Speaker 1hallo und herzlich willkommen zu einer neuen episode advanced football spieltrieb dem kinder und jugendfußball podcast von advanced football mir gegenüber sitzt wie fast jedes mal der sakko hallo sakko hallo wir sind angekommen bei folge nummer zwei zum spiel prinzipien webinar beziehungsweise nicht webinar spezial muss ich ja dazu sagen wer folge eins noch nicht gehört hat zu dem thema gerne sich anhören auf spotify auf youtube könnte uns zusehen über sprechen oder auch bei apple podcast und auch allen anderen sonstigen podcast playern die es gibt auf der welt und wir starten eben mit folge nummer zwei und in folge nummer zwei sprechen wir auch wieder bei spiel prinzipien und wir wollen jetzt so ein bisschen tiefer reingehen wie man es denn schafft prinzipien richtig zu formulieren sie aber auch ein stück weit sichtbar zu machen und wie man denn tatsächlich das auch so ein stück weit coachen kann spiel prinzipien und ich hätte gesagt wir starten direkt rein oder möchtest du noch kurz zwei sätze zum kurs verlieren sakko ja sehr gern
Speaker 2weil wir auf das thema irgendwie orientierung haben also wie bekomme ich einen roten faden rein in die nachwuchsarbeit und das bezieht sich dann immer auf mehrere trainer und dann kommen wir schnell auf das thema okay was ist denn die gemeinsame grundlage mit der wir also die brille durch die wir alle fußball gucken trainingsformen gucken spiele gucken und dann landen wir eben bei dem thema spiel prinzipien und jetzt der für uns ganz wichtigste thema ist die grundlage für die wir gewesen zu sagen, in diesem Kurs bauen wir das A strukturiert auf von ich habe gar keine Erfahrung, gar keinen Plan, was das überhaupt sein soll und habe es mit meiner Mannschaft noch nie gemacht. Also diese Leute holen wir quasi sehr früh ja ab im Kurs bis hin zu aber auch so, okay, ich habe schon angefangen damit zu arbeiten, will jetzt meine eigenen formulieren, will dann nochmal tiefer einsteigen, will sie objektivierbar und vielleicht messbar machen auf dem Platz. Auch das decken wir dann mit ab und so wie beim letzten Mal schon erwähnt, machen wir das ja alles super praxisnah an Beispielen, Videosequenzen, an Beispiel Trainingsformen, sodass wir wirklich die ganze Kette eigentlich abbilden von, wie sieht es auf Profi-Niveau aus, wie sieht es auf Jugendniveau aus, wie sieht es im Kinderbereich aus und wie fange ich an damit zu arbeiten bis hin zu wie bekomme ich da wirklich komplexe Strukturen irgendwie auch mit abgebildet.
Speaker 1Ja, und der Kurs selber, der besteht ja aus vier Veranstaltungen, die machen wir zwar live, die sind aber im Nachgang sofort dann auf der Videoplattform verfügbar. Heißt, wenn ihr an den Terminen selbst nicht könnt oder wenn ihr sagt, okay, ich brauche doch noch eine Woche mehr Bedenkzeit, dann könnt ihr das auch im Nachgang sozusagen noch erwerben. Ist ein ähnliches Prinzip, wie wir es jetzt schon beim Trainergewinnungskurs gemacht haben. Wer dazu mehr erfahren möchte, in den Shownotes und ich hätte gesagt, wir starten jetzt einfach mal rein. Sakko, wir wollten heute ja darüber sprechen, auch ein Stück weit, wie wird denn aus so einem ganz abstrakten Prinzip ein gut formuliertes Prinzip und wie übersetze ich denn auch ein Stück weit meine Spielidee in sichtbares Spielverhalten? Also so, dass es jemand von extern erkennt. Heißt, wir sprechen dann noch drüber, irgendwie der Weg von der Idee zum Prinzip, aber auch dieses Thema, was ich gerade schon gesagt habe, im Training, also nicht nur im Wettkampf, wie wird das Spielprinzip sichtbar, sondern auch im Training und worauf es dann immer im Coaching ankommt. Lass uns mal starten vom Prinzip zur Formulierung. Gespräch über unsere typischen Prinzipien, die wir bringen, die haben wir ja immer wieder. Also ich weiß nicht, wie es dir geht. Auch mit anderen Trainern spreche ich oft irgendwie drüber und frage den dann, ist das für dich ein Prinzip oder ist das jetzt irgendwie, Handlungsanweisung, Coachingpunkt, Codeword, was auch immer. Wie würdest du denn zum Beispiel das Prinzip, ich gehe clever in meinen Zweikampf bewerten, ist das für dich ein Prinzip, wo du sagst, das ist ein Prinzip oder ist es dir zu kleinteilig? Wie würdest du das sehen?
