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#10 Über kontrolliertes Trinken und warum wir wenig davon halten

47m 18s

#10 Über kontrolliertes Trinken und warum wir wenig davon halten

In dieser Podcast-Folge von MeSober diskutieren Vlada und Katharina das Thema kontrolliertes Trinken. Sie erklären, dass dieses Konzept vorsieht, nach einem festen Plan risikoarme Alkoholmengen zu konsumieren, ohne sich zu berauschen. Beide Hosts lehnen diesen Ansatz für sich persönlich klar ab, da er für sie keinen Sinn ergibt und extrem anstrengend wäre. Vlada beschreibt, dass sie nie Kontrolle über ihr Trinkverhalten hatte und über 20 Jahre abhängig war. Ein besonders schlimmer Kater im Februar des Vorjahres wurde zum Wendepunkt, an dem sie beschloss, ihren Körper nicht mehr zu vergiften. Katharina erklärt, dass sie ebenfalls nie kontrolliert trinken konnte, aber lange das Gefühl hatte, die Kontrolle zu behalten, weil sie eine hohe Toleranz hatte und selten Blackouts erlebte. Beide betonen, dass der Wunsch nach kontrolliertem Trinken oft ein Zeichen von Abhängigkeit ist, da Menschen ohne Alkoholproblem sich darüber keine Gedanken machen. Der Weg in die Nüchternheit erforderte intensive innere Arbeit an Selbstliebe, Selbstwert und dem Aufräumen seelischer Belastungen. Heute erleben beide die Nüchternheit als Freiheit und nicht als Verzicht, da die negativen Erinnerungen an Alkohol überwiegen und das Leben ohne Alkohol als deutlich bereichernder empfunden wird.

