Die Folge beschreibt die schlimmste Atomkatastrophe der Menschheitsgeschichte: den Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl 1986. Zunächst erklärt sie, wie Atomkraftwerke funktionieren – durch Kernspaltung von Uran oder Plutonium, die Hitze erzeugt, Wasser zu Dampf macht und Turbinen antreibt. Steuerstäbe regulieren die Leistung, indem sie den Spaltungsprozess bremsen. In der Unglücksnacht sollte ein Sicherheitstest durchgeführt werden, doch eine Xenonvergiftung ließ die Leistung drastisch sinken. Das Personal zog zu viele Steuerstäbe heraus und startete den Test trotz Warnungen – der Reaktor explodierte. Die Feuerwehrleute und Liquidatoren, die zur Eindämmung eingesetzt wurden, wussten oft nicht, wie gefährlich die Strahlung war; viele starben später. Die Sowjetunion hielt den Vorfall geheim, bis Schweden erhöhte Werte meldete. Radioaktiver Regen verseuchte weite Teile Europas, wodurch Lebensmittel wie Milch und Gemüse vom Markt genommen wurden. Die Stadt Prypjat wurde evakuiert, aber nie wieder bewohnbar. Heute ist der Reaktor mit einem Sarkophag umhüllt, und die Sperrzone ist ein Touristenziel. Europa betreibt noch 100 Atomkraftwerke, doch Deutschland hat seine letzten Reaktoren abgeschaltet. Der Atommüll bleibt jedoch über Jahrtausende gefährlich.
Es ist ein Uhr nachts, 26. April 1986. Wir befinden uns in der Ukraine. Dort steht er, ein gigant aus Stahl und Beton.
Das Atomkraftwerk Chen Nobel. In ihm wird gerade Strom in großen Mengen produziert. Das passiert in vier großen nuklearen Kernkraftreaktoren.
Sie dröhnen dabei auch in dieser Nacht sehr laut. Das Atomkraftwerk läuft seit neun Jahren ohne Fehler.
Niemand ahnt, dass sich heute in Reaktor 4 die schlimmste Atomkatastrophe der Menschheit ereignen wird.
Hi, liebe Freunde des Wissens. Ihr dürftet ja nach der letzten Folge entscheiden, womit wir uns als nächstes beschäftigen. Es ist Chen Nobel geworden.
Die fünf Kapitel werden erklären, wie Atomkraftwerke funktionieren und warum genau das ein Problem wurde.
Wir sprechen darüber, was in der Nacht genau geschah als ein eigentlich ganz normaler Sicherheits-Test völlig außer Kontrolle geriet.
Wie über 20 Länder Atoma verseucht wurden und sogenannte Liquidatoren eine fürchterliche Aufgabe bekommen.
Und natürlich wie die Situation heute ist. Du hörst Wissen mit John.
Kapitel 1. Die Macht über die Atome.
1938, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, gelingt es der Wissenschaft zum ersten Mal und zwar in Deutschland.
Eine Chemikerin spaltet zusammen mit zwei Kollegen ein Atom. Das ist Bahnbrechend.
Diese Kernspaltung lässt unglaublich große Energiemengen frei werden.
Wer meine Wissen mit Johnny Videos kennt, weiß, was die Menschheit fürchterlich ist damit angefangen hat.
Das Manhattan-Projekt rund um Oppenheimer baut zwei Atombomben und wirft sie auf Hiroshima und Nagasaki.
Die beiden japanischen Städte werden fast komplett zerstört.
Doch die Kernspaltung wird zum Glück nicht nur militärisch eingesetzt.
Wissenschaftler weltweit versuchen eine Möglichkeit zu finden, diese Atomenergie friedlich zur Stromerzeugung zu nutzen.
So werden die Atomkraftwerke geboren. Und diese funktionieren so.
In einem Reaktor, also in einem großen, nach außen abgeschömmten Raum, befindet sich ein Reaktor Kern. Darin läuft die eben erwähnte Kernspaltung ab.
Dabei werden Uran oder Plutonium aufgespalten.
