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614: 2 + 2 = 4

32m 57s

614: 2 + 2 = 4

In dieser Episode des Easy German Podcasts begrüßt Manuel Janusz als Ersatz für Carina, die auf Reisen ist. Janusz wirkt müde, da er einen Zahnarzttermin hatte, lobt aber die moderne, schmerzfreie Behandlung. Nach einer Werbung für NordVPN, die vor Online-Betrug schützen soll, widmen sich die beiden dem philosophischen Thema „2 plus 2 gleich 4“. Janusz erklärt, dass diese Gleichung für ihn eine ideelle, ewige Substanz darstellt, die unabhängig von der materiellen Welt existiert. Er zitiert aus Briefen, die er vor Jahren an Manuel schrieb, in denen er behauptet, dass Ideen und Logik die wahre Grundlage der Realität sind, während materielle Dinge nur Ergebnisse dieser Logik seien. Diese Position sei eher ein Glaube als eine wissenschaftliche Tatsache. Manuel fragt nach dem Ursprung dieses Interesses; Janusz erzählt von einer Lehrerin in Polen, die ihn als Kind für eine naive Frage zur Atomstruktur beschimpfte, was seine Faszination für Philosophie auslöste. Abschließend beantwortet Janusz eine Hörerfrage zum Thema Erfolg: Er betont, dass Erfolg nicht mit äußerem Gewinn oder Status verbunden sein sollte, sondern mit Authentizität, Selbstakzeptanz und der Fähigkeit, präsent zu sein und sich als guter Mensch zu fühlen. Er identifiziert sich selbst als „Loser“ und findet darin eine Art Erfolg. Die Episode endet mit einem emotionalen Moment, in dem Janusz über persönliche Errungenschaften spricht, und einem Hinweis auf die Aftershow für Mitglieder.