Speaker 2Ja, also wir denken quasi jetzt nochmal die Ebene drüber, also in welcher Spielphase befinde ich mich als Spieler und da ist es ja relevant, wenn ich nicht im Ballbesitz bin und meine Mannschaft nicht im Ballbesitz, sondern ja eher ein defensives Prinzip und da auch, wenn mein direkter Gegenspieler den Ball hat. Ich habe in der Regel ja keinen Zweikampf, wenn ich irgendwie 30 Meter weg vom Ball stehe und ähm, fange auf einmal an, meinen Gegenspieler irgendwie zu schubsen, das ist vielleicht eine Unsportlichkeit, aber kein Zweikampf, bedeutet, ich bin in der Phase, mein Gegenspieler hat den Ball und jetzt haben wir schon dieses Ding auch, dass wir, also Trainer sagen sowas ja oft, ähm, hey clever oder nicht zu wild oder, also irgendwie bewerte ich diesen Zweikampf grundsätzlich. Ähm, und ich gehe clever in meinen Zweikampf, ist dann ja etwas, das durchaus in dieser Spielphase, ähm, immer Anwendung finden soll. Heißt, ähm, clever in den Zweikampf gehen, ja, als Prinzip gut. Jetzt ist aber die Frage, was bedeutet das? Und in, auf der Methodenebene kommen wir ja in den Bereich, wie gehe ich clever in meinen Zweikampf? Ähm, abhängig auch von der Spielphilosophie, also man hat ja oft dieses nach innen lenken, nach außen lenken zum Beispiel, das gehört ja dazu, ob ich clever in meinen Zweikampf gehe oder nicht. Ähm, Tempo rausnehmen, Tempo des Gegenspielers aufnehmen, Gleichstellung. Hier sind wir quasi auf der Methodenebene, die dann oft vergessen wird. Trainer rufen rein, hey, clever in den Zweikampf gehen oder geht mal schneller hin oder geht mal besser in die Zweikämpfe oder nimmt die Zweikämpfe an oder nach dem Spiel ja auch, äh, dieses, der Klassiker so, äh, wir sind nicht richtig in die Zweikämpfe gegangen. Oder gekommen. Gekommen, ja. Ganz oft, ja. Ähm, und das gilt's ja dann für, vor allem wenn wir jetzt über Kinder und Jugendliche sprechen, extrem klar, ähm, zu formulieren, in was bedeutet das denn konkret? Also was heißt es, ähm, in einen Zweikampf gut zu kommen und den dann gut zu führen, sodass am Ende ja ein Ballgewinn für uns rausspringt. Und heißt als Prinzip, ja, hier aber bei sowas, vor allem in die Worldtaktischen, extrem wichtig, dass wir hier genau definieren, wie führe ich als Spielerin oder Spieler meinen Zweikampf
Speaker 1clever? Und da sind wir auf Methodenebene. Ja. Äh, magst du kurz nochmal, das haben wir beim letzten Mal ja schon kurz angesprochen, Unterschied, Prinzip, Methode, und wie wir das unterteilen? Magst du da einmal kurz nochmal?
