In dieser Podcast-Folge erklärt Britta, Deutschlehrerin für Pflegekräfte, die deutsche "Terminkultur". Sie betont, dass Termine für wichtige Angelegenheiten wie Behördengänge oder Arztbesuche zwingend erforderlich sind und oft lange im Voraus vereinbart werden müssen. Dieses System wird von Deutschen positiv als strukturgebend und planbar empfunden. Termine demonstrieren Respekt vor der Zeit des Gegenübers, weshalb Pünktlichkeit absolut erwartet wird. Diese Praxis erstreckt sich auch auf das Privatleben, wo Treffen mit Freunden meist Wochen vorher geplant werden. Spontaneität ist in der deutschen Kultur weniger verbreitet. Verspätungen oder Absagen müssen unbedingt und frühzeitig mitgeteilt werden, da sie sonst als respektlos gewertet werden. Die Gewöhnung an diese planvolle Lebensweise beginnt oft schon im Kindesalter. Britta rät Zuhörern, sich an diese Gepflogenheiten zu gewöhnen, um sich besser in Deutschland zu integrieren, und verweist auf weitere Podcast-Folgen zu verwandten kulturellen Themen.
Hallo, ich heiße Britta und ich bin Deutschlererin mit dem Spezialgebiet Pflege. Ich habe den Pflege Deutsch Podcast entwickelt, um Krankenschwestern und Pflegern aus der ganzen Welt beim Deutsch lernen zu helfen. Wenn du Wörter, Sätze, Tipps und Informationen lernen willst, die für die Pflege wichtig sind, dann bist du hier genau richtig. Warum muss ich in Deutschland für alles einen Termin machen? Diese Frage höre ich ganz, ganz oft von Ausländern die neu sind in Deutschland. Und heute will ich mit euch genau darüber sprechen. Denn im August erkläre ich euch hier im Podcast jede Woche eine Sache, die viele Ausländer in Deutschland merkwürdig finden. Und heute geht es eben um das Thema Termine. Zuerst einmal, ja, der Eindruck ist richtig, in Deutschland musst du für alles einen Termin machen. Natürlich ist das etwas übertrieben. Es gibt auch in Deutschland Sachen, die man spontan ohne Termin machen kann. Aber sobald etwas wirklich wichtig ist, muss normalerweise ein Termin gemacht werden. Wenn du zum Beispiel etwas bei einer Behörde klären willst, zum Beispiel bei der Ausländer, Behörde oder beim Einwohnermeldetamt oder so, dann brauchst du normalerweise einen Termin. Und den bekommst du meistens nicht für heute oder morgen, sondern für in ein paar Wochen oder vielleicht sogar erst in ein paar Monaten. Oder wenn du zum Arzt gehen willst, dann brauchst du einen Termin. Unbedingt, wenn es etwas ist, was geplant gemacht wird, also zum Beispiel für einen Ultraschall oder so. Aber auch, wenn du zum Beispiel wachwürst, plötzlich eine Grippe hast und deshalb eine Krankschreibung vom Arzt brauchst. Die meisten Arztpraxen wollen nicht, dass du einfach kommst und sagst, "Hallo, da bin ich, ich brauche Hilfe", sondern die meisten Arztpraxen wollen, dass du anrufst, ihnen sagst, du über Nacht krank geworden bist und dass du eine Krankmeldung brauchst. Und dass du dann fragst, wann du kommen sollst. Dann gibt die Praxis, die meistens einen Termin für den gleichen Tag, nur wenn extrem viel los ist und es wirklich gar keine Termine mehr für diesen Tag gibt, sagt die Arztpraxist hier, dass du kommen und warte Zeit mitte bringen sollst, also ohne Termin, dafür mit viel warten. Aber das ist, wie gesagt, eine Ausnahme, normalerweise bekommst du einen Termin. Termine sind uns Deutschen sehr wichtig und dafür gibt es verschiedene Gründe. Grund eins, wir Deutschen, wir mögen klare Strukturen. Wir mögen Pläne und solche Pläne lassen sich natürlich nur mit Terminen machen. Grund zwei, die meisten Deutschen sind nicht spontan. Wir wollen keine kurzfristigen Pläne, sondern Pläne, die gemacht werden, lange bevor es losgeht. Auch das geht nur mit Terminen. Und Grund drei, einen Termin machen, bedeutet für uns Deutsche, Respekt gegenüber der anderen Person zu zeigen. Und das ist es, was viele Ausländer nicht verstehen. Wenn ich einen Termin für etwas mache, dann zeige ich damit, dass ich die Zeit der anderen Person Respektiere. Denn natürlich komme ich zu diesen Terminen pünktlich. Das ist für uns selbstverständlich. Denn auch das zeigt für uns Respekt. Wenn ich also einen Termin für etwas mache und zu diesen Terminen pünktlich komme, dann kann die andere Person auch einen Plan für ihren Tag machen. Sie weiß genau, was sie vor diesen Terminen machen kann. Sie weiß genau, wann der Termin vorbei ist und was sie danach wieder