Go back

#10Textbasierte Onlineberatung

8m 12s

#10Textbasierte Onlineberatung

In dieser Podcast-Folge wird die Schriftlichkeit als wertvolle Ressource in der Beratung untersucht. Sie bietet klare Vorteile wie Anonymität für Ratsuchende und ermöglicht es, durch den Schreibprozess Reflexionsfähigkeiten zu wecken, die in mündlichen Gesprächen oft nicht zum Tragen kommen. In der schriftlichen Kommunikation, insbesondere per E-Mail, steuern die Ratsuchenden den Prozess anfangs stärker, da sie ihre Geschichte ununterbrochen und ausführlich darlegen können, ohne durch direkte Nachfragen gelenkt zu werden. Dies führt zu einer anderen Informationsgrundlage. Methodisch erlaubt die Schriftlichkeit ein präziseres, achtsameres Arbeiten mit dem Gesagten, da jeder Wortlaut vorliegt. Zudem bietet die asynchrone Kommunikation, wie in der E-Mail-Beratung, Flexibilität im Antwortzeitpunkt und die Möglichkeit, Aufgaben zu stellen. Auch Chat-Beratung wird als dialogischere, aber dennoch schriftliche Variante mit direkterem Ping-Pong beschrieben. Insgesamt wird betont, dass schriftliche Beratung nicht für jeden Kontext oder jede Person ideal ist, aber einzigartige methodische Möglichkeiten und eine spezifische Qualität der Interaktion bietet.

