf bei dir. Wunderbar, vielleicht fangen wir auch nochmal ganz grob natürlich erstmal an mit dem Thema ADHS. Was ist das eigentlich? Wie zeigt sich das? Einfach, um nochmal reinzustarten ins Thema und dann, wie gesagt, gehen wir Schritt für Schritt mal die Beispiele. Wie gehen wir mit Problematiken, Herausforderungen und auch Lösungsideen durch? ADHS beschreibt generell eine besondere Art, wie ich Reize verarbeite. Das heißt, verbunden ist das häufig mit sprunghafter Aufmerksamkeit, mit innerer Unruhe und starken emotionalen Reaktionen. In der Realität zeigt sich aber, so wie ich das erlebe, dass ADHS von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist. Das heißt, dass diese allgemeine Beschreibung ein bisschen zu kurz greift. Viele Betroffene erzählen. Sie erzählen mir beispielsweise, dass sie ein bestimmtes Grundgefühl haben. Also so, als würden sie zum Beispiel ihr Leben mit angezogener Handbremse führen. Dass sie sagen, ich habe auf meinem Rücken ein Gewicht, als würde ich mit 20 Kilo extra durchs Leben gehen. Und das ist etwas, was mir sehr, sehr viele Leute häufig berichten. Wir haben ja schon darüber gesprochen in der anderen Podcast-Folge, dass ADHS natürlich ein sehr breites Spektrum an Verhaltensweisen und inneren Zuständen abdeckt. Das heißt, vielleicht hier auch nochmal wichtig zu sagen, wir sprechen jetzt auch über ganz spezifische Dinge, das muss nicht für jeden gelten. Und wie du ja schon gesagt hast, Arne, es ist von Mensch zu Mensch immer so ein bisschen unterschiedlich. Und es ist auch relativ normal, dass man zum Beispiel merkt, boah, ich kann mich mit diesen Dingen total identifizieren, aber mit anderen so gar nicht. Siehst du das auch häufiger? Ja, absolut. Also das ist auch so, dass dieses klassische ADHS, also die Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung, schon viele Leute betrifft, die mir sagen: Okay, ich habe tatsächlich so etwas wie, dass ich schnell ablenkbar bin, dass ich nicht still sitzen kann. Das sind schon Sachen, die man häufig hört. Und für solche Leute ist es auch gut, wenn sie sich gesehen fühlen unter diesen Begriffen. Aber in der Realität habe ich Leute, die zum Beispiel überhaupt gar nicht von Hyperaktivität, von körperlicher Unruhe betroffen sind, sondern die etwas ganz anderes haben. Also ich habe beispielsweise eine Frau erlebt einmal, die ist eine wirklich hoch funktionale, super erfolgreiche Managerin. Die überhaupt keine Schwierigkeiten hat, stundenlang stillzusitzen, die sich super konzentrieren kann. Die aber im Privatleben eine ganz andere Seite hat, dass sie super impulsiv ist. Dass sie sagt, sie kann, egal was sie auch versucht, nicht unter 20 km/h zu schnell fahren. Sie kann nicht sich stoppen, wenn sie eine plötzliche ADHS-Attacke hat. Sie kann sich nicht stoppen, wenn sie das Gefühl hat, sie muss etwas kaufen. Also diese plötzlichen, impulsiven Handlungen, die sie nicht stoppen kann und auch so kann sich ADHS präsentieren. Absolut, und das macht es natürlich aber auch für Beziehungen schwieriger. Wenn man jetzt nicht ganz genau sagt, okay, du passt in diese Schablone rein. Es ist natürlich auch als Paar, wo sich dann vielleicht Probleme in der Beziehung zeigen, viel schwieriger darauf zu kommen, hey, das könnte etwas mit den inneren Zuständen, mit etwas zu tun haben, wo man nichts für kann. Wenn man halt nicht unbedingt weiß, okay, das könnte damit zusammenhängen, eben weil es unterschiedliche Ausprägungen hat. Das ist auch so, dass die Leute, die betroffen sind, also diejenigen, die von ADHS betroffen sind, mir häufig erzählen, dass sie schon eine sehr, sehr lange Suche hinter sich haben nach der Antwort auf die Frage: Was ist es genau, was mich ausbremst? Warum lebe ich so schwer? Und das umfasst meistens viele Gänge zu Psychotherapeuten, zu der Beschäftigung mit verschiedenen Sachen, mit verschiedenen Facetten der Heilung oder auch der Suche nach Antworten, einfach in verschiedenen, in Literatur, in Podcasts, überall. Und plötzlich kommt dann von irgendeiner Seite die Information: Hey, du könntest vielleicht ADHS haben. Und die Leute sehen dann plötzlich: Wow, okay, hier tut sich noch mal was ganz Neues für mich auf. Und das ist auch etwas, was ich immer