machen kann. Auf diese Weise kann die andere Person also einen eigenen Plan machen und genau dadurch zeige ich Respekt. Für Ausländer wirken diese Termine oft starr, unflexibel und unnötig. Und ich verstehe das. Wenn du es aus deinem Heimatland nicht kennst, dass du für alles einen Termin machen sollst, dann wirkt das in Deutschland vielleicht erst einmal negativ. Aber für uns Deutsche ist genau das Gegenteil der Fall. Termine geben uns Struktur und wir lieben Struktur. Termine schränken uns also nicht ein. Wir empfinden sie nicht als negativ, sondern Termine machen es für uns möglich, alles genau zu planen. Und das ist den meisten Deutschen sehr wichtig. Was du also als negativ empfindest, finden die meisten Deutschen ganz normal und positiv. Und wenn du in Deutschland lebst, dann solltest du dich unbedingt daran gewöhnen, denn wenn du das nicht machst, dann willst du mit der Integration Probleme haben. Termine sind uns Deutschen so wichtig, dass wir sie übrigens auch in uns. Unserem Privatleben machen. Wenn wir Freunde treffen wollen zum Beispiel. Die einzigen Menschen, die in Deutschland keine Termine machen, um Freunde zu treffen, sind Jugendliche. Das ist natürlich jetzt auch wieder etwas übertrieben, aber wirklich falsch ist es nicht. Als Jugendliche treffen wir uns einfach nach der Schule, dafür brauchen wir keine Termine. Wir haben ja alle den gleichen Tagesablauf und deshalb funktioniert das gut. Und wenn wir eine Ausbildung machen oder studieren, dann haben wir auch noch so viel Freizeit, dass wir unsere Freunde auch spontan treffen können. Aber in dem Moment, in dem wir voll im Berufsleben stehen oder aller Spätestens, wenn wir Kinder haben. Dann haben wir so wenig Zeit, dass Treffen mit Freunden geplant werden müssen, denn sonst finden sie nicht mehr statt. Und du weißt ja jetzt, einen Plan machen, bedeutet Termine machen. Die meisten erwachsenen in Deutschland treffen ihre Freunde nicht spontan. Da wird oft schon Wochen vorher ein Termin vereinbart. Und an diesen Terminen hält man sich dann natürlich auch. Wenn du also mit einem Freund vereinbarst, dass du am Sonntag um 15 Uhr zu ihm kommst, dann solltest du auch am Sonntag um 15 Uhr da sein. Das erwartet dein Freund von dir. Denn wir kommen zu allen Terminen pünktlich, egal ob es im Beruf ist oder im Privatleben ja auch mit Freunden. Wenn wir vereinbaren, dass du mich am Sonntag um 15 Uhr besuchen kommst und du bist um 15 Uhr 15, also Viertel nach 3, immer noch nicht da, dann mache ich mir entweder sorgen, dass dir etwas Schlimmes passiert ist oder ich fühle mich von dir nicht respektiert, weil du mich warten lässt. Die meisten Deutschen mögen es auch nicht, wenn du so etwas Vorschlägs wie "ich komme dann am Sonntag zwischen 15 und 18 Uhr zu dir". Das finden die meisten Deutschen nicht gut, weil das Zeitfenster viel zu lang ist. Wenn du sagst zwischen 15 Uhr und 15 Uhr 30, das ist okay. Aber ein Zeitfenster, das viel länger ist als eine halbe Stunde, das finden die meisten Deutschen nicht gut. Mit uns musst du dich also leider wirklich auf einen Termin festlegen. Und wenn du nicht kommen kannst oder dich verspätest, dann musst du das unbedingt so früh wie möglich mitteilen. Und zwar ganz egal, ob das ein Termin beim Arzt ist, beim Friseur oder mit einer Freundin. Wir Deutschen, wir erwarten, dass Termine abgesagt werden, wenn die Person weiß, dass sie nicht kommen kann. Und wir wollen auch, dass du Bescheid sagst, wenn du später kommst. In Zeiten von "Hendis" und "Wordsapp" hast du auch keine Ausrede mehr, dass du nicht Bescheid sagen konntest. Auch das ist für uns wieder eine Frage von Respekt. Denn wenn ich der anderen Person nicht sage, dass ich nicht kommen kann oder dass ich später komme, dann wartet diese Person auf mich. Und damit zeige ich, dass mir ihre Pläne, ihre Zeit egal sind. Deshalb ist es wichtig, Termine einzuhalten, abzusagen oder Bescheid zu sagen, wenn du dich verspätest. Und Apropos "verspätet", "pünktlich sein" heißt in Deutschland, auf die Minute "pünktlich sein". Und wenn du zum Thema "pünktlichkeit" übrigens mehr hören möchtest, dann empfehle ich dir die Podcastfolge 43 zum Kulturstandard "Zeitplanung" und die Folge 208 zur Frage, was wollen die Deutschen von dir, die Links zu diesen Folgen, stelle ich dir in die Schonorts. Termine gehören also für uns Deutsche zum Alltag. Deshalb hat normalerweise