A - Achtsamkeit und Anfängergeist mit Michael Neuber
29m 54s
In diesem Podcast-Ausschnitt erklärt Michael Neuber, Zen-Lehrer („senze“) in der Daishin-Zen-Tradition, die Konzepte Achtsamkeit und Anfängergeist. Achtsamkeit wird nicht als willentliche Fokussierung, sondern als ein Zustand des verbundenen, offenen und nicht-wertenden Gewahrseins aller Sinneseindrücke und inneren Regungen beschrieben. Ein Beispiel ist das vollständige Erleben eines Sonnenuntergangs mit allen Sinnen, anstatt ein Foto davon zu machen. Im Zen, beispielsweise während der Teezeremonie, bedeutet dies, die choreografierten Abläufe nicht verkopft auszuführen, sondern in einen Fluss der Verbundenheit mit der Situation und den anderen einzutreten, was angemessene Reaktionen auf Störungen wie eine herunterfallende Spinne ermöglicht.
Der eng damit verbundene Anfängergeist bezeichnet die Haltung, jede Erfahrung so wahrzunehmen, als wäre es das erste Mal, frei von vorgefassten Konzepten und Bewertungen. Dies ist keine naive Einfalt, sondern eine Fähigkeit, die durch Meditation und Selbstwahrnehmung entwickelt wird. Praktisch kann man im Alltag durch kurze, achtsame Atemzüge und das Spüren der Körperenergien (z.B. durch eine Hand am Unterbauch) aus automatischen Reaktionsmustern aussteigen und sich für neue Möglichkeiten öffnen. Beide Konzepte zielen auf Loslassen, Verbundenheit und ein tiefes, unmittelbares Erleben des gegenwärtigen Moments ab.
Von "a" bis "sen" – dein Podcast über lebendige Sendpraxis. Ein ganz herzliches Willkommen zu diesem Podcast. Bei von "a" bis "sen" tauchen wir gemeinsam einen das Thema "sen", genauer gesagt in das "deischin-sen". Das ist ein modernes, westliches "sen" mit traditionellen Wurzeln in Japan. "deischin-sen" heißt "großer Geist" oder "großes Herz" und wird in "sen" closer in Buchenberg im Allgäu praktiziert. Aber mein heutiger Interviewpartner Michael Neuber, der kann das sicherlich noch besser erklären. Hallo, Michael. Hallo, Bettina. Michael, du bist "senze" im "deischin-sen". Erklär unseren Zuhörerinnen und Zuhörern doch gerne mal, was das genau bedeutet. "senze" heißt einfach nur "lehrer" und das heißt, dass ich eine gewisse Ausbildung durchlaufen habe im "deischin-sen" bin jetzt seit 18 Jahren dort auf dem Weg und irgendwann hat mein Lehrer hinter Polenski gemeint, ja, jetzt könnte ich auch in die Lehrtätigkeit gehen. Und es kommen Leute, die das Vertrauen haben, sich von mir etwas beibringen zu lassen. Und ich habe auch Lust dazu und wenn das alles drei zusammenkommt, dann ist man Lehrer. Nicht mehr und nicht weniger. Sehr schön. Michael, wenn man Lehrer ist, kriegt man auch einen besonderen Namen, richtig? Ja. Mein Name ist "Horen" und das heißt übersetzt "Darmalotus". Ja, in der Zeremonie, als ich damals, damals Schüler, das heißt, persönlicher Schüler meines Meisters geworden bin, hatte es so erklärt, ja, weil ich die Buddha leere wie im Blumen auf dem Weg aus treue. Sehr schön. Das ist ein toller Name. Ja, gefällt mir auch sehr gut. Micha, wir haben uns für die heutige Folge von "Abesend 2 Begriffe" ausgesucht. Wir starten natürlich mit dem Buchstaben "A" und der erste Begriff, der uns da sofort in den Sinn gekommen ist, ist das Thema "Achtsamkeit". Das ist ja ein Wort, das uns irgendwie überall begegnet, in Zeitschriften, in Podcasts, in Apps, in Coachings. Und