Speaker 2Ja. Ich glaub, ähm, als Prinzip ist am einfachsten so verständlich, so gilt eigentlich dann in jeder Spielsituation, ähm, ist also der, der rote Faden, an dem sich die Spielerinnen und Spieler orientieren können. Ähm, heißt, es macht eigentlich nie Sinn, nicht clever in seinen Zweikampf zu gehen. Deswegen ist es als Prinzip formuliert. Äh, und das, aber wenn ich das eben am Spielfeldrand reincoachen würde und sagen würde, hey, äh, wir müssen jetzt anfangen, cleverer in die Zweikämpfe zu gehen oder zu kommen, dann wären ja ganz viele Fragezeichen bei den Spielern. Was, wie genau jetzt, was heißt das? Und hier sind wir auf der Ebene der Methode, das wir für uns unterteilen. Prinzip ist allgemeingültig, aber noch nicht so konkret, dass ein Spieler das wirklich dann anwenden kann. Ja. Heißt, wir nennen das dann Methode, bedeutet, wie setzen wir ein Spielprinzip dann gut um in den verschiedenen Spielsituationen, die da vorherrschen. Und die Methode ist das ganz Konkrete, wie mache ich das? Wie führe ich einen Zweikampf clever? Und als Beispiel, ähm, ich hab's jetzt vorhin noch nicht erwähnt, aber dieses Arm raus, also, äh, Arm raus, Arsch raus. Arm raus, Arsch raus, ähm, um Distanz zu schaffen oder, ähm, Kontakt aufzubauen zum Gegenspieler, um auch zu spüren, wo die Bewegung des Gegners vielleicht hingeht. Äh, und also, auch der Klassiker, wenn ich jetzt irgendwie an die Kinder denke, äh, die wissen ja nicht, wie man einen Zweikampf führt. Und denen zu sagen, okay, was machen wir zuerst? Ja, so schnell wie möglich die Distanz verkürzen, Druck aufbauen. Wenn wir dann aber näher kommen, was wenn ich da jetzt im Vollsprint bleibe? Ich bleibe einfach und renne auf den Zug. Was passiert dann? Ja, der macht einen Haken und dann bin ich weg. Ja, genau. Heißt, wir müssen hier Tempo rausnehmen. Und da hätten wir schon eine Methode, dass wir halt sagen, okay, wir verkürzen die Distanz zum Gegenspieler und nehmen dann aber Tempo raus und nehmen das Tempo des Gegenspielers auf. Bedeutet, seitliche Stellung, Tempo aufnehmen. Und jetzt sind wir so eigentlich im letzten Schritt, was ist der Moment, in dem ich überhaupt einen Ball gewinnen kann? Und da tun sich Kinder so super schwer, ähm, also ich spreche von Kindern und meine aber ganz oft eigentlich alle, äh, so, auch, da kann man, also, kann man ja mal fragen, wann kann ich denn den Ball gut gewinnen vom Gegenspieler? Und das ist ja der Moment, er macht einen Kontakt, er legt sich den Ball vor. Heißt, auf diesen Kontakt lauere ich, warte ich so richtig, ich habe eine gute Position zum Gegner, ich bin nah genug dran, ich habe sein Tempo aufgenommen, äh, ich stehe seitlich und jetzt warte ich drauf, jetzt legt er sich den Ball so ein Stück weit vor und dann gehe ich drauf. Und ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass wenn man Kids das so klar zeigt, also ihnen ganz genau sagt, auf diesen Moment, wenn du auf den wartest, ähm, oder ihn provozierst und dann drauf zu gehen, dann wirst du auch Bälle gewinnen im 1 gegen 1. Und das was, da habe ich sehr, sehr gute Erfahrungen damit gemacht, dass das, äh, so klar ist und sie so eine extreme Orientierung haben für ihren Defensiv-Zweikampf, dass sie automatisch dann durch das Anwenden davon gut in die Zweikämpfe kommen. Weil jetzt konzentrieren sie sich ja nicht mehr auf den Körperkontakt, was viele machen, die rammeln dann so mit den Schultern in den Gegner. Das ist ja gar nicht Sinn der Sache. Sinn ist ja, den Ball zu gewinnen.