als sehr schön erfahre, auch wenn die Leute plötzlich vielleicht doch ihre Antwort finden. Absolut. Dieser Moment zu wissen, okay, das hat einen Namen, es gehört zu etwas, so ich kann das so klarer definieren, ist häufig wie auch bei anderen Dingen, also wenn ich zum Beispiel eher auch nicht weiß, okay, was ist das gerade in mir, wenn es so schwammig ist, wenn es unkonkret ist, kann es sehr viel schwieriger sein, auch sich einen Plan zu machen, zu wissen, okay, dahin geht es. Und es geht ja auch manchmal oder meistens ja auch mit einer hohen Erleichterung hängt das zusammen, dass man dann merkt, okay, ich weiß jetzt, was es ist. Ein Beispiel, das mir hierzu auch einfällt, war ein Mann, den ich in der Praxis hatte bei mir, der mir berichtet hat, dass er schon seit vielen, vielen Jahren Schwierigkeiten hat mit seinen Emotionen. Also ein Mann, der mir gesagt hat: Hey, ich bin an sich eigentlich jemand, ich komme sehr gut klar, im Alltag, ich bin eigentlich sehr stabil, aber immer und immer wieder gibt es Situationen, da fühle ich mich von anderen abgelehnt. Beispielsweise, dass meine Freunde sich verabreden am Wochenende und vielleicht vergessen, mir auch Bescheid zu sagen, mich mit einzuladen. Und für diesen Mann bedeutet so ein, wenn so etwas passiert, bedeutet das etwas ganz, ganz Furchtbares. Er hat mir erzählt, er fühlt sich ganz, ganz schrecklich abgelehnt, fühlt sich, als hätten alle sich gegen ihn verschworen. Für ihn ist das wirklich ein absoluter Verrat. Und für dieser Mann wusste er immer nicht, warum das so ist, woher das kommt. Dieses Gefühl, dieses starke Gefühl, das auch wirklich, wie er mir das gesagt hat, unkontrollierbar stark ist. Und für diesen Mann hat das so eine große Erleichterung bedeutet, zu hören, zu wissen, dass auch das Teil von ADHS sein kann. Und auch da sieht man wieder, wie wichtig es ist, dass man da die Informationen hat, dass auch das Teil davon sein kann. Also wir hatten jetzt ja schon mit den zwei Beispielen einmal so diesen Aspekt vielleicht von Impulskontrolle und jetzt nochmal von Emotionsregulation. Oder wie würdest du sagen, was sind diese zwei Aspekte, die wir da jetzt gerade hatten? Ja, definitiv. Das eine gehört sicher zur Emotionsregulation, aber sicher auch dazu, wie ich die Welt wahrnehme, also wie ich mich, was genau bei mir überhaupt als Reiz ankommt. Viele Leute würden das wahrscheinlich gar nicht emotional überhaupt als belastend empfinden, wenn sie beispielsweise wie in diesem Beispiel gerade gesagt bekommen oder einfach nicht eingeladen werden. Das würden viele Menschen gar nicht als Belastung oder als Ablehnung wahrnehmen. Und bei diesen Menschen kam das schon allein, dieser Reiz war für ihn sehr belastend. Der konnte sich dann natürlich auch gar nicht regulieren. Das heißt ja aber auch, dass die Sensibilität für Ablehnung selber ein wichtiger Faktor ist. Also das, wie ich das erlebe und dieses Gefühl eben dann abgelehnt zu werden. Ja, absolut. Das ist ganz, ganz häufig erlebe ich das bei Leuten mit ADHS. Ich muss dazu auch sagen, ich kenne das von mir selber auch. Also ich bin selber auch von ADHS betroffen und kenne dieses Gefühl sehr gut, dass jede Kritik, die von außen kommt, und das muss noch nicht mal große Kritik sein. Kleiner Hinweis auf, hey, hast du gerade nicht so gut gemacht sein? Und das fühlt sich an wie vollständige Ablehnung. Da bricht die Welt über einem zusammen. Das ist ein super, super starkes Gefühl und das bekomme ich ganz häufig mit, dass Leute, die betroffen sind, hier einen ganz, ganz großen bunten Punkt haben. Zu sagen, ich versuche jede Form von Ablehnung, von Kritik zu vermeiden, weil sich das so schlimm anfühlt auch. Ja, und das kann natürlich auch Konsequenzen davon haben, so wie man im Alltag agiert, irgendwie gestresst. Dann vielleicht ist, welche Situationen einen vielleicht mehr belasten als Menschen, die diese Angst vor der Ablehnung nicht so stark erleben. Ja, genau, dass man bestimmte Situationen komplett vermeidet, wo man eventuell kritisiert werden könnte. Also insbesondere auch soziale Situationen, wo ich sage, okay, da könnte ich jetzt eventuell abgelehnt werden, weil jetzt zum Beispiel da Leute dabei sind, die kenne ich noch gar nicht. Und