Transcription

7852 Words, 45667 Characters

German
Speaker 1I feel the sunshine, sunshine over me
Speaker 2Willkommen beim MeSober-Podcast, dein Podcast für ein nüchternes und freies Leben.
Speaker 3Wir, das sind Vlada und Katharina, nehmen dich mit auf unseren Weg, sich mit spannenden Menschen rund um das Thema Sobriety auszutauschen und unsere eigenen Erfahrungen zu teilen und fragen dich, hast du auch Bock auf Leben?
Speaker 1Oh, I feel the sunshine, sunshine over me
Speaker 3Und ihr eigentlich gerne euch auf dem Weg in eure eigene Nüchternheit machen wollt, dann ist vielleicht unser 1 zu 1 Mentoring genau das Richtige für euch. Mehr Informationen dazu findet ihr auf unserer Webseite mesober.com. Ansonsten jetzt viel Freude mit dieser Folge. Wir haben ja heute das Thema kontrolliertes Trinken. Und da würde ich dich erst einmal fragen wollen, was ist eigentlich kontrolliertes? Was ist Kontrolle für dich?
Speaker 2Ach, die Frage, die wollte ich dir auch stellen. Aber ich habe es dann gesprochen, weil ich wusste, dass du sie mir stellen wirst. Ich glaube, ich würde es unterteilen in einmal die Kontrolle generell, die ich über mich habe, über mein Leben. Also ich kann ja nicht 100% alles immer kontrollieren. Auch wenn du das gerne möchtest. Auch wenn ich das gerne immer wieder möchte und immer wieder versuche, stelle ich immer wieder fest, dass das nicht klappt, weil Menschen eben Menschen sind. Menschen sind Menschen. Und das Leben, das Leben und das Universum, das Universum. Und alle machen, wollen ja machen, was sie wollen. Und ich kann das nicht kontrollieren. Und ich als ehemalige Abhängige hatte den Wunsch, vor allem mich selbst zu kontrollieren, mein Umfeld zu kontrollieren, sehr, sehr stark, weil ich mir selbst unsicher war. Also es war quasi ein Tool. Und ich vermute oder glaube oder bin mir sicher, dass viele Menschen dieses Tool wählen, um einen gewissen Grad an Sicherheit zu haben. Nichtsdestotrotz ist ja, Kontrolle an sich nichts Schlechtes. Denn wenn ich quasi komplett die Kontrolle über mich und mein Leben verliere, dann bin ich ja lost. Also würde ich sagen, wie bei vielen Sachen, gibt es zwei Seiten der Medaille. In Bezug auf das Trinken würde ich sagen, es gibt ja dieses Konzept des kontrollierten Trinkens. Für mich ist das ein Konzept, was für mich nicht in Frage kommt und für mich auch gar keinen Sinn ergibt. Ich weiß, manche Menschen, manche Menschen können das. Manche Menschen können kontrolliert Alkohol trinken. Manche Menschen können auch, nachdem sie die Kontrolle über Alkohol verloren haben, dann wieder zurück. Damit beschäftige ich mich aber auch nicht so intensiv, weil, wie gesagt, ich finde diesen Ansatz für mich persönlich nicht gut und auch nicht gut in unserer Arbeit.
Speaker 3Warte mal kurz, wenn ich hier mal kurz reingrätschen darf. Wie sieht denn dieser Ansatz von kontrollierten Trinkenden aus? Für alle, die es vielleicht noch nicht wissen. Also kontrollierter,
Speaker 2Ansatz heißt, wir haben das auch damals, als ich in der Entgiftung war, wurde der besprochen. Ich habe auch im Internet so ein bisschen dazu recherchiert. Es sieht quasi so aus, du nimmst dir quasi für deine Woche einen Abend vor, an dem du die, also gesundheitsunschädliche, in Anführungsstrichen, es gibt keine, also risikoarme Menge an Alkohol zu dir nimmst, sprich ein Glas. Also du stellst dir quasi einen Plan auf, wie viel du, in der Woche oder im Monat trinkst, was quasi nicht eine Flasche am Abend ist oder eine Flasche in der Woche. Das ist nicht die Menge, die ich jetzt beispielsweise von früher gewohnt bin, beziehungsweise da geht es auch null darum, dass du dich betrinkst. Also sprich, das Berauschen fällt weg. Und dann kommt es darauf an, du planst dir quasi dieses eine Glas in der Woche ein und so wie mir das erklärt wurde, heißt es, auch, dass du das unabhängig von Bedürfnissen zu dir nimmst. Sprich, es geht nicht darum, dich mit diesem Glas zu entspannen. Es geht auch nicht darum, irgendwie Frust herunterzuschlucken. Es geht nicht darum, zu vergessen, sondern im besten Falle trinkst du das dann quasi zu Hause neutral für dich. Also alles, was du vorher mit diesem Glas und mit Alkohol in Verbindung gebracht hast, auch deine Emotionen etc., deine, deine Funktion fällt weg. Und für mich wäre das erstens mal unfassbar anstrengend. Ich hatte da null Bock drauf, weil ich habe ja getrunken, um betrunken zu werden. Ich wollte, ich wollte betrunken sein und ich wollte Gefühle nicht mehr fühlen. Die erste Anstrengung oder der erste Frustrationspunkt wäre, ich würde nur ein Glas trinken und das auch nur einmal in der Woche. Das ist ja schon mal mega scheiße. Und? Ja, ja. Ich hätte diese blöde Flasche dann bei mir. Ich würde sie mir im Kühlschrank stehen und musste die die ganze Zeit anklotzen. Und ich würde sinnloserweise Geld dafür ausgeben, dafür, dass ich dann am Ende frustriert bin. Also das, was mir in ganz fetten Anführungsstrichen früher am Trinken Spaß gemacht hätte, würde alles wegfallen. Also wäre diese Übung für mich komplett sinnlos.
Speaker 3Ich hatte auch, als du das jetzt so beschrieben hast, wie man quasi dieses kontrollierte Trinken durchführen sollte. Im besten Fall dachte ich mir so, so sinnlos irgendwie dann, stelle ich mir lieber eine Flasche Wasser in den Kühlschrank und nehme mir da ein Glas. Das bringt mir irgendwie mehr. Das ist so eine Flasche Wein. Weil im Endeffekt, warum sollte ich das dann trinken? Nur um Durst zu löschen? Also was ist dann noch die Funktion?
Speaker 2Dann wäre ja die Funktion vielleicht der Genuss. Wobei darüber lässt sich ja auch streiten, ob Wein, Bier etc. überhaupt schmeckt. Denn wenn ich jetzt jemanden rieche oder überhaupt Alkohol rieche, dann finde ich diesen Geruch schon mal, sehr, sehr abstoßend. Und wenn ich mich an den Geschmack erinnere, und das ist ja auch das, was wir oftmals auch bei unseren Sober Saturdays sagen oder generell sagen, erinnere dich doch mal an das erste Glas Alkohol, was du jemals getrunken hast, dann hat es doch in den seltensten Fällen
Speaker 3geschmeckt. Außer natürlich diese richtig ganz krassen süßen Sachen. Also es gibt ja diese quasi Einsteiger-Alkohol, dieses Alkopop, was ja extrem süß ist. Und die wissen ja auch genau, warum die es so süß machen, weil der Alkohol an sich, also dieser härtere Alkohol, Bier und sowas, das ist einfach nur bitter und das schmeckt eigentlich nicht. Und das ist ja wirklich nur an acquired taste. Also man hat sich daran gewöhnt.
Speaker 2Hattest du jemals Kontrolle über dein Trinkverhalten? In Bezug auf Alkohol? Ja.
Speaker 3Das ist eine gute Frage, die wollte ich dich auch fragen. Und ich habe mir darüber auch Gedanken gemacht. Ich selbst bin richtig vorbereitet auf diese
Speaker 2Folge.
Speaker 3Und die Antwort wäre klar nein. Weil wir haben ja, und das hatten wir in der letzten Episode ja auch besprochen, wie unsere Beziehung früher zu Alkohol war, also wie wir uns quasi dem Alkohol genähert haben. Und das war ja nie gesund. Also wir haben ja immer, wenn wir Alkohol getrunken haben als Teenager, immer zu viel getrunken. Uns immer in den absoluten Rausch getrunken. Und ich mich ja auch ganz oft in Blackouts und was nicht alles. Also das war ja, es ging ja schon unkontrolliert los. Und meist, wenn was schon von Anfang an außer Kontrolle geraten ist, ist es extrem schwer, da wieder Kontrolle reinzubekommen. Und das war ja auch nie der Fall. Also ich habe wirklich bis noch letztes Jahr völlig unkontrolliert getrunken. Also das waren dann fast 20 Jahre.
Speaker 2Krass, wenn man sich das überlegt, 20 Jahre. Wenn ich auch überlege, okay, ich war 10 Jahre, über 10 Jahre meines Lebens abhängig von dieser Substanz. Ist das irgendwie auch ziemlich krass. Ich gebe die Frage jetzt mal zurück. Was bedeutet denn Kontrolle haben für dich?