Das sind beides schwere radioaktive Metalle. Durch die Spaltung wird brutal viel Energie frei.
Das wiederum erzeugt Hitze. So richtig heftige Hitze. Es wird um die 300 Grad heiß.
Im Reaktor befindet sich zu dem Wasser, das so sehr, sehr stark erhitzt wird.
Es entsteht also, wer hat in Physik aufgepasst? Richtig. Wasserdampf.
Dieser wird jetzt unter richtig krassem Druck zu einer Turbine geleitet.
Die fängt sich an zu drehen, ist mit einem Generator verbunden und dadurch entsteht Strom.
Damit es nicht zu heiß wird im Reaktorraum, gibt es im Atomkraftwerkühlsysteme.
Sie binden die Wärme und leiten sie über Kühltürme in die Luft.
Das sind diese großen, runden Beton-Schornsteine, die man bei Kraftwerken häufig sieht.
Die weißen Wolken, die daraus kommen, sind also nicht gefährlich, das ist reiner Wasserdampf.
Jetzt noch eine für die Folge extrem wichtige Sache in der Funktionsweise von Atomkraftwerken.
Wenn man die Leistung herunterfahren will, muss man ja irgendwie dafür sorgen, dass sich die Atome nicht mehr spalten.
Dafür gibt es sogenannte Steuerstehe. Einfach gesagt können diese in den Reaktor rein und rausgefahren werden.
Das sind so richtig große Dinge. Schiebt man sie rein, werden die Spaltungsprozesse aufgehalten.
Also wird weniger Energie erzeugt, alles läuft langsamer.
Wenn alle Steuerstehe komplett in den Kern eingefahren werden, wird der Reaktor abgeschaltet.
Also wenn alle Stehe draußen sind, gibt das Atomkraftwerk Volgas, sind alle Stehe drin, geht der Reaktor aus.
Das ist sehr wichtiges Wissen für das nächste Kapitel, denn genau an diesem Punkt ging etwas gewaltig schief.
Kapitel 2, die Katastrophe.
Zurück also ganz an den Anfang dieser Folge in das Atomkraftwerk-Chenobyl.
Dieses hat insgesamt vier Reaktoren, die wir eben erklärt, alle Stromerzeugen.
Damit das ohne Probleme funktionieren kann, müssen sie alle regelmäßig überprüft werden.
Heute ist Reaktor 4 an der Reihe.
Für die Überprüfung muss seine Leistung von 100% auf 25% heruntergefahren werden.
Ihr wisst ja jetzt, wie man das macht, durch das Einfahren der Steuerstehe.
Man lässt einige von ihnen also langsam in den Reaktor Kern fahren.
Ab jetzt sind es noch 24 Stunden bis zur Explosion.
Über den Tag schafft man es mit Hilfe der Stehe, die Leistung des Reaktors auf 50% zu reduzieren.
Als man gerade Weiterrichtungen 25% gehen und den Test starten will, klingelt das Telefon.
Ein folgenschwerer Anruf aus KF.
Die Hauptstadt befielt den Testlauf auf die Nacht zu verschieben.
Sie brauchen gerade noch Strom, daher soll der Reaktor weiter auf 50% laufen.
An dieser Stelle beginnt die tragische Kettenreaktion.
Denn durch das lange Laufen auf halber Kraft entsteht im Verlauf des Tages im Reaktor eine sogenannte Xenonvergiftung.
Xenon ist ein Gas, dass die Spaltung der Atome noch mal stark verlangsamt.
Dadurch fällt die Leistung extrem.
40%, 30%, 20%.
Man ist jetzt schon unter dem Bereich, der man eigentlich haben wollte und man kann es sich überhaupt nicht erklären.
Und die Leistung fällt noch weiter.
Bis sie irgendwann bei weniger als einem prozent liegt.
Und das ist ein riesiges Problem, denn der Reaktor wird auf dieser Leistungsstufe instabil.
Er ist jetzt nicht mehr sicher.
An diesem Punkt hätte man ihn eigentlich not abschalten müssen.