wenn ich die nicht kenne, weiß ich nicht, ob die mich mögen oder vielleicht ablehnen. Also vermeide ich das einfach. Und so ist auch eine der großen Folgewirkungen. Von unbehandeltem oder unerkanntem ADHS, sowas wie auch zum Beispiel Sozialängste. Die können damit sehr häufig einhergehen und das macht auch total Sinn. Wenn das so weh tut, dann vermeide ich solche Situationen natürlich. Wir haben jetzt ja schon über einzelne Anzeichen und Faktoren gesprochen. Ein wichtiger großer, der natürlich, den wir am Anfang auch schon besprochen haben, der ja aber auch so das Aushängeschild oder so das bekannteste, die bekannteste Symptomatik eigentlich ist, ist diese Unaufmerksamkeit. Auch häufig gepaart mit einer Unbehandlung. Das heißt, man hat so viel Geduld, dass man merkt, okay, es ist irgendwie schwer, die Struktur zu behalten, schwer aufmerksam bei der anderen Person zu sein, die mir vielleicht auch gerade ihr Herz ausschüttet. oder mir was Wichtiges sagt, dann auch wirklich da zu bleiben. Und das ist zum Beispiel auch was, das sehe ich auch relativ häufig, dass es natürlich auch Implikationen dann für die Beziehung hat, dass man vielleicht merkt als neurotypischer Partner, Partnerin, hey, ich habe das Gefühl, du hörst mir nicht richtig zu, weil du dich nicht für das interessierst, was ich zu sagen habe. Aber eigentlich ist es für die andere Person einfach nur verdammt hart, den Fokus auf dieses Gespräch zu halten und dann auch wirklich präsent zu bleiben. Weitere der Sachen, die ich sehr häufig doch sehe, sind eben diese typischen Bereiche auch. Also eben diese Unaufmerksamkeit, die Ablenkbarkeit im Alltag, dass ich beispielsweise irgendwo sitze, mich eigentlich unterhalte und plötzlich merke, hey, da hinten unterhalten sich auch Menschen und meine Aufmerksamkeit ist sofort bei dieser anderen Unterhaltung oder bei dem Vogelgezwitscher oder bei etwas, was ich da hinten gesehen habe, was irgendwie spannend ausgesehen hat. Aber auch solche Sachen wie zum Beispiel eben diese, was auch häufig mit ADHS verbunden wird, diese Hyperaktivität, die sich sowohl körperlich niederschlagen kann, also dass ich sage, ich muss die ganze Zeit auf Achse sein, ich muss mich bewegen, ich muss hibbeln, aber auch diese innere Unruhe, dass ich sage, ich muss die ganze Zeit, ich stehe unter Strom, ich muss was tun, ich kann nicht abschalten. Dieses Nicht-Abschalten-Können wird mir auch sehr häufig berichtet, dass mir die Leute sagen, ja, ich kriege mein Leben sehr gut hin, aber wenn das aufhört, das Drumherum, dann kann ich nicht zur Ruhe kommen, dann muss ich mir das nächste Projekt und das nächste Projekt und das nächste vornehmen und ich kann nicht abschalten, was dann auch natürlich wieder Konsequenzen, was dann auch wieder Konsequenzen hat dauerhaft. Ja, das ist ja auch ein Stressfaktor, also zum Beispiel in den Sitzungen, wenn es dann auch so darum geht, zum Beispiel Ressourcen aufzubauen, mit Stresssituationen umzugehen, es ist ja total wichtig, zur Ruhe zu kommen. Das ist ja auch einer der Dinge, an denen wir viel arbeiten mit unseren Klientinnen, auch wirklich diesen Moment zu finden, zu sagen, ich lasse dieses super angespannte Gummiband, dass ich den ganzen Tag irgendwie unter Strom bin, mal zur Ruhe kommen, verbinde mich mit mir selbst, lege den Fokus nach innen, das ist für viele. Das ist für viele Menschen eh schon ein Problem und wenn dann aber auch noch dieser innere Antrieb, diese innere Unruhe on top kommt, es ist ja nochmal erschwerter, heißt aber auch, dass ich da vielleicht weniger ein Outlet habe, um mit Stressfaktoren im Außen und im Inneren umzugehen, die es vielleicht noch gibt. Also ja, Dinge, die noch im Alltag passieren, Beziehungsprobleme, andere Muster, mit denen ich vielleicht zu tun habe. Ja, genau, das ist etwas, was ich auch häufig erlebe, dass die Leute wirklich sehr am Limit gehen, dass sie immer an der Grenze sind, einfach aufgrund der vielen verschiedenen Fakten, die da auch sind, die vielen Stressfaktoren und es einfach keine Möglichkeit gibt, in irgendeiner Form abzuschalten, Ruhe zu finden. Und diese ganzen Aspekte, die wir jetzt auch genannt hatten, die sind natürlich alle super, super stressig auf Dauer. Was ich häufig