Transcription

4117 Words, 24635 Characters

German
Ich kann das nicht, ich kann das einfach nicht, ich kann es einfach nicht, das Mitsingen im Intro. Kari fehlt, sie ist auf Reisen quer durch Deutschland, nee, quer durch Europa. Wir verraten noch nicht, wo sie unterwegs ist. Die ist erstmal in Münster. Ja, aber in dem Moment, wo ihr diese Episode hört, ist sie eventuell schon. Die Relativitätstheorie. Da ist sie schon weit entfernt. Ihr hört es, mir gegenüber sitzt ein würdiger Co-Host, der Carina Schmidt hier heute vertritt, Jano Schamerski. Liebe Grüße an alle, ich freue mich dabei. Freue ich zu sein, ich bin allerdings nicht so ganz fit. Nicht so ganz fit, du bist hier schon sehr müde, ins Büro heute reingestolpert. Es ist 17 Uhr, wir fangen um 17 Uhr an mit unserer Podcastaufnahme. Erzähl uns aus deinem Alltag, warum bist du so müde? Ich war heute Morgen beim Zahnarzt. Du gehst sehr oft zum Zahnarzt. Ja, weil meine Brücke ausgetauscht wird. Es tut mir leid. Was ist das für eine Brücke? Ich dachte, das ist etwas. Zwei Flussseiten. Oder zwei Zähne. Wenn du einen Zahn verloren hast, man überbrückt das mit so einer künstlichen Brücke. Und ich habe das Glück, dass ich in einer sehr, sehr freundlichen und unglaublich professionellen Praxis bin. Und die Zahnärztin ist einfach fantastisch. Beziehungsweise womöglich ist auch die Technik anders als die, die ich vor 20 Jahren erfahren habe. Weil es ist so viel schmerzloser. Also man leidet eigentlich gar nicht mehr. Und sie haben da solche Geräte und solche Sachen. Also fantastisch. Toll, da wirst du auch noch zum Zahnarzt-Fan, so wie ich ja immer schon Zahnhygiene-Fan war. Eine lustige Anekdote. Ich saß mit Cari. Letztens irgendwo, ich weiß nicht, wir hatten ein Meeting oder wir haben was gegessen. Und Cari fängt an zu lachen und zeigt mir ein Foto, das du ihr geschickt hast. Und es war ein Selfie, das du ihr geschickt hast, während du auf dem Behandlungsstuhl saßt beim Zahnarzt. Und die Zahnärztin hatte schon die Lampe auf dem Kopf und die Maske auf. Und du hast ein Selfie mit dir und deiner Zahnärztin gemacht und an Cari geschickt. Toll. Ich bin auch ein Fan der Zahnhygiene, Manuel, ja. Das freut mich. Ja, und der Zahn, der modernen Zahntechnologie. Das sowieso, ja. Und die Ärztin ist auch sowas von sympathisch. Ja. Werbung. Janusz, wurdest du schon mal gescampt? Bist du schon mal Opfer eines Scams geworden im Internet? Ja, und ich schäme mich schrecklich, weil dieser Scam ziemlich offensichtlich war. Man hat mir angeboten, eine Gitarre, die normale, teilweise 4.000 Euro kostet, für 80 Euro. Jetzt, heute, ein besonderes Angebot von Lidl. Und ich weiß nicht, ob ich nicht ausgeschlafen war oder geflasht davon. Und ihr habt das direkt gekauft. Und das war ein Scam, ja. Und genau solche Scams, solche Betrüge könnt ihr verhindern mit unserem Sponsor NordVPN. NordVPN ist ein Tool. Wir haben schon oft darüber gesprochen. Wir haben schon oft darüber gesprochen, mit dem ihr verschlüsselt über die Server von NordVPN surft. Ihr habt dann eine andere IP-Adresse, könnt so zum Beispiel auch auf Inhalte zugreifen, die sonst in eurem Land geblockt sind. Aber NordVPN hat auch zusätzliche Sicherheitsfeatures, wie zum Beispiel den Bedrohungsschutz Pro. Und mit diesem Feature bekommst du einen Sicherheitsindikator für Suchergebnisse. Das heißt, dort hätte dir NordVPN wahrscheinlich angezeigt, hey, diese Seite, die ist wahrscheinlich Phishing oder ein Scam, die ist nicht sicher. Und dann hättest du deine 80 Euro nicht verloren. Also ganz ehrlich, ich will das unbedingt haben, ja. Ich habe in der letzten Zeit so Vorkommnisse gehabt, wo ich gedacht habe, oh Gott, ich bin jetzt ausgeliefert. Ich bin schutzlos. Jetzt ist der perfekte Moment, denn es gibt einen Black Friday Deal. Wenn ihr euch über unseren Link anmeldet, nordvpn.com, slash e-g-p, so wie Easy German Podcast. Dort bekommt ihr aktuell einen Mega-Rabatt und bis zu vier Monate extra. nordvpn.com, slash e-g-p. Heute soll es nicht nur um Zahnhygiene gehen, sondern um dein Lieblingsthema, die Philosophie. Und, tatsächlich habe ich mir zur Abwechslung heute ein