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#4 Klaus Mollenhauer 1928-1998

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#4 Klaus Mollenhauer 1928-1998

Klaus Mollenhauer (1928–1998) durchlief eine bemerkenswerte Entwicklung in der Sozialpädagogik. Zunächst geprägt von Herman Nohls geisteswissenschaftlicher Tradition, die den pädagogischen Bezug ohne gesellschaftliche Kontextualisierung betonte, wandte er sich ab den 1960er Jahren zunehmend einer kritischen Perspektive zu. Inspiriert von Paul Natorp und der Kritischen Theorie forderte Mollenhauer eine wertgebundene empirische Forschung, die auf Emanzipation benachteiligter Gruppen abzielt. Sein 1968 veröffentlichtes Werk "Erziehung und Emanzipation" gilt als Gründungsakt der kritischen Erziehungswissenschaft. Zentral war für ihn die Frage, wie junge Menschen Generationendifferenz und Armut bewältigen können. Mollenhauer wurde zum Spiritus Rector der Heimkampagne, die gegen die disziplinierenden und gewalttätigen Zustände in der Heimerziehung protestierte. Die Kampagne war eng mit der 68er-Bewegung verknüpft und führte zu Kontakten mit späteren RAF-Gründern wie Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Während Mollenhauer auf Reformen setzte, radikalisierten sich andere und nutzten die Heimkampagne für revolutionäre Zwecke. In der Folge wurden einige ehemalige Heimkinder Mitglieder terroristischer Gruppen. Die Reformen der Heimerziehung brachten langfristig Verbesserungen wie mehr Partizipation, kleinere Gruppengrößen und professionellere Standards, doch bestehen bis heute Spannungen zwischen fachlichen Ansprüchen und ökonomischen Zwängen. In seinen späteren Jahren kehrte Mollenhauer teilweise zur geisteswissenschaftlichen Tradition zurück.