So hätte man warten können, bis die Xenonvergiftung von alleine zurückgeht und man ihn wieder neu startet.
Doch das Kraftwerkpersonal steht unter Druck.
Der Test wurde schon sehr oft verschoben.
Sie wollen ihn jetzt durchziehen.
Noch eine Stunde bis zur Katastrophe.
Um die Leistung schnell wieder auf 25% hoch zu bekommen, ziehen sie eine große Menge Steuerstäbe auf einmal wieder aus dem Reaktor Kern.
Etwas, dass nach allen Protokollen unfassbar unerlaubt war.
Der Reaktor ist nun vollkommen instabil.
Alle Systeme zeigen Warnmeldungen an.
Und trotzdem ordnet der Befehlsleiter an den Test zu starten.
Innerhalb von Sekunden eskaliert es.
Die Leistung des Reaktors steigt völlig außer Kontrolle.
Es entstehen Temperaturen um die 2000 Grad.
Alle Elemente im Reaktor Kern verschmelzen und reagieren in einem riesigen. 1 Uhr 23.
Es hat zwei heftige Explosionen gegeben.
Die zweite davon hat die über 3000 Tonnen schwere Reaktor Deckplatte komplett weggespringt.
Der Reaktor brennt.
Und er ist jetzt offen.
Das, was niemals passieren darf, ist passiert.
Ein Feuersturm blässt die radioaktiven Produkte in die Atmosphäre.
Im Kontrollraum herrscht Schock.
Was ist gerade passiert?
Sofort versuchen sie die Situation unter Kontrolle zu bringen.
Die Mitarbeiter gehen nämlich davon aus, dass nur die Kühlsysteme explodiert sind.
Und der Reaktor ist noch enttakt, ohne zu wissen, dass es bereits viel zu spät ist.
Sie alarmieren die Feuerwehr.
Und auch das erweist sich als fatal.
Kapitel 3.
Wenn man es nicht sieht, hat man keine Angst.
Als die Feuerwehrleute eintreffen, versuchen sie umgehend den Brand zu löschen.
Es ist dunkel, man sieht fast nichts außer das Feuer.
Das wütet extrem stark.
Um das Reaktorgebäude hat sich sehr dichter rauchgebildet.
Das ist offen, weil das Dach weggespringt wurde, weist zu diesem Zeitpunkt niemand.
Daher ist auch keiner über die größte Gefahr informiert.
Die anungslosen Feuerwehrleute bleiben die ganze Nacht in den Trimmern und versuchen zu löschen.
Viele werden dabei sehr stark verstreilt.
Als am 26. April die Sonne aufgeht, wird langsam klar, was für ein gigantisches Desaster hier passiert ist.
Die Ersthelfer entdecken voller Schrecken, dass manche der Steuerstäbe im Freien liegen.
Sie realisieren, was das heißen muss.
Der Reaktor steht vollkommen offen.
Als diese Erkenntnis endlich weitergeleitet wird, hört man Warnserien imprepiert.
Das ist die Stadt direkt neben Chernobyl.
Dazu ertönt eine Stimme.
Achtung, Achtung, die Stadt priviert wird evakuiert.
50.000 Einwohnern wird befallen, ihre Häuser zu verlassen.
Nur für drei Tage, bis die Situation wieder sicher ist.
1.200 Busse werden dafür eingesetzt.
Die Menschen nehmen nur das Nötigste mit.
Parallel dazu werden Liquidatoren nach Chernobyl geschickt.
Darunter sind Soldaten, Ingenieure, Wissenschaftler, Minenarbeiter, Freiwillige.
Sie werden Liquidatoren genannt, weil sie helfen sollen, die Strahlung zu liquidieren, also aufzulösen.
Innen wird nicht erzählt, wie gefährlich dieser Arbeit ist.
Die Feuer brennen mehrere Tage.
Die Liquidatoren helfen sie zu löschen, fliegen mit Helikoptern über den Reaktor, versuchen ihn mit Sand und Blei zuzuschütten und somit die Strahlung einzudämmen.