auch sehe, ist, dass Menschen in eine Überkompensation gehen, also dass sie zum Beispiel sagen, okay, ich kann super funktionieren, ich kriege alles, was ich an Planung in meinem Leben habe, alles, wo ich mich konzentrieren muss, kriege ich super hin, indem ich mir zum Beispiel überall To-Do-Listen mache, indem ich mir überall Post-its hinhänge und das, das Problem dabei ist aber, dass der Grund, warum diese Menschen das machen, häufig ein negativer ist, dass ich sage, aufgrund dieser Angst vor dieser Ablehnung, die so stark ist, diese Angst, versuche ich alles daran zu setzen, dass das doch funktioniert, dass ich meine Aufgaben hinbekomme, dass ich funktioniere, dass ich geordnet bin. Aber auch das ist natürlich ein super großer Stress, wenn das, was mich motiviert, die Angst ist, diese Angst vor Ablehnung, die Angst, nicht zu funktionieren. Genau, dazu würde ich ganz gerne noch einmal eben unterstreichen, nur weil ich ADHS habe, nur weil ich neurodivergent bin, heißt das also nicht, dass ich nicht trotzdem irgendwie gut funktionieren kann im Alltag, dass ich es nicht schaffe, wichtige Dinge irgendwie wahrzunehmen, das kann trotzdem alles sein, also es ist nicht so schwarz-weiß, dass man entweder immer nur funktioniert, nur irgendwie in die eine Richtung geht oder total im Chaos landet, weil es ja eben dieses Spektrum ist und weil eben auch viele Menschen sich über ihr Leben hinweg angepasst haben und versucht haben, vielleicht zu funktionieren, und das ist ja auch ein sehr wichtiger Punkt, weil es ja eben dieses Spektrum ist und weil eben auch viele Menschen sich über ihr Leben hinweg angepasst haben und vielleicht auch Strategien zu finden, die für sie funktionieren, um damit umzugehen, wie sie das erleben, heißt ja aber nicht, dass ich nicht vielleicht, obwohl mein Leben gut läuft, innerlich nicht trotzdem diesen Leidensdruck spüre und ich glaube, das ist auch nochmal ganz wichtig zu unterstreichen. Wenn ich jetzt diese Schwierigkeiten, von denen wir jetzt gerade gesprochen haben, habe und beispielsweise allein lebe, nicht in einer Partnerschaft bin, dann sind das natürlich Sachen, die meinen Alltag sehr viel schwerer machen. Wenn ich aber in einer Beziehung bin, dann werden diese Schwierigkeiten natürlich potenziert, dann wiegt das natürlich noch viel, viel mehr, wenn ich beispielsweise sage, okay, ich sehe viele Sachen nicht, die im Alltag sind, ich kann vieles nicht wahrnehmen oder ich vergesse vieles. Und das ist tatsächlich gerade, was ADHS und Beziehungen betrifft, eines der großen Probleme, das ich immer und immer wieder sehe oder vielleicht sogar das Hauptproblem, die Sachen im Alltag, also die Alltagsorganisation. Ganz typisch ist, wenn bei mir ein Paar kommt, wo ein Partner ADHS hat und dann das Thema aufkommt, wo gesagt wird, hey, ich kriege das einfach nicht. Ich kriege es einfach nicht hin, den Müll rauszubringen. Ich kriege das einfach nicht hin, Termine auszumachen. Ich kriege es einfach nicht hin, eine Regelmäßigkeit in den Alltag zu bekommen, dass das natürlich in der Beziehung einen riesen Chaos verursacht. Einfach, weil dann auch die andere Person, die Person, die kein ADHS hat, total überlastet ist, weil diese Person immer und immer wieder überkompensieren muss, die Arbeit der anderen Person abnehmen muss und sich irgendwann, und das ist tatsächlich etwas, was ich häufig höre, irgendwann fühlt, die Person fühlt sich, als hätte sie ein Kind da sitzen und keinen Partner. Das ist das, was ich höre. Das heißt, ich bin dann irgendwann an einem Punkt, wo die Beziehung nicht mehr auf Augenhöhe ist, wo ich den Eindruck habe, okay, ich muss dir alles nachtragen, ich muss immer für dich mitdenken und egal, wie oft wir darüber reden, egal, wie oft ich dir sage, dass mich das stört, es ändert sich einfach nichts. Wenn es dann einen Schritt weiter geht und man ist vielleicht ein bisschen länger zusammen, kann natürlich daraus entstehen, dass sich das Bild von der anderen Person, also der neurodivergenten Person, verändert. Und gerade wenn es undiagnostiziertes ADHS ist, man also gar nicht weiß, was dahintersteht, kann es schnell passieren, dass man als Partner, der jetzt die Verantwortung übernimmt, irgendwann vielleicht