Transcription

1505 Words, 9599 Characters

Hallo und herzlich willkommen zu der Dreh der Podcast. Alles rund um Online-Beratung und die digitale Transformation der Beratung. In dieser Folge geht es um die Frage in die Weitschriftlichkeit in der Beratung eine besondere Ressource sein kann. Und da steckt natürlich schon eine Bewertung drin, denn ich sehe natürlich die Ressource der Schriftlichkeit ganz klar vor Augen und die Vorteile von schriftlicher Beratungskommunikation. Und gleichzeitig gibt es natürlich auch Schwierigkeiten oder auch Nachteile und schriftliche Beratung ist nicht für jede Berat suchende Person oder für jede Beraterin gleichermaßen gut geeignet. Insofern geht es da natürlich auch drum zu gucken, in welchem Kontext bietet sich denn eine schriftliche Beratung an? Gleichwohl kann man aber sagen, die schriftliche Beratung bietet einfach ein paar Vorteile, die einen liegen auf der Hand. Es ist eine Möglichkeit, annunime Beratung vielleicht auch zu bekommen, weil ich ja nur schreiben muss und mich als Ratsuchende nicht zeigen muss. Die anderen sind vielleicht ein bisschen versteckter, nämlich dass in diesem Schreibprozess ja plötzlich Ressourcen geweckt werden, die in der Mündlichkeit, in einem mündlichen Gespräch und auch in diesem Setting einer mündlichen Beratung in der Beratungsstelle gar nicht entstehen. Man kann Geschichten erzählen lassen und zwar in Form von Schriftlichkeit und ich kann auch oft das, was mir mitgeteilt wird, noch mehr ganz anders und achtsamer eingehen, denn ich habe ja wirklich Wort vor Wort vor mir, was mir die geratsuchende Person mitgeteilt hat. In Gespräch filter ich ganz anders und das kennen wir alle, ja, ich kann gar nicht alles wahrnehmen und alles hören, es geht ein bisschen, manches Rausch so ein bisschen durch, anderes bleibt hängen und dieses, was hängen bleibt, das bleibt ja auch meistens hängen, zumindest wenn man so ein konstruktivistischen Bild. Wenn ich das trauen möchte, dann bleibt das ja auch deshalb hängen, weil es was ist, was mich irgendwo anspricht und wo ich auch eine Resonanz zu finde und was dann vielleicht auch meiner inneren Landkarte entspricht und wo ich andokken kann. Das heißt, beim schriftlichen Kontakt habe ich die Möglichkeit, noch mal genauer hinzuschauen, was steht denn da noch alles, was wird mir noch alles mitgeteilt? Wie ließ sich denn eine Mail, wenn ich es die mal aus der einen und aus der anderen Perspektive lese, dazu habe ich schon mal was bei den Lesetechniken erzählt? Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sich dann auch einem Text zu nähern und mit schriftlicher Kommunikation in einer Beratung ganz anders zu arbeiten als mit der mündlichen Kommunikation. Besonders offensichtlich wird es bei der Mailberatung, denn bei der Mailberatung kann ich nicht unterbrechen. Normalerweise in Angespräch steuere ich als Beraterin ja auch ganz stark das Gespräch durch meine Fragen, durch Unterbrechungen, durch ein Fokus, den ich setze. Ich denke und steuere also ganz stark oder manchmal auch weniger, aber ich habe zumindest ein Einfluss darauf, was die Ratsohende Person mir mitteilt. Bei der Mailberatung fällt sie es ein bisschen anders, auf jeden Fall aber beim Erstkontakt, denn beim Erstkontakt schreibt mir die Ratsohende Person ja von sich aus. Das heißt, sie wurde nicht von mir etwas vorher gefragt, sondern sie eröffnet ja die Beratung mit einer E-Mail. Meine Erfahrung nach können das auch gerade in diesen ersten E-Mails schon sehr lange oder zumindest sehr ausführliche Beschreibungen sein, von einer Lebensgeschichte, von dem wo man vielleicht hin will, was man für Ziele hat, was man für Wünsche hat und so weiter. Das heißt, ich krieg in der ersten, im ersten Kontakt schon so viel mitgeteilt, wenn ich all diese Informationen bündelte und mir auf Vorstelle sie würden ein mündlichen Gespräch stattfinden, hätte ich wahrscheinlich schon nach der zweiten oder dritten Info, die ich bekommen habe unterbrochen und eine Nachfrage gestellt und deshalb vielleicht andere Infos gar nicht mehr erhalten. Das muss wir erstmal klar sein, also die Informationslage ist wahrscheinlich in etwas andere beim Start des Gesprächs. Und natürlich steuere ich dann auch nach, indem ich ja dann gezielt Fragenstelle oder gezielt auf Textpassagen eingehe, die mir mitgeteilt wurden. Gleichzeitig hat aber wieder die Ratsohende Person die Möglichkeit, darauf so zu reagieren, wie sie es möchte und ich würde mir vorstellen, der soziale Druck ist nicht ganz so hoch wie in einem Gespräch, wenn jemand vor mir sitzt. Das heißt, ich kann natürlich auch bestimmten Fragen besser ausweichen oder sie nicht beantworten, wenn ich sie gerade nicht beantworten möchte oder beantworten kann und ich muss mich nicht erklären. Die Ratsohende Person kann einfach so ein bisschen darüber hinweggehen und die