Außerdem müssen sie auf dem Dach liegen der radioaktive Trümmer beseitigen.
Diese wurden durch die Explosion dort hingeschleudert.
Hier ist die Strahlenbelastung so groß, dass sich die Helfer nur jeweils etwa 25 Sekunden dort aufhalten dürfen, bevor sie abgelöst werden müssen.
Das nächste große Problem ist das Grundwasser.
Manen befürchtet, dass der explodierte Reaktor in das Erdreich durchschmelzen könnte.
Das würde dazu führen, dass große Teile des Trinkwassers verseucht werden würden.
Bergleute graben daher ein Tunnelnetz unter das Atomkraftwerk.
Anschließend befüllen sie es mit Beton und sie schaffen es tatsächlich dadurch das Schlimmste zu verhindern.
Die Liquidatoren werden im Nachhinein als Helden gefeiert.
Sie haben Millionen von Menschen vor schlimmer Verstrahlung geschützt durch das Eindämmen der Katastrophe.
Viele von ihnen bezahlten dafür mit ihrem Leben.
Man geht heute davon aus, dass bis zu 25.000 Liquidatoren an den Folgen der Strahlung gestorben sind.
Ihr Einsatz ist bis heute unglaublich beeindruckend und tragegleichzeitig.
Einer davon war es sehr gay tak. Er überlebt.
Seine Frau Wilmer bringt in einem Interview wirklich sehr gut auf dem Punkt, wie so ihr Mann und so viele andere freiwillige damals den Mut aufbringen konnten, um die Bevölkerung zu retten.
Man sieht das doch nicht. Wenn man es sieht und hat man Angst, aber wenn er es nicht zieht, hat man keinen Angst.
Kapitel 4. Wie?
die über 20 Länder versäuft werden.
Was ich euch jetzt erzähle, wäre auch wieder in den heutigen Zeiten und denkbar.
Über solche Media hätte man sich ja sehr schnell von den beiden gewaltigen Explosionen erfahren.
Doch damals? Nichts.
Nachdem der Unfall in Reaktor 4 passiert ist, versucht die Sowjetunion zunächst alle Informationen
geheim zu halten.
Sie wollen Zeit gewinnen, um das Ganze wieder selbst in den Griff zu bekommen.
Und ja genau, das ist die Sowjetunion, die ihr schon aus der Folge rund um John F. Kennedy
kennt.
Und zunächst gelingt ihnen die Geheimhaltung auch.
Zwei Tage lang bekommt die Welt nicht mit, was in der Ukraine passiert ist, bis zu einer etwas
gruseligen Entdeckung und zwar mehr als 1000 Kilometer von Chernobyl entfernt.
In Schweden, dort werden auf einmal stark erhöhte Strahlenwerte gemessen.
Die schwedische Regierung ist sofort sehr beunruhigt.
Sie haben riesige Angst, dass ein Unfall passiert sein könnte, von dem sie nichts mitbekommen
haben.
Doch alle Prüfungen ergeben, mit ihren Atomkraftwerken, ist alles in Ordnung.
Schnell holen sie Wissenschaftler mit ins Boot.
Mit Theorologen sollen Windmuster und Wetterzyklin analysieren, denn die Strahlung muss aus der
Luft kommen.
Und so finden sie es heraus.
Der Wind kam aus der Ukraine.
Sie machen Druck auf die Sowjetunion, verlangen eine Erklärung.
Und die Sowjets geben nach.
Am 28. April 1986, zwei Tage nach dem Unfall, berichten sie endlich darüber.
Ein kurzes offizielles Schreiben, Chernobyl, Unfall, Reaktor beschädigt.
Ganz Europa gerät in Angst, Strahlenwerte werden in allen Ländern gemessen.
Und die Panik ist berechtigt, denn der Fall outkommt.
So nennt man den Radioaktiv verseuchten Regen nach einer solchen Katastrophe.
Überall in Europa werden erhöhte Werte gemessen.
Von Schweden und Norwegen über Großbritannien, Deutschland, Österreich, Schweiz bis runter nach Portugal,
Spanien und Italien.