Transcription

4405 Words, 33738 Characters

German
Sprecher*in 1 Der Podcast auf den Schultern von Riesen zu Geschichte und Theorien sozialer Arbeit mit. Sprecher*in 2 Jakob Hasegan, Student der sozialen Arbeit und. Sprecher*in 1 Frank Eger, Professor für Theorien der Sozialen Arbeit, beide Hochschule Kempten Wir haben heute als Gast den Sozialarbeiter und ehemaligen Studierenden unseres Studiengangs, Daniel Breyer mit im Boot sowie als Sprecherin die Studierende Lea Klatter, ebenfalls Hochschule Kempten. Sprecher*in 2 Folge 4 Klaus Mollenhauer 1928 bis 1998. Sprecher*in 3 Das abdrinnende Kind Geisteswissenschaftlicher Sozialpädagogik, der Vater einer kritischen Sozialpädagogik und Impulsgeber der Heimkampagne, der Heimgekehrte Sohn Geisteswissenschaftliche Sozialpädagogik reloaded. Klaus Mollenhauer, ein Riese der sozialen Arbeit, Herr. Sprecher*in 4 Burg. Sie haben Andreas Baader und Gudrun Ensky im Juni 1969 kennengelernt. Was war ihr erster Eindruck von den beiden? Sprecher*in 5 Ich saß zu der Zeit in einem Erziehungsheim und uns wurde eigentlich gesagt, es käme eine Gruppe von der Pädagogischen Fakultät der Uni Frankfurt waren ja auch welche dabei, aber eben dabei waren auch Andreas Baader und Gudrun Enzlin und mein Eindruck von denen war. Dass sie es eigentlich sehr, sehr schnell geschafft haben, uns sozusagen auf ihre Seite zu ziehen. Die Studenten, die dabei waren, wollten eigentlich das reformierte Erziehungsheim, wir wollten raus, die haben einfach irgendwann die Frage gestellt, was wollt ihr eigentlich? Und das war eigentlich der Schlüssel. Sprecher*in 2 Herr Eger, hier hörten wir ein Interview mit Peter Jürgen Book, einem ehemaligen Hainkind und zeitweisen Mitglied der Terrorgruppe Rother Armee Fraktion, kurz RAF. Was hat Book, was haben Andreas Baader und Gudrun Enslin, die Gründungsmitglieder der RAF, mit Sozialpädagogik und den Protagonisten unserer aktuellen Folge, Klaus Mollenhauer, zu tun? Sprecher*in 1 Tja, Herr Hasegahn, das ist ein wenig besprochenes Kapitel der. Der sozialen Arbeit der Zusammenhang von Sozialpädagogik und Roter Armee Fraktion war kein Zufall, denn beide Seiten haben ein gemeinsames Thema bearbeitet. Die Situation der Heimkinder und das damit verbundene Reformerische bzw revolutionäre Potenzial. Und Mollenhauer stand dabei wohl eher auf der Seite der Reformer. Aber erstmal an den Anfang der Geschichte. Sprecher*in 3 Das abtrünnige Kind Geisteswissenschaftlicher Sozialpädagogik. Sprecher*in 2 Nach dem Zweiten Weltkrieg promovierte mit Mollenhauer ein weiterer Riese der sozialen Arbeit an der Uni Göttingen. Von jener Schmiede Geisteswissenschaftlicher Sozialpädagogik haben wir bereits in der 3. Folge unseres Podcasts im Zusammenhang mit Hermann Nol gehört. Sprecher*in 1 Mollenhauer sah sich zunächst ganz der geisteswissenschaftlichen Sozialpädagogik Sensonol verpflichtet. Zur Erinnerung nol war der Ansicht, dass der pädagogische Bezug zwischen Jugendlichem und erwachsenem autonom und. Und somit ohne Verbindungen zu Lebenslagen, sozialen Problemen sowie sozialer Ungleichheit seine Relevanz entfalten könnte. Und Mollenhauer? Sprecher*in 2 Wurde seitens der Göttinger Geisteswissenschaftlichen Fakultät entsprechend sozialisiert. Sprecher*in 1 Mollenhauer berichtete in seinen späten Lebensjahren, dass in den Vorlesungen seiner Studienzeit an der Uni Göttingen über alles, was nicht in der geisteswissenschaftlichen Tradition lag, derart abwertend geredet worden sei, dass unter den Studierenden das Gefühl entstand, dieses andere lohne sich nicht zu lesen. Noch Ende der 1950er Jahre stand Mollenhauer somit ganz in der Tradition Nols, der sich auf eine schöpferische, erlebnisorientierte Welt verließ. Legte die ohne gesellschaftliche Kontextualisierung beispielsweise eines armen Jugendlichen auskommt. Sprecher*in 2 Wir können also festhalten, dass Mollenhauer in seinen Anfangsjahren noch den sozialpädagogischen Bezug. Also das Verhältnis zwischen Jugendlichen und Erwachsenen, für die Sozialpädagogik als zentral erachtete und sich dieser geisteswissenschaftlichen Tradition verpflichtet sah. Das änderte sich ab den 1900 60er Jahren nach und nach entlang beispielsweise der Begriffe Lebenslage. Soziale Verhältnisse und soziale Benachteiligung. Sprecher*in 1 Mollenhauer musste erst lernen, sich gegenüber NOL und dem geisteswissenschaftlichen Paradigma abzugrenzen. Dazu benötigte er eine Orientierung in der sozialpädagogischen Tradition, die Mollenhauer bei Paul Natorp und den Sozialwissenschaften fand. Sprecher*in 3 Der Vater einer kritischen Sozialpädagogik und Impulsgeber der Heimkampagne. Sprecher*in 2 Die. Die unter Mollenhauer als Versozialwissenschaftliche und bekannt gewordene Entwicklung spricht eigentlich nicht etwas Neues aus, sondern wurde bereits beispielsweise von Natorp grundlegend vorbereitet. In diesem Sinne stand Mollenhauer in gewisser Weise selbst auf den Schultern eines Riesen. Sprecher*in 1 In der Tat hat Natorp Mollenhauers denken wesentlich beeinflusst. Paul Natorp sah die Gemeinschaft in der Verantwortung, Sozialpädagogik allen sozialen Schichten zugänglich zu machen und. Nicht bloß den Privilegierten. Demnach ist der sozialpädagogische Prozess ohne Gemeinschaft als sozialen Bezugspunkt gar nicht denkbar. Damit lässt sich Natob vom Riesennol abgrenzen, der bekanntermaßen das Individuum und die individuelle Beziehung zwischen Erziehenden und Zöglingen als zentral erachtete Natob war also der Ansicht, dass die Gemeinschaft stets in soziale Verhältnisse eingebunden ist und somit Sozialpädagogik ebenfalls als sozial ein. Eingebettet gedacht werden muss diese Vorstellung natobs, führte Mollenhauer in seinem Denken fort. Sprecher*in 2 Wie setzte Mollenhauer die Orientierung an Natob in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung der 1968 er Jahre um? Sprecher*in 1 Wegweisend für den von Mollenhauer verfolgten Paradigmenwechsel waren das Jahr 1968 und die von ihm unter dem Titel Erziehung und Emanzipation herausgegebenen Schriften, welche häufig als Gründungsakt der kritischen Erziehungswissenschaft bezeichnet. Werden. Sprecher*in 2 Und Mollenhauer warf Noel nun vor, unter Ausschluss dieser gesellschaftlichen Kontextualisierung Sozialpädagogik als Wissenschaft betrieben zu haben. Sprecher*in 1 Ja, diese Schriften gegen die Geisteswissenschaftliche Sozialpädagogik wurden nicht umsonst in ihrem Untertitel als polemische Skizzen bezeichnet. Mollenhauer kritisierte, dass sich geisteswissenschaftliche Sozialpädagogik in einem Vorgesellschaftlichen und herrschaftsfreien Raum angesiedelt habe, in dem das Kind. Scheinbar zu seinem Wohl kommen kann, wenn der Erzieher nur das Wesen des pädagogischen Bezugs realisiert. Im Gegensatz zu NOL empfiehlt Molnhauer beispielsweise eine gerade nicht wertfreie, sondern wertgebundene Empirie mit dem Ziel der Emanzipation von gesellschaftlichen Fesseln, wenn geforscht wird, sollte diese Forschung also aus molnhauers Perspektive im Dienste der Befreiung benachteiligter Gruppen der Gesellschaft stehen, um schließlich Selbstbestimmtheit und Mündung. Zu erlangen diese Wertgebundene Verordnung der empirischen Sozialforschung ist meines Erachtens bis heute folgenreich. Sprecher*in 2 Der von der 68 er Bewegung initiierte Generationenkonflikt wird in Mollenhauers Theorie der Sozialpädagogik reflektiert. Sprecher*in 1 Mollenhauer stellt sich in seiner Theorie der Sozialpädagogik zentral die Frage, wie junge Menschen die Generationendifferenz bewältigen können, um Armut und ihre negativen Folgen unter anderem für die demokratische Teilhabe. Zu bewältigen Molnhauer betrachtete die später als 68 er Bewegung bekannt gewordene Alternativkultur dann auch als Speerspitze für eine Demokratisierung der Gesellschaft, während die Demokratisierung von NOL und der mit ihm verbundenen geisteswissenschaftlichen Sozialpädagogik, so der Vorwurf, Molnhauers, verschleppt worden sei. Sprecher*in 2 Klaus Molnhauer war in den Jahren 1969 bis 1972 Professor für Pädagogik an der Uni Frankfurt. Der. Der geistigen Heimat der kritischen Theorie. Sprecher*in 1 Mollenhauer erinnerte sich in den 1990er Jahren an seine Zeit als Frankfurter Professor. Demnach wurde sein familiärer Haushalt Ende der 1960er Jahre von Entwichenen Heimzöglingen belagert und die späteren Arafgründer Andreas Baader und Gudrun Enstlin brannten mit ihren Zigaretten Löcher in die Polstermöbel seiner Wohnung. Sprecher*in 2 Weshalb ließ sich Mollenhauer darauf ein? Sprecher*in 1 Aus mollenhauers Sicht taugte die 68 er Bewegung ein. Als Rammbock gegen eine tradierte antidemokratische Gesellschaftsordnung. Es gelte, so Mollenhauer, den fundamentalen Konflikt, mit dem die junge Generation Aufwachse, zu Bewusstsein zu bringen. An dieser Stelle geht mollenhauers Idee der Sozialpädagogik weit über Natop hinaus. Mollenhauer teilt zunehmend die Idee der kritischen Theorie. Und dies ist hier zentral demnach eine Veränderung der Gesellschaft mittels einer Problematisierung derselben zu erreichen sei und als beispielhaftes gesellschaftliches Thema fokussierte Mollenhauer die Situation der Heimkinder in den 1900 60er und 1900 70er Jahren die Veränderung der Heimerziehung sollte zur Nagelprobe für die kritische soziale Arbeit werden. Sprecher*in 2 Mollenhauer wurde später die Rolle des Spiritus Rector, einer treibenden Kraft der Heimkampagne zugewiesen. Was hat. Es mit der Heimkampagne auf sich. Sprecher*in 1 Zunächst ist es sinnvoll, sich die Ausgangsbedingungen der Heimkampagne anzuschauen. Skandalisiert wurden ab den 1960er Jahren die Zustände in den Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe, Ziel der damaligen Heimerziehung war die Disziplinierung sogenannter verwahrloster Kinder und Jugendlicher entlang der sekundärtugenden Gehorsam und Ordnung, Bestrafungen wurden in der Praxis der Heimerziehung als notwendig erachtet, um gesellschaftliche Normen und. Aufrechtzuerhalten Straftypiken waren beispielsweise Arreststrafen, Kontaktsperren, Kollektivstrafen sowie körperliche Züchtigung und als Folge von Kollektivstrafen zeigten sich Gewalttätigkeiten der Jugendlichen untereinander, Entscheidungen auf Jugendamts und Heimeinrichtungsseite wurden von den Betroffenen als intransparent wahrgenommen, aus den Jugendamtsakten der damaligen Zeit lassen sich Einweisungsgründe unter anderem als Schulschwänzerei und. Arbeitsbummelei, sexuelle Verwahrlosung, Ehescheidungen und Überforderung der Eltern entnehmen. Insgesamt handelte es sich dabei um Abweichungen von damals üblichen Normalitätsvorstellungen. Sprecher*in 2 Worum ging es in der Heimkampagne? Wer waren die Akteure und was waren die Ziele? Sprecher*in 1 Als Heimkampagne wurden studentische Aktionen unter anderem der außerparlamentarischen Opposition APO ab circa 1965 bezeichnet, die mit dem Ziel unternommen wurden. Wurden unterdrückerische Zustände in der Fürsorgeerziehung bekannt zu machen und zu überwinden? Die Kampagne war Teil einer Randgruppenstrategie. Die bei sozial stark benachteiligten ein sozial revolutionäres oder zumindest reformerisches Bewusstsein bewirken sollte. Nicht ohne Grund wurden später einige Heimkindermitglied der RAV Schwerpunkte der Heimkampagne lagen im Raum Frankfurt am Main und in Berlin. Sprecher*in 2 Wie waren Moinhauers Frankfurter Studierende mit der Heimkampagne verknüpft? Sprecher*in 1 Studierende der Uni Frankfurt suchten 1969, unter anderem das Fürsorge, Erziehungsheim, Staffelberg und das Beiser Haus in Hessen auf. Auf sie begleiteten Jugendliche bei ihren Fluchtversuchen in damals neuen studentischen Kommunen, beispielsweise