Speaker 1Ja, genau. Ich finde, das hast du gut zusammengefasst, weil, was ich oft gefragt werde, was ist denn eigentlich ein gutes Prinzip? Dann kommt ein Trainer auf mich zu und sagt, hey, das Prinzip ist ein gutes Prinzip. Für mich, also in der Sache sind wahrscheinlich viele Formulierungen und Prinzipien, die man im Kopf hat, sind die schon richtig irgendwie und die machen auch irgendwie Sinn, nur wenn es halt nicht umsetzbar ist auf dem Platz, so wie du jetzt gerade gesagt hast, wenn ich halt nicht klar zeigen kann, du musst auf XY achten, du musst den Arm rausnehmen, du musst diesen Moment des letzten Ballkontakts abwarten. Wenn ich das nicht runterbrechen kann, von dem Prinzip auf eine Methode, dann ist das Prinzip auch nicht gut. Ja, sondern dann ist es einfach ein Prinzip, das irgendwie Sinn macht, das aber halt nicht coachbar ist. Und dann bewege ich mich vor allem im Breitensport und im Kinder- und Jugendfußball, aber auch im Erwachsenenbreitensport halt auf irgendwelchen Ebenen, die die Spieler gar nicht umsetzen können. Das kann ich dann vielleicht mit einem Florian Wirtz machen oder mit einem Jonathan Tah, wenn es ums Defensivverhalten geht, aber halt nicht mit meinem 18-jährigen Innenverteidiger oder meinem 10-jährigen, geschweige denn. Okay, lass uns mal zum zweiten Teil kommen. Nämlich dieses Thema Prinzipien sichtbar machen. Darüber sprechen wir ja auch im Kurs. Du hast es gerade eben schon gesagt, der ist ja nicht nur für Kinder- und Jugendtrainer, sondern wir haben ihn klar so konzipiert und es zeigt sich jetzt auch schon bei den Anmeldern, den bisherigen, dass es auch für den sehr alten Jugend- und Erwachsenenbereich relevant ist. Weil es einfach ein Thema ist, das irgendwie jeden betrifft, weil man es immer wieder hört. Kannst du uns mal ein bisschen was darüber erzählen? Bei Prinzipien, also, wie schaffe ich es denn auch als Laientrainer, das irgendwie greifbar zu machen und für mich auch als Trainer zu verstehen und zu merken, ah, okay, das ist jetzt irgendwie klar geworden, das Prinzip, und es wurde vielleicht auch umgesetzt oder es wurde nicht umgesetzt, es ist ja meistens so, dass es da nicht umgesetzt wurde. Wie finde ich da für mich irgendwie eine Referenz?
Speaker 2Ja, ich, also, ich glaube, das ist so der entscheidende Punkt, wenn wir über Fußball sprechen, dass wir dann auch festhalten können, ob etwas, was passiert, dass wir beabsichtigt haben, dass es passiert auf dem Platz. Weil sonst ist es Zufall und Chaos und genau auf der Ebene passieren dann ja auch viele Gespräche zwischen Trainern, zwischen Vereinsführung und Trainer und das ist ja von den tiefsten Breitensportvereinen mit drei Jugendmannschaften bis hin zum Bundesligisten, wo die Frage ist, wie bewerte ich eigentlich einen Trainer, wie bewerte ich mannschaftliche Entwicklung, wie bewerte ich Spieleentwicklung? Und wir haben da für uns ja ein Modell entwickelt, mit den Key Events, dass wir sagen, was sind denn die Schlüsselmomente auf dem Platz, die, wenn diese häufiger vorkommen, deine Handschrift widerspiegeln würden? Oder die Handschrift des Vereins? Ansonsten formulieren wir sowas wie, wir wollen aktiv sein, wir wollen dominant sein mit dem Ball, gegen den Ball wollen wir gallig sein und giftig. Dann sind das nette Worthülsen, die ich aber nicht überprüfen kann. Was man dann sieht auf den Plätzen ist halt, jeder Trainer macht dann doch irgendwie das, was ihm gerade ins Auge springt und wir haben viel Chaos auch hier wieder. Bedeutet, da wäre es das Ziel, entweder auf Vereinsebene oder auf individueller Ebene sogenannte Schlüsselmomente zu definieren. Bedeutet, wenn wir sagen, wir wollen dominant sein mit dem Ball, da müsste ich fragen, woran würde ich das erkennen, wenn ich keine Ahnung von Fußball hätte? Stell dir vor, ich komme auf den Platz, habe noch nie ein Fußballspiel gesehen und du müsstest mir jetzt erklären, woran ich erkenne, ob du mit dem Spiel zufrieden bist oder nicht, abgesehen vom Ergebnis. Und hier sind wir nach wahrscheinlich fünfmal Nachfragen bei sowas wie einem Schlüsselmoment. Und dann sagt er halt, wenn wir viel den Ball haben. Ja, okay, aber was heißt viel den Ball haben? Ja, mehr als der Gegner. Ja, aber in Sekunden, in Ballkontakten, in Pässen, in Ballaktien, in bestimmten Zonen des Feldes, was konkret? Ja, wir wollen halt viel Ballbesitz in der Hälfte vom Gegner. Okay, und dann aber viel Ballbesitz oder was für eine Art von Ballbesitz? Ja, und dann nähern wir uns diesem Schlüsselmoment an, indem wir eigentlich immer wieder nachfragen, was konkret damit
Speaker 1gemeint ist. Eigentlich ist es ja so ein bisschen, ich weiß nicht jetzt, wie es den anderen Trainern geht, aber bei mir ist es so, wenn ich auf dem Platz stehe, auch wenn ich mit der Mannschaft arbeite, ich habe immer so, so eine Traumvorstellung, wie es aussehen müsste eigentlich, wenn ich über Sachen spreche. Ich glaube, da ist jeder Trainer ähnlich. Alle, die noch, die schon alt genug sind und irgendwie Barcelona unter Pep Guardiola in seiner besten Saison, das war wahrscheinlich so eine ganze Saison über, war das irgendwie so ein Rausch und ein Traum, weil sicherlich die Sachen, die besprochen wurden vor dem Spiel, eins zu eins umgesetzt wurden. Und in welcher Tiefe auch immer. Und ich glaube, das, also sich mal so, wie du sagst, selber zu hinterfragen, was ist so die Traumszene, die ich mir vorstellen könnte? Wir wollen dominant sein. Und wie sieht die mit Ball, wie sieht die eher gegen den Ball aus? Und das ist dann ein erster Hinweis auf ein mögliches Key-Event. Wenn das natürlich mein Idealbild ist, ein 60-Meter-Diagonalball, der mit dem ersten Kontakt weitergespielt wird in den 16er-Reihen, dann muss ich mich fragen, ist es realistisch auf meinem Niveau? Aber das kann man ja auch runterbrechen auf das jeweilige Leistungsvermögen.