Meine Mama ist damals 23 Jahre alt.
Sie bekommen über das Fernsehen mit, was passiert ist.
Und auch da wird vor dem Regen gewarnt.
Sie schilde das Ganze so.
Ich weiß nur noch, dass wir dann als die ersten Tropfung kamen, einfach nur gerannt sind, in die nächste Kneipe.
Wir hatten schon echt Schiss.
Fragt auch unbedingt eure Eltern mal, wie sie das erlebt haben.
Ich fand's krass spannend und auch bei Ängstigen das zu hören.
Auch was Lebensmittel angeht, gibt es damals harte Anpassungen.
Wir haben ja empfohlen, die Kühe, die nächsten Tage nicht auf die Weide zu schicken.
Frische Milch, Käse, Butter und Fleisch werden vom Markt genommen.
Man hat Angst, dass Tiere radioaktiv versäuchtes Gras von der Weide gefressen haben könnten.
Auch Obes und Gemüse, das unter freim Himmel geerntet wurde, kommt nicht mehr in den Verkauf.
Waldböden sind ebenfalls besonders betroffen.
Pilze und Wilde-Bern werden in vielen Ländern über Jahre hinweg als besonders Risiko behaftet eingestuft.
Kapitel 5.
Der Sarko-Fark und das Leben danach.
Dieses Geräusch hört man damals sehr, sehr viel und auch heute immer noch rund um Chernobyl.
Vor allem von Touristen, ja, richtig gehört.
Jährlich besuchen etwa 70.000 Menschen die Sperrzone.
Damals veröffentlicht HBO eine extrem gute Serie über den Atomunfall.
Seitdem strömen die Menschen in die Ukraine, bewaffnet mit einem Geigerzähler.
Dieser kann mit dem Geräusch die aktuelle Strahlenbelastung darstellen.
Das Prinzip ist simpel, wenige Piepser gleich geringe Belastung.
Viele Piepser gleich hier besser nicht so lange bleiben, weil sehr hohe Strahlung.
Insbesondere rund um den Sarko-Fark müssen die Menschen sehr vorsichtig sein.
Hier darf man sich wegen der hohen Werten nur sehr, sehr kurz aufhalten.
Den Begriff kennt ihr vielleicht aus dem alten Ägypten.
Der Pfarrer-O-Tut-Entschamun wurde zum Beispiel in einem solchen Sarko-Fark begraben.
Genauso wie Reaktor 4.
Um ihn herum wurde eine gigantische Stahlhülle gebaut.
2016 wurde der Sarko-Fark noch mal erneuert.
So soll jegliche Strahlung begraben werden.
Schaut euch dazu unbedingt mal Bilder im Internet an, irgendwie auch furchtendflüssend.
Und erinnert ihr euch noch an die Bewohner der Stadt Pripyat?
Die nur für drei Tage ihre Häuser verlassen und dann zurückkommen sollten?
Sie kamen nie zurück.
Ihre Wohnung liegen in der Spärzone.
Hierzu sein es immer noch gefährlich.
Und das würde es auch noch tausende Jahre bleiben.
Es dauert ewig, bis sich Atom mitzusetzen.
Plutonium zum Beispiel hat eine Halbwärtszeit von 24.000 Jahren.
So lange dauert es also, bis sich die Hälfte davon aufgelöst hat.
Pripyat wurde also zur Geisterstadt.
Im restlichen Europa hat sich die Strahlung normalisiert.
In Gebieten, die stärker von der Wolke und dem Regen getroffen wurden,
sind die Werte immer noch leicht erhöht.
Zum Beispiel in Teilen von Bayern und Österreich.
Aber es ist nicht mehr Gesundheitsgefährdend.
Doch die Auswirkungen sieht man noch heute, zum Beispiel auch in Norwegen oder Schweden.
Es gibt Berichte über älche und rentiere mit Genveränderten Geweinen.
Mutation.
Zurückgeführt wird das Ganze darauf, dass sich die Tiere vor allem von Moose ernährt haben.
Und darin bleibt die Strahlung besonders lange bestehen.