Thema gewünscht und ich möchte dir die Vorgeschichte erzählen. Ja, ich kenne die Vorgeschichte, aber erzähl mal, ja. Ja, also der Grund, warum ich dieses Thema heute mit dir besprechen möchte, ist, dass ich eine Eingebung hatte, eine Epiphany. Ich habe nämlich irgendwann über unsere Beziehung, Beziehung nachgedacht. Deine und meine. Du bist ja mein Vater. Das fragen immer noch Leute, ob das wirklich stimmt. Es gibt diverse Podcast-Episoden, in denen wir über unsere Beziehung gesprochen haben. Und ich bin nicht mit dir aufgewachsen, aber wir haben uns zum Beispiel früher viele Briefe geschrieben. Und mir ist klar geworden, dass du mir ganz oft etwas erklärt hast, in diesen Briefen, etwas Philosophisches. Und ich das aber bis heute erstens nicht so ganz verstanden habe, was das genau meint. Und zweitens mir auch bis heute nicht klar ist, warum es dir so wichtig ist. Ich habe nämlich noch mal geschaut. Du hast mir tatsächlich schon vor 20 Jahren davon geschrieben. Ich glaube auch, das war ein, also ich habe kein kein einfaches Verhältnis zu dieser Geschichte. Weil ich schäme mich ein bisschen. Ich glaube, es war ein bisschen, ja, nicht ein Missbrauch, ja, aber ich wollte einen Brief an dich schreiben. Und dann habe ich geschrieben, was mir in den Kopf kam. Mehr oder weniger. Und ich habe mich nicht darum geschert, glaube ich, ob du das verstehen kannst oder nicht. Und ich kann mir vorstellen, dass es pädagogisch sinnvoller wäre, dir irgendwelche polnischen Märchen zu erzählen. In der Kindheit. Aber diese Briefe, die ich jetzt noch mal gefunden habe, die sind, die Kindheitsbriefe sind nicht digital. Die konnte ich nicht durchsuchen. Vielleicht hast du damals auch schon davon geschrieben. Aber wir haben uns auch Briefe geschrieben, als ich zum Beispiel auf Weltreise war. Da war ich ja schon erwachsen. Und ich habe mehrere Briefe gefunden von 2011, 2014 und 2016, die ich mit einem Suchbegriff gefunden habe. Ich habe nämlich in meinem Brief, in meinem digitalen Briefearchiv gesucht nach 2 plus 2 gleich 4. Und ich finde Briefe von dir aus mehreren Jahren und Dekaden, in denen diese Gleichung vorkommt. 2 plus 2 gleich 4. Und das war in meiner Eingebung auch das, wo ich einfach wusste, 2 plus 2 gleich 4. Das ist etwas, wovon du seit Jahren redest. Und du willst mir damit etwas sagen. Etwas Philosophisches. Und ich dachte, mir ist es wichtig, das besser zu verstehen. Lass uns das öffentlich machen in diesem Podcast. Dann haben wir alle was davon. Sehr gerne. Aber noch einmal zu meiner Verteidigung. Ich erinnere mich wirklich, dass ich an dich Briefe geschrieben habe. Ich erinnere mich nicht mehr. Aber es waren noch tatsächlich Briefe, die ich mit der Hand geschrieben habe. Das war in meiner Kindheit. Das war in deiner Kindheit. Und dann, ich habe den Brief dann gefaltet und in den Briefumschlag getan und habe gedacht, oh Gott, was hast du da für einen Quatsch geschrieben. Also ich hatte mich schon damals ein bisschen schuldig gefühlt. Also ich glaube, diese Schuldgefühle sind wirklich fehl am Platz. Okay. Das heißt, du hast als Kind nie gedacht, was schreibt er da für einen Scheiß? Ist der Mann krank? Ich glaube nicht, dass ich das gedacht habe. Ich glaube, ich habe mich einfach über jeden Brief von meinem Papa gefreut. Egal, was da drin stand. Und dass diese Briefe sehr philosophisch waren, war, glaube ich, gut. Auch wenn ich jetzt heute mit fast 40 Jahren merke, Moment, ich verstehe nicht so genau, was es mit 2 plus 2 gleich 4 auf sich hat. Und heute machst du einen Check. Heute will ich das abschließen. Also, möchtest du anfangen oder soll ich dir einen Ausschnitt aus deinen eigenen Briefen vorlesen? Du sollst anfangen, weil tatsächlich. Tatsächlich, diese 2 plus 2 Geschichte hat ein eigenes Leben und ist so ein bisschen außerhalb meiner eigentlichen philosophischen Interesse. Es war mehr so, ich leitete ja eine Medien-AG und hatte viele Jugendliche, mit denen ich irgendwelche Projekte gemacht habe. Und einer davon war ein Bremer, ein superlieber, superlustiger und sehr provokanter auch Jugendlicher, der mir irgendwann erzählt hat, 2 plus 2 ist