Speaker 2Ja, genau. Und also, da gehen wir dann aus diesem Idealbild, ich finde es eine gute Herangehensweise zu sagen, okay, wie würde das denn aussehen, wenn es perfekt wäre? Und da stellt man ja aber auch oft fest, dass man das vielleicht im ersten Moment gar nicht so klar beantworten kann. Also, habe ich sowas wie eine perfekte, eine Traumvorstellung eines Angriffs, eines Spielaufbaus, einer Spielaufbausequenz, eines Pressing-Verhaltens? Und erst, wenn ich da eine Idee davon habe, wie das aussehen muss, habe ich ja erst für mich dann das Gefühl, zu sagen, okay, das, was jetzt passiert ist, war eher, gut oder eher nicht so gut. Und dann, und das soll der Überprüfbarkeit ja helfen und aber auch dem Transfer an die Spieler, gehen wir ja so tief, dass wir sagen, okay, was ist der Schlüsselmoment? Bedeutet ganz konkret, ich stelle mir zum Beispiel meinen Spielaufbau vor und ich sage meiner Mannschaft, hey, wir wollen im Spielaufbau extrem geradlinig, wir wollen so schnell wie möglich in die Hälfte des Gegners. Dann sind wir weit weg vom eigenen Tor, das ist da, wo wir unseren Ballbesitz haben wollen, da, wo wir dominant sein wollen. Heißt, wir wollen erst mal schnell diese ersten Altersstufe 10, 20, 30 oder 50 Meter überbrücken und um das jetzt dem externen Zuschauer verständlich zu machen und überprüfbar zu machen, würde ich sowas formulieren wie, innerhalb vom Abstoß, also wir haben, oder Ballbesitztorwart, bis zum Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte vergehen weniger als 10 Sekunden, 15 Sekunden, 20 Sekunden, was auch immer ich dann festlege, was zum Niveau meiner Mannschaft passt. Heißt, wir haben jetzt vor dem Spiel das Key-Vent definiert, hey, liebe Mannschaft, wir wollen dominant spielen, wir wollen dominanten Ballbesitz haben und das ist für uns in der Hälfte des Gegners. Um das herzustellen und zu einer möglichst hohen Dichte müssen wir die eigene Hälfte schnell überbrücken. Jetzt definieren wir für uns als Schlüsselmoment, ich werde mir notieren beim Spiel, wie oft wir es schaffen, dass wenn unser Torwart den Ball hat, bis wir in der gegnerischen Hälfte den Ball haben, wie oft wir das unter 15 Sekunden schaffen. Jedes Mal, wenn wir das schaffen, kann ich euch versprechen, wird unsere Chance steigen, ein Tor zu erzielen, weil wir eine gewisse Dynamik im Angriff haben, vielleicht schon die ersten Gegenspieler überspielt haben und sich aus dieser Dynamik dann heraus etwas ergeben kann. Heißt, die Idee ist, dass der Schlüsselmoment mit der höheren Wahrscheinlichkeit zum Torerfolg führt. Und je häufiger dieser Schlüsselmoment dann vorkommt, desto höher die Wahrscheinlichkeit quasi, dass wir mehrere Tore im Spiel schießen. Und jetzt hätte die Mannschaft ein klares Bild davon, zu sagen, in dieser Formation, die der Trainer vorgegeben hat, ist unser ganz konkretes Ziel, im Spielaufbau so schnell wie möglich in die Hälfte des Gegners zu kommen. Jetzt bin ich auf einer Ebene, da kann ich dann dem Elternteil oder diesem neutralen Zuschauer außen vorm Spiel schon das Ding in die Hand drücken und sagen, guck mal, hier ist die Strichliste, und du machst jedes Mal einen Strich, wenn wir es innerhalb von 15 Sekunden von dieser Person schaffen, bis hinter diese Linie zu kommen und den Ball zu haben. Hast du das verstanden? Ja, okay, habe ich verstanden. Und jetzt kannst du einen Fachfremden quasi damit betrauen, dein Spiel zu bewerten. Und diese Klarheit muss sein, es muss so klar sein, dass jemand, der noch nie ein Fußballspiel gesehen hat, es versteht und umsetzen kann und danach dir quasi das Ergebnis in der Halbzeit präsentiert. Guck mal, ihr habt sechs Mal geschafft. Und das macht es für mich auch so viel klarer und einfacher, die Mannschaft