Zum Abschluss eine kleine Preisfrage an euch.
Was denkt ihr, wie viele Atomkraftwerke sind noch aktiv in Europa?
Oder sind es auch vielleicht gar keine mehr?
Ich gebe euch fünf Sekunden.
Überlegt euch einen Zahl und schreibt sie nachher auch gerne mal in die Kommentare.
Also zur Auflösung.
3, 2, 1.
In ganz Europa sind aktuell noch 100 Atomkraftwerke aktiv.
Das ist eine Zahl, die mich in der Recherche wirklich überrascht hat.
Nach den schweren Katastrophen von Chernobyl und Fukushima dachte ich, dass es weit aus weniger sind.
Deutschland hat in diesem Sinne vorgelegt.
Letztes Jahr wurden die letzten drei Kernkraftwerke stillgelegt.
Wir haben also keine mehr.
In anderen Ländern sieht es da ziemlich anders aus.
Frankreich zum Beispiel bezieht ungefähr 75 Prozent ihres gesamten Stroms aus Atomkraft.
Dort stehen 18 Kernkraftwerke mit insgesamt 56 Reaktoren.
Direkt vor unserer Haustür quasi.
Heftig, oder?
Nach den USA sind die Franzosen damit weltweit der zweitgrößte Betreiber von Kernkraft.
Diese Form der Energiegewinnung hat auch ihre Vorteile, sie ist extrem effizient und schnell.
Es gibt aber neben der Unfallgefahr noch ein weiteres großes Problem.
Es entstehen unmengen an Atommüll.
Und den kann man jetzt nicht einfach an die Straße stellen und die Müllabfuhr kommt und vernichtet ihn.
Brennelemente, Steuerstäbe, alles aus den Kernreaktoren muss über Jahrzehnte, abgeschirmt und dicht verschlossen gelagert werden.
Und das ganze tief unter der Erde, weil von manchen geht über 100.000 Jahre noch strahlend Gefahr aus.
Auch wie in Deutschland haben noch ohne Ende Müll unter der Erde.
Er liegt in unterirdischen Mien, vor allem in Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Bayern und Schleswig-Holstein.
Dort strahlte er vor sich hin, in sogenannten Kastor-Behältern.
Die Menschheit ist also aktuell sicher davor, hoffen wir, dass das für immer so bleibt.
Das war Folge 4.
Echt heftig, was damals passiert ist.
Als ich das erste Mal das genauer Jahr des Unfalls gehört habe, dachte ich krass 1986.
Das ist ja nur so 20 Jahre her, dann ist mir aufgefallen.
Nee, das sind fast 40 Jahre.
Verrückt und noch verrückt er ist für mich, dass Deutschland letztes Jahr erst alle Atomkraftwerke abgestaltet hat.
Füllt sich irgendwie aber gut an.
Und jetzt versteht ihr vielleicht, warum so viele gegen die Atomkraft sind.
Danke also für diesen Vorschlag, die Recherche war so krass spannend, ich selbst habe so unglaublich viel noch gelernt.
Und generell liebe ich einfach eure Nachrichten und Kommentare.
Genau deshalb habe ich mir für die nächste Folge wieder etwas Besonderes überlegt.
Ab jetzt werde ich immer eine von euren Nachrichten mit ans Ende der Folge nehmen, damit auch ihr Platz in diesem Podcast findet.
Was ihr schickt, kann alles sein.
Feedback, ne Frage zum Podcast, ne Frage zu anderen Themen, ne Sprachnachricht, egal was.
Schickt es mir als Nachricht auf Insta, wissen wir Johnny oder kommentiert einfach die Folge.
Ich freue mich drauf.
Wir hören uns also wieder nächsten Sonntag um 2021 und 59, bis dahin verbleibe ich mit viel Liebe und für weniger wissen, entfolgt mir.
Podcast Summary
Key Points:
Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 2
April 1986 im Reaktor 4 des Atomkraftwerks in der Ukraine.