denkt, so, du bist faul, dich interessiert es nicht, dass mich das stört, dir ist es nicht wichtig, dass mir das wichtig ist. Und das sind natürlich große Dinge, die Vertrauen und Sicherheit, also die Basis einer Beziehung auch angreifen können, wenn ich das immer wieder denke und es dann irgendwann zur Wahrheit wird. Das heißt, an den Verhaltensweisen, die eigentlich vielleicht sich auch aus dem ADHS speisen, leite ich dann irgendwann an. Was für mich bedeutet, ich habe einen Partner, Partnerin an meiner Seite, die nicht auch in die Beziehung so investiert, wie ich das brauche oder eben nicht auf meine Bedürfnisse eingeht. Und das kann, wie gesagt, natürlich auch irgendwo ein Trennungsgrund sein und wäre schade, wenn da dieses Verständnis dafür fehlt. Ja, und dadurch, dass sich dadurch diese Dynamik dann so eine Kluft auftut zwischen den Partnern, das führt natürlich auch dazu, dass, und da gibt es tatsächlich auch Studien genau dazu, wo herausgefunden wird, dass die Beziehung, die wir haben, wo herausgefunden wurde, dass Paare, wo ein Partner ADHS hat, dass da die Beziehungsunzufriedenheit deutlich erhöht ist. Da merkt man auch wirklich, das kann man daran wirklich ablesen, dass da eine erhöhte Unzufriedenheit ist, dass die Beziehung gestört ist durch diese Dynamik, die da entstanden ist. Und auch tatsächlich, und auch dazu gibt es eine Studie, die sagt, dass dauerhaft, wenn diese Beziehungsunzufriedenheit so erhöht ist, es auch tatsächlich zu einer erhöhten Rate der Trennung kommen kann. Was ja auch absolut Sinn macht, weil es eine Belastung darstellt, gerade wenn das Verständnis dafür fehlt, was passiert hier eigentlich mit uns und jeder irgendwo isoliert ist mit seinem eigenen Leidensdruck und man Schwierigkeiten hat, wieder zusammenzufinden. Ein Sonderfall, den ich auch immer wieder höre, betrifft das Phänomen vom Hyperfokus. Der ist auch allseits bekannt meistens. Das ist ein Phänomen bei Menschen, die betroffen sind von ADHS, dass die Menschen häufig sich auf ein bestimmtes Thema oder auf eine bestimmte Sache fokussieren und plötzlich fällt ihnen das, was ihnen sonst nicht gut geht. Das ist für uns so schwerfällt, total leicht. Die Menschen sind total fokussiert, sind total dabei, sind total bei der Sache. In Beziehungen zeigt sich das häufig so, dass wenn die Beziehung startet, der Beziehungspartner, also die Person ohne ADHS, plötzlich total viel Aufmerksamkeit bekommt, weil diese Person plötzlich sozusagen das Zentrum der Aufmerksamkeit ist. Diese Person wird mit dem Hyperfokus förmlich überschüttet, mit Aufmerksamkeit, mit Liebe, mit Zuneigung, was sich auch total schön anfühlt am Anfang einer Beziehung. Das ist ein total schönes Gefühl. Das Problem ist nur, dass das dann nach kurzer Zeit auch wieder abnimmt. Dann richtet sich dieser Hyperfokus auf etwas ganz anderes und die Person, die vorher sich so geliebt gefühlt hat, fühlt sich plötzlich vollkommen ungeliebt, merkt plötzlich, da hat sich was total geändert und interpretiert das als ein Wow, okay, da hat plötzlich etwas nachgelassen, was die Gefühlslage betrifft, was die Emotionen betrifft. Das ist aber tatsächlich nicht das, was eigentlich passiert. Das, was eigentlich passiert ist, dass die Beziehung sich normalisiert, dass jetzt ein normales Verhältnis da ist von Aufmerksamkeit, statt diesem kompletten Aufgehen in dem Beziehungspartner. Und das ist ja dann ein bisschen wieder ähnlich zu dem, was wir als Beziehungsproblematik davor auch gerade mit dem Thema Haushalt besprochen haben. Das, was dann halt übrig bleibt, vielleicht eben dieser Gedanke, du liebst mich jetzt gerade weniger oder, wie gesagt, auch alles andere ist dir wieder wichtiger, kann natürlich eben diese Problematiken, die sonst noch so entstehen, auch noch viel schmerzhafter machen, wenn gefühlt die Nähe und Wertschätzung ebenfalls weniger geworden ist und die Probleme, die man dann vielleicht im Alltag, im Haushalt so sieht, mehr werden. Und wenn ich dann immer wieder diese Gedanken habe von: Du interessierst dich nicht für mich, du investierst nicht mehr in die Beziehung, dann baut sich da mit der Zeit natürlich diese Gedanken auf. Und dann haben wir hinterher eine Beziehungsdynamik, die halt