in Frankfurt, fanden diese Jugendlichen eine bleibe. Nach deren Vorbild sind die noch heute üblichen betreuten Jugendwohngemeinschaften, in der Kinder und Jugendhilfe entstanden, auch die späteren Mitglieder der terroristischen RAF. Bader und Enslin waren in der Heimkampagne. Sprecher*in 2 Aktiv. Wie kam es dazu, dass die Gründungsgeschichte der Roten Armee Fraktion mit der Heimkampagne verknüpft? Sprecher*in 1 War die spätere RAF Gründerin Ulrike Meinhoff forschte seit Herbst 1968 vor allem zu der Situation in Berliner Mädchenheimen, unter anderem dem Eichenhof. In Berlin Meinhoff erfuhr von der Misshandlung der dortigen Mädchen seitens der Heimleitung. Aus diesen Begegnungen schrieb Meinhoff das Drehbuch zu dem Fernsehfilm Bambule dieser Film sollte im Mai 1970 in der ARD gesendet werden, wurde aber wegen der Polizeifahndung nach Meinhoff infolge ihrer Teilnahme an einer Befreiung des inhaftierten Terroristen Andreas Baader abgesetzt und erst 24 Jahre später gezeigt. Heimkampagne und die Gründung der Rabs sind also zeitlich. Deutlich miteinander verknüpft die RAF warb also ganz bewusst neue Mitglieder unter Heimkindern an, um deren Unmut über eine Benachteiligung in der Gesellschaft für die terroristischen Aktivitäten der Gruppe zu nutzen. Mit Irene Görgens, Peter Jürgen Boog, Hans Joachim Klein, Gerhard Müller. Inge Vieth und Stefan Misniewski sollen hier nur einige ehemalige Heimkinder genannt werden, die ab den 1900 70er Jahren in linksterroristischen Gruppen aktiv waren. Es steht noch die Buchpublikation aus, die den Zusammenhang zwischen der Heimkampagne und dem Linksterrorismus der damaligen Zeit beleuchtet. Sprecher*in 2 Können wir feststellen, dass im Vergleich zu der Zeit der Heimkampagne heute tatsächlich eine substanzielle Verbesserung bei den Hilfen zur Erziehung zu beobachten ist? Sprecher*in 1 Einer unserer ehemaligen Studierenden, Herr Daniel Breyer, beschäftigte sich in seinem Studium bereits mit kritischer sozialer Arbeit und arbeitet seit einigen Jahren der stationären Jugendhilfe. Guten Tag, Herr Breyer, würden Sie sich unseren Hörerinnen und Hörern vorstellen wollen? Sprecher*in 6 Hallo zusammen, mein Name ist Daniel Breyer. Ich bin aktuell 29 Jahre alt. Ursprünglich habe ich mal eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht, da durfte ich auch bereits schon erste Erfahrungen als Hilfskraft in der stationären Jugendhilfe sammeln, danach habe ich einen Weltwärtsdienst in Armenien absolviert und dann anschließend das Abitur nachgeholt, später habe ich hier in Kempten Sozialwirtschaft studiert und dann auch viel beim Paritätischen Wohlfahrtsverband FSJ ler begleitet. Im Anschluss war ich dann 2 Jahre in einer intensivpädagogischen stationären Einrichtung tätig und habe parallel dann das Studium der sozialen Arbeit auch noch mit abgeschlossen. Heute leite ich eine stationäre Jugendhilfe mit 13 Jugendlichen, zusätzlich bin ich auch noch Wildnis und erlebnispädagoge, Berufs und Arbeitspädagoge sowie eine insoweit erfahrene Fachkraft. Sprecher*in 1 Die Tatsache der Gewalt in stationären Einrichtungen war ab den 1960er Jahren einer der Anstöße für die Heimkampagne. Was beobachten Sie heute zum Umgang mit dem Thema Gewalt in der stationären Heimärztin? Erziehung. Sprecher*in 6 Ich würde sagen, dass Gewalt heute in der stationären Heimerziehung deutlich stärker als professionsethisch und rechtlich inakzeptabel betrachtet wird. Es wird auch gesellschaftlich als problematisch angesehen, da ist eigentlich der Mindeststandard eine gewaltfreie Erziehung, der institutionelle Kinderschutz hat erheblich an Verbindlichkeit gewonnen, etwa durch verpflichtende Schutzkonzepte, regelmäßige Überprüfung der Heimaufsicht und kinderschutzbezogenen Träger und Einrichtungsvereinbarungen, die auch von der Leitung zu verantworten sind. In der Praxis zeigt sich zudem mehr Partizipation, Jugendliche werden viel stärker einbezogen, was? Macht Asymmetrien auch tendenziell reduziert die Zusammenarbeit mit Jugendlichen auf Augenhöhe macht es automatisch auch etwas einfacher. Es sind immer auch Formen da und Jugendämter aktiv in das Alltagsgeschehen mit eingebunden. Dennoch würde ich behaupten, dass Gewalt im weiteren Sinne immer noch stattfindet, also auch über Autoritätsverhältnisse in der Einrichtung, ungerechte Sanktionen und ungleicher Verhandlungsmacht. Gerade dort, wo Personalausstattung, Haltung und Konzepte defizitär sind, besonders in Settings, die aus der Not heraus relativ schnell entstanden sind und hilfsweise ohne Fachkräfte und mit Sicherheitsdiensten arbeiten. Beispielsweise im Kontext mit jungen Geflüchteten. Sprecher*in 1 Weitere Ziele waren die Reduzierung von Gruppengrößen und die Ausdifferenzierung der Hilfeformen. Außerdem sollte eine Verbesserung der Qualifizierung des Personals erreicht werden. Wie veränderten sich diese strukturellen Merkmale der Heimerziehung? Sprecher*in 6 Strukturell hat sich Heimerziehung meines Erachtens stark ausdifferenziert. Es gibt heutzutage viel mehr Möglichkeiten. Neben klassischen Wohngruppen existieren heute vielfältige Settings, zum Beispiel Stammhaus und Außenwohngruppen, ambulant betreute Wohnformen, Erziehungsstellen, Inobhutnahmeschutzstellen, Familienanaloge oder auch erlebnispädagogische Häuser. Dadurch werden Hilfen passgenau auf die Bedarfslagen zugeschnitten, gruppengrößen sind heute meines Erachtens tendenziell geringer im Rahmen der Betriebserlaubnis werden zentrale Standards und subjektive Rechte der jungen Menschen verbindlich festgeschrieben und auch von der Heimaufsicht überprüft. Etwa der Anspruch auf Einzelzimmer und angemessene Rückzugsräume, Zugang zu Freizeit und Sportangeboten sowie verlässliche Partizipations und Beschwerdestrukturen. Die Personalqualifizierung ist eher