es klingt oft irgendwie nach so einem Leist-Dial-Produkt. Für mich ist es irgendwie so ein Bassword geworden. Aber was bedeutet "Achtsamkeit"? Denn aus Sicht das Daischen sein und wie wichtig ist die Achtsamkeit? Ja, Achtsamkeit ist ein Bewusstseinszustand, den wir im Grunde genommen nicht willentlich herbeiführen können, sondern wir können ihn eigentlich nur zulassen und frei werden lassen. Achtsamkeit im Daischen Sinn ist das verbundene Sein in und mit allem in uns selbst und in der Welt. Ja, ich gebe vielleicht mal ein Beispiel, ein Beispiel aus der Praxis. Wenn wir uns vorstellen, wir sind irgendwo am Strand, hatten einen wunderschönen Urlaub. Es ist der letzte Urlaubsabend und wir sehen einen Sonnenuntergang. Dann ist der Alltagsgeist, dass wir dann schon merken. Ja, okay, schöner Sonnenuntergang und jetzt zöcke ich meinen Handy, mache ein Foto davon. Vielleicht noch ein Selfie mit meiner Partnerin und dann wird das sofort gepostet. Das ist genau das Gegenteil von Achtsam, weil ich gar nicht in dieser ganzen Situation bin. Ich bin nicht verbunden, ich mache ein Foto und habe hinterher eine Erinnerung an das, was ich wirklich hätte erleben können. Wenn ich nun Achtsam bin, dann nehme ich alles mal, was in dieser Situation da ist. Also ich sehe die Farben, ich schwöre die Wärme, ich fühle den Wind auf der Haut, in den Jahren. Ich höre alle Geräusche, die da sind, dass mir die Vögel der Wind vielleicht in den Dünen im Gras und ich schwöre auch den Sand an den Füßen. Und dann bin ich richtig drin und habe ich das erlebt. Dann ist so die erste Form, was ich das wahrnehme, dass ich vielleicht auch in mir selber wahrnehme. Ja, da ist eine gewisse Traurigkeit, weil der Urlaub jetzt bald vorbei ist, auch das gehört mit zur Achtsamkeit dazu. Und wenn ich noch etwas geübter bin, dann verschwimmt die Grenze zwischen mir und der Welt drum herum. Dann ist die wahrnimmende Person und das war genommen objekt mehr und mehr eins. Und dann bin ich diese ganze Situation und brauche gar kein Foto mehr, weil ich sie wirklich mit meinem ganzen Sein erlebt habe, weil ich wirklich drin war. Und vielleicht spüre ich dann auch, dass meine Partnerin, meine Partner in diesem Moment vielleicht auch einfach nur die Nähe spüren will und dass wir einfach im Schweigen da sitzen. Vielleicht die eine Hand in der Hand des anderen und einfach diese ganze Situation bewirken lasse. Das ist dann Achtsamkeit. Bedeutet das dann, dass ich in Zukunft keine Fotos mehr machen sollte? Doch, kann man ja auf jeden Fall ja. Man kann auch Achtsam Fotos machen. Ich kann ja in dieser Achtsamkeit, in dieser Verbundenheit sein und dann trotzdem ein Foto machen. Es ist sogar so, dass dieser kreative Prozess des Fotografierens dann sogar noch ganz automatisch spielerisch gelingt. Und ich ganz automatisch den richtigen Bild ausschnitt den richtigen Zeitpunkt wähle, ohne dass ich mich jetzt darauf fokussieren muss. Fokus ist wieder Gegenteil von Achtsamkeit. Und würdest du sagen, dass es auch der entscheidende Unterschied zwischen Achtsamkeit im Sennen und Achtsamkeit, was man so allgemein in der Gesellschaft darunter versteht? Ja, das ist der entscheidende Unterschied. Achtsamkeit, so in der allgemeinen Gesellschaft ist ja, dass ich mich ganz genau auf etwas fokussiere, dass ich meine Antennen ganz bewusst auf etwas