eben ins Problematische rutschen kann. Jetzt stellt man sich ja wahrscheinlich an diesem Punkt die Frage: Okay, jetzt wissen wir, was das ist. Wir wissen, wie sich das in Beziehungen typischerweise zeigt. Was zum Teufel kann man denn jetzt dagegen machen, dass es eben nicht dazu führt, dass sich die dieses negative Bild voneinander aufbaut und es zu Frustrationen und zu Problemen kommt. Der allererste und wichtigste Punkt, über den wir jetzt ja auch schon so ein bisschen gesprochen haben, ist das Thema Verständnis. Wenn ich natürlich besser weiß, was bei der anderen Person passiert, wenn wir das klar benennen können in der Beziehung, dann kann es schon mal eine große Form der Erleichterung sein und macht es eben auch viel, viel einfacher, in der Kommunikation zu sagen, okay, das gehört dazu oder das muss ich dann auch nicht mehr so persönlich nehmen vielleicht als neurotypische Person, weil ich mehr weiß, zu was das gehört und dass die andere Person da auch ein Stück weit nichts bekannt. Das Verständnis und die Wichtigkeit davon geht aber natürlich in beide Richtungen, denn es ist keine Einbahnstraße. Auch die Person ohne ADHS muss wissen, dass ihre Position verstanden und gehört wird. Das heißt, als neurodivergente Person ist es wichtig, auch verbal zu kommunizieren, hey, ich kann mir vorstellen, dass es zum Beispiel in den und den Momenten schwierig für dich ist oder dass es da schwer für dich ist, sich in mich hineinzuversetzen, weil du das ganz anders erlebst. Es ist wichtig, dass wir uns beide in der Beziehung gehört fühlen und voneinander wissen, du gibst dir Mühe, meine Welt besser zu verstehen. Im Zuge dessen ist es ja auch wichtig zu verstehen, die Person ohne ADHS, wenn die nörgelt oder sich beschwert, dass es eher ein Ausdruck von dem Leidensdruck ist, eben vielleicht da mehr Verantwortung. Übernehmen zu müssen, dass ich als Person mit ADHS das aber auch anders abspeichere und aufpasse, dass es vielleicht eben nicht genau wieder in diese Kerbe schlägt von ich als Person werde abgelehnt, sondern dass ich da auch Verständnis haben kann und sagen kann, hey, ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist und dass man da auch irgendwann genervt und frustriert mit ist. Ein Aspekt neben dem gegenseitigen Verständnis, den ich für sehr, sehr wichtig erachte, ist auch das Informieren über ADHS und zwar alles, was auch dazugehört. Das heißt, das ist ganz, ganz, ganz wichtig. Dass beide Partner, also sowohl diejenigen mit ADHS als auch diejenigen ohne ADHS, sich über das Thema informieren, Informationen einholen an vielen verschiedenen Stellen, also sowohl psychologisch als auch psychiatrische Hilfe suchen, sich Informationen einholen, das auch ernst nehmen, was da vielleicht sein könnte. Was das Psychiatrische betrifft, und das ist eine Empfehlung, die ich häufig gebe, ist zu sagen, okay, sucht euch einen Psychiater, guckt, ob ihr eine Diagnose bekommt. Das hat den Vorteil, dass man sich nicht nur an die Diagnose interessiert, dass wenn ich eine psychiatrische Diagnose bekommen habe, ich einerseits die Klarheit habe, da steht schwarz auf weiß, ich habe das, oder ich habe das auch nicht, und ich habe gleichzeitig, wenn das gewünscht ist, auch die Option, mich medikamentös behandeln zu lassen. Prinzipiell gilt dazu, dass ADHS sich sehr gut medikamentös behandeln lässt. Das gehört zu den psychiatrischen Diagnosen, die sich am besten medikamentös behandeln lassen. Das ist aber natürlich etwas, was jedem überlassen ist. Das ist eine ganz individuelle Entscheidung. Und ich finde es auch immer ganz wichtig zu betonen, dass man sich nicht zu irgendetwas, was drängen lässt, was man vielleicht nicht möchte. Auch wenn vielleicht der Wunsch des Partners ohne ADHS ganz, ganz stark sein sollte, dass gesagt wird, bitte nimm doch etwas, wir haben so große Probleme, dass man aber sagt, wenn ich diesen Weg gehe, das muss etwas ganz Individuelles sein, was ich für mich entscheide, dass man keinesfalls da reingeht und das Gefühl hat, ich fühle mich in irgendeiner Form gezwungen hier. Wenn man sich dazu entscheiden sollte, diesen medikamentösen Weg auszuprobieren, da einfach mal zu gucken, bringt mir das etwas, wenn ich diesen Weg gehe, gibt es