professionalisierter, weil Fachkräfte in der Regel vorausgesetzt werden und Ausnahmen gut begründet werden und auch zeitlich befristet werden, da auch aktiv nachgefragt wird von der Heimaufsicht. Dennoch bleiben Gruppengrößen und der Personalschlüssel hochgradig kostenrelevant, sodass gerade unter betriebswirtschaftlichem Druck. Insbesondere bei profitorientierten Trägern Qualität nicht nur fachlich, sondern auch ökonomisch gerahmt wird insbesondere in schwierigen politischen Rahmenbedingungen. Daraus entsteht dann schon ein strukturelles Spannungsfeld. Einerseits ermöglichen vermesserte Rahmenbedingungen mehr Zeit und Passung in der Individualpädagogik, andererseits besteht das Risiko qualitätsrelevante Absenkungen, wenn zusätzliche Belegung und die Entgeltlogik attraktiver gestaltet werden kann und damit die ökonomischen Anreize den fachlichen Standards eigentlich gegenüberstehen. Sprecher*in 1 Vielen Dank, Herr Preyer. Die Reform der Heimerziehung war, wie bereits ausgeführt, ein Ziel der Heimkampagne. Wir werden in den kommenden Jahren sicherlich noch einiges leisten müssen, um insbesondere eine Kontinuität der Heimerziehung für Kinder. Kinder und Jugendliche zu ermöglichen mit Blick auf die Abbruchzahlen in der Heimerziehung ist dies eine der größeren Herausforderungen. Während die Heimerziehung einer intensiven Reform unterzogen wurde, kann festgehalten werden, dass die Vorstellung eines teils der beteiligten Studierenden die Heimkampagne zum Mittel des Klassenkampfes zu machen, also die Gesellschaft zu revolutionieren, bald an ihre Grenzen stieß. Die Rafen mündete in den 1990er Jahren in eine Auflösung, es soll an dieser Stelle auch daran erinnert werden, dass in den Jahren 1970 bis 1900. 193 infolge des Terrors der RAF insgesamt 34 Personen ermordet wurden, darunter waren viele Eltern, die Kinder als Halbwaise hinterlassen haben. Sprecher*in 2 Kommen wir zu der in die 68 er Bewegung eingebundene kritische Sozialpädagogik zurück. Sprecher*in 1 Mollenhauer forderte ein gesellschaftliches Verständnis des Sozialarbeiters, das diesem ermöglicht, die Lage des Klienten in politische Energie umzuwandeln. Somit ist auch mollenhauers Sympathie für die 68 er Bewegung zu verstehen. Er wandte sich gegen den. Den damaligen Typus des Sozialarbeiters, der Verwahrlosung als im Individuum begründet betrachtet, statt nach Verhältnissen der Gesellschaft zu fragen, welche diese Verwahrlosung hervorbringen. Sprecher*in 3 Der Heimgekehrte Sohn Geisteswissenschaftliche Sozialpädagogik reloaded. Sprecher*in 2 Mollenhauer kam dann in seinen späteren Jahren wieder zur geisteswissenschaftlichen Sozialpädagogik zurück. Wie kam es denn dazu? Sprecher*in 1 Ab Ende der 1970er Jahre schien Mollenhauer zunehmend skeptisch geworden zu sein und zumindest partiell seine Theorieproduktion der 1960er und 1970er Jahre zu revidieren. So beklagte er, dass sich die Sozialpädagogik zwischen soziologischen und therapeutischen Bemühungen schwer getan habe, einen pädagogischen Gedanken gut begründet. Aufrechtzuerhalten. Stattdessen habe, so Mollenhauer, in der sozialwissenschaftlichen Pädagogik das Kind und die pädagogische Erfahrung kaum noch stattgefunden. Es sei nun offenbar möglich, einerseits mit ideologiekritischen Positionen und Analysen auf unvernünftiges pädagogisches Handeln zu verweisen, nicht aber vernünftiges pädagogisches Handeln zu begründen. Mollenhauer verweist hier auf die offene Flanke der kritischen Sozialpädagogik, sie vermag alles, so Mollenhauer. Einhauer und nicht zuletzt sich selbst zu problematisieren, ist allerdings kaum in der Lage, einen zielorientierten Gedanken zu fassen. Sprecher*in 3 Klaus Mollenhauer, ein Riese der sozialen Arbeit. Sprecher*in 2 Können Sie auf Licht und Schatten in mollenhauers Werk verweisen? Sprecher*in 1 Mollenhauers Ideen können heute meines Erachtens als Korrespondierend für einige Diskussionen in der sozialen Arbeit betrachtet werden, welche sich beispielsweise vor dem Hintergrund des Konzepts um Intersektionalität entwickelt haben. Wenn wir nach mollenhauers Errungenschaft fragen, dann können wir erstens festhalten, dass. Dass mit ihm die gesellschaftliche Kontextualisierung von Themen sozialer Arbeit einen wichtigen Schritt vollzog, damit kann sich die kritische soziale Arbeit übrigens neben der systemischen sozialen Arbeit auf die Fahnen schreiben, ihren Beitrag zu einer Überwindung individualisierender Perspektiven geleistet zu haben. Und Mollenhauer äußerte das aus seiner Sicht wünschenswerte Paradoxon, demnach die Gesellschaft mit der Ausbildung von Sozialpädagogen ihre heftigsten Kritiker mitproduziere damit geht. Geht der Ruf der sozialen Arbeit als gesellschaftliche Unruhestifterin nicht zuletzt auf mollenhauers Ideen zurück? Das ist meines Erachtens auch ein Grund dafür, dass in einigen Kommunen Deutschlands der Aufbau von Studiengängen sozialer Arbeit eher reserviert zur Kenntnis genommen wurde für die Praxis sozialer Arbeit bedeutsam wurde außerdem die zunehmende Nachfrage betreffend Planungs sowie Konzeptionsfähigkeit von Sozialarbeitern als Ausdruck sozialpädagogischen Engagements. Mollenhauer verblieb zweitens ganz der Erziehungswissenschaft verbunden. Er wechselte dabei von einem geisteswissenschaftlichen Flügel der Erziehungswissenschaft auf einen sozialwissenschaftlichen Flügel und wieder zurück. Er betrachtete über mehrere Jahrzehnte den Begriff der Sozialpädagogik, auch wenn er diesen häufiger verwendete. Als Tautologie, also als Dopplung, da das Pädagogische per se mit dem sozialen verknüpft sei und daher keinen eigenen Bereich innerhalb der Erziehungswissenschaft ausbilden müsse. Mollenhauer ist damit zeitlebens als Vertreter der universitären Erziehungswissenschaft aufgetreten und hat damit übrigens ebenfalls vinol den Graben zwischen