Ein geplanter Sicherheitstest geriet außer Kontrolle, weil die Leistung des Reaktors durch eine Xenonvergiftung zu stark abfiel und das Personal gegen alle Protokolle handelte.
Die Explosion setzte große Mengen Radioaktivität frei; die Sowjetunion versuchte, den Vorfall zunächst geheim zu halten, bis Schweden erhöhte Strahlenwerte maß.
Liquidatoren – Soldaten, Ingenieure und Freiwillige – riskierten ihr Leben, um die Katastrophe einzudämmen; viele starben an den Folgen.
Die Stadt Prypjat wurde evakuiert, aber die Bewohner kehrten nie zurück; die Sperrzone ist bis heute gefährlich.
Radioaktiver Niederschlag verseuchte über 20 Länder in Europa, was zu Lebensmittelbeschränkungen und langfristigen Gesundheitsrisiken führte.
Heute ist der Reaktor mit einem Sarkophag umhüllt, aber die Strahlung bleibt ein Problem; Europa hat noch 100 aktive Atomkraftwerke, während Deutschland alle abgeschaltet hat.
Summary:
Die Folge beschreibt die schlimmste Atomkatastrophe der Menschheitsgeschichte: den Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl 1986. Zunächst erklärt sie, wie Atomkraftwerke funktionieren – durch Kernspaltung von Uran oder Plutonium, die Hitze erzeugt, Wasser zu Dampf macht und Turbinen antreibt. Steuerstäbe regulieren die Leistung, indem sie den Spaltungsprozess bremsen.
In der Unglücksnacht sollte ein Sicherheitstest durchgeführt werden, doch eine Xenonvergiftung ließ die Leistung drastisch sinken. Das Personal zog zu viele Steuerstäbe heraus und startete den Test trotz Warnungen – der Reaktor explodierte. Die Feuerwehrleute und Liquidatoren, die zur Eindämmung eingesetzt wurden, wussten oft nicht, wie gefährlich die Strahlung war; viele starben später.
Die Sowjetunion hielt den Vorfall geheim, bis Schweden erhöhte Werte meldete. Radioaktiver Regen verseuchte weite Teile Europas, wodurch Lebensmittel wie Milch und Gemüse vom Markt genommen wurden. Die Stadt Prypjat wurde evakuiert, aber nie wieder bewohnbar.
Heute ist der Reaktor mit einem Sarkophag umhüllt, und die Sperrzone ist ein Touristenziel. Europa betreibt noch 100 Atomkraftwerke, doch Deutschland hat seine letzten Reaktoren abgeschaltet. Der Atommüll bleibt jedoch über Jahrtausende gefährlich.
FAQs
Ein Sicherheitstest am Reaktor 4 lief außer Kontrolle, weil das Personal die Leistung zu stark reduzierte und dann viele Steuerstäbe gleichzeitig herauszog, was zu einer unkontrollierten Kettenreaktion und Explosion führte.
In einem Reaktor wird Uran oder Plutonium gespalten, wodurch enorme Hitze entsteht. Diese erhitzt Wasser zu Dampf, der eine Turbine antreibt, die mit einem Generator verbunden ist und Strom erzeugt.
Steuerstäbe werden in den Reaktorkern geschoben, um die Kernspaltung zu verlangsamen oder zu stoppen. Wenn sie komplett eingefahren sind, wird der Reaktor abgeschaltet.
Nach der Explosion wurde die Stadt wegen der hohen Strahlung evakuiert, aber die Bewohner dachten, sie kehren nach drei Tagen zurück. Sie kamen nie zurück, da die Strahlung gefährlich blieb.
Liquidatoren waren Soldaten, Ingenieure und Freiwillige, die halfen, die Strahlung einzudämmen. Sie löschten Brände, bedeckten den Reaktor mit Sand und Blei und entfernten radioaktive Trümmer, oft mit großer Gefahr für ihr Leben.
Die Sowjetunion hielt die Informationen zwei Tage lang geheim, bis erhöhte Strahlenwerte in Schweden gemessen wurden. Erst nach internationalem Druck gaben sie den Unfall am 28. April 1986 zu.
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