auch da einige Sachen zu beachten. Auch da ist es ganz wichtig zu sagen, ich gehe diesen Weg, ich lasse mir auch die Zeit, die ich vielleicht brauche, probiere verschiedene Sachen aus, informiere mich, versuche das auch nicht zu überstürzen. Generell gilt, was das Thema Medikamente betrifft, da gibt es ganz viele verschiedene Möglichkeiten, die ich habe. Das häufigste Medikament, das die meisten Menschen wahrscheinlich auch kennen werden, wenn das Thema ADHS auftritt, ist Ritalin. Das ist aber nicht das einzige Medikament. Es gibt da noch weitere Alternativen. Und etwas, was ich ganz häufig beobachte, ist, dass auch hier so ein, so ein Entfindungsprozess stattfinden muss. Dass ich sage, ich probiere mal das eine und gucke, hilft mir das? In welcher Dosis hilft mir das? Und wenn mir das noch nicht so gut hilft, wenn ich den Eindruck habe, da könnte noch mehr passieren, vielleicht noch mehr der negativen Sachen wegzubekommen, die mit ADHS einhergehen. Ich aber auch vielleicht sage, okay, ich habe vielleicht den Eindruck, ich habe mein Potenzial hier auch noch nicht ausgeschöpft. Dann probiere ich etwas anderes und gucke einfach, ist das etwas, was mir gut tut oder nicht? Und das sollte auch immer so der leitende Gedanke dabei sein. Wenn man die Diagnostik dann machen lässt, ist es natürlich für manche Menschen total erleichternd, einen Namen dafür zu haben und auch zu wissen, okay, ich habe das. Man muss da aber auch so ein bisschen aufpassen, dass das hinterher nicht etwas wird, was irgendwie rumgeworfen wird, für alles immer hergezogen wird. Ah ja, das ist ja hier wieder dein ADHS oder das ist ja hier wieder deine Störung, in Anführungsstrichen, wenn man dann sozusagen vielleicht in einem Streit ist und das gegeneinander verwendet. Das passiert manchmal. Da sollte man sich aber wirklich vorher ganz sensibel drauf einstellen, dass man auch gerade als Partner, ohne ADHS, dann sehr respektvollen Umgang auch mit hat. Ja, einen weiteren Tipp, den ich häufiger als sehr gut empfunden habe oder der mir gesagt wurde, dass die Leute damit sehr gut klarkommen, ist zu sagen, macht eine Bedienungsanleitung für eure Beziehung. Schaut, okay, wo sind unsere Stärken, wo sind unsere Schwächen? Wer von uns kann was gut? Und lasst uns das, was gut funktioniert, noch mehr davon machen. Lasst uns die Stärken, die schon da sind, stärken und bei den Schwächen, lasst uns da mal was anderes probieren. Etwas, was bisher nicht funktioniert. Etwas, was bisher nicht geklappt hat. Das müssen wir nicht ewig immer und immer wieder wiederholen. Wenn es zum Beispiel jetzt im Haushalt etwas gibt, wo die Person mit ADHS sagt, hey, das fällt mir leichter zum Beispiel, dass ich sage, okay, ich mache einmal in der Woche putze ich die Bäder. Das fällt mir leichter, als zum Beispiel jetzt im Klein-Klein jeden Tag darauf zu achten, wo stehen jetzt die Kaffeetassen rum oder wo liegt der Müll jetzt hier genau. Dass ich dann sage, okay, wir teilen das ein bisschen mehr auf. Dass die Person mit ADHS die Sachen macht, die ihr eben leichter fallen, wo die Hindernisse nicht so groß sind und die andere, die andere Person dann eben diese Bereiche übernimmt, die ihr dann wiederum leichter fallen. Dass man da sagt, okay, wir spielen mit unseren Schwächen und unseren Stärken, so wie es am besten zu uns passt. Und natürlich ist es da auch super hilfreich, sich die externe Hilfe zu suchen. Also wie gesagt, in Form von einem Psychiater, einer Psychiaterin oder eben auch in Form von einer Paartherapie, wenn man jetzt merken sollte, das hat vielleicht auch gewisse Wunden und Verletzungen hinterlassen. Wir müssen gucken, wie wir zusammen als Paar auch näher rücken und jeder auch das Verständnis für die andere Person wieder aufarbeitet. Dann könnt ihr euch natürlich auch sehr gerne bei uns bzw. bei Arne melden. Er hat sich ja darauf spezialisiert und ich hinterlasse auch nochmal die Möglichkeiten zu gucken, wie man mit uns zusammenarbeiten kann in der Podcast-Beschreibung. Ich hoffe, dass du heute viel mitnehmen konntest und wir uns dann nächste Woche wieder zu einer neuen Paarpsychologie-Podcast-Folge wiederhören. Ich wünsche dir bis dahin noch einen wunderschönen Tag. Bis zum nächsten Mal.