universitärer Sozialpädagogik und Fachhochschulischer sozialer Arbeit vertieft. Es war drittens mollenhauers Anliegen, dass die Pädagogik aus dem Generationenkonflikt eine Funktion gewinnt. Äußeres Zeichen war sein Engagement für die Heimkampagne Mollenhauer hat der Heimkampagne ihre theoretische Begründung aus Perspektive einer kritischen Sozialpädagogik geliefert, damit hat er wichtige Strukturveränderungen für die Kinder und Jugendhilfe angestoßen. Denn das heutige Ausdifferenzierte Tableau der Hilfen zur Erziehung ist auch als Folge der Heimkampagne erklärbar. Dass die kritische Sozialpädagogik damit partiell Berührungspunkte zu der Entstehung der Terrorgruppe Rote Armee Fraktion aufzuweisen hat, sollte wissenschaftlich genauer aufgearbeitet. Sprecher*in 2 Werden und wie bewerten sie mollenhauers Rollback von der Sozialwissenschaftlichen zur geisteswissenschaftlichen Sozialpädagogik? Sprecher*in 1 Mollenhauer selbst gelang es in seinen letzten Lebensjahren, sich von einer einen Seite. Kritischen Perspektive zu distanzieren und eine Vermittlerposition zwischen Entwicklungstatsache und sozialen Verhältnissen zu fokussieren. Mollenhauer erkannte darüber hinaus, dass eine einseitige Problematisierung gesellschaftlicher Verhältnisse nicht zielführend ist. Wir können heute feststellen, dass Mollenhauer altersweise wurde. Das mag zwar eher angepasst als revolutionär klingen, ist für die soziale Arbeit jedoch ganz bestimmt hilfreich. Der Diskurs innerhalb der kritischen sozialen Arbeit ist allerdings dieser späten Wendung Mollenhauers zu dessen Lebzeiten und auch nach dessen recht frühem Ableben 1998 nicht gefolgt, in deren Diskursen herrscht nach wie vor die Überzeugung, dass infolge einer problematisierung gesellschaftlicher Verhältnisse auch eine Veränderung derselben. Erzielt werden sollte der kritischen Theorie und kritischen sozialen Arbeit ist es gelungen, tief in das Verständnis der Disziplinen Soziologie und soziale Arbeit einzudringen. Ganz selbstverständlich hat sich beispielsweise in der Soziologie ein Teilbereich Soziologie sozialer Probleme herausgebildet. Jedoch keine Soziologie sozialer Ressourcen. Das wird auch dann deutlich, wenn die Problemanalyse in der sozialen Arbeit beispielsweise mit dem Attribut fundiert unterlegt, allerdings die Schau auf Ressourcen als oberflächlich markiert wird, und diese Schieflage ist ein Ergebnis der Politics, also auf politische Prozesse in den Sozialwissenschaften zurückzuführen und nicht in erster Linie auf wissenschaftliche Argumentation, denn. Dass mit dieser typischen Problemorientierung kritischer sozialer Arbeit heute die Gefahr einer Stabilisierung gesellschaftlicher Missstände im Sinne einer Problemtrance in Kauf genommen wird, ist Mollenhauer selbst also nicht vorzuwerfen. Hier kann festgehalten werden, dass dessen eigene Kinder zu Riesen herangewachsen sind, mit welchen Mollenhauer wohl selbst nicht immer glücklich wäre. Sprecher*in 2 Was sind denn soziale Probleme? Nicht immer und grundsätzlich der Anlass für die soziale Arbeit, um tätig zu werden. Sprecher*in 1 Soziale Probleme sind in der Praxis sozialer Arbeiten nur ein Anlass, um tätig zu werden. Es gibt mit der Jugendarbeit beispielsweise einen großen Bereich der Kinder und Jugendhilfe, welcher die Begleitung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen als Maßstab nimmt, ohne zwangsläufig das Vorliegen sozialer Probleme für eine Leistungserbringung vorauszusetzen. Eine Jugendliche kann also das örtliche. Jugendzentrum besuchen, ohne dass ein Mangelzustand bei ihr festgestellt wird. Jugendverbände beispielsweise das Technische Hilfswerk, bilden aus, um Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu fördern und um den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken. Oder eine Familie kann, in der Kinder und Jugendhilfe an einem Kurs des Familienbildungszentrums teilnehmen, ohne dass ein soziales Problem vorliegen muss. Dies übersieht jedoch eine kritische soziale Arbeit, welche ausschließlich soziale. Der Probleme als Anlass für soziale Arbeit identifiziert. Sprecher*in 2 Sind andererseits arme Menschen nicht klassische Adressaten? Soziale Arbeit? Ich denke hier an Alice Salomons Theorie. Sprecher*in 1 Ganz bestimmt. Und es werden auch zukünftig arme Menschen sein, die wir mit unseren Angeboten ansprechen werden. Es ist uns in der sozialen Arbeit jedoch seit einigen Jahrzehnten ein Anliegen, ich erinnere hier an rauschenbachs Theorie, soziale Arbeit in der Risikogesellschaft. Oder Tierchs Lebensweltorientierte soziale Arbeit. Dass unsere Disziplin im Sinne einer Normalisierung in der Mitte der Gesellschaft verankert wird. Das bedeutet jedoch, dass soziale Arbeit nicht ausschließlich im Zusammenhang sozialer Probleme assoziiert werden darf, wenn beispielsweise Eltern eine Erziehungsberatungsstelle aufsuchen. Sollten wir das Beratungsanliegen nicht gleich als soziales Problem verorten? Es sollte begrüßt werden, dass Eltern irgendwann betreffend der Erziehung ihrer Kinder fragen stellen und wir diese Eltern mit dem Ziel der Erziehungskompetenz in ihrer Entwicklung beraten und fördern. Eine soziale Arbeit, die ihre Anlässe hauptsächlich im Zusammenhang sozialer Probleme und sozialer Ungleichheit verortet, hinterlässt jedoch bei unseren Adressaten das Signal einer Problematisierung von Entwicklungsanforderungen junger Menschen, Eltern und. Familien damit verschließen wir die soziale Arbeit für weite Teile der Gesellschaft. Sprecher*in 2 Und wenn nun ein soziales Problem identifiziert wurde, macht es nicht Sinn, dieses in der Hauptsache zu problematisieren. Sprecher*in 1 Selbstverständlich kann empirisch nachgewiesen werden, dass es im Zusammenhang des Aufwachsens von beispielsweise jungen Menschen auch Phänomene als soziales