Speaker 3Ja, Kontrolle haben bedeutet für mich, zu wissen, was um mich herum passiert, was in mir passiert und dass ich immer eine Entscheidung darüber habe. Dass ich quasi nichts einfach nur ausgeliefert bin und es mit mir geschieht, sondern dass ich immer in jeder Minute entscheiden kann, ob ich das möchte, ob das so passieren soll und wie es passieren soll. Das wäre für mich die absolute Kontrolle. Aber ich glaube, dann ist es auch so, dass ich immer in jeder Minute entscheiden kann, ob ich das möchte, ob das so passieren soll und wie es passieren soll. Das wäre für mich die absolute Kontrolle. Aber ich glaube, dann ist es auch so, dass ich immer in jeder Minute entscheiden kann, ob ich das möchte, ob das so passieren soll und wie es passieren soll. Das wäre für mich die absolute Kontrolle. Aber ich glaube, dann wäre das Leben für mich auch super langweilig, weil ich ja dann von vornherein immer wüsste, was passiert, weil ich ja immer die Entscheidung treffe, was passieren soll. Und dann glaube ich, würde auch diese, das, was auch das Leben manchmal so anstrengend und schwierig macht, das würde ja alles wegfallen. Und dann würde es aber, glaube ich, sehr langweilig werden.
Speaker 2Das stimmt. Aber auf den Alkohol bezogen ist es ja irgendwie dann auch ganz spannend, wenn du sagst, du weißt dann, was in dir passiert, dann fällt ja in dem Moment, in dem du Alkohol zu dir nimmst oder wir Alkohol zu uns nehmen, ich Alkohol zu mir nehme, diese Kontrolle weg, weil ich kann ja Gift in meinem Körper nicht kontrollieren.
Speaker 3Richtig. Also das ist natürlich eine absolute Utopie mit den meisten Lebensmitteln und anderen Dingen, die ich zu mir nehme, habe ich ja auch nicht wirklich die Kontrolle drüber. Aber ich habe die Kontrolle darüber, ob ich eher was Ungesundes oder eher was Gesundes meinem Körper zuführe. Und ich glaube, da ist dieser dieser ganz große Gedankenschift, sage ich jetzt mal, oder diese Veränderung, dass Alkohol was Ungesundes ist. Und das hatten wir ja letztes Mal auch schon, dass ich mir bewusst darüber nie Gedanken gemacht habe, dass das eigentlich ja was Ungesundes ist, was ich mir da dem Körper zuführe. Ich habe mir früher auch andere ungesunde Sachen zugeführt, es war jetzt nicht nur der Alkohol. Aber ich glaube, das hat sich schon geändert.
Speaker 2Ja, vor allem, wenn ich so rückblicke oder auch auf mein Bewusstsein, was das Essen, was Sport und sowas angeht. Ich habe mich ja immer gesund ernährt, mir war es wichtig, gesund zu essen, mir war es wichtig, Sport zu treiben. Aber Alkohol habe ich getrunken. Das ist irgendwie so krass. Ich fand es auch so cool, als du letztens gesagt hast, als wir in Berlin waren, da hast du ja erzählt, dass deine Schwester dich gefragt hat, ob du was trinken möchtest. Und du meintest dann so, dann musste ich für mich feststellen, ich kann das nicht mehr bringen. Das war so krass. Okay, jetzt ist es angekommen. Jetzt ist es quasi, du weißt zu viel. Du weißt, du bist es so bewusst und das kannst du nicht mehr, du kriegst das nicht mehr aus deinem Kopf.
Speaker 3Richtig, ja. Aber das ist ja auch das, was wir auch diskutiert hatten. Wir schweifen jetzt hier ein bisschen ab, wir kommen zum kontrollierten Trinken gleich wieder zurück. Aber das ist ja auch so das Spannende mit dem Veganismus. Ja, das ist ja auch das Spannende mit dem Veganismus. Und wir wollen hier wirklich niemanden bekehren. Das ist nur das, was wir erlebt haben. Wenn man einmal diese Videos gesehen hat, wie diese Tiere behandelt werden, du kriegst diese Bilder nicht mehr aus deinem Kopf. Du kannst nicht zurückgehen. Das ist wie dieses Erwachen und du kannst nicht de-erwachen oder du kannst nicht zurückgehen. Und das ist dasselbe, was jetzt auch in meinem eigenen Prozess, in meiner eigenen Nüchternheit passiert ist. Ich habe ja selbst Anfang dieses Jahres... Ich habe selbst Anfang dieses Jahres noch, sag ich jetzt mal, kontrolliert getrunken, da kommen wir gleich nochmal drauf, oder eben mindfull getrunken. Und je mehr ich mich mit dieser Thematik auseinandersetze und je mehr Geschichten ich höre und natürlich auch unseren Mentees und so, es geht einfach nicht mehr. Ich würde ja alle verarschen und ganz vor allem mich selbst.
Speaker 2Ja, ich werde auch nie vergessen, was ich in der Klinik gesehen habe. Ich werde diese Geschichten, wie du gesagt hast, ich werde die niemals vergessen. Und ich werde auch nie vergessen, wie ich mich gefühlt habe. Und deswegen kommt das, wie gesagt, absolut nicht für mich in Frage. Also die... Alkohol wurde enttarnt, sozusagen.
Speaker 3Ja, aber das ist wirklich so. Das war bei mir so ein, sag ich jetzt mal, so leichtes Erwachen irgendwie. Und dieser Prozess hat jetzt für mich ja länger gedauert, aber so wirklich das letzte Jahr bis eben jetzt anreichend. Anreichend, wie es jetzt reichend. Ja. Und ich würde mich heute auch nicht mehr als Mindful Drinker bezeichnen, weil ich seit, ich weiß nicht, drei Monaten nichts mehr getrunken habe und ich habe jetzt auch keinen Verlangen danach.
Speaker 2Ja. Herzlichen Glückwunsch.
Speaker 3Dankeschön. Aber ich fand deine Reaktion auch gut. Endlich, willkommen im Club.
Speaker 2Ja, endlich. Na, man muss warten. Du kannst die Menschen einfach nicht zwingen. Du kannst ihnen nicht deine Erkenntnis überstülpen. Jeder muss da seine eigene Erfahrung machen.
Speaker 3Ja. Und das war mir auch immer ganz wichtig. Das habe ich dir ja auch immer so kommuniziert. Das ist mein Prozess und diesen Prozess möchte ich in meinem eigenen Tempo gehen. Und das möchte jeder andere ja für sich auch. Ja. Aber ich kann die Frage gerne, was das angeht mit dem kontrollierten Trinken, auch zurückgeben. Hattest du denn mal einen Moment in deinem Leben, wo du kontrolliert trinken konntest?
Speaker 2Da habe ich vorhin beim Spazierengehen drüber nachgedacht. Also ganz klar auch nein. Nie. Aber, und das ist das große Aber, ich hatte ganz selten Blackouts und ich habe mich ganz selten übergeben. Sprich, ich hatte eine riesengroße Toleranz. Mein Körper hat Alkohol gut vertragen. Sprich, ich hatte über Jahre nicht das Gefühl, dass ich die Kontrolle verloren habe über diese Substanz. Ich habe viel getrunken und viel vertragen und hatte aber nicht diese Erfahrung von Blackouts und ich weiß nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin. Oder ich hänge über der Schüssel und muss mich übergeben. Das war nicht da. Deswegen habe ich ganz lange und über Jahre gedacht, dass ich Alkohol und andere Drogen kontrollieren kann, weil ich ja dennoch funktioniert habe ganz, ganz lange. Also sprich, ich konnte nie kontrolliert trinken, wenn ich jetzt darauf zurückblicke. Ich hatte aber, als ich noch getrunken habe, lange Zeit nicht das Gefühl, dass ich keine Kontrolle darüber habe.
Speaker 3Aber gab es denn überhaupt mal einen Moment in deinem Leben, wo du quasi versucht hast, dieses kontrollierte Trinken zu machen? Also ich trinke heute nur ein Glas Wein.
Speaker 2Ach, das fand ich so anstrengend. Das habe ich nie gemacht. Das war für mich so, meine größte Angst wäre gewesen, dass ich für immer auf Alkohol verzichten muss. Und Menschen, die versuchen, Alkohol kontrolliert zu trinken, also nur ein Glas zu trinken, die haben ein Problem, damals in meinem Kopf, die haben ein Problem mit Alkohol. Und dadurch, dass ich kein Problem mit Alkohol haben wollte, habe ich das nicht probiert. Weißt du, was ich meine? Ich wusste, dass Menschen, die versuchen, das zu kontrollieren, die nur ein Glas trinken und sich dazu zwingen müssen, dass die ein Problem mit Alkohol haben. Deswegen habe ich es nicht gemacht, weil ich ja kein Problem mit Alkohol haben wollte. Ich habe mal gefastet für, das ist auch jetzt schon Jahre her, für einen Monat oder so. Quatsch, der Monat wäre eben krass. Ich habe mal einen Monat gefastet, das war gut. Nee. Und das habe ich unterbewusst dafür gemacht, um mir zu beweisen, dass ich kein Problem habe. Also ich habe, wenn, dann nicht versucht, kontrolliert zu trinken, sondern eine Zeit lang auf Alkohol zu verzichten.