schreibt halt das, was ihr wichtig ist. Insofern würde ich davon ausgehen, in einem Mail-Beratungsprozess steuern auch die Ratsohenden sehr viel stärker den Prozess als sie es jetzt in einem Gespräch in der Mündlichkeit machen können. Das ist für die schon mal eine ganz spannende Ressource, ob die jetzt besser oder schlechter sind die Gespräche, das will ich gar nicht bewerten, sondern einfach nur deutlich machen, es gibt einen Unterschied und der Unterschied liegt daran, wie die Prozesssteuerung läuft und dass ich an Informationen bekomme, und gleichzeitig kann es natürlich auch sein, dass sich jemand in einem Mail-Beratung erstmal sehr schwer tut, der würde sich vielleicht im Gespräch leichter tun, weil ich ihm viele Fragen stelle und er dann darauf gut antworten kann, weil er eben vielleicht nicht von sich aus so strukturiert etwas beschreiben kann. Das wäre aus meiner Sicht auch immer eine Indikation, den Chat eher zu bevorzugen, denn im Chat kann ich jetzt wiederum dialogisch arbeiten und kann Fragen stellen und Antworten bekommen. Das ist ein bisschen mehr im Pink-Pong-Spiel, ein bisschen mehr hin und her. Ich kann direkt danach fassen und kann vielleicht auch nochmal, wenn ich das Gefühl habe, habe ich es jetzt vielleicht irgendwie zu kompliziert beschrieben, nochmal nachfragen und nochmal was Neues anwieten. Ich muss sozusagen nicht warten, bis die Mail beantwortet ist, um dann nochmal vielleicht darauf einzugehen und zu sagen, warum haben Sie mir denn die eine oder andere Frage nicht beantwortet. Das heißt, in der Chatkommunikation kann ich da wieder ein bisschen direkter und mittelbarer mit der Person arbeiten und trotzdem bleiben wir im schriftlichen Kontakt. Das, was ich an Mitteilungen bekomme, sind im Prinzip verschriftlich Gedanken, verschriftlich Antworten auf meine schriftlichen Fragen. Und insofern ist es wieder das Thema der Sprache und der Achtsamkeit, wie ich denn meine Worte genau wähle und wie ich natürlich auch die Worte, die ich angeboten bekomme, in ein Kontext setze und wie ich sie bewerte, was ich da interpretiere und was es in mir dann auch in Resonanzen auslöst, die jetzt wieder in den Beratungsprozess eingebunden werden können. Das heißt, wenn jemand eine sehr bildhafte Sprache verwendet, dann gehe ich vielleicht genau auch auf diese Bilder ein, wenn jemand ein etwas nüchternere Sprache verwendet, dann werde ich wahrscheinlich auch ein bisschen nüchterner sein oder vielleicht auch ganz bewusst beleben, ein bisschen was Bildhafters anbieten. Wenn jemand ein einfacher Sprache verwendet, verwende ich auch ein etwas einfacherer Sprache und so weiter, das heißt auch da schwingen wir uns aufeinander ein, so wie wir es in mündlichen Gespräche auch tun, da schwingen wir uns ja auch aufeinander ein. Das passiert jetzt schriftlich sozusagen etwas inserter und das ist sicherlich auch nochmal ein besonderer Vorteil, der in der schriftlichen Beratungskommunikation legt, wenn wir jetzt bei der Mailberatung sind, dass ich die Möglichkeit habe, wir haben ein bisschen die Geschwindigkeit aus dem Prozess auch rauszunehmen und jemanden einfach auch Aufgaben dazu lassen und Fragen dazu lassen, die er dann beantworten kann, wann es für die Person gut passt. Das ist insofern spannend, finde ich, weil in der Beratungssituation vor Ort die Ratzurunde Person ja ummittelbar, ja zumindest reagieren sollte und sie muss es natürlich nicht, aber ich frag nach und dann hätte ich ja schon jetzt gerne Antwort. Jetzt kann ich eine Frage darlassen oder einen Puls darlassen oder eine Aufgabe zum drüber nachdenken da lassen und kann mir relativ sicher sein, dass die Ratzurunde Person ist dann beantworten wird, wenn es für sie gut passt. Die Liste ist vielleicht und denkt sich hohe, wenn wir immer drüber nachdenken und Antwort mir vielleicht erst ein paar Stunden später darauf, also eine Möglichkeit, die wir in der Präsenz so natürlich nicht hätten. Also insofern die Schriftlichkeit bietet noch mal besondere Möglichkeit der Kommunikation da und auch methodisch kann ich nochmal ein bisschen anders arbeiten und vor allen Dingen ich habe natürlich in einer Dokumentation, die eins zu eins, dass wieder gibt, was wir miteinander besprochen oder in dem Fall beschrieben haben. Das ist eine ganz große Ressource, mit der ich arbeiten kann in der Beratung und wo ich auch auf Text zurückgehen kann und sagen, gucken Sie nochmal in Ihre erste E-Mail, was Sie da geschrieben haben, jetzt schauen Sie mal, wie Sie jetzt schreiben müssen, ich verändert hatte, ja. Ich habe alles vor mir, ich habe alles da und ich kann nicht nur damit arbeiten, sondern ich kann es eben auch meiner Ratzurunde Person wunderbar anbieten. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei der Dreh der Podcast, alles rund um Onlineberatung und digitale Transformation der Beratung. [Musik]