auch jeder erwachsene einen Terminkalender. Früher hatten wir die in schriftlicher Form, heute haben die meisten Menschen ihren Terminkalender auf dem Telefon. Und dort wird sorgfältig jeder Termine eingetragen, denn wir wollen ja keinen Termin vergessen. Selbst Kinder im Kindergarten oder in der Schule machen schon Termine für ihre Freizeit. Oder besser gesagt, die Eltern machen diese Termine für sie. Dann wird zum Beispiel vereinbart, dass die kleine Anna, den kleinen Stefan am Freitag um 16 Uhr besuchen kommt. Und das wird dann in die Terminkalender von Mama und Papa eingetragen. Wir werden also schon als Kinder daran gewöhnt, dass Termine wichtig sind, dass Termine auch in der Freizeit ganz normal sind. Das solltest du immer im Hinterkopf haben, wenn du dich mal wieder darüber ergast, dass du für alles einen Termin brauchst. Termine geben dir die Möglichkeit, einen Plan zu machen. Du willst vielleicht lieber spontan sein, aber spontan sein ist nicht wirklich Teil der deutschen Kultur. Termine sind es. Ich hoffe, diese Erklärungen haben dir geholfen, das Thema Termine etwas besser zu verstehen. Und jetzt habe ich noch drei Tipps für dich, welche Podcast folgen auch interessant sein könnten für dich. Folge 43 zum Kulturstandardzeit, Folge 208 zur Frage, was wollen die Deutschen von dir und Folge 154 zum Thema Kultur-Sensiblepflege. Was ist das? Nächste Woche sprechen wir dann über das Thema Gebotstag, denn auch da machen die Deutschen ein paar Sachen anders als viele andere Kulturen. Aber für heute verabschiede ich mich erst einmal. Bis bald.
Podcast Summary
Key Points:
Termine sind in Deutschland für viele Angelegenheiten, besonders bei Behörden und Ärzten, obligatorisch und oft weit im Voraus zu vereinbaren.
Deutsche schätzen Termine, da sie Struktur, Planbarkeit und Respekt für die Zeit anderer signalisieren; Pünktlichkeit ist dabei essenziell.
Dieses System gilt auch im Privatleben; spontane Treffen sind unter Erwachsenen unüblich, Absagen oder Verspätungen müssen frühzeitig kommuniziert werden.
Die Gewöhnung an Terminplanung beginnt oft schon in der Kindheit und ist ein zentraler kultureller Aspekt der deutschen Gesellschaft.
Summary:
In dieser Podcast-Folge erklärt Britta, Deutschlehrerin für Pflegekräfte, die deutsche "Terminkultur". Sie betont, dass Termine für wichtige Angelegenheiten wie Behördengänge oder Arztbesuche zwingend erforderlich sind und oft lange im Voraus vereinbart werden müssen. Dieses System wird von Deutschen positiv als strukturgebend und planbar empfunden.
Termine demonstrieren Respekt vor der Zeit des Gegenübers, weshalb Pünktlichkeit absolut erwartet wird. Diese Praxis erstreckt sich auch auf das Privatleben, wo Treffen mit Freunden meist Wochen vorher geplant werden. Spontaneität ist in der deutschen Kultur weniger verbreitet.
Verspätungen oder Absagen müssen unbedingt und frühzeitig mitgeteilt werden, da sie sonst als respektlos gewertet werden. Die Gewöhnung an diese planvolle Lebensweise beginnt oft schon im Kindesalter. Britta rät Zuhörern, sich an diese Gepflogenheiten zu gewöhnen, um sich besser in Deutschland zu integrieren, und verweist auf weitere Podcast-Folgen zu verwandten kulturellen Themen.
FAQs
Termine geben Deutschen klare Strukturen, ermöglichen Planung und zeigen Respekt gegenüber der Zeit anderer Personen. Sie werden als positiv und notwendig für einen organisierten Alltag empfunden.
Termine sind erforderlich für Behördengänge, Arztbesuche und oft auch für private Treffen mit Freunden. Spontane Besuche sind in wichtigen Bereichen unüblich und können als respektlos empfunden werden.
Man sollte so früh wie möglich absagen oder Bescheid geben, wenn man sich verspätet. Dies wird als Zeichen des Respekts erwartet, da es anderen ermöglicht, ihre Pläne anzupassen.
Pünktlich sein bedeutet, auf die Minute genau zum vereinbarten Zeitpunkt zu erscheinen. Verspätungen können als mangelnder Respekt interpretiert werden und Sorgen auslösen.
Ja, viele Erwachsene vereinbaren Termine für private Treffen, oft Wochen im Voraus. Spontaneität ist weniger verbreitet, besonders bei Berufstätigen oder Familien mit Kindern.
Ausländer empfinden Termine häufig als starr und unflexibel, wenn sie es aus ihrer Heimat nicht gewohnt sind. In Deutschland werden sie jedoch als notwendig für Planung und Struktur angesehen.
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