nicht immer 4. Und dann haben wir monatelang mit ganzer Wut, aber auch mit ganzer Freude an dem Streitgespräch darüber gestritten. Und seine Mama war. Professorin an der Universität und ich glaube, sie hatte sogar Philosophie unterrichtet und ich glaube, er hat das da irgendwo aufgegabelt. Und wir haben mit großer Freude darüber gestritten, ob 2 und 2 4 ist, immer oder auch nicht. Also ich vertrete die These, dass 2 und bis heute vertrete ich die These, dass 2 und 2 4 ist, solange es eine logische Gleichung ist. Und jetzt. Jetzt nicht in der Realität passiert, wo in der Realität ist das womöglich nicht immer so, ja. Okay, da kommen wir schon der Sache näher, denn soweit ich deine Briefe jetzt verstanden habe, als ich sie nochmal gelesen habe, ging es dir immer darum, dass es zwei verschiedene Ebenen gibt. Es gibt die materielle Welt, die Welt der Dinge und du schreibst hier zum Beispiel, ich zitiere. Um als existent anerkannt zu werden, muss das Ding im Raum einen bestimmten Platz beanspruchen. Es existiert auch in der Zeit. Es war, es ist gerade und es wird sein. Also das sind die materiellen Dinge, so wie dieses Mikro und diese T vor mir. Sachen, die du anfassen kannst. Genau. Und dann gibt es die andere Ebene und das ist die Ebene der Ideen. Du schreibst. Die Ideen haben solche Eigenschaften nicht. Die Gleichung 2 plus 2 gleich 4 hat keine Ausdehnung und sie hat keine Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Sie ist eben geistig. Ja, es ist ein logisches Gebilde. Genauso, du hast ja bestimmte Geometrie Unterricht gehabt und da hat man dir mit Sicherheit auch gesagt, dass ein Punkt keine Ausdehnung hat. Ein Punkt, wenn du eine Linie zwischen zwei Punkten. Dann diese Punkte haben keine Ausdehnung. Genau. Soweit sind wir erstmal noch einfach nur in der Mathematik, würde ich sagen. Du schreibst das dann ein paar Jahre später wieder und erklärst das und dann habe ich aber einen Ausschnitt gefunden. Wo ich mir widerspreche. Und hier wird es jetzt nämlich philosophisch. Du schreibst. Ich denke, dass die Welt alles, was es gibt, unbedingt aus einer einzigen Substanz. existiert. Und du sagst, und diese Substanz ist nicht die Materie, sind nicht die Dinge, sondern es sind die Ideen. Also du behauptest, dass die Welt nicht besteht aus den physischen Dingen, die man anfassen kann, sondern aus den Ideen, wie zum Beispiel 2 plus 2 gleich 4. Also das existiert, aber der T vor mir existiert nicht. Der T existiert, aber in einem. Resultat quasi, dass du das erlebst, dass du den T erlebst, die ganze Welt um uns herum entsteht aus dem Verständnis, aus der Logik, aus dem Logos, aus der Rechtmäßigkeit, aber die auch außerhalb der Ausdehnung existiert, weil sie ja notwendig ist. Sie hat keine Vergangenheit. Sie hat keine Vergangenheit und keine Zukunft. Sie ist einfach. Wenn du sagst, 2 plus 2 ist 4, dann ist es einfach so. Das musst du nicht aufbauen. Das war immer schon. Bevor das Universum, vor dem Big Bang, war 2 plus 2 schon 4. Aber es gab da noch nicht die Atome, die den T herstellen konnten. So vielleicht? Ja. Und okay, ich glaube, ich verstehe das. Also es gibt diese beiden Ebenen. Aber wieso sagst du, es gibt im Grunde nur die eine, weil du sagst, ohne diese erste Ebene der Ideen kann es die materielle Ebene nicht geben? Ja, weil es gibt Leute, die Dualisten, die denken, es gibt Geist und es gibt die Materie. Und ich denke mir, wir können zwei Substanzen, Substanz ist ein philosophisches Begriff. Ja, was bedeutet das? Substanz würde ich denken, ist sowas wie Wasser ist eine Substanz. Aber im philosophischen Sinne ist Substanz das, was du als Materie kennst. Wenn wir sagen Materie, dann ist es dir klar, was gemeint ist. Aber Geist ist auch eine Substanz, dann halt eine geistige Substanz. Etwas, was den Raum erfüllt, etwas, was die Realität aufbaut, eine Substanz. Etwas, was substanziell ist, also existenziell. Also dann ist 2 plus 2 gleich 4, diese Idee, diese Logik ist auch eine Substanz. Eine geistige Substanz, ja. Und diese Substanz ist reeller als die Substanz, die materielle Substanz. Wir können lange darüber streiten, weil das sind immer