Speaker 3Also quasi ganz oder gar nicht. Genau. Aber es ist ja, ich finde es spannend, dass du sagst, dass du Menschen, die quasi nur ein Glas Wein getrunken haben, als jemand gesehen hat, der versucht, Alkohol zu kontrollieren. Es gibt ja durchaus die Fälle, sag ich mal, die jetzt zu einem Essen oder so ein Glas Wein trinken und die sich in dem Moment auch nicht kontrollieren müssen, nur dieses eine Glas zu trinken.
Speaker 2Ich weiß, es gibt Menschen, die können Alkohol kontrollieren. Ich weiß, es gibt Menschen, die können in der Woche ein Glas Wein trinken und das ist für die okay. Und die meinte ich aber nicht. Sondern ich wusste quasi, dass wenn ich versuchen werde, nur ein Glas zu trinken... Dann ist das quasi der erste Schritt dazu, dass ich mir eingestehen würde, dass ich ein Problem damit habe. Und ich wollte aber kein Problem damit haben. Ich wusste, dass man das tut, wenn man ein Problem entwickelt.
Speaker 3Ja, finde ich spannend, weil im Endeffekt du dem dann überhaupt gar keine Kontrolle gegeben hast. Also es war ja dann immer unkontrolliert.
Speaker 2Es war immer unkontrolliert und das Typische daran war, ich hatte ja nie einen Blackout. Also nicht nie, aber sehr, sehr selten. Und übergeben habe ich mich auch selten. Deswegen hatte ich ja, wie gesagt, nicht das Gefühl, dass ich die Kontrolle verloren habe. Zu Ende, kurz vor der Klinik, wusste ich definitiv, dass ich die Kontrolle komplett verloren habe. Und das kann ich jetzt so sagen, ich wusste unterbewusst, ich werde diesen Karren komplett gegen die Wand fahren. Vorher höre ich nicht auf.
Speaker 3Weißt du eigentlich für dich, also du, für jemanden, der jetzt leider nicht so gut kennt, Flada ist eine sehr extrem liebende Person. Oder wie sagt man? Ich liebe die Extreme. Ja, extreme liebende Person. Hast du für dich, also das ist ein Teil deines Charakters, aber hast du für dich auch mal, gerade in Bezug auf Alkohol, herausgefunden, warum du wusstest, dass du es erst an die Wand fahren musst, bis du was änderst?
Speaker 2Weil dann ist es genug. Dann habe ich, dann war ich zufrieden. Das war ja auch so, wie ich... Wie ich Beziehungen zu mir und Beziehungen generell auch geführt habe, es musste immer krachen. Erst wenn es kracht, tut es richtig weh und erst wenn eine fette, fette Party steigt, habe ich richtig, richtig Spaß. Ich war mit gering ausschlagenden Amplituden immer völlig unzufrieden und ich hätte, glaube ich, das Gefühl gehabt, wenn ich den Alkohol und Drogenkern nicht völlig gegen den Baum fahre, dann habe ich etwas verpasst. Das klingt jetzt ganz, ganz komisch, wenn ich das so sage und das sage ich jetzt auch zum ersten Mal, aber so ist es. Ich wusste, obwohl es mir weh tat und obwohl ich wusste, okay, das ist jetzt richtig anstrengend und ungesund, was passiert, ich wusste, ich fahre das Ding gegen den Baum.
Speaker 3Es ist natürlich auch was sehr stark selbstzerstörerisches, ne?
Speaker 1Mhm.
Speaker 2Warum glaubst du denn, haben viele Menschen den Wunsch, Alkohol irgendwann kontrollieren zu wollen oder zu können? Ich weiß, du hast die Frage auch.
Speaker 3Ja, die Frage habe ich. Weil die kommt immer und immer und immer wieder. Die bekommen wir ganz oft gestellt, vor allem von Menschen, die noch trinken und die den Wunsch äußern, weniger zu trinken. Und dann kommt immer, ja, ich möchte gern kontrolliert trinken wollen, also reduzieren. Und witzigerweise ist dann immer interessant, die Menschen darauf anzusprechen, was sie überhaupt unter kontrolliertem Trinken verstehen. weil das ist immer sehr unterschiedlich.
Speaker 2Sehr unterschiedlich, ja.
Speaker 3Für die meisten bedeutet das quasi, sie trinken eigentlich genauso weiter wie davor, bloß... Fühlen sich besser. Ja, genau. Oder dass sie eher das Gefühl haben, sie können es kontrollieren. Und wenn man dann sagt, nee, nee, kontrolliertes Trinken bedeutet das, was du vorhin gesagt hast, nämlich wirklich nur ein Glas Wein und dann nicht bis ganz oben hingefüllt, sondern so, wie man normalerweise ein Glas Wein füllt, nämlich irgendwie ein Drittel oder so, dann sind die meisten auch enttäuscht. Und natürlich hat das was damit zu tun, wenn man trinkt, macht einem das ja Angst, aufhören zu müssen. Und man möchte nicht aufhören. Deswegen hält man sich an dieser Illusion fest, vielleicht kann ich es ja kontrollieren. Das heißt, ich muss es nicht komplett aufgeben. Es gibt die Hoffnung, dass ich weiter so machen kann wie davor, mit so ganz paar kleinen, naja, Abstrichen. Aber an sich kann ich weiter so machen wie davor.
Speaker 2Ja, und das ist ja quasi ein Zeichen der Abhängigkeit schlechthin. Wenn ich allein schon den Wunsch habe oder das Bedürfnis habe, etwas nicht komplett oder Alkohol nicht komplett loslassen zu wollen, heißt das ja im Gegenzug, dass ich abhängig bin. Menschen, die kein Problem mit Alkohol haben, Menschen, die quasi von Natur aus Alkohol kontrolliert trinken, die machen sich darüber keine Gedanken. Die machen sich darüber keine Gedanken, dass sie nur ein Glas trinken und nicht mehr. Und ich nehme auch stark an, dass viele dieser Menschen kein Problem hätten, von heute auf morgen auf Alkohol zu verzichten. Weil Alkohol ist egal. Und Menschen, die aber eine Abhängigkeit entwickelt haben, da ist ja so die größte Angst, wie du das gerade gesagt hast, darauf zu verzichten. Und deswegen ist dieser Wunsch, es dennoch im Leben zu haben, irgendwie auch ganz natürlich. Weil wenn ich abhängig bin, will ich das ja nicht gehen lassen. Richtig, genau.
Speaker 3Und das ist ja auch das Spannende. Ich weiß noch früher, es gab ja dann auch so eine Zeit, wo ich irgendwann immer ganz schlimme Karte hatte. Und je älter man wird, desto schlimmer werden die ja auch. Also ich hing dann irgendwie immer den ganzen Tag völlig durch. Also den nächsten Tag natürlich. Und ich habe mir dann immer vorgenommen, ich trinke nicht mehr so viel. Das kennt ja jeder sicherlich. Und dann kam wieder diese Situation, dass man sich mit Freunden getroffen hat. Wir sind in eine Bar gegangen. Und da habe ich mir davor immer vorgenommen, und heute trinke ich wirklich nur ein Bier. Hattest du da Bock auf den Abend? Doch, schon. Schon, weil ich ja dachte, ich kriege das hin. Witzigerweise habe ich es ja aber nie hinbekommen. Und ich habe es immer wieder probiert.
Speaker 2Wann ist denn die Entscheidung gekippt? Du bist dahin, also wenn ich mir das jetzt so vorstelle, du bist dahin, hast dich fertig gemacht und hast dir gesagt, okay, und heute trinke ich nur ein Bier. Warst du dir der Sache sicher oder wusstest du, in dem Moment, in dem du da bist, wirst du es sowieso lassen?
Speaker 3Weißt du das noch? Das ist eine spannende Frage. Also ich weiß gar nicht, wie überzeugt. Wie überzeugt ich von dieser Entscheidung war? Also es war natürlich immer so, wenn ich ganz schlimme Karte hatte, dann dachte ich mir so, ah, das nächste Mal trinkst du dann nur ein Bier. Und ich kann mich durchaus daran erinnern, bin ich fertig gemacht und dachte mir so, okay, heute wirklich nur ein Bier. Und dann bin ich da hingefahren und dann ist eben dieses bekannte Setting, ne, und ich bestelle mir mein Bier und natürlich, meine Freunde tranken dann die nächste Runde. Und dann kam die Frage, und Kathi, du auch? Und dann war ganz automatisch, ja, na klar. Ja, und dann waren alle Vorsitzende. Und dann kamen die Vorsitzende aus dem Fenster und nach dem zweiten Bier gab es dann sowieso kein Halten mehr.
Speaker 2Ja, und das Ding ist, dann hat es ja schon das Blut geleckt. Dann war es ja so, dann hast du für dich sicherlich festgestellt, dass ein Bier halt echt auch gar nichts bringt.