Podcast Summary

Key Points:

  1. ADHS manifestiert sich vielfältig und individuell, mit Ausprägungen wie Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität und emotionaler Überempfindlichkeit.
  2. Die Beziehung zwischen neurotypischen und neurodivergenten Partnern wird durch Unterschiede in Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Emotionsregulation beeinträchtigt.
  3. Unbehandelte ADHS-Faktoren führen oft zu sozialen Ängsten, Überkompensationen und einem Gefühl der Abneigung, was Beziehungsschwierigkeiten verursacht.
  4. Die Wahrnehmung von Ablehnung oder Kritik ist besonders belastend bei Menschen mit ADHS und kann zu einem verzerrten, abweisenden Verständnis führen.
  5. Beziehungen mit ADHS zeigen eine erhöhte Unzufriedenheit und eine höhere Trennungsrate, wenn kein Verständnis und gegenseitige Empathie bestehen.
  6. Phänomene wie der Hyperfokus führen anfangs zu einem starken emotionalen Engagement, aber später zu Frustrationen durch das Gefühl der Abwesenheit.
  7. Gegenmaßnahmen umfassen Verständnis, gemeinsame Informationsaufnahme, medizinische Diagnose und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung.
  8. Die Schaffung einer gemeinsamen "Bedienungsanleitung" für die Beziehung hilft, Stärken zu nutzen und Schwächen durch gegenseitige Verantwortung zu reduzieren.

Summary:

ADHS ist eine vielfältige und individuelle Störung, die sich in verschiedenen Formen wie Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität und emotionale Empfindlichkeit zeigt. In Beziehungen führt dies häufig zu Missverständnissen, da neurotypische und neurodivergente Partner unterschiedliche Wahrnehmung und Reaktionsmuster haben. Besonders belastend ist die Empfindlichkeit gegenüber Ablehnung oder Kritik, die zu Frustration und Abweisung führen kann.

Diese Effekte verstärken sich in Beziehungen, wo eine Diagnose fehlt oder nicht verstanden wird – was zu erhöhter Unzufriedenheit und höheren Trennungsrisiken führt. Phänomene wie der Hyperfokus schaffen zunächst starke Nähe, die jedoch nach kurzer Zeit zu dem Gefühl der Abwesenheit führt. Ein wirksamer Umgang erfordert Verständnis, gemeinsame Informationsaufnahme, mögliche medizinische Diagnose und medikamentöse Behandlung, wenn gewünscht.

Zudem hilft es, eine gemeinsame "Bedienungsanleitung" für die Beziehung zu entwickeln, in der Stärken genutzt und Schwächen durch gegenseitige Verantwortung verteilt werden. So können Partner einander besser verstehen, Vertrauen aufbauen und die Beziehung nachhaltig stärken, auch durch externe Unterstützung wie Paartherapie.

FAQs

ADHS ist eine neurologische Störung, die durch sprunghaftes Aufmerksamkeitsverhalten, innere Unruhe und starke emotionale Reaktionen gekennzeichnet ist. In Beziehungen kann dies zu Frustrationen führen, da Partner oft nicht verstehen, dass solche Reaktionen Teil eines inneren Zustands sind.

Ein gegenseitiges Verständnis hilft, Missverständnisse zu vermeiden und schwere Frustrationen zu reduzieren. Es ermöglicht, dass beide Partner ihre eigene Wahrnehmung und Emotionen besser verstehen und respektvoll miteinander umgehen.

Unbekannte oder unbehandelte ADHS-Faktoren führen oft zu einer Überlastung des neurotypischen Partners, der dann verantwortlich für viele Alltagsaufgaben wird. Dies kann zu einem Gefühl der Isolation, Verletzungen und einem verlorenen Vertrauen führen.

Der Hyperfokus beschreibt, dass eine Person mit ADHS plötzlich stark auf ein Thema fokussiert ist. In Beziehungen führt das zu einer kurzfristigen Überwachung des Partners, die dann nach kurzer Zeit abnimmt und die andere Person als ungeliebt empfindet.

Durch gemeinsame Informationsarbeit, klare Kommunikation über die jeweiligen Stärken und Schwächen und durch die Schaffung von gemeinsamen Verantwortlichkeiten, die auf die individuellen Fähigkeiten abgestimmt sind, kann die Beziehung stabil und ausgewogen werden.

Nein, es ist eine individuelle Entscheidung. Medikamente wie Ritalin können helfen, aber nur bei Personen, die dies wünschen und die sich darauf einlassen. Es ist wichtig, dass die Entscheidung frei und ohne Zwang getroffen wird.

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