Podcast Summary

Key Points:

  1. Schriftlichkeit in der Beratung kann eine besondere Ressource sein, bietet Vorteile wie Anonymität und die Aktivierung von Reflexionsprozessen.
  2. Schriftliche Kommunikation (z.B. E-Mail, Chat) ermöglicht eine andere Prozesssteuerung, bei der Ratsuchende oft mehr Kontrolle über Inhalt und Tempo haben.
  3. Methodisch erlaubt die Schriftlichkeit ein achtsameres Arbeiten mit Texten, eine präzisere Dokumentation und die Möglichkeit, asynchron zu kommunizieren.

Summary:

In dieser Podcast-Folge wird die Schriftlichkeit als wertvolle Ressource in der Beratung untersucht. Sie bietet klare Vorteile wie Anonymität für Ratsuchende und ermöglicht es, durch den Schreibprozess Reflexionsfähigkeiten zu wecken, die in mündlichen Gesprächen oft nicht zum Tragen kommen. In der schriftlichen Kommunikation, insbesondere per E-Mail, steuern die Ratsuchenden den Prozess anfangs stärker, da sie ihre Geschichte ununterbrochen und ausführlich darlegen können, ohne durch direkte Nachfragen gelenkt zu werden.

Dies führt zu einer anderen Informationsgrundlage. Methodisch erlaubt die Schriftlichkeit ein präziseres, achtsameres Arbeiten mit dem Gesagten, da jeder Wortlaut vorliegt. Zudem bietet die asynchrone Kommunikation, wie in der E-Mail-Beratung, Flexibilität im Antwortzeitpunkt und die Möglichkeit, Aufgaben zu stellen.

Auch Chat-Beratung wird als dialogischere, aber dennoch schriftliche Variante mit direkterem Ping-Pong beschrieben. Insgesamt wird betont, dass schriftliche Beratung nicht für jeden Kontext oder jede Person ideal ist, aber einzigartige methodische Möglichkeiten und eine spezifische Qualität der Interaktion bietet.

FAQs

Schriftliche Beratung ermöglicht anonyme Beratung, da man sich nicht zeigen muss. Zudem können im Schreibprozess Ressourcen geweckt werden, die in mündlichen Gesprächen nicht entstehen, und der Berater kann die Mitteilungen wortgenauer und achtsamer aufnehmen.

Sie eignet sich für Personen, die anonym bleiben möchten oder von sich aus strukturiert schreiben können. Für jemanden, der sich im Gespräch leichter tut, weil Fragen gestellt werden, könnte sie weniger passend sein.

In der Mailberatung steuern die Ratsuchenden den Prozess stärker, da sie den Erstkontakt per E-Mail initiieren und ausführlich beschreiben können. Der Berater unterbricht nicht, sondern geht gezielt auf Textpassagen ein.

Im Chat kann dialogischer gearbeitet werden, mit direktem Frage-Antwort-Spiel ähnlich einem Ping-Pong. Dies ermöglicht ein unmittelbareres Arbeiten, während der schriftliche Kontakt erhalten bleibt.

Die Wortwahl ist entscheidend, da Berater und Ratsuchende sich sprachlich aufeinander einstellen. Bildhafte, nüchterne oder einfache Sprache des Klienten kann die Antworten des Beraters beeinflussen, ähnlich wie in mündlichen Gesprächen.

Sie ermöglicht, die Geschwindigkeit aus dem Prozess zu nehmen, indem Aufgaben oder Fragen hinterlassen werden, die der Ratsuchende beantwortet, wenn es passt. Zudem dient die exakte Dokumentation als Ressource, um auf frühere Texte zurückzugreifen.

Chat with AI

Loading...

Pro features

Go deeper with this episode

Unlock creator-grade tools that turn any transcript into show notes and subtitle files.