ausrechte. Und in der Achtsamkeit mache ich mich eigentlich ganz offen und fahre alle möglichen Antennen aus, die die ich beabsichtige und die die ich nicht beabsichtige. Und ich bin dann wirklich, ja, hab sich zu los verbunden und nehme sehr viel mehr wahr als wir das im Alltag tun. Und wenn ich jetzt, zum Beispiel vorstelle, ja, ich bin in der Teezerimonie und ich bin Teegeber, also Gisha. Und wenn mir dann ein Fehler passiert, bedeutet das, dass ich vielleicht nicht Achtsam war oder was genau ist die Konsequenz. Das mit der Achtsamkeit ist ja ein Prozess und du sprichst tatsächlich etwas an. Wenn wir im Deischen Sennen morgens meditieren, wenn wir gemeinsam Tee trinken, dann tun wir das in einer gewissen Form, in einer gewissen Koriografie. Und die müssen wir erst einmal einüben. Wir sagen dann ja auch immer, das ist ein Achtsamkeitsübung. Wir achten auf unser Gegenüber, damit alle Bewegungen in einer gewissen Harmonie und Reihenfolge ablaufen. Und zu Anfang muss man diese Koriografie erst einmal lernen und dann konzentrieren wir uns darauf, so welche Bewegung kompiell ist, was macht mein Gegenüber? Ich will nicht zu spät sein, ich will nicht schlefrig wirken. Und dann ist da unheimlich viel Wille drin und dann passieren natürlich auch mal Fehler. Wenn ich wirklich offen bin, dann spüre ich im Grunde genommen die Bewegungsintention der Person, die neben mir sitzt und die mir gegen Übersitzt. Und dann mache ich im Grunde automatisch alles richtig, so wie es für diese Situation dann angemessen ist und dann kann ich auch auf vermeintliche Störung reagieren. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation. Die Teegeberin war dann in der Haltung zum Tee eingießen direkt vor mir und es seilt es sich eine Spinne von der Teekanne ab. Das kann man natürlich nicht vorhersehen. Und das dann im Grunde genommen spielerisch zu lösen, ohne aus der Koriografie wirklich vollkommen auszufallen und die Zierimonie abzubrechen, das ist dann tatsächlich 8 Samkeit. Und wie habt ihr das dann gelöst? Ich habe mit einer sanften Handbewegung den Spinnenfahrten durchtrennt und die Spine ist dann zu Boden gefahren. Okay, aber nicht in die Tee Tasse. Nicht in die Tee Tasse. Da hat sie nochmal Glück gehabt. Oder es hat sich auch mal ein Teegeber, das Gleichgewicht verlogen und sich dann mit der Kanne aufmicht gestürzt. So was kann natürlich bei aller Achtsamkeit, bei einer verbunden sein, kann sowas einfach passieren. Und dann nicht in völliger Panik die Zierimonie abzubrechen, sondern das tun, was in dem Augenblick angemessen ist, den Sturz aufzufangen. Das ist dann 8 Samkeit. Also ich kann mich daran erinnern, als ich das erste Mal Gisha war. Und ich war so aufgeregt und so fokussiert, wie du schon sagst, der also so eng im Kopf mit diesem. Ich darf kein Fehler machen, ich muss mich hier verbeugen, ich muss daran denken und dies, dass um jenes, dass ich natürlich automatisch, es ist nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe, weil ich natürlich irgendwie eine Verbeugung vergessen habe oder irgendwas nicht richtig gemacht habe. Und dann war es total wichtig für mich, das aber in dem Moment direkt wieder loszulassen und weiter zu machen, weil hätte ich diesen Fehler festgehalten, dann werden mir wahrscheinlich noch mehr Fehler passiert oder ich wäre komplett rausgefallen