Speaker 3Ja, ja, ja, genau. Und ich hätte ja auch sagen können, ich trinke mal ein Bier und dann gehe ich nach Hause. Aber meine Freunde waren ja noch da und die haben weiter getrunken. Also warum soll ich mir jetzt selber den Arm versauen? Also bleibe ich da und trinke weiter mit. Fertig. Und da waren natürlich, sag ich jetzt mal, die ganzen guten Vorsätze. Und die waren dahin. Und den nächsten Tag lag ich wieder im Bett und dachte, oh, nächstes Mal trinke ich wieder nur ein Bier. Und dann war es wieder nur ein Bier. Also es kam, ja, ich habe nie gedacht, ach, nächstes Mal trinke ich gar nichts.
Speaker 2Das ist ja das, ne? So dieses, wir haben einen Kater, liegen da und dann das nächste Mal wirklich nur ein. Anstatt, ich trinke halt auch mal Wasser.
Speaker 3Ja, ne, das kam. Das war in meinem Universum, gab es diese Option einfach nicht für eine ganz lange Zeit. Aber ich glaube, ich habe es nie hundertprozentig mit vollem Herzen wirklich probiert zu sagen, ich trinke heute nur ein Bier. Ich wollte es, ich glaube, da gab auch einen ganz großen Teil in mir, da wollte ich das einfach auch gar nicht. Genau, also ich habe ja quasi dieses kontrollierte Trinken probiert, auch wenn es, wie gesagt, halbherzig war. Und es hat nie, es hat einfach nie funktioniert. Es gab. Aber durchaus Momente letztes Jahr, wo das funktioniert hat, das kontrollierte Trinken. Aber, und da hatte ich mir auch drüber Gedanken gemacht, bei mir ist ja ganz stark dieses, diese Bar-Setting. Also wir gehen, wir treffen uns mit Freunden und es ist ein gemütlicher Abend und wir sitzen in der Kneipe oder bei irgendjemand zu Hause und dann packen wir Alkohol aus und los geht's. Und ich bin ja letztes Jahr nach Deutschland zurückgekommen und habe dann bei meinen Eltern eine Weile gewohnt. Und da wird ab und zu mal abends ein Glas Wein getrunken. Und in dem Setting war es für mich völlig in Ordnung, wirklich ein Glas Wein zu trinken und danach aufzuhören. Aber ich glaube, weil das ein anderes Setting war. Also ich habe mich ja nie mit meinen Eltern betrunken. Ich habe ja nie, ich bin ja nie mit meinen Eltern in eine Kneipe gegangen und habe gesagt, und jetzt gib ihm. Also es ist natürlich schon so, ich kann mich auch daran erinnern, vor zwei Jahren oder so, war ich meist diejenige, wenn ich mit meinen Eltern zusammensaß, stand. Und dann manchmal die Frage im Raum, trinken wir noch eine Flasche Wein? Und da war ich meist immer diejenige, ja klar, ich hole sie und bin sofort in den Keller gestürmt. Das habe ich letztes Jahr dann auch nicht mehr gemacht. Also ich habe dann gesagt, nein, ich trinke das eine Glas und das ging auch. Und wie hast du dich da gefühlt? Eigentlich ganz gut. Also ich habe witzigerweise gerade am Anfang, fand ich, waren viele Prozesse noch sehr unwusst. Es war jetzt nicht diese bewusste Entscheidung, ich gehe jetzt da runter, setze mich zu meinen Eltern und trinke nur ein Glas und fertig. Also es war witzigerweise in dem Moment eher unbewusst. Und als dann die Frage im Raum stand, möchtest du noch oder wollen wir noch eine Flasche aufmachen, war auch das Gefühl da, nee, brauche ich nicht. Okay. Und was jetzt aber da den direkten Shift, ich glaube, mein letzter richtig, richtig schlimmer Kater, der war letztes Jahr im Februar und der war richtig schlimm. Der war wirklich, wirklich einer meiner schlimmsten Kater, mir ging es so dreckig. Und das war, ich weiß nicht. Das beschreiben ja auch viele, wenn die aufhören wollen zu trinken, dass sie noch zwei, dreimal sich so richtig abschießen und so ganz schlimmer Kater haben. Und dass sie das irgendwo gebraucht haben, um für sich die Entscheidung zu treffen, das möchte ich nicht mehr. Ich möchte mich nicht mehr so fühlen. Und da weiß ich, nach diesem schlimmen Kater war was anders. Weil ich wirklich gesagt, ich möchte das nicht mehr. Ich möchte mich nicht mehr so fühlen. Ich möchte meinen Körper nicht mehr vergiften. Und ich hatte durchaus diese Gedanken schon sicherlich so zwei Jahre davor schon. Also es war ja so ein längerer Prozess, dass wenn ich diese schlimmen Kater hatte, dachte ich, ah nee, das möchte ich meinem Körper nicht mehr antun. Es tut mir leid, dass ich dich so vergifte. Und dann habe ich es trotzdem wieder gemacht. Aber dieser, sage ich jetzt mal, letzte furchtbare Kater letztes Jahr, der hat irgendwas bei mir geändert. Dass ich gesagt habe, nee, es reicht, es reicht.
Speaker 2Und das ist dann das, was ich gemeint habe, ich musste es gegen den Baum fahren. Ich musste quasi, es muss. Musste irgendwann einmal genug sein. Bevor es nicht genug war, habe ich nicht aufgehört.
Speaker 3Ja, und im Endeffekt habe ich es ja genauso gemacht, nur eben in eine gedämpftere Version. Wobei sich das in dem Moment auch nicht gedämpft anfühlt.
Speaker 2Nee, nee, das ist jetzt auch gar nicht so ernst gemeint. Also wie war denn vielleicht auch der inneren Prozess von dir dann heute? Sagen zu können, okay, ich brauche es gar nicht mehr. Ich muss mich auch nicht mehr Mindful Drinker nennen. Ich brauche quasi nicht mal ein Glas.
Speaker 3Also es war definitiv ein längerer Prozess. Und das hatte auch ganz viel damit zu tun, dass ich angefangen habe, bei mir seelisch aufzuräumen. Ich glaube, das hatten wir ja auch letztes Mal schon besprochen. Mein inneres Aufräumen begann so im Jahr 2017, wo ich gemerkt habe, mir ging es irgendwie nicht gut. Und da sind so irgendwie so Leichen im Keller, die mich belasten, die mir im Weg stehen. Und somit habe ich angefangen, mich mit mir selber auseinanderzusetzen, zu schauen, was sind so Verhaltensweisen, die zerstörerisch sind, die mir nicht gut tun. Und in diesem ganzen Prozess habe ich zum einen mich mehr lieben gelernt. Und dadurch, dass ich mich mehr lieben gelernt habe, fing ich auch an, mir darüber Gedanken zu machen, was ich eigentlich in meinem Körper packe. Und da war natürlich ganz klar, Alkohol tut mir nicht gut. Der tut meinem Körper nicht gut, der tut mir seelisch nicht gut. Und gerade eben, wie gesagt, diese ganz schlimmen letzten Kater, die waren einfach nur furchtbar. Und ich dachte mir so, was mache ich hier eigentlich mit meinem Körper? Und ich glaube, das war so ein längerer Prozess. Das zog sich ja, wie gesagt, über zwei, drei Jahre hin, dass ich immer mehr bewusster wurde. Also es war eine Bewusstmachung. Erstens, wer bin ich, wo will ich hin, was sind Dinge, die ich in meinem Leben empfinde? nicht mehr möchte und dich verändern möchte? Und was möchte ich anstatt? Und das Anstatt war, ich möchte mich nicht mehr so fühlen. Ich möchte kein Gift mehr in meinen Körper geben. Aber natürlich kamen dann immer noch diese alten Bilder von Alkohol hoch. Wir sind ja alle so geprägt. Wir sind diese emanzipierten, unabhängigen Frauen, die genauso viel trinken können wie alle anderen. Und wir gehören dazu und solche Sachen. Und die aus meinem System rauszubekommen, das hat jetzt wirklich noch mal so ein Jahr gedauert.
Speaker 2Wie ist es dann aber heute? Sorry, ich stelle jetzt so viele Fragen. Ich finde es ja spannend, weil ich das ja nicht so machen konnte. Wie ist das heute, wenn du in eine Bar mit deinen Freunden gehst? Musst du vorher etwas machen für dich in deinem Kopf? Also eine Entscheidung treffen? Oder ist es klar, dass du nichts trinkst? Oder ist das noch gar nicht vorgekommen, diese Situation?