Problem und soziale Ungleichheit gibt. Und diese sind selbstverständlich auch Anlässe für soziale Arbeit im. Ich bin jedoch der Ansicht, dass wir ganz besonders Bilder erfolgreicher Entwicklung junger Menschen, Eltern, Familien und Gemeinwesen benötigen, um soziale Probleme zu überwinden. Nicht zuletzt mit diesem Zugriff überwinden wir soziale Probleme und erreichen unsere Ziele beispielsweise als soziale Teilhabe. Sprecher*in 2 Aus welchem Grund ist aus Ihrer Sicht die Problemfokussierung selbst so ein? Sprecher*in 1 Problem Inzwischen gibt es über die Folgen einer Problemfokussierung vielfältige Erkenntnisse. So wurde beispielsweise seitens des Konfliktwissenschaftlers Klasel festgestellt, dass sich infolge einer dauerhaften, problemorientierten Kommunikation sozialer Systeme ebenfalls problemorientierte Muster verfestigen. Klasel empfiehlt sozialen Systemen daher im Konfliktfall eine Kommunikation über Zielvariationen und Grabe äußerte für den. Bereich der Psychotherapie wie folgt. Sprecher*in 3 Wenn sich die Psychotherapie zu sehr oder zu lange mit der Analyse von Problemen aufhält, werden keine neuen, positiveren neuronalen Erregungsmuster ausgebildet. Sprecher*in 1 Wir können also davon ausgehen, dass sich bei intensiver oder dauerhafter problemorientierter Denkweise der Person sowie Kommunikation in sozialen Systemen Probleme eher verfestigen, als dass sie überwunden werden können. Sprecher*in 2 Wenn aus ihrer Sicht nicht der Begriff des sozialen Problems in der sozialen Arbeit zentral stehen sollte, welchen Gegenstand präferieren sie für unsere Disziplin? Sprecher*in 1 Ich möchte vorschlagen, statt dem Begriff soziale Probleme für die soziale Arbeit den Entwicklungsbegriff zentral zu setzen. Und erst im einzelnen Fall zu entscheiden, ob der Fokus auf beispielsweise soziale Probleme oder Ressourcen gelegt wird. Es gibt dazu Vorschläge in der Psychologie mit ihren Zweigen der Entwicklungspsychologie oder übergreifend der Entwicklung über die Lebensspanne und in der sozialen Arbeit im Zusammenhang des Begriffs Entwicklungstatsache bei Siegfried Bernfeld und Tilly Miller hat den Entwicklungsbegriff sowohl auf personale als auch auf soziale Systeme in der sozialen Arbeit bezogen das. Das bedeutet beispielsweise für die Lehre in Studiengängen sozialer Arbeit, dass Studierende zunächst die Entwicklung von einzelnen Personen, Familien, quartieren, Organisationen und Gesellschaften beobachten und erst in einem zweiten Schritt entscheiden, ob der Fokus auf sozialen Problemen, sozialen Ressourcen zielen. Entwicklungsaufgaben usw liegt in Summe können wir festhalten, dass die kritische soziale Arbeit mit ihrer einseitigen Fokussierung auf soziale Probleme unterkomplex agiert. Sie wird also mit ihrer Perspektive den Anforderungen der realen Welt nur sehr eingeschränkt gerecht. Mollenhauer, der Begründer kritischer Sozialpädagogik, hat dies in seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten erkannt, er hat sich daher ab circa 1980 reserviert gegenüber der kritischen Perspektive soziale. Soziale Arbeit geäußert. Sprecher*in 2 Noch eine Frage zum Schluss. Wie ging es eigentlich mit den ehemaligen Heimkindern weiter, die sich der Roten Armee Fraktion angeschlossen hatten? Sie. Sprecher*in 1 Wurden alle wegen schwerer Delikte, unter anderem Tötungsdelikten bis zum Mord, welche sie während ihrer Zeit in der RAF begangen haben, zu vieljährigen Freiheitsstrafen verurteilt? Peter Jürgen Boog saß beispielsweise 17 Jahre in Haft. Die extremistische Linke hat also auch ehemalige Heimkinder für ihre Ziele geopfert. Sprecher*in 2 Welche Literatur können wir unseren Hörenden betreffend Moin, howers Perspektive, kritischer soziale Arbeit? Sprecher*in 1 Empfehlen. Da wäre sicherlich Moin howers Klassiker der kritischen sozialen Arbeit, Einführung in die Sozialpädagogik zu nennen, ein Werk, das lange Zeit als das meistverkaufte in der sozialen Arbeit galt. Der Band kann als Wendepunkt. Und Mollenhauers von der geisteswissenschaftlichen zu einer sozialwissenschaftlichen Sozialpädagogik gelesen werden. Im Falle eines Interesses an der Heimkampagne sei der Band das blinde Auge des Staates die Heimkampagne von 1969 und die Forderungen der ehemaligen Heimkinder von Schölzel, Klamp und Köhler Saretzky empfohlen. Sprecher*in 2 Wie lautet das Thema unserer nächsten Folge? Sprecher*in 1 Wir werden in unserer nächsten Folge eine Ausnahme machen und mit Karl Mager einen Theoretiker der Sozialpädagogik des 19. Jahrhunderts anführen. Karl Mager hat als aller erster den Begriff der Sozialpädagogik in die Diskussion eingebracht und diese als Mittel zur Erziehung des Bürgers betrachtet. Mager hat unter dem Eindruck der bürgerlichen Revolution 1848 die theoretischen Grundlagen für Partizipation, Demokratisierung und Menschenrechtsorientierung in der sozialen Arbeit gelegt. Wir werden die Ideen von Karl Mager mit der Einflussnahme der neuen Rechten auf die heutige soziale Arbeit kontrastieren und damit auch ein Versprechen aus der 1. Folge unseres Podcasts einlösen.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Klaus Mollenhauer begann als Vertreter der geisteswissenschaftlichen Sozialpädagogik nach Herman Nohl, distanzierte sich aber zunehmend davon.
  2. Er entwickelte eine kritische Sozialpädagogik, die gesellschaftliche Verhältnisse und soziale Benachteiligung in den Fokus rückte.
  3. Mollenhauer war ein zentraler Impulsgeber der Heimkampagne der 1960er/70er Jahre, die gegen Missstände in der Heimerziehung protestierte.
  4. Die Heimkampagne war personell und zeitlich mit der Entstehung der RAF verbunden; einige Heimkinder wurden später Mitglieder terroristischer Gruppen.
  5. Mollenhauer kehrte in seinen späteren Jahren teilweise zur geisteswissenschaftlichen Tradition zurück.