dann entsprechend zu coachen. Weil jetzt habe ich für diese Spielaufbausequenzen einen wahnsinnigen Fokus, wo ich sage, okay, Torwart hat jetzt den Ball und jetzt dauert es ewig. 15 Sekunden, jetzt hat der Innenverteidiger den Ball. Was ist hier los? Und jetzt kann ich nämlich darauf achten, bewegen sich unser Sechser schlecht, bewegen sich die Achter, Zehner schlecht, müssen wir viel höher aufrücken, rücken, weil der Gegner sich eigentlich viel tiefer fallen lässt. Aber ich bekomme einen Fokus darauf, warum funktioniert es nicht? Wieso hat es nicht geklappt? Und jetzt kann ich sehr gezielt quasi coachen und meine Prinzipien und Methoden anwenden in der Hoffnung, dass dieser Schlüsselmoment jetzt häufiger vorkommt. Heißt, ich habe ein Ziel, 15 Sekunden von Torwart bis gegnerische Hälfte. Die Spieler haben Werkzeuge an der Hand, das sind die Prinzipien und Methoden, um das gut zu schaffen. Jetzt ist der Gegner da und der macht alles kaputt. Jetzt habe ich als Trainer die Rolle, meine Spieler und meine Mannschaft dort hinzubringen, wo sie sich nicht selbst hinbringen kann, wo sie Mourinho, Zitat, bedeutet. Ich kann jetzt das Spiel mir anschauen und sagen, ich muss meiner Mannschaft helfen, weil ihre Werkzeuge... ... gegen diesen Gegner nicht ausreichen, damit wir so spielen, wie wir spielen wollen. Und jetzt coache ich sehr zielgerichtet, geradlinig, damit wir das häufiger schaffen. Und dann ergibt sich so eine Kette daraus, weil jetzt ist der Ball auf einmal dann da, wo er sein soll, in der gegnerischen Hälfte. Und jetzt, im besten Fall, habe ich vielleicht noch einen zweiten Schlüsselmoment für unser Spiel mit dem Ball. Spielaufbausequenz und Angriffsspiel. Gegen den Ball genauso. Also, wir greifen vorne an, pressen, wenn unser Pressing überspielt. Was haben wir dann? Heißt, ich gehe mit maximal, maximal irgendwie drei Schlüsselmomenten in so ein Spiel rein und am Anfang habe ich einfach nur eins. Und ich weiß, dass viele dann die Gefahr sehen, ja gut, aber dann macht meine Mannschaft nur noch das. Das ist viel besser, als dass deine Mannschaft macht, was sie will und dass es keine klare Linie gibt, dass der Innenverteidiger nicht weiß, was der Sechser macht, was der Achter macht und irgendwie ich in Schwammige und Begriffen in der Spiel. Besprechung sitzt und sagt, ja, wir müssen halt irgendwie. Und das funktioniert auch schon bei den Jüngsten sehr gut. Also, da ist ja die Geschichte von unserem Mitgründer Ralf, der mit seiner F-Jugend das implementiert hatte, weil er gesagt hat, ja, meine Kids in der F-Jugend, die bleiben halt vorne stehen. Ich habe da ein paar faule Stinker drin, die haben halt keinen Bock zu verteidigen. Und er hat dann ein Key-Event-System eigentlich eingeführt, der dann irgendwann meint, hey Jungs, für jedes Tor, das ihr schießt, bekommt ihr einen Individuum. Für jede Vorlage, die ihr macht, bekommt ihr auch einen individuellen Punkt. Und wenn ihr von vorne, also wenn ihr beim Tor des Gegners seid und dann zurückrennt und hinten den Ball bekommt und gewinnt vom Gegner, dann bekommt ihr sogar fünf Punkte. Und auf einmal hat er gemeint, sind die halt angefangen loszurennen und sind halt mit Freude nach hinten gerannt, weil es klar war, okay, für meinen individuellen Score gibt es halt fünfmal so viele Punkte wie jedes Tor, wenn ich meiner Mannschaft helfe, hinten zu verteidigen. Ja. Und das glaube ich ist einfach ein super Hebel, um echt auch bei Siebenjährigen schon Lösungen zu entwickeln und Fokus herauszuarbeiten auf das, was dann am Ende des Tages wirklich wichtig ist. Und so kann ich das sehr gut gestalten. Und abschließend noch die Frage, bin ich jetzt mit zweimal innerhalb von 15 Sekunden in die gegnerische Hälfte zufrieden oder