Speaker 3Also die spezielle Situation ist jetzt so, jetzt lasse ich mal überlegen, noch gar nicht so vorgekommen. Weil, wie gesagt, ich ja letztes Jahr nach Deutschland zurückkam und sich auf einem Schlag mein soziales Umfeld geändert hat. Auf einmal hatte ich keine Freunde. Genau, dann waren die alle weg. Und ich war durchaus in diesen Situationen jetzt ab und zu schon mal. Wobei dann war das Setting ein bisschen anders. Dann waren wir nur irgendwie zu zweit oder zu dritt, dass wir irgendwo hingegangen sind. Weil, das ist jetzt eine längere Geschichte, aber dieses Setting war dann eben kleiner. Es waren dann nicht mehr zehn Leute, wie ganz am Anfang noch. Und in dem Setting, wenn wir also nur was essen gehen oder so, dann bestelle ich mir ein alkoholfreies Bier und fertig. Und da muss ich mir auch jetzt nicht so Gedanken machen. Also ich gucke sofort, wo sind die alkoholfreien Biere? Aha, dann gucke ich, oh, das klingt gut, bestelle ich mir eins, fertig. Das ist eigentlich, der Prozess ist genau derselbe, wie wenn ich mir ein normales Bier bestellen würde. Da gucke ich gar nicht mehr hin, sondern für mich ist das schon, ja, automatisch, aber es sind die alkoholfreien Alternativen. Und es ist aber immer noch so, dass ich mir dann gern ein alkoholfreies Bier bestelle. Ich könnte ja auch zum Beispiel sagen, ich bestelle mir nur ein Wasser. Oder, weiß ich nicht, also es gab durchaus auch jetzt schon manchmal Momente, wo wir, was weiß ich, zum Inder-Essen gegangen sind oder so. Und dann habe ich mir zum Beispiel ein Mangolassi oder sowas bestellt. Und andere haben sich ein Bier bestellt. Das war auch völlig in Ordnung für mich. Aber ich glaube, in diesem direkten Bar-Setting finde ich es immer noch angenehmer, mir ein alkoholfreies Bier zu bestellen. Anstatt mir einfach nur ein Wasser zu bestellen. Aber das finde ich auch in Ordnung. Also mit diesem Kompromiss kann ich gut leben. Ja. Wie ist es denn eigentlich für dich, weil wir ja nun auch oft diese Frage des kontrollierten Trinkens bekommen. Was würdest du dem heute jemandem raten, der, wie ich quasi vor zwei, drei Jahren oder vor einem Jahr gesagt habe, ich trinke noch sehr stark und ich möchte jetzt aufhören. Wer hat denn das Kontrolliert? Was ist das Kontrollierte Trinken was für mich?
Speaker 2Generell versuche ich den Menschen immer nichts zu raten, sondern Menschen in ihrem eigenen Prozess zu gleiten. Und ich würde dann fragen, okay. Okay, die Frage ist also, wäre das Kontrollierte Trinken was für mich? Dann würde ich fragen, würde ich quasi die Frage zurückgeben. Glaubst du denn, Kontrolliertes Trinken wäre etwas für dich? Beziehungsweise hast du es jemals geschafft, Alkohol zu kontrollieren? Und die zweite Frage, warum glaubst du, weil meistens ist ja dann die Antwort, nein, ich habe es nicht geschafft. Warum glaubst du, könntest du es heute kontrollieren, wenn doch augenscheinlich etwas komplett außer Kontrolle geraten ist? Und dann die Frage, warum hast du das Bedürfnis, wenn Alkohol dir nicht gut tut und du es augenscheinlich als eine Strategie, als ein Coping, als eine Strategie benutzt, warum ist das so und warum fällt es dir so schwer, Alkohol aus dem Leben zu streichen? Wovor hast du Angst und womit müsstest du dich dann beschäftigen? Was ist quasi das eigentliche Bedürfnis dahinter, Alkohol zu trinken? Und weswegen macht es dir so viel Angst, Alkohol loszulassen? Und dann kommt, also das weißt du ja selber, dann kommt ja ganz, ganz, ganz, ganz viel. Und erst ist es dann oberflächlich, wie ja, und dann gehöre ich dazu und dann bin ich da. Dann bin ich irgendwie nicht mehr so schüchtern. Dann kann ich entspannen. Und all die Dinge, die wir ja an der Oberfläche denken, dass Alkohol das mit uns tut. Und je mehr ich frage, je mehr wir fragen, auch in unserem Mentoring, dann kommt ja ganz, ganz viel. Das meiste fängt ja schon in der Kindheit an. Und das aufzudröseln und zu gucken, okay, dieser Wunsch, Alkohol zu trinken oder Alkohol kontrollieren zu wollen, was in deinem Leben kannst du denn nicht kontrollieren? Was ist denn so außer Kontrolle geraten? Welcher Schmerz oder welcher Leidensdruck liegt denn dahinter, dass du denkst, du musst dich betäuben?
Speaker 3Ja, also quasi eben nach der Funktion zu fragen, weil das ist ja ganz oft so, dass wir eben Alkohol für etwas benutzen. Und dieses Etwas herauszufinden, das ist eigentlich die Aufgabe, da mal hinzugucken und nicht nur Entspannung und Langeweile, sondern ein bisschen tiefer zu gehen. Und das ist auch, also harte Arbeit. Emotional anstrengend.
Speaker 2Es ist ein schöner Prozess, weil du die Möglichkeit hast, dich mehr kennenzulernen und Dinge für dich aufzulösen. Aber er ist nicht immer angenehm.
Speaker 3Nee, definitiv nicht. Was ich auch ganz spannend finde, das ist ja auch so ein Ansatz, zum Beispiel Annie Grace hatte den ja, glaube ich, auch beschrieben, dass sie hat irgendwann aufgehört, sich Alkohol zu verbieten, sondern hat gesagt, du darfst so viel trinken, wie du möchtest, aber mach dir darüber Gedanken. Warum will ich jetzt trinken? Warum brauche ich dieses Glas jetzt? Also nicht mit Verboten arbeiten. Und das sagst du ja auch. Dir hat das ja, glaube ich, auch geholfen zu sagen, ich darf trinken. Ich möchte es einfach nur nicht mehr.
Speaker 2Genau. Ich darf mich heute jeden Moment meines Tages dazu entscheiden, Alkohol zu trinken. Aber ich will keinen Alkohol trinken. Und als ich in der Klinik war, gut, da waren ja 27 Wochen, war ich ja in einem Setting, wo es sehr schwer gewesen wäre, das zu vertuschen, dass ich jetzt irgendwie was getrunken habe. Und ich bin auch ein Mensch, der sehr leistungsorientiert ist, auch in meinen Therapien. Sprich, es wäre mir nicht im Traum eingefallen, da irgendwie einen Rückfall zu bauen oder irgendwas. Was in dieser Art und Weise dann auch gut war. Und ich hatte dann aber die Angst, davor rauszugehen, weil ich immer noch das Gefühl hatte, oh Gott, ich darf das nicht. Ich hatte auch irgendwie, ich hatte irgendwie immer Schiss durch, das Weinregal zu gehen oder irgendwo nur in die Nähe davon zu kommen, wo getrunken wird oder in eine Bar zu gehen oder so. Ich hatte da echt riesengroße Angst davor, bis meine Therapeutin dann zu mir gesagt hat, ja, Frau Mettig, ersetzen Sie mal das Wort Angst mit Respekt. Wie fühlt sich denn das für Sie an? Und Respekt ist was anderes. Respekt ist etwas, okay, ich habe Respekt vor der Sache, es könnte anstrengend werden, aber ich habe immer noch die Macht darüber. Dem Gefühl von Angst fühle ich mich machtlos. Das übermannt mich dann einfach und ich kann irgendwie nichts dagegen tun. So hat sich das für mich angefühlt. Wenn ich mir die Erlaubnis nie geben würde, und das ist, das sage ich für mich jetzt ganz persönlich, hätte ich immer das Gefühl gehabt, ich darf das nicht, ich darf das nicht. Und es ist ein Verbot, ein Verbot fühlt sich scheiße an und Verbote müssen gebrochen werden und es muss ja irgendwann mal wieder krachen. Und in dem Moment, als ich aber für mich erkannt habe, hey, warte mal, da steht ja gar keiner, da steht ja keine Person irgendwie in meinem Leben permanent und sagt, du darfst das jetzt nicht, du darfst das jetzt nicht, du darfst nie wieder was trinken, du darfst das nicht, sondern ich treffe ja die Entscheidung. Und ich kann die Entscheidung treffen, etwas zu trinken. Und als ich das für mich erkannt habe, habe ich gemerkt, boah, und jetzt ist der Druck weg. Weil jetzt kann ich mich dazu entscheiden, Alkohol nicht zu trinken. Hat das jetzt Sinn ergeben? Ja.
Speaker 3Ja, und das finde ich ja so spannend, weil im Endeffekt, weil im Endeffekt war ja dieser Prozess bei mir genauso. Ich habe ja jedes Mal, wenn ich mir vorgenommen habe, heute trinke ich nur ein Bier, mich ja quasi irgendwo selbst gegeißelt. Ich habe gesagt, ich versuche das zu kontrollieren. Das hat aber nie funktioniert. Und erst als ich begonnen habe, bewusster darüber nachzudenken, was ich hier eigentlich mache, was ich mit meinem Körper mache und was Alkohol eigentlich ist, das hat für mich erst Dinge geändert. Erst dann habe ich begonnen, Nein zu Alkohol zu sagen, weil ich wusste, ich möchte das einfach nicht mehr.