Summary:

Klaus Mollenhauer (1928–1998) durchlief eine bemerkenswerte Entwicklung in der Sozialpädagogik. Zunächst geprägt von Herman Nohls geisteswissenschaftlicher Tradition, die den pädagogischen Bezug ohne gesellschaftliche Kontextualisierung betonte, wandte er sich ab den 1960er Jahren zunehmend einer kritischen Perspektive zu. Inspiriert von Paul Natorp und der Kritischen Theorie forderte Mollenhauer eine wertgebundene empirische Forschung, die auf Emanzipation benachteiligter Gruppen abzielt.

Sein 1968 veröffentlichtes Werk "Erziehung und Emanzipation" gilt als Gründungsakt der kritischen Erziehungswissenschaft. Zentral war für ihn die Frage, wie junge Menschen Generationendifferenz und Armut bewältigen können. Mollenhauer wurde zum Spiritus Rector der Heimkampagne, die gegen die disziplinierenden und gewalttätigen Zustände in der Heimerziehung protestierte.

Die Kampagne war eng mit der 68er-Bewegung verknüpft und führte zu Kontakten mit späteren RAF-Gründern wie Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Während Mollenhauer auf Reformen setzte, radikalisierten sich andere und nutzten die Heimkampagne für revolutionäre Zwecke. In der Folge wurden einige ehemalige Heimkinder Mitglieder terroristischer Gruppen.

Die Reformen der Heimerziehung brachten langfristig Verbesserungen wie mehr Partizipation, kleinere Gruppengrößen und professionellere Standards, doch bestehen bis heute Spannungen zwischen fachlichen Ansprüchen und ökonomischen Zwängen. In seinen späteren Jahren kehrte Mollenhauer teilweise zur geisteswissenschaftlichen Tradition zurück.

FAQs

Mollenhauer bezog sozialwissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden in die Sozialpädagogik ein, um soziale Verhältnisse und Benachteiligungen systematisch zu analysieren. Dadurch löste er sich von der rein geisteswissenschaftlichen Tradition Nohls.

Mollenhauer war von 1969 bis 1972 Professor für Pädagogik an der Universität Frankfurt, dem Zentrum der kritischen Theorie. Dort wurde sein Haushalt zeitweise von entlaufenen Heimzöglingen belegt, und spätere RAF-Gründer wie Baader und Ensslin verkehrten bei ihm.

Studierende der Uni Frankfurt begleiteten jugendliche Heimflüchtlinge in studentische Kommunen. Diese Wohngemeinschaften dienten als Vorbild für die später in der Jugendhilfe etablierten betreuten Jugendwohngemeinschaften.

Der Film über Missstände in Berliner Mädchenheimen sollte im Mai 1970 in der ARD laufen, wurde aber wegen der Polizeifahndung nach Meinhof abgesetzt. Grund war ihre Teilnahme an der Befreiung des inhaftierten Andreas Baader.

Gewalt durch Autoritätsverhältnisse, ungerechte Sanktionen und ungleiche Verhandlungsmacht treten weiterhin auf, besonders bei defizitärer Personalausstattung. Zudem gerät Qualität unter ökonomischem Druck profitorientierter Träger.

In den 1960ern wandte er sich scharf davon ab und entwickelte eine kritische Sozialpädagogik. In den 1990ern kehrte er teilweise zurück und betonte wieder den pädagogischen Bezug, nun aber unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Bedingungen.

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