müssen es zehnmal sein, ist die Antwort keine Ahnung. Erstmal soll es für Fokus sorgen. Ja. Dass du weißt, auf was du achten musst, dass deine Mannschaft weiß, worauf sie achten muss und dann stellt ihr fest, was realistische Werte sind und, und das hängt ja natürlich auch immer ab vom Spielniveau des Gegners. Was cool ist, wenn ich in der Saison spiele, wo ich Hin- und Rückrunde habe oder mehrfach gegen eine Mannschaft antrete, gegen diese Mannschaft kann ich es dann sehr gut vergleichen. Bundesliga funktioniert auch sehr gut, weil die Leistungsdichte der Teams sehr hoch ist. Je weiter wir nach unten kommen, desto höher natürlich das Gefälle innerhalb der Ligen selbst. Und auch da aber, ich erinnere mich, Julian Nagelsmann, Saisonvorbereitung Hoffenheim vor keine Ahnung wie vielen Jahren jetzt mittlerweile und es war halt klar, also die haben gegen die Partnervereine in der Region gespielt, die spielen so Landesliga. Jetzt die Frage, okay, wie gehe ich als Bundesligist an dieses Spiel heran, weil dass wir gewinnen ist eigentlich klar, alles andere wäre eine Blamage und wir sind individuell ja eh so überlegen, dass wir dieses Spiel gewinnen werden. Und was die gemacht haben ist, die haben gesagt, jedes Mal, wenn die... ...die gegnerische Mannschaft länger als acht Sekunden im Ballbesitz ist, zählen wir das für uns intern wie ein Gegentor. Und dadurch hast du halt die Spieler gesehen, die trotzdem Vollgas ansprinten, schnell im Gegenpressing sind, weil klar ist, für uns intern bewerten wir das Spiel anders als einfach nur auf Lage der Ergebnisse. Und so könnte ich meiner Mannschaft auch Challenges mitgeben, auch in der Halbzeitpause, wenn wir sehen, wir liegen extrem hinten oder wir liegen extrem vorne. Also das Ergebnis ist schon entschieden, aber jetzt mit einem Fokus auf etwas anderes können wir unseren eigenen Sieg sozusagen einfahren. Sagen, hey Kids, in der ersten Halbzeit haben wir es halt geschafft, zweimal den Ball in der gegnerischen Hälfte zu gewinnen. Und es kann ja sein, dass das Ergebnis irgendwie 8-0 für den Gegner ist. Und dann ist das Ziel für die zweite Halbzeit halt mindestens dreimal den Ball in der gegnerischen Hälfte zu gewinnen. Das ist unser Ziel. Alles andere ist uns scheißegal. Wir wollen besser sein als in Halbzeit 1. Und... ...damit dem... ...dem Gegner zeigen, wir haben uns entwickelt innerhalb von einem Spiel. Und auf einmal haben wir halt einen neuen Fokus für die zweite Halbzeit des Spiels als, okay, wir gehen halt jetzt mit einem 8-0-Rückstand rein. Wir verlieren sowieso zweistellig. Und für die andere Mannschaft genau das Gleiche. Heißt, dadurch, dass ich die Ergebnisse nicht immer beeinflussen kann, kann ich aber beeinflussen, was mögliche Lernpotenziale innerhalb des Spiels für meine Mannschaft sind. Und die schaffe ich mit Key-Events, Schlüsselmomenten und Fokus dann für die Mannschaft. Und... ...je klarer diese Fokusbereiche über mehrere Teams hinweg innerhalb eines Vereins sind, desto... ...größer ist diese brutale Klarheit, die ein Spiel für Sophie dann auf den Platz bekommt. Und... ...desto einfacher ist es, miteinander zu sprechen. Weil ich sagen kann, ey, guck mal, wir haben das Key-Event in diesem Spiel nicht hinbekommen. Können wir uns zusammen vielleicht das Video mal angucken? Dass du mir auch sagst, was dein Eindruck ist, warum wir es nicht geschafft haben. Und auf einmal haben wir eine viel zielgerichtetere Diskussion als, hey, wir haben halt 3-0 verloren und wir sind halt nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen. So, und dann trainiere ich etwas, wo ich feststelle, das war aber gar nicht das Problem. Ja. Und, ja, hier, glaube ich, würden sich auch so die Analyse-Skills extrem weiterentwickeln.
Speaker 1Das definitiv, weil ohne diese Analyse wird es halt schwierig, weil alles aus dem Bauch raus entschieden wird. Auch Mannschaftsinterview. Und ich dann ja auch für mich als Trainer überhaupt keinen Referenzrahmen habe. Und das mag am Anfang, du hast es gesagt, irgendwie überwältigend wirken. Und man denkt sich, ja, okay, jetzt muss ich hier, keine Ahnung, wunderbar, was für eine Wissenschaft betreiben. Das ist es ja nicht. Sondern sich ganz einfach überlegen, was habe ich denn überhaupt für ein Leistungsniveau vor mir? Welchen Altersbereich habe ich denn eigentlich vor mir? Was habe ich für Spielertypen? Was habe ich für einen Mannschaftstyp? Und dann einfach für sich peu a peu runter. Überbrechen und zu überlegen, in welcher Spielphase, welches Prinzip, welche Methode und wie kann ich das vielleicht sogar irgendwie darstellen in Form eines Key-Events oder zwei Key-Events oder wie auch immer. Und das macht es dann einfach wahnsinnig, wahnsinnig praxisrelevant. Cool. Okay. Na gut, dann lass uns in der nächsten Folge, also in der letzten und abschließenden, unter anderem auch über dieses Thema Coaching sprechen. Ja, also wie schaffe ich es, Prinzipien zu coachen? Ja, und meistens oder die meiste Zeit ist es ja in Form des Trainings. Heißt, wir sprechen drüber, wie schaffe ich es, Prinzipien in das Training zu überführen und dann vor allem das, was ich trainiere, wie wirkt sich das aufs Spiel aus? Und dass wir darüber quasi in der nächsten Folge sprechen. Wenn du jetzt also Lust hast auf diesen Kurs, wenn du diesen Podcast hörst, vielleicht hörst du den, nachdem die Live-Veranstaltungen auch schon vorbei sind. Das kann ja durchaus auch sein. Der Kurs ist unter dem Link in den Shownotes weiterhin abrufbar. Das ganze Material, das wir da zur Verfügung stellen, ist auch ganz normal abrufbar. Es sind vier Module, beziehungsweise vier Veranstaltungen mit Arbeitsphasen, mit Handouts, die ihr nutzen könnt, mit einer kleinen Community, in die alle Teilnehmer gehen können. Also ist auf jeden Fall für jeden was dabei und dann hätte ich gesagt, Sakko, machen wir einen Deckel drauf für heute und sehen uns oder hören uns besser gesagt in der nächsten Folge, in der dritten Folge, wo es ums Coaching, Training und den Übertrag in den Wettkampf geht.
Speaker 2Jawohl, Josch, ich freue mich drauf und vielleicht können wir noch das Thema individuelle Key-Events nochmal anreißen.
Speaker 1Vielleicht machen wir das aber auch nur im Kurs, weil sonst haust du alles Wissen im Podcast raus. Und dann schießen wir uns ins eigene Bein. Ich weiß, du bist da Feuer und Flamme, aber ich muss dich zügeln, ich muss dich zügeln. Okay. Wir hören uns. Ciao, ciao. Josch, bis denn. Ciao.