Speaker 2Oder Ja zu dir selbst, Ja zu etwas Gesundem, Ja zu deinem Leben. Weil das Nein und das Nicht, das ist immer etwas, dieses Gefühl von Mangel, das ist ja auch das, was wir mit Misova erreichen wollen. So dieses nüchtern Leben bedeutet nicht, dass du auf etwas verzichten musst. Nüchtern Leben bedeutet, dass du glücklich sein kannst, dass du gesund sein kannst, dass du das Leben in vollen Zügen genießen kannst, ohne dich, mit einem Nervengift zuzudröhnen.
Speaker 3Ich hatte das jetzt letztens auch in der Story erwähnt, je länger ich jetzt auch nüchtern bin, desto mehr bleiben eigentlich auch nur diese schlechten Erinnerungen zurück, die ich mit Alkohol verbinde. Also diese schlimmen Kater danach, wie schlecht ich mich körperlich gefühlt habe. Und nicht mehr diese vermeintlich schönen Momente. Und ich kann mich daran erinnern, als ich noch getrunken habe, sah das ganz anders aus. Dann war es eher so, dann habe ich mich immer auf diese, ach wie lustig, Wir haben dann so tolle Abenden und die sind dann alle so gut drauf und... Und diese schlimmen Karte danach, die wurden so ausgeblendet. Und heute denke ich mir so, ich will da nie wieder hin. Ich will nie wieder so eine Karte haben. Nie mehr. Und weil ich das weiß, fühlt es sich für mich auch nicht wie ein Verbot an, sondern wie, Gott sei Dank, ich muss das nicht mehr haben.
Speaker 2Ja, und das ist ja auch so, ich kann das absolut nachempfinden, weil bei mir ist auch immer nur so, wie schrecklich ich mich gefühlt habe. Und auch wenn ich betrunken bin, kann ich mich ja an die Hälfte gar nicht mehr erinnern. Auch wenn ich jetzt nie einen Blackout an sich hatte. Ich wollte gerade sagen, du. Nee, also ich meine, es ist ja nicht so, dass ich mich an Stunden nicht mehr erinnern kann. Aber betrunken sein, das Gefühl von betrunken sein, wenn du einmal in den Genuss gekommen bist von Freiheit und permanent nüchtern sein, dann ist das so ein High, dann willst du gar nicht mehr betrunken sein.
Speaker 3Ja, und das fühlt sich für mich persönlich gerade nach einer richtig schönen Freiheit an. Weil wenn ich dann eben auch... Wenn ich dann eben auch Menschen sehe, jetzt auch in Berlin, als wir in Berlin unterwegs waren, wenn man dann Betrunkene sieht, dann denke ich mir so, oh, bin ich froh, dass ich das gerade nicht habe. Und dieser, ja, ich nenne das immer Shift, wie nennt man das denn im Deutschen? Diese Änderung. Dieser Wandel, ja. Der brauchte Zeit, also zumindest bei mir. Und ich weiß, das hätte mir das jemand vor einem Jahr gesagt oder vor anderthalb Jahren hätte ich dem gesagt, ach komm, das ist doch jetzt Bullshit, also verarsch mich doch nicht. Du legst dir doch selber was in die Tasche. Aber nein, es ist wirklich so. Es ist wirklich so. Und ich wünsche mir wirklich für jeden, dass er das selber erleben kann. Und das ist ja auch das, was wir mit Missoba wollen, dass wir euch zeigen wollen, Leute, es ist so viel geiler. Ihr braucht das nicht. Aber wie bist du denn dann frei von der Idee geworden, dass du Alkohol brauchst, um dazu zu gehören? Ich glaube, das hat auch was damit zu tun gehabt, je mehr ich mich mit mir selber, auseinandergesetzt habe und für mich auch Dinge gelöst habe, desto selbstsicher wurde ich auch mit mir selber. Und desto mehr bin ich mir selber auch wertvoller geworden. Auch in der Hinsicht, dass ich angefangen habe, Grenzen zu ziehen, mich für mich selber einzusetzen. Das war sowas, damit hatte ich immer Probleme. Ich war immer so, ja, das machen wir, ja, machen wir gerne. Und heute sage ich aber nie, wenn mir was nicht passt, dann sage ich das auch. Und das hat ja auch was mit Selbstwert und Selbstliebe zu tun. Dass ich mich selber heute ernster nehme. Und ich heute in einem Setting bin und mir sage, ich bin ein wertvoller Mensch. Und ich hoffe, dass meine Freunde das sehen. Und ich weiß, dass sie das tun. Weil sie ja auch gerne Zeit mit mir verbringen, wenn ich nicht betrunken bin. Und manche Freunde gründen mit dir ein Unternehmen. Ja, genau. Und manche Freunde gründen mit mir ein Unternehmen. Also ich knüpfe meinen Wert nicht mehr an Alkohol. Und das habe ich aber früher getan. Ich habe früher gedacht, ich muss mithalten, ich muss mittrinken, damit ich wertvoll bin oder damit Menschen mich mögen. Und das brauche ich heute nicht mehr. Ich weiß, ich bin ein wertvoller Mensch. Und jeder, der denkt, ich muss mittrinken, dann bin ich erst was, mit dem möchte ich auch nichts zu tun haben. Weil es ja eigentlich eher was mit dieser Person zu tun hat und nicht mit mir. Und dieser Gedankenschiff, dass die meisten Dinge, die auf mich projiziert werden, weniger mit mir, sondern mit der anderen Person zu tun haben, das war für mich auch ein krasser Punkt. Das war ein krasser Aha-Moment. Natürlich will ich jetzt nicht sagen, ich bin perfekt und Kritik prallt an mir ab.
Speaker 2In deiner Sprache ist das noch vorhanden, aber es geht nicht.
Speaker 3Also überhaupt gar nicht. Das will ich wirklich damit nicht sagen. Aber ja, diese Selbstliebe hilft mir in solchen Momenten dann einfach auch Nein zu sagen, sondern Ja zu mir selber, weil ich mich nicht mehr vergiften möchte. Schön. Ja. Keine weiteren Fragen. Doch, ich hatte noch eine, aber eigentlich haben wir die ja quasi beantwortet. Ob kontrolliertes Trinken dann überhaupt funktionieren kann?
Speaker 2Ich kann ja jetzt quasi nur für mich sprechen und für mich würde es, glaube ich, nicht funktionieren. Ich will es aber auch gar nicht probieren, weil ich mit meinem nüchternen Leben so unfassbar zufrieden bin und mich so gern habe, dass ich das nicht mehr dadurch aufs Spiel setze. Also ich brauche Alkohol nicht mehr in meinem Leben, es spielt einfach auch keine Rolle mehr. Deswegen, für mich kommt es nicht infrage. Ich weiß jedoch, dass manche Ansätze quasi damit arbeiten, weil Frau sucht Zukunft aus Berlin, die arbeiten zum Beispiel damit, die sagen, ja, nicht jede hat das Ziel, abstinent zu leben, sondern vielleicht ist das Ziel zu reduzieren und das ist okay und dann sind wir da und unterstützen dabei und für das Ziel, das Ziel zu reduzieren, manche Menschen scheint es zu funktionieren und das werte ich nicht, das ist okay, aber das vertrete ich für mich und für meine Arbeit nicht.
Speaker 3Und ich glaube, das ist ja auch das in meinem eigenen Prozess, was ich für mich herausgefunden habe, ist ja, dass ich zumindest sagen würde, dass ich Anfang des Jahres in so einer Blase war, wo ich, glaube ich, schon kontrolliert trinken konnte. Aber ich bin ja auch in der Lage, und ich bin jetzt noch drei Schritte weitergegangen und jetzt denke ich mir so, aber warum? Warum will ich das überhaupt noch? Und das ist für mich dann irgendwie so dieser nächste Schritt, dass je bewusster ich werde, denke ich mir so, ich will das überhaupt gar nicht mehr. Und das finde ich, finde ich ein ganz spannender Prozess.
Speaker 2Ja, das ist auch super. Herzlichen Glückwunsch zur Sobriety Guardian.
Speaker 3Dankeschön. Ich habe mich jetzt offiziell geoutet. Schön, ich freue mich. Danke. Dann hat es sich sehr gelohnt, dass ich dich hier mit reingebracht habe. Es wäre auch ein bisschen komisch gewesen, wäre das jetzt ins Gegenteil verkehrt. Ja, klar. Vielen, vielen Dank für das Schild. Vielen, vielen Dank. Und ja. Bis gleich. Bis gleich. Wir hoffen, euch hat diese Folge gefallen. Wenn dem so ist, dann hinterlasst uns doch bitte eine positive Bewertung bei iTunes, damit es auch viele andere, mehrere Menschen finden können. Ansonsten gehen wir wie immer jeden Samstagfrüh um 8.30 Uhr live bei Instagram für unseren Sober Saturday. Und dort beantworten wir auch Fragen von euch. Wenn ihr euch für unser Sober Mentoring interessiert, dann schaut doch gerne auf unserer Webseite misober.com für mehr Informationen vorbei. In diesem Sinne bleibt alle fresh and funky und bis zum nächsten Mal.
Speaker 1Bis zum nächsten Mal.