aus meiner Rolle. Achtsamkeit ist eben auch wahrnehmen. Auch ja, Mensch, jetzt habe ich hier einen vermeintlichen Fehler gemacht und ich werde innerlich unruhig. Und es gibt eine Instance in mir, die das jetzt bewertet. So, auch das ist Achtsamkeit. Wenn ich das gar nicht merke, dann lauf ich in so einen Kreislauf der zunehmenden Verkrabenfolg. Wenn ich das merke, ja, ich fange jetzt an, diese Situation zu bewerten und jetzt ist das gut und jetzt ist das schlecht. Mit dem Augenblick, wo ich dessen Gewahr werde, kann ich auch, innerlich sagen, scheiß drauf, ist jetzt passiert, ich mache einfach weiter. Also man könnte sagen, dass Achtsamkeit im Senn weniger mit Kontrolle zu tun hat, weniger mit Fokus, sondern mehr mit loslassen, verbunden sein und in den Fluss der Situation sich reingeben. Genau, mit es völliger Offenheit. Wenn alle Konzepte in mir abfallen, wie etwas sein soll, sein muss, dann bin ich völlig offen und dann bin ich auch verbunden mit allem, was jetzt gerade da ist. Also ich merke tatsächlich, dass ich natürlich oft versuche, die Dinge mit dem Kopf zu lösen. Und mir jetzt denke, ja einerseits heißt, dass Achtsamkeit bedeutet Aufmerksamkeit, andererseits soll ich aber nicht verkopf sein. Es führt sich irgendwie an wie so ein Paradox, so ein unlösbares Rätsel. Wie kann ich das für mich lösen? Das ist tatsächlich die Meditationsübung und das passiert ja nicht von jetzt auf gleich, sondern es ist tatsächlich ein Übungsweg. Also unser kleines Begrenzen des und begrenztes Ich, dass wir uns im Laufe des Lebens angeeignet haben, das möchte natürlich über alles eine gewisse Kontrolle haben und Kontrolle behalten. Die Achtsamkeit Meditation ist im Grunde genommen relativ einfach, dass wir uns hinsetzen, dass wir in die Stille gehen und dann erst einmal alles wahrnehmen, was da ist, was ist in mir, was fühle ich gerade. Ja, da kommt ein Gedanke, was ist draußen, was kann ich hören, was kann ich fühlen, vielleicht kann ich etwas riechen, das Räucherstäbchen und jetzt fange ich an zu bewerten und dass wir das alles wahrnehmen, auf uns wirken lassen, das ist so die erste Stufe im Grunde genommen, dass wir das üben und trotzdem immer wieder in die Stille zurückkehren. Die nächste Stufe ist dann, dass wir uns in alles, was da ist, ja tiefer und tiefer hineinfahren lassen, dass wir da in die Versenkung gehen. Dann lockert sich diese Grenze zwischen innen und außen zwischen dem kleinen Konstruiertem selbst und dem, was jetzt wirklich da ist und dann sind die Dinge wieder gut noch schlecht, sondern sie sind einfach so, wie sie sind. Und dann mache ich einen Fehler bei der T-Zeremonie, ja und dann ist es so und es schlicht keine weiteren Willen, aber das ist ein Übungswich. Du hast ja schon viele Menschen beim Üben der Achtsamkeit erlebt, da gibt es sicherlich auch so einen Moment, in dem dann plötzlich was aufgeht. Kannst du beschreiben, was dann passiert, also wenn jemand aus dieser angespannten Engen, Achtsamkeit, in dieser Echte, offene Weite kommt? Ja, ist immer schwierig, so etwas zu beschreiben. Wenn ich das jetzt tue und wir haben Zuhörinnen und Zuhörer, dann bilden die natürlich daraus gleich ein Konstrukt und sagen sich ja, so muss sich das anfühlen, wie der das jetzt beschreibt und schon sind wir wieder in der Engel drin. Aber ich kann es einfach mal ja auch so