die Perspektiven, je nachdem, wo du dich befindest. Dass du eine Substanz als mehr real als die andere empfindest, womöglich. Aber mit Sicherheit ist unsere materielle Welt ein Ergebnis. Der logischen. Der logischen, ja. Also die Logik war davor. Und hier werden vielleicht sehr viele Leute dagegen sprechen oder protestieren. Weil tatsächlich ist es so ein bisschen ein religiöses Vorstellungsbild. Vorstellung vor mir und von vielen Philosophen allerdings auch, von Plato auch, dass die Logik existiert auch dann, wenn es die Welt nicht existiert. Du hast selber gedacht, vor dem Big Bang. Also es muss nicht etwas da sein, die Logik ist einfach da. Du schreibst dann auch am Ende eines Briefes, die Welt, wie sie ursprünglich ist, ähnelt mehr einem Gedanken, als einem Stein. Ja. Das ist schon poetisch. Ja, es ist poetisch oder religiös. Ich weiß das jetzt sogar deutlicher als wahrscheinlich damals, als ich das geschrieben habe. Aber wissenschaftlich ist das nicht. Es ist ein Glaube. Es ist im Grunde ein Glaube. Es ist im Grunde eine, du versuchst dir die Realität zu denken und du kommst auf Ebenen, wo es poetisch ist. Wo es religiös wird, wo es religiös wird. Du kannst das nicht beweisen. Allerdings, und tatsächlich, ich habe mich dann natürlich weiterentwickelt und ich muss ein bisschen, nicht mit Beschämung, weil ich brauche mich dafür nicht zu schämen, aber immer wenn ich das unvorbereitet sage, dann klingt das einfach dämlich ein bisschen. Ich werde es trotzdem versuchen. Also ich glaube, dass wir alle gläubig sind. Weil die Gesamtheit von dem, was wir wissen, besteht leider oder zu Recht nicht nur aus der reinsten Wissenschaft. Viele Sachen glauben wir. Viele Sachen können wir nicht wissen. Ich habe heute ein Buch mitgebracht, das das auch bespricht und vielleicht besprechen wir das Buch ein bisschen später. Aber auf jeden Fall. Und das macht uns zu Gläubigern. In meiner Theorie. Das Problem mit dieser Theorie ist, dass wir sehr abgelenkt werden davon, dass es Kirchen gibt, Religionen um uns herum. Und du wirst wahrscheinlich automatisch erstmal das, was ich gesagt habe, damit assoziieren. Du denkst, ah, wir sind gläubig, also katholische Kirche. Oder, oh, wir sind gläubig, also andere Religionen. Das meine ich nicht. Ich meine ganz. Ganz schlicht, ganz einfach nur diese Tatsache, dass wir nicht alles wissen und dass wir vieles glauben. Ich glaube zum Beispiel, dass ich, wenn ich zurück nach Hause fahre, keinen Unfall haben werde. Das ist etwas, was ich glaube. Das ist vielleicht eine Hoffnung. Hoffnung, ja. Aber diese Hoffnung kann ich auch nicht glauben. Ich fahre nach Hause ganz beruhigt in dem Glauben, dass ich keinen Unfall baue oder erlebe. Oder ich glaube, dass vor dem Big Bang eine andere. ein Big Bang war, dass das eine kontinuierliche Sache ist. Fast das gleiche wie mit den Unfällen. Also es sind beides Dinge, über die man. Es sind beides Sachen, die ich glaube. Mir ist jetzt vieles klarer geworden. Eine Frage habe ich noch zu diesem Thema. Wieso, was glaubst du, wenn du in dich mal selbst hineinhorchst, wieso beschäftigt dich diese Frage und dieses Thema seit so vielen Jahren? Weil das hat, glaube ich, nicht so viel mit dem Schüler, den du hattest, zu tun. Wer behauptet hat, dass 2 plus 2 nicht 4 ist. Das ist eigentlich eine andere Geschichte. Aber dieser Unterschied zwischen der materiellen und ideellen Welt, der beschäftigt dich seit Jahrzehnten. Seitdem ich in der 6. Klasse der Grundschule war. Und ich bin so froh, dass du jetzt gefragt hast, weil diese Geschichte ist so süß. Wie alt bin ich, wenn ich in der 6. Klasse der Grundschule bin? 11 oder 12. Und wir hatten Physik womöglich zuerst in diesem Jahr eingeführt. Und die Lehrerin hat uns sehr, sehr interessant erklärt, wie ein Atom aufgebaut ist. Also zuerst hat sie gesagt, und man muss wissen, ich bin damals in Polen zur Schule gegangen und in Polen damals gab es eine kommunistische Ideologie, eine kommunistische Regierung und auch die Wissenschaft war von dieser marxistischen materialistischen Ideologie beeinflusst. Das heißt, man glaubte, alles was es gibt, ist materiell