Podcast Summary

Key Points:

  1. Der Podcast MeSober wird von Vlada und Katharina gehostet und dreht sich um ein nüchternes und freies Leben.
  2. Kontrolliertes Trinken bezeichnet ein Konzept, bei dem risikoarme Alkoholmengen nach einem festen Plan konsumiert werden, ohne sich zu berauschen.
  3. Beide Hosts lehnen kontrolliertes Trinken für sich persönlich ab, da es für sie keinen Sinn ergibt und extrem anstrengend wäre.
  4. Vlada hatte nie Kontrolle über ihr Trinkverhalten, entwickelte über 20 Jahre eine Abhängigkeit und brauchte einen schlimmen Kater als Wendepunkt.
  5. Katharina konnte nie kontrolliert trinken, hatte aber lange das Gefühl, die Kontrolle zu behalten, weil sie eine hohe Toleranz hatte und selten Blackouts erlebte.
  6. Der Wunsch nach kontrolliertem Trinken ist oft ein Zeichen von Abhängigkeit, da Menschen ohne Alkoholproblem sich darüber keine Gedanken machen.
  7. Die innere Arbeit an Selbstliebe, Selbstwert und dem Aufräumen seelischer Belastungen war entscheidend für den Weg in die Nüchternheit.
  8. Nüchternheit wird als Freiheit und nicht als Verzicht erlebt, da die negativen Erinnerungen an Alkohol überwiegen und das Leben ohne Alkohol als bereichernd empfunden wird.

Summary:

In dieser Podcast-Folge von MeSober diskutieren Vlada und Katharina das Thema kontrolliertes Trinken. Sie erklären, dass dieses Konzept vorsieht, nach einem festen Plan risikoarme Alkoholmengen zu konsumieren, ohne sich zu berauschen. Beide Hosts lehnen diesen Ansatz für sich persönlich klar ab, da er für sie keinen Sinn ergibt und extrem anstrengend wäre.

Vlada beschreibt, dass sie nie Kontrolle über ihr Trinkverhalten hatte und über 20 Jahre abhängig war. Ein besonders schlimmer Kater im Februar des Vorjahres wurde zum Wendepunkt, an dem sie beschloss, ihren Körper nicht mehr zu vergiften. Katharina erklärt, dass sie ebenfalls nie kontrolliert trinken konnte, aber lange das Gefühl hatte, die Kontrolle zu behalten, weil sie eine hohe Toleranz hatte und selten Blackouts erlebte.

Beide betonen, dass der Wunsch nach kontrolliertem Trinken oft ein Zeichen von Abhängigkeit ist, da Menschen ohne Alkoholproblem sich darüber keine Gedanken machen. Der Weg in die Nüchternheit erforderte intensive innere Arbeit an Selbstliebe, Selbstwert und dem Aufräumen seelischer Belastungen. Heute erleben beide die Nüchternheit als Freiheit und nicht als Verzicht, da die negativen Erinnerungen an Alkohol überwiegen und das Leben ohne Alkohol als deutlich bereichernder empfunden wird.

FAQs

Kontrolliertes Trinken bedeutet, einen Plan zu haben, z. B. ein Glas Alkohol pro Woche, ohne sich zu betrinken oder Alkohol zur Emotionsregulation zu nutzen.

Es kann für manche Menschen funktionieren, die nie ein Problem mit Alkohol hatten. Für Menschen mit einer Abhängigkeit oder einem problematischen Trinkmuster ist es oft nicht geeignet.

Es kann sehr anstrengend sein, ständig kontrollieren zu müssen, und es fällt oft schwer, den Alkohol im Haus zu haben, ohne mehr zu trinken. Zudem fällt der eigentliche Grund für das Trinken weg, wenn man nur ein Glas trinkt.

Kontrolliertes Trinken erlaubt eine begrenzte Menge Alkohol nach einem Plan, während Abstinenz bedeutet, ganz auf Alkohol zu verzichten. Abstinenz ist für viele Menschen mit Alkoholproblemen der sicherere Weg.

Oft steckt eine Angst dahinter, auf etwas verzichten zu müssen, oder der Wunsch, dazuzugehören und zu entspannen. Alkohol wird häufig als Bewältigungsstrategie für Stress oder unangenehme Gefühle genutzt.

Man kann sich fragen, ob man jemals Alkohol kontrollieren konnte oder ob es immer wieder außer Kontrolle geraten ist. Auch der Wunsch, Alkohol nicht loslassen zu wollen, kann ein Zeichen für eine Abhängigkeit sein.

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