aus der eigenen Erfahrung versuchen, auch das war im Urlaub. Ich saß Schweden in einem wunderschönen Garten und ich habe auch erst alles so wahrgenommen, die Insekten, die da vorbei geflogen sind. Und dann, die Vögel, ich habe den Wind wahrgenommen und dann hat sich mit einem Mal etwas geöffnet, insofern, dass ich nicht mehr unterscheiden konnte. Wo sind denn jetzt diese Geräusche, sind die jetzt in mir oder sind sie draußen? Wer erzeugt, sie eigentlich, das hat sich vollkommen vermischt. Und wenn das passiert, man selbst kann das gar nicht übergehen, weil das ist völlig anders, als man das bisher gewohnt ist, ist im Grunde genommen so. Als hätte man zum allerersten Mal einen Vogel gehört. Das klingt so ein bisschen absurd. Natürlich haben wir alle schon mal einen Vogel gehört, aber das veranders. Und wenn das passiert, hören wir ihn zum ersten Mal viel intensiver, wie gesagt so, als wäre es das allererste Mal gewesen. Es ist ein bisschen quasi wie nach einem langen Winter zum ersten Mal im Worgens wieder wachzunehmen, dass die Vögel zwitschern. Ja, genau, ja. Sehr schön. Ich habe mir tatsächlich für diese Ausgabe des Podcasts auch noch einen weiteren Begriff gewünscht, nämlich Anfängergeist. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass dieser Begriff mit der Achtsamkeit auch ziemlich eng zusammenhängt. Kannst du beschreiben, wo und wie sich diese Begriffe im Daischinen sind begegnen? Ja, im Grunde sind wir da ja schon im Mitten drin. Also wenn wir das tatsächlich erleben, das ist sich so anfühlt, als würden wir einen Vogel zum allerersten Mal hören, dann ist das purer Anfängergeist. Das ist diese völligue Offenheit, alle Erinnerungen, alle Konzepte sind völlig weg und ich nehme die Dinge so wahr, als hätte ich sie noch nie wahrgenommen. Ja, wir tun da keine Namen drauf, wir kleben kein Etikett drauf, sondern wir sind völlig offen im Grunde staunend wie ein Kind. So sinkt ein Vogel. Ja. Würdest du sagen, der Anfängergeist ist eine Haltung oder eine Fähigkeit? Es ist auch eine Fähigkeit, wenn ich das erlauben kann, wenn ich da reingehen kann. Es ist natürlich eine Fähigkeit, aber es ist dann tatsächlich auch eine Art von Bewusstseitszustand, in dem wir unser normales Alltags, ich das alles bewertet, das alles schon weiß, das alles schon kann, das alles schon mal erlebt hat, in dem wir das einfach loslassen, losgelassen haben, sich aufgelöst hat und dann sind die Dinge so wie sie sind und nicht so, wie wir sie gerne haben möchten. Ich muss automatisch natürlich an diese kindliche Leichtigkeit denken, weil wir das ja auch gerade schon gesagt haben, wie ein Kind die Welt mit seinen Augen sieht. Es ist ja noch mal was ganz anderes und da entdeckt man ja auch dann, wenn man diese Strahlen sieht, Dinge zum ersten Mal erlebt und so weiter, da entdeckt man ja diese Leichtigkeit. Würdest du sagen, dass sich Anfängergeist mit kindlicher Navität gleich setzen lässt oder gibt es dafür eigentlich keinen Vergleich? Wir sind ein naiv im Sinne von Unerfahrenheit, also ein Naivität, verwechseln wir ja auch so ein bisschen manchmal mit Einfältigkeit, dass sie hier natürlich nicht gemeint, aber mit Unerfahrenheit. Also es ist so im Alltag, wenn wir beispielsweise ein wichtiges Gespräch vor uns haben, dann bereiten wir uns als erwachsene Vorwerb, versuchen im Grunde genommenlichen Gesprächsverlauf vorweg zu nehmen. Wir planen, dass wir kennen unser Gegenüber vielleicht schon von früher und dann läuft innerlich ein Film ab. So wird das sein und wir sind dann vorbereitet und haben diverse Szenarien entwickelt und durchgegangen und dann sind wir nicht mehr achtsam, sondern wir nehmen nur noch das wahr, was wir wahrnehmen wollen und wir sind auch nicht offen. Und dann ist das ganze Gespräch eingeengt und wir kriegen nicht das im Gespräch als Ergebnis, was sich ergeben könnte. Das heißt, wir verpassen wichtig die Dinge, weil wir sie dann gar nicht wahrnehmen. Wenn wir das alles abgeworfen haben, dann nehmen wir unser Gegenüber im Gespräch mit allen Sinnen wahr. Wir nehmen sie völlig neu wahr, so wie wir sie vielleicht noch nie wahrgenommen haben und dann können sich ganz neue Potenziale öffnen. Also das heißt eigentlich, wir begegnen jeder Situation, jedem Moment, jedem Umstand, jedem Menschen immer wieder neu und immer wieder mit diesem Anfängergeist. Genau, ja. Also es geht gar nicht darum, diesen Anfängergeist zu überwinden, sondern es geht eigentlich darum, den Anfängergeist zu bewahren. Ja und in frei werden zu lassen. Und warum ist es so schwer? Ja, das ist so schwer, weil unser eingeengt ist ich, dass wir uns im Laufe des Lebens angeeignet haben, weil es sich das natürlich immer wieder versucht in den Vordergrund zu schieben. Und weil vieles davon auch unbewusst ableuft, weil wir eben auch mit uns selbst wenig achtsam sind. Wenn ich die Gesprächsituation nehme, man schaut in den Terminkarländer, da steht ein Name drin und mit diesem Namen verbinden wir eine ganze Geschichte alles, was wir vorher schon erlebt haben. So, nach dem Motto, man kennt ja seine Kappenheimer und dann sitzt einem derjenige gegenüber und im Grunde genommen sind wir dann durch diese ganze konstruierte Vorgeschichte, sind wir schon völlig vernebelt. Und das passiert immer wieder. Und Achtsamkeit mit mir selbst heißt dann eben "Ich merke das", dass dieser Film in mir abläuft. Und dann kann ich sagen, dann kann ich einen Break dazwischen schieben, halt, du kannst gar nicht wissen, wie das dieses Mal sein wird. Auch wenn es tausend mal vorher so war, wie ich es bisher erfahren war, aber so kann doch dieses Gespräch ganz anders verlaufen. Und dann ist alles offen. Das ist interessant. Gibt es eine Übung oder eine Trick, will ich jetzt nicht sagen, vielleicht wirklich Übung gibt es eine Übung für diesen Anfängergeist? Vielleicht auch für den Alltag? Ja, das ist eine Übung direkt sicherlich nicht. Wenn wir häufiger meditieren, wenn wir täglich meditieren, haben wir einen viel besseren Zugang zu uns selbst. Und im Grunde genommen sind es eben Veränderungen der Energien, uns die wir wahrnehmen können. Also wir sind mehr mit unseren Gefühlen verbunden. Wenn ich dann den Namen des Gesprächspartners in Terminkalender sehe. Und dann kommt sofort ein Gefühl. Wieder eine Zuneigung. Ja, das Gespräch ist super. Da freue ich mich oder eine Abneigung. Wir werden schon wieder. Und das verändert die Energieströme im Körper, Energie steigt auch auf den Bauch. Und das kann ich merken. Wenn ich mit mir verbunden bin, wenn ich acht samt, mit mir bin. Und durch Artikel des Ausatmen wiederlassen. Kann ich eben den Energiestrom wieder in den Unterbauch in Sarah senken. Da wurde Kobe Energie hingehört. Und dann kann sich etwas öffnen. Gelingt mir das zum Beispiel jetzt, ich sag mal, in so einer Alltagsituation. Wenn ich weiß, okay, da kommt jetzt dieser Termin. Und da kommt eben ein, das ein oder das andere Gefühl in mir hoch. Und ich habe jetzt zwar wieder meine Matte, noch mein Kissen, noch mein Bänkchenparat, weil ich im Büro bin. Und ich habe auch keine 25 Minuten für eine klassische Runde, saßen. Kann ich das auch einfach über ein paar Atemzüge üben trainieren? Es genügend, wenn ich es gut trainiert habe, genügend ein, zwei Atemzüge. Ich erinnere mich noch sehr gut an einigen Gesprächsituationen in einer größeren Gruppe, die von einem Anwalt eingeleitet wurde mit den Worten. Hier ist aber alles schief gelaufen, was nur hat schief laufen können. Das ist natürlich die Rolle von Anwälten manchmal Gespräche so einzuleiten, um die Gesprächspartender dahin zu bekommen, wo ich sie hinhaben will. Ich merkte sofort, wie die Energie in mir aufsteigt, weil er damit natürlich auch unter anderem mich gemeint hat. Und dann habe ich ganz normal auf einem Konferenzstuhl eine Hand auf meinen Unterbauch gelegt, damit ich gute Inkontakt, mit dem Unterbauch, mit dem Hager, mit unserem Gerde, Energiezentrum bin, und habe zwei tiefe Ausatemzüge, genau, Borten gemacht. Das ist die Energie umgekehrt und es hat sich dann geöffnet. Alles Verständnis, ja, der muss das jetzt so machen, das ist seine Rolle. Und habe aber auch gemerkt, wie Energie in den Menschen um mich herum aufsteigt und wie sie so in die Abwehr gehen und habe allerdings auch gemerkt. Ja, auch die Angst und Unsicherheit dessen, der durch diesen Anwalt vertreten wurde. Und das ist dann der Geben-Changer, wenn man das merkt, wenn ich die Unsicherheit, die Angst in dem clienten Merke, da kann ich ganz anders darauf reagieren und finde andere Worte, die dann diesem ganzen Gesprächsverlauf eine andere, eine konstruktive Richtung geben. Würdest du sagen, dass wir durch die Bewahrung des Anfängergeistes und durch diese Achtsamkeit, auch vielleicht auch unbewusst unser Umfeld beeinflussen? Auf jeden Fall. Sehr schön. Ich freue mich total, dass wir über diese beiden wahnsinnig tollen Begriffe gesprochen haben. Wenn uns jetzt jemand hört, der vielleicht noch nie ein Seminar besucht hat im Senkloser oder vielleicht mal eins besucht hat, was würdest du jemandem mitgeben, der an einem Punkt steht, wo er sagt, "Hm, ich würde das gerne mehr in meinen Alltag integrieren dieses Thema." Das ist ja schon auch diesem ersten Impuls, sollte man mit Achtsamkeit begegnen und ihn nicht einfach wegdrücken, nicht übergehen. Sondern jetzt diesem Impuls folgen mal auf einen Kennenlernen Seminar gehen und es einfach mal ausprobieren. Und der Sehnsuchtraum geben und der Sehnsucht folgen. Ja, vielen, vielen herzlichen Dank für dieses tolle Gespräch. Ja, wunderbar Mensch. Ich danke dir. Wenn du Senn nicht nur hören, sondern erleben möchtest, dann komm ins Senkloser nach Buchenberg im Allgäu. Alle Infos zu Seminaren und offenen Meditationsrunden findest du unter sen-kloser.de
Podcast Summary
Key Points:
Achtsamkeit im Daishin-Zen ist ein Zustand des nicht-wertenden, offenen und verbundenen Gewahrseins, der sich durch Loslassen und Hingabe an den Moment auszeichnet, im Gegensatz zum gesellschaftlichen Verständnis von fokussierter Aufmerksamkeit.
Sie zeigt sich praktisch, z.B. in einer Teezeremonie, als Fähigkeit, vollständig im gegenwärtigen Erleben aufzugehen und angemessen auf unerwartete Störungen zu reagieren, anstatt in Konzepten von "richtig" oder "falsch" gefangen zu sein.
Der Anfängergeist ist ein verwandter Bewusstseinszustand völliger Offenheit und Unvoreingenommenheit, der es ermöglicht, jede Situation neu zu erleben, und der durch regelmäßige Meditationspraxis und achtsamen Umgang mit eigenen Gefühlen und Körperempfindungen kultiviert werden kann.
Summary:
In diesem Podcast-Ausschnitt erklärt Michael Neuber, Zen-Lehrer („senze“) in der Daishin-Zen-Tradition, die Konzepte Achtsamkeit und Anfängergeist. Achtsamkeit wird nicht als willentliche Fokussierung, sondern als ein Zustand des verbundenen, offenen und nicht-wertenden Gewahrseins aller Sinneseindrücke und inneren Regungen beschrieben. Ein Beispiel ist das vollständige Erleben eines Sonnenuntergangs mit allen Sinnen, anstatt ein Foto davon zu machen. Im Zen, beispielsweise während der Teezeremonie, bedeutet dies, die choreografierten Abläufe nicht verkopft auszuführen, sondern in einen Fluss der Verbundenheit mit der Situation und den anderen einzutreten, was angemessene Reaktionen auf Störungen wie eine herunterfallende Spinne ermöglicht.
Der eng damit verbundene Anfängergeist bezeichnet die Haltung, jede Erfahrung so wahrzunehmen, als wäre es das erste Mal, frei von vorgefassten Konzepten und Bewertungen. Dies ist keine naive Einfalt, sondern eine Fähigkeit, die durch Meditation und Selbstwahrnehmung entwickelt wird. Praktisch kann man im Alltag durch kurze, achtsame Atemzüge und das Spüren der Körperenergien (z.B. durch eine Hand am Unterbauch) aus automatischen Reaktionsmustern aussteigen und sich für neue Möglichkeiten öffnen. Beide Konzepte zielen auf Loslassen, Verbundenheit und ein tiefes, unmittelbares Erleben des gegenwärtigen Moments ab.
FAQs
Deischin-Sen ist ein modernes, westliches 'Sen' mit traditionellen japanischen Wurzeln. Es bedeutet 'großer Geist' oder 'großes Herz' und wird in Buchenberg im Allgäu praktiziert.
Achtsamkeit im Deischin-Sen ist ein Bewusstseinszustand des verbundenen Seins mit allem in uns und der Welt. Es geht darum, alles wahrzunehmen, ohne zu bewerten, und in den Moment einzutauchen, anstatt sich auf Fokus oder Kontrolle zu konzentrieren.
Im Sen bedeutet Achtsamkeit, sich offen und verbunden allem hinzugeben, ohne gezielten Fokus. In der Gesellschaft wird Achtsamkeit oft als gezielte Konzentration auf etwas Bestimmtes verstanden, was im Sen als Gegenteil von wahrer Achtsamkeit gilt.
Anfängergeist ist die Haltung, jede Situation völlig offen und ohne vorgefasste Konzepte zu erleben, wie zum ersten Mal. Es ist ein Zustand des Staunens und der Verbundenheit, der durch Loslassen von Bewertungen und Erinnerungen entsteht.
Man kann Achtsamkeit durch regelmäßige Meditation und bewusste Atemübungen im Alltag trainieren. Schon ein paar tiefe Atemzüge helfen, Energien zu regulieren und eine offene, präsente Haltung einzunehmen.
Fehler sind Teil des Übungswegs; Achtsamkeit bedeutet, sie wahrzunehmen, ohne zu bewerten, und angemessen zu reagieren. Wichtig ist, den Moment loszulassen und weiterzumachen, anstatt in Panik zu verfallen.
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