und fertig. Und so hat sie das auch erklärt. Sie hat gesagt, hier das ist ein Atom. Unsere Realität ist aufgebaut aus so kleinsten Steinen und diese Steine sind nicht mehr teilbar. Deshalb heißen sie Atom. Das dachte man früher, dass das das kleinste Teil wäre. Aus dem griechischen nicht teilbar. Atom. Allerdings, sie hat gerade diesen Atom auf die Tafel aufgemalt und sie ging dann weiter, okay, und Atom hat einen Kern und Elektronen. Und ich in meiner kindischen Naivität, aber der schönen kindischen Naivität, bin dann nach dem Unterricht zu ihr gegangen und meinte, ja, aber wenn das Atom unteilbar ist, aber der hat ja einen Kern und die Elektronen, also in dem Sinne ist sie jetzt schon sichtbar teilbar. Naja, aber man kann den nicht teilen. Und ich meinte, ja, ich will ihn auch nicht teilen, aber ich sehe, er besteht aus kleineren Teilen. Und die Lehre. Hast du quasi als Kind die Atombombe erfunden, willst du mir das erzählen? Ungefähr. Moment, aber die Atombombe war doch schon, also dass man Atome splitten kann, muss doch eigentlich in deiner Kindheit schon bekannt gewesen sein. Ja, ich nicht. Ich habe gerade erfahren, dass es Atome überhaupt gab, aber ich reagierte sehr auf kindische Weise, so ein bisschen naive, aber. Aber selbstverständlicherweise, ja, hey, sie erzählen, dieses Gebilde ist unteilbar, aber es hat Teile, also es ist im Nachhinein auch teilbar. Und ich war ein schlechter Schüler normalerweise und ich wurde nicht besonders gemocht von den Lehrern auch. Und sie reagierte so verrückt, dass ich, bis heute kann ich mir nicht erklären, warum sie. Na, weil sie wahrscheinlich doch. Sie sagte, oh mein Gott, er will eine Atombombe bauen. Sie sprach mir richtig mit Hass an. Sie dachte, ich will sie verarschen, weil ich war bekannt davon, dass ich irgendwelche dumme Sachen immer gemacht habe. Und sie reagierte mit großer Wut und Hass und hat mich vertrieben einfach. Sie sagte, ich soll weggehen und nicht so einen Scheiß erzählen. Keine gute Lehrerin. Keine gute Lehrerin. Aber damit hat sie mich geformt, beeinflusst. Von da war ich einfach total fasziniert, warum sie mich so angegriffen hat und warum sie mit mir nicht über diese einfache Tatsache sprechen wollte. Ist das ein Geheimnis? Und seitdem war ich immer wieder am nachdenken. Warum? Und es dauerte noch Jahre, bis ich dann jemanden kennengelernt habe, der schon Philosophie studiert hat und er hat gesagt, ja pass auf, lies einfach die Geschichte der Philosophie, alles andere kommt von selber. Ich war aber schon zu dem Zeitpunkt nicht so ganz unvorbereitet, weil ich schon, aber ich war nicht unangefasst. Ich habe mich schon mit diesem philosophischen Programm im Grunde befasst. Und deshalb reagierte ich dann später, las ich Geschichte der Philosophie schon mit einer Faszination vom Anfang an. Vielen Dank, dass wir in dieses philosophische Thema einsteigen durften. Ich habe hier Notizen mitgebracht, wir können noch sechs weitere Stunden darüber reden. Das können wir machen. Vielleicht gleich in der Aftershow stelle ich dir noch ein paar tiefere Fragen. Ihr müsst die Aftershow unbedingt hören, weil da kommt richtig das Interessante. Eure Fragen. Aber wo ich dich gerade hier habe, wir haben ein paar Fragen von unseren HörerInnen, spezifisch für dich. Karam aus Mainz hat uns folgende Sprachnachricht geschickt. Hallo, liebes Easy German Team. Mein Name ist Karam und ich lebe in Deutschland seit neun Jahren. Erstmal vielen lieben Dank für eure wunderschöne Arbeit. Ich habe heute eine alte Episode. Von euch gehört und da wurde über Erfolg gesprochen. Da hat mir eine Frage aufgefallen und möchte gerne an Janis stellen, wegen der philosophischen Inhalt. Was bedeutet Erfolg für dich, Janis? Oder wann sagst du, oh, das ist ein Erfolg, oder? Ja, Janosch, was bedeutet Erfolg? Das ist ja eine wunderbare Frage. Wir haben vor einigen Tagen auch auf der Straße gefragt, worauf bist du stolz? Worauf, wo gab es die Momente in deinem Leben, wo du stolz warst, etwas zu erreichen? Also das ist ja ganz ähnlich. Und tatsächlich Erfolg ist Erfolg ist viel wichtiger, glaube ich sogar, als ich es mir oder euch erklären kann. Weil Erfolg ist, ja toll, ich habe gewonnen, ja toll, ich habe es erreicht, das ist auf der Oberfläche. Aber im Grunde ein Erfolg baut dich weiter auf. Aber was ist denn ein Erfolg für dich? Was bedeutet Erfolg? Bist du erfolgreich? Fühlst du dich erfolgreich? Ich muss zuerst mal sagen, ich habe eine große Liebe für Loser, für Leute, die keinen Erfolg haben. Ich habe gerade in einer Podcast-Episode, This American Life, da ging es um Winning, dieses amerikanische, we are winners. Und da hat auch jemand gesagt, das fand ich so schön, I identify as a loser. Also die Person hat gesagt, ich will kein Winner sein, ich fühle mich als Loser. Und das ist auch so, dass ich mich als Loser fühle. Ich will kein Winner sein, ich fühle mich als Loser. Und das ist auch gut so. Das fand ich sehr sympathisch. Das bin ich auch. Also ich identifiziere mich auch als Loser. Ich habe lange Jahre gelebt in dem Gefühl, dass ich nichts im Leben erreicht habe. Und dass ich ein, ich hatte, das Leben war auch nicht sehr einfach, finanziell zumindest. Und und trotzdem, auch ein Loser, auch ein Mensch, der es nicht so bequem im Leben hat, nicht so viel Glück hat, nicht so viel Erfolg eben, hat sich sehr, kann und soll sich sehr erfolgreich fühlen, wenn er sich selber als einen guten Menschen empfindet. Wenn er selber nicht anfängt, alles zu hassen um sich herum. Ja, das wird emotional. Wir haben es geschafft. Kurz vor Ende der Episode fängt Janusz an zu weinen. Und Erfolg, Erfolg ist auch, wenn du Sachen erreicht, an die du nie geglaubt hast. Ich habe zum Beispiel mein ganzes Leben lang geglaubt, glaube ich auch heute noch ein bisschen, dass ich nicht singen kann. Aber ich singe trotzdem. Und ich habe mindestens, ein Lied, das ich bereit wäre jetzt aufzustehen und singen. Okay. Und das Gleiche mit der Gitarre. Ich habe nie geglaubt, dass ich Gitarre oder irgendein Instrument spielen kann, improvisierend. Es geht um die Improvisation. Etwas lernen zu spielen, das kann man letztendlich. Aber zu improvisieren. Und jetzt ist die Improvision, ich bin jetzt so weit, dass die Improvision wirklich zu einem Abenteuer wird. Improvisation. Also ich glaube, ich stimme dir zu, Erfolg kann und darf niemals mit externen Kriterien verknüpft sein. Genau. Man sollte niemals seinen Erfolg definieren über das Gehalt im Vergleich zu anderen Menschen. Zum Beispiel, wenn ich eine Million oder zwei oder drei Millionen Euro jetzt gewinnen würde, wäre ich am nächsten Tag, nachdem ich das Geld abgeholt habe, genauso ein Loser wie immer. Das ist kein Erfolg. Erfolg ist, wenn man es schafft, authentisch zu leben. Das wolltest du vielleicht sagen, wenn man sich selbst im Spiegel sieht und denkt, ja, ich habe Werte, die kann ich vertreten und ich gebe mein Bestes und es gibt Ziele, die ich mir setze und ich versuche sie zu erreichen, ob ich sie erreiche oder nicht. Und Erfolg, es gibt so vieles um dich herum, womit du Erfolg haben kannst und sollst aber auch. Zum Beispiel, es ist ein großer Erfolg, wenn du dich gemütlich im Leben fühlst. Das sind ja, man fühlt sich nicht immer im Leben gemütlich, weil man muss zur Arbeit fahren oder man muss irgendwas machen, was man hätte nicht machen müssen. Aber es gibt zumindest Momente, wo du dich hinsetzt und denkst, oh, das Wetter ist schön und ich sitze im Park und das ist ein großer Erfolg. Und fühle mich gut. Präsent sein. Präsent sein. Ja, das sind die wichtigen Sachen. Janusz, das war wunderschön. Vielen Dank für diese philosophischen Einblicke. Immer wieder. Wir sollen einen neuen Podcast aufmachen. Philosophische Wirrwache. Philosophische Wirrwache mit Janusz. Wir werden noch ein bisschen weiter quatschen. Wenn ihr die Aftershow hören möchtet und mit unserem Podcast lernen möchtet, es gibt ein Interaktionsprogramm. Es gibt ein interaktives Transkript, eine Vokabelhilfe. Dann werdet ein Mitglied auf easygerman.org slash membership. Und ich werde dir jetzt nochmal ein, zwei weitere Fragen stellen und schauen, ob ich dich zum Singen bringen kann. Bis bald. Ich freue mich nicht. Ciao. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!

Podcast Summary

Key Points:

  1. Janusz vertritt heute Carina und spricht über Müdigkeit nach einem Zahnarztbesuch, wobei er die moderne, schmerzarme Zahntechnologie lobt.
  2. Ein Scam-Erlebnis (gefälschte Gitarre für 80 Euro) führt zur Werbung für NordVPN mit Sicherheitsfeatures wie Bedrohungsschutz Pro und einem Black-Friday-Deal.
  3. Im Hauptthema Philosophie diskutieren Janusz und Manuel über die Gleichung „2 plus 2 gleich 4“ als Beispiel für ideelle, zeitlose Substanzen im Gegensatz zur materiellen Welt.
  4. Janusz erklärt seine Überzeugung, dass die Welt aus Ideen und Logik besteht, die vor dem Universum existieren, und dass alle Menschen „gläubig“ sind, da sie vieles nicht wissen, sondern glauben.
  5. Eine Kindheitserinnerung
  6. Auf eine Hörerfrage antwortet Janusz, dass Erfolg nicht an externen Kriterien wie Geld gemessen wird, sondern an Authentizität, Präsenz und dem Gefühl, ein guter Mensch zu sein; er identifiziert sich selbst als „Loser“.

Summary:

In dieser Episode des Easy German Podcasts begrüßt Manuel Janusz als Ersatz für Carina, die auf Reisen ist. Janusz wirkt müde, da er einen Zahnarzttermin hatte, lobt aber die moderne, schmerzfreie Behandlung. Nach einer Werbung für NordVPN, die vor Online-Betrug schützen soll, widmen sich die beiden dem philosophischen Thema „2 plus 2 gleich 4“.

Janusz erklärt, dass diese Gleichung für ihn eine ideelle, ewige Substanz darstellt, die unabhängig von der materiellen Welt existiert. Er zitiert aus Briefen, die er vor Jahren an Manuel schrieb, in denen er behauptet, dass Ideen und Logik die wahre Grundlage der Realität sind, während materielle Dinge nur Ergebnisse dieser Logik seien. Diese Position sei eher ein Glaube als eine wissenschaftliche Tatsache.

Manuel fragt nach dem Ursprung dieses Interesses; Janusz erzählt von einer Lehrerin in Polen, die ihn als Kind für eine naive Frage zur Atomstruktur beschimpfte, was seine Faszination für Philosophie auslöste. Abschließend beantwortet Janusz eine Hörerfrage zum Thema Erfolg: Er betont, dass Erfolg nicht mit äußerem Gewinn oder Status verbunden sein sollte, sondern mit Authentizität, Selbstakzeptanz und der Fähigkeit, präsent zu sein und sich als guter Mensch zu fühlen. Er identifiziert sich selbst als „Loser“ und findet darin eine Art Erfolg.

Die Episode endet mit einem emotionalen Moment, in dem Janusz über persönliche Errungenschaften spricht, und einem Hinweis auf die Aftershow für Mitglieder.

FAQs

Janusz war heute Morgen beim Zahnarzt, weil seine Zahnbrücke ausgetauscht wird. Er betont, dass die Behandlung dank moderner Technik und einer sympathischen Ärztin schmerzlos war.

Die Episode dreht sich um das philosophische Thema 2 plus 2 gleich 4 und den Unterschied zwischen der materiellen und der ideellen Welt. Janusz erklärt seine Sichtweise, dass die Welt aus Ideen und Logik besteht.

Janusz wurde in der Schule von einer Lehrerin für seine Frage zum Atomaufbau angegriffen, was ihn zum Nachdenken brachte. Diese Erfahrung führte zu seiner lebenslangen Beschäftigung mit Philosophie und der Frage nach der Realität.

Janusz definiert Erfolg nicht über äußere Kriterien wie Geld oder Status, sondern über authentisches Leben und Selbstzufriedenheit. Er betont, dass auch Momente der Präsenz und des Wohlbefindens als Erfolg zählen.

Die materielle Welt besteht aus physischen Dingen, die im Raum und in der Zeit existieren, während die ideelle Welt aus zeitlosen Ideen wie 2 plus 2 gleich 4 besteht. Janusz glaubt, dass die ideelle Welt die materielle Welt hervorbringt.

Janusz schämt sich ein wenig, weil er in den Briefen an seinen Sohn komplexe philosophische Ideen ohne pädagogische Rücksicht geschrieben hat. Er denkt, dass